Investitionen in Software oder Forschung und Entwicklung sind immateriell, aber wichtig für die Zukunft. (Symbolbild) - Foto: Oliver Berg/dpa
Deutschland liegt bei Investitionen in Forschung und Entwicklung, Software, Design und andere immaterielle Werte weltweit in der Spitzengruppe.
Nach einer Studie der Weltorganisation für geistiges Eigentum (Wipo) und der Luiss Business School summierten sich die privaten und öffentlichen immateriellen Investitionen in Deutschland 2025 auf knapp 728 Milliarden US-Dollar (637,5 Milliarden Euro).
Das bedeutete Platz drei hinter Japan und den USA. Allerdings fehlt mangels verfügbarer Daten China in der Auswertung. Veröffentlicht wurden die Daten vom Deutschen Patent- und Markenamt in München.
Als „immaterielle“ Investitionen zählt die UN-Organisation Ausgaben für unterschiedlichste Zwecke, die nicht unter die traditionelle Definition von Investitionen in neue Maschinen, Anlagen oder Fabriken fallen.
Dazu gehören neben Forschung und Entwicklung und Software unter anderem noch Finanzprodukte, aber auch Design und Marken.
„Know-how und Schutzrechte des geistigen Eigentums sind immer entscheidendere Faktoren für die internationale Wettbewerbsfähigkeit und die globale Entwicklung des Wohlstands“, sagte Patentamtspräsidentin Eva Schewior.
„Dass Deutschland bei den Investitionen in immaterielles Vermögen zu den führenden Nationen gehört, ist ein gutes Zeichen.“
Die deutschen immateriellen Investitionen machten demnach 2025 11,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Das war deutlich höher als der Anteil der traditionellen materiellen Investitionen, der bei 10,4 Prozent lag.
USA führt mit großem Abstand
Die Berechnungen illustrieren zumindest indirekt die Probleme der deutschen Industrie. Spitzenreiter sind die USA, die 2025 laut Wipo knapp fünf Billionen Dollar (4,38 Billionen Euro) an immateriellen Investitionen tätigten.
Das war annähernd die Hälfte der weltweiten Gesamtsumme von zehn Billionen Dollar (8,76 Billionen Euro) und sechsmal so viel wie im zweitplatzierten Japan (810 Milliarden Dollar/709 Milliarden Euro).
Doch während die herkömmlichen materiellen Investitionen der Industrie in Deutschland laut Studie stagnieren, sind auch diese in den USA gestiegen.
Die Bundesrepublik ist allerdings nicht das einzige Land, in dem die traditionellen Investitionen stagnieren: In Kanada ist die Entwicklung ähnlich, und in Japan sind sie laut Wipo sogar gesunken. (dpa/red)
Dr. Anthony Fauci. - Foto: Madalina Vasiliu/The Epoch Times
In Kürze:
Vorladung durch US-Senatsausschuss
Vorwürfe zu Aussagen über COVID-Forschung
Fokus auf Wuhan, Laborhypothese, Geheimdienste
Der US-Senat hat den Immunologen Anthony Fauci vorgeladen. Hintergrund sind neu veröffentlichte Dokumente, die Fragen zu seinen Aussagen während der COVID-19-Pandemie aufwerfen.
Im Kern geht es um den Vorwurf, er habe den US-Kongress möglicherweise nicht vollständig oder missverständlich über zentrale Aspekte der Pandemie informiert. Dabei stehen insbesondere seine Rolle in der US-Gesundheitsforschung und seine Aussagen zu COVID-19 im Fokus.
Fauci ist ehemaliger Leiter des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID, Nationales Institut für Allergien und Infektionskrankheiten) beim National Institutes of Health (NIH, Nationale Gesundheitsinstitute der USA).
Der republikanische Senator Rand Paul erklärte am 22. Juni, er habe den Immunologen Fauci zunächst gebeten, freiwillig vor dem von ihm geleiteten Ausschuss des US-Senats, dem Homeland Security and Governmental Affairs Committee (Ausschuss für Innere Sicherheit und Regierungsangelegenheiten), auszusagen. Fauci habe dies jedoch abgelehnt.
Daraufhin habe Paul eine Vorladung ausgestellt, die Fauci verpflichtet, im kommenden Monat öffentlich vor dem Ausschuss zu erscheinen, schrieb er auf der Plattform X.
Der 85-jährige Fauci reagierte bislang nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme.
Fauci war von 1984 bis 2022 Leiter des NIAID. Bei einer Anhörung im Jahr 2024 sagte er vor Gesetzgebern aus, dass er nicht mit Geheimdienstmitarbeitern über Virusforschung im Zusammenhang mit COVID-19 gesprochen habe. Fauci erklärte jedoch, dass er selbst von Geheimdienstmitarbeitern über „Möglichkeiten von Aktivitäten in verschiedenen Laboren“ informiert worden sei.
Laut Dokumenten des Office of the Director of National Intelligence (Amt des Direktors der Nationalen Nachrichtendienste), die Anfang Juni freigegeben wurden, informierte Fauci Geheimdienstmitarbeiter über den möglichen Ursprung von COVID-19. Er empfahl ihnen, wissenschaftliche Arbeiten zu prüfen, die einen natürlichen Ursprung von SARS-CoV-2 unterstützten.
Eine vom Büro veröffentlichte Zusammenfassung besagt, dass Fauci darauf hinwies, dass die Aufklärung der Herkunft bei anderen Viren mit natürlichem Ursprung oft viele Jahre gedauert habe oder bis heute ungeklärt sei. Zudem riet er, Experten zu konsultieren, die einen natürlichen Ursprung von COVID-19 vertreten.
Als Beispiel nannte er den Forscher Kristian Andersen, Mitautor der Studie „Proximal Origin“. Diese sollte darlegen, dass COVID-19 „keine Labor-Konstruktion oder absichtlich manipuliertes Virus“ sei.
Laut von Senator Rand Paul veröffentlichten E-Mails sollen Fauci und der ehemalige Direktor der National Institutes of Health, Dr. Francis Collins, heimlich an der Studie von Andersen mitgewirkt haben, ohne als Autoren oder Mitwirkende genannt zu werden.
Faucis Behörde finanzierte zudem Forschungen an einem Labor in Wuhan, China, nahe dem Ort der ersten COVID-19-Fälle. In Anhörungen während der Pandemie sagte Fauci gegenüber Paul, die USA hätten dort keine sogenannte Gain-of-Function-Forschung finanziert. Spätere Aussagen anderer Beamter widersprachen dieser Darstellung.
Sicherheitspersonal bewacht das Wuhan Institute of Virology, während Mitglieder des WHO-Teams zur Untersuchung des Ursprungs von COVID-19 das Institut am 3. Februar 2021 besuchen.
Foto: Hector Retamal/AFP via Getty Images
Stellungnahme von Tulsi Gabbard
Tulsi Gabbard, die die neuen Akten an ihrem letzten Tag als Direktorin der National Intelligence (Direktorin der US-Geheimdienste) freigab, erklärte in einer Stellungnahme: „Politisierte, eigennützige Führungspersonen wie Dr. Fauci haben ihre eigenen Verfehlungen und Machtmissbräuche vertuscht, Geheimdienstinformationen manipuliert, den Kongress belogen und einen rechtmäßig gewählten Präsidenten untergraben, indem sie seinen Zugang zu entscheidenden Informationen eingeschränkt haben, die zur Sicherheit des Landes notwendig waren.“
Bevor es zu einem Walfall kommt, treiben die toten Meeressäuger an der Wasseroberfläche. Danach sinken sie auf dem Meeresgrund hinab. - Foto: izanbar/iStock
In Kürze:
Forscher haben in der Diamantina-Bruchzone im Indischen Ozean einen riesigen Walfriedhof entdeckt.
Schätzungen zufolge liegen in der Tiefe die sterblichen Überreste von über 10 Millionen Meeressäugern.
Seit 5,3 Millionen Jahren starben die Tiere hier auf natürliche Weise und schufen damit einen Lebensraum für zahlreiche Tierarten.
Am 11. Juni sorgte eine Meldung für Aufsehen: Ein internationales Forscherteam hat im Indischen Ozean einen großen Walfriedhof entdeckt. Seit mindestens 5,3 Millionen Jahren verenden hier jährlich die riesigen Meeressäuger und sinken auf den Grund des Ozeans hinab.
Dass sich beim Tod eines Wals, auch Walfall genannt, eine Art Friedhof bildet, ist hinreichend bekannt. Neu sind jedoch die Tiefe der Fundstelle und die enorme Anzahl an Kadavern unterschiedlicher Walarten.
Walfriedhof mit über 10 Millionen Kadavern
Es ist die weltweit tiefstgelegene und größte bekannte Ansammlung von Walfossilien und aktiven Walfällen, die Wissenschaftler je dokumentiert haben. In einem Bereich von 1.200 Kilometern Länge haben Forscher um Xiaotong Peng im Rahmen von über 30 Tauchgängen gleich fünf aktive Walfälle entdeckt.
Wie tiefere Untersuchungen zeigten, finden hier jedoch schon seit viel längerer Zeit zahlreiche Meeressäuger ihre letzte Ruhestätte. Zu den fünf aktiven Walfällen kommen 476 weitere Fundstellen mit den sterblichen Überresten weit älterer Tiere hinzu. Eine Strontium-Isotopen-Datierung ergab, dass die ersten Wale vor mindestens 5,3 Millionen Jahren starben.
Verbreitung und Häufigkeit von Walfossilien und Walkadavern in der Diamantina-Bruchzone.
Hinzu kommt die überraschende Erkenntnis, dass die Walfossilien in Tiefen zwischen 4.616 und 7.001 Metern liegen. Der Walfriedhof, der sich in der Diamantina-Bruchzone im südöstlichen Indischen Ozean befindet, knackt damit alle bisherigen Rekorde.
Insgesamt liegen dort bis zu 759,5 Wale auf einem Quadratkilometer Meeresgrund „begraben“. Eine Hochrechnung dieser Daten legt nahe, dass die Fundstelle möglicherweise mehr als 10 Millionen Walkadaver umfasst.
Frage nach dem „Wer“ und „Warum“
Zu den identifizierten Fossilien gehören sowohl heute noch existierende Schnabelwalarten wie der Andrew-Schnabelwal (Mesoplodon bowdoini) oder der Layard-Wal (Mesoplodon layardii) als auch ausgestorbene Taxa, darunter eine neu beschriebene Art (Pterocetus diamantinae).
Die hohe Konzentration der Walüberreste wird auf mehrere Faktoren zurückgeführt. So dient die Zone zum einen als Nahrungshabitat für Schnabelwale, von denen einige bei Tieftauchgängen mitunter sterben.
Zum anderen begünstigt die V-förmige Topografie der Zone das Abgleiten der Kadaver auf den Grund des Grabens, während das wenige neu dazukommende Sediment dafür sorgt, dass die Walknochen über lange Zeiträume erhalten bleiben.
Die verendeten Wale bieten zahlreichen Lebewesen der Tiefsee einen Lebensraum.
Einerseits helfen Walfriedhöfe Wissenschaftlern dabei, die Entstehung und Ausbreitung der Meeressäuger und der Ökosysteme, in denen sie leben, zu verstehen. Andererseits spielen Walfälle auch eine wichtige Rolle bei der langfristigen Bindung von Kohlenstoff.
So stellten die Forscher beispielsweise fest, dass mikrobielle Matten die Skelettreste bedecken und damit einen Lebensraum für viele Tierarten bieten. Zu den dort lebenden Arten zählen unter anderem Schlangensterne, Bartwürmer der Gattung Osedax und Muscheln.
Außerdem dienen die Walfälle als große, bisher kaum gemessene Kohlenstoffsenken. Bei einer durchschnittlichen Masse von 2 Tonnen pro Wal berechneten die Forscher, dass die über 10 Millionen Walkadaver im Laufe der Zeit etwa 6,7 Millionen Tonnen Kohlenstoff gebunden haben.
Die Studie erschien am 10. Juni 2026 im Fachmagazin „Nature“.
Direktorin der nationalen Nachrichtendienste Tulsi Gabbard in Washington am 2. Dezember 2025. - Foto: Andrew Caballero-Reynolds/AFP via Getty Images.
Die Diskussion um den Ursprung der COVID-19-Pandemie erhält neuen politischen Zündstoff. Im Zentrum stehen nun erneut Vorwürfe gegen den US-Immunologen Anthony Fauci.
Die scheidende US-Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard hat am Donnerstag, 18. Juni, Dokumente veröffentlicht, die eine mögliche Rolle von Dr. Anthony Fauci bei der Steuerung von US-Finanzierungen für sogenannte „gefährliche Gain-of-Function-Forschung“ in einem Labor in Wuhan nahelegen sollen. Dieses Labor wird mit dem Ursprung des COVID-19-Virus in Verbindung gebracht.
Dr. Anthony Fauci sagt am 3. Juni 2024 vor dem Unterausschuss für die Coronavirus-Pandemie in Washington aus.
Foto: Madalina Vasiliu/The Epoch Times
Verschleierungsvorwürfe gegen Fauci
In einer Videoerklärung auf der Plattform X erklärte Gabbard, die Unterlagen deuteten darauf hin, dass Fauci, der früher das Nationale Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (National Institute of Allergy and Infectious Diseases) leitete, versucht habe, die Laborhypothese zur Herkunft des Virus zu verschleiern. Zudem habe er 2024 unter Eid falsche Angaben vor dem US-Kongress gemacht.
„Die Taktiken, die verwendet wurden, um die Wahrheit zu verbergen, stammen direkt aus dem Strategiehandbuch des Deep State: politisierte, eigennützige Führungspersonen wie Dr. Fauci vertuschten ihr eigenes Fehlverhalten und Machtmissbrauch, manipulierten Geheimdienstinformationen, belogen den Kongress und untergruben einen rechtmäßig gewählten Präsidenten, indem sie ihm den Zugang zu wichtigen Informationen verwehrten, die notwendig waren, um das Land sicher zu halten“, sagte Gabbard in einer von ihrem Büro veröffentlichten Erklärung.
Und weiter: „Es ist Zeit, dass die amerikanische Öffentlichkeit die wahre Geschichte erfährt“.
Diese Geschichte entwickelt sich und wird aktualisiert.
Die Direktorin der Nationalen Nachrichtendienste, Tulsi Gabbard, spricht am 23. Juli 2025 im Brady-Pressebriefingraum des Weißen Hauses mit Reportern. - Foto: Chip Somodevilla/Getty Images
Freigegebene Dokumente der US-Geheimdienste werfen neues Licht auf das Engagement der Vereinigten Staaten in der Ukraine. Demnach haben die USA den Aufbau und Betrieb von mehr als 40 Biolaboren im Land unterstützt. Zu den Einrichtungen zählt auch ein Labor in Charkiw, das laut den Unterlagen möglicherweise gefährliche Krankheitserreger beherbergt.
Die Dokumente wurden am 12. Juni von der Direktorin der Nationalen Nachrichtendienste, Tulsi Gabbard, veröffentlicht. In einer Videobotschaft warnte sie, dass die Labore aufgrund des anhaltenden Krieges zwischen Russland und der Ukraine dem Risiko einer Kompromittierung ausgesetzt sein könnten.
Bereits im Mai hatte das Büro der Nationalen Nachrichtendienste gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times erklärt, erste Auswertungen von Geheimdienstakten hätten ergeben, dass die US-Regierung weltweit mehr als 120 Biolabore in über 30 Ländern finanziert habe – darunter auch mehrere Einrichtungen in der Ukraine.
Nach Angaben von US-Beamten befassten sich einige dieser Labore mit der Erforschung hoch ansteckender Krankheitserreger. Weitere Einzelheiten wurden damals jedoch nicht bekannt gegeben.
Ein Labor. Archivbild.
Foto: Jens Kalaene/dpa
Hinweise aus freigegebenen Dokumenten
Eines der am 12. Juni veröffentlichten Dokumente befasst sich mit dem von den USA unterstützten Institut für experimentelle und klinische Veterinärmedizin in Charkiw. Darin heißt es, die Einrichtung beherberge „wahrscheinlich mindestens einige gefährliche Krankheitserreger“ und sei weiterhin anfällig für Informationsoperationen, Beschlagnahmungen oder Schäden.
Dem Dokument zufolge lagerte das Institut Anfang der 2010er-Jahre Hunderte Krankheitserreger. Es gehörte zu mehr als 40 Laboren in der Ukraine, die im Rahmen eines Programms des US-Verteidigungsministeriums Unterstützung erhielten. Ziel des Programms war es, biologische Bedrohungen zu reduzieren.
Gleichzeitig verweist der Bericht auf Sicherheitsmängel in der Einrichtung. Zwar seien Teile des Labors modernisiert worden, dennoch habe es laut den zitierten Berichten noch 2019 Defizite bei Biosicherheit und Schutzmaßnahmen gegeben. Besonders betroffen gewesen seien Bereiche, in denen mit ansteckenden Brucella-Bakterien gearbeitet wurde.
Ein weiteres freigegebenes Geheimdienstdokument führt aus, dass von den USA unterstützte Einrichtungen in der Ukraine mit Krankheitserregern wie Anthrax, Ebola und dem SARS-Coronavirus gearbeitet hätten. Zudem hätten die Vereinigten Staaten ukrainische Wissenschaftler im Bereich Biokontainment und Laborsicherheit geschult.
Eine weitere freigegebene Akte zeigt, dass die Vereinigten Staaten insgesamt 9,1 Millionen US-Dollar in vier ukrainische Labore investiert haben sollen. Zu den unterstützten Einrichtungen zählt demnach auch das Ukrainische Antipest-Forschungsinstitut in Odessa.
Bereits in einem 2022 veröffentlichten Dokument hatte das damalige US-Verteidigungsministerium erklärt, seit 2005 rund 200 Millionen US-Dollar für die Unterstützung von 46 ukrainischen Laboren, Gesundheitseinrichtungen und Diagnosestellen bereitgestellt zu haben.
Zu Laboren außerhalb der Ukraine machten die Geheimdienstbeamten keine näheren Angaben. Sie betonten jedoch, dass die nun veröffentlichten Unterlagen Behauptungen widersprächen, wonach von den USA finanzierte Biolabore in der Ukraine nie existiert hätten.
Die ukrainische Flagge weht im Mondlicht über der Hafenstadt Odessa.
Foto: Kay Nietfeld/dpa
Stellungnahme von Tulsi Gabbard
Die Untersuchung der Labore durch Tulsi Gabbard geht auf eine Exekutivanordnung von US-Präsident Donald Trump aus dem Jahr 2025 zurück. Diese untersagt die Finanzierung risikoreicher Forschungsprojekte, darunter sogenannte Gain-of-Function-Experimente, sofern keine ausreichende staatliche Aufsicht gewährleistet ist.
Bereits zuvor hatte Gabbard Richtlinien erlassen, um die Sammlung von Informationen über die betreffenden Labore auszuweiten. Sie erklärte:
„Das Büro der Direktorin der Nationalen Nachrichtendienste und ich werden weiterhin eng mit unseren Partnern innerhalb der US-Regierung zusammenarbeiten, um genau festzustellen, wo sich diese Labore befinden und welche Krankheitserreger dort gelagert oder erforscht werden. Unser Ziel ist es, gefährliche Gain-of-Function-Forschung zu beenden, die die Gesundheit und das Wohlergehen der amerikanischen Bevölkerung sowie von Menschen auf der ganzen Welt bedrohen könnte“
Wo technologisches Know-how konzentriert ist, wächst das Interesse internationaler Investoren. Kuka zählt zu den bekanntesten deutschen Technologieunternehmen in chinesischem Besitz. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
In Kürze:
Fast jedes dritte bedeutende deutsche Patent gehört inzwischen ausländischen Eigentümern.
China hat seinen Einfluss auf deutsche Technologie durch Investitionen und Übernahmen deutlich ausgebaut.
Größere Sorge als der Patentverkauf ist der Rückgang der deutschen Innovationskraft im globalen Wettbewerb.
Deutschland gilt als Land der Ingenieure, Tüftler und Erfinder. Vom Automobilbau über die Chemie bis zum Maschinenbau gründet ein erheblicher Teil des wirtschaftlichen Erfolgs auf technischem Know-how. Doch ein wachsender Teil dieser Wissensbasis befindet sich inzwischen nicht mehr in deutscher Hand.
Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) gehören mittlerweile knapp drei von zehn bedeutenden Patenten, die in den rund vergangenen 25 Jahren von deutschen Erfindern entwickelt wurden, Eigentümern im Ausland.
Die Zahlen sind bemerkenswert. Zwischen 2000 und 2022 meldeten deutsche Erfinder mehr als 650.000 sogenannte transnationale Patente an. Dabei handelt es sich um Schutzrechte, die in mehreren Ländern gleichzeitig registriert werden und daher als besonders aussagekräftiger Indikator für wirtschaftlich relevante Innovationen gelten.
Von diesen Patenten befinden sich inzwischen rund 189.000 in ausländischer Hand. Das entspricht 29 Prozent des Bestands.
Chinas Griff nach deutscher Technologie
Auf den ersten Blick mag dies kaum überraschen. In einer globalisierten Wirtschaft wechseln Unternehmen den Eigentümer, fusionieren mit Wettbewerbern oder werden von internationalen Investoren übernommen. Patente wandern dabei zwangsläufig mit.
Tatsächlich entfällt der größte Teil der heute im Ausland kontrollierten deutschen Erfindungen auf enge Wirtschaftspartner. Knapp ein Drittel wird von Eigentümern in den Vereinigten Staaten gehalten, weitere 11 Prozent von Unternehmen oder Investoren aus der Schweiz.
Doch die Dynamik hat sich verändert. Besonders deutlich wird dies beim Blick auf China. Nach Angaben des IW befinden sich inzwischen rund 11.300 ursprünglich in Deutschland entwickelte Patente in chinesischem Besitz. Um die Jahrtausendwende spielte die Volksrepublik in dieser Statistik praktisch keine Rolle.
Die Entwicklung spiegelt den rasanten technologischen Aufstieg Chinas wider. Während westliche Staaten lange davon ausgingen, dass sich das Land vor allem als Produktionsstandort etablieren würde, verfolgt Peking seit Jahren das Ziel, in Schlüsseltechnologien zur Weltspitze aufzuschließen.
Neben hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung, gehören Unternehmensübernahmen zu den Instrumenten dieser Strategie. Ein besonders bekanntes Beispiel ist die Übernahme des Augsburger Roboterherstellers KUKA durch den chinesischen Midea-Konzern im Jahr 2016.
Damals löste der Kauf eine heftige Debatte über den Schutz deutscher Spitzentechnologie aus. Die Befürchtung lautete, dass nicht nur Produktionskapazitäten, sondern insbesondere technologisches Wissen nach China abwandern könnten.
Der damalige stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs, sagte damals:
„Wir müssen mit den Chinesen reden, ihnen klar machen, dass sie, wenn sie bei uns Unternehmen erwerben wollen, deutschen Firmen im Umkehrschluss das Gleiche erlauben müssen. Anders geht es nicht.“
Die neuen Daten verleihen der damaligen Diskussion nun wieder Aktualität. Sie zeigen, dass die Übertragung von Eigentumsrechten an Innovationen kein Einzelfall geblieben ist. Vielmehr hat sich über Jahre hinweg ein erheblicher Bestand deutscher Technologie unter ausländischer Kontrolle angesammelt.
Dabei ist die Frage, wem ein Patent gehört, weit mehr als eine statistische Größe. Patente sichern nicht nur Erträge aus Innovationen. Sie bestimmen oft auch, wo strategische Entscheidungen getroffen werden, wo Forschungsaktivitäten konzentriert werden und welche Standorte langfristig gestärkt oder geschwächt werden.
Die größere Sorge
Wer die Rechte an einer Technologie besitzt, entscheidet letztlich über deren wirtschaftliche Verwertung. Gleichwohl wäre es zu einfach, die Entwicklung allein als Folge ausländischer Übernahmen zu interpretieren. Die eigentliche Schwäche liegt womöglich tiefer. Denn die Studie macht zugleich deutlich, dass Deutschlands Innovationskraft im internationalen Vergleich an Boden verliert.
Im Jahr 2000 entfielen noch rund 22 Prozent aller transnationalen Patentanmeldungen weltweit auf Deutschland. Bis 2022 sank dieser Anteil auf 15 Prozent. Deutschland bleibt zwar eine der führenden Innovationsnationen, doch andere Länder holen auf oder ziehen vorbei.
Besonders eindrucksvoll ist erneut der Vergleich mit China. Noch zur Jahrtausendwende investierte Deutschland etwa doppelt so viel in Forschung und Entwicklung wie die Volksrepublik. Inzwischen hat sich das Bild grundlegend gewandelt. Nach Angaben des IW hat China seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung seitdem etwa verzwanzigfacht. Deutschland fiel im internationalen Ranking von Platz drei auf Platz sechs zurück.
Der technologische Wettbewerb wird damit zunehmend zu einer Frage der Investitionskraft. Innovation entsteht nicht allein durch kreative Ideen. Sie benötigt Forschungslabore, Universitäten, Risikokapital, industrielle Entwicklungsabteilungen und politische Rahmenbedingungen, die Investitionen attraktiv machen. Gerade hier sehen viele Unternehmen hierzulande inzwischen Defizite. Klagen über langwierige Genehmigungsverfahren, hohe Energiekosten, Fachkräftemangel und eine wachsende Regulierungsdichte gehören seit Jahren zum festen Bestandteil wirtschaftspolitischer Debatten über den deutschen Standort.
Zwar lässt sich der Rückgang der Patentanteile nicht auf einzelne Ursachen reduzieren. Doch die Entwicklung legt nahe, dass Deutschland im globalen Wettbewerb um Wissen und Technologie an Dynamik verloren hat.
Umso bemerkenswerter ist der Blick auf den Maschinenbau. Von den 13 vom IW untersuchten Industriezweigen zählt er zu den wenigen Bereichen, in denen die Zahl der Patentanmeldungen spürbar gestiegen ist. Zwischen 2000 und 2022 erhöhte sie sich von rund 3.300 auf etwa 4.300 Anmeldungen pro Jahr. Der Maschinenbau bleibt damit eine Kernkompetenz der deutschen Industrie.
Offene Märkte, ungleiche Regeln
Gerade deshalb steht die Branche im Fokus internationaler Investoren. Wo technologisches Know-how konzentriert ist, entstehen Übernahmeinteressen. Aus wirtschaftlicher Sicht ist das zunächst ein Zeichen von Attraktivität. Problematisch wird es aus IW-Sicht jedoch dann, wenn der Wettbewerb nicht unter gleichen Bedingungen stattfindet.
Der IW-Patentexperte Oliver Koppel verweist auf ein strukturelles Ungleichgewicht. Während europäische Märkte für chinesische Investoren weitgehend offen seien, bleibe der Zugang zum chinesischen Markt in zahlreichen Bereichen durch Negativlisten, Sicherheitsprüfungen und andere Beschränkungen erschwert. Übernahmen würden in China zudem häufig strategisch begleitet und politisch unterstützt.
Die Frage lautet daher nicht, ob internationale Investitionen grundsätzlich erwünscht sind. Deutschland profitiert seit Jahrzehnten von offenen Märkten und ausländischem Kapital. Entscheidend ist vielmehr, ob Offenheit auf Gegenseitigkeit beruht und ob bei strategisch relevanten Technologien ausreichende Schutzmechanismen bestehen.
Doch selbst die strengsten Übernahmeprüfungen würden ein zentrales Problem nicht lösen. Wenn Deutschlands Anteil an der weltweiten Innovationsleistung weiter sinkt, verliert das Land langfristig unabhängig von Eigentumsfragen an Einfluss. Die entscheidende Herausforderung besteht daher weniger darin, bestehende Patente zu bewahren, als neue hervorzubringen.
Die IW-Studie liefert insofern eine doppelte Botschaft. Einerseits zeigt sie, wie stark deutsche Technologie bereits in internationale Eigentümerstrukturen eingebunden ist und wie konsequent insbesondere China seinen technologischen Aufstieg verfolgt. Andererseits verweist sie auf eine Entwicklung, die für den Standort womöglich noch bedeutsamer ist: Deutschland erfindet im globalen Vergleich zwar weiterhin viel, jedoch nicht mehr so viel wie früher.
Die Debatte über den Schutz strategischer Technologien dürfte deshalb nur die eine Hälfte der Antwort sein. Die andere beginnt bei Forschungsausgaben, Hochschulen, Unternehmensgründungen und Investitionen. Denn am Ende entscheidet nicht allein, wem die Patente gehören. Entscheidend ist auch, ob künftig noch genügend neue hinzukommen.
Bundesregierung setzt auf Offenheit und Schutzmechanismen
Die Bundesregierung bewertet die Entwicklung differenziert. Das Bundeswirtschaftsministerium betont auf Anfrage von Epoch Times, dass ihm daran gelegen sei, „dass ein größtmöglicher Anteil des in Deutschland bzw. von deutschen Unternehmen generierten Know-hows auch durch diese in Wertschöpfung umgesetzt wird“.
Zugleich verweist es darauf, dass der Verkauf von Patenten und Schutzrechten „immer eine spezifische, unternehmerische Entscheidung im Einzelfall“ bleibe. Mit Blick auf China fordert die Bundesregierung mehr Gegenseitigkeit. So habe Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bei ihrer China-Reise Ende Mai „Reziprozität in den Handelsbeziehungen“ angemahnt.
Sicherheitspolitische Risiken sieht Berlin durch die bestehende Investitionsprüfung weitgehend abgesichert. Diese sei bereits heute „ein wirksames Instrument“, das den Schutz deutscher und europäischer Sicherheitsinteressen gewährleiste. Sie solle jedoch weiter angepasst werden, um „etwaige Sicherheitsrisiken im Zusammenhang mit kritischen Investitionen noch gezielter ausschließen“ zu können.
Der Astronaut Ulf Merbold (Nutzlastspezialist) führt während der NASA-Mission STS-9 im Jahr 1983 an der Gradientenheizungsanlage der materialwissenschaftlichen Doppelrack-Anlage des Spacelab 1 an Bord des Space Shuttles Columbia ein Experiment durch. - Foto: Space Frontiers/Getty Images
Der erste Westdeutsche im All, der Deutsche mit den meisten Weltraumflügen, der erste Ausländer in einem Space Shuttle der USA – Ulf Merbold vereint gleich mehrere Superlative auf sich.
Nur eine Premiere verpasste der Astronaut und Physiker – der Ostdeutsche Sigmund Jähn kam ihm zuvor und flog als erster Deutscher überhaupt ins All. Am Samstag wird Merbold, welcher der Raumfahrt sein Leben lang verbunden blieb, 85 Jahre alt.
Dass Jähn bereits 1978 und damit fünf Jahre vor Merbold als erster Deutscher im Weltraum war, feierte die DDR. Merbold und Jähn begegneten sich erstmals Mitte der 80er Jahre persönlich – und so stark die Systeme auch konkurrierten, die beiden verstanden sich gut.
Die Raumfahrer verband mehr als die Erfahrungen im All. Beide stammen aus dem Vogtland – Jähn aus dem sächsischen, Merbold aus dem thüringischen Teil.
Der deutsche Kosmonaut Ulf Merbold am 15. Juni 2007 in Paris bei der Veranstaltung „Paris fête l’Espace“ (Paris feiert den Weltraum).
Foto: Miguel Medina/AFP via Getty Images
Warum Merbold in den Westen kam
Merbold kam am 20. Juni 1941 im thüringischen Greiz zur Welt und machte dort Abitur an einer Schule, die heute nach ihm benannt ist. Sein Traum, Physik zu studieren, wurde ihm in der DDR aus ideologischen Gründen verwehrt, weil er nicht Mitglied in der SED-Nachwuchsorganisation FDJ war.
So verließ Merbold das Land 1960 über die damals noch offene Grenze in Richtung Westen und begann ein Jahr darauf ein Physikstudium in Stuttgart.
Nach seinem Abschluss forschte er am Max-Planck-Institut für Metallforschung mit Schwerpunkt Festkörperphysik. Nach seiner Promotion zog es ihn zur Europäischen Weltraumorganisation ESA.
Eine Zeitungsanzeige, die im Auftrag der ESA Experimente beim ersten Spacelab-Flug versprach, brachte ihn auf den Weg in Richtung Orbit. Er habe sehr gern geforscht, „aber die Aussicht, ins All zu fliegen, war noch reizvoller“, erinnerte sich Merbold im Jahr 2021 in einem „Tagesspiegel“-Interview.
5 Jahre lernen bei der NASA
In einem anspruchsvollen Auswahlverfahren qualifizierte er sich für den Erstflug des ESA-Raumlabors Spacelab und startete 1978 seine Raumfahrerausbildung im NASA-Zentrum in Houston. Am 28. November 1983 flog er als erster ausländischer Raumfahrer mit einem US-Shuttle ins All und absolvierte mit seinen US-Kollegen dort mehr als 70 Experimente.
„Was mich am meisten besorgt hat, war nicht, dass beim Start etwas schiefgeht, sondern ob ich am Ende der Mission allen Wissenschaftlern der 72 Experimente an Bord Daten in ausreichender Qualität würde liefern können“, sagte Merbold. „Ich hatte echt Angst, ein Experiment gegen die Wand zu fahren.“
Auch die Tragödie von 1986, als die US-Raumfähre „Challenger“ kurz nach dem Start explodierte, hielt Merbold nicht von weiteren Missionen ab. 1992 trat er an Bord der Raumfähre „Discovery“ seine zweite Weltraumreise an.
Die Besatzung der NASA-Mission STS-9 beim Kartenspiel im Spacelab 1 an Bord des Space Shuttles Columbia in der Erdumlaufbahn, 1983. (r-l): Owen K. Garriott (Missionsspezialist), Robert A. Parker (Missionsspezialist), Ulf Merbold, Nutzlastspezialist, sowie Byron K. Lichtenberg (Nutzlastspezialist) vom MIT.
Foto: Space Frontiers/Getty Images
55 Tage im All
Anschließend widmete sich Merbold wieder seiner zwischenzeitlich unterbrochenen Arbeit für die zweite Spacelab-Mission und unterstützte die deutschen Astronauten von der Erde aus.
1993 wurde der mittlerweile 52-Jährige dann erneut für einen Weltraumflug ausgewählt – und flog im Jahr darauf als erster ESA-Astronaut zur russischen Raumstation Mir. Danach kehrte er zur ESA zurück und blieb ein gefragter Berater und Interviewpartner.
Insgesamt verbrachte Merbold 55 Tage im All. Besonders in Erinnerung blieb ihm der erste Blick aus dem Fenster. Der Anblick des rabenschwarzen Himmels, der von einer königsblauen Schicht gesäumten Erdkugel sowie der leuchtenden Millionenstädte und Fischerdörfer habe ihn „sprachlos“ gemacht, sagte Merbold 2024 im Podcast „Raumzeit“.
„Ich war völlig verzaubert von der Schönheit und gleichzeitig bedrückt davon, wie zerbrechlich das ist“, erinnerte er sich im „Tagesspiegel“.
Heute lebt der passionierte Segelflieger und Skiläufer mit seiner Frau in Stuttgart. Nach wie vor ist er als Berater für die ESA tätig. Einer künftigen Marsmission steht er offen gegenüber, zunächst sollten die Menschen aber eine Station auf dem Mond bauen.
„Wenn es auf dem Mond ein Problem gibt – vergiftete Kabinenluft, Probleme mit der Stromversorgung, Asteroideneinschlag –, so ist es immer noch möglich, binnen drei Tagen zurück zur Erde zu kommen“, sagte Merbold. „Wenn man auf dem Weg zum Mars ist, geht das nicht.“ (afp/red)
Impfspritze wird aufgezogen. (Archivbild) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Britische Forscher haben mithilfe „Künstlicher Intelligenz“ (KI) einen Impfstoff entwickelt, der gegen ein breites Spektrum von Viren schützen und künftige Pandemien verhindern soll. Das Team der Universität Cambridge spricht von einem grundlegend neuen Ansatz.
Erstmals wurde demnach ein zentraler Bestandteil eines Impfstoffs vollständig von einer KI entworfen, wie die BBC berichtet. Das Präparat ziele auf alle Coronaviren ab, einschließlich aller Covid-Varianten und solcher Viren, die von Tieren auf den Menschen übergehen könnten.
Die Arbeit befindet sich allerdings noch in einem frühen Stadium. Parallel dazu arbeiten die Wissenschaftler bereits an Impfstoffen gegen Grippe und Ebola – auch hier soll KI zum Einsatz kommen.
Impfstoffe trainieren das Immunsystem, Erreger zu erkennen und abzuwehren. Viele Viren verändern jedoch ständig ihr Erscheinungsbild, sodass Impfstoffe schnell wirkungslos werden. Der neue Ansatz soll diesem Problem begegnen.
„Wir sind immer einen Schritt hinterher“, sagte Professor Jonathan Heeney von der Universität Cambridge laut BBC-Bericht. „Unser Ziel ist es, der Entwicklung voraus zu sein.“ Die KI ermögliche es, Impfstoffe zu entwickeln, die auch vor neu auftretenden Erregern schützen. (dts/red)
Noch in der Dunkelheit wurde im Zuge der Obduktion des Buckelwals gearbeitet. - Foto: Kai Moorschlatt/dpa
Über Wochen machte der als „Timmy“ bekannte Buckelwal Schlagzeilen, nun sind von dem Tier nur noch Reste übrig. Die mit Spannung erwartete Obduktion des Buckelwals auf dem Strand der dänischen Insel Anholt ist am späten Donnerstagabend, 4. Juni, beendet worden.
Klar ist nun: Der Wal mit dem männlichen Namen ist wie vermutet ein Weibchen. Und: Eine klare Todesursache konnte zunächst nicht festgestellt werden.
Jetzt steht auf der Urlaubsinsel, vor der der tote Wal vor rund drei Wochen angespült wurde, noch der letzte Schritt an: der Abtransport der Reste. Die Abholung der Container mit den Überresten soll jedoch erst in den kommenden Tagen folgen.
Noch keine klare Todesursache festgestellt
Ausgestattet mit Schutzanzügen begannen die Experten am Donnerstagnachmittag mit der Obduktion. Zunächst wurde der gelb-bräunliche Kadaver begutachtet und vermessen.
Anschließend wurde er mit einem länglichen Messer aufgeschnitten, um Luft aus dem stark aufgeblähten Tier abzulassen. Danach wurde der Wal geöffnet und zerteilt. Rund um das Tier lagen zeitweise Organe und Eingeweide.
Eine klare Todesursache konnte das Expertenteam bei den Untersuchungen zunächst nicht feststellen, wie unter anderem die dänische Biologin Charlotte Bie Thøstesen, die bei der Obduktion dabei war, spätabends vor Reportern erklärte.
Das sei jedoch nicht ungewöhnlich, es sei oft sehr schwer, bei Kadavern wie diesem eine klare Todesursache festzustellen, sagte auch Veterinärmediziner Tim Jensen von der Universität Kopenhagen.
Etwa eine Verletzung sei nicht zu erkennen gewesen, was jedoch auch an der Verwesung liege. Zwar seien Parasiten festgestellt worden, für den Tod seien diese jedoch nicht verantwortlich.
„Timmy“ ist ein Weibchen
Klar ist nun auch, dass das Tier – wie bereits vermutet – ein Weibchen ist. Der Uterus wurde demnach entdeckt. Schwanger sei der Wal in den letzten Monaten allerdings nicht gewesen, hieß es.
Bei einem Blick ins Maul und in den Magen des Wals seien zudem keine Netze oder andere Gegenstände festgestellt worden, erklärte Jensen.
Das Team entnahm wie geplant auch Proben, etwa von den Nieren und der Leber, und untersuchte akribisch das Innere des Wals, das bei dem seit Wochen verwesenden Tier bereits stark in Mitleidenschaft gezogen worden war, wie Bilder zeigten.
„Wir haben Gewebeproben entnommen, und die werden nun analysiert“, sagte Jensen. Ergebnisse werden jedoch erst in den kommenden Monaten erwartet.
Biologin: Obduktion für Forschung wertvoll
Ein Bagger hievte im Laufe der Obduktion nach und nach die Teile des Kadavers in die vorbereiten Container.
Für das geübte Team sei ein solches Verfahren eine Standardprozedur, die jedoch sehr wertvoll sei, sagte Biologin Thøstesen bereits am Nachmittag.
Bei Buckelwalen handelt es sich demnach um Tiere, die nur schwer in ihrem natürlichen Lebensraum im Meer erforscht werden können. „Wenn wir hier also in Dänemark gestrandete Wale finden, nutzen wir sie, um Erkenntnisse über die wildlebenden Tiere zu gewinnen“, so Thøstesen.
Was passiert mit den Überresten?
Die Reste des Kadavers warten nun auf ihre Abholung. Die Container sollen voraussichtlich Anfang kommender Woche abtransportiert werden, wie Morten Abildstrøm vom dänischen Amt für Naturverwaltung sagte.
Ein Abtransport am Wochenende mache aufgrund eingeschränkter Öffnungszeiten der zuständigen Unternehmen wenig Sinn, hieß es.
Seit Wochen lag der Kadaver des Tieres bereits vor der Urlaubsinsel und war durch Fäulnisgase stark aufgebläht und von Möwen traktiert – entsprechend war die Obduktion nichts für schwache Nerven.
Um die Verwertung von Wal-Kadavern kümmert sich in der Regel ein Unternehmen wie Daka Dänemark. In einer Fabrik würden Überreste von Walen in seine Bestandteile getrennt, erklärte ein Sprecher zuletzt.
Bislang habe das Unternehmen aber noch keinen Auftrag für die Verwertung des Kadavers erhalten, hieß es am Mittwoch.
Alles wird allerdings nicht entsorgt: Manche Knochen des Tieres kommen laut Thøstesen zumindest teils in die Sammlung des Naturhistorischen Museums in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Dazu gehören etwa Flossenknochen oder Beckenknochen. (dpa/red)
Das Europäische Patentamt in München. (Archivbild) - Foto: Peter Kneffel/dpa
In Kürze:
Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft wurden seit 2000 rund 11.300 deutsche Patente von chinesischen Akteuren übernommen.
Mit Patenten und Unternehmensübernahmen gehe wertvolles Know-how aus Deutschland verloren, warnt IW-Patentexperte Oliver Koppel.
China sei inzwischen selbst ein führender Innovationsstandort und baue seinen technologischen Vorsprung in Zukunftsfeldern weiter aus.
Koppel fordert stärkere InvestitioneninForschung sowie einen besseren Schutz strategisch wichtiger Technologien.
Der Ökonom Oliver Koppel hat in einem Interview im „Deutschlandfunk“ vor einem Abfluss von Know-how aus Deutschland in Richtung China gewarnt. Wie gravierend die Situation sei, lasse sich im Bereich der Patente beobachten.
Dies ergab eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.
Rund 11.300 Patente seit 2000 von China erworben
Chinesische Unternehmen haben sich seit Beginn des Jahrhunderts immer mehr für deutsche Patente interessiert. Wie der IW-Patentexperte betont, gingen seit 2000 mehr als 11.300 deutsche Patente in chinesische Hände.
Es handele sich dabei vorwiegend um global angemeldete Patente, die im Regelfall deshalb auch besonders bedeutsam seien. Teilweise seien es „sehr große Innovationen“ gewesen, die davon betroffen seien. In einigen Fällen habe China lediglich die Patente von deutschen Unternehmen aufgekauft – teilweise seien es auch gleich die Unternehmen selbst gewesen.
Teilweise geschah dies durch Unternehmen, die dem chinesischen Staat direkt gehörten, teils auch durch von ihm kontrollierte. Was in allen Fällen gleich schwer wiege, sei der damit verbundene Abfluss von Know-how:
„Mit all diesen Patenten geht Wissen verloren.“
Einige als besonders gravierend empfundene Aufkäufe hatten auch die Politik auf den Plan gerufen. So war etwa der Mehrheitserwerb des Augsburger Industrieroboterherstellers Kuka im Jahr 2016 durch das chinesische Unternehmen Midea ausschlaggebend für Verschärfungen im Außenwirtschaftsgesetz. Auch auf EU-Ebene gibt es mittlerweile höhere Hürden für einen chinesischen Aufkauf hiesiger Unternehmen in sensiblen Branchen.
Drei Wege, um Kontrolle über Patente zu erlangen
Dennoch gebe es weiterhin Übernahmen und Beteiligungserweiterungen, die chinesischen Akteuren die Kontrolle über deutsche Unternehmen sichern. Klingende Namen wie Linde Material Handling oder die Autozulieferer LEONI und GRAMMER gehören ebenso dazu wie Weltmarktführer – etwa Putzmeister, Kiekert oder ista.
Der Erwerb von Patenten sichere China damit die Kontrolle über Innovationen – und öffne Wege zu deren Weiterentwicklung. Insgesamt sieht Koppel drei Wege, wie sich China Einfluss sichert. Quantitativ am bedeutendsten sei dabei immer noch der Aufkauf deutscher Unternehmen selbst. Mit einem solchen gehen automatisch auch alle von diesen erworbenen Patenten auf die Erwerber über.
Allerdings bleibe auch der Ankauf einzelner Patente relevant. Ferner ist die Gründung von Tochtergesellschaften chinesischer Unternehmen in Deutschland eine mögliche Option. Hier würden die Patente zwar in Deutschland entwickelt, das Land selbst habe davon jedoch kaum einen Nutzen, weil diese nach China abwanderten. Ein Akteur, der in dieser Weise agiere, sei beispielsweise Huawei.
Frühere deutsche Domänen wie Maschinenbau unter Druck
Für Deutschland komme diese Entwicklung in mehrerlei Hinsicht zur Unzeit.
Das IW hatte im März im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung eine Studie zum Thema Innovationen erarbeitet. Diese wies für das Deutschland eine „sich abschwächende Innovationsdynamik“ aus.
Bereits seit der Zeit vor Corona, so der IW-Ökonom, sei die Innovationsleistung im Land rückläufig gewesen. Nun komme dazu, dass die tatsächlich stattfindenden Innovationen ihr Potenzial in anderen Ländern entfalteten. Für den Standort sei dies eine bedenkliche Entwicklung:
„Vor allem in Bereichen, in denen Deutschland führend war, wie im Maschinenbau, ist das gefährlich, weil dadurch potenziell auch Zukunftstechnologien betroffen sind.“
Was die Verschärfung des Außenwirtschaftsgesetzes anbelangt, spricht Koppel von einem „Schritt in die richtige Richtung“. Es sei zu begrüßen, dass man aufseiten der Bundesregierung in diesem Bereich überhaupt Sensibilität entwickelt habe.
Der Ökonom geht dennoch davon aus, dass dieses nicht weit genug gehe. Es bleibe das enorme Missverhältnis, dass zwar chinesische Akteure in Deutschland auch beim Kauf von Unternehmen weitreichende Freiheiten hätten. In der Gegenrichtung könne davon jedoch keine Rede sein.
China sichert sich Patente – und baut eigene Stärken aus
Anders als in früheren Zeiten eigne sich China nicht mehr nur im Westen entwickeltes Know-how durch Aufkaufen oder Spionage an. Mittlerweile sei das Land im Bereich der Innovation selbst ein führender Akteur auf dem Weltmarkt, so wie in Bereichen wie KI oder Elektromobilität, und habe dort Deutschland einiges voraus.
Die Strategie der Führung in Peking sei vielschichtig. In einigen Bereichen verlasse man sich nach wie vor auf die Aneignung fremden Wissens. Dort, wo man aber bereits selbst zu den führenden Akteuren gehöre, baue man diesen Vorsprung mit großem Nachdruck aus.
Gleichzeitig baue China seine eigenen Führungskompetenzen aus und schirme seinen Markt ab. Die Zahl der chinesischen Anmeldungen beim Europäischen Patentamt stieg unterdessen allein in der Zeit von 2015 bis 2021 von 5.729 auf 16.665.
Deutschland rät Koppel zu substanziellen Investitionen und zum Ausbau der eigenen Forschungsbasis:
„Wir sind noch gut, aber wir haben auch deutlich an Substanz verloren.“
Deutschland habe sich zu sehr auf seinen Lorbeeren ausgeruht und verliere auch gegenüber den USA, Südkorea und anderen westlichen Ländern an Terrain. Es sei nicht immer dramatisch, wenn auch andere Länder von hier entwickeltem Wissen profitierten. Man müsse jedoch immer genau hinsehen, ob es die Länder, die dies täten, mit einem auch gut meinten. Deshalb müsse auch eine gewisse „Autarkie“ ein Thema bleiben:
„Deutschland muss in der Lage sein, sich aus eigener Kraft zu behaupten, und darf sich nicht darauf verlassen, irgendwann anderswo entwickelte Technologie wieder einzukaufen.“
Eine Krankenschwester bereitet am 3. Februar 2025 in Kampala, Uganda, im Rahmen einer Ebola-Impfstoffstudie einen Impfstoff vor. - Foto: Badru Katumba/AFP via Getty Images
In Kürze:
CEPI finanziert die Beschleunigung der Entwicklung dreier potenzieller Impfstoffe gegen das Bundibugyo-Ebolavirus.
CEPI begründet die Auswahl dieser drei Impfstoffprojekte damit, dass die Impfstoffe oder ihre Technologien bereits erfolgreiche Sicherheitsprüfungen durchlaufen haben.
Der dritte Impfstoff – entwickelt von der Universität Oxford und dem Serum Institute of India – könnte laut WHO bereits innerhalb von zwei Monaten für klinische Tests bereitstehen.
Eine internationale Gesundheitsorganisation stellt rund 60 Millionen US-Dollar (rund 52 Millionen Euro) bereit, um die Entwicklung von drei potenziellen Impfstoffen gegen das Bundibugyo-Ebolavirus zu beschleunigen. Dies teilte die Impfstoffinitiative Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) am 1. Juni mit.
Das Bundibugyo-Ebolavirus ist für den aktuellen Ebola-Ausbruch in Zentralafrika verantwortlich.
CEPI, die bereits früh in den COVID-19-Impfstoff von Moderna investiert hatte, stellt dem US-Unternehmen rund 50 Millionen US-Dollar (rund 43 Millionen Euro) für präklinische Tests und klinische Studien der Phase 1 zur Verfügung. Phase 1 ist die erste klinische Studienphase am Menschen nach den präklinischen Tests im Labor und an Tieren. Der experimentelle Impfstoff basiert auf derselben mRNA-Technologie wie Modernas Corona-Impfstoff.
Weitere geförderte Impfstoffvarianten
Darüber hinaus fördert CEPI die Entwicklung eines Impfstoffs der International AIDS Vaccine Initiative (IAVI), der auf einem genetisch veränderten Virus basiert. Er baut auf früheren Forschungen zu einem bereits existierenden Impfstoff gegen das Zaire-Ebolavirus auf.
Zusätzlich unterstützt CEPI ein Impfstoffprojekt der Universität Oxford und des Serum Institute of India. Der Impfstoff nutzt die gleiche Technologie wie der Corona-Impfstoff, den Oxford gemeinsam mit AstraZeneca entwickelt hat.
„Da sich das Bundibugyo-Ebolavirus rasch ausbreitet und es bislang keine zugelassenen Impfstoffe gibt, zählt jeder Tag im Wettlauf gegen diese tödliche Krankheit“, erklärte CEPI-Chef Dr. Richard Hatchett in einer Stellungnahme.
Das Ziel der Förderung dieser drei Impfstoffvarianten sei es, „sichere und wirksame Impfstoffe voranzubringen“, um den Ausbruch einzudämmen.
Der im Mai in der Demokratischen Republik Kongo bestätigte Ebola-Ausbruch hat nach Angaben der kongolesischen und ugandischen Behörden bislang 291 bestätigte Infektionen sowie 43 bestätigte Todesfälle verursacht. Zudem gibt es mehrere Hundert Verdachtsfälle.
Laboruntersuchungen haben bestätigt, dass der Ausbruch durch das Bundibugyo-Ebolavirus verursacht wird. Gegen diesen Virusstamm gibt es derzeit weder zugelassene Impfstoffe noch spezifische Behandlungen.
Herstellung von Impfstoffdosen während klinischer Prüfung
CEPI begründete die Auswahl der drei Impfstoffprojekte damit, dass entweder die Impfstoffe selbst oder die zugrunde liegenden Technologien bereits erfolgreiche Sicherheitsprüfungen durchlaufen haben. Zudem hätten sie bereits Wirksamkeit gegen verwandte Viren gezeigt.
Sollten die Phase-I-Studien erfolgreich verlaufen, will CEPI gemeinsam mit Partnern weitere klinische Studien unterstützen, die zu einer Notfallzulassung führen könnten.
Das US-amerikanische Unternehmen Moderna erklärte, die Förderung ermögliche es dem Unternehmen, bereits während der klinischen Prüfung Impfstoffdosen herzustellen. Dadurch könne der Impfstoff bei positiven Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten rasch in Phase-II- und Phase-III-Studien überführt werden.
„Wir sind stolz darauf, unsere strategische Zusammenarbeit mit CEPI auszubauen und einen potenziellen Impfstoff gegen das Bundibugyo-Ebolavirus voranzutreiben“, sagte Moderna-Chef Stéphane Bancel in einer Erklärung vom 1. Juni. Man werde mit hoher Dringlichkeit und wissenschaftlicher Sorgfalt arbeiten, um die betroffenen Regionen zu unterstützen.
Moderna-Impfstoff von WHO bislang nicht berücksichtigt
Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die mögliche Impfstoffe gegen das Bundibugyo-Ebolavirus bewerten, haben den Impfstoff von Moderna bislang nicht erwähnt. Ende Mai bezeichnete die WHO den von der International AIDS Vaccine Initiative entwickelten Impfstoff als den derzeit vielversprechendsten Kandidaten. Allerdings werde es voraussichtlich sieben bis neun Monate dauern, bis dieser in klinischen Studien getestet werden kann.
Der dritte Impfstoff, der von der Universität Oxford und dem Serum Institute of India entwickelt wurde, könnte dagegen laut WHO bereits innerhalb von zwei Monaten für klinische Tests bereitstehen.
IAVI-Präsident Mark Feinberg erklärte, die finanzielle Unterstützung durch CEPI ermögliche es, die Entwicklung des Impfstoffkandidaten deutlich zu beschleunigen. Einen konkreten Zeitplan nannte er jedoch nicht.
Auch die Universität Oxford teilte mit, dass die Förderung die Vorbereitungen für Phase-1-Studien unterstützen werde. „Wir hoffen, dass wir durch eine koordinierte globale Anstrengung diesen Ausbruch eindämmen und das Virus stoppen können“, sagte Teresa Lambe von der Oxford Vaccine Group in einer Erklärung.
Serum Institute of India: Impfstoffproduktion in Kürze geplant
Ein Sprecher des Serum Institute of India hatte der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times am 24. Mai mitgeteilt, dass das Unternehmen plane, in 20 bis 30 Tagen mit der Produktion des Impfstoffs zu beginnen.
Unternehmenschef Adar Poonawalla erklärte, das Institut werde seine Produktionskapazitäten in die Zusammenarbeit mit CEPI und der Universität Oxford einbringen, um die Entwicklung des Impfstoffs möglichst schnell voranzutreiben und im Erfolgsfall einen erschwinglichen Zugang für betroffene Länder zu ermöglichen.
Die internationale Impfstoff-Initiative CEPI wurde 2017 nach einem schweren Ebola-Ausbruch in Afrika gegründet. Sie zählt heute mehr als 30 staatliche und private Geldgeber, darunter die Bill & Melinda Gates Foundation. Deutschland ist Gründungsmitglied und einer der größten Beitragszahler, wie aus einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt hervorgeht. Demnach hat Deutschland CEPI von 2017 bis 2025 mit 590 Millionen Euro unterstützt.
Globale Risiken: Forscher warnen vor KI-Einsatz bei Massenüberwachung und moderner Kriegsführung. (Symbolbild). - Foto: Riccardo Milani / Hans Lucas / AFP via Getty Images
Mehr als 150 Mathematiker aus aller Welt haben davor gewarnt, den „Hype“ um die mathematischen Fähigkeiten von Systemen der Künstlichen Intelligenz (KI) unkritisch zu übernehmen.
In einer am Dienstag, 2. Juni nach einer Konferenz in der niederländischen Universitätsstadt Leiden veröffentlichten Erklärung hieß es, KI-Entwickler hätten „einen starken kommerziellen Anreiz“, die Fähigkeiten ihrer Produkte übertrieben darzustellen.
Öffentlichkeitsarbeit zu KI werde häufig nach Marktlogik betrieben und nicht im Tempo wissenschaftlicher Begutachtung.
Dabei würden KI-Lösungen für einzelne mathematische Aufgaben irreführend als Maßstab für die allgemeinen Fähigkeiten kommerzieller KI-Modelle dargestellt, hieß es in der Leidener Erklärung.
Kritik am KI-Wettlauf: Mathematiker Michael Harris von der Columbia Universität, bemängelt den extremen wirtschaftlichen Druck in der Branche, der zu einer verzerrten und übertriebenen Darstellung realer KI-Fähigkeiten führe.
Foto: Steve Rosenbach / iStock
Der Mathematiker Michael Harris von der Columbia Universität, einer der Mitautoren der Erklärung, sagte, zwischen den großen KI-Laboren herrsche ein „Wettbewerb auf Leben und Tod“. Die Unternehmen versuchten, mit Hilfe der Mathematik Investitionen anzuziehen.
Die Autoren der Erklärung warnen unter anderem davor, dass KI-Systeme plausibel wirkende, aber letztlich falsche „Beweise“ erzeugen könnten, die für Menschen schwer zu überprüfen seien.
Auch bestehe die Gefahr, dass die Nutzung von KI in der Mathematik Forschung begünstige, die sich vor allem an neuen praktischen Anwendungen orientiere, zulasten anderer wichtiger Fragestellungen.
Warnung vor Missbrauch und ethische Pflichten
Die Autoren warnen außerdem vor möglichen Schäden durch KI bei der Kriegsführung, der Massenüberwachung, der Destabilisierung politischer Systeme und der Umweltbelastung.
Sie riefen Kollegen ihrer Zunft auf, die ethischen Folgen ihrer Forschung zu prüfen und sich nötigenfalls aus schädlicher Arbeit zurückzuziehen.
KI eröffne „neue und spannende Möglichkeiten“, werfe aber auch Fragen auf, „die nicht ungeprüft bleiben dürfen“, erklärte die Vizepräsidentin der Internationalen Mathematischen Union (IMU), Ulrike Tillmann.
Die Zukunft der mathematischen Forschung müsse von „menschlichem Urteilsvermögen, fairen und transparenten Verfahren“ sowie den „gemeinsamen Werten der weltweiten mathematischen Gemeinschaft“ geleitet werden. (afp/red)
Bremst die Photovoltaik den Windkraftertrag aus? - Foto: zhengzaishuru/iStock
In Kürze:
Seit 2020 hat der Ausbau der Windkraft die Stromerzeugung nicht signifikant erhöht.
Das bestätigt nun auch das Leibniz-Institut.
Ein Bereichsleiter sieht den Grund in der Kannibalisierung durch Solarstrom.
Auch Abschaltsysteme und Betriebsauflagen bremsen den Windstromertrag.
Wie die Epoch Times bereits am 20. Mai berichtete, scheint der Stromertrag der Windkraft zu stagnieren. Zwar stieg die installierte Leistung laut den verfügbaren Daten von 2020 bis 2025 um 25,2 Prozent, die tatsächliche Einspeisung jedoch nur um 1,2 Prozent.
Demnach hätten der massive Ausbau von Windrädern sowie das Repowering, bei dem ältere Windräder durch größere und leistungsstärkere ersetzt werden, nicht den erwarteten Mehrertrag erzielt.
Bringen 2.600 neue Windräder den erwarteten Ertrag?
Wie die „WELT“ in ihrem Artikel über das „Windstrom-Rätsel“ berichtet, stieg die Turbinenleistung aller Windkraftanlagen an Land zwischen 2020 und 2025 um 14 Gigawatt (GW). Laut den Daten des Fraunhofer-Energieportals „Energy Charts“ entwickelte sich hier die Nennleistung von 54,4 auf 68,2 GW. Fügt man auch die Windkraft auf See hinzu, liegt der gesamte Zuwachs bei 15,7 GW.
Laut dem Nachrichtenportal seien allein für den Zuwachs an Land „rechnerisch fast 2.600 neue Windräder […] in die Landschaft gesetzt“ worden. Inzwischen hat Deutschland rund 31.000 Windkraftanlagen an Land und auf See. Der Großteil davon steht an Land. Ende 2025 waren es laut dem Bundesverband Windenergie 29.226 in Betrieb befindliche Windturbinen.
Dieser Zubau führte jedoch nur zu einer minimalen Gesamtertragssteigerung von 129,6 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2020 auf 131,2 TWh im vergangenen Jahr, also nur 1,2 Prozent mehr.
In den vergangenen Jahren entstanden zahlreiche neue große Windkraftanlagen in Deutschland.
Foto: J-Picture/iStock
Kannibalisierung durch Photovoltaik
In dem „WELT“-Bericht gab Manuel Frondel, Leiter des Bereichs „Umwelt und Ressourcen“ am RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, eine Analyse zur Entwicklung ab. Er bestätigte: „Ab 2020 gibt es keinen statistisch signifikanten Zusammenhang mehr zwischen Windstromerzeugung und installierter Windkraftkapazität.“
Als möglichen Grund nannte Frondel die Einspeisung von Solarstrom ins Netz. Dies könnte zu einer Konkurrenz von Sonnen- und Windstrom geführt haben. „Ab 2022 hat es einen neuen Solarboom gegeben, das dürfte zur Kannibalisierung beigetragen haben“, sagte er.
An fast allen sonnigen Tagen werde inzwischen „viel zu viel Solarstrom produziert“. Zugleich schränkte der Experte ein, dass eine Zeitreihe über fünf Jahre hinweg noch keine ausreichende Datengrundlage für eine abschließende Analyse liefere.
Hierbei ist zu erwähnen, dass bei der Windkraft alle Anlagen steuerbar sein müssen. Die Netzbetreiber können somit bei Bedarf deren Leistung beliebig herunterfahren, um die Netzstabilität zu gewährleisten. Denn die Stromproduktion muss zu jedem Zeitpunkt dem Stromverbrauch entsprechen.
Bei der Photovoltaik ist diese Steuerbarkeit bei einer Vielzahl von Anlagen nicht gegeben. Von den aktuell installierten 123,4 GW an Solarleistung sind rund 50 GW nicht steuerbar. Wenn die Sonne scheint, speisen diese Anlagen ihren Strom ungebremst ins Netz ein. Um einen Stromüberschuss und daraus folgende Störungen im Netz zu vermeiden, müssen die Netzbetreiber stattdessen die übrigen Energieerzeuger – einschließlich Windkraftanlagen – drosseln.
Zunehmend windschwache Standorte
Neben dem netztechnisch erzwungenen Solarvorrang stehen jedoch weitere mögliche Gründe im Raum, warum der Windstrom stagniert.
Einer ist die Standortverfügbarkeit. In Deutschland sind manche Standorte besser und manche weniger gut für Windkraft geeignet. Die Betreiber der ersten Windkraftanlagen haben sich noch die besten Standorte aussuchen können.
Nach jahrzehntelangem Ausbau müssen Betreiber neuer Anlagen zunehmend windschwächere Standorte wählen. Die geeignetsten Flächen sind weitgehend vergeben.
Hinzu kommt, dass immer mehr Windkraftanlagen wegen des Platzproblems in der Nähe von Wohngebieten entstehen. Viele dieser Anlagen unterliegen dort jedoch Lärmschutzauflagen und müssen teilweise über Nacht abschalten, weil sie zu laut sind. Windkraftanlagen emittieren im Betrieb häufig mehr als 100 Dezibel.
Weitere Abschaltmechanismen existieren bei neueren Anlagen auch teilweise im Zusammenhang mit dem Vogelschutz. Erfassen Kameras einen Vogel, berechnet ein integriertes KI-System, ob eine für den Vogel meist tödliche Kollision mit dem Windrad droht. Falls ja, schaltet die KI die Anlage ab.
Ein weiterer diskutierter Aspekt sind die Windkraftanlagen selbst. Sie entziehen dem Wind einen Teil seiner kinetischen Energie und wandeln diese in elektrischen Strom um. Dieser Effekt lässt sich mit dem Energieerhaltungssatz beschreiben. Dadurch wird Windenergie lokal in Strom umgewandelt. Je mehr Windräder es gibt, desto stärker können lokale Strömungseffekte auftreten.
Gesundheitspersonal trägt Schutzanzüge, bevor es eine Person beerdigt, bei der der Verdacht besteht, dass sie in Bunia, Kongo, an Ebola gestorben ist, am 25. Mai 2026. - Foto: Glody Murhabazi/AFP via Getty Images
In Kürze:
Seltene Ebola-Variante (Bundibugyo) treibt Ausbruch in Kongo und Uganda
Oxford und Serum Institute entwickeln experimentellen ChAdOx1-Impfstoff
WHO und Partner setzen kurzfristig vor allem auf Eindämmung statt Impfung
Wissenschaftler arbeiten intensiv daran, Impfstoffe gegen eine seltene Virusvariante zu testen und zu entwickeln. Diese Variante verursacht derzeit einen Ebola-Ausbruch in Afrika.
Forscher der University of Oxford und des Serum Institute of India befinden sich in einem Wettlauf gegen die Zeit. Sie wollen eine experimentelle Impfung verfügbar machen, die nach ihrer Einschätzung gegen das Bundibugyo-Virus wirken könnte. Dieses Virus steht im Zentrum eines wachsenden Ausbruchs im Kongo.
Ein Sprecher des Serum Institute erklärte gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times in einer E-Mail vom 24. Mai, dass das von der University of Oxford bereitgestellte virale Ausgangsmaterial es ermögliche, „unsere Zellbank schnell zu inokulieren“. Dadurch könne in Rekordzeit mit der Produktion von Impfstoffdosen begonnen werden. Das Unternehmen rechne mit einer Produktionszeit von 20 bis 30 Tagen und sei „vollständig bereit zu skalieren“.
Experimenteller Impfstoff und internationale Zusammenarbeit
Der experimentelle Impfstoff ist bislang weltweit nicht zugelassen und basiert auf derselben ChAdOx1-Plattform wie der COVID-19-Impfstoff von AstraZeneca/Oxford.
Die Oxford Vaccine Group teilte mit, dass sie gemeinsam mit ihrer klinischen Biomanufacturing-Einrichtung und dem Serum Institute an einer schnellen Produktion von Impfstoffdosen gegen Bundibugyo arbeitet. Der Impfstoff trägt den Namen ChAdOx1 BDBV. Gleichzeitig arbeite man mit internationalen Partnern daran, „unterstützende präklinische Daten für die klinische Entwicklung und Erprobung des ChAdOx1 BDBV-Impfstoffs in Ausbruchsszenarien zu beschleunigen, während weiterhin etablierte wissenschaftliche, ethische und regulatorische Standards eingehalten werden“.
Bereits im Jahr 2022 hatten Oxford und das Serum Institute Impfstoffdosen gegen einen anderen Ebola-Stamm (Sudan-Ebolavirus) innerhalb von 80 Tagen nach Beginn eines Ausbruchs produziert und ausgeliefert.
Der aktuelle Ausbruch umfasst bestätigte Fälle im Kongo und in Uganda.
Eine Mutter hilft ihren Kindern, sich vor dem Betreten des Kyeshero-Krankenhauses in Goma die Hände zu waschen. Dort gibt es Kontrollen mit Handhygiene und Temperaturmessung als Ebola-Präventionsmaßnahmen. 18. Mai 2026.
Diskussion über Einsatz experimenteller Impfstoffe
Kongolesische Behörden haben laut Jean-Jacques Muyembe, Virus-Experte am National Institute of Biomedical Research, bereits über den Einsatz experimenteller Impfstoffe während des Ausbruchs diskutiert.
Vasee Moorthy, Senior-Berater der Weltgesundheitsorganisation (WHO), erklärte auf einer Pressekonferenz am 20. Mai, dass der Impfstoff eine der zwei besten verfügbaren Optionen gegen das Virus sei, das bislang nur zwei bekannte Ausbrüche verursacht hat. Er fügte hinzu, der experimentelle Impfstoff könne innerhalb von zwei bis drei Monaten für Studien verfügbar sein, betonte jedoch, dass derzeit keine präklinischen Daten vorliegen.
Als derzeit beste verfügbare Option gilt laut Moorthy der Impfstoff Ervebo des Unternehmens Merck, der gegen das Zaire-Virus wirkt – die häufigere Form des Ebola verursachenden Orthoebolavirus. Eine angepasste Version für das Bundibugyo-Virus würde jedoch schätzungsweise sechs bis neun Monate bis zur Testphase benötigen.
Merck selbst hat bislang nicht auf Anfragen reagiert.
Internationale Organisationen und Entwicklungspläne
Die in der Schweiz ansässige Impfstoffallianz Gavi, finanziert unter anderem von Staaten und der Gates Foundation, erklärte am 21. Mai, dass die vorhandenen Daten zu gelagerten Impfstoffen gegen das Zaire-Virus hinsichtlich möglicher Kreuzschutzwirkungen gegen das Bundibugyo-Virus „extrem begrenzt“ seien.
Gavi arbeitet gemeinsam mit der norwegischen Organisation CEPI, die Impfstoffentwicklung finanziert, an der Beschleunigung entsprechender Entwicklungsprogramme, einschließlich des Oxford-Impfstoffs.
CEPI teilte am 20. Mai mit, man konzentriere sich derzeit auf die Bewertung möglicher Behandlungen und Impfstoffe gegen Bundibugyo. Allerdings befinde sich kein Kandidat bislang in klinischen Phase-1-Studien.
Sobald diese Bewertung abgeschlossen sei, sei man bereit, „at-risk“ zu arbeiten – also Entwicklungsprozesse parallel voranzutreiben, selbst wenn ein Produkt möglicherweise nicht erfolgreich ist oder nicht benötigt wird –, um die Entwicklung und Verfügbarkeit präklinischer Impfstoffkandidaten zu beschleunigen.
Angesichts des Mangels an zugelassenen Impfstoffen und Therapien gegen das durch Bundibugyo verursachte Ebola betonte die Gates Foundation in einer aktuellen Stellungnahme, dass die oberste Priorität in der schnellen Erkennung von Fällen und der raschen Unterbrechung der Übertragung liege.
Patrick Muyaya, Sprecher der kongolesischen Regierung, erklärte am 25. Mai, dass das Land Überwachung, Massentests und Aufklärungsmaßnahmen deutlich ausgeweitet habe, um weitere Fälle frühzeitig zu erkennen und einzudämmen.
Zudem sei es zu Verzögerungen bei der Identifizierung des Ausbruchs gekommen, da frühe Tests die durch das Bundibugyo-Virus verursachten Ebola-Fälle nicht korrekt erkennen konnten.
„Wir holen nun einen schnell fortschreitenden Ausbruch ein“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, auf der Plattform X. Er warnte, dass der Ausbruch aufgrund der verzögerten Erkennung sowie des Mangels an zugelassenen Impfstoffen und Behandlungen „wahrscheinlich schlimmer wird, bevor er besser wird“.
Monatelange Isolation kann Konflikte in Gruppen verstärken, zeigt eine Studie aus der Antarktis. - Foto: Jessica Studer/EurekAlert/dpa
Wenn Menschen monatelang unter Extrembedingungen in einer kleinen Gruppe leben, hat das weitreichende Auswirklungen auf die Psyche. Das zeigt eine Studie an der Besatzung einer entlegenen Antarktis-Forschungsstation.
„Bei längerer Isolation stärkt ständige Nähe Beziehungen nicht unbedingt, sondern kann viel mehr Spannungen, Misstrauen und psychische Belastungen verstärken“, berichten Forschende mehrerer Universitäten, darunter Zürich, Bern und Würzburg, in der Fachzeitschrift „PNAS“ („Proceedings of the National Academy of Sciences“).
Dies sollte man bei künftigen Weltraummissionen berücksichtigen.
Das Autorenteam untersuchte zehn Monate lang die zwölfköpfige Besatzung der französisch-italienischen Antarktisstation Concordia, die an einem der entlegensten Orte der Erde auf etwa 3.200 Metern Höhe liegt. Dabei ging es unter anderem um Teamdynamik, soziales Miteinander, Misstrauen und Einsamkeit.
Fazit: „Unter Extrembedingungen nehmen Einsamkeit, Misstrauen und Konflikte zu, während Zusammenhalt und Leistungsfähigkeit sinken“, schreibt die maßgeblich beteiligte Universität Bern.
„Wir haben in der Gruppe deutliche Paranoia gemessen“
Weil ein Zugang im antarktischen Winter von Mitte Februar bis Mitte November nicht möglich ist, lebte und arbeitete die Besatzung in völliger Abgeschiedenheit.
Die zwölf Forscher trugen Sensoren, die erfassten, wann sie sich wie lange mit wem trafen, und sie füllten mehrfach Fragebögen aus.
Einige Teammitglieder hätten nach ein paar Monaten geglaubt, dass andere über sie sprechen oder sie beobachten würden, berichtet der Würzburger Psychiater Sebastian Walther. Diese Personen hätten angenommen, dass die anderen ihr Schaden wollten, sagte Walther der dpa.
Er wertet dies nach gängigen Kriterien als Paranoia, die es auch in leichter Ausprägung gebe: „Wir haben in der Gruppe der Expedition deutliche Paranoia gemessen. Aber das ist natürlich weit entfernt von einem paranoiden Verfolgungswahn wie bei schweren psychischen Erkrankungen.“
Wichtige Erkenntnisse für Langzeit-Weltraummissionen
Und auch mehr physische Nähe wirkte sich nicht automatisch positiv auf die Antarktiscrew aus. „Personen mit vielen Kontakten berichteten häufiger von Konflikten, wachsendem Misstrauen und geringerer Leistungsfähigkeit“, fast die federführend beteiligte Universität Zürich (UZH) ein Resultat zusammen.
Denkbar sei, dass einsame Personen zwar vermehrt Kontakt suchen, dieser ihnen jedoch nicht ausreichend Unterstützung geboten habe.
Das Team sieht in den Ergebnissen wichtige Erkenntnisse für geplante Langzeit-Weltraummissionen, etwas zu Mond und Mars, aber auch für andere extreme Arbeitsumgebungen wie etwa U-Boote und Offshore-Plattformen.
„Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, soziale Dynamiken früh zu erkennen und Teams gezielt zu unterstützen“, kommentierte UZH-Co-Autor Jan Schmutz. (dpa/red)
Der winzige blaue Oktopus ist in etwa so groß wie ein Golfball. - Foto: -/Charles-Darwin-Stiftung/dpa
Forscher haben in der Tiefsee vor den Galápagos-Inseln eine faszinierende Tierart entdeckt: einen winzigen blauen Oktopus. Das Tier, das nur etwa die Größe eines Golfballs hat, wird im Fachjournal „Zootaxa“ als neue Spezies mit dem Namen Microeledone galapagensis beschrieben.
Die Entdeckung geht auf eine Tiefsee-Expedition mit einem Forschungsschiff im Jahr 2015 zurück. Nahe der Isla Darwin im äußersten Nordwestens des Galápagos-Archipels steuerte die Besatzung einen ferngesteuerten Unterwasserroboter (ROV) über den Meeresboden. In einer Tiefe von rund 1.773 Metern filmte die Kamera an einem Unterwasserberg den kleinen Kraken.
Luftaufnahme der Insel Bartolome und des Pinnacle-Felsens auf den Galapagos-Inseln.
Foto: Wirestock/iStock
„Ich hatte so etwas noch nie gesehen“
Videoaufzeichnungen der Mission dokumentieren die Begeisterung der Wissenschaftler: „Er ist winzig“ und „Er ist blau“, hielten sie ihre ersten Eindrücke fest. Während der Expedition wurden zwei weitere Exemplare beobachtet, ein weibliches Individuum wurde für Untersuchungen eingefangen.
Janet Voight, Expertin für Tintenfische am Field Museum in Chicago und Hauptautorin der Studie, erkannte sofort die Besonderheit des Fundes. „Ich hatte so etwas noch nie gesehen“, sagte sie. Die Oktopusse haben kurze, rund drei bis vier Zentimeter lange Ärmchen mit jeweils etwa 30 Saugnäpfen.
Topografische and bathymetrische Karte der Galápagos-Inseln, Ecuador.
Da das Team nur ein Tier der neuen Art gefangen hatte, stand es vor einer wissenschaftlichen Herausforderung. Für eine klassische Artbeschreibung müssen normalerweise typische Merkmale wie Mundwerkzeuge und Organe untersucht und beschrieben werden, was das Aufschneiden des Tieres erfordert hätte. Um das Tier nicht zu töten, nutzten Voight und Stephanie Smith, Leiterin des CT-Labors am Field Museum, hochauflösende Mikro-Computertomographie (CT).
Durch diese Methode wurden tausende Röntgen-Schnittbilder digital zu einem präzisen 3D-Modell zusammengesetzt. So konnten feinste Details der inneren Organe und des Mundes sichtbar gemacht werden, ohne dem Weichtier zu schaden. (dpa/red)
Eine simulierte „Therapiesitzung“ mit dem ersten Chatbot der Welt. ELIZA zeigte seinem Erfinder bereits 1966 wie leicht Menschen Maschinen Eigenschaften und Bedeutungen zuschreiben. - Foto: unbekannt /gemeinfrei
In Kürze:
1966 erschuf der deutsche Informatiker Joseph Weizenbaum mit ELIZA den ersten Chatbot der Welt.
Sein Programm generierte auf Basis bestimmter Schlüsselwörter scheinbar verständnisvolle Antworten.
Der KI-Pionier war schockiert, wie leicht seinem „Spielzeug“ menschliche Eigenschaften zugewiesen wurden und sah darin eine Gefahr für die Menschheit, schlimmer als der Nationalsozialismus, vor dem er in die USA geflohen war.
Damals weitgehend ignoriert, zeigen ChatGPT & Co heute, wovor Weizenbaum schon vor über 60 Jahren warnte:
Das Problem liegt nicht in der Maschine, sondern in unserem Umgang mit ihr und der Verleugnung der menschlichen Natur.
Nutzer: Männer sind alle gleich.
Chatbot: Inwiefern?
Nutzer: Sie bedrängen uns ständig wegen irgendetwas.
Chatbot: Fällt Ihnen dazu ein spezifisches Beispiel ein?
Nutzer: Nun, mein Freund hat mich gedrängt, hierherzukommen.
Chatbot: Ihr Freund hat Sie gedrängt, hierherzukommen?
Nutzer: Er sagt, ich sei die meiste Zeit deprimiert.
Chatbot: Es tut mir leid zu hören, dass Sie deprimiert sind.
Man könnte leicht annehmen, dass dieser Austausch kürzlich zwischen ChatGPT und einem menschlichen Nutzer stattfand. Doch diese Annahme wäre falsch. Tatsächlich ereignete sich dieses „Gespräch“ bereits vor rund 60 Jahren zwischen einem Computerprogramm namens ELIZA und einem Menschen. Dieser Vorläufer von ChatGPT – der im Vergleich zwar nur über bescheidene Fähigkeiten verfügte, aber dennoch in der Lage war, eine flüssige Unterhaltung mit einem menschlichen Gesprächspartner zu simulieren – existierte damit lange vor der Jahrtausendwende. Heute gilt ELIZA als der erste Chatbot weltweit, als Urgroßmutter der heutigen großen Sprachmodelle sozusagen.
Die Ironie der Geschichte von ELIZA ist jedoch, dass sein Programmierer – ganz ähnlich wie Mary Shelleys Dr. Frankenstein – schnell die Gefahr erkannte, die in seiner Schöpfung lauerte. Er verbrachte einen Großteil seiner restlichen Karriere damit, vor künstlicher Intelligenz (KI) zu warnen. Zudem kritisierte er beharrlich das technologische und posthumane Weltbild, das von einigen Pionieren der KI-Wissenschaft verfochten wurde.
Der Name des Programmierers war Joseph Weizenbaum (1923–2008). Er war ein deutscher Wissenschaftler, der in seiner Jugend aus dem nationalsozialistischen Deutschland geflohen war. Er war eine bedeutende Figur in den frühen Tagen der KI-Gemeinschaft – ein Mann, der dennoch zu einem ihrer größten Kritiker werden sollte.
ELIZA – Die Entstehung des Chatbots
Weizenbaum veröffentlichte das obige Transkript im Jahr 1966 in einem Fachartikel, in dem er erklärte, wie DOCTOR ELIZA, eine Variante seines Programms, funktionierte. Im Wesentlichen ahmte ELIZA die Methodik der Gesprächspsychotherapie (GPT) des US-Psychologen Carl Rogers (1902–1987) nach, bei der der Patient das Gespräch leitet.
Der Therapeut streut lediglich Fragen oder einfache Aussagen ein, um den Patienten zu weiteren Überlegungen anzuregen. Dies war ideal für einen primitiven Chatbot, der zwar in der Lage sein musste, ein Gespräch zu simulieren, dem es jedoch an der Raffinesse fehlte, um nennenswerte Mengen an eigenständigem Text zu generieren.
Dafür scannte ELIZA die Benutzereingaben nach bestimmten Schlüsselwörtern wie „ich“, „du“ oder „Mutter“. Solche Wörter lösten eine zugeordnete Regel aus, um einen Satz oder eine Frage als Antwort auszugeben. Oft geschah dies, indem einige Wörter des Nutzers in eine Antwortvorlage eingefügt wurden.
Dies erweckte den Eindruck, der Bot würde tatsächlich auf den Inhalt der Aussage reagieren. Schrieb der Nutzer „Ich bin traurig“, antwortete die Maschine vielleicht: „Wie lange sind Sie schon traurig?“ Die Bedeutung des Wortes „traurig“ war irrelevant. Der Chatbot kopierte das Wort einfach aus der Eingabe. Es funktionierte ebenso gut mit „deprimiert“, „glücklich“, „wütend“ oder jedem anderen Adjektiv. Wenn ELIZA keine Schlüsselwörter fand, generierte es eine Standardantwort wie „Ich verstehe“ oder „Bitte fahren Sie fort“.
Joseph Weizenbaum auf dem Balkon seiner Wohnung in Berlin am 11. Februar 2005. Der emeritierte Professor für Informatik am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA, veröffentlichte 1966 mit ELIZA den ersten Chatbot der Welt.
Die Illusion funktionierte überzeugend. Weizenbaum beschrieb, dass einige Testpersonen „sehr schwer davon zu überzeugen waren“, dass ELIZA nicht menschlich sei, einschließlich seiner eigenen Sekretärin. Als er sie das System testen ließ, bat sie ihn sogar, den Raum zu verlassen, damit sie ihr Gespräch mit dem „Therapeuten“ ungestört fortführen könne.
Weizenbaum sah, dass die Versuchung, ELIZA – und anderen Maschinen – Menschlichkeit oder Persönlichkeit zuzuschreiben, nicht nur seine Sekretärin betraf. Er war auf ein Phänomen gestoßen, das später als „ELIZA-Effekt“ bekannt werden sollte: unsere Tendenz, menschliche Eigenschaften auf leblose Maschinen zu projizieren.
Ein Taschenrechner als Therapeut
Als einige Psychiater verkündeten, ELIZA könne tatsächlich für therapeutische Zwecke nützlich sein, begann er sich ernsthaft Sorgen zu machen. Weizenbaum war entsetzt, dass irgendjemand diesem Spielzeug mit echten psychischen Problemen betrauen könnte. Sein tiefes Wissen über ELIZAs blinde, algorithmische Wirkweise machte ihm klar, dass der Chatbot niemals wie ein echter Therapeut behandelt werden sollte. Es war ein System, so träge und unbewusst wie ein Taschenrechner. Es hatte nichts über das menschliche Leben zu sagen. Er hielt die Idee geradezu für „obszön“.
Die beunruhigende Offenbarung des ELIZA-Effekts begann Weizenbaum zu verunsichern und veranlasste ihn, den Rahmen für die Beziehung zwischen Mensch und Technik zu überdenken. Ein Interview von 1998 verdeutlichte die Tiefe seines Denkens. Er kritisierte die mechanistische Sicht auf das Universum, die seiner Meinung nach dem Versuch zugrunde lag, Menschen durch Maschinen zu ersetzen.
„Diese und andere Autoren propagieren an der Schwelle des Jahrtausends ein äußerst gefährliches Menschenbild“, sagte Weizenbaum gegenüber Bernhard Pörksen von der Uni Tübingen. Weiter erklärte er:
„Es [das Menschnbild] basiert auf der Vorstellung, der Mensch sei eine Maschine, die man im Prinzip und in naher Zukunft verstehen und entschlüsseln könne, um sie dann entsprechend zu korrigieren und zu verbessern. Das zentrale Dogma dieses Menschenbildes ist die Idee, dass jeder Aspekt des Lebens computable sei, dass er sich in berechenbare und formalisierbare Vorgänge auflösen ließe.“
Die Wissenschaft als Weltreligion
In dem Interview kritisierte Weizenbaum die aufkommende Theorie des Transhumanismus. Er argumentierte, sie basiere auf einem grundlegend fehlerhaften Verständnis der menschlichen Natur und der Realität als Ganzes. KI-Enthusiasten träumten von einem „Idealbild“ des Menschen, eine Menschheit 2.0, die einen evolutionären Sprung auf eine höhere Ebene darstellen sollte – und zwar auch dann, wenn das die Menschheit 1.0 überflüssig machen würde.
Weizenbaum befürchtete, dass diese Denker und Wissenschaftler mit einer Art quasi-religiösem Instinkt bereit seien, den Menschen von heute auf dem Altar des Menschen von morgen zu opfern. Er ging sogar so weit, die materialistische Wissenschaft als Weltreligion der Gegenwart zu bezeichnen:
„Für mich ist die Naturwissenschaft lediglich die heute vorherrschende Weltreligion mit Novizen (Studenten), Kirchen und Kathedralen (Universitäten), Priestern und Häretikern; auch die Kardinäle (die Nobelpreisträger) und ganz bestimmte Rituale, um das Ausmaß der eigenen Hingabe und Loyalität zu beweisen, fehlen nicht.“
Indem sie die Menschheit auf das Niveau der Maschine reduzierten und die Maschine zu einem Gott erhoben, befürchtete Weizenbaum, dass KI-Befürworter die Menschen entmenschlichten. Er verglich dies mit der Rhetorik der Nazis im Zweiten Weltkrieg. Er erklärte:
„Worauf ich hinauswill, ist die ungeheure Macht eines inhumanen Menschenbildes, das sich wie ein Virus in einer Gesellschaft auszubreiten vermag. Die wesentliche Gemeinsamkeit zwischen dem Nationalsozialismus und den Ideen eines Hans Moravec [ein KI-Theoretiker] liegt, so meine ich, in der Entwürdigung des Humanen und der Phantasie eines perfekten neuen Menschen, der um jeden Preis geschaffen werden muss.“
Eine Bedrohung für die Menschheit
Weizenbaum sprach aus Erfahrung. Er und seine Familie waren 1935 von Deutschland in die US geflohen, nachdem sie Zeuge der Handlungen der Nationalsozialisten geworden waren. Die Verehrung von Maschinen könnte seiner Ansicht nach indes noch katastrophaler sein als der Nationalsozialismus. Denn ihr Ziel sei nicht eine spezifische Rasse, sondern die gesamte Menschheit. „Am Schluss dieser Perfektionierung“, so Weizenbaum, „ist der Mensch allerdings nicht mehr da; er verschwindet“.
Weizenbaum hätte vermutlich der Ansicht von C.S. Lewis zugestimmt. Der britische Autor (u.a. „Die Chroniken von Narnia“), sagte: „Die menschliche Natur wird der letzte Teil der Natur sein, der sich dem Menschen unterwirft. […] Die Schlacht wird tatsächlich gewonnen sein. Aber wer genau wird sie gewonnen haben? […] Die endgültige Eroberung des Menschen hat sich als die Abschaffung des Menschen erwiesen.“
Für Weizenbaum war ein falsches Menschenbild gefährlicher als jede Waffe, es war oft das Motiv für den Einsatz von Waffen. Es war nicht das Schwert selbst, sondern der Arm, der das Schwert schwingt. Er sah eine akute Gefahr darin, Mensch und Maschine gleichzusetzen. Dies ignoriere die Menschenwürde und den Respekt vor dem Leben und mache menschliche Körper zu bloßen „Fleischmaschinen“. Er sagte:
„Wir können aus der Geschichte dieses Jahrhunderts, vielleicht des brutalsten Jahrhunderts, lernen, welche entscheidende Rolle das Menschenbild in den Verbrechen der Vergangenheit spielte. Und wir müssen uns daran erinnern, dass die grausamsten Verbrechen möglich wurden, weil die Täter das Menschsein der Opfer leugneten.“
Weiter sagte er: „In der NS-Zeit stellte man Juden als Ungeziefer dar – eine Metapher, die den Massenmord legitimierte. Heute gewinnt, unterstützt durch die Autorität der Naturwissenschaften, die Vorstellung an Substanz und Macht, der Mensch sei lediglich eine informationsverarbeitende Maschine, die von einem Roboter ersetzt werden könne. Es ist aus dieser Perspektive nur konsequent, dass Moravec ganz selbstverständlich von einer ‚postbiologischen Gesellschaft‘ spricht, regiert von Robotern.“
Mit zunehmender Leistungsfähigkeit der Maschinen warnte Joseph Weizenbaum, dass die eigentliche Gefahr nicht nur in ihrer Macht liege, sondern darin, wie wir uns im Vergleich zu ihnen sehen. Hier ein (weiblicher) Roboter-Croupier auf der Global Gaming Expo Asia in Macau am 12. Mai 2026.
Foto: Eduardo Leal/AFP via Getty Images
Weizenbaums Gegner gründeten ihre Hoffnung, die menschliche Natur durch künstliche Intelligenz zu überwinden, auf der Annahme, dass Menschheit, menschliches Verhalten und menschliche Erfahrung letztlich vollständig quantifiziert, verstanden und gelöst – und somit reproduziert und verbessert – werden könnten. Weizenbaum hingegen beharrte darauf, dass der Mensch und das Universum, in dem er lebt, niemals vollständig erklärbar oder „hackbar“ sein werden.
„Die Welt ist voller Geheimnisse – und das Credo der KI-Szene, dass alles berechenbar sei, verleugnet das Geheimnis des Lebendigen“, sagte er. „Es erzeugt die Illusion vollständiger Durchschaubarkeit und legt nahe, alle Aspekte unserer Existenz seien enträtselbar. Der Glaube an Wunder und Mysterium erscheint aus dieser Perspektive lediglich als eine besondere Form von Dummheit. Mich verletzt diese Behauptung totaler Berechenbarkeit zutiefst.“
Feste Überzeugungen, konsequente Warnungen
Für viele mag seine Warnung damals als die rückständigen Ängste eines verknöcherten und realitätsfernen Griesgrams geklungen haben. Heute gewinnt sie zunehmend an Relevanz.
In den Jahrzehnten nach ELIZA, insbesondere nachdem Weizenbaum 1976 sein Buch „Computer Power and Human Reason: From Judgment to Calculation“ (deutscher Titel: „Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft“) veröffentlicht hatte, sahen ihn viele als wissenschaftlichen Außenseiter.
„Es [gibt] bestimmte Aufgaben […], zu deren Lösung keine Computer eingesetzt werden sollten, ungeachtet der Frage, ob sie zu deren Lösung eingesetzt werden können“, schrieb er in seinem Buch.
Weizenbaum wandte sich nicht erst in seinem Buch entschieden gegen die Ideen von John McCarthy und Marvin Minsky. Die beiden waren die Organisatoren des sogenannten Dartmouth-Workshops von 1956, der die Geburtsstunde der KI-Forschung markiert. Sowohl McCarthy als auch Minsky zählen zu den Pionieren der KI-Forschung, finanziert in ihren Anfängen vom US-Militär. McCarthy bezeichnete Weizenbaums Buch als „moralisierend und zusammenhangslos“, und er und seine Kollegen setzten ihre Arbeit fort.
Nun stehen wir da, mit Chatbots deren Raffinesse die von ELIZA bei Weitem übertrifft. Dadurch wird es noch einfacher, in die Falle zu tappen, diese Maschinen als gleichwertige Personen zu betrachten. Wir haben erlebt, wie Menschen behaupteten, Chatbots seien empfindungsfähig, wir haben beobachtet, wie sie sich in Chatbots verliebten, und wir haben sogar miterlebt, wie sie von Chatbots zum Selbstmord überredet wurden.
Solche Entwicklungen würden den deutschen Wissenschaftler vermutlich betrüben. Weizenbaums Tochter Miriam sagte dem Smithsonian Magazine, ihr Vater „würde die Tragik erkennen, dass sich Menschen buchstäblich zu Nullen und Einsen hingezogen fühlen, sich buchstäblich an Code klammern.“
Weizenbaum trat 1988 in den Ruhestand ein und kehrte 1996 nach Deutschland zurück, wo er ein offeneres Ohr für seine Ansichten fand. Er starb 2008.
Weizenbaum war ein in sich gekehrter, melancholischer und selbstkritischer Mann, doch von fester Überzeugung und mystischer Intuition geprägt. Er erkannte das Wunder und Geheimnis der Welt mit einer Gewissheit, die jeden mathematischen Beweis übertrifft. Es gibt mehr als Nullen und Einsen, etwas jenseits von Zahnrädern, Rädern und Atomen. Es gibt etwas in uns und unseren Erfahrungen. Und dieses etwas wird sich für immer der Vorhersage, der Automatisierung und der Berechnung entziehen.
Weizenbaum war für diese Erfahrungen sensibel.
Er sagte Pörksen: „Ich denke nicht, dass es irgendwo oben im Himmel einen alten Mann gibt, der, in Bettwäsche gehüllt, das Geschehen in der Welt beobachtet, umgeben von blonden Frauen mit Flügeln, die um ihn herumfliegen. Aber es hat doch in meinem Leben die Erfahrung des Wunders gegeben. Da ist die Erfahrung der Trauer und der Erschütterung, da ist die plötzliche Freude am Morgen, da ist die Erfahrung der Liebe zwischen Menschen. Nun, ein Wunder ist eben ein Wunder; man kann es nicht beschreiben, man müsste ein Künstler sein, um sich ihm anzunähern.“
In seinem Buch beschrieb Weizenbaum einen Moment dieser menschlichen Liebe und Verbundenheit:
„Als meine Kinder noch klein waren, stand ich zuweilen zusammen mit meiner Frau über das Bett gebeugt, in dem sie schliefen. Wir sprachen miteinander, ohne zu reden; es war die Wiederholung einer Szene, so alt wie die Menschheit selbst.“
In diesem Moment geschah etwas, das über Sprache hinausgeht, geschweige denn über Algorithmen, argumentierte Weizenbaum.
„Meine Auffassung ist in der Tat, dass es etwas Unsagbares gibt, eine lebendige Wahrheit, die sich nicht in Worte fassen lässt“, konkretisierte Weizenbaum im Interview.
Für Weizenbaum besitzt die menschliche Verbindung – Gespräch, Empathie, gemeinsame Erfahrung – eine Tiefe, die kein Algorithmus nachbilden konnte.
Foto: AndreyPopov/iStock
Diese mystische Neigung machte Weizenbaum für die einen zum Helden und für andere zur Zielscheibe des Spotts. Doch man muss seine spirituellen Intuitionen nicht teilen, um seinen gesunden Menschenverstand und seine Bedenken zu würdigen. Trotz all ihrer technischen Zauberei ist KI moralisch träge. Es fehlt ihnen das Gewissen, das wir alle in unseren Herzen erfahren. Aus diesem Grund sollten sie nicht in Positionen gebracht werden, in denen sie moralische Urteile fällen.
Oder mit Weizenbaums eigenen Worten:
„Was als elementarste Einsicht hervorgeht, ist, dass wir, da wir derzeit keine Möglichkeiten haben, Computer weise zu machen, Computern derzeit keine Aufgaben übertragen sollten, die Weisheit erfordern.“
Dies ist eine Herausforderung, über die wir in unserer Zeit gut daran täten, nachzudenken.
In Deutschland gibt es rund 120 Ameisenarten, darunter auch die Rote Waldameise. - Foto: Carine Carnier/iStock
In Kürze:
Alte Annahme: Bislang galt Ameisensäure als alleiniger Bestandteil von Ameisengift.
Neue Erkenntnis: Forscher aus Halle/Saale und Berlin haben jüngst herausgefunden, dass das Toxin auch gesundheitswirksame Eiweiße enthält.
Künftiger Nutzen: Diese Entdeckung könnte dazu beitragen, wirksame Mittel gegen Krankheitserreger wie Pilze zu entwickeln.
Das Gift von Schuppenameisen, zu denen auch die Waldameisen gehören, galt bislang als vergleichsweise einfach zusammengesetzt: Ameisensäure wurde seit ihrer Entdeckung im 17. Jahrhundert als zentraler und nahezu alleiniger Inhaltsstoff dieser Ameisengifte betrachtet.
„Wir sind in unserem Projekt einer jahrzehntealten und weitgehend unbeachteten Publikation nachgegangen, in der erwähnt wurde, dass diese Gifte vielleicht auch eiweißartige Stoffe [Peptide] enthalten“, sagte Timo Niedermeyer, Professor für Pharmazeutische Biologie der Freien Universität Berlin. Er ergänzte:
„Wir haben nun zwei völlig neue Peptid-Familien in den Giften von Schuppenameisen nachgewiesen. Diese sind einzigartig in diesen Ameisen, kommen dort aber weit verbreitet vor. Ihr Gift ist wesentlich komplexer als bisher angenommen.“
Ameisengift schützt Brut vor Pilzerkrankungen
Die im Gift identifizierten Peptide leisten offenbar einen Beitrag zur Nesthygiene. So schmieren die Ameisen ihre Brut mit ihrem Gift ein – die Peptide bleiben nach dem Verdunsten der Ameisensäure auf den Puppen zurück und wirken dort Infektionen entgegen.
„Einige der Peptide zeigen eine ausgeprägte Wirkung gegen Pilze. Das ist interessant vor dem Hintergrund einer Bedrohung sozialer Gemeinschaften durch Umweltmikroben und Krankheitserreger sowie zunehmender Resistenzen dieser Mikroben gegen antimikrobielle Wirkstoffe“, betonte Dr. Simon Tragust, beteiligter Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. „Mit über 3.700 Arten eröffnet die Unterfamilie Formicinae (Schuppenameisen) ein enormes Potenzial für die Entdeckung weiterer bioaktiver Substanzen.“
Die Forschungsergebnisse untermauern, dass das Gift von Schuppenameisen vielfältige Funktionen erfüllt. Die Ameisen verwenden es nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zur Desinfektion, zur Steuerung ihrer Darmflora und zur Kommunikation mit Artgenossen.
Für ihre Arbeit kombinierten die Forscher Methoden aus Biologie, Chemie und Pharmazie. Mithilfe modernster Technik wurden Protein- und RNA-Daten zusammengeführt, um die im Gift enthaltenen Peptide und ihre Gensequenzen zu identifizieren. Ergänzend kamen chemische Analysen, synthetische Verfahren, biophysikalische Experimente und Genomanalysen zum Einsatz.
Durch die interdisziplinäre Herangehensweise und die Untersuchung der Giftsekrete mehrerer Ameisenkolonien verschiedener Ameisenarten zählt die Arbeit zu den bisher umfassendsten vergleichenden Analysen von Ameisengiften.
Die Studie erschien am 13. Mai 2026 im Fachmagazin „Science Advances“.
Die extremsten Szenarien bei den Klimaprognosen sind nun nicht mehr relevant. - Foto: piyaset/iStock
In Kürze:
Das extreme RCP-8.5-Klimamodell ist inzwischen als unrealistisch eingestuft worden.
Es prognostiziert eine Erwärmung von bis zu 4,8 Grad Celsius bis zum Jahr 2100.
Viele Organisationen und Regierungen haben es als Basis für ihre Arbeiten im Bereich Klima verwendet.
An dieser Stelle wird ein Video von Youtube angezeigt. Bitte akzeptieren Sie mit einem Klick auf den folgenden Button die Marketing-Cookies, um das Video anzusehen.
Bereits seit Jahrzehnten liefert die Wissenschaft verschiedene Prognosen, die die künftige Entwicklung des Erdklimas, speziell der Durchschnittstemperatur, vorausberechnen. Das extremste Szenario – das RCP-8.5-Modell – gilt inzwischen als unrealistisch.
Dieses Modell prognostiziert eine Erwärmung der Erde um 2,6 bis 4,8 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts. Wie sich nun herausstellt, basierte diese Berechnung auf übertriebenen Annahmen.
Die neue Einstufung des RCP-8.5-Modells kommt vom Ausschuss ScenarioMIP, der auch den Weltklimarat mit Daten beliefert. Dieser Ausschuss stellte kürzlich eine neue Ausarbeitung mit einem Szenariomodell vor, das das Extremszenario RCP 8.5 ebenso wie das hoch angesetzte Szenario SSP5-8.5 nicht aufführt.
In der Ausarbeitung heißt es zudem: „Außerdem wurden im Laufe der Zeit Zweifel an der Plausibilität der extremsten Szenarien laut.“ Dazu zählen die Modelle SSP5-8.5 und sein Vorläufer RCP 8.5 sowie SSP1-1.9. Erstere sind die Szenarien mit der höchsten Erwärmung, letzteres jenes mit der niedrigsten.
Im Detail beschreibt RCP 8.5 ein Hochemissionsszenario, bei dem verstärkt fossile Energieträger zum Einsatz kommen und kaum Klimaschutzmaßnahmen existieren. Zudem enthält es eine schnell wachsende Weltwirtschaft mit entsprechend hohen Emissionen. Bis zum Jahr 2100 würde der CO₂-Anteil in der Atmosphäre demnach auf mehr als 1.200 ppm (Teile pro Million) ansteigen. Aktuell liegt er bei rund 430 ppm.
Verschiedene Prognosen der Erdtemperaturentwicklung bis zum Jahr 2300. Bis 2100 erwartet das RCP-8.5-Modell eine Erwärmung um bis zu 4,8 Grad Celsius.
RCP bedeutet auf Deutsch „repräsentativer Konzentrationspfad“. Das sind von Forschern erstellte Szenarien, die die zukünftigen Emissionspfade modellieren, also wie viel der Mensch an Treibhausgasen künftig ausstößt. Von diesen Emissionsszenarien leiten sie anschließend die mittlere Temperatur der Erdatmosphäre bis zum Jahr 2100 ab.
Viele Organisationen sowie Regierungen vieler Länder bezeichneten das Hochemissionsszenario als „business as usual“. Das bedeutet, dass sie es als realistischen Maßstab verwendeten und ihre Arbeit danach ausrichteten.
Sie betrachteten es damit als die wahrscheinlichste Klimaprognose der kommenden Jahrzehnte. So entstand ein regelrechter Klimaalarmismus in der Gesellschaft mit dem Ziel, konzertierte Anstrengungen zur Senkung der Treibhausgasemissionen voranzutreiben.
Inzwischen ist jedoch zu beobachten, dass viele Länder verstärkte Investitionen in die grüne Energiewende tätigen. Windkraft- und Solaranlagen oder andere emissionsärmere Kraftwerksarten und Technologien etablieren sich immer mehr in der Gesellschaft.
Die neuen Erkenntnisse hätten zur Folge, dass viele wissenschaftliche Arbeiten, die mit dem RCP-8.5-Modell arbeiteten, aktualisiert werden müssten. Wie viele wissenschaftliche Arbeiten davon betroffen sind, ist nicht genau zu beziffern.
Laut dem Wissenschaftsportal „Issues“ ergab eine Google-Scholar-Suche, dass es allein im Zeitraum von Anfang 2020 bis Mitte Juni 2021 mehr als 8.500 Artikel gab, die „unrealistische Basisszenarien“ verwenden. Fast 7.200 davon basierten auf dem RCP-8.5-Modell.
Pythagoras gilt als „Vater der Mathematik“, aber auch als „Vater der Musik“. - Foto: Gemeinfrei
In Kürze:
Dass es eine Verbindung zwischenMusik und Mathematik gibt, ist heute weithin anerkannt – nicht jedoch ein Zusammenhang mit der kosmischen Ordnung.
Die Theorie einer „Musica universalis“ ist bereits 2.500 Jahre alt und wurde erstmals von großen Gelehrten wie Pythagoras aufgestellt.
Jüngste Entdeckungen der NASA scheinen diese Idee zu bestätigen, was gegen die derzeit anerkannte Theorie vom Zufall spricht.
In dem Film „Die rote Violine“ wandert ein von einem italienischen Geigenbauer gefertigtes Instrument im Laufe der Jahrhunderte durch verschiedene Hände und gelangt schließlich während der Kulturrevolution nach China. Dort wird dieses Objekt von Schönheit und spiritueller Bedeutung beinahe wegen der dort herrschenden politischen Ideologie zerstört.
„Lasst uns die entartete westliche Kunst bekämpfen!“, sagt ein Sprecher der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) im Film, woraufhin ein Musiklehrer gezwungen wird, eines seiner Instrumente auf den Scheiterhaufen zu werfen. Eine Kultur, die keine göttliche Ordnung anerkennt, hat keinen Platz für Schönheit.
Umgekehrt haben sich große Künstler stets für mehr als nur Erschaffer von Schönem gehalten. Im Falle der großen klassischen Komponisten strahlt ihr Werk ein Gefühl göttlicher Proportionen aus.
Die Unterschriften von Johann Sebastian Bach (1685–1750) trugen etwa zusätzlich Zahlen, und er nutzte mathematische Prinzipien, um in seinen Werken Symmetrie zu schaffen. Die Musik von Mozart (1756–1791) wird mit dem Goldenen Schnitt in Verbindung gebracht. Die Zahl Drei spielt in mehreren Werken von Beethoven (1770–1827), die sich mit dem Thema Schicksal befassen, eine besondere Rolle.
Stellen Sie sich einen bärtigen Mystiker vor, der immer zuerst seinen rechten Schuh anzog, vom Verzehr von Bohnen abriet und behauptete, in einem früheren Leben ein Krieger Trojas gewesen zu sein.
Diese seltsame Gestalt mit dem Namen Pythagoras von Samos (circa 570–510 v. Chr.) gründete im alten Griechenland eine Denkschule. Noch heute ist er jedem Schüler durch den Satz des Pythagoras aus der Geometrie bekannt. Seine Anhänger bezeichneten ihn als „Vater der Mathematik“, aber auch als „Vater der Musik“ und schrieben ihm grundlegende Entdeckungen in beiden Bereichen zu.
1 / 3
Diese Büste aus Bronze, gefunden in Herculaneum bei Pompeji, könnte den berühmten Mathematiker Pythagoras von Samos (circa 570–510 v. Chr.) darstellen.
Leider ist keine seiner Originalschriften bis heute erhalten geblieben. Der Philosoph Porphyrios (circa 233–301/305 n. Chr.) berichtete über 800 Jahre später, dass „es Pythagoras war, der entdeckte, dass auch musikalische Intervalle zwangsläufig durch Zahlen entstehen“. Außerdem habe er erklärt, welche Faktoren für Harmonie und Disharmonie verantwortlich seien.
Der Legende nach entdeckte er diese harmonischen Verhältnisse, als er hörte, wie Hämmer auf Eisen schlugen. Der Arbeit eines Schmiedes lauschend, bemerkte Pythagoras, dass verschiedene Hämmer je nach ihrem Gewicht unterschiedliche Töne erzeugten.
Die vollkommene Zahl
Ähnlich wie Isaac Newtons Apfel verdeutlicht Pythagoras’ Schmied auf tiefere Weise, wie Inspiration funktioniert – auch wenn die Geschichte selbst vielleicht nicht wahr ist. Von der Harmonie in der Schmiede inspiriert, testete Pythagoras seine Idee mit Saiten.
Einer weiteren Erzählung zufolge schuf er Saiten in verschiedenen Längen, die proportional zu den unterschiedlichen Gewichten der Hämmer waren. Auf diese Weise angeschlagen, erzeugten die Saiten die gleichen musikalischen Intervalle: Ein Verhältnis von zwei zu eins ergab eine Oktave, ein Verhältnis von drei zu zwei eine reine Quinte und ein Verhältnis von vier zu drei eine reine Quarte.
Die Zahlen, die in diese Verhältnisse eingehen – eins, zwei, drei und vier – sind jeweils symbolisch. Für die Pythagoreer war die Eins der Punkt, die Quelle und Einheit aller Dinge. Aus der Zwei entstand die Linie und das Reich der Dualität. Die Drei löste die Dualität in Harmonie auf und bildete die Fläche. Die Vier schließlich stand für den im Raum ausgebreiteten festen Körper.
Eins plus zwei plus drei plus vier ergibt zehn, die vollkommene Zahl und den Abschluss der Zahlenreihe. Um diese Zahl herum bildeten die Pythagoreer eine dreieckige Figur, die sogenannte Tetraktys, die sie als das numerische Symbol des Universums verehrten.
Schema einer Tetraktys (griechisch für „Vierheit“).
Foto: PeterHermesFurian/iStock
Musica Universalis
Es war Pythagoras, der als Erster die „Musica universalis“ (deutsch: Sphärenmusik) konzipierte. Diese Idee besagt, dass dieselben Verhältnisse, die die Musik bestimmen, auch die Bewegung der Himmelskörper beeinflussen.
Im Gegensatz zu dem Philosophen Demokrit (460/459–370 v. Chr.), der sich den Kosmos gefüllt mit Atomen und Leere vorstellte, glaubte Pythagoras, dass die numerische Wahrheit auf eine ewige Struktur des Universums hinweise. Die Sphärenharmonie sollte fortan die westliche Musiktheorie für mehr als 2.000 Jahre prägen.
Die Vorstellung der pythagoreischen „Sphärenharmonie“ dargestellt von dem englischen Astrologen Ebenezer Sibly (1751–1799).
Im 17. Jahrhundert schrieb Johannes Kepler das Buch „Harmonices mundi“ (deutsch: „Die Harmonie der Welt“), in dem er die These aufstellte, dass die Planeten bei ihrer Bewegung um die Sonne unterschiedliche Töne von sich geben. Er stellte sich vor, dass sie ähnlich wie ein Chor funktionierten, und stellte daher ihre „Stimmen“ in Tonleitern grafisch dar.
Merkur sang demnach einen hohen Sopran und deckte mehr als eine Oktave ab. Venus und Erde waren Altstimmen, deren Tonlage sich jedoch kaum veränderte. Mars war ein Tenor, während Jupiter und Saturn den Bass sangen, wobei Saturn das tiefste Register hatte. Auch wenn uns das heute lächerlich erscheinen mag, führten Keplers Studien ihn direkt zur Entdeckung der Gesetze der Planetenbewegung.
Wie die alten Griechen betrachten wir Zahlen auch heute noch als unverzichtbar für das Verständnis des Universums. In den Augen vieler moderner Wissenschaftler gilt der Kosmos jedoch nicht mehr als unveränderlich und ewig oder als Konstrukt göttlicher Proportionen.
Heute herrscht die Theorie vom Zufall vor – quasi eine neu verpackte Version von Demokrits Ideen über Atome und Leere. Da das Universum zufällig ist, ist es frei von innerem Wert. „Das Universum ist nicht verpflichtet, für dich Sinn zu ergeben“, sagte der US-amerikanische Astrophysiker Neil deGrasse Tyson.
Aber ist das wahr? Ein Universum ohne Sinn mag zwar ein idealer Ort für Gleichungen sein, für den Menschen jedoch ein entmutigender. Ist es da verwunderlich, dass die Selbstmordraten in den vergangenen Jahrzehnten im direkten Verhältnis zum zunehmenden Glauben an den existenziellen Nihilismus gestiegen sind?
Wie sich herausstellt, hält die starre materialistische Sichtweise des Universums einer genauen Prüfung nicht stand. Viele neuere wissenschaftliche Entdeckungen scheinen auf eine spirituelle Dimension hinzudeuten.
Nehmen wir noch einmal die veraltete Vorstellung von der Sphärenmusik. Oberflächlich betrachtet scheint die Tatsache, dass der Weltraum ein Vakuum ist, dieser alten Theorie zu widersprechen.
Interessanterweise verstand Pythagoras die Sphärenmusik jedoch als unhörbar, als etwas, das in einem Bereich jenseits der menschlichen Sinne existiert. Wie Kepler schrieb, ist der Chor der Planeten „vom Verstand wahrzunehmen, nicht vom Ohr“.
Titelblatt von „Harmonices Mundi“ von Johannes Kepler.
Tatsächlich haben Instrumente an Raumfahrzeugen von Himmelskörpern ausgestrahlte Radiowellen aufgefangen. Diese wurden später in hörbare Klänge umgewandelt. Große Sterne erzeugten tiefe, niederfrequente Schwingungen (ähnlich einer Tuba), während kleine Sterne Töne mit kürzeren Wellenlängen (ähnlich einer Flöte) erzeugten. Diese Daten ähneln Keplers Planetentönen, bestehen jedoch aus Instrumenten statt Gesangsstimmen.
Im Jahr 2001 sammelte die NASA-Raumsonde „Cassini“ Radiowellen in der Nähe des Jupiters. Anstatt eines singenden Basses, wie Kepler vermutete, deuten viele Menschen den Klang als „Windspiele am Meer“.
Musik des Kosmos ist kein Zufall
In seinem Buch „Light of the Mind, Light of the World“ schreibt der Gelehrte Spencer A. Klavan: „Die von der Wissenschaft beschriebene Welt ähnelt zunehmend der Welt, die der Glaube offenbart.“
Die alten Modelle des Universums sollten „Darstellungen einer höheren und reineren Realität sein, deren Wesen nur indirekt erkannt werden konnte […] [wie] sinnliche Schimmer einer unsichtbaren Wahrheit“.
Die unsichtbare – und unhörbare – Wahrheit ist, dass die ergreifende Musik des Kosmos kein Zufall ist, sondern auf etwas Größeres hinweist. Wenn Sie einen alltäglichen und monotonen Job haben, denken Sie einfach an den bescheidenen Schmied, der einst Pythagoras inspirierte. Wenn Ihnen das einen Sinn gibt, könnte es Ihnen vielleicht das Leben retten.