Geistig fit bis ins hohe Alter: Die Wissenschaft zeigt, wie ein Nährstoff die Gehirnstruktur schützen kann. - Foto: Xavier Lorenzo/ iStock
Vitamin C hat sich seinen Ruf als Mittel zur Stärkung des Immunsystems erworben. Doch Wissenschaftler stellen zunehmend fest, dass eine seiner wichtigsten Funktionen möglicherweise im Schutz des alternden Gehirns liegt.
Diese Möglichkeit wurde durch eine aktuelle Studie mit mehr als 2.000 älteren japanischen Erwachsenen festgestellt. Die Forscher fanden heraus, dass Teilnehmer mit niedrigeren Vitamin-C-Spiegeln im Blut über weniger graue Substanz verfügten und die Kommunikation innerhalb eines der ersten bei der Alzheimer-Krankheit betroffenen Hirnnetzwerke schwächer war.
Warum Vitamin C für das Gehirn wichtig sein könnte
Vitamin C kann viel mehr als nur das Immunsystem stärken: Es ist ein echter Schutzschild für unser Gehirn. Als Antioxidans fängt es schädliche Stoffe (freie Radikale) ab, die das Gehirn mit den Jahren altern lassen. Gleichzeitig hilft es bei der Herstellung von Botenstoffen, mit denen Gehirnzellen untereinander Informationen austauschen.
Der Mensch kann Vitamin C nicht selbst produzieren und muss es vollständig über die Ernährung aufnehmen. Reichhaltige Quellen sind Zitrusfrüchte, Beeren und grünes Blattgemüse.
Die empfohlene Tagesdosis beträgt für die meisten erwachsenen Frauen 95 mg und für die meisten erwachsenen Männer 110 mg. Während einige Forscher vermuten, dass eine höhere Zufuhr zusätzliche Vorteile bieten könnte, ist die optimale Zufuhr für die langfristige Gesundheit des Gehirns noch nicht ermittelt worden.
Bisherige Forschung
Die neuen Erkenntnisse ergänzen eine wachsende Zahl von Belegen, die einen Zusammenhang zwischen einem gesunden Vitamin-C-Status und einer besseren kognitiven Gesundheit herstellen.
Eine niederländischeStudie aus dem Jahr 2002 begleitete 5.395 Personen über sechs Jahre hinweg und stellte fest, dass eine hohe Zufuhr von Vitamin C und E mit einem um 18 Prozent geringeren Risiko für Alzheimer verbunden war.
AndereStudien haben ergeben, dass selbst Vitamin-C-Spiegel, die zu niedrig sind, um klassische Mangelerscheinungen hervorzurufen, bei älteren Erwachsenen mit einem schlechteren Gedächtnis und einer langsameren Informationsverarbeitung in Verbindung gebracht wurden.
EineÜbersichtsarbeit aus dem Jahr 2022, in der 12 Studien ausgewertet wurden, ergab ebenfalls, dass Menschen mit Alzheimer durchweg signifikant niedrigere Vitamin-C-Spiegel im Blut aufwiesen als kognitiv gesunde Erwachsene, was darauf hindeutet, dass der Nährstoff eine Rolle beim Krankheitsverlauf spielen könnte.
Ältere Erwachsene sind möglicherweise einem höheren Risiko für niedrige Vitamin-C-Spiegel ausgesetzt, was auf verminderten Appetit, eine weniger abwechslungsreiche Ernährung sowie altersbedingte Veränderungen der Verdauung und Aufnahme zurückzuführen ist, sagte Jen Scheinman, eine in New York ansässige staatlich geprüfte Ernährungsberaterin, gegenüber der Epoch Times.
Chronische Erkrankungen, Entzündungen und bestimmte Medikamente können den Vitamin-C-Bedarf des Körpers zusätzlich erhöhen.
Vitamin C ist nur ein Teil des Puzzles
Die Forscher weisen darauf hin, dass die Studie nicht beweist, dass Vitamin C das Gehirn direkt schützt. Ein Grund dafür ist, dass Menschen mit höheren Vitamin-C-Spiegeln oft insgesamt einen gesünderen Lebensstil pflegen.
Vitamin C sollte als Teil eines umfassenden Ernährungsmusters betrachtet werden, wie beispielsweise der Mittelmeerdiät oder der MIND-Diät (Mediterranean-DASH Intervention for Neurodegenerative Delay), so Dr. Thomas Holland, klinischer Forscher, der sich mit kognitivem Altern befasst und nicht an der Studie beteiligt war.
„Kein einzelnes Lebensmittel und kein einzelnes Vitamin kann Demenz verhindern“, sagte Holland. „Aber eine konsequent nährstoffreiche Ernährung, einschließlich reichlich vitamin-C-reicher Obst- und Gemüsesorten, kann langfristig dazu beitragen, die kognitiven Funktionen zu erhalten.“
Der Fischbrunnen vor dem Münchener Rathaus bleibt im Rahmen der Allgemeinverfügung zum Wassersparen bis auf weiteres trocken. - Foto: Bavaro/iStock
In Kürze:
In München gilt seit 15. Juli eine befristete Allgemeinverfügung zum Wassersparen unter Androhung hoher Bußgelder.
Zwischen 9 und 19Uhr gelten unter anderem Verbote für Poolbefüllung, Gartenbewässerung und private Wasserspiele.
Die öffentliche Begründung spiegelt gerade diese zeitliche Einschränkung nicht wider, doch die Ursache liegt anscheinend woanders:
Während der Untergrund ausreichend Wasser liefert, wurden die städtischen Wasserspeicher in den letzten Jahrzehnten nicht angemessen ausgebaut
Die Einschränkungen dienen nicht zum Schutz angeblich knappen Grundwassers, sondern der veralteten Infrastruktur.
Private Springbrunnen, Wasserspiele und Bewässerungsanlagen dürfen in München seit Mitte Juli tagsüber nicht mehr betrieben werden; Autos und Terrassen, Wände oder Dächer nicht mehr gewaschen werden; Badebecken und Regentonnen nicht befüllt und selbst Gärten dürfen – im Zeitraum von 9 bis 19 Uhr – nicht aus dem öffentlichen Versorgungsnetz bewässert werden.
Als Begründung verweist die bayerische Landeshauptstadt auf eine drohende Wasserknappheit infolge der anhaltenden Trockenheit. Bei wiederholten Verstößen drohen Strafen von bis zu 50.000 Euro. Angesichts der zeitlichen Einschränkungen, erscheinen die Maßnahmen seltsam, denn wer bis 8:59 Uhr Pool und Regentonnen gefüllt hat, kann darin anschließend ungestraft planschen oder daraus den Garten bewässern.
Die von Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) erlassene Allgemeinverfügung zur Einschränkung der Wasserentnahme selbst liefert keine ausführliche Begründung. Diese kann lediglich beim Referat für Klima- und Umweltschutz eingesehen oder angefordert werden. Auch das stellt einen eher unüblichen Vorgang dar.
Nach Medienberichten aber begründet die Stadt den Schritt mit der Trockenheit nach der jüngsten Hitzewelle sowie einem deutlichen Anstieg des Wasserverbrauchs. Der Oberbürgermeister erklärte hierzu:
„Nach einem außergewöhnlich trockenen Winter und Frühling sind die vorhandenen Ressourcen der Wasserversorgung Münchens derzeit äußerst strapaziert.“
Weiter sagte Krause:
„Ich bitte alle Münchnerinnen und Münchner, sich an die Regeln zu halten, damit sich die Grundwasserpegel erholen. Wasser ist unser kostbarstes Lebensmittel, lassen Sie uns damit sorgsam umgehen.“
Wie ist die tatsächliche Versorgungslage?
Nach Angaben der Stadtwerke München stammen rund 75 Prozent des Trinkwassers aus dem Mangfalltal, 15 Prozent aus dem Loisachtal und etwa 10 Prozent als Reserve aus der Münchner Schotterebene. Da drei Viertel der Versorgung aus dem Mangfalltal stammen, kommt der Entwicklung des dortigen Grundwasserstandes besondere Bedeutung zu.
Die veröffentlichten Messdaten des Bayerischen Landesamtes für Umwelt zeigen jedoch, dass sich der Grundwasserstand derzeit im Bereich des langjährigen Mittels bewegt. Aus den Grundwasserständen allein lässt sich daher kein akuter Wassernotstand ableiten.
Ein Blick auf die Versorgungsstruktur liefert eine mögliche Erklärung: Aus dem Mangfalltal werden laut den Stadtwerken München rund 2.800 Liter Wasser pro Sekunde – etwa 10.000 m³ pro Stunde – über ein Gefälle von rund 100 Höhenmetern nach München geleitet. Die Förderkapazität einer solchen Leitung ist aufgrund hydraulischer Randbedingungen und der Rohrreibungsverluste begrenzt.
Auf Grundlage der von den Stadtwerken veröffentlichten Versorgungsanteile ergibt sich auf Basis der oben genannten Menge eine tägliche Förderung von etwa:
rund 250.000 m³ aus dem Mangfalltal,
etwa 50.000 m³ aus dem Loisachtal,
rund 32.000 m³ aus der Münchner Schotterebene.
Insgesamt stehen damit ungefähr 332.000 m³ Trinkwasser pro Tag zur Verfügung. Dieses Wasser gelangt zunächst in Hochbehälter und nicht unmittelbar zu den Verbrauchern.
Die Bedeutung der Hochbehälter
Nach Angaben der Stadtwerke München verfügen die drei zentralen Trinkwasserhochbehälter – Kreuzpullach, Deisenhofen und Forstenrieder Park – über ein gemeinsames Speichervolumen von rund 306.000 m³ beziehungsweise 306 Millionen Litern. Dieses Volumen entspricht ungefähr dem durchschnittlichen Tagesverbrauch der Landeshauptstadt.
Ihre eigentliche Aufgabe besteht jedoch nicht in einer langfristigen Bevorratung, sondern im Ausgleich täglicher Verbrauchsschwankungen. Während der Verbrauch in den Morgen- und Nachmittagsstunden besonders hoch ist, werden die Speicher nachts wieder aufgefüllt.
Wo entsteht der Engpass?
Bei einem üblichen Tagesverbrauch von etwa 300.000 bis 350.000 m³ reicht die verfügbare Förderleistung für eine sichere Versorgung aus. Während der jüngsten Sommertage stieg der Wasserverbrauch nach Angaben der Stadt jedoch zeitweise auf über 400.000 m³ pro Tag. Damit entstand rechnerisch ein tägliches Defizit von rund 50.000 m³.
Unter der Annahme eines dauerhaft derart hohen Verbrauchs, würden die Hochbehälter kontinuierlich entleert. Das vorhandene Speichervolumen wäre dann nach wenigen Tagen weitgehend aufgebraucht. Rechnerisch wäre nach etwa sechs Tagen mit erheblichen Versorgungsproblemen zu rechnen.
Vor diesem Hintergrund erscheint die Allgemeinverfügung – einschließlich ihrer zeitlichen Ausprägung – als kurzfristige Maßnahme zur Stabilisierung der Versorgung grundsätzlich nachvollziehbar. Ob die öffentliche Begründung mit einer allgemeinen Wasserknappheit die eigentliche Ursache des Problems vollständig und richtig beschreibt, erscheint dagegen diskussionswürdig.
Wurde die Infrastruktur ausreichend ausgebaut?
Eine mögliche Erklärung liegt in der langfristigen Entwicklung Münchens: Die Einwohnerzahl der Landeshauptstadt ist in den vergangenen 20 Jahren um rund 25 Prozent gewachsen. Gleichzeitig wurden laut im Internet verfügbaren Informationen weder die Speicherkapazitäten der Hochbehälter in vergleichbarem Umfang erweitert, noch die Wassergewinnung entsprechend ausgebaut.
Dass die Versorgung dennoch über viele Jahre funktionierte, dürfte vor allem auf einen sparsameren Wasserverbrauch und effizientere Nutzung zurückzuführen sein. Diese Einsparungen konnten den steigenden Bedarf bislang weitgehend kompensieren.
Die außergewöhnlich hohen Verbrauchsspitzen während der jüngsten Hitzeperiode scheinen dieses System jedoch an seine Leistungsgrenze gebracht zu haben.
Ein weiteres Risiko
Hinzu kommt ein strukturelles Risiko: Rund 75 Prozent des Münchner Trinkwassers stammen aus einem einzigen Gewinnungsgebiet.
Sollte dieses Gebiet durch technische Störungen, Verunreinigungen oder außergewöhnliche Naturereignisse beeinträchtigt werden oder gleichzeitig eine der beiden übrigen Versorgungsquellen ausfallen, könnte die Versorgung der Landeshauptstadt erheblich erschwert werden.
Gerade vor dem Hintergrund einer wachsenden Bevölkerung stellt sich daher die Frage, ob die Trinkwasserinfrastruktur Münchens ausreichend resilient und redundant an heutige und an die zukünftigen Anforderungen angepasst ist.
Ein neugeborenes Mädchen.(Symbolbild) - Foto: bb-doll/iStock
Jens Spahn und sein Ehemann sind durch eine Leihmutterschaft in den USA Eltern geworden. Dies löste in Deutschland eine Kontroverse über das Thema Leihmutterschaft aus. Hierzulande ist sie verboten.
Darüber, was kontrovers diskutiert wird und welche ethischen und rechtlichen Fragen damit verbunden sind, haben wir mit Cornelia Kaminski, der Bundesvorsitzenden der Aktion Lebensrecht für alle, gesprochen. Das vollständige Interview kann bei Epoch Times angesehen werden.
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Frau Kaminski, die Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten, auch die Vermittlung. Wie ist es dann für Deutsche trotzdem rechtlich möglich, sich sozusagen ein Kind aus dem Ausland zu holen?
Der deutsche Staat handelt hier im Interesse der Kinder. Das ist zumindest die Argumentation. Sie sagen, jetzt ist das Kind ja einmal da, und jetzt hat es natürlich auch ein Recht darauf, bei seinen Eltern leben zu dürfen. Die Eltern sind diejenigen, die in der Geburtsurkunde eingetragen werden – nicht die Mutter, die das Kind ausgetragen hat. Die Adoption wird rechtlich durchgezogen, wobei das Verfahren selbst natürlich illegal bleibt.
Gibt es Länder, in denen besonders viele Ersatzmutterschaften stattfinden?
Es gibt natürlich Länder, die hervorstechen. Das sind die, in denen das entweder gar nicht geregelt ist, wo also Agenturen freie Bahn haben, oder die, in denen es geregelt und teuer ist, man dann als Kunde aber eben auf „Qualität“ setzen kann.
Es sind im ersten Fall hauptsächlich arme Länder sowie der afrikanische Kontinent, der als neuer Kontinent für Leihmutterschaftsagenturen entdeckt wurde, aber auch hier in Europa, ganz besonders Länder wie die Ukraine, Georgien oder Belarus, weil eben die Armut und die Not groß sind.
Sie haben mehrere ehemals postsowjetische Länder aufgezählt: Georgien, Ukraine, Belarus. Wieso gerade dort?
Wenn man marxistische Länder betrachtet, dann wissen wir, dass die Aufteilung der Frau in Mutter und Arbeitsbiene eigentlich Tradition hat. Nach marxistischem Prinzip kann eine Mutter zwar ein Kind gebären, doch die Erziehung wird dann outgesourct.
Die enge Bindung, die wir im Westen traditionell zwischen der Mutter und ihrem Kind sehen, auch im Christentum, und das Wissen darum, dass in den ersten drei Lebensjahren die Mutter für ein geborgenes Heranwachsen ihres kleinen Kindes essenziell ist, haben in sozialistischen Ländern nie eine große Rolle gespielt. Da galt: Möglichst schnell muss die Frau dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung stehen.
Cornelia Kaminski, Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für alle.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e. V.
Die Familie darf genau genommen keine Erziehungsfunktion übernehmen. Das ist die Aufgabe des Staates, weil man natürlich auch so früh wie möglich Zugriff auf die Kinder haben möchte, um sie zu sozialistischen Bürgern zu erziehen.
Laut verschiedenen Berichten greifen besonders oft Chinesen auf eine Leihmutterschaft in den USA zurück. Dort soll es mehr als 100 von Chinesen geführte Vermittlungsagenturen geben. Was sind die Hintergründe?
Ja, das ist richtig. Da gibt es auch drastische Einzelfälle wie den eines chinesischen Milliardärs. Mittlerweile spricht man von 300 Kindern, die er sich per Leihmutterschaft in den USA hat produzieren lassen. Geld spielt da keine Rolle. In China selbst ist Leihmutterschaft verboten, wird auch mit hohen Strafen belegt. Daher nehmen das reiche Chinesen gern im Ausland in Anspruch.
In den USA gibt es eine verhältnismäßig große Sicherheit, sowohl bei der gesundheitlichen Versorgung als auch auf der rechtlichen Seite. Zudem hat ein in den USA geborenes Kind automatisch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Das ist für Chinesen ein Riesenvorteil.
Man darf nicht vergessen, dass es einfach ein riesiges Geschäftsmodell ist. Der Leihmutterschaftsmarkt bewegt sich im Bereich von Milliarden – mit aktuellen Wachstumsraten von bis zu 25 Prozent. Das heißt, da steckt irrsinnig viel Geld drin, mehr als in vielen anderen Wirtschaftszweigen.
Allen voran profitiert davon die Pharmaindustrie, weil dieser ganze Bereich ohne Medikamente nicht denkbar ist – Hormongaben, Synchronisation von Zyklen und so weiter. Es profitieren Rechtsanwaltskanzleien und Agenturen. Wer Geld hat und da investiert, hat gute Chancen, dass sich sein Geld vermehrt.
„Aus der Adoptionsforschung ist bekannt, was es mit Kindern macht, wenn sie einen Elternteil verlieren. Gerade der Verlust der Mutter führt zu Angststörungen, zu Bindungsunfähigkeit, zu einer Neigung zu Depressionen“, sagt Cornelia Kaminski. (Symbolbild).
Foto: Irina Gutyryak/iStock
Welche Kosten entstehen den Wunscheltern durch eine Leihmutterschaft?
Es kommt darauf an, in welchem Land man die Leihmutter anheuert und wie man verhandelt. In der Ukraine gibt es das schon für 50.000 bis 60.000 Euro. Die USA sind deutlich teurer. Da sind ganz schnell 180.000 bis 200.000 Euro fällig.
Diejenigen, die nicht so viel Geld haben, treten dann mit den Agenturen in Verhandlungen, und die Agenturen sind ihnen unter Umständen dabei behilflich, den Preis zu drücken – beim schwächsten Glied der Kette, der Leihmutter.
Sie haben schon über die Gesetzgeber gesprochen und darüber, dass diese jetzt aus Ihrer Sicht gefordert sind, nachzusteuern. Gibt es schon erste Entwürfe?
Es gibt nichts. Das ist der Eindruck, den ich habe. Meine ganz große Sorge ist, dass zwei prominente CDU-Politiker mit ihrem öffentlichen Bekenntnis und diesem Vorpreschen den Weg bahnen wollen für die Legalisierung der Leihmutterschaft auch in Deutschland.
Wir haben Anfang des Jahres einen großen internationalen Kongress zur Leihmutterschaft in Berlin organisiert. Wir hatten die UN-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen eingeladen. Wir hatten auch Olivia Morel da, die Sprecherin der Deklaration von Casablanca.
Ich habe alle CDU/CSU-Abgeordneten des Bundestages eingeladen, weil sie in der Regierungsverantwortung sind und auf ihrem Parteitag gerade noch einmal die Ablehnung der Leihmutterschaft beschlossen hatten. Es kam keiner von ihnen.
Von einer christlichen Partei – und das ist die CDU ja ihrem Anspruch nach immer noch – erwarte ich, dass sie hier wirklich mal mit der Faust auf den Tisch schlägt und sagt: Bis hierhin und nicht weiter.
Das ist auch das, was ihre Wählerschaft erwartet. Sie glauben nicht, wie oft ich in den vergangenen zwei Tagen den Satz „Ich trete aus der CDU aus“ oder „Die wähle ich nie wieder“ gehört habe.
Sie haben Italien als Beispiel genannt, wo dazu die Gesetze verschärft wurden. Die EU sieht Leihmutterschaft als Ausbeutung und Straftat im Zusammenhang mit Menschenhandel sowie als schweres Vergehen im Umfeld organisierter Kriminalität. Auch die UN verurteilen Leihmutterschaft als Frauenausbeutung und Kinderhandel.
Für diese Stellungnahmen sowohl der Vereinten Nationen als auch der Europäischen Union bin ich sehr dankbar. Ich bin dem Papst sehr dankbar, der Anfang des Jahres vor dem diplomatischen Korps Leihmutterschaft noch einmal ganz deutlich verurteilt hat. Aber wir haben es hier mit einer ausgesprochen finanzstarken, sehr mächtigen Lobby zu tun.
Diese Lobby spielt mit dem Grundbedürfnis des Menschen nach Fortpflanzung. Der Wunsch des Menschen, Kinder zu haben und sich selbst darin eine Zukunft zu geben, ist zutiefst legitim und nachvollziehbar.
Ich glaube, das Wichtigste ist: Die Mutter trägt dieses Kind neun Monate lang unter ihrem Herzen. Jede Frau, die schon mal schwanger war, weiß, dass das etwas mit ihr macht. Der ganze Körper der Frau ist darauf ausgerichtet, die Schwangerschaft zu erhalten und das Kind zu beschützen. Es gibt von Anfang an eine ganz enge Kommunikation zwischen Mutter und Kind.
Diese Frau muss sich nun aber neun Monate lang sagen: „Ich darf aber nichts für das Kind empfinden.“ Das heißt, sie muss die Versuche des Bindungsaufbaus des Babys aktiv zurückweisen und sagen: „Nein, nein, du bist ein Fremdkörper. Mit dir habe ich nichts zu tun. Ich gebe dich gleich nach der Geburt ab.“ Das ist für die Frauen unfassbar schwierig. Und für die Babys ist das eine Katastrophe.
Dann kommt dazu, dass gerade im Fall der Fremdeizelle – wenn also die Frau mit einer fremden Ei- und Samenzelle schwanger gemacht wird – sie ein erhebliches gesundheitliches Risiko hat. Diese doppelte Fremd-DNA führt zu Abstoßungsreaktionen.
Dazu kommen postpartale Depressionen, weil sie das Kind, das sie neun Monate lang mit ihrem ganzen Körper behütet haben, in fremde Hände abgeben müssen. Und es ist ganz schwer, gar keine Beziehung zu einem Kind zu haben, zu einem neugeborenen Baby. Da schießen auch im Moment der Geburt einfach die Hormone ein.
Und dann diese Ungewissheit: An wen gebe ich das jetzt ab? Sind das wirklich gute Eltern? Wie wird es dem Kind mal gehen?
Wir wissen seit vielen, vielen Jahren aus der Adoptionsforschung, was es mit Kindern macht, wenn sie einen Elternteil verlieren. Gerade der Verlust der Mutter führt zu Angststörungen, zu Bindungsunfähigkeit, zu einer Neigung zu Depressionen.
Ich finde es unglaublich. Wir wissen das alles durch die Forschung. Die Daten liegen da. Und wir wischen das beiseite und tun so, als sei eine Mutter ein verzichtbarer Bestandteil im Leben eines Kindes. Mir fehlen da die Worte.
Zwei fortschrittliche OpenAI-Agenten brechen in Sicherheitssysteme einer Tech-Firma ein.
OpenAI hatte für Tests die Sicherheitsbarrieren verringert.
Künstliche Intelligenz nutzte Schwachstellen systematisch aus.
Wachsende Besorgnis um Cybersicherheit.
US-Präsident Trump gibt Executiv Order heraus.
Das US-Unternehmen OpenAI hat mitgeteilt, dass seine autonomen KI-Modelle in die Server der KI-Plattform Hugging Face eingedrungen seien. Der Vorfall ereignete sich während einer Aufgabe zur Optimierung der Leistungsbewertung der Modelle. OpenAI spricht von einem „beispiellosen Cybervorfall“.
GPT-5.6 Sol und ein noch leistungsfähigeres Test-Modell
Der ChatGPT-Hersteller erklärte in einem Blogbeitrag vom 21. Juli, dass die Modelle – darunter sein neu veröffentlichtes Modell GPT-5.6 Sol und ein noch leistungsfähigeres Modell, das sich noch in internen Tests befindet – in die Infrastruktur der KI-Plattform Hugging Face illegal eingedrungen seien. Zuvor seien die KI-Modelle aus einer eingeschränkten Umgebung (Sandbox) ausgebrochen, in der eine Cybersicherheitsbewertung durchgeführt wurde. OpenAI erklärte:
„Das Modell suchte und fand erfolgreich Wege, um Zugang zu geheimen Informationen zu erlangen, die es nutzen konnte, um die Bewertung zu manipulieren.“
In einem Fall kombinierte das Modell mehrere Angriffsvektoren zu einem einzigen Cyberangriff, indem es gestohlene Zugangsdaten mit sogenannten Zero-Day-Schwachstellen (bislang unbekannte Schwachstellen) auf den Hugging Face-Servern verknüpfte, bevor es einen Pfad zur Remotecodeausführung ausnutzte, um unbefugt auf Daten zuzugreifen.
OpenAI: „beispielloser Cybervorfall“
„Wir betrachten diesen Vorfall als einen beispiellosen Cybervorfall, der modernste Cyberfähigkeiten beinhaltet, und reagieren entsprechend“, sagte OpenAI.
Das Unternehmen veröffentlichte seine vorläufigen Ergebnisse weniger als eine Woche, nachdem Hugging Face offengelegt hatte, dass ein autonomer KI-Agent in einen Teil seiner Produktionsinfrastruktur eingedrungen war.
„Dieser Fall unterschied sich in einer wichtigen Hinsicht von allem, was wir zuvor gehandhabt hatten: Er wurde von Anfang bis Ende durch ein autonomes KI-Agentensystem angetrieben“, erklärte Hugging Face in einem Blogbeitrag vom 16. Juli und fügte hinzu, dass man zunächst nicht gewusst habe, welches Modell hinter dem Sicherheitsvorfall stecke.
OpenAI gab an, die anormale Aktivität intern entdeckt zu haben, bevor man Kontakt mit Hugging Face aufgenommen habe. Dessen Sicherheitsteam hatte bereits das böswillige Verhalten des KI-Eindringlings erkannt und arbeitete daran, ihn einzudämmen.
„Wir arbeiten aktiv mit ihnen zusammen, um den Vorfall weiter zu untersuchen“, sagte OpenAI und erklärte, dass man dankbar sei „für die schnelle und enge Zusammenarbeit von Hugging Face bei der Untersuchung und Behebung“ des Problems.
Der Vorfall ereignete sich in einer Evaluationsumgebung mit Nutzung fortschrittlicher Ausnutzungstechniken (Exploitation-Techniken) durch die OpenAI-Agenten. Zwar handelten die Modelle autonom, aber man hatte es ihnen durch die absichtliche Deaktivierung von Schutzvorkehrungen leichtgemacht, ihre maximalen Fähigkeiten auszuspielen.
„Autonome, KI-gesteuerte offensive Werkzeuge sind nicht länger theoretisch“, sagte Hugging Face und fügte hinzu, die wichtigste Lehre aus dem Einbruch sei, dass die Verteidigung von Online-Plattformen nicht nur erhöhte Wachsamkeit erfordere, sondern auch „den Einsatz von KI in der Verteidigung, um Schritt zu halten“.
OpenAI erklärte, es habe mittlerweile strengere Kontrollen für seine Forschungsinfrastruktur festgelegt und die Schwachstellen behoben – selbst wenn diese Maßnahmen die Entwicklung der Modelle verlangsamen könnten.
Das Tech-Unternehmen legte Entwicklern gegenüber auch die Zero-Day-Schwachstelle offen, die seine Modelle bei dem Angriff ausgenutzt hatten. Zugleich verstärkte OpenAI die Cyberschutzmaßnahmen in seiner Testumgebung.
Der Vorfall verstärkt die Sorgen, dass zunehmend leistungsfähige KI-Systeme inländische Kriminelle und ausländische Gegner in die Lage versetzen könnten, komplexe Angriffe schneller und mit weniger menschlichem Fachwissen auszuführen.
Das amerikanische KI-Unternehmen Anthropic warnte in einer Bedrohungsanalyse vom August 2025 davor, dass „agentenbasierte“ KI-Systeme bereits als Waffe eingesetzt würden, etwa für Erpressung, Betrug, Ransomware („Erpressungstrojaner“) und den Diebstahl von Zugangsdaten.
In einem Fall gab Anthropic an, dass ein Hacker den Anthropic-Code-Assistenten „Claude“ für eine Beteiligung zur Infiltration genutzt hatte. Betroffen waren mindestens 17 Organisationen, darunter Krankenhäuser, Rettungsdienste und Regierungsbehörden. Die KI wurde für die digitale Spionage, die anschließende Netzwerkpenetration, die Analyse gestohlener Finanzinformationen und die Vorbereitung zielgerichteter Lösegeldforderungen missbraucht.
Michael Lopez Chiesa, ehemaliger Cyberspezialist der US-Armee nun heute als unabhängiger Berater tätig, erklärte gegenüber der englischsprachigen Epoch Times, dass die Fähigkeit der KI, Aufgaben zu automatisieren, sie bei der Verfolgung eines zugewiesenen Ziels unerbittlich machen könne.
„Mit KI muss man nur noch diese eine Zeile Code schreiben, und sie kann sie millionenfach in Milliarden verschiedener Varianten ausprobieren, weil sie einfach jede Möglichkeit durchgeht“, erklärte Lopez Chiesa. „Man muss selbst überhaupt nicht mehr eingreifen. Man gibt ihr lediglich das Ziel vor, und sie arbeitet so lange daran, bis sie aufgibt.“
Erpressung zum Selbstschutz?
Die Bedenken gehen jedoch weit über den vorsätzlichen kriminellen Missbrauch hinaus und betreffen auch die Art und Weise, wie KI-Systeme agieren. Im Mai 2025 wurde in simulierten Tests offengelegt, dass die Anthropic-KI „Claude Opus 4“ damit gedroht hatte, die außereheliche Affäre eines Ingenieurs offenzulegen, als ihm gesagt wurde, es würde abgeschaltet und durch ein anderes Modell ersetzt.
Anthropic beteuerte zu dieser Zeit, dass das Verhalten nur unter stark konstruierten Testbedingungen aufgetaucht sei. Man erklärte, man habe keine Beweise dafür gefunden, dass das Modell akut gefährliche Ziele verfolge.
Unterdessen hat die Trump-Regierung mehrere Schritte unternommen, um den Risiken für die nationale Sicherheit zu begegnen, die von fortgeschrittener KI ausgehen. Gleichzeitig weitet die Regierung jedoch auch den Einsatz von KI in der Cyberabwehr aus.
US-Präsident Donald Trump unterzeichnete im Juni eine Executive Order, die es den Bundesbehörden angesichts solcher Risiken ermöglicht, die fortschrittlichsten KI-Systeme bis zu einen Monat lang zu überprüfen, bevor diese öffentlich freigegeben werden.
„Fortgeschrittene KI-Fähigkeiten machen unsere Nation stärker, bringen aber auch neue Überlegungen zur nationalen Sicherheit ein, die ein koordiniertes Vorgehen über Exekutivabteilungen und -behörden hinweg erfordern“, schrieb Trump in der Verordnung.
Die Teilnahme von KI-Entwicklern an dem Überwachungsprogramm soll freiwillig sein.
Geschichtete Perowskitsolarzellen versprechen leichtere, kompaktere und günstigere Solarzellen.
Durch die Schichtung mehrerer Zellen übereinander steigt der Wirkungsgrad um 50 bis 100 Prozent gegenüber einfachen Siliziumzellen.
Großer Nachteil sind Stabilität und Haltbarkeit des Materials, woran noch geforscht wird.
Eine erste Auslieferung der neuartigen Solarmodule hat ein deutsches Solarunternehmen bereits getätigt.
Der Solar-Boom setzt sich sowohl in Deutschland als auch in anderen Ländern weiter fort. Silizium ist hierbei das dominierende Material, das das Sonnenlicht in elektrischen Strom umwandeln kann.
Doch das Element könnte schon bald Konkurrenz bekommen und sogar abgelöst werden. Denn bei der Suche nach immer höheren Wirkungsgraden stehen Forscher mit Perowskitsolarzellen vor einer der vielversprechendsten Effizienzsteigerungen in der Photovoltaik.
Was ist Perowskit?
Perowskit ist ein natürliches Mineral. Chemisch gesehen handelt es sich um ein Calcium-Titan-Oxid beziehungsweise Calciumtitanat. Dieses Mineral selbst hat nichts mit Photovoltaik zu tun.
Seine Kristallgitterstruktur dient jedoch als Vorbild für das künstlich hergestellte Material, das letztlich für Perowskitsolarzellen zum Einsatz kommt. Die Forscher verwenden dafür Stoffe wie Blei, Zinn, Methylammonium, Caesium sowie Chlor, Brom oder Jod. Diese können in Kombination mit der Kristallgitterstruktur Sonnenlicht besonders effektiv in Strom umwandeln.
Im Gegensatz zum Halbleitermaterial Silizium ist die Herstellung von Perowskitsolarzellen deutlich einfacher.Silizium muss bei Temperaturen von rund 1.400 Grad Celsius geschlozen werden. Anschließend entstehen bei der Weiterverarbeitung in aufwendigen Schritten die bekannten Solarwafer, die gut 150 Mikrometer (µm) dick sind.
Für die Verarbeitung von Perowskit sind hingegen weniger als 200 Grad Celsius erforderlich. Zudem ist die aufgetragene Perowskitschicht nur rund 0,5 µm dick. Das birgt das Potenzial, bei der Herstellung viel Energie und Material einsparen zu können.
Fortschritt beim Wirkungsgrad
Heutige gängige Solarmodule erreichen je nach Herstellungsart einen Wirkungsgrad von 10 bis 22 Prozent erreichen – nur selten liegt dieser darüber. Die theoretische Obergrenze des Wirkungsgrads von Silizium liegt bei 29,3 Prozent.
Eine Möglichkeit, diesen Wert zu erhöhen, ist der Einsatz von sogenannten Mehrschichtsolarzellen. Dabei legen die Entwickler zwei oder mehr Schichten unterschiedlicher Wafer übereinander, die verschiedene Bereiche des Lichtspektrums in Strom umwandeln können.
Grafische Darstellung des Aufbaus einer Einzelsolarzelle und einer Tandemsolarzelle sowie deren Lichtspektrennutzung.
Erst im Frühling dieses Jahres haben Schweizer Forscher auf diese Art eine neue Solarzelle entwickelt, die eine hohe Effizienz und skalierbare Fertigung kombiniert. Der Zellaufbau ist dreiteilig. Die untere Zelle besteht aus Silizium. Darauf sind als mittlere und obere Zellschicht dünne Perowskitfilme aufgetragen.
Die beiden oberen Perowskitschichten, nutzen sie das kurzwellige Licht, also eher die Blau- und Grünanteile. Das Silizium hingegen verwendet eher die langwelligen roten Lichtanteile.
Fast die Hälfte des Sonnenlichts in Strom umgewandelt
Die neue Zelle erreicht laut dem entsprechenden Papier beim Wissenschaftsportal „Nature“ einen zertifizierten Wirkungsgrad von 30,02 Prozent. Damit übertrifft es den früheren Rekordwert für jene Anordnung von 27,1 Prozent. Zugleich besteht noch Luft nach oben. Theoretisch wäre mit solchen Zellen ein Wirkungsgrad von bis zu 40 Prozent möglich.
Der bisherige Wirkungsgradweltrekord liegt sogar bei 47,6 Prozent – aufgestellt von Forschern des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE.
Im Mai 2022 haben sie diese hohe Effizienz unter optimierten Bedingung im Labor mit einer Vierfachsolarzelle, über 600-facher Konzentration des Sonnenlichtes und einer neuen Antireflexbeschichtung erreichen können. Dennoch ist der Wert beachtenswert. Das bedeutet, dass diese Zellen 1.000 Watt Lichtleistung in 476 Watt elektrische Leistung umwandeln können.
Dank verbesserter Antireflexionsschichten erzielten Forscher des Fraunhofer ISE den bisher höchsten Wirkungsgrad einer Solarzelle in Höhe von 47,6 Prozent.
Einen ähnlich hohen Wirkungsgrad mit 46 Prozent erreichte das Fraunhofer-Institut bereits im Jahr 2014. Auch hier verwendeten die Forscher Mehrfachsolarzellen, jedoch ohne Perowskitstruktur. Es handelte sich um eine Vierfachsolarzelle, wobei jede Teilzelle exakt ein Viertel der Lichtphotonen im Wellenlängenbereich zwischen 200 und 1750 nm in elektrische Energie umwandelte. Der damalige Rekordwert wurde bei einer rund 500-fachen Konzentration erzielt.
Darüber hinaus schafften die Forscher in den vergangenen Jahren weitere Rekordwirkungsgrade unter der 40-Prozent-Marke. So etwa 2021 mit einer Dreischichtsolarzelle mit einer Effizienz von 35,9 Prozent, allerdings ebenfalls ausschließlich auf Siliziumbasis.
Auch bei der Kostenfrage soll Perowskit gegenüber Silizium einen Vorteil haben. Bei herkömmlichen Standard-Siliziummodulen kostet das Watt an Nennleistung (Wp) 0,13 bis 0,22 Euro.
Aktuell sind Tandemzellen noch 10 bis 30 Prozent teurer pro Wp. Allerdings ist praktisch jede neue Technologie vom Übergang von der Entwicklungs- zur Marktphase vergleichsweise teuer.
Durch einfachere Herstellung und günstigen Materialaufwand dürften sie aber auf lange Sicht die Siliziummodule im Preis deutlich unterbieten. Das sollte spätestens mit der Serienproduktion und weiteren technischen Fortschritten erfolgen. Die Stromgestehungskosten können dadurch nochmals günstiger werden.
Herausforderung Haltbarkeit
Doch bei den Perowskitmodulen gibt es noch technische Probleme zu lösen, besonders was Materialstabiliät und Haltbarkeit angeht. Als Schwachstellen sind hier verschiedene Wettereinflüsse wie Feuchtigkeit, Oxidation – sprich die Reaktion mit Sauerstoff –, UV-Strahlung und Hitze zu nennen.
Der Grund für das Stabilitätsproblem liegt in der Atomstruktur des Perowskitkristalls. Der organisch-anorganische Aufbau, der diesem Material seine starken elektronischen Eigenschaften verleiht, ist auch die Erklärung seiner Zerbrechlichkeit.
So hat das ursprüngliche Material – Methylammonium-Blei-Iodid – eine entscheidende Schwäche: Das Methylammonium-Kation ist flüchtig und entweicht dem Kristallgitter bei höheren Temperaturen. Das führt zu einem schnellen Leistungsrückgang.
Ein weiterer Nachteil ist der giftige Bleigehalt. Aus diesem Grund suchen Forscher bereits nach ungiftigen Alternativen. Bisher am weitesten fortgeschritten ist diesbezüglich die Zinnhalogenid-Perowskit-Familie. Ebenso konnten Forscher die Schichtung verbessern.
Mit den bisher erreichten Verbesserungen und weiteren Optimierungen strebt das deutsche Solarunternehmen Oxford PV eine 25-jährige Betriebsgarantie für seine Tandemmodule an. Dies entspricht der heute üblichen Lebensdauer von Siliziummodulen.
Wann können wir sie kaufen?
Perowskit-Silizium-Tandemsolarzellen haben bereits den Sprung vom Labor auf den Markt geschafft – zumindest in einem ersten Schritt. Im September 2024 hat Oxford PV die ersten Tandemsolarmodule mit einem Wirkungsgrad von 24,5 Prozent an US-Versorgerkunden ausgeliefert.
Weitere Großproduktionen und Auslieferungen stehen noch aus. Bisher haben sich nur rund ein Dutzend Marktakteure mit der neuartigen Perowskittechnologie beschäftigt. Neben dem Versand von Oxford PV gibt es vereinzelte Produktionen, Forschungen und Partnerschaften. Erste Pilotlinien laufen.
Somit befindet sich der Marktanteil von Perowskitsolarmodulen noch bei nahezu 0 Prozent. Bis 2031 soll dieser allerdings schon auf rund 31 Prozent anwachsen. Im vergangenen Jahr dominierten Solarmodule mit monokristallinem Silizium mit einem Marktanteil von 86,1 Prozent. Der Rest entfällt vor allem auf Module auf Basis von polykristallinem Silizium.
Vorteile und Nachteile von Perowskitsolarzellen im Vergleich zu Siliziumsolarzellen
Vorteile:
Leichtere und kompaktere Module, somit bessere Integrationsmöglichkeiten in Gebäuden und Fahrzeugen denkbar.
Materialbedingt hat Perowskit einen niedrigeren Wirkungsgrad als Silizium. Dank der Schichtung können Perowskitmehrfachzellen aber eine höhere Gesamteffizienz erzielen.
Hohes Lichtabsorptionsvermögen. Die Zellen reflektieren weniger Sonnenlicht, sodass ein höherer Anteil des Lichts zur Umwandlung in Strom zur Verfügung steht.
Einsparung von Energie und Material, dadurch günstigere Herstellung absehbar.
Nachteile:
Erste Materialien waren empfindlich gegen Feuchtigkeit, Sauerstoff, UV-Strahlung und Hitze. Hier ist weitere Entwicklungsarbeit nötig.
Kubas Präsident Díaz-Canel steht auf einer US-Sanktionsliste (Archivbild). - Foto: Ramon Espinosa/AP/dpa
In Kürze:
Das US-Außenministerium beschuldigt Kuba einer langjährigen Einfluss- und Spionagekampagne.
Mehrere linke Organisationen werden im Bericht mit kubanischen Netzwerken in Verbindung gebracht.
Die genannten Gruppen haben auf die Vorwürfe bislang nicht öffentlich reagiert.
Das US-Außenministerium erhebt schwere Vorwürfe gegen die kubanische Regierung. In einem am 20. Juli veröffentlichten Bericht wird Kuba beschuldigt, über Jahrzehnte hinweg ein weltweites Netzwerk zur politischen Einflussnahme aufgebaut zu haben und bis in höchste Ebenen der US-Regierung vorgedrungen zu sein.
Nach Darstellung des Außenministeriums betreibe das kubanische Regime seit fast 70 Jahren eine „anhaltende Kampagne der Unterwanderung“ gegen die Vereinigten Staaten. Der Bericht erschien wenige Tage, nachdem Außenminister Marco Rubio dazu aufgerufen hatte, die internationale Gemeinschaft müsse die Gefahr durch gewalttätige linksradikale Gruppen ernster nehmen.
Die Behörde deckt in dem Bericht Verbindungen zwischen dem kubanischen Regime und mehreren linken Organisationen in den USA auf – darunter Antifa, Code Pink, die Communist Party USA, die Democratic Socialists of America, das National Network on Cuba und die National Lawyers Guild. Zudem beschreibt sie Pläne bestimmter Gruppen, im Fall einer möglichen US-Militäraktion gegen Kuba koordinierte Aktionen einzuleiten.
Das Außenministerium wirft Kuba vor, durch Spionage, politische Netzwerke und ideologische Einflussnahme langfristig auf die amerikanische Gesellschaft eingewirkt zu haben. Wörtlich heißt es in dem Bericht:
„Es handelt sich um eine Kampagne, die die höchsten Ebenen der US-Regierung infiltriert, Generationen amerikanischer Aktivisten rekrutiert und geprägt sowie eine der langlebigsten und schädlichsten ausländischen Geheimdienstoperationen in der amerikanischen Geschichte durchgeführt hat.“
Die Eltern von US-Außenminister Marco Rubio sind einst selbst aus Kuba in die Vereinigten Staaten eingewandert. (Archivbild)
Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa
Infiltration und Spionage
Der Bericht beschreibt Kubas Vorgehen gegenüber den Vereinigten Staaten als ungewöhnlich, da das Regime laut US-Außenministerium auf „unregelmäßige und verdeckte“ Operationen setze. Kuba habe demnach eine Strategie entwickelt, die auf Infiltration, Spionage, Sabotage, Stellvertreter-Netzwerken und einer revolutionären Infrastruktur beruhe, mit dem Ziel, „Amerika gegen sich selbst aufzubringen“.
Nach Angaben des Außenministeriums haben kubanische Agenten unbemerkt über Jahrzehnte hinweg die höchsten Ebenen des Pentagons, des Außenministeriums und des Nationalen Sicherheitsrats infiltriert. Die Behörde erklärte zugleich, dass der größte Erfolg Kubas nicht allein im Bereich der Geheimdienstoperationen liege, sondern vor allem in der ideologischen Einflussnahme.
Zentraler Akteur sei dabei Kubas Auslandsgeheimdienst Dirección de Inteligencia, den das Außenministerium als eine der effektivsten Organisationen für menschliche Aufklärung weltweit beschreibt. Dem Bericht zufolge hat der Dienst sensible Informationen über die USA mit Staaten wie China, Russland, Nordkorea und dem Iran geteilt. Zudem hätten kubanische Spione in der Vergangenheit Zugang zu besonders geschützten Regierungsunterlagen erhalten.
Kuba hat laut Bericht über Jahrzehnte hinweg eine weltweite Vereinigung aus politischen Gruppen, Aktivisten und Intellektuellen aufgebaut und unterstützt. Dieses Netzwerk habe sich zu einer internationalen Struktur entwickelt, die Einfluss auf verschiedene radikale Bewegungen ausgeübt habe – darunter die Black Panthers, Weather Underground und die Antifa.
Das Außenministerium wirft Kuba vor, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Verbreitung von „linksradikalem Terror“ in den Vereinigten Staaten beigetragen zu haben. Zudem stünden kubanische Einflussnetzwerke weiterhin in Verbindung mit sozialistischen Gruppen, Anti-ICE-Organisationen, linken gemeinnützigen Organisationen und marxistisch orientierten Aktivistengruppen in den USA.
Kuba hat demnach seit den 1960er-Jahren eine zentrale Rolle in der „Gestaltung der radikalen Linken in Amerika“ gespielt. Dazu habe das Regime Kontakte zu US-Universitäten aufgebaut, Aktivisten animiert und seine Geheimdienst- sowie Einflussstrukturen genutzt.
Außerdem wird Kuba mit der Entwicklung bestimmter linker Ideologien wie der Black-Power-Bewegung in Verbindung gebracht. Das kubanische Regime hat demnach versucht, Kubaner und Afroamerikaner als durch ein „weißes Amerika“ unterdrückte Gruppen darzustellen und damit eine „Rassenrevolution“ vorangetrieben, die sich seit den 1960er-Jahren ausgeweitet habe.
„Was Mitte der 1960er-Jahre als Sprache einer militanten Avantgarde begann, ist inzwischen in die wichtigsten Aktivistenorganisationen des Landes, Universitätsabteilungen, gemeinnützige Netzwerke, Regierungsbehörden, Gesundheitsverwaltungen und die politische Mainstream-Kultur vorgedrungen“, heißt es in dem Bericht.
Das kubanische Regime habe ideologische und nachrichtendienstliche Tarnstrukturen aufgebaut und weiterentwickelt, die gegen die Vereinigten Staaten gerichtet seien. Diese Netzwerke spielten laut Bericht eine Schlüsselrolle bei der Ausbildung, Unterstützung und Vernetzung linker Aktivisten, politischer Einflussnehmer und inländischer Terroristen.
Auch jüngere politische Bewegungen – darunter der Aufstieg der Antifa, die Proteste nach dem Tod von George Floyd sowie zunehmender linker Aktivismus an Universitäten – werden in dem Bericht mit kubanischem Einfluss in Verbindung gebracht.
Inländische „koordinierte Aktionen“ nach Kuba-Drohnungen
Als wichtige Verbindung zwischen linken Gruppen in den USA und der kubanischen Regierung nennt das Außenministerium das National Network on Cuba, eine Koalition aus mehr als 60 Organisationen, darunter Code Pink, Communist Party USA, Democratic Socialists of America und die National Lawyers Guild.
Das Netzwerk habe wiederholt US-Delegationen nach Kuba organisiert und Konferenzen veranstaltet, bei denen Strategien zur Ausweitung kubanischer Einflussstrukturen in den Vereinigten Staaten diskutiert worden seien.
Zudem verweist das Außenministerium auf den im Juni veröffentlichten „National Rapid Response Plan“ des Netzwerks. Dieser sieht Maßnahmen vor, innerhalb von 24 Stunden nach einer US-Militäraktion oder einer entsprechenden Drohung gegen Kuba „koordinierte landesweite Aktionen“ gegen US-Militäreinrichtungen, ICE-Haftzentren und Bundesbehörden einzuleiten.
Demonstranten bekunden auf Knien und mit in die Höhe gestreckter Faust ihre Solidarität mit den Protesten in den USA. Unter ihnen sind auch Mitglieder der Antifa. Symbolbild.
Foto: Boris Roessler/dpa/dpa
Frühere Entwicklungen
Am 16. Juli veranstaltete das US-Außenministerium eine Konferenz zu internationalen Terrorismusbedrohungen. Außenminister Marco Rubio erklärte dabei vor Teilnehmern aus mehr als 60 Ländern, dass gewalttätige linksgerichtete Organisationen eine globale Herausforderung darstellten. Dabei forderte er eine engere Zusammenarbeit der Regierungen:
„Wir müssen entweder über unsere Grenzen hinweg zusammenarbeiten, oder die Terroristen werden weiterhin die Lücken zwischen ihnen ausnutzen.“
Zudem stellte Rubio einen Zusammenhang zwischen dem Aufstieg gewalttätiger linker Gruppen in den Vereinigten Staaten und Kuba her. „Das weitreichende Geheimdienst- und Ideologienetzwerk des kubanischen Regimes hat dazu beigetragen, die radikale Linke in unserem Land und in unserer Hemisphäre aufzubauen, und es bleibt untrennbar mit linksradikalen Gruppen und Bewegungen innerhalb und außerhalb des Westens verbunden“, erklärte er.
Im März hatte US-Präsident Donald Trump die Möglichkeit einer Übernahme Kubas durch die Vereinigten Staaten angesprochen. Trump erklärte damals, Rubio befasse sich mit der Angelegenheit und es könne sowohl eine freundliche als auch eine feindliche Übernahme geben.
Am 13. Juli kündigte das Außenministerium zudem neue Sanktionen gegen zehn Organisationen an, die mit den Finanzquellen des kubanischen Regimes und dessen Vorgehen gegen die eigene Bevölkerung verbunden seien.
Die englischsprachige Ausgabe der Epoch Times wandte sich an die kubanische Botschaft in Washington sowie an Code Pink, die Communist Party USA, die Democratic Socialists of America, das National Network on Cuba und die National Lawyers Guild mit der Bitte um Stellungnahmen. Bis zur Veröffentlichung lagen jedoch keine Antworten vor.
Michael Kretschmer. (Archivbild) - Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times
In Kürze:
Kretschmer sieht die Brandmauer als nicht mehr sinnvoll an.
Ministerpräsident fordert von Merz, „endlichTempo zu machen“.
Spahn weg, Ärger im Osten wegen „permanenter“ Themenüberlagerung aus Berlin
„Wer noch über Brandmauern redet, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Wir müssen mit jedem reden, der reden will.“ Davon gibt sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) überzeugt.
In einem Interview mit dem Düsseldorfer „Handelsblatt“, das am Dienstag, 21. Juli, veröffentlicht wurde, erklärt Kretschmer, warum seiner Meinung nach angesichts der Mehrheitsverhältnisse in Ostdeutschland Brandmauern nach links und rechts nicht sinnvoll seien.
„Aushandlungsprozesse sind der Kern unserer Demokratie. Ausgrenzen, abkanzeln, Meinungen diskreditieren, wie wir es in der Flüchtlingskrise oder bei Corona oder jetzt beim Ukrainekrieg und in der Klimaschutzpolitik erleben, sind das Gegenteil dessen“, so der Landeschef.
Möglicherweise plant Kretschmer mit dieser Aussage, die sogenannte „Brandmauer“ nach links zu öffnen, denn er beklagte: „Die AfD ist die einzige Fraktion, die von vornherein gesagt hat: Wir beteiligen uns nicht“ an dem Konsultationsmechanismus, den er in der Landespolitik eingeführt hat. Die Partei setze darauf, dass die Regierung scheitere. Deshalb blieb Kretschmer dabei: „Eine Partei wie die AfD schadet dem Land.“
Kretschmer regiert in Sachsen zusammen mit der SPD in einer Minderheitsregierung, weil er nach der Landtagswahl im Jahr 2024 keine mehrheitsfähige Koalitionsregierung bilden konnte oder wollte. Gleiches gilt für seinen Parteikollegen Mario Voigt in Thüringen, der das BSW als weiteren Koalitionspartner hinzugezogen hatte.
Mit Blick auf den CDU-Parteichef und Bundeskanzler Friedrich Merz fordert Kretschmer: „Die Bundesregierung muss endlich Tempo machen. Ansonsten sehe ich bei der nächsten Bundestagswahl schwarz.“
Die jüngste INSA-Umfrage zu Sachsen vom 21. Mai ergab, dass die AfD mit Abstand 42 Prozent der Wählergunst auf sich vereinen konnte, während Kretschmers CDU nur mit 21 Prozent auf den zweiten Platz folgte. Die Linke lag bei der Befragung von 1.000 Menschen bei 9 Prozent, gefolgt vom BSW mit 7 Prozent und den beiden gleichauf liegenden Parteien Bündnis 90/Die Grünen und SPD mit jeweils 6 Prozent.
Würden sich diese Umfrageergebnisse eins zu eins in Wahlergebnisse umsetzen und wollte Kretschmer eine Mehrheitsregierung ohne die AfD bilden, bedürfte er zum jetzigen Zeitpunkt aller weiteren Parteien als Koalitionspartner.
Bundesweit liegt die AfD laut einer INSA-Umfrage vom 21. Juli bei 29 Prozent, gefolgt von der CDU mit 20,5 Prozent. SPD und Grüne kommen jeweils auf 13 Prozent, die Linke erreicht 10 Prozent.
ZDF-Sommerinterview mit Bundeskanzler Friedrich Merz.
Foto: Dominik Asbach/ZdF/dpa
Reformpaket von Merz „reicht nicht aus“
Auch das von Merz noch im ZDF-„Sommerinterview“ vor ein paar Tagen gepriesene Reformpaket der Bundesregierung findet bei dem Sachsen wenig Zuspruch.
Es reiche nicht aus, sagte er dem „Handelsblatt“. „Durch Kürzungen im Sozialbereich bringen wir Deutschland nicht auf Wachstumskurs. Durch neue Schulden auch nicht. Und durch Subventionen ebenfalls nicht“, gibt sich Kretschmer überzeugt. Derzeit passe die Regierung lediglich die Ausgaben den Einnahmen an.
Wachstum entstehe durch Freiheit. Kretschmer konkretisiert: „Bürokratie und Zettelwirtschaft sind der sichtbare Auswuchs, die Regulierung ist das tieferliegende Problem.“ Deshalb fordert er: „Wir müssen Deutschland und Europa wieder zu einem Raum der Freiheit machen.“
Dafür müssten unter anderem Regulierungen zurückgenommen werden. „Wir brauchen einen Politikwechsel. Jeder Tag, den wir warten, ist ein verlorener Tag“, so Kretschmer.
Schulze beklagt „permanente Themenüberlagerung“ aus Berlin
Wie am Mittwoch bekannt wurde, soll der bisherige Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) Medienberichten zufolge neuer Fraktionsvorsitzender der Union werden. Demnach wollen Merz und Söder Frei am Mittwoch der Fraktion als neuen Vorsitzenden vorschlagen.
Der Parlamentsgeschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, wertet den Vorschlag als positives Signal für die schwarz-rote Koalition. Wiese sagte der „Rheinischen Post“: „Wir werden auch unter seinem Fraktionsvorsitz eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit für das Land weiter fortsetzen.“
Merz und CSU-Chef Markus Söder planen, dann die Nachfolge des zurückgetretenen Unionsfraktionsvorsitzenden Jens Spahn (CDU) am 29. Juli in einer eigens angesetzten Fraktionssitzung zu finalisieren.
Bestimmt damit nicht mehr die Gefahr, dass der beginnende Wahlkampf für die drei im September anstehenden Landtagswahlen in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September von Personalien überschattet wird?
Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze (CDU), beklagte bereits, er erwarte, dass sein Wahlkampf „nicht permanent mit Themen aus Berlin überlagert“ werde. Dies gelte „für die Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin auch“.
In den beiden ostdeutschen Flächenstaaten dominiert in Umfragen laut INSA ebenfalls die AfD: In Sachsen-Anhalt liegt sie bei 41 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern bei 36 Prozent. Auf den weiteren Plätzen folgen die CDU mit 23 bzw. 29 Prozent. Die einst unter Angela Merkel starke CDU in dem nördlichen Bundesland liegt derzeit nur noch bei 9 Prozent.
Menschen nehmen am 20. Juli 2026 in Kiew an einer Protestkundgebung gegen die Entlassung des reformorientierten Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow und für die Absetzung des ukrainischen Armeechefs Oleksandr Syrskyj teil. Die Proteste gegen Fedorows Entlassung dauern bereits den fünften Tag an. - Foto: Genya Savilov / AFP via Getty Images
In Kürze:
Oberbefehlshaber Syrskyj entlassen – Drapatyj wird Nachfolger
Seit dem 15. Juli Proteste in mehreren ukrainischen Städten gegen Selenskyj
Verteidigungsminister Fedorov entlassen – neue Position für ihn geplant
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Dienstag, dem 21. Juli, den Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, den Vier-Sterne-General Oleksandr Syrskyj, entlassen. Dies berichteten zahlreiche ukrainische Medien am selben Tag. Ersetzt wird er durch Generalmajor Mykhailo Drapatyj, wie die „Kyiv Post“ meldete. Damit besetzt Selenskyj den Posten seit Kriegsbeginn im Februar 2022 zum zweiten Mal neu.
Oberbefehlshaber Syrskyj unterstreicht Bedeutung von Drohnen-Einheiten. (Archivbild)
Mit seiner Entscheidung reagierte der ukrainische Präsident offenbar auf zunehmenden öffentlichen Druck aus Teilen der Zivilgesellschaft. Eine Woche zuvor hatte Selenskyj am 15. Juli bereits seinen Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov entlassen und durch den 46-jährigen Jewhen Chmara als Übergangsminister ersetzt. Dieser ist Generalmajor des Inlandsgeheimdienstes. Allerdings ist die Entlassung Fedorovs noch nicht endgültig, da sie der Zustimmung des Parlaments bedarf.
„Welle der Empörung“
Mit der Entlassung „des beliebten jungen Reformers“ Fedorov habe Selenskyj „nicht nur einen bedeutenden Teil seiner eigenen Unterstützerbasis verprellt, sondern auch eine Welle öffentlicher Empörung ausgelöst“, die sich die Ukraine nicht leisten könne, stellte Georgi Gotev, einer der Chefredakteure der belgischen Nachrichtenplattform „Eualive“, fest.
„Mit einem Schritt, der nur als schwerwiegender strategischer Fehler bezeichnet werden kann, hat Präsident Wolodymyr Selenskyj die größten Straßenproteste in der Ukraine seit Beginn der russischen Invasion ausgelöst“, so der Eualive-Chefredakteur weiter.
Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow spricht während einer Pressekonferenz nach dem virtuellen Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe am 15. April 2026 in Berlin. Die Ukraine-Kontaktgruppe bringt verschiedene Staaten zusammen, um ihre militärische Unterstützung für die Ukraine zu koordinieren.
Foto: Maja Hitij/Getty Images
Machtpoker in der Militärspitze
Seither gingen jeden Abend Tausende Demonstranten in Kiew und weiteren Städten wie Kharkiv, Lwiw, Dnipro und Odessa auf die Straße, um sich für den Verbleib Fedorovs im Amt und gegen Syrskyj auszusprechen. Fedorov gilt vielen Ukrainern als innovativ und technikorientiert. Nun sollte der 35-Jährige offenbar zugunsten der älteren Garde des Militärs ins Abseits gedrängt werden. Ob dies tatsächlich der Fall sein wird, bleibt abzuwarten.
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Demonstranten schwenken ukrainische Flaggen und protestieren am 16. Juli 2026 in Kiew gegen die Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow durch Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Protestierenden forderten seine Rückkehr ins Amt.
Foto: Tetiana Dzhafarova / AFP via Getty Images
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Demonstranten schwenken ukrainische Flaggen und protestieren am 16. Juli 2026 in Kiew gegen die Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow durch Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Protestierenden forderten seine Rückkehr ins Amt.
Foto: Tetiana Dzhafarova / AFP via Getty Images
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Demonstranten halten am 16. Juli 2026 in Kiew Plakate mit Botschaften gegen die Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow durch Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Foto: Tetiana Dzhafarova / AFP via Getty Images
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Demonstranten rufen Parolen und schwenken ukrainische Flaggen während einer Protestkundgebung am 16. Juli 2026 in Kiew gegen die Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow durch Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Foto: Tetiana Dzhafarova / AFP via Getty Images
Fedorov wehrte sich unmittelbar nach Selenskyjs Entscheidung gegen ihn. Wie die „Kyiv Post“ berichtete, habe Fedorov am 16. Juli dem noch in der Sowjetunion ausgebildeten 60-jährigen Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Oleksandr Syrskyj, vor der Presse in Kiew vorgeworfen, „Militärreformen zu blockieren und sich zu weigern, Probleme innerhalb des Militärs offen anzusprechen“.
Er stellte zudem klar, er habe Präsident Selenskyj „niemals aufgefordert, sich zwischen ihm und Syrskyj zu entscheiden“. Nach der Entlassung Syrskyjs begrüßte Fedorov diesen Schritt als „frischen Wind und neue Hoffnung“. Präsident Selenskyj soll Medienberichten zufolge Fedorov eine neue, auf Technologie ausgerichtete Position in der Regierung angeboten haben. Dazu hat sich der ehemalige Verteidigungsminister bislang nicht geäußert.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (3. v. l.) mit seinem Oberbefehlshaber Olexander Syrskyj (r), der als Kopf hinter dem Vorstoß auf russisches Gebiet gilt. (Archivbild)
Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa
Mangelt es Selenskyj an Führungsstärke?
Selenskyjs Schritt, die Entlassung Fedorovs vom Parlament bestätigen zu lassen, habe „nicht zum ersten Mal einen beunruhigenden Mangel an Führungsstärke des Präsidenten offenbart“, stellt der renommierte Journalist Peter Beaumont in einer Analyse des britischen „Guardian“ fest. Selenskyjs Ankündigung sei „umso schockierender, als Fedorov maßgeblich daran beteiligt war, eine klare Strategie zur Fortsetzung des Krieges voranzutreiben, bei der die rasanten technologischen Fortschritte der Ukraine im Bereich der Drohnen- und Raketentechnologie zum Tragen kommen sollten“, so Beaumont weiter.
Für die Anhänger Fedorovs sei Drapatyjs Ernennung zum neuen Armeechef „ein Zeichen dafür, dass Selenskyj die Forderungen nach einem schnelleren, stärker technologieorientierten Vorgehen im Krieg zur Kenntnis genommen“ habe, schreibt die „Kyiv Post“. Selenskyj gab den Führungswechsel an der Armeespitze in seiner Abendansprache bekannt. In die Entscheidung eingebunden gewesen seien der amtierende Verteidigungsminister Jewhen Chmara und Pawlo Palisa, stellvertretender Leiter des Präsidialamtes. „Die Ukraine muss gestärkt aus dieser Situation hervorgehen, und für Russland wird es schwieriger werden“, wird Selenskyj in der Presse zitiert.
Drapatyj gilt als einer der beliebtesten Heerführer in der Ukraine.
Vor seiner Ernennung leitete der 43-jährige Drapatyj das „Gemeinsame Kommando der Streitkräfte“. Laut ukrainischen Medien gilt er als ein Befehlshaber, der sich besonders stark für eine schnellere Modernisierung der Kampfmittel einsetzte. Er würde nach Einschätzung seiner Unterstützer gut zu Fedorov als Verteidigungsminister passen, denn Drapatyj hatte dessen Innovationen innerhalb der Streitkräfte offenbar unterstützt, darunter den verstärkten Einsatz von Drohnen, Robotik und weiteren unbemannten Systemen.
„Seine Beförderung wird von reformorientierten Soldaten und Vertretern der Zivilgesellschaft als Chance gesehen, sich von langsamen, starren Führungsgewohnheiten zu lösen und zu einem flexibleren Modell überzugehen, das auf Schnelligkeit, Technologie und asymmetrischer Kriegsführung basiert“, schreibt die „Kyiv Post“.
Entlassung Fedorovs „ein Fehler“
Selenskyjs Entscheidung für Mykhailo Drapatyj als neuen Oberbefehlshaber gingen laut Gregor von „Eualive“ offenbar mehrere Treffen „mit einer Gruppe jüngerer, kampferprobter Kommandeure“, darunter Drapatyj, am Montag, dem 20. Juli, voraus. Auch wenn diese Treffen den Versuch signalisierten, die militärische Führung zu erneuern, „kommen sie zu spät, um den grundlegenden Fehler zu verschleiern: die Entlassung eines kompetenten und beliebten zivilen Reformers in einer Zeit, in der Einheit von größter Bedeutung ist“, ist Gregor mit Blick auf Fedorov überzeugt.
Weiter schreibt er: „Dies war in mehrfacher Hinsicht ein Fehler. Erstens stand Fedorov für Innovation, Technologie und einen Bruch mit alten bürokratischen Gewohnheiten – Eigenschaften, die die Ukraine (und Europa) dringend benötigt. Zweitens könnte der Zeitpunkt nicht ungünstiger sein.“
Angesichts der sich verschärfenden russischen Angriffe auf Zivilisten in der Ukraine sei eine interne Spaltung „ein Luxus, den sich die Ukraine einfach nicht leisten kann“.
Schwere Schäden nach russischen Raketenangriffen.
Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa
Stärke der ukrainischen Zivilgesellschaft
Für Russland seien zudem die Bilder von Ukrainern, die in Kriegszeiten gegen ihre eigene Regierung protestieren, „ein Geschenk“. Dennoch glaubt Gregor, dass die Turbulenzen in Kiew „auch eine positive Seite“ offenbarten. Mitten im Krieg seien die Bürger „bereit, auf die Straße zu gehen und ihre politischen Führer zur Rechenschaft zu ziehen“. Dies sei „ein eindrucksvolles Zeichen dafür“, dass die Ukraine über demokratische Vitalität und Widerstandsfähigkeit verfüge.
Zwei Notfallsanitäterinnen auf dem Weg zu einem Unfall. - Foto: huettenhoelscher/iStock
In Kürze
Der deutsche Rettungsdienst agiert an der Belastungsgrenze.
Tiefgreifende strukturelle Reformen stehen an.
Fortschreitende Digitalisierung und WHO-Leitlinien setzen neue Maßstäbe.
Das föderale System hat erhebliche regionale Qualitätsunterschiede.
Praxisbeispiel zeigt, wie Qualitätskontrolle und Ersthelfer-Apps Leben retten können.
Das moderne Rettungswesen in Deutschland geht größtenteils auf die Björn Steiger Stiftung zurück. Sie trägt den Namen eines achtjährigen Jungen, der 1969 nach einem Verkehrsunfall wegen fehlender schneller Hilfe verstarb. Seine Eltern haben die Stiftung zu ihrem Lebenswerk gemacht. Bis Ende 1971 wurden Verletzte und Kranke nur „transportiert“. Die Stiftung hat einen Rettungsdienst etabliert, bei dem die transportierte Person von einem Sanitäter begleitet wird.
Auch die Notrufsäulen an Straßen, das Sprechfunksystem im Rettungswesen und die einheitlichen Notrufnummern 110 und 112 gehen auf Initiativen der Stiftung zurück. Damals galt das System als weltweiter Standard für Notfallrettung.
Der Weg zur Notaufnahme ist in ländlichen Regionen mitunter lang. (Symbolbild)
Foto: istockphoto/8X8(r.yPx}lBzr39e#pZ
Doch mittlerweile habe man in Deutschland in einigen Bereichen des Rettungswesens „Standards von Entwicklungsländern“ erreicht, sagte der aktuelle Stiftungspräsident Pierre-Enric Steiger laut dem Portal „web.de“ am 18. Juli 2024 bei einer Pressekonferenz.
An diesem Tag hatte die Björn Steiger Stiftung eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht gegen die Bundesrepublik Deutschland und das Land Baden-Württemberg eingereicht.
Die Begründung der Beschwerde: Das deutsche Rettungsdienstsystem verletze das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit durch unzureichende bundesweite Qualitätsstandards. Das oberste deutsche Gericht hat die Beschwerde im Kern zugelassen, ein endgültiges Urteil steht noch aus.
Globale Leitlinien
Die WHO gibt strategische Rahmenwerke vor, mit deren Hilfe Länder ihre nationalen Rettungsdienststrukturen aufbauen und bewerten können. Ein Vergleich der unterschiedlichen Systeme ist jedoch schwierig. Selbst innerhalb der Europäischen Union unterscheiden sich die Notarztausbildungen stark voneinander. Valentin Mezler-Andelberg schreibt in seiner 2019 erschienenen Diplomarbeit „Notarztsysteme im EU-Vergleich“:
„„Basierend auf der Philosophie ,Load and Go‘ (übersetzt: Laden und Fahren) werden in Ländern wie USA, Kanada, Großbritannien, Irland, etc. sogenannte ‚Paramedics‘ für die Versorgung von schwer verletzten bzw. kritisch kranken PatientInnen eingesetzt. Hierbei handelt es sich um SanitäterInnen, die eine mehrjährige Ausbildung im Bereich Notfallmedizin absolvieren.“
Paramedics haben häufig mehr Befugnisse als deutsche Rettungsassistenten oder Notfallsanitäter. Wenn bei einer Rettung in Deutschland besondere medizinische Maßnahmen erforderlich sind, muss ein Notarzt angefordert werden. Dieser hat wiederum weitreichendere Kompetenzen als ein Paramedic.
Mezler-Andelberg schlussfolgert:
„„Tendenziell zeigt sich jedoch, dass Paramedic-Systeme kostengünstiger sind, während notarztgestützte Rettungssysteme eine höhere Versorgungsqualität aufweisen.“
Doch wie gut eine Notfallrettung funktioniert, hängt nicht von der individuellen Leistung einzelner Helfer, sondern von der Effizienz des Gesamtsystems ab. Dies ist in den globalen Leitlinien für Lebensrettung nachzulesen.
Darin wird verdeutlicht, dass die unverzügliche Einleitung von Wiederbelebungsmaßnahmen durch Ersthelfer die Überlebensrate verdoppeln bis vervierfachen kann.
Pierre-Enric Steiger, der Präsident der Björn Steiger Stiftung, hat eine Verfassungsbeschwerde eingereicht.
Foto: Christophe Gateau/dpa
Ersthelfer-Apps können Leben retten
Um die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken, gewinnen Ersthelfer-Apps (First-Responder-Apps) zunehmend an Bedeutung. Ihre Aufgabe besteht darin, qualifizierte und registrierte Ersthelfer, die sich in der Nähe des Notfallortes aufhalten, per GPS-Ortung simultan mit dem Rettungsdienst zu alarmieren. Diese ehrenamtlichen Helfer können somit qualifizierte Basismaßnahmen wie die kardiopulmonale Reanimation (CPR) einleiten, noch bevor der Rettungswagen eintrifft.
Die Björn Steiger Stiftung treibt heute die flächendeckende Etablierung von Ersthelfer-Systemen und die Digitalisierung entscheidend voran.
Das strukturelle Defizit
Die deutsche Notfallversorgung leidet trotz Investitionen unter struktureller Zersplitterung. Dies belegt eine umfassende Untersuchung des Care and Public Health Research Institute (CAPHRI) der Maastricht University in einer Kooperation von Bertelsmann Stiftung und Björn Steiger Stiftung. Die Studie trägt den Namen „Partikularismus vs. Systemdenken“.
Die Studienautoren konstatieren einen erheblichen Reformbedarf in den Strukturen der deutschen Notfallversorgung. Sie bemängeln ein Fehlen an Transparenz sowie ineffiziente Schnittstellen zwischen ambulantem Sektor, Kliniknotaufnahmen und Rettungsdienst. Zudem wird das Fehlen einheitlicher Qualitätsstandards moniert.
Frank Ulrich Montgomery, Ehrenpräsident der Bundesärztekammer (BÄK) und Mitglied des Präsidialrats der Björn Steiger Stiftung, erklärte gegenüber dem „Deutschen Ärzteblatt“, dass es in Deutschland mehr als 200 unterschiedliche Leitstellensysteme gebe:
„„Für das Krankenhaus und den ärztlichen Bereich gibt es einheitliche Vorgaben, für das Rettungswesen nicht. Es kann nicht sein, dass Menschen je nach Wohnort unterschiedliche Überlebenschancen haben.“
Aktuell hätten nur etwa 36 Prozent der Rettungsleitstellen ein etabliertes Verfahren zur telefonischen Reanimation, ergänzt Christof Constantin Chwojka, Geschäftsführer der Björn Steiger Stiftung, in der „Stuttgarter Zeitung“.
Frank Ulrich Montgomery: „Deutschland hat 200 unterschiedliche Leitstellensysteme.“
Foto: Guido Kirchner/dpa
Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat diese Defizite ebenfalls erkannt. Gangbare Lösungen umfassen die Einrichtung bundesweit einheitlicher integrierter Leitstellen (ILS). Diese bilden die zentrale Schnittstelle zwischen dem Hilfegesuch und der medizinischen Notfallversorgung. Ohne sie wäre eine strukturelle, flächendeckende und vor allem schnelle Lebensrettung nicht möglich.
Eine weitere Lösung ist die sektorübergreifende Steuerung der Patientenströme sowie eine Reform der Finanzierungsstrukturen. Letztere soll den Rettungsdienst als eigenständigen medizinischen Leistungsbereich definieren.
Ein erfolgreiches Beispiel aus dem Kreis Heinsberg
Wie eine erfolgreiche Umsetzung moderner Standards in der Praxis aussehen kann, zeigt der Kreis Heinsberg. Gegenüber Epoch Times zieht der Geschäftsführer des dortigen Rettungsdienstes, Ralf Rademacher, eine im bundesweiten Vergleich positive Bilanz.
Die hohe Qualität in der Region der Versorgung vor der Einlieferung in ein Krankenhaus lässt sich anhand konkreter Zahlen aus dem Jahr 2024 belegen. Demnach konnten 75 Patienten nach einem plötzlichen Herzstillstand und einer erfolgreichen Reanimation mit einem stabilen Spontankreislauf lebend in ein Krankenhaus aufgenommen werden.
Bei der telefonisch angeleiteten Reanimation durch die Leitstelle erreichte der Kreis Heinsberg eine Quote von 63,1 Prozent. Damit hebt sich die Region signifikant von den allgemeinen Referenzdaten ab, die im Durchschnitt bei 55,8 Prozent lagen.
8 Minuten bis zum Krankenwagen
In Deutschland ist die Anfahrtszeit des Rettungsdienstes in den Landesrettungsdienstgesetzen festgelegt. Dabei gilt in der Regel, dass 95 Prozent aller Einsätze 15 Minuten nicht überschreiten dürfen.
Rademacher erklärte, die Rettungsmittel würden in der Regel innerhalb von 8 Minuten nach Benachrichtigung am Notfallort eintreffen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen von diesem Durchschnitt.
Dennoch sei die physische Vorhaltung von Rettungsmitteln im ländlichen Raum begrenzt. Rademacher betont mit Nachdruck:
„Ohne die Corhelper-App würde es nicht gehen. Sie stellt eine außerordentliche Hilfe und Unterstützung des Rettungsdienstes dar.“
Die Ersthelfer können jene kritischen Minuten überbrücken, die für den neurologischen Zustand des Patienten entscheidend sind.
Defizite in der Datenerhebung
Die kontinuierliche Datenerhebung ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal des Rettungsdienstes im Kreis Heinsberg.
Die Region nimmt seit 2013 freiwillig am Deutschen Reanimationsregister teil. Hierin sieht der Geschäftsführer Rademacher jedoch auch eine Schwachstelle im bundesdeutschen System. Da die Teilnahme freiwillig ist, nutzen nicht alle Rettungsdienste dieses Instrument.
Ohne diese Daten fehlen jedoch wichtige Parameter zur Qualitätssicherung. Zudem ist eine evidenzbasierte Optimierung der Notfallrettung ohne Datenlage nicht möglich.
Rettungsdienst in Auckland, Neuseeland. Paramedic-Systeme sind oft kostengünstiger.
Foto: iStock
Der Rettungsdienst Heinsberg setzt dabei auf ein „gelebtes“ Qualitätsmanagement (QM). Alle Mitarbeiter haben das QM-Handbuch mit allen aktualisierten Informationen als mobile App auf ihrem Smartphone. „So verstaubt kein Ordner mehr im Regal und wird nicht genutzt“, erklärt Rademacher.
Regelmäßiger Austausch mit Kliniken
Der Erfolg im Kreis Heinsberg basiert laut Rademacher primär auf einer engen, institutionalisierten Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure. So findet ein regelmäßiger Austausch mit den ansässigen Kliniken vor Ort statt. Rademacher erklärt:
„Ein gemeinsames Verständnis aller Akteure, ein starkes ‚Wir‘ und eine organisierte zentrale Anlaufstelle können zukunftsweisende Lösungen sein. Wenn wir jetzt keine Veränderungen auf den Weg bringen, wird das System implodieren.“
Als entscheidenden Faktor erachtet der Geschäftsführer, dass die Kommunikation über Sektorengrenzen hinweg konsequent auf Augenhöhe erfolgen muss und zudem kritische Punkte transparent dargelegt werden.
„Als ich neben meinem sterbenden Sohn kniete, habe ich ihm versprochen, wenigstens anderen Menschen zu helfen. […] Ich bitte Sie, mir zu helfen, dass der Tod meines Sohnes nicht sinnlos war“, schrieb Ute Steiger zu Beginn ihrer Stiftungsarbeit an die Frau des damaligen Bundespräsidenten, Hilda Heinemann.
Die Optimierung des Rettungswesens, durch die die Bundesrepublik Deutschland in diesem Sektor damals stark nach vorn gebracht hat, benötigt heute neue gemeinsame Impulse.
Zwei Notfallsanitäterinnen auf dem Weg zu einem Unfall. - Foto: huettenhoelscher/iStock
In Kürze
Der deutsche Rettungsdienst agiert an der Belastungsgrenze.
Tiefgreifende strukturelle Reformen stehen an.
Fortschreitende Digitalisierung und WHO-Leitlinien setzen neue Maßstäbe.
Das föderale System hat erhebliche regionale Qualitätsunterschiede.
Praxisbeispiel zeigt, wie Qualitätskontrolle und Ersthelfer-Apps Leben retten können.
Das moderne Rettungswesen in Deutschland geht größtenteils auf die Björn Steiger Stiftung zurück. Sie trägt den Namen eines achtjährigen Jungen, der 1969 nach einem Verkehrsunfall wegen fehlender schneller Hilfe verstarb. Seine Eltern haben die Stiftung zu ihrem Lebenswerk gemacht. Bis Ende 1971 wurden Verletzte und Kranke nur „transportiert“. Die Stiftung hat einen Rettungsdienst etabliert, bei dem die transportierte Person von einem Sanitäter begleitet wird.
Auch die Notrufsäulen an Straßen, das Sprechfunksystem im Rettungswesen und die einheitlichen Notrufnummern 110 und 112 gehen auf Initiativen der Stiftung zurück. Damals galt das System als weltweiter Standard für Notfallrettung.
Der Weg zur Notaufnahme ist in ländlichen Regionen mitunter lang. (Symbolbild)
Foto: Claudia Nass/iStock
Doch mittlerweile habe man in Deutschland in einigen Bereichen des Rettungswesens „Standards von Entwicklungsländern“ erreicht, sagte der aktuelle Stiftungspräsident Pierre-Enric Steiger laut dem Portal „web.de“ am 18. Juli 2024 bei einer Pressekonferenz.
An diesem Tag hatte die Björn Steiger Stiftung eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht gegen die Bundesrepublik Deutschland und das Land Baden-Württemberg eingereicht.
Die Begründung der Beschwerde: Das deutsche Rettungsdienstsystem verletze das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit durch unzureichende bundesweite Qualitätsstandards. Das oberste deutsche Gericht hat die Beschwerde im Kern zugelassen, ein endgültiges Urteil steht noch aus.
Globale Leitlinien
Die WHO gibt strategische Rahmenwerke vor, mit deren Hilfe Länder ihre nationalen Rettungsdienststrukturen aufbauen und bewerten können. Ein Vergleich der unterschiedlichen Systeme ist jedoch schwierig. Selbst innerhalb der Europäischen Union unterscheiden sich die Notarztausbildungen stark voneinander. Valentin Mezler-Andelberg schreibt in seiner 2019 erschienenen Diplomarbeit „Notarztsysteme im EU-Vergleich“:
„Basierend auf der Philosophie ,Load and Go‘ (übersetzt: Laden und Fahren) werden in Ländern wie USA, Kanada, Großbritannien, Irland, etc. sogenannte ‚Paramedics‘ für die Versorgung von schwer verletzten bzw. kritisch kranken PatientInnen eingesetzt. Hierbei handelt es sich um SanitäterInnen, die eine mehrjährige Ausbildung im Bereich Notfallmedizin absolvieren.“
Paramedics haben häufig mehr Befugnisse als deutsche Rettungsassistenten oder Notfallsanitäter. Wenn bei einer Rettung in Deutschland besondere medizinische Maßnahmen erforderlich sind, muss ein Notarzt angefordert werden. Dieser hat wiederum weitreichendere Kompetenzen als ein Paramedic.
Mezler-Andelberg schlussfolgert:
„Tendenziell zeigt sich jedoch, dass Paramedic-Systeme kostengünstiger sind, während notarztgestützte Rettungssysteme eine höhere Versorgungsqualität aufweisen.“
Doch wie gut eine Notfallrettung funktioniert, hängt nicht von der individuellen Leistung einzelner Helfer, sondern von der Effizienz des Gesamtsystems ab. Dies ist in den globalen Leitlinien für Lebensrettung nachzulesen.
Darin wird verdeutlicht, dass die unverzügliche Einleitung von Wiederbelebungsmaßnahmen durch Ersthelfer die Überlebensrate verdoppeln bis vervierfachen kann.
Pierre-Enric Steiger, der Präsident der Björn Steiger Stiftung, hat eine Verfassungsbeschwerde eingereicht.
Foto: Christophe Gateau/dpa
Ersthelfer-Apps können Leben retten
Um die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken, gewinnen Ersthelfer-Apps (First-Responder-Apps) zunehmend an Bedeutung. Ihre Aufgabe besteht darin, qualifizierte und registrierte Ersthelfer, die sich in der Nähe des Notfallortes aufhalten, per GPS-Ortung simultan mit dem Rettungsdienst zu alarmieren. Diese ehrenamtlichen Helfer können somit qualifizierte Basismaßnahmen wie die kardiopulmonale Reanimation (CPR) einleiten, noch bevor der Rettungswagen eintrifft.
Die Björn Steiger Stiftung treibt heute die flächendeckende Etablierung von Ersthelfer-Systemen und die Digitalisierung entscheidend voran.
Das strukturelle Defizit
Die deutsche Notfallversorgung leidet trotz Investitionen unter struktureller Zersplitterung. Dies belegt eine umfassende Untersuchung des Care and Public Health Research Institute (CAPHRI) der Maastricht University in einer Kooperation von Bertelsmann Stiftung und Björn Steiger Stiftung. Die Studie trägt den Namen „Partikularismus vs. Systemdenken“.
Die Studienautoren konstatieren einen erheblichen Reformbedarf in den Strukturen der deutschen Notfallversorgung. Sie bemängeln ein Fehlen an Transparenz sowie ineffiziente Schnittstellen zwischen ambulantem Sektor, Kliniknotaufnahmen und Rettungsdienst. Zudem wird das Fehlen einheitlicher Qualitätsstandards moniert.
Frank Ulrich Montgomery, Ehrenpräsident der Bundesärztekammer (BÄK) und Mitglied des Präsidialrats der Björn Steiger Stiftung, erklärte gegenüber dem „Deutschen Ärzteblatt“, dass es in Deutschland mehr als 200 unterschiedliche Leitstellensysteme gebe:
„Für das Krankenhaus und den ärztlichen Bereich gibt es einheitliche Vorgaben, für das Rettungswesen nicht. Es kann nicht sein, dass Menschen je nach Wohnort unterschiedliche Überlebenschancen haben.“
Aktuell hätten nur etwa 36 Prozent der Rettungsleitstellen ein etabliertes Verfahren zur telefonischen Reanimation, ergänzt Christof Constantin Chwojka, Geschäftsführer der Björn Steiger Stiftung, in der „Stuttgarter Zeitung“.
Frank Ulrich Montgomery: „Deutschland hat 200 unterschiedliche Leitstellensysteme.“
Foto: Guido Kirchner/dpa
Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat diese Defizite ebenfalls erkannt. Gangbare Lösungen umfassen die Einrichtung bundesweit einheitlicher integrierter Leitstellen (ILS). Diese bilden die zentrale Schnittstelle zwischen dem Hilfegesuch und der medizinischen Notfallversorgung. Ohne sie wäre eine strukturelle, flächendeckende und vor allem schnelle Lebensrettung nicht möglich.
Eine weitere Lösung ist die sektorübergreifende Steuerung der Patientenströme sowie eine Reform der Finanzierungsstrukturen. Letztere soll den Rettungsdienst als eigenständigen medizinischen Leistungsbereich definieren.
Ein erfolgreiches Beispiel aus dem Kreis Heinsberg
Wie eine erfolgreiche Umsetzung moderner Standards in der Praxis aussehen kann, zeigt der Kreis Heinsberg. Gegenüber Epoch Times zieht der Geschäftsführer des dortigen Rettungsdienstes, Ralf Rademacher, eine im bundesweiten Vergleich positive Bilanz.
Die hohe Qualität in der Region der Versorgung vor der Einlieferung in ein Krankenhaus lässt sich anhand konkreter Zahlen aus dem Jahr 2024 belegen. Demnach konnten 75 Patienten nach einem plötzlichen Herzstillstand und einer erfolgreichen Reanimation mit einem stabilen Spontankreislauf lebend in ein Krankenhaus aufgenommen werden.
Bei der telefonisch angeleiteten Reanimation durch die Leitstelle erreichte der Kreis Heinsberg eine Quote von 63,1 Prozent. Damit hebt sich die Region signifikant von den allgemeinen Referenzdaten ab, die im Durchschnitt bei 55,8 Prozent lagen.
8 Minuten bis zum Krankenwagen
In Deutschland ist die Anfahrtszeit des Rettungsdienstes in den Landesrettungsdienstgesetzen festgelegt. Dabei gilt in der Regel, dass 95 Prozent aller Einsätze 15 Minuten nicht überschreiten dürfen.
Rademacher erklärte, die Rettungsmittel würden in der Regel innerhalb von 8 Minuten nach Benachrichtigung am Notfallort eintreffen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen von diesem Durchschnitt.
Dennoch sei die physische Vorhaltung von Rettungsmitteln im ländlichen Raum begrenzt. Rademacher betont mit Nachdruck:
„Ohne die Corhelper-App würde es nicht gehen. Sie stellt eine außerordentliche Hilfe und Unterstützung des Rettungsdienstes dar.“
Die Ersthelfer können jene kritischen Minuten überbrücken, die für den neurologischen Zustand des Patienten entscheidend sind.
Defizite in der Datenerhebung
Die kontinuierliche Datenerhebung ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal des Rettungsdienstes im Kreis Heinsberg.
Die Region nimmt seit 2013 freiwillig am Deutschen Reanimationsregister teil. Hierin sieht der Geschäftsführer Rademacher jedoch auch eine Schwachstelle im bundesdeutschen System. Da die Teilnahme freiwillig ist, nutzen nicht alle Rettungsdienste dieses Instrument.
Ohne diese Daten fehlen jedoch wichtige Parameter zur Qualitätssicherung. Zudem ist eine evidenzbasierte Optimierung der Notfallrettung ohne Datenlage nicht möglich.
Rettungsdienst in Auckland, Neuseeland. Paramedic-Systeme sind oft kostengünstiger.
Foto: Wirestock/iStock
Der Rettungsdienst Heinsberg setzt dabei auf ein „gelebtes“ Qualitätsmanagement (QM). Alle Mitarbeiter haben das QM-Handbuch mit allen aktualisierten Informationen als mobile App auf ihrem Smartphone. „So verstaubt kein Ordner mehr im Regal und wird nicht genutzt“, erklärt Rademacher.
Regelmäßiger Austausch mit Kliniken
Der Erfolg im Kreis Heinsberg basiert laut Rademacher primär auf einer engen, institutionalisierten Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure. So findet ein regelmäßiger Austausch mit den ansässigen Kliniken vor Ort statt. Rademacher erklärt:
„Ein gemeinsames Verständnis aller Akteure, ein starkes ‚Wir‘ und eine organisierte zentrale Anlaufstelle können zukunftsweisende Lösungen sein. Wenn wir jetzt keine Veränderungen auf den Weg bringen, wird das System implodieren.“
Als entscheidenden Faktor erachtet der Geschäftsführer, dass die Kommunikation über Sektorengrenzen hinweg konsequent auf Augenhöhe erfolgen muss und zudem kritische Punkte transparent dargelegt werden.
„Als ich neben meinem sterbenden Sohn kniete, habe ich ihm versprochen, wenigstens anderen Menschen zu helfen. […] Ich bitte Sie, mir zu helfen, dass der Tod meines Sohnes nicht sinnlos war“, schrieb Ute Steiger zu Beginn ihrer Stiftungsarbeit an die Frau des damaligen Bundespräsidenten, Hilda Heinemann.
Die Optimierung des Rettungswesens, durch die die Bundesrepublik Deutschland in diesem Sektor damals stark nach vorn gebracht hat, benötigt heute neue gemeinsame Impulse.
An heißen Tagen: Warum der Weg aus dem Schwindel oft über den Darm und den Wasserkrug führt. - Foto: monkeybusinessimages/ iStock
Schwindel ist ein Symptom, das den Menschen aus seiner Mitte reißen kann. Es ist kein Schmerz, kein Fieber, kein klarer Angriffspunkt – sondern ein Verlust von Selbstverständlichkeit. Genau mit diesem Gefühl kam Frau L., 78 Jahre alt, in meine Praxis. Sie bewegte sich vorsichtig, als wolle sie dem Schwindel keine neue Gelegenheit geben.
„Es ist, als würde mein Kopf kurz leer werden“, sagte sie. Kein Drehen, kein Sturz – nur ein leises, aber beharrliches Wegsacken.
Was mich besonders nachdenklich machte: Sie war bereits bei ärztlichen Kollegen gewesen – beim HNO-Arzt, Neurologen, Kardiologen und sogar in der Radiologie. Alles ohne Befund.
„Alle sagen, ich sei gesund“, sagte sie, „aber ich fühle mich nicht so.“ Dieser Satz ist in der Ganzheitsmedizin ein Schlüssel. Denn wenn alle Fachgebiete einzeln nichts finden, liegt die Ursache nach meiner Erfahrung oft an mehreren Faktoren, die sorgfältig zu einem ganzheitlichen Bild zusammengefügt werden müssen.
Das Innenohr: Wichtig, aber selten der alleinige Schlüssel
In der klassischen Medizin beginnt die Suche nach der Ursache für Schwindel oft im Innenohr, wo sich das sogenannte Gleichgewichtsorgan befindet. Doch moderne Forschungen zeigen, dass Gleichgewicht weit mehr ist als ein vestibuläres Signal, wie man den Nervenimpuls des Gleichgewichtssinns in der medizinischen Fachsprache bezeichnet.
Studien belegen, dass emotionale Stresszustände die Verarbeitung vestibulärer Signale im Gehirn verändern können. Das bedeutet: Selbst ein völlig gesundes Innenohr kann Schwindel erzeugen, wenn das limbische System überlastet ist.
Für die Ganzheitsmedizin ist das ein entscheidender Hinweis. Gleichgewicht entsteht nicht nur im Kopf, sondern im Zusammenspiel von Emotionen, vegetativem Nervensystem und körperlicher Stabilität.
Wenn eine Patientin wie Frau L. sagt: „Ich fühle mich kurz weg“, dann kann das oft ein Ausdruck innerer Dysbalance sein – nicht nur ein lokales Problem im Ohr.
Viele Patienten berichten, dass sie nach einer langen diagnostischen Odyssee hören: „Organisch ist alles in Ordnung.“ Doch Schwindel ist oftmals kein rein organisches Symptom. Er ist ein Systemsignal.
Denn Gleichgewicht ist ein System – und Systeme geraten aus dem Lot, lange bevor ein einzelnes Organ versagt.
Der Kreislauf – wenn niedriger Blutdruck und Flüssigkeitsmangel das Gleichgewicht schwächen
Besonders ältere Menschen trinken oft zu wenig. Das klingt banal, ist aber physiologisch hochrelevant. Dehydration senkt das Blutvolumen, der Blutdruck fällt, und der Fluss in den kleinsten Blutgefäßen, der sogenannten Mikrozirkulation, wird schwächer. Das Gehirn erhält in diesen Momenten nicht genug Sauerstoff und reagiert mit Schwindel.
Bei Frau L. war genau das der Fall. Ihr Blutdruck war niedrig, ihr Körper unterversorgt. Doch weil bei den zuvor durchgeführten Untersuchungen jeder Facharzt nur den Ausschnitt aus seinem eigenen Fachgebiet betrachtete, blieb der Zusammenhang unentdeckt. Beim Kardiologenbesuch selbst war sie aufgeregt, und der dort gemessene Blutdruck galt mit 125/75 mmHg als normal.
Die ganzheitliche Sicht zeigte jedoch: Der Schwindel war kein unerklärbares Rätsel, sondern ein Warnsignal eines Kreislaufs, der nicht mehr stabil genug war. Aber es gab noch weitere Aspekte.
Die unsichtbaren Mitspieler im Nervensystem
Wenn alle Untersuchungen unauffällig sind, wird oft vorschnell gesagt: „Das ist psychisch.“ Doch die Psyche ist kein Ersatzdiagnosefeld, sondern ein realer Einflussfaktor auf das Gleichgewicht.
Studien zeigen, dass chronischer Stress die Tiefensensorik der Muskeln beeinträchtigt. Diese Sensoren liefern dem Gehirn entscheidende Informationen über die Körperposition im Raum. Wenn sie gestört sind, entsteht ein diffuser Schwindel, der nicht drehend sein muss, um den Alltag zu destabilisieren.
Zudem zeigen Untersuchungen, dass selbst leichte entzündliche Prozesse im Gehirn die Verarbeitung von Gleichgewichtssignalen beeinträchtigen können.
Diese Erkenntnisse zeigen: Schwindel ist oft ein Zusammenspiel aus körperlichen und psychischen Faktoren. Das vegetative Nervensystem reagiert empfindlich auf Stress, Schlafmangel, innere Unruhe und erzeugt Symptome, die organisch nicht immer klar messbar sind, aber real erlebt werden.
Die Achse zwischen Darm und Gehirn
Der Darm spielt ebenfalls eine überraschende Rolle für das Gleichgewicht. Aktuelle Forschungen untersuchen, wie entzündliche Prozesse im Darm über die direkte Nerven-Datenautobahn zum Gehirn, den sogenannten Vagusnerv, die Aktivität des Gleichgewichtszentrums beeinflussen können.
In der Ganzheitsmedizin wird der Darm als zentraler Regulator des vegetativen Nervensystems betrachtet. Wenn dort ein Ungleichgewicht herrscht, kann sich das auf den gesamten Körper auswirken. Bei Frau L. zeigte sich in weiteren Untersuchungen eine deutliche Dysbiose, also ein aus der Balance geratenes Darmmikrobiom, die ihren Zustand zusätzlich destabilisiert hatte.
Ein sogenannter „ungeklärter“ Schwindel kann also ein Ausdruck eines Systems sein, das an mehreren Stellen gleichzeitig die Balance verloren hat.
Das System wieder ins Lot bringen
Der Fall von Frau L. zeigt, wie vielschichtig Schwindel sein kann. Es ist selten das Innenohr alleine. Oft ist es ein Zusammenspiel aus Kreislauf, Flüssigkeitsmangel, Stress, Darmgesundheit, Mikrozirkulation und neuroinflammatorischen Prozessen.
Frau L. fand schließlich ihr Gleichgewicht wieder. Nicht durch eine einzelne Maßnahme, sondern durch ein ganzes Paket an Veränderungen. Sie trank mehr, stabilisierte ihren Kreislauf, brachte ihren Darm wieder ins Lot und half ihrem gestressten Nervensystem, zur Ruhe zu kommen.
In der Ganzheitsmedizin wird Schwindel oft als Hinweis betrachtet, dass der Körper nach Balance sucht. Wer ihn ernst nimmt, findet nicht nur Stabilität, sondern oft auch ein neues Körperbewusstsein.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Solche Päckchen mit Drogenproben tauchten in Briefkästen in Berlin auf. Bild: Polizei Berlin
In Kürze:
Die Berliner Polizei registriert erstmals Fälle, in denen Drogenproben gemeinsam mit Werbematerial in Briefkästen verteilt wurden.
Die Päckchen enthalten unter anderem Ketamin, Kokain, Ecstasy, Haschisch, Marihuana oder 3-MMC und könnten von Kindern mit Süßigkeiten verwechselt werden.
Bürger sollen die Sendungen nicht öffnen oder entsorgen, sondern die Polizei verständigen.
Die Ermittler sehen darin eine neue Form der Kundenakquise im illegalen Drogenhandel.
In Berlin warnt die Polizei vor einer neuen Vertriebsmethode von Drogenhändlern. Demnach sind in mehreren Briefkästen der Stadt Päckchen mit Proben illegaler Betäubungsmittel aufgetaucht.
Bislang wurden kleine Mengen Ketamin, Kokain, Ecstasy, Haschisch und Marihuana in solchen Päckchen gefunden. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden tauchten zudem Proben von 3-MMC auf. Dabei handelt es sich um eine synthetische, stimulierende Substanz aus der Gruppe der Cathinone.
Polizei Berlin: Dealer greifen zu immer aggressiveren Strategien
Die Verpackungen seien mit bunten Symbolen versehen. Sie enthielten auch eine Kontaktmöglichkeit zum jeweiligen Händler. Die Polizei warnt insbesondere vor einem möglichen Vergiftungsrisiko für Kinder. Die Aufmachung der Päckchen ist so gestaltet, dass diese Kaugummis, Bonbons oder Süßigkeiten darin vermuten könnten.
Der Polizei Berlin zufolge handelt es sich um eine neue Vertriebsmasche von Drogenhändlern. Diese soll ihnen den Zugang zu neuer Kundschaft verschaffen. Neu ist die Vorgehensweise allerdings nicht. Der hart umkämpfte Markt veranlasst die Akteure zu immer aggressiveren Strategien. In mehreren Stadtteilen waren bereits zuvor Aufkleber mit Telefonnummern mutmaßlicher Dealer an Laternen und Hauswänden aufgetaucht.
In Lokalen verteilen Händler häufig bunte Infokarten, auf denen sie ihre WhatsApp-Kanäle bewerben. Die nun verteilten Gratisproben in Briefkästen stellen eine weitere Ausweitung dieser Strategie dar. Um eine Ortung zu erschweren, nutzen die Dealer häufig Wegwerf-SIM-Karten sowie Messenger-Konten, Weiterleitungen oder Kanäle auf ausländischen Diensten. Teilweise verwenden die Urheber auch lediglich QR-Codes.
Polizei warnt vor Gefahr für Kinder
Vor allem Eltern sollten besonders vorsichtig sein, da ein generelles Vergiftungsrisiko besteht. Sollten Kinder an die Päckchen geraten, empfiehlt die Polizei, umgehend den Giftnotruf unter 030 192 40 oder die 112 anzurufen. Die Sicherheitsbehörden fordern Bürger, die solche Proben in ihren Briefkästen finden, dazu auf, diese nicht zu öffnen. Stattdessen sollen sie die Funde umgehend melden.
Die Polizei warnt zudem eindringlich davor, die angegebenen Kontaktmöglichkeiten zu nutzen: „Die Drogenhändler machen so vor allem Werbung für ihr Geschäft. Darum von unserer Seite noch einmal der Hinweis: Es ist verboten, Werbung für Drogen zu machen. Es ist verboten, sich auf Anzeigen dieser Art zu melden.“
Gegenüber der Epoch Times erklärte ein Sprecher der Polizei Berlin, dass die Werbung für Lieferdienste von Betäubungsmitteln kein neues Phänomen sei. Neu sei allerdings, dass den Posteinwürfen Proben von Betäubungsmitteln beigefügt würden.
Bislang seien drei Fälle bekannt geworden, in denen Täter neben der Werbung für den Lieferdienst auch Proben in Hausbriefkästen eingeworfen hätten. In allen drei Fällen sei der Bezirk Steglitz-Zehlendorf der Tatort gewesen. Der Berliner Polizei sei nicht bekannt, ob in anderen deutschen Städten ähnliche Phänomene beobachtet worden seien. Mit Blick auf die laufenden Ermittlungen wollte man zu den drei konkreten Fällen keine weiteren Angaben machen.
Der Rückgriff auf Messengerdienste und QR-Codes stelle eine Anpassung an veränderte Kommunikationsgewohnheiten dar. Diese kämen innerhalb der Zielgruppe ebenfalls häufiger zum Einsatz. Eine Steigerung der Nachfrage erwarte man aufseiten der Behörden nicht. Allerdings könnten die neuen Strategien die Anbahnung illegaler Geschäftsbeziehungen zwischen Händlern und Konsumenten erleichtern.
Gegenüber der Epoch Times erklärte der Sprecher zudem, wer Betäubungsmittel auffinde, solle diese nicht selbst entsorgen oder eigenständig zur Polizei bringen. Stattdessen sollten die Einsatzkräfte umgehend verständigt werden: „Diese berät zum weiteren Vorgehen und stellt die Betäubungsmittel sicher. Für die Finderin oder den Finder ergibt sich hieraus kein strafrechtlicher Vorwurf.“
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron begrüßt US-Außenminister Marco Rubio vor einem Treffen im Élysée-Palast. Mit dabei sind US-Sondergesandter Steve Witkoff (Mitte) und Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot. - Foto: Ludovic Marin/ AFP via Getty Images
In Kürze:
Die USA stellen bis zu fünf Millionen US-Dollar für ausgewählte europäische Organisationen bereit.
Gefördert werden Projekte zur Meinungsfreiheit, Migration, nationaler Souveränität und „Lawfare“.
Friedrich Merz kritisiert mögliche Einflussversuche auf europäische Politik und Wahlen.
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump will ausgewählte Organisationen in Europa mit Millionenbeträgen unterstützen. Nach Angaben des US-Außenministeriums sollen insgesamt fünf Millionen US-Dollar an Gruppen fließen, die sich mit Themen wie Meinungsfreiheit, nationaler Souveränität, Migration und Zensur befassen und damit Anliegen vertreten, die nach Ansicht Washingtons den gemeinsamen westlichen Werten entsprechen.
Das Außenministerium kündigte das Förderprogramm am 13. Juli an. Unterstützt werden sollen Organisationen, die sich mit „Herausforderungen in den Bereichen nationale Souveränität, Migration, Zensur und Lawfare (Rechtskriegführung) im Einklang mit unserer gemeinsamen politischen Philosophie, Rechtsordnung und dem westlichen Erbe“ beschäftigen.
Trump-Regierung nennt Förderschwerpunkte
US-Präsident Donald Trump, Vizepräsident JD Vance und weitere hochrangige US-Regierungsvertreter haben in den vergangenen Monaten wiederholt ihre Sorge über gesellschaftliche Entwicklungen in Europa geäußert. Im Mittelpunkt ihrer Kritik stehen eine aus ihrer Sicht zu hohe Zuwanderung sowie Einschränkungen der Meinungsfreiheit.
Nach Angaben des Weißen Hauses sollen die Fördergelder an zwei oder drei Organisationen vergeben werden. Der größte Empfänger könnte dabei bis zu drei Millionen US-Dollar erhalten.
In der Ankündigung verweist das Außenministerium auf eine Rede von Außenminister Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2026. Dort erklärte er, die transatlantischen Beziehungen müssten gestärkt werden, um „moderne Herausforderungen wie Massenmigration und Verletzungen der Meinungsfreiheit“ gemeinsam zu bewältigen.
In der Mitteilung heißt es weiter: „Seit Jahrhunderten basiert die transatlantische Partnerschaft auf einem gemeinsamen Verständnis von Naturrecht, Tugend und nationaler Souveränität. Europäische Regierungen entfernen sich jedoch zunehmend von diesen Grundlagen – durch übermäßige Eingriffe supranationaler Bürokratien und parteipolitische Instrumentalisierung, die Macht in technokratischen Institutionen konzentrieren, welche demokratischen Entscheidungen weniger rechenschaftspflichtig sind.“
US-Außenminister Marco Rubio hält am 14. Februar 2026 auf der 62. Münchner Sicherheitskonferenz in München eine Grundsatzrede.
Foto: Johannes Simon/Getty Images
Kritik an Europas Regulierung
In der Mitteilung erhebt das US-Außenministerium schwere Vorwürfe gegen europäische Regierungen und supranationale Institutionen. Diese würden staatliche Macht nutzen, um grundlegende Prinzipien demokratischer Selbstverwaltung zu untergraben – etwa durch weit gefasste Gesetze gegen Hassrede und Regelungen für Online-Inhalte, die nach Ansicht Washingtons die Meinungsfreiheit einschränken und politische Beteiligung erschweren.
Zugleich greift die Erklärung die Kritik der Trump-Regierung am sogenannten „Lawfare“ auf. Darunter versteht sie die gezielte Nutzung von Rechtssystemen zu politischen Zwecken. Politisch motivierte Strafverfahren, sogenannte SLAPP-Klagen, Gesetze zur strafrechtlichen Verleumdung und behördliche Sanktionen gegen abweichende Meinungen würden demnach zunehmend eingesetzt, um Meinungsfreiheit und gesellschaftliches Engagement einzuschränken.
Nach Auffassung des Außenministeriums entstehe dadurch eine abschreckende Wirkung: Einzelpersonen und Organisationen könnten aus Angst vor langwierigen oder kostspieligen Gerichtsverfahren davon abgehalten werden, ihre Ansichten öffentlich zu äußern – selbst dann, wenn Vorwürfe letztlich unbegründet seien.
Darüber hinaus behauptet das Außenministerium, Medienaufsichtsbehörden würden unter dem Vorwand der Bekämpfung von „Fehlinformationen“ oder „Desinformation“ eingesetzt, um Medien mit abweichenden Positionen zu untersuchen oder zu sanktionieren. Dies untergrabe nach Ansicht Washingtons den unabhängigen Journalismus und die demokratische Rechenschaftspflicht.
„Eine Auslöschung der Zivilisation“: Warnung vor Europas Entwicklung
In ihrer im vergangenen Jahr veröffentlichten nationalen Sicherheitsstrategie fordert die Trump-Regierung dazu auf, „Widerstand zu fördern“ gegen den politischen Kurs, den Europa nach ihrer Einschätzung derzeit einschlägt.
Das Strategiepapier warnt, Europa laufe aufgrund von Massenmigration, sinkenden Geburtenraten und dem Verlust nationaler Souveränität an der Europäischen Union Gefahr, eine „Auslöschung der Zivilisation“ zu erleben. Sollte dieser Kurs fortgesetzt werden, werde Europa in „20 Jahren oder weniger nicht wiederzuerkennen sein“, heißt es in dem vom Weißen Haus veröffentlichten Dokument.
Weiter heißt es: „Es ist daher keineswegs offensichtlich, ob bestimmte europäische Länder künftig noch über ausreichend starke Volkswirtschaften und Streitkräfte verfügen werden, um verlässliche Verbündete zu bleiben.“
Zudem erklärt die Trump-Regierung: „Wir wollen, dass Europa europäisch bleibt, sein zivilisatorisches Selbstvertrauen zurückgewinnt und seinen gescheiterten Fokus auf regulatorische Überregulierung aufgibt.“
Kritik übt Washington auch an europäischen Regelungen für das Internet, darunter am Digital Services Act (DSA) der Europäischen Union und am britischen Online Safety Act. Nach Auffassung der US-Regierung schränken diese Vorschriften die Meinungsfreiheit ein – insbesondere bei Kritik an der Einwanderungspolitik – und belasten zugleich amerikanische Technologieunternehmen mit umfangreichen Auflagen.
Befürworter der Gesetze halten dagegen, dass sie notwendig seien, um Hassrede sowie Falsch- und Desinformation im Internet wirksam zu bekämpfen.
Merz warnt vor möglicher Einflussnahme
US-Präsident Trump und führende Mitglieder seiner Regierung haben sich wiederholt öffentlich für europäische Politiker und Parteien ausgesprochen, die ihre politischen Ansichten teilen. Genannt werden unter anderem der ehemalige ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán sowie die Alternative für Deutschland (AfD).
Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte am 15. Juli die Sorge, die Trump-Regierung könnte sich in den deutschen Wahlkampf einmischen. Nach der Ankündigung des Förderprogramms erklärte er auf einer Pressekonferenz: „Wir unsererseits mischen uns nicht in amerikanische Wahlen ein. Umgekehrt möchte ich nicht, dass die amerikanische Regierung oder regierungsnahe Institutionen sich in deutsche Wahlen einmischen.“
Merz und Trump: Das Verhältnis der beiden ist inzwischen deutlich abgekühlt. (Archivbild)
Foto: Kay Nietfeld/dpa
Nach Angaben des US-Außenministeriums können sich Einzelpersonen sowie staatliche und zivilgesellschaftliche Einrichtungen um die Fördergelder bewerben. Politische Parteien sind von dem Programm ausdrücklich ausgeschlossen.
Die Staatssekretärin für öffentliche Diplomatie, Sarah Rogers, stellte die Initiative bereits während einer Europareise im Februar vor. Ziel sei es, „die Meinungsfreiheit in den westlichen Demokratien zu fördern – und genau das wird meine Vergabe von Fördermitteln unterstützen“.
Rogers betonte zudem, die US-Regierung setze sich „mit Nachdruck für die Meinungsfreiheit“ ein. Ohne freie Meinungsäußerung gebe es keine Selbstverwaltung und keine demokratische Willensbildung, da unterschiedliche Standpunkte öffentlich vertreten werden müssten.
Die deutsche Autobranche steckt tief in der Krise. Ein neues Gesetz soll einen fließenden Jobwechsel ermöglichen. (Archivbild) - Foto: Jan Woitas/dpa
In Kürze:
Wenn der Verlust des Arbeitsplatzes droht, sollen Betroffene einen Wechsel rechtzeitig vorbereiten können.
Der Gesetzentwurf sieht eine vierwöchige Probephase in einem möglichen neuen Betrieb vor.
Das Bundesarbeitsministerium will auch digitale Beratung ausbauen.
Verbände sehen teilweise Anlass zur Nachbesserung.
Eine sogenannte Job-to-Job-Erprobung bildet den Schwerpunkt eines Gesetzentwurfs von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD), den das Bundeskabinett am 15. Juli 2026 beschlossen hat. Das Papier mit dem Titel „Modernisierung und Digitalisierung der Arbeitsförderung“ bündelt Änderungen im Dritten Buch Sozialgesetzbuch (SGB III).
Ziel ist es demnach, Verwaltungsabläufe zu digitalisieren, den Zugang zu Leistungen der Bundesagentur für Arbeit zu vereinfachen und neue Instrumente für den Arbeitsmarkt einzuführen. Mit der Job-to-Job-Erprobung sollen Mitarbeiter eines Unternehmens Arbeitsplatzwechsel vorbereiten können, ohne zunächst erwerbslos zu werden.
Bas: Unkompliziert wechseln
„Wenn Unternehmen Arbeitsplätze abbauen müssen, kommt es darauf an, dass die Fachkräfte schnell und unkompliziert in Branchen wechseln, in denen sie gebraucht werden“, sagt Bas. Die Wirtschaftskrise in Deutschland geht seit Längerem mit teils erheblichem Stellenabbau einher. Der Bundestag berät über den Gesetzentwurf nach der parlamentarischen Sommerpause.
Dieses neue Instrument richtet sich allerdings nicht an alle Beschäftigten. Angesprochen sind nur die, deren Arbeitsverhältnis in absehbarer Zeit voraussichtlich endet oder deren Betrieb Personal abbaut. Dem Gesetzentwurf zufolge bekommen diese Menschen die Möglichkeit, für einen begrenzten Zeitraum einen potenziellen neuen Arbeitgeber kennenzulernen und dort bereits mitzuarbeiten.
Während dieser Probephase bleibt das bestehende Arbeitsverhältnis erhalten. Beide Seiten – Beschäftigte und Unternehmen – können auf diese Weise feststellen, ob eine dauerhafte Übernahme in Betracht kommt. Die Bundesagentur für Arbeit hat in diesem Verfahren die Funktion eines Vermittlers. Die Job-to-Job-Erprobung soll die bisherigen Möglichkeiten der Arbeitsvermittlung erweitern.
Konkret könnte das wie folgt aussehen: Ein Mechatroniker arbeitet im Braunkohletagebau. Da sein Job innerhalb der kommenden zwei Jahre wegfallen soll, absolviert er nach Absprache mit den Vorgesetzten und einer Arbeitsagenturberatung vier Probewochen bei einem anderen Unternehmen. Dort lernt man sich kennen und schaut, wo es gegebenenfalls noch Weiterbildungsbedarf gibt – mit Perspektive auf einen neuen Job.
720 Millionen Euro bei Bürokratiekosten einsparen
Neben diesem Instrument enthält der Entwurf zahlreiche Regelungen zur Digitalisierung der Arbeitsförderung. Anträge auf Leistungen wie das Arbeitslosengeld können Bürger demnach künftig in der Regel digital stellen. Auch die Arbeitslosmeldung und die Kommunikation mit der Bundesagentur für Arbeit sollen verstärkt auf elektronischem Weg erfolgen.
Die Möglichkeit der schriftlichen oder persönlichen Kontaktaufnahme soll aber weiterhin bestehen. Daraus ergibt sich, dass Empfänger von Arbeitslosengeld nicht mehr grundsätzlich an ihrer Briefpostadresse anwesend sein müssen, erläutern Agenturen. „Eine stetige Anwesenheit an der Briefpostadresse ist nicht mehr zeitgemäß“, heißt es aus dem Arbeitsressort zu der Neuregelung.
Darüber hinaus erweitert der Entwurf des Bas-Ministeriums die Möglichkeiten für digitale Beratungsangebote. So soll es häufiger Videoberatungen geben, um den Kontakt zwischen Arbeitsuchenden, Beschäftigten und der Arbeitsverwaltung zu erleichtern.
Vorgesehen ist auch, dass Unternehmen Anträge, etwa im Zusammenhang mit dem Kurzarbeitergeld, künftig ebenfalls elektronisch übermitteln können. Mit weiteren Regelungen will das Ministerium die Bürokratie vereinfachen und bereits bestehende Vorschriften an digitale Kommunikationsformen anpassen.
So sollen auch Entlastungen der Unternehmen beim Arbeitsschutz dazukommen. Wegen höherer Schwellenwerte, ab wann Sicherheitsbeauftragte zu bestellen sind, könnten bis zu 123.000 Beauftragte in kleinen und mittleren Unternehmen wegfallen. Die Gewerkschaft ver.di hatte diesen angekündigten Schritt als „Abbau von Sicherheit“ kritisiert.
Laut Bas sollen durch das Entlastungspaket insgesamt mehr als 720 Millionen Euro jährlich an Bürokratiekosten wegfallen.
BDA: Sechs statt vier Wochen Erprobung
Die Grünen-Arbeitsmarktexpertin Sylvia Rietenberg nannte die Schritte teils positiv, wandte aber ein: „Die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Wie begleiten wir Beschäftigte durch Künstliche Intelligenz, Dekarbonisierung und den tiefgreifenden Wandel der Wirtschaft?“
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) nannte die Job-to-Job-Regelung sinnvoll. Die Erprobungsphase solle allerdings sechs Wochen anstelle der im Gesetzentwurf vier Wochen betragen. Insgesamt führe der Referentenentwurf jedoch einseitig zu weiteren Belastungen der Arbeitslosenversicherung. Auch verlagere er versicherungsfremde Aufgaben. Nach Ansicht der BDA müsse daher „dringend nachgebessert werden“.
In einer gemeinsamen Stellungnahme äußerten sich auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Arbeit, der Bundesverband der Träger der beruflichen Bildung, der Evangelische Fachverband für Arbeit und soziale Integration sowie der Verband Deutscher Privatschulverbände. Positiv sei die Begleitung und Beratung für Beschäftigte und Arbeitgeber bei der Job-to-Job-Regelung durch die Agentur für Arbeit.
Doch aus Sicht der Verbände greife eine Beschränkung der Unterstützung auf reine Beratungsleistungen nicht weit genug. Ergänzt werden müssten sie durch (Nach-)Qualifizierungs- und Coachingangebote. Nur so könnten Unterstützungsleistungen sinnvoll mit der Erprobung neuer Beschäftigungsperspektiven verknüpft und die Voraussetzungen für dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse geschaffen werden. Des Weiteren sollten Bildungsträger bei der Ausgestaltung begleitender Maßnahmen einbezogen werden.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund wies im Zusammenhang mit der Job-to-Job-Erprobung darauf hin, dass eine Beschäftigungssicherung im Betrieb das grundsätzliche Ziel sein müsse. Die Regelung müsse daher auf die Fälle abzielen, die von einem strukturwandelbedingten Abbau von Arbeitsplätzen betroffen seien. Außerdem müsse gewährleistet sein, dass sich die Beschäftigten freiwillig auf diese Möglichkeit einließen. Auch müssten Kündigungsschutzrechte weiterhin gelten.
dbb: Kein Vorwand für Personalabbau
Der dbb beamtenbund und tarifunion nannte die Möglichkeit einer Erprobung von neuen Mitarbeitern sinnvoll. „Es muss vor Ort klar überprüfbar sein, ob eine wirksame, personenbezogene und zeitlich abgedeckte Erprobungsmaßnahme vorliegt oder nicht“, betonte der stellvertretende dbb-Bundesvorsitzende Maik Wagner. Zum geplanten Ausbau der Digitalisierung zwecks Arbeitserleichterung mahnte er allerdings an, dass dieser „nicht als Vorwand für Personalabbau dienen“ dürfe.
Die Job-to-Job-Erprobung ist kein völlig neuer Ansatz. Auch in anderen EU-Ländern geht der Trend hin zu präventiver Beschäftigungssicherung, jedoch stets ohne die Möglichkeit einer praktischen Erprobung während eines bestehenden Arbeitsverhältnisses.
Die Niederlande haben mit der sogenannten Proefplaatsing (Probeplatzierung) ein Instrument, das dem Gedanken der Erprobung nahekommt. Wer auf Jobsuche ist, hat die Möglichkeit, eine Tätigkeit bei einem Arbeitgeber probeweise auszuüben. Dieses Konzept gilt allerdings vornehmlich für Arbeitslose oder Leistungsempfänger und nicht für Beschäftigte, die noch in einem Arbeitsverhältnis stehen.
Dies gilt auch für die Schweiz, die sich in ihrem präventiven Ansatz auf Beratung, Vermittlung und Qualifizierung zur Förderung beruflicher Übergänge einsetzt. Auch österreichische Arbeitsstiftungen warten mit einer präventiven Arbeitsmarktpolitik bei drohendem Jobverlust auf.
Dänemark verbindet bei seiner Arbeitsmarktpolitik Flexibilität und soziale Absicherung (Flexicurity) miteinander. Im Mittelpunkt steht dabei weniger die dauerhafte Sicherung von Arbeitsplätzen als die Unterstützung von Menschen auf der Suche nach neuen beruflichen Perspektiven.
Was die Botschaft angeht, ist „Toy Story 5“ vielleicht der beste Teil der Reihe. Er greift alle in „Toy Story 4“ angesprochenen Themen auf und ist ein bemerkenswert aktuell relevanter Film – ehrlich, nachdenklich und durchaus witzig, der Kinder-Blockbuster des Sommers 2026.
Denn wenn Sie Ihre Kinder nicht gerade auf eine Waldorfschule geschickt haben, werden sie bemerkt haben, dass Spielzeuge immer mehr zu Wegwerfartikeln geworden sind. Das ist auch Aufhänger dieses Films.
Wird der fünfte Teil nun das Ende der Reihe markieren? Da es sich in Hollywood um Angebot und Nachfrage dreht, wird Pixar offensichtlich weiterhin Kapital daraus schlagen, sollten die Leute auch zukünftig etwas von dieser Ansammlung zunehmend nostalgischer Spielzeuge erfahren wollen.
V. l. n. r.: Mrs. Anderson (Originalsprecherin Lori Alan) und Bonnie (Originalsprecherin Scarlett Spears) werden in „Toy Story 5“ von Buzz Lightyear (Originalsprecher Tim Allen) und Woody (Originalsprecher Tom Hanks) ausspioniert.
Die kurze philosophische Zusammenfassung von „Toy Story 4“: Autonomie versus Bestimmung. Die Ethik der Empfindungsfähigkeit! Es wurde die Frage aufgeworfen, ob empfindungsfähige Wesen einen höheren Sinn, wie etwa die Betreuung von Kindern, benötigen, um Erfüllung zu finden. Darüber hinaus wurden existenzielle Fragen zu Schöpfung und Bewusstsein behandelt.
V. l. n. r.: Bullseye, Jessie (Originalsprecherin Joan Cusack), Atlas (Originalsprecher Craig Robertson), Smarty Pants (Originalsprecher Conan O’Brien) und Snappy (Originalsprecherin Shelby Rabara) in „Toy Story 5“.
Mit der wie üblich beeindruckenden Animation von Pixar (für Walt Disney Pictures) liefert „Toy Story 5“ eine Erzählung über die Bedeutung von Freundschaften, was sich bereits durch den gesamten Verlauf der Reihe zog.
Ob Menschen oder Spielzeuge, Kameradschaft ist das, was am meisten zählt. Alle Filme der Serie veranschaulichen die lebensgefährlichen Anstrengungen, die diese Spielzeuge auf sich nehmen, um sich gegenseitig und ihr menschliches Kind zu beschützen. Sie sind in guten wie in schlechten Zeiten füreinander da.
Jessie (Originalsprecherin Joan Cusack) und ihr Spielzeugpferd Bullseye stehen in „Toy Story 5“ auf dem Kopf eines echten Pferdes.
Die neuen Spielzeuge sorgen für neue Lacher, insbesondere Conan O’Brien, der einem Spielzeug zum Töpfchentraining seine Stimme verleiht. In den rein der Fantasie entstammenden Zwischenspielen sieht das Spielzeug genau wie er selbst aus: mit Hasenzähnen, nach unten gezogenen Mundwinkeln und karottenroter Tolle.
Die Hauptfiguren, die wir so lieb gewonnen haben, sind nach wie vor einfach herrlich. Woodys Rückkehr mit Bo Peep ist sehr erfreulich und die letzte Szene bringt endlich auf den Punkt, worum es in seiner Freundschaft mit Buzz schon immer ging.
Meine persönlichen Favoriten – Duke Caboom (Originalsprecher Keanu Reeves) und Forky (Originalsprecher Tony Hale) – hätten mehr zu tun bekommen können. Aber diese Nebenbemerkung gehört eigentlich zu „Toy Story 4“: Ich liebe es, wie Forky – ein zusammengebasteltes Spielzeug aus einem Plastiklöffel kombiniert mit einer Gabel, Pfeifenreinigern und Eisstielen – eine zutiefst naive, von Ängsten geplagte Persönlichkeit mit ewig weit aufgerissenen Augen und verwirrtem Blick verkörpert.
Seine urkomische, andauernde Existenzkrise wird von der festen Überzeugung angetrieben, dass er, da er aus Müll gemacht wurde, dazu bestimmt ist, auch wieder im Müll zu landen. Was für eine geniale Figur!
Das Happy End, bei dem sich das Mädchen Bonnie mit einem anderen kleinen Mädchen anfreundet, dessen Geist genauso kreativ ist wie sein eigener, ist ein wunderbares Beispiel für einen idealen Zustand in der Kindheit.
Bonnie (Originalsprecherin Scarlett Spears) betrachtet ihr neues Tablet namens Lilypad (Originalsprecherin Greta Lee) in „Toy Story 5“.
Dass Disney erwartungsgemäß seine typischen unterschwelligen Indoktrinationstaktiken eingebaut hat, ignoriere ich einfach mal komplett: Bonnie rennt in Regenbogensocken herum, Ernie Hudsons Machocharakter Combat Carl trägt einen Rock und Daffodil, ein lilafarbenes Spielzeugpferd im Pegasus-Stil mit seidiger pinkfarbener Mähne (angeblich gesprochen von Taylor Swift), sieht wie das Spielzeugpferd einer Dragqueen aus. Daffodil zwinkert einem dann auch demonstrativ zur Schau gestellt zu, um klarzustellen, dass „sie“ genau das ist.
Der Star von „Toy Story 5“ ist Jessie (gesprochen von Joan Cusack), eine Spielzeugfigur, die eine Hommage an Calamity Jane – eine US-amerikanische Wild-West-Heldin (circa 1856–1903) – darstellt, zusammen mit ihrem kleinen Pferd Bullseye. Das und die rein weibliche Besetzung der menschlichen Charaktere machen den gesamten Film zu einer Liebeserklärung an das Mädchensein.
Blaze Manoukian (Originalsprecherin Mykal-Michelle Harris) mit ihrem Tablet in „Toy Story 5“.
Die Kernaussage betrifft unser größtes gesellschaftliches und kulturelles Problem: Die Technologie verdrängt die Fantasie der Kinder. Kinder spielen wegen ihrer Smartphones und Tablets nicht mehr mit Spielzeug.
Dennoch unterläuft „Toy Story 5“ auf überzeugende Weise die Erwartungen bezüglich des Konzepts des Bösewichts. Lilypad (gesprochen von Greta Lee), das froschgrüne, tabletartige Gerät, welches das Potenzial hat, zum mächtigsten Bösewicht der gesamten Filmreihe zu werden, sorgt für eine fesselnde Wendung, welche die Handlung des Films nachhaltig prägt.
Das Problem sind die von Menschen hinzugefügten süchtig machenden Komponenten. Hinzu kommt, dass die meisten Menschen, wenn sie nicht an irgendeiner Form von persönlicher Verbesserung arbeiten, stets mit Mäßigung zu kämpfen haben.
Kontrolle und das Setzen von Grenzen sind der Schlüssel. KI in Maßen ist eine Superkraft, aber KI, die mit bösen Absichten einhergeht, verbreitet Internetlügen wie die Beulenpest. Diese Sichtweise wird dadurch vermittelt, dass Lilypad mit guten Absichten und einem Gewissen vermenschlicht wird.
Der bewegendste Moment des Films ist jedoch, als Jessie endlich Gewissheit bekommt. All die Jahre hat sie geglaubt, dass ihr Mensch, Emily, sie einfach vergessen habe. Jessies Hintergrundgeschichte gehört zu den traurigsten der gesamten „Toy Story“-Reihe, und der Abschluss dieses Handlungsbogens schenkt ihr endlich den Frieden und die Anerkennung, die sie verdient.
Allein das ist für Kinobesucher jeden Alters Grund genug, sich „Toy Story 5“ anzusehen.
„Toy Story 5“ Regie: Andrew Stanton Mit: Joan Cusack, Tom Hanks, Tim Allen, Conan O’Brien Empfehlenswert ab circa zehn Jahren in elterlicher Begleitung Laufzeit: 1 Stunde, 42 Minuten In deutschen Kinos ab 23. Juli 2026 Bewertung: 4 von 5 Sternen
Die Biografie von Nickolas Emrich liest sich aufregend unterschiedlich. Er war Radiomoderator, studierte Jura, führte zwei Unternehmen im gastronomischen Bereich, sattelte um auf Polizist und unterrichtete an der Polizeiakademie. Jetzt ist er Autor seines zehnten Buches. Zuletzt fuhr er für ein knappes Jahr U-Bahn in Berlin.
Genau dort, im Pausenraum der Verkehrsbetriebe, kam ihm die Idee zu seinem neuen Buch mit dem Untertitel „Innere Sicherheit ist die neue soziale Gerechtigkeit“. Die Gesprächsthemen kreisten nämlich nicht um Lohnerhöhungen, sondern um aggressive Fahrgäste, den unsicheren Weg zur Arbeit oder die eigenen Kinder, die auf dem Schulweg verprügelt oder auf dem Schulhof von Kindern der höheren Klassen ausgeraubt werden.
Konkrete Vorschläge, welche Gesetze verändert werden sollten, schöpft Emrich aus seiner davorliegenden Polizeizeit.
Herr Emrich, Sie sprechen davon, dass der Staat die Regeln, die er selbst aufstellt, nicht mehr durchsetzen kann. Wer ist Ihrer Meinung nach konkret aufgerufen, etwas zu ändern? Und wie sollte das aussehen?
Die Bürger sind aufgerufen, ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen. Der Wille zur Veränderung kommt immer von der Basis. Ich glaube, das ist die grundlegende Voraussetzung dafür, dass Politik etwas ändert.
Es wäre langweilig zu sagen: „Wir brauchen mehr Polizei, wir brauchen mehr Justiz.“ Ich schlage deshalb konkrete Änderungen vor, zum Beispiel an Paragraf 112 der Strafprozessordnung. Dieser betrifft die Untersuchungshaft im Fall von Wiederholungstätern. Auch andere Verbesserungen im Gesetz, die struktureller Natur sind, sind möglich. Ein Politiker muss diese aufgreifen und in den Gesetzgebungsprozess einbringen.
Der Ruf nach einem stärkeren Staat wird meist mit mehr Polizei und mehr Überwachung assoziiert. In vielen anderen Staaten zeigt sich, dass mehr Überwachung nicht automatisch mehr Sicherheit oder gar Freiheit bedeutet. Worin sehen Sie den Unterschied zu Ihrer Forderung?
Ich glaube, Sicherheit bringt Wohlstand. Das zeigen auch Länder wie die Schweiz oder Singapur. Mir geht es nicht um Überwachung. Ich will keinen starken Staat per se, ich will einen konsequenten Staat in dem Sinne, dass die Dienstleistung, die der Staat verspricht, die er sich bezahlen lässt und die auch kein anderer erbringen kann – weil es das staatliche Gewaltmonopol gibt –, dass diese Leistung zuverlässig erbracht wird. Denn zum Schluss ist die Freiheit eingeschränkt, wenn man keine Sicherheit hat.
Insofern distanziere ich mich ausdrücklich von anlassloser Massenüberwachung, von Chatkontrolle und Ähnlichem. Es geht nicht darum, dass der Staat mehr Befugnisse bekommt, sondern es geht darum, dass vorhandene Gesetze, die nicht zugeschnitten sind auf Wiederholungstäter, gegen solche Intensivtäter nachgeschärft werden.
Deswegen sage ich: Innere Sicherheit ist die neue soziale Gerechtigkeit, weil es insbesondere die Leute trifft, die aufgrund ihres Viertels oder ihrer Verkehrsmittelwahl mit dieser Kriminalität zu tun haben und dadurch letztlich an ihrem Fortkommen im Leben gehindert werden.
Sie sagen nachschärfen. Heißt das Gesetzesänderung oder dass die Judikative das wirklich umsetzt, was sie schon als Handhabe hat?
Nein, es müssen schon Gesetze geändert werden. Wenn Menschen beharrlich, auch einfachere Delikte, immer wieder begehen, muss es möglich sein, sie bis zum Prozess in Untersuchungshaft zu nehmen.
Wenn ich mehr beschleunigte Verfahren möchte, muss ich natürlich auch die Rahmenbedingungen dafür schaffen.
Oder wenn ich Einstellungen des Verfahrens ohne Auflagen stark begrenzen möchte. Wohlgemerkt, ich meine nicht die Einstellung des Verfahrens wegen erwiesener Unschuld oder aus Mangel an Beweisen, sondern diese berühmte Einstellung ohne Auflagen wegen Geringfügigkeit aus Gründen der Prozessökonomie.
Das hört sich nach einem langen Weg an, oder?
Eigentlich nicht. Ich bräuchte 5 Minuten.
Ich habe ja Strafprozessrecht an der Polizeiakademie unterrichtet und weiß aus meiner Tätigkeit im Kommissariat als Ermittler, was geändert werden müsste. Denn man führt die Vernehmungen durch und schickt zum Schluss die Akte mit einem Schlussbericht an die Staatsanwaltschaft. Dort sieht man erst, was alles eingestellt wird. Dort sieht man auch, warum Verfahren lange dauern.
Wie lange der gesellschaftliche Prozess dauert, ist eine andere Frage.
Wie kann Ihrer Meinung nach, das Sicherheitsgefühl in der Gesellschaft wieder wachsen?
Es gibt häufig Fälle, bei denen das Urteil der Justiz drastisch von dem Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung abweicht. Das führt jedes Mal zu einer Entfremdung, und das darf nicht sein.
Wenn ich mir zum Beispiel den Fall eines erschossenen Polizisten anschaue – dazu gab es dieses Jahr am 1. April ein Urteil, das leider kein Aprilscherz war. Der Tankstellenräuber wurde vom Vorwurf des Mordes freigesprochen. Die Richterin war der Meinung, dass er vor dem Hintergrund einer paranoiden Schizophrenie gehandelt habe und deswegen seine Steuerungsfähigkeit erheblich vermindert gewesen sei.
Das Gesetz ermöglicht solche Entscheidungen. Ich plädiere in meinem Buch für die Nein-Mentalität. Das heißt, dass man sich als Gesellschaft zutraut, auch zu sagen: Täter, Deine Gründe interessieren uns nicht mehr. Es ist uns egal, warum Du das tust. Hör einfach damit auf.
Wer in der Lage ist, eine solche Straftat zu planen, der hat in der Regel schuldfähig zu sein. Es kann nicht sein, dass dann nach einem erfolgten Tankstellenüberfall die Angst des Täters bei der Strafzumessung oder sogar bei der Schuldfähigkeit eine Rolle spielt.
Ich möchte eine Diskussion anstoßen. Wenn diese Diskussion gelingt und daraus eine Gesetzesänderung entsteht, dann ist dieses neue Gesetz genauso legitim wie das alte.
Sie beschreiben viel in Ihrem Buch die Akzeptanz von Tabubrüchen. Sehen Sie andere Hebel, außer Gesetzesverschärfungen, das ethische Grundverständnis wieder mehr zum Tragen zu bringen?
Es ist natürlich auch ein Prozess in der Gesellschaft. Man muss der Resignation entgegenwirken.
Wenn ich jetzt einen Drogenhotspot habe, zum Beispiel das Kottbusser Tor [in Berlin]. Alle sagen: Ja, hier ist alles verwahrlost. Die Leute nehmen das hin.
Nun mache ich ganz frech einen Gegenvorschlag. Der wird nicht allen gefallen. Aber was ist, wenn ich jedes Mal, wenn ich dort sehe, wie gedealt wird, die 110 wähle und sage: Ich befinde mich hier gerade am Bahnhof Kottbusser Tor. Ich habe eine Straftat gesehen, hier wurde gedealt. Bitte schicken Sie einen Funkwagen.
Wahrscheinlich wird der Mensch an der Notrufleitung sich schlapplachen und denken: Wow, da hat jemand am Kottbusser Tor gedealt. Meine Güte, und heute Morgen ist die Sonne aufgegangen. Wahrscheinlich wird man das albern finden, aber dieser Mensch dort am anderen Ende der Leitung hat gar keine andere Chance, als das weiterzugeben.
Es ist sinnvoll, Straftaten vom Dunkelfeld ins Hellfeld zu ziehen. Wenn jeden Tag 50 Anrufe eingehen, die in der Statistik auftauchen – ja, Politik ist langsam, aber lassen wir ein Jahr vergehen –, dann ist der entsprechende Druck da und dann wird politisch gehandelt.
Das ist auch das Ziel, dass ich dieses Buch schreibe und Interviews gebe.
Sehen Sie keine Gefahr, dass dieser Druck, wenn er stärker wird, sich nur in eine andere Richtung verschiebt? Wo ist die Möglichkeit, wirklich ein Problem zu lösen?
Ich glaube, dass auch das Woandershinschieben etwas bringt. Es wird ein harter Kern bleiben, aber es wird auch bei Einzelnen dazu führen, dass es sich möglicherweise nicht mehr rentiert. Dass Dealer merken, dass es sich im Schnitt nicht lohnt für ein bis zwei Deals 4 Stunden auf der Wache zu verbringen.
Es wird immer Kriminelle geben. Es gab schon immer Kriminalität. Es wird wahrscheinlich auch immer Drogenabhängige geben. Aber wenn man frühzeitig Hotspots nicht akzeptiert und mit einem hohen Druck dagegenarbeitet, wird es immer Leute geben, die den leichteren Weg wählen und vielleicht wieder auf den rechten Pfad zurückkehren.
Sie zitieren Thomas von Aquin: Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit ist Grausamkeit. Doch Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit ist die Mutter aller Auflösung. Wo würden Sie sich konkret mehr Barmherzigkeit wünschen? Und wo mehr Gerechtigkeit?
Die Gesellschaft ist aktuell mehr auf der zweiten Seite. Also es ist gerade aus meiner Sicht überwiegend zu viel Barmherzigkeit, gerade was die Verfahrenseinstellung ohne Auflagen angeht und was Bewährungsstrafen angeht, im Bereich der Jugendkriminalität.
Natürlich ist es nicht sinnvoll, jemanden wegen eines kleinen Deliktes ins Gefängnis, sprich die Universität des Verbrechens, zu schicken.
Aber jemanden, der dann doch beim zweiten oder dritten Mal beharrlich zeigt, dass er diesen Weg weitergehen will, nicht rechtzeitig eine klare Ansage zu machen, ist aus meiner Sicht sogar schädlich für den Täter. Ich glaube, vielen Tätern würde man sogar etwas Gutes tun, wenn man sie frühzeitig härter bestrafen würde, zumindest in einer ganzheitlichen Betrachtung.
Und jedes Mal, wenn der Staat eine Person, die gefährlich ist, laufen lässt, spricht er auch damit einer anderen Person zu, Opfer zu werden.
Herzlichen Dank, Herr Emrich, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben.
Foto: Deutscher Wirtschaftsbuch Verlag
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Buchdetails:
Titel: Der Preis unserer Toleranz. Warum innere Sicherheit die neue soziale Gerechtigkeit ist
Effekte von Vitamin K2 auf den Arterien-Schutz. - Foto: Yana Tatevosian / iStock
Eine kürzlich veröffentlichte klinische Studie ergab, dass bei Patienten mit Herzerkrankungen, die eine Form von Vitamin K2 einnahmen, das Risiko für künftige Herzerkrankungen sank. Die Arterienkalziumwerte der Patienten, die das Präparat einnahmen, stiegen im untersuchten Zeitraum über zwei Jahre langsamer an als die der Patienten, die ein Placebo erhielten.
Die Verkalkung der Herzkranzgefäße, ein wichtiger Marker für Arteriosklerose, betrifft viele. Schätzungen zufolge leiden circa 4,7 Millionen Menschen in Deutschland an Arterienverhärtungen, was ihr Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erheblich erhöht.
Die Ergebnisse der Studie, die kürzlich in „JAMA Cardiology“ veröffentlicht wurde, deuten darauf hin, dass die Einnahme von Vitamin K2 in Form von Menaquinon-7 (MK-7) das Fortschreiten der Kalziumablagerungen in den Arterien von Patienten mit bestehender Herzerkrankung verlangsamen könnte.
Die Studie wurde von 2012 bis 2022 an zwei Krankenhäusern in den Niederlanden durchgeführt und umfasste 180 Patienten mit Anzeichen von Kalziumablagerungen in den Arterien. Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip entweder der Gruppe mit einer täglichen Dosis von 360 Mikrogramm MK-7 oder der Placebo-Gruppe zugeordnet.
Bei denjenigen, die MK-7 einnahmen, war der Anstieg der arteriellen Kalziumablagerungen geringer. Kalziumablagerungen in den Arterien führen dazu, dass diese steif und hart werden.
„Die vorliegenden Daten stützen unsere Hypothese, dass eine zweijährige Supplementierung mit MK-7 die Verkalkung der Koronararterien bei Personen mit symptomatischer [koronarer Herzkrankheit] abschwächt“, schrieben die Autoren der Studie.
Die Wirkung von MK-7 schien sich jedoch darauf zu beschränken, das Fortschreiten zu verlangsamen. Der Effekt war jedoch nicht stark genug, um die Anzahl der Patienten mit einer besonders schnellen Verkalkungsprogression im statistisch relevanten Ausmaß zu verringern.
Die Autoren merkten an, dass die klinische Bedeutung ihrer Ergebnisse noch in weiteren Studien mit einer größeren Teilnehmerzahl untersucht werden müsste.
Warum es helfen könnte
MK-7 ist eine hoch bioverfügbare Form von Vitamin K2, einem Nährstoff, der Kalzium in die Knochen statt in die Blutgefäße leitet.
Mechanistisch gesehen scheint MK-7 die Aktivität eines Proteins namens Matrix-Gla-Protein (MGP) zu verstärken, das von Natur aus Kalziumablagerungen in den Blutgefäßen hemmt. Bei den mit MK-7 behandelten Personen sank der Spiegel an inaktivem MGP signifikant, was darauf hindeutet, dass mehr aktives Protein zur Verfügung stand, um die Blutgefäße vor Kalziumablagerungen und Verhärtung zu schützen.
Trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse bleibt die klinische Bedeutung der Verringerung der Kalziumablagerungen ungewiss.
Denn in der Studie wurden die tatsächlichen Herzinfarkt- oder Schlaganfallraten nicht gemessen; daher bleibt unklar, ob eine Verlangsamung der Kalziumablagerung tatsächlich zu weniger kardiovaskulären Ereignissen führt. Kalziumablagerungen in den Arterien sind ein allgemein anerkannter Prädiktor für zukünftige Herzinfarkte und andere kardiovaskuläre Probleme, weshalb die Forscher die bildgebenden Befunde für weiterverfolgenswert halten – auch wenn sie für sich genommen keine Verringerung tatsächlicher kardialer Ereignisse belegen.
Die Ergebnisse seien „vielversprechend“, sagte Dr. Sirisha Vadali, Fachärztin für nichtinvasive Kardiologie und Lipidologie bei HonorHealth, die nicht an der Studie beteiligt war, in einem Interview mit The Epoch Times.
Ihre Zurückhaltung rührt daher, was in der Studie tatsächlich gemessen wurde. Die Forscher verfolgten bildgebende Befunde – Kalziumwerte in CT-Scans – anstatt konkrete Endpunkte wie Herzinfarkte, Schlaganfälle und kardiovaskuläre Todesfälle.
„Obwohl Kalzium in den Koronararterien ein wichtiger Marker für das kardiovaskuläre Risiko ist, benötigen wir noch größere Studien, um festzustellen, ob eine Verlangsamung der Verkalkung tatsächlich zu besseren Langzeitergebnissen für die Patienten führt“, sagte Vadali.
„Zwar können Nahrungsergänzungsmittel eine Rolle spielen, doch erfordert die kardiovaskuläre Prävention einen ganzheitlichen Ansatz, und eine Änderung des Lebensstils sollte die Grundlage bleiben.“
Ein wesentliches Risiko: Die Wechselwirkung mit Warfarin
Kardiologen weisen darauf hin, dass Patienten, bevor sie die Einnahme dieses Nahrungsergänzungsmittels in Betracht ziehen, zunächst ein Sicherheitsproblem beachten sollten: die Wechselwirkung zwischen Vitamin K2 (Menachinon) und dem Blutverdünner Warfarin (Coumadin).
Warfarin blockiert die Wirkung von Vitamin K, und eine Vitamin-K2-Supplementierung kann die blutverdünnende Wirkung von Warfarin teilweise aufheben, was möglicherweise das Risiko für Blutgerinnsel erhöht, sagte Dr. Meera D. Kondapaneni, außerordentliche Professorin für Medizin und interventionelle Kardiologin am MetroHealth in Cleveland, die nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der englischsprachigen Epoch Times.
„Patienten, die Warfarin einnehmen, sollten es daher vermeiden, mit der Einnahme von Vitamin-K2-Präparaten zu beginnen, ohne dies zuvor mit ihrem Arzt zu besprechen“, riet Kondapaneni.
Sie wies darauf hin, dass Warfarin nach wie vor das einzige wirksame Antikoagulans für Patienten mit metallischen Herzklappen (nicht für Herzklappen aus Schweine- oder Rindergewebe) ist und weiterhin bei einigen Patienten mit Vorhofflimmern oder venöser Thromboembolie – einer Erkrankung, bei der sich ein Blutgerinnsel in einer Vene bildet – eingesetzt wird.
„Im Gegensatz dazu scheint Vitamin K2 die blutverdünnende oder gerinnungshemmende Wirkung der direkten oralen Antikoagulanzien, darunter Apixaban (Eliquis), Rivaroxaban (Xarelto) und Dabigatran (Pradaxa), nicht zu beeinträchtigen“, sagte Kondapaneni.
Für ansonsten gesunde Menschen, so sagte sie, habe sich Vitamin K2 im Allgemeinen als sicher erwiesen, selbst bei relativ hohen Dosen, und es sei keine klar definierte obere Sicherheitsgrenze festgelegt worden.
„Allerdings sind, wie bei jedem Nahrungsergänzungsmittel, die Daten zur Langzeitsicherheit nach wie vor begrenzter als bei häufig verschriebenen Medikamenten“, sagte sie.
Audi produziert bereits seit mehr als drei Jahrzehnten in Győr, Ungarn. - Foto: Attila Kisbenedek/AFP via Getty Images
In Kürze:
Ungarn entwickelt sich zum bevorzugten Produktionsstandort deutscher Autobauer, und das nicht nur wegen niedriger Lohnkosten.
Entscheidend sind eine langfristige Industriepolitik, der Ausbau von Zulieferern und Batteriefertigung sowie schnelle Investitionsprozesse.
Die Elektromobilität verändert die Standortwahl. Neue Werke entstehen dort, wo Produktion, Lieferketten und Infrastruktur optimal zusammenspielen.
Als der damalige BMW-Vorstandschef Oliver Zipse Ende September letzten Jahres das neue BMW-Werk im ungarischen Debrecen eröffnete, machte er deutlich, welche Bedeutung der Standort für das Unternehmen hat.
Das Werk sei innerhalb des weltweiten Produktionsnetzwerks der BMW Group ein „Pionier“ – als erstes vollelektrisches Werk des Konzerns, als erster Produktionsstandort ohne fossile Energieträger und als erstes Werk für die Fahrzeuge der „Neuen Klasse“. Zipse nannte den Standort einen „entscheidenden Faktor für den zukünftigen Erfolg der BMW Group“.
BMW steht mit dieser Entscheidung nicht allein. Mercedes-Benz baut sein Werk in Kecskemét für die nächste Generation elektrischer Fahrzeuge aus. Nach Angaben des Unternehmens wird Kecskemét damit „der größte Automobilproduktionsstandort in Ungarn und einer der größten im weltweiten Produktionsnetzwerk von Mercedes-Benz“. Audi produziert bereits seit mehr als drei Jahrzehnten in Győr.
Damit zählt Ungarn heute zu den wichtigsten europäischen Produktionsstandorten der deutschen Automobilindustrie. Das wirft eine Frage auf: Warum entstehen ausgerechnet dort neue Werke deutscher Hersteller und nicht in Deutschland?
Mehr als niedrige Löhne
Die Arbeitskosten sprechen zunächst für Ungarn. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kostete 1 Arbeitsstunde im produzierenden Gewerbe dort zuletzt durchschnittlich 15,20 Euro, in Deutschland rund 45 Euro.
Doch dieser Unterschied allein erklärt nicht, weshalb gerade Ungarn zu einem der wichtigsten Investitionsstandorte der deutschen Automobilindustrie geworden ist. Vergleichbare Lohnkosten finden sich auch in anderen Ländern Mittel- und Osteuropas.
Die eigentliche Frage lautet deshalb: Warum errichtet BMW sein modernstes Werk ausgerechnet in Debrecen und nicht in Deutschland? Schließlich befinden sich die Konzernzentrale, große Entwicklungszentren und ein erheblicher Teil der Forschung weiterhin in München. Eine ausdrückliche Antwort gibt BMW in seiner Pressemitteilung vom September darauf nicht.
Die Anforderungen an neue Produktionsstandorte haben sich aber offenbar verändert. Debrecen ist nicht nur das erste Werk des Konzerns für die Fahrzeuge der „Neuen Klasse“. Dort werden auch die Hochvoltbatterien der sechsten Generation nach dem Grundsatz „Local for Local“ direkt auf dem Werksgelände montiert. Nach Angaben des Unternehmens ist Debrecen der erste von weltweit fünf BMW-Standorten, an denen diese Batterien in Serie gefertigt werden.
Dazu kommt ein weiterer Faktor. Ungarn wirbt seit Jahren gezielt um internationale Industrieunternehmen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die staatliche Investitionsagentur HIPA, die dem Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten und Handel unterstellt ist.
Nach eigenen Angaben begleitet sie Unternehmen während des gesamten Ansiedlungsprozesses. Im Rahmen ihres „Komplettanbieter-Modells“ unterstützt sie Investoren unter anderem bei der Standortwahl, bei der Erschließung der notwendigen Infrastruktur, bei der Suche nach Zulieferern und bei der Abstimmung mit den zuständigen Behörden.
Zwischen 2014 und Ende 2025 begleitete die Agentur nach eigenen Angaben 2.305 Investitionsprojekte mit einem Investitionsvolumen von mehr als 66 Milliarden Euro. Dadurch seien fast 187.000 neue Arbeitsplätze entstanden.
Die Entscheidung für einen Produktionsstandort fällt heute deshalb nicht mehr allein über die Lohnkosten. Für Hersteller wird es zunehmend wichtig, ob sich Fahrzeugproduktion, Batteriemontage und ein Netz von Zulieferern an einem Standort miteinander verbinden lassen. Genau diese Voraussetzungen hat Ungarn in den vergangenen Jahren gezielt ausgebaut.
Ein Mercedes-Benz GLB ist anlässlich des Starts der Serienproduktion im Werk in Kecskemét, Ungarn, am 19. Januar 2026 zu sehen.
Foto: Attila Kisbenedek/AFP via Getty Images
Das industrielle Ökosystem
Ein neues Automobilwerk entsteht heute selten isoliert. Mit ihm siedeln sich Zulieferer, Logistikunternehmen und weitere Dienstleister an. Genau auf diese Entwicklung verweist BMW selbst bei der Eröffnung des Werks in Debrecen. Nach Angaben des Unternehmens entstehen dort mehr als 2.000 direkte Arbeitsplätze. Zugleich hätten sich weitere Zulieferer und Dienstleister in der Region angesiedelt sowie Industrieparks und Verkehrsinfrastruktur weiterentwickelt.
Zu diesem Netzwerk gehört inzwischen auch der Zulieferer ZF. Das Unternehmen hat in Debrecen eine neue Achsenproduktion aufgebaut und beliefert von dort unter anderem BMW. Parallel dazu entstehen in Ungarn neue Kapazitäten für die Batterieproduktion. Damit rücken Fahrzeugwerke, Zulieferer und Batteriefertigung räumlich enger zusammen. Für die Hersteller ist das ein Vorteil.
Neue Werke entstehen heute nicht mehr losgelöst von ihrem Umfeld. Entscheidend ist vielmehr, ob sich Produktion, Zulieferer und Infrastruktur an einem Standort möglichst eng verzahnen lassen. Genau ein solches industrielles Umfeld ist in Ungarn in den vergangenen Jahren entstanden.
Ein neuer Wettbewerb
Der Erfolg Ungarns erklärt sich allerdings nicht allein aus den eigenen Stärken. Gleichzeitig haben sich die Rahmenbedingungen für neue Industrieinvestitionen verändert.
Forschung, Entwicklung und die Konzernzentralen der deutschen Hersteller bleiben voraussichtlich in Deutschland. Neue Produktionswerke entstehen dagegen dort, wo Unternehmen die nächste Fahrzeuggeneration möglichst effizient in die Serienfertigung überführen können.
Dass Deutschland dabei unter Druck geraten ist, beschreibt inzwischen auch der Verband der Automobilindustrie ungewöhnlich deutlich. In einem Positionspapier verweist der Verband darauf, dass mehr als 70 Prozent der Automobilzulieferer Investitionen in Deutschland streichen, verschieben oder in andere Regionen verlagern. Als Ursachen nennt der Verband zu viel Bürokratie, mangelnde Flexibilität und insgesamt zu hohe Kosten, die die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts beeinträchtigten.
Vor diesem Hintergrund erscheinen die Investitionen von BMW, Mercedes-Benz und Audi in Ungarn in einem anderen Licht. Sie sprechen dafür, dass Unternehmen neue Werke heute nicht mehr allein nach den Arbeitskosten auswählen.
Auch wichtig sind Rahmenbedingungen, die eine schnelle Umsetzung neuer Produktionskonzepte ermöglichen. Dazu gehören verfügbare Industrieflächen, eingespielte Zuliefernetzwerke, planbare Investitionsprozesse und die Möglichkeit, Fahrzeug- und Batteriefertigung eng miteinander zu verzahnen.
Was Ungarn anders macht
Die Entwicklung zeigt in erster Linie eines: Der Wettbewerb um neue Automobilwerke wird heute anders geführt als noch vor wenigen Jahren. Die Entscheidung fällt nicht mehr allein dort, wo Fahrzeuge möglichst günstig produziert werden können. Ebenso entscheidend ist, ob ein Standort den Unternehmen die Voraussetzungen bietet, neue Technologien schnell in die industrielle Fertigung zu überführen.
Genau darin liegt die eigentliche Leistung Ungarns. Das Land hat sich nicht auf einen einzelnen Standortvorteil verlassen. Über viele Jahre entstand ein industrielles Umfeld, das internationale Hersteller heute für ihre Investitionsentscheidungen berücksichtigen. Dass deutsche Autobauer ihre Produktionskapazitäten in Ungarn ausgebaut haben oder weiter ausbauen, spricht dafür, dass diese Strategie aus Sicht der Unternehmen aufgegangen ist.
Der Aufstieg Ungarns erzählt deshalb weniger die Geschichte eines deutschen Niedergangs als die eines veränderten industriellen Wettbewerbs in Europa. Deutschlands Stärke bleibt die Entwicklung neuer Fahrzeuge. Ungarns Stärke besteht zunehmend darin, diese Fahrzeuge unter den Bedingungen der Elektromobilität in die Serienproduktion zu bringen. Genau diese Arbeitsteilung erklärt, warum die Milliardeninvestitionen deutscher Hersteller in den vergangenen Jahren immer häufiger im Land der Magyaren gelandet sind.
Ein Ausschnitt aus dem Gemälde „Rudolf von Arthaber und seine Kinder Rudolf, Emilie und Gustav“ von Friedrich von Amerling, 1837. - Foto: Gemeinfrei
Das Vatersein war schon immer schwer darzustellen. Es eignet sich kaum für großartige Inszenierungen und auffällige Symbolik. Die dahinterstehenden Gefühle sind nicht einfach zu vermitteln. Die hier präsentierten Gemälde beziehen ihre Kraft aus besonderen Momenten. Sie stammen aus drei Ländern und unterschiedlichen Zeitepochen, haben jedoch eines gemeinsam: Sie zeigen, wie es aussieht, wenn die Liebe eines Vaters im Gemälde das Beständigste ist.
„Die Rückkehr des verlorenen Sohnes“
Das symbolträchtige Gemälde „Die Rückkehr des verlorenen Sohnes“ ist Teil eines Zyklus, den der spanische Barockmaler Bartolomé Esteban Murillo (1617–1682) für die Kirche des Krankenhauses Saint George in Sevilla gemalt hat, einem Ort, an dem Arme und Obdachlose gepflegt wurden. Dabei prägte der Auftraggeber die theologische Botschaft dahinter. Jedes Motiv wurde so gestaltet, dass es eine der sieben Taten der Barmherzigkeit verkörpert. Hierzu gehören: Hungernde speisen, Dürstenden zu trinken geben, Fremde beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und Tote bestatten.
Vier der Gemälde befinden sich noch immer in Sevilla: „Die wunderbare Brotvermehrung“ (auch bekannt als „Das Wunder von Broten und Fischen“), „Moses schlägt Wasser aus dem Felsen“, „Die heilige Elisabeth von Ungarn pflegt die Aussätzigen“ (auch bekannt als „Die heilige Elisabeth von Thüringen pflegt die Aussätzigen“) und „Der heilige Johannes trägt einen Kranken“ (auch bekannt als „Johannes der Barmherzige“).
„Die Rückkehr des verlorenen Sohnes“. Murillo hätte jeden beliebigen Moment aus dem Gleichnis wählen können, doch er entschied sich für diesen: den Augenblick, in dem sich die bedingungslose Liebe eines Vaters stärker erweist als all das, womit ein Sohn sie auf die Probe stellen könnte. National Gallery of Art, Washington.
Im Mittelpunkt des Gemäldes stehen Vater und Sohn. Der Künstler lenkt den Blick des Betrachters auf das Wesentliche: ihre Beziehung zueinander. Murillo stellt Vergebung und Liebe in den Fokus, indem der Vater seinen Sohn mit einer liebevollen Umarmung begrüßt. Das ungepflegte Äußere des Sohnes wird mit demselben unverfälschten Realismus dargestellt, den Murillo auch in seinen Straßenszenen zum Ausdruck brachte – Details, welche die bedingungslose Begrüßung des Vaters umso lebendiger erscheinen lassen.
Murillos Gespür für Kleinigkeiten, wie etwa den hochspringenden Welpen, verleiht der Szene eine zusätzliche Tiefe. Rechts stehen zwei Bedienstete bereit, um den Sohn zu empfangen: Der eine hält edle Kleidung in den Händen, der andere einen Ring – ein Symbol, dass der Sohn seinen Platz in der Familie wieder vollständig eingenommen hat. Alle diese Details verwandeln den Moment in eine lebendige Geschichte, die den Betrachter in ihren Bann zieht.
„Rudolf von Arthaber und seine Kinder Rudolf, Emilie und Gustav“
„Rudolf von Arthaber und seine Kinder Rudolf, Emilie und Gustav“ von Friedrich von Amerling, 1837.
Vielleicht bringt nichts besser die Essenz des Vaterseins zum Ausdruck als der Mann, der seine Kinder immer wieder behutsam an seine Brust zieht. Dieses Gruppenporträt zeigt Rudolf von Arthaber, einen Wiener Textilfabrikanten und leidenschaftlichen Kunstsammler, mit seinen drei Kindern Rudolf, Emilie und Gustav – ein Werk von Friedrich von Amerling (1803–1887), einem der gefragtesten Porträtmaler seiner Zeit. Er schuf mehr als tausend Werke, fast ausschließlich Porträts. Der Künstler war in London bei Thomas Lawrence in die Lehre gegangen und später als k.k. Hofmaler des österreichischen Kaiserhauses tätig.
Die romantische Epoche, die sich intensiv mit der Kindheit sowie deren Unschuld und Lebensfreude auseinandersetzte, prägte Amerlings liebevolle Darstellung seiner Figuren. Er gestaltete ihre Gesichter individuell und sehr lebendig.
Der Maler zeigt Arthaber umgeben von seinen spielenden Kindern, die sich offensichtlich in seiner Gegenwart sehr wohlfühlen. In seinem Gesicht spiegelt sich eine Mischung aus Müdigkeit und Zuneigung wider. Sanftes Licht umhüllt Vater und Kinder – ein Stil, den Amerling von seinem Lehrer Lawrence übernommen hat.
Das Werk ist das Porträt einer Familie, die mit sich im Frieden ist – eine Szene, die von enger familiärer Bindung und Großzügigkeit beseelt ist.
„Francesco Sassetti und sein Sohn Teodoro“
„Francesco Sassetti und sein Sohn Teodoro“ von Domenico Ghirlandaio, um 1488, Metropolitan Museum of Art, New York City.
Im späten 15. Jahrhundert wurde Domenico Ghirlandaio (1448–1494) für seine erzählerischen Fresken gepriesen, in denen er häufig Porträts prominenter Florentiner Bürger einarbeitete. Vor allem die Florentiner Kaufleute vertrauten Ghirlandaio, wenn es darum ging, ihre gesellschaftliche Stellung künstlerisch einzufangen. Eines seiner häufigsten Motive war der Bankier Francesco Sassetti, Generaldirektor des Medici-Bankennetzwerks in der Schweiz und Frankreich.
Seinem Auftrag wurde der Künstler auch in dem Werk „Francesco Sassetti und sein Sohn Teodoro“ gerecht: Sassetti wirkt wohlhabend, gelassen und beständig. Sein kleiner Sohn neben ihm ist das Symbol dafür, dass sein Lebenswerk ihn überdauern wird.
Ghirlandaio bevorzugte die Technik der Freskomalerei, die sich gut für die großen Wandflächen eignete. Die Altarbilder für dieselben Kapellen erforderten jedoch kleinere Werke auf Holztafeln. Das vorliegende Porträt ist ein solches Werk. Ghirlandaio stellt Sassetti zusammen mit seinem kleinen Sohn Teodoro auf einer kleinen Tafel dar, wobei die Gestaltung formell und bedächtig wirkt.
Das Bild zeigt Sassetti mit dem „Lucco“, jenem langen roten Umhang, den wohlhabende Florentiner Männer üblicherweise trugen und der für Amtsträger gesetzlich vorgeschrieben war. Die tiefrote Farbe war an sich schon ein Zeichen von Wohlstand, da die dafür benötigten Färbemittel kostspielig und somit nur der Oberschicht vorbehalten waren.
Sassetti blickt nach vorn. Seine gesenkten Augen wirken nachdenklich, während Teodoro im Profil dargestellt ist – eine Gestaltung, die Unschuld und Reinheit vermitteln sollte. Im Hintergrund sieht man wie durch ein Fenster eine Kapelle, die Sassetti in Genf errichten ließ. Sie symbolisiert seinen Glauben, seinen Reichtum und seinen Einfluss innerhalb einer bestimmten Region.
Alle drei Werke umfassen verschiedene Genres aus verschiedenen Jahrhunderten, von frommen Erzählungen bis hin zu Porträts der oberen Schichten, doch in jedem einzelnen stehen Vater und Kind im Fokus. Aus den Gemälden wird deutlich, in welcher Form sich Künstler immer wieder mit dieser Beziehung auseinandergesetzt haben als ein Thema, das es verdient, genauer betrachtet zu werden.
Seit dem 1. Juli ist in neu zugelassenen Pkw in der EU das kamerabasierte Innenraumüberwachungssystem ADDW vorgeschrieben.
Es soll Ablenkungen des Fahrers reduzieren, kann nach Einschätzung von Kritikern jedoch selbst eine Ablenkung darstellen.
Je nach Kalibrierung genügen schon geringe Blickabweichungen des Fahrers, und das System schlägt Alarm.
Datenschützer sehen derzeit keine grundsätzlichen Datenschutzprobleme, schließen Verstöße gegen Datenschutzvorschriften im Einzelfall jedoch nicht aus.
Die Sicherheitssysteme stellen eine finanzielle Mehrbelastung dar.
Die Europäische Kommission verfolgt das Ziel, die Zahl der Verkehrstoten bis 2050 auf „nahe Null“ zu senken. Das entsprechende Konzept trägt den Namen „Vision Zero“.
Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Automobilhersteller bereits seit Jahren verschiedene Fahrerassistenzsysteme wie Geschwindigkeitsassistenten in Neufahrzeuge integrieren. Diese warnen Fahrer, wenn sie die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschreiten. Das soll Unfälle verhindern oder deren Folgen verringern.
Seit Juli 2026 ist in Neuwagen auch das Innenraumüberwachungssystem ADDW (Advanced Driver Distraction Warning, deutsch: erweitertes Fahrerablenkungswarnsystem) vorgeschrieben. Durch die kamerabasierte Überwachung des Fahrers soll die Verkehrssicherheit weiter erhöht werden.
Die Europäische Kommission beruft sich auf Schätzungen von Unfallforschern, wonach 10 bis 30 Prozent aller Verkehrsunfälle in Europa auf Ablenkung zurückzuführen seien, insbesondere auf die verbotene Nutzung von Smartphones am Steuer.
Bei ADDW handelt es sich um ein kamerabasiertes System. Infrarotsensoren erfassen dabei das Gesicht, die Kopfhaltung und vor allem die Blickrichtung des Fahrers.
Weicht der Blick des Fahrers zu lange von der Fahrbahn ab, schlägt das System Alarm. Die Infrarottechnik soll auch bei Dunkelheit oder durch Sonnenbrillen hindurch funktionieren.
Manche Automobilhersteller setzen zusätzlich Radartechnik ein, um etwa im Fahrzeug zurückgelassene Kleinkinder zu erkennen. Die Kindererkennung CPD (Child Presence Detection) ist jedoch nicht gesetzlich vorgeschrieben.
In modernen Autos schlägt ein Überwachungssystem Alarm, wenn ein Fahrer abgelenkt ist, wenn er etwa während der Fahrt sein Handy bedient.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Werden die Fahrer jetzt permanent überwacht?
In sozialen Medien ist das neue System unter der Schlagzeile „Big Brother fährt mit“ teils scharf kritisiert worden. Hintergrund ist die Kameraüberwachung des Fahrers, die Fragen zur Verkehrssicherheit und zum Datenschutz aufwirft.
Für ADDW gelten allerdings technische und rechtliche Vorgaben der Europäischen Union. Das System gilt als geschlossen. Das bedeutet:
Das System darf die Bilddaten in Echtzeit nur rein lokal im Fahrzeug verarbeiten. Sobald das System eine Warnung ausgegeben oder verworfen hat, muss es die Rohdaten sofort und unwiderruflich löschen.
Übertragungen in die Cloud, an den Autohersteller, Versicherungen oder Behörden sind verboten.
Eine biometrische Gesichtserkennung zur Ablenkungswarnung ist ausdrücklich untersagt. Das ADDW-System erkennt nicht, welche Person genau hinter dem Steuer sitzt.
Andererseits habe sich laut ADAC durch entsprechende Tests herausgestellt, dass die Systeme je nach Fahrzeug unterschiedlich fein abgestimmt sind. Demnach bestehen Spielräume bei den Einstellungen. Teilweise wurden die Systeme von den Testern als störend empfunden, teilweise arbeiteten sie unauffällig.
Neben Kameras sind auch Mikrofone in neueren Pkw weitverbreitet. Sie sind nicht Teil der gesetzlich vorgeschriebenen EU-Systeme und dienen im Regelfall dazu, Sprachbefehle zu erkennen. Die Mikrofone sind dafür häufig dauerhaft aktiviert. Dadurch besteht grundsätzlich die technische Möglichkeit, Informationen aus dem Fahrzeuginnenraum zu erfassen.
Kann die Überwachung die Unfallzahlen wirklich reduzieren?
Experten wie der Verkehrspsychologe Michael Praxenthaler vom Allianz Zentrum für Technik halten diese Aufmerksamkeitsdetektoren grundsätzlich für eine sinnvolle zusätzliche Sicherheitsmaßnahme.
Er sagte: „Die bisherigen wissenschaftlichen Feldstudien zeigen, dass sie das Blickverhalten positiv beeinflussen können. Der konkrete Nachweis einer Reduktion des Unfallrisikos im Realverkehr steht jedoch noch aus.“ Die Systeme ersetzten keine möglichst ablenkungsarme Gestaltung der Fahrzeugbedienung. Autofahrer sollten sich daher nicht ausschließlich auf diese Systeme verlassen und ihre Aufmerksamkeit weiterhin auf das Verkehrsgeschehen richten.
Kritischer äußert sich der Motorjournalist Peter Esse. Nach seiner Einschätzung können die neuen Warnsysteme selbst zur Ablenkung beitragen. Er verweist darauf, dass eine Vielzahl von Warnsignalen die Aufmerksamkeit der Fahrer beeinträchtigen könne. Dadurch könne nach seiner Auffassung auch das Unfallrisiko steigen.
Ist der Fahrer vom Verkehrsgeschehen abgelenkt, kann es schnell zu einem Auffahrunfall kommen.
Foto: Robert vt Hoenderdaal/iStock
Darf man das System abschalten, wenn es nervt?
Falls der Autofahrer das System als störend empfindet, kann er es über die Fahrzeugeinstellungen vorübergehend deaktivieren. Das ist nach den gesetzlichen Vorgaben zulässig.
Die Deaktivierung gilt jedoch nur vorübergehend. Wie beim intelligenten Geschwindigkeitsassistenten wird auch das ADDW-System nach jedem Motorstart automatisch wieder aktiviert. Eine dauerhafte Deaktivierung ist nach den geltenden Vorschriften nicht vorgesehen.
Da viele neue Fahrzeuge mit einer Start-Stopp-Automatik ausgestattet sind, kann sich das System nach einem erneuten Motorstart, etwa an einer Ampel oder einem Stoppschild, wieder aktivieren.
Die Kritik an der Innenraumüberwachung hängt auch damit zusammen, dass die Systeme in vielen Fahrzeugen sehr empfindlich eingestellt sind. Dadurch können bereits kurze Blickabweichungen ein Warnsignal auslösen. Dazu können etwa ein Blick zur Seite, die Bedienung des Touchscreens oder ein Blick nach hinten zu den Kindern gehören.
Einige Tester beschreiben die Systeme als störend, da sie auch bei alltäglichen Blickbewegungen Warnungen ausgeben können.
Kritik gibt es zudem am Design moderner Fahrzeuge. Während der Gesetzgeber fordert, die Aufmerksamkeit des Fahrers auf die Straße zu richten, setzen viele Hersteller zunehmend auf große Touchscreens mit zahlreichen Funktionen.
Wer Klimaanlage, Sitzheizung oder Radio über verschachtelte Menüs bedienen muss, kann dadurch stärker vom Verkehrsgeschehen abgelenkt werden. Kritiker sehen darin einen möglichen Zielkonflikt: Das Fahrzeug erfordert Bedienvorgänge, während das ADDW-System gleichzeitig vor Blickabweichungen warnt.
Immer größere Touchscreens in Autos stellen eine Ablenkungsmöglichkeit des Fahrers dar.
Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit zeigt sich zufrieden damit, dass die Daten nicht an Dritte übermittelt werden dürfen und unmittelbar nach der Verarbeitung zu löschen sind. „Insoweit genügt die gesetzliche Regelung datenschutzrechtlichen Ansprüchen“, sagte ein Behördensprecher. Er verwies darauf, dass die Einhaltung der Vorgaben durch die Datenschutzbeauftragten der Bundesländer überprüft werden könne.
Bei schwerwiegenden Verstößen könnten die Behörden Maßnahmen ergreifen, um das Datenschutzrecht durchzusetzen. Ebenso habe das Kraftfahrt-Bundesamt als Marktüberwachungsbehörde die Möglichkeit, stichprobenweise zu überprüfen, ob Fahrzeugtypen die fahrzeugtechnischen Vorschriften einhalten. Dabei könne das Kraftfahrt-Bundesamt bei Bedarf Rückrufaktionen auslösen.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die finanziellen Auswirkungen. Der Einbau dieser Systeme erhöht die Herstellungskosten eines Fahrzeugs. Experten schätzen die Kosten für Materialien und Produktion auf 100 bis 150 Euro pro Fahrzeug.
Hinzu kommen weitere gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitssysteme. Dazu zählen unter anderem der Notbremsassistent, die Rückfahrkamera, die Ereignisdatenaufzeichnung („Blackbox“) sowie die digitale Reifendruckkontrolle. Zusätzlich entstehen Kosten für Maßnahmen zum Schutz vor Cyberangriffen.
Die Vielzahl der Systeme kann zu zusätzlichen Kosten von 800 bis 1.500 Euro ab Werk führen. Während diese Summe bei höherpreisigen Fahrzeugen weniger ins Gewicht fällt, kann sie bei Kleinwagen einen größeren Anteil am Fahrzeugpreis ausmachen. Hersteller können diese Kosten teilweise an die Käufer weitergeben.