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Die Heilkraft der Schärfe: Warum Wissenschaft und TCM plötzlich dieselben Rezepte empfehlen

Ein westlicher Ernährungswissenschaftler wird Ihnen erklären, dass Chilischoten dank Capsaicin wirken, einem Stoff, der Schmerzen lindern und den Stoffwechsel ankurbeln kann. Für einen Praktiker der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) vertreibt die Chili Kälte und bringt stagnierende Energie wieder in Bewegung. Beide beschreiben dasselbe feurige Gefühl, und beide haben auf ihre Weise recht.
Von mexikanischen Salsas bis zu Sichuan-Hotpots, scharfe Zutaten verleihen Gerichten schon seit Jahrhunderten ihren besonderen Charakter. Was sich jedoch verändert hat: Die moderne Wissenschaft erforscht heute mit bemerkenswerter Ernsthaftigkeit die biochemischen Grundlagen von Schärfe, und bestätigt dabei oft genau das, was die TCM seit Jahrhunderten beobachtet.

Drei Wirkstoffe

Die westliche Ernährungswissenschaft konzentriert sich auf drei Wirkstoffe:
  • Piperin (schwarzer Pfeffer),
  • Capsaicin (Chilischoten) und
  • Gingerol (Ingwer).
Diese Moleküle sind für die Schärfe verantwortlich, die diesen Gewürzen ihre charakteristische Note verleiht und sie bieten zudem eine Vielzahl von gesundheitlichen Vorteilen.
Der größte Vorteil von Piperin liegt in seiner Fähigkeit, Krebsstammzellen zu unterdrücken und bestimmte Leber- und Darmenzyme zu blockieren, die normalerweise Nährstoffe abbauen, bevor diese in den Blutkreislauf gelangen.
Capsaicin reduziert Substanz P, einen Neurotransmitter, der Schmerzsignale an das Gehirn weiterleitet. Deshalb ist es ein häufiger Bestandteil von Salben gegen Arthritis und Nervenschmerzen. Zur gezielten Schmerztherapie wird Capsaicin jedoch vorwiegend äußerlich angewendet, da das Essen von Chilis Schmerzsignale in peripheren Nerven nicht auf dieselbe lokale Weise blockieren kann.
Capsaicin regt zudem die Thermogenese an, den körpereigenen Prozess der Wärmeerzeugung, was zu einem erhöhten Kalorienverbrauch führt. Diese Eigenschaft hat scharfe Speisen bei Menschen beliebt gemacht, die nach Lösungen zur Gewichtsregulierung suchen. Der Effekt auf die Gewichtsabnahme ist jedoch gering und kein Ersatz für eine Diät oder sportliche Betätigung.
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Capsaicin dazu beitragen kann, den Blutdruck und den Cholesterinspiegel zu senken und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern, während Ingwer in Laborstudien antimikrobielle Wirkungen gezeigt hat, die die Gesundheit des Immunsystems unterstützen können.
Die entzündungshemmenden Verbindungen des Ingwers können Muskelkater und Gelenkschmerzen lindern. Außerdem ist Ingwer reich an Antioxidantien, die oxidativem Stress entgegenwirken, der zu Alterungsprozessen und chronischen Erkrankungen beiträgt.

Die Vorteile der Schärfe

In der TCM wird Essen nicht von Medizin getrennt. Man geht davon aus, dass alles, was man isst, das innere Gleichgewicht des Körpers beeinflusst – sein Qi (Lebensenergie), das Blut und das Wechselspiel von Yin und Yang – zwei sich ergänzende, gegensätzliche Kräfte, die zusammenwirken, um das dynamische Gleichgewicht des Universums aufrechtzuerhalten.
Scharfe Zutaten werden als „warm“ oder „heiß“ eingestuft. Man sagt ihnen nach, dass sie den Kreislauf anregen und „Kälte“ sowie „Stagnation“ beseitigen; deshalb werden Ingwer, Zimt und Sichuan-Pfeffer traditionell im Winter oder von Menschen verwendet, die leicht frieren.
„Frischer Ingwer, Frühlingszwiebeln und Zimtstangen können oft eingesetzt werden, um Erkältungs- und Grippeviren abzuwehren, bevor sie sich im Körper wirklich festgesetzt haben“, erklärte Sharon Sherman, eine zugelassene Akupunkteurin und Kräuterkundlerin, gegenüber der Epoch Times. Eine weitere traditionelle Anwendung von Ingwer, nämlich die Linderung von Übelkeit, wirke direkter auf die Verdauung, sagte sie.

Bitter, sauer, scharf: Geschmack mit Funktion

„Selbst der Geschmack hat in der TCM eine eigene Bedeutung“, erklärt der TCM-Arzt und Akupunkteur Maz Roginski. Demnach regen scharfe beziehungsweise würzige Aromen das Schwitzen an; bittere Geschmacksrichtungen wirken „absenkend“, was bei Beschwerden wie Sodbrennen oder Verstopfung helfen soll. Saure Geschmacksrichtungen regen die Bildung von Speichel und anderen Körperflüssigkeiten an.
Gewürze werden selten allein verwendet. „Die synergistische Kombination von Kräutern und Gewürzen ist das Herzstück der chinesischen Kräutermedizin“, sagte Sherman. „Wir verlassen uns selten auf einzelne Kräuter, um ein Symptom oder ein Ungleichgewicht zu behandeln.“
Ein klassisches Beispiel ist der Ingwer-Süßholzwurzel-Sud aus dem „Shang Han Lun“, einem medizinischen Text aus der Östlichen Han-Dynastie. „Ingwer regt das Verdauungsfeuer an, während die Süße der Süßholzwurzel die anregende, wärmende Wirkung ausgleicht und Nebenwirkungen wie Schluckauf, Sodbrennen oder sogar Hautausschläge verhindern kann“, erklärte Sherman.
Maßhalten ist das Leitprinzip. „Anzeichen von überschüssiger Hitze, wie Durst, trockener Mund, Reizbarkeit oder ein gelber Zungenbelag, deuten darauf hin, dass wärmende Gewürze reduziert werden müssen“, erklärte Dr. Reuben Chen, ein TCM-Praktiker, gegenüber der Epoch Times.
Wer es mit der Schärfe übertrieben hat, für den hält die TCM laut Chen kühlende Gegenmittel bereit: Mungobohnensuppe soll „Hitze aus dem Blut leiten“, Chrysanthementee beruhigt gerötete Augen und Reizbarkeit, und Pfefferminztee hilft dabei, überschüssige Wärme über die Haut abzuleiten.

Nahrungsergänzungsmittel, Wechselwirkungen und Lagerung

Während die Mengen in Lebensmitteln im Allgemeinen als unbedenklich gelten, sind Nahrungsergänzungsmittel deutlich höher dosiert, gibt die US-Ernährungsexpertin Sophia Deahl zu bedenken.
„Beispielsweise sollten Menschen, die Blutverdünner einnehmen, mit ihrem Arzt sprechen, bevor sie hochdosierte Kurkuma-, Ingwer- oder Knoblauchpräparate einnehmen, da diese das Blutungsrisiko beeinflussen können“, sagte sie.
Menschen mit Lebererkrankungen sollten bei hochkonzentriertem Kurkuma oder Zimt vorsichtig sein“, rät die Expertin. Schwangere sollten vor der Einnahme von Kräuter- oder Gewürzpräparaten grundsätzlich ärztlichen Rat einholen.
Wer auf zertifizierte Bio-Marken setzt, kann zudem die Belastung durch Pestizide und Schwermetalle verringern. Auch die richtige Lagerung spielt eine Rolle: In luftdichten Glasbehältern, geschützt vor Hitze, Feuchtigkeit und direkter Sonneneinstrahlung, behalten Gewürze am längsten ihre Wirksamkeit. Ein Blick auf das Verfallsdatum lohnt sich ebenfalls – verströmt ein Gewürz sein charakteristisches Aroma nicht mehr, ist das ein Zeichen dafür, dass sich die wertvollen Wirkstoffe bereits abgebaut haben.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Benefits of Eating Spicy Foods“. (deutsche Bearbeitung kr)
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TCM: Was Ihr Gesicht über die Nierengesundheit verraten kann

Sie liegen tief im Verborgenen, doch manchmal senden sie unübersehbare Signale an die Oberfläche: Als körpereigene Filter reinigen die Nieren nicht nur das Blut, sondern regeln im Stillen auch unseren Wasser- und Salzhaushalt. Wenn diese lebenswichtige Filterfunktion ins Stocken gerät, zeigt sich das mitunter an einer überraschend sichtbaren Stelle – im Gesicht.

Anhaltende Schwellungen um die Augen, ein auffällig blasser oder fahl wirkender Teint sowie Gesichtsassymmetrien können auf veränderte Nierenwerte hinweisen. Grace Zhang, Praktikerin der Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) am Northern Medical Center in New York, erläuterte gegenüber der Epoch Times, dass sie im Rahmen einer ganzheitlichen Diagnostik gezielt auf feine Veränderungen an Augen, Lippen, Wangen und Kinn achtet.

Ein Teil dieser optischen Auffälligkeiten lässt sich schulmedizinisch und physiologisch begründen, etwa wenn Wasseransammlungen infolge einer gestörten Filterleistung im Gewebe verbleiben, während andere Indikatoren auf jahrhundertealten Beobachtungen der TCM beruhen. Zusammengenommen, und vor allem in Kombination mit körperweiten Symptomen, ergeben sie ein klinisches Mosaik, das ernst genommen werden sollte.

Der Teint wird blass, fahl oder dunkler

Ein gesunder Teint ist normalerweise rosig und strahlend. Wenn Ihr Teint zunehmend blass, fahl oder dunkler wird und sich auch nach Ruhe nicht verbessert, kann dies mit einer nachlassenden Nierenfunktion zusammenhängen.
Eine retrospektive Studie ergab, dass unspezifische Hautveränderungen wie Blässe, Mattheit oder Gelbfärbung bei Patienten mit Nierenerkrankungen im Endstadium häufig vorkommen.
„Die Nieren scheiden Erythropoetin aus, das die Bildung roter Blutkörperchen anregt“, erklärte Zhang. Eine eingeschränkte Nierenfunktion kann zu Anämie führen, was einen blassen Teint zur Folge hat. Verschlimmert sich der Zustand, können Stoffwechselabfälle nicht mehr ordnungsgemäß ausgeschieden werden, was möglicherweise den Melaninstoffwechsel beeinträchtigt und dazu führt, dass die Haut matt, dunkel oder fahl erscheint.
Da der Teint von vielen Faktoren beeinflusst wird, wie Schlaf und Ernährung bis hin zu Anämie und Durchblutung, ist eine anhaltende Veränderung aussagekräftiger, wenn sie im Zusammenhang mit anderen Symptomen betrachtet wird.

Dunkle Augenringe und geschwollene Augenlider

Besonders die Augenregion gilt als klassischer Indikator für nierenbedingte Veränderungen. Ob dunkle Augenringe, Tränensäcke, Schwellungen der Lider oder Veränderungen der Augenlidfarbe – kaum eine andere Stelle im Gesicht reagiert so sensibel auf Prozesse im Körperinneren.

Da die Nieren maßgeblich für die Regulation des Flüssigkeitshaushalts verantwortlich sind, hat eine Störung ihrer Funktion direkte Folgen. Bei einer Funktionsstörung sammelt sich häufig überschüssiges Wasser im Körper an. Da die Haut an den Augenlidern besonders dünn und elastisch ist, zeigt sich ein Flüssigkeitsstau hier als Erstes in Form von Schwellungen.

Wenn Stoffwechselabfälle nicht ordnungsgemäß ausgeschieden werden können, können sie sich im Blut ansammeln. Der Bereich um die Augen verfügt über ein dichtes Kapillarnetz, das Veränderungen in der Durchblutung und im Stoffwechsel widerspiegeln kann, was möglicherweise zu ausgeprägteren Augenringen, einer dunkleren Augenpartie oder stärkeren Tränensäcken führt.
In der TCM gelten die Augenlider als Reflexzone der Nieren. Während eine Niereninsuffizienz zu geschwollenen Augenlidern führen kann, kann ein verlangsamter Stoffwechsel von Giftstoffen ebenfalls dazu führen, dass die Augenpartie dunkel und matt erscheint.
Augenringe selbst haben viele mögliche Ursachen, darunter genetische Veranlagung, Schlafstörungen, Allergien und Alterung. Wenn jedoch eine neue Veränderung im Bereich der Augen zusammen mit Schwellungen an anderen Stellen oder Veränderungen beim Wasserlassen auftritt, verdient dies besondere Aufmerksamkeit.

Geschwollene und fettige Wangen

Manche Menschen mit einer Nierenerkrankung stellen fest, dass ihre Wangen anschwellen, ihr Gesicht runder wirkt und sich ihre Haut beim Drücken vorübergehend eindrückt, so Zhang.
Eine erhöhte Talgproduktion im Gesicht kann dazu führen, dass es fettiger als gewöhnlich erscheint. Die TCM geht davon aus, dass dies auf unzureichendes Nieren-Qi (Energie) zurückzuführen ist, das den Stoffwechsel beeinträchtigt.
Unzureichendes Nieren-Qi in der TCM ist nicht vollständig gleichbedeutend mit einer Nierenerkrankung in der westlichen Medizin; vielmehr konzentriert es sich auf die Menge an Lebensenergie, die in den Nieren gespeichert ist. Manche Menschen weisen zwar normale Nierenfunktionstests auf, leiden aber dennoch unter dem, was die TCM als Nieren-Qi-Mangel bezeichnet.

Dunkle oder schwärzliche Lippen

Eine Veränderung der Lippenfarbe ist ein weiteres Merkmal, das bei der Gesichtsbeobachtung in der TCM berücksichtigt wird.
Laut Zhang können Lippen, die allmählich ihre gewohnte Farbe verlieren und ungewöhnlich dunkel oder violett erscheinen, auf Störungen im Qi- und Blutkreislauf hindeuten.

Insbesondere bringt die TCM unzureichendes Nieren-Yang mit verminderten wärmenden und zirkulierenden Funktionen im Körper in Verbindung. Wenn diese wärmende Energie geschwächt ist, kann der Kreislauf träge werden, was sich nach Einschätzung der TCM-Praktiker in den Lippen und im Teint zeigen kann.

Anhaltend blaue oder violette Lippen können jedoch auch auf einen Sauerstoffmangel im Blut oder auf Probleme mit Herz oder Lunge hinweisen und sollten ärztlich abgeklärt werden, insbesondere wenn die Veränderung plötzlich auftritt oder mit Atemnot einhergeht.

Wiederkehrende Akne oder Schwellungen am Kinn

Die TCM-Gesichtskartierung bringt das Kinn und den unteren Teil des Gesichts traditionell mit den Nieren und dem Fortpflanzungssystem in Verbindung.
Zhang erklärte, dass wiederkehrende Schwellungen, Entzündungen oder Akne im Bereich des Kinns daher bei der Beurteilung des Nieren-Qi und des Flüssigkeitsstoffwechsels zusammen mit anderen Anzeichen berücksichtigt werden sollten.
Diese Hautprobleme haben viele gemeinsame Ursachen, insbesondere hormonelle Veränderungen und lokale Hauterkrankungen; daher sollten sie am besten als ein Beobachtungsbefund innerhalb des umfassenderen TCM-Musters verstanden werden und nicht als eigenständiger Hinweis auf eine Nierenerkrankung.

Über das Gesicht hinausblicken

Veränderungen des Teints, Augenringe, dunkle Lippen oder Gesichtsschwellungen treten nicht ausschließlich bei Nierenerkrankungen auf, so Zhang. Daher kann man die Nierenfunktion nicht allein anhand von Gesichtsveränderungen beurteilen.
Wenn Sie eine der oben genannten Gesichtsveränderungen bemerken, achten Sie darauf, ob Sie zusätzlich eines oder mehrere der folgenden Symptome haben, und suchen Sie so schnell wie möglich einen Arzt auf:
  • Schwellungen an den Knöcheln und Waden
  • Eine große Menge anhaltenden Schaums im Urin, der nicht durch das Spülen verursacht wird
  • Deutlich verminderte Urinausscheidung oder ein plötzlicher Anstieg des nächtlichen Harndrangs
  • Erhöhter Blutdruck oder zuvor gut eingestellter Blutdruck, der instabil wird
  • Anhaltende Müdigkeit, verminderter Appetit oder Übelkeit ohne andere erkennbare Ursache
  • Eine familiäre Vorbelastung mit Diabetes, Bluthochdruck oder Nierenerkrankungen

3 einfache Übungen zur Unterstützung der Nierengesundheit

Neben dem Erkennen potenzieller Warnzeichen legt die TCM Wert darauf, die Gesundheit zu erhalten, bevor Probleme schwerwiegend werden.
Der TCM-Arzt Ritsugaku Ken stellte der Epoch Times drei einfache Übungen vor, die er als Teil der täglichen Gesundheitsvorsorge empfiehlt. Nach der TCM-Theorie sollen diese Übungen den Fluss von Qi und Blut fördern, die Meridiane stimulieren und die Nierenenergie stärken.
Regelmäßige körperliche Aktivität im weiteren Sinne steht in Zusammenhang mit besseren Werten bei Blutdruck, Blutzucker, Herz-Kreislauf-Gesundheit, Kraft und Gewichtsmanagement – allesamt wichtige Faktoren für die Nierengesundheit.

1. Fäuste ballen

Die TCM geht davon aus, dass es im menschlichen Körper ein Meridiansystem gibt, das für die Zirkulation von Qi und Blut verantwortlich ist und verschiedene Organe miteinander verbindet.
Viele Meridiane und Akupunkturpunkte sind über die Hände verteilt und stehen mit anderen Organen im Körper in Verbindung. Das Ballen der Fäuste kann Akupunkturpunkte an den Händen stimulieren und dazu beitragen, den Geist zu beruhigen und die Abwehrkräfte des Körpers zu stärken.
  • Schritt 1: Legen Sie Ihren Daumen in die Handfläche, wobei die Daumenspitze an der Basis Ihres Ringfingers liegt.
  • Schritt 2: Umfassen Sie Ihren Daumen fest mit den anderen vier Fingern.
Üben Sie dies wiederholt beim Gehen, auf dem Weg zur Arbeit, beim Plaudern oder beim Fernsehen.

2. Stehhaltung

Die TCM geht davon aus, dass die Nieren und die Knochen zum selben Energiesystem gehören. Die Stehhaltung hilft, Geist und Körper zu entspannen, während sie die Nierenenergie nährt und Muskeln sowie Knochen stärkt.
  • Schritt 1: Stellen Sie sich mit den Füßen schulterbreit auseinander hin. Führen Sie Ihre Hände von den Seiten nach vorne zum Bauch, etwa auf Höhe des Bauchnabels, wobei Ihre Arme auf natürliche Weise einen Bogen bilden.
  • Schritt 2: Beugen Sie die Knie leicht, verlagern Sie Ihren Schwerpunkt nach unten und drehen Sie die Knie leicht nach außen.
Halten Sie diese Position ein bis zwei Minuten lang, stehen Sie dann aufrecht und entspannen Sie sich. Wiederholen Sie die Übung. Halten Sie den Rücken auf natürliche Weise aufrecht und atmen Sie langsam und natürlich.

3. Fersenheben

Beim Fersenheben stellt man sich auf die Zehenspitzen und senkt die Fersen dann sanft wieder ab. Nach der TCM ist der Nierenmeridian der Energiekanal, der den Körperkern stützt und unterhalb des kleinen Zehs entspringt. Das Stehen auf den Zehenspitzen stimuliert die mit dem Nierenmeridian verbundenen Akupunkturpunkte, entspannt die Rumpfmuskulatur und fördert die Nierenfunktion.
  • Schritt 1: Stellen Sie sich mit geschlossenen Beinen hin, spannen Sie Beckenboden und Bauchmuskeln an, lassen Sie die Schultern natürlich hängen und richten Sie den Rücken auf.
  • Schritt 2: Krallen Sie sich mit den Zehen am Boden fest und heben Sie die Fersen etwa 10 Sekunden lang an. Senken Sie sie langsam bis zur Hälfte ab, wippen Sie dabei Ihren Körper rhythmisch ein paar Mal nach unten und lassen Sie die Fersen dann sanft auf den Boden sinken.
Achten Sie während der gesamten Bewegung auf einen entspannten Körper und eine natürliche Atmung und vermeiden Sie übermäßige Kraftanstrengung. Wiederholen Sie die Übung nach Bedarf.

Halten Sie die Füße warm

Der Nierenmeridian entspringt an den Fußsohlen, daher trägt der tägliche Schutz Ihrer Füße dazu bei, das Nieren-Qi zu stärken. Ken empfahl, die Füße während des Schlafs nicht direkt kalter Luft oder Ventilatoren auszusetzen. Wer leicht friert, kann im Bett Socken tragen.
Halten Sie Ihre Füße sauber, vermeiden Sie es, längere Zeit barfuß in feuchter Umgebung zu laufen, und waschen Sie Ihre Füße umgehend, wenn sie schmutzig sind.
Eine Veränderung im Spiegel reicht selten aus, um zu erkennen, was im Körper vor sich geht. Anhaltende Gesichtsschwellungen, ungewöhnliche Blässe oder andere Veränderungen sollten jedoch genauer untersucht werden, wenn sie zusammen mit schaumigem Urin, geschwollenen Beinen, Veränderungen beim Wasserlassen, hohem Blutdruck oder unerklärlicher Müdigkeit auftreten.
Anstatt auf sichtbare Anzeichen zu warten, beginnt der Schutz der Nierengesundheit mit alltäglichen Gewohnheiten: aktiv bleiben, sich gesund ernähren und bei Vorliegen von Risikofaktoren geeignete Nierenuntersuchungen durchführen lassen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Your Face May Reveal About Kidney Health“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Den Alltag entschleunigen: 5 Tipps gegen Hektik

Die Hektik ist, wie die meisten Dinge im Leben, eine Entscheidung, auch wenn es sich in dem Moment nicht so anfühlen mag. Der Haken ist, dass der Moment der Entscheidung oft lange vor dem Moment des Ergebnisses liegt.
Es ist in etwa so, als würde man versuchen, sein Fahrzeug aus hoher Geschwindigkeit sofort zum Stehen zu bringen. Die Entscheidung, zu schnell zu fahren, wurde vor dem Ergebnis getroffen – und nun muss man mit den Konsequenzen leben.
Wer aufhören will, sich zu hetzen, muss über die Entscheidungen nachdenken, die er bereits im Vorfeld trifft und die diese Hektik erst notwendig machen. Das bedeutet, Kompromisse einzugehen – und meiner Erfahrung nach mögen die meisten Menschen keine Kompromisse. Sie gehen lieber den Weg des geringsten Widerstands und beschweren sich über die Ergebnisse, als sich der Realität zu stellen, dass man nicht alles auf einmal haben kann.
Der Vorteil hingegen ist, dass die meisten Menschen unterschätzen, wie viel sie wirklich aus dem Leben herausholen können, wenn sie bereit sind, bestimmte Dinge anderen vorzuziehen. Ich schätze ein langsameres Leben, weil es mir ermöglicht, mehr wertvolle Zeit mit den Menschen zu verbringen, die ich liebe. Daher bin ich bereit zu akzeptieren, dass manche Gewohnheiten – wie zu lange aufzubleiben, ständig am Handy zu hängen und zu versuchen, zu viele Dinge in meinen Tag zu stopfen – diesem Ziel im Wege stehen.
Wenn auch Sie Wert auf ein langsameres Leben legen, dann möchte ich Sie ermutigen, die Illusion loszulassen, dass irgendjemand das für Sie verwirklichen wird. Ein langsameres Leben ohne Hektik liegt in Ihrer Reichweite; Sie müssen sich nur dafür entscheiden.

Fünf Tipps, um das Leben zu entschleunigen

Möchten Sie einen Gang herunterschalten? Hier sind einige Methoden, die in meinem eigenen Leben und bei den Menschen, die ich am besten kenne, funktioniert haben.

1. Stehen Sie früher auf, als Sie müssen

Der einfachste Weg, mehr Zeit im Tag zu haben, ist, mit einem großen Zeitpuffer zu beginnen. Wenn Sie sich morgens mehr Zeit einräumen, können Sie einen gemächlichen Start in den Tag genießen.
Ob Sie diese Zeit nun mit einem warmen Getränk, gemütlichem Lesen oder ein paar leichten Hausarbeiten füllen – ich bin mir sicher, dass Sie das angenehme Gefühl genießen werden, dem Tag einen Schritt voraus zu sein, anstatt ihm hinterherzulaufen.

2. Gehen Sie früh los, damit Sie sich Zeit lassen können

Wenn Sie einen Termin haben oder unterwegs sein müssen, bedeutet frühes Aufstehen auch, das Haus frühzeitig zu verlassen. Ich gebe ehrlich zu, dass dies nicht gerade meine Stärke ist, aber dank meiner Frau genieße ich diesen Vorteil. Dank ihrer Begeisterung kommen wir sonntagmorgens früh in die Kirche und haben noch ein wenig zusätzliche Zeit, um mit unseren Freunden zu plaudern. Bei Beginn des Gottesdienstes sind wir dann in einem besseren Geisteszustand, um voll und ganz dabei zu sein.

3. Machen Sie eine Sache nach der anderen und bringen Sie jede Sache zu Ende

Eine Möglichkeit, das Leben zu entschleunigen, besteht darin, sich ganz auf die jeweilige Aufgabe zu konzentrieren.
Von einer Sache zur nächsten zu springen, macht den Tag unruhig und zerlegt die Aufmerksamkeit in kleine Häppchen. Man fühlt sich gehetzt, obwohl man wahrscheinlich insgesamt weniger schafft. Dies ist vielleicht einer der Fälle, in denen Entschleunigung kaum Nachteile mit sich bringt.

4. Schaffen Sie Raum für ruhige Momente in Ihrem Alltag

Nur sehr selten haben wir in dieser Welt die Gelegenheit, lange Phasen des Alleinseins zu genießen. Früher hörte ich Podcasts, wann immer sich die Gelegenheit bot – sei es im Auto, beim Spazierengehen oder bei der Hausarbeit. Später wurde mir klar, dass ich meinem Gehirn damit die Chance raubte, die Erlebnisse des Tages vollständig zu verarbeiten.
Heute nutze ich meine morgendlichen Spaziergänge einfach dazu, meine Gedanken sanft zu ordnen oder in jede beliebige Richtung schweifen zu lassen. Es ist oft überraschend, wohin mich diese unbewussten Gedanken letztendlich führen.

5. Gehen Sie ins Bett, ohne alles auf Ihrer Liste abgehakt zu haben

Das ist vielleicht die schwierigste Gewohnheit auf dieser Liste, denn sie stellt einen der Kernwerte unserer Gesellschaft infrage: Produktivität. Ich glaube zwar daran, sich anzustrengen, um schwierige Dinge zu bewältigen, und nach Spitzenleistungen zu streben. Doch diese Logik hat ihre Grenzen.
Für die meisten von uns ist die Grenze jener Punkt, der sich knapp außerhalb unserer Reichweite befindet. Wir wollen immer mehr tun, als wir können, und sind daher nie zufrieden mit der Arbeit, die wir tatsächlich leisten.
Geben Sie Ihr Bestes und gehen Sie mit dem Wissen ins Bett, dass morgen wieder tolle Arbeit auf Sie wartet.

Prioritäten setzen entfaltet Superkräfte

Ich habe zwar mit einer unbequemen Wahrheit begonnen – eine Erinnerung daran, dass es im Leben nichts umsonst gibt –, schließe aber mit einer ermutigenden Botschaft. Indem Sie entscheiden, was Ihnen am wichtigsten ist, und all Ihre Anstrengungen darauf konzentrieren, diese Dinge zu verfolgen, werden Sie im Vergleich zu den Menschen um Sie herum Superkräfte entwickeln.
Das Leben muss kein Wirbelwind sein, der an Ihnen vorbeirauscht und Sie überfordert zurücklässt. Sie können sich ab heute für ein langsameres, erfüllenderes Tempo entscheiden – eine Entscheidung, die allein bei Ihnen liegt.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Rushing Is a Choice: 5 Tips to Slow Your Life Down“. (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Zeitumstellung: Warum wir die dauerhafte Normalzeit brauchen


In Kürze:

  • Am Morgen des 25. Oktobers werden die Uhren im Rahmen der halbjährlichen Zeitumstellung um 3 Uhr auf 2 Uhr eine Stunde zurückgestellt.
  • Die „Sommerzeit“ wurde 1980 eingeführt, um Energie zu sparen, der tatsächliche Effekt ist bis heute umstritten.
  • Dass Sonnenstand und Uhrzeit ein halbes Jahr voneinander abweichen, hat spürbare Folgen.
  • Unsere innere Uhr orientiert sich vor allem am Licht und nicht daran, was auf dem Zifferblatt steht.
  • Für die Zeit nach der breit und lang diskutierten Abschaffung der Zeitumstellung kommt nur eine in Frage: die dauerhafte, vielfach zur „Winterzeit“ verkommenen, mitteleuropäische Normalzeit.

 
Am 25. Oktober werden die Uhren wieder zurückgestellt. Seit 1980 geht das jetzt so. Die Älteren werden sich noch erinnern: das war unter der Regierung von Helmut Schmidt. Wer jünger als 50 ist, kann sich daran schon nicht mehr erinnern, dass wir mal nur eine Uhrzeit hatten – und das war die Normalzeit, die wir ab dem 25.10. wieder haben.
Dann wird es um drei Uhr wieder zwei Uhr. Eine Stunde mehr Schlaf heißt es dann. Schön wär’s. Wer gewöhnlich um sechs Uhr aufwacht, kann nach der Umstellung bereits um fünf Uhr hellwach sein. Auf dem Wecker mag eine andere Uhrzeit stehen, aber verstanden hat ihr Körper das dann noch nicht.
Seit vielen Jahren setze ich mich dafür ein, diesen Irrsinn zu beenden und dauerhaft bei der mitteleuropäischen Normalzeit (MEZ) zu bleiben. Umgangssprachlich wird daraus oftmals die „Winterzeit“. Auch ARD und ZDF verwenden diesen Begriff, obwohl es sich um die MEZ handelt.
Für mich hat das Züge von Neusprech im Sinne George Orwells. Bereits die Wortwahl lenkt die Vorstellung: Wer will schon dauerhaft Winter? Das klingt nach Dunkelheit, Kälte und Verzicht. „Sommerzeit“ dagegen nach Grillabend und Lebensfreude.

Die Sonne lässt sich nicht umstellen

Das beliebteste Argument der Befürworter: „Ich möchte, dass es abends länger hell ist“. Was dabei übersehen wird: Die Sonne scheint durch das Verstellen der Uhr keine Minute länger. Wir verschieben nur unseren Tagesablauf gegenüber dem Sonnenstand.
Unsere innere Uhr orientiert sich vor allem am Licht und nicht daran, was auf dem Zifferblatt steht. Morgendliches Licht hilft dieser, sich auf den Tag einzustellen. Helligkeit am Abend kann jedoch dafür sorgen, dass wir später müde werden. Hinzu kommen die warmen Sommerabende, an denen man gerne länger draußen sitzt.
Durch die vorgestellte Uhr bleibt es scheinbar noch länger warm. Zusätzliche Wärme erzeugt die Zeitumstellung natürlich ebenso wenig wie zusätzliches Sonnenlicht. Gehen wir später ins Bett (während der Wecker weiterhin früh klingelt), wird die Schlafzeit kürzer. So können sich über die Tage unter der Woche Schlafdefizite aufbauen. Und was Schlafmangel bedeutet sollte eigentlich mittlerweile klar sein.
Für unsere Kinder und Jugendlichen ist es noch schlimmer. Während der Sommerzeit (MESZ) entspricht sieben Uhr morgens erst sechs Uhr Normalzeit. Der Schulbeginn wird gegenüber dem Sonnenstand also um eine Stunde vorgezogen. Dabei wäre gerade für Jugendliche das Gegenteil sinnvoll. In der Pubertät verschiebt sich der natürliche Schlafrhythmus nach hinten. Sie werden später müde und brauchen morgens länger, um wach zu werden. Das ist Biologie.
Untersuchungen zeigen seit Jahren, dass ein späterer Schulbeginn Jugendlichen mehr Schlaf ermöglichen und ihre Tagesmüdigkeit verringern kann. Wir erklären Bildung zu unserem wichtigsten Kapital in Deutschland und organisieren den Unterricht gegen deren biologischen Rhythmus. Mit der Sommerzeit verschärfen wir dieses Problem zusätzlich. Das muss man erst einmal fertigbringen.

Normalzeit ist keine Winterstrafe

Die Herbstumstellung fällt vielen leichter als das Vorstellen der Uhr im Frühjahr. Für die Frühjahrsumstellung sind auch gesundheitliche Risiken, etwa mehr Herzinfarkte in zeitlicher Nähe zum Wechsel, besser dokumentiert.
Trotzdem bleibt der wiederkehrende Eingriff völlig unnötig. Die amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin spricht sich ausdrücklich für eine dauerhafte Normalzeit aus. Sie passt besser zur menschlichen Tagesrhythmik.
Wer lediglich den Wechsel abschaffen und dafür die dauerhaft falsche Zeit (MESZ) festschreiben möchte, übersieht den entscheidenden Punkt, denn dann würde uns die vorgezogene Uhrzeit auch durch den Winter begleiten. Wo die Sonne im Dezember nach Normalzeit ungefähr um 8:30 Uhr aufgeht, erschiene sie bei dauerhafter MESZ erst um 9:30 Uhr.

Was jetzt beim Umgewöhnen hilft

Wer empfindlich auf die Herbstumstellung reagiert, kann Schlafenszeit und Aufstehen schon an den Tagen davor schrittweise um jeweils zehn bis fünfzehn Minuten nach hinten verschieben. Auch Mahlzeiten lassen sich etwas später legen. Nach dem Wechsel hilft ein regelmäßiger Tagesablauf. Der Versuch, die gewonnene Stunde unbedingt schlafend auszunutzen, erzeugt dagegen bei manchen Menschen zusätzlichen Druck.
Und wer ohnehin früh müde und früh wach wird, sollte nicht schon am frühen Abend auf dem Sofa einschlafen. Ein Spaziergang am späteren Nachmittag kann helfen, wach zu bleiben. Tageslicht und Bewegung gehören überhaupt zu den einfachsten Maßnahmen für einen stabilen Rhythmus. Den ganzen Tag im Halbdunkel sitzen und abends unter voller Beleuchtung auf den Bildschirm schauen? Genau das gibt dem Körper ziemlich widersprüchliche Anweisungen.
Für den gewöhnlichen Alltag empfehle ich Tageslicht am Morgen – sobald es verfügbar ist – und Bewegung im Freien. Abends darf die Wohnung dann allmählich dunkler werden. Bildschirmhelligkeit reduzieren, Blaulichtfilter am PC, Handy, etc. aktivieren und grelles Deckenlicht ausschalten.

Gedimmtes Licht und analoge Tätigkeiten am Abend helfen dem Körper herunterzufahren und sich auf den Schlaf vorzubereiten.

Foto: Pressmaster/iStock

Lange im Bett heißt noch nicht „gut geschlafen“

Mit zunehmendem Alter wird der Schlaf häufig leichter und störanfälliger. Kurzes Erwachen gehört dennoch zu einer normalen Nacht. Wer sich morgens an zwei Wachmomente erinnert, hat deshalb noch keine behandlungsbedürftige Schlafstörung.
Der Schlaf verläuft sowieso in wechselnden Stadien. In der ersten Nachthälfte liegt meist mehr Tiefschlaf, gegen Morgen werden die REM-Phasen länger, in denen lebhafte Träume besonders häufig sind. Es kommt deshalb auch darauf an, wie ungestört diese Abläufe stattfinden.
Und bitte verwechseln Sie Erschöpfung nicht mit Schläfrigkeit. Wer nach einem belastenden Tag völlig erledigt ist, kann trotzdem innerlich auf Hochtouren laufen. Sich dann vorsorglich zwei Stunden früher ins Bett zu legen, verlängert womöglich nur die Wachzeit auf dem Kissen. Entscheidend ist, ob ihre innere Uhr bereits auf Schlaf eingestellt ist.
Ein Klassiker aus der Praxis lautet: „Mit einem Glas Wein schlafe ich besser“. Häufig bedeutet das lediglich: Ich werde schneller schläfrig. Alkohol verändert jedoch die Schlafarchitektur, kann den späteren Schlaf unruhiger machen und Schnarchen sowie Atemaussetzer verstärken. Eine systematische Auswertung von 27 Studien fand Beeinträchtigungen des REM-Schlafs bereits bei niedrigen Alkoholmengen. Der Schlummertrunk hat also wie auch die Sommerzeit eine ziemlich geschickte Werbeabteilung.
Mein Vorschlag: Zwei Wochen keinen Alkohol am Abend und beobachten, wie erholt Sie morgens sind. Bei Einschlafproblemen lohnt außerdem ein Versuch ohne Koffein nach dem Mittagessen. Auch ein langer Sofaschlaf am späten Nachmittag kann die Nacht verkürzen. Dieser baut bereits einen Teil des Schlafdrucks ab, den wir abends brauchen.
Ausschlafen ist gut fürs Herz

Erwachsene sollten in der Regel 7 bis 9 Stunden schlafen.

Foto: oatawa/iStock

Melatonin stellt keine Uhr auf Knopfdruck

Beim Thema Schlaf wird inzwischen schnell nach Melatonin gefragt. Dieses körpereigene Hormon signalisiert die biologische Nacht. Helles Licht am Abend kann dessen Ausschüttung unterdrücken. Bevor ich über eine Einnahme nachdenken würde, frage ich eher nach der „Beleuchtung“ des Alltags, sprich Innenraum, Aufenthalt im Freien, usw.
Melatonin kann manchen Menschen beim Einschlafen helfen. Bei verschobenen Schlafrhythmen hängt seine Wirkung besonders vom Einnahmezeitpunkt ab. Mehr Milligramm bedeuten außerdem keineswegs zuverlässig mehr Erholung. Benommenheit am Morgen ist möglich – bei empfindlichen Menschen auch bei unter drei Milligramm. Deshalb würde ich eher mit einer niedrigen Dosis beginnen und zunächst prüfen, ob Melatonin zum jeweiligen Schlafproblem passt. Wer nach der Herbstumstellung ohnehin zu früh einschläft und zu früh aufwacht, sollte es nicht einfach möglichst früh am Abend nehmen. Das kann den Rhythmus weiter in die unerwünschte Richtung verschieben.

Mit dem zirkadianen Rhythmus sollen wiederkehrende körperliche Tätigkeiten wie Schlaf und Nahrungsaufnahme relativ konstant bleiben.

Foto: ger/Epoch Times; nach Pikovit44/iStock

Wenn nachts das Gedankenkarussell beginnt

„Noch vier Stunden bis zum Wecker.“ Später: „Jetzt nur noch drei.“ Wer nachts so rechnet, macht sich zusätzlichen Stress. Schlaf lässt sich sowieso nicht erzwingen, also drehen Sie die Uhr weg. Werden Sie zunehmend unruhig, stehen Sie vorübergehend auf, lesen bei gedämpftem Licht etwas Ruhiges und gehen zurück, sobald Sie schläfrig werden. Unerledigte Aufgaben lassen sich schon abends aufschreiben. Ich schätze außerdem das autogene Training nach Professor Schultz. Es braucht natürlich Übung und einen Lehrer, der es einem beibringt.
Lautes Schnarchen mit Atemaussetzern, ausgeprägte Tagesmüdigkeit, Schmerzen oder ständiger nächtlicher Harndrang verlangen dagegen eine Untersuchung. Bei anhaltender Schlaflosigkeit ist eine speziell darauf abgestimmte kognitive Verhaltenstherapie eine wirksame Behandlung. Sie geht über allgemeine Schlaftipps hinaus und hilft unter anderem, die Verbindung zwischen Bett, Grübeln und angestrengtem Einschlafen zu lösen.
Hilfreich kann zuvor ein einfaches Schlaftagebuch sein: morgens Schlafenszeit, längere Wachphasen und das Befinden am Tag grob notieren. Dazu Kaffee, Alkohol und Nickerchen festhalten. Keine nächtliche Buchführung, keine Jagd nach perfekten Messwerten. Nach zwei Wochen werden manche Zusammenhänge deutlicher.

Fazit

Guter Schlaf beginnt lange vor dem Zubettgehen. Mit dem Licht, dem Tagesablauf und der Frage, was uns wach hält. Die Politik könnte wenigstens mal aufhören, uns zweimal jährlich dazwischenzufunken und uns endlich die Normalzeit wiedergeben. Und wer es Abends länger hell möchte, darf seine Uhrzeit gerne alleine umstellen und nicht alle Bürger dazu verdammen das falsche Zeitsignal dauerhaft erdulden zu müssen.
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6 überraschende Dinge können passieren, wenn man schon Stunden vor dem Schlafengehen aufhört zu essen

Das wirksamste Schlafmittel im Leben von Magdel van Vuuren war weder ein teures Nahrungsergänzungsmittel noch eine neue Matratze. Es war die einfache Umstellung ihrer Essgewohnheiten.
Monatelang kroch van Vuuren jeden Abend ins Bett – in der verzagten Hoffnung, dies sei nun endlich die Nacht, in der sie Ruhe finden würde. Stattdessen wälzte sie sich stundenlang wach, während die Frustrationen wuchsen. Und je schlechter sie schlief, desto mehr kletterte auch die Waage nach oben.
Der Rat ihres Arztes klang fast zu einfach, um zu funktionieren: Essen Sie abends spätestens um 18 Uhr zu Abend.
Schon nach wenigen Wochen zeigte sich die Wende. „Meine Phasen des Wachliegens wurden kürzer und ich merkte nach und nach, wie ich wieder leichter durchschlafen konnte“, erzählt sie. In den folgenden Monaten schmolzen auch die überflüssigen Kilos dahin. Die Veränderung war so tiefgreifend, dass sie diese Gewohnheit über Jahre beibehielt.
Van Vuurens Fall steht stellvertretend für einen rasant wachsenden Forschungszweig: Wer die letzte Mahlzeit mehrere Stunden vor der Nachtruhe einnimmt, schenkt dem Organismus die nötige Zeit, die Verdauung in Ruhe abzuschließen. Der Körper kann seine Energien dann auf das konzentrieren, wofür die Nacht eigentlich gedacht ist: Regeneration und tiefen Schlaf.

Warum der Zeitpunkt wichtig ist

Unser Stoffwechsel läuft nicht rund um die Uhr im selben Tempo – er ist eng an unsere innere Uhr gekoppelt, den sogenannten zirkadianen Rhythmus.
Ob Kohlenhydrate, Fette oder der reine Energieumsatz: Die gesamte Verwertung wird von diesem inneren Taktgeber gesteuert. Am Morgen läuft die Verwertung auf Hochtouren. Die Betazellen der Bauchspeicheldrüse schütten nach dem Essen besonders effektiv Insulin aus und die Zellen nehmen den Nährstoff Zucker bereitwillig auf. Zudem ist der sogenannte thermische Effekt der Nahrung morgens am höchsten: Ein größerer Teil der aufgenommenen Kalorien wird direkt in Körperwärme umgewandelt, anstatt auf den Hüften zu landen.
Kurz gesagt: Morgens kann unser Organismus Nahrung nicht nur leichter verarbeiten, er verzeiht Kalorien auch eher als am späten Abend.
Wer entgegen diesem natürlichen Rhythmus isst, bringt die feinfühligen Stoffwechselprozesse aus dem Takt, mit spürbaren Folgen für die Gesundheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Jerome Menet, Professor für Biologie an der Texas A&M University.
Er vergleicht den Körper mit einer Fabrik, die nachts eigentlich stillsteht: Rollt um Mitternacht plötzlich ein Lkw voller neuer Rohstoffe auf den Hof, muss der Betrieb zähneknirschend wieder hochfahren – Arbeiter werden aus dem Schlaf gerufen und Maschinen unter Zusatzaufwand reaktiviert.
Doch nicht nur die Uhrzeit entscheidet. Mindestens ebenso wichtig ist eine feste Routine. „Es kommt nicht nur darauf an, wann wir essen, sondern dass wir es möglichst immer zur selben Zeit tun“, erklärt Jamie Zeitzer, Schlafforscher an der Stanford University.
Sobald sich feste Essenszeiten eingespielt haben, kann die innere Uhr die Verdauung vorausschauend hochfahren – was dem gesamten Körper zugutekommt.

1. Besserer Schlaf

Für van Vuuren war der spürbar bessere Schlaf das erste Anzeichen der Wende – eine Beobachtung, die sich wissenschaftlich lückenlos belegen lässt.
Eine Studie unter Leitung der University of Michigan bestätigt den Zusammenhang: Wer in der Stunde vor dem Zubettgehen noch isst, wälzt sich nachts häufiger wach und schläft insgesamt schlechter.
Die Ursache liegt in einem biologischen Zielkonflikt. Sobald es dunkel wird, fährt der Körper die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin hoch. Das signalisiert dem Organismus, die Insulinproduktion herunterzufahren. Wer nun knapp vor dem Schlafen noch isst, zwingt den Körper zu einem Spagat: Er soll für die Nachtruhe den Insulinspiegel senken, braucht aber gleichzeitig Insulin, um die späte Mahlzeit zu verarbeiten.
Wer das Abendessen dagegen früh beendet, gibt dem Magen-Darm-Trakt genügend Vorlauf, um die Arbeit vor der Nachtruhe abzuschließen. „Man verlangt vom Körper nicht mehr, zwei gegensätzliche Aufgaben auf einmal zu erledigen“, erklärt Dr. Sunil Kumar, Facharzt für Lebensstilmedizin.
Erst wenn die Verdauung ruht, kann sich der Organismus ungestört seinen eigentlichen Nachtaufgaben widmen: Zellen reparieren, das Immunsystem stärken, Erinnerungen im Gehirn verankern und Stoffwechselgifte aus dem Denkorgan abtransportieren.

2. Weniger Reflux

Studien zeigen: Je kürzer die Spanne zwischen der letzten Mahlzeit und dem Schlafengehen ist, desto heftiger können die Symptome des sogenannten Refluxes ausfallen. Die Ursache ist reine Physik. Liegt der Körper waagerecht und der Magen ist noch voll, schwappt der saure Mageninhalt schwerkraftbedingt leichter zurück in die Speiseröhre. Das stört den Schlaf, oft selbst dann, wenn Betroffene das klassische Brennen in der Brust gar nicht bewusst wahrnehmen.

3. Stabilere Blutzuckerwerte

Menschen mit Diabetes oder dessen Vorstufen (Prädiabetes) können davon profitieren, das Abendessen nach vorne zu verlegen.
In einer Studie verglichen Forscher zwei Gruppen: Die einen aßen vier Stunden vor dem Schlafengehen zu Abend, die anderen erst eine Stunde vor der Nachtruhe. Das Ergebnis war eindeutig: Bei den Spätessern lag der Blutzuckerspiegel um 8,3 Prozent höher.

4. Abnehmen

Die Wirkung des Insulins spielt auch beim Abnehmen eine Rolle. Da das Insulin mehr Zeit hat, abgebaut zu werden, wenn das Abendessen früh eingenommen wird, verbrennt der Körper über Nacht mehr Fett, anstatt es zu speichern.
Eine kleine Studie ergab, dass Menschen, die früher am Tag aßen, einen größeren Anteil an Fett verbrannten, obwohl sie insgesamt nicht mehr Kalorien verbrannten.
In einer 14-wöchigen Studie an Erwachsenen mit Adipositas verloren diejenigen, die den Großteil ihrer Mahlzeiten früher am Tag zu sich nahmen, mehr Gewicht als diejenigen, die ihre Mahlzeiten über einen längeren Zeitraum verteilten. Unter den Teilnehmern, die die Studie abschlossen, verloren die „frühen Esser“ mehr Körperfett und Fett im Rumpfbereich.

5. Leichtere Verdauung

Wie gut sich der Magen und der Darm bewegen, wie die Verdauungsenzyme funktionieren und wie gut man Nährstoffe aufnehmen kann – all das verändert sich im Laufe des Tages. Sogar das Darmmikrobiom folgt einem täglichen Rhythmus, der davon geprägt ist, wann gegessen wird.
Denn das Verdauungssystem schaltet gegen Abend einen Gang zurück.

6. Bessere Gehirngesundheit

Einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Fasten dazu beitragen kann, den kognitiven Verfall zu verzögern und sogar das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit zu verlangsamen.
Ein vorgeschlagener Mechanismus ist, dass die nächtliche Fastenphase die Produktion von BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor) unterstützt – einem Protein, das das Wachstum und die Gesundheit der Gehirnzellen fördert.
Höhere BDNF-Werte könnten im Laufe der Zeit zu weniger „Brain Fog“ (Gehirnnebel) und einer größeren Widerstandsfähigkeit gegenüber neurodegenerativen Erkrankungen führen, erklärte Jaz Robbins, ganzheitliche Ernährungsberaterin und Psychologin, gegenüber der Epoch Times.
Robbins wies zudem auf einen möglichen psychologischen Effekt hin. Die Förderung der Gehirngesundheit kann beeinflussen, wie wir uns fühlen und denken. Fasten wird mit größerer geistiger Klarheit und einer positiveren, widerstandsfähigeren Lebenseinstellung in Verbindung gebracht. Dies könnte teilweise mit der neuroendokrinen Reaktion zusammenhängen, die das Fasten im Körper auslöst.
„Das ist zweifellos mein liebster Vorteil des Nachtfastens“, sagte Robbins.

Ist ein früheres Abendessen für jeden das Richtige?

Ein früheres Abendessen mag für manche Menschen gut funktionieren, ist aber nicht unbedingt für jeden das Richtige.
Schichtarbeiter, Schwangere, Sportler im intensiven Training und alle mit einer Vorgeschichte von Essstörungen benötigen möglicherweise einen individuelleren Ansatz. Zu starre Essensfenster können mehr schaden als nützen, sagte Kumar.
„Ein früheres Abendessen ist ein Rhythmus, keine Regel“, sagte er. Der Experte plädiert deshalb dafür, die Mahlzeit zeitlich vorzuziehen, statt sie ersatzlos ausfallenzulassen. Wer die Gewohnheit langfristig durchhält, verbindet damit einen echten Gewinn – wie spürbar besseren Schlaf – anstatt das Ganze als ein Diktat des Verzichts zu begreifen, das man mit aller Macht durchziehen muss.

So etablieren Sie einen neuen Essrhythmus

Wenn Sie versuchen möchten, das Abendessen vorzuverlegen, muss das kein zusätzlicher Stressfaktor sein. Ein gelegentliches spätes Abendessen macht die Vorteile nicht zunichte.
  • Richten Sie sich nach Ihrer Schlafenszeit, nicht nach der Uhr: Wenn Sie normalerweise um 22 Uhr schlafen gehen, sollten Sie versuchen, gegen 18 Uhr mit dem Abendessen fertig zu sein. Gehen Sie später ins Bett, kann auch Ihr frühes Abendessen später stattfinden.
  • Streben Sie Beständigkeit statt Präzision an: Jeden Tag etwa zur gleichen Zeit zu essen ist genauso wichtig wie die Frage, wie früh Sie essen.
  • Passen Sie sich der Jahreszeit und Ihrem Körperrhythmus an: Achten Sie besonders im Winter auf Veränderungen, wenn die früher einsetzende Dunkelheit den Biorhythmus verschieben kann. Berücksichtigen Sie Schlafgewohnheiten, Lichteinwirkung und Verdauung gemeinsam, anstatt sich starr nur nach der Uhr zu richten.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „6 Surprising Things Happen When You Stop Eating Hours Before Sleep“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Warum Herbstmüdigkeit ein Hormon-Ungleichgewicht sein kann

Ich erinnere mich an einen Nachmittag im vergangenen Oktober, als Maria S. meine Praxis betrat. Die zierliche Grundschullehrerin, die sonst für ihren Elan bekannt war, wirkte matt.
Sie erzählte mir, dass sie sich jeden Morgen wie unter einer schweren Decke aus dem Bett quälen müsse. Sobald im Herbst die Blätter fielen, leide sie unter Heißhunger auf Süßes, einer gedrückten Stimmung und einem dichten Nebel im Kopf, der sie durch den Tag begleite.
Das Frustrierende war, dass ihre bisherige Suche nach Hilfe erfolglos geblieben war.
Man hatte ihr Blut untersucht, die Schilddrüse kontrolliert und schließlich die Diagnose einer Winterdepression gestellt, verbunden mit dem Rat, sich einfach mehr zusammenzureißen.
Nach einer ausführlichen ganzheitsmedizinischen Anamnese wurde klar, dass der Zustand von Marias S. jedoch kein psychisches Versagen war, sondern typische Zeichen einer inneren Uhr, deren biologische Zahnräder durch das schwindende Herbstlicht ins Stocken geraten waren.

Das hormonelle Missverständnis im herbstlichen Schattenreich

Die klassische Medizin betrachtet die herbstliche Lethargie oft als bloße Befindlichkeitsstörung.
Doch die moderne Chronobiologie, also die Wissenschaft von den inneren Rhythmen des Körpers, offenbart ein weitaus tieferes Problem, das wir als das zirkadiane Paradoxon bezeichnen. Der Begriff „zirkadian“ leitet sich vom Lateinischen ab und bedeutet „rund um einen Tag“.
Wenn im Oktober die Tage kürzer werden und das natürliche Licht drastisch abnimmt, gerät das fein abgestimmte hormonelle Wechselspiel in unserem Gehirn aus den Fugen.
Im Zentrum dieses Geschehens steht die Zirbeldrüse. Dieses winzige Organ im Gehirn hat die Aufgabe, das stimmungsaufhellende Nervenhormon Serotonin bei Dunkelheit in das Schlafhormon Melatonin umzuwandeln.
Das Paradoxon des modernen Menschen besteht nun darin, dass wir uns auch tagsüber in schwach beleuchteten Innenräumen aufhalten. Dadurch erhält der Körper das falsche Signal, die Melatoninproduktion einfach ungebremst fortzusetzen, während der Serotoninspiegel aufgrund des Lichtmangels regelrecht einbricht.
Diese hormonelle Schieflage sorgt dafür, dass die Betroffenen tagsüber im permanenten Halbschlaf verharren, während sie nachts paradoxerweise oft sogar unter Einschlafstörungen leiden.

Die entkoppelte Achse zwischen Auge und Gehirn

Um die Tiefe dieser Störung zu begreifen, müssen wir den Weg betrachten, den das Licht in unserem Körper nimmt. Spezielle lichtempfindliche Zellen in unserer Netzhaut registrieren die Wellenlängen des Lichts, insbesondere den blauen Anteil des Tageslichts.
Diese Zellen leiten die Signale direkt an unseren obersten biologischen Taktgeber weiter: den suprachiasmatischen Nukleus, kurz SCN, der im Zwischenhirn sitzt.
Dieser SCN fungiert, vereinfacht gesagt, als die Hauptuhr unseres Körpers und steuert die Aktivität der Zirbeldrüse. Dass eine solche Störung der inneren Uhr gravierende körperliche Spuren hinterlässt, belegen moderne wissenschaftliche Untersuchungen.
In einer Studie untersuchte der Forscher, wie empfindlich das Gehirn auf spezifische Lichtwellenlängen reagiert und wie dadurch die geistige Leistungsfähigkeit und die nächtliche Regeneration beeinträchtigt werden.
Wenn nun im Herbst das morgendliche Startsignal der Hauptuhr ausbleibt, weil das Auge zu wenige Lichtreize registriert, wird der Körper nicht richtig wach.
Diese chronobiologische Entkopplung betrifft keineswegs nur die Stimmung, sondern greift tief in den gesamten Stoffwechsel ein.
Eine groß angelegte epidemiologische Untersuchung aus dem Jahr 2024 liefert Hinweise auf die körperlichen Gefahren einer instabilen inneren Uhr.
Die Daten von über 84.000 Teilnehmern ergaben einen Zusammenhang, dass unregelmäßige Schlaf-Wach-Rhythmen das Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes erhöhen, da die Empfindlichkeit der Zellen für das blutzuckersenkende Hormon Insulin direkt an den zentralen Takt der inneren Uhr gekoppelt ist.
Wer die Herbstmüdigkeit und die innere Uhr ignoriert, gefährdet somit möglicherweise langfristig seine Gesundheit.

Diagnostik: Ein einfacher Cortisoltest reicht oft nicht aus

Ein zentraler Baustein in der Diagnostik und Therapie des zirkadianen Paradoxons ist die sogenannte Cortisol-Aufwachreaktion.
Normalerweise schießt das körpereigene Aktivitäts- und Stresshormon Cortisol in den ersten 30 Minuten nach dem Erwachen steil nach oben – ein von der Natur genial eingerichteter Mechanismus, um uns Energie, Fokus und Wärme für den Tag zu schenken.
Im Herbst jedoch fällt dieser wichtige Hormonschub bei vielen Patienten schwächer aus, weil die innere Uhr mangels Lichtreizes den Startbefehl verweigert. Anstatt einer gesunden Dynamik zeigt sich ganzheitlich betrachtet eine Erschöpfung der Nebennieren, welche das Cortisol produzieren.
Um dieses Problem sichtbar zu machen, reicht eine einfache, punktuelle Cortisolbestimmung im Blut am Vormittag nicht aus, da die Werte im Blut über den Tag zu stark schwanken.
Hier setzt die ganzheitsmedizinische Labordiagnostik an, indem sie ein exaktes Tagesprofil mittels Speichelproben erstellt.
Im Speichel wird dann das biologisch aktive, freie Cortisol gemessen, was diagnostische Klarheit liefert.
Die Relevanz dieser präzisen morgendlichen Hormonwerte für die Immunabwehr zeigte eine Studie, die im Jahr 2024 veröffentlicht wurde. Ein abgeflachtes Cortisolprofil am Morgen bei Kindern steht in Zusammenhang mit einer Begünstigung von Autoimmunprozessen. Wenn das morgendliche Cortisolsignal versagt, leidet das gesamte System unter biologischem Stress.
Dass dieser chronische Stress und die daraus resultierende Verschiebung der Hormonachsen auch Gewichtsprobleme nach sich ziehen können, zeigte eine Tierstudie, die ebenfalls aus dem Jahr 2024 stammt.
Die Störung des zirkadianen Rhythmus der Nebennierenhormone führte selbst ohne erhöhte Kalorienzufuhr zu einer deutlichen Zunahme der Fettmasse und zu ausgeprägter Insulinresistenz bei den untersuchten Mäusen, was eine mögliche biochemische Erklärung des quälenden Heißhungers meiner Patientin Maria S. im Herbst sein könnte.
Ihr Körper versuchte verzweifelt, den mangelnden inneren Antrieb durch schnelle Kohlenhydrate auszugleichen.

Die ganzheitliche Re-Synchronisation als möglicher Ausweg

Der ganzheitliche Weg aus diesem hormonellen Teufelskreis führt nicht über chemische Aufputschmittel, sondern in Richtung einer gezielten, natürlichen Steuerung unserer Umweltreize.
Wir müssen der inneren Uhr das Signal geben, das ihr die Natur im Herbst vorenthält.
Neben der Nutzung von speziellen Tageslichtlampen mit 10.000 Lux direkt nach dem Aufwachen, die das schläfrig machende Melatonin stoppen und das wach machende Cortisol anregen, bietet die ganzheitliche Medizin weitere Hebel.
Ein entscheidender Ansatz ist die gezielte Ernährungstherapie: Durch die Zufuhr der Aminosäure L-Tryptophan über Nahrungsmittel wie Cashewkerne, Bananen oder Haferflocken liefern wir dem Körper den wichtigsten Baustoff, um wieder genügend Serotonin zu bilden.
Ergänzend dazu helfen pflanzliche Wirkstoffe, sogenannte Adaptogene – also Pflanzen, die den Körper bei der Anpassung an Stress unterstützen. Dazu gehören die Rosenwurz (Rhodiola rosea) oder Ashwagandha, welche die Nebennieren unterstützen und helfen, die Cortisolantwort am Morgen sanft zu harmonisieren.
Auch die Reiztherapie nach Kneipp – wie kalte Kniegüsse oder ein kaltes Armbad am Morgen – kann einen starken Impuls für das Nervensystem setzen und es in den Wachmodus bringen.
Wie effektiv eine solche kombinierte zirkadiane Intervention aus Lichtsteuerung und Verhaltensanpassung die menschliche Leistungsfähigkeit und Stimmung restrukturieren kann, zeigte eine klinische Interventionsstudie an der Schnittstelle von Hochleistungssport und Chronobiologie aus dem Jahr 2025.
Durch die gezielte morgendliche Exposition mit hellem Licht in Kombination mit einer abendlichen Einschränkung von blauem Licht elektronischer Geräte konnten eine signifikante Verbesserung der Stimmungslage, eine Reduktion der Tagesmüdigkeit und eine Stabilisierung des Nervensystems nachgewiesen werden.
Für Maria S. bedeutete diese Kombination den Wendepunkt: Nach drei Wochen konsequenter morgendlicher Licht- und Ernährungsumstellung, ergänzt durch pflanzliche Unterstützung und tägliche Kneipp-Güsse, kehrte ihre Lebensenergie wieder zurück. Der herbstliche Nebel in ihrem Kopf löste sich auf, weil ihre Hormone wieder im Takt der Natur schwangen.

Ganzheitliche Tipps für die innere Uhr

Ein wertvoller, sofort umsetzbarer Praxistipp lautet: Nutzen Sie das hormonelle Zeitfenster der ersten Stunde nach dem Erwachen. Trinken Sie direkt nach dem Aufstehen ein großes Glas lauwarmes Wasser mit einem Spritzer Zitronensaft, machen Sie eine kurze kalte Waschung des Gesichts oder der Arme und frühstücken Sie tryptophanhaltige Haferflocken im Schein einer Tageslichtlampe.
Meiden Sie dagegen abends ab 20 Uhr rigoros das bläuliche Displaylicht von Smartphones, um die Zirbeldrüse nicht vor dem Schlafen zu verwirren.
Sollte die Müdigkeit dennoch bestehen bleiben, kann es hilfreich sein, bei einem Ganzheitsmediziner oder einem auf Chronobiologie spezialisierten Facharzt ein Cortisol-Tagesprofil im Speichel bestimmen zu lassen.

Fazit

Herbstmüdigkeit ist kein unabänderliches Schicksal, sondern kann ein messbares Hormonungleichgewicht sein.
Wer lernt, seine innere Uhr durch das strategische Zusammenspiel von Licht, gezielter Ernährung und natürlichen Reizen wieder mit den Naturgesetzen zu synchronisieren, löst das zirkadiane Paradoxon auf und kann seine vitale Lebenskraft auch in der dunklen Jahreszeit zurückgewinnen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker. (redaktionelle Bearbeitung cs)
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Wie alt ist Ihr Gehirn wirklich? Ein neuer Bluttest verrät Krankheitsrisiken 10 Jahre im Voraus

Das biologische Alter einzelner Organe lässt sich anhand von Blutproben untersuchen. Eine Studie aus dem Jahr 2025 und eine aktuelle Folgestudie aus dem Jahr 2026, beide im Fachjournal „Nature Medicine“ veröffentlicht, zeigen, dass sich damit unter anderem das Risiko für Alzheimer, Herzinsuffizienz sowie das Sterberisiko bis zu zehn Jahre im Voraus abschätzen lassen – lange bevor erste Beschwerden auftreten.

Der Test basiert auf der Analyse spezifischer Proteine im Blut. Sie verraten, wie schnell Herz, Gehirn oder andere Organe altern und ob sie anfälliger für chronische Erkrankungen sind.

Wie der Bluttest funktioniert und was die Ergebnisse bedeuten

Im Rahmen der ersten Studie haben Forscher das Blut von fast 45.000 Menschen im Alter von 40 bis 70 Jahren untersucht. Sie wollten wissen: Altert jedes Organ genauso schnell wie der Mensch selbst?

Dafür nutzten sie ein Computerprogramm. Dieses schaut sich bestimmte Eiweiße (Proteine) im Blut an, die von einzelnen Organen stammen. So lässt sich ermitteln, welches biologische Alter Herz, Lunge oder Gehirn tatsächlich haben.

Das überraschende Ergebnis: Jedes Organ altert anders

Bei etwa jedem Dritten war mindestens ein Organ biologisch deutlich älter oder jünger als für das jeweilige Lebensalter üblich. Das ist entscheidend, denn wie alt ein einzelnes Organ ist, sagt besser voraus, ob wir krank werden, als unser Alter im Pass.

  • Das Gehirn: War das Gehirn stark gealtert, war das Risiko für Alzheimer mehr als dreimal so hoch. Auch das Risiko, in den nächsten 15 Jahren zu sterben, war fast dreimal so hoch.
  • Herz und Lunge: Ein stärker gealtertes Herz ging viel häufiger mit einer späteren Herzschwäche einher. Eine biologisch ältere Lunge erhöhte das Risiko für die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD.
  • Die Muskeln: Laut der Folgestudie erkrankten Menschen, deren Blut ein „gealtertes“ Profil der Skelettmuskelzellen zeigte, fast 13-mal häufiger an der Nervenerkrankung ALS (amyotrophe Lateralsklerose) als Menschen mit „jugendlichem“ Profil.

Warum sieht man das im Blut?

Wenn Organe zu schnell altern oder Schaden nehmen, werden Zellen geschädigt oder sterben ab. Dabei gelangen bestimmte Stoffe ins Blut.

Ein Beispiel dafür ist ein Eiweiß namens Neurofilament Light aus dem Gehirn. Wenn Gehirnzellen geschädigt werden – etwa bei einem Schlaganfall –, tritt dieses Eiweiß ins Blut über. Hohe Blutwerte dieses Eiweißes können daher auf eine Schädigung von Nervenzellen hinweisen.

Risiken erkennen, bevor Beschwerden entstehen

Die Ergebnisse zeigen: Das biologische Alter eines Organs sagte das Krankheitsrisiko besser voraus als jede andere untersuchte Größe – auch besser als das bloße Alter im Pass.

Für Tony Wyss-Coray, Studienleiter und Neurologe an der Stanford University, liegt der Schlüssel genau hier: Die Messungen sollen den Weg für eine maßgeschneiderte Vorsorge ebnen, solange noch Zeit zum Handeln bleibt. „Wir könnten eingreifen, bevor überhaupt erste Symptome auftreten, und so Krankheiten wie Alzheimer womöglich verhindern“, sagte der Forscher gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.

Der eigentliche Wert des Tests liege darin, das „schwächste Glied“ im Körper aufzuspüren, also gezielt jene Organe zu identifizieren, die überdurchschnittlich schnell altern. Genau dort steige das Risiko für Leiden wie Herzerkrankungen, Diabetes, Alzheimer oder verschiedene Krebsarten. Noch gibt es allerdings eine Einschränkung: „Bisher wurden die meisten unserer Modelle an Menschen über 50 entwickelt, weshalb Handlungsempfehlungen vorerst nur für diese Altersgruppe gelten“, so Wyss-Coray.

Außerdem beweist ein statistischer Zusammenhang noch nicht, dass sich Krankheiten tatsächlich verhindern lassen, wenn man das Altern der Organe bremst. Die Forscher betonen deshalb, dass vor einer breiten Anwendung des Tests noch weitere Studien nötig sind.

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Age of Your Organ Predicts Risk of Diseases Decades Before Symptoms Appear“. (deutsche Bearbeitung: kr)

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Von Zeit vor dem Urknall bis weniger Deutsche

Erdkruste ist viermal verrutscht

Als Globus ist unsere Erde fest eingespannt und die Rotationsachse eindeutig. Im All ist sie hingegen weit weniger fest, als das Modell vermuten lässt. Vor allem im Zeitraum von Hunderten Millionen Jahren zeigt sich die sogenannte echte Polwanderung, sprich die Verschiebung der Rotationsachse gegenüber der Erdkruste, deutlich. Wie schnell Pole und Achse wanderten, war jedoch lange strittig. Forscher der Universität von Oslo identifizierten jüngst vier Phasen – im geologischem Maßstab – besonders schneller Polwanderung. Während der Superkontinent Pangäa im späten Karbon und Perm wohl nicht zu einer Verschiebung führte, kam es vor allem in der Kreidezeit „wiederholt zu schnellen Bewegungen“. Sowohl Ursachen als auch Folgen bleiben unklar. (kms)

Gefiederter Sieger im Energieaufwand

Ein Kondor und ein Schwan wiegen beide etwa elf Kilogramm. Dennoch legt der Kondor jeden Kilometer seiner Flugstrecke mit etwa einem Fünftel des Energieaufwands des Schwans zurück. Doch warum ist das so? Eine Studie von Max-Planck-Forscher belegt, dass der Unterschied in der Luft liegt. Während der Kondor Aufwinde nutzt und kaum Flügelschläge benötigt, ist der Schwan 99 Prozent der Zeit mit Schwingbewegungen beschäftigt. Damit zeigt sich, dass Fliegen mit der passenden Dynamik der Atmosphäre die energetisch günstigste Fortbewegungsart ist. In den Augen der Forscher könnte dies erklären, wie wetterbedingte Veränderungen beeinflussen, wohin und wann Tiere wandern. (kms)

Zwei der schwersten flugfähigen Vögel der Welt, der Andenkondor (l.) und der Trompeterschwan (r.), haben zwar etwa die gleiche Masse, aber einen sehr unterschiedlichen Energieaufwand beim Fliegen.

Foto: kms/Epoch Times; nach Donyanedomam, Gerald DeBoer/iStock

81,8 Millionen Deutsche bis 2045

2019 sprach das Berlin-Institut von einem „demografischen Zwischenhoch“. Deutschland wuchs, die Bevölkerung sollte auf absehbare Zeit weitgehend stabil bleiben. Sieben Jahre später hat sich die Perspektive verändert: Bis 2045 dürfte die Bevölkerung auf rund 81,8 Millionen Menschen sinken. Gut zwei Drittel der 400 Kreise und kreisfreien Städte verlieren laut neuer Prognose an Bevölkerung. Besonders im Osten entwickeln sich die Regionen immer unterschiedlicher, aber auch der Westen habe Verluste zu beklagen. Während Dahme-Spreewald, Leipzig, Potsdam, Dresden, Frankfurt am Main und Düsseldorf wachsen, werde die Bevölkerung in Suhl und im Saarland sinken. Ganz anders sieht das in Bayern aus: 18 der 20 am besten aufgestellten Kreise und Städte liegen heute im südlichen Freistaat. (ger)

Alte Salbe gegen moderne Keime

Allein im Jahr 2021 starben 4,71 Millionen Menschen weltweit an den Folgen einer Antibiotikaresistenz. Umso dringlicher suchen Mediziner nach einer Lösung, die womöglich in mittelalterlichen Büchern steckt. Denn: ein altes Heilmittel namens „Balds Augensalbe“ ist in der Lage, Bakterien unschädlich zu machen und sie daran zu hindern, eine Resistenz gegen die Salbe aufzubauen. Ausschlaggebend für die Wirkung ist die Kombination aus vier Naturstoffen – zwei Lauchgewächsen, Wein und Rindergalle –, welche einen starken Anti-Biofilm bilden und die Vermehrung der Bakterien verhindern. Die Forscher wollen künftig nicht die mittelalterliche Salbe in Umlauf bringen, sondern die Erkenntnisse um die Wirkungsweise von biologischen Cocktails auf moderne Wirkstoffe anwenden. (kms)

In der altenglischen medizinischen Handschrift „Bald’s Leechbook“ aus dem 10. Jahrhundert steht das Rezept für eine Augensalbe geschrieben, die noch heute gegen multiresistente Keime hilft.

Was wäre, wenn es eine Zeit vor dem Urknall gab?

Sie tickt, fliegt vorbei oder rinnt durch die Finger: Zeit ist sprachlich schwer zu fassen und in der Physik wird es noch etwas komplizierter. Doch egal, ob sie relativ ist, vorwärts oder rückwärts läuft, sie beginnt mit dem Urknall. Oder doch nicht? Was wäre, wenn der Urknall nur ein weiterer Moment in einer unendlichen Zeit ist? Im sogenannten Multiversum markiert der Urknall das Ende der unendlichen Ausdehnung in einem Raumbereich. Außerhalb dessen geht die Ausdehnung weiter und impliziert, dass es weitere Urknalls und Universen geben kann. In der sogenannten Konformen Zyklischen Kosmologie hingegen dehnt sich ein Universum nur soweit aus, bis es ein Gleichgewicht erreicht, das schließlich in einem neuen Urknall gipfelt. In beiden Fällen ist es sehr wahrscheinlich, dass andere Universen existieren, wir sie aber entweder aufgrund der immerwährenden Ausdehnung zwischen uns und ihnen oder der zeitlichen Abfolge nie nachweisen, geschweige denn besuchen werden können. (ts)

Eis so hart wie Beton

Eis ist billig und reichlich vorhanden. Es hat jedoch eine große Schwäche: Risse können sich schnell ausbreiten und das Eis ohne Vorwarnung brechen lassen. Nun haben israelische Wissenschaftler „BioPykrete“ entwickelt – eine Mischung aus Eis und Zellstoff, das bereits im Zweiten Weltkrieg experimentell erforscht wurde. Das Material ist laut Studie etwa zehnmal stabiler als normales Eis, kann 70-mal mehr Energie aufnehmen und verformt sich allmählich, bevor es zerbricht. Dies soll eines Tages ein biologisch abbaubares Baumaterial für die kältesten Orte der Erde ermöglichen. (ts)

Israelische Forscher haben ein „Super-Eis“ entwickelt, dass robuster als normales Eis ist.

Foto: Chen Adar

Haut ist bei Männern und Frauen unterschiedlich

Die Haut ist das größte Organ des Menschen und erneuert sich ständig, sichtbar etwa an abgestorbenen Hautschuppen. Das ist bei Männern und Frauen gleich, doch wer wie Dan Engelmann genauer hinsieht, stellt erhebliche Unterschiede fest. Gemeinsam mit Kollegen untersuchte er fünf Monate lang die Teilung und Reifung von Hautzellen. Nicht nur erkannten sie, dass Hautstammzellen sowohl neue Stammzellen als auch bisher nur in der Theorie bekannte Übergangszellen bilden, die später zu Hautzellen werden, sondern auch, dass diese Prozesse bei Männlein und Weiblein unterschiedlich schnell ablaufen. Als mögliche Ursachen nannten sie die Geschlechtshormone, wobei Testosteron maßgeblich den Reife- und Östrogen den Teilungsprozess beeinflusste. Die Unterschiede erklären, warum Wunden bei Frauen meist schneller heilen, nicht aber mögliche Auswirkungen auf Ausschläge, Hautkrebs oder andere Hautkrankheiten. (ger)

Bunter Ursprung unserer Blumen

Auf der Erde wachsen über 370.000 Pflanzenarten – 75 Prozent davon sind Bedecktsamer, auch Blütenpflanzen genannt. Doch wie und wann kam es zu dieser blühenden Vielfalt? Eine neue Studie zeigt, dass die Bedecktsamer während der Blütezeit der Dinosaurier allmählich ältere Pflanzengruppen verdrängten, die zuvor Millionen Jahre lang das Land beherrschten. Dabei spielten scheinbar Klimaveränderungen eine tragende Rolle. So ergab die Analyse versteinerte Pollen und Sporen, dass es während der beiden wärmsten Erdzeiträume sowohl zu Massenaussterben als auch zu einem explosionsartigen Anstieg der Pflanzenvielfalt kam. Wieso ausgerechnet die Blütenpflanzen dominierten, ist unklar. Die Forscher weisen darauf hin, dass das neue Wissen nicht auf die Moderne übertragen werden kann, da vor über 100 Millionen Jahren andere irdische Bedingungen herrschten. (kms)

Auf der Welt gibt es rund 300.000 verschiedene Arten von Blütenpflanzen.

Foto: southtownboy/iStock

Starke Sonne machte Leben

Fünf Basen bilden die Erbsubstanz allen bekannten Lebens: Sowohl DNA als auch RNA bestehen aus Adenin, Cytosin, Guanin sowie Thymin beziehungsweise Uracil. Warum ausgerechnet diese Fünf die Basis allen Lebens bilden, ist bis heute ungeklärt. Eine mögliche Ursache sehen Forscher der University of Wisconsin–Madison in rund 150 Millionen Kilometer Entfernung: im Licht der Sonne, insbesondere im UV-Licht, das früher aufgrund fehlender Ozonschicht umso intensiver schien. Im Labor zeigten die fünf Basen indes sehr unterschiedliche Lichtbeständigkeiten und damit kein einheitliches Bild. Im Allgemeinen waren DNA-Bausteine jedoch stabiler als RNA-Bausteine, sodass Prof. Zoe R. Todd und Kollegen vermuten, dass das UV-Licht zumindest beim Übergang zur heutigen DNA-dominierten Welt eine wegweisende Rolle einnahm. (ts)

Neandertaler mit Speerwunde

Archäologen staunten nicht schlecht, als sie kürzlich das durchlochte Schulterblatt eines Neandertalers in den Händen hielten. Der Fund überdauerte beinahe unversehrt rund 75.000 Jahre unter siebeneinhalb Metern Gestein in einer irakischen Höhle. Laut den Forschern stammt das 15 mm breite Loch von einem Holzspeer, der von vorn in den Körper eindrang und Arterien und die Lunge verletzte. Das etwa 45 Jahre alte Opfer hatte keine Chance und starb an dem sehr wahrscheinlich beabsichtigten „Herzschuss“. Was zu der zwischenmenschlichen Gewalttat führte, bleibt für immer unklar. (kms)

Bereits vor 300.000 Jahren nutzten Menschen Holzspeere zum Jagen wie diese Exemplare aus Schöningen in Niedersachsen zeigen.

Luft überführt Einbrecher

Diebe versuchen in der Regel nichts am Tatort zurückzulassen, weder Wertsachen noch verwertbare Spuren. Dank neuster Technik können Forensiker ihnen auch dann auf die Schliche kommen, wenn weder Fingerabdrücke noch Haare zurückbleiben. Den Beweis lieferten Forscher in Oslo und Australien mittels sogenannter eDNA. Der Begriff bedeutet Umwelt-DNA und umfasst unter anderem jene winzigen Partikel, die wir mit jedem Atemzug ausstoßen und die stundenlang in der Luft schweben können. Anhand 391 eDNA-Proben aus simulierten Testeinbrüchen beschrieben die Forscher unter welchen Bedingungen eDNA die klassischen Methoden ergänzen kann und welche Forschung noch nötig ist, damit Einbrecher künftig nur noch dann sicher sind, wenn sie gar nicht erst am Tatort erscheinen. (ts)

Fleisch ist im hohen Alter gut

Der Verzicht auf Fleisch könnte die Wahrscheinlichkeit, 100 Jahre alt zu werden, geringfügig senken – allerdings nur bei gebrechlichen, untergewichtigen Senioren. Das ergab eine 20 Jahre dauernde Beobachtungsstudie an mehr als 5.000 Ü-80-jährigen Chinesen. Im hohen Alter sei es demnach wichtiger, kräftig zu bleiben und Muskelmasse zu erhalten, als Krankheiten langfristig vorzubeugen. Ältere Menschen, die Fisch, Eier oder Milchprodukte zu sich nahmen, wurden genauso häufig Hundertjährige wie Fleischesser, was darauf hindeutet, dass wichtige Nährstoffe den Ausschlag geben könnten. Damit zeigt sich, dass sich der Nährstoffbedarf eines Menschen im Laufe seines Lebens entsprechend dem Alter signifikant ändert. (ger)

Laut einer neuen Studie ist es für Senioren vorteilhaft, regelmäßig Fisch und Fleisch sowie Eier oder Milchprodukte in ihre Ernährung zu integrieren.

Foto: vladans/iStock

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Wie das Smartphone die Bindung zwischen Eltern und Kindern beeinflusst


In Kürze:

  • Ein Handy fesselt die Aufmerksamkeit seiner Benutzer und kann langfristig die Eltern-Kind-Bindung stören.
  • Verbringen die Eltern viel Zeit am Smartphone und fühlen sich Kinder häufig ignoriert, kann dies zu unsicheren Bindungsmustern führen, welche die mentale Gesundheit langfristig belasten.
  • Oft merken Eltern nicht, dass sie die Kommunikationsversuche ihrer Kinder nicht wahrnehmen. Einige Tipps können dem abhelfen.

 
Wenn Eltern viel Zeit am Bildschirm verbringen, hat das negative Folgen für die Psyche ihrer Kinder – auch im Teenageralter.
Laut einer aktuellen Studie, die in der Fachzeitschrift „Frontiers in Psychology“ erschien, steht die Gerätenutzung der Eltern im Zusammenhang mit dem Bindungsstil ihrer Heranwachsenden.
Jugendliche, die von einer stärkeren Beeinträchtigung durch die Gerätenutzung einer Bezugsperson berichteten, wiesen mit höherer Wahrscheinlichkeit ängstliche und vermeidende Bindungsstile auf. 
Personen mit ängstlichem Bindungsstil haben beispielsweise oft Angst vor Ablehnung und suchen häufig Bestätigung bei anderen. Personen mit vermeidendem Bindungsstil empfinden hingegen emotionale Nähe oft als unangenehm und halten andere auf Distanz.

Die Kosten der Ablenkung durch das Handy

Kinder lernen bereits in ihren frühesten Interaktionen mit den Eltern, wie Beziehungen aussehen sollen. Der Bindungstheorie zufolge entwickeln Kinder ein Gefühl der Sicherheit, wenn Eltern stets verfügbar sind und auf ihre Bedürfnisse eingehen. Sind Eltern häufig durch ihre Geräte abgelenkt, nimmt ihr Nachwuchs sie möglicherweise als emotional weniger verfügbar wahr. 
Im Laufe der Zeit können wiederholte Erfahrungen, sich ignoriert, ungehört oder unwichtig zu fühlen, die Sichtweise von Kindern auf Beziehungen prägen und zu unsicheren Bindungsmustern beitragen.
Eltern sei es möglicherweise nicht bewusst, wie ihre Kinder ihre Handynutzung erleben, sagte Don Grant, Medienpsychologe, Suchtberater und Erstautor der Studie. Wie er in einem Gespräch mit Epoch Times berichtete, kommt es häufig vor, dass Eltern glauben, aufmerksam zu sein, dann aber erfahren, dass sich ihre Kinder übersehen fühlen.
„Bindung wird vollständig vom Kind entwickelt“, so Grant. „Es geht darum, wie ein Kind das Verhalten der Eltern wahrnimmt und sieht, sowie wie aufmerksam und beständig diese auf die Aufmerksamkeitssignale und Bedürfnisse des Kindes reagieren.“

Eine „neue Form der sozialen Vernachlässigung“

Auch wenn Jugendliche in der Pubertät zunehmend unabhängig und autonom werden, sind sie nach wie vor auf ihre Eltern angewiesen, um Orientierung, Bestätigung und Unterstützung zu erhalten. Das bedeutet, dass die Eltern-Kind-Bindung auch in dieser Phase für eine gesunde Entwicklung entscheidend bleibt. 
Viele Faktoren können die Bindungssicherheit beeinträchtigen, darunter elterliche Vernachlässigung, Drogenmissbrauch, psychische Probleme, chronische Konflikte, Arbeitssucht, körperliche Misshandlung und in jüngerer Zeit auch technologiebedingte Ablenkungen.
Forscher verwenden die Begriffe „Technoferenz“ (aus dem Englischen: „technological interference“, technologische Störung) und „Phubbing“ (aus dem Englischen: „phone snubbing“, jemanden wegen des Handys ignorieren), um Situationen zu beschreiben, in denen die Handynutzung Gespräche und andere Formen der Verbindung unterbricht. Einige Wissenschaftler gehen sogar so weit, elterliches Phubbing als eine „neue Form sozialer Vernachlässigung“ zu bezeichnen.
Beispielsweise brachte eine Studie aus dem Jahr 2020 elterliches Phubbing mit einer ungesunden Bildschirmzeit des Kindes in Verbindung. Eine andere Untersuchung zeigte einen Zusammenhang zwischen Phubbing und einer geringen Lebenszufriedenheit bei Jugendlichen.
Laut einer weiteren Studie zum Eltern-Kind-Spiel führen Ablenkungen – sei es durch einen Bildschirm oder durch Papier – dazu, dass Eltern weniger auf die Signale und Kommunikationsversuche ihrer Kinder eingehen. Die Kinder wiederum zeigen weniger soziales Engagement, weniger Aufmerksamkeit, weniger positive Emotionen und weniger Kommunikationsversuche.

Die langfristigen Auswirkungen unsicherer Bindung

Eine unsichere Bindung kann weit mehr beeinflussen als nur die Beziehung eines Kindes zu seinen Eltern. In einer Untersuchung mit fast 1.700 Kindern hatten Kinder, die ihre Eltern im Alter von 11 Jahren als emotional vernachlässigend empfanden, im Alter von 15 Jahren mit höherer Wahrscheinlichkeit psychiatrische Störungen.
Diese Wahrnehmung des elterlichen Verhaltens stand zudem mit einem erhöhten Auftreten von Angstzuständen, Depressionen und anderen emotionalen Schwierigkeiten in Verbindung. Eine mögliche Erklärung ist, dass eine unsichere Bindung negative Erwartungen an Beziehungen prägen kann. Dadurch haben Personen eher Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation und fühlen sich bedroht. Auch haben sie eher Probleme damit, jemanden um Hilfe zu bitten.
Bindung ist allerdings nicht in Stein gemeißelt, sondern relativ fließend. Positive und negative Erfahrungen können sie während der gesamten Jugend und im Erwachsenenalter weiterhin prägen.
„Umstände, Situationen und Lebensereignisse können eine sichere Bindung in eine unsichere verwandeln, selbst im Teenageralter“, sagte Grant. „Es kann aber auch umgekehrt sein.“

Tipps, um die Eltern-Kind-Bindung zu stärken

Bindung kann sowohl gestärkt als auch geschwächt werden. Konsequente Reaktionsbereitschaft, Aufmerksamkeit und emotionale Verfügbarkeit können dabei helfen, sichere Beziehungen im Laufe der Zeit wieder aufzubauen und aufrechtzuerhalten.
Eltern können damit beginnen, Muster in ihrem eigenen Verhalten zu erkennen. Die folgenden Fragen können dabei helfen:
  • Überprüfe ich bei Gesprächen häufig meine Benachrichtigungen?
  • Greife ich in Momenten der Langeweile oder Stille zum Handy?
  • Höre ich nur halb zu, wenn mein Kind etwas erzählen möchte?
Wenn Eltern handyfreie Zeiten schaffen – beispielsweise während der Mahlzeiten, Autofahrten oder Gespräche vor dem Schlafengehen –, kann es ihnen helfen, präsenter zu sein und die alltägliche Bindung zu stärken.
Grant schlägt einige gesunde Gewohnheiten im Umgang mit Geräten vor: 
  • Grenzen für die Gerätenutzung setzen, insbesondere für Eltern, die von zu Hause aus arbeiten.
  • Handyfreie Zeiten schaffen – während der Mahlzeiten, bei Familienaktivitäten und auf Autofahrten.
  • Bei Aktivitäten mit dem eigenen Kind unnötige Unterbrechungen durch das Handy beschränken.
Geräte komplett zu meiden, sei unrealistisch, fügte der Suchtberater hinzu. Viele Eltern arbeiten von zu Hause aus, sind für die berufliche Kommunikation auf Smartphones angewiesen oder müssen den ganzen Tag über mehrere Aufgaben unter einen Hut bringen.

Ehrliche Kommunikation entscheidend

Kinder erwarten ihm zufolge nicht unbedingt ständige Aufmerksamkeit. Sie wollen einfach nur wissen, dass ihre Eltern sie sehen und hören.
„Wenn sie um Aufmerksamkeit bitten oder ein Bedürfnis äußern, nehmen Sie das einfach zur Kenntnis. Lassen Sie sie wissen, dass Sie sie sehen, hören und wertschätzen“, meinte Grant.
Sollte es nicht möglich sein, sofort aufzuhören, sollten Eltern ihre Kinder wissen lassen, dass sie auf sie eingehen werden, sobald sie dazu in der Lage sind. Und sie sollten ihr Wort halten, so der Medienpsychologe.
Vor allem aber ermutigt Grant Eltern, offen mit ihren Kindern darüber zu sprechen, wie sich die eigene Gerätenutzung auf sie auswirkt. Er schlägt vor, Kinder direkt zu fragen, ob sie sich durch die Bildschirmzeit der Eltern jemals ignoriert, übergangen oder unwichtig gefühlt hätten.
Eltern können dann gemeinsam mit ihren Kindern gesündere Gewohnheiten im Umgang mit Geräten entwickeln und ihnen die Erlaubnis geben, sich zu Wort zu melden, wenn ein Handy zur Ablenkung wird.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „More Parents Are Distracted by Phones. Here’s How Kids Are Affected“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Kann ein Darmbakterium den Cholesterinspiegel senken?

Könnten mikroskopisch kleine Darmbakterien unser Herz vor Gefäßverkalkung schützen? Eine aktuelle Studie im renommierten Fachmagazin „Nature“ liefert dafür erstaunliche Hinweise. Ein Forschungsteam hat darin das Darm-Mikrobiom von 189 gesunden Personen mit dem von 223 Herzkranken verglichen und nach auffälligen Unterschieden in der Bakterienflora gesucht.

Eine Bakterienart stach dabei besonders hervor: Bacteroides uniformis (kurz: B. uniformis). Wer herzgesund war, trug das Bakterium in großer Zahl in sich; bei Herzkranken hingegen war es Mangelware.

Allerdings bedeutet der beobachtete Zusammenhang noch keinen Beweis für Ursache und Wirkung. Um herauszufinden, ob die Mikrobe das Herz tatsächlich schützt, brauchte es Folgeexperimente. Die medizinische Königsdisziplin dafür wäre eine klinische Langzeitstudie, bei der man Jugendlichen über 30 Jahre hinweg das Bakterium oder ein Scheinpräparat verabreichen würde. Das ist jedoch aus praktischen und ethischen Gründen unmöglich. Die Wissenschaftler wichen deshalb auf ein Tiermodell aus.

Zum Einsatz kamen Mäuse mit einer genetischen Neigung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Über zwölf Wochen erhielten sie fettreiches Futter, um die Entstehung von Atherosklerose, also die gefährliche Plaque-Bildung in den Gefäßen, gezielt zu beschleunigen.

Das Ergebnis: Wurden die Tiere zusätzlich mit B. uniformis gefüttert, bildeten sich deutlich weniger Ablagerungen in den Arterien. Der Schutzeffekt war vergleichbar mit dem etablierten Cholesterinsenker Atorvastatin. Zudem drangen messbar weniger entzündliche Immunzellen in die Gefäßwände ein.

Wie ein Darmbakterium den Cholesterinspiegel senkt

Neben der entzündungshemmenden Wirkung schraubte B. uniformis auch die Blutfettwerte herunter, insbesondere die Triglyceride und das umgangssprachlich oft als „schlecht“ bezeichnete LDL-Cholesterin. Aber wie macht das Bakterium das?

Die Lösung des Rätsels liegt laut den Forschern in der Leber, wo unser Körper den Großteil des Cholesterins herstellt. Unter dem Einfluss von B. uniformis passten die Leberzellen ihre Genaktivität an: Die Gene für die körpereigene Cholesterinherstellung wurden gedrosselt, während jene für den Abbau und Abtransport des Cholesterins aus dem Blut hochgefahren wurden.

Eine besondere Rolle spielte dabei der LDL-Rezeptor. Man kann sich diese Rezeptoren wie kleine Greifarme auf den Leberzellen vorstellen, die das schädliche Cholesterin aus dem Blut fischen. Mehr Greifarme bedeuten einen besseren Fang. B. uniformis nutzt damit einen ähnlichen Wirkmechanismus wie gängige Cholesterinsenker.

Der Bote ist eine gesättigte Fettsäure

Doch wie schafft es ein Bakterium im Darm, die Leber wie ein Kapitän sein Schiff zu steuern? Die Antwort: Es reist nicht selbst dorthin, sondern verschickt chemische Botenstoffe.

Als dieser molekulare Briefträger entpuppte sich eine spezielle Fettsäure: die Pentadecansäure, in der Fachwelt kurz als C15 bezeichnet – eine gesättigte Fettsäure mit einer Kette aus 15 Kohlenstoffatomen. Über die Blutbahn gelangt C15 direkt vom Darm in die Leber.

Rekonstruiert man die biologische Kettenreaktion, ergibt sich ein faszinierendes Bild:

  • Die Quelle: Das bei herzgesunden Menschen reichlich vorhandene Bakterium B. uniformis produziert im Darm die Fettsäure C15.
  • Der Transport: C15 gelangt über den Blutkreislauf zielgenau zur Leber.
  • Die Blockade: In den Leberzellen bremst die Fettsäure ein Schlüsselenzym der Cholesterinsynthese aus, nämlich die HMG-CoA-Reduktase – exakt dasselbe Enzym, an dem auch moderne Statine ansetzen.
  • Der Schutzreflex: Als Reaktion auf diesen Mangel bildet die Leber vermehrt LDL-Rezeptoren und fischt das schädliche Cholesterin im Eiltempo aus dem Blut.
  • Das Ergebnis: Bei den Versuchsmäusen führte diese Kaskade zu deutlich weniger Gefäßablagerungen und bremste die Arterienverkalkung spürbar aus.

LDL: ein Teil eines größeren Systems

Laut dem traditionellen Erklärungsmodell der Atherosklerose dringen LDL-Partikel in die Arterienwand ein, verfangen sich dort wie Fliegen im Spinnennetz und locken Entzündungszellen an. Daraus entstehen schließlich gefährliche Plaques.

Doch LDL-Partikel agieren nicht im luftleeren Raum. Wie sie sich verhalten, hängt entscheidend vom Zustand der Gefäßwand ab, und dieser wird maßgeblich von Blutdruck, Entzündungsprozessen, Insulinresistenz (einer Vorstufe von Typ-2-Diabetes) sowie der allgemeinen Stoffwechselgesundheit geprägt. In einem chronisch kranken Stoffwechselumfeld wirken diese Faktoren wie ein Brandbeschleuniger für das schädliche Potenzial von LDL. Bei stoffwechselgesunden Menschen hingegen fehlen diese Beschleuniger weitgehend.

Kurzum: LDL schlicht als „schlechtes“ Cholesterin abzustempeln, greift zu kurz. In einer Gesellschaft jedoch, in der Übergewicht, stille Entzündungen und ein gestörter Zuckerstoffwechsel weit verbreitet sind, trifft LDL auf einen Nährboden, der Gefäßerkrankungen massiv begünstigt.

Daher ist es von medizinischer Bedeutung, das Gesamtbild zu betrachten und stets mehrere Risikofaktoren gleichzeitig anzupacken, statt den Fokus starr auf LDL und verwandte Marker wie ApoB zu verengen.

Hinzu kommt, dass medikamentöse Cholesterinsenker, allen voran Statine, keineswegs frei von Kehrseiten sind.

Klinische Studien am Menschen verknüpfen die Einnahme von Statinen mit einer erhöhten Insulinresistenz und in manchen Fällen mit einem Rückgang des wichtigen Stoffwechselhormons GLP-1. Auch Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Funktion der Mitochondrien, der Kraftwerke unserer Zellen, werden diskutiert, wenngleich deren finale klinische Tragweite noch erforscht wird.

Was uns diese Studie sagen kann und was nicht

Nun zu den Vorbehalten. Die Beweise für einen echten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang stammen bislang rein aus dem Tierversuch an Mäusen. Beim Menschen belegen die Daten vorerst nur folgenden Zusammenhang: Wer herzgesund ist, hat viel B. uniformis im Darm; wer herzkrank ist, hat wenig davon.
Es gibt zwar gute Gründe für die Annahme, dass dieser Mechanismus beim Menschen ganz ähnlich funktioniert. Dennoch steht der Beweis beim Menschen vorerst aus.
Auch die Annahme, man habe hier eine Art „natürliches Statin“ entdeckt, greift zu kurz. Zwar steuern die Fettsäure C15 und klassische Statine dasselbe Zielmolekül an, es handelt sich aber um grundverschiedene Substanzen. Unterschiedliche Moleküle bringen naturgemäß auch unterschiedliche Nebenwirkungsprofile mit sich.
Zudem ist das Darmbakterium keineswegs die einzige Quelle für den schützenden Botenstoff: C15 wird nicht nur von Mikroben im Verdauungstrakt gebildet, sondern gelangt schon lange über unsere Nahrung in den Körper, vor allem über vollfette Milchprodukte und fettreichen Fisch.

Ein Nährstoff ist kein Lebensmittel

Uns wird oft gesagt, dass gesättigtes Fett grundsätzlich schlecht für das Herz sei, eine Ansicht, die sich weitgehend aus Beobachtungsstudien an Bevölkerungsgruppen ableitet, deren Ergebnisse durch die enorme Vielfalt der Ernährungsgewohnheiten und Stoffwechselprozesse der Menschen verfälscht sein können. Stellen Sie sich jemanden vor, der Burger und Pommes isst und darüber hinaus eine Vielzahl anderer ungesunder Gewohnheiten pflegt. Das Fleisch enthält „gesättigtes Fett“, und gesättigtes Fett wird in einer vereinfachten Überlegung zum Sündenbock.
Allerdings ist gesättigtes Fett nicht gleich gesättigtes Fett: Der Begriff steht für eine riesige Familie von Molekülen mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften, die in verschiedensten Lebensmitteln stecken. Sardinen etwa liefern C15 zusammen mit wertvollen Omega-3-Fettsäuren und hochwertigem Eiweiß. Käse wiederum bringt die Fettsäure im Verbund mit Proteinen, Kalzium, Salz und weiteren Fetten mit. In der ernährungsmedizinischen Forschung werden vollfette Milchprodukte überwiegend mit neutralen oder sogar positiven Effekten auf Herz und Stoffwechsel in Verbindung gebracht.

Die praktische Erkenntnis daraus ist jedoch nicht, sich nun ganze Käselaibe einverleiben zu müssen, um an ein angebliches „Wundermolekül“ zu gelangen: Wir sollten aufhören, uns auf einzelne Nährstoffe zu versteifen und dabei das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Genau das ist der Kardinalfehler moderner Ernährungsratschläge. Menschen entwickeln plötzlich Angst vor isolierten Stoffen wie gesättigten Fettsäuren oder Salz – und meiden am Ende völlig wertvolle, naturbelassene Lebensmittel. Nicht selten greifen sie stattdessen zu hochverarbeiteten Ersatzprodukten. Und all das nur, weil sie einen einzelnen Nährstoff mit einem vollwertigen Lebensmittel gleichsetzen.

Ja, Lebensmittel, die bei mir fast täglich auf dem Teller landen, enthalten gesättigte Fette, die womöglich unser Herz schützen. Aber ich esse Sardinen und Pecorino nicht, um Jagd auf ein bestimmtes Molekül zu machen. Ich esse sie, weil sie nährstoffreich sind und mir schmecken. Manchmal ist genau das Grund genug.

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „This Saturated Fat Slows Heart Disease“. (deutsche Bearbeitung kr)

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Bis zu 170 schwere Pilzvergiftungen pro Jahr

Beim Pilzesammeln im Wald ein giftiges Exemplar erwischen und kurz danach im Krankenhaus landen? Das kann vorkommen – doch die bekannten Zahlen solcher Fälle bewegen sich in Deutschland mit rund 83 Millionen Einwohnern auf eher niedrigem Niveau.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung verweist auf die Gesundheits-Berichterstattung des Bundes, der zufolge es in den vergangenen zehn Jahren pro Jahr etwa 280 bis 680 stationäre Behandlungen im Krankenhaus gab, weil sich Menschen an Pilzen vergiftet hatten.
Zum Tod führt der Griff zum falschen Pilz deutlich seltener: Todesfälle mit dieser Diagnose gab es demnach pro Jahr zwischen null und sieben.

Bis zu 170 schwere Vergiftungsfälle pro Jahr

Weitere Hinweise geben die Giftinformationszentren, von denen es in Deutschland sieben gibt. Das Giftinformationszentrum Nord (GIZ Nord) in Göttingen zählte in den Jahren 2022 bis 2025 jeweils 10 bis 24 schwere Fälle von Pilzvergiftungen und bis zu zwei Todesfälle.
Dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge gehen beim GIZ Nord etwa ein Siebtel der insgesamt in den deutschen Giftinformationszentren eingehenden Anfragen ein.
Rechnet man die Zahlen auf Gesamtdeutschland hoch, ergäben sich somit 70 bis knapp 170 schwere Fälle von Pilzvergiftungen pro Jahr, welche als Anfragen in den Zentren beraten werden – und bis zu 14 Todesfälle.
Das wären etwas höhere Todeszahlen, als die Gesundheits-Berichterstattung des Bundes zeigt.
Pilzesammeln erfreut sich als Beschäftigung im Herbst großer Beliebtheit: Mittlerweile gibt es sogar selbst ernannte Pilz-Influencer.

Pilzesammeln erfreut sich als Beschäftigung im Herbst großer Beliebtheit: Mittlerweile gibt es sogar selbst ernannte Pilz-Influencer.

Foto: Patrick Pleul/dpa

In guten Pilzjahren auch höheres Risiko

Das Bundesinstitut für Risikobewertung verweist darauf, dass die Zahlen jährlich stark schwanken und regionale Unterschiede eine Rolle spielen könnten. So hätten verschiedene giftige Pilze unterschiedliche Standortanforderungen. Außerdem erhöhe sich in Pilzjahren, in denen gute Wetterbedingungen für das Wachstum herrschen, auch die Wahrscheinlichkeit von Pilzvergiftungen.
Zudem dürfte es eine Dunkelziffer geben. Denn nicht jeder Mensch mit einer Vergiftung landet im Krankenhaus oder wird an den entsprechenden Zentren beraten.
Um im Rahmen des Möglichen einen besseren bundesweiten Überblick zu bekommen, ist das Bundesinstitut für Risikobewertung dabei, ein zentrales Vergiftungsregister aufbauen.

Experten warnen vor Verwechslungen

„In Deutschland gibt es sehr giftige Pilze, die essbaren Pilzen zum Verwechseln ähnlich sehen. Das kann auch für erfahrene Sammlerinnen und Sammler gefährlich werden“, sagt Yuri Bruinen de Bruin, Leiter des Nationalen Vergiftungsregisters am Bundesinstitut für Risikobewertung.
Beliebte Speisepilze seien etwa der Wiesenchampignon oder der Frauentäubling. Immer wieder verwechselten Sammler diese Pilze mit dem hochgiftigen Grünen Knollenblätterpilz. Die darin enthaltenen Giftstoffe könnten zu Leberversagen führen, so dass schon der Verzehr geringer Mengen tödlich sein kann.
Kinder und ältere Menschen sind nach Angaben der Behörde besonders gefährdet. Bei ihnen können schon kleine Mengen giftiger Pilze schwere gesundheitliche Schäden verursachen. Zu den Symptomen zählen Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen. (dpa/red)
Der Grüne Knollenblätterpilz ist extrem giftig - und ähnelt harmlosen Champignons. (Archivbild)

Der Grüne Knollenblätterpilz ist extrem giftig – und ähnelt harmlosen Champignons. (Archivbild)

Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

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Deutsche Flughäfen verlieren 300.000 Flüge seit 2019

Laut einer Analyse des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), über welche die „Welt am Sonntag“ berichtet, ist die Zahl der jährlichen Flüge an deutschen Flughäfen im Vergleich zum Jahr 2019 um 300.000 zurückgegangen, was einem Minus von 18 Prozent entspricht. Die Zahl der von Airlines angebotenen Sitzplätze sank um 35 Millionen.
„Deutschlands Regionen verlieren massiv an Konnektivität. Vor allem die Anbindung an die Wirtschaftsmetropolen Europas hat sich in den vergangenen Jahren wesentlich verschlechtert“, sagte BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. 473 Flugverbindungen, die 2019 noch regelmäßig angeflogen wurden, sind laut BDL-Analyse dauerhaft aus den Flugplänen gestrichen worden. Neu hinzugekommen seien im selben Zeitraum lediglich 349 Ziele, die vor allem touristischer Natur seien. Für neues Wachstum brauche man eine Halbierung der Steuern und Gebühren auf Luftverkehr ab Deutschland, so Lang.
Auch Wirtschaftsvertreter forderten Maßnahmen zur Verbesserung der Fluganbindung. „Viele Unternehmen berichten von wirtschaftlichen Belastungen aufgrund einer schlechter gewordenen Anbindung an den internationalen Luftverkehr. Das wird für viele Regionen zunehmend zum Standort-Hindernis“, sagte Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf und Leiter des Arbeitskreises der Industrie- und Handelskammern mit Verkehrsflughafen. Die Bundesregierung müsse die Steuer- und Gebührenbelastung deutlich reduzieren, um die deutschen Flughäfen und die von ihnen abhängigen Wirtschaftsregionen wieder wettbewerbsfähig zu machen, so Berghausen. (dts/red)
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Von KI im Lügentest bis Wellen gegen Hurrikan

KI am Lügendetektor

Manchen Menschen sieht man an, wenn sie mehr wissen, als sie sagen – und kann dann gezielt nachfragen. Schwieriger wird es bei einer KI, bei der wir weder wissen, welche Infos das Programm verarbeitet, noch was es im Hintergrund alles tut. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Antworten falsch oder gezielt irreführend oder zensiert sind. David Bau von der Northeastern University und Kollegen wollen daher eine Art Lügendetektor für Sprachmodelle entwickeln, die Unstimmigkeiten zwischen Arbeitsschritten und Ausgabe erkennt. Ziel sei eine gemeinsame Grundlage für die Interpretierbarkeit von KI. Zugleich soll dies interne Rechenprozesse messbar und nachvollziehbar machen und so über einen reinen Faktencheck der Antwort hinausgehen. Von einer App, die Nutzer warnt, ist man zum jetzigen Zeitpunkt aber noch weit entfernt. (ts)

Machen mehr Katzen glücklicher?

Das Wohlbefinden der Bevölkerung eines Landes wird häufig anhand eines nationalen Glücksindexes dargestellt, in den neben Einkommen auch Gesundheitskosten einfließen. Prof. Dario Maestripieri von der University of Chicago und Kollegen erweiterten diese Betrachtung jüngst um einen tierischen Faktor: die Anwesenheit von Katzen. Demnach sind Menschen in Ländern mit mehr Katzen glücklicher, während mehr Katzenparasiten, speziell Toxoplasma gondii, das Glück verringerten. Die Folgerung „mehr Katzen = mehr Parasiten“ hatte wiederum keinen Bestand, sodass der Katze-Glück-Zusammenhang am Ende doch etwas komplizierter wird. Die Studie liefert daher keine Anleitung zum Glücklichsein mit Katzen, wohl aber, dass Katzendichte und Wohlstand mit dem nationalen Glücksempfinden variieren – oder umgekehrt. (ts)

Das Streicheln einer echten Katze hat nachweislich einen langen positiven Effekt auf die Psyche.

Foto: Dima Berlin/iStock

„Phönix-Planet“ entdeckt

Die Erde und die anderen Planeten unseres Sonnensystems sind aus Material entstanden, das nach der Bildung eines Sterns übrig geblieben ist. Doch es gibt eine zweite und viel seltenere Variante der Entstehung: ein Planet, der sich aus den Resten eines Sterns bildet. Ein solcher „Phönix-Planet“, wie ihn Astronomen kürzlich entdeckten, kann durch das Element Niob nachgewiesen werden. Denn: Schwere Elemente wie dieses können nur unter den exotischen Bedingungen innerhalb sterbender Sterne entstehen. Mit den letzten Zuckungen des Sterns wird das Material ins All geschleudert, wo sich aus dem Rest ein Planet der zweiten Generation bildet – wie ein Phönix, der aus der Asche steigt. (ts)

Galileo war’s?

Ein sich nach hinten verjüngendes Rohr mit vier Linsen und einem aufrichtenden Okular, dessen konvexe Linsen im Abstand der doppelten Brennweite voneinander angeordnet sind: Dies ist kein Lexikoneintrag, sondern die Beschreibung des wahrscheinlich ersten Vierlinsen-Teleskops. Sie stammt aus dem Manuskript „De Tellescopiis Stellarum“ (1666) des spanischen Mönchs Ignacio Muñoz, der den Apparat als „fabricatum a Galilaeo“ bezeichnet. Für den Historiker Dr. José María Moreno Madrid von der irischen Universität Limerick ist die Entdeckung der Schrift von großer Bedeutung, denn bisherige Erwähnungen datierten die Erfindung um das Jahr 1645. Stimmt die Aussage über ihren Erfinder, muss Galileo Galilei (1564–1642) die Entwicklung des ältesten Vierlinsen-Fernrohrs schon um 1630 zugeschrieben werden. (kms)

Eine Seite aus „De Tellescopiis Stellarum“ (1666) von Ignacio Muñoz mit der Funktionszeichnung des Vierlinsen-Fernrohrs.

Foto: gemeinfrei

Antibiotika besser ohne Smoothie

Antibiotika sind dafür bekannt, Magenprobleme wie Durchfall zu verursachen. Das liegt daran, dass diese Medikamente neben der Bekämpfung von Infektionen oft auch gesunde Mikroorganismen im Darm abtöten, wodurch schädliche Bakterien die Oberhand gewinnen können. In diesen Momenten wird häufig zusätzlich geraten, leichte Nahrung wie Smoothies und Co. zu sich zu nehmen – getreu dem Motto: Hauptsache der Patient hat etwas im Magen. Eine neue Studie mit Krebspatienten zeigt jedoch, dass die Kombination von zuckerhaltigen Lebensmitteln und Antibiotika toxisch ist und die Vielfalt des Darmmikrobioms stark verringern kann. Grundsätzlich raten die Forscher den Patienten daher – in Absprache mit ihrem Arzt – auf die Einnahme von Zucker während einer Antibiotikabehandlung zu verzichten. (ger)

Idefix auf dem Weg zum Mars

Wir schreiben das Jahr 2026, das ganze Sonnensystem wurde von Menschen erforscht. Das ganze Sonnensystem? Nein, ein kleiner Felsbrocken hört nicht auf, den Forschergeist zu wecken. Und die Erkundung ist nicht leicht für die beteiligten Organisationen aus Japan, Frankreich und Deutschland – und für Idefix. Der deutsch-französische Rover soll 2029 als erster Lander in der Geschichte der Raumfahrt auf dem Marsmond Phobos aufsetzen, um dessen Oberfläche aus nächster Nähe zu erkunden. Die Muttersonde der bisher größten japanischen Mission ins Sonnensystem soll anschließend selbst auf Phobos landen, Proben sammeln und 2031 erstmals Material aus dem Marssystem zur Erde zu bringen. Der Start ist für den 19. Oktober 2026 um 21:41 Uhr (MESZ) geplant und wird von der Japanischen Raumfahrtbehörde live übertragen. (ts)

Kräuterkunde bei den Elefanten

Seit den 1970er-Jahren ist bekannt, dass Tiere sich selbst behandeln können. So essen beispielsweise Schimpansen gezielt bittere Blätter gegen Darmparasiten, während Vögel ihre Nester mit insektenabwehrenden Pflanzen polstern. Nun haben Wissenschaftler des deutschen Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin nach jahrzehntelanger Arbeit das Phänomen der Zoopharmakognosie auch bei wild lebenden Afrikanischen Elefanten nachgewiesen. Die Dickhäuter suchen demnach bis zu 160 Meter tiefe Höhlen auf, um Salz und Mineralstoffe zu sich zu nehmen oder verabreichen ihrem Nachwuchs Heilpflanzen, die für ihre antibakteriellen, entzündungshemmenden oder antiparasitären Eigenschaften bekannt sind. Damit beweisen die Großsäuger einen feinfühligeren Umgang mit ihrer Natur, als unsere Redewendungen – wie ein Elefant im Porzellanladen – ihnen zuschreiben. (kms)

Sprichwörtlich sind Elefanten im Porzellanladen zu finden – mit ihrem Kräuterwissen, wären sie jedoch in einer Apotheke vermutlich besser aufgehoben.

Foto: Anna_Om/iStock

Schon gewusst?

Nicht nur Sonne und Mond haben einen Einfluss auf die Gezeiten, sondern auch die Form von Küsten. Jede Bucht hat einen natürlichen Rhythmus, in dem ihr Wasser hin und her schwappt und der durch ihre Form und Tiefe bestimmt wird. Wenn dieser Rhythmus mit dem der örtlichen Gezeiten übereinstimmt, verstärkt jede Bewegung die nächste. Gleichzeitig können auch Unterwasserberge und -grate die Gezeiten beeinflussen, indem sie die Wasserbewegung abbremsen oder deren Energie wie eine Feder wieder abgeben. So kann sich der mittlere Tidenhub von Region zu Region unterscheiden, wie die Beispiele Rotterdam (~1,90 Meter), Hamburg (~3,90 Meter) und Kimberley-Küste in Westaustralien (über 10 Meter) zeigen. (ts)

Wellen gegen Hurrikan

Flugzeuge erheben sich dank Aerodynamik in die Lüfte, Rennautos bleiben dank ihr am Boden, aber auch an Häusern entstehen bei starken Winden Druck- und Sogkräfte. Vor allem an Ecken und Kanten lösen sich die Luftströmungen – wie bei einem Heckspoiler – leicht vom Gebäude, erzeugen Wirbel und einen Unterdruck. So entsteht ein Druckgefälle und die Luft im Raum „drückt“ Wände und Dach nach außen. Damit Bauwerke dennoch Winden trotzen, kommen bisher vor allem kleine Rundungen oder stärkerer Materialien zum Einsatz. Besonders letzteres schlägt sich dabei leicht in den Kosten nieder. Erheblich günstiger könnte es durch eine Entdeckung von Wissenschaftlern um Pedro Fernández-Cabán, Assitenzprofessor für Bauingenieurwesen in den USA, werden. Ihnen zufolge können wellenförmige Flächen die Windlasten um bis zu 60 Prozent reduzieren, bislang allerdings nur in der Theorie. (ts)

Schlechte Augen wegen schlechter Luft

Glaukom (Grüner Star) und Katarakt (Grauer Star) gelten als altersbedingte Krankheiten. Einer neuen Studie zufolge könnte diese Erklärung jedoch zu kurzsichtig sein. Ahmed Alnabihi und Team einer Augenklinik in Riad, Saudi-Arabien, trugen dafür Daten von Millionen Menschen sowie der sie umgebenden Luft zusammen, konkret Feinstaub, Stick- und Schwefeloxide sowie Ozon und Kohlenstoffmonoxid. Dabei stellten sie fest, dass Gebiete mit höheren Schadstoffkonzentrationen mit mehr Augenleiden korrelieren. Da unsere Augen direkt der Außenluft ausgesetzt sind, „ist es biologisch plausibel, dass die Luftverschmutzung hier besonders schädigend wirken kann“, so Alnabihi. Die vorliegenden Daten können diesen Zusammenhang jedoch weder belegen noch andere Ursachen ausschließen. (ger)

Kein Weg zu weit

Die Osterinsel und Hawaii trennen rund 7.000 Kilometer voneinander. Für diese Entfernung würden wir heute mit einer kleinen Motoryacht etwa zehn Tage benötigen. Im 11. Jahrhundert besaßen die Menschen jedoch nur Paddel und Segel – und trotzdem meisterten sie diese lange Fahrt erfolgreich, wie eine neue Studie zeigt. So belegt eine DNA-Analyse gemeinsame Vorfahren der heutigen Bewohner von Rapa Nui und Hawaii deren Wurzeln bis nach Mangareva, Französisch Polynesien, zurückreichen. Dies beweist die Existenz einer alten Kultur, die zu wiederholten, weitreichenden Seereisen über den Pazifik fähig war – ohne Kompass und Motor, aber dafür mit Wille und Sterne. (kms)

So sehen traditionelle Boote der Polynesier aus.

Foto: Leamus/iStock

Galaktisch-gute Lage

Leben, wie wir es kennen, erfordert unter anderem flüssiges Wasser, dass nicht auf allen Planeten vorkommt. Befindet sich ein Himmelskörper zu nah an seinem Stern, ist es zu heiß; ist er zu weit draußen, ist es zu kalt. Dazwischen liegt die sogenannte zirkumstellare habitable Zone, also jener Bereich um einen Stern, in dem Leben prinzipiell die richtigen Bedingungen vorfinden könnte. Eine Studie von Forschern der Western Sydney University um Dr. Luke A. Barnes besagt, dass es diese auch im galaktischen Maßstab gibt – und unsere Milchstraße sich in einer ebensolchen Zone befindet, in der die Bedingungen über kosmisch relevante Zeiträume erhalten bleiben. Eine Zone, in der ausreichend schwere Elemente aus der früheren Sternenentstehung existieren, um Welten zu erschaffen, die Gefahren, die Leben und Welten vernichten können, aber (noch) selten sind. (ts)
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Tagebuchschreiben: 4 Methoden, die Ihr Gehirn positiv verändern können


In Kürze:

  • Tagebuchschreiben kann uns helfen, belastende Erlebnisse zu verarbeiten und unseren Kopf frei zu bekommen.
  • Vier Techniken sind hilfreich, um den größtmöglichen Nutzen aus dem Tagebuchschreiben zu ziehen.
  • Dazu zählen Emotionen benennen, Details aufs Papier auslagern, über uns in der dritten Person schreiben und schwierige Situationen in eine Geschichte verwandeln.
  • Wer mit dem Schreiben eines Tagebuchs anfangen möchte, kann neben den vier Techniken auch auf einige Tricks zurückgreifen.

 
Nehmen Sie sich heute Abend 10 Minuten Zeit und schreiben Sie darüber, was Sie gerade belastet. Diese ganz gewöhnlich klingende Sache kann eine außergewöhnliche Wirkung haben.
Laut einer Studie, die mehrere Untersuchungen zusammenfasst, suchten Menschen, die drei Tage lang ausführlich über ihre traumatischen Erlebnisse geschrieben hatten, in den folgenden Monaten seltener einen Arzt auf als Personen, die über belanglose Themen geschrieben hatten. Niemand änderte seine Ernährung. Niemand begann, Sport zu treiben. Das Einzige, was sich änderte, war das, was sie zu Papier brachten.
Wie können also ein Stift und ein leeres Blatt Papier einen solchen Unterschied bewirken? Hier sind vier Wege, wie das Tagebuchschreiben dem Geist zugutekommt.

1. Gefühle und Empfindungen benennen

Wenn ein unangenehmes Gefühl aufkommt, versuchen viele von uns, es zu verdrängen, es sich auszureden oder es durch Geschäftigkeit zu betäuben. Der bessere Ansatz ist jedoch, dieses Gefühl stattdessen beim Namen zu nennen.
Man könnte annehmen, dass das Benennen oder das Verharren bei einer negativen Emotion diese verstärkt. Forscher der University of California-Los Angeles stellten jedoch das Gegenteil fest.
Ihnen zufolge beruhigt es das Alarmsystem des Gehirns, die Amygdala, wenn wir unsere Emotionen benennen. Auch aktiviert es eine Region hinter der Stirn, die das logische Denken und die Rationalität reguliert.
Mit anderen Worten: Wenn wir eine Emotion in Worte fassen, ermöglicht es dem rationalen Verstand, die Emotion besser zu kontrollieren. Wissenschaftler bezeichnen dies als „Affekt-Labeling“: Man fühlt etwas, benennt es, und dieses Gefühl lässt nach.
Die Forschungsergebnisse stehen im Einklang mit einer langjährigen Tradition zahlreicher Philosophien und Religionen, die zur Selbstbeobachtung aufrufen. Wenn man etwas fühlt, sollte man innehalten, darüber nachdenken und es identifizieren. Das hilft, die Emotion zu verarbeiten.
Das ist der Kern des Tagebuchschreibens. In vielerlei Hinsicht ist das Tagebuchschreiben Affekt-Labeling auf einer ganzen Seite, statt komprimiert in einem einzigen Wort.

2. Unerledigtes aufschreiben

Das Gehirn tut sich schwer damit, Dinge unvollendet zu lassen. Die Nachricht, auf die man antworten muss. Die Rechnung, die man immer wieder vergisst. Das, was man hätte sagen sollen, aber es nicht tat. Diese unvollendeten Aufgaben beschäftigen uns im Hintergrund, laufen in einer Endlosschleife und konkurrieren um unsere Aufmerksamkeit.
In einer Studie aus dem Jahr 2011 baten Forscher die Teilnehmer, an Aufgaben zu denken, die ihnen wichtig waren und in den nächsten Tagen erledigt werden mussten. Dieses Nachdenken lenkte die Teilnehmer stark ab. Das führte dazu, dass die Probanden bei einem Lesetest, der nichts mit ihren unerledigten Aufgaben zu tun hatte, schlechter abschnitten.
Das war jedoch nur die Hälfte des Experiments. Später ließen die Forscher die Teilnehmer einen klaren Plan aufschreiben, in dem sie festhielten, wann, wo und wie sie jede Aufgabe erledigen würden. Dabei zeigte sich, dass die ablenkenden, aufdringlichen Gedanken durch das Aufschreiben des Plans abnahmen oder verschwanden.
Der Effekt war am stärksten, wenn die Personen Pläne machten, die sie auch wirklich umsetzen wollten – ein vager Plan führte nicht zu derselben Erleichterung. Deshalb fühlt es sich so befreiend an, seine Sorgen zu Papier zu bringen. Das Problem ist zwar noch nicht gelöst, aber man muss es nicht im Kopf behalten. Psychologen nennen dies „kognitives Auslagern“.
Dabei hilft es, die Notiz so präzise wie möglich aufzuschreiben. Denn eine allgemeine Erinnerung wie „das Problem mit der Rechnung nachverfolgen“ kann immer wieder durch den Kopf kreisen. Hingegen gibt der Eintrag „Dienstag um 10 Uhr die Bank wegen der Zahlung anrufen“ der Aufgabe einen klaren Zeitpunkt, Ort und nächsten Schritt.

3. Über sich in der dritten Person schreiben

Wenn man über seine Emotionen oder Schwierigkeiten schreibt, hilft es, sich mit dem Namen anzusprechen, anstatt in der ersten Person über sich selbst zu schreiben.
Das ist so, als würde man über einen Freund sprechen. Anstatt „Ich war wegen des Treffens nervös“, schreibt man „[Der eigene Name] war wegen des Treffens nervös“.
Es ist nur eine kleine Änderung in der Wortwahl, aber Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der Wechsel vom „Ich“ zu dem eigenen Namen die Perspektive verändern kann.
Der Psychologe Ethan Kross testete dies in sieben Experimenten. In einem davon mussten die Teilnehmer eine Rede halten, ohne sich vorher darauf vorbereiten zu können – für die meisten Menschen ein Albtraum. Dieser Versuchsaufbau ist ein klassischer und sicherer Weg, Stress auszulösen. Interessanterweise waren diejenigen, die sich selbst mit ihrem Namen ansprachen, gelassener, zeigten eine bessere Leistung und verbrachten anschließend weniger Zeit damit, sich selbst Vorwürfe zu machen.
Eine weitere Studie ergab, dass in dem Moment, in dem die Probanden von „ich“ zu ihrem eigenen Namen wechselten, das Stresssignal im Gehirn innerhalb von etwa einer Sekunde abfiel. Es kostete sie keinerlei zusätzliche geistige Anstrengung, sondern lediglich ein wenig Selbstdistanzierung.

4. Eine Geschichte erzählen

Wenn wir an unser Leben denken, steigt uns nicht eine Liste von Fakten in den Kopf. Vielmehr erinnern wir uns an unser Leben, als sei es eine Geschichte. Und wie wir uns diese Geschichte erzählen, spielt eine Rolle.
Das ermittelte der Psychologe Dan McAdams von der US-amerikanischen Northwestern University in einer Untersuchung aus dem Jahr 2013. Demnach sind Personen, die Geschichten über Lebensereignisse erzählen, die sich von negativ zu positiv entwickeln – wie zum Beispiel ein Misserfolg, aus dem sie etwas gelernt haben, oder ein Tiefpunkt, der zu etwas geführt hat –, tendenziell glücklicher und gesünder.
Personen, die ihre Geschichten umgekehrt erzählen, bei denen gute Dinge in schlechte übergehen, geht es tendenziell schlechter.
Das bedeutet nicht, dass man beim Tagebuchschreiben ein schmerzhaftes Ereignis künstlich in ein glückliches verwandeln oder so tun sollte, als sei alles in Ordnung. Vielmehr geht es darum, sich zu erlauben, über das reine emotionale Ventilieren hinauszugehen und zu fragen, was das Ereignis bedeutet.
Indem man eine schwierige Erfahrung in eine Geschichte verwandelt, kann man Ursachen und Folgen miteinander verknüpfen und der Erfahrung einen Sinn geben.

Was Sie heute Abend schreiben könnten

Wir haben gerade vier Techniken besprochen – Benennen, Auslagern, Distanzieren und narrative Struktur. Man kann sie alle in einem kurzen Eintrag vor dem Schlafengehen nutzen.
Und je nachdem, was man braucht, könnte man heute Abend wie folgt vorgehen.

1. Zum Einstieg: Sich eine positive Zukunft vorstellen

Es gibt ein Stichwort namens „das bestmögliche Ich“. Dabei schreibt man darüber, wie das eigene Leben so gut wie realistisch möglich verlaufen kann. Demnach kann man über die Arbeit, seine Beziehungen und seine Gesundheit schreiben. 
Es geht aber nicht um magisches Denken, sondern darum, sich eine sinnvolle und erreichbare Zukunft vorzustellen. Das steigert zuverlässig den Optimismus und das Wohlbefinden.

2. Bei emotionaler Belastung: Exzessives Schreiben nutzen

Wenn einen etwas belastet, kann Pennebakers Methode helfen. Dabei schreibt man an vier aufeinanderfolgenden Tagen 15 bis 20 Minuten lang, ohne innezuhalten, um Rechtschreibfehler zu korrigieren oder den Text schöner klingen zu lassen. Man geht einfach direkt auf das ein, was einen beschäftigt. 
Am ersten Tag fühlt man sich vielleicht zunächst schlechter. Das ist jedoch normal. In den darauffolgenden Tagen steigen der Durchblick und die Erkenntnisse. 
Am letzten Tag sollte man versuchen, alles zusammenzufassen. Denn Personen, die zu dem Schluss kommen: „Das ist der Grund, warum es passiert ist, und das hat sich dadurch verändert“, sind diejenigen, denen es besser geht.

3. Um gut einzuschlafen: Eine Aufgabenliste aufschreiben

Wenn man nach einem anstrengenden Tag einfach nur einschlafen möchte, sollte man die Gefühle beiseite schieben und eine Aufgabenliste für den darauffolgenden Tag aufschreiben. Dabei sollte man sich fünf Minuten Zeit nehmen und so konkret sein wie möglich. Das Papier bewahrt die Details über Nacht für einen auf.

Muster: Wie ein Eintrag aussehen könnte

Hier ist eine Vorlage, an der Sie sich orientieren können. Nehmen Sie sich 5 bis 10 Minuten Zeit, um eine Seite zu füllen:
  • Ein paar Zeilen über ein Ereignis Ihres Tages, eher wie eine Szene als wie eine Zusammenfassung geschrieben.
  • Ein Gefühl, das Sie erlebt haben, und Ihre Vermutung, warum es da ist.
  • Fünf Dinge, die Sie morgen erledigen müssen, jedes davon so konkret, dass Sie sich den Ablauf klar vorstellen können.
  • Eine Sache, und sei sie noch so klein, die gut gelaufen ist – als Übung in Dankbarkeit.
 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Journaling Can Change Your Brain—Here Are 4 Ways to Do It“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Rheuma: Die unterschätze Rolle von Psyche und Traumata hinter der Entzündung

Ich erinnere mich an den Morgen, an dem Frau L. zum ersten Mal in meiner Praxis stand. Sie hielt ihre Hände wie etwas Zerbrechliches vor sich, als wären die geschwollenen Gelenke ein fremder Körper, der nicht mehr zu ihr gehörte.
„Ich habe das Gefühl, mein eigener Körper greift mich an“, sagte sie, und in diesem Satz lag eine Mischung aus Wut, Angst und einer tiefen Erschöpfung, die ich in meinem Praxisalltag bei vielen Rheumapatienten sehe.
Ich spüre in solchen Momenten immer wieder, dass Rheuma mehr ist als ein entzündlicher Prozess. Es ist oft ein stiller Ausdruck innerer Konflikte, ein psychosomatisches Echo, das sich seinen Weg in die Gelenke bahnt.
Frau L. litt an rheumatoider Arthritis, was umgangssprachlich oft als klassisches Rheuma bezeichnet wird.
Grundsätzlich ist Rheuma ein Überbegriff für vier große Kategorien: die entzündlichen rheumatischen Erkrankungen, wie die rheumatoide Arthritis, degenerative Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen wie Arthrosen, Weichteilrheumatismus, wie zum Beispiel das Fibromyalgie- Syndrom und Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden wie beispielsweise der Gicht.
Entzündliches Rheuma, wie die rheumatoide Arthritis, ist als Autoimmunerkrankung definiert, bei der das eigene Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe wie Gelenke und Sehnen angreift.

Die unterschätzte Rolle der Psyche bei chronischer Entzündung

In der Ganzheitsmedizin wird die rheumatoide Arthritis jedoch nicht als rein immunologische Fehlsteuerung betrachtet. Es wird als ein komplexes Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Lebensstil, emotionalen Belastungen und immunologischen Prozessen angesehen.
Auch die moderne Forschung zeigt, dass die Psyche bei Entzündungen eine weit größere Rolle spielt, als lange angenommen. Eine der wichtigsten Arbeiten dazu stammt von Andrew H. Miller von der Emory University in Atlanta  aus dem Jahr 2015. Miller beschreibt darin, wie chronischer Stress und unverarbeitete emotionale Belastungen die Ausschüttung entzündungsfördernder Zytokine verstärken. Obwohl es bei dieser Arbeit nicht um Rheumapatienten ging, sind es dieselben entzündungfördernden Moleküle, die bei rheumatoider Arthritis die Gelenke zerstören.
Diese Erkenntnis ist für die ganzheitsmedizinische Sicht zentral: Viele meiner Rheumapatienten berichten von langjährigen Konflikten, traumatischen Erfahrungen oder einem Leben, das sie über Jahre hinweg „gegen sich selbst“ geführt haben. Der Körper wird zum Sprachrohr, wenn die Seele verstummt.
Neben einer unverzichtbaren Physio- und Ergotherapie sowie einer fleischarmen und entzündungshemmenden Ernährung kann die medikamentöse Therapie durch ganzheitliche Verfahren wie Akupunktur oder Homöopathie unterstützt werden.
Ganzheitsmedizin bedeutet, den Menschen nicht als Summe einzelner Symptome zu sehen, sondern als Einheit aus Körper, Seele und Geist, in der jede Ebene die andere beeinflusst. Deshalb arbeitet sie bevorzugt mit nebenwirkungsarmen oder nebenwirkungsfreien Verfahren, die natürliche Regulationsprozesse anstoßen.
In diesem Verständnis wird Heilung nicht nur als biochemischer Vorgang gesehen, sondern als ein tiefgreifender Prozess innerer Ordnung, der den Menschen wieder in sein Gleichgewicht zurückführt.

Akupunktur – mit feinen Nadeln gegen tiefe Entzündungen

Die Schulmedizin betrachtete Akupunktur lange als Placebo oder bestenfalls als ergänzende Schmerztherapie.
Doch die Datenlage hat sich in den letzten Jahren verändert. So zeigten verschiedene Studien, dass Akupunktur nicht nur Schmerzen reduziert, sondern messbar die Entzündungsmarker senken kann.
In meiner Praxis sehe ich das immer wieder: Patienten, die seit Jahren unter Dauerschmerz leiden, berichten oft nach wenigen Sitzungen von einer neuen Leichtigkeit. Akupunktur wirkt nicht nur lokal, sondern Untersuchungen deuten darauf hin, dass sie das vegetative Nervensystem reguliert, die Stressachse beruhigt und so eine innere Balance schafft, die vielen Rheumapatienten verloren gegangen ist.

Homöopathie – oft unterschätzt, aber hilfreich bei chronischen Schmerzen

Homöopathie wird aus wissenschaftlicher Sicht oft belächelt, doch das spiegelt nicht immer die klinische Realität wider.
Eine prospektive Beobachtungsstudie von Claudia Witt an der Charité Berlin zeigte beispielsweise deutliche Verbesserungen bei chronischen Schmerzpatienten nach zwei Jahren individualisierter homöopathischer Behandlung, darunter auch Menschen mit rheumatischen Beschwerden.
Auch bei Frau L. integrierte ich eine individuell abgestimmte homöopathische Zubereitung als Teil ihrer Behandlung.

Traumata, Meditation und die stille Macht der Selbstregulation

Dass psychische Traumata das Risiko für rheumatoide Arthritis erhöhen, ergab auch eine große epidemiologische Studie mit knapp 50.000 Teilnehmerinnen aus dem Jahr 2019. Darin zeigte sich, dass jene mit schweren traumatischen Erfahrungen im Beobachtungszeitraum signifikant häufiger Autoimmunerkrankungen entwickelten.
Das ist ein Befund, der die psychosomatische Sichtweise auf chronisch entzündliche Erkrankungen klar unterstützt.
Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass Mind-Body-Verfahren, darunter Entspannungsmethoden wie Meditation und Atemübungen, die Immunantwort positiv beeinflussen können.
Michael E. Irwin, Professor für Psychiatrie und Experte für die psychoneuroimmunologischen Mechanismen an der University of California, beschrieb in einer klinischen Studie, wie Meditation, Atemtechniken und emotionale Verarbeitung die Entzündungsaktivität senken.
In meiner Praxis sehe ich ebenfalls immer wieder, wie Patienten, die lernen, ihre inneren Spannungen zu regulieren, oft deutlich weniger entzündliche Schübe erleben.

Rheuma: Mehr als nur eine Erkrankung der Gelenke

Als Frau L. nach einigen Monaten der Behandlung wieder in meiner Praxis war, war die Veränderung deutlich zu sehen: Die Hände waren kaum noch geschwollen, die Bewegungen flüssiger, und in ihrem Blick lag etwas, das bei Rheumapatienten eher selten ist: Zuversicht.
Die Kombination aus Akupunktur, einer individuell abgestimmten homöopathischen Behandlung und den psychosomatischen Gesprächen, in denen sie zum ersten Mal über alte Verletzungen sprach, hatte etwas in ihr verändert, das über Laborwerte hinausging und es ermöglichte ihre Schmerzmedikamente zu reduzieren.
Sie sagte leise: „Ich habe das Gefühl, mein Körper kämpft nicht mehr gegen mich.“

Mein Zusatztipp

Wer an Rheuma leidet, kann zur Regulierung des Nervensystems täglich einige Minuten für eine einfache Atemübung reservieren: vier Sekunden tief durch die Nase einatmen, 7 Sekunden lang den Atem anhalten und 8 Sekunden lang vollständig durch den Mund ausatmen.
Diese kleine Routine ist ein erster Schritt, um das Nervensystem zu beruhigen, Stresshormone zu senken und – wie Studien zeigen – damit die Entzündungsaktivität zu beeinflussen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Der stille Knoten im Hals: Schilddrüsenkrebs erkennen – 11 Warnzeichen

Sie ist unscheinbar, Schmertterlin-förmig und wiegt oft nur wenige Gramm: Die Schilddrüse in unserem Hals steuert unseren gesamten Stoffwechsel, unseren Herzschlag und unsere Energie. Doch wenn die Zellen dieses kleinen Organs entarten, geschieht das meist völlig lautlos. Schilddrüsenkrebs gilt als Chamäleon unter den Krebserkrankungen – oft spät entdeckt, aber in den allermeisten Fällen glücklicherweise gut behandelbar.

Wenn das Gewebe wuchert: Die 11 Warnsignale im Überblick

In den frühen Stadien sendet Schilddrüsenkrebs selten klare Signale. Da rund 95 bis 96 Prozent aller Schilddrüsenknoten gutartig sind, wiegen sich viele Betroffene in Sicherheit. Dennoch gibt es 11 konkrete Symptome, die man im Auge behalten sollte:

  1. Der verdächtige Knoten: Ein Knoten an der Vorderseite des Halses, der oft rasch wächst.
  2. Geschwollene Lymphknoten: Eine oder mehrere vergrößerte Schwellungen an der Seite des Halses.
  3. Allgemeine Halsvergrößerung: Eine sichtbare oder spürbare Schwellung des gesamten Halsbereichs (Kropf/Goiter).
  4. Anhaltende Schmerzen: Anhaltende Schmerzen im vorderen Halsbereich, die bis in die Ohren ausstrahlen können.
  5. Veränderte Stimme: Dauerhafte Heiserkeit oder andere ungewöhnliche Stimmveränderungen.
  6. Schluck- und Atemnot: Ein spürbarer Druck oder Hindernis beim Schlucken und Atmen.
  7. Appetitlosigkeit: Ein plötzlicher, anhaltender Verlust des Appetits.
  8. Gewichtsverlust: Ein unbeabsichtigter und unerklärlicher Verlust an Körpergewicht.
  9. Anhaltender Husten: Dauerhafter Reizhusten ohne erkältungsbedingte Ursache.
  10. Bluthusten: Das Aushusten von blutigem Auswurf.
  11. Durchfall und Hitzewallungen: Schwerer Durchfall und plötzliche Hautröte (Flushing), verursacht durch einen stark erhöhten Kalzitoninspiegel bei speziellen Tumorarten.
 

Die vier Formen von Schilddrüsenkrebs

Eine Krebsdiagnose ist für Betroffene ein Schock und löst verständlicherweise große Ängste aus. Für den Krankheitsverlauf und die Heilungschancen ist es jedoch entscheidend zu wissen, dass Erkrankungen der Schilddrüse sehr unterschiedlich verlaufen können. Mediziner unterscheiden vier Haupttypen:

  • Das papilläre Karzinom: Mit rund 80 Prozent aller Fälle die mit Abstand häufigste Form. Es wächst meist sehr langsam, spricht sehr gut auf Therapien an und weist selbst bei einem Befall der Lymphknoten hervorragende Heilungschancen auf.
  • Das follikuläre Karzinom: Diese Form tritt häufiger in Regionen mit Jodmangel auf. Sie streut eher über den Blutkreislauf als über die Lymphknoten, hat aber für den Großteil der Patienten ebenfalls eine sehr günstige Prognose.
  • Das medulläre Karzinom: Es macht weniger als 5 Prozent der Fälle aus und geht von den sogenannten C-Zellen der Schilddrüse aus. Da dieser Typ häufiger familiär gehäuft auftritt, wird Betroffenen und ihren Angehörigen meist eine genetische Beratung empfohlen.
  • Das anaplastische Karzinom: Mit etwa 2 Prozent ist dies die seltenste, aber auch eine sehr rasch fortschreitende Form. Sie erfordert eine umgehende, intensive medizinische Betreuung und spezialisierte Therapiekonzepte.
(kr)
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Studie deutet auf eine mögliche neue Ursache für Zöliakie hin

Das Immunsystem verrät die Entwicklung einer Zöliakie möglicherweise schon lange vor den ersten Symptomen – und noch bevor der Körper überhaupt auf Gluten reagiert.
Lange Zeit galt die Erkrankung als reine Überreaktion des Immunsystems auf Gluten. Eine aktuelle Studie im Fachjournal Immunology and Cell Biology deutet jedoch darauf hin, dass bereits viel früher eine geschwächte Immunaktivität einsetzt, die tiefgreifendere Ursachen hat als bisher angenommen.

Mangel an zentralen Signalstoffen

Im Zentrum der Untersuchung standen die sogenannten CD4-Helfer-T-Zellen. Diese weißen Blutkörperchen fungieren im Immunsystem wie Generäle auf dem Schlachtfeld: Sie geben Befehle, koordinieren die Abwehr von Infektionen und steuern die Bildung von Antikörpern.

Die Überraschung der Forscher: Die Zellen reagierten keineswegs überaktiv, sondern zeigten sich deutlich geschwächt. Sie bildeten geringere Mengen des zentralen Botenstoffs Interleukin-2, teilten sich langsamer und wiesen eine kürzere Lebensdauer auf. Dieses Muster beobachteten die Wissenschaftler unabhängig von Geschlecht, Krankheitsdauer oder einer bereits umgestellten, glutenfreien Ernährung.

„Das deutet darauf hin, dass die Veränderungen [im Darm] möglicherweise nicht nur durch eine aktive Entzündung oder eine kürzlich erfolgte Glutenexposition verursacht werden“, erklärte Dr. Jason Korenblit, Facharzt für Gastroenterologie, der nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der Epoch Times. „Sie spiegeln möglicherweise eine angeborene immunologische Veranlagung wider, die wahrscheinlich genetisch bedingt ist.“

Neues Testverfahren macht Zellverhalten sichtbar

Den Nachweis dieser Abweichungen ermöglichte der Einsatz einer neuen Technologie, des sogenannten „Cyton2 Cell Timer“. In einem eigens entwickelten Experiment versetzten die Wissenschaftler die Immunzellen in einen kurzzeitigen Aktivierungszustand. Nachdem sie sämtliche Signalstoffe wieder entfernt hatten, analysierten sie das eigenständige Regenerations- und Reaktionsverhalten der Zellen.
„Unser Testverfahren ist ein bisschen so, als würde man ein Spielzeug aufziehen und loslassen, um zu sehen, wie lange es läuft und welche Kunststücke es vorführt“, sagte die Studienautorin Vanessa Bryant in einer Erklärung.
„Gluten ist nach wie vor notwendig, um die Krankheit auszulösen“, sagte Korenblit, „aber das Immunsystem ist möglicherweise bereits so verdrahtet, dass es abnormal reagiert. Das könnte helfen zu erklären, warum Zöliakie in Familien gehäuft auftritt und warum sie sich mit anderen Autoimmunerkrankungen überschneidet.“
Aus gastroenterologischer Sicht, so sagte er, sei diese Studie wichtig, da sie die Annahme stütze, dass Zöliakie nicht nur eine Reaktion auf Gluten im Darm sei.
„Möglicherweise spielt auch ein tiefer liegender, grundlegender Unterschied in der Programmierung des Immunsystems eine Rolle“, sagte er.

Hoffnung auf frühere Diagnosen

Nun untersucht das Forschungsteam, ob vergleichbare Immunmuster auch bei anderen Autoimmunerkrankungen vorkommen und ab welchem Alter sie nachweisbar sind.
Die Ergebnisse können hilfreich für die Früherkennung sein. Experten mahnen jedoch zur Zurückhaltung, was eine rasche Umsetzung im Praxisalltag betrifft. Sollten künftige Studien bestätigen, dass diese Veränderungen im Immunsystem lange vor ersten Symptomen oder Darmschädigungen auftreten, könnte die Analyse des Zellverhaltens Risikopersonen künftig viel früher identifizieren als bisher möglich, betont Studienautor Korenblit.
Dies, so sagte er, könnte insbesondere für Verwandte ersten Grades von Menschen mit Zöliakie, für Kinder mit zöliakieassoziierten Genen oder für Patienten mit anderen Autoimmunerkrankungen von Nutzen sein.
„Eine frühzeitigere Erkennung könnte eine engmaschigere Überwachung, frühere Antikörpertests, eine Ernährungsbeurteilung und eine schnellere Diagnose ermöglichen, sobald die Erkrankung ausbricht“, sagte Korenblit. „Allerdings bräuchten wir größere, langfristige Studien, in denen Risikopersonen über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet werden, bevor wir dies klinisch anwenden können.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Study Suggests a Potential New Cause of Celiac Disease“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Hausmittel aus der Küche zur Stärkung der Abwehrkräfte in der Erkältungssaison

Die Tage werden kürzer und die Morgen kälter, vielleicht hustet ja schon jemand in Ihrem Büro. Die Erkältungs- und Grippesaison steht vor der Tür, und die Gewohnheiten, die Sie sich jetzt aneignen, können Ihrem Körper helfen, diese Zeit besser zu überstehen.

Der Faktor Stress

Der Herbst lädt dazu ein, innezuhalten und den Blick nach innen zu richten. Es ist der ideale Zeitpunkt, um ehrlich zu hinterfragen: Ist Stress in Ihrem Alltag vielleicht zu einem Dauerzustand geworden?
Diese Unterscheidung ist entscheidend. Während kurzer, akuter Stress die Immunabwehr sogar anregen kann, kehrt sich dieser Effekt bei Wochen oder Monate andauernder Belastung ins Gegenteil um: Das Immunsystem wird geschwächt. Die dauerhafte Ausschüttung von Hormonen wie Cortisol fördert chronische Entzündungsprozesse und senkt die Zahl der weißen Blutkörperchen, genau jener Abwehrzellen, die der Körper zur Abwehr von Krankheitserregern benötigt.
Stressauslöser lassen sich im Alltag oft nicht vollständig vermeiden, wohl aber unser Umgang mit ihnen. Methoden wie Meditation, Yoga, das Schreiben von Tagebüchern oder ein Gebet können helfen, die eigene Mitte wiederzufinden, den Blick für das Wesentliche zu schärfen und Stress nachhaltig zu bewältigen.

Pflanzliche Unterstützung bei Stress: Adaptogene

Zu den wirksamsten Helfern aus der Naturheilkunde zählen sogenannte Adaptogene. Diese pflanzlichen Wirkstoffe unterstützen den Organismus dabei, sich an Belastungssituationen anzupassen, das innere Gleichgewicht wiederherzustellen und die körperliche wie mentale Widerstandskraft zu stärken. Sie lassen sich flexibel in den Alltag integrieren, beispielsweise als Tee, Tinktur, Pulver oder in Form von Kapseln.
Zu den bekanntesten Adaptogenen gehören:
  • Ashwagandha
  • Schisandra
  • Rhodiola
  • Süßholz
  • Heiliges Basilikum (Tulsi)
  • Ginseng
Eine Studie mit 58 Teilnehmern ergab, dass Erwachsene, die täglich Ashwagandha-Wurzelextrakt einnahmen, von einer deutlichen Verringerung des empfundenen Stresses und der Angstgefühle berichteten sowie einen niedrigeren morgendlichen Cortisolspiegel hatten. Zudem zeigten sie Verbesserungen der Schlafqualität.
Andere kleinere Studien haben ergeben, dass Rhodiola den Cortisolspiegel senkt, bei geistiger Erschöpfung hilft und die Stimmung in Phasen hohen Stresses verbessert.

Gönnen Sie sich ausreichend Schlaf

Ein unterschätzter Schlüssel für ein starkes Immunsystem und langfristige Gesundheit ist erholsamer Schlaf. Studien belegen: Chronischer Schlafmangel schwächt die Immunabwehr, macht anfälliger für Infekte und verstärkt entzündliche Prozesse im Körper.

Mit dem Einzug der kälteren Jahreszeit verändert sich auch unser natürlicher Biorhythmus. Während regelmäßige Bewegung weiterhin essenziell bleibt, fordert der Körper im Herbst und Winter ganz natürlich etwas mehr Ruhe und Regeneration. Diesem Bedürfnis nachzugeben und dem Körper mehr Schlaf zu gönnen, schont die Kraftreserven und schützt die Gesundheit.

Das ist im durchgetakteten Alltag oft leichter gesagt als getan. Doch schon kleine Anpassungen zeigen Wirkung: Wer ein bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen Bildschirmzeiten reduziert und das Licht dimmt, regt die körpereigene Produktion des Schlafhormons Melatonin an und signalisiert dem Organismus, dass es Zeit ist, zur Ruhe zu kommen.

Heilmittel aus der Küche

Frische Kräuter und aromatische Gewürze sind weit mehr als nur Geschmacksträger: Viele von ihnen enthalten hochwirksame sekundäre Pflanzenstoffe, die das Immunsystem gezielt unterstützen und den Körper spürbar gegen typische Herbst- und Winterinfekte wappnen können.

Knoblauch: Ein Allrounder für die Abwehrkräfte

Ein echter Klassiker unter den natürlichen Immunhelfern ist Knoblauch. Die Knolle ist nicht nur erschwinglich und überall erhältlich, sondern zeichnet sich durch ein breites Spektrum an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen aus. Wer möchte, kann Knoblauch sogar mit wenig Aufwand im eigenen Garten oder auf dem Balkon anbauen.
Knoblauch wirkt stark antibakteriell, antiviral, antimykotisch, antiparasitär und entzündungshemmend, wodurch er sich hervorragend zur Stärkung der Immunabwehr und zur Vorbeugung von Krankheiten eignet.
Am einfachsten ist es, Knoblauch zu den Mahlzeiten hinzuzufügen.
Hacken oder zerdrücken Sie rohe Zehen und lassen Sie sie vor dem Kochen etwa 10 Minuten ruhen. So kann sich Allicin, der Hauptwirkstoff des Knoblauchs, bilden. Nehmen Sie ihn roh zu sich, wenn Sie spüren, dass sich eine Erkältung ankündigt. Zerdrücken Sie eine oder zwei Zehen, lassen Sie sie 10 Minuten ruhen und schlucken Sie sie zusammen mit einer Mahlzeit.

Wer den intensiven Geschmack oder Geruch der frischen Knolle meiden möchte, kann auf hochwertige Knoblauch-Kapseln zurückgreifen.

Ziehen Sie schwarzen Knoblauch für einen zusätzlichen Gesundheitsschub in Betracht; er wird so lange fermentiert, bis er zäh und süß wird. Berichten zufolge wird er in Thailand, Südkorea und Japan schon seit Jahrhunderten verwendet.
Die klinische Kräuterkundlerin, Akupunkteurin und Fachärztin für funktionelle Medizin Kerry Adams, die seit fast 50 Jahren praktiziert, berichtet, wie sie selbst Knoblauch einsetzt: „Ich gebe ihn gerne in Thymian- und Ingwertee, die beide wärmend wirken und die Durchblutung fördern“, erklärte sie gegenüber der Epoch Times per E-Mail. „Außerdem mische ich ihn oft mit Zwiebeln und Honig als Hustensaft“, fügte sie hinzu.
Wenn Sie Medikamente einnehmen oder wegen chronischer Erkrankungen in Behandlung sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie Knoblauch in therapeutischen Dosen einnehmen. Da Knoblauch ein wärmendes Kraut ist, warnt Adams vor der Anwendung, wenn bereits Anzeichen von Hitze wie Fieber, rote Augen und ein gerötetes Gesicht bestehen. Sie fügt hinzu, dass Personen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen oder in der Vergangenheit an Magengeschwüren oder Gastritis litten, beim Verzehr von Knoblauch Vorsicht walten lassen sollten.

Cayennepfeffer

Cayennepfeffer ist ein weiteres Gewürz, das viele in ihrem Gewürzregal oder Küchenschrank haben. Wenn Sie scharfes Essen mögen, kann dies eine gute Möglichkeit sein, den Körper zu stärken. Er ist sehr nährstoffreich und reich an Vitamin C. Außerdem enthält er Vitamin E, Vitamin A und B-Vitamine, die alle für ein gesundes Immunsystem benötigt werden.
Das in Cayenne enthaltene Vitamin A hilft dem Körper beim Aufbau gesunder Schleimhäute in Nase, Mund und Lunge und trägt so dazu bei, Mikroben fernzuhalten.
Zum Ausprobieren eignet sich eine Prise getrockneter Cayennepfeffer in Suppen, Eintöpfen oder Tees. Die Menge kann je nach Bedarf erhöht werden.
Cayennepfeffer gilt in Lebensmitteln allgemein als unbedenklich, aber vermeiden Sie ihn, wenn Sie Anzeichen von Hitzeempfindlichkeit haben, und setzen Sie ihn ab, falls er Magenbeschwerden oder Reizungen verursacht.

Honig

Honig hat wegen seiner antibakteriellen, antimikrobiellen und entzündungshemmenden Eigenschaften eine lange Tradition in der medizinischen Anwendung.
Laut einer Laborstudie kann Honig etwa 60 Bakterienarten sowie einige Pilz- und Virusarten hemmen. Forschungsergebnisse aus weiteren Zellstudien deuten zudem darauf hin, dass er Immunzellen stimulieren könnte. Zudem ist er ein Bestandteil in verschiedenen pflanzlichen Hausmitteln, darunter auch eines Hustensafts, wenn er mit Zwiebelscheiben kombiniert wird.
Rohhonig ist die bessere Wahl. Viele handelsübliche Honigsorten sind pasteurisiert, das heißt, sie wurden auf hohe Temperaturen erhitzt, wodurch viele ihrer nützlichen Inhaltsstoffe zerstört werden können. Rohhonig hingegen kommt direkt aus dem Bienenstock und behält die meisten dieser wertvollen Stoffe. Ein Löffel Honig täglich während der Erkältungs- und Grippesaison ist eine hervorragende Möglichkeit, Ihr Immunsystem zu stärken.
Menschen mit Diabetes sollten Honig aufgrund seines Zuckergehalts mit Vorsicht genießen, und Kinder unter 1 Jahr sollten wegen des Risikos von Säuglingsbotulismus durch Botulismus-Sporen niemals Honig zu sich nehmen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Kitchen Medicines to Strengthen Your Cold-Season Defenses“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Wie bestimmte Käsesorten Ihr Arthrose-Risiko senken könnten

Kniearthrose betrifft etwa 4,9 Millionen Menschen deutschlandweit und verursacht Schmerzen, Steifheit und einen langsamen Verlust der Mobilität, der im Laufe der Zeit die Selbstständigkeit einschränken kann. Nun deuten neue Forschungsergebnisse darauf hin, dass eine kleine Ernährungsumstellung dazu beitragen könnte, das Erkrankungsrisiko zu senken.
Die in der Fachzeitschrift „Clinical Nutrition“ veröffentlichte Studie begleitete 10.411 Erwachsene in Japan im Alter von 40 bis 74 Jahren über einen Zeitraum von elf Jahren.
Personen, die am meisten fermentierte Milchprodukte wie Käse und Joghurt zu sich nahmen, hatten ein um 19 bis 28 Prozent geringeres Risiko, an Kniearthrose zu erkranken, als diejenigen, die überhaupt keine davon aßen. Sowohl Käse als auch Joghurt waren für sich genommen mit einem geringeren Risiko verbunden, und der Zusammenhang war am stärksten bei Personen, die ansonsten insgesamt wenig Milchprodukte zu sich nahmen.
Der Konsum von normaler, nicht fermentierter Milch zeigte hingegen keinen Zusammenhang mit dem Risiko einer Kniegelenkerkrankung.
Die Ergebnisse deuten auf eine kostengünstige und risikoarme Möglichkeit hin, wie Menschen zum Schutz ihrer Gelenke beitragen könnten, auch wenn weitere Forschung erforderlich ist, bevor konkrete Ernährungsempfehlungen gegeben werden können.

Warum Fermentierung eine Rolle spielen könnte

Arthrose wurde lange Zeit lediglich als „Verschleißerkrankung“ angesehen, doch Forschungsergebnisse, die im Juni veröffentlicht wurden, deuten auf einen weniger offensichtlichen Verursacher hin: eine chronische, schwach ausgeprägte Entzündung, die im Darm ihren Ursprung hat.
Ist die Darmflora aus dem Takt (Dysbiose), können Giftstoffe ins Blut gelangen und Entzündungen im gesamten Körper auslösen. Erreichen diese Entzündungen die Gelenke, aktivieren sie Enzyme, die Knorpel und Bindegewebe abbauen und zerstören.
Fermentierte Milchprodukte wie Joghurt und Kefir wirken auf zweierlei Weise: Sie liefern nützliche Bakterien (wie Lactobacillus und Bifidobacterium) direkt in den Darm und stärken so das Mikrobiom. Gleichzeitig entstehen bei der Fermentation sogenannte Postbiotika, bioaktive Stoffe, die laut einer Studie in Frontiers in Nutrition entzündungsfördernde Signale im gesamten Körper aktiv dämpfen.

Die besten Käsesorten für die Gelenk- und Darmgesundheit

Käse ist jedoch nicht gleich Käse. Die Studie untersuchte fermentierte Milchprodukte. Obwohl keine konkreten Sorten genannt wurden, fallen darunter vor allem lange gereifte, nicht erhitzte Hartkäsesorten sowie traditionell in Salzlake gereifte Sorten. Damit Käse das Arthrose-Risiko, wie in der Studie diskutiert, beeinflussen kann, benötigt er lebendige, nützliche Bakterienkulturen und spezielle Nährstoffe, die den Herstellungsprozess überstehen.

Stark verarbeitete Produkte wie Schmelzkäse, Scheibenkäse oder Streichkäse bieten diesen Schutz nicht. Durch die starke Erhitzung bei der Herstellung werden die nützlichen Mikroben abgetötet. Wer Entzündungen hemmen und seine Gelenke schützen möchte, greift daher am besten zu natürlich gereiftem oder speziell fermentiertem Käse:

  • Gouda: Dieser Käse enthält unglaublich widerstandsfähige Stämme probiotischer Bakterien wie Lactococcus, die die Magensäure überstehen und den Magen-Darm-Trakt positiv beeinflussen können. Er ist zudem reich an Vitamin K2, das eine entscheidende Rolle bei der Regulierung der Knochen- und Knorpelgesundheit spielt.
  • Gereifter Cheddar: Während Cheddar über Monate reift, steigt die Konzentration förderlicher bioaktiver Stoffe und Enzyme an. Dieser Fermentationsprozess baut zudem fast die gesamte Laktose ab, wodurch das Risiko einer entzündlichen Reaktion im Verdauungstrakt verringert wird.
  • Feta: Feta wird traditionell mit Milchsäurebakterien aus Schafs- oder Ziegenmilch fermentiert und fördert ein vielfältiges Darmmikrobiom.
  • Schweizer Käse und Emmentaler: Die charakteristischen Löcher in diesen Käsesorten entstehen durch Propionibacterium freudenreichii, ein Bakterium, das intensiv auf seine Fähigkeit hin untersucht wird, die Darmschleimhaut zu beruhigen und die Immunabwehr zu unterstützen. Außerdem enthalten sie von Natur aus weniger Kochsalz (Natrium) als andere gereifte Käsesorten.

Was zu beachten ist

Es gibt wichtige Aspekte, die man beachten sollte, wenn man mehr fermentierte Milchprodukte zu sich nimmt, sagte Emily Feivor, eine staatlich geprüfte Ernährungsberaterin am Long Island Jewish Forest Hills Hospital in New York, die nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der Epoch Times.
Einige fermentierte Milchprodukte, wie beispielsweise Kefir, können große Mengen an zugesetztem Zucker enthalten, was Entzündungen begünstigen und den positiven Effekten der Probiotika entgegenwirken kann. Sie rät dazu, fermentierte Lebensmittel langsam in die Ernährung einzuführen, da sie anfangs Blähungen und Verdauungsbeschwerden verursachen können, wenn man nicht daran gewöhnt ist.
Feivor erklärte, dass die Fermentierung den Laktosegehalt in Milchprodukten, insbesondere in Kefir und gereiftem Käse, deutlich reduziert, wodurch sie für manche Menschen mit Laktoseintoleranz leichter verträglich sind. „Sie sind jedoch nicht vollständig laktosefrei und können Symptome auslösen.“
Für Menschen, die wenig fermentierte Milchprodukte zu sich nehmen, seien probiotische Nahrungsergänzungsmittel eine gute Alternative, insbesondere für Allergiker oder wenn man einen bestimmten Bakterienstamm suche.
Eine Einschränkung besteht darin, dass die Ergebnisse der Studie hauptsächlich aus einer großen Beobachtungsstudie mit japanischen Probanden stammen. Da sich Ernährung, Genetik und der typische Konsum von Milchprodukten zwischen Japan und westlichen Ländern unterscheiden, sind weitere Untersuchungen erforderlich, um festzustellen, ob die gleichen Vorteile auch anderswo gelten und wie viel fermentierte Milchprodukte möglicherweise benötigt werden, um diese zu erzielen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Yogurt and Cheese Linked to Lower Risk of Knee Osteoarthritis“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Was ist eigentlich aus unserem Brot geworden?


In Kürze:

  • Die Grundzutaten für Brot sind Mehl, Wasser, Salz, dazu Hefe oder Sauerteig – und Zeit.
  • Verschiedene Zusatzstoffe sollen vor allem letztere ersetzen, das Aussehen vereinheitlichen und die industrielle Fertigung ermöglichen.
  • Moderner Weizen weist nicht grundsätzlich mehr Gluten auf, aber seine Zusammensetzung hat sich geändert.
  • Bei einer Brotunverträglichkeit kann Gluten die Ursache sein, muss es aber nicht. Ein gutes Sauerteigbrot kann hier Aufschluss bringen.

 
Ich habe nichts gegen Brot. Im Gegenteil. Brot gehört für mich zu den Lebensmitteln, bei denen ich mich regelmäßig frage, wie man etwas so Einfaches derart kompliziert machen konnte. Was meine ich? Einfach war früher: Mehl, Wasser, Salz. Dazu Sauerteig oder Hefe – mehr brauchte es im Prinzip nicht.
Und es kam noch eine Zutat hinzu, die heute auf keiner Zutatenliste steht: Zeit. Ein Teig durfte ruhen und die Mikroorganismen arbeiteten. Dabei wurden Kohlenhydrate verändert und bestimmte schwerer verdauliche Bestandteile teilweise abgebaut. Niemand hätte damals von „Fermentationsmanagement“ gesprochen. Man ließ den Teig einfach stehen.
Zeitsprung in das Jahr 2026. Zeit ist kostbar – und übrigens noch nicht an sich besteuert. Dennoch ist Zeit angeblich Geld. Deswegen muss es beim Brot schneller gehen. Nicht nur schneller, sondern auch maschinengängig, lagerfähig und möglichst jeden Morgen genauso aussehen wie am Tag zuvor. „Zeit“ stört dabei, also hilft man nach. Und die Lebensmittelchemie mit ihren Segnungen steht selbstverständlich bereit.

Vom Brot zum kleinen „lebensmitteltechnischen Projekt“

Wer sich einmal die Zutatenliste abgepackter Brote oder Aufbackbrötchen angesehen hat, stellt fest, dass aus Mehl, Wasser und Salz oftmals ein kleines „lebensmitteltechnisches Projekt“ wurde: Emulgatoren, Säuerungsmittel, Enzyme, Zucker, Öle, Backmittel und je nach Produkt auch zusätzliches Weizengluten.
Selbstverständlich ist nicht jedes industriell hergestellte Brot vollgestopft mit Zusatzstoffen. Und natürlich backt auch nicht jeder kleine Bäcker noch wie vor hundert Jahren. Das Schild „Handwerk“ über der Tür sagt leider nichts darüber aus, wie lange ein Teig tatsächlich geführt wurde. Wenn ich Bäckereifachverkäufer frage, wie sich das Brot genau zusammensetzt oder wie lange der Teig geführt wurde, werde ich in gefühlt 90 Prozent der Fälle mit großen Augen angesehen.
Da ist es auch kein Wunder, dass mir heute immer mehr Patienten sagen: „Ich vertrage Brot nicht mehr.“ Ja, ich weiß: Früher war nicht alles besser. Bei Brot und Brötchen darf man darüber zumindest diskutieren. Sehr schnell fällt im Zusammenhang mit solchen Unverträglichkeiten ein Wort: Gluten.

Gleich, welche Zutaten enthalten sind: Brot sollte immer Zeit zum Gehen bekommen.

Foto: Magone/iStock

Mehr Gluten als früher?

Gluten ist das Klebereiweiß des Weizens und verwandter Getreidearten. Genau genommen handelt es sich um verschiedene Speicherproteine, vor allem Gliadine und Glutenine. Ohne Gluten wäre das luftige Brötchen oder Brot, wie wir es kennen, kaum möglich. Der Kleber bildet im Teig ein elastisches Gerüst und hält die beim Gären entstehenden Gase fest.
Bei einer Zöliakie brauchen wir gar nicht zu diskutieren. Gluten löst bei diesen Patienten eine Autoimmunreaktion aus. Betroffene müssen Gluten konsequent meiden. Daran ändert auch der beste Sauerteig der Welt nichts.
Interessanter ist die weit größere Gruppe von Menschen, die keine Zöliakie haben, nach Brot oder Weizenprodukten aber trotzdem über Blähungen, Bauchschmerzen, Müdigkeit oder Verdauungsprobleme klagen. Dazu hört man häufig: Der moderne Weizen sei auf immer mehr Gluten gezüchtet worden. Ganz so pauschal lässt sich das allerdings nicht behaupten.

Das Korn unter der Lupe

Forscher haben 60 deutsche Winterweizensorten untersucht, deren Zulassungsjahre von 1891 bis 2010 reichen. Dabei zeigte sich kein signifikanter Anstieg des gesamten Glutengehaltes. Der Gesamtproteingehalt und die Gliadine nahmen sogar eher ab. Verändert hat sich allerdings die Zusammensetzung: Bestimmte Glutenine, die für Elastizität und Backqualität wichtig sind, nahmen zu. Die Züchtung hat den Weizen also sehr wohl verändert.
Die Backindustrie hat ohnehin noch eine einfachere Methode. Wenn das Mehl nicht die gewünschten Backeigenschaften besitzt, kann man Gluten einfach hinzufügen. Das nennt sich dann Vitalweizengluten. Es wird aus Weizen gewonnen und verbessert unter anderem die Teigstabilität und das Brotvolumen. Je nach Rezeptur wird solches Weizengluten zusätzlich zum Mehl eingesetzt. Das macht Brot und Brötchen noch „fluffiger“.
Man könnte sagen: Wenn der Weizen nicht genügend Kleber für das gewünschte Ergebnis mitbringt, bekommt er eben Nachhilfe. Das ist besonders praktisch, wenn Vollkornteige, eiweißreiche Brote oder andere Mischungen nicht so brav aufgehen, wie es die Produktionsanlage gern hätte.
Und anschließend wundert man sich, warum Gluten plötzlich ein Verkaufsschlager geworden ist. Die einen geben es hinein, die anderen schreiben „glutenfrei“ auf die Packung. Willkommen in den „Modernen Zeiten“. Charlie Chaplin hat dem Irrsinn der Maschinenwelt bereits 1936 ein Denkmal gesetzt.

Forscher haben 60 deutsche Winterweizensorten untersucht und festgestellt, dass der Gesamtproteingehalt und die Gliadine seit 1891 abgenommen haben.

Foto: Frolova_Elena/iStock

Zeit und Herstellungsweise machen den Unterschied

Zurück ins Jahr 2026. Bei manchen Menschen könnte hinter den Beschwerden allerdings noch etwas ganz anderes stecken. Weizen enthält nämlich Fruktane. Diese gehören zu den sogenannten FODMAPs, einer Gruppe kurzkettiger Kohlenhydrate, die im Dünndarm teilweise schlecht aufgenommen werden. Gelangen größere Mengen davon in den Dickdarm, freuen sich dort zunächst die Bakterien. Der Besitzer des Darms freut sich möglicherweise etwas weniger.
Es entstehen Gase, Wasser wird in den Darm gezogen. Bei empfindlichen Menschen können Blähungen, Druck, Schmerzen, Durchfall oder andere Beschwerden auftreten. Gerade beim Reizdarmsyndrom ist dieser Zusammenhang inzwischen gut untersucht. Das ist insofern bemerkenswert, als jemand nach zwei Brötchen Bauchschmerzen bekommen und anschließend völlig korrekt beobachten kann: „Weizen vertrage ich nicht.“ Gluten kann der Schuldige sein, muss aber nicht.
Und jetzt taucht unsere verschwundene Zutat wieder auf: Zeit. Bei langer Sauerteigführung können Mikroorganismen einen Teil der Fruktane abbauen. Das Brot verändert sich also bereits während der Herstellung. Ich frage mich deshalb, weshalb wir beim Thema Ernährung ständig darüber reden, was wir essen, aber so selten darüber, wie diese Lebensmittel hergestellt wurden.
Weizen ist eben nicht gleich Brot. Ein Mehl, das innerhalb kürzester Zeit mit Backhilfsmitteln und viel Hefe zu einem Brötchen verarbeitet wird, ist etwas anderes als ein Teig, der über viele Stunden fermentieren durfte.

Das große Aber

Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Sauerteigbrot automatisch bekömmlich ist. Die Studienlage ist auch hier nicht so eindeutig, wie es manche Sauerteigmissionare gern hätten. Weniger FODMAPs bedeuten in klinischen Untersuchungen nicht zwangsläufig, dass jeder Mensch das Brot plötzlich problemlos verträgt. Menschen haben leider die unangenehme Eigenschaft, komplizierter zu sein als Laborwerte.
Und dann wäre da noch der Acker. Denn bevor der Weizen im Brot landet, steht er einige Monate draußen. In der konventionellen Landwirtschaft können dabei Herbizide, Fungizide, Insektizide und andere Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen.
Glyphosat ist nur einer dieser Stoffe, allerdings der bekannteste. Die verbreitete Behauptung, in Deutschland werde Weizen vor der Ernte routinemäßig mit Glyphosat „totgespritzt“, um ihn schneller trocken zu bekommen, stimmt so nicht. Eine Anwendung allein zur Sikkation, also zur Beschleunigung der Abreife oder Ernte, ist in der EU nicht erlaubt.
Das bedeutet aber nicht, dass Pflanzenschutzmittelrückstände im Getreide überhaupt kein Thema wären. Die Lebensmittelüberwachung findet regelmäßig Rückstände verschiedener Substanzen. Der größte Teil liegt innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte.
Unsere Behörden schließen daraus, dass bei „bestimmungsgemäßer Anwendung“ kein relevantes Gesundheitsrisiko zu erwarten sei. Behörden und Grenzwerte halt. Ich will hier auch keine Diskussion um Grenzwerte eröffnen. Denn die würde die Frage nicht beantworten, die ich mir beim Einkauf stelle.
Ein Plastikcontainer mit der Aufschrift "Glyphosat" bei einer Protestaktion vor dem Eingang des Chemiekonzerns Bayer. (Archivbild)

Ein Plastikcontainer mit der Aufschrift „Glyphosat“ bei einer Protestaktion vor dem Eingang des Chemiekonzerns Bayer. (Archivbild)

Foto: Fabian Sommer/dpa

Was kann der Einzelne tun?

Ich möchte nämlich nicht wissen, wie viel von einem Stoff ich gerade noch essen darf, ohne dass der Gesetzgeber ein Problem sieht. Mich interessiert eher, wie ich meine Belastung mit solchen Stoffen möglichst gering halte. Das gilt besonders für Lebensmittel, die täglich auf dem Tisch stehen. Wer morgens Brötchen, mittags Nudeln und abends Brot isst, hat mit Getreide nicht gerade eine seltene Begegnung.
Biogetreide ist deshalb für mich eine vernünftige Option. Nicht weil ein konventionelles Brötchen zur toxikologischen Zeitbombe wird, sondern weil Untersuchungen bei Biolebensmitteln deutlich häufiger eben keine quantifizierbaren Rückstände synthetischer Pflanzenschutzmittel finden.
Man kann sich natürlich auch darüber lustig machen und sagen, die Mengen seien doch winzig und an irgendetwas müsse man sowieso sterben. Stimmt. Die Menge macht bekanntlich das Gift. Aber daraus folgt noch nicht, dass jede vermeidbare Menge automatisch sinnvoll ist.
Was mache ich also mit einem Patienten, der mir sagt, er vertrage Brot nicht mehr? Ich würde zunächst wissen wollen, welches Brot er überhaupt isst. Ist es ein lange geführtes Sauerteigbrot oder ein Schnellbrot? Welche Zutaten stehen auf der Packung? Wurde zusätzlich Gluten verwendet? Gibt es eine gesicherte Zöliakie? Passen die Beschwerden eher zu einer FODMAP-Problematik? Und wie sieht der Rest der Ernährung aus?
Manchmal ist ein Versuch mit einem guten Sauerteigbrot aus wenigen Zutaten erstaunlich aufschlussreich. Viele Menschen berichten mir inzwischen auch: „Ich backe wieder selbst.“ Dann weiß man wenigstens, was drin ist – und vor allem, wie viel Zeit der Teig bekommen hat.
Und es gibt noch eine Möglichkeit. Ich selbst esse inzwischen praktisch kein Brot mehr. Nicht aus Angst vor Gluten oder weil ich Brot grundsätzlich für schlecht halte. Es hat sich einfach so ergeben. Und ich finde bis heute erstaunlich, wie gut das geht.