Der Mythos von Theseus und dem Minotaur (r.) machte den Bildhauer Antonio Canova berühmt (l.). - Foto: gemeinfrei, Yair Haklai/Wikimedia Commons | CC BY-SA 3.0; Montage und Bearbeitung: Epoch Times
In Kürze:
Der italienische Bildhauer Antonio Canova galt im 18. Jahrhundert wegen seines großen Talentes als „moderner Phidias“.
Vor allem seine Skulptur „Theseus und der Minotaur“, angelehnt an einen griechischen Mythos, machte Canova berühmt.
Das 18. Jahrhundert war die Geburtsstunde eines großen Künstlers: des italienischen Bildhauers Antonio Canova (1757–1822). Heute ist Canova dafür bekannt, dass er das Erbe der antiken griechischen Bildhauerkunst wiederbelebte.
Manche bezeichneten ihn damals sogar als den „modernen Phidias“. Phidias (ca. 480–430 v. Chr.) war einer der größten Bildhauer der Antike und einer der Verantwortlichen beim Ausbau der berühmten Akropolis von Athen.
Der Legende nach soll der herausragende Bildhauer als Einziger jemals die griechischen Götter gesehen haben. Phidias verewigte das Antlitz der Götter schließlich mit den Skulpturen des Parthenon und machte es so für alle Griechen greifbar.
Canova dürfte dieser Gedanke gefallen haben, denn der italienische Künstler sagte einmal: „Die Werke des Phidias sind wahrhaftig aus Fleisch und Blut, wie die schöne Natur selbst“, so die Kunsthistorikerin Jane Martineau in ihrem Buch „The Glory of Venice: Art in the Eighteenth Century“.
Selbstportrait von Antonio Canova aus dem Jahr 1790.
Im Jahr 1779, als er Anfang 20 war, schuf Canova die Marmorskulptur „Daedalus und Ikarus“ im barocken Stil. Diese zeigt den mythischen griechischen Erfinder, Architekten und Bildhauer Daidalos mit seinem Sohn Ikaros.
In der Momentaufnahme ist Daidalos zu sehen, wie er sorgfältig seinen Sohn mit Flügeln ausstattet, indem er Federn mit Wachs an dessen Rücken befestigt. Daidalos fertigte auch für sich selbst gefiederte Flughilfen an, die beiden halfen, den Fängen von König Minos zu entfliehen.
Die Skulptur „Daedalus und Ikarus“ im Museo Correr, dem städtischen Museum von Venedig.
Bekanntlich kam Ikaros dabei ums Leben. Sein Vater hatte ihn gewarnt, nicht zu hoch zu fliegen, doch er ignorierte den Rat. Sein Übermut verleitete ihn dazu, näher an die Sonne heranzufliegen, wodurch das Wachs schmolz, das seine provisorischen Flügel zusammenhielt. Der junge Mann stürzte vor den Augen seines Vaters ins Meer und ertrank.
Das Gemälde „Der Sturz des Ikarus“ von Jacob Peter Gowy aus dem Jahr 1636.
Vater und Sohn flohen vor König Minos, nachdem Daidalos geholfen hatte, das Leben des jungen athenischen Prinzen Theseus zu retten. Zusammen mit Ariadne, der Tochter von König Minos, half Daidalos dem jungen Helden und verriet ihm, wie er erfolgreich aus dem Labyrinth des gefürchteten Minotaur entkommt. Das Fabelwesen hatte den Körper eines Menschen und den Kopf eines Stiers. Und tatsächlich: Theseus besiegte den Minotaur und fand den Weg aus dem Labyrinth.
Die künstlerische Darstellung von 1861 zeigt den athenischen Prinzen Theseus im Labyrinth mit dem Minotaur.
Canova stellte Theseus und den Minotaur im Jahr 1782 dar. In der neoklassizistischen Skulptur überragt Theseus den Minotaur, den er gerade getötet hat. Das Werk verkörpert den zielgerichteten Geist, für den Theseus steht, der über den materiellen Körper triumphiert, der durch den toten Minotaur repräsentiert wird, so der Kunsthistoriker David Bindman in einer Vorlesung über italienische Kunst im Jahr 2015.
Die Skulptur „Theseus und der Minotaur“ von Antonio Canova (1757–1822) aus dem Jahr 1782 im britischen Victoria and Albert Museum.
Den Betrachtern jener Zeit fiel es schwer zu glauben, dass „Theseus und der Minotaur“ ein zeitgenössisches Werk und keine Kopie einer antiken griechischen Skulptur war. Dieses Werk trug zusammen mit Canovas erstem päpstlichen Auftrag in Rom – dem Grabmal von Papst Clemens XIV. (fertiggestellt 1787) – dazu bei, seinen Ruhm in ganz Europa zu festigen.
Sieben Kanzlerporträts hängen bereits in der Regierungszentrale. (Archivbild) - Foto: Michael Kappeler/dpa
Der Blazer ist blau, die Raute fehlt und die frühere Kanzlerin soll ein wenig mitgenommen aussehen: Viel mehr ist über das Porträt von Ex-Kanzlerin Angela Merkel (CDU), das heute Abend (18:00 Uhr) im Berliner Bode-Museum feierlich enthüllt werden soll, noch nicht bekannt.
Gemalt hat es der bisher weitgehend unbekannte Künstler Jérémie Queyras, ein erst 28 Jahre alter Deutsch-Franzose aus einer Freiburger Musikerfamilie.
Bestimmt ist es für die Kanzlergalerie im ersten Stock der Berliner Regierungszentrale, wo bereits Porträts der sieben Vorgänger Merkels hängen. Dort ist ein Platz neben Jörg Immendorffs Porträts von Gerhard Schröder reserviert.
Vorher wird das Queyras Werk drei Monate im Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel zu sehen sein – nur einen Steinwurf von Merkels Wohnung entfernt.
Dass sie nun zu einem Kunstwerk erstarrt, behagt der einst mächtigsten Frau der Welt offenbar nicht so ganz. „Es ist komisch, wenn man langsam Geschichte wird“, sagte sie einem Journalisten der „Zeit“, der die Entstehung des Gemäldes begleitete. „Da häng ich dann eben.“
Merkel hat sich viel Zeit gelassen, bis sie sich malen ließ. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt vor knapp fünf Jahren hatte sie zunächst anderes im Sinn. Sie nahm sich eine Auszeit, schrieb ihre mehr als 700 Seiten starken Memoiren, ging auf Lesetour. Als ausgeprägte Kunstliebhaberin ist sie nicht bekannt. Das Porträt stand auf ihrer Prioritätenliste offenbar nicht besonders weit oben.
Künstler bewarb sich handschriftlich
Schon früh hatten sich etliche Künstler bei ihr beworben. Queyras schrieb einen handschriftlichen Brief, aus dem die „Zeit“ zitiert. „Obwohl meine Kunst hauptsächlich abstrakt ist, kehre ich des Öfteren zur klassischen Malerei zurück. Sie ahnen nun bestimmt schon, weshalb ich Ihnen schreibe.“
Der junge Freiburger musste aber eine ganze Weile auf Antwort warten. Erst im April 2025 lud Merkel ihn zu einem Gespräch ein. Sie habe sofort einen guten Eindruck gehabt, zitiert die „Zeit“ die Ex-Kanzlerin. „Ein lebensoffener Mensch.“
Das Bild entstand in einem Atelier in der Nähe von Merkels Wohnung am Pergamonmuseum. Öffentlich gezeigt wurde es noch nicht.
Der Journalist der „Zeit“ beschreibt es so: „Ein leuchtendes Porträt ist es geworden. (…) Ihr Blick ist hell, aber allzu begütigend will die Altkanzlerin nicht wirken.“
Bis Anfang Oktober wird das Porträt einem breiten Publikum präsentiert. Danach geht es in den ersten Stock des Kanzleramts, wo unter anderem die Pressekonferenzen der Regierungschefs stattfinden.
Scholz hat sich noch nicht entschieden
Neben Merkel gibt es noch einen weiteren Ex-Kanzler, der noch gemalt werden muss.
Olaf Scholz hatte bereits während seiner Amtszeit im April 2024 in einer Fragerunde mit Schülerinnen im Kanzleramt verraten, dass er sich schon Gedanken über den Künstler gemacht habe.
Er habe „auch schon eine erste Idee“, die er aber nicht ausplaudern wolle, sagte er damals. Entschieden hat er sich nach Angaben seines Büros aber bis heute nicht.
Um sein Porträt unterzubringen, muss wahrscheinlich die ganze Galerie neu organisiert werden. Wenn Merkel dort hängt, ist kein Platz mehr. Vorschläge „zu einer alternativen Hängung“ der Porträts seien in Prüfung, heißt es dazu aus dem Kanzleramt. (dpa/red)
„Die Nachtwache“, 1642, Rembrandt van Rijn. Rijksmuseum in Amsterdam, Niederlande. - Foto: gemeinfrei
Von allen niederländischen Malereien ist das am meisten verehrte Werk zugleich eines, das am stärksten angegriffen, beschädigt und fehlinterpretiert wurde. Es wurde nicht nur deutlich in seiner Größe beschnitten, sondern auch dreimal durch Kunstvandalen beschädigt und aufgrund von Schmutz und verwitterter Lasur, die seine Farben verdunkelten, falsch benannt: Rembrandts „Die Nachtwache“, das eine der berühmtesten Comeback-Geschichten der Kunstwelt erzählt.
350 Jahre nach seiner Entstehung ermöglichen die zahlreichen aufwendigen Restaurierungsarbeiten den Millionen Besuchern, die das Gemälde jährlich bewundern, einen neuen Blick auf die ursprüngliche Gestaltung. Bis heute jedoch existieren auch nach jahrhundertelangen Analysen und sorgfältigen Untersuchungen hinter der rätselhaften Bildgestaltung umstrittene Interpretationen und Geheimnisse.
„Selbstporträt“, 1660, von Rembrandt, Kenwood House, London.
Im Jahr 1602 fusionierten mehrere Handelsgesellschaften zur Niederländischen Ostindien-Kompanie (Vereenigde Oostindische Compagnie, VOC), wodurch sich Amsterdam rasch zur Finanzhauptstadt der Welt entwickelte. Dieses Monopol ermöglichte es nicht nur Kaufleuten, sondern allen niederländischen Einwohnern, zu investieren und an den Gewinnen des Verbunds teilzuhaben. So entstand die weltweit erste Aktiengesellschaft, die dafür sorgte, dass Amsterdams Bevölkerungszahl in den folgenden 50 Jahren von 50.000 auf 175.000, auf mehr als das Dreifache, anstieg.
Vom Schulabbrecher zum Magier
Vier Jahre nach der Gründung der VOC, die das sogenannte Goldene Zeitalter der Niederlande einläutete, wurde Rembrandt van Rijn geboren.
Rembrandt (1606–1669) wuchs in der Stadt Leiden auf, rund 40 Kilometer von Amsterdam entfernt. Sein Studium an der Lateinschule brach er vorzeitig ab. Er begann eine Lehre bei dem niederländischen Maler und Kunsthändler Jacob van Swanenburg (1571–1638), dessen Stil von der italienischen Kunstszene geprägt wurde. Da der junge Künstler nach Abschluss seiner dreijährigen Ausbildung mit den erworbenen Fähigkeiten noch immer unzufrieden war, absolvierte er weitere Lehrjahre, darunter einen sechsmonatigen Aufenthalt in Amsterdam bei dem bekannten Historienmaler Pieter Lastman (1583–1633).
Eine der vier Szenen aus Rembrandts „Die fünf Sinne“.
Obwohl Rembrandt bei seinen Auftraggebern den Eindruck eines ruppigen und arroganten Künstlers hinterließ, zeugte seine Bereitschaft, weiterhin von verschiedenen Meistern zu lernen, von einer unbestreitbaren Disziplin und Selbstwahrnehmung, die sein Selbstbewusstsein untermauerten.
Anstatt die Gemälde mit seinen Initialen zu signieren, fügte er seinem Vornamen ein „d“ hinzu und nannte sich fortan „Rembrandt“ – ein Wortspiel mit den niederländischen Begriffen „rem“ („Hindernis“) und „brandt“ („Licht“).
Seine allmähliche Abkehr von lebhaften, farbenfrohen Paletten hin zu einer zurückhaltenden, monochromen Ästhetik ermöglichte ihm ein geniales Zusammenspiel von Licht und Schatten, mit denen er narrative Spannung zwischen seinen Motiven erzeugte. Seine Faszination für das Licht veranlasste ihn, seine Fenster mit geöltem Papier zu verdecken, um direktes Sonnenlicht zu dämpfen und eine diffuse Beleuchtung zu erzeugen.
Ein Vergleich seiner frühesten erhaltenen Werke „Die fünf Sinne“ (1625) und „Grablegung Christi“ (um 1633) zeigt seine deutliche Abkehr von einer farbenfrohen Sprache hin zu einer Technik dramatischer Kontraste. Auf der Grundlage der barocken Tradition des „Chiaroscuro“ (italienisch für hell-dunkel) entwickelte Rembrandt diese Technik im Laufe des folgenden Jahrzehnts weiter und setzte sie in dem Werk um, das der wichtigste Auftrag seines Lebens werden sollte.
Gegen Ende des Achtzigjährigen Krieges hatten sich die Amsterdamer Milizen längst aus dem Kampfgeschehen zurückgezogen. Eine Möglichkeit, ihren hohen gesellschaftlichen Status zu wahren, bestand darin, große Gruppenporträts in Auftrag zu geben, um ihre glorreichen Tage im Kampf zu verewigen. Diese Porträts waren in der Regel formelle, statische Darstellungen, die das Gesicht jedes einzelnen Mitglieds deutlich zeigten. Als die Amsterdamer Bürgerwehr, die Kloveniers, im Jahr 1640 mit einem solchen Auftrag an Rembrandt herantrat, fiel seine Antwort ausgesprochen untypisch aus.
Obwohl die Kloveniers aus 18 Mitgliedern bestanden, sind auf Rembrandts Gemälde 32 Männer zu erkennen, dazu zwei Frauen und noch ein Hund. Die Szene, in der sich die Figuren in einer turbulenten Atmosphäre aus dynamischer Bewegung und Lärm vor einem Triumphbogen versammelt haben, hat seit ihrer Enthüllung zu keiner einheitlichen Deutung geführt – ein abgefeuertes Gewehr, Trommelklänge, eine geschwenkte Fahne und unterschiedlichste Figuren, die alle in eine andere Richtung blicken oder zeigen.
Die beiden zentralen Figuren sind Hauptmann Frans Banninck Cocq und sein Leutnant Willem van Ruytenburch, nach dem das Gemälde ursprünglich benannt war. Der Hauptmann hat seinen Handschuh ausgezogen und streckt seine linke Hand dem Betrachter entgegen, wobei er einen auffälligen, kontrastreichen Schatten auf das hell leuchtende, prächtige Gewand seines Leutnants und hinunter auf dessen Lanze wirft. Hinter dem herabhängenden Handschuh des Hauptmanns trägt eine Frau in einem goldenen Kleid ein Huhn an ihrem Gürtel, vermutlich ein Symbol für das Vogelklauen-Wappen der Kloveniers und ein Wortspiel mit dem Namen des Hauptmanns. Nur wenige Zentimeter neben dem Kopf des Leutnants geht ein Musketenschuss fehl und hüllt seinen Federhut in eine Rauchwolke.
„Die Nachtwache“, 1642, Rembrandt van Rijn. Rijksmuseum in Amsterdam, Niederlande.
Rembrandts meisterhafte Lichtführung verteilt sich über sämtliche Figuren, wobei einige im Rampenlicht stehen, während der Rest in tiefen Schatten gehüllt ist. Jedes noch so kleine Detail ist eine bewusste und wahrscheinlich ironische Anspielung.
Warum? Aus der Mitte der sich drängenden Figuren blickt ein kaum wahrnehmbares einzelnes beobachtendes Auge hervor, das von Wissenschaftlern als Rembrandt selbst interpretiert wird – eine weitere provokante Signatur des Künstlers, der sich selbst in das Geschehen einfügt.
Ein mysteriöses Rätsel
Die Spekulationen über die Bedeutung der vielschichtigen Andeutungen in Rembrandts Werk reißen auch lange nach dem Ende seiner Schaffenszeit nicht ab. Im Jahr 1715 wurde das Gemälde vom Hauptquartier der Kloveniers ins Amsterdamer Rathaus verlegt. Um es an den neuen Aufstellungsort anzupassen, wurde es sowohl in der Höhe als auch in der Breite beschnitten, wobei zwei Figuren auf der linken Seite entfernt wurden.
Der Filmregisseur Peter Greenaway vermutet, dass es sich bei diesen Figuren um Floris und Clement Cocq handeln könnte. Ihre Entfernung habe die Andeutung Rembrandts, die Miliz sei in einen Mordkomplott verwickelt gewesen, möglicherweise abgeschwächt. Diese entfernten Teile wurden nie wiedergefunden. Es wurde auch vermutet, dass dieser vermeintliche Affront gegen einflussreiche Familien dazu beitrug, dass Rembrandt nach 1642 immer weniger Großaufträge erhielt und schließlich in den Bankrott getrieben wurde. [Anm. d. Red.: Greenaway widmete Rembrandts berühmtem Gemälde „Die Nachtwache“ besondere Aufmerksamkeit. In seinem Film „Nightwatching“ interpretiert er das Bild als verschlüsselte Anklage gegen ein Verbrechen und entwickelt daraus eine historische Kriminalgeschichte.]
So spannend diese Hypothese auch sein mag und so provokativ Rembrandts Darstellungen offensichtlich auch sein sollten, die Miliz lehnte das Gemälde nicht ab und weigerte sich auch nicht, ihn dafür zu bezahlen. Das Werk blieb die nächsten 73 Jahre stolzer Blickfang in der Kloveniershalle, bevor es in das Amsterdamer Rathaus und schließlich in das Rijksmuseum gebracht wurde. Nur dank einer kleineren Kopie, die wahrscheinlich von Frans Banninck Cocq in Auftrag gegeben wurde, konnten die entfernten Teile 2021 mithilfe von KI rekonstruiert werden.
Trotz der Restaurierung des Gemäldes, die ihm seine ursprüngliche Größe und Leuchtkraft zurückgab, ist es nach wie vor liebevoll als „Die Nachtwache“ bekannt.
Rembrandts finanzielle Schwierigkeiten wurden zweifellos durch seine zwanghafte Vorliebe für Antiquitäten und Kuriositäten sowie durch seine Weigerung, von seinem unverwechselbaren Stil abzuweichen, noch verschärft – selbst als sich der Geschmack in den Niederlanden in eine andere Richtung entwickelte.
Doch sein unerschütterliches Selbstvertrauen gab ihm am Ende recht: Im Jahr 1915 entwickelte der Filmregisseur Cecil B. DeMille für seinen Film „The Warrens of Virginia“ („Der Held der Prärie“) eine neue Beleuchtungstechnik. Seine bahnbrechende Innovation von Hell und Dunkel – die „Rembrandt-Beleuchtung“ – prägte die Regisseure und Fotografen des 20. Jahrhunderts nachhaltig.
Ausschnitt aus einer Abbildung einer Qualle (Tafel 98) aus „Kunstformen der Natur“ von Ernst Haeckel, 1904. - Foto: gemeinfrei
Wer sich für die Schönheit der Natur begeistert, den wird Ernst Haeckels Werk ganz besonders faszinieren. Seine Kunstwerke offenbaren eine Naturwelt voller Symmetrie und Kuriositäten, in der jeder Organismus mit einer beeindruckenden Detailtreue und kompositorischen Anmut dargestellt wird. Nur wenige wissenschaftliche Illustratoren erreichen dieses Niveau. Doch trotz seiner großen Hingabe, die Natur zu ordnen und zu klassifizieren, wirken seine Illustrationen so lebendig und stilisiert, dass sich die dargestellten Organismen jeder Kategorie zu entziehen scheinen.
Ernst Heinrich Philipp August Haeckel (1834–1919) war ein deutscher Zoologe und Philosoph.
Foto: gemeinfrei
Basierend auf direkten Beobachtungen – oft mithilfe eines Mikroskops – schuf Haeckel im Laufe seines Lebens fast 1.000 wissenschaftliche Illustrationen. Viele davon zeigen Arten, die er selbst erstmals identifizierte.
Der deutsche Wissenschaftler und Illustrator widmete seine Karriere mit ungewöhnlicher Intensität und Präzision der Darstellung der Vielfalt und Struktur des Lebens. Seine Zeichnungen und Gemälde organischer Formen zeichnen sich besonders durch ihre ausgeprägte Symmetrie, ihre filigranen Details und ihre sorgfältige Anordnung aus. Oft offenbaren sie Muster, die sowohl wissenschaftlich als auch bewusst komponiert wirken.
Das berühmteste Werk von Ernst Haeckel ist „Kunstformen der Natur“, eine Sammlung von Illustrationen, die ursprünglich im Jahr 1904 veröffentlicht wurde. Sie zeigt eine Vielzahl von Organismen in Lithografien und Halbtondrucken. Im Gegensatz zu den meisten Kunstsammlungen wurden diese Werke nicht als Einzelstücke geschaffen.
Titelblatt von Ernst Haeckels „Kunstformen der Natur“ von 1904.
Foto: gemeinfrei
Sie waren dazu bestimmt, zu Bildungszwecken vervielfältigt und weit verbreitet zu werden. Dennoch ist eine klare künstlerische Absicht erkennbar. Von zarten Blumen bis hin zu federartigen Moosen sind die Motive sorgfältig arrangiert, um sowohl ihre visuelle Schönheit als auch ihre biologische Harmonie hervorzuheben.
Der Weg in die Biologie
Haeckel war außerordentlich gebildet und fühlte sich schon immer stark zu den Naturwissenschaften hingezogen, insbesondere zur Meeresbiologie. Diese Leidenschaft wurde durch frühe Beobachtungen der Lebensformen an der Nordsee geweckt. Er wurde 1834 in Potsdam (damals Preußen) geboren, studierte an der Universität Berlin und promovierte im Alter von 23 Jahren im Bereich Medizin.
Da ihn die praktische klinische Arbeit nicht erfüllte, kehrte er zu seinem ursprünglichen Interesse an der Natur zurück. Später, im Jahr 1861, schloss er seine Dissertation in Zoologie ab. Dies war ein entscheidender Schritt in Richtung seiner lebenslangen wissenschaftlichen Karriere, die er mit Schwerpunkt auf Biologie und Meeresleben ausrichtete.
Im Jahr 1862 heiratete Ernst Haeckel Anna Sethe – ein glücklicher neuer Lebensabschnitt, der obendrein mit dem Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere zusammenfiel. Ihre Ehe soll von wahrer Glückseligkeit geprägt gewesen sein. Doch nur 18 Monate später endete dieses Lebensglück plötzlich. Im Jahr 1864 starb Anna im Alter von 29 Jahren – an Haeckels 30. Geburtstag. Ihr Tod erschütterte ihn zutiefst. Er zog sich fast vollständig zurück und verbrachte teilweise tagelang in einem Zustand des Deliriums im Bett.
Haeckel verarbeitete seine Trauer in seiner Arbeit. Während eines Aufenthalts in Nizza verschaffte ihm der Anblick einer Qualle in der Brandung einen kurzen Moment der Ablenkung. Er war fasziniert von der Bewegung ihrer Tentakel, die „wie die blonden Haare einer Prinzessin“ herabhingen. Nachdem er sie sorgfältig skizziert hatte, benannte er die Art in Erinnerung an seine Frau „Mitrocoma annae“ – „Annas Stirnband“. Diese Verflechtung von persönlichem Verlust und wissenschaftlicher Forschung wurde zu einem prägenden roten Faden in seinem Werk und weckte seine nachhaltige Begeisterung für Quallen.
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Clone – Abbildung von „Desmonema annasethe“ (Tafel 8) aus „Kunstformen der Natur“, 1904, von Ernst Haeckel. Haeckels Erforschung der „Discomedusae“, der Quallen, war sowohl von tiefem persönlichem als auch von wissenschaftlichem Interesse geprägt. Dabei benannte er zwei Arten zu Ehren seiner ersten, verstorbenen Frau. Biodiversity Heritage Library.
Foto: lolaleeloo2 from Bay Area, Ca. – Flickr | CC BY 2.0
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Clone – Abbildung von „Muscinae“ (Tafel 72) aus „Kunstformen der Natur“, 1904, von Ernst Haeckel. „Muscinae“, ein heute veralteter Begriff, der einst zur Beschreibung von Moosen verwendet wurde, bietet eine faszinierende Vielfalt an Formen, von farnartigen Wedeln über blütenartige Rosetten bis hin zu zarten grasartigen Strängen. Biodiversity Heritage Library.
Foto: gemeinfrei
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Clone – Abbildung von „Ascidiae“ (Tafel 85) aus „Kunstformen der Natur“, 1904, von Ernst Haeckel. Haeckel verwandelt unscheinbare marine Filtrierer in lebendige Gestalten, indem er Rot-, Gold- und Grüntöne vor einem dunklen, dramatischen Hintergrund einsetzt. Biodiversity Heritage Library.
Foto: gemeinfrei
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Clone – Illustrierte Tafel mit Kolibris aus „Kunstformen der Natur“, 1904, von Ernst Haeckel.
Foto: gemeinfrei
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Clone – Abbildung von „Orchidae“ (Tafel 74) aus „Kunstformen der Natur“, 1904, von Ernst Haeckel. „Orchidae“ verwandelt die Pflanzenkunde in eine Hommage an die Geometrie der Natur und wird bis heute häufig als Druck reproduziert. Es ist ein fester Bestandteil botanischer Kunstsammlungen. Biodiversity Heritage Library.
Foto: gemeinfrei
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Clone – Abbildung von „Actiniae“ (Tafel 49) aus „Kunstformen der Natur“, 1904, von Ernst Haeckel. In dieser lebhaften Darstellung der Seeanemone bringt Haeckel seine Verbundenheit mit dem Meer zum Ausdruck. Dabei vermitteln die leuchtenden Farben und die fließende Form ein Gefühl wissenschaftlicher Faszination. Biodiversity Heritage Library.
Foto: gemeinfrei
Mit seinen Arbeiten verwischte Haeckel kontinuierlich die Grenze zwischen wissenschaftlicher Beobachtung und künstlerischem Ausdruck. Nachdem er eine umfangreiche zweibändige Studie über Quallenmedusen fertiggestellt hatte, ließ er in Jena ein Haus errichten, das den Namen „Villa Medusa“ trug, und schmückte es mit Motiven, die von denselben Formen inspiriert waren, die er erforscht hatte.
Seine Trauer zeigte sich auch in der Art und Weise, wie er Arten benannte. Als er auf eine weitere auffällige Quallenart stieß, deren komplizierte Tentakel dramatisch hinter ihrem Glockenkörper herflossen, nannte er sie „Desmonema annasethe“ – „in Annas Andenken“. Diese Qualle, die später den Namen „Cyanea annasethe“ erhielt, wurde zu einem der bekanntesten Bilder in „Kunstformen der Natur“. Ihre fließenden, haarähnlichen Tentakel verleihen einem der berühmtesten Werke wissenschaftlicher Illustration eine zutiefst persönliche Dimension.
Eine Brücke zwischen Kunst und Wissenschaft
Ähnlich wie seine Bildsprache lässt sich sein Vermächtnis nicht einfach so in eine Schublade stecken. Als Zoologe, Meeresbiologe und wissenschaftlicher Illustrator schuf er Werke, die Kunst und Wissenschaft auf einzigartige Weise verbinden. „Kunstformen der Natur“ wurde im Laufe der Jahre mehrfach neu aufgelegt. Die jüngsten Ausgaben kombinieren ausgewählte Bilder mit herunterladbaren Dateien, die für den Einsatz im zeitgenössischen Design gedacht sind.
Seine Reichweite hat sich weit über den Druck hinaus ausgeweitet und zeigt sich auf kommerziellen Produkten, von Postern bis hin zu Textilien. Diese weitläufige Verbreitung hat die Bilder häufig aus ihrem ursprünglichen wissenschaftlichen und historischen Kontext genommen und sie zu rein dekorativen Motiven gemacht.
Der Einfluss des Buches war jedoch nie allein auf die Wissenschaft beschränkt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägte die Verbindung aus sorgfältiger Beobachtung und visueller Schönheit Kunst, Architektur und Design nachhaltig. Dieser Einfluss ist bis heute erstaunlich nachhaltig und in der bildenden Kunst wohl am stärksten spürbar. So prägt Haeckels Sichtweise der Natur bis heute, wie organische Formen dargestellt und verstanden werden.
Polizei in Frankreich. (Symbolbild). - Foto: OnickzArtworks/iStock
Spektakulärer Zufallsfund bei einer Razzia in einem Vorort von Paris: Bei der Durchsuchung eines Hauses in Champigny-sur-Marne entdeckte die Polizei ein Gemälde des spanischen Jahrhundertmalers Pablo Picasso.
„Dieser Fund erfolgte im Zusammenhang mit einer Ermittlung wegen des Handels mit Rauschmitteln“, teilte die Staatsanwaltschaft von Créteil am Samstag mit. Nach dem überraschenden Fund seien Ermittlungen wegen Diebstahls und Hehlerei eingeleitet worden.
Gefunden bei einer Razzia am 15. Juni
Das Gemälde wurde als echter Picasso bestätigt, die Staatsanwaltschaft machte aber keine näheren Angaben über das Werk. Laut der französischen Tageszeitung „Le Parisien“ hatte die Kriminalpolizei am 15. Juni ein Haus in der östlich von Paris gelegenen Gemeinde durchsucht.
Dabei fanden die Ermittler neben dem Picasso auch Haschisch, Luxuskleider und mehrere tausend Euro in bar. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden vier Verdächtige am Freitag einem Richter vorgeführt.
Stammt es aus einem Kunstdiebstahl von 2010?
„Le Parisien“ spekulierte darüber, ob es sich bei dem Bild um das Picasso-Werk „Pigeon aux petits pois“ („Taube mit grünen Erbsen“) aus dem Jahr 1911 handeln könnte. Es wurde 2010 bei einem aufsehenerregenden Kunstdiebstahl gemeinsam mit anderen Meisterwerken aus dem städtischen Museum für moderne Kunst in Paris gestohlen.
2017 wurde der als „Spiderman“ bekannt Kunstdieb Vjéran Tomic dafür zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt, der Picasso blieb indes verschollen. (afp/red)
Der neue Louvre-Direktor Christophe Leribault nennt das Weltmuseum eine Einrichtung, die «außer Atem» ist. (Archivbild) - Foto: Thomas Padilla/AP/dpa
Nur rund vier Monate nach seinem Amtsantritt zeichnet der neue Louvre-Direktor Christophe Leribault ein besorgniserregendes Bild vom Zustand des weltberühmten Museums in Paris.
Der Louvre sei „am Ende seiner Kräfte“ und stehe vor einem gewaltigen Investitionsbedarf, erklärte er vor einer Kommission des französischen Senats, der oberen Kammer des Parlaments.
Der erst im Februar ernannte Museumschef bezeichnete laut der Live-Übertragung des Senats zahlreiche technische Anlagen und Infrastrukturen als veraltet. „Man kann es ohne Umschweife sagen: Trotz seiner imposanten Pracht, trotz des täglichen Engagements seiner Teams ist es ein Louvre, der außer Atem ist“, sagte Leribault.
Sicherheitsprobleme und marode Technik
Der Museumschef sprach von einer regelrechten Investitionsmauer, vor der die Institution stehe. Um den Betrieb langfristig zu sichern, seien umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten notwendig.
Die Warnung kommt zu einer schwierigen Zeit für das Museum in Paris. Seit einem spektakulären Einbruch im Oktober, bei dem Juwelen im Wert von rund 88 Millionen Euro entwendet wurden, steht der Louvre ohnehin unter Druck: Streiks, Sicherheitsprobleme und marode Technik belasten das Haus.
Mit durchschnittlich rund neun Millionen Besuchern jährlich zählt der Louvre zu den wichtigsten Kulturinstitutionen weltweit. (dpa/red)
Wer ist die Unbekannte auf dem berühmtesten Gemälde des niederländischen Malers Johannes Vermeer? - Foto: gemeinfrei
Von allen jungen Frauen auf den Gemälden dieser Welt hat nur eine einzige den Anstoß zu einem Roman, einem Film sowie zu einer Ausstellung gegeben, die 650.000 Besucher anzog: „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“. Ihre Identität bleibt jedoch ein Geheimnis. Als das Gemälde im Jahr 1696 erstmals versteigert wurde, lautete sein Titel schlicht „Een Tronie in Antique Klederen, ongemeen konstig“, übersetzt „Ein Tronie in antikem Gewand, ungewöhnlich kunstvoll“.
Der Begriff „Tronie“ stammt aus dem Goldenen Zeitalter der Niederlande. Er bezeichnet im Gegensatz zu einem Porträt eines bestimmten Modells oder Auftraggebers ein Gemälde einer fiktiven Figur. Obwohl viele Tronies nach lebendigen Vorbildern gemalt wurden, bestand die künstlerische Absicht darin, ein hypothetisches, idealisiertes Motiv zu erschaffen, ohne es einer bestimmten Person zuzuordnen. Und genau darin liegt das unwiderstehliche Geheimnis des Gemäldes.
Der im niederländischen Delft ansässige Maler Johannes Vermeer, der das Werk um 1665 erschuf, führte kein Luxusleben. Er hatte elf Kinder zu versorgen, hohe Schulden zu bedienen und konnte sich kein professionelles Modell leisten. Für seine Gemälde posierten oft seine eigenen Kinder, Bedienstete oder wer auch immer gerade verfügbar und bereit war, kostenlos Modell zu stehen. Aber wer stand für das Mädchen mit dem Perlenohrring Modell?
Ein Donnerschlag des Schicksals
Bis zum Herbst 1654 hatte das Goldene Zeitalter der Niederlande die Art und Weise, wie Kunstwerke erschaffen, gekauft und verkauft wurden, grundlegend verändert. In einer Republik ohne Monarchie, in der sich eine florierende Kaufmannsschicht die Verschönerung ihrer Häuser leisten konnte, wich der Bedarf an großformatigen, komplexen Gemälden mit historischen und mythologischen Szenen. Stattdessen stieg die Nachfrage nach Darstellungen aus dem Alltagsleben, auch als „Genrebilder“ bezeichnet.
In der Stadt Delft, etwas außerhalb von Den Haag, lebte der prominenteste Künstler, der diesen kulturellen Wandel meisterte: einer von Rembrandts begabtesten Schülern, Carel Fabritius. Seine künstlerische Entwicklung zeigt eine deutliche Abkehr von Bildnissen mit Lazarus, Johannes dem Täufer, Hera und Merkur hin zu Werken wie „Junger Mann mit Pelzmütze“ und „Der Distelfink“.
Leider fand sein Leben ein tragisches Ende, als bei einem routinemäßigen Rundgang ein Pulverlager mit etwa 30 bis 40 Tonnen Schwarzpulver explodierte. Die als „Delfter Donnerschlag“ bekannte Explosion war noch in 150 Kilometern Entfernung zu hören. Dabei wurde ein großer Teil der Stadt zerstört. Unter den Todesopfern war Carel Fabritius.
Vermeer hingegen überlebte. In den Folgejahren fand sein Talent Anerkennung und er wurde zum Vorsitzenden der Delfter Lukasgilde gewählt. Seine künstlerische Karriere begann mit einigen Historienbildern, gefolgt von zwei Landschaften, mehr als zwei Dutzend Genrebildern und einigen Tronies.
„Ansicht von Delft“, um 1660–1661, von Johannes Vermeer. Öl auf Leinwand, 96,5 × 115,5 cm. Mauritshuis, Den Haag.
Leider war die Anerkennung von Vermeers Genialität während seines kurzen, nur 43 Jahre währenden Lebens ganz auf seine Heimatregion beschränkt. Da er keine Schüler hatte, die seine unglaublich präzise Beherrschung von Perspektive und Licht weiterführten, und er zudem nur etwa 37 vollendete Gemälde hinterließ, findet sein Vermächtnis in der niederländischen Kunstgeschichte nur als Fußnote Erwähnung.
Wer das Gemälde bei jener Auktion im Jahr 1696 erwarb, ist nicht überliefert. Das Werk verschwand knapp zwei Jahrhunderte in der Versenkung. Erst 1881 kam es wieder zum Vorschein und wurde erneut im Amsterdamer „Venduehuis“, dem heute ältesten noch existierenden Auktionshaus der Niederlande, versteigert.
Der ursprünglich grüne Hintergrund war vollständig zu Schwarz verblasst. Das Gemälde war derart verschmutzt, dass Vermeers Signatur vollständig verschwunden war. In der Auktionsbeschreibung hieß es, das Gemälde befinde sich in einem „schrecklichen Zustand der Verwahrlosung“ und der Künstler sei unbekannt.
Seine heutige Berühmtheit verdankt das Gemälde zum großen Teil der Anwesenheit von Victor de Stuers, einem Kunsthistoriker und Denkmalpfleger. Er erkannte die mögliche Urheberschaft Vermeers und überzeugte seinen Freund und Nachbarn Arnoldus Andries des Tombe, ein Gebot für das Gemälde abzugeben. Das Meisterwerk wurde für einen Betrag verkauft, der heute rund 30 Euro entsprechen würde.
„Die Milchmagd“, um 1658, von Johannes Vermeer. Öl auf Leinwand, 45,2 × 40,6 cm. Mauritshuis, Den Haag.
150 Jahre und mehrere umfangreiche Restaurierungen später sind die Gesichtszüge des Mädchens mit dem Perlenohrring deutlicher und strahlender, doch ihre Identität bleibt nach wie vor ein Rätsel. Es wurden verschiedene Theorien aufgestellt, um die Besonderheiten ihres Aussehens zu erklären.
Bis zu seiner Umbenennung im Jahr 1995 durch das Mauritshuis, das berühmte Museum in Den Haag, war das Gemälde unter dem Titel „Das Mädchen mit dem Turban“ bekannt. Ihre Kleidung wurde oft als türkisch beschrieben, wobei im Europa des 17. Jahrhunderts alles, was aus dem Osmanischen Reich stammte, als türkisch bezeichnet werden konnte.
„Das Mädchen mit dem Perlenohrring“, etwa 1665.
Foto: gemeinfrei
Die junge Frau auf dem Gemälde wirft einen Blick über ihre Schulter in Richtung des Betrachters. Ihre Augen und Lippen wirken feucht. Ihr Mund ist leicht geöffnet, was Überraschung oder eine andere Art Empfindung ausdrückt. Die Kombination so vieler Merkmale, die für ein formelles Porträt jener Zeit untypisch sind, erklärt die ursprüngliche Einstufung als Tronie, liefert jedoch keinen eindeutigen Grund für den Anlass dieses Gemäldes.
Im gleichnamigen Roman von Tracy Chevalier und der folgenden Verfilmung heißt es, dass Vermeer sein Dienstmädchen gemalt und damit eine romantische Verbindung zwischen den beiden entfacht habe. Diese These wird durch den Umstand gestützt, dass mehrere seiner Gemälde den Alltag von Dienstmädchen zeigten und das Gemälde kurz nach seiner Fertigstellung in den Besitz des Antagonisten des Romans, Vermeers häufigstem Mäzen Pieter van Ruijven, überging.
Chevaliers Erzählung liefert nicht nur eine Erklärung für den bemerkenswert intimen Ausdruck des Mädchens auf dem Gemälde, sondern auch einen fesselnden Dialog zwischen dem Künstler und seiner Muse, der Einblicke in das Genie hinter seinem Schaffensprozess gewährt. Was ihr Konzept jedoch außer Acht lässt, ist die weniger romantische Option, dass es sich bei dem Mädchen auch um die Tochter von Pieter van Ruijvens handeln könnte.
Neue Forschungen deuten darauf hin, dass die meisten der erhaltenen Gemälde Vermeers nicht in erster Linie von Pieter van Ruijven, sondern von dessen Frau Maria de Knuijt in Auftrag gegeben wurden. Beide waren Anhänger der Remonstrantischen Kirche. Die bemerkenswerte Verehrung des Paares für Maria Magdalena spiegelt sich auch im Namen ihrer Tochter wider: Magdalena. Im Jahr 1665 überließ de Knuijt dem Maler eine Summe von 500 Gulden (heute 30.000–38.000 Euro). Zum Zeitpunkt der Entstehung des Gemäldes dürfte das Mädchen alt genug gewesen sein, um konfirmiert zu werden.
„Straße in Delft“, um 1658, von Johannes Vermeer. Öl auf Leinwand, 54,3 × 43,5 cm. Rijksmuseum, Amsterdam.
Nach der Theorie des britischen Kunsthistorikers Andrew Graham-Dixon verkörpert das Mädchen in Vermeers berühmtem Gemälde Maria Magdalena im Moment der Auferstehung, als sie sich vom leeren Grab abwendet und den auferstandenen Jesus erkennt, der sie fragt: „Frau, warum weinst du?“ Sollte diese stimmen, so läge darin eine dramatische Rückkehr von Vermeers häufigeren Genrebildern hin zu einem sakralen Motiv.
Kuratoren und Historiker haben zu dieser Theorie noch keinen Konsens gefunden. Unbestritten ist jedoch, dass vor dem Verschwinden des Gemäldes nach der Auktion von 1696 sein letzter bekannter Besitzer Jacob Abrahamsz Dissius, der Ehemann von Magdalena van Ruijven, war.
Da Vermeer keine Tagebücher, Skizzen oder Widmungen hinterließ, wird die Identität des Mädchens möglicherweise für immer ein Rätsel bleiben. Aus erhaltenen Aufzeichnungen von 1696 geht jedoch auch hervor, dass noch immer bis zu neun vollendete Vermeer-Gemälde verschollen sind. Möglicherweise ergeben sich aus ihnen weitere Beweise, die belegen, ob es sich bei der Muse und der Besitzerin des Gemäldes einst um ein und dasselbe Mädchen handelte.
Der Name Trump muss wieder verschwinden (Archivbild). - Foto: Jacquelyn Martin/AP/dpa
Im Konflikt um das Kennedy Center in Washington hat ein Gericht die Umbenennung der Kulturinstitution in „Trump Kennedy Center“ vorläufig gestoppt und die Entfernung von Donald Trumps Namen von der Fassade angeordnet. Nach Auffassung des Gerichts ist der US-Kongress für die Benennung der Einrichtung zuständig, da dieser auch den ursprünglichen Namen festgelegt hatte.
Kennedy Center steht damit erneut im Zentrum einer politischen und juristischen Auseinandersetzung um Einfluss und Zuständigkeiten bei einer der wichtigsten Kulturinstitutionen der USA.
Die Kultureinrichtung soll für einen Umbau rund zwei Jahre lang geschlossen bleiben. (Archivbild)
Foto: Andrej Sokolow/dpa
Schließungspläne vorerst ausgesetzt
Auch die geplante vorübergehende Schließung des Hauses für umfangreiche Renovierungsarbeiten wurde gestoppt. Das Gericht begründete dies damit, dass keine ausreichende und ergebnisoffene Prüfung der Entscheidung vorgelegen habe.
Die laufenden Instandsetzungsarbeiten dürfen jedoch weitergeführt werden. Eine Schließung bleibt grundsätzlich möglich, sofern sie rechtlich korrekt begründet und beschlossen wird.
Präsident Trump reagierte deutlich auf die Entscheidung und kritisierte die Justiz in einem Beitrag in sozialen Medien. Er erklärte, er sei im Vergleich zu früheren Präsidenten besonders ungerecht behandelt worden.
Gleichzeitig kündigte er an, sich nicht weiter aktiv an der geplanten Renovierung des Kennedy Centers zu beteiligen und die Verantwortung vollständig an den Kongress abzugeben. Ob er seine Funktion im Leitungsgremium der Einrichtung weiter wahrnimmt, blieb zunächst offen.
US-Präsident Donald Trump im Wießen Haus.
Foto: Matt Rourke/AP/dpa
Politische Vorgeschichte der Umbauten
Die aktuellen Entwicklungen stehen im Zusammenhang mit einer umfassenden Neuausrichtung der Institution nach Trumps Amtsantritt 2025. Dabei wurden Teile der Leitung neu besetzt und die kulturpolitische Ausrichtung verändert.
Eine zentrale Rolle spielte dabei auch Richard Grenell, der zeitweise mit der organisatorischen Umgestaltung betraut war.
Im Dezember wurde das Kennedy Center zwischenzeitlich in „Trump Kennedy Center“ umbenannt, was in der Kulturszene auf deutlichen Widerstand stieß und zu einzelnen Absagen von Veranstaltungen führte.
Das Kennedy Center ist eines der zentralen Kulturhäuser der Vereinigten Staaten und präsentiert regelmäßig Aufführungen aus Theater, Tanz und Musik. Benannt ist es nach dem früheren US-Präsidenten John F. Kennedy.
In Washington wird der Streit unterschiedlich bewertet. Befürworter der Umbauten verweisen auf Modernisierung und strukturelle Erneuerung. Kritiker sehen dagegen eine starke politische Einflussnahme auf eine kulturell unabhängige Institution und verweisen auf eine zunehmende Personalisierung staatlicher Projekte.
Die Entscheidung des Gerichts könnte weitere politische und juristische Schritte nach sich ziehen. Auch eine erneute Befassung des Parlaments mit der Namensfrage gilt als möglich. (dpa/red)
Der Menschheit werden heute elementare Fähigkeiten wie die Schaffung von Kunst und der Bau von Siedlungen zugeschrieben.
Archäologische Funde wie die Flöten aus der Schwäbischen Alb zeigen, dass sich diese Fähigkeiten bereits vor zehntausenden Jahren entwickelten.
Während diese allgemein anerkannt sind, treten immer mehr Artefakte zutage, die weit älter und mitunter umstritten sind.
Die Arbeit von Archäologen ist eine Mammutaufgabe: Sie müssen anhand äußerst begrenzter Informationen herausfinden, wo und wie unsere Vorfahren einst gelebt haben. Historiker haben es da etwas leichter: Um ein genaues Verständnis jahrhunderte- oder jahrtausendealter Zivilisationen zu erlangen, konsultieren sie umfangreich die hinterbliebenen antiken Schriftquellen.
Archäologen hingegen versuchen, noch weiter zurückliegende Epochen zu verstehen – vor Zehntausenden, Hunderttausenden oder sogar Millionen von Jahren. Gleichzeitig verfügen sie über deutlich weniger Material, auf das sie ihre Schlussfolgerungen stützen können. Ihre Aufgabe gleicht dem Zusammensetzen eines großen Puzzles mit nur einer Handvoll Teilen oder dem Verstehen der Handlung eines Romans, von dem nur wenige Seiten erhalten geblieben sind.
Obwohl die Archäologie auf greifbaren Beweisen aus wissenschaftlichen Untersuchungen gefundener Artefakte basiert, beinhaltet sie zwangsläufig auch einiges an Spekulation, Vermutung und Vorstellungskraft. Wenn neue Erkenntnisse zu früheren Entdeckungen auftauchen, können dadurch bisherige Theorien untermauert, verfeinert oder revidiert werden.
Technologische Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten haben zusätzlich große Veränderungen in der Archäologie bewirkt. Moderne Entwicklungen wie die Radartechnologie haben es den Archäologen ermöglicht, neue Spuren an zuvor unzugänglichen Orten ausfindig zu machen. Verbesserungen bei der Altersbestimmung von Funden – etwa der Radiokarbondatierung – liefern zudem ein immer klareres Bild der Vergangenheit.
Von alten Höhlenmalereien und kreativen Artefakten bis hin zu lange verschütteten antiken Bauwerken bieten viele moderne Entdeckungen spannende Einblicke in das große Rätsel der Menschheit.
Die älteste bekannte Höhlenkunst
Im Januar 2026 ließen Archäologen um Adhi Agus Oktaviana von der australischen Griffith University die Entdeckung der weltweit ältesten Höhlenmalerei verlauten. Die auf Sulawesi, Indonesien, entdeckte Kunst aus Menschenhand sei mindestens 67.800 Jahre alt, wie eine Urandatierung ergab.
Beispiel der Höhlenmalerei von Sulawesi, Indonesien.
Die Malereien, zu denen eine Vielzahl von Handabdrücken, Tieren und die älteste bekannte Darstellung eines Menschen gehören, entstanden zudem über mindestens 45.000 Jahre hinweg. Dies zeigt, dass die frühen Menschen über einen unglaublich langen Zeitraum das Gebiet regelmäßig aufsuchten.
Weiterhin nehmen die Archäologen an, dass die frühen Menschen vor 68.000 Jahren mittels Booten in die Inselwelt einwanderten, was für frühe Fähigkeiten und Kenntnisse im Bootsbau und der Navigation spricht.
Letztlich führte die Entdeckung der indonesischen Höhlenmalereien zur Umschreibung der Menschheitsgeschichte. Zuvor galt die umstrittene Malerei aus den spanischen Maltravieso-Höhlen mit 64.000 Jahren als älteste Kunst der Welt. Die schwarzen und roten Zeichnungen zeigen ähnlich wie in Sulawesi Tiere und Handabdrücke, aber auch Punkte und Muster.²
Wenn wir von Höhlenkunst sprechen, gehören die Malereien aus der Chauvet-Höhle zu den beeindruckendsten Beispielen. Diese 1994 in Frankreich entdeckten Zeichnungen sind 36.000 Jahre alt und zeugen von einem hohen Maß an künstlerischer Raffinesse. So zeigen sie detailliert und maßstabsgetreu mindestens 14 verschiedene Tierarten wie Bären, Höhlenlöwen, Mammuts und Wollnashörner und sind ein Beweis dafür, wie früh sich menschliche Kreativität und Kunstfertigkeit entwickelten.
Höhlenmalerei aus der Chauvet-Höhle in Frankreich.
Foto: Jeff Pachoud/AFP via Getty Images
Musische Fähigkeiten
Doch unsere alten Vorfahren drückten sich nicht nur durch das Zeichnen künstlerisch aus. In den vergangenen Jahrzehnten wurden zahlreiche Musikinstrumente entdeckt, vor allem Flöten aus Tierknochen, von denen einige mehrere Zehntausend Jahre alt sind.
Als derzeit ältestes Musikinstrument gilt eine Flöte aus dem Oberschenkelknochen eines Bären, die 1995 in einer Höhle bei Cerkno in Slowenien entdeckt wurde. Archäologen schätzen ihr Alter auf 50.000 bis 60.000 Jahre. Dabei ist jedoch fraglich, ob frühe Menschen die Löcher bewusst in den Knochen bohrten oder ob Raubtiere an dem Knochen nagten.³
Die unvollständig erhaltene Flöte aus Bärenknochen ist etwa 13 Zentimeter lang.
Sollte die slowenische Flöte aus Bärenknochen nicht von Menschenhand gemacht sein, muss dennoch nicht am musischen Wissen der frühen Menschen gezweifelt werden. Die zweitälteste Flöte aus einem Schwanenknochen ist 35.000 bis 40.000 Jahre alt und stammt aus Geißenklösterle in Baden-Württemberg, Deutschland. Hier und aus zwei benachbarten Fundstellen stammen fünf weitere Flöten, die eine zufällige Entstehung der Instrumente durch Wildtiere unwahrscheinlich erscheinen lassen.
Replikat einer der Flöten aus Geißenklösterle in der Schwäbischen Alb.
Heute gilt es aufgrund zahlreicher Funde als allgemein anerkannt, dass die Menschheit ihre Kreativität und künstlerische Ausdruckskraft im Laufe von zehntausenden Jahren entwickelte. Doch ebenso gibt es vermehrt Belege, die darauf hindeuten, dass sie sogar noch älter sein könnten.
Konkret wurden 1891 auf Java, Indonesien, Muschelschalen gefunden, in die die frühen Menschen geometrische Muster in Form von Zickzack-Linien geritzt haben sollen. Statt der bereiten Öffentlichkeit gezeigt zu werden, landeten die Funde für über 100 Jahre in einer Museumsschublade.
Erst in den 2010er-Jahren wurden die Muschelschalen wieder Gegenstand der Forschung. Die Archäologin Josephine Joordens von der niederländischen Universität Leiden und ihre Kollegen führten wissenschaftliche Untersuchungen durch und kamen zu dem Schluss, dass „die Herstellung geometrischer Muster im Allgemeinen als Hinweis auf Kognition und modernes Verhalten interpretiert werden muss“. Diese Fähigkeiten sollen die frühen Menschen laut Altersbestimmung bereits vor rund 500.000 Jahren gehabt haben.⁴
Im Jahr 2019 entdeckten Archäologen an den Kalambo-Wasserfällen im südafrikanischen Sambia die älteste künstliche Holzkonstruktion der Welt. Da die ineinandergreifenden Baumstämme vor etwa 475.000 Jahren durch absichtlich geschnittene Kerben miteinander verbunden waren, gehen die Forscher von einer frühen Ingenieursleistung aus.⁵ Welchem Zweck die Konstruktion diente, ist nicht eindeutig geklärt. Die Vermutungen gehen von erhöhten Plattformen zum Arbeiten bis zu Wegen und Fundamenten für Wohnstätten.
Aufnahmen von der Entdeckung der bearbeiteten Baumstämme nahe der Kalambo-Wasserfälle.
Umstrittener ist hingegen die Entdeckung des Nationalen Instituts für Meerestechnologie in Indien. So fanden die Forscher geometrische Strukturen auf dem Meeresboden im Golf von Khambhat, die sie als prähistorische Stadt bezeichnen. Zu den dort geborgenen Artefakten gehören Töpferwaren, Perlen, Statuen, Mauerreste und menschliche Knochen. Mit etwa 9.500 Jahren wäre diese Fundstelle älter als die anerkannten Siedlungen in Mesopotamien und Afrika.⁶
Einige Wissenschaftler zweifeln an dieser Theorie und äußern die Bedenken, dass die datierten Artefakte auch durch Meeresströmungen an diesen Ort gespült worden und die geometrische Form der Stätte natürlich entstanden sein könnten. Ähnliche Funde und Kritik gibt es für versunkene Strukturen vor den Küsten Kubas und Japans.
Nahe der japanischen Insel Yonaguni im Ostchinesischen Meer liegt ein umstrittenes Monument aus Stein. Während einige Forscher eine natürliche Gesteinsformation sehen, deuten andere die Stätte als Unterwasserpyramiden.
Zwar liefert jede neue Entdeckung ein weiteres Stück für das komplexe Puzzle der Menschheit, doch verfügen wir noch immer über zu wenige Teile, um das Gesamtbild klar zu erkennen. Dennoch wissen wir heute bereits viel mehr und können uns vorstellen, wie unsere Vorfahren Malereien schufen, Musik spielten oder Holzkonstruktionen bauten.
Da moderne Technologie stetig den Umfang unserer Entdeckungen und die Genauigkeit unserer Analysen erweitert, werden Archäologen zukünftig vielleicht noch erstaunlichere Hinweise entdecken, die zusätzliche Einblicke in die uralten Geheimnisse der Menschheit gewähren.
Das 1870 gegründete Metropolitan Museum in Manhattan zeigt Kunst von der Antike bis zur Moderne und zählt jährlich rund sechs Millionen Besucher. (Archivbild) - Foto: diegograndi / iStock
Das renommierte New Yorker Metropolitan Museum und die für ihre Sammlung deutscher und österreichischer Kunst berühmte Neue Galerie fusionieren.
Ab 2028 werde die Neue Galerie als eine Art Außenstelle des schräg gegenüberliegenden Metropolitan Museums betrieben, sagte Museumsdirektor Max Hollein der Deutschen Presse-Agentur.
Die 2001 vom Kosmetikunternehmer und Kunstsammler Ronald Lauder gegründete Neue Galerie werde dann offiziell „The Met Ronald S. Lauder Neue Galerie“ heißen.
„Für die Kunstwelt bedeutet es, dass eine der wirklich besonders geliebten und besonderen kulturellen Institutionen in New York – die Neue Galerie, die Ronald Lauder aufgebaut hat – nicht nur erhalten wird, sondern dass das weiterlebt als genau das Museum, als die Idee, wie es geboren wurde“, sagte Hollein.
Der 56 Jahre alte Österreicher ist seit 2018 Direktor des Metropolitan Museums.
Metropolitan Museum bekommt „Ikonen der Kunstgeschichte“
Zudem bekomme das Metropolitan Museum damit eine Sammlung von „Ikonen der Kunstgeschichte“, sagte Hollein weiter – mit Werken von Künstlern wie Egon Schiele, Gabriele Münter, Oskar Kokoschka, Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Wassily Kandinsky, Franz Marc und Paul Klee.
Damit werde „in einer unglaublich eindrucksvollen Form eine gewisse Lücke auch in der Sammlung des Metropolitan Museums“ geschlossen.
Das 1870 gegründete Metropolitan Museum am Central Park in Manhattan hat eine umfassende Sammlung aus aller Welt von der Antike bis in die Moderne, rund sechs Millionen Besucher pro Jahr und gehört zu den berühmtesten und renommiertesten Museen der Welt.
Mit den Cloisters im Norden Manhattans hat es bereits eine Außenstelle, wo hauptsächlich mittelalterliche Kunst gezeigt wird. Eine weitere Außenstelle für moderne und zeitgenössische Kunst – das unweit des Hauptgebäudes gelegene sogenannte „MetBreuer“ – wurde 2020 nach wenigen Jahren wieder aufgegeben.
„Goldene Adele“ ist Star der Neuen Galerie
Star der Neuen Galerie ist das Gemälde „Adele Bloch-Bauer I“ des österreichischen Jugendstilkünstlers Gustav Klimt (1862-1918), das Lauder 2006 zum damaligen Rekordpreis von 135 Millionen Dollar ersteigerte.
„Star der Neuen Galerie: Klimts ‚Adele Bloch-Bauer I‘, 2006 von Lauder für 135 Mio. Dollar erworben.“ (Archivbild).
Foto: DIETER NAGL/AFP / Getty Images
Die „Goldene Adele“ wurde zum Zuschauer-Magnet, zeitweise standen hunderte Menschen Schlange und bezahlten bis zu 50 Dollar, um das Werk aus der Nähe zu sehen.
Der Zusammenschluss mit dem Metropolitan Museum werde das Vermächtnis seiner Neuen Galerie nun „für die Ewigkeit erhalten und stärken“, sagte der 82 Jahre alte Lauder, der unter anderem auch Präsident des Jüdischen Weltkongresses ist.
Neben dem Gebäude – einem Jahrhundertwendebau an der noblen Fifth Avenue – und der aktuellen Sammlung wollen Lauder und sein Tochter Aerin dem Metropolitan Museum auch noch 13 Werke aus ihrer Privatsammlung schenken, darunter berühmte Gemälde von Klimt, Kirchner und Beckmann.
Für den laufenden Betrieb der „Met Ronald S. Lauder Neuen Galerie“ werde zudem ein Vermögensstock aufgesetzt, der bereits zu einem großen Teil finanziert sei, sagte Hollein.
Als Wiener sei er „etwas vorbelastet für die Begeisterung für diese Kunst“, sagte Hollein. Es fasziniere ihn aber jetzt schon, welche Möglichkeiten für Ausstellungen sich aus dem Zusammenschluss der Sammlungen des Metropolitan Museums und der Neuen Galerie ergeben. „Ich glaube, dadurch entstehen natürlich ganz neue Perspektiven, Blickfelder und natürlich auch Kontext.“ (dpa/red)
2022 und 2024 wurde der Pavillon von Russland nicht genutzt. Nun wird er wieder genutzt - wenn auch unter besonderen Bedingungen. - Foto: Felix Hörhager/dpa
Nach Tagen voller Kontroversen und Proteste um die Teilnahme Russlands und Israels ist die 61. Kunstbiennale in Venedig ohne Zeremoniell gestartet. Anders als üblich öffnete eine der wichtigsten internationalen Kunstveranstaltungen um 11 Uhr ihre Tore für ein breites Publikum ohne Eröffnungsfeier. Da die Jury im Streit zurückgetreten ist, wird es Preise erst zum Abschluss im November geben, dann vergeben durch das Publikum.
Kulturminister: Putin hat gewonnen
„Bei der Biennale hat Putin gewonnen“, stellte Italiens Kulturminister Alessandro Giuli in der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ bitter fest. Das sehen nicht alle so: Italiens rechter Vize-Regierungschef Matteo Salvini besuchte bei einem Besuch in Venedig am Vorabend des Biennale-Starts den russischen Pavillon, stellte sich an die Seite von Biennale-Leiter Pietrangelo Buttafuoco und warnte vor Zensur.
Buttafuoco äußert sich ähnlich, beklagt Intoleranz und Zensurvorwürfe. Die Biennale sei kein Gericht. „Dies ist ein Garten des Friedens, ein Ort, an dem ausgestellt wird, ein Ort, an dem diskutiert wird, ein Ort, wo man sich zuhört“, sagte er.
Russischer Pavillon bleibt geschlossen
Russland, das am Samstag den Tag des Sieges im Zweiten Weltkrieg feierte, sieht die erste Teilnahme seit Beginn seiner Invasion in der Ukraine als Ende seiner kulturellen Isolation im Westen. Rund 50 vom russischen Staat handverlesene Künstler, darunter Musiker, Dichter und Philosophen, arbeiteten an dem Musik- und Performanceprojekt „Der Baum ist im Himmel verwurzelt“.
Zwar bleibt der Pavillon, der Eigentum des russischen Staates ist, für ein breites Publikum geschlossen. Besucher sehen aber draußen die Installation auf einem großen Bildschirm. Das sei von Anfang an so geplant gewesen, sagt die umstrittene Kuratorin Anastassija Karnejewa, Tochter eines beim Staatskonzern Rostec tätigen Rüstungsmanagers im Rang eines Geheimdienstgenerals.
Ukraine protestiert gegen Russlands Rückkehr
Kritiker verurteilen die russische Kulturoffensive als Teil von Moskaus „hybrider Kriegsführung“. Während Russland töte, öffne die Biennale ihre Türen für Funktionäre und Propagandisten von Kremlchef Wladimir Putin, sagt Nadja Tolokonnikowa, Frontfrau der in Russland verbotenen Punkband Pussy Riot. Auch am Tag der Eröffnung gab es Protest gegen Russlands Teilnahme. Auf einem Video der Nachrichtenagentur ANSA aus Venedig skandierten Aktivisten mit ukrainischen und Europa-Flaggen „russische Mörder“.
Die Ukraine protestierte gegen Russlands Rückkehr zur Biennale, auch weil im Zuge des Moskauer Krieges nach offiziellen Angaben Kiews mittlerweile Tausende Kulturdenkmäler und andere kulturelle Einrichtungen zerstört oder beschädigt wurden. Das von Russlands Krieg geschundene Land bringt das Projekt „Sicherheitsgarantien“ nach Venedig. Dazu bildet die ukrainische Künstlerin Schanna Kadyrowa ihre Skulptur „Origami-Hirsch“ aus Papier nach – das Kunstwerk wurde 2024 in den Kriegswirren aus der Stadt Pokrowsk im Gebiet Donezk in Sicherheit gebracht.
Demonstration gegen Teilnahme Israels
Und Israel? Immerhin wollte die Jury das Land gemeinsam mit Russland von der Preisvergabe ausschließen, bevor sie geschlossen zurücktrat. Über diesen Rücktritt habe er sich gefreut, sagte der rumänisch-israelische Bildhauer Belu-Simion Fainaru der Zeitung „Welt“. Doch in Venedig sei er „völlig isoliert“, berichtete der Gestalter des israelischen Pavillons. „Mit keinem einzigen Künstler und Kurator auf der Biennale gibt es Interaktion.“
Demonstranten ruft die Teilnahme Israels dennoch auf den Plan: Am Freitagabend gingen in Venedig etwa 2.000 Menschen auf die Straße. Die Polizei drängte sie mit Schildern und Schlagstöcken zurück. 20 nationale Pavillons waren am Freitag nach Berichten italienischer Medien geschlossen geblieben, weil Personal gegen Israels Teilnahme streikte. Die Biennale war bereits vor der offiziellen Eröffnung einige Tage für Journalisten und ein Fachpublikum zugänglich.
Todesfälle überschatten Biennale
Doch nicht nur politische Kontroversen, auch Todesfälle überschatten die Biennale. Vergangenes Jahr starb die Kuratorin der Ausstellung, Koyo Kouoh, mit 57 Jahren an Krebs. Im Februar erlag die Installationskünstlerin Henrike Naumann, die Deutschland vertreten sollte, mit erst 41 Jahren ebenfalls einem Krebsleiden. Der deutsche Pavillon wurde trotzdem nach den Ideen Naumanns und der Deutsch-Vietnamesin Sung Tieu gestaltet.
Erstmals habe man mit den beiden Künstlerinnen ostdeutsche und ostdeutsch-migrantische Stimmen in dieser Tiefe und Vehemenz im Pavillon, erklärte Kuratorin Kathleen Reinhardt. Tieu überdecke das Gebäude von 1938 – „die faschistische Architektur, an der sich ja schon sehr viele abgearbeitet haben“ – mit dem Bild eines Berliner Plattenbaus, in dem sie als Kind in den 1990ern lebte. Sie nutzt dafür mehr als drei Millionen Mosaiksteine. (dpa/red)
Der Zug rollte gerade in den Berliner Hauptbahnhof ein, als das Handy von Chan Wai Man* vibrierte. Nummer: unbekannt. Er nahm ab. Eine weibliche Stimme meldete sich am anderen Ende der Leitung – erst auf Englisch, dann auf Chinesisch, gleichmäßig, maschinenartig, als kämen die Worte von einem Tonband: „Es liegt ein wichtiges Dokument in der chinesischen Botschaft in Berlin für Sie bereit. Kommen Sie es abholen.“
Chan verstand sofort, dass dies keine freundliche Einladung war. Es war vielmehr eine Erinnerung: Man weiß, wo er sich aufhält. Chan informierte umgehend die Polizei.
„Ich bin auf der schwarzen Liste der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh)“, erklärte der chinesische Dissident in einem Gespräch mit Epoch Times. Seit über 20 Jahren lebt Chan in Deutschland unter ständiger Bedrohung durch die KPCh. Gegen ihn soll ein Kopfgeld ausgesetzt worden sein.
Was Chan erlebt, ist kein Einzelfall.
Transnationale Repression folgt einem System
Eine Analyse der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung des in Deutschland lebenden oppositionellen Aktivisten Ray Wong Toi-yeung aus Hongkong zeigt: Chinas transnationale Repression in Deutschland folgt einem strategischen System. Hinter den Übergriffen steht ein komplexes Zusammenspiel staatlicher und nicht staatlicher Akteure. Chinesische Dissidenten würden demnach innerhalb Deutschlands systematisch eingeschüchtert, bestraft und zum Schweigen gebracht.
Die Organisation Freedom House mit Sitz in Washington, D.C. dokumentiert hierzu eine Bandbreite an illegalen Praktiken: von Morddrohungen über Entführungen bis hin zu illegalen Rückführungen.
Darüber hinaus nutzt die KPCh ihren wirtschaftlichen und politischen Einfluss, um Regierungen dazu zu bewegen, Zielpersonen festzunehmen, Aufenthaltsrechte zu entziehen oder Auslieferungen zu ermöglichen.
Häufig werden auch Angehörige in China unter Druck gesetzt. Hinzu kommen physische Gewalt und Einschüchterungen durch verdeckte Akteure im Ausland.
Eine Frage des Machterhalts
Doch warum betreibt die KPCh diesen Aufwand, um Kritiker im Ausland zu verfolgen?
Der Hongkong-Aktivist Wong sieht darin vor allem ein Ziel: den Machterhalt. Die transnationale Repression diene dem chinesischen Regime, die Kontrolle über den politischen Diskurs zu sichern – weltweit.
„Die KP Chinas sieht abweichende Meinungen, egal ob sie in China oder im Ausland geäußert werden, als einen direkten Angriff auf ihre Legitimität und politischen Ambitionen an“, schreibt Wong.
Solche „abweichenden Meinungen“ können auch den persönlichen Glauben betreffen, wie im Fall von Chan. Der Hongkonger praktiziert Falun Gong, auch Falun Dafa genannt – eine traditionelle, buddhistisch geprägte spirituelle Disziplin.
In den 1990er-Jahren war Falun Gong in China sehr beliebt. Schätzungen zufolge praktizierten es bis zu 100 Millionen Menschen. Der damalige Parteichef Jiang Zemin sah in der Popularität der spirituellen Bewegung eine Bedrohung für seine Autorität und ordnete 1999 ihre Ausrottung an. Diese bis heute andauernde Verfolgung schließt Verhaftungen, Folter bis hin zu Tötungen ein.
Chan engagiert sich in Europa seither gegen diese anhaltende Verfolgung in China. „Die KPCh glaubt, wenn sie mich beseitigt, könnte sie Falun Gong ein Stück weit beseitigen“, erklärte er. Dies sei ein „großer Irrtum“. Die KPCh habe nicht verstanden, was Falun Gong eigentlich ist.
Menschen, die Falun Gong praktizieren, beschreiben die Disziplin als einen Weg der Selbstkultivierung. Dieser basiert auf meditativen Übungen sowie auf den Grundsätzen Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht. Ziel sei es, sich diesen universellen Werten im eigenen Leben anzunähern – für viele ein persönlicher Glaubensweg.
Deutsche Theater im Visier
Die Repression der KPCh im Ausland trifft längst nicht mehr nur einzelne Dissidenten. Auch kulturelle Veranstaltungen in Deutschland geraten ins Visier, wie mehrere Vorfälle zeigen. Dahinter steht der Versuch, Einfluss darauf zu nehmen, was Menschen in Deutschland sehen können und was nicht.
Seit 2025 berichten mehrere Theater in Deutschland von Drohbotschaften im Zusammenhang mit Gastspielen von Shen Yun Performing Arts. Das New Yorker Tanzensemble wurde 2006 von Falun-Gong-Praktizierenden gegründet.
Die Künstler bringen mit Tanz und Musik die traditionelle chinesische Kultur auf die Bühne – ein „China vor dem Kommunismus“. Gleichzeitig machen die Aufführungen auf die Verfolgung von Falun Gong aufmerksam.
Vor den geplanten Aufführungen Anfang 2026 erhielten deutsche Theater E-Mails mit offenen Drohungen. In einer davon hieß es auf Deutsch:
„Das Bundeskanzleramt und der Konzertsaal an der Spree im Bezirk Mitte wurden mit Sprengstoff und improvisierten Zündern präpariert. Um eine Explosion zu verhindern, stellen Sie bitte umgehend die Aufführungen von Shen Yun ein und kündigen Sie sämtliche Verträge und Kooperationen mit Shen Yun Performing Arts.“
In einer Drohmail wird das Bundeskanzleramt als angeblicher Anschlagsort genannt, um die Absage von Shen-Yun-Aufführungen zu erzwingen. Bildschirmfoto.
Foto: Deutscher Falun Dafa Verein
In einer weiteren Nachricht auf Englisch wurden auch Mitarbeiter des Theaters bedroht:
„Sollten die Shen-Yun-Aufführungen stattfinden, wären die Mitarbeiter des Theaters, einschließlich ihrer Familien, in Gefahr; sie könnten entführt oder in Autounfälle verwickelt werden! Natürlich würden Frauen mit Sicherheit vergewaltigt und ermordet werden! Bitte überlegen Sie sich das gut.“
Auch die Theatermitarbeiter und ihre Familien wurden bedroht. Bildschirmfoto.
Foto: Deutscher Falun Dafa Verein
Auch im vergangenen Jahr kam es in Deutschland zu vergleichbaren Drohungen gegen Theater:
„Ich schwöre auf Jesus! Eine große Menge Sprengstoff wurde im Theater deponiert. Wenn Shen Yun Art Troupe auftritt, werden die Bomben explodieren!“
Mehrere Theatermitarbeiter erhielten 2025 Drohmails in schwedischer Sprache. Bildschirmfoto.
Foto: Deutscher Falun Dafa Verein
In allen bislang untersuchten Fällen kam die deutsche Polizei zu dem Ergebnis, dass sich die Drohungen nicht als konkrete Gefährdung bestätigten.
Welttournee im Schatten anhaltender Bedrohungen
Nach Angaben des Falun Dafa Information Center war Shen Yun seit 2006 weltweit von fast 350 Vorfällen betroffen – teilweise täglich.
Dies umfasst unter anderem Drohungen mit angeblichen Massenschießereien, Vergewaltigungen von Tänzerinnen, Brandstiftung sowie Gewaltdrohungen gegen Kinder der Künstler.
Die Bundesregierung räumte in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage Anfang des Monats ein, dass die Bedrohung Deutschlands durch Aktivitäten chinesischer Nachrichtendienste in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen habe.
Wie konkret diese Bedrohung ist, zeigt ein jüngster Fall: Jian G., ein deutscher Staatsbürger mit chinesischer Herkunft, wurde Ende September 2025 zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Das Dresdner Gericht sah es als erwiesen an, dass er für einen chinesischen Geheimdienst gearbeitet und gezielt Oppositionelle in Deutschland ausgespäht hatte.
Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung kürzlich eine Gesetzesverschärfung auf den Weg gebracht. Wer im Auftrag einer fremden Macht eine „vorsätzliche rechtswidrige Tat“ begeht, muss seit Anfang April mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe rechnen.
Darüber hinaus soll auch die Erfassung und Auswertung entsprechender Vorfälle verbessert werden. Dazu zählen Anpassungen im polizeilichen Meldesystem sowie der Ausbau systematischer Lagebilder, um das bislang lückenhafte Gesamtbild zu transnationaler Repression schrittweise zu vervollständigen.
Für Chan bleibt das Thema Sicherheit derweil Teil seines Alltags, weshalb er zusätzliche Schutzmaßnahmen treffen muss. Gleichzeitig erinnert er sich an einen Satz seiner Großmutter: „Wenn man nichts Böses tut, braucht man keine Angst zu haben, auch wenn jemand nachts an die Tür klopft.“
*Anm. d. Red.: Da die Kommunistische Partei Chinas Falun-Gong-Praktizierende bis heute auch außerhalb Chinas verfolgt, wurde der Name der betroffenen Person zum Schutz anonymisiert.