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Muskelverlust ab 40: Warum die Standard-Protein-Empfehlung für Sie unzureichend sein kann

Proteine boomen, doch mit dem Trend wächst die Verwirrung. Protein-Shake direkt nach dem Training? Maximal 30 Gramm Proteine pro Mahlzeit? Hüttenkäse vor dem Schlafen? Bei all den Regeln und Mythen verliert man schnell den Überblick. Die gute Nachricht: Es ist deutlich einfacher, als man denkt.

Der 30-Gramm-Mythos

Sie haben es wahrscheinlich schon einmal gehört: Der Körper kann pro Mahlzeit nur etwa 30 Gramm Protein aufnehmen, alles darüber hinaus sei verschwendet. Das stimmt nicht. Forschungsergebnisse zeigen, dass es keine festgelegte Menge an Protein gibt, die der Körper in einer einzigen Mahlzeit verwerten kann.
Diese Vorstellung stammt aus früheren, aber mittlerweile relativierten Untersuchungen, die zeigten, dass der Verzehr von mehr als 25 bis 30 Gramm hochwertigem Protein in einer Mahlzeit im Vergleich zu einer geringeren Menge keinen nennenswerten zusätzlichen Muskelaufbau bewirke.
So ergab eine Studie aus dem Jahr 2023 in „Cell Reports Medicine“, dass Mahlzeiten mit bis zu 100 Gramm Protein den Muskelaufbau über Stunden hinweg aufrechterhielten.

Worauf es tatsächlich ankommt

Die Menge an Protein, die man täglich zu sich nimmt, ist wichtiger als der Zeitpunkt der Einnahme. Als allgemeine Richtlinie gelten etwa mindestens 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, wobei Menschen, die regelmäßig Sport treiben, mehr benötigen. Durch körperliche Bewegung und Training kann der Tagesbedarf je nach Intensität auf 1,4 bis 2,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht steigen. Bei einem Körpergewicht von 75 Kilogramm wären dies beispielsweise 105 bis 150 Gramm pro Tag.
„Ich denke, die Bedeutung des Zeitpunkts wird weitgehend überbewertet“, sagte James McKendry, Ernährungsforscher an der University of British Columbia mit dem Schwerpunkt Altersphysiologie und Muskelproteinstoffwechsel, gegenüber Epoch Times und merkte an, dass für die meisten Menschen, die Muskeln aufbauen wollen, die tägliche Gesamtzufuhr in Kombination mit Krafttraining tatsächlich ausschlaggebend für die Ergebnisse ist.
Allerdings kann die Verteilung der Proteinzufuhr über den Tag hinweg einen leichten Schub für die Muskelproteinsynthese bieten, sobald die tägliche Gesamtmenge bereits im Zielbereich liegt.
Eine 2013 im „Journal of Physiology“ veröffentlichte Studie ergab, dass Menschen, die alle drei Stunden 20 Gramm zu sich genommen hatten, mehr Muskeln aufbauten als diejenigen, die die gleiche Gesamtmenge in wenigen größeren oder sehr kleinen, häufigen Dosen konsumierten.
„Es ist viel einfacher, mehrmals täglich 20 Gramm Protein zu sich zu nehmen als 60 Gramm in einer Mahlzeit“, erklärte Markelle Strzalkowski, eine staatlich geprüfte Ernährungsberaterin, gegenüber der Epoch Times. Sie empfiehlt, den Tag mit einem proteinreichen Frühstück zu beginnen, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren, das Sättigungsgefühl zu steigern und das Erreichen des täglichen Proteinziels zu erleichtern.

Pragmatismus schlägt Perfektion

Jake Cox, ein Forscher im Bereich des Skelettmuskelstoffwechsels an der Universität Nottingham, erklärte gegenüber der Epoch Times, dass die Feinabstimmung vor allem für Menschen wichtig ist, die bereits viel Protein zu sich nehmen – Bodybuilder und Sportler, die die letzten 1 oder 2 Prozent an Zuwächsen anstreben. Für die meisten Menschen ist die Verteilung des Proteins über die Mahlzeiten hinweg eigentlich nur ein praktischer Weg, um ihren Bedarf zu erreichen.
Selbst Menschen mit sitzender Lebensweise profitieren von einer relativ gleichmäßigen Verteilung der Proteinzufuhr über den Tag, um den Erhalt der Muskelmasse zu unterstützen, so Cox. Für Menschen, die eine Keto-Diät oder eine Eine-Mahlzeit-pro-Tag-Diät befolgen, steht möglicherweise eher das Körpergewicht als die reine Muskelmasse im Mittelpunkt.
„In einer idealen Welt würde ich dennoch empfehlen, dreimal täglich 20 bis 30 Gramm Protein zu sich zu nehmen. Selbst wenn man das in Form von Proteinpulver mit etwas Wasser oder Milch zu sich nimmt“, sagte Cox über seine Empfehlung in Zusammenhang mit speziellen Diäten.

Das Zeitfenster nach dem Training ist größer, als man denkt

Trotz jahrzehntelanger Empfehlungen, unmittelbar nach dem Training einen Proteinshake zu trinken, gibt es kaum Belege dafür, dass dies einen wirklichen Unterschied macht.
Eine 2024 in „Frontiers in Nutrition“ veröffentlichte klinische Studie ergab, dass die Proteinzufuhr unmittelbar vor oder nach dem Training kaum einen zusätzlichen Nutzen bot, wenn die tägliche Gesamtzufuhr bereits ausreichend war. Das liegt daran, dass Krafttraining die Muskeln dazu anregt, Protein über einen viel längeren Zeitraum als 30 Minuten nach dem Training zu verwerten.
Studien zeigen, dass nach Krafttraining der Aufbau von Muskelmasse in den ersten 24 Stunden besonders aktiv ist. Bei gut trainierten Personen nimmt der Effekt nach etwa 24 bis 36 Stunden ab, bei weniger trainierten Personen können die Muskeln auch 48 Stunden nach dem Training noch profitieren.
McKendry verglich die alte Vorstellung eines engen „anabolen Fensters“ eher mit einem Garagentor als mit einem kleinen Spalt: „Man muss sich wirklich keinen Stress machen, den Proteinshake unmittelbar nach dem Training hinunterzustürzen.“ Für den durchschnittlichen Fitnessstudio-Besucher ist es weitaus wichtiger, sein tägliches Proteinziel konsequent zu erreichen, als auf das perfekte Timing zu achten.

Hilft Protein vor dem Schlafengehen?

Die Theorie hinter der Proteinzufuhr vor dem Schlafengehen besagt, dass der Schlaf für die meisten Menschen die längste Zeit ohne Nahrungsaufnahme darstellt, sodass ein Snack davor die Muskelregeneration über Nacht unterstützen könnte. Da ist etwas Wahres dran: Untersuchungen zeigen, dass Kasein, das langsam verdauliche Protein aus Milchprodukten, den Muskelaufbau im Schlaf anregen kann.
„Ob sich das in langfristigen Muskelzuwächsen niederschlägt, ist noch eine offene Frage“, sagte McKendry, „aber es kann sicherlich den akuten Muskelaufbau anregen.“ Der größte Vorteil könnte jedoch darin bestehen, dass es eine weitere Möglichkeit bietet, das tägliche Proteinziel zu erreichen. Cox erklärte, Protein vor dem Schlafengehen sei nicht wegen eines magischen Schlafzeitfensters nützlich, sondern weil es neben Frühstück, Mittag- und Abendessen eine vierte proteinhaltige Mahlzeit darstelle.

Warum der Zeitpunkt mit zunehmendem Alter an Bedeutung gewinnt

Ältere Menschen benötigen mehr Eiweiß, um ihre Muskelmasse zu erhalten. Das liegt nicht daran, dass der Körper Muskeln schneller abbaut – sondern daran, dass er verlernt hat, sie genauso effizient wieder aufzubauen. Um denselben Muskelaufbau-Reiz wie in jungen Jahren zu setzen, braucht der Körper im Alter eine höhere Dosis Protein.
„Es gibt Hinweise darauf, dass dieser Prozess bereits im Alter von 35 bis 40 Jahren einsetzt, sich aber ab etwa 50 deutlich beschleunigt. Wenn wir 60 oder 70 sind, ist der Effekt wirklich sehr ausgeprägt“, sagte Cox. McKendry merkte an, dass mehrere Forscher und Expertenkonsens-Erklärungen 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht als Mindestmenge für ältere Erwachsene empfehlen, was deutlich über dem allgemeinen Richtwert liegt.
Einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass ältere Erwachsene davon profitieren können, wenn sie die Proteinzufuhr gleichmäßig über die Mahlzeiten verteilen.
„Ich würde sagen, es ist viel besser, sich darauf zu konzentrieren, 40 Gramm zu erreichen, wenn man älter ist, und das dreimal täglich – zum Frühstück, Mittag- und Abendessen“, sagte Cox.

Auch die Proteinqualität zählt

Protein ist nicht gleich Protein, und woher es stammt, ist nicht nur für die Muskeln entscheidend. Ein Blick in die Supermarktregale zeigt: Protein wird mittlerweile fast allem zugesetzt, von Chips über Kekse bis hin zu Mineralwasser.
„Ich halte das eher für einen Marketing-Hype als für einen Gesundheitsgewinn“, sagt Ernährungswissenschaftler McKendry. Zwar können angereicherte Snacks helfen, das Tagesziel zu erreichen, den Großteil sollten jedoch naturbelassene Lebensmittel ausmachen.
Der Grund dafür liegt meist nicht am Protein selbst, sondern am hohen Verarbeitungsgrad dieser Produkte. Echte Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier, Hülsenfrüchte oder Soja liefern neben Eiweiß auch Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe, alles Nährstoffe, die in hochverarbeiteten Fitness-Snacks meist fehlen.
Neben dem Verarbeitungsgrad unterscheidet sich Protein auch in seiner Zusammensetzung. Um Muskeln und Gewebe aufzubauen, braucht der Körper sogenannte vollständige Proteine, also Eiweiße, die alle essenziellen Aminosäuren enthalten.
Tierische Produkte und einige wenige pflanzliche Lebensmittel, wie Tofu, Edamame und Quinoa, bringen dieses vollständige Profil von Natur aus mit. Wer sich primär von pflanzlichen Quellen ernährt, sollte die Proteine über den Tag clever kombinieren, um alle Bausteine abzudecken.
„Gramm für Gramm verglichen haben tierische Quellen bei der biologischen Wertigkeit meist noch einen leichten Vorteil“, resümiert McKendry.

Die 80-Prozent-Regel für den Erfolg

In erster Linie kommt es darauf an, über den Tag verteilt ausreichend Protein zu sich zu nehmen. Der Zeitpunkt und die Verteilung der Proteinzufuhr können einen kleinen Vorteil bieten, sind jedoch zweitrangig gegenüber der einfachen Tatsache, täglich genug Protein zu essen.
Wie McKendry es ausdrückte: „Ich glaube nicht, dass sich die Menschen so sehr stressen müssen, wie sie es tun. Solange sie sich abwechslungsreich und proteinreich ernähren und sich regelmäßig körperlich betätigen, haben sie bereits 80 Prozent dessen erledigt, was sie tun müssen.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Protein Rules That Actually Matter“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Vom Burnout zum Ironman: Wie ein Neurochirurg mit 40 alles verlor – und mit dieser Methode sein Gehirn rettete

Mit 40 Jahren schien Dr. Joseph Maroon am Ziel seiner Träume zu sein. Doch innerhalb einer einzigen Woche brach sein Leben zusammen. Sein Vater starb im Alter von 60 Jahren, seine Ehe scheiterte und ein schweres Burnout riss den Neurochirurgen aus dem Operationssaal.

„Ich wechselte von Gehirn-OPs am offenen Schädel zum Dienst an einer heruntergekommenen Raststätte, die mein Vater hoch verschuldet hinterlassen hatte“, erinnert sich Maroon. „Ein Jahr lang briet ich Hamburger und betankte Lkw, voller Verzweiflung über meinen Absturz.“

Übergewichtig, depressiv und körperlich am Ende, hatte Maroon den Tiefpunkt erreicht. Seine Genesung sollte schließlich nicht nur seine eigene Gesundheit retten, sondern auch sein Verständnis der Wechselwirkung von Körper und Geist grundlegend verändern.

Der Lauf, der alles veränderte

Die Wende brachte die Einladung des Bankiers, der die Hypothek der Raststätte hielt. Er bat Maroon zu einer gemeinsamen Laufrunde.

„Wir liefen vier Runden auf der Sportanlage. Ich schwor mir: Nie wieder! Doch in dieser Nacht schlief ich zum ersten Mal seit Monaten durch“, so Maroon.

Aus den ersten Schritten wurden längere Distanzen, später Radfahren, Schwimmen und schließlich Triathlons. Mit der körperlichen Ausdauer kehrte auch die mentale Klarheit zurück. Durch die Bewegung kurbelte er die körpereigene Produktion von Botenstoffen wie Serotonin wieder an; sein Gedächtnis schien sich wieder zu schärfen.

Studien bestätigen Maroons Erfahrung: Regelmäßiger Sport, von Gehen bis Kraftsport, kann Depressionen lindern, indem er Entzündungen hemmt, Stresshormone abbaut und die Gehirnstruktur stärkt.

Maroon bringt seine Erkenntnis auf den Punkt: „Wir wissen, dass der Geist den Körper krank machen kann: Herzinfarkte, Schlaganfälle, Reizdarmsyndrom. Aber der Körper kann umgekehrt auch den Geist heilen.“

Die vier Säulen der Balance

Die Bewegung war seine Rettungsleine, doch Fitness allein reichte nicht aus. In seinem Buch „Square One: A Simple Guide to a Balanced Life“ entwickelte Maroon ein Modell für ein ausgewogenes Leben. Es ruht auf vier Säulen: Beruf, Familie, Spiritualität und körperliche Gesundheit.

Rückblickend erkennt er: „In der Krise glich mein Leben einem flachen EKG – nur Arbeit, keine Familie, keine Besinnung.“

Sport gab ihm genug Energie und Klarheit, um mit dem Wiederaufbau zu beginnen, doch die verbesserte Fitness war nur eine Seite der Medaille. Er änderte auch seine Ernährung, fand zu seinen spirituellen Wurzeln zurück und überdachte seine Beziehungen und Prioritäten.
„Der Körper ist ein Tempel, man muss sich um ihn kümmern“, sagte er. Für ihn ist die Pflege des Körpers jedoch kein Selbstzweck. Sie bildet die Grundlage, um am Familien-, Berufs-, Gemeinschafts- und spirituellen Leben voll und ganz teilhaben zu können.

Fünf Grundpfeiler für körperliche und geistige Gesundheit

Innerhalb des körperlichen Bereichs definiert Maroon fünf Grundpfeiler: gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, Schadstoffvermeidung, Stressabbau und ausreichender Schlaf.

Zwei biologische Faktoren hebt er besonders hervor:

  • Die Darm-Hirn-Achse: Hochverarbeitete Nahrung schädigt die Darmflora und schürt Entzündungen im gesamten Körper. Eine gestörte Darmflora steht heute im Verdacht, neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson zu begünstigen. Maroon rät daher zu ballaststoffreicher Kost und fermentierten Lebensmitteln.

  • Oxidativer Stress und Schutzstoffe: Instabile freie Radikale schädigen mit der Zeit Gehirnzellen. Dagegen nutzt das Gehirn vor allem Glutathion, ein körpereigenes Antioxidans. Forschungen zeigen, dass ein Absinken dieses Schutzschilds eng mit Nervenerkrankungen zusammenhängt.

  • Neuanfang in jedem Alter

    Maroons Vater starb mit 60 Jahren, als Maroon selbst 40 war. Dieser Verlust zwang ihn dazu, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie es mit seiner eigenen Gesundheit weitergehen könnte.
    Ab der Lebensmitte können Muskelmasse und körperliche Belastbarkeit allmählich abnehmen, während jahrelanger Schlafmangel, schlechte Ernährung, Bewegungsmangel und unbewältigter Stress immer schwerer zu ignorieren sind.
    Doch diese Muster sind nicht in Stein gemeißelt. Regelmäßige Bewegung, ausreichende Erholung, gesunde Ernährung, sinnvolle Beziehungen und ein Sinn im Leben können auch im Alter die Lebensqualität maßgeblich beeinflussen – wie auch Maroon heute noch mit 85 Jahren beweist.
    Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
    Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „How a Brain Surgeon Recovered From Midlife Burnout and Stays Active at 85“. (deutsche Bearbeitung: kr)
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    Die Anti-Stress-Strategie: Warum der Erholungseffekt nach dem Urlaub oder Wochenende oft schnell verpufft – und wie Sie ihn sichern

    Als ich die Tür zu meinem Büro öffnete, war ich überrascht, meinen Kollegen vor seinem Computer sitzen zu sehen.
    „Manuel, was machst du denn noch hier? Du hast doch schon die Abwesenheitsnotiz für deinen Urlaub im System“, fragte ich ihn perplex.
    Mein Kollege, der schon fast zehn Jahre im Betrieb war, mehrere Projekte leitete und gerade in seinem Kalender den ersten Arbeitstag nach dem Urlaub strategisch plante, schaute mich etwas mitleidig an und sagte: „Du musst noch viel lernen.“

    Typische Fehler, die es zu vermeiden gilt

    Während ich mich damals wunderte und dachte, in den Urlaub zu gehen, sei selbsterklärend, lernte ich mit der Zeit tatsächlich so einiges. Zuerst hauptsächlich, wie man es nicht macht.

    Etwa als ich in den letzten Minuten vor der Abreise gerade meine Abwesenheitsnotiz aktivierte und noch schnell eine „dringende“ Anfrage reinkam, die unbedingt vorher erledigt werden musste.

    Oder als ich am Montag nach dem Urlaub die Tür aufmachte und eine Kollegin mir mit unheilvoller Miene eröffnete, dass bei einem wichtigen Versuch versehentlich eine falsche, extrem teure Substanz verwendet worden war.

    Trotz des gut gemeinten Versuchs („Wir wollten dich im Urlaub nicht stören, aber wir haben in einer halben Stunde ein Notfall-Meeting dazu“) löste sich jegliche Erholung innerhalb von Minuten in Schall und Rauch auf.

    Wie man ohne Chaos in die Arbeitswoche startet

    Das Gefühl von Entspannung mit in die neue Arbeitswoche zu nehmen, ist eine entscheidende Fähigkeit für langfristige Leistungsfähigkeit. Untersuchungen zeigen: Vor allem erhöhte Arbeitsanforderungen direkt nach dem Urlaub machen die positiven Effekte der Erholung, wie erhöhte Motivation und geringeres Burnout-Risiko, besonders schnell zunichte. Dazu zählen aufgestaute E-Mails, liegen gebliebene Aufgaben oder, wie in meinem Fall, unvorbereitete Notfall-Meetings.

    Als ich nach Wegen suchte, den Start überschaubarer zu gestalten, erinnerte ich mich an Manuel. Er hatte die Weichen für seinen stressfreien Start längst gestellt, bevor sein Urlaub überhaupt begann.

    Die Vorbereitung: Der Urlaub beginnt vor dem Urlaub

    Unvorhergesehenes lässt sich nicht verhindern. Aber man kann Puffer einbauen:

    • Projekte und Aufgaben rechtzeitig übergeben. Wenn es eine Vertretung gibt, sollte eine gute Übergabe nicht am letzten Arbeitstag vor dem Urlaub erfolgen. Je nach Komplexität der Aufgaben habe ich mir angewöhnt, mich mindestens drei Tage vor meiner Abwesenheit darum zu kümmern. Das hat den Vorteil, dass man Fragen noch in Ruhe klären kann und das Risiko für Fehler minimiert, die man nach dem Urlaub ausbügeln muss.
    • Abwesenheitsnotiz mindestens 2 Stunden vor Urlaubsbeginn aktivieren. Die letzten Stunden vor dem Urlaub sollten dem geordneten Rückzug, nicht der Beantwortung von Last-Minute-Anfragen dienen. So wie Manuel es gemacht hat, schließe ich offene Aufgaben ab, mache eine To-Do-Liste für den ersten Tag zurück im Büro und nutze die Urlaubsnotiz als Stoßdämpfer. Sollte ausnahmsweise doch noch jemand etwas Dringendes brauchen, erreicht er mich so wenigstens noch mit ausreichend Nerven und Zeit, anstatt mit den schon gepackten Koffern in der Hand.
    • Die erste Arbeitsstunde blockieren. Keine überhasteten Meetings direkt nach dem Arbeitsstart, stattdessen Zeit, um wieder gedanklich im Job anzukommen, wichtige E-Mails und die vorbereitete To-Do-Liste durchzugehen.
    • Die zweite Arbeitsstunde für Übergabemeetings blockieren. Die zweite Arbeitsstunde reserviere ich für eine geordnete Übergabe mit meiner Urlaubsvertretung oder Vorgesetzten. Meistens erledigt sich damit ein Teil der E-Mails und Anfragen die während des Urlaubs eingingen von selbst und Prioritäten können sinnvoll gesetzt werden.
    • „Notfälle“ definieren. Dieser Tipp ist kontrovers, aber ich finde, eine kontrollierte Unannehmlichkeit ist weniger stressig als eine überraschende Katastrophe am ersten Arbeitstag. Damit dieser Tipp klappt, müssen jedoch echte Notfälle und ein Zeitfenster klar definiert sein. Beispielsweise: „Wenn das Problem so groß ist, dass die Produktion steht, kannst du mich mittwochs zwischen 14.00 und 15.00 Uhr erreichen. Alles andere können wir besprechen, wenn ich zurück bin.“

    Tipps für einen stressfreien ersten Arbeitstag

    Der Umstieg von Strand, Berghütte oder Balkonien zurück auf den Bürostuhl kann wehmutsvoll sein. Aber mit ein paar Tipps kommt man leichter wieder im Arbeitsalltag an.
    • Rückreise mindestens einen Tag, besser zwei Tage, vor Arbeitsstart planen. Das gibt Zeit, um anzukommen, in Ruhe die Koffer auszupacken und wieder in den normalen Alltag überzugehen, bevor man als nächsten Schritt wieder in den Büroalltag startet.
    • Arbeitsstart auf Mittwoch legen. Wenn möglich, starte ich nach dem Urlaub nicht mit einer vollen Arbeitswoche, sondern einer verkürzten. Damit fühlt sich der Umstieg von Urlaub zu Arbeit nicht so extrem an und das nächste Wochenende ist schon wieder in greifbarer Nähe.
    • Keine komplexen Meetings am ersten Vormittag. Ich lege komplizierte Meetings oder Kundenmeetings frühestens auf den Nachmittag des ersten Arbeitstages oder noch besser auf den zweiten Arbeitstag nach dem Urlaub, wenn ich gedanklich wieder richtig in der Arbeit angekommen bin.
    • Sich vom Gedanken verabschieden, alles am ersten Tag aufzuarbeiten. Aus einem tollen und entspannenden Urlaub hat man im Idealfall auch eine Extraportion Motivation für die Arbeit im Reisegepäck mitgebracht. Allerdings gelingt es meistens trotzdem nicht, alles am Tag der Rückkehr aufzuarbeiten. Um die mitgebrachte Entspannung und Motivation beizubehalten, vermeide ich Überstunden am ersten Arbeitstag.

    Keine Sonntags-Panik: So gelingt ein entspannter Arbeitsstart nach dem Wochenende

    Urlaub hat man nur eine begrenzte Anzahl an Tagen im Jahr. Daher ist es hilfreich, einige der Tipps in abgewandelter Form auch für den Start in eine normale Arbeitswoche nach dem Wochenende zu übernehmen.
    Der Zustand von „Sunday Blues“ oder „Sunday Scaries“ (auf Deutsch „Sonntags-Panik“) ist mittlerweile so verbreitet, dass er kürzlich in einer ersten klinischen Studie wissenschaftlich untersucht wurde. Die sogenannte Sonntags-Panik wird als ein Gefühl von Angst, Unruhe und Stress am Sonntagnachmittag oder -abend wegen der neuen Arbeitswoche definiert.
    Ein Grund dafür ist, dass der Kopf wegen unerledigter Dinge am Wochenende und der Erwartungen der kommenden Arbeitswoche schon in den Stressmodus schaltet und entsprechend Stresshormone ausschüttet, was zu Symptomen wie Herzrasen, Magen-Darm-Beschwerden und Problemen beim Einschlafen führen kann.
    Eine gezielte Reduktion von Belastungen können dem entgegenwirken und möglicherweise sogar die Arbeitsleistung langfristig verbessern:
    • To-Do-Liste am Freitag gezielt vorbereiten. Den letzten Arbeitstag der Woche mit einer To-Do-Liste nach Priorität abschließen, wichtige Erinnerungen und gute Ideen, die dem Zukunfts-Ich am kommenden Montag helfen können, übersichtlich notieren. Das erspart dem Gehirn das Gedankenkarussell und die Einleitung des Stressmodus am Sonntagabend.
    • Den Montag nicht mit einem Termin beginnen. Den Arbeitsbeginn zumindest 30 Minuten vor dem ersten Meeting oder Termin legen. Das gibt Zeit für einen entspannten Kaffee, das Durchgehen der vorbereiteten To-Do-Liste und sorgt dafür, dass das Nervensystem nicht sofort in den Kampf-oder-Flucht-Modus schaltet.
    • Die höchste Priorität auf der To-Do-Liste vor den E-Mails erledigen. Konzentriert eine wichtige Aufgabe zu erledigen und diese abzuhaken, schafft einen Erfolgsmoment für den Start in die Arbeitswoche. Was die Motivation hingegen dämpft: neue E-Mails durchzugehen, Spam und Werbung zu löschen und sofort mit neuen Anfragen konfrontiert zu sein. Falls jemand Montagmorgen eine ganz dringende Anfrage hat, wird er mich wahrscheinlich auch auf anderem Weg finden. Für normale Fälle reicht es meiner Erfahrung nach auch, die neuen E-Mails im Laufe des Vormittags abzuarbeiten.
    • Vernünftige Kompromisse machen. Wir können vieles schaffen, aber nicht alles gleichzeitig. Fristen müssen manchmal verschoben werden, Meetings mit geringerer Priorität müssen manchmal abgesagt werden. Wenn eine besonders stressige Arbeitswoche ansteht, kann es auch Sinn machen, private Termine zu reduzieren und beispielsweise den Autoservice oder den geplanten Fensterputz auf eine weniger anspruchsvolle Arbeitswoche zu verschieben.
    Was ich vor allem im Laufe der Zeit gelernt habe – und was Manuel schon wusste: Die Arbeitswoche ist kein Sprint, der am Montagabend vorbei ist, sondern ein fünftägiger Marathon, der nach dem Wochenende oder Urlaub wieder von vorne losgeht. Und weder der erholsamste Urlaub noch die beste Abwesenheitsnotiz helfen, wenn wir uns am Montag unüberlegt sofort ins Büro-Chaos stürzen.
    Kraft und Motivation müssen strategisch eingeteilt werden. Und wenn Kollegen dann fragen, warum Sie so entspannt wirken, wissen Sie: Es ist nicht nur der Urlaubs-Nachhall, sondern Strategie.
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    Die Renaissance der Steckrüben


    In Kürze:

    • Steckrüben sind ein traditionelles Herbst- und Wintergemüse.
    • Sie enthalten wertvolle Vitamine, Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe und gelten als Schlankmacher. 
    • Das Gemüse lässt sich abwechslungsreich zubereiten – von Suppe, Eintopf bis Ofengemüse oder Bratling.

     
    Ältere Generationen kennen sie noch als festen Bestandteil der täglichen Ernährung: die Steckrübe, auch Kohlrübe, Butterrübe, Erdkohlrabi, Rutabaga, Wruke oder Dotsche genannt. Lange Zeit galt das Gemüse als Arme-Leute-Essen, denn in Not- und Kriegszeiten war es oft eines der wenigen verfügbaren Nahrungsmittel. Seit dem „Steckrübenwinter“ von 1916/17, als nach einer Kartoffelmissernte die Steckrübe zum Hauptnahrungsmittel wurde, waren sie lange Zeit verrufen.
    Heute erlebt das einstige Notgemüse eine wahre Renaissance. Aus gutem Grund, denn dass Gemüse ist einfach zu kultivieren, regional und saisonal verfügbar und liefert wertvolle Vitalstoffe. So überzeugt die Steckrübe nicht nur mit ihrem Gehalt an wichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen, sondern auch mit Ballaststoffen bei gleichzeitig wenigen Kalorien. Das macht die Rübe zu einem äußerst gesunden Gemüse, mit dem sich viele abwechslungsreiche Gerichte kochen lassen.
    Die Steckrübe (Brassica napus subsp. rapifera) zählt zur Familie der Kreuzblütler und ist eng mit Brokkoli, Senf und Kohlrabi verwandt. Nach Deutschland kam das Kohlgemüse vermutlich im 17. Jahrhundert aus Skandinavien, weshalb sie auch als „Schwedische Rübe“ bekannt wurde. Heute wird die Rübe weltweit angebaut.
    Für den Verzehr sind Sorten mit leicht gelblichem bis orangem Fleisch bevorzugt geeignet. Sie haben ein angenehm würzig, leicht süßlich bis herbes Aroma, das an Kohlrabi erinnert. Ihre Schale kann graugrün, beige bis leicht gelb oder rot-violett gefärbt sein. Steckrüben mit weißem Fleisch hingegen werden traditionell für die Tierfütterung verwendet.

    Warum Steckrüben gesund sind

    Wie alle Kreuzblütler enthalten auch Steckrüben Glucosinolate, die beim Zerkleinern oder Kauen in Isothiocyanate (Senföle) umgewandelt werden. Isothiocyanate sind für ihre antibakteriellen, entzündungshemmenden und krebshemmenden Eigenschaften bekannt und zählen zu den wichtigsten bioaktiven Substanzen in Steckrüben. Weiterhin befinden sich Beta-Carotine in der Rübe – je stärker sie gelb oder orange gefärbt ist, umso mehr ist davon enthalten. Beta-Carotine (Provitamin A) unterstützen die Funktion der Augen sowie Haut und Schleimhäute.
    Darüber hinaus befinden sich wichtige Vitamine in der Kohlrübe. Mit 35 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm unterstützt die Knolle das Immunsystem. Das enthaltene Folat macht sie zu einem Gemüse, dass die Zellteilung, das Wachstum und die Gefäßgesundheit fördert. Weitere B-Vitamine wie B1, B2 und insbesondere B6 unterstützen die Energiegewinnung aus Eiweiß und Kohlehydraten. Vitamin B6 ist zudem an der Bildung wichtiger Neurotransmitter und Hormone beteiligt.
    Mit Calcium, Magnesium, Eisen und reichlich Kalium versorgen Steckrüben den Körper mit wichtigen Mineralien. Vor allem Kalium spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Blutdrucks und kann Herz und Kreislauf entlasten.
    Obwohl Steckrüben süß schmecken, enthalten sie nur sieben Gramm Kohlenhydrate pro 100 Gramm. Da sie zudem nur halb so viel Kalorien enthalten wie Kartoffeln, ist das Gemüse eine ideale Wahl, um Gewicht zu verlieren oder zu halten.

    Tipps für Einkauf und Lagerung

    Beim Einkauf ist es sinnvoll, zu kleineren, prallen Knollen zu greifen. Sie sind zarter und süßer als größere Exemplare, die leicht holzig sein können. Die Schale sollte glatt und unbeschädigt sein. Im Kühlschrank sind Steckrüben bis zu drei Wochen haltbar, in einem kühlen Keller eingeschlagen in Sand auch mehrere Monate. Vor allem im Herbst sind Steckrüben günstig auf dem Wochenmarkt oder im Supermarkt erhältlich.
    Wer einen eigenen Garten besitzt, kann Steckrüben auch einfach selbst anbauen. Sie gedeihen am besten an einem sonnigen bis halbschattigen Standort mit humoser und tiefgründiger Erde und bei feucht-kühlem Klima. Ab Ende Mai bis Juni kommen die Samenkörner ins Beet. Geerntet wird ab September bis vor den ersten starken Frösten.

    Steckrüben in der Küche

    Steckrüben können für viele Gerichte anstelle von Kartoffeln verwendet werden, zum Beispiel als Beilage aus dem Ofen oder als Schmorgemüse. Ein Klassiker für die kalte Jahreszeit ist Steckrübeneintopf, kombiniert mit Kartoffeln, Zwiebeln und Möhren und wenn ergänzt mit Würsten. Aber auch als Cremesuppe oder Mus ist das Gemüse beliebt.
    Ersetzt man im Kartoffelpüree einen Teil der Kartoffeln mit Rüben, spart das Kalorien und liefert obendrein mehr Vitalstoffe. Ebenso schmecken die Knollen als Rösti, Bratling oder in Aufläufen. Junge zarte Knollen eignen sich auch als Rohkostsalat – geraspelt mit Karotten und Apfel und mit Joghurtdressing und gehackten Nüssen verfeinert.
    Traditionell wurden Steckrüben auch wie Sauerkraut fermentiert. In Norddeutschland und Skandinavien kommen noch heute viele traditionelle Steckrübengerichte als Hausmannskost auf den Tisch. Beliebt sind Steckrüben mittlerweile in der vegetarischen und veganen Küche, da sie nährstoffreich und vielseitig sind.
    Steckrüben verdienen zu Recht wieder mehr Aufmerksamkeit. Sie sind ein wertvolles regionales Herbst- und Wintergemüse, das günstig und gesund ist. Es lohnt sich, sie wieder öfter in den Speiseplan einzubeziehen. Warum dafür nicht ebenfalls auf Bewährtes zurückgreifen? Das folgende Rezept stammt aus einem historischen Kochbuch von 1921:

    Rezept Wrukenschnitzel:

    Zutaten:
    • 450 g weichgekochte Wruken (Steckrüben)
    • 220 g weichgekochte Bohnen
    • 150 g weichgekochte Erdäpfel
    • 1 EL fein gehackte Zwiebel
    • 1 EL fein gehackte Petersilie
    • 1,5 EL Mehl
    • Salz und Pfeffer
    • Beilagen nach Belieben
    Zubereitung:
    Wruken, Bohnen und Erdäpfel durch eine Fleischmaschine drehen oder in einer Küchenmaschine zerkleinern. Zwiebel, Petersilie, Mehl, Salz und Pfeffer hinzufügen und alles gut miteinander vermischen. Aus dieser Masse Laibchen formen und in einer Pfanne goldbraun braten. Mit beliebigem Gemüse oder Salat servieren.
    Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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    Gefährlicher als gedacht: Beliebter Zuckerersatz mit erhöhtem Risiko für Herzerkrankungen verbunden

    Ein hoher Xylit-Spiegel im Blut könnte das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Beobachtungsstudie mit Daten von über 17.700 Teilnehmenden aus zwei Langzeituntersuchungen, die Ende August auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) vorgestellt wurde.

    Demnach erlitten Personen mit den höchsten Xylit-Werten signifikant häufiger Herzinfarkte, Schlaganfälle oder verstarben an den Folgen, und das unabhängig von klassischen Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhten Blutfettwerten.

    Da es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, lässt sich zwar ein statistischer Zusammenhang, aber noch kein direkter ursächlicher Beweis erbringen. Dennoch schlagen Fachleute Alarm:

    „Künstliche Süßstoffe werden konsumiert, weil man sie für gesünder als Zucker hält. Zudem gelten sie bei Aufsichtsbehörden allgemein als sicher“, sagt Dr. Marco Witkowski vom Universitätsklinikum Charité in Berlin. „Unsere Daten zeigen jedoch, wie wenig wir über die kardiovaskuläre Sicherheit von Xylit wissen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass immer mehr Lebensmittel damit angereichert werden.“

    Natürlicher Stoff mit Nebenwirkungen

    Xylit (auch als Birkenzucker bekannt) ist ein natürlich vorkommender Zuckeralkohol, der in manchen Obst- und Gemüsesorten sowie Holzfasern vorkommt. Das weiße, kristalline Pulver besitzt eine ähnliche Süßkraft wie Haushaltszucker und steckt heute in zahlreichen zuckerfreien Kaugummis, Zahnpasten, Getränken und Lebensmittel-Produkten.

    Neben den potenziellen Gefahren für das Herz-Kreislauf-System ist bekannt, dass Xylit in größeren Mengen den Magen-Darm-Trakt belasten und Symptome wie Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall auslösen kann.

    Tödliche Gefahr für Hunde

    Besondere Vorsicht gilt zudem für Haustierhalter: Für Hunde ist Xylit hochgradig giftig. Schon geringe Mengen können zu lebensbedrohlichem Blutzuckerabfall, schwerem Leberversagen oder Tod führen. Bei Verdacht auf Aufnahme sollte umgehend eine Tierarztpraxis aufgesucht werden.

    Produkte, die als „zuckerfrei“ oder „ohne Zuckerzusatz“ beworben werden, enthalten nicht zwingend Xylit. Die Industrie greift auf eine Vielzahl weiterer Alternativen zurück, darunter natürliche Süßungsmittel wie Stevia oder Erythrit sowie synthetische Stoffe wie Aspartam, Sucralose und Saccharin.

    Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
    Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Common Sugar Substitute Associated With Higher Heart Attack and Stroke Risk, Study Finds“. (deutsche Bearbeitung kr)

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    Die große Blutbild-Falle: Warum Sie trotz bester Laborwerte chronisch erschöpft sein können

    „Ich fühle mich seit Monaten wie leergesogen.“ Das waren die Worte von Frau S., 47 Jahre alt und leitende Angestellte, als sie in meine Praxis kam. Sie berichtete von innerer Unruhe, Schlafstörungen, gelegentlichem Herzstolpern und dem Gefühl, dass selbst kleine Aufgaben sie überfordern.
    Ihr Hausarzt hatte bereits ein Standardlabor durchgeführt: Magnesium, Zink, Vitamin B12 – alles im Normbereich. „Wahrscheinlich Stress“, hatte man ihr gesagt.
    Doch Frau S. spürte, dass etwas nicht stimmte. Und tatsächlich zeigte die ganzheitsmedizinische Diagnostik ein anderes Bild: Obwohl die Standard-Blutwerte völlig unauffällig schienen, deckte eine Vollblutanalyse einen schweren Magnesium- und Zinkmangel in den Zellen auf.
    Auf ihre verwunderte Nachfrage erklärte ich meiner Patientin, dass der Körper versucht, die Mikronährstoffe im Blut, so lange wie möglich stabil zu halten, selbst dann, wenn die Zellen längst im Mangelzustand sind und wichtige Nährstoffe fehlen.

    Die Vollblutanalyse: Dem Mangel auf der Spur

    Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe benötigt unser Körper zwar nur in winzigen Mengen, dennoch sind sie unverzichtbar: Sie steuern den Energiehaushalt, stärken das Immunsystem und halten die Zellen gesund. Fehlen sie dauerhaft, leidet die Gesundheit.
    Wie eine umfassende Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 zeigt, sind verdeckte Mikronährstoffmängel direkt mit einem erhöhten Risiko für Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs verknüpft.
    Allerdings ist ein Mangel, wie im Fall von Frau S., nicht immer gleich auf den ersten Blick erkennbar. Die ganzheitliche Mikronährstoff-Therapie basiert daher auf präziser und umfassender Labordiagnostik.
    Anders als bei Standardlaboruntersuchungen, wo Vitamine und Mineralstoffe im Serum (dem flüssigen Teil des Blutes) gemessen werden, steht bei der ganzheitlichen Laboruntersuchung die Vollblutanalyse im Fokus. Dabei werden nicht nur das Blutserum, sondern auch zelluläre Bestandteile wie rote Blutkörperchen mitgemessen.
    Besonders bei Mineralstoffen wie Magnesium, Zink oder Kalium, die überwiegend innerhalb der Zellen transportiert werden und deshalb im Serum ohnehin nur in sehr geringen Mengen vorliegen, liefert eine Standarduntersuchung alleine deshalb oft trügerisch normale Werte. Verschiedene Studien legen dar, dass der Körper den Serumspiegel im Blut streng reguliert und notfalls sogar Depots aus Knochen und Zellen plündert, um diesen aufrechtzuerhalten.
    Ein Patient kann somit laut Standardblutbild völlig gesund erscheinen, während auf zellulärer Ebene bereits ein schwerer Mangel vorliegt. Um diesem Mangel auf die Spur zu kommen, werden in der ganzheitlichen Laboruntersuchung Vitamine und Mineralstoffe innerhalb der roten Blutkörperchen gemessen; in der Fachsprache spricht man von einer RBC-Analyse (Red Blood Cells).
    Genau diese Analyse zeigte bei Frau S. die Mangelerscheinung. Die chronische Belastung im Beruf hatte ihre Mineralstoffspeicher über Monate geleert, aber in der Serumanalyse war dies noch nicht sichtbar.

    Das Dilemma der Standard-Referenzwerte

    Wenn man einen Mangel diagnostiziert hat, ist der nächste Schritt, ihn auszugleichen. Dabei ist eine Herausforderung, dass einige Grenzwerte der Ernährungsgesellschaften oft noch aus einer Zeit stammen, in der es primär darum ging, akute Mangelkrankheiten wie Skorbut (Vitamin-C-Mangel) oder Beriberi (Vitamin-B1-Mangel) zu verhindern. Diese Werte definieren in vielen Fällen lediglich das absolute Minimum, um nicht akut zu erkranken. Sie beschreiben jedoch meist nicht das Optimum, das ein Körper benötigt, um im heutigen, oft stressüberladenen Alltagsleben langfristig Höchstleistungen zu erbringen und chronischen Krankheiten vorzubeugen.
    Ein typisches Beispiel dazu: Der Grenzwert für Vitamin D liegt laut offiziellen Empfehlungen bei 20 ng/ml. Meine ganzheitsmedizinische Empfehlung liegt bei mindestens 30 ng/ml und meine Definition von einem guten Wert liegt bei 40 bis 50 ng/ml. Dabei geht es aber, wie bei vielen Nährstoffen auch immer, um die Beachtung des persönlichen Bedarfs. Stress, Umweltgifte, chronische Entzündungen, körperliche Erschöpfung und die Einnahme von Medikamenten treiben den Bedarf an bestimmten Vitalstoffen oft über den Standard-Referenzwert hinaus in die Höhe.
    Eine systematische Übersichtsarbeit zeigte zum Beispiel klar, wie chronischer psychischer Stress sowie Schlafentzug nachweislich zu einem beschleunigten Abbau und einer vermehrten Ausscheidung essenzieller Mikronährstoffe wie Magnesium und Zink führen. Dieser Mehrbedarf, der sich aus verschiedenen Belastungen ergibt, ist individuell und erfordert nicht nur eine umfassende Diagnostik, sondern auch eine maßgeschneiderte Unterstützung.

    Maßgeschneiderte Unterstützung statt Standard-Pille

    Durch die heutige Situation, in der Nahrungsergänzungsmittel in jedem Supermarkt und in Onlineshops in Hülle und Fülle zu bekommen sind, kommt es oft zu einem gefährlichen Trugschluss: „Viel hilft viel“ oder „Eine Multivitamin-Tablette am Tag deckt alles ab“. Die moderne ganzheitliche Medizin bricht jedoch vollständig mit diesem Gießkannen-Gedanken. Die Mikronährstoff-Therapie, oder auch Orthomolekulare Medizin genannt, geht davon aus, dass jeder Mensch ein biologisches Unikat ist und biochemische Individualitäten berücksichtigt werden müssen.
    Das Nährstoffpräparat, das für den einen die Rettung aus der chronischen Erschöpfung sein kann, bleibt bei einem anderen Menschen möglicherweise nahezu wirkungslos, weil individuelle Bedürfnisse und genetische Variationen unterschiedlich sein können, was die Notwendigkeit maßgeschneiderter Ansätze unterstreicht.

    Genetische Variationen im Fokus

    Noch ist es ein Nischenthema, doch die Ansätze sind faszinierend: Die Epigenetik und die Pharmakogenetik zeigen, warum zwei Menschen ein und denselben Nährstoff völlig unterschiedlich aufnehmen und verarbeiten.
    Während die Epigenetik beschreibt, wie Umweltfaktoren und Lebensstil die Aktivität unserer Gene beeinflussen, untersucht die Pharmakogenetik, wie der Körper ihm zugeführte Substanzen tatsächlich aufnimmt und verarbeitet. Dies kann sehr individuell sein und durch natürliche, erbliche Variationen im Erbgut beeinflusst werden. In der Fachsprache spricht man in solchen Fällen von sogenannten Polymorphismen.
    Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Viele Menschen nehmen synthetische Folsäure (Vitamin B9) als Nahrungsergänzungsmittel zu sich, aber ihre Blutwerte verbessern sich nicht und die Müdigkeit bleibt. Die Ursache kann in einer weit verbreiteten, vererbten Genvariation liegen, die den Folsäurestoffwechsel beeinflusst: dem sogenannten MTHFR-Polymorphismus.
    In Deutschland tragen laut dem Medizinisch-Genetischen Zentrum München 30 bis 40 Prozent diesen Polymorphismus in einer Genkopie und etwa 10 bis 15 Prozent in beiden, also sowohl in der von der Mutter als auch in der vom Vater vererbten Genkopie.
    Eine vergleichende klinische Studie zeigte, dass Patienten mit solchen veränderten MTHFR-Genen herkömmliche Folsäure schlechter in die biologisch aktive Form, die der Körper verwerten kann, umwandeln können. Hingegen profitieren sie, wenn sie direkt die biologisch aktive Form, das Methyltetrahydrofolat (MTHF) einnehmen. Zudem bestätigte eine Übersichtsarbeit, dass die Gabe von aktivem 5-MTHF den potenziell blockierten Stoffwechselweg umgeht, direkt aufgenommen wird und damit eine sicherere Nährstoffzufuhr für die zelluläre Versorgung darstellt.

    Ein persönliches Nährstoff-Rezept

    Aus ganzheitlicher Sicht ist die Mikronährstoff-Therapie kein Modetrend, sondern das Fundament einer ursachenorientierten Medizin. Durch eine präzise Diagnostik wird ein maßgeschneidertes Nährstoff-Rezept ermöglicht.
    Auch bei Frau S. führte die gezielte Auffüllung der ihr fehlenden Mikronährstoffe dazu, dass sie wieder durchschlafen konnte, ihre innere Unruhe abnahm und sie sich nach langer Zeit erstmals wieder belastbar fühlte. Für sie war es ein Wendepunkt: die Erkenntnis, dass „normale Blutwerte“ nicht bedeuten, dass die Zellen auch tatsächlich gut versorgt und leistungsfähig sind, und ein persönliches Nährstoff-Rezept helfen kann, um den Mangel auszugleichen.
    Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker. (Redaktionelle Bearbeitung cs)
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    Warum Ihr Immunsystem altert und wie Sie den Alterungs-Prozess verlangsamen können

    Robert war schon immer der Gesunde gewesen. Mit 71 Jahren spielte er immer noch zweimal pro Woche Golf, benötigte keine regelmäßigen Medikamente und hatte die lebenslange Angewohnheit, jede Erkältung oder Grippe, die grassierte, einfach abzuschütteln. Jedoch in den zwei Jahren seit dem Tod seiner Frau schien etwas in ihm nicht mehr zu funktionieren.
    Eine Schürfwunde am Schienbein, die eigentlich innerhalb einer Woche verheilt sein sollte, brauchte nun einen Monat, um zu heilen. Erkältungen, die er früher einfach abgetan hätte, warfen ihn nun völlig aus der Bahn. Dann kam die Gürtelrose, eine Viruserkrankung, die schon einmal in seinen Fünfzigern ausgebrochen war.
    Sein Internist führte die Standarduntersuchungen durch: ein großes Blutbild, ein Stoffwechselprofil. Alle Werte waren normal.
    Um zu verstehen, was mit Robert geschah, betrachtete ich ihn durch die vier Dimensionen, mit denen ich jedes alternde System beurteile. Ich nenne diesen Ansatz das ACES-Modell: Anatomie, Chemie, Energie und Seele.
    Die Struktur des Körpers beherbergt seine Abwehrkräfte. Die Chemie entzündet oder dämpft sie. Energie treibt sie an. Und die unverarbeitete Last im Leben eines Menschen – Trauer, Isolation und Verlust – kann die Abwehrkräfte auf eine Weise schwächen, die kein Standard-Blutbild erfassen kann. Von allen Organsystemen des Körpers ist das Immunsystem vielleicht dasjenige, bei dem diese vierte Dimension am stärksten ins Gewicht fällt.

    Die alternde Armee

    Das Immunsystem ist die stehende Armee des Körpers: ein riesiges Netzwerk, das Eigenes von Fremdem unterscheidet, sich an alte Feinde erinnert, beschädigtes Gewebe repariert und entartete Zellen beseitigt.
    Diese Armee stützt sich auf Organe, die man selten als solche wahrnimmt. Das Knochenmark produziert die weißen Blutkörperchen für die Front. Der Thymus, eine Drüse hinter dem Brustbein, bildet die T-Zellen aus, welche die Abwehr koordinieren. Milz und Lymphknoten filtern das Blut nach Erregern, während die Darmschleimhaut als größte Schutzmauer zur Außenwelt den Großteil des Immunsystems beherbergt.
    Mit den Jahren schrumpft diese Armee jedoch nicht einfach, sie verändert ihren Charakter. Sie reagiert träger auf neue Bedrohungen, entzündet sich schneller und wird vergesslicher.
    Wissenschaftler nennen diesen langsamen Verfall „Immunoseneszenz“. Das deutlichste Beispiel liefert der Thymus: Er beginnt schon nach der Pubertät zu schrumpfen und besteht im Alter fast nur noch aus Fettgewebe. Dass ältere Menschen schlechter auf neue Infektionen oder Impfstoffe ansprechen, liegt schlicht daran, dass das Organ kaum noch neue Abwehrzellen produziert, also unbeschriebene Blätter, die schnell lernen können, einen bisher unbekannten Erreger zu erkennen.

    Gleichzeitig wird die Darmschleimhaut durchlässiger, und das Knochenmark verändert seine Strategie: Es produziert vorrangig Zellen für die grobe Immunantwort. Diese erzeugen flächendeckende Dauerentzündungen, anstatt den Erreger passgenau zu bekämpfen.

    Das schwelende Feuer der Entzündung

    Für den chemischen Wandel des alternden Immunsystems gibt es einen Fachbegriff: Inflammaging.

    Im Alter neigt der Körper dazu, in eine chronische, leichtgradige Entzündung abzugleiten. Gemeint ist nicht die nützliche Abwehrreaktion, die bei einer Verletzung kurz aufflammt und wieder vergeht. Es ist ein dauerhaftes, leises Feuer, das im Hintergrund weiterbrennt.

    Geschürt wird dieser Brand vor allem durch vier Faktoren:

    • Bauchfett: Tief sitzendes Bauchfett (viszerales Fett), das Entzündungen begünstigt.
    • Schlafmangel: Fehlende Regeneration treibt die Entzündungswerte hoch.
    • Ernährung: Zucker und stark verarbeitete Produkte liefern ständig Brennstoff.
    • Stress: Chronische Seelenlast gießt direkt Öl ins Feuer.

    Die Folgen dieser Dauerbelastung hinterlassen Spuren. Inflammaging gilt als ein wichtiger Risikofaktor für die großen Alterskrankheiten, von Herzerkrankungen, Typ-2-Diabetes und Alzheimer über Krebserkrankungen bis hin zur körperlichen Gebrechlichkeit.

    Roberts Entzündungsmarker waren erhöht, wenn auch nur geringfügig. Seine häufigen Infektionen und die langsame Wundheilung waren der sichtbare Rauch, der aus dem Feuer aufstieg.

    Die Immunalterung lässt sich im Standard-Blutbild nicht ablesen. Um sie sichtbar zu machen, sind spezielle Untersuchungen nötig:

    • Das Zellverhältnis: das Gleichgewicht zwischen jungfräulichen naiven T-Zellen und erfahrenen Gedächtniszellen
    • Die Viruslast: die lebenslange Spurensuche nach weit verbreiteten Erregern
    • Die Entzündungsmarker: die Konzentration von Entzündungssignalen im Blut
    • Die Impfantwort: wie träge der Körper auf Schutzimpfungen reagiert

    Wer bei sich Anzeichen einer Immunalterung vermutet, sollte den Arzt um Werte bitten, die in der Routine fehlen – mindestens um das hochsensible C-reaktive Protein. Ein anhaltend erhöhter Wert ist ein klares Signal, den Lebensstil anzupassen.

    Abhilfe ist möglich: Der Abbau von viszeralem Fett dämpft Entzündungsprozesse direkt. Eine Ernährung aus reichlich Gemüse, fettem Fisch und Olivenöl löscht das Feuer, das Zucker und stark verarbeitete Produkte immer wieder anfachen.

    Kann der Geist zurückschlagen?

    Nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird ein Mensch, der von Trauer zermürbt ist, zur leichten Beute für Krankheiten. Mit anderen Worten: Anhaltende Trauer schwächt die Abwehrkräfte. Die westliche Wissenschaft hat in den letzten rund 50 Jahren einen Teil dieses Zusammenhangs durch ein ganzes Forschungsgebiet bestätigt: Die Psychoneuroimmunologie, also die Erforschung der Kommunikation zwischen Geist und Immunsystem.
    Eine Studie aus dem Jahr 2005 ergab, dass einsamere Studienanfänger eine schwächere Antikörperreaktion auf den Grippeimpfstoff zeigten, was Einsamkeit direkt mit einer messbaren Beeinträchtigung des Immunsystems in Verbindung brachte.
    Chronische Trauer und Depressionen erhöhen Entzündungsmarker und unterdrücken genau jene Zellen, die Viren bekämpfen und nach Krebszellen suchen.
    Hinterbliebene Ehepartner weisen in der Zeit nach ihrem Verlust nachweislich eine verminderte Immunfunktion sowie eine erhöhte Krankheits- und Sterblichkeitsrate auf. Ein Muster, das in der medizinischen Fachliteratur einen eigenen Namen erhalten hat: Der Witwen-Effekt. Robert war das lebende Beispiel für diese Erkenntnis.
    Als ich ihn schließlich nach seiner Trauer fragte, zeichnete sich das vollständige Bild ab. Er hatte aufgehört zu kochen, denn das Kochen war etwas gewesen, das er und seine Frau gemeinsam getan hatten. Er hatte sich von seinen Freunden zurückgezogen. Er schlief auf einem Sessel statt in dem Bett, das sie sich geteilt hatten. Er war im wahrsten Sinne des Wortes schutzlos – seine Trauer zerstreute seine schützende Energie, wie es die TCM ausdrücken würde, und seine Isolation unterdrückte seine Immunzellen, wie es die moderne Forschung beschreiben würde.
    Kann sich der Geist also wehren? Es gibt Hinweise darauf, die dies bejahen, und genau das ist der Teil, den ich meinen Patienten am liebsten vermitteln möchte.

    Zurück ins Leben

    Untersuchungen belegen, dass Sinnstiftung und Zugehörigkeit (eudaimonisches Wohlbefinden) die Genaktivität des Immunsystems positiv verändern: Entzündungssignale nehmen ab, die Abwehr von Viren nimmt zu. Die Mechanismen sind dieselben: So wie Trauer den Körper schwächt, kann Sinn ihn wieder aufrichten.
    Was ich mit Robert erarbeitete, war kein Rezept, sondern ein Weg zurück ins Leben.
    An erster Stelle stand gesunder Schlaf als Fundament jeder Heilung. Wir brachten wieder Struktur in seine Küche: Selbst zu kochen bedeutete für ihn nun, den Körper zu nähren und sich täglich neu gegen die Verzweiflung zu behaupten. Wir gaben der Isolation keine Chance mehr – durch ein festes Abendessen mit seinen Golffreunden, die Rückkehr in den Verein und eine ehrenamtliche Aufgabe. Und wir benannten die Trauer offen, statt zuzulassen, dass sie im Hintergrund weiterzehrt.
    Nach einem Jahr traten die Infekte kaum noch auf. Robert hatte nicht nur seine Immunabwehr zurückgewonnen, sondern auch ein Teil seiner Lebensfreude war zurückgekehrt.

    Das Immunsystem wie eine Geschichte lesen

    Roberts Internist lag mit seiner Diagnose nicht falsch: Roberts Immunsystem alterte tatsächlich. Doch die Endgültigkeit dieses Befundes übersah genau das, was sein Leiden überhaupt erst heilbar machte.

    Seine Anatomie glich einer Armee, die über die Jahre geschwächt worden war. Seine Chemie zeigte das leise Feuer einer Dauerentzündung, die im Hintergrund brannte. Seine Energie offenbarte eine Abwehrkraft, die durch Trauer und gestörten Schlaf ausgelaugt war. Und seine Seele legte schließlich den Ursprung von all dem offen: einen tiefen Verlust, der seine Abwehrkräfte aktiv lähmte – über biologische Pfade, welche die Forschung heute immer besser versteht.

    Hätten wir nur Roberts Symptome bekämpft, mit einem Antibiotikum nach dem anderen, hätten wir bloß den Rauch vertrieben, während der Brand im Verborgenen weiter wüten würde.

    Das ACES-Modell fordert dazu auf, alle vier Dimensionen als Ganzes zu betrachten. Denn im Immunsystem greift jedes Zahnrad ins andere:

    Trauer schürt Entzündungen, Entzündungen lassen Immunzellen schneller altern, Schlafmangel raubt dem Körper die Energie, und jede Umdrehung treibt die nächste an. Erst als wir an allen vier Stellschrauben gleichzeitig ansetzten, ließ sich dieser Teufelskreis durchbrechen.

    Das Immunsystem altert. Diese Wahrheit gilt für uns alle. Doch unsere Abwehr ist dem Leben, das wir führen, keineswegs schutzlos ausgeliefert. Sie ist nicht irreparabel. Der Geist kann sich tatsächlich wehren. Und wenn er es tut, erwacht die älteste Armee des Körpers zu neuem Leben.

    Lidan Du-Skabrin, die einen Doktortitel in Ernährungswissenschaften besitzt, hat zu diesem Artikel beigetragen. Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
    Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Why Your Immune System Ages and How to Slow It Down“. (deutsche Bearbeitung kr)
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    Gesunde Süßkartoffeln: Eines der ältesten Gemüse neu entdeckt


    In Kürze:

    • Süßkartoffeln sind in vielen Ländern der Welt ein wichtiges Grundnahrungsmittel.
    • Sie liefern wertvolle Makro- und Mikronährstoffe, die die Gesundheit fördern.
    • Süßkartoffeln können dabei unterstützen, chronischen Erkrankungen vorzubeugen.
    • In der Küche sind Süßkartoffeln wahre Multitalente und vielseitig verwendbar.

     
    Die Süßkartoffel zählt zu den ältesten Gemüsesorten und wurde bereits vor 5.000 Jahren in Mittel- und Südamerika kultiviert. Heute zählt die Knolle in vielen tropischen und subtropischen Ländern Afrikas, Asiens und Ozeaniens zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln. In den USA ist die Süßkartoffel eine beliebte Beilage zum Truthahnbraten am Thanksgiving-Fest.
    In den vergangenen Jahren hat sie sich auch hierzulande einen festen Platz in den Küchen erobert und ist mittlerweile ganzjährig in den Supermarktregalen zu finden. Meist stammt sie aus Importen aus Spanien oder Übersee. Immer häufiger findet man allerdings auch Angebote aus regionalem Anbau. Wer der wärmeliebenden Pflanze einen sonnigen und geschützten Standort im Garten bietet, kann die vielseitige Knolle sogar selbst anbauen.
    Wenngleich Süßkartoffeln in der Erde wachsen und in ihrer Konsistenz und Verarbeitungsmöglichkeiten der Kartoffel ähneln, sind sie botanisch nur sehr entfernt mit ihr verwandt. Während Kartoffeln zu den Nachtschattengewächsen zählen, ist die Süßkartoffel ein Windengewächs. Im Gegensatz zur Kartoffel kann man Süßkartoffeln auch roh und mit Schale essen, da sie kein giftiges Solanin enthalten. Süßkartoffeln werden auch Batate genannt.

    Ausgewogenes Nährstoffprofil

    Süßkartoffeln zählen zu den nährstoffreichsten Gemüsesorten, die die Gesundheit auf vielfältige Weise unterstützen können. Sie liefern komplexe Kohlenhydrate, die angenehm und lange sättigen. Zudem bietet das Gemüse viele Ballaststoffe, die eine gute Darmflora fördern.
    Des Weiteren versorgen uns Süßkartoffeln mit einer ausgewogenen Mischung an Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen. Sie enthält Calcium, Magnesium und Phosphor, die den Aufbau von Knochen und Zähnen fördern. Ihre großen Mengen an Kalium wirken sich positiv auf ein gestresstes Nervensystem aus und können bei der Entsäuerung des Organismus helfen. Außerdem liefern sie Eisen und Zink, die gemeinsam mit Vitamin C das Immunsystem unterstützen.
    Die enthaltenen B-Vitamine und Folat unterstützen die Energiegewinnung und die Funktion des Nervensystems. Süßkartoffeln helfen daher auch in stressigen Zeiten, den Körper mit wichtigen Vitalstoffen zu versorgen.

    Antioxidativ und entzündungshemmend

    Besonders hervorzuheben ist ihr hoher Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen wie Beta-Carotin (Provitamin A), das den Süßkartoffeln ihre tief orange Farbe verleiht. Es schützt und stärkt Haut und Schleimhäute und wirkt antioxidativ. Vitamin A ist außerdem essentiell für eine gute Sehkraft.
    In violetten Süßkartoffeln befinden sich zudem farbgebende Anthocyane. Anthocyane zählen zu den Polyphenolen und sind ebenso für ihr hohes antioxidatives Potenzial und ihre entzündungshemmende Wirkung bekannt sind. Laut einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit von 2022 steht der Verzehr von violetten Süßkartoffeln in engem Zusammenhang mit einem geringeren Risiko für Krankheiten wie Diabetes, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie einer verbesserten kognitiven Funktion.

    Süßkartoffeln für stabilen Blutzucker

    Trotz ihres süßen Geschmacks lassen Süßkartoffeln den Blutzucker in der Regel weniger schnell ansteigen als herkömmliche Kartoffeln, was auf die enthaltenen Polysaccharide, Ballaststoffe und sekundären Pflanzenstoffe zurückzuführen ist. Der regelmäßige Genuss von Süßkartoffeln kann dabei helfen, Blutzuckerschwankungen und Übergewicht zu vermeiden.
    Darüber hinaus befindet sich in der Schale von Süßkartoffeln der sekundäre Pflanzenstoff Caiapo. Eine Studie der Universität Wien fand heraus, dass Caiapo den Nüchternblutzuckerspiegel bei Typ-2-Diabetikern senken kann und sich gleichzeitig günstig auf den Cholesterinspiegel auswirkt.

    Multitalent in der Küche

    Süßkartoffeln können vielseitig und kreativ zubereitet werden. Man kann sie wie Kartoffeln mit Schale kochen oder dämpfen und mit etwas Butter oder Avocado essen. Ebenso gut können sie im Ofen im Ganzen gebacken werden. Dafür die Süßkartoffel mit einer Gabel rundum einstechen. Durch das Backen intensiviert sich die Süße, die mit Gewürzen wie Zimt, Muskat oder Kreuzkümmel harmoniert.
    Auch püriert als Suppe oder Püree schmeckt die Süßkartoffel hervorragend, wobei sie hierfür am besten ohne Schale verwendet wird. Besonders beliebt ist die Batate in Form von Pommes oder Wedges aus dem Ofen, die gerne als Beilage zu Burger oder Bowls gereicht werden.
    Außerdem passt die Süßkartoffel in Gemüseeintöpfe und Currys, als Aufstrich oder – kalt in Scheiben geschnitten – in den Salat. Roh kann man sie wie Karotten fein raspeln und als Salat zubereiten. Aufgrund ihrer natürlichen Süße kann die Batate sogar in Süßspeisen wie Kuchen, Brownies oder Eis verarbeitet werden. Dafür werden die Süßkartoffeln zunächst gekocht oder gebacken und dann püriert. Sodann sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.
    Wer sich Süßkartoffeln auf Vorrat kauft, sollte auf die richtige Lagerung achten. Bei kühlen Temperaturen wie im Kühlschrank werden sie zäh und verlieren an Geschmack. Am besten lagerfähig sind Süßkartoffeln an einem trockenen, kühlen und dunklen Ort bei etwa 13 bis 16 Grad.
    Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker. 
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    Gefahrgutalarm: Terminal 1 am BER geräumt

    Das Terminal 1 am Flughafen BER ist am Donnerstagabend wegen „Gefahrgutalarm“ geräumt worden.
    Wegen des Verdachts auf einen gefährlichen Stoff habe die Bundespolizei gegen 17:45 Uhr entsprechenden Alarm ausgelöst, sagte eine Flughafensprecherin der dts Nachrichtenagentur. Aus Sicherheitsgründen sei der öffentliche Bereich des Terminal 1 geräumt worden.
    Ein Bundespolizist sagte der dts Nachrichtenagentur gegen 19:30 Uhr auf Anfrage, die Sperrung des Terminals dauere noch an. Am Abend wurden zunächst bis auf die Absage eines Eurowings-Flugs nach Stuttgart keine Angaben über Flugstreichungen gemacht, verschiedene Maschinen hoben ab.
    Bereits abfertigungsbereite Maschinen könnten noch starten, im Anflug befindliche Maschinen könnten weiterhin landen, sagte eine Flughafen-Sprecherin. Die Abfertigung werde so weit wie möglich auf Terminal 2 verlegt. „Die Abläufe sind geordnet“, sagte sie. (dts/red)
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    Neue Alzheimer-Bluttests: Durchbruch in der Früherkennung – oder gefährliche Falle für Patienten?

    Wenn Gedächtnisprobleme auftreten, ist eine der schwierigsten Fragen für Patienten und Angehörige, ob diese auf den normalen Alterungsprozess oder auf die frühen Stadien der Alzheimer-Krankheit zurückzuführen sind. Jahrzehntelang war zur Bestätigung einer Alzheimer-Erkrankung eine Lumbalpunktion oder eine teure Gehirnuntersuchung erforderlich.
    Nun kann eine einfache Blutentnahme, wie sie bei Routineuntersuchungen durchgeführt wird, die charakteristischen Anzeichen der Krankheit erkennen, und das Jahre bevor überhaupt Gedächtnisverlust auftritt.
    Diese Entwicklung gewann durch die kürzlich erfolgte Zulassung für bestimmte Alzheimer-Bluttests durch die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) sowie das erhaltene CE-Zertifikat für den europäischen Markt an Bedeutung.
    Allerdings mahnen dieselben Experten, die die Tests begrüßen, zur Vorsicht hinsichtlich der Frage, wer einen solchen Test erhalten sollte und warum.

    Was die neuen Bluttests messen

    Die Tests suchen nach Biomarkern – Proteinen im Blut, die auf Veränderungen im Gehirn hinweisen, darunter:
    • Amyloid-beta: Ein Protein, dessen abnormale Ablagerung im Gehirn sich in messbaren Veränderungen im Blut widerspiegeln kann. Amyloid-Plaques können sich bereits 20 Jahre oder länger vor dem Auftreten von Gedächtnisproblemen im Gehirn ansammeln. Obwohl die Amyloid-beta-Theorie in den letzten Jahren in Frage gestellt wurde, wird sie nach wie vor als wichtiger Biomarker herangezogen.
    • Tau: Ein Protein, das zur Stützung der Nervenzellen beiträgt. Bei der Alzheimer-Krankheit können sich abnormale Formen von Tau ansammeln und im Gehirn Verklumpungen bilden.
    • Phosphoryliertes Tau (p-Tau): Modifizierte Formen von Tau, die eng mit den durch Alzheimer bedingten Veränderungen im Gehirn verbunden sind. Verschiedene Bluttests messen modifizierte Formen des Tau-Proteins, die oft nach der Stelle der Veränderung benannt werden, wie beispielsweise p-Tau181 oder p-Tau217. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass p-Tau217 einer der genauesten Indikatoren für die Erkrankung sein könnte.
    • Gliales fibrilläres saures Protein (GFAP): Ein Marker für die Schädigung von Astrozyten, wichtigen Stützzellen des Gehirns.
    • Leichte Kette des Neurofilaments: Ein Protein, das bei einer Schädigung von Nervenzellen freigesetzt wird und auf eine fortschreitende Neurodegeneration hindeuten kann.
    Dennoch weisen Forscher darauf hin, dass diese Marker eher Folgeerscheinungen als die eigentlichen Ursachen erfassen.
    „Wir wissen noch nicht, was die früheste Veränderung bei der Alzheimer-Krankheit ist“, sagte George Perry, Professor für Neurobiologie an der University of Texas in San Antonio und Mitglied des medizinischen Beirats der Alzheimer’s Foundation of America, gegenüber der Epoch Times.
    Tau helfe dabei, Alzheimer-bedingte Veränderungen im Gehirn bei Menschen zu identifizieren, die bereits kognitive Symptome zeigen, so Perry.
    Forscher gehen jedoch davon aus, dass die Krankheit mit anderen biologischen Veränderungen beginnt, wie oxidativem Stress und mitochondrialer Dysfunktion, für die bislang noch keine zuverlässigen Biomarker etabliert wurden, fügte er hinzu.

    Wie genau sind die Tests?

    Durch die Messung subtiler Veränderungen bei Proteinen wie p-Tau217 und Amyloid-beta können neuere Bluttests abschätzen, ob im Gehirn Marker für Alzheimer vorliegen.
    Eine Studie aus dem Jahr 2024 mit 1.213 Personen, die wegen kognitiver Probleme untersucht wurden, ergab, dass diese Tests eine diagnostische Genauigkeit von 88 bis 92 Prozent aufwiesen und die alleinigen Beurteilungen durch medizinisches Fachpersonal übertrafen.
    Eine andere Studie mit 1.759 Teilnehmern ergab, dass Bluttests die diagnostische Genauigkeit der Rückenmarksflüssigkeitsanalyse erreichen können – bei Menschen mit frühen Symptomen bis zu 95 Prozent.
    Diese Zahlen sollten jedoch nicht so interpretiert werden, dass jeder Alzheimer-Bluttest zu 95 Prozent genau ist. Die Leistungsfähigkeit variiert je nachdem, wonach der Test sucht, welcher Schwellenwert zur Bestimmung eines positiven oder negativen Ergebnisses herangezogen wird und um welchen Patienten es sich handelt.

    Ein positiver Test sagt nicht alles aus

    Trotz der Genauigkeitswerte sind sich Experten einig, dass ein Bluttest allein keine Alzheimer-Diagnose stellen kann.
    Die größte Sorge sei eine Fehlinterpretation, erklärte Dr. David Perlmutter, Facharzt für Neurologie und Autor, gegenüber der Epoch Times.
    „Ein falsch-positives Ergebnis kann unnötige Ängste auslösen, während ein falsch-negatives Ergebnis falsche Sicherheit vermitteln kann. Diese Tests sollten im Rahmen einer Beratung und im klinischen Kontext eingesetzt werden“, so Perlmutter.
    Perry zog einen Vergleich zu einem bekannten und bekanntermaßen unvollkommenen Screening-Verfahren:
    „Ich sehe Bluttests auf Alzheimer ähnlich wie den PSA-Test [Prostata-spezifisches Antigen]. Ein positives Ergebnis deutet auf eine Abweichung vom Normalzustand hin, bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass eine Person an der Krankheit leidet.“
    Bluttests könnten als nützliche Basisuntersuchung dienen, doch ihre Grenzen müssten besser verstanden werden, sagte er.
    Deshalb warnt Perry davor, diese Tests zur Vorsorgeuntersuchung der allgemeinen alternden Bevölkerung einzusetzen. Falsch-positive Ergebnisse könnten kognitiv gesunde Menschen zu unnötigen oder riskanten Behandlungen drängen, um einer Krankheit vorzubeugen, die sie möglicherweise gar nicht haben oder niemals bekommen werden. Ihr größerer kurzfristiger Nutzen liege eher in der Alzheimer-Forschung – bei der Definition von Patientengruppen und der Messung der Wirksamkeit verschiedener Behandlungen, sagte er.
    Diese Tests sollten als Teil einer umfassenderen klinischen Beurteilung betrachtet werden, zusammen mit Symptomen, Familienanamnese, kognitiven Tests, Medikamenteneinnahme, Schlaf, Stimmung, vaskulärem Risiko, Markern für den Stoffwechselzustand und möglichen Ursachen für kognitive Probleme, so Perlmutter.
    Je nach Bluttest und Symptombewertung können zur Bestätigung weiterhin Untersuchungen des Liquors oder PET-Bildgebungsverfahren angebracht sein.
    Aktuelle Leitlinien der Alzheimer’s Association besagen, dass die Tests bei Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen eingesetzt werden sollten, die wegen des Verdachts auf Alzheimer untersucht werden, anstatt sie als eigenständige Screening-Tests in der Allgemeinbevölkerung zu verwenden.
    Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
    Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „A Blood Test May Detect Alzheimer’s Years Before Symptoms Appear—Here’s What to Know“. (deutsche Bearbeitung kr)
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    Starke Füße, wacher Geist: Warum Sie öfter barfuß gehen sollten


    In Kürze:

    • Moderne Schuhe sorgen dafür, dass unsere Fußmuskeln weniger beansprucht werden, was sie schwächer macht.
    • Barfußlaufen kann aber nicht nur die Muskeln direkt am Fußskelett stärken, sondern auch das Gleichgewicht und eine gesunde Körperhaltung fördern.
    • Da Füße zahlreichen Nervenrezeptoren haben, die ständig mit dem Gehirn kommunizieren, beruhigt das Barfußlaufen das Nervensystem, sorgt für Entspannung und steigert die Konzentration.
    • Wer immer in Schuhen unterwegs ist, sollte es beim Barfußlaufen langsam angehen lassen und es mit einem weichen Untergrund wie etwa Gras oder Sand anfangen.

     
    Barfußlaufen bietet Vorteile von Kopf bis Fuß. Es verbessert die Fußfunktion und kurbelt zudem die Gehirnaktivität an.
    „Unsere Füße sind unsere zentrale Verbindung zum Boden und eine wichtige Informationsquelle für unser Nervensystem“, sagte der Chiropraktiker Mark Morningstar gegenüber Epoch Times.

    Stärkere Füße

    Die Vorteile des Barfußlaufens zeigen sich am deutlichsten an den Füßen und in der Art und Weise, wie wir uns bewegen. Kinder, die häufig barfuß laufen, können laut Untersuchungen besser springen und entwickeln einen besseren Gleichgewichtssinn.
    Laut einer Metaanalyse aus dem Jahr 2025, die 213 Teilnehmer umfasste, verfügen Turner, die barfuß trainieren, über eine größere Stabilität und stärkere Fußmuskeln. Auch zeigte sich bei ihnen eine bessere neuromuskuläre Kontrolle, also eine bessere Signalübertragung zwischen den Muskeln und dem Nervensystem.
    „Barfußlaufen ermöglicht es den kleinen intrinsischen Muskeln des Fußes, optimal zu arbeiten“, sagte Morningstar dazu.
    Die intrinsischen Muskeln direkt am Fußskelett sind entscheidend für das Gleichgewicht und feinmotorische Bewegungen.
    Moderne Schuhe stützen das Fußgewölbe und verringern so tendenziell die Belastung, die auf die kleinen Muskeln in den Füßen einwirkt. Dadurch müssen die intrinsischen Muskeln weniger arbeiten. Das sorgt mit der Zeit dafür, dass sich die Muskeln weniger entwickeln und durch mangelnde Beanspruchung schwächer werden.
    Da die Füße die Grundlage für die Bewegung des Körpers bilden, können schwache Füße auch die Gesundheit der Wirbelsäule beeinträchtigen. Morningstar zufolge kann Barfußlaufen „ein wertvolles Mittel sein, um gesündere Bewegung und eine bessere Körperhaltung zu fördern“.

    Ein ruhigeres, schärferes Gehirn

    Die Vorteile des Barfußlaufens beschränken sich nicht nur auf die Füße. Es unterstützt auch das Gehirn und das Nervensystem.
    Das zeigte beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 2024. Sie verglich, wie sich das Barfußlaufen und das Laufen in Turnschuhen auf die kognitiven Funktionen bei Teenagern auswirken. Im Rahmen der Studie absolvierten beide Gruppen zwölf Wochen lang viermal pro Woche eine 40-minütige Laufeinheit. Die Forscher maßen vor und nach dem Lauf die Gehirnaktivität mithilfe von EEG-Scans.
    Am Ende nahmen bei der Barfußgruppe die Gehirnwellen signifikant ab, die mit Stress und Überaktivität in Verbindung stehen. Wellen, die mit einem ruhigeren, entspannten und dennoch wachen Geisteszustand assoziiert sind, nahmen hingegen zu. Zudem verbesserten sich in dieser Gruppe die kognitive Geschwindigkeit und Konzentration deutlich, was bei der Turnschuhgruppe weniger ausgeprägt war.
    Eine Erklärung könnte sein, dass nackte Füße weitaus mehr sensorische Informationen aufnehmen als Füße in Schuhen. Die zahlreichen Nervenrezeptoren in den Füßen senden ständig Rückmeldungen an das Gehirn. Das Bewegen der Zehen erhöht zudem die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung des Gehirns.
    Diese sensorischen Reize wirken sich auch auf das autonome Nervensystem aus. Das ist jener Teil des Nervensystems, der weitgehend im Autopilot-Modus arbeitet und Funktionen wie Herzfrequenz und Stressreaktion steuert.
    „Die Füße sind ein Bestandteil eines integrierten neurologischen Systems“, sagte Morningstar dazu.

    Ein entspannterer Körper und weniger Entzündungen

    Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2025 fördert der direkte Kontakt zwischen nackten Füßen und natürlichen Oberflächen, dass sich der Körper entspannt und von Stress erholt und den Serotoninspiegel erhöht.
    „Es geht darum, dem Nervensystem eine weitere Gelegenheit zu bieten, Sicherheit, Präsenz und Verbundenheit zu erfahren“, erklärte Sandra Nathan gegenüber Epoch Times. Sie ist integrative Therapeutin und Spezialistin für die Regulierung des Nervensystems.
    Anstatt sich in ängstlichen Gedanken über die Vergangenheit zu verstricken oder sich Sorgen um die Zukunft zu machen, richtet man seine Aufmerksamkeit ganz natürlich wieder auf den gegenwärtigen Moment – die Erde unter den Füßen.
    „Dieses Umschalten ist wichtig, weil das Nervensystem nicht nur auf unsere Gedanken reagiert, sondern auch darauf, was unser Körper erlebt“, so Nathan.
    Ferner kann Barfußlaufen auch dazu beitragen, Entzündungen zu reduzieren. Das geschieht vermutlich durch zwei Mechanismen: 
    1. Die Reflexzonenmassage, bei der Druck auf die Fußsohlen die Nervenenden stimuliert. 
    2. Das „Earthing“, also der direkte Hautkontakt mit der Erdoberfläche, bei dem ein Elektronenaustausch stattfinden soll, der freie Radikale im Körper reduziert.

    Macht die Oberfläche einen Unterschied?

    Die Oberfläche unter den Füßen beeinflusst, wie der Körper reagiert.

    Gras

    Gras bietet eine sanfte Stimulation und die Nervenenden in der Haut nehmen leichte Berührungen wahr. 
    Wenn wir über Gras laufen, senden diese Rezeptoren einen ständigen Informationsstrom an das Gehirn. Dabei helfen sie den Muskeln in den Füßen, kleine Anpassungen vorzunehmen, die Körperhaltung und Gleichgewicht verbessern. 
    Dies könnte erklären, warum Barfußlaufen auf Gras nachweislich das Gleichgewicht verbessert.

    Sand

    Sand hilft hingegen dabei, die unteren Gliedmaßen zu stärken. Da die Ferse bei jedem Schritt einsinkt, müssen die Muskeln in den Füßen und Beinen stärker arbeiten, um den Körper vorwärts zu bewegen.

    Waldboden

    Wege, die mit Erde, Rinde oder kleinen Steinen bedeckt sind, sind eine andere Art Herausforderung. Die unebene Oberfläche erzeugt einen akupressurähnlichen Effekt. Dieser verstärkt den Fluss sensorischer Informationen von den Füßen zum zentralen Nervensystem und trägt so dazu bei, das Gleichgewicht und die Körperhaltung zu verbessern.

    Tipps für die ersten Schritte

    Wer es mit dem Barfußlaufen probieren möchte, sollte klein anfangen, rät die integrative Therapeutin Nathan. „Man muss nicht stundenlang barfuß laufen, um mögliche Vorteile zu erleben. Schon fünf oder zehn Minuten auf einer sicheren, sauberen Oberfläche wie Gras oder Sand können eine schöne Gelegenheit sein, einen Gang runterzuschalten und wieder zu sich selbst zu finden“, meinte sie.
    Anstatt sich Gedanken darüber zu machen, ob man es „richtig“ mache, ermutigt sie Anfänger dazu, neugierig zu sein. Man sollte auf verschiedene Signale achten:
    • das Gefühl unter den Füßen,
    • die Atmung,
    • ob sich die Schultern entspannen,
    • ob die Gedanken zur Ruhe kommen.
    Barfußlaufen mag viele Vorteile bieten, sei aber nicht für jeden geeignet, sagte der Chiropraktiker Morningstar. „Jemand, der jahrelang in sehr steifen und stark gepolsterten Schuhen unterwegs war, wird nicht plötzlich anfangen können, lange Strecken barfuß zurückzulegen“, erklärte er.
    Die Füße brauchen Zeit, um allmählich stärker zu werden. Ihm zufolge sind Menschen mit bestimmten Erkrankungen im Allgemeinen sicherer, wenn sie festes Schuhwerk tragen. Dazu gehören Personen mit Leiden wie 
    • diabetische Neuropathie,
    • schwere Fußdeformitäten,
    • schwere Arthritis,
    • Osteoporose mit hohem Frakturrisiko,
    • einige Gleichgewichtsstörungen.

    Barfußlaufen ist kein Allheilmittel

    Die integrative Therapeutin Nathan erläuterte, dass die Menschen ein großes Missverständnis bezüglich des Regulierens des Nervensystems haben. Sie erwarten, dass eine einzige Sache ihr Leben über Nacht verändert. In Wirklichkeit verlaufe die Heilung meist viel sanfter.
    „Unser Nervensystem lernt durch Erfahrungen. Jedes Mal, wenn wir Momente der Geborgenheit, Verbundenheit, Ruhe oder Freude erleben, bringen wir ihm etwas Neues bei“, sagte sie.
    Für manche sei diese Erfahrung das Barfußlaufen. Für andere sei es Gartenarbeit, in der Natur zu sitzen, achtsames Atmen oder Zeit mit Menschen zu verbringen, die ihnen ein Gefühl der Geborgenheit vermitteln, meinte sie.
    „Heilung geschieht durch kleine Erfahrungen der Geborgenheit, die sich im Laufe der Zeit wiederholen.“
    Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
    Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Happens When You Walk Barefoot“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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    Gängiges Gelenkpräparat steht im Verdacht, das Fortschreiten von Alzheimer zu beschleunigen

    Ein Forschungsteam stieß auf eine unerwartete Entdeckung: Das weit verbreitete Gelenkmittel Glucosamin könnte das Gehirn von Alzheimer-Patienten zusätzlich belasten. Laut einer im Juni veröffentlichten Studie steht das Nahrungsergänzungsmittel mit einem schnelleren geistigen Abbau in Verbindung, allerdings nur bei Menschen, die bereits an Alzheimer oder einer leichten Vorstufe leiden.

    Für Gesunde gibt es Entwarnung. Wer Glucosamin gegen Gelenkschmerzen nimmt und geistig fit ist, müsse sich keine Sorgen machen oder das Mittel wegwerfen, betont Studienleiter Ramon Sun von der University of Florida.

    Erhöhtes Risiko bei bestehender Erkrankung

    Für die im Fachjournal „Nature Metabolism“ erschienene Arbeit nutzte das Forschungsteam eine breite Datenbasis – von Maustests über Gewebeproben bis hin zu modernen Gehirnscans. Zudem analysierten die Wissenschaftler die Daten von über 4.600 Patienten der University of Florida aus den Jahren 2012 bis 2024, die an Gedächtnisstörungen oder Demenz litten. Etwa acht Prozent von ihnen nahmen regelmäßig Glucosamin.

    Das Ergebnis: Bei Patienten mit leichten Gedächtnisproblemen war die Einnahme von Glucosamin mit einem um 25 Prozent höheren Risiko verbunden, dass sich daraus eine Demenz entwickelte. Bei bereits an Demenz erkrankten Patienten stieg zudem das Sterberisiko innerhalb von zehn Jahren um 25 Prozent.

    Noch handelt es sich jedoch um Vorabergebnisse. Studienleiter Sun betont, dass erst klinische Studien beweisen müssen, ob Glucosamin tatsächlich die Ursache für den schnelleren Krankheitsverlauf ist.

    Wie Glucosamin das Gehirn beeinflussen könnte

    Glucosamin trägt laut der Studie zu einer chemischen Reaktion bei, die bei der Alzheimer-Krankheit oft überhandnimmt.
    Ähnlich wie Diabetes durch eine gestörte Zuckerverwertung entsteht, deuten aktuelle Studien darauf hin, dass bei Alzheimer ein vergleichbares Problem im Gehirn auftritt.
    Eine Möglichkeit, wie das Gehirn Zucker verstoffwechselt, besteht darin, ihn an Proteine anzuhängen – ein Prozess, der als Glykosylierung bekannt ist. Hyperglykosylierung, also die übermäßige Ansammlung von Zucker-Protein-Ketten, könnte als primärer metabolischer Treiber der Alzheimer-Pathologie wirken und nicht nur ein Nebenprodukt sein.
    „Dieses System der Zuckerverknüpfung scheint überaktiv zu sein“, sagte der Mitautor der Studie, Matt Gentry, von der University of Florida, gegenüber der Epoch Times. „Im Alzheimer-Gehirn werden zu viele dieser Zuckerstrukturen gebildet, und dies scheint eher zur Krankheit beizutragen, als vor ihr zu schützen.“
    Glucosamin ist eine natürlich vorkommende Art von Zuckermolekül, das ebenfalls in den Glykosylierungsprozess einfließen kann.
    In Tiermodellen stellten Forscher fest, dass eine Glucosamin-Supplementierung die Glykosylierung verstärkte und mit einer Verschlimmerung der Alzheimer-Pathologie in Verbindung stand.
    Gehirngewebeproben von Alzheimer-Patienten wiesen höhere Glykosylierungswerte auf als die von gesunden Kontrollpersonen, was darauf hindeutet, dass die Funktionsstörung das Fortschreiten der Krankheit aktiv vorantreibt und nicht lediglich eine Folge davon ist.

    Ein umkehrbarer Signalweg?

    Sun erklärte, die potenzielle Umkehrbarkeit dieses Signalwegs sei der „ermutigende Aspekt“ der Ergebnisse.
    „Der wichtige Punkt ist, dass der Signalweg in beide Richtungen verläuft“, sagte er. „Wenn seine Aktivierung die Situation verschlimmert, sollte eine Herunterregulierung helfen – und genau das haben wir beobachtet.“
    Als das Team die Glykosylierung bei Mäusen genetisch sowie durch einen Hemmstoff reduzierte, verbesserte sich das Gedächtnis der Mäuse.
    Die Entdeckung ergänzt bestehende Forschungsergebnisse, die Insulinresistenz und einen gestörten Glukosestoffwechsel als mögliche Auslöser der Alzheimer-Krankheit identifizieren.
    Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
    Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Common Joint Supplement Linked to Faster Alzheimer’s Progression“. (deutsche Bearbeitung kr)
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    Wie man sein Idealgewicht dank der passenden Routinen das ganze Jahr über halten kann

    „Wann machst du denn Mittagspause? Ich bin seit ein paar Tagen hier und es ist so traurig, alleine zu essen.“ Das war das Erste, was Arianna, eine italienische Austauschstudentin, zu mir sagte, als wir uns  in der Küche an unserem Praktikumsplatz trafen. Für sie war ein gemeinsames Mittagessen selbstverständlich, anstatt schnell nebenbei vor dem Computer zu essen, aber in ihrer Abteilung hatte sie niemanden gefunden, der sich die Zeit dafür nahm.
    Wir waren beide noch Studentinnen und hatten einen stressigen Alltag zwischen Vorlesungen, Praktikum, ohne geregelten Pausen und arbeiteten eigentlich gar nicht direkt zusammen, aber seit diesem Tag verbrachten wir unsere Mittagspause oft gemeinsam.
    Neben der Universität, wo wir arbeiten, gab es viele Lokale und Streetfood –  mit Essen zum Mitnehmen in vielen Varianten. Während ich mir dort regelmäßig etwas holte, blieb Arianna konsequent. Aus ihrer Tasche zauberte sie täglich ein Glasgefäß mit hausgemachter Pasta oder Lasagne – variiert mit Fisch, Meeresfrüchten, Fleisch oder Gemüse. Jede Portion stammte aus ihrer eigenen Küche, abgemessen nach der „Finger-Kreis-Methode“ für Spaghetti, die laut ihr zum italienischen Allgemeinwissen gehört. Zutaten von hoher Qualität, oft im Paket von den Eltern aus Italien geschickt, waren für sie selbstverständlich. Auch trendige Spezialkaffees oder saisonale Werbe-Hits wie Pumpkin-Spice-Latte der großen Ketten kosteten sie nur ein mitleidiges Lächeln über ihre Espressotasse hinweg.
    Studiendaten zeigen, dass bei einem Großteil der Menschen Ernährungsumstellungen und Gewichtsabnahme nicht von Dauer sind, weil sie es nicht schaffen, diese langfristig in ihren Alltag zu integrieren.
    So ergab beispielsweise eine Meta-Analyse mit 27 Studien und mehr als 7000 Teilnehmern, dass durchschnittlich 36 Wochen nach einer erfolgreichen Diät die Gewichtszunahme wieder einsetzt. Eine andere Übersichtsstudie, die 22 verschiedene Abnehmstrategien beleuchtete, zeigte, dass durchschnittlich nach einem Jahr knapp die Hälfte des Ursprungsgewichts wieder zugenommen wurde. Ein weiterer Review untersuchte die Langzeiteffekte von verschiedenen Diäten nach drei Jahren und kam zu dem Schluss: Der durchschnittliche Gewichtsverlust lag nur noch bei knappen 3,5 Prozent des Ausgangsgewichtes vor der Gewichtsreduktion.
    Eine aktuelle Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 zeigte, dass auch bei medikamentösen Interventionen mit Semaglutid (dem Wirkstoff in Ozempic oder Wegovy), nach dem Absetzen ein Großteil des abgenommenen Gewichts wieder zugenommen wird. Bereits innerhalb eines Jahres hatten die Studienteilnehmer durchschnittlich wieder knapp 60 Prozent ihres Ursprungsgewichts.
    Während unterschiedliche Ernährungskonzepte und Diäten im Detail leichte Unterschiede zeigen und ein kleiner Teil der Teilnehmer sein Gewicht besser halten konnte als der Durchschnitt, kann man den durchgehenden Trend hinter den Daten schwer ignorieren: Sich gesund zu ernähren und sein Idealgewicht langfristig zu halten, scheint ohne das Finden von wirklich passenden Routinen, die man langfristig beibehalten kann, kaum möglich.

    Wie man persönliche, optimierte Routinen findet, die langfristig klappen können

    Das Praktische, aber auch Gefährliche an Routinen ist, dass Abläufe so oft wiederholt werden, dass sie einfach selbstverständlich werden. Haben sich schlechte Routinen eingeschlichen, ist es dadurch schwer sie zu durchbrechen. Schafft man es aber gute Routinen zu etablieren, braucht man dafür keine extra Motivation mehr und man reduziert die tägliche Entscheidungslast. Je nach Person und Schwierigkeit der Umstellung dauert es laut Untersuchungen zwischen 18 und 256 Tagen, bis etwas zur Routine wird – im Durchschnitt 66 Tage.
    Als ich selbst nach Routinen suchte, um gesünder zu essen, öfter frisch zu kochen und gleichzeitig mein Gewicht zu halten, stieß ich auf die üblichen Tipps aus der medizinischen Fachwelt oder Lifestyle-Gesellschaft.
    Die meisten sind allgemein bekannt und reichen von mediterraner Ernährung, fünfmal täglich buntem regionalen Obst und Gemüse, verschiedenen Fastenintervallen, mehr Proteinen, dem Meiden verarbeiteter Lebensmittel, dem Achten auf versteckten Zucker und Fruchtzucker sowie verschiedenen Lifestyle-Produkten von Shakes über Nahrungsergänzungsmittel, die länger satt machen oder den Stoffwechsel ankurbeln sollen.
    Möglichkeiten, Tipps und spezialisierte Produkte gibt es mehr als genug. Wie findet man aber ein Konzept, das man nicht nach wenigen Wochen wieder hinwirft, sondern das langfristigen Erfolg beibehält? Etwas, das Routine wird, und zwar eine, die so gut zu einem passt, dass sie einfach selbstverständlich wird – so wie es für Arianna war?

    Schritt 1: Die ungefilterte Problemanalyse

    Was keiner der Ernährungs- und Diät-Tipps beinhaltet, ist eine ehrliche Antwort darauf, was mich persönlich davon abhält, gute Ernährungstipps und Konzepte tatsächlich umzusetzen.
    Meiner Ansicht nach: Eine solche Problemanalyse, dieses genaue, ungefilterte Hinschauen und Aufschlüsseln, muss man selbst machen. Ernährungsberater, medizinisches Fachpersonal, Influencer, der Ehepartner, die beste Freundin oder ein KI-Chat-Bot können dabei vielleicht unterstützen, aber eine ehrliche, individuelle Problemanalyse ist der unvermeidliche erste Schritt. Dabei sollte man versuchen so konkret wie möglich zu sein, denn davon hängt ab, wie gut die anschließende Problemlösung wird.
    Wie schon Albert Einstein gesagt haben soll:
    „Das Problem zu erkennen ist wichtiger als die Lösung zu erkennen, denn die genaue Darstellung des Problems führt zur Lösung“.
    Für mich waren es beispielsweise diese drei wesentlichen Probleme, die zwischen mir und meinen Ernährungszielen standen:
     
    1. Zu oft Takeout und Fertiggerichte (inklusive Geschmacksverstärker, verstecktem Zucker und Standardportionsgrößen, die oft größer sind, als man sonst gegessen hätte) anstatt selbst zu kochen aus Bequemlichkeit und schlechtem Zeitmanagement, getarnt als „zu viel Stress und keine Zeit“.
    2. Snacks zwischendurch (versteckte Kalorien, die nicht satt machen), um Hungerphasen zu überbrücken oder aus eingeschlichenen schlechten Gewohnheiten.
    3. Zu oft auf das geschickte Marketing hineinzufallen, dass der trendige Kaffee oder Smoothie zum Mitnehmen vom beliebtesten Café der Straße eine verdiente Belohnung in meiner Pause oder nach der Arbeit sei. Tatsächlich enthalten sie oft mehr Zucker und Kalorien als eine vollständige Mahlzeit und die Extraportion Mikroplastik aus dem To-go-Becher bringt mich dem Ziel, mich gesünder zu ernähren, auch nicht wirklich näher.
     

    Schritt 2: Probleme tatsächlich lösen

    Bei der Problemlösung macht es Sinn, tatsächliche Lösungskonzepte zu finden und sich nicht selbst Schlagwörter als Lösung zu verkaufen.
    Wenn man beispielsweise sagt: „Ich will weniger Fertiggerichte essen und koche deshalb einfach öfter frisch zuhause“, ist das kein Konzept, sondern nur ein Wunsch.
    Hilfreicher ist es, konkrete Schritte zu definieren, die man tatsächlich umsetzen kann. Nicht nur an einem guten Tag, wenn alles nach Plan läuft, nicht nur, wenn man motiviert ist, auch nicht nächsten Monat, sondern sobald sie definiert sind, jeden Tag.

    Problemlösung 1: Takeout und Fertiggerichte überflüssig machen

    Am leichtesten zu etablieren war für mich eine Frühstücksroutine, weshalb ich damit startete. Persönlich finde ich ein proteinreiches Frühstück die beste Wahl, weshalb ich zwei Frühstücksvarianten etablierte: Ich kaufe überhaupt kein Frühstück mehr unterwegs, sondern nehme mir Zeit zuhause vorzubereiten:
    • Variante Eins (griechischer Joghurt mit etwas Honig, saisonalen, regionalen Früchten und Rosinen) oder in der kalten Jahreszeit
    • Variante Zwei bestehend aus warmen Eiern, Schinken und etwas Brot
    Wenn ich einen sehr frühen Arbeitstermin habe und es zu knapp wird, um in Ruhe zuhause frühstücken zu können, nehme ich mir in einem Glasgefäß die passende Portionengröße mit und frühstücke bei der ersten Gelegenheit nach dem Termin.
    Da ich es auf zwei einfache Varianten beschränkt habe, die ich leicht einkaufen kann, und ich zusätzlich einen Notfallplan habe, falls das Zeitmanagement mal doch wieder nicht funktioniert, war es nicht schwierig, die Routine einzuführen und beizubehalten. Mittlerweile habe ich dabei den „Arianna-Zustand“ erreicht – selbst im Urlaub oder auf Dienstreise, egal wie groß das Frühstücksbuffet ist, nehme ich mir trotzdem meine Frühstücksvariante 1 oder 2, genau wie zuhause.

    Die Frühstücksroutine auf den Rest des Tages ausweiten

    Für das Abendessen, habe ich meine Familie mit ins Boot geholt und das gemeinsame Familienabendessen als Fixpunkt definiert, nach dem sich unser normales Arbeitsende wenn es nicht eine große Ausnahme ist oder Notfallüberstunden gibt, richten muss. Da aber vor allem nach einem Arbeitstag nicht nur der Zeitfaktor, sondern auch die Überwindung der Bequemlichkeit eine Rolle spielen, haben wir zuerst ein paar Wochen mit einer Kochbox 3-mal die Woche gestartet, um die Routine zu starten.
    Das hat den Vorteil, dass man alle Zutaten geliefert bekommt und man muss sie zudem mit dem mitgelieferten Rezept verkochen, bevor sie schlecht werden. Finanziell und geschmacklich lohnt es sich meiner Meinung nach nicht, aber es sorgt für einen schrittweisen Übergang von Fertiggerichten und Takeout und es fühlt sich nicht an wie eine riesengroße Veränderung, die man dann doch nicht durchhalten kann.
    Aufbauend darauf haben wir mit der Zeit Folgendes etabliert: Essensplanung und Einkauf immer für drei oder vier Tage durchgehend, Lieblingsgerichte, die wenig Aufwand sind, wenig Kochgeschirr benötigen und die wir alle, inklusive unseres kleinen Sohnes, gerne essen, werden unter der Woche ungefähr im Zwei- bis Dreiwochentakt wiederholt. Lieblingsgerichte ändern sich je nach Saison, aber pro Woche sind normalerweise einmal Pastagericht, einmal Suppe, einmal Fischgericht fix eingeplant. Aufwändigere Gerichte (alles, was mehr als 2 Töpfe oder 2 Pfannen benötigt oder mehr als 40 Minuten Kochzeit) oder wenn wir etwas Neues ausprobieren wollen, werden auf das Wochenende ausgelagert.
    Eine Routine für das Mittagessen, das ich entweder alleine zuhause esse oder in der Mittagspause bei der Arbeit, die nicht immer zur gleichen Zeit möglich ist, war schwieriger, aber nach einiger Zeit auch notwendig.
    Denn eine Konsequenz dieser Problemlösung ist: Wenn man vieles aus guten Produkten selbst macht, gewöhnt man sich nicht nur an die Qualität, sondern auch an den Geschmack. Fertiggerichte werden dadurch mit der Zeit immer ungenießbarer. Takeout beginnt wie ein Kompromiss zu schmecken und der Gedanke „Das hätte ich zuhause besser und günstiger machen können“ wird ebenfalls zur Routine. Das trägt zwangsläufig dazu bei, dass diese Problemlösung langfristig Erfolg hat.
    Seit wir beispielsweise Pizza inklusive Pizzateig zuhause selbst machen, mit dem Belag, den wir am liebsten mögen, in der genau für uns richtigen Randstärke und Ofenzeit, wäre jede Fertigpizza eine Riesenenttäuschung, die Bequemlichkeit einfach nicht mehr wert ist. Was Arianna schon als junge Studentin wusste, habe ich mit der Zeit also auch gelernt.

    Problemlösung 2: Snacks überflüssig machen oder durch bessere Routinen ersetzen

    Als Snacks oder Essen zwischendurch zähle ich alles, was nicht zu meinen drei Hauptmahlzeiten gehört. Ein Proteinriegel hier, ein paar Nüsse dort, ein Stück Kuchen zur Kaffeepause, Chips vorm Fernseher oder während man am Laptop arbeitet, summieren sich kalorientechnisch oft unbemerkt.
    Ein theoretisches Rechenbeispiel: Der Kalorienbedarf einer Frau meines Alters, moderat aktiv mit Bürojob und einem Normalgewicht von 56 Kilogramm, liegt ungefähr zwischen 1750 bis 1950 kcal pro Tag. Wenn ich über den Tag verteilt einen Proteinriegel, eine Handvoll Nüsse und eine halbe Packung Chips essen würde, wären dies bereits ungefähr 900 kcal. Das wäre die Hälfte meines Tagesbedarfs – ohne dass ich eine einzige richtige Mahlzeit gehabt hätte.
    Es ist schwer, sich das Essen zwischendurch abzugewöhnen, wenn es schon zur Gewohnheit geworden ist. Aber so wie in meinem Fall: Durch das Einführen einer guten Frühstücksroutine wurden alle Snacks bis zum Mittagessen automatisch unnötig, da ich mich gut gesättigt fühlte und dadurch ein Heißhunger auf einen Snack zwischendurch gar nicht mehr aufkam.
    Um die Gewohnheit, Chips zu essen, während ich abends noch am Laptop Dinge erledigte oder mir etwas anschaute, habe ich zu einem kleinen Trick gegriffen.
    Nämlich die ungesunde Routine zu durchbrechen, indem ich sie gezielt durch eine bessere ersetzte: Noch bevor ich zum Laptop ging und an die Chips denken konnte, habe ich begonnen, mir einen Kräutertee zuzubereiten, der geschmacklich überhaupt nicht zu meinen Lieblingschips passte. Wenn ich mich schließlich hinsetzte, war der Tee schon bereit und nach ein paar Schlucken hatte sich der Wunsch nach Chips von selbst erledigt. Mittlerweile ist der Tee zu meiner Routine geworden, an die mein Gehirn denkt, wenn ich mich abends noch an den Laptop setze.

    Problemlösung 3: Wie zu Omas Zeiten statt Instagram-Trends

    Trendige Kaffees zum Mitnehmen, Smoothies oder andere sogenannte Lifestyle-Getränke sind allgegenwärtig.
    Für mich war es lange Zeit normal, mir in der Pause einen solchen Kaffee oder einen Smoothie zum Mitnehmen zu holen.
    In Wahrheit sind sie teuer, kalorienreich und zuckerhaltig, fühlen sich dank gutem Marketing jedoch oft wie eine Belohnung an, die einem das Gefühl gibt, im Trend zu sein.
    Sobald ich diese Erkenntnis wirklich verinnerlicht hatte, wurde es leichter, die schlechte Gewohnheit loszulassen. Mein Mann und ich investierten ein bisschen Zeit in unsere Kaffeemaschine zuhause – optimierten den Mahlgrad und fanden den Bohnenkaffee mit dem für uns optimalen Geschmack und der optimalen Stärke. Dann begann ich, mir konsequent meinen eigenen Kaffee von zu Hause mitzunehmen – schwarz, mit einem kleinen Schuss A2-Vollmilch vom Hofladen in meiner Nähe, ohne versteckten Zucker, ohne Sirupzusätze – in einem Edelstahlbecher ohne Mikroplastik.
    Zum Vergleich: Ein solcher Kaffee (250 ml mit ungefähr 30 ml Vollmilch) hat 20 kcal. Ein Pumpkin-Spice-Latte, der mit der bald kommenden Herbstsaison wieder zum Trend wird, hat in der normalen Größe ungefähr 300 kcal, also 15-mal so viel. Ein klassischer großer Cappuccino hat immer noch ungefähr 120 kcal.
    Für eine Nachmittagserfrischung in der Arbeitspause im Sommer habe ich Smoothies durch – wie zu Omas Zeiten – meist einen geriebenen Apfel mit Karotte und etwas Orangensaft ersetzt. In geriebener Form haben sie nicht nur mehr Ballaststoffe als ein gemixter Saft, was zu einem langsameren Anstieg des Blutzuckerspiegels führt, sondern dieser Snack erinnert mich auch an die Sommerferien in meiner Kindheit bei Oma. Wenn eine Routine gute Erinnerungen hervorruft, ist es noch einfacher, sie zu etablieren.

    Fazit und Motivation

    Viele Ernährungskonzepte und Diäten funktionieren, um sich gesund zu ernähren, Gewicht zu verlieren oder sein Idealgewicht zu halten, aber es ist oft schwierig, sie in den Alltag zu integrieren und über Jahre hinweg beizubehalten. Persönliche Routinen, die man gezielt für den eigenen Alltag optimiert, fühlen sich nicht wie Verzicht an und benötigen, nachdem sie einmal etabliert sind, keine extra Motivation. Dadurch können sie nicht nur das ganze Jahr, sondern über viele Jahre hinweg Erfolg haben.
    Ein letzter Vorteil: Gute Routinen verzeihen auch gelegentliche Ausreißer. Ein üppiges Weihnachtsessen, die extra Portion Eis im Urlaub oder der eine Pumpkin-Spice-Latte, den man sich zur Begrüßung der Herbstsaison gönnt, können guten Routinen, die man an den restlichen Tagen des Jahres lebt, nichts anhaben.
    Auch wenn man gelegentlich nach dem Urlaub oder nach der Weihnachtszeit das eine oder andere Kilo mehr auf die Waage bringt, kann sich das Gewicht durch eine gute Routine innerhalb kurzer Zeit wieder regulieren. Ich bin selbst nach einer großen Gewichtszunahme – 17 Kilogramm in der Schwangerschaft – ungefähr ein Jahr später wieder exakt bei meinem Ursprungsgewicht gelandet – ohne Diät, ohne zusätzlichen Sport, ohne Tricks – einfach nur durch diese Routinen.
    Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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    Wie Sie ein gestresstes Nervensystem beruhigen können


    In Kürze:

    • Stress versetzt unseren Körper in einen dauerhaften Kampf-oder-Flucht-Modus.
    • Dieses Nervensystem im Daueralarm wirkt sich negativ auf den ganzen Körper aus – und die Symptome lassen sich nur schwer lindern.
    • Praktiken wie Atemübungen, Meditation und Zeit in der Natur beruhigen und fördern die Balance. 
    • Auch kleine Gewohnheiten im Alltag können helfen und das Nervensystem flexibler machen.

     
    Chronischer Stress ist nicht nur ein psychischer, sondern auch ein neurologischer Zustand. Deshalb kommt es oft vor, dass moderne Hilfsmittel wie Schlafüberwachung oder strenge Morgenroutinen unser Gehirn mehr stressen als ihm zu helfen.
    „Unser Nervensystem braucht nicht mehr. Es braucht weniger – und es braucht besser“, erklärte Julie Robinson, Organisationspsychologin und auf Neurowissenschaften basierende Trainerin, gegenüber Epoch Times.

    Wenn das Nervensystem niemals zur Ruhe kommt

    Ist das Nervensystem im Gleichgewicht, geht der Körper in den Ruhe- und Verdauungsmodus über. Jedes System funktioniert so, wie es soll, und man fühlt sich in der Regel am ehesten wie man selbst.
    Ist das Nervensystem aktiviert, wechselt der Körper in den Kampf-oder-Flucht-Modus, meinte Jaz Robbins im Gespräch mit Epoch Times. Dieser Wechsel lenke Ressourcen weg von Verdauung, Immunabwehr und Regeneration hin zu unmittelbaren Bedürfnissen, so die approbierte Psychologin an der kalifornischen Pepperdine University.
    Das Problem ist laut der integrativen Ärztin Priyal Modi, dass das moderne Leben diesen Schalter oft noch lange nach dem Ende der Bedrohung in dieser Position hält. „Viele Menschen leben in einem chronischen Überlebenszustand, ohne es zu merken“, sagte sie zu Epoch Times.
    Die Symptome dieses dysregulierten Zustands können sich auf praktisch jedes System im Körper auswirken:
    • erhöhte Herzfrequenz und erhöhter Blutdruck, 
    • Schlafstörungen, 
    • anhaltende Müdigkeit, 
    • Darmprobleme, 
    • Konzentrationsschwierigkeiten, 
    • erhöhte emotionale Reaktivität, 
    • sozialer Rückzug, manchmal begleitet von Selbstmedikation mit stark verarbeiteten Lebensmitteln, Koffein oder Alkohol.
    „Ein einzelnes Symptom langfristig zu lindern, kann eine Herausforderung sein, wenn dieses Symptom möglicherweise auf ein aktiviertes oder überaktiviertes Nervensystem zurückzuführen ist“, sagte die Psychologin Robbins.

    Jahrtausendealte Praktiken und ihr Ansatz

    Die Neurowissenschaften bestätigen mittlerweile vieles von dem, was alte Traditionen schon seit Jahrtausenden wissen: Der Zustand des Nervensystems präge, wie wir denken, fühlen, heilen, Beziehungen eingehen und funktionieren, so Modi. 
    Die jahrtausendealten Praktiken seien als Mittel konzipiert worden, um das Nervensystem zu regulieren und ein Gleichgewicht zu fördern, merkte sie an.
    Zu diesen Praktiken gehören unter anderem
    „Was die Neurowissenschaften nun liefern, ist die Sprache und die Physiologie hinter diesen Praktiken“, sagte sie.
    Ein Beispiel: Personen, die regelmäßig meditieren, weisen höhere Werte an Gamma-Aminobuttersäure auf. Das ist ein Neurotransmitter, der für die Beruhigung des Nervensystems sorgt. Ferner weisen meditierende Personen niedrigere Werte des Stresshormons Cortisol auf und ihr Nervensystem wird im Laufe der Zeit messbar flexibler. 
    Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Achtsamkeit die Produktion des „Glückshormons“ Serotonin fördert und so die Stimmung und die emotionale Widerstandsfähigkeit beeinflusst.
    Konsequentes Achtsamkeitstraining hilft zudem dabei, dass das Nervensystem den Sympathikus, der für die Kampf-oder-Flucht-Reaktion zuständig ist, nicht mehr chronisch aktiviert. Das versetzt den Körper in einen ausgeglicheneren und regulierteren Zustand.
    „Alte Systeme näherten sich dem durch direkte, körperlich verankerte Erfahrung“, sagte Modi. „Die moderne Wissenschaft nähert sich dem durch Messungen und Forschung.“

    Wie Regulierung aussehen kann

    Wenn man das Büro der Schulkrankenschwester Kari Asadorian betritt, sieht man vielleicht einen Schüler, der zu überwältigt ist, um zu sprechen, oder zu aufgewühlt, um in den Unterricht zurückzukehren. Asadorian, eine staatlich geprüfte Krankenschwester mit Erfahrung in den Bereichen Neurologie und Psychiatrie, greift nicht zu einer Kontrollliste. Sie bittet den Schüler, eine Hand auf seinen Bauch zu legen und auf seinen Atem zu achten.
    „Als Schulkrankenschwester sehe ich Schüler mit Regulationsstörungen. Sie benötigen Instrumente, um sich zu beruhigen, damit sie mit Gleichaltrigen interagieren und im Unterricht in einem optimalen Lernzustand lernen können“, sagte Asadorian gegenüber Epoch Times.
    Ihre Hilfsmittel sind altbewährt: geführte Atemübungen, Erdungstechniken, sensorische Wahrnehmung. 
    Ein Beispiel ist die 5-4-3-2-1-Methode. Dabei nennt man
    • fünf Dinge, die man sehen kann,
    • vier Dinge, die man berühren kann,
    • drei Dinge, die man hören kann,
    • zwei Dinge, die man riechen kann,
    • ein Ding, das man schmecken kann. 
    Das verankert einen rasenden Geist wieder im Hier und Jetzt. Manchmal reichen schon ein Schluck Wasser oder vielleicht ein paar Sekunden Stille.
    Weitere leicht anwendbare Methoden sind Dehnen, Tanzen, Spazierengehen und Summen. Laut Asadorian können sie dazu beitragen, den Vagusnerv zu stimulieren und den Übergang in einen parasympathischen Ruhe- und Verdauungszustand zu unterstützen.
    „Stress gehört zum Alltag“, so die Schulkrankenschwester. Entscheidend sei, was man in Phasen der Überlastung tut und dass man herausfindet, was für einen funktioniert.

    Für ein flexibles Nervensystem

    Eine morgendliche Praxis, sei es Meditation, das Aufsagen von Mantras, Atemübungen oder sanfte Bewegung, kann helfen, das System zu stabilisieren. Am Abend können einfache Gewohnheiten zum Abschalten den allmählichen Übergang in die Ruhephase unterstützen. Dazu gehört so etwas wie
    • elektronische Geräte vor dem Schlafengehen weglegen,
    • sich auf den nächsten Tag vorbereiten, 
    • Hautpflegeroutinen,
    • beruhigende Musik,
    • Lesen.
    Bei der Pflege des Nervensystems gehe es nicht nur um Ruhe, meinte die integrative Ärztin Modi. Ihr zufolge beeinflussen gesunde Herausforderungen, Sinnhaftigkeit, Spiel, Kreativität, Lachen und emotionale Verbundenheit das menschliche System gleichermaßen regulierend.
    „Ein gesundes Nervensystem ist flexibel“, sagte sie. „Es kann, wenn nötig, aktiv werden und danach zur Ruhe zurückkehren. Diese Anpassungsfähigkeit ist es, was Regulierung wirklich bedeutet.“
    Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
    Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Ancient Techniques That Reset Your Nervous System“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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    Klicks, Likes, Meinungsmacht – Wie soziale Medien uns steuern


    In Kürze:

    • Ob wir etwas für richtig halten, basiert selten auf Fakten, sondern oft darauf, wer etwas sagt – und wie oft wir es schon gehört haben.
    • Ein Algorithmus muss unsere Gedanken nicht lesen, er beobachtet unser Verhalten. Aus tausenden kleiner Verhaltensmuster entsteht ein erstaunlich präzises Persönlichkeitsprofil.
    • Psychische Widerstandskraft beginnt daher mit bewusster Mediennutzung. Oft reichen bereits wenige Minuten Abstand, um einen Beitrag deutlich kritischer zu betrachten.

     
    „Ich bilde mir meine Meinung selbst.“ Kaum ein Satz wird häufiger ausgesprochen, wenn es um soziale Medien geht. Die meisten Menschen sind überzeugt, sie könnten zwischen Wahrheit und Manipulation unterscheiden, Werbung erkennen und sich von emotionalen Botschaften nicht beeinflussen lassen. Genau darin liegt jedoch das eigentliche Problem.
    Aus psychologischer Sicht gehören die sozialen Medien zu den wirksamsten Beeinflussungsinstrumenten, die der Mensch jemals entwickelt hat. Nicht, weil sie Menschen zwingen, etwas zu glauben oder zu kaufen. Sondern weil sie unser Gehirn genau dort ansprechen, wo wir besonders empfänglich sind: bei unseren Gefühlen, Bedürfnissen und unbewussten Denkprozessen.
    Manipulation in sozialen Medien funktioniert selten durch offensichtliche Lügen. Sie wirkt subtil, schleichend und meist unbemerkt. Sie verändert nicht nur unsere Kaufentscheidungen, sondern auch unser Weltbild, unsere Beziehungen und sogar unser Selbstwertgefühl.

    Unser Gehirn liebt einfache Lösungen

    Das menschliche Gehirn verarbeitet täglich Millionen von Informationen. Um dabei nicht permanent überlastet zu sein, arbeitet es mit sogenannten Heuristiken – mentalen Abkürzungen. Diese ermöglichen schnelle Entscheidungen, machen uns aber gleichzeitig berechenbar.
    Anstatt jede Information kritisch zu prüfen, orientieren wir uns häufig an einfachen Signalen:
    • Wie viele Menschen teilen einen Beitrag?
    • Wie viele Likes hat ein Video?
    • Wer hat den Inhalt veröffentlicht?
    • Passt die Botschaft zu dem, was ich ohnehin glaube?
    Diese Denkabkürzungen sind grundsätzlich sinnvoll. Ohne sie könnten wir unseren Alltag kaum bewältigen. Doch genau diese Mechanismen machen soziale Medien so wirkungsvoll.

    Aufmerksamkeit ist die eigentliche Währung

    Viele Menschen glauben, soziale Netzwerke seien kostenlose Plattformen zum Austausch von Informationen. Tatsächlich verfolgen sie jedoch ein anderes Ziel: unsere Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden. Je länger wir auf einer Plattform bleiben, desto mehr Werbung kann angezeigt werden.
    Deshalb konkurriert jeder Beitrag mit tausenden anderen um einen begrenzten Rohstoff – unsere Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit gewinnt man nicht durch Sachlichkeit. Sie gewinnt, wer Emotionen erzeugt.
    Angst, Empörung, Wut, Begeisterung oder Neugier aktivieren unser Gehirn wesentlich stärker als nüchterne Fakten. Deshalb verbreiten sich emotionale Inhalte meist schneller als differenzierte Erklärungen.

    Das Smartphone und die sozialen Medien fesseln die Aufmerksamkeit vieler Menschen.

    Foto: Visions/iStock

    Der Dopamin-Effekt

    Jeder Like, jeder Kommentar und jede neue Benachrichtigung aktiviert unser Belohnungssystem. Dabei spielt der Neurotransmitter Dopamin eine entscheidende Rolle. Entgegen einer weit verbreiteten Annahme ist Dopamin weniger das „Glückshormon“ als vielmehr ein Botenstoff, der Erwartungen und Motivation beeinflusst.
    Besonders stark reagiert unser Gehirn auf unvorhersehbare Belohnungen. Genau dieses Prinzip nutzen soziale Medien. Manchmal erhält ein Beitrag viele Reaktionen. Manchmal fast keine.
    Diese Unvorhersehbarkeit hält uns am Bildschirm. Psychologisch ähnelt dieses Belohnungsmuster dem Prinzip eines Spielautomaten. Nicht jede Handlung wird belohnt – aber gerade deshalb prüfen wir immer wieder unser Smartphone.

    Der Vergleich macht unglücklich

    Der Mensch vergleicht sich ständig mit anderen. Früher beschränkte sich dieser Vergleich auf Familie, Freunde oder Kollegen. Heute vergleichen wir uns mit Millionen Menschen gleichzeitig.
    Dabei sehen wir jedoch nicht deren Realität. Wir sehen deren Highlights. Perfekte Urlaubsbilder. Erfolgreiche Karrieren. Trainierte Körper. Glückliche Partnerschaften. Unser Gehirn vergisst dabei leicht, dass diese Bilder sorgfältig ausgewählt, bearbeitet und inszeniert wurden. Die Folge sind Selbstzweifel.
    „Warum bin ich nicht so erfolgreich?“ „Warum sehe ich nicht so aus?“ „Warum scheint mein Leben weniger spannend zu sein?“ Besonders Jugendliche reagieren empfindlich auf diesen permanenten sozialen Vergleich.

    Das, was wir in den sozialen Medien zu sehen bekommen, muss nicht immer die Realität sein.

    Foto: Aziz Shamuratov/iStock

    Der Algorithmus kennt uns besser, als wir glauben

    Viele Nutzer entscheiden scheinbar selbst, welche Inhalte sie konsumieren. Tatsächlich entscheidet zunehmend der Algorithmus. Er analysiert:
    • welche Beiträge wir länger ansehen,
    • welche Videos wir bis zum Ende anschauen,
    • worauf wir klicken,
    • welche Themen uns emotional bewegen,
    • mit welchen Personen wir interagieren.
    Aus tausenden kleiner Verhaltensmuster entsteht ein erstaunlich präzises Persönlichkeitsprofil. Der Algorithmus muss unsere Gedanken nicht lesen. Er beobachtet unser Verhalten und das ist oft aussagekräftiger als Worte.

    Wiederholung schafft Glaubwürdigkeit

    Ein besonders wirkungsvoller psychologischer Effekt ist die sogenannte Filterblase. Menschen bevorzugen Informationen, die ihre bestehende Meinung bestätigen. Psychologen sprechen vom Bestätigungsfehler (Confirmation Bias).
    Algorithmen verstärken diesen Effekt zusätzlich. Wer sich für ein bestimmtes Thema interessiert, erhält mehr Beiträge dazu. Wer häufig politische Inhalte einer Richtung konsumiert, bekommt immer mehr ähnliche Meinungen angezeigt. Mit der Zeit entsteht der Eindruck: „Alle denken so“. Tatsächlich sieht man jedoch lediglich einen kleinen, algorithmisch ausgewählten Ausschnitt der Wirklichkeit.
    Hinzu kommt, eine Aussage muss nicht wahr sein, um glaubwürdig zu wirken. Es genügt oft, sie häufig genug zu hören. Psychologen nennen dieses Phänomen den „Illusory Truth Effect“. Je vertrauter uns eine Behauptung erscheint, desto eher halten wir sie für richtig.
    Soziale Medien verstärken auch diesen Effekt enorm. Ein Satz wird geteilt. Kommentiert. Als Bild veröffentlicht. Als Video erzählt. Oder als Meme verbreitet. Irgendwann erscheint er selbstverständlich. Nicht weil Beweise vorliegen. Sondern weil unser Gehirn Vertrautheit mit Wahrheit verwechselt.

    Geschäftsmodelle mit Vertrauen und Angst

    Influencer verkaufen selten nur Produkte. Sie verkaufen Beziehungen. Unser Gehirn entwickelt zu bekannten Gesichtern sogenannte parasoziale Beziehungen. Wir erleben das Gefühl, jemanden zu kennen, obwohl keinerlei persönliche Beziehung besteht.
    Dadurch wirken Empfehlungen glaubwürdiger. Nicht, weil sie objektiver wären. Sondern weil Vertrauen entstanden ist. Deshalb können Produktempfehlungen oder Meinungsäußerungen von Influencern einen erstaunlich großen Einfluss entfalten.

    Influencer verkaufen selten nur Produkte. Sie verkaufen Beziehungen und bauen Vertrauen auf.

    Foto: pondsaksit/iStock

    Großen Einfluss haben auch negative Nachrichten, die sich regelmäßig schneller verbreiten als positive. Das ist evolutionsbiologisch nachvollziehbar. Unsere Vorfahren mussten Gefahren möglichst schnell erkennen. Deshalb reagiert unser Gehirn besonders aufmerksam auf Bedrohungen.
    Überschriften wie „Das verschweigt man Ihnen“, „Sie werden belogen“ und „Bevor es zu spät ist …“ aktivieren sofort unsere Aufmerksamkeit. Nicht jede alarmierende Überschrift ist falsch. Aber jede nutzt denselben psychologischen Mechanismus.

    Die Macht der Empörung

    Mit anderen Worten: Empörung erzeugt Reichweite. Je stärker wir emotional reagieren, desto eher kommentieren, teilen oder diskutieren wir Inhalte. Für Plattformen bedeutet das: Mehr Interaktion. Mehr Aufmerksamkeit. Mehr Werbeeinnahmen. Dadurch entsteht ein Kreislauf, in dem extreme Meinungen häufig sichtbarer werden als ausgewogene Positionen.
    Viele Menschen glauben, Fehlinformationen ließen sich einfach durch Fakten korrigieren. Psychologisch funktioniert das jedoch nur begrenzt. Meinungen sind eng mit Identität verbunden.
    Greift man eine Überzeugung an, erleben viele Menschen dies als persönlichen Angriff. Dann verteidigen sie ihre Position häufig noch stärker. Veränderung gelingt deshalb eher durch respektvolle Fragen als durch bloße Konfrontation.

    Digitale Selbstverteidigung

    Niemand ist vollkommen immun gegen Beeinflussung. Doch Aufmerksamkeit schützt. Stellen Sie sich bei emotionalen Beiträgen folgende Fragen:
    • Wer profitiert davon, dass ich diesen Beitrag glaube?
    • Welche Gefühle löst der Inhalt in mir aus?
    • Wird mit Angst oder Empörung gearbeitet?
    • Werden Quellen genannt?
    • Gibt es nachvollziehbare Belege?
    • Würde ich denselben Inhalt auch glauben, wenn er meiner eigenen Meinung widersprechen würde?
    Allein diese Fragen aktivieren das analytische Denken und reduzieren impulsive Reaktionen. Psychische Widerstandskraft beginnt daher mit bewusster Mediennutzung. Hilfreich sind unter anderem:
    • Benachrichtigungen reduzieren.
    • Bildschirmzeiten begrenzen.
    • Mehrere Informationsquellen nutzen.
    • Regelmäßig digitale Pausen einlegen.
    • Emotionale Inhalte nicht sofort teilen.
    • Vor dem Kommentieren kurz innehalten.
    Oft reichen bereits wenige Minuten Abstand, um einen Beitrag deutlich kritischer zu betrachten.

    Fazit

    Soziale Medien sind weder gut noch schlecht. Sie informieren, verbinden Menschen und ermöglichen den Austausch von Wissen in einer Geschwindigkeit, die früher unvorstellbar gewesen wäre. Gleichzeitig nutzen sie psychologische Mechanismen, die tief in unserem Denken verankert sind. Aufmerksamkeit, soziale Bestätigung, Wiederholung, emotionale Aktivierung und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit machen uns beeinflussbar – oft, ohne dass wir es bemerken.
    Soziale Medien beeinflussen alle Nutzer – auch unbewusst

    Ein bewusster Umgang mit sozialen Medien kann helfen, weniger beeinflusst zu werden.

    Foto: champpixs/iStock

    Die eigentliche Gefahr liegt daher nicht in einzelnen Plattformen oder Algorithmen, sondern in der Illusion, selbst gegen Manipulation immun zu sein. Wer glaubt, ausschließlich andere seien beeinflussbar, unterschätzt die Funktionsweise des eigenen Gehirns.
    Medienkompetenz bedeutet deshalb weit mehr, als Falschmeldungen zu erkennen. Sie beginnt mit der Bereitschaft, die eigenen Gefühle, Denkmuster und spontanen Reaktionen zu hinterfragen. Denn Manipulation verliert in dem Moment an Macht, in dem wir sie erkennen. Zwischen einem Reiz und unserer Reaktion liegt ein kurzer Augenblick – und genau dort entsteht die Freiheit, selbstbestimmt zu entscheiden, wem wir unsere Aufmerksamkeit, unser Vertrauen und letztlich unsere Meinung schenken.
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    Rheuma: Warum eine Heilpflanze allein selten die Antwort ist


    In Kürze:

    • Unter dem Begriff „Rheuma“ werden zahlreiche Erkrankungen zusammengefasst, die außer Schmerzen am Bewegungsapparat teils wenig gemeinsam haben.
    • So unterschiedlich die Ursachen sind, so unterschiedlichen sollten auch die Behandlungen sein – auch in der Naturheilkunde.
    • Naturheilverfahren werden zurückhaltend eingesetzt, dabei bedeuten fehlende Studien nicht „Es wirkt nicht“, sondern „Wir wissen es (noch) nicht“.
    • Kurkuma, Ingwer, Weihrauch, Arnika oder Brennnessel haben alle ihre Berechtigung im Praxisalltag, kommen aber selten an die wahren Probleme heran.

     
    Manchmal erlebe ich sie noch: kleine Wunder in der Medizin. Eines davon besteht darin, dass eine rheumatologische Fachgesellschaft Weihrauch, Kurkuma, Ingwer und sogar Kohlwickel nicht einfach in die Schublade der „Alternativen“ steckt und diese anschließend fest verschließt.
    Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie hat sich mit einer ganzen Reihe solcher Verfahren beschäftigt. Das Ergebnis fällt differenzierter aus, als man vielleicht erwarten würde: Für entzündlich-rheumatische Erkrankungen reicht die Studienlage nach Ansicht der Fachgesellschaft nicht aus, um die untersuchten Pflanzenpräparate als „krankheitsverändernde Therapie“ zu empfehlen.
    Bei Arthrose, Rückenschmerzen und anderen degenerativen Beschwerden sieht die Sache anders aus. Dort müsse man von verschiedenen Verfahren bei entsprechendem Patientenwunsch keineswegs abraten. Das ist zunächst erfreulich. Aber man sollte die Sache auch nicht größer machen, als sie ist.

    Eine Sache fehlt

    Die Fachgesellschaft hat vorhandene Studien gesichtet und bewertet. Das ist wichtig und gehört zu ihrer Aufgabe. Studien lesen kann ich allerdings auch, und ich tue das seit Jahrzehnten. Mich würde deshalb der nächste Schritt viel mehr interessieren: Warum setzt man solche Verfahren nicht einmal konsequent in rheumatologischen Kliniken ein und untersucht anschließend, was tatsächlich mit den Patienten geschieht?
    Interessant wäre eine vernünftige rheumatologische Behandlung, ergänzt um Ernährung, Fasten, Bewegung, Heilpflanzen und eine gezielte Versorgung mit Vitalstoffen. Und dann prüft man: Was geschieht mit Schmerzen oder Morgensteifigkeit? Wie entwickeln sich geschwollene Gelenke, Entzündungswerte, Beweglichkeit, Medikamentenbedarf und Lebensqualität?
    Genau solche Untersuchungen würde ich gerne häufiger sehen. Denn in der Medizin gibt es eine eigentümliche Denkfalle. Für ein Verfahren fehlen angeblich gute Studien. Wissenschaftlich korrekt heißt das zunächst nur: Wir wissen es nicht ausreichend. Im medizinischen Alltag wird daraus jedoch erstaunlich schnell: Es wirkt nicht. Das ist allerdings nicht alles.

    Laut dem Deutschen Rheuma-Forschungszentrum leben rund 1,8 Millionen Deutsche mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung.

    Foto: seb_ra/iStock

    Rheuma ist keine Krankheit

    Schon die Frage „Was hilft bei Rheuma?“ führt eigentlich auf Glatteis. Unter dem Begriff werden zahlreiche Erkrankungen zusammengefasst, die jedoch außer Schmerzen am Bewegungsapparat teilweise ziemlich wenig miteinander gemeinsam haben.
    Eine Arthrose ist etwas anderes als eine rheumatoide Arthritis. Bei der Arthrose spielen Knorpelveränderungen, Fehlbelastungen, fasziale Strukturen, frühere Verletzungen, Stoffwechsel und lokale Entzündungsprozesse zusammen. Bei der rheumatoiden Arthritis richtet sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen. Gelenke schwellen an, die Morgensteifigkeit nimmt zu und unbehandelt können dauerhafte Schäden entstehen.
    Vergleich von Rheuma oder Arthrose betroffenem Knie

    Unterschied zwischen einem gesunden Knie sowie ein durch Arthrose oder rheumatoide Arthritis betroffenes Gelenk.

    Foto: Epoch Times; nach elenabs/iStock

    Wieder anders liegt der Fall bei Fibromyalgie. Hier steht keine klassische Gelenkentzündung im Vordergrund. Viele Betroffene leiden unter Schmerzen am ganzen Körper, Erschöpfung und Schlafstörungen. Das Nervensystem reagiert mitunter wie eine Alarmanlage, deren Empfindlichkeit viel zu hoch eingestellt wurde. Hinzu kommen Psoriasisarthritis, Morbus Bechterew, Gicht, Kollagenosen und Gefäßentzündungen.
    Wer all diesen Patienten dasselbe Medikament empfiehlt, behandelt letztlich den Namen einer Erkrankung und nicht den Menschen. Dieser differenzierende Blick ist auch für eine naturheilkundliche Rheumatherapie aber entscheidend.

    Was können die Pflanzen?

    Kurkuma ist bei Arthrose durchaus interessant. Es gibt Hinweise auf Verbesserungen bei Schmerzen, Steifigkeit und Gelenkfunktion. Auch für Ingwer finden sich positive Signale. Die Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) kommt vor allem bei degenerativen Gelenk- und Rückenbeschwerden infrage. Beim Weihrauch sind es insbesondere die Boswelliasäuren, die verschiedene Entzündungswege beeinflussen. Selbst äußerliche Anwendungen wie Beinwell, Arnika oder Kohlwickel verdienen mehr Aufmerksamkeit, als ihr etwas altbackenes Image vermuten lässt.
    Ich habe nach einer schweren Knieverletzung Mitte der neunziger Jahre übrigens eine erheblich rustikalere Variante gewählt: frische Brennnesseln. Damit habe ich mein Knie täglich behandelt, bis die Haut rot und voller Quaddeln war. Man gewöhnt sich daran. Es gehört allerdings schon zu den heroischeren naturheilkundlichen Maßnahmen.
    Würde ich das heute noch einmal machen? Vermutlich ja. Aber genau hier liegt für mich der entscheidende Punkt: Wir können lange darüber diskutieren, welche Pflanze welchen Entzündungsbotenstoff beeinflusst. Spannender ist doch die Frage, weshalb im Organismus überhaupt ständig ein entzündliches Milieu unterhalten wird.

    Pflanzen, die bei Gelenkbeschwerden helfen können: 1 Kurkuma, 2 Ingwer, 3 Teufelskralle, 4 Weihrauch, 5 Beinwell, 6 Arnika, 7 Wickel aus Kohl wie Wirsing oder Weißkohl, 8 Brennnesseln.

    Foto: zusammengestellt von Epoch Times; mit Material von iStock

    Der größere Hebel liegt auf dem Teller

    Seit ich Ende der neunziger Jahre begonnen habe, Rheumapatienten zu behandeln, gehört die Ernährung deshalb zu meinen wichtigsten Ansatzpunkten. Bei entzündlichen Beschwerden streiche ich Schweinefleisch und Wurst konsequent und reduziere tierische Lebensmittel deutlich. Hintergrund ist unter anderem die Arachidonsäure, aus der der Organismus entzündungsfördernde Botenstoffe bilden kann.
    Die einzelne Schweinshaxe verursacht natürlich keine rheumatoide Arthritis. Entscheidend ist das Milieu, in das sie hineinkommt. Viel Fleisch und Wurst, Zucker, Alkohol und hochverarbeitete Lebensmittel bei gleichzeitig geringer Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren sind für einen chronisch entzündeten Organismus keine glückliche Kombination.
    Bei geeigneten Patienten arbeite ich deshalb für einige Wochen mit einer konsequent pflanzenbetonten Ernährung. Sechs Wochen halte ich für einen vernünftigen Zeitraum. Zwei freundliche Salattage sind noch keine Ernährungsumstellung. Danach wird verglichen: Was ist mit der Morgensteifigkeit geschehen? Sind Gelenke weniger geschwollen? Wie haben sich Schmerzen, Verdauung oder Schlaf verändert?
    Manche Patienten reagieren auf Milchprodukte, andere auf Alkohol, Zucker oder bestimmte hochverarbeitete Lebensmittel. Pauschale Verbotslisten überzeugen mich dabei weniger als ein sauberer Auslassversuch mit anschließender kontrollierter Wiedereinführung.
    Arachidonsäure: Das Schwein und die stille Entzündung

    Der Hauptlieferant für Arachidonsäure in unserer heutigen Ernährung ist tierisches Fett – vor allem aus Schweinefleisch, Wurst, Eiern, Innereien und bestimmten Milchprodukten.

    Foto: bit245/iStock

    Fasten ist mehr als Nichtessen

    Und dann gibt es eine Maßnahme, die ich bei geeigneten Patienten weiterhin für einen der stärksten naturheilkundlichen Impulse halte: das Heilfasten. Fasten verändert weit mehr als die Kalorienzufuhr. Insulinstoffwechsel, Fettsäurestoffwechsel und verschiedene Entzündungsvorgänge reagieren ebenfalls.
    Bei rheumatoider Arthritis gibt es seit Jahrzehnten Untersuchungen, nach denen Fasten mit anschließender pflanzenbetonter Ernährung Beschwerden günstig beeinflussen kann. Dies deckt sich mit meiner Praxiserfahrung. Das ist keine Wunderheilung und erst recht keine Garantie. Aber es ist genügend Grund, Fasten nicht als Wellnessveranstaltung abzutun.
    Bei schweren Erkrankungen, Untergewicht oder komplexer Medikation gehört eine solche Therapie selbstverständlich in erfahrene Begleitung. Rheumamedikamente werden übrigens während einer Fastenkur nicht eigenmächtig abgesetzt.

    Bewegung braucht die richtige Dosis

    Ähnlich verhält es sich mit Bewegung. Schmerzpatienten hören erstaunlich häufig: „Sie müssen sich mehr bewegen.“ Das ist ungefähr so präzise wie die Empfehlung an einen Schlaflosen, einfach mehr zu schlafen.
    Ein entzündetes Gelenk braucht eine andere Belastung als ein steifes Gelenk. Und ein Fibromyalgiepatient, der nach zehn Minuten Training drei Tage lang kaum noch auf die Beine kommt, braucht nicht mehr Ehrgeiz, sondern eine andere Dosis.
    Kurze Spaziergänge, sanfte Mobilisation, isometrische Übungen, Beweglichkeitstraining oder Bewegung im warmen Wasser können ein Anfang sein. Eine gute Trainingseinheit sollte Anpassungen erzeugen, keinen Zusammenbruch. Gerade hier wäre eine gute Physiotherapie Gold wert.

    Art und Dauer einer Bewegung sollte an die Stärke der Gelenksentzündung angepasst werden, wobei eine gute Physiotherapie hilfreich sein kann.

    Foto: SARINYAPINNGAM/iStock

    Messen, verstehen, dann ergänzen

    Zur naturheilkundlichen Rheumatherapie gehört auch eine vernünftige Labordiagnostik. Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Magnesium, Vitamin B12, Folat und Eisenstatus können je nach Patient relevant sein. Ein Grundsatz bei Vitalstoffen lautet deshalb: messen, verstehen, dann ergänzen.
    Ebenso wichtig sind Darmfunktion, Schlaf und Stoffwechsel. Auch der Säure-Basen-Haushalt kann betrachtet werden. Damit meine ich ausdrücklich keine angebliche „Übersäuerung des Blutes“. Der Blut-pH wird innerhalb enger Grenzen reguliert. Interessant sind vielmehr Ernährung, Säurelast, Ausscheidung, Mineralstoffversorgung und Regulationsfähigkeit.
    Und dann gibt es jene Fälle, bei denen man lange suchen muss. Ich erinnere mich an einen Patienten mit rheumatoider Arthritis, bei dem ich mir therapeutisch sprichwörtlich einen Wolf arbeitete. Vieles half ein wenig, der entscheidende Durchbruch blieb aus. Erst nachdem zwei auffällige Weisheitszähne saniert worden waren, veränderte sich das Krankheitsbild dramatisch.
    Ist das der Beweis, dass rheumatoide Arthritis von den Zähnen kommt? Natürlich nicht. Aber solche Verläufe erinnern daran, nicht mit dem Denken aufzuhören, sobald die üblichen Laborwerte erhoben sind. Chronische Entzündungsherde, Zähne oder auch Narben können bei einzelnen Patienten Teil eines komplexeren Geschehens sein. Das rechtfertigt keine voreiligen Eingriffe, wohl aber sorgfältige Diagnostik.

    Naturheilkunde ist keine grüne Pharmakologie

    Und was ist mit Methotrexat, Cortison und Biologika? Bei schweren entzündlich-rheumatischen Erkrankungen können solche Medikamente Krankheitsaktivität senken und dauerhafte Gelenk- oder Organschäden verhindern. Wer sie einnimmt, sollte sie deshalb keinesfalls eigenmächtig absetzen.
    Aber damit ist die Arbeit nicht beendet. Denn eine unterdrückte Entzündung beantwortet noch nicht automatisch die Frage, unter welchen Bedingungen sie entstanden ist und was der Patient selbst verändern kann.
    Vielleicht liegt genau darin das Missverständnis vieler Debatten über Naturheilkunde. Naturheilkunde bedeutet nicht, Methotrexat durch Kurkuma und Ibuprofen durch Weihrauch zu ersetzen. Dann hätten wir lediglich die Farbe der Kapseln gewechselt. Naturheilkunde fragt vielmehr nach dem Menschen, in dem die Krankheit stattfindet.
    Wie ernährt er sich? Wie schläft er? Wie bewegt er sich? Wie steht es um Stoffwechsel, Darm und Vitalstoffversorgung? Gibt es dauerhafte Belastungen? Und an welcher Stelle hat der Organismus seine Fähigkeit zur Regulation verloren?

    Individuelle und auf den Patienten zugeschnittene Behandlungen können für Schmerzfreiheit und eine glückliche Zukunft sorgen.

    Foto: monkeybusinessimages/iStock

    Deshalb begrüße ich es, wenn eine rheumatologische Fachgesellschaft Heilpflanzen nüchtern untersucht, statt sie reflexartig abzutun. Ich wünsche mir nur, dass wir eines Tages den nächsten Schritt gehen.
    Nicht noch eine Diskussion darüber, ob Weihrauch nun „alternativ“ oder „wissenschaftlich“ ist. Sondern Kliniken, in denen man verschiedene sinnvolle Verfahren konsequent miteinander verbindet und anschließend ebenso konsequent misst, was dabei herauskommt.
    Denn ein entzündeter Organismus braucht manchmal ein verschreibungspflichtiges Medikament. Manchmal eine Heilpflanze. Häufig braucht er mehrere Veränderungen gleichzeitig. Die interessante Frage ist deshalb nicht nur, was gegen Rheuma wirkt. Sondern warum dieser eine Mensch krank geworden ist und was seinem Organismus helfen könnte, wieder in eine „bessere Ordnung“ zu finden.
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    Hype oder Heilung? Modernas Hautkrebs-Impfung im Faktencheck


    In Kürze:

    • Die US-Pharmaunternehmen Moderna und Merck (hierzulande MSD) verkündeten in der vergangenen Woche einen Durchbruch mit einem Impfstoff gegen schwarzen Hautkrebs.
    • Zahlreiche Medien griffen die Pressemitteilung auf und ziehen in ihren Berichten Parallelen zu Corona-Impfstoffen oder legen sie nah. Der Vergleich hinkt:
    • Es handelt sich zwar um eine mRNA-basierte, aber individuelle und adjuvante Krebstherapie, die Patienten zusätzlich nach der operativen Tumorentfernung erhalten.
    • Zudem handelt es sich um Zwischenergebnisse einer nicht abgeschlossenen Studie mit methodischen Schwachpunkten.
    • Die Daten sind nicht öffentlich. Bisherige Informationen lassen Fragen offen. Epoch Times versucht, diese zu beantworten.

     
    „Bedeutender Meilenstein“, „medizinischer Durchbruch“ und „Hoffnung für Krebspatienten“. So überschrieben zahlreiche Meiden in der vergangenen Woche eine Mitteilung der US-amerikanischen Pharmaunternehmen Moderna und Merck Sharp & Dohme (MSD). Die beiden Unternehmen selbst sprachen erheblich unspektakulärer von der Erreichung der „Endpunkte ‚rezidivfreies Überleben‘ (RFS) und ‚Überleben ohne Fernmetastasen‘ (DMFS) bei Patienten mit vollständig reseziertem Melanom im Stadium IIB–IV“.
    Ein gemeinsamer Nenner lässt sich dennoch finden. Unter der Überschrift „Moderna und Merck melden positive Testergebnisse für mRNA-Impfstoff gegen schwarzen Hautkrebs“ berichtete auch Epoch Times. Warum diese ersten Meldungen, einschließlich unserer, unvollständig und vielfach irreführend sind, lesen Sie im Folgenden. Außerdem versuchen wir, herauszufinden, was die verfügbaren Daten wirklich sagen, welche Fragen noch offen sind, und warum einige offen bleiben werden.

    Der „medizinische Meilenstein“ im Überblick

    Am 19. August verkündeten die Unternehmen einen möglichen Durchbruch bei fortgeschrittenen schwarzen Hautkrebs. In einer Studie mit über 1.100 Patienten verringerte ein mRNA-Impfstoff Rückfälle und Metastasen. „Dies ist die erste Bekanntgabe von positiven Phase-3-Ergebnissen für eine mRNA-basierte Krebstherapie“, hieß es in der gemeinsamen Mitteilung. Diese Art individueller Medizin wird seit mindestens zwei Jahrzehnten erforscht.
    Ganz kurz und einfach zusammengefasst: Anhand individueller Mutationen im Tumor des jeweiligen Patienten werden Sequenzen, in diesem Fall, für bis zu 34 Neoantigene ausgewählt. Anhand dieser entsteht eine individualisierte mRNA-Formulierung, die der Patient erhält. Die körpereigenen Zellen sollen diese mRNA dann ablesen und entsprechenden Tumor-Antigene produzieren. Dadurch sollen Immunzellen, hauptsächlich sogenannte T-Zellen, speziell gegen Zellen mit diesen Tumormerkmalen aktiviert werden. So soll das Immunsystem eine erneute Ausbreitung des Krebses rechtzeitig erkennen.
    „Intismeran Autogene“ in Kombination mit Pembrolizumab – ein Immuntherapeutikum und die derzeitige Standardtherapie bei schwarzem Hautkrebs – verhindere das Wiederauftreten von Melanomen und die Ausbreitung des Krebses auf andere Organe, erklärten die US-Unternehmen anhand vorläufiger Ergebnisse. Studienleiterin Georgina Long konkretisierte: Die Kombination „hat das Potenzial, ein neues Behandlungsparadigma in der adjuvanten Melanomtherapie zu etablieren und dazu beizutragen, dass Patienten länger krebsfrei bleiben.“
    Die Professorin der Universität Sydney und medizinische Direktorin des Melanoma Institute Australia sprach in diesem Zusammenhang außerdem von einem „Meilenstein in der adjuvanten Behandlung“ von schwarzem Hautkrebs.
    Endgültige Daten aus der Studie sind bislang nicht einmal in Fachkreisen bekannt. Die Vorstellung soll nach Angabe der Unternehmen auf einer bevorstehenden internationalen Konferenz erfolgen. Zugleich sollen sie als Grundlage für die Zulassung dienen. Einen konkreten Zeitplan nennt die ursprüngliche Mitteilung nicht. In weiterführenden Berichten ist davon die Rede, das eine Zulassung aufgrund einer Einstufung als „therapeutischen Durchbruch“ bis 2027 möglich wäre, sowohl in den USA als auch in Europa.

    Was Moderna und MSD wirklich veröffentlichten

    Eine Impfung gegen Krebs klingt nach einem Heilmittel gegen eine der Volkskrankheiten unserer modernen Zeit – und wäre es auch. Davon ist allerdings allenfalls in der Presse die Rede. Tatsächlich beschränkt sich die Anwendung auf eine kleine Gruppe. Weder alle Menschen, noch alle Krebspatienten und noch nicht einmal alle Menschen oder Patienten mit Hautkrebs kommen für die Behandlung mit Intismeran Autogene infrage.
    Die Pressemitteilung bezieht sich ausdrücklich auf Menschen mit schwarzem Hautkrebs im Stadium IIb, III oder IV, also jene mit fortgeschrittenen Melanomen. Zudem müssen diese bereits operativ entfernt worden sein. Erst dann, und zusätzlich zu bereits etablierten Folgetherapien, könne künftig eine Behandlung mit dem neuartigen Mittel erfolgen. Im Rahmen der Phase-III-Studie werden 1.137 Personen berücksichtigt. Zwei Drittel der Patienten erhielten nach der OP die neue Therapie in Kombination mit Pembrolizumab, die anderen ausschließlich letzteres.
    Zahlreiche Berichte sprechen zudem von einer Studiendauer von einem Jahr und suggerieren einen erfolgreichen Abschluss der Untersuchungen. Moderna spricht hingegen von einer „vorab festgelegten Zwischenanalyse“.
    Die Studie ist nicht beendet und läuft bis zum Jahr 2030. Alle angegebenen Werte beziehen sich somit auf einen relativ kurzen Zeitraum und wurden zu einem Zeitpunkt ermittelt, der erheblich unter den „ungefähr bis zu 74 Monaten“ oder mehr Beobachtungszeit liegt. Gleichzeitig sagen Rückfälle und Ausbreitung nichts über das Befinden und das mittel- oder langfristige Überleben der Patienten aus.

    Individuelle Behandlung nach erfolgter OP

    Auch die von Studienleiterin Long angesprochene „krebsfreie Zeit“ muss dahingehend verstanden werden, dass Patienten rezidiv-frei – also ohne Rückfall – bleiben, nicht, dass sie keinen Krebs hatten. Dies ist sogar eine Voraussetzung der Behandlung, denn Intismeran kodiert bestimmte Marker der patientenspezifischen Tumore in mRNA, mit dem Ziel, dass der Körper gezielte Antikörper produziert.
    Dieses Prinzip ähnelt den bei Covid-19 angewendeten Wirkstoffen, die das Spike-Protein in mRNA kodierten. Unterscheidet sich jedoch dahingehend grundsätzlich, dass die verwendeten Marker individuell auf den Tumor des jeweiligen Patienten statt auf allgemeine Merkmale eines Virus angepasst sind. Jeder Patient bekommt also einen eigenen, speziell abgestimmten Wirkstoff.

    Schematische Erstellung der individualisierten Hautkrebsimpfung.

    Foto: ts/Epoch Times nach ttsz/iSTock

    Dies erlaubt prinzipiell die Übertragung der Behandlungsmethodik auf andere Krebsarten, wie sie von Moderna und MSD ins Gespräch gebracht wurde. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse ist jedoch ungewiss. Zum jetzigen Zeitpunkt sind Machbarkeit und Wirksamkeit derartiger Ansätze aufgrund mangelnder Studie unbekannt. Eine vorsorgliche Immunisierung für einen Großteil der Bevölkerung ist nicht Gegenstand der aktuellen Forschung.
    Damit geht es weder aktuell noch in naher Zukunft um eine klassische „Vorsorge“-Impfung, die gesunden Menschen gegeben wird. Stattdessen handelt es sich um eine speziell an den Tumor angepasste mRNA-Immuntherapie nach einer Hautkrebsdiagnose und erfolgter OP. Wir sprechen also von Menschen mit einer schweren Erkrankung und, vor allem wenn sie jung sind, mit einem relativ hohen Risiko eines Rückfalls, mit dem Ziel, dass sie nach OP und gegebenenfalls Chemo, länger krebsfrei bleiben oder im besten Fall der Krebs gar nicht wiederkommt.

    Kein Impfstoff, sondern eine Therapie

    Daraus ergibt sich ein weiterer Widerspruch, der in nahezu allen Medienberichten bewusst oder unbewusst Einzug erhalten hat. Ein Impfstoff schützt der Definition nach vor eine Krankheit. So schreibt das für Arzneimittelsicherheit zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI): „(Prophylaktische) Impfstoffe sind Arzneimittel, die das Immunsystem zum Schutz vor Infektionskrankheiten aktivieren.“
    Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) wird konkreter. Auch hier schützen Impfstoffe „vor Infektionskrankheiten, indem sie das Immunsystem zur Herstellung von Antikörpern und Vermehrung bestimmter Immunzellen anregen.“ Zugleich seien Impfstoffe „mit die wichtigsten Mittel zur Prävention gegen Krankheiten.“
    Krebs, egal welcher Form, ist seinerseits nicht ansteckend und beruht nur im seltensten Fall auf einer Infektion, etwa mit Humanen Papillomviren (HPV) – hiergegen existiert ein eigener Impfstoff. Unterschieden werden muss zudem, dass Intismeran erst nach erfolgter Krebs-OP Anwendung findet, sprich, nachdem der Patient chirurgisch behandelt wurde. Das Präparat soll vor einem Rückfall schützen, kann aber die Krankheit nicht an erster Stelle verhindern. Der Begriff „Impfstoff“ kann in diesem Zusammenhang zu Missverständnissen führen. Einer Verwendung zugunsten der besseren Verständlichkeit steht das nicht im Wege, erfordert aber eine Konkretisierung, die in den wenigsten Presseberichten erfolgt.
    Moderna und MSD selbst sprechen in ihrer Meldung nicht von einem Impfstoff oder Vakzin. Letzterer Begriff taucht in der Meldung exakt zweimal auf: jeweils im Kontext der Kurzbeschreibungen beider Unternehmen.

    Bekannte Wirkungen und Nebenwirkungen

    Was wir kennen, sind Daten aus der Phase-II-Studie begonnen im Jahr 2019. Beendet ist sie ebenfalls noch nicht. Die Nachbeobachtung der rund 150 Teilnehmer, von denen wiederum zwei Drittel die Kombitherapie erhielten, soll bis 2032 dauern. Anfang Juni 2026 veröffentlichten Zwischenergebnisse umfassen einen Fünfjahreszeitraum.
    Dr. Kay Klapproth hebt gegenüber Epoch Times zwei Punkte hervor:
    „Moderna hat darin gezeigt, dass Intismeran neoantigenspezifische T-Zell-Klone erzeugen beziehungsweise bereits vorhandene Klone expandieren kann. Gleichzeitig zeigt die Phase-II-Studie einen Vorteil beim rezidivfreien Überleben. Nach vier Jahren waren etwa 72 Prozent der Patienten unter Intismeran plus Pembrolizumab rezidivfrei, gegenüber rund 49 Prozent unter Pembrolizumab allein. Das entspricht einer absoluten Differenz von etwa 23 Prozentpunkten.“
    Entgegen den jüngsten Behauptungen von Moderna ist damit zwar eine Verbesserung feststellbar, aber von der absoluten Formulierung „verhindert das Wiederauftreten“ sind wir weit entfernt, stellt der nicht an der Studie beteiligte, deutsche Immunologe fest. Er hat lange Zeit in der Krebsforschung gearbeitet und sich unter anderem mit Immuntherapien beschäftigt.
    Und noch etwas wird aus den bisherigen Daten deutlich: Ausnahmslos alle Teilnehmer, die Intismeran erhielten, hatten Nebenwirkungen. In der Kontrollgruppe hatten „nur“ 94 Prozent Nebenwirkungen. Ernste Nebenwirkungen hielten sich mit rund 19 zu 24 Prozent ebenfalls nahezu die Waage. In beiden Gruppen führten die Nebenwirkungen zudem in rund 45 Prozent der Fälle zu einer „Verzögerung, Unterbrechung oder Absetzung“ der Behandlung und in einem Fall in der Intismeran-Gruppe sogar zum Tod. Der Patient starb den Angaben zufolge an einer Sepsis im Rahmen einer Nebenwirkung einer Pembrolizumab-Gabe.
    All dies muss jedoch im Kontext einer Krankheit mit beschränkten Überlebenschancen und Behandlungen mit erheblichen Nebenwirkungen – Stichwort Chemotherapie – betrachtet werden.

    Lässt sich die Wirkung überhaupt ermitteln?

    Daneben gibt es eine Reihe offener Fragen, oder wie Dr. Klapproth es formulierte: „Immunaktivierung ist nicht das Gleiche wie klinische Wirksamkeit – und der Nachweis einer Immunantwort beweist noch nicht den Wirkmechanismus.“ Sprich, „was nicht gezeigt wurde, ist, dass beide Beobachtungen kausal zusammenhängen.“ Der zentrale Kritik- und Schwachpunkt bestehe darin, dass die verwendete mRNA/LNP-Plattform selbst immunologisch aktiv ist:
    „Ionisierbare Lipid-Nanopartikel können das angeborene Immunsystem stimulieren, das ist oft gezeigt worden“, erklärte Dr. Klapproth. „Gleichzeitig wissen wir aus der Tumorimmunologie, dass eine Aktivierung angeborener Immunmechanismen die Antitumorwirkung einer PD-1/PDL1-Blockade [Anm. d. Red.: das Ziel der Standardtherapie] erheblich verstärken kann.“ Konkret belegt hat dies Tübinger Unternehmen CureVac bereits im Jahr 2022 mit einer mRNA, die nicht tumorspezifisch ist, die aber durch Immunaktivierung antitumoral gewirkt hat.
    Damit existiert eine plausible alternative Erklärung für den beobachteten Effekt: Das Trägersystem der mRNA aktiviert das angeborene Immunsystem, auch ohne tumorspezifische Neoantigene. Gerade im Kontext einer PD-1/PDL1-Blokade genüge dies laut Dr. Klapproth, um einen gewissen positiven Effekt hervorzurufen. „Wie groß der unspezifische Effekt ist und welchen Anteil an der klinischen Wirkung tatsächlich die individuell ausgewählten Neoantigene haben, wissen wir aber nicht, weil diese Experimente fehlen.“
    Ferner werde Intismeran plus Pembrolizumab mit Pembrolizumab plus einem nicht-immunogenen Placebo verglichen. „Damit kann man zwar zeigen, dass das Gesamtpräparat einen Effekt hat. Man kann aber nicht zeigen, welcher Anteil dieses Effekts auf dem Konzept der tumorspezifische Information beruht.“

    Offene Fragen und methodische Schwächen

    Ungewöhnlich erscheint dem Immunologen die intensive wiederholte Gabe die der mRNA-Präparate. Moderna und Merck sprechen davon, dass ein Milligramm mRNA alle drei Wochen bis zu neunmal verabreicht wird. Man setzt das Immunsystem also innerhalb weniger Monate wiederholt demselben Reiz aus, wobei die erste Injektion konsequenterweise nicht auf dasselbe Ausgangssystem trifft wie die neunte. Was zwischen Dosis eins und neun passiert, bleibt ungewiss.
    Ein weiteres grundsätzliches Problem wurde 2023 in „Nature“ beschrieben: das fehlerhafte Ablesen von mRNA-Bausteinen. Epoch Times berichtete.
    Auch in Intismeran gibt es modifizierte Basen, die sogenannte ribosomale Leserasterverschiebungen verursachen. Dadurch können nicht beabsichtigte Peptide entstehen und diese auch unerwünschte T-Zell-Antworten auslösen. Das Problem wird nach Wissen von Dr. Klapproth von Moderna nicht adressiert. Gerade bei einem individualisierten Präparat wäre das aber relevant: Nicht nur die gewünschten Neoantigene sind individuell, sondern potentiell auch unbeabsichtigte immunogene Produkte.
    Durch die künstliche Verkettung unterschiedlicher Epitope, jenem Teil der Antigene, die das Immunsystem später erkennen soll, können zudem auch den Verbindungsstellen zwischen den einzelnen Epitopen neue, sogenannte Junction-Peptide, entstehen. Diese könnten ebenfalls einen Einfluss auf die Immunantwort haben, positiv als auch negativ. Mögliche Autoimmunreaktionen wären aufgrund der individuellen Formulierung wiederum höchst individuell und können daher praktisch kaum in Experimenten kontrolliert werden.

    Fazit

    Schwarzer Hautkrebs, auch als Malignes Melanom bekannt, ist eine der gefährlichsten Formen von Hautkrebs. Im Jahr 2022 wurden weltweit mehr als 330.000 neue Fälle diagnostiziert. In Deutschland sind es laut Uniklinik Tübingen rund 21.000 jährlich, wobei immer mehr junge Menschen betroffen seien. Rund 3.000 Menschen sterben jährlich daran.
    Vor diesem Hintergrund ist eine Verbesserung der Behandlung wünschenswert. Einen (kleinen) Erfolg beim Melanom als Beweis dafür anzusehen, dass „mRNA-Impfstoffe gegen Krebs funktionieren“, ist aber übertrieben.
    Bisher sind weder abschließende Daten aus Phase-II-Studien noch Zwischenergebnisse der Phase-III-Studie verfügbar. Womöglich bleibt der Effekt eines vermeintlichen Impfstoffs auch nach deren Veröffentlichung unbekannt oder muss hinterfragt werden. Obwohl es das Konzept prinzipiell ermöglicht, ist außerdem ungewiss, inwieweit sich die Ergebnisse auf andere Krebsarten übertragen lassen.
    Von einer möglichen Zulassung sind wir auch aufgrund fehlender Daten mindestens ein Jahr entfernt. Wie hoch anschließend die Kosten für eine Behandlung sind, bleibt offen. Die Rede ist von mehreren Hunderttausend Dollar pro Patient.
    Demgegenüber stehen schon jetzt messbare Effekte – an der Börse. Unterschiedliche Quellen sprechen von kurzfristigen Kursgewinnen von bis über 150 Prozent bei Moderna, sodass der Börsenwert des Unternehmens am Mittwoch um etwa 30 Milliarden US-Dollar zulegte. Die Papiere von Merck/MSD legten Mitte vergangener Woche ihrerseits etwa zehn Prozent zu. Mögliche Umsätze mit dem neuen Krebsmittel liegen Schätzungen zufolge zwischen drei und 13 Milliarden Dollar jährlich.
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    Bäckerei im eigenen Haus: Amerikanerin verrät das Geheimnis ihres guten Sauerteigs

    Wohlige Wärme und der Duft frischen Brotes und feiner Gewürze strömen Emily Harryman entgegen, wenn sie die Tür zu ihrer Backstube öffnet. Was einst das Esszimmer ihres Hauses in der texanischen Stadt Keller nahe Dallas war, dient nun als Herzstück der von zu Hause aus betriebenen kleinen Bäckerei „Plain Jane Bakes“ – was in etwa „einfach nur backen“ bedeutet.
    Die Wände sind französischblau gestrichen, die Decke tapeziert mit hellgrünen Blattornamenten. Das große, nach Osten ausgerichtete Fenster flutet den Raum mit Licht und wirft Sonnenstrahlen auf die hölzernen Backregale, auf denen die Sauerteigbrote abkühlen können.
    In der Ecke am Fenster steht der Ofen, ein kompakter Simply Bread L12, der ein Dutzend Laibe auf einmal fassen kann. Der Raum ist mit einer großen Kücheninsel aus dunklem Holz sowie mehreren Anrichten ausgestattet, in denen Emily Harryman ihre Zutaten und Backutensilien aufbewahrt.
    Der Brotraum in Emily Harrymans Hausbäckerei. Foto: Heidi Sears Photography

    Der Brotraum in Emily Harrymans Hausbäckerei.

    Foto: Heidi Sears Photography

    „Ich hätte mir nie vorgestellt, dass unser Esszimmer eine Hausbäckerei sein würde. Nun findet der gesamte Sauerteigprozess hier statt. Der Raum erfüllt mein Herz mit großer Freude“, sagt Harryman.
    Seit der Gründung ihres Unternehmens im Jahr 2024 ist Harrymans Brotbackraum mehr als nur ein Ort, an dem sie Brot backt, Kurse gibt und die Rezepte für ihr kommendes Kochbuch „Plain Jane Sourdough: Simple Ingredients and Techniques for Stunning Artisanal Bread“ perfektioniert (auf Deutsch etwa: „Schlichtweg Sauerteig: Einfache Zutaten und Techniken für beeindruckendes Handwerksbrot“). Es ist der Höhepunkt einer langen Reise, die in der bescheidenen Küche am Meer begann, in dem Haus, das ihre Großeltern bauten.
    Emily Harryman ist eine Autodidaktin im Sauerteigbacken und betreibt heute eine erfolgreiche kleine Bäckerei in ihrem Esszimmer. Foto: Heidi Sears Photography

    Emily Harryman ist Autodidaktin im Sauerteigbacken und betreibt heute eine erfolgreiche kleine Bäckerei in ihrem Esszimmer.

    Foto: Heidi Sears Photography

    Dekorative Anfänge

    Harrymans Liebe zum Essen wurde durch regelmäßige Besuche bei ihren Großeltern entfacht, die in einer kleinen Küstenstadt unweit von San Francisco lebten. „Meine Oma war sehr leidenschaftlich beim Kochen. Jedes Mal, wenn wir zu Besuch waren, setzten wir uns ins Wohnzimmer und wählten ein Rezept aus einer der Food-Zeitschriften von ihrem Couchtisch aus, das wir ausprobieren wollten“, erinnert sich Harryman.
    Obwohl die Rezepte nicht immer erfolgreich waren, hatte der Geist der Gastfreundschaft ihrer Großmutter einen tiefgreifenden Effekt auf Harryman. Sie erinnerte sich, dass ihre Großeltern „eine Freundin hatten, eine Witwe, die ständig zu den Mahlzeiten herüberkam. Sie stellten immer sicher, dass sie sich angenommen und umsorgt fühlte.“
    Davon inspiriert übernahm Harryman, wenn sie von der Schule kam, die Verantwortung für die Mahlzeiten und entdeckte bald, dass ihre wahre Leidenschaft dem Backen galt. Nach Kursen im Tortendekorieren bekam Harryman Anfragen für Geburtstagstorten von Mitschülern. Dann, in ihrem Abschlussjahr an der Highschool, wurde sie gebeten, eine Hochzeitstorte zu machen. „Sie war fast einen Meter hoch und von ,Alice im Wunderland‘ inspiriert. Das öffnete viele Türen für andere Jobs und Hochzeiten“, erzählt sie.
    Harryman dekorierte weiterhin Torten, während sie noch auf ein College außerhalb von Pittsburgh, Pennsylvania, ging. Ihre Fähigkeiten verschafften ihr und ihrem Mitbewohner Tristan 2016 einen Auftritt in einer Folge der beliebten Food-Network-Show ‚Cake Wars‘. Das Duo trat in einer Folge, die dem Videospiel Minecraft gewidmet war, gegen professionelle Bäcker an. „Wie durch ein Wunder haben wir gewonnen!“, sagt Harryman.
    2016 war auch das Jahr, in dem sie ihren Ehemann Issac traf. Nachdem sie geheiratet hatten, zog das Paar nach Texas. Ein paar Jahre später ging es bereits zurück nach Pennsylvania, wegen eines neuen Jobs.
    Harryman gab das Backen auf, während sie versuchten, eine Familie zu gründen. Sie erlitt mehrere Fehlgeburten, bevor sie dann doch drei gesunde Kinder zur Welt brachte. Ein Jobverlust im Jahr 2022 zwang die Familie zurück nach Texas für eine Arbeit mit signifikanter Gehaltskürzung.
    Für die Familie bedeutete das, dass sie eine zusätzliche Einnahmequelle benötigte, um über die Runden zu kommen. So wandte sich Emily Harryman 2024 wieder voll dem Backen zu. Doch diesmal ging es nicht um das Dekorieren von Torten. Sie begann, Sauerteigbrote zu backen.

    Backen von Grund auf

    Der Grundstein für Harrymans Sauerteig-Abenteuer wurde gelegt, als ihr College-Mitbewohner Tristan sie wieder an die natürlichen, unverarbeiteten Zutaten heranführte, die sie in der Küche ihrer Großmutter gesehen hatte.
    Durch die Mutterschaft wuchs in ihr das Bewusstsein, welche Zutaten sie ihren kleinen Kindern zu essen gab. „Es gibt so viele Konservierungsstoffe, so viele genetisch veränderte Zutaten, so viele Dinge, die auf unser Essen gesprüht werden, dass ich … Dinge kaufen wollte, die so ziemlich nah an dem sind, wie Gott sie geschaffen hat“, sagt Harryman.
    Harryman begann ihr Bäckereiunternehmen, um ihre Familie zu ernähren. Heute gibt sie ihr Wissen über Sauerteigbacken über soziale Medien und ein neues Kochbuch weiter. Foto: Heidi Sears Photography

    Harryman begann ihr Bäckereiunternehmen, um ihre Familie zu ernähren. Heute gibt sie ihr Wissen über Sauerteigbacken über soziale Medien und ein neues Kochbuch weiter.

    Foto: Heidi Sears Photography

    Diese einfache Philosophie der „echten Zutaten“ sollte der Schlüssel zu Harrymans Erfolg mit Sauerteig sein. Die Aussicht, eine eigene Sauerteigbäckerei zu gründen, empfand sie als beängstigend, weil „es so viele verschiedene Gedanken dazu gibt, wie man Sauerteig macht. Als Anfänger ist das schrecklich, weil man nicht weiß, was richtig ist. Aber sobald man seinen Prozess im Griff hat, ist es wie Radfahren.“
    Harrymans eigener Prozess beginnt mit einer Mischung aus Weißmehl, Roggenmehl und Wasser, die zum Fermentieren stehen gelassen wurde. Natürliche, darmfreundliche Bakterien begannen, den Zucker und die Proteine des Mehls zu fressen, wodurch ein blubberndes Teiggemenge entsteht, das als Sauerteigstarter bekannt ist.
    Der Starter muss immer wieder verwendet und gefüttert werden, damit die Fermentation aktiv bleibt. Wenn der Sauerteig in einen Brotteig eingearbeitet wird, wirkt er als Triebmittel und verleiht dem Brot seinen charakteristischen säuerlichen Geschmack.
    Das Cover zu Emily Harrymanns Buch “Plain Jane Sourdough”. Foto: Heidi Sears Heidi Sears Photography

    Das Cover zu Emily Harrymans Buch “Plain Jane Sourdough”.

    Foto: Heidi Sears Heidi Sears Photography

    Aus diesem Sauerteig wird das treffend benannte „Plain Jane“ hergestellt, ein unverfälschtes Sauerteig-Landbrot, das der Star der Harryman Backwaren ist. Sie entwickelte außerdem ihre eigene Variante des „Miche“, eines rustikalen französischen Brotes, sowie ein „Herbes de Provence“, ein einfaches Brot mit Kräutern.
    Ursprünglich bot sie ein umfangreicheres Sortiment mit einer Auswahl an Scones, Keksen und Spezialbroten an, reduzierte dieses jedoch schließlich auf Anraten ihres Mannes. „Ich musste es einfach halten. Das Brot verkaufte sich ohnehin immer am besten“, erklärt Harryman.
    Sauerteig, wie sich herausstellte, war eine Neuheit in Keller, Texas. Harryman begann, die Laibe über Hausbestellungen und auf lokalen Märkten zu verkaufen. In den ersten Monaten des Unternehmens hatte Harryman weder einen Backraum noch einen Backofen. Sie arbeitete mehr als 13 Stunden am Tag, um die Laibe in ihrem Einbau-Doppel-Backofen in der Küche eins nach dem anderen zu backen.
    Es war harte Arbeit, aber das zusätzliche Geld verschaffte der Familie das dringend benötigte finanzielle Polster – und das alles, ohne dass Harryman das Haus verlassen oder auf den Heimunterricht ihrer Kinder verzichten musste – beides war für sie nicht verhandelbar. „Das Geschäft musste etwas sein, das meiner Familie zugutekommt und mich nicht von ihr fernhält“, sagt sie.
    Neben ihrem lokalen Erfolg, wurde Harryman auch zu einer Sensation in den sozialen Medien. Ihr Instagram-Kanal „Plain Jane Bakes“ schnellte in zwei Jahren von null auf 59.000 Follower hoch. Das war genug, dass ein unabhängiger Verlag sich Harrymans Kochbuchidee annahm.
    „Plain Jane Sourdough“ ist eine Liebeserklärung und zugleich ein praktischer Leitfaden zum Sauerteigbacken. Sie widmete das Buch ihrer Großmutter. „Ich wollte versuchen, meinen Weg so weiterzugeben, wie meine Großmutter mir ihren vermittelt hat“, sagt Harryman. „Ich hoffe, dass es den Lesern in der Küche eine Hilfe und beim Lesen eine Ermutigung sein wird.“
    Emily Harryman mit ihrer Familie. Foto: Heidi Sears Photography

    Emily Harryman mit ihrer Familie.

    Foto: Heidi Sears Photography

    Der Artikel erschien im Original im „American Essence Magazine“ der Epoch Times und online bei theepochtimes.com unter dem Titel „Successful Home Bakery Entrepreneur Reveals the Key to Mastering Sourdough Baking“. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)
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    Japanische Forscher finden möglichen Schlüssel zur Langlebigkeit


    In Kürze:

    • Das Geheimnis menschlicher Langlebigkeit ist bis heute weitgehend unerforscht.
    • Forscher aus Japan suchten in einer jüngst veröffentlichten Studie gezielt nach Zusammenhängen.
    • Je älter die Studienteilnehmer waren – die jüngsten unter ihnen waren über 70 –, desto höher war der Anteil bestimmter Immunzellen.
    • Eine Kausalität beweist die Studie nicht und liefert daher auch kein Rezept für ein langes Leben.

     
    Ende 2024 lebten in Deutschland fast 18.000 Menschen, die mindestens ein Jahrhundert hinter sich hatten – 24 Prozent mehr als noch 2011. Doch 110 Jahre oder mehr sind selbst in einer immer älter werdenden Gesellschaft eine extreme Ausnahme.
    Hierzulande wird derzeit Ilse Neumann aus Sachsen als älteste in Deutschland lebende Person geführt. In den offiziellen Liste der langlebigsten Menschen ist sie allerdings bislang nicht erfasst. Nach dem Tod des 110-jährigen Bruno Kant Ende Mai 2026 gibt es damit derzeit keinen offiziell bestätigten lebenden Deutschen über 110 Jahre.
    Diese Diskrepanz zeigt bereits, wie selten ein solches Alter ist. Für die Altersforschung sind Menschen, die 110 Jahre oder älter werden, deshalb besonders interessant. Sie sind nicht einfach nur sehr alte Menschen, sondern ein Extremfall menschlicher Langlebigkeit. Insbesondere, da vieler diese Personen den größten Teil ihres Lebens vergleichsweise gesund bleiben.

    Suche nach dem Rezept für ein langes Leben

    Wer nach Antworten sucht, landet zunächst bei den bekannten Faktoren: Bewegung, Ernährung, ausreichend Schlaf, wenig oder kein Rauchen und Alkohol, soziale Kontakte, ein aktiver Alltag und möglicherweise auch eine positive Lebenseinstellung.
    Darauf weisen auch Untersuchungen zu den sogenannten Blue Zones hin – Regionen, in denen besonders viele Menschen ein außergewöhnlich hohes Alter erreichen. Dort werden eine natürliche Alltagsbewegung, eine überwiegend pflanzliche Ernährung, wenig stark verarbeitete Lebensmittel und enge soziale Beziehungen mit einem langen Leben in Verbindung gebracht.
    Doch solche Faktoren erklären vor allem, unter welchen Lebensbedingungen Menschen besonders alt werden. Warum einzelne Menschen 110 Jahre und mehr erreichen, ist eine andere Frage. Vielleicht liegt ein Teil des Geheimnisses nicht nur im Lebensstil, sondern in der Biologie?
    Genau hier setzt eine neue Studie japanischer Forscher an. Sie untersuchten das Immunsystem von Menschen, die 110 Jahre und älter sind – und stießen auf eine auffällige Besonderheit. Der Schlüssel zur Langlebigkeit könnte laut den Forschern in einer großen Anzahl krebsbekämpfender Immunzellen liegen.
    „Unsere Studie legt nahe, dass sich das Immunsystem selbst im hohen Alter noch selektiv anpassen kann“, so Hauptautor Kosuke Hashimoto.

    Ein ungewöhnliches Immunsystem

    Bei den über 110-Jährigen, die Autoren nennen sie „Superhundertjährige“, fanden die Forscher besonders viele zytotoxische CD4-T-Zellen, kurz CD4-CTLs. Dabei handelt es sich um eine seltene Untergruppe von T-Zellen. Letztere gehören generell zum Immunsystem und helfen normalerweise dabei, die Abwehr des Körpers zu koordinieren. CD4-CTLs können darüber hinaus selbst andere Zellen erkennen und zerstören. Solche Zellen werden unter anderem bei Virusinfektionen beobachtet. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass sie bestimmte Krebszellen beseitigen können.
    Die neue Studie zeigt nicht auf, ob diese Zellen der Grund dafür sind, dass Menschen 110 Jahre alt werden. Sie legt zunächst einen auffälligen Zusammenhang offen: Mit zunehmendem Alter der untersuchten Menschen nahm der Anteil dieser speziellen T-Zellen deutlich zu:
    Die Forscher untersuchten Blutproben von insgesamt 28 Personen. Darunter waren acht Menschen zwischen 70 und 90 Jahren, zehn Hundertjährige im Alter von 100 bis 109 Jahren und zehn Superhundertjährige, die mindestens 110 Jahre alt waren.
    Bei den 70- bis 90-Jährigen machten die CD4-CTLs etwa vier Prozent der T-Zellen aus. Bei den 100- bis 109-Jährigen waren es rund zehn Prozent. Bei den Superhundertjährigen lag ihr Anteil bei knapp 18 Prozent.

    Wenn sich Immunzellen vervielfältigen

    Hinzu kommt ein zweiter Befund: Bei den Hundertjährigen und Superhundertjährigen fanden die Forscher große Zellklone. Vereinfacht gesagt bedeutet das: Eine einzelne T-Zelle hat offenbar auf einen bestimmten Reiz reagiert und anschließend zahlreiche genetisch nahezu identische Nachkommen gebildet.
    Der größte einzelne Klon machte bei den untersuchten Personen durchschnittlich rund ein Drittel aller CD4-CTLs aus. Bei einem Hundertjährigen gehörten sogar 53,8 Prozent dieser Zellen zu demselben Klon. Diese Werte deuten darauf hin, dass das Immunsystem dieser Menschen über längere Zeit immer wieder mit bestimmten Reizen konfrontiert wurde und sich darauf spezialisiert hat. Worauf genau diese großen Zellklone überhaupt reagieren, das beantwortet die Studie nicht.
    Das Immunsystem wäre den Untersuchungsergebnissen nach im hohen Alter nicht einfach nur geschwächt. Es hätte sich vielmehr verändert – und bestimmte Abwehrmechanismen besonders stark ausgebaut. Für die Forscher ist das ein möglicher Hinweis darauf, wie das Immunsystem außergewöhnlich lang funktionsfähig bleiben kann. Denn die untersuchten Superhundertjährigen hätten nicht nur ein ungewöhnlich langes Leben, sondern scheinen auch Alterskrankheiten wie Herzerkrankungen, Demenz und Krebs abzuwehren.
    Des Weiteren verglichen die Forscher die Rezeptoren dieser besonders stark vermehrten T-Zellen mit bereits vorhandenen Daten aus Krebsgewebe. Einige der Rezeptorsequenzen stimmten mit solchen überein, die auch bei T-Zellen von Krebspatienten gefunden wurden, besonders bei Lungenkrebs. Die Forscher vermuten deshalb, dass die ungewöhnliche Vermehrung dieser CD4-CTLs möglicherweise zur Langlebigkeit beiträgt – etwa indem sie bei dazu beitragen, dass Superhundertjährige Krebszellen besser unter Kontrolle halten – und damit länger gesund bleiben.

    Rezept für ein langes Leben?

    Was bedeutet das für den Einzelnen? Niemand kann seine CD4-CTLs derzeit durch eine bestimmte Ernährung, Sportübung oder Nahrungsergänzung vermehren. Die Studie liefert also kein Programm, mit dem sich 110 Jahre erreichen lassen.
    Sie eröffnet vielmehr eine andere Perspektive auf das Altern: Vielleicht entscheidet nicht nur, welchen Belastungen ein Mensch im Laufe seines Lebens ausgesetzt ist. Vielleicht spielt auch eine Rolle, wie anpassungsfähig sein Immunsystem bleibt und welche Abwehrmechanismen es im Laufe der Jahrzehnte entwickelt.
    In Japan, wo Hashimoto und sein Team die Studie durchführte, gibt es über 100.000 Hundertjährige. Etwa 150 Menschen sind 110 Jahre oder älter. Die offizielle Rangliste der ältesten derzeit lebenden Personen weltweit führt dennoch Ethel Caterham aus Großbritannien an, die am 21. August 2026 ihren 117. Geburtstag feierte.
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    „Ich weiß nicht mehr, wie ich denken soll“: Was hinter dem ständigen Rauschen im Kopf steckt

    Ich erinnere mich an einen Patienten Mitte fünfzig, einen ruhigen Mann, dessen Stimme stets etwas von Müdigkeit trug. Als er an jenem Morgen mein Sprechzimmer betrat, wirkte er nicht krank im klassischen Sinne, sondern erschöpft auf einer sehr tiefen Ebene.
    Er setzte sich, sah mich an und sagte: „Ich weiß nicht mehr, wie ich denken soll. Es ist, als würde mein Kopf rauschen.“
    Während er sprach, fiel mir auf, dass seine Augen leicht gerötet waren, nicht durch Tränen, sondern durch Nächte, die ihm offenbar nicht gehörten. Er berichtete von Schlaf, der nicht erholte, von Gedanken, die sich nicht ordnen ließen, und von einer inneren Unruhe, die ihn selbst in stillen Momenten begleitete.
    Ich begann nachzufragen, und je länger wir sprachen, desto deutlicher wurde, dass sein Problem nicht nur Müdigkeit war. Es war ein Verlust an geistiger Klarheit, ein Nachlassen der Fähigkeit, Informationen aufzunehmen, zu sortieren und zu behalten. Er beschrieb es als „ein ständiges Hintergrundrauschen“, das ihn daran hinderte, sich zu konzentrieren.
    Während ich ihm zuhörte, wurde mir bewusst, dass sein Zustand exemplarisch für etwas Größeres stand: für die Frage, warum Schlaf überhaupt existiert und warum das Gehirn ohne ihn aus dem Gleichgewicht gerät.

    „Ich kann nicht mehr denken“ – ein stiller Hilferuf des Gehirns

    Es gibt medizinische Fragen, die trotz jahrzehntelanger Forschung seltsam unberührt bleiben. Schlaf gehört dazu. Obwohl jeder Mensch ihn täglich braucht, obwohl Tiere ohne ihn sterben würden, obwohl das Gehirn im Schlaf mehr Aktivität zeigt als viele vermuten, wissen Schlafforscher bis heute nicht ganz genau, warum wir eigentlich schlafen.
    Gängige Erklärungen reichen von Energieersparnis, nächtlicher Reinigung durch das glymphatische System, Gedächtniskonsolidierung bis hin zur emotionalen Verarbeitung. Doch keine dieser Theorien erklärt vollständig, warum der Körper den Zustand des nicht steuerbaren Bewusstseins überhaupt zulässt – und warum er ihn so dringend einfordert.
    In der ganzheitsmedizinischen Praxis begegnet mir Schlaf nicht als hochkomplexes Forschungsfeld, sondern als existenzielles Bedürfnis, das Menschen aus dem Gleichgewicht bringen kann, wenn es fehlt. Schlaf ist kein Luxus, sondern eine stille Voraussetzung für geistige Klarheit, emotionale Stabilität und körperliche Regeneration.
    Und dennoch behandeln wir ihn im Alltag oft wie eine variable Größe, die man verschieben, verkürzen oder ignorieren kann, wenn andere Dinge wichtiger erscheinen, ohne dass es Konsequenzen hat. So wie es sich auch in den Lebensalltag meines Mitte fünfzig Jahre alten Patienten eingeschlichen hat.
    Doch das Gehirn verzeiht diese Ignoranz nicht. Es reagiert mit Unruhe, mit Überforderung, mit einem Verlust an innerer Ordnung.

    Was das Gehirn im Schlaf wirklich tut

    In der modernen Schlafforschung gibt es eine Hypothese, die seit Jahren diskutiert wird und die ich aus ganzheitlicher Sicht mit viel Interesse betrachte: die synaptische Homöostase.
    Sie besagt, vereinfacht ausgedrückt, dass das Gehirn im Wachzustand fortlaufend neue Reize verarbeitet, synaptische Verbindungen stärkt und dadurch eine Art neuronale Überladung erzeugt. Schlaf soll diese Überladung reduzieren, indem er die Synapsen wieder auf ein funktionales Niveau zurücksetzt.
    Die Forschung zu diesem Thema ist aktuell und passiert sozusagen gerade in Echtzeit. Eine der jüngsten und präzisesten Forschungsarbeiten zu diesem Thema stammt aus Japan aus dem Jahr 2025. Die Studie von Fukuaki L. Kinoshita und Kollegen an der University of Tokyo deutet darauf hin, dass synaptische Verbindungen im Wachzustand tatsächlich an Stärke zunehmen und dass Schlafphasen notwendig sind, um diese Verstärkung wieder zu regulieren.
    Die Forscher modellierten die Dynamik der Synapsen über den gesamten Schlaf-Wach-Zyklus und fanden Hinweise darauf, dass das Gehirn im Schlaf eine Art neuronale Ordnung wiederherstellt, die im Alltag verloren geht.
    Diese wissenschaftliche Erkenntnis passte gut zu dem, was ich auch bei meinem Patienten sah: ein Gehirn, das zu lange wach war, zu viele Eindrücke aufgenommen hatte und nicht mehr in der Lage war, sie zu sortieren und Ordnung zu schaffen.

    Wenn Wachheit das Gehirn überlädt und Schlafentzug messbar Spuren hinterlässt

    Dass Schlafentzug die synaptische Last erhöht, wurde auch in einer aktuellen Studie aus dem Jahr 2026 aus Deutschland bestätigt. Die Arbeitsgruppe um David Elmenhorst am Forschungszentrum Jülich konnte zeigen, dass schon eine einzige Nacht ohne Schlaf die Menge des synaptischen Dichte-Markers SV2A im menschlichen Gehirn erhöht.
    Dieser Marker steht für die Anzahl funktioneller Synapsen. Mit einfachen Worten: Wer zu lange wach bleibt, baut synaptische Verbindungen auf, die das Gehirn am nächsten Tag belasten. Die Forscher konnten nachweisen, dass diese erhöhte synaptische Dichte mit einer Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit einhergeht.
    Auch eine im August 2026 erschienene Studie aus den USA zeigt, dass Schlaf die synaptische Architektur im Gehirn nicht nur reduziert, sondern regional unterschiedlich moduliert. Manche Hirnareale profitieren also stärker von der nächtlichen Ordnung als andere. Das Gehirn scheint im Schlaf also nicht pauschal zu arbeiten, sondern differenziert. Es wird nicht einfach etwas entfernt, sondern vielmehr ausgewählt.

    Warum selbst ein Nickerchen helfen kann, das Gehirn neu zu kalibrieren

    Wenn man nachts aus verschiedenen Gründen nicht gut durchschlafen kann, gibt es auch die Möglichkeit, tagsüber die Hygiene des Gehirns zu unterstützen, wie eine kleine, aber besonders spannende europäische Studie aus dem Jahr 2026 von Kristoffer D. Fehér und Kollegen zeigt.
    Die Untersuchung an zwanzig Teilnehmern ergab, dass selbst ein kurzer Mittagsschlaf die synaptische Plastizität neu kalibrieren kann. Ein Nickerchen von weniger als einer Stunde reichte dabei aus, um die neuronale Last zu reduzieren und eine bessere Vorbereitung des Gehirns auf nachfolgendes Lernen zu schaffen.
    Für die ganzheitsmedizinische Perspektive ist das bedeutsam. Denn es zeigt, dass Schlaf nicht nur ein nächtlicher Prozess ist, sondern ein biologisches Werkzeug, das der Körper offenbar flexibel einsetzen kann. Der Mensch ist also nicht darauf angewiesen, ausschließlich nachts Ordnung zu schaffen. Er kann sie auch tagsüber gezielt nachholen.
    In Bezug auf meinen Patienten kam ich zu folgendem Schluss: Sein Gehirn war nicht krank, sondern überlastet. Es brauchte meiner Ansicht nach keine Medikamente, um die Konzentration zu verbessern, sondern Ordnung. Und zu dieser Ordnung kann Schlaf als biologisches Werkzeug auf natürliche Weise verhelfen.

    Perspektive aus der Ganzheitsmedizin

    Mein Rat aus ganzheitsmedizinischer Sicht lautete deshalb: Schlaf sollte nicht erst dann stattfinden, wenn der Körper erschöpft ist oder man Zeit dafür findet. Er sollte bewusst gepflegt werden und als eine tägliche Hygiene für das Gehirn gelten.
    Wer tagsüber kurze Pausen zulässt, abends digitale Reize reduziert und dem Körper die Chance gibt, entspannt in den Schlaf zu gleiten, unterstützt die nächtliche Ordnung, die das Gehirn dringend braucht.
    Schlaf ist kein passiver Zustand, den man einnimmt, nachdem man alles Wichtige im Alltag erledigt hat, sondern ein aktiver Prozess der neuronalen Reinigung, der in die Lebensroutine eingeplant werden muss. Er ist die stille Arbeit des Gehirns, die wir nicht sehen, aber spüren. Und er ist eine der wenigen biologischen Funktionen, die wir medizinisch nicht ersetzen können.
    Wer ihn vernachlässigt, verliert die Fähigkeit, klar zu denken. Wer ihn pflegt, kann die Ordnung zurückgewinnen, die das Leben jeden Tag aufs Neue durcheinanderbringt.
    Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker. (Redaktionelle Bearbeitung cs)