Auch wenn der digitale Führerschein Ende des Jahres startet, behalten die analogen Karten ihre Gültigkeit. - Foto: Oliver Berg/dpa
In Kürze:
Zweiter Anlauf bei der Einführung des digitalen Führerscheins.
Nicht alle Handys erfüllen die technischen Voraussetzungen.
Die Polizeigewerkschaft sieht derzeit noch rechtliche Probleme.
2021 scheiterte das Vorhaben an Sicherheitslücken.
Der digitale Führerschein soll bis Ende dieses Jahres in Deutschland eingeführt werden. Die rechtlichen Voraussetzungen für die technische Umsetzung hat die Bundesregierung dafür bereits geschaffen. Das entsprechende Gesetz ist am 1. Juli in Kraft getreten, der Beschluss dazu fiel im Monat zuvor. Der digitale „Lappen“ soll auf dem Smartphone gespeichert sein. Die Nutzung ist freiwillig, der bisherige Führerschein bleibt weiter gültig. Es ist der zweite Anlauf der Einführung. Ein Erster endete 2021 bereits kurz nach dem Start.
Bis Ende 2030 digitale Führerscheine in der gesamten EU
Beim Fahrzeugschein ist die Digitalisierung bereits weiter fortgeschritten. Die rechtliche Grundlage dafür besteht bereits seit eineinhalb Jahren, die entsprechende Verordnung trat am 13. Februar 2025 in Kraft. Seit vergangenem November können Halter den Schein mithilfe der i-Kfz-App auf das Handy laden. Seit März dieses Jahres steht diese Möglichkeit auch Unternehmen zur Verfügung.
Bis spätestens Ende 2030 soll es in der gesamten EU einen gemeinsamen und allgemein anerkannten digitalen Führerschein geben. Er soll mit der European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet) genutzt werden können. Beim digitalen Fahrzeugschein gibt es auf EU-Ebene noch keine endgültige Regelung, da das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist.
Beide Dokumente sollen künftig über die i-Kfz-App verfügbar sein. Doch ist die Nutzung der App auf bestimmte Betriebssysteme beschränkt, erläutert das Kraftfahrbundesamt. So funktioniert sie nur bei iOS ab Version 17 (Apple-Geräte wie iPhone) und Android ab Version 12.
Bei Motorola-Smartphones hängt die Kompatibilität vom jeweiligen Modell ab: Fehlt eine bestimmte Verschlüsselungstechnik auf dem Chip, lässt sich die App dort nicht verwenden. Unterstützt werden derzeit die Modelle Motorola Edge 50 Neo, Edge 50 Ultra und Razr 50 Ultra.
Auf Geräten des chinesischen Herstellers Huawei läuft die App nicht. Das liegt laut ADAC daran, dass diese keine Google-Dienste wie die Google Mobile Services (GMS) mehr nutzen. Der Grund: Wegen US-Sanktionen und Handelsverboten dürfen US-Unternehmen wie Google keine neuen Geschäftsverträge mehr mit Huawei eingehen.
Wer die App nutzen will, benötigt einen elektronischen Personalausweis mit aktivierter Online-Ausweisfunktion. Damit lässt sich die eigene Identität in der App bestätigen und der digitale Fahrzeugschein abrufen. Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit, so das Kraftfahrtbundesamt (KBA). So können Halter bei der Zulassungsbehörde einen QR-Code bekommen. Wer ihn mit der i-Kfz-App scannt, kann den digitalen Fahrzeugschein auch direkt auf dem Handy hinterlegen.
Laut ADAC rät das KBA dazu, die analogen Dokumente bis auf Weiteres dabei zu haben. Es begründet das damit, dass die noch nicht alle Polizeibehörden über die Rechtsänderung informiert seien. Wer im Ausland unterwegs sei, der müsse den alten Fahrzeugschein in Papierform auf jeden Fall bei sich tragen.
In einer Stellungnahme begrüßt die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) grundsätzlich die Einführung des digitalen Führerscheins. Sie weist aber darauf hin, dass nach den europäischen Vorgaben weiterhin das sogenannte „Ein-Führerschein-Prinzip“ gelten solle. Gleichzeitig würden physischer und digitaler Führerschein nicht prinzipiell unterschiedlich behandelt. Die Gewerkschaft sieht ein Problem für polizeiliche Maßnahmen. Einen physischen Führerschein könne sie beschlagnahmen, bei der digitalen Ausführung sei das nach der derzeitigen Rechtslage nicht ohne Weiteres möglich.
Die Gewerkschaft schlägt daher vor, der Polizei einen eingeschränkten Schreibzugriff auf das Fahreignungsregister (FaER) und das EU-Führerscheinnetz RESPER zu ermöglichen. So könne die Beschlagnahmung oder eine Sicherstellung umgehend dokumentiert werden, bis ein Gericht über einen finalen Führerscheinentzug entscheidet.
Außerdem solle eine technische Schnittstelle dafür sorgen, dass der digitale Führerschein unmittelbar nach einem Eintrag ins FaER gesperrt wird. Eine weitere Nutzung werde so unterbunden, bis über eine vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis entschieden sei. Die Gewerkschaft spricht sich auch dafür aus, dass es in der Zukunft nur noch den digitalen Führerschein geben solle. Beide Möglichkeiten führten zu einem größeren Aufwand bei Beschlagnahmungen der Sicherstellungen.
Kein wochenlanges Warten mehr
Der TÜV-Verband sieht in der Einführung des digitalen Führerscheins Vorteile. So könne dieser innerhalb weniger Minuten freigeschaltet werden. Fahrschüler müssten dann nicht mehr Tage oder Wochen auf den Kartenführerschein warten. Der Verband fordert zudem, dass Behörden, Fahrschulen und Prüfstellen ihre digitalen Systeme möglichst schnell aufeinander abstimmen.
Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), sieht hauptsächlich dann Risiken, wenn auch andere Apps auf die Daten zugreifen können. Doch gegenüber der „Tagesschau“ sagte BfDI-Sprecher Philipp Wilhelmstrop, dass technische Maßnahmen getroffen worden seien, die die Gefahren reduzierten.
Wichtig sei zudem, dass die Nutzung des digitalen Führerscheins nicht zur Erstellung von Profilen verwendet werden könnten. So sollte die Führerscheinstelle beispielsweise nicht erfahren, wann jemand den Führerschein bei einer Polizeikontrolle oder einer Autovermietung vorzeigt. Auch die Nutzer selbst könnten dazu beitragen, ihre Daten zu schützen, sagt er. Handys böten dazu Möglichkeiten.
Erster Einführungsversuch scheiterte nach einer Woche
Ende September 2021 war die zum digitalen Führerschein dazugehörige Smartphone-App „ID Wallet“ nur eine Woche nach dem Start wieder aus den App-Stores genommen. Zuvor hatten Experten auf Sicherheitslücken in der App aufmerksam gemacht.
Der damalige, von der Bundesregierung beauftragte Dienstleister, die Digital Enabling GmbH erklärte seinerzeit, der Start der Anwendung habe viel Aufmerksamkeit bei Nutzern ausgelöst, die sich intensiv mit Fragen rund um Sicherheit und Vertrauen beschäftigten. Um das System auf eine höhere Auslastung vorzubereiten und zugleich den Hinweisen auf mögliche Sicherheitsprobleme nachzugehen, sollten in den darauffolgenden Wochen umfangreiche weitere Tests durchgeführt werden. Für diesen Zeitraum werde die App aus den Stores entfernt.
Innerhalb der damaligen schwarz-roten Bundesregierung hatte sich insbesondere die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär (CSU), für die Digitalisierung amtlicher Dokumente und darauf aufbauender Anwendungen wie der „ID Wallet“ eingesetzt.
Bereits nach der Vorstellung des Projekts kam es zunächst zu technischen Problemen. Die Server waren überlastet. Zusätzlich äußerten Sicherheitsexperten aus dem Umfeld des Chaos Computer Clubs (CCC) Kritik an der Anwendung und wiesen auf mögliche Sicherheitsprobleme hin. Man habe „Grund zur Annahme“, dass die Infrastruktur hinter der App und die zugrundeliegende Blockchain-Technik angreifbar sein könnte, schrieb CCC-Mitglied Fabian Lüpke auf X, damals noch Twitter.
Die Ratingagentur Standard & Poor’s bewertet Deutschlands Kreditwürdigkeit weiterhin mit der Bestnote AAA. Steigende Schulden und schwaches Wachstum könnten für die künftige Bewertung jedoch an Bedeutung gewinnen. Foto: Justin Lane/dpa
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In Kürze:
Deutschlands Staatsdefizit ist im ersten Halbjahr 2026 auf 71,3 Milliarden Euro gestiegen.
Die großen Ratingagenturen bewerten Deutschlands Kreditwürdigkeit weiterhin mit der Bestnote und stabilem Ausblick.
Zum Risiko könnte die höhere Verschuldung werden, wenn Deutschlands Wirtschaft dauerhaft schwach wächst.
Deutschland genießt bei seinen Gläubigern weiterhin die höchste Kreditwürdigkeit. Die großen Ratingagenturen geben der Bundesrepublik ihre jeweilige Bestnote. Bei S&P und Fitch lautet sie AAA, bei Moody’s Aaa. Die Ausblicke stehen auf „stabil“. Eine Herabstufung zeichnet sich derzeit nicht ab.
Doch Deutschland nimmt erheblich mehr Schulden auf, während die Wirtschaft nur langsam wächst. Diese Kombination wird offenbar auch innerhalb der Bundesregierung beobachtet. „Wenn die Schulden hoch bleiben, das Wachstum aber nicht anspringt, könnten die Ratingagenturen Deutschlands Triple-A-Rating infrage stellen“, sagte ein nicht namentlich genannter ranghoher Regierungsvertreter dem „Handelsblatt“.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte sich bei seiner Sommer-Pressekonferenz am 15. Juli zurückhaltender. Das Rating Deutschlands sei derzeit nicht infrage gestellt. Das Land könne sich zu guten Bedingungen Geld leihen und sei weiterhin „ein Stabilitätsanker in der Eurozone“. Sollte sich daran etwas ändern, müsse die Bundesregierung bei der Verschuldung gegensteuern.
Die veröffentlichten Bewertungen der Agenturen bestätigen zunächst diese Einschätzung. S&P bekräftigte zuletzt im April die Bestnote AAA. Die Agentur beschreibt aber zugleich ein mögliches Risiko: Entwickelt sich die deutsche Wirtschaft deutlich schlechter als erwartet, könnte die Bewertung sinken. Das wäre etwa denkbar, wenn die höheren Staatsausgaben das Wachstum nicht ausreichend stärken.
Warum Deutschland die Bestnote erhält
Die Deutsche Finanzagentur führt derzeit sechs bedeutende Ratingagenturen auf. Fitch, DBRS Morningstar, S&P, Moody’s, Scope und KBRA geben Deutschland jeweils ihre höchste langfristige Bonitätsnote. Bei allen sechs steht der Ausblick auf „stabil“.
Ratings sollen Anlegern zeigen, wie zuverlässig ein Schuldner seine finanziellen Verpflichtungen erfüllen kann. Das ist für Deutschland von Bedeutung, weil der Bund regelmäßig große Summen über Anleihen am Kapitalmarkt aufnimmt.
S&P begründet die Bestnote unter anderem mit der großen und breit aufgestellten deutschen Volkswirtschaft, leistungsfähigen staatlichen Institutionen und einer noch moderaten Verschuldung. Fitch hebt außerdem die gut entwickelten Kapitalmärkte und den hervorragenden Zugang des Bundes zu Finanzierungsmöglichkeiten hervor.
Deutschland verfügt damit über einen finanziellen Spielraum, den viele andere Staaten nicht haben. Dieser wird nun stärker genutzt.
Schulden steigen um Milliarden
Im Bundeshaushalt 2026 sind Ausgaben von 524,5 Milliarden Euro vorgesehen. Die geplante Nettokreditaufnahme beträgt 98 Milliarden Euro. Hinzu kommt die Kreditaufnahme von Sondervermögen. Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität verfügt über eine Kreditermächtigung von insgesamt 500 Milliarden Euro, die über zwölf Jahre genutzt werden kann. Auch das Sondervermögen Bundeswehr verfügt über eine eigene Kreditermächtigung. Zudem gelten für bestimmte Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben seit der Änderung des Grundgesetzes besondere Regeln bei der Schuldenbremse.
Der Anstieg zeigt sich bereits beim Kreditbestand des Bundes, einschließlich seiner Sondervermögen. Ende 2025 lag er nach Angaben des Bundesfinanzministeriums bei knapp 1,794 Billionen Euro. Ende Juli 2026 waren es rund 1,885 Billionen Euro. Das entspricht einer Zunahme um gut 90 Milliarden Euro innerhalb von sieben Monaten.
Auch im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung dürfte die Verschuldung steigen. S&P erwartet, dass die Nettoschulden des Staates von 59 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2025 auf 67 Prozent im Jahr 2029 zunehmen. Fitch rechnet nach einer anderen Berechnungsmethode mit einer Staatsschuldenquote von mehr als 70 Prozent im Jahr 2029. Deutschland hätte dann laut Fitch die höchste Quote unter den von der Agentur mit AAA bewerteten Staaten. Allerdings verweist die Ratingagentur darauf, dass Deutschland nach wie vor über einen „erheblichen haushaltspolitischen Spielraum“ verfügt. „Ein anhaltender Schuldenanstieg ohne glaubwürdige mittelfristige Stabilisierung würde jedoch den Druck auf das Rating erhöhen“, so Fitch.
Eine feste Schuldenobergrenze für die Bestnote gibt es nicht. Die Agenturen beurteilen neben der Verschuldung unter anderem Wirtschaftswachstum, Haushaltsdefizite und die Fähigkeit eines Staates, seine Verbindlichkeiten zu bedienen.
Der zweite Teil der Rechnung: Wachstum
Damit kommt es darauf an, welche wirtschaftliche Wirkung die zusätzlichen Ausgaben entfalten. Werden mit Krediten beispielsweise Verkehrswege, Stromnetze oder digitale Infrastruktur verbessert, können Unternehmen produktiver werden. Eine dauerhaft größere Wirtschaftsleistung verbreitert zugleich die Grundlage für Steuereinnahmen und erleichtert es dem Staat, seine Schulden zu tragen. S&P erwartet für Deutschland 2026 ein reales Wachstum von 0,8 Prozent. Für 2027 und 2028 rechnet die Agentur jeweils mit 1,4 Prozent. Sie hält es jedoch für unsicher, wie stark die höheren Staatsausgaben die langfristigen Wachstumsmöglichkeiten verbessern.
Die Bundesbank ist für die nähere Zukunft zurückhaltender. Kalenderbereinigt erwartet sie 2026 ein Wachstum von 0,5 Prozent und 2027 von 0,8 Prozent. Für 2028 prognostiziert sie 1,4 Prozent. Die lockerere Finanzpolitik soll die Wirtschaft nach ihren Berechnungen bis 2028 insgesamt um rund 1,3 Prozentpunkte zusätzlich wachsen lassen. Bei der langfristigen Leistungsfähigkeit fällt der Effekt geringer aus. Das sogenannte Produktionspotenzial – also die Wirtschaftsleistung, die bei normaler Auslastung dauerhaft möglich ist – soll lediglich um 0,3 bis 0,4 Prozent pro Jahr zulegen. Die höheren Staatsausgaben können die Konjunktur somit stärker anschieben, als sie die langfristigen Wachstumsmöglichkeiten verbessern. Für die Tragfähigkeit der neuen Schulden ist dieser Unterschied wichtig.
Energie, Bürokratie und Demografie bremsen
Die Gründe für das schwache langfristige Wachstum reichen über die Finanzpolitik hinaus. S&P nennt hohe Energiekosten, Bürokratie, frühere Unterinvestitionen in die öffentliche Infrastruktur und den zunehmenden internationalen Wettbewerb, insbesondere aus China. Hinzu kommt der demografische Wandel.
Für Unternehmen haben diese Faktoren konkrete Folgen. Hohe Energiepreise verteuern die Produktion, fehlende Fachkräfte können Investitionen erschweren und langwierige Genehmigungsverfahren Projekte verzögern. Der Arbeitsmarkt dürfte durch die Alterung der Bevölkerung zusätzlich belastet werden. In den kommenden Jahren erreichen viele Angehörige der geburtenstarken Jahrgänge das Rentenalter. Weniger verfügbare Arbeitskräfte begrenzen die Möglichkeiten der Unternehmen, ihre Produktion auszuweiten, sofern dies nicht durch eine höhere Erwerbsbeteiligung, Zuwanderung oder Produktivitätsfortschritte ausgeglichen wird.
Das Infrastrukturprogramm kann einen Teil dieser Standortprobleme angehen. Bessere Verkehrswege, Stromnetze oder digitale Infrastruktur können Investitionen erleichtern. Andere Probleme wie Arbeitskräftemangel oder hohe Energiekosten lassen sich damit nicht unmittelbar beheben.
Höhere Zinsen belasten den Haushalt
Parallel zur Verschuldung steigen die finanziellen Risiken für den Bundeshaushalt. Von Januar bis Juli 2026 gab der Bund nach Angaben des Bundesfinanzministeriums rund 17 Milliarden Euro für Zinsen auf seinen Kreditbestand und den seiner Sondervermögen aus. Die Bundesbank erwartet zugleich höhere Renditen länger laufender deutscher Staatsanleihen. Für Papiere mit einer Restlaufzeit von neun bis zehn Jahren geht sie von durchschnittlich 3,1 Prozent im Jahr 2026 und 3,4 Prozent im Jahr 2028 aus. Im Jahr 2025 waren es 2,6 Prozent.
Höhere Marktzinsen verteuern nicht sofort sämtliche Staatsschulden. Sie wirken sich schrittweise aus, wenn der Bund neue Anleihen ausgibt oder fällige Papiere durch neue ersetzt. Zugleich erwartet die Bundesbank steigende Haushaltsdefizite. Das gesamtstaatliche Defizit soll von 2,8 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2025 auf 4,9 Prozent im Jahr 2028 wachsen. Die Schuldenquote dürfte dann bei fast 70 Prozent liegen.
Für den Bundeshaushalt bedeutet eine steigende Zinslast weniger Spielraum. Bei unveränderten Einnahmen steht Geld, das für Zinsen benötigt wird, nicht für Investitionen, Sozialleistungen oder andere Aufgaben zur Verfügung.
Was eine Herabstufung auslösen könnte
S&P und Fitch nennen keine feste Schuldenquote, ab der Deutschland seine Bestnote verliert. Entscheidend ist für die Agenturen vielmehr, ob Deutschland seine wachsenden Schulden auch künftig tragen kann. Dabei spielt die wirtschaftliche Entwicklung eine wichtige Rolle. S&P sieht ein Risiko, wenn die deutsche Wirtschaft deutlich schwächer wächst als erwartet. Das könnte etwa der Fall sein, wenn die zusätzlichen Staatsausgaben die Wirtschaft nur kurzfristig anschieben, aber nicht dauerhaft für mehr Wachstum sorgen. Auch Probleme wie hohe Energiekosten, Fachkräftemangel oder Bürokratie können die Aussichten verschlechtern.
Fitch schaut zusätzlich darauf, wie schnell die Staatsschulden steigen. Nimmt die Verschuldung über längere Zeit stärker zu als bislang erwartet und wächst gleichzeitig die Wirtschaft nur schwach, könnte dies die Bewertung Deutschlands verschlechtern.
Eine schlechtere Bewertung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Deutschland sofort deutlich höhere Zinsen zahlen müsste. Wie teuer sich der Bund Geld leihen kann, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank, die Inflation, die wirtschaftliche Lage und die Nachfrage der Anleger nach Bundesanleihen.
Überwachungskameras prägen das Straßenbild vieler Städte weltweit. - Foto: Roland Weihrauch/dpa/AFP via Getty Images
In Kürze:
Der Sicherheitsforscher Bill Swearingen entwickelt eine Methode, um die KI-Software der Überwachungskameras zu verwirren.
31,7 Millionen Tests auf der Suche nach „Tarnmustern“ wurden durchgeführt.
Auch Autos sollen mithilfe einer bedruckten Folie fast „unsichtbar“ gemacht werden.
Forscher beschäftigen sich schon länger mit Tarnkleidung, die neurale Systeme austricksen soll.
In seinem Lied „Somebody’s Watching Me“ erzählt der R&B-Sänger Rockwell die Geschichte eines Mannes, der sich ständig beobachtet fühlt. Selbst in seinen eigenen vier Wänden glaube er, nicht mehr sicher zu sein. Der Song erschien im Jahr 1983, also lange bevor digitale Kameras und automatisierte Bilderkennung die Überwachung des öffentlichen Raums stark verändert haben.
Während sich der Protagonist des Liedes fragt, ob er denn tatsächlich ständig beobachtet wird oder nur paranoid ist, erübrigt sich diese Frage fast angesichts der technischen Ausstattung an Bahnhöfen oder Flughäfen, großen Plätzen oder in der Umgebung von Sehenswürdigkeiten oder Einkaufsstraßen.
Die Schwächen der KI ausnutzen
Doch was ist, wenn es eine Möglichkeit gibt, dieser Überwachung zu entkommen? Diese Frage hat sich der Sicherheitsforscher Bill Swearingen gestellt.
Seine Idee: „Was wäre, wenn das Muster auf Ihrem Hemd die Gesichtserkennung austricksen könnte? Nicht indem es Ihr Gesicht verbirgt, sondern indem es Schwächen der KI selbst ausnutzt?“, fragt er in einem Beitrag auf dem Portal „LinkedIn“. Dabei stellt der US-Amerikaner sein Projekt „noRecognition“ (auf Deutsch: keine Erkennung) vor. Denn Datenschutz sei kein Luxus, sondern ein Recht.
Dafür habe er computergenerierte Muster für Bekleidungsstücke entwickelt, die die Überwachungssysteme so irritieren sollen, dass sie den Träger nicht mehr erkennen können.
„Wir testen mit realen Modellen. […] Mit den Systemen, die tatsächlich in Clearview AI, auf Körperkameras der Polizei und bei der Flughafensicherheit laufen. […] Personendetektoren, Gesichtsdetektoren und Erkennungssysteme“, führt er auf dem Portal weiter aus.
Modell findet neue Muster durch selbstständiges Lernen
31,7 Millionen Tests habe Swearingen durchgeführt, um Muster zu finden, die die von ihm getestete Software hinter den Überwachungskameras und Kennzeichenlesern irritierten.
Nachdem er nachgewiesen habe, dass sein Konzept grundsätzlich funktioniere, habe er daraus ein sogenanntes Reinforcement-Learning-Modell entwickelt. Dieses System erzeugt und testet selbstständig verschiedene Muster und lernt anhand der Ergebnisse, welche davon die jeweils getesteten Kameraalgorithmen besonders stark beeinträchtigen. Vereinfacht ausgedrückt, erklärte Swearingen gegenüber der Plattform „TechCrunch“, habe er seinem Modell gewissermaßen beigebracht, „malen zu lernen“.
Vergleich repräsentativer Methoden zur adversarialen Tarnung. (a) Die bisherige Methode stellt die adversariale Tarnung mithilfe von Voronoi-Diagrammen dar, die durch lernbare Kontrollpunkte parametrisiert sind. (b) Unsere Methode stellt die adversariale Tarnung als Anordnung von Kacheln dar, wobei die Auswahlwahrscheinlichkeiten der Kacheln und die räumlichen Anordnungen gemeinsam optimiert werden, um eine feinkörnigere adversariale Textur zu ermöglichen.
Foto: Jinlei Wang et al./arXiv:2608.06801 (CC BY 4.0)
Die Überwachungskameras werden dadurch jedoch nicht „geblendet“. Sie zeichnen die Personen auch weiterhin auf. Angegriffen wird hingegen die Software, die aus dem erstellten Bild eine Person, ein Gesicht, eine Bewegung oder ein Kennzeichen erkennen soll.
Jedes Mal, wenn ein Muster nicht die gewünschte Wirkung erzielte, weil der Erkennungsalgorithmus die Person weiterhin erkannte, erzeugte das Modell ein neues Muster. Sein Modell begann bald, Muster zu finden, die alle von ihm getesteten Open-Source-Erkennungsalgorithmen austricksten, darunter die Software von Flock-Kennzeichenlesegeräten, Axon-Körperkameras und Gesichtserkennungskameras von Clearview AI.
Nun generiert das Modell jede Minute neue Muster, wobei jede Charge mathematisch besser sei als die vorherige, erläutert Swearingen gegenüber „TechCrunch“. Überwachungssysteme könnten zwar auch darauf trainiert werden, Swearingens Muster zu umgehen, doch der Algorithmus des Forschers verbesserte sich mit jedem neuen Entwurf auch darin, weitere und zunächst unerkennbare Muster zu erstellen.
Praktischer Test in Las Vegas mit Auto gelingt
Auch Autos will Swearingen mithilfe von gemusterten Folien „unsichtbar“ machen, sodass Überwachungstechnologien sie nicht mehr erkennen könnten. Dass das funktionieren könnte, demonstrierte er bei einem ersten öffentlichen Test mithilfe eines Toyota Yaris auf der Hacker- und Sicherheitskonferenz DEF CON in Las Vegas Anfang August. Zuvor hatte er den 2009 gebauten Pkw mit einem seiner neuesten Muster beklebt. „Wir haben die Wirksamkeit bewiesen“, sagte Swearingen. Allerdings stellten die Felgen eine Herausforderung dar, sagte er, ohne dabei Einzelheiten zu nennen.
Mit der erfolgreichen Demonstration in Las Vegas liefere das Projekt einen ersten Beweis dafür, dass es möglich sei, algorithmische Erkennung im öffentlichen Raum zu umgehen. Der nächste Schritt sei nun, die Muster Interessenten anzubieten.
Für sein „noRecognition“-Projekt hat Swearingen eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um den Verkauf von Merchandise-Artikeln mit den Mustern zu finanzieren – von T-Shirts bis zu Hoodies. Zukünftig sollen auch Fahrzeugfolien mit den Mustern angeboten werden. Seine besten Muster werde er allerdings nicht im Internet veröffentlichen, betonte Swearingen. Er wolle damit verhindern, dass Kamerahersteller sie überlisten.
Eigenen Angaben zufolge hat der Sicherheitsforscher inzwischen bei allen elf von ihm getesteten Erkennungsmodellen Erfolge erzielt. Ein einzelnes Muster, das alle elf Modelle gleichzeitig täuscht, konnte er allerdings noch nicht präsentieren.
Das amerikanische Fachmedium für Cybersicherheit „Dark Reading“ sieht Swearingens Entwicklungen hingegen mit einer gewissen Skepsis. So seien die Modelle nicht einheitlich aufgebaut. Deshalb gebe es keine allgemeingültige Regel, nach der sich Muster erstellen ließen, die die Künstliche Intelligenz verwirrten. Das beschränke Swearingens Experimente auf Versuch und Irrtum und erschwere ihm bis zu einem gewissen Grad auch, selbst zu verstehen, warum seine Muster funktionierten.
Auch bei der Umsetzung seines Experiments als Geschäftsmodell werde er mit praktischen Einschränkungen konfrontiert sein, mutmaßt die Fachpublikation. Ein zweidimensionales Bild eines Kleidungsstücks, das gegen eine simulierte Kamera getestet werde, könne zu anderen Ergebnissen führen als echter Stoff unter realen Bedingungen. Und obwohl das Angebot des Sicherheitsforschers aus Sicht des Datenschutzes überzeugend sei, dürften die Designs nicht jedermanns Verständnis von gutem Stil entsprechen.
Hinzu komme die Tatsache, dass es für jeden solchen Angriff eine Gegenmaßnahme gibt. „Wenn ich tausend T-Shirts verkaufen würde, die genau gleich aussehen, würden sie für all diese Menschen auf die gleiche Weise funktionieren – bis das Modell aktualisiert wird“, räumte Swearingen gegenüber dem Medium ein. „Dann könnte ich ein weiteres Muster herausbringen, das dasselbe bewirkt.“
Swearingen ist auch nicht der Einzige, der die Idee verfolgt, Überwachungstechniken auszutricksen. Wissenschaftler forschen bereits seit Jahren an sogenannter adversarialer Kleidung. Eine im August 2026 veröffentlichte Arbeit auf dem Forschungsportal „arXiv“ beschreibt mit „AdvTiles“ ein Verfahren, bei dem ein Computer Muster für Kleidungsstücke entwickelt, die Erkennungssoftware täuschen sollen.
Die Forscher druckten ihre Muster auf Kleidung und testeten sie unter unterschiedlichen Entfernungen, Blickwinkeln und Hintergründen. In digitalen Tests soll „AdvTiles“ eine durchschnittliche Täuschungsquote von 86,2 Prozent erreicht haben. Anschließend testeten sie bedruckte Kleidung unter realen Bedingungen. Dabei soll das Muster bei den meisten Blickwinkeln die Erkennung sogar bei mehr als 90 Prozent der Testläufe verhindert haben.
Die Sprengstoffdrohne beim Flughafen Leipzig/Halle hat gezeigt, wie bedrohlich die Sicherheitslage in Deutschland ist. Die Bundesregierung bereitet dazu auch eine Reaktion vor. Details möchte man dazu noch nicht nennen.
Denn erstmals wurde in Deutschland Sprengstoff an einer Drohne eingesetzt und auch zahlenmäßig nimmt di…
Deutschlands Rentensystem steht angesichts des demografischen Wandels unter wachsendem Finanzierungsdruck. Norwegen setzt seit Jahrzehnten auf einen staatlichen Kapitalstock. - Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa
In Kürze:
Der norwegischeStaatsfonds gehört heute zu den größten der Welt und speist sich überwiegend aus Kapitalerträgen.
Deutschlands gesetzliche Rente wird dagegen aus laufenden Beiträgen und hohen Bundesmitteln finanziert, bei einer gleichzeitig alternder Bevölkerung.
Ein deutscher Staatsfonds könnte langfristig zusätzliche Erträge liefern, müsste dafür aber zunächst mit sehr hohen Summen aufgebaut werden und wäre Kapitalmarktrisiken ausgesetzt.
Als Norwegen 1996 erstmals Geld in seinen staatlichen Petroleumfonds einzahlte, waren es knapp 2 Milliarden Kronen. Ende 2025 war der daraus hervorgegangene Government Pension Fund Global 21.268 Milliarden Kronen wert, umgerechnet rund 1.795 Milliarden Euro. Der größte Teil dieses Vermögens stammt inzwischen aus Kapitalerträgen.
Seit der Gründung erwirtschaftete der Fonds bis Ende 2025 Anlageerträge von 13.457 Milliarden Kronen, umgerechnet rund 1.136 Milliarden Euro. Die staatlichen Nettozuflüsse beliefen sich auf 5.504 Milliarden Kronen oder rund 464 Milliarden Euro.
Laut dem norwegischen Gesetz über den Fonds soll das staatliche Sparen „die Finanzierung der Rentenausgaben im Rahmen des Sozialversicherungssystems unterstützen“ und zugleich sicherstellen, dass „der Erdölreichtum sowohl heutigen als auch künftigen Generationen zugutekommt“.
Für Deutschland könnte ein solcher Fonds und dessen Entwicklung aufgrund der Alterung der Bevölkerung und der Diskussion um die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung interessant sein.
Nach der jüngsten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes wird 2035 jede vierte Person mindestens 67 Jahre alt sein; 2024 war es jede fünfte. Bis 2038 soll die Zahl der Menschen im Rentenalter um mindestens 3,8 Millionen steigen.
Deutschland und Norwegen haben jedoch unterschiedliche Ausgangsbedingungen. Die deutsche gesetzliche Rentenversicherung wird im Kern aus laufenden Beiträgen und Bundesmitteln finanziert. Norwegen investiert dagegen seit Jahrzehnten staatliche Rohstoffeinnahmen an internationalen Kapitalmärkten.
Der Name „Government Pension Fund Global“ kann zu einem Missverständnis führen. Der Fonds ist keine kapitalgedeckte Rentenversicherung nach deutschem Verständnis, aus der individuelle Rentenansprüche finanziert werden.
Die Einnahmen aus der staatlichen Beteiligung an Gas- und Ölfeldern werden dabei dem Fonds zugeführt.
Die Erdölindustrie, die seit den 1970er-Jahren eine wachsende Rolle spielt, hat laut norwegischer Regierung „maßgeblich zum Wirtschaftswachstum in Norwegen und zur Finanzierung des norwegischen Sozialstaats beigetragen“.
Der Fonds geht auf den 1990 gegründeten Petroleumfonds zurück; die erste Einzahlung erfolgte 1996. Ende 2025 waren nach Angaben von Norges Bank, die den Fonds verwaltet, 71,3 Prozent des Vermögens in Aktien und 26,5 Prozent in festverzinslichen Wertpapieren investiert.
Weitere 1,7 Prozent entfielen auf nicht börsennotierte Immobilien und 0,4 Prozent auf Infrastruktur für erneuerbare Energien. Nach Angaben der Bank erzielte der Fonds im vergangenen Jahr eine Rendite von 15,1 Prozent.
Norwegen begrenzt die Verwendung der Erträge des Fonds.
Nach der sogenannten Handlungsregel soll die Nutzung des Fondsvermögens über längere Zeit der erwarteten Realrendite entsprechen, die das Finanzministerium mit 3 Prozent ansetzt. In „normalen Jahren“ sollen die Entnahmen sogar deutlich darunter liegen, um Spielraum für wirtschaftliche Abschwünge oder starke Wertverluste des Fonds zu erhalten.
Die 3-Prozent-Regel ist keine feste jährliche Obergrenze. Die Verwendung der Fondsmittel kann nach den Vorgaben der Regierung an die jeweilige Wirtschaftslage angepasst werden. Im Haushaltjahr 2026 veranschlagte die Regierung den Einsatz von Fondsmitteln mit 2,8 Prozent des Fondsvermögens.
Der Fonds finanziert dabei nicht unmittelbar individuelle Renten. Er ist in die staatliche Finanzpolitik eingebunden: Die Nettoerlöse des Staates aus der Erdölwirtschaft fließen in den Fonds; aus ihm werden wiederum Mittel zur Finanzierung des Nicht-Öl-Defizits des Staatshaushalts übertragen. Für 2026 sollen solche Transfers nach Angaben der Regierung rund 27 Prozent der staatlichen Haushaltsausgaben finanzieren.
Die deutsche Rentenversicherung verfügt über keinen vergleichbaren Kapitalstock. Ihre Finanzierung beruht im Wesentlichen auf Beiträgen und Bundesmitteln.
2025 nahm die Rentenversicherung nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung 321 Milliarden Euro an Beiträgen ein. Die gesamten Ausgaben beliefen sich auf rund 426 Milliarden Euro, darunter rund 379 Milliarden Euro Rentenausgaben.
Hinzu kommen erhebliche Mittel aus dem Bundeshaushalt. Das Bundesfinanzministerium beziffert sämtliche Leistungen des Bundes an die Rentenversicherung für 2025 auf gut 122,4 Milliarden Euro.
Die Alterung der Bevölkerung erhöht somit den Finanzierungsdruck.
Hier endet die unmittelbare Vergleichbarkeit mit Norwegen. Das Land konnte seinen Kapitalstock aus Öl- und Gaseinnahmen aufbauen.
Deutschland besitzt keine entsprechende Einnahmequelle. Ein großer deutscher Staatsfonds müsste deshalb aus Haushaltsmitteln, staatlichem Vermögen oder über Kredite finanziert werden.
Deutschland hat Kapitaldeckung bereits versucht
Die Idee, die gesetzliche Rente um Kapitalerträge zu ergänzen, ist auch in Deutschland nicht neu. Die Ampelregierung plante mit dem Generationenkapital einen staatlichen Kapitalstock.
Darlehen und Vermögensübertragungen des Bundes sollten investiert und die Erträge später zur Stabilisierung der Beitragssätze verwendet werden. Umgesetzt wurde das Vorhaben nicht. Nachdem im Herbst 2024 die Ampel auseinanderbrach, wurde das Gesetzesvorhaben nicht mehr vom Bundestag beschlossen.
Die heutige schwarz-rote Bundesregierung setzt mit der Frühstartrente auf einen anderen Ansatz. Nach dem im August 2026 vorgelegten Gesetzentwurf soll der Staat für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren monatlich 10 Euro in ein individuelles Altersvorsorgedepot einzahlen. Anders als beim norwegischen Modell entsteht dadurch kein staatlicher Fonds zur Mitfinanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung.
Welche Größenordnung ein deutscher Staatsfonds erreichen müsste, lässt sich anhand einer einfachen Modellrechnung zeigen. Als Rechengröße dienen 3 Prozent reale Rendite, also der Ertrag nach Abzug der Inflation. An diesem Wert orientiert sich auch die langfristige Entnahmeregel des norwegischen Staatsfonds.
Rechenbeispiel: 4,1 Billionen Euro großer Staatsfonds
Bei einem Kapitalstock von 100 Milliarden Euro entsprächen 3 Prozent einem jährlichen Ertrag von 3 Milliarden Euro. Ein Fonds mit 500 Milliarden Euro käme rechnerisch auf 15 Milliarden Euro, bei 1 Billion Euro wären es 30 Milliarden Euro.
Die Größenordnung wird im Vergleich mit den heutigen Bundesmitteln deutlich: 2025 flossen, wie bereits erwähnt, gut 122,4 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt an die Rentenversicherung.
Wollte man – rein rechnerisch und zu heutigen Preisen – einen Betrag dieser Größenordnung allein aus einer realen Rendite von 3 Prozent finanzieren, wäre ein Kapitalstock von rund 4,1 Billionen Euro erforderlich. Ein Fonds von 500 Milliarden Euro würde unter derselben Annahme 15 Milliarden Euro jährlich erwirtschaften. Das entspricht rund 12 Prozent der Bundesleistungen des Jahres 2025.
Die Modellrechnung zeigt damit vor allem, dass ein großer Kapitalstock aufgebaut werden müsste, bevor seine Erträge die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung in größerem Umfang ergänzen könnten.
Norwegen hatte dafür drei Jahrzehnte Zeit. Inzwischen übersteigen die seitdem erwirtschafteten Anlageerträge die Nettozuflüsse deutlich. Deutschland müsste einen solchen Kapitalstock dagegen erst aufbauen, während die geburtenstarken Jahrgänge bereits das Rentenalter erreichen.
Kapitaldeckung garantiert keine stetigen Erträge. Im Jahr 2022 verlor der norwegische Fonds beispielsweise 1,637 Milliarden Kronen (rund 150 Millionen Euro) aus seinen Anlagen. Ein deutscher Staatsfonds wäre daher ebenfalls Aktienkurs-, Zins- und Währungsrisiken ausgesetzt.
Politisch müsste geregelt werden, wie viel Risiko zulässig ist, wann Erträge entnommen werden dürfen und wie unabhängig die Vermögensverwaltung arbeitet.
Norwegen trennt diese Aufgaben institutionell. Das Finanzministerium legt das Mandat fest, während Norges Bank die operative Verwaltung übernimmt. Hinzu kommt die langfristige Fiskalregel für die Verwendung der Erträge.
Deutschland kann keine jahrzehntelangen Öl- und Gaseinnahmen nachträglich erzeugen. Eine langfristige und breit gestreute Verwaltung staatlichen Kapitalvermögens wäre dagegen grundsätzlich auch ohne eigene Rohstoffvorkommen möglich.
Der US-amerikanische Chef des Geheimdienstes CIA, John Ratcliffe, ist für Gespräche nach Moskau gereist. (Archivbild) - Foto: Alex Brandon/AP/dpa
In Kürze:
CIA-Chef John Ratcliffe ist am Dienstag unangekündigt zu Gesprächen nach Moskau gereist.
Über seine Gesprächspartner und die Tagesordnung gibt es bislang keine offiziellen Angaben.
Als mögliche Themen gelten unter anderem der Ukrainekrieg und die Vermeidung einer weiteren Eskalation.
Auch Fragen zu inhaftierten US-Bürgern sowie der Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran werden als mögliche Gesprächsthemen genannt.
Am Dienstag, 25. August, ist der Chef des US-amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, zu nicht angekündigten Gesprächen in Moskau eingetroffen. Zuerst hat der US-Sender CBS darüber berichtet. Aktuell gibt es keine Bestätigung aus Moskau oder Washington über den Besuch oder dessen Tagesordnung.
Es ist auch nicht bekannt, mit wem Ratcliffe zusammentreffen wird. Direkte Gespräche zwischen hochrangigen Vertretern der Regierungen oder Geheimdienste der USA und Russlands sind selten. Ein persönlicher Besuch des CIA-Chefs in Moskau gibt deshalb Anlass zu Spekulationen.
CIA verhandelte mit Russland zuletzt Austausch von Gefangenen
Zuletzt hatten die CIA und ihr Direktor John Ratcliffe in Gesprächen mit russischen Amtsträgern die Freilassung in Russland inhaftierter US-Staatsbürger ausgehandelt. Im April 2025 kam es beispielsweise zur Freilassung der russisch-amerikanischen Balletttänzerin Ksenia Karelina. Diese war mehr als ein Jahr lang in Russland in Haft, weil man ihr Unterstützung der Ukraine vorwarf.
Auch 2024 hatte es einen russisch-amerikanischen Gefangenenaustausch gegeben. Damals ließ Russland den US-Journalisten Evan Gershkovich und den früheren Elitesoldaten Paul Whelan sowie weitere Gefangene frei und in die USA ausreisen. Washington veranlasste im Gegenzug die Freilassung und Ausreise russischer Staatsangehöriger. In beiden Fällen ging es unter anderem um Personen, die in Russland wegen Spionagevorwürfen oder anderer politischer Vorwürfe inhaftiert waren.
Aufzeichnungen von Flugdatentrackern bestätigten am Dienstag, dass ein großes US-Militärflugzeug von Lettland aus in Richtung Moskau gestartet war. Die Maschine war zuvor von den USA nach Riga geflogen und setzte ihren Flug von dort nach Moskau fort. Nach Angaben von Flightradar24 landete die Boeing C-17 am Dienstagmorgen auf dem Moskauer Flughafen Wnukowo.
CBS zufolge hatten die USA die Führung in Kiew auch angewiesen, während des Besuchs keine Angriffe durchzuführen. Der frühere britische Militärattaché in Moskau, John Foreman, sagte gegenüber „Radio 4 PM“ von BBC, vieles spreche dafür, dass der Besuch dem „Eskalationsmanagement“ diene.
Foreman betont: „Die Amerikaner schicken nicht kurzfristig und unangekündigt einen so hochrangigen Geschäftsträger nach Moskau, wenn es nicht um etwas Wichtiges geht.“
Es könnte deshalb sein, dass der Besuch etwas mit jüngsten Drohnenvorfällen in Deutschland zu tun hat. Diese hätten potenziell gravierende Folgen haben können. Geheimdienste gehen davon aus, dass Russland in die Vorfälle involviert sein könnte. Belastbare Erkenntnisse darüber gibt es jedoch bislang nicht.
Mögliche andere Gesprächsthemen könnten allerdings auch erneut in Russland inhaftierte US-Staatsbürger oder die Situation im Nahen Osten sein. Seit Amtsantritt der Regierung Trump bemüht sich die US-Regierung auch um eine Beendigung des Ukrainekrieges. Die Eskalation im Nahen Osten hat den Fokus der US-Außenpolitik jedoch verschoben. Gleichzeitig gibt es in zentralen Fragen weiterhin keine Annäherung zwischen den Kriegsparteien.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) tritt bei der Landtagswahl am 6. September zur Wiederwahl an. Im Wahlkampf spielt die wirtschaftliche Entwicklung des Landes eine zentrale Rolle. - Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
In Kürze:
Sachsen-Anhalts Wirtschaft zeigt erste Erholungssignale, zugleich sinkt die Beschäftigung.
Während die CDU Wirtschaftsförderung für Großinvestoren befürwortet, setzt die AfD auf den Mittelstand.
Linke, SPD und BSW wollen Unternehmen fördern, die Tarifverträge einhalten.
Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. CDU, AfD, SPD, Linke, Grüne, FDP und BSW treten mit unterschiedlichen Vorstellungen darüber an, wie sich die wirtschaftliche Zukunft des Landes sichern lässt. Es geht um Unternehmensansiedlungen und Subventionen, Strompreise und erneuerbare Energien, Löhne, Fachkräfte und die Rolle des Staates beim Strukturwandel.
Die wirtschaftliche Lage in Sachsen-Anhalt ist gemischt. 2025 schrumpfte die Wirtschaft des Landes preisbereinigt um 0,2 Prozent, während sie in Deutschland insgesamt um 0,2 Prozent wuchs. Besonders schwach entwickelte sich die Industrie: Im produzierenden Gewerbe ohne Bau ging die Wirtschaftsleistung um 2,7 Prozent zurück, im verarbeitenden Gewerbe um 1,8 Prozent.
Im laufenden Jahr gibt es erste Zeichen einer Besserung. Die 578 größeren Industrie- und Bergbaubetriebe erzielten im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 23,8 Milliarden Euro. Das waren 5,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders deutlich legte das Geschäft mit dem Ausland zu: Die Umsätze stiegen hier um 10,9 Prozent. Ein Teil des Anstiegs ist allerdings auf höhere Preise zurückzuführen. Rechnet man diese heraus, betrug das Plus nur 1,5 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl der Beschäftigten um 3 Prozent auf 100.752.
Die nächste Landesregierung steht damit vor mehreren Aufgaben gleichzeitig: Sie muss Investitionen fördern und Industriestandorte sichern. Zugleich fehlen zunehmend Arbeitskräfte, während vorwiegend Unternehmen mit hohem Energieverbrauch im internationalen Wettbewerb unter Kostendruck stehen.
Industriepolitik: Großansiedlungen oder Mittelstand?
Die CDU setzt weiter darauf, neue Unternehmen nach Sachsen-Anhalt zu holen. Das Land soll nach ihren Vorstellungen zu einem der attraktivsten Standorte für Firmenansiedlungen in Europa werden. Einen besonderen Schwerpunkt legt die Partei auf die Chemie- und Pharmaindustrie. Sie verspricht den Unternehmen schnellere Genehmigungen und weniger Bürokratie. In den kommenden fünf Jahren will sie auf Landesebene keine neuen Auflagen und keine unnötigen zusätzlichen Berichtspflichten einführen.
Hinter dieser Politik dürfte die Hoffnung stehen, dass große Investitionen weitere Firmen und Forschungseinrichtungen anziehen und neue Arbeitsplätze entstehen. Wie viel staatliche Unterstützung dafür möglich ist, zeigte die Debatte um die inzwischen aufgegebenen Intel-Pläne in Magdeburg. Der US-Konzern plante dort Investitionen von rund 30 Milliarden Euro. Die damalige Ampelregierung war bereit, den Bau der Chipfabriken mit 9,9 Milliarden Euro zu fördern.
Die AfD setzt in ihren wirtschaftspolitischen Vorstellungen stärker auf kleine und mittlere Unternehmen. Milliardenhilfen für einzelne internationale Großkonzerne lehnt sie ab. Im Wahlprogramm verweist sie dabei ausdrücklich auf die schlechten Erfahrungen mit Intel. Stattdessen will sie unter anderem Gründungen und bestehende mittelständische Unternehmen fördern und Bürokratie abbauen.
Weiterhin will die AfD prüfen, ob in strukturschwachen Teilen Sachsen-Anhalts sogenannte Sonderwirtschaftszonen eingerichtet werden können. Gemeint sind räumlich begrenzte Gebiete, in denen für Investoren einfachere rechtliche und administrative Bedingungen gelten sollen. Welche konkreten Vorschriften dort gelockert würden, legt das Programm allerdings nicht fest.
Auch die FDP will vor allem die Bedingungen für Unternehmen verbessern. Genehmigungen sollen schneller erteilt, Behördengänge stärker digitalisiert und Meldepflichten reduziert werden. Investieren sollen nach ihrer Vorstellung in erster Linie private Unternehmen. Der Staat soll sich vor allem um Infrastruktur, Verwaltung und Forschung kümmern.
Die SPD verbindet staatliche Förderung mit dem Umbau der Industrie. Unterstützen möchte sie unter anderem erneuerbare Energien, klimafreundliche Produktionsverfahren sowie Hochtechnologie und IT-Unternehmen. Bestehende Branchen wie Chemie, Lebensmittelindustrie, Halbleiterhersteller und Autozulieferer sollen bei ihrer Modernisierung unterstützt werden. Gleichzeitig verspricht auch die SPD weniger Bürokratie für Mittelstand und Handwerk. Berichtspflichten sollen reduziert und Förderprogramme einfacher zugänglich werden.
Das BSW setzt ebenfalls auf eine aktive Rolle des Staates. Die Partei will kleine und mittlere Unternehmen stärker unterstützen und mehr Wertschöpfung im Land halten. Öffentliche Investitionen in die Infrastruktur sollen zugleich private Investitionen anstoßen. Bei der Wirtschaftsförderung will das BSW regionale Unternehmen stärker berücksichtigen und kurze Lieferketten fördern.
Die Grünen möchten Fördermittel stärker daran ausrichten, ob Unternehmen klimafreundlicher und mit weniger Energie und Rohstoffen produzieren. Die Linke will Wirtschaftsförderung und öffentliche Aufträge stärker an Tarifbindung und gute Arbeitsbedingungen knüpfen.
Energie als industriepolitische Trennlinie
Besonders weit liegen die Programme in der Energiepolitik auseinander. Für Sachsen-Anhalt ist das von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung. Chemie, Metallverarbeitung, Glasindustrie und Lebensmittelproduktion sind auf eine verlässliche und international wettbewerbsfähige Energieversorgung angewiesen. CDU, SPD und FDP betrachten hohe Energiepreise als Standortproblem, stellen den Umbau des Energiesystems grundsätzlich aber nicht infrage. Die CDU will erneuerbare Energien, Netze, Speicher und Wasserstoffinfrastruktur weiterentwickeln. Die FDP fordert insbesondere eine andere Verteilung der Netzentgelte und einen technologieoffenen Energiemix.
Die Grünen wollen Wind- und Solarenergie weiter ausbauen sowie Stromnetze, Speicher und Wasserstoffwirtschaft entwickeln. Zusätzlich fordert die Partei eine Solarpflicht bei Neubauten. Kommunen und Einwohner sollen stärker finanziell von Energieanlagen in ihrer Region profitieren.
Die AfD verfolgt einen grundlegend anderen Kurs. Sie will den weiteren Windkraftausbau stoppen, die Förderung erneuerbarer Energien zurückfahren und die Wasserstoffstrategie des Landes beenden. Zugleich spricht sie sich für eine längere Nutzung der Braunkohle, eine Rückkehr zur Kernenergie und die Wiederaufnahme russischer Energielieferungen über Nord Stream aus.
Auch das BSW verbindet industrielle Wettbewerbsfähigkeit mit niedrigeren Energiepreisen und fordert, Energie grundsätzlich von allen Lieferanten beziehen zu können. Die Partei spricht sich ebenfalls für russische Gaslieferungen über Nord Stream aus, betrachtet erneuerbare Energien aber zugleich als mögliches Wachstumsfeld.
Weniger Beschäftigte trotz steigender Umsätze
Neben den Energiekosten verschärft die demografische Entwicklung den Druck im Land. Im ersten Quartal 2026 arbeiteten 971.400 Erwerbstätige in Sachsen-Anhalt. Das waren 7.800 oder 0,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Allein im verarbeitenden Gewerbe nahm die Zahl um 3.200 ab. Gleichzeitig schrumpft die Bevölkerung. Ende 2025 lebten 2,12 Millionen Menschen im Land, 15.345 weniger als ein Jahr zuvor. Das verschärft langfristig den Wettbewerb der Unternehmen um Personal.
CDU, SPD, FDP und Grüne beziehen deshalb qualifizierte Zuwanderung in ihre Konzepte zur Fachkräftesicherung ein. Die FDP fordert besonders schnelle Verfahren für benötigte ausländische Arbeitskräfte. CDU und SPD verbinden Zuwanderung stärker mit Ausbildung und der Nutzung des bereits vorhandenen Arbeitskräftepotenzials. Die AfD setzt stärker darauf, junge Menschen im Land zu halten und Abgewanderte zur Rückkehr zu bewegen. Vorgesehen sind unter anderem eine Ausbildungsprämie, ein Führerscheinzuschuss für Auszubildende und eine kostenlose Meisterausbildung.
Das BSW will Arbeitsmigration stärker staatlich steuern. Ausländische Berufsabschlüsse sollen schneller und digital anerkannt werden. Zugleich betont die Partei, dass die Anwerbung von Arbeitskräften nicht dazu führen solle, Herkunftsländern dort benötigte Fachkräfte zu entziehen.
Löhne zwischen Kaufkraft und Kosten
Beschäftigte in Sachsen-Anhalt verdienten 2025 im Durchschnitt 41.163 Euro brutto im Jahr. Allerdings verdienen viele Beschäftigte weniger: Die Hälfte kam auf weniger als 38.553 Euro, die andere Hälfte auf mehr. Bei Vollzeitbeschäftigten lag diese Grenze bei 45.543 Euro.
Die Parteien setzen unterschiedliche Schwerpunkte, wenn es um Löhne und Arbeitsbedingungen geht. Die Linke will mehr Beschäftigte nach Tarif bezahlen lassen und öffentliche Aufträge dafür als Druckmittel nutzen. Die Partei möchte die Tarifbindung stärken und fordert für öffentliche Aufträge einen Vergabemindestlohn von 16,50 Euro pro Stunde. Auch SPD und BSW wollen staatliche Aufträge oder Fördergelder stärker davon abhängig machen, ob Unternehmen Tarifverträge und bestimmte Arbeitsstandards einhalten. Das BSW fordert darüber hinaus, Löhne automatisch an die Inflation anzupassen. CDU und FDP legen dagegen mehr Gewicht darauf, zusätzliche Kosten und bürokratische Vorgaben für Unternehmen zu begrenzen.
Höhere Löhne bedeuten für Beschäftigte zunächst mehr Kaufkraft und können helfen, Fachkräfte zu gewinnen oder im Land zu halten. Für Unternehmen steigen dadurch jedoch die Personalkosten. Problematisch kann das vor allem dann werden, wenn die Löhne stärker steigen als das, was ein Beschäftigter im Durchschnitt erwirtschaftet. Wie stark sich höhere Löhne auf ein Unternehmen auswirken, hängt deshalb auch von der jeweiligen Branche ab.
Unterschiedliche Antworten auf denselben Strukturwandel
Die Programme zeigen weniger einen Streit über die Diagnose als über die Therapie. Fast alle Parteien nennen Investitionen, Fachkräfte, Energiepreise und Bürokratie als Herausforderungen. Erheblich größer sind die Unterschiede bei den politischen Instrumenten.
Dabei kann eine Landesregierung nur einen Teil der entscheidenden Bedingungen beeinflussen. Stromsteuer, Unternehmensbesteuerung, Zuwanderungsrecht, europäischer Emissionshandel oder internationale Handelsbeziehungen werden maßgeblich in Berlin und Brüssel entschieden. Sachsen-Anhalt verfügt dagegen über unmittelbaren Einfluss auf Genehmigungsverfahren, Landesförderung, Schulen und Hochschulen, Flächenausweisung, Teile der Infrastruktur und öffentliche Vergaben. Wahlversprechen müssen deshalb auch danach beurteilt werden, ob ihre Umsetzung tatsächlich in Magdeburg entschieden werden kann.
Indem sie Autokäufer dafür bezahlen lassen, bestimmte Funktionen wie Sitzheizung und Fernsteuerung freizuschalten, können die Autohersteller auch nach dem Verkauf des Fahrzeugs noch Einnahmen generieren. - Foto: IherPhoto/iStock
In Kürze:
Autoherstellerverlagern Einnahmen zunehmend vom Fahrzeugkauf auf digitale Dienste und Abonnements.
Vernetzte Fahrzeuge erzeugen umfangreiche Daten, die wirtschaftlich genutzt werden könnten.
EU Data Act und Datenschutzregeln bestimmen zunehmend, wer auf Fahrzeugdaten zugreifen und sie nutzen darf.
„Die Krise der Autoindustrie ist politisch bedingt“, sagt Johannes Gardelöf von der Auto-Nachrichtenagentur Car News & Pictures (CNP) gegenüber der schwedischsprachigen Ausgabe der Epoch Times. Gardelöf macht dafür insbesondere politische Vorgaben, steigende regulatorische Anforderungen und den Druck zur Entwicklung von Elektrofahrzeugen verantwortlich.
Er arbeitet seit 35 Jahren in der Autobranche, hat aber noch nie zuvor erlebt, dass die Branche so hart um ihr Überleben kämpfen musste wie jetzt. Seiner Meinung nach haben gestiegene Anforderungen von Politikern und Bürokraten sowie der Druck zur Entwicklung von Elektroautos der europäischen Automobilindustrie große Schwierigkeiten verursacht. Gardelöf sagt:
„Wenn Politiker darüber entscheiden wollen, welche Autos wir kaufen sollen, schaffen sie Probleme.“
Laut Gardelöf entstehen infolge der Krise neue Geschäftsmodelle – es gibt jedoch eine Reihe von Unsicherheiten, die berücksichtigt werden sollten. Die größte Veränderung liegt seiner Ansicht nach darin, wie die Autohersteller ihre Fahrzeuge verkaufen.
Ein zunehmender Trend besteht darin, dass Hersteller zusätzliche Einnahmen nach dem Fahrzeugkauf erzielen wollen. Bei manchen Fahrzeugen können bestimmte technische Funktionen bereits vorhanden sein, für deren Aktivierung oder Nutzung jedoch zusätzlich bezahlt werden muss. Nach Einschätzung Gardelöfs können zusätzliche Gebühren für Funktionen und digitale Dienste dazu führen, dass die Gesamtkosten eines Fahrzeugs über dessen Nutzungsdauer über dem ursprünglichen Kaufpreis liegen.
Da das Auto zunehmend vernetzt und softwaregesteuert ist, nutzen Hersteller Möglichkeiten, auch nach der Auslieferung des Fahrzeugs zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Dies kann durch Abonnements für digitale Dienste, Fernsteuerung, Navigation, Wartung, Unterhaltungssysteme und verschiedene Formen der Fahrerassistenz geschehen.
In einigen Fällen handelt es sich auch um Funktionen, bei denen die erforderliche Hardware bereits im Auto installiert ist, der Kunde jedoch für die Aktivierung bezahlen muss.
BMW sorgte für großes Aufsehen, als das Unternehmen in bestimmten Ländern begann, die Sitzheizung als Abonnement anzubieten. Kunden konnten monatlich, jährlich oder für einen längeren Zeitraum bezahlen, um die Funktion zu aktivieren. Das Modell ist ein Beispiel dafür, wie Autohersteller Teile ihrer Einnahmen vom einmaligen Fahrzeugverkauf auf die Nutzungsdauer des Fahrzeugs verlagern können.
Ähnliche Lösungen wurden beispielsweise für fortschrittliche Einparkhilfen, Fernsteuerung, Navigation und verschiedene Systeme zur Fahrerassistenz erprobt. Mercedes-Benz bietet über seinen digitalen Shop sogenannte „Digital Extras“ an, bei denen Kunden Dienste unter anderem in den Bereichen Navigation, Fernfunktionen und Sicherheit erwerben oder verlängern können.
Für die Hersteller kann dieses Modell einen wiederkehrenden Cashflow schaffen. Eine Funktion wird nicht nur einmalig beim Autokauf verkauft, sondern kann über mehrere Jahre hinweg Einnahmen generieren. Das bedeutet, dass das Auto in höherem Maße zu einer digitalen Plattform wird.
Durch Updates über das Mobilfunknetz kann der Hersteller die Eigenschaften des Autos ändern, ohne dass das Fahrzeug in die Werkstatt gebracht werden muss. Neue Dienste können nach dem Kauf eingeführt werden, und der Kunde kann in bestimmten Fällen Funktionen nachkaufen, sobald der Bedarf entsteht.
Für die europäische Automobilindustrie eröffnet dieses Modell damit neben dem Fahrzeugverkauf eine weitere Möglichkeit, über die Nutzungsdauer eines Fahrzeugs Einnahmen zu erzielen.
Dieser Wandel vollzieht sich zu einer Zeit, in der die europäische Autoindustrie mit mehreren großen Problemen konfrontiert ist. Der Übergang zu Elektroautos erfordert umfangreiche Investitionen in Batterien, Fabriken, Halbleiter und Software. Gleichzeitig stehen die Unternehmen unter dem Druck hoher Energie- und Arbeitskosten sowie zunehmender Konkurrenz aus China.
Apostolos Tzitzikostas, EU-Kommissar für nachhaltigen Verkehr und Tourismus, stellte im März 2025 den Aktionsplan der Kommission für die Automobilindustrie vor. Er sagte dabei, dass die Branche „vor großen technischen und wettbewerblichen Herausforderungen steht“. Die Kommission schlug unter anderem einen Innovationsfonds in Höhe von 1,8 Milliarden Euro vor, der zu einer sichereren Lieferkette für Batterierohstoffe beitragen soll.
Apostolos Tzitzikostas, EU-Kommissar für nachhaltigen Verkehr und Tourismus, hat sich für eine fossilfreie europäische Fahrzeugflotte eingesetzt. Im Aktionsplan der Kommission für die Automobilindustrie stellte er fest, dass die Branche „vor großen technischen und wettbewerblichen Herausforderungen steht“ (Brüssel, 5. März 2025)
Foto: Martin Bertrand/Hans Lucas/AFP via Getty Images
Fahrzeugdaten als mögliche zusätzliche Einnahmequelle
Gardelöf sieht weitere Möglichkeiten für die Autoindustrie, ihre Einnahmen zu steigern. Eine weitere potenzielle Einnahmequelle könnten die von vernetzten Fahrzeugen erzeugten Daten sein.
So wie digitale Plattformen wie Facebook Informationen über das Nutzerverhalten nutzen können, um gezielte Werbung zu verkaufen, könnten Automobilhersteller in Zukunft versuchen, die durch vernetzte Fahrzeuge gesammelten Informationen zu vermarkten.
Gardelöf sieht in der kommerziellen Nutzung von Fahrzeugdaten ein mögliches langfristiges Geschäftsmodell. Wie groß die daraus erzielbaren Einnahmen tatsächlich sein könnten, lässt sich derzeit jedoch schwer abschätzen.
Vernetzte Fahrzeuge können detaillierte Informationen über den Alltag und die Bewegungsmuster ihrer Nutzer liefern: wo sich das Fahrzeug befindet, welche Strecken gefahren werden, wie häufig es genutzt wird, wann es geladen oder betankt wird und welche Orte besucht werden.
Zusammen mit Informationen aus der App des Autos und dem Kundenkonto kann so ein detailliertes Bild der Gewohnheiten des Kunden entstehen.
Gardelöf ist der Ansicht, dass dieses Geschäftsmodell hervorragend zur Autoindustrie passt.
Ein Montagearbeiter bei Volkswagen am 24. Februar 2026.
Foto: Focke Strangmann/Getty Images
Fahrzeugdaten und Versicherungen
General Motors in den USA hat ebenfalls ein Geschäftsmodell mit vernetzten Autos getestet, die als Plattformen zur Datenerfassung genutzt werden.
Über den Dienst OnStar und die Funktion „Smart Driver“ sammelte General Motors unter anderem Daten über die genaue Position des Fahrzeugs und das Fahrverhalten des Nutzers. Nach Angaben der US-amerikanischen Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde Federal Trade Commission (FTC) umfassten diese Informationen unter anderem Geschwindigkeit, starkes Bremsen und Beschleunigen.
Nach Angaben der FTC wurden die erfassten Fahrzeug- und Fahrdaten unter anderem an die Datenunternehmen LexisNexis Risk Solutions und Verisk weitergegeben. Die Daten konnten anschließend unter anderem für versicherungsbezogene Zwecke genutzt werden.
Nach Darstellung der FTC informierten General Motors und OnStar die Kunden nicht ausreichend darüber, wie ihre Fahrzeug- und Fahrdaten erhoben und weitergegeben wurden. Die Behörde beanstandete insbesondere, dass für bestimmte Formen der Datennutzung und Weitergabe keine hinreichend klare und ausdrückliche Einwilligung der Kunden vorgelegen habe.
Am 14. Januar 2026 erließ die FTC eine endgültige Anordnung gegen General Motors und OnStar. Diese untersagt es den Unternehmen für fünf Jahre, bestimmte Daten über die Geolokalisierung und das Fahrverhalten von Verbrauchern an Verbraucherauskunfteien weiterzugeben.
Der EU Data Act schafft für Nutzer unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch auf Zugang zu Daten, die durch vernetzte Produkte und damit auch durch bestimmte vernetzte Fahrzeuge erzeugt werden. Unter den gesetzlichen Voraussetzungen können diese Daten mit Dritten geteilt werden. Dies kann neue Möglichkeiten für Werkstätten, Versicherungsgesellschaften und andere Akteure schaffen – aber auch die alleinige Kontrolle der Autohersteller über diese Informationen einschränken.
Wie kann man sich vor unerwünschter Nutzung und Weitergabe personenbezogener Daten schützen?
Besitzer eines Neuwagens können je nach Fahrzeug und Anbieter bestimmte vernetzte Zusatzdienste deaktivieren, beispielsweise Fernsteuerung, Fahrstatistiken, personalisierte Werbung oder Standortfreigabe. Einzelheiten finden sich in der Regel in den Datenschutzeinstellungen und den Datenschutzbestimmungen des Fahrzeugs.
Gastprofil: Verwenden Sie, sofern verfügbar, ein Gastprofil und verweigern Sie die Einwilligung zu Marketing und zur Weitergabe an Partnerunternehmen, um personenbezogene Daten zu schützen. Fragen Sie den Hersteller, welche Daten erfasst werden, wie lange sie gespeichert werden und welche Unternehmen Zugriff darauf erhalten. Gemäß der DSGVO kann der Fahrzeughalter in vielen Fällen Auskunft über personenbezogene Daten, deren Berichtigung und Löschung verlangen, wobei Ausnahmen gelten, wenn die Daten für gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsfunktionen benötigt werden.
Gesetzlich vorgeschriebene Datenerhebung: Einige Systeme lassen sich nicht deaktivieren. Die EU schreibt beispielsweise eCall in neuen Personenkraftwagen und leichten Nutzfahrzeugen vor. Das System kann bei einem schweren Unfall automatisch einen Notruf auslösen und eine Verbindung zur Notrufabfragestelle herstellen. Ereignisdatenschreiber können zudem Daten wie Geschwindigkeit und Bremsvorgänge bei einem Unfall speichern. Für diese Daten gelten gesetzliche Vorgaben zur Speicherung, zum Schutz und zum Zugriff. Eine Weitergabe an Behörden ist nur unter den jeweils geltenden gesetzlichen Voraussetzungen zulässig.
110 Jahre und älter: Superhundertjährige sind für die Forschung ein Fenster in die Geheimnisse außergewöhnlicher Langlebigkeit. (Symbolbild) - Foto: tepic/iStock
In Kürze:
Das Geheimnis menschlicher Langlebigkeit ist bis heute weitgehend unerforscht.
Forscher aus Japan suchten in einer jüngst veröffentlichten Studie gezielt nach Zusammenhängen.
Je älter die Studienteilnehmer waren – die jüngsten unter ihnen waren über 70 –, desto höher war der Anteil bestimmter Immunzellen.
Eine Kausalität beweist die Studie nicht und liefert daher auch kein Rezept für ein langes Leben.
Ende 2024 lebten in Deutschland fast 18.000 Menschen, die mindestens ein Jahrhundert hinter sich hatten – 24 Prozent mehr als noch 2011. Doch 110 Jahre oder mehr sind selbst in einer immer älter werdenden Gesellschaft eine extreme Ausnahme.
Hierzulande wird derzeit Ilse Neumann aus Sachsen als älteste in Deutschland lebende Person geführt. In den offiziellen Liste der langlebigsten Menschen ist sie allerdings bislang nicht erfasst. Nach dem Tod des 110-jährigen Bruno Kant Ende Mai 2026 gibt es damit derzeit keinen offiziell bestätigten lebenden Deutschen über 110 Jahre.
Diese Diskrepanz zeigt bereits, wie selten ein solches Alter ist. Für die Altersforschung sind Menschen, die 110 Jahre oder älter werden, deshalb besonders interessant. Sie sind nicht einfach nur sehr alte Menschen, sondern ein Extremfall menschlicher Langlebigkeit. Insbesondere, da vieler diese Personen den größten Teil ihres Lebens vergleichsweise gesund bleiben.
Suche nach dem Rezept für ein langes Leben
Wer nach Antworten sucht, landet zunächst bei den bekannten Faktoren: Bewegung, Ernährung, ausreichend Schlaf, wenig oder kein Rauchen und Alkohol, soziale Kontakte, ein aktiver Alltag und möglicherweise auch eine positive Lebenseinstellung.
Darauf weisen auch Untersuchungen zu den sogenannten Blue Zones hin – Regionen, in denen besonders viele Menschen ein außergewöhnlich hohes Alter erreichen. Dort werden eine natürliche Alltagsbewegung, eine überwiegend pflanzliche Ernährung, wenig stark verarbeitete Lebensmittel und enge soziale Beziehungen mit einem langen Leben in Verbindung gebracht.
Doch solche Faktoren erklären vor allem, unter welchen Lebensbedingungen Menschen besonders alt werden. Warum einzelne Menschen 110 Jahre und mehr erreichen, ist eine andere Frage. Vielleicht liegt ein Teil des Geheimnisses nicht nur im Lebensstil, sondern in der Biologie?
Genau hier setzt eine neue Studie japanischer Forscher an. Sie untersuchten das Immunsystem von Menschen, die 110 Jahre und älter sind – und stießen auf eine auffällige Besonderheit. Der Schlüssel zur Langlebigkeit könnte laut den Forschern in einer großen Anzahl krebsbekämpfender Immunzellen liegen.
„Unsere Studie legt nahe, dass sich das Immunsystem selbst im hohen Alter noch selektiv anpassen kann“, so Hauptautor Kosuke Hashimoto.
Ein ungewöhnliches Immunsystem
Bei den über 110-Jährigen, die Autoren nennen sie „Superhundertjährige“, fanden die Forscher besonders viele zytotoxische CD4-T-Zellen, kurz CD4-CTLs. Dabei handelt es sich um eine seltene Untergruppe von T-Zellen. Letztere gehören generell zum Immunsystem und helfen normalerweise dabei, die Abwehr des Körpers zu koordinieren. CD4-CTLs können darüber hinaus selbst andere Zellen erkennen und zerstören. Solche Zellen werden unter anderem bei Virusinfektionen beobachtet. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass sie bestimmte Krebszellen beseitigen können.
Die neue Studie zeigt nicht auf, ob diese Zellen der Grund dafür sind, dass Menschen 110 Jahre alt werden. Sie legt zunächst einen auffälligen Zusammenhang offen: Mit zunehmendem Alter der untersuchten Menschen nahm der Anteil dieser speziellen T-Zellen deutlich zu:
Die Forscher untersuchten Blutproben von insgesamt 28 Personen. Darunter waren acht Menschen zwischen 70 und 90 Jahren, zehn Hundertjährige im Alter von 100 bis 109 Jahren und zehn Superhundertjährige, die mindestens 110 Jahre alt waren.
Bei den 70- bis 90-Jährigen machten die CD4-CTLs etwa vier Prozent der T-Zellen aus. Bei den 100- bis 109-Jährigen waren es rund zehn Prozent. Bei den Superhundertjährigen lag ihr Anteil bei knapp 18 Prozent.
Wenn sich Immunzellen vervielfältigen
Hinzu kommt ein zweiter Befund: Bei den Hundertjährigen und Superhundertjährigen fanden die Forscher große Zellklone. Vereinfacht gesagt bedeutet das: Eine einzelne T-Zelle hat offenbar auf einen bestimmten Reiz reagiert und anschließend zahlreiche genetisch nahezu identische Nachkommen gebildet.
Der größte einzelne Klon machte bei den untersuchten Personen durchschnittlich rund ein Drittel aller CD4-CTLs aus. Bei einem Hundertjährigen gehörten sogar 53,8 Prozent dieser Zellen zu demselben Klon. Diese Werte deuten darauf hin, dass das Immunsystem dieser Menschen über längere Zeit immer wieder mit bestimmten Reizen konfrontiert wurde und sich darauf spezialisiert hat. Worauf genau diese großen Zellklone überhaupt reagieren, das beantwortet die Studie nicht.
Das Immunsystem wäre den Untersuchungsergebnissen nach im hohen Alter nicht einfach nur geschwächt. Es hätte sich vielmehr verändert – und bestimmte Abwehrmechanismen besonders stark ausgebaut. Für die Forscher ist das ein möglicher Hinweis darauf, wie das Immunsystem außergewöhnlich lang funktionsfähig bleiben kann. Denn die untersuchten Superhundertjährigen hätten nicht nur ein ungewöhnlich langes Leben, sondern scheinen auch Alterskrankheiten wie Herzerkrankungen, Demenz und Krebs abzuwehren.
Des Weiteren verglichen die Forscher die Rezeptoren dieser besonders stark vermehrten T-Zellen mit bereits vorhandenen Daten aus Krebsgewebe. Einige der Rezeptorsequenzen stimmten mit solchen überein, die auch bei T-Zellen von Krebspatienten gefunden wurden, besonders bei Lungenkrebs. Die Forscher vermuten deshalb, dass die ungewöhnliche Vermehrung dieser CD4-CTLs möglicherweise zur Langlebigkeit beiträgt – etwa indem sie bei dazu beitragen, dass Superhundertjährige Krebszellen besser unter Kontrolle halten – und damit länger gesund bleiben.
Rezept für ein langes Leben?
Was bedeutet das für den Einzelnen? Niemand kann seine CD4-CTLs derzeit durch eine bestimmte Ernährung, Sportübung oder Nahrungsergänzung vermehren. Die Studie liefert also kein Programm, mit dem sich 110 Jahre erreichen lassen.
Sie eröffnet vielmehr eine andere Perspektive auf das Altern: Vielleicht entscheidet nicht nur, welchen Belastungen ein Mensch im Laufe seines Lebens ausgesetzt ist. Vielleicht spielt auch eine Rolle, wie anpassungsfähig sein Immunsystem bleibt und welche Abwehrmechanismen es im Laufe der Jahrzehnte entwickelt.
In Japan, wo Hashimoto und sein Team die Studie durchführte, gibt es über 100.000 Hundertjährige. Etwa 150 Menschen sind 110 Jahre oder älter. Die offizielle Rangliste der ältesten derzeit lebenden Personen weltweit führt dennoch Ethel Caterham aus Großbritannien an, die am 21. August 2026 ihren 117. Geburtstag feierte.
Überlastet: Wenn der Kopf nicht mehr aufhört zu rauschen. Was hinter dem Gefühl der ständigen Erschöpfung steckt. - Foto: Jacob Wackerhausen/ iStock
Ich erinnere mich an einen Patienten Mitte fünfzig, einen ruhigen Mann, dessen Stimme stets etwas von Müdigkeit trug. Als er an jenem Morgen mein Sprechzimmer betrat, wirkte er nicht krank im klassischen Sinne, sondern erschöpft auf einer sehr tiefen Ebene.
Er setzte sich, sah mich an und sagte: „Ich weiß nicht mehr, wie ich denken soll. Es ist, als würde mein Kopf rauschen.“
Während er sprach, fiel mir auf, dass seine Augen leicht gerötet waren, nicht durch Tränen, sondern durch Nächte, die ihm offenbar nicht gehörten. Er berichtete von Schlaf, der nicht erholte, von Gedanken, die sich nicht ordnen ließen, und von einer inneren Unruhe, die ihn selbst in stillen Momenten begleitete.
Ich begann nachzufragen, und je länger wir sprachen, desto deutlicher wurde, dass sein Problem nicht nur Müdigkeit war. Es war ein Verlust an geistiger Klarheit, ein Nachlassen der Fähigkeit, Informationen aufzunehmen, zu sortieren und zu behalten. Er beschrieb es als „ein ständiges Hintergrundrauschen“, das ihn daran hinderte, sich zu konzentrieren.
Während ich ihm zuhörte, wurde mir bewusst, dass sein Zustand exemplarisch für etwas Größeres stand: für die Frage, warum Schlaf überhaupt existiert und warum das Gehirn ohne ihn aus dem Gleichgewicht gerät.
„Ich kann nicht mehr denken“ – ein stiller Hilferuf des Gehirns
Es gibt medizinische Fragen, die trotz jahrzehntelanger Forschung seltsam unberührt bleiben. Schlaf gehört dazu. Obwohl jeder Mensch ihn täglich braucht, obwohl Tiere ohne ihn sterben würden, obwohl das Gehirn im Schlaf mehr Aktivität zeigt als viele vermuten, wissen Schlafforscher bis heute nicht ganz genau, warum wir eigentlich schlafen.
In der ganzheitsmedizinischen Praxis begegnet mir Schlaf nicht als hochkomplexes Forschungsfeld, sondern als existenzielles Bedürfnis, das Menschen aus dem Gleichgewicht bringen kann, wenn es fehlt. Schlaf ist kein Luxus, sondern eine stille Voraussetzung für geistige Klarheit, emotionale Stabilität und körperliche Regeneration.
Und dennoch behandeln wir ihn im Alltag oft wie eine variable Größe, die man verschieben, verkürzen oder ignorieren kann, wenn andere Dinge wichtiger erscheinen, ohne dass es Konsequenzen hat. So wie es sich auch in den Lebensalltag meines Mitte fünfzig Jahre alten Patienten eingeschlichen hat.
Doch das Gehirn verzeiht diese Ignoranz nicht. Es reagiert mit Unruhe, mit Überforderung, mit einem Verlust an innerer Ordnung.
Was das Gehirn im Schlaf wirklich tut
In der modernen Schlafforschung gibt es eine Hypothese, die seit Jahren diskutiert wird und die ich aus ganzheitlicher Sicht mit viel Interesse betrachte: die synaptische Homöostase.
Sie besagt, vereinfacht ausgedrückt, dass das Gehirn im Wachzustand fortlaufend neue Reize verarbeitet, synaptische Verbindungen stärkt und dadurch eine Art neuronale Überladung erzeugt. Schlaf soll diese Überladung reduzieren, indem er die Synapsen wieder auf ein funktionales Niveau zurücksetzt.
Die Forschung zu diesem Thema ist aktuell und passiert sozusagen gerade in Echtzeit. Eine der jüngsten und präzisesten Forschungsarbeiten zu diesem Thema stammt aus Japan aus dem Jahr 2025. Die Studie von Fukuaki L. Kinoshita und Kollegen an der University of Tokyo deutet darauf hin, dass synaptische Verbindungen im Wachzustand tatsächlich an Stärke zunehmen und dass Schlafphasen notwendig sind, um diese Verstärkung wieder zu regulieren.
Die Forscher modellierten die Dynamik der Synapsen über den gesamten Schlaf-Wach-Zyklus und fanden Hinweise darauf, dass das Gehirn im Schlaf eine Art neuronale Ordnung wiederherstellt, die im Alltag verloren geht.
Diese wissenschaftliche Erkenntnis passte gut zu dem, was ich auch bei meinem Patienten sah: ein Gehirn, das zu lange wach war, zu viele Eindrücke aufgenommen hatte und nicht mehr in der Lage war, sie zu sortieren und Ordnung zu schaffen.
Wenn Wachheit das Gehirn überlädt und Schlafentzug messbar Spuren hinterlässt
Dass Schlafentzug die synaptische Last erhöht, wurde auch in einer aktuellen Studie aus dem Jahr 2026 aus Deutschland bestätigt. Die Arbeitsgruppe um David Elmenhorst am Forschungszentrum Jülich konnte zeigen, dass schon eine einzige Nacht ohne Schlaf die Menge des synaptischen Dichte-Markers SV2A im menschlichen Gehirn erhöht.
Dieser Marker steht für die Anzahl funktioneller Synapsen. Mit einfachen Worten: Wer zu lange wach bleibt, baut synaptische Verbindungen auf, die das Gehirn am nächsten Tag belasten. Die Forscher konnten nachweisen, dass diese erhöhte synaptische Dichte mit einer Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit einhergeht.
Auch eine im August 2026 erschienene Studie aus den USA zeigt, dass Schlaf die synaptische Architektur im Gehirn nicht nur reduziert, sondern regional unterschiedlich moduliert. Manche Hirnareale profitieren also stärker von der nächtlichen Ordnung als andere. Das Gehirn scheint im Schlaf also nicht pauschal zu arbeiten, sondern differenziert. Es wird nicht einfach etwas entfernt, sondern vielmehr ausgewählt.
Warum selbst ein Nickerchen helfen kann, das Gehirn neu zu kalibrieren
Wenn man nachts aus verschiedenen Gründen nicht gut durchschlafen kann, gibt es auch die Möglichkeit, tagsüber die Hygiene des Gehirns zu unterstützen, wie eine kleine, aber besonders spannende europäische Studie aus dem Jahr 2026 von Kristoffer D. Fehér und Kollegen zeigt.
Die Untersuchung an zwanzig Teilnehmern ergab, dass selbst ein kurzer Mittagsschlaf die synaptische Plastizität neu kalibrieren kann. Ein Nickerchen von weniger als einer Stunde reichte dabei aus, um die neuronale Last zu reduzieren und eine bessere Vorbereitung des Gehirns auf nachfolgendes Lernen zu schaffen.
Für die ganzheitsmedizinische Perspektive ist das bedeutsam. Denn es zeigt, dass Schlaf nicht nur ein nächtlicher Prozess ist, sondern ein biologisches Werkzeug, das der Körper offenbar flexibel einsetzen kann. Der Mensch ist also nicht darauf angewiesen, ausschließlich nachts Ordnung zu schaffen. Er kann sie auch tagsüber gezielt nachholen.
In Bezug auf meinen Patienten kam ich zu folgendem Schluss: Sein Gehirn war nicht krank, sondern überlastet. Es brauchte meiner Ansicht nach keine Medikamente, um die Konzentration zu verbessern, sondern Ordnung. Und zu dieser Ordnung kann Schlaf als biologisches Werkzeug auf natürliche Weise verhelfen.
Perspektive aus der Ganzheitsmedizin
Mein Rat aus ganzheitsmedizinischer Sicht lautete deshalb: Schlaf sollte nicht erst dann stattfinden, wenn der Körper erschöpft ist oder man Zeit dafür findet. Er sollte bewusst gepflegt werden und als eine tägliche Hygiene für das Gehirn gelten.
Wer tagsüber kurze Pausen zulässt, abends digitale Reize reduziert und dem Körper die Chance gibt, entspannt in den Schlaf zu gleiten, unterstützt die nächtliche Ordnung, die das Gehirn dringend braucht.
Schlaf ist kein passiver Zustand, den man einnimmt, nachdem man alles Wichtige im Alltag erledigt hat, sondern ein aktiver Prozess der neuronalen Reinigung, der in die Lebensroutine eingeplant werden muss. Er ist die stille Arbeit des Gehirns, die wir nicht sehen, aber spüren. Und er ist eine der wenigen biologischen Funktionen, die wir medizinisch nicht ersetzen können.
Wer ihn vernachlässigt, verliert die Fähigkeit, klar zu denken. Wer ihn pflegt, kann die Ordnung zurückgewinnen, die das Leben jeden Tag aufs Neue durcheinanderbringt.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker. (Redaktionelle Bearbeitung cs)
Die Bundeswehr hilft bei der Befestigung von Polens Ostgrenze. (Archivfoto) - Foto: Polnische Streitkräfte/dpa
Deutsche und polnische Medien berichten gleichlautend darüber, dass sich derzeit ein zweistelliges Kontingent von Bundeswehr-Pionieren daran beteiligt, die polnische Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad (Königsberg) zu sichern.
Der staatliche polnische Rundfunk „Polskie Radio“ meldete kürzlich, dass Pionierkräfte des deutschen Heeres mit Baumaschinen begonnen haben, entlang der Grenzabschnitte, die als besonders anfällig für Übergriffe gelten, Panzerabwehrhindernisse aus Beton zu errichten.
Auch Panzerabwehrgräben würden ausgehoben und Versorgungsdepots angelegt. Die Lagerstätten enthalten Panzerabwehrbarrieren, vorgefertigte Betonkonstruktionen, Betonhindernisse, Komponenten für Straßensperren, Befestigungsanlagen und Stacheldraht, hieß es in eines Facebook-Eintrages des polnischen Generalstabs.
Dazu das Ministerium: „Als Reaktion auf den Angriff Russlands auf die Ukraine beschloss Polen die Umsetzung der nationalen Initiative Eastern Shield (Ostschild) zum Ausbau von Befestigungsanlagen zum Schutz seiner Grenze. Auf Einladung Polens unterstützt die Bundeswehr nun dieses Vorhaben.“
Die Bundeswehr zitiert in einem Beitrag auf ihrer Website den für diese Aktion zuständigen Generalleutnant Alexander Sollfrank, wonach damit die „Sicherheit Europas“ gemeinsam verteidigt werde. Außerdem werde damit „Frieden durch Geschlossenheit und glaubwürdige Abschreckung“ gesichert.
Das deutsche Kontingent sei bereits seit 22. Juni „planmäßig“ vor Ort.
General Stanisław Czosnek, stellvertretender Chef des polnischen Generalstabs, erklärte laut „Polskie Radio“, die deutsche Einheit werde bis Mitte Oktober vor Ort bleiben und dann von französischen Streitkräften abgelöst werden.
Angekündigt wurde das Vorhaben im Dezember vergangenen Jahres durch den polnischen Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Paweł Zalewski, bei einem Treffen mit dem deutschen BMVg-Staatssekretär Nils Schmid (SPD) auf dem polnischen Luftwaffenstützpunkt Malbork (Marienburg).
Ein Grenzzaun entlang der Grenze zum russischen Gebiet Kaliningrad am 28. Oktober 2022 in der Nähe von Vištytis, Litauen.
Foto: Sean Gallup/Getty Images
Suwałki-Korridor
Auch die Grenze zu Weißrussland sowie zu Litauen soll mithilfe der Bundeswehr gesichert werden. Hierbei geht es in erster Linie um den strategisch bedeutsamen Suwałki-Korridor. Dabei handelt es sich um eine schmale, nur 104 Kilometer lange Landverbindung zwischen den baltischen Staaten und Polen, die das russische Kaliningrad von Weißrussland trennt. Benannt ist dieser Engpass nach der polnischen Stadt Suwałki.
Die Leitung des deutschen Einsatzes liegt laut BMVg beim polnischen Verteidigungsministerium. Umgerechnet rund 10 Milliarden Euro sind dafür nach Angaben von Warschau für die Operation vorgesehen. Polen hatte das Großprojekt 2024 als Reaktion auf Russlands Krieg gegen die Ukraine gestartet.
Wie konkret sich Polen inzwischen auf einen möglichen Angriff vorbereitet, zeigen nicht nur die Tausenden Betonhindernisse gegen gepanzerte Fahrzeuge an der Grenze Richtung Kaliningrad. Warschau beschafft zudem mehrere Hunderttausend Minen. Die polnischen Streitkräfte könnten im Verteidigungsfall binnen 48 Stunden die gesamte Ost- und Nordgrenze verminen, sagte Vize-Verteidigungsminister Cezary Tomczyk.
Die Operation sei „für den Fall eines konventionellen Angriffs durch Russland und Belarus“ gedacht. „Mit dieser Initiative soll im Falle eines militärischen Konflikts eine mögliche Invasion verzögert und somit die Reaktionsfähigkeit der polnischen Truppen und der NATO erhöht werden“, erklärt das BMVg weiter.
Zustimmung des Bundestages nicht nötig?
Im Dezember 2025 hatte das Bundesverteidigungsministerium eine mittlere zweistellige Zahl Soldaten für „Ostschild“ angekündigt.
Damals hieß es, ein Bundestagsmandat sei nicht nötig, weil es sich nicht um einen bewaffneten Auslandseinsatz im Sinne des Parlamentsbeteiligungsgesetzes handle. Die laufende Unterstützungsphase ist nach Bundeswehr-Angaben zunächst bis Oktober vorgesehen und kann verlängert werden.
Wie der polnische Rundfunk weiterhin mitteilte, habe Polen bereits 100 Kilometer seiner Ostgrenze zu Russland und Weißrussland befestigt und rechne laut Angaben des polnischen Militärs damit, „bis Ende des Jahres weitere 100 Kilometer zu sichern“.
Zur Operation „Ostschild“ zählen indes auch Maßnahmen zum Erhalt natürlicher Hindernisse wie Feuchtgebiete und dichte Wälder sowie Überwachungs- und Anti-Drohnen-Systeme.
Die Landgrenze Polens zum russischen Kaliningrad und zu Weißrussland erstreckt sich über 628 Kilometer.
EU unterstützt mit 150 Milliarden Euro
Die EU beteiligt sich über ihren Verteidigungsfinanzierungsmechanismus SAFE an der Finanzierung von „Ostschild“. SAFE ist ein im Mai 2025 von der EU beschlossener Finanztopf im Umfang von bis zu 150 Milliarden Euro.
Die EU vergibt darüber zinsgünstige, langfristige Darlehen an Mitgliedstaaten, um die gemeinsame Rüstungsbeschaffung und den Ausbau militärischer Fähigkeiten in Europa zu stärken.
Die Bundesregierung erklärte zur Einrichtung von SAFE am 30. Dezember: Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine „und seine Auswirkungen auf die europäische und globale Sicherheit in einem sich wandelnden Umfeld“ würden Europa vor existenzielle Herausforderungen stellen.
Hinzu käme, dass sich die USA auf die Region des Indopazifiks fokussieren würden. Konkret ist damit China und sein immer aggressiver werdender Machtanspruch auf Taiwan gemeint. Damit werde deutlich, „dass Europa selbst mehr Verantwortung für die eigene Sicherheit und Verteidigung übernehmen muss“, so das BMVg.
Goldbarren mit einem Gewicht von jeweils 1.000 Gramm. (Archivbild) - Foto: Georg Hochmuth/APA/AFP via Getty Images
In Kürze:
Der Goldpreis steigt auf den höchsten Stand seit Mai.
Anleger erwarten mit Spannung die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh.
Aktuell kostet eine Unze Gold rund 4.644 Dollar.
Der Goldpreis stieg am Montag auf den höchsten Stand seit mehr als drei Monaten. Dies geschah vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen im Nahen Osten und im Vorfeld einer Rede des Chefs der US-Notenbank in dieser Woche.
Der Spotpreis für Gold lag am 24. August um 11:50 Uhr bei rund 4.644 US-Dollar pro Unze und damit über dem Schlusskurs vom Freitag von rund 4.603 US-Dollar. Dies ist der höchste Stand seit dem 18. Mai.
Seit dem Tiefststand von etwa 3.959 US-Dollar (3.391 Euro) am 17. Juli ist der Goldpreis um mehr als 17 Prozent gestiegen.
Der Kurssprung am Montag folgte auf Äußerungen der Trump-Regierung, die auf eine aggressivere Haltung im Krieg der Vereinigten Staaten gegen den Iran hindeuten.
Am 23. August sagte Finanzminister Scott Bessent, dass für das iranische Regime ein „wirtschaftlicher D-Day“ bevorstehe, da die Vereinigten Staaten Maßnahmen ergreifen würden, um die wirtschaftlichen Lebensadern des Landes abzuschneiden.
Unterdessen drohte Mohsen Rezaei, der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates des Iran, in den sozialen Medien, dass Teheran im Falle einer wirtschaftlichen Isolierung die Öllieferungen durch die Straße von Hormus und den Persischen Golf blockieren werde.
Die Verschärfung der Spannungen zwischen den beiden Ländern trägt zu einem Umfeld der Unsicherheit bei, was den Aufwärtstrend der Goldpreise begünstigt.
Anleger richten ihr Augenmerk zudem auf die Rede von Kevin Warsh, dem Chef der US-Notenbank (Fed), am kommenden Freitag beim Jackson-Hole-Symposium zur Wirtschaftspolitik 2026 in Wyoming, um die mögliche Richtung der Zinspolitik der Zentralbank einzuschätzen.
Eine Zinserhöhung könnte sich negativ auf Gold auswirken und umgekehrt. Im vergangenen Monat hatte die Fed beschlossen, die Zinsen zum fünften Mal in Folge unverändert zu lassen.
Neben den Zinssätzen warten die Anleger auf den Preisindex für persönliche Konsumausgaben, der diese Woche veröffentlicht werden soll. Dieser Index ist das von der Fed bevorzugte Maß für die Inflation.
Ökonom: Anleger erkennen Bluff der Fed
„Gold stand bei über 4.600 Dollar. Bislang ist der Goldpreis in den ersten drei Augustwochen um 15 Prozent gestiegen. Das passiert nicht, wenn eine restriktiv eingestellte Fed entschlossen ist, alles zu tun, um die Inflation zu senken. Es passiert, wenn Anleger erkennen, dass die Fed blufft und beabsichtigt, die Inflation außer Kontrolle geraten zu lassen“, schrieb Peter Schiff, Chefökonom bei Euro Pacific Asset Management, am 21. August auf X.
In einem Beitrag vom 21. August erklärte Ewa Manthey, Rohstoffstrategin bei der ING Bank, dass sich Gold von seinen Juli-Tiefstständen erholt habe, gestützt durch wachsende Besorgnis über die fiskalischen Aussichten der USA und eine erneute Investitionsnachfrage nach dem Edelmetall.
Angesichts der anhaltenden Inflation und der Möglichkeit, dass die Fed ihre Leitzinsen anhebt, dürfte die Erholung des Goldpreises laut Manthey jedoch „kaum reibungslos verlaufen“.
„Das jährliche Jackson-Hole-Symposium der Fed vom 27. bis 29. August wird aufmerksam verfolgt werden. Jeder Hinweis darauf, dass die Entscheidungsträger zunehmend bereit sind, die Zinsen anzuheben, könnte zu einem Anstieg der Renditen und des Dollars führen. Eine stärkere Betonung von Wachstum oder Finanzstabilität wäre für Gold hingegen eher unterstützend“, sagte Manthey.
ING prognostiziert für das vierte Quartal einen durchschnittlichen Goldpreis von 4.150 US-Dollar pro Unze, unter der Annahme, dass die US-Geldpolitik aufgrund der anhaltenden Inflation restriktiv bleibt und die Renditen von US-Staatsanleihen nicht nachhaltig sinken.
Manthey wies darauf hin, dass die Erholung des Goldpreises aufgrund erneuter ETF-Käufe auf einer solideren Grundlage stehen könnte. Weitere Kursgewinne bei Gold werden jedoch von einer anhaltenden Investitionsnachfrage und der Reaktion der Fed auf die Inflation abhängen.
Laut einem Bericht des World Gold Council vom 6. August verzeichneten Gold-ETFs im Juli Nettozuflüsse in Höhe von 3 Milliarden US-Dollar (2,57 Milliarden Euro), wobei globale Anleger ihre Portfolios mit Goldbarren aufstockten. Damit wurde der Abfluss der vergangenen beiden Monate umgekehrt.
Der Bericht führte diese Wende darauf zurück, dass Anleger bei niedrigeren Kursen selektiv wieder in den Markt einstiegen und weiterhin eine Diversifizierung ihrer Portfolios anstrebten.
An der Spitze der Zuflüsse standen europäische Fonds. Zwar kehrten im vergangenen Monat auch in Nordamerika wieder Zuflüsse in ETFs zurück, doch fiel der Anstieg mit 71 Millionen US-Dollar (60,8 Millionen Euro) eher bescheiden aus.
Seit Jahresbeginn belaufen sich die weltweiten Nettozuflüsse in Gold-ETFs auf insgesamt 11 Milliarden US-Dollar (9,4 Milliarden Euro), wobei Fonds aus Asien den größten Anteil ausmachen, gefolgt von Europa. In Nordamerika waren in diesem Zeitraum Nettoabflüsse zu verzeichnen, so das World Gold Council.
In einem Experiment schnitten Studenten, die ein Lehrbuch selbstlasen, bei einem anschließenden Test über das Gelernte besser ab als Studenten, die den gleichen Abschnitt hörten.
Laut einer anderen Untersuchung hilft die taktile Stimulation beim Medium Buch dabei, dass die Gedanken nicht so leicht abschweifen.
Doch auch die Art des Stoffs zählt: Hörbücher eignen sich gut für lockere Geschichten – bei schwerem Stoff hilft der gedruckte Text laut den Untersuchungen bei der Konzentration.
Wie viel man schließlich im Kopf behält, kommt aber nicht direkt auf das Format an, sondern auf die eigene Aufmerksamkeit.
Es war um das Jahr 2010 herum, als Lehrbuchverlage begannen, Professoren für Audioversionen ihrer Bücher zu gewinnen. Bevor seine Studenten das Hörbuch kaufen sollten, wollte David B. Daniel, emeritierter Professor für Psychologie an der James Madison University in Harrisonburg im US-Bundesstaat Virginia, einen Beweis dafür, dass das Format funktionierte.
Dafür führte er ein Experiment mit seinen Studenten durch. Er teilte sie in zwei Gruppen ein: Die erste Gruppe las ein Kapitel aus einem Lehrbuch für Psychologie; die andere hörte sich dasselbe Kapitel an.
Gleicher Stoff, 25 Minuten, dann ein Test. „Der Unterschied lag zwischen einer 1 und einer 4“, sagte Daniel gegenüber Epoch Times. „Das war kein schöner Anblick.“ Die Tests der Hörer fielen etwa 28 Prozent schlechter aus.
Die Studenten glaubten, dass sie lernten
Die Testergebnisse sprechen für sich. Doch was unmittelbar vor der Prüfung geschah, macht die Sache erst richtig interessant.
Vor die Wahl gestellt, entschied sich fast jeder Student für die Hörgruppe. „Wenn sie eine Wahl zwischen leicht und schwer haben, wählen die meisten Menschen die leichtere Variante, um das gleiche Ergebnis zu erzielen“, sagte Daniel. Die Studenten glaubten, dass sie lernten – das Gefühl war echt, das Lernen jedoch nicht so effektiv.
Als sie im Leistungsnachweis beweisen sollten, ob sie etwas gelernt hatten, tat sich die Kluft zwischen Gefühl und Wissen unter ihren Füßen auf. Am Ende des Tests schob Daniel noch die Frage ein, in welcher Gruppe die Studenten nun lieber gewesen wären. Die Hörbuch-Hörer änderten fast ausnahmslos ihre Antwort.
„Sie wussten nicht, dass sie es nicht wussten, bis sie es im Rahmen eines Tests abrufen mussten“, so Daniel über seine Interpretation der Studienergebnisse.
Hinter dieser Kluft steckt ein Mechanismus. Der gedruckte Text gibt dem Leser eine sogenannte taktile Orientierung. Eine wichtige Definition steht beispielsweise oben auf einer linken Seite und dient als räumlicher Anker, den ein Hörbuch nicht bieten kann. Außerdem springen die Augen beim Lesen ständig zurück und gleiten unbewusst erneut über einen komplizierten Satz.
Sicher, ein Hörbuch lässt sich zurückspulen, aber das wird selten genutzt. Die gedruckte Seite ist voller natürlicher Pausen, an denen man innehalten und eine Idee sacken lassen kann.
„[Im Hörbuch] gab es keine Seiten, es gab keine natürlichen Stellen zum Innehalten, um das Wissen aufzubauen“, so Daniel. „Es ging einfach immer weiter und weiter und weiter.“
Die Kosten dieses Vorwärtsdrangs sind messbar. Das zeigte eine separate Studie, die stilles Lesen, Vorlesen und Zuhören verglich.
Bei der Hörbuch-Gruppe drifteten die Gedanken am meisten ab. Die Teilnehmer konnten sich am wenigsten an den Stoff erinnern und hatten das geringste Interesse daran.
Ohne ein Tempo, das man bewusst halten kann, oder eine Seite, an der man sich festhalten kann, schweift der Geist ab, so die Einschätzung der Studienautoren. Doch auch beim Hörbuch kann man sich fokussieren, es hängt nur davon ab, welchen Text man gerade hört.
Beth Rogowsky, Professorin für Bildungsforschung an der Bloomsburg University of Pennsylvania, führte ebenfalls eine Studie durch, um die Wirksamkeit des Lernens mit Hörbüchern zu testen.
Sie teilte 91 Teilnehmer mit Hochschulabschluss in drei Gruppen ein. Eine Gruppe hörte sich Auszüge aus „Unbeugsam“ an, einem Buch von Laura Hillenbrand über das Überleben im Zweiten Weltkrieg. Die zweite Gruppe las dieselben Seiten, und die dritte tat beides gleichzeitig: Sie verfolgte den Text mit den Augen, während die Erzählung abgespielt wurde.
Anschließend mussten alle Teilnehmer 48 Fragen zum Verständnis beantworten; der Test wurde zwei Wochen später wiederholt. Das endgültige Ergebnis? „Wir konnten keinen Unterschied zwischen den drei Gruppen feststellen“, sagte Rogowsky gegenüber Epoch Times.
Daniels Experiment ergab eine deutliche Lernkluft. Rogowskys ebenso sorgfältige Studie ergab hingegen keine Unterschiede. Der Widerspruch löst sich in dem Moment auf, in dem man fragt, was die jeweilige Lesergruppe tatsächlich zu tun versuchte.
Leichte Kost oder schwerer Stoff?
Daniels Studenten beschäftigten sich mit hierarchisch aufgebautem Lehrbuchmaterial, bei dem, vereinfacht ausgedrückt, Seite sechs erst dann Sinn ergibt, wenn Seite zwei noch im Gedächtnis präsent ist. Rogowskys Teilnehmer folgten einer sich vorwärts entwickelnden Geschichte.
Erzählungen lassen sich leicht mündlich vermitteln, da sich die Zuhörer an der vertrauten Grammatik des Geschichtenerzählens orientieren, meinte Daniel Willingham zu Epoch Times. Dichte, vielschichtige Texte seien eine andere Sache, so der Kognitionspsychologe an der University of Virginia, der sich mit Lernprozessen befasst.
„Wenn ich auf Seite sechs bin, sollte ich das im Idealfall mit dem in Verbindung bringen, was ich auf Seite zwei gelesen habe“, sagte er. „Das ist sehr schwer. Bei Publikationen ist es einfacher, weil man dort leicht zurückblättern kann.“
Das gedruckte Wort überlässt das Tempo zudem dem Leser und nicht dem Erzähler. Das macht es möglich, langsamer zu werden und bei einzelnen Sätzen zu verweilen und sie näher zu betrachten.
Es ist erwähnenswert, dass Rogowskys Studie zwei Einschränkungen aufweist.
1. Der Hörbuchanbieter Audible finanzierte die Untersuchung. Auf die Frage, ob dies das Ergebnis beeinflusst habe, erklärte Rogowsky, der Sponsor habe sich aus der Konzeption und der Analyse herausgehalten. Auch hätten die Ergebnisse keinem einzelnen Format den Vorzug gegeben.
2. Die Lesegruppe nutzte das elektronische Lesegerät Kindle. Das Lesen am Bildschirm schneidet tendenziell schlechter ab als das Lesen analoger Texte. Hätte man das Hörbuch mit einem gedruckten Buch verglichen, hätte das Hörbuch möglicherweise schlechter abgeschnitten.
Doppelte Reize – kaum Nutzen
Dennoch scheinen Hörbücher bei Büchern, die sich mehr auf die Erzählung und weniger auf visuelle und hierarchische Strukturen konzentrieren, gut zu funktionieren. Das gilt auch, wenn man den Text allgemein verstehen möchte und Schlussfolgerungen und ein tieferes Verständnis zweitrangig sind. Das war das Ergebnis einer großen Studie, die im Jahr 2021 im Fachmagazin „Review of Educational Research“ erschien.
Was ist, wenn man gleichzeitig liest und zuhört? Laut einer Metaanalyse mit 30 Studien und fast 2.000 Teilnehmern brachte der kombinierte Ansatz kaum bis gar keinen Nutzen. Als die Reize verdoppelt wurden, verdoppelte sich das Verständnis nicht; im Gegenteil, es stieg nicht nennenswert. Allerdings könnte es bei Personen mit Leseschwäche und bei Menschen, die eine Zweitsprache lernen, laut den Daten einen moderaten Nutzen durch die Kombination aus Lesen und Zuhören geben.
Auf die Frage nach ihren eigenen Gewohnheiten sind sich Wissenschaftler einig: Hörbücher für leichte Geschichten, analoge Texte für anspruchsvolle Inhalte.
„Ich beginne und ende mit gedruckten Texten“, sagte Kognitionspsychologe Willingham. „Hörbücher hebe ich mir ausschließlich für ziemlich leichte Kost auf.“
Alle Forscher sprachen auch unaufgefordert eine Warnung aus: Keine dieser Untersuchungen befasst sich mit Kindern, die gerade das Lesen lernen. Jede der hier genannten Studien untersuchte Erwachsene oder fast Erwachsene, die bereits flüssig lesen konnten.
Das Textverständnis und die reine Lesefertigkeit beanspruchen unterschiedliche Fähigkeiten. Ein Kind, das immer nur hört, ist ein Kind, das nie dazu aufgefordert wird, die zweite Fähigkeit aufzubauen.
„Wir wollen nicht, dass dies falsch interpretiert wird als: ‚Lasst die Schüler einfach Hörbücher anhören und sich nicht mit dem Lesen beschäftigen‘“, meinte Rogowsky, die Professorin für Bildungsforschung.
Für alle anderen fällt das Urteil milder aus: Nutzen Sie Hörbücher bei alltäglichen Tätigkeiten: beim Pendeln, beim Abwasch und beim Wäschewaschen. Aber wenn Informationen klar verstanden und im Gehirn gespeichert werden sollen, lesen Sie sie.
Letztendlich kommt es nicht auf das Format an. Ein Hörbuch, das man mit voller Aufmerksamkeit hört, ist immer noch besser als das gedruckte Wort, das man halb abgelenkt liest. Die Botschaft ist also, dass nicht nur das gewählte Medium zählt, sondern die eigene Konzentration.
Online-Kriminelle versuchen beim Phishing beispielsweise, ein Online-Bankkonto zu plündern. - Foto: Madalina Kilroy/The Epoch Times
In Kürze:
Die digitale Welt bietet viel Raum für zahlreiche Betrugsmethoden.
Kriminelle haben es hauptsächlich auf Geld und Daten abgesehen.
In den USA nahm sich ein 15-jähriges Sexting-Opfer das Leben.
Den Tätern drohen in den USA lange Haftstrafen.
Das Aufkommen Künstlicher Intelligenz hat Cyberkriminellen Auftrieb gegeben, die sich immer dreistere und ausgefeiltere Methoden ausdenken, um Menschen um ihr Geld zu betrügen. Nachfolgend eine Übersicht über 20 der häufigsten Betrugsmaschen, vor denen man sich in Acht nehmen sollte.
Captcha-Betrug
Beginnen wir mit einer der neuesten Betrugsmaschen. Bei CAPTCHA handelt es sich um ein sogenanntes Challenge-Response-Verfahren, das bestätigen soll, dass ein Mensch die Tastatur bedient.
Es erscheint oft auf Unternehmenswebseiten mit der Frage: „Sind Sie ein Roboter?“ Anschließend werden verschiedene Bilder angezeigt und die Nutzer aufgefordert, die Kästchen anzukreuzen, in denen Fahrräder, Busse oder Ampeln zu sehen sind.
Betrüger haben nun jedoch gefälschte Websites mit falschen CAPTCHA-Tests eingerichtet, bei denen der Nutzer aufgefordert wird, eine Reihe von Befehlen einzugeben – zum Beispiel „Windows + R“, dann „Strg + V“ und anschließend „Enter“. Doch statt einer Sicherheitsüberprüfung handelt es sich tatsächlich um die Schritte zum Ausführen versteckter Malware auf dem eigenen Computer.
CAPTCHA-Betrugsfälle wurden erstmals im vergangenen Jahr in Australien gemeldet, doch die US-Verbraucherschutzbehörde Federal Trade Commission gab im Juni eine Warnung heraus, dass sie inzwischen auch in den Vereinigten Staaten auftauchen.
Liebesbetrug
Die größte Opfergruppe derjenigen, die auf Liebesbetrug (Romance Scams) hereinfallen, sind geschiedene oder verwitwete Menschen über 50. Oft nutzen die Betrüger ein gefälschtes Profilbild einer attraktiven Frau oder eines gut aussehenden Mannes. Dann nehmen sie über Online-Dating-Apps Kontakt zu ihren Opfern auf und erwecken den Eindruck, eine persönliche oder romantische Beziehung mit ihnen aufbauen zu wollen.
Anschließend inszenieren die Betrüger eine Krise und bitten ihre Opfer um Geld, etwa um ein Flugticket für einen Besuch zu buchen.
2023 wurde der nigerianische Liebesbetrüger Akohomen Ighedoise in Tampa, Florida, wegen Verschwörung zum Post- und Überweisungsbetrug zu 17 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. „Viele der Opfer waren verwitwete, alleinstehende oder geschiedene ältere Frauen, die im Rahmen sogenannter Liebesbetrügereien Beziehungen zu falschen Freiern auf Dating-Seiten aufgebaut hatten“, teilte die US-Staatsanwaltschaft für den mittleren Distrikt von Florida mit.
„Die Frauen wurden anschließend dazu gebracht, Geld zu überweisen. Dabei handelte es sich häufig um ihre gesamten Ersparnisse für den Ruhestand sowie um Geld, das sie aus dem Eigenkapital ihrer Häuser entnommen hatten, auf Bankkonten in den Vereinigten Staaten – angeblich im Rahmen einer Investitionsmöglichkeit.“
Ighedoise war Mitglied des in Nigeria ansässigen „Black-Axe“-Netzwerks, das Ermittler im April zerschlugen. Dennoch betreiben zahlreiche Banden und Einzelpersonen weiterhin Liebesbetrug.
In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Fälle von Anlagebetrug mit Kryptowährungen („Pig Butchering“) deutlich zugenommen. Die Betrugsmasche ist deshalb auch verstärkt ins Visier europäischer Ermittler geraten.
Der Begriff stammt vom chinesischen Ausdruck „shā zhū pán“ (etwa: „Schweinemast-Betrug“). Die meisten dieser Betrugsmaschen werden von kriminellen chinesischen Syndikaten betrieben, die von riesigen Betrugszentren in Südostasien aus operieren.
Der Betrüger, der in der Regel ein gefälschtes Bild einer jungen Frau verwendet, kontaktiert das Opfer oder „Schwein“ über eine Online-Dating-App oder eine zufällige E-Mail und gewinnt langsam dessen Vertrauen. Dieser Vorgang wird als „Mästen“ bezeichnet. Schließlich überzeugt der Betrüger sein Opfer, Geld in ein Kryptowährungsprojekt zu investieren, das sich dann jedoch als Betrug entpuppt. An diesem Punkt ist die „Schlachtung“ vollendet und der Betrüger verschwindet.
Ransomware-Angriffe
Ransomware-Angriffe richten sich eher gegen Unternehmen oder sehr wohlhabende Privatpersonen als gegen den Durchschnittsbürger. Bei Ransomware handelt es sich um eine Art von Schadsoftware – oder Malware –, die Nutzer daran hindert, auf ihre Computerdateien, Systeme oder Netzwerke zuzugreifen. Die Urheber verlangen zur Freigabe der Daten die Zahlung eines Lösegelds. Dieses wird fast immer in Bitcoin oder anderen Kryptowährungen gezahlt, die schwerer nachzuverfolgen sind als herkömmliche Banküberweisungen.
Paul Abbott, ehemaliger Geschäftsführer des britischen Speditionsunternehmens KNP Logistics Group, erläuterte gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times im vergangenen Jahr, dass KNP im September 2023 als direkte Folge eines Ransomware-Angriffs schließen musste. Dabei gingen 730 Arbeitsplätze verloren.
Spoofing-Betrug
Beim Spoofing manipulieren Cyberkriminelle die angezeigte Telefonnummer, sodass ein Anruf scheinbar von einer vertrauenswürdigen Stelle kommt. Sie erwecken so den Eindruck, dass ein Mitarbeiter einer Bank, des Finanzamts oder der Polizei anruft. Nachdem sie die Opfer von ihrer Echtheit „überzeugt“ haben, fragen sie nach deren Kontodaten, Bankkartendaten oder sogar PINs und geben dabei ironischerweise vor, diese Angaben zu überprüfen, um die Opfer vor Cyberkriminellen zu schützen. Anschließend nutzen sie diese Daten, um die Konten zu plündern.
Im Mai 2023 wurde der britische Cyberkriminelle Tejay Fletcher zu 13 Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Fletcher war Mitbegründer und Administrator von iSpoof, einer Website, die zu einer „Betrugsplattform“ für Betrüger wurde, die weltweit 200.000 Menschen – viele davon ältere Menschen – durch das Vortäuschen falscher Telefonnummern um 100 Millionen Pfund (116,7 Millionen Euro) betrogen.
Der britische Cyberkriminelle Tejay Fletcher, der wegen des iSpoof-Betrugs im Zusammenhang mit Bankgeschäften zu 13 Jahren Haft verurteilt wurde, auf diesem Archivfoto.
Foto: Crown Prosecution Service
Sextortion
Bei finanzieller Sextortion bringen Täter ihre Opfer dazu, ihnen intime Bilder zu schicken oder eine sexuelle Handlung mit dem Handy aufzunehmen, und fordern anschließend Geld oder Geschenkkarten dafür, die Bilder geheim zu halten. Dafür nutzen sie häufig Messenger-Dienste wie Kik, Telegram oder Signal. Die Opfer sind manchmal Kinder oder Jugendliche, und die Folgen können verheerend sein.
Am 6. November 2025 erschoss sich der 15-jährige Bryce Tate in seinem Haus in West Virginia. Nur drei Stunden zuvor hatte er die erste von mehreren Snapchat-Nachrichten von einem Erpresser erhalten, der ihn dazu verleitet hatte, ein Nacktfoto zu senden. Der Täter hatte sich als 17-jähriges Mädchen ausgegeben.
(V. l. n. r.) Bryce Tate posiert auf diesem Archivfoto mit seinen Eltern Adam und Amanda. Der 15-Jährige nahm sich im November 2025 nach einem stundenlangen Austausch mit einem Online-Täter das Leben.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Adam Tate.
Im Juni 2023 warnte das FBI zudem davor, dass Kriminelle Deepfakes einsetzen – also gefälschte Medien, die aus ansonsten harmlosen Inhalten erstellt wurden.
Katastrophenhilfe-Betrug
Im März 2024 warnte das FBI vor einer steigenden Zahl von Spendenbetrugsfällen. Dabei versuchen Kriminelle, die Hilfsbereitschaft der Menschen nach Naturkatastrophen und internationalen Krisen, wie etwa dem Konflikt im Gazastreifen, auszunutzen.
„Leider schaffen Konflikte und Krisen ideale Bedingungen für Kriminelle, um Menschen auszunutzen, die entweder unter dem Stress ihrer eigenen Verluste stehen oder anderen helfen wollen – oder beides“, sagte Cheyvoryea Gibson, damals leitende Sonderermittlerin der FBI-Außenstelle in Detroit. Das FBI erklärte, dass die gefälschten Spendenaufrufe per E-Mail, SMS oder auf der Straße erfolgen könnten.
Phishing-Betrug
„Der Betrug beginnt mit einer SMS“, warnte Google im November 2025 in einer Klage gegen chinesische Betrüger. „Möglicherweise werden Sie auf ein Problem bei der Zustellung eines Pakets hingewiesen und dazu aufgefordert, auf einen Link zu klicken, um Ihre Adresse zu korrigieren und eine geringe Zustellgebühr zu bezahlen. Oder sie warnt Sie vor einer unbezahlten Mautgebühr oder einem Strafzettel und leitet Sie auf eine Website zur Mauterhebung weiter, die seriös wirkt, um die ausstehenden Beträge zu begleichen.“
Betrüger fordern die Empfänger oft auf, eine kleine Transaktion – schon ab einem Dollar – durchzuführen, um ihr Konto zu verifizieren. Dadurch können die Betrüger selbst Zugriff auf die Konten erhalten.
Ein Raum, der wie eine Bankfiliale eingerichtet ist, ist am 12. März 2026 in einem verlassenen Betrugszentrum in O’Smach, Kambodscha, zu sehen. Die meisten „Pig-Butchering“-Betrugsfälle gehen von riesigen Betrugszentren in Südostasien aus, die von chinesischen kriminellen Syndikaten betrieben werden.
Foto: Lillian Suwanrumpha / AFP via Getty Images
„Hallo Mama“-Betrug
Bei der sogenannten „Hallo-Mama“-Masche („Hi Mom Scam“) erhält der Empfänger eine SMS auf dem Handy. Absender ist vermeintlich der Sohn, die Tochter oder auch der Enkel oder ein enger Freund. Der Absender gibt an, das Handy eines Fremden zu benutzen, weil der Akku des eigenen Geräts leer ist. Er behauptet, in einer Notlage zu stecken, und bittet dringend um Geld.
Wenn die Opfer mitfühlend antworten, geben die Betrüger ihre Bankkontodaten an. Doch das Ganze ist nur ein Trick, der darauf abzielt, die Opfer dazu zu bringen, Geld an einen Betrüger zu überweisen oder ihm sogar Zugriff auf Konten zu gewähren.
Betrug mit geklonter Stimme
Künstliche Intelligenz ist mittlerweile in der Lage, Stimmen zu klonen und Sprachnachrichten an ahnungslose Verwandte, Freunde oder sogar Kollegen zu senden. Dies wird als „Vishing“ oder „Voice Phishing“ bezeichnet. Cyberbetrüger haben diese Fähigkeit genutzt, um eine Variante des „Hi-Mom“-SMS-Betrugs zu entwickeln.
Nun können sie eine Sprachnachricht versenden, die angeblich von einem gestrandeten oder verzweifelten Verwandten stammt. Auch hier werden die Opfer aufgefordert, Geld auf Bankkonten zu überweisen.
Jurgita Lapienyte, Chefredakteurin der in Litauen ansässigen Cybersicherheitspublikation „Cybernews“, sagte der Epoch Times im vergangenen Jahr, dass die KI-Technologie zum Klonen von Stimmen derzeit nur in der Lage sei, sich an ein Skript zu halten. Spontan in Echtzeit könne sie auf Fragen oder Antworten nicht reagieren, sodass es sich bei Vishing ausschließlich um vorab aufgezeichnete Sprachnachrichten handle.
Diese am 9. Juni 2023 erstellte Illustrationsaufnahme zeigt in Los Angeles ein Smartphone vor einem Bildschirm zur Stimmklonung. Bei „Vishing“-Betrugsfällen nutzen Betrüger überzeugende KI-Tools zur Stimmklonung, um sich als Familienmitglieder auszugeben und Menschen zu bestehlen.
Foto: Chris Delmas / AFP via Getty Images
Betrug durch persönliche Kontaktaufnahme
Das kommt heutzutage zwar eher selten vor, aber gelegentlich tauchen Betrüger an der Haustür auf und versuchen, Geld oder persönliche Daten zu ergaunern. Möglicherweise geben sie einfach vor, eine Umfrage durchzuführen, um etwa an das Geburtsdatum zu gelangen. Die Daten nutzen sie dann für Identitätsbetrug.
Sie geben sich möglicherweise als Vertreter einer Wohltätigkeitsorganisation aus, bieten an, das Dach zu reparieren oder wollen eine Versicherung oder ein anderes Produkt verkaufen. Dabei fragen sie auch nach Bank- oder Kreditkartendaten und fordern eine Anzahlung.
Hypothekendarlehen-Betrug
Der Kauf eines Hauses oder einer Wohnung ist stressig, und manchmal können Menschen nicht mehr klar denken, wenn sie verzweifelt eine Zahlung leisten wollen, um sich ihr neues Zuhause zu sichern.
Manche Betrüger geben sich per E-Mail oder SMS als Immobilienmakler oder Hypothekenberater des Opfers aus, um Anzahlungen oder Abschlusskosten zu stehlen. Sie behaupten, es gebe in letzter Minute Änderungen an den Überweisungsanweisungen. Doch in Wirklichkeit leiten sie die Geldbeträge auf ihre eigenen Konten um. Betrug beim Hypothekenabschluss ist nur eine von vielen Betrugsmaschen, die sich gegen Hausbesitzer richten.
Gefälschte Überzahlungen
Im Zeitalter der sozialen Medien kommt es nicht selten vor, dass sich ein Fremder auf Instagram, TikTok oder Facebook lobend zu Bildern oder Videos äußert.
Wir alle lassen uns gerne schmeicheln. Wenn uns also jemand sagt, dass er eines der Bilder verwenden möchte, und anbietet, einen Scheck zu schicken, lassen sich viele darauf ein.
Dann behauptet der Betrüger, versehentlich zu viel überwiesen zu haben, und bittet darum, die Differenz zu überweisen, bevor der Scheck eingelöst wird. Bei einer anderen Betrugsmasche wird den Opfern suggeriert, sie hätten einen Preis gewonnen, müssten aber Geld überweisen, um Steuern oder Gebühren zu begleichen.
Vorschussbetrug
Eine der ältesten Betrugsmaschen überhaupt ist der Vorschussbetrug. Diese Masche haben Kriminelle aus Nigeria entwickelt. Daher wird er manchmal auch als „419-Betrug“ bezeichnet – benannt nach einem Paragrafen des Strafgesetzbuchs dieses Landes – oder als „nigerianischer-Prinz-Betrug“.
Bei dieser Methode erhalten die Opfer eine E-Mail von jemandem, der vorgibt, ein Regierungsminister, dessen Witwe, ein Anwalt, der einen verstorbenen, aber wohlhabenden Mandanten aus dem Ausland vertritt, oder ein Unternehmer zu sein. Er kündigt an, Geld auf das Bankkonto des Opfers zu überweisen. Es gibt zahlreiche Varianten dieses Betrugs. In der Regel versprechen die Betrüger einen großen Geldsegen, verlangen zunächst jedoch eine geringe „Transaktionsgebühr“, die es ihnen ermöglicht, Zugriff auf die Konten der Opfer zu erhalten.
In einer Welt, in der wir alle online einkaufen und ständig Pakete erhalten, ist es keine große Überraschung, eine SMS von UPS oder der Post zu erhalten, in der behauptet wird, man habe eine Lieferung verpasst.
Die SMS bietet den Opfern die Möglichkeit, durch Anklicken eines Links einen neuen Liefertermin zu vereinbaren. Dabei können Betrüger jedoch an persönliche Daten gelangen oder sogar eine Vorauszahlung verlangen, um eine „zeitnahe Lieferung zu gewährleisten“.
Mautzahlungs-Betrug
Eine weitere Smishing-Betrugsmasche, vor der die Federal Communications Commission warnt, sind SMS, die vorgeblich von seriösen Mautunternehmen stammen. Darin wird behauptet, dass die Empfänger Mautgebühren nicht bezahlt haben oder einen ausstehenden Betrag auf ihrem Konto schulden. Manchmal wird in der SMS damit gedroht, den Führerschein der Empfänger zu entziehen, wenn die Beträge nicht beglichen werden.
In der Nachricht bitten Betrüger oft darum, die Gebühr auf unübliche Weise zu begleichen, beispielsweise per Geschenkkarte oder Überweisung. Die Absendernummer ist in der Regel eine internationale Nummer, oder es werden andere Telefonnummern als Empfänger angegeben.
Betrug mit gefälschten Stellenangeboten
„Möchten Sie mindestens 9.000 Dollar pro Monat verdienen, indem Sie nur 30 bis 60 Minuten pro Woche arbeiten?“, könnte in einer betrügerischen SMS stehen.
Natürlich möchten die Empfänger das. Aber wenn es zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es das wahrscheinlich auch. Die meisten dieser SMS, E-Mails oder unaufgeforderten Direktnachrichten in sozialen Medien entpuppen sich als Betrug.
Die Anzeigen, in denen manchmal behauptet wird, es handele sich um eine Tätigkeit als Testkäufer, sind in der Regel nur ein Vorwand, um die Bankdaten der Opfer zu erhalten und damit das fiktive Gehalt auszuzahlen.
Auf diesem Archivfoto zeigt ein Mobiltelefon in Sydney eine auf den 11. Juli 2026 datierte Betrugsnachricht mit einem Jobangebot.
Foto: Luyi Liu/The Epoch Times
Betrug mit Rechnungsbelegen
„Vielen Dank für Ihre Zahlung“, heißt es in einer SMS oder E-Mail, in der Betrüger vorgeben, der Empfänger habe gerade eine zu hohe Gebühr für die Verlängerung der Amazon-Prime-Mitgliedschaft oder der Antivirensoftware bezahlt.
Die Nachricht enthält einen Link, der die Opfer dazu verleiten soll, darauf zu klicken, um die Zahlung zu stornieren oder eine Rückerstattung zu beantragen. Tatsächlich führt der Link jedoch zum Download von Malware oder zur Abfrage der Bankdaten der Betroffenen.
„Ihr Konto wurde gehackt“
Man möchte gerne glauben, dass die Betrugsabteilung des Unternehmens per SMS davor warnen würde, wenn das Bankkonto oder das iPhone gehackt worden wäre.
Doch diese SMS ist in Wirklichkeit ein Betrugsversuch – das Konto oder iPhone wurde nicht gehackt. Daher sollte man nicht auf den angegebenen Link klicken und auch nicht die zugesandte Telefonnummer anrufen. Die Betrüger sind lediglich darauf aus, an persönliche Daten zu gelangen.
Vorgetäuschte Abonnementverlängerung
Manchmal finden Betrüger heraus, welche Dienste jemand abonniert hat, und wissen sogar, wann die Verlängerung fällig ist. Also schicken sie eine SMS und bieten dem Opfer einen reduzierten Preis für ein Abonnement an, wenn es dafür auf einen Link klickt. Aber auch das ist natürlich nur ein weiterer Trick, um Menschen auf eine gefälschte Website zu locken, damit sie dort ihre persönlichen Daten preisgeben oder Malware herunterladen.
Die Kreiszahl π (Pi) ist seit der Antike bekannt, bis heute unvollständig und noch immer voller Überraschungen.
Indischer Physiker entdecken 2024 durch Zufall eine neue Schreibweise für Pi.
Ihre beeindruckende Effizienz im Vergleich zu klassischen Reihen verändert, wie Pi in Spezialgebieten der Physik verwendet werden kann.
Die Zahl verbindet die abstrakteste Mathematik mit den alltäglichsten Gegenständen unseres Lebens.
Sie hat weder Farbe noch Geruch noch Form, und doch ist sie wahrscheinlich eine der bekanntesten Zahlen der Welt. Die ersten bekannten Annäherungen an die Zahl, die wir heute π (Pi) nennen, reichen fast 4.000 Jahre zurück. Bereits die Babylonier und Ägypter konnten annäherungsweise das Verhältnis zwischen dem Umfang eines Kreises und seinem Durchmesser bestimmten.
Das Symbol π selbst tauchte erst viel später auf und wurde im 18. Jahrhundert durch den Schweizer Mathematiker Leonhard Euler populär gemacht. Erheblich jünger, aber nicht minder interessant ist eine Studie, die vor zwei Jahren großes mediales Interesse geweckt hatte. Auf ihrer Grundlage untersuchen Forscher bis heute die Auswirkungen, die sich zwischen Hochenergiephysik und Stringtheorie bewegen.
Pi fasziniert damit seit der Antike, Forscher ebenso wie die breite Öffentlichkeit. Sie kommt sowohl in der elementarsten Geometrie als auch in den fortgeschrittensten Gleichungen der theoretischen Physik vor. Und zeigt, dass sie bis heute Überraschungen für die Wissenschaft bereithält.
Eine unverzichtbare Zahl, weit über Kreise hinaus
Der Nutzen von π beschränkt sich nicht auf die Berechnung der Fläche einer Scheibe oder des Umfangs eines Rades. Sein Wert – etwa 3,14159 – spielt eine Rolle bei der Untersuchung von Wellen, Schwingungen und Elektrizität, in der Statistik sowie in zahlreichen grundlegenden Formeln der Physik. Man findet es, wenn auch weniger sichtbar, ebenso in trigonometrischen und geometrischen Berechnungen. Diese sind wiederum unter anderem für GPS und das Pendel einer Uhr relevant und beeinflussen damit unmittelbar unseren Alltag.
Dieser wissenschaftliche Erfolg hat π sogar einige unerwartete Auftritte auf der großen Leinwand beschert. In „Nachts im Museum 2: Die Schlacht um das Smithsonian“, der 2009 in die Kinos kam, verrät die Figur des Albert Einstein – in Form einer Wackelkopfpuppe –, dass die neue Kombination für die magische Tafel des Ahkmenrah nichts anderes ist als die ersten Dezimalstellen von π. Eine Anspielung, die die Drehbuchautoren sichtlich gerne in die Handlung eingebaut haben.
Physiker entdecken zufällig eine neue Schreibweise für Pi
Im Jahr 2024 nimmt die Geschichte eine ernstere Wendung. Zwei Physiker des Indian Institute of Science, Arnab Priya Saha und Aninda Sinha, veröffentlichen in der Zeitschrift „Physical Review Letters“ eine Studie, die ursprünglich absolut nichts mit π zu tun hatte. Ihr Ziel: die extrem komplexen Berechnungen zu vereinfachen, die beschreiben, wie subatomare Teilchen miteinander kollidieren und sich zerstreuen. In diesem Gebiet können Gleichungen schnell unlesbar werden.
Zu diesem Zweck kombinierte das Team zwei den Physikern bereits bekannte Werkzeuge: sogenannte Feynman-Diagramme, die die Wechselwirkungen zwischen Teilchen visuell darstellen, und die Euler-Beta-Funktion, die aus der Stringtheorie stammt. Anschließend versuchten sie, ein Modell mit weniger Parametern zu entwickeln. Dabei sahen die beiden Forscher eine Reihe von Zahlen auftauchen, die wider Erwarten genau gegen π konvergierten.
Es handelt sich dabei weder um einen neuen, noch um einen Ersatz für π. Die Konstante, die wir aus der Schule kennen, bleibt streng genommen dieselbe. Sie stellen keinen Fortschritt bei der numerischen Berechnung von π selbst dar. Hier sind andere Formeln, insbesondere die von Ramanujan oder Chudnovsky, nach wie vor weitaus leistungsfähiger. Was die Forscher entdeckt haben, ist eine andere Art, π in Berechnungen der Hochenergiephysik darzustellen, insbesondere im Zusammenhang mit der Teilchenstreuung.
Eine beeindruckende Effizienz im Vergleich zu klassischen Reihen
Was die wissenschaftliche Gemeinschaft am meisten überrascht hat, ist die Schnelligkeit dieser neuen Darstellung. Um zehn exakte Dezimalstellen von π zu erhalten, benötigt eine der ersten bekannten unendlichen Reihen zur Berechnung von π, die Madhava von Sangamagrama im 15. Jahrhundert zugeschrieben wird, etwa fünf Milliarden Glieder.
Die neue Formel von Saha und Sinha hingegen schafft dies mit nur etwa dreißig Gliedern. Anzumerken bleibt, dass dieser Vergleich für diese konkrete historische Reihe gilt, nicht jedoch für jene der leistungsfähigsten Algorithmen, die heute zur Berechnung der Dezimalstellen von π verwendet werden.
Laut Aninda Sinha war dieser Ansatz jedoch bereits Anfang der 1970er Jahre von Wissenschaftlern angestoßen worden, bevor er mangels ausreichend ausgereifter mathematischer Werkzeuge zur Umsetzung aufgegeben wurde. Genau diese Werkzeuge, die im Laufe mehrjähriger Zusammenarbeit entwickelt wurden, ermöglichten es dem indischen Team, den Ansatz zu Ende zu führen.
Zwei Jahre später wird der Ansatz weiterverfolgt
Diese Entdeckung hat sich keineswegs mit der Veröffentlichung von 2024 erschöpft. Seitdem folgten mehrere Weiterentwicklungen. Insbesondere der schwedische Mathematiker Hjalmar Rosengren hat strenge Beweise und Verallgemeinerungen der von Saha und Sinha entdeckten Teilbruchreihen für die Amplituden von Strings veröffentlicht.
Ende 2025 stellte eine neue Studie von Faizan Bhat und Aninda Sinha eine Verbindung zwischen den berühmten Ramanujan-Reihen für 1/π und zweidimensionalen logarithmischen Konformitätstheorien her – einem mathematischen Rahmen, der speziell in der Quantenphysik und der Werkstoffkunde zum Tragen kommt. Und im März 2026 veröffentlichten Bhat, Saha und Sinha in der Zeitschrift „Physical Review D“ eine von der Stringtheorie inspirierte Beziehung, die sich auf zwei zentrale Werkzeuge dieses Fachgebiets bezieht.
Diese Forschungen beschränken sich vorerst auf ein sehr spezialisiertes Gebiet der theoretischen Physik und haben keine direkten Auswirkungen auf den Alltag. Doch sie veranschaulichen, wie ein fast zufällig entstandenes Ergebnis auch zwei Jahre später noch verschiedene Forschungszweige der Physik und Mathematik befruchtet.
Der Pi-Tag, ein Fest, das weltweit gefeiert wird
Auch außerhalb der Labore ist π zu einem beliebten Symbol für wissenschaftliche Neugier geworden. Sein eigener Feiertag, der Pi-Tag, wird jedes Jahr am 14. März begangen. Das Datum entspricht in der angelsächsischen Datumsschreibweise 3/14 und erinnert direkt an die ersten Dezimalstellen.
Seit 2019 ist der 14. März der Internationale Tag der Mathematik. Seine angelsächsiche Schreibweise 3/14 erinnert an die Kreiszahl Pi.
Foto: marekuliasz/iStock
Die Tradition, die 1988 vom Physiker Larry Shaw im Exploratorium in San Francisco ins Leben gerufen wurde, gewann in den Vereinigten Staaten schnell an Popularität, bevor sie sich international verbreitete. Im November 2019 erklärte die UNESCO den 14. März offiziell zum Internationalen Tag der Mathematik. Erstmals begangen wurde der weltweite Festtag im folgenden Jahr.
Auch das Massachusetts Institute of Technology (MIT) machte den 14. März zu einer ganz eigenen Tradition. Die Universität veröffentlicht ihre Zulassungsentscheidungen in der Regel am 14. März und wählt häufig genau 18:28 Uhr als Zeitpunkt – eine Anspielung auf den Wert von Tau (2π) –, wobei dieser Zeitpunkt jedoch nicht von Jahr zu Jahr einheitlich ist.
Eine Zahl, die niemand zu Ende aufsagen kann
Auch π-Begeisterte lassen ihrer Fantasie freien Lauf, um der Zahl Tribut zu zollen: Haikus, Lieder oder Wettbewerbe zum Auswendiglernen von Dezimalstellen. In diesem Bereich führt derzeit der Inder Suresh Kumar Sharma die Community-Liste der Pi World Ranking List an, die Rezitationsleistungen weltweit erfasst. Er konnte im Oktober 2015 in etwas mehr als 17 Stunden 70.030 Dezimalstellen rezitieren.
Zum Vergleich: Der offiziell von den Guinness World Records anerkannte Rekord geht auf das Konto eines anderen Inders. Rajveer Meena, rezitierte im März desselben Jahres 70.000 Dezimalstellen mit verbundenen Augen – ein Unterschied, der die Kluft zwischen spezialisierten Community-Ranglisten und allgemeinen Rekordorganisationen verdeutlicht.
Vom bekannten „Ende“ von Pi sind beide jedoch noch erheblich entfernt. Im November 2025 errechnete ein Spezialcomputer sage und schreibe 314 Billionen Dezimalstellen der unendlich weitergehenden Kreiszahl.
Kedhambadis Eishöhlenfotografie umfasst auch das Werk „Yatra“ (Sanskrit für „Reise“). Es zeigt eine riesige Gletscherhöhle von innen, während ein Expeditionsteilnehmer die gefrorenen Wände erklimmt. Das Foto belegte den zweiten Platz in der Kategorie „Outdoor-Abenteuer“ beim Fotowettbewerb „Canadian Geographic Photos of the Year 2023“. - Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Chandresh Kedhambadi
Als Chandresh Kedhambadi die ballsaalgroße Grotte betrat, wurde ihm klar, dass dieser Gletscher schon seit Jahrhunderten den Atem angehalten hatte.
Es war Ende 2020, als Kedhambadi mit seiner Kamera tief in den Athabasca-Gletscher hineinging, jene kolossale Eiszunge, die sich von den kanadischen Rocky Mountains im Westen Albertas talwärts ergießt. Damals hatte der in Calgary ansässige Chemieingenieur erst vier Jahre Erfahrung als Fotograf. Als er auf die durchscheinenden Oberflächen im Inneren des Gletschers blickte, entdeckte er eine Landschaft, die wie in der Zeit erstarrt zu sein schien.
„Wenn man in das Eis blickt, die Eisblasen und die darin eingeschlossene uralte Luft sieht, weiß man, dass man eine Menge Geschichte vor sich hat“, erzählte der heute 50-jährige Kedhambadi der Epoch Times. „Als ich zum allerersten Mal eine Gletscherhöhle sah, war es, als würde ich in eine andere Welt versetzt.“
Kedhambadi wies auf ein den Gletschern innewohnendes zeitliches Paradoxon hin: Sie sind uralt, doch die Höhlen in ihrem Inneren sind vergänglich. Sie schmelzen in einem – für Gletscher winzigen – Augenblick dahin.
„Aus kompositorischer Sicht hat mich das völlig in den Bann gezogen, weil jeder einzelne [Gletscher] so einzigartig ist“, sagte er und fügte hinzu, dass der rasche Zyklus von Gefrieren und Schmelzen seiner Kamera jeden Winter neue, noch nie fotografierte Motive bietet.
Gletscher „fesseln einen einfach“, merkte Kedhambadi an.
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Fotografische Eishöhlen-Impressionen.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Chandresh Kedhambadi
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Fotografische Eishöhlen-Impressionen.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Chandresh Kedhambadi
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Fotografische Eishöhlen-Impressionen.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Chandresh Kedhambadi
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Fotografische Eishöhlen-Impressionen.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Chandresh Kedhambadi
Wenn das Eis leise fließt
Er fühlte sich zunehmend dazu hingezogen, die Unbeständigkeit der Eisfelder zu erforschen. Sein Ingenieurblick half ihm dabei, die sich wandelnde Landschaft zu verstehen.
„Die Leute denken, dass das einfach nur Strukturen sind, die dort stehen, aber das sind sie nicht“, sagte er. „Sie sind dynamisch, sie bewegen sich. Es ist fast wie bei einem Fluss. Nur kann man die Strömung eines Flusses sehen, während die Bewegung des Eises unsichtbar ist.“
Um diese vergängliche Landschaft einzufangen, musste er die für Touristen zugänglichen Wege am Athabasca verlassen und in abgelegene Gebiete wie das Columbia-Eisfeld und den Hector-Gletscher vordringen. Dafür war eine intensive Ausbildung in Überlebenstechniken erforderlich. Ohne Handyempfang kann es tödlich enden, wenn man eine verborgene Gletscherspalte übersieht.
„Das sind sehr abgelegene Orte“, sagte Kedhambadi. „Wenn etwas schiefgeht, muss man das Selbstvertrauen und die nötige Ausbildung haben, um sich selbst aus solchen Situationen zu befreien.“
Ein Team in tödlicher Umgebung
In der Regel erkundet der Fotograf die Gegend zusammen mit vier oder fünf anderen erfahrenen Eiskletterern. Jeder von ihnen schleppt einen 25 Kilogramm schweren Rucksack mit Ausrüstung. In den Rucksäcken befinden sich wichtige Dinge wie Seile, Seilrollen, zusätzliche Handschuhe, Jacken und beheizbare Socken sowie Kedhambadis schwere Kameras und Stative.
Da diese Gebiete strukturell am sichersten sind, wenn die Temperatur unter 20 Grad Fahrenheit (etwa −7 Grad Celsius) fällt, erfordern die Expeditionen eine sorgfältige Planung. Eine mehrstündige Wanderung ins Hinterland ist ein Wettlauf gegen die winterliche Dämmerung. Im Notfall müssen sie sich mit ihren vereinten Fähigkeiten selbst helfen können, ohne auf Such- und Rettungskräfte angewiesen zu sein.
Im März 2023 wurden Kedhambadis Fähigkeiten auf die Probe gestellt. Die Expedition führte zum Hector-Gletscher, einer hoch aufragenden Eismasse, die den südlichen Zugang zur Panoramastraße Icefields Parkway bewacht. Um die Weite einer gefrorenen Kuppel, die so groß wie ein Fußballfeld ist, einzufangen, fügte Kedhambadi ein menschliches Element hinzu. Er rahmte einen anderen Expeditionsteilnehmer inmitten eines Wirbels aus hoch aufragenden Eiswänden ein – ein Bildgedicht aus zerklüfteten Spiegelungen. Er arbeitete manuell mit drei Kameras und hielt so das „Yatra“ fest, ein Begriff aus dem Sanskrit, der „eine Reise“ bedeutet. Das Foto belegte den zweiten Platz in der Kategorie „Outdoor-Abenteuer“ beim Wettbewerb „Fotos des Jahres 2023“ von Canadian Geographic.
Doch bereits im Herbst hatte sich die Landschaft komplett verändert. „Als wir im Oktober oder November dorthin zurückkehrten, war dieser ganze Eisblock einfach weggeschmolzen“, sagte Kedhambadi.
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Kedhambadi dringt mit vier oder fünf anderen Eiskletterern tief in die Gletscherregion Albertas vor. Diese bringen mitunter elegante Kleidung mit, in der sie sich als Modell fotografieren lassen.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Chandresh Kedhambadi
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Eine Bergsteigerin aus Kedhambadis Team auf dem Weg zum „Fotoshooting“.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Chandresh Kedhambadi
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Bergsteigerin in elegantem Outfit vor eisiger Kulisse.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Chandresh Kedhambadi
Von der Sonne zum Eis
Kedhambadis fotografische Reise begann Tausende Kilometer entfernt von den eisigen Höhlen der kanadischen Rocky Mountains. Als Kind verbrachte er die Sommer damit, durch die Kaffeeplantage seiner Großeltern in den Westghats in Indien zu streifen – eine üppige Bergkette, die einen starken Kontrast zu seinem Aufwachsen in der Millionenstadt Bangalore bildete.
„Dort drüben sind die staatlich geschützten Wälder noch wirklich unberührt“, sagte er.
Später führte ihn sein Beruf als Chemieingenieur auf die andere Seite der Erde: zu den Ölfeldern im Süden Albertas. Während einer nächtlichen Autofahrt sah er dort im Jahr 2009 zum ersten Mal die Nordlichter. Dieses Erlebnis war ein visueller Auslöser, der seinen Lebensweg für immer veränderte und ihn dazu brachte, die Alberta Aurora Chasers mitzugründen – eine Gemeinschaft von Nachthimmelfotografen. Das war noch bevor er seinen Blick auf die Gletscher des nahegelegenen Banff-Nationalparks richtete.
„Im Corona-Winter bin ich zum ersten Mal losgezogen“, sagte er und verwies auf seinen Aufenthalt am Athabasca-Gletscher.
Bald erweiterte sich der Umfang von Kedhambadis Expeditionen von eigenständigen Höhlenerkundungen und der Jagd nach Nordlichtern hin zu Kooperationen mit der NASA und einer Partnerschaft mit Sony, um diese von Wasser und Wind geformten Kuriositäten der Natur zu dokumentieren.
Im März 2026 wagte er sich in seine bislang größte Höhle vor – einen Ort, den er geheim hält. Was die Koordinaten dieser Höhle betrifft, die als eine der größten Eishöhlen Albertas gilt, hielt sich Kedhambadi bedeckt. Er begründete seine Zurückhaltung damit, dass die Besucherzahlen an den Gletschern „in den letzten Jahren durch die sozialen Medien irgendwie verrückt geworden“ seien.
Dort entstanden die Fotos für sein Projekt „Anitya Nila“. Sie wurden in seinem kürzlich erschienenen Bildband „The Canadian Rockies“ prominent präsentiert. „Anitya Nila“ (Sanskrit: vergängliches Blau) hält den Augenblick einer gefrorenen Welt fest, die dazu bestimmt ist, bald schon wieder zu verschwinden – für immer.
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Kedhambadis laufendes Projekt „Anitya Nila“ (Sanskrit: „vergängliches Blau“) umfasst Fotografien, die im März 2026 an einem nicht genannten Ort aufgenommen wurden.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Chandresh Kedhambadi
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Impressionen aus Kedhambadis Projekt „Anitya Nila“ (Sanskrit: „vergängliches Blau“).
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Chandresh Kedhambadi
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Impressionen aus Kedhambadis Projekt „Anitya Nila“ (Sanskrit: „vergängliches Blau“).
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Chandresh Kedhambadi
Ein Gaszähler mit Euroscheinen. Das aktuell eingeschränkte Gasangebot treibt die Preise nach oben. - Foto: Stadtratte/iStock
In Kürze:
Die Gaspreise sind zuletzt wieder gestiegen.
Neukunden spüren höhere Preise meist schneller als Bestandskunden.
Ein Anbieterwechsel kann sich lohnen, insbesondere bei einem Arbeitspreis von über 12 Cent pro Kilowattstunde.
Niedrige Gasspeicherfüllstände und die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten: Das sind die Gründe für den jüngsten Preisanstieg beim Erdgas. Die Preise für den fossilen Brennstoff im Großhandel sind derzeit so hoch wie seit dem Ende der Energiekrise von 2022/2023 nicht mehr.
Sollte das aktuelle Preisniveau bestehen bleiben, drohen Haushalten höhere Heizkosten von bis zu 20 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Vergleichsportals Verivox.
Die günstigsten Gaspreise für Neukunden sind seit Anfang März 2026 von rund 8 auf 10 Cent pro Kilowattstunde (Ct./kWh) gestiegen. Für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh bedeutet das Mehrkosten von rund 400 Euro pro Jahr.
Es gibt jedoch einen Unterschied, wann Neukunden und wann Bestandskunden die gestiegenen Preise spüren. Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox, sagte:
„Am schnellsten steigen die Preise für Neukunden, da diese Angebote üblicherweise besonders streng kalkuliert sind. Mit der Zeit werden aber auch die Preise für Bestandskunden erhöht.“
Laut Verivox haben die meisten Haushalte mit Bestandskunden die Preissteigerungen im Gas-Großhandel noch nicht gespürt. Viele Gasversorger beschaffen Gas langfristig und geben Preissteigerungen erst mit Zeitverzug weiter. Flächendeckende Preiserhöhungen seien bisher nicht zu beobachten.
Woran orientieren sich die Gaspreise?
Richtungweisend für die Endverbrauchergaspreise ist der Erdgas-Terminkontrakt TTF. Vor dem Ausbruch des Irankrieges lagen dort die Gaspreise bei rund 3 Ct./kWh.
Im März stieg der Preis kurzzeitig auf rund 6 Ct./kWh, sank dann jedoch wieder und schwankte im Frühling zwischen 4 und 5 Ct./kWh. Seit Sommeranfang stieg er wieder an und liegt nun häufig über 6 Ct./kWh.
Somit ist zu erwarten, dass auch Bestandskunden in den kommenden Monaten mit einer Preiserhöhung für Gas rechnen müssen. Entsprechend sollten Verbraucher schon jetzt und in nächster Zeit prüfen, ob sie noch günstig beliefert werden oder nicht.
Matthias Bauer, Energieberater der Verbraucherzentrale BW teilte dem SWR mit: „Wer zwischen 8 und 10 Cent zahlt, hat einen günstigen Preis. Wer deutlich mehr als 12 Cent zahlt, sollte sich nach Alternativen umsehen.“ Gemeint ist hier der Arbeitspreis auf der Gasrechnung.
Wie findet man einen günstigeren Anbieter?
Einen günstigeren Gasanbieter finden Verbraucher am schnellsten und effektivsten über Vergleichsportale im Internet. Seriöse Portale sind hier Check24, Verivox, Gasvergleich.de oder der Gaspreisvergleich von Finanztip.
Der Gaskunde muss dafür zunächst seine Postleitzahl und teilweise den genauen Wohnort angeben sowie die Haushaltsgröße und den Jahresgasverbrauch. Wichtig sind auch die Filtereinstellungen wie die Laufzeit in Monaten, die monatliche oder jährliche Anzeige und die gewünschte Preisgarantie. Wenn steigende TTF-Gaspreise zu erwarten sind, empfiehlt sich die Wahl einer möglichst langen Preisgarantie.
Ebenso besteht die Möglichkeit, sich nur – meist etwas teurere – Ökogastarife anzeigen zu lassen oder nur regionale Anbieter. Der vom Gasanbieter berechnete Preis setzt sich normalerweise aus einem jährlichen Grundpreis und einem Arbeitspreis pro kWh zusammen. Hinzu kommen meist ein Neukunden- und ein Sofortbonus, die den Preis im ersten Jahr reduzieren.
Vor dem Wechsel sollte der Gaskunde seinen aktuellen Gastarif kennen. Entscheidend sind zudem das exakte Ende des bestehenden Gasvertrags und dessen Kündigungsfrist.
Neben dem Anbieterwechsel könnten manche Gaskunden auch ihren Gasverbrauch reduzieren. Hierbei hilft ein kontrollierter Verbrauch, etwa durch bewusstes Heizen. So ist in Räumen, in denen man sich nur selten oder kurz aufhält, das Heizen oft nicht nötig. Im Schlafzimmer reicht in der Regel eine Temperatur von 17 oder 18 Grad Celsius aus. In Räumen, in denen sich die Bewohner häufig aufhalten, empfiehlt sich eine Temperatur von 20 oder 21 Grad.
Darüber hinaus kann gerade bei älteren Gebäuden durch eine verbesserte Dämmung und neuere Fenster weiteres Einsparpotenzial der Heizkosten bestehen. Allerdings verursacht eine energetische Sanierung auch erhebliche Zusatzkosten, die zu berücksichtigen sind. Sie könnten sich erst langfristig auszahlen.
Gelegentliches Entlüften der Heizkörper kann die Heizeffizienz hingegen schon auf einfache Weise erhöhen. Bei manchen Heizkörpern sammelt sich im Laufe der Zeit Luft an. In diesem Fall wird der Heizkörper nicht mehr richtig warm. Das verbraucht mehr Energie und erhöht die Heizkosten. Beim Entlüften mit einem Entlüfterschlüssel sollte ein kleiner Behälter am Entlüftungsventil sein. Auch ein Lappen sollte bereitliegen. Der Thermostatkopf sollte beim Entlüften auf Stufe 5 stehen.
Die deutschen Gasspeicher sind momentan so leer wie noch nie im August. Aktuell liegt der bundesweite Füllstand bei 50,4 Prozent (Stand: 22. August 2026). Das sind 17,5 Prozent weniger als zum Vorjahreszeitpunkt.
„Der aktuelle Gasspeicherfüllstand ist mit Abstand der tiefste Füllstand zu dieser Zeit, der seit Aufzeichnung der Speicherfüllstände in Deutschland aufgetreten ist“, sagte kürzlich der Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (INES), Sebastian Heinermann. „Es handelt sich somit um einen historischen Tiefstand.“
Zuletzt bezeichneten auch das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur dieses niedrige Füllstandsniveau als „sehr gering“ und „nicht zufriedenstellend“. Dennoch schätzt die Energiebehörde die Lage aktuell als stabil und die Versorgungssicherheit als gewährleistet ein.
Ein Haus steht zum Verkauf. Am deutschen Immobilienmarkt werden Käufer wählerischer und Verkäufer müssen ihre Preisvorstellungen häufiger korrigieren. - Foto: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa
In Kürze:
Immobilienpreise steigen noch, doch die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten entwickelt sich verhaltener, und Kaufinteressenten bleiben bei ihren Entscheidungen zurückhaltend.
Verkäufer korrigieren Angebotspreise häufiger, während Käufer stärker auf Preis, Finanzierung und Zustand einer Immobilie achten.
Unsanierte Immobilien geraten besonders unter Druck: 52 Prozent der von Interhyp befragten Kaufplaner schließen solche Objekte grundsätzlich aus.
Der deutsche Immobilienmarkt zeigt im Sommer 2026 ein gemischtes Bild. Die Preise für Wohnimmobilien steigen weiter, die Entwicklung fällt jedoch regional und nach Immobilienart unterschiedlich aus. Gleichzeitig bleibt die Finanzierung für viele Kaufinteressenten eine Herausforderung.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lagen die Preise für Wohnimmobilien im ersten Quartal 2026 durchschnittlich 1,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. Gegenüber dem vierten Quartal 2025 betrug das Plus 0,3 Prozent. Regional verlief die Entwicklung unterschiedlich. Eigentumswohnungen in dünn besiedelten ländlichen Kreisen verteuerten sich binnen Jahresfrist um 3,6 Prozent, Ein- und Zweifamilienhäuser wurden dort dagegen 0,8 Prozent günstiger. In den sieben größten deutschen Städten stiegen die Preise für Häuser um 1,4 Prozent, für Eigentumswohnungen um 0,3 Prozent.
Statistisches Bundesamt
Die bundesweiten Durchschnittswerte zeigen damit erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Regionen und Immobilienarten.
Preisdynamik lässt nach
Der German Real Estate Index (GREIX) des Kiel Instituts für Weltwirtschaft liefert bereits Daten für das zweite Quartal 2026. Anders als Statistiken von Immobilienportalen stützt sich der Index auf tatsächlich abgeschlossene Verkäufe. Grundlage sind die Kaufpreise aus den Kaufpreissammlungen der örtlichen Gutachterausschüsse.
Demnach stiegen die Preise für Eigentumswohnungen von April bis Juni gegenüber dem ersten Quartal um 0,3 Prozent, Einfamilienhäuser verteuerten sich um 1,8 Prozent. Verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres lagen die Preise um 0,4 beziehungsweise 1,9 Prozent höher. Bei Mehrfamilienhäusern sanken die Preise dagegen um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Berücksichtigt man die allgemeine Inflation, lagen alle drei Marktsegmente im Jahresvergleich real niedriger.
Zusätzlich untersucht das Kiel Institut, wie sich die Preise bereits angebotener Immobilien verändern. Dabei zeigt sich: Angebotspreise werden in Inseraten wieder häufiger nach unten angepasst. Solche Veränderungen können Hinweise darauf geben, wie sich die Kaufpreisdynamik in den folgenden Quartalen entwickelt. Für Eigentumswohnungen zeigt sich für den Zeitraum 2015 bis 2026 ein Zusammenhang zwischen zunehmenden Preisnachlässen in Inseraten und einer später schwächeren Entwicklung der jährlichen Preiswachstumsrate.
Das bedeutet bislang nicht, dass die Immobilienpreise nun generell fallen. Die Daten zeigen zunächst eine nachlassende Preisdynamik. Bei Mehrfamilienhäusern sind die Preise im zweiten Quartal allerdings sowohl gegenüber dem Vorquartal als auch gegenüber dem Vorjahresquartal gesunken. Ob sich daraus ein breiter Preisrückgang entwickelt, lässt sich anhand der bisherigen Daten noch nicht abschließend beurteilen.
Nachfrage nach Immobilienkrediten sinkt
Auf der Finanzierungsseite zeigt sich die Zurückhaltung deutlicher. Für ihren „Bank Lending Survey“ befragt die Europäische Zentralbank (EZB) viermal im Jahr Banken unter anderem danach, wie sich die Nachfrage nach Krediten entwickelt. Im zweiten Quartal 2026 berichteten deutlich mehr Banken von einer sinkenden als von einer steigenden Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten. In Deutschland fiel dieser Unterschied stärker aus als im Durchschnitt des Euroraums.
Die EZB gibt diese Entwicklung als sogenannten Nettosaldo an. Für Deutschland lag er bei minus 30 Prozent, nachdem er im ersten Quartal noch bei minus 4 Prozent gelegen hatte. Das bedeutet allerdings nicht, dass 30 Prozent weniger Kreditanfragen gestellt wurden. Der Wert zeigt lediglich, dass mehr Banken eine sinkende als eine steigende Nachfrage beobachteten. Als Gründe für die schwächere Nachfrage nannten die deutschen Banken vor allem das Verbrauchervertrauen und das Zinsniveau. Auch die Erwartungen für den Immobilienmarkt wirkten nach Einschätzung der Banken dämpfend auf die Nachfrage.
Gleichzeitig verschärften die Banken ihre Kreditstandards für Wohnungsbaukredite. Die EZB-Daten zeigen damit zwar nicht, wie viele potenzielle Hauskäufer sich tatsächlich vom Markt zurückgezogen haben. Sie belegen aber, dass die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten zuletzt deutlich schwächer geworden ist.
Jeder Vierte verschiebt den Kauf
Dass ein Teil der potenziellen Käufer zurückhaltender geworden ist, zeigt auch eine Befragung des Baufinanzierungsvermittlers Interhyp. Vom 22. bis 30. April 2026 wurden deutschlandweit 1.019 Personen zwischen 25 und 65 Jahren online befragt. 52 Prozent planten einen Immobilienkauf innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahre, 48 Prozent hatten in den vergangenen fünf Jahren gekauft. Die Ergebnisse beschreiben damit Einstellungen und Kaufabsichten und keine tatsächlich abgeschlossenen Immobiliengeschäfte.
46 Prozent der Befragten bezeichneten Immobilien in ihrer Region als „kaum leistbar“. Unter den konkreten Kaufplanern waren 34 Prozent unsicher, ob sie derzeit kaufen sollten. 24 Prozent gaben an, ihren Immobilienkauf aufgrund der gegenwärtigen Lage zu verschieben. Dabei ist der Kaufwunsch keineswegs verschwunden. Das durchschnittlich kalkulierte Budget für Kauf oder Bau stieg laut Interhyp von rund 349.000 Euro im vergangenen Jahr auf knapp 384.000 Euro. Der höhere Betrag beschreibt allerdings die Planung der Befragten und nicht tatsächlich gezahlte Kaufpreise.
Interessant ist auch die Wahrnehmung der Verkäuferseite. 83 Prozent der Befragten waren überzeugt, Verkäufer hielten weiterhin an überholten beziehungsweise zu hohen Preisvorstellungen fest. 42 Prozent sahen zugleich größere Verhandlungsspielräume für Käufer als noch ein Jahr zuvor. Beide Angaben beschreiben die Einschätzung der Befragten und keine gemessenen Preisabschläge.
Unsanierte Immobilien stoßen auf geringeres Interesse
Besonders deutlich unterscheiden die Befragten nach dem Zustand einer Immobilie. 90 Prozent würden eine sanierte Bestandsimmobilie in Betracht ziehen, 83 Prozent einen Neubau. Eine unsanierte Bestandsimmobilie schließen dagegen 52 Prozent grundsätzlich aus. Als ein Grund für die Zurückhaltung werden schwer kalkulierbare Zusatzkosten genannt.
Dass Bauleistungen weiterhin teurer werden, zeigt der Baupreisindex von Destatis. Die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude lagen im Mai 2026 um 5,0 Prozent über dem Vorjahresniveau. Gegenüber Februar erhöhten sie sich um 2,4 Prozent. Die Angaben beziehen sich auf Bauleistungen am Bauwerk einschließlich Mehrwertsteuer.
Quelle: Statistisches Bundesamt
Die Destatis-Zahlen lassen sich nicht unmittelbar auf die Kosten einer energetischen Sanierung übertragen. Sie zeigen jedoch, dass die Preise für Bauleistungen insgesamt weiter steigen. Welche zusätzlichen Kosten bei einem Bestandsgebäude tatsächlich entstehen, hängt vom Zustand des Hauses und den erforderlichen Arbeiten ab.
Für Verkäufer unsanierter Immobilien deutet dies auf einen kleineren Kreis potenzieller Interessenten hin: Mehr als die Hälfte der von Interhyp befragten Kaufplaner zieht solche Objekte grundsätzlich nicht in Betracht. Ob sich diese Zurückhaltung bereits in längeren Vermarktungszeiten oder größeren Abschlägen bei tatsächlich vereinbarten Kaufpreisen niederschlägt, lässt sich mit der Befragung nicht beantworten.
Ein Markt mit wählerischeren Käufern
In der Zusammenschau sprechen die Indikatoren derzeit weniger für einen erneuten Einbruch des Immobilienmarktes als für eine verhaltene Nachfrage und eine stärkere Differenzierung auf der Käuferseite. Banken registrieren weniger Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten, ein Teil der Kaufplaner verschiebt seine Entscheidung und GREIX beobachtet wieder häufigere Korrekturen von Angebotspreisen.
Für Verkäufer kann damit stärker ins Gewicht fallen, ob Preis und Zustand einer Immobilie zu den finanziellen Möglichkeiten potenzieller Käufer passen. Besonders bei unsanierten Beständen treffen Kaufpreis, Finanzierung und mögliche Modernisierungskosten zusammen. Wie stark sich dies bereits in tatsächlich erzielten Verkaufspreisen niederschlägt, lässt sich mit den vorliegenden Daten noch nicht bundesweit bestimmen.
Eine allgemeine Preiswende ist daraus bislang nicht abzuleiten. Die kommenden Transaktionsdaten werden zeigen, ob die derzeitigen Anzeichen einer schwächeren Nachfrage lediglich die Erholung bremsen oder in größeren Teilen des Marktes auf die Kaufpreise durchschlagen.
Am deutschen Immobilienmarkt werden Käufer wählerischer und Verkäufer müssen ihre Preisvorstellungen häufiger korrigieren. - Foto: Nuttawan Jayawan/iStock
In Kürze:
Immobilienpreise steigen noch, doch die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten entwickelt sich verhaltener, und Kaufinteressenten bleiben bei ihren Entscheidungen zurückhaltend.
Verkäufer korrigieren Angebotspreise häufiger, während Käufer stärker auf Preis, Finanzierung und Zustand einer Immobilie achten.
Unsanierte Immobilien geraten besonders unter Druck: 52 Prozent der von Interhyp befragten Kaufplaner schließen solche Objekte grundsätzlich aus.
Der deutsche Immobilienmarkt zeigt im Sommer 2026 ein gemischtes Bild. Die Preise für Wohnimmobilien steigen weiter, die Entwicklung fällt jedoch regional und nach Immobilienart unterschiedlich aus. Gleichzeitig bleibt die Finanzierung für viele Kaufinteressenten eine Herausforderung.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lagen die Preise für Wohnimmobilien im ersten Quartal 2026 durchschnittlich 1,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. Gegenüber dem vierten Quartal 2025 betrug das Plus 0,3 Prozent. Regional verlief die Entwicklung unterschiedlich. Eigentumswohnungen in dünn besiedelten ländlichen Kreisen verteuerten sich binnen Jahresfrist um 3,6 Prozent, Ein- und Zweifamilienhäuser wurden dort dagegen 0,8 Prozent günstiger. In den sieben größten deutschen Städten stiegen die Preise für Häuser um 1,4 Prozent, für Eigentumswohnungen um 0,3 Prozent.
Statistisches Bundesamt
Die bundesweiten Durchschnittswerte zeigen damit erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Regionen und Immobilienarten.
Preisdynamik lässt nach
Der German Real Estate Index (GREIX) des Kiel Instituts für Weltwirtschaft liefert bereits Daten für das zweite Quartal 2026. Anders als Statistiken von Immobilienportalen stützt sich der Index auf tatsächlich abgeschlossene Verkäufe. Grundlage sind die Kaufpreise aus den Kaufpreissammlungen der örtlichen Gutachterausschüsse.
Demnach stiegen die Preise für Eigentumswohnungen von April bis Juni gegenüber dem ersten Quartal um 0,3 Prozent, Einfamilienhäuser verteuerten sich um 1,8 Prozent. Verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres lagen die Preise um 0,4 beziehungsweise 1,9 Prozent höher. Bei Mehrfamilienhäusern sanken die Preise dagegen um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Berücksichtigt man die allgemeine Inflation, lagen alle drei Marktsegmente im Jahresvergleich real niedriger.
Zusätzlich untersucht das Kiel Institut, wie sich die Preise bereits angebotener Immobilien verändern. Dabei zeigt sich: Angebotspreise werden in Inseraten wieder häufiger nach unten angepasst. Solche Veränderungen können Hinweise darauf geben, wie sich die Kaufpreisdynamik in den folgenden Quartalen entwickelt. Für Eigentumswohnungen zeigt sich für den Zeitraum 2015 bis 2026 ein Zusammenhang zwischen zunehmenden Preisnachlässen in Inseraten und einer später schwächeren Entwicklung der jährlichen Preiswachstumsrate.
Das bedeutet bislang nicht, dass die Immobilienpreise nun generell fallen. Die Daten zeigen zunächst eine nachlassende Preisdynamik. Bei Mehrfamilienhäusern sind die Preise im zweiten Quartal allerdings sowohl gegenüber dem Vorquartal als auch gegenüber dem Vorjahresquartal gesunken. Ob sich daraus ein breiter Preisrückgang entwickelt, lässt sich anhand der bisherigen Daten noch nicht abschließend beurteilen.
Nachfrage nach Immobilienkrediten sinkt
Auf der Finanzierungsseite zeigt sich die Zurückhaltung deutlicher. Für ihren „Bank Lending Survey“ befragt die Europäische Zentralbank (EZB) viermal im Jahr Banken unter anderem danach, wie sich die Nachfrage nach Krediten entwickelt. Im zweiten Quartal 2026 berichteten deutlich mehr Banken von einer sinkenden als von einer steigenden Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten. In Deutschland fiel dieser Unterschied stärker aus als im Durchschnitt des Euroraums.
Die EZB gibt diese Entwicklung als sogenannten Nettosaldo an. Für Deutschland lag er bei minus 30 Prozent, nachdem er im ersten Quartal noch bei minus 4 Prozent gelegen hatte. Das bedeutet allerdings nicht, dass 30 Prozent weniger Kreditanfragen gestellt wurden. Der Wert zeigt lediglich, dass mehr Banken eine sinkende als eine steigende Nachfrage beobachteten. Als Gründe für die schwächere Nachfrage nannten die deutschen Banken vor allem das Verbrauchervertrauen und das Zinsniveau. Auch die Erwartungen für den Immobilienmarkt wirkten nach Einschätzung der Banken dämpfend auf die Nachfrage.
Gleichzeitig verschärften die Banken ihre Kreditstandards für Wohnungsbaukredite. Die EZB-Daten zeigen damit zwar nicht, wie viele potenzielle Hauskäufer sich tatsächlich vom Markt zurückgezogen haben. Sie belegen aber, dass die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten zuletzt deutlich schwächer geworden ist.
Jeder Vierte verschiebt den Kauf
Dass ein Teil der potenziellen Käufer zurückhaltender geworden ist, zeigt auch eine Befragung des Baufinanzierungsvermittlers Interhyp. Vom 22. bis 30. April 2026 wurden deutschlandweit 1.019 Personen zwischen 25 und 65 Jahren online befragt. 52 Prozent planten einen Immobilienkauf innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahre, 48 Prozent hatten in den vergangenen fünf Jahren gekauft. Die Ergebnisse beschreiben damit Einstellungen und Kaufabsichten und keine tatsächlich abgeschlossenen Immobiliengeschäfte.
46 Prozent der Befragten bezeichneten Immobilien in ihrer Region als „kaum leistbar“. Unter den konkreten Kaufplanern waren 34 Prozent unsicher, ob sie derzeit kaufen sollten. 24 Prozent gaben an, ihren Immobilienkauf aufgrund der gegenwärtigen Lage zu verschieben. Dabei ist der Kaufwunsch keineswegs verschwunden. Das durchschnittlich kalkulierte Budget für Kauf oder Bau stieg laut Interhyp von rund 349.000 Euro im vergangenen Jahr auf knapp 384.000 Euro. Der höhere Betrag beschreibt allerdings die Planung der Befragten und nicht tatsächlich gezahlte Kaufpreise.
Interessant ist auch die Wahrnehmung der Verkäuferseite. 83 Prozent der Befragten waren überzeugt, Verkäufer hielten weiterhin an überholten beziehungsweise zu hohen Preisvorstellungen fest. 42 Prozent sahen zugleich größere Verhandlungsspielräume für Käufer als noch ein Jahr zuvor. Beide Angaben beschreiben die Einschätzung der Befragten und keine gemessenen Preisabschläge.
Unsanierte Immobilien stoßen auf geringeres Interesse
Besonders deutlich unterscheiden die Befragten nach dem Zustand einer Immobilie. 90 Prozent würden eine sanierte Bestandsimmobilie in Betracht ziehen, 83 Prozent einen Neubau. Eine unsanierte Bestandsimmobilie schließen dagegen 52 Prozent grundsätzlich aus. Als ein Grund für die Zurückhaltung werden schwer kalkulierbare Zusatzkosten genannt.
Dass Bauleistungen weiterhin teurer werden, zeigt der Baupreisindex von Destatis. Die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude lagen im Mai 2026 um 5,0 Prozent über dem Vorjahresniveau. Gegenüber Februar erhöhten sie sich um 2,4 Prozent. Die Angaben beziehen sich auf Bauleistungen am Bauwerk einschließlich Mehrwertsteuer.
Quelle: Statistisches Bundesamt
Die Destatis-Zahlen lassen sich nicht unmittelbar auf die Kosten einer energetischen Sanierung übertragen. Sie zeigen jedoch, dass die Preise für Bauleistungen insgesamt weiter steigen. Welche zusätzlichen Kosten bei einem Bestandsgebäude tatsächlich entstehen, hängt vom Zustand des Hauses und den erforderlichen Arbeiten ab.
Für Verkäufer unsanierter Immobilien deutet dies auf einen kleineren Kreis potenzieller Interessenten hin: Mehr als die Hälfte der von Interhyp befragten Kaufplaner zieht solche Objekte grundsätzlich nicht in Betracht. Ob sich diese Zurückhaltung bereits in längeren Vermarktungszeiten oder größeren Abschlägen bei tatsächlich vereinbarten Kaufpreisen niederschlägt, lässt sich mit der Befragung nicht beantworten.
Ein Markt mit wählerischeren Käufern
In der Zusammenschau sprechen die Indikatoren derzeit weniger für einen erneuten Einbruch des Immobilienmarktes als für eine verhaltene Nachfrage und eine stärkere Differenzierung auf der Käuferseite. Banken registrieren weniger Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten, ein Teil der Kaufplaner verschiebt seine Entscheidung und GREIX beobachtet wieder häufigere Korrekturen von Angebotspreisen.
Für Verkäufer kann damit stärker ins Gewicht fallen, ob Preis und Zustand einer Immobilie zu den finanziellen Möglichkeiten potenzieller Käufer passen. Besonders bei unsanierten Beständen treffen Kaufpreis, Finanzierung und mögliche Modernisierungskosten zusammen. Wie stark sich dies bereits in tatsächlich erzielten Verkaufspreisen niederschlägt, lässt sich mit den vorliegenden Daten noch nicht bundesweit bestimmen.
Eine allgemeine Preiswende ist daraus bislang nicht abzuleiten. Die kommenden Transaktionsdaten werden zeigen, ob die derzeitigen Anzeichen einer schwächeren Nachfrage lediglich die Erholung bremsen oder in größeren Teilen des Marktes auf die Kaufpreise durchschlagen.
In der nächsten Woche beginnt ein Manöver mit dem Codenamen „Operation Atlantic City“, das Teil der NATO-Operation „Arctic Sentry“ ist. - Foto: Manuel Ernst/Alfred-Wegener-Institut, Helmhol/dpa
In Kürze:
Erste Truppen sind bereits vor Ort und sollen bis 2028 einsatzbereit sein.
Es ist die erste Brigade Norwegens seit dem Ende des Kalten Krieges.
Das Land hat seine Verteidigungsausgaben von 1,41 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 3,17 Prozent angehoben.
Ein Manöver mit den USA und Großbritannien beginnt am 26. August.
Norwegen hat seine Arktis-Brigade um drei neue Untereinheiten erweitert. Damit setzt Oslo den Ausbau seiner Verteidigungspräsenz zur Unterstützung der NATO fort. Die norwegischen Streitkräfte teilten in einer Erklärung vom 20. August mit, dass sie die Finnmark-Brigade um ein Artilleriebataillon, eine Flugabwehrbatterie und eine kombinierte Kompanie erweitert hätten.
Dem Gegner Verluste zufügen
Die ersten Truppen und ein Teil der Ausrüstung seien bereits vor Ort, so die Streitkräfte. Sie fügten hinzu, dass die Armee bei der Aufstellung des Artilleriebataillons dem Zeitplan voraus sei und davon ausgegangen werde, dass die wichtigsten Elemente 2028 einsatzbereit sein würden.
„Russlands illegaler Angriffskrieg gegen die Ukraine und die sich verschlechternde Sicherheitslage unterstreichen die Notwendigkeit, die Finnmark-Brigade so schnell wie möglich aufzubauen“, erklärten die norwegischen Streitkräfte.
Die neuen Untereinheiten sollen „unter anderem die Fähigkeit stärken, zu führen, sich selbst zu schützen und einem Gegner Verluste zuzufügen“.
Moskau hat zuvor zurückgewiesen, eine Bedrohung für die NATO darzustellen, und angekündigt, im Falle eines Angriffs durch europäische Streitkräfte mit defensiven Maßnahmen zu reagieren.
Die im vergangenen Jahr gegründete Finnmark-Brigade hat ihren Hauptsitz in Porsangmoen im norwegischen Teil der Arktis. Sie ist die zweite Brigade des Landes und die erste, die seit dem Ende des Kalten Krieges aufgestellt wurde.
Porsangmoen liegt etwa 110 Meilen (ca. 177 km) von der norwegischen Grenze zur Russischen Föderation entfernt, in der Nähe einer Region, in der Russland bedeutende militärische Einrichtungen unterhält, unter anderem für seine Nordflotte.
Eine der Hauptaufgaben der Finnmark-Brigade besteht darin, die 123 Meilen (ca. 198 km) lange Grenze zwischen Norwegen und Russland zu patrouillieren und zu überwachen.
Es wird erwartet, dass die Finnmark-Brigade bis 2033 vollständig aufgestellt sein wird. Sie soll dann 4.000 Soldaten umfassen, darunter sowohl Berufssoldaten als auch Reservisten.
Europäische NATO-Mitglieder erhöhen ihre Ausgaben
Verteidigungsminister Tore O. Sandvik erklärte, Norwegen baue seine Verteidigungsfähigkeiten aus und stärke durch den Aufbau der Finnmark-Brigade seine Abschreckungsfähigkeit im Norden.
Dies sei ein Meilenstein und verdeutliche, „wie der Verteidigungssektor nun erhöhte Budgets in Verteidigungsfähigkeiten umsetzt“, erläuterte Sandvik. „Das ist wichtig für die Sicherheit des Landes in turbulenten Zeiten.“
Wie andere nordische Länder hat auch Norwegen sein Militärbudget erhöht – sowohl als Reaktion auf die Forderung von US-Präsident Donald Trump, Europa solle mehr zu seiner eigenen Verteidigung beitragen, als auch auf den Krieg zwischen der Ukraine und Russland.
Oslos Verteidigungsausgaben stiegen laut den neuesten NATO-Zahlen von 1,41 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2022 auf 3,17 Prozent des BIP im Jahr 2026.
Dänemark erhöhte seine Ausgaben im gleichen Zeitraum ebenfalls von 1,37 Prozent des BIP auf 3,49 Prozent.
Übung in der Arktis
Die norwegischen Streitkräfte gaben am 21. August bekannt, dass sie vom 26. August bis 4. September mit britischen und amerikanischen Streitkräften auf der Insel Jan Mayen ein Manöver absolvieren werden.
Das Manöver mit dem Codenamen „Operation Atlantic City“ ist Teil der NATO-Operation „Arctic Sentry“. Die Verbündeten wollen dabei durch Übungen ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit unter den schwierigen Bedingungen in der Arktis verbessern.
„Durch den gemeinsamen Einsatz mit unseren Verbündeten zeigen wir, dass wir sowohl die Fähigkeit als auch den Willen haben, das norwegische Hoheitsgebiet zu verteidigen“, sagte Vizeadmiral Rune Andersen, Chef des operativen Hauptquartiers der norwegischen Streitkräfte. „Dazu gehören die arktischen Inseln, das Hochland und die Hoheitsgewässer.“
„Arctic Sentry“ wurde im Februar ins Leben gerufen und konzentriert sich auf die kollektive Verteidigung der Arktis und des Hohen Nordens. Die NATO erklärt, dass die Arktis für das Bündnis wichtig sei. Sie stelle als Tor zum Nordatlantik eine lebenswichtige Route für Handel, Kommunikation und Transport zwischen Europa und Nordamerika dar.
Chinas Interesse an Arktis wächst
Das Bündnis erkennt die Region zudem als einen Raum zunehmender strategischer Konkurrenz mit Russland an, das laut NATO seine militärischen Aktivitäten in diesem Gebiet verstärkt hat.
„Auch Chinas Interesse an der Arktis wächst, weil Peking Zugang zu Energie, kritischen Mineralien und maritimen Kommunikationswegen anstrebt“, erklärte die NATO in einem Informationsblatt zur Sicherheit in der Arktis. „Darüber hinaus hat die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Russland und China strategische und operative Auswirkungen auf die Abschreckungs- und Verteidigungsposition der NATO in der Region.“
„Vor diesem Hintergrund richtet die NATO ihr Augenmerk verstärkt auf den Hohen Norden und sorgt dafür, dass die Bündnispartner in der Arktis vor allen Bedrohungen geschützt werden und die Seewege für Kommunikation und Verstärkung offen bleiben.“