Auch die für den Export wichtige iranische Ölverladeinsel Charg im Golf von Persien ist von der US-Blockade betroffen. - Foto: Planet Labs PBC/Planet Labs PBC/AP/dpa
In Kürze:
USA wollen mit Sanktionen und einer Seeblockade den Druck auf Teheran erhöhen.
Zum Umgang mit China hält sich die US-Regierung bislang zurück, droht aber mit wirtschaftlichen Konsequenzen für Länder, die Iran unterstützen.
China bleibt der mit Abstand wichtigste Abnehmer iranischen Öls: Etwa 90 Prozent der iranischen Ölexporte gehen nach China.
Die US-Regierung plant, den wirtschaftlichen Druck auf den Iran weiter zu erhöhen. Gleichzeitig müssen chinesische Raffinerien, die einen Großteil des iranischen Öls abnehmen, mit deutlich geringeren Liefermengen und den bestehenden US-Sanktionen umgehen.
Gespräche über China nur unter vier Augen
Finanzminister Scott Bessent erklärte in einem CNBC-Interview am 20. August, dass Washington am 24. August die „härtesten Sanktionen der Geschichte“ gegen den Iran verkünden werde. Er sagte, die wirtschaftlichen Maßnahmen würden zusammen mit der US-Seeblockade den Druck auf Teheran erhöhen.
Seine Äußerung folgte auf die Warnung von US-Präsident Donald Trump vom Vortag, dass Länder, die dem Iran „jegliche Art von Lebensader“ bereitstellten, mit wirtschaftlichen Konsequenzen rechnen müssten.
Auf die Frage, ob Washington wegen des anhaltenden Handels mit dem Iran Maßnahmen gegen China verhängen könnte, gab Bessent keine Auskunft über konkrete Pläne der Regierung. Er sagte, Gespräche, die China beträfen, sollten besser unter vier Augen geführt werden. Peking forderte er unter Verweis auf Chinas Abhängigkeit von Energielieferungen aus dem Persischen Golf zur Zusammenarbeit auf. China ist der größte Abnehmer iranischen Öls.
In einer Mitteilung vom 28. April erklärte das Amt für die Kontrolle ausländischer Vermögenswerte (OFAC) des US-Finanzministeriums, China kaufe etwa 90 Prozent der iranischen Ölexporte. Den größten Teil dieser Käufe tätigten dabei unabhängige chinesische Raffinerien.
Die unabhängigen Raffinerien, von denen sich viele in der Provinz Shandong befinden, sind in der Regel kleiner als Chinas staatliche Raffineriekonzerne und werden gemeinhin als „Teekannen“-Raffinerien bezeichnet.
Iranische Öllieferungen nach China gehen zurück
Die Öllieferungen aus dem Iran nach China waren bereits zurückgegangen, seit die USA Ende Februar militärische Operationen gegen das iranische Regime gestartet hatten.
Das Tanker-Tracking-Unternehmen Kpler schätzte Chinas Einfuhren von iranischem Öl im Juni auf etwa 785.000 Barrel pro Tag und im Juli auf rund 823.000 Barrel pro Tag. Die vorläufige Schätzung für August lag bislang bei etwa 534.000 Barrel täglich. 2025 waren es laut Kpler-Daten im Durchschnitt etwa 1,4 Millionen Barrel pro Tag.
Der Rückgang erfolgte vor dem Hintergrund der kriegsbedingten Störungen. Zudem nahmen die USA ihre Seeblockade gegen Schiffe wieder auf, die iranische Häfen und Küstengebiete anliefen oder von dort ausfuhren. Chinas Allgemeine Zollverwaltung hat seit 2022 keine Rohölimporte mehr aus dem Iran gemeldet.
Erica Downs, leitende Wissenschaftlerin am Center on Global Energy Policy der Columbia University, erklärte in einem Blogbeitrag vom Januar, dass iranisches Rohöl umetikettiert wurde, um seine Herkunft zu verschleiern. Vielfach wurde es als malaysisches Rohöl erfasst, ein Teil möglicherweise auch als Öl aus anderen Ländern.
Sie wies darauf hin, dass China 2025 den Import von etwa 1,3 Millionen Barrel malaysischem Rohöl pro Tag meldete. Das entsprach jedoch mehr als dem Doppelten der von Malaysia gemeldeten Ölproduktion.
Chinesische Raffinerien im Visier
Das bevorstehende Sanktionspaket folgt auf eine Reihe von Maßnahmen der USA gegen chinesische Unternehmen, die am iranischen Ölhandel beteiligt sind.
Am 24. April stufte das OFAC die Hengli Petrochemical (Dalian) Refinery Co. Ltd., eine in China ansässige unabhängige Raffinerie, als einen der größten Abnehmer des Iran für Rohöl und andere Erdölprodukte ein. Vier weitere chinesische unabhängige Raffinerien waren zuvor bereits benannt worden.
In ihrer Mitteilung vom 28. April erklärte das OFAC, die erwähnten chinesischen Raffinerien hätten seit März 2025 gemeinsam iranisches Öl im Wert von mehreren Milliarden Dollar gekauft und raffiniert.
Das Finanzministerium hat zudem Unternehmen ins Visier genommen, die mit iranischem Öl handeln, nachdem dieses in China angekommen ist. Im Oktober 2025 hat das OFAC eine chinesische Raffinerie, einen Betreiber eines Rohölterminals und einen Schiffsagenten aus Qingdao wegen ihrer mutmaßlichen Rolle beim Empfang oder Entladen von iranischem Öl auf die Sanktionsliste gesetzt.
In einer Mitteilung vom 28. April wurden Banken zudem darauf hingewiesen, Transaktionen mit unabhängigen chinesischen Raffinerien, insbesondere solchen in der Provinz Shandong, genau zu prüfen. Das OFAC erklärte, dass ausländische Finanzinstitute, die bestimmte Transaktionen ermöglichen, mit Sanktionen der USA rechnen müssten.
Abrechnung in Yuan und Schattennetzwerke
Chinas Rolle im iranischen Ölhandel erstreckt sich auch darauf, wie Teheran die Erlöse erhält und weiterleitet. Das OFAC teilte am 1. Mai mit, dass der Iran seine Ölverkäufe hauptsächlich in chinesischen Yuan abrechnet. Nach Angaben des Finanzministeriums helfen iranische Wechselstuben dann dabei, einen Teil dieser Erlöse für sanktionierte iranische Einrichtungen in andere Währungen umzutauschen.
Bei derselben Maßnahme benannte das OFAC drei iranische Wechselstuben und damit verbundene Scheinfirmen, die ausländische Geschäftsbankkonten nutzten, um Transaktionen für sanktionierte Banken, Erdölexporteure sowie Militär- und Sicherheitsbehörden durchzuführen. Das Finanzministerium erklärte, diese Vereinbarungen seien Teil eines umfassenderen Schattenbankensystems, das der Iran zur Abwicklung von Erlösen aus Öl- und Petrochemieverkäufen im Ausland nutze.
Auch bei iranischen Öllieferungen kommen Methoden zum Einsatz, die darauf abzielen, die Herkunft und den Transportweg der Ladungen zu verschleiern. In der Mitteilung vom April nennt das US-Finanzministerium Schiff-zu-Schiff-Umladungen, gefälschte Frachtpapiere, Zwischenhändler und die Manipulation von Schiffsidentitäten.
Das chinesische Außenministerium kritisierte die Druckkampagne Washingtons. Auf die angedrohten Maßnahmen gegen Handelspartner des Iran und mögliche Auswirkungen auf China erklärte Sprecher Lin Jian, Sanktionen und Druck würden den Konflikt nicht lösen. Er forderte stattdessen eine politische und diplomatische Lösung.
In der nächsten Woche beginnt ein Manöver mit dem Codenamen „Operation Atlantic City“, das Teil der NATO-Operation „Arctic Sentry“ ist. - Foto: Manuel Ernst/Alfred-Wegener-Institut, Helmhol/dpa
In Kürze:
Erste Truppen sind bereits vor Ort und sollen bis 2028 einsatzbereit sein.
Es ist die erste Brigade Norwegens seit dem Ende des Kalten Krieges.
Das Land hat seine Verteidigungsausgaben von 1,41 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 3,17 Prozent angehoben.
Ein Manöver mit den USA und Großbritannien beginnt am 26. August.
Norwegen hat seine Arktis-Brigade um drei neue Untereinheiten erweitert. Damit setzt Oslo den Ausbau seiner Verteidigungspräsenz zur Unterstützung der NATO fort. Die norwegischen Streitkräfte teilten in einer Erklärung vom 20. August mit, dass sie die Finnmark-Brigade um ein Artilleriebataillon, eine Flugabwehrbatterie und eine kombinierte Kompanie erweitert hätten.
Dem Gegner Verluste zufügen
Die ersten Truppen und ein Teil der Ausrüstung seien bereits vor Ort, so die Streitkräfte. Sie fügten hinzu, dass die Armee bei der Aufstellung des Artilleriebataillons dem Zeitplan voraus sei und davon ausgegangen werde, dass die wichtigsten Elemente 2028 einsatzbereit sein würden.
„Russlands illegaler Angriffskrieg gegen die Ukraine und die sich verschlechternde Sicherheitslage unterstreichen die Notwendigkeit, die Finnmark-Brigade so schnell wie möglich aufzubauen“, erklärten die norwegischen Streitkräfte.
Die neuen Untereinheiten sollen „unter anderem die Fähigkeit stärken, zu führen, sich selbst zu schützen und einem Gegner Verluste zuzufügen“.
Moskau hat zuvor zurückgewiesen, eine Bedrohung für die NATO darzustellen, und angekündigt, im Falle eines Angriffs durch europäische Streitkräfte mit defensiven Maßnahmen zu reagieren.
Die im vergangenen Jahr gegründete Finnmark-Brigade hat ihren Hauptsitz in Porsangmoen im norwegischen Teil der Arktis. Sie ist die zweite Brigade des Landes und die erste, die seit dem Ende des Kalten Krieges aufgestellt wurde.
Porsangmoen liegt etwa 110 Meilen (ca. 177 km) von der norwegischen Grenze zur Russischen Föderation entfernt, in der Nähe einer Region, in der Russland bedeutende militärische Einrichtungen unterhält, unter anderem für seine Nordflotte.
Eine der Hauptaufgaben der Finnmark-Brigade besteht darin, die 123 Meilen (ca. 198 km) lange Grenze zwischen Norwegen und Russland zu patrouillieren und zu überwachen.
Es wird erwartet, dass die Finnmark-Brigade bis 2033 vollständig aufgestellt sein wird. Sie soll dann 4.000 Soldaten umfassen, darunter sowohl Berufssoldaten als auch Reservisten.
Europäische NATO-Mitglieder erhöhen ihre Ausgaben
Verteidigungsminister Tore O. Sandvik erklärte, Norwegen baue seine Verteidigungsfähigkeiten aus und stärke durch den Aufbau der Finnmark-Brigade seine Abschreckungsfähigkeit im Norden.
Dies sei ein Meilenstein und verdeutliche, „wie der Verteidigungssektor nun erhöhte Budgets in Verteidigungsfähigkeiten umsetzt“, erläuterte Sandvik. „Das ist wichtig für die Sicherheit des Landes in turbulenten Zeiten.“
Wie andere nordische Länder hat auch Norwegen sein Militärbudget erhöht – sowohl als Reaktion auf die Forderung von US-Präsident Donald Trump, Europa solle mehr zu seiner eigenen Verteidigung beitragen, als auch auf den Krieg zwischen der Ukraine und Russland.
Oslos Verteidigungsausgaben stiegen laut den neuesten NATO-Zahlen von 1,41 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2022 auf 3,17 Prozent des BIP im Jahr 2026.
Dänemark erhöhte seine Ausgaben im gleichen Zeitraum ebenfalls von 1,37 Prozent des BIP auf 3,49 Prozent.
Übung in der Arktis
Die norwegischen Streitkräfte gaben am 21. August bekannt, dass sie vom 26. August bis 4. September mit britischen und amerikanischen Streitkräften auf der Insel Jan Mayen ein Manöver absolvieren werden.
Das Manöver mit dem Codenamen „Operation Atlantic City“ ist Teil der NATO-Operation „Arctic Sentry“. Die Verbündeten wollen dabei durch Übungen ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit unter den schwierigen Bedingungen in der Arktis verbessern.
„Durch den gemeinsamen Einsatz mit unseren Verbündeten zeigen wir, dass wir sowohl die Fähigkeit als auch den Willen haben, das norwegische Hoheitsgebiet zu verteidigen“, sagte Vizeadmiral Rune Andersen, Chef des operativen Hauptquartiers der norwegischen Streitkräfte. „Dazu gehören die arktischen Inseln, das Hochland und die Hoheitsgewässer.“
„Arctic Sentry“ wurde im Februar ins Leben gerufen und konzentriert sich auf die kollektive Verteidigung der Arktis und des Hohen Nordens. Die NATO erklärt, dass die Arktis für das Bündnis wichtig sei. Sie stelle als Tor zum Nordatlantik eine lebenswichtige Route für Handel, Kommunikation und Transport zwischen Europa und Nordamerika dar.
Chinas Interesse an Arktis wächst
Das Bündnis erkennt die Region zudem als einen Raum zunehmender strategischer Konkurrenz mit Russland an, das laut NATO seine militärischen Aktivitäten in diesem Gebiet verstärkt hat.
„Auch Chinas Interesse an der Arktis wächst, weil Peking Zugang zu Energie, kritischen Mineralien und maritimen Kommunikationswegen anstrebt“, erklärte die NATO in einem Informationsblatt zur Sicherheit in der Arktis. „Darüber hinaus hat die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Russland und China strategische und operative Auswirkungen auf die Abschreckungs- und Verteidigungsposition der NATO in der Region.“
„Vor diesem Hintergrund richtet die NATO ihr Augenmerk verstärkt auf den Hohen Norden und sorgt dafür, dass die Bündnispartner in der Arktis vor allen Bedrohungen geschützt werden und die Seewege für Kommunikation und Verstärkung offen bleiben.“
In der nächsten Woche beginnt ein Manöver mit dem Codenamen „Operation Atlantic City“, das Teil der NATO-Operation „Arctic Sentry“ ist. - Foto: Manuel Ernst/Alfred-Wegener-Institut, Helmhol/dpa
In Kürze:
Erste Truppen sind bereits vor Ort und sollen bis 2028 einsatzbereit sein.
Es ist die erste Brigade Norwegens seit dem Ende des Kalten Krieges.
Das Land hat seine Verteidigungsausgaben von 1,41 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 3,17 Prozent angehoben.
Ein Manöver mit den USA und Großbritannien beginnt am 26. August.
Norwegen hat seine Arktis-Brigade um drei neue Untereinheiten erweitert. Damit setzt Oslo den Ausbau seiner Verteidigungspräsenz zur Unterstützung der NATO fort. Die norwegischen Streitkräfte teilten in einer Erklärung vom 20. August mit, dass sie die Finnmark-Brigade um ein Artilleriebataillon, eine Flugabwehrbatterie und eine kombinierte Kompanie erweitert hätten.
Dem Gegner Verluste zufügen
Die ersten Truppen und ein Teil der Ausrüstung seien bereits vor Ort, so die Streitkräfte. Sie fügten hinzu, dass die Armee bei der Aufstellung des Artilleriebataillons dem Zeitplan voraus sei und davon ausgegangen werde, dass die wichtigsten Elemente 2028 einsatzbereit sein würden.
„Russlands illegaler Angriffskrieg gegen die Ukraine und die sich verschlechternde Sicherheitslage unterstreichen die Notwendigkeit, die Finnmark-Brigade so schnell wie möglich aufzubauen“, erklärten die norwegischen Streitkräfte.
Die neuen Untereinheiten sollen „unter anderem die Fähigkeit stärken, zu führen, sich selbst zu schützen und einem Gegner Verluste zuzufügen“.
Moskau hat zuvor zurückgewiesen, eine Bedrohung für die NATO darzustellen, und angekündigt, im Falle eines Angriffs durch europäische Streitkräfte mit defensiven Maßnahmen zu reagieren.
Die im vergangenen Jahr gegründete Finnmark-Brigade hat ihren Hauptsitz in Porsangmoen im norwegischen Teil der Arktis. Sie ist die zweite Brigade des Landes und die erste, die seit dem Ende des Kalten Krieges aufgestellt wurde.
Porsangmoen liegt etwa 110 Meilen (ca. 177 km) von der norwegischen Grenze zur Russischen Föderation entfernt, in der Nähe einer Region, in der Russland bedeutende militärische Einrichtungen unterhält, unter anderem für seine Nordflotte.
Eine der Hauptaufgaben der Finnmark-Brigade besteht darin, die 123 Meilen (ca. 198 km) lange Grenze zwischen Norwegen und Russland zu patrouillieren und zu überwachen.
Es wird erwartet, dass die Finnmark-Brigade bis 2033 vollständig aufgestellt sein wird. Sie soll dann 4.000 Soldaten umfassen, darunter sowohl Berufssoldaten als auch Reservisten.
Europäische NATO-Mitglieder erhöhen ihre Ausgaben
Verteidigungsminister Tore O. Sandvik erklärte, Norwegen baue seine Verteidigungsfähigkeiten aus und stärke durch den Aufbau der Finnmark-Brigade seine Abschreckungsfähigkeit im Norden.
Dies sei ein Meilenstein und verdeutliche, „wie der Verteidigungssektor nun erhöhte Budgets in Verteidigungsfähigkeiten umsetzt“, erläuterte Sandvik. „Das ist wichtig für die Sicherheit des Landes in turbulenten Zeiten.“
Wie andere nordische Länder hat auch Norwegen sein Militärbudget erhöht – sowohl als Reaktion auf die Forderung von US-Präsident Donald Trump, Europa solle mehr zu seiner eigenen Verteidigung beitragen, als auch auf den Krieg zwischen der Ukraine und Russland.
Oslos Verteidigungsausgaben stiegen laut den neuesten NATO-Zahlen von 1,41 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2022 auf 3,17 Prozent des BIP im Jahr 2026.
Dänemark erhöhte seine Ausgaben im gleichen Zeitraum ebenfalls von 1,37 Prozent des BIP auf 3,49 Prozent.
Übung in der Arktis
Die norwegischen Streitkräfte gaben am 21. August bekannt, dass sie vom 26. August bis 4. September mit britischen und amerikanischen Streitkräften auf der Insel Jan Mayen ein Manöver absolvieren werden.
Das Manöver mit dem Codenamen „Operation Atlantic City“ ist Teil der NATO-Operation „Arctic Sentry“. Die Verbündeten wollen dabei durch Übungen ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit unter den schwierigen Bedingungen in der Arktis verbessern.
„Durch den gemeinsamen Einsatz mit unseren Verbündeten zeigen wir, dass wir sowohl die Fähigkeit als auch den Willen haben, das norwegische Hoheitsgebiet zu verteidigen“, sagte Vizeadmiral Rune Andersen, Chef des operativen Hauptquartiers der norwegischen Streitkräfte. „Dazu gehören die arktischen Inseln, das Hochland und die Hoheitsgewässer.“
„Arctic Sentry“ wurde im Februar ins Leben gerufen und konzentriert sich auf die kollektive Verteidigung der Arktis und des Hohen Nordens. Die NATO erklärt, dass die Arktis für das Bündnis wichtig sei. Sie stelle als Tor zum Nordatlantik eine lebenswichtige Route für Handel, Kommunikation und Transport zwischen Europa und Nordamerika dar.
Chinas Interesse an Arktis wächst
Das Bündnis erkennt die Region zudem als einen Raum zunehmender strategischer Konkurrenz mit Russland an, das laut NATO seine militärischen Aktivitäten in diesem Gebiet verstärkt hat.
„Auch Chinas Interesse an der Arktis wächst, weil Peking Zugang zu Energie, kritischen Mineralien und maritimen Kommunikationswegen anstrebt“, erklärte die NATO in einem Informationsblatt zur Sicherheit in der Arktis. „Darüber hinaus hat die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Russland und China strategische und operative Auswirkungen auf die Abschreckungs- und Verteidigungsposition der NATO in der Region.“
„Vor diesem Hintergrund richtet die NATO ihr Augenmerk verstärkt auf den Hohen Norden und sorgt dafür, dass die Bündnispartner in der Arktis vor allen Bedrohungen geschützt werden und die Seewege für Kommunikation und Verstärkung offen bleiben.“
In der nächsten Woche beginnt ein Manöver mit dem Codenamen „Operation Atlantic City“, das Teil der NATO-Operation „Arctic Sentry“ ist. - Foto: Manuel Ernst/Alfred-Wegener-Institut, Helmhol/dpa
In Kürze:
Erste Truppen sind bereits vor Ort und sollen bis 2028 einsatzbereit sein.
Es ist die erste Brigade Norwegens seit dem Ende des Kalten Krieges.
Das Land hat seine Verteidigungsausgaben von 1,41 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 3,17 Prozent angehoben.
Ein Manöver mit den USA und Großbritannien beginnt am 26. August.
Norwegen hat seine Arktis-Brigade um drei neue Untereinheiten erweitert. Damit setzt Oslo den Ausbau seiner Verteidigungspräsenz zur Unterstützung der NATO fort. Die norwegischen Streitkräfte teilten in einer Erklärung vom 20. August mit, dass sie die Finnmark-Brigade um ein Artilleriebataillon, eine Flugabwehrbatterie und eine kombinierte Kompanie erweitert hätten.
Dem Gegner Verluste zufügen
Die ersten Truppen und ein Teil der Ausrüstung seien bereits vor Ort, so die Streitkräfte. Sie fügten hinzu, dass die Armee bei der Aufstellung des Artilleriebataillons dem Zeitplan voraus sei und davon ausgegangen werde, dass die wichtigsten Elemente 2028 einsatzbereit sein würden.
„Russlands illegaler Angriffskrieg gegen die Ukraine und die sich verschlechternde Sicherheitslage unterstreichen die Notwendigkeit, die Finnmark-Brigade so schnell wie möglich aufzubauen“, erklärten die norwegischen Streitkräfte.
Die neuen Untereinheiten sollen „unter anderem die Fähigkeit stärken, zu führen, sich selbst zu schützen und einem Gegner Verluste zuzufügen“.
Moskau hat zuvor zurückgewiesen, eine Bedrohung für die NATO darzustellen, und angekündigt, im Falle eines Angriffs durch europäische Streitkräfte mit defensiven Maßnahmen zu reagieren.
Die im vergangenen Jahr gegründete Finnmark-Brigade hat ihren Hauptsitz in Porsangmoen im norwegischen Teil der Arktis. Sie ist die zweite Brigade des Landes und die erste, die seit dem Ende des Kalten Krieges aufgestellt wurde.
Porsangmoen liegt etwa 110 Meilen (ca. 177 km) von der norwegischen Grenze zur Russischen Föderation entfernt, in der Nähe einer Region, in der Russland bedeutende militärische Einrichtungen unterhält, unter anderem für seine Nordflotte.
Eine der Hauptaufgaben der Finnmark-Brigade besteht darin, die 123 Meilen (ca. 198 km) lange Grenze zwischen Norwegen und Russland zu patrouillieren und zu überwachen.
Es wird erwartet, dass die Finnmark-Brigade bis 2033 vollständig aufgestellt sein wird. Sie soll dann 4.000 Soldaten umfassen, darunter sowohl Berufssoldaten als auch Reservisten.
Europäische NATO-Mitglieder erhöhen ihre Ausgaben
Verteidigungsminister Tore O. Sandvik erklärte, Norwegen baue seine Verteidigungsfähigkeiten aus und stärke durch den Aufbau der Finnmark-Brigade seine Abschreckungsfähigkeit im Norden.
Dies sei ein Meilenstein und verdeutliche, „wie der Verteidigungssektor nun erhöhte Budgets in Verteidigungsfähigkeiten umsetzt“, erläuterte Sandvik. „Das ist wichtig für die Sicherheit des Landes in turbulenten Zeiten.“
Wie andere nordische Länder hat auch Norwegen sein Militärbudget erhöht – sowohl als Reaktion auf die Forderung von US-Präsident Donald Trump, Europa solle mehr zu seiner eigenen Verteidigung beitragen, als auch auf den Krieg zwischen der Ukraine und Russland.
Oslos Verteidigungsausgaben stiegen laut den neuesten NATO-Zahlen von 1,41 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2022 auf 3,17 Prozent des BIP im Jahr 2026.
Dänemark erhöhte seine Ausgaben im gleichen Zeitraum ebenfalls von 1,37 Prozent des BIP auf 3,49 Prozent.
Übung in der Arktis
Die norwegischen Streitkräfte gaben am 21. August bekannt, dass sie vom 26. August bis 4. September mit britischen und amerikanischen Streitkräften auf der Insel Jan Mayen ein Manöver absolvieren werden.
Das Manöver mit dem Codenamen „Operation Atlantic City“ ist Teil der NATO-Operation „Arctic Sentry“. Die Verbündeten wollen dabei durch Übungen ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit unter den schwierigen Bedingungen in der Arktis verbessern.
„Durch den gemeinsamen Einsatz mit unseren Verbündeten zeigen wir, dass wir sowohl die Fähigkeit als auch den Willen haben, das norwegische Hoheitsgebiet zu verteidigen“, sagte Vizeadmiral Rune Andersen, Chef des operativen Hauptquartiers der norwegischen Streitkräfte. „Dazu gehören die arktischen Inseln, das Hochland und die Hoheitsgewässer.“
„Arctic Sentry“ wurde im Februar ins Leben gerufen und konzentriert sich auf die kollektive Verteidigung der Arktis und des Hohen Nordens. Die NATO erklärt, dass die Arktis für das Bündnis wichtig sei. Sie stelle als Tor zum Nordatlantik eine lebenswichtige Route für Handel, Kommunikation und Transport zwischen Europa und Nordamerika dar.
Chinas Interesse an Arktis wächst
Das Bündnis erkennt die Region zudem als einen Raum zunehmender strategischer Konkurrenz mit Russland an, das laut NATO seine militärischen Aktivitäten in diesem Gebiet verstärkt hat.
„Auch Chinas Interesse an der Arktis wächst, weil Peking Zugang zu Energie, kritischen Mineralien und maritimen Kommunikationswegen anstrebt“, erklärte die NATO in einem Informationsblatt zur Sicherheit in der Arktis. „Darüber hinaus hat die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Russland und China strategische und operative Auswirkungen auf die Abschreckungs- und Verteidigungsposition der NATO in der Region.“
„Vor diesem Hintergrund richtet die NATO ihr Augenmerk verstärkt auf den Hohen Norden und sorgt dafür, dass die Bündnispartner in der Arktis vor allen Bedrohungen geschützt werden und die Seewege für Kommunikation und Verstärkung offen bleiben.“
Ukrainische und deutsche Soldaten bei der Ausbildung am Flugabwehrraketensystem „Patriot“ (Symbolbild). - Foto: Jens Büttner/dpa
Mehr als 80 ukrainische Soldaten, die in Deutschland für den Krieg in der Ukraine ausgebildet werden, sind seit 2022 allein in Sachsen-Anhalt von ihrem Übungsgelände geflohen. Deutschlandweit sollen es mehrere Hundert Fälle sein, zeigen aktuelle Recherchen der Wochenzeitung „Die Zeit“ am Donnerstag.
Die Männer gelten nach ukrainischem Recht als Deserteure. Ihnen drohen zu Hause bis zu zwölf Jahre Haft. Viele Deserteure haben sich in der Ukraine nicht freiwillig zur Armee gemeldet, sie wurden zwangsrekrutiert.
Als sie zur Ausbildung auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow in Sachsen-Anhalt entsandt wurden, nutzten sie die Gelegenheit zur Flucht.
Bisher rund 29.000 ukrainische Soldaten in Deutschland ausgebildet
Anders als Ukrainer, die nach Deutschland fliehen, fallen ukrainische Soldaten in Deutschland nicht unter Paragraf 24 des deutschen Aufenthaltsgesetzes. Das sieht Schutz vor, wenn jemand aus der „Ukraine vertrieben“ wurde. Das aber gilt nicht für Soldaten, die von ihrer Regierung nach Deutschland entsandt wurden.
Seit dem Beginn des Ukrainekrieges im Februar 2022 haben rund 29.000 ukrainische Soldaten eine mehrwöchige Ausbildung in Deutschland durchlaufen. Anfangs kamen hochmotivierte, erfahrene Soldaten an, die auf den unterschiedlichen Übungsplätzen in Deutschland den Umgang mit Haubitzen und Panzern lernten.
Da die Ukraine kaum noch Freiwillige für den Kampf gegen Russland findet, werden zunehmend Männer eingezogen, die unerfahren sind und nicht kämpfen wollen. (dts/red)
Trumps Kurs gegen den Iran nimmt neue Formen an. - Foto: Anna Moneymaker/Getty Images
In Kürze
Trump droht mit maximalen wirtschaftlichen Maßnahmen gegen Iran.
Unterstützer Irans sollen mit schweren wirtschaftlichen Konsequenzen rechnen.
USA wollen Isolation und Blockade in der Straße von Hormus verstärken.
Die USA verschärfen ihren Kurs gegenüber dem Iran drastisch. US-Präsident Donald Trump kündigte am Mittwoch einen umfassenden „Wirtschaftskrieg“ gegen die Islamische Republik an und drohte zugleich mit einer beispiellosen wirtschaftlichen Isolation des Landes.
„Niemand hat der Islamischen Republik Iran eine größere Gelegenheit gegeben, eine Einigung zu erzielen, als ich. TRAGISCHERWEISE haben sie es versäumt, sie zu nutzen“, schrieb Trump in einem Beitrag auf Truth Social. „Daher kündige ich heute die HÄRTESTE WIRTSCHAFTLICHE OPERATION AN, DIE JEMALS GEGEN EIN LAND DURCHGEFÜHRT WURDE!“
Trump machte zugleich deutlich, dass es aus seiner Sicht nicht bei einzelnen Sanktionen bleiben soll. „Dies bedeutet Wirtschaftskrieg und Isolation in einem beispiellosen Ausmaß“, schrieb er.
Trump richtete seine Warnung dabei nicht nur an den Iran selbst. Auch ausländische Staaten sollen ins Visier der USA geraten, wenn ihre Finanzinstitute, Unternehmen, Flughäfen oder staatlichen Einrichtungen Teheran wirtschaftlich unterstützen oder dem Land auf andere Weise „irgendeine Art von Lebensader“ zur Verfügung stellen.
Für solche Unterstützung stellte Trump massive wirtschaftliche Konsequenzen in Aussicht. Als mögliche Ziele nannte er unter anderem „Ölschmuggel, Swap-Linien, Bargeldtransfers, Wechselstuben, Schiffsregister [und] Tarnfirmen“.
Ein Mann passiert am 24. Juli 2026 ein Wandbild von Ajatollah Ali Chamenei in Teheran. Iran meldete Drohnenangriffe auf US-Militärziele in Bahrain und Jordanien.
Foto: AFP via Getty Images
Trump: „Dies wird ein wirtschaftlicher D-Day sein“
Trump nannte dabei keine konkreten Länder, die von den angedrohten Maßnahmen betroffen sein könnten. Stattdessen richtete er eine deutliche Warnung an mögliche Unterstützer des Iran: Ihr „wisst, wer ihr seid“.
„Dies wird ein WIRTSCHAFTLICHER D-DAY sein, und wir brauchen alle unsere Verbündeten an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika, um die Bedrohung durch den Iran zu isolieren und zu besiegen. Diese Wahnsinnigen sind am Ende, und diese HISTORISCHEN MASSNAHMEN werden sie und ihre Fähigkeit, weltweit Terror zu verbreiten, lähmen“, so Trump.
Zugleich wiederholte der Präsident seine Einschätzung, dass die militärischen und wirtschaftlichen Fähigkeiten des Iran bereits weitgehend geschwächt seien. „Ihre Marine ist verschwunden, ihre Luftwaffe ist zerstört, ihre Militärfabriken liegen in Trümmern, ihre Währung ist wertlos, und ihr Land hängt an einem seidenen Faden“, schrieb Trump.
Trump bekräftigte zugleich, dass der Iran aus seiner Sicht niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelangen dürfe. Die umfangreichen US-Militäroperationen in der Region hätten in den vergangenen Monaten nach seinen Angaben vor allem das Ziel verfolgt, das Atomprogramm des Terrorismus unterstützenden Regimes zu beenden.
Der nun angekündigte Kurs kommt zu einem Zeitpunkt, an dem diplomatische Bemühungen zwischen den Konfliktparteien wiederholt gescheitert sind. Beide Seiten werfen sich dabei Verstöße gegen bestehende Vereinbarungen und Verträge vor.
Die US-Regierung hatte einen verschärften wirtschaftlichen Kurs gegenüber Teheran bereits seit Längerem angekündigt. Finanzminister Scott Bessent sagte am Donnerstag in der Sendung „Rob Schmitt Tonight“ von „Newsmax“, Trump habe das US-Finanzministerium angewiesen, „maximalen Druck auf das iranische Regime auszuüben“.
Bessent kündigt wirtschaftliche Isolation und Blockade an
Bessent kündigte dabei eine Kombination aus wirtschaftlichem Druck und einer verschärften Blockade an. „Es wird eine Kombination aus wirtschaftlicher Isolation sein, wie die Welt sie noch nie zuvor gesehen hat, und der fortgesetzten Blockade in der Straße von Hormus, die verhindern wird, dass irgendetwas in die iranischen Häfen hinein- oder aus ihnen herausgelangt“, sagte er.
Der Kurswechsel der US-Regierung folgt auf die Ankündigung der Vereinigten Arabischen Emirate, den Handel mit dem Iran einzustellen. Zuvor hatten iranische Truppen nach Angaben der Regierung zwei Raketen auf das Land abgefeuert.
Soldaten der Bundeswehr trainieren am 5. Juni 2026 bei einer Übung des Panzergrenadierbataillons 92 auf dem Truppenübungsplatz Munster. Der Standort ist einer von zehn Austragungsorten des Tags der Bundeswehr. - Foto: FOCKE STRANGMANN/AFP via Getty Images
Das Verteidigungsministerium plant für das zweite Halbjahr 2026 rund 100 weitere große Rüstungsprojekte. Dabei handelt es sich jeweils um Vorhaben mit einem Volumen von mehr als 25 Millionen Euro. Die Projekte müssten jeweils ab September vom Bundestag gebilligt werden.
Die „Welt am Sonntag“ berichtet unter Berufung auf interne Unterlagen, in 2025 habe es im gesamten Jahr 100 solcher Vorhaben gegeben. Für 2026 könnten es knapp 150 werden, für 2027 bis zu 170. Für das laufende Jahr ist die Mehrheit der knapp 150 geplanten Großprojekte demnach noch nicht dem Parlament zugeleitet worden.
Die Vorhaben betreffen alle Teilstreitkräfte und Bereiche der Bundeswehr. Ein Schwerpunkt liegt auf der Beschaffung von Munition. Geplant sind unter anderem weitere Projekte und Verbesserungen für Eurofighter, F-35, Patriot, Iris-T, den Schützenpanzer Boxer, die Bewaffnung der Drohne Heron TP sowie Ausrüstung für Marine, Weltraumaufklärung und militärische Infrastruktur.
Auch neue Geschäfte mit den USA sind vorgesehen. Die genauen Inhalte und Zahlen können sich nach den Planungen noch ändern. Das Ministerium äußert sich nach eigenen Angaben vor der parlamentarischen Befassung nicht zu geplanten Beschaffungsvorhaben.
Deutscher Kampfjet. (Archivbild)
Foto: Christoph Reichwein/dpa
Rüstungsausgaben nehmen weiter zu
Bis zur Sommerpause waren zuletzt 44 Großprojekte mit einem Gesamtvolumen von knapp 19 Milliarden Euro umgesetzt. Bis Anfang August erteilte das Verteidigungsministerium nach Angaben in der „Welt am Sonntag“ insgesamt knapp 6.400 Aufträge, kleinere Vorhaben eingerechnet. (dts/red)
Bundeswehr-Kaserne (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Das Bundesverteidigungsministerium hat die Nutzungsabsicht für fünf Liegenschaften konkretisiert, die für den neuen Wehrdienst genutzt werden sollen.
Das Ministerium teilte am Montag mit, dass für diese Liegenschaften konkrete vorbereitende Schritte eingeleitet wurden. Die betroffenen Liegenschaften sind die ehemalige Kurpfalz-Kaserne in Speyer, die ehemalige Unteroffizier-Krüger-Kaserne in Kusel, die ehemalige Graf-Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen, die ehemalige Kanaal-van-Wessem-Kaserne in Soest und die ehemaligen Ray Barracks inklusive des ehemaligen US-Übungsplatzes Ockstadt in Friedberg.
Gespräche mit Stakeholdern
In Speyer, Kusel und Sigmaringen fanden bereits Gespräche mit den beteiligten Stakeholdern statt, um die zukünftige Nutzung der Liegenschaften zu diskutieren. Die Ergebnisse dieser Gespräche sollen in Absichtserklärungen festgehalten werden. Für die Liegenschaften in Soest und Friedberg stehen diese Gespräche noch aus. Ein Treffen für die ehemalige Kanaal-van-Wessem-Kaserne in Soest ist bereits für September geplant.
Um die geplanten Ausbildungskapazitäten umsetzen zu können, müssen die erforderlichen Schritte zur Wiedernutzung der Liegenschaften durch die Bundeswehr zeitnah ergriffen werden. Dazu gehört insbesondere das Landbeschaffungsverfahren, das kurzfristig eingeleitet werden soll. Die Liegenschaften sollen wieder in die militärische Nutzung und in den Besitz des Bundesministeriums der Verteidigung übergehen. (dts/red)
Aleksandar Vucic empfing überraschend den ukrainischen Präsidenten (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Serbiens Präsident Aleksandar Vucic sieht Europa am Beginn eines größeren Krieges. Das sagte er nach dem Empfang von Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj in dem Podcast „MD Meets“ von Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner.
Mit dem Empfang des ukrainischen Präsidenten hatte Vucic die internationale Gemeinschaft überrascht und im traditionell pro-russisch eingestellten Serbien, aber auch in Russland heftige Kritik ausgelöst. Russische Propagandisten warfen dem Serben vor, die Partnerschaft mit Russland zu verraten und der Ukraine in Form von Wirtschaftsabkommen bei der Kriegsführung gegen Russland zu helfen.
Vucic sagte: „Ich glaube, dass wir am Anfang eines größeren Krieges stehen. Und deshalb hatte ich gehofft, dass inzwischen jemand anderes etwas getan hätte, um Frieden zu schaffen.“ Das sei nicht geschehen und werde auch nicht bald geschehen, was bedeute, dass man am Rande eines viel, viel größeren Krieges stehe.
Keine Kompromissbereitschaft
Vucics Prognose für den Krieg zwischen Russland und der Ukraine fällt nach dem Besuch Selenskyjs pessimistisch aus. Er sehe kein Ende des Krieges in diesem Jahr und auch kein Ende vor dem kommenden Frühjahr. Er erklärte: „Ich sage Ihnen, warum: Weil ich glaube, dass eine Seite stärker und – auf die eine oder andere Weise – siegreich sein muss, damit der Krieg endet.“ Angesichts der heutigen Pattsituation sehe er keine Möglichkeit für Kompromisslösungen.
Als Grund für die Pattsituation nannte Vucic die fehlende Bereitschaft zu Kompromissen. Wenn man die heutige Situation analysiere, glaube er, dass niemand Frieden sehen wolle. Jeder wolle die Niederlage der anderen Seite sehen.
Hybrider Krieg gegen Russland
Von Döpfner auf die Angriffe Russlands in europäischen Ländern angesprochen, nahm Vucic die Perspektive Moskaus ein. Der „hybride Krieg“ Russlands gegen Deutschland und andere europäische Länder sei „im Grunde dasselbe, was Europa gegen Russland getan hat“. Vucic fragte: „Sie haben die Ukraine aufgerüstet und Russland mit Sanktionen belegt. Gleichzeitig haben Sie die Ukraine finanziell unterstützt – was ist das, wenn nicht ein hybrider Krieg gegen Russland?“
Dennoch stimmte Vucic zu, dass es nicht die Ukraine war, die den Krieg gegen Russland begonnen habe und deshalb Täter und Opfer nicht verwechselt werden dürften. (dts/red)
Der türkische Präsident Erdogan (l), Saudi-Arabiens Kronprinz Salman (M) und der pakistanische Premier Sharif unterzeichneten den Pakt in Mekka. - Foto: -/Saudi Press Agency/AP/dpa
Geht es nach der türkischen Regierung, sollte das gerade erst ins Leben gerufene Verteidigungsbündnis mit Pakistan und Saudi-Arabien um zusätzliche Länder erweitert werden.
Das sei der ausdrückliche Wunsch von Präsident Recep Tayyip Erdogan, sagte Außenminister Hakan Fidan der staatlichen Nachrichtenagentur „Anadolu“. „Unter der Vision unseres Präsidenten sollten wir uns nicht auf drei Länder beschränken. Wir sollten wachsen und, falls nötig, alle Länder unter diesen Schirm holen.“
Mehrere Staaten hätten bereits Interesse signalisiert. „Ich glaube, dass Ägypten in der nächsten Phase ebenfalls zu unserem Bündnis gehören wird. Wir verhalten uns bereits so, als wären wir Bündnispartner“, sagte Fidan.
Ägypten sei ein „natürlichen Partner in allen Fragen“. Es gebe noch „einige technische Fragen. Sobald diese geklärt sind, gibt es keinen Grund mehr, warum Ägypten nicht Teil des Bündnisses sein sollte.“
Außenminister Hakan Fidan sieht den „Mekka-Verteidigungspakt“ als historischen Meilenstein. (Archivbild)
Foto: Michael Kappeler/dpa
Gegründet am 8. August
Die Atommacht Pakistan, das Königreich Saudi-Arabien und die zur NATO gehörende Türkei hatten das Verteidigungsbündnis zur gegenseitigen Unterstützung am 8. August gegründet – in einer Zeit, in der die Spannungen am Golf stark zunehmen.
Der „Mekka-Verteidigungspakt“ wurde in der gleichnamigen saudi-arabischen Stadt von den Staats- und Regierungschefs der Länder unterzeichnet und soll gemeinsamen Sicherheitsinteressen dienen.
Laut den Bündnispartnern wird fortan jeder bewaffnete Angriff auf einen von ihnen als Attacke auf alle drei Staaten gewertet. Weitere Details über die Inhalte des Paktes oder die konkrete Ausgestaltung der gegenseitigen Hilfe im Angriffsfall wurden nicht bekannt.
Nach Angaben des pakistanischen Außenministeriums solle der Pakt die „kollektive Abschreckung“ stärken.
Die Türkei habe gute Beziehungen mit fast allen Ländern in der Region, betonte Fidan. Aber ohne institutionellen Rahmen könne sich das jederzeit wieder ändern. Das „historische“ Abkommen sei ein Meilenstein auf dem Weg zu dauerhafter Stabilität in einer Region, die nach dem Ende des Osmanischen Reiches im Jahr 1922 von Instabilität geprägt gewesen sei.
Die Türkei und ihre Nachbarn müssten selbst institutionelle Mechanismen schaffen, um Sicherheit, wirtschaftliche Stabilität, Entwicklung und Wohlstand zu garantieren.
„Externe Großmächte, die in die Region kommen, lösen die Probleme nicht. Sie machen sie nur noch schlimmer, und die Kosten werden sehr hoch.“
Fidan zog einen Vergleich zur Beistandsklausel in Artikel 5 des Nordatlantikpakts, mit dem sich die NATO-Staaten ebenfalls gegenseitige Unterstützung im Angriffsfall zusichern und so potenzielle Feinde abschrecken.
Jedes der drei Länder des „Mekka-Verteidigungspakts“ könne, je nach Bedrohungslage, verschiedene Arten von Unterstützung anfordern – von Geheimdiensthilfe, Logistik und Munition bis hin zu Militäreinheiten. Auch bei der Kommandostruktur werde es Ähnlichkeiten zur NATO geben, sagte Fidan.
Dem Bündnis gehe es nicht zuletzt darum, dass die Streitkräfte der Mitgliedstaaten effektiv zusammenarbeiten können, auch wenn sie unterschiedlich organisiert sind. Gemeinsames Training von Soldaten, Übungsmanöver und vor allem Rüstungskooperation würden ebenfalls dazugehören, erläuterte der Minister.
Fidan sagte, das Abkommen richte sich nicht gegen ein bestimmtes Land. „Es gibt keine gemeinsame Bedrohung, die wir schriftlich festgehalten haben“, sagte er laut Berichten Anadolus. Er bezeichnete das Abkommen als „den wichtigsten Schritt zur Herstellung dauerhafter Stabilität in dieser Region“. (afp/dpa/red)
Neue UFO-Akten mit Berichten über ungewöhnliche Flugobjekte.
Mehrere Zeugen beschreiben riesige schwarze Dreiecke mit Lichtern.
Ein historischer Bericht aus Brasilien erwähnt einen angeblich toten Besatzungsangehörigen.
Die US-Regierung hat eine weitere Sammlung bislang unveröffentlichter UFO-Akten freigegeben. Darunter befindet sich ein Bericht aus Brasilien über einen abgestürzten Metallballon, in dessen Wrack angeblich ein toter Insasse gefunden wurde. Zudem schildert ein ehemaliger Militärangehöriger die Sichtung eines gewaltigen, lautlos fliegenden Dreiecks über einen US-Militärstützpunkt in Afghanistan.
Die fünfte Veröffentlichung umfasst insgesamt 41 neue Akten und Videos, die das amerikanische Kriegsministerium am Freitag, dem 7. August, vorlegte. Die Aufnahmen zeigen unter anderem ein mysteriöses Objekt über einem Wohngebiet, eine leuchtende Kugel, die mit hoher Geschwindigkeit an einem Militärschiff vorbeifliegt, sowie eine schwarze Kugel, die über den Pazifischen Ozean schwebt.
Angekündigt wurde die neue Sammlung von Sean Parnell, dem Sprecher des Pentagons. „Das Kriegsministerium und unsere Partnerbehörden arbeiten aktiv an der nächsten Veröffentlichung von UAP-Akten“, erklärte Parnell. UAP steht für „Unidentified Anomalous Phenomena“, also nicht identifizierte anomale Phänomene.
Die Veröffentlichung ist Teil einer größeren Freigabe von UFO-Unterlagen. Bereits am 8. Mai hatte das Pentagon eine erste Sammlung mit 161 Akten auf seiner Website veröffentlicht. Vorausgegangen war eine Anfang dieses Jahres von US-Präsident Donald Trump angeordnete Freigabe entsprechender Dokumente, durch die Hunderte Akte und Videos veröffentlicht werden sollen.
Abgestürzter Metallballon und rätselhafte „Geisterraketen“
Zu den am Freitag veröffentlichten Dokumenten gehört ein Telegramm vom 14. November 1963, das von einer US-Botschaft an den Außenminister in Washington, D.C., geschickt wurde. Darin wird von einem „großen bemannten Metallballon“ berichtet, der nach einem Absturz in Brasilien gefunden worden sein soll. An Bord habe sich angeblich ein „totes Besatzungsmitglied“ befunden, das eine Uniform oder einen Raumanzug mit ungewöhnlichen Markierungen trug. Beim Aufprall soll zudem ein rund vier Meter tiefer Krater entstanden sein.
Nur wenige Tage später folgte jedoch eine andere Einschätzung: In einem Bericht vom 20. November 1963 wurde der Vorfall als erfunden eingestuft.
Eine weitere veröffentlichte Akte stammt aus dem Januar 1947 und befasst sich mit den sogenannten „Geisterraketen“. Bereits 1946 hatten Menschen in Finnland und Dänemark von glänzenden, zigarrenförmigen Objekten berichtet, die wie Feuerbälle mit Schweifen aussahen und sich „blitzschnell“ über den Himmel bewegten.
Damals wurde vermutet, dass es sich um einen Teil eines neuen sowjetischen Raketenprogramms handeln könnte. Schwedische Behörden zeigten sich laut dem Geheimdienstbericht jedoch zurückhaltend und wollten die mysteriösen Sichtungen offenbar nicht öffentlich bestätigen.
US-Militär rätselt über unbekannte Flugobjekte
Ein weiteres Dokument vom 3. November 1948 befasst sich mit zahlreichen Sichtungen unbekannter Flugobjekte in den Vereinigten Staaten. Der damalige Direktor des US-Air-Force-Geheimdienstes, Charles P. Cabell, schickte den Bericht an den kommandierenden General der Wright-Patterson Air Force Base in Ohio.
Darin heißt es, die Beobachtungen ließen kaum einen anderen Schluss zu, als dass tatsächlich verschiedene Arten von Flugobjekten gesichtet worden seien. Ihre Identität und Herkunft seien jedoch nicht feststellbar gewesen.
Die beschriebenen Objekte waren äußerst unterschiedlich: Zeugen berichteten von flachen, kreisförmigen Scheiben, torpedo- oder zigarrenförmigen Flugkörpern mit sichtbaren Flügeln, kugel- und ballonartigen Objekten sowie von Lichtkugeln ohne erkennbare Form.
Auch die Möglichkeit einer außerirdischen Herkunft wurde damals offenbar in Betracht gezogen. US-Air-Force-Col. Howard M. McCoy, Leiter der Geheimdienstabteilung, schrieb in einem Memo, für einige der Fälle gebe es keine vernünftige alltägliche Erklärung. Die Möglichkeit, dass es sich um Fahrzeuge von einem anderen Planeten handeln könnte, sei daher nicht ausgeschlossen worden.
Eine weitere veröffentlichte Akte befasst sich mit Sichtungen nicht identifizierter anomaler Phänomene während militärischer Übungen im Golf von Oman im Jahr 2021.
Mysteriöse Dreiecksobjekte über Afghanistan und Colorado
Im Oktober 2023 nahmen US-Bundesagenten die Aussagen mehrerer Piloten auf, die unabhängig voneinander dasselbe Ereignis beobachtet haben wollen. Die Piloten berichteten von Lichtern am Himmel, die zwischen Mitternacht und 3 Uhr morgens sowohl über Boston als auch über Dublin zu sehen gewesen seien.
Auch ein Vorfall aus Afghanistan findet sich in den Akten. Im Juni 2002 soll ein ehemaliger Militärangehöriger ein gewaltiges schwarzes Dreieck über der Bagram Air Force Base beobachtet haben. Nach seiner Schilderung wurden dabei die Sterne über der Basis verdeckt, während sich etwas offenbar Riesiges lautlos von Westen nach Osten bewegte.
Ein Angehöriger des US-Militärs berichtete, 2002 über dem Flugplatz Bagram in Afghanistan ein dreiecksförmiges Flugobjekt gesehen zu haben, das die Sterne verdunkelte.
Foto: US-Kriegsministerium
Ein ähnliches Objekt soll im Oktober 2023 über Colorado Springs, Colorado, gesichtet worden sein. Ein ehemaliger Mitarbeiter des Kriegsministeriums berichtete von einem schwarzen Dreieck, das über einem Wohngebiet schwebte. Das FBI fertigte in diesem Jahr eine digitale Darstellung an, auf der zwei Menschen in einem Hinterhof zu einem dreiecksförmigen Objekt über den Häusern hinaufblickten.
Auch ein anderer Zeuge aus Colorado Springs berichtete 2023 von einem solchen Objekt – allerdings mit roten Lichtern an den Ecken.
Ein drittes „dunkles Dreieck“ mit Lichtern an den Ecken wurde ebenfalls in einer FBI-Darstellung festgehalten. Grundlage waren Aussagen von US-Militärangehörigen, die das Objekt im Juni oder Juli 2011 beobachtet haben wollen. Wo die Sichtung stattfand, geht aus den veröffentlichten Angaben nicht hervor.
Fahne von Saudi-Arabien (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan haben sich in einem neuen Verteidigungsbündnis zusammengeschlossen. Ein Angriff auf einen der drei Staaten soll künftig als Angriff auf alle drei gelten.
Das Abkommen wurde am Freitag bei einem Treffen der Staats- und Regierungschefs in Mekka besiegelt. Saudi-Kronprinz Mohammed bin Salman, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif unterzeichneten den Vertrag in der saudischen Stadt.
Zunehmende Spannungen
Hintergrund sind die zunehmenden Spannungen in der Region. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran hat Saudi-Arabien direkt in die Auseinandersetzungen verwickelt und den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus sowie das Rote Meer erheblich beeinträchtigt. Bereits im Vorjahr hatten Riad und Islamabad ein gemeinsames Verteidigungsabkommen geschlossen.
Seit dem US-israelischen Angriff auf den Iran Ende Februar haben Teheran und seine Verbündeten Ziele in Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten attackiert und Lieferungen blockiert. Im Jemen liefern sich die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen, die den Norden des Landes kontrollieren, weiterhin Gefechte mit Regierungstruppen, die von einer saudisch geführten Koalition unterstützt werden.
Erst im vergangenen Monat hatten die Huthi eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien verhängt und saudische Flughäfen, Ölanlagen sowie Tanker im Roten Meer ins Visier genommen. Riad reagierte mit Luftangriffen auf Huthi-Stellungen und dem Aufbau einer neuen Marinekoalition zum Schutz der Schifffahrt im Roten Meer und im Golf von Aden.
Angriff auf einen gilt als Angriff auf alle
Das pakistanische Außenministerium erklärte bei der Vorstellung des Pakts am Freitag, ein Angriff auf einen der drei Vertragsstaaten werde als Angriff auf alle betrachtet. Das als „Gemeinsames Verteidigungsabkommen von Mekka“ bezeichnete Bündnis sieht gegenseitige Unterstützung der drei sunnitischen Staaten vor, lässt jedoch offen, welche konkreten Verpflichtungen die einzelnen Länder übernehmen.
Ein türkischer Regierungsvertreter sagte, der Pakt habe rein defensiven Charakter. Die drei Länder zeigten sich besorgt über den unvermindert andauernden Konflikt zwischen Israel und dem Iran. Ihr gemeinsamer Verbündeter, die USA, hat zunehmend Schwierigkeiten, die regionalen Auswirkungen der Krise einzudämmen.
In dem Bündnis bringt Saudi-Arabien vor allem seine Finanzkraft und seine Rolle als einer der größten Waffenimporteure ein. Die Türkei stellt als zweitgrößte Armee der Nato ihre fortschrittliche Rüstungsindustrie zur Verfügung. Pakistan verfügt als einziger der drei Staaten über Atomwaffen. (dts/red)
Xi Jinping ist am 3. September 2025 während einer Militärparade zum 80. Jahrestag des Sieges über Japan und dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf einer Großleinwand in Peking zu sehen. - Foto: Greg Baker/AFP via Getty Images
In Kürze
Beim „1. August“-Bankett der KPCh war kein Mitglied der Zentralen Militärkommission anwesend.
Chinas Partei- und Militärchef Xi Jinping hat seit 2022 mehrere hochrangige Militärführer entfernt und Führungspositionen neu besetzt.
Analysten sehen darin Hinweise auf Spannungen innerhalb der chinesischen Militärführung.
Die chinesische Militärführung steht erneut im Fokus: Beim offiziellen Empfang zum 99-jährigen Bestehen der Volksbefreiungsarmee (PLA) fehlten erstmals die Mitglieder der Zentralen Militärkommission (CMC), des obersten Führungs- und Entscheidungsgremiums des chinesischen Militärs. Analysten sehen darin ein mögliches Zeichen für die Folgen der umfangreichen Säuberungen von Staats- und Militärchef Xi Jinping sowie für anhaltende Veränderungen innerhalb der Armeeführung.
Kein CMC-Mitglied beim wichtigen Militärtermin
Das chinesische Verteidigungsministerium veranstaltete am 31. Juli im Großen Saal des Volkes in Peking einen Empfang zum „Tag der Armeegründung am 1. August“. Die staatliche Nachrichtenagentur „Xinhua“ berichtete, dass Verteidigungsminister Dong Jun an der Veranstaltung teilnahm und eine Rede hielt.
Auffällig war jedoch, dass kein Mitglied der Zentralen Militärkommission erwähnt wurde. Auch Zhang Shengmin, stellvertretender Vorsitzender der CMC und neben Xi Jinping das einzige verbliebene Mitglied des Gremiums, wurde in der offiziellen Berichterstattung nicht genannt.
Der Bericht sprach lediglich von „Führungen verschiedener Abteilungen der Organe der Zentralen Militärkommission und relevanter, in Peking stationierter Militäreinheiten“, die an der Veranstaltung teilgenommen hätten.
Dong Jun übernahm im Dezember 2023 das Amt des Verteidigungsministers nach dem Sturz seines Vorgängers Li Shangfu. In einer ungewöhnlichen Abweichung von der bisherigen Praxis wurde Dong jedoch bislang nicht zum Mitglied der Zentralen Militärkommission ernannt.
Nach Einschätzung von Analysten steht diese ungewöhnliche Zusammensetzung der Militärführung im Zusammenhang mit den umfassenden Umbesetzungen, die Xi Jinping innerhalb der Volksbefreiungsarmee durchführte. Seit dem Parteitag der KPCh im Jahr 2022 wurden mehrere hochrangige Militärfunktionäre aus ihrem Amt entfernt, wodurch wichtige Positionen in der Führungsebene neu besetzt werden mussten.
Xi Jinping hat seit dem 20. Parteitag der KPCh im Oktober 2022 fünf der sieben Mitglieder der aktuellen Zentralen Militärkommission entlassen. Übrig geblieben sind nur noch Xi selbst und Zhang Shengmin. Zudem ließ Xi zahlreiche hochrangige Militärfunktionäre absetzen, darunter Kommandeure und politische Kommissare der Marine, der Luftwaffe und der Raketentruppe. Ihnen wurde nachgesagt, nicht ausreichend loyal gegenüber Xi zu sein.
Die Maßnahmen führten nach Einschätzung von Beobachtern zu einem Machtvakuum in der obersten Führung des chinesischen Militärs. Viele wichtige Positionen blieben bislang unbesetzt.
Analysten, die zuvor mit der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times gesprochen hatten, erklärten, dass Xis Vorgehen zu weitverbreiteter Unzufriedenheit im Militär und zu verstärktem Widerstand innerhalb der Partei geführt habe.
Chinas Präsident Xi Jinping (vorn) während der Eröffnungssitzung des 20. Parteitags der Kommunistischen Partei Chinas in der Großen Halle des Volkes in Peking am 16. Oktober 2022.
Foto: Noel Celis/AFP via Getty Images
Fehlende Generäle zeigen Veränderungen in der Führung
Der in den USA ansässige China-Analyst Li Linyi sagte gegenüber Epoch Times, dass gemäß der üblichen Praxis der KPCh nur Funktionäre mit dem Rang eines Mitglieds der Zentralen Militärkommission oder höher in offiziellen Berichten erwähnt werden, wenn sie an einer Veranstaltung teilnehmen.
Bei früheren Empfängen zum 1. August seien die amtierenden CMC-Mitglieder deshalb stets anwesend gewesen und von den staatlichen Medien aufgeführt worden.
„Die Abwesenheit aller Mitglieder der Zentralen Militärkommission hat den Status des ‚1. August‘-Banketts faktisch herabgestuft“, sagte Li. „Dies war vor allem das Ergebnis des Zusammenbruchs der Personalstruktur der Kommission durch Xi Jinpings Säuberungen.“
Immer weniger Spitzenfunktionäre beim Armee-Empfang
Frühere offizielle Berichte zeigen, wie stark sich die Zusammensetzung der Teilnehmer beim jährlichen Empfang zur Armeegründung verändert hat.
So nahmen im Jahr 2023 die vier CMC-Mitglieder Li Shangfu, Liu Zhenli, Miao Hua und Zhang Shengmin am Bankett teil. 2024 waren drei Mitglieder der Zentralen Militärkommission anwesend: Liu Zhenli, Miao Hua und Zhang Shengmin. Verteidigungsminister Dong Jun nahm ebenfalls teil und hielt eine Rede.
Beim Empfang im Jahr 2025 waren nur noch die CMC-Mitglieder Liu Zhenli und Zhang Shengmin vertreten, während Dong erneut anwesend war und eine Rede hielt. Im Jahr 2026 nahm schließlich nur noch Dong Jun teil und hielt die Ansprache.
Chinas Verteidigungsminister Dong Jun trifft am 31. Mai 2024 am Rande des Shangri-La-Dialogs in Singapur zu einem bilateralen Gespräch mit US-Verteidigungsminister Lloyd Austin ein.
Foto: Roslan Rahman / AFP via Getty Images.
Analysten sehen wachsende Probleme für Xi Jinping
„Dies ist eine wahre und konkrete Darstellung der Lage, in der sich Xi Jinping derzeit befindet. Xi ist isoliert und von seinen eigenen Verbündeten verlassen“, sagte Yuan Hongbing, ein chinesischer Rechtswissenschaftler im australischen Exil, der nach eigenen Angaben über Insiderinformanten der KPCh verfügt, gegenüber Epoch Times.
In Pekings offiziellen Kreisen kursiere laut Yuan das Gerücht: „Die Vereinigten Staaten mussten keinen Finger rühren. Xi Jinping selbst führte einen ‚Enthauptungsschlag‘ und eine vollständige Vernichtung gegen die Kommandostruktur der PLA [Volksbefreiungsarmee] – die ‚Parteiwache‘ der KPCh – durch.“
Am 30. Juli, kurz vor dem Armeegründungstag der KP in China, hielt das Politbüro des Zentralkomitees der KPCh, das oberste Führungsgremium der Partei, eine Gruppensitzung zum Thema nationale Verteidigung und Militär ab.
Bei dem Treffen bekräftigte Xi Jinping erneut die Notwendigkeit, „die uneingeschränkte Gehorsamkeit des Militärs gegenüber den Befehlen der Partei“ sicherzustellen.
Die Rhetorik der KPCh und die wiederholte Betonung ihrer Führung, dass „das Militär immer dem Kommando der Partei folgen muss“, haben öffentliche Kritik ausgelöst. Kritiker sehen darin einen Widerspruch zum allgemeinen Prinzip, dass die Streitkräfte eines Landes dem Staat und nicht einer einzelnen politischen Partei dienen sollten.
Im Jahr 2021 machte sich der chinesische Musikproduzent, Schriftsteller und Talkshow-Moderator Gao Xiaosong in seiner Sendung „Xiaosong Qitan“ über den Slogan der KPCh lustig. Er erklärte, ein Militär, das ausschließlich dem Kommando einer Partei folge, werde als „Schutzstaffel“ bezeichnet.
Die Schutzstaffel (SS) – im Chinesischen auch als „Parteiwache“ bezeichnet – war eine paramilitärische Organisation unter Adolf Hitler und der NSDAP im nationalsozialistischen Deutschland.
In der Folge wurde Gao nach Angaben der Epoch Times Ziel staatlicher Zensur. Seine Aussage, die PLA sei die „SS der KPCh“, wurde jedoch wiederholt von internationalen Medien aufgegriffen und fand bei Teilen der chinesischen Öffentlichkeit Zustimmung.
Kritik an der politischen Kontrolle der Armee
In einem Beitrag auf Pincong, einem chinesischsprachigen Online-Diskussionsforum im Ausland, wurden Regierungen und Medien weltweit dazu aufgefordert, den Begriff „SS der KPCh“ zur Bezeichnung der PLA zu verwenden. Dieser Vorschlag stieß bei mehreren Nutzern auf Zustimmung.
„‚Befreiung‘ ist ein positives Wort, [aber] die vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt, dass die KPCh dem chinesischen Volk keine Befreiung, sondern Sklaverei, Bedrohungen und Unterdrückung gebracht hat“, hieß es in dem Beitrag.
„Die PLA der KPCh ist sogar brutaler und bösartiger als die SS der Nazis im Zweiten Weltkrieg, dennoch kann man sich keinen passenderen Begriff vorstellen.“
Ehrengarden der chinesischen Volksbefreiungsarmee (PLA) während einer Begrüßungszeremonie für den russischen Präsidenten Wladimir Putin in der Großen Halle des Volkes am 20. Mai 2026 in Peking, China.
Foto: Maxim Shemetov – China Pool/Getty Images
Xis Kampf um Loyalität
Rechtswissenschaftler Yuan zufolge sehe sich Xi Jinping verpflichtet, die absolute Führung der Partei über das Militär ständig zu betonen und zu verstärken, weil es in Wirklichkeit darum gehe, die uneingeschränkte Loyalität des gesamten KPCh-Apparats einschließlich der Streitkräfte gegenüber seiner eigenen Person weiter zu festigen.
„Es ist jedoch unmöglich, dass eine einzelne Person von anderen absolute Loyalität verlangen kann. Eine solche Forderung von Xi Jinping widerspricht sowohl der grundlegenden menschlichen Natur als auch der politischen Logik“, sagte er.
Dadurch sei Xi gezwungen, eine massive Säuberung nach der anderen durchzuführen, erklärte Yuan. „Was Xi Jinping jetzt erlebt, ist, dass er allein ist und von all seinen früheren Vertrauten getrennt wurde.“
Am diesjährigen „1. August“ habe Xi erneut die Notwendigkeit betont, die absolute Führung der Partei über das Militär zu stärken. Nach Yuans Einschätzung liege dies daran, dass „die KPCh nun die Partei der persönlichen absoluten Herrschaft von Xi Jinping“ sei.
Trumps Kurs gegen den Iran nimmt neue Formen an. - Foto: Anna Moneymaker/Getty Images
In Kürze:
Trump sagt geplanten Großangriff auf den Iran kurzfristig ab.
Neue Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sollen am Montag beginnen.
Explosion nahe Tanker in der Straße von Hormus verschärft die Unsicherheit.
US-Präsident Donald Trump hat nach dem vorläufigen Verzicht auf eine weitere Angriffswelle gegen den Iran eine neue Runde von Verhandlungen mit Vertretern der Islamischen Republik angekündigt. Die Gespräche sollen nach seinen Angaben am Montag beginnen. An Bord der Präsidentenmaschine Air Force One erklärte Trump auf dem Rückflug von New Jersey nach Washington, die USA würden „in Form von Verhandlungen“ mit dem Iran sprechen.
„Was wir jetzt tun, ist, dass wir in Form von Verhandlungen mit ihnen sprechen. Es beginnt morgen Nachmittag, und dann werden wir sehen.“
Wo die Gespräche stattfinden, wie lange sie dauern und wer daran teilnehmen wird, ließ der Präsident offen.
Trump betonte, der Iran sei an einer Einigung interessiert. „Sie wollen natürlich nicht angegriffen werden.“
Mit Blick auf die geplanten Verhandlungen erklärte Trump außerdem, einige Beteiligte – darunter Saudi-Arabien – gingen davon aus, dass eine Einigung über die Straße von Hormus unmittelbar bevorstehe. Anschließend solle folgen, was er als „Denuklearisierung des Iran“ bezeichnete.
Trump sprach an Bord der Präsidentenmaschine mit mitreisenden Reportern.
Foto: Anna Moneymaker/Getty Images
Trump spricht von abgesagtem Großangriff
Der US-Präsident bekräftigte erneut seine Darstellung, dass das US-Militär kurz vor einer neuen massiven Angriffswelle gegen den Iran gestanden habe.
„Es wäre der größte Angriff seit dem Zweiten Weltkrieg geworden,“ sagte Trump.
Nach seinen Worten hätte der Angriff für den Iran verheerende Folgen gehabt.
Nach Trumps Angaben verzichteten die USA jedoch auf den Angriff, nachdem Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar sowie auch der Iran selbst darum gebeten hätten. Die Verbündeten hätten signalisiert, dass eine politische Einigung unmittelbar bevorstehe und militärische Schritte den Verhandlungsprozess gefährden könnten. Deshalb habe er entschieden, den Angriff zunächst auszusetzen.
Bereits am Samstag hatte Trump auf seiner Plattform Truth Social erklärt, die USA und Israel würden vorläufig keine weiteren Angriffe durchführen, da sich „Umrisse einer Vereinbarung“ abzeichneten. Zuvor hatte er erklärt, den Angriff „unter der Voraussetzung, dass wir schnell eine Einigung erzielen können“, abgesagt zu haben.
Gleichzeitig machte Trump deutlich, dass die militärische Option weiterhin auf dem Tisch liege. „Wir sind jederzeit bereit loszulegen,“ so der Präsident.
Auf die Frage nach einer Frist für den Iran wollte er sich nicht festlegen. „Wir werden einfach sehen, wie es läuft. Würde ich lieber einen Deal machen? Ich bin nicht darauf aus, Menschen zu töten. Viele Menschen sterben, und das wollen wir nicht.“
Aus Teheran kam dagegen ein deutlich anderes Bild. Iranische Militärvertreter bezeichneten Trumps Aussagen laut der Nachrichtenagentur Mehr als „nichts als eine neue Lüge“. Eine Bestätigung für die von Trump angekündigten Verhandlungen oder für eine unmittelbar bevorstehende Einigung gab es von iranischer Seite zunächst nicht.
Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Baghaei, erklärte zudem, Teheran werde weiterhin „auf der Grundlage dessen handeln, was den Interessen des Landes dient“ und wies Behauptungen zurück, wonach der Iran Washington gebeten habe, die Angriffe einzustellen.
Noch wenige Tage zuvor hatte Trump dem Iran mit neuen massiven Militärschlägen gedroht. Erst am Freitag hatte er erklärt, die USA würden den Iran „ganz hart angehen“, falls keine Fortschritte erzielt würden.
Pendler passieren am 21. Juli 2026 eine Wandmalerei in Teheran. Die Iranischen Revolutionsgarden meldeten Angriffe auf US-Militärziele in Bahrain und Kuwait.
Foto: ATTA KENARE / AFP via Getty Images
Gescheitertes Rahmenabkommen belastet die Beziehungen
Der aktuelle Konflikt dauert bereits seit Ende Februar an. Mitte Juni hatten sich Washington und Teheran zwar auf ein Rahmenabkommen verständigt, das den Weg zu einem dauerhaften Frieden ebnen sollte. Innerhalb einer 60-tägigen Übergangsfrist sollten die offenen Streitpunkte geklärt werden.
Schon kurz nach Abschluss des Abkommens kamen jedoch Zweifel an dessen Tragfähigkeit auf. Wiederholte gegenseitige Angriffe verhinderten eine nachhaltige Entspannung. Mitte Juli nahmen die USA ihre Militärschläge gegen iranische Ziele erneut auf. Zu den zentralen Streitpunkten zählen weiterhin das iranische Atomprogramm sowie die Kontrolle über die strategisch wichtige Straße von Hormus.
Explosion nahe Tanker in der Straße von Hormus
Parallel zu den diplomatischen Bemühungen hat sich die Sicherheitslage in der Golfregion erneut verschärft. In der Nacht zum Montag ereignete sich in der Straße von Hormus offenbar eine Explosion in unmittelbarer Nähe eines Tankers.
Wie die britische Seefahrtbehörde UKMTO über den Kurznachrichtendienst X mitteilte, meldete der Kapitän des Schiffes eine Explosion in direkter Nähe des Tankers. Das Schiff selbst sowie die Besatzung blieben den Angaben zufolge unversehrt.
Der Vorfall ereignete sich rund 20 Seemeilen (etwa 37 Kilometer) nordöstlich der omanischen Hafenstadt Chasab. Die UKMTO rief alle Schiffe dazu auf, die Meerenge mit besonderer Vorsicht zu passieren und verdächtige Aktivitäten umgehend zu melden.
Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt für den Transport von Erdöl und Erdgas und steht seit Beginn des Konflikts im Mittelpunkt der Spannungen zwischen dem Iran und den USA. Der Iran hatte die Meerenge nach Kriegsbeginn Ende Februar blockiert.
Am Sonntag erklärte Teheran, man stehe kurz vor einer Einigung mit dem Oman über eine neue Schifffahrtsroute. Gleichzeitig stellte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Bakaei, jedoch klar, dass dies nicht bedeute, dass die Straße von Hormus wieder vollständig geöffnet werde.
Ob die angekündigten Verhandlungen zwischen Washington und Teheran tatsächlich zu einer nachhaltigen Entspannung führen können, bleibt daher weiter offen. Während Trump von einer bevorstehenden Einigung spricht, weist der Iran diese Darstellung bislang entschieden zurück. Gleichzeitig zeigt der Zwischenfall in der Straße von Hormus, wie fragil die Sicherheitslage in der Region weiterhin ist.
Der Bundeswehr-Flugplatz in Büchel gilt als einer der Lagerorte für US-amerikanische Atombomben vom Typ B61 in Europa. (Archivbild) - Foto: picture alliance / Harald Tittel/dpa
Die NATO arbeitet an Plänen für einen Ausbau der nuklearen Abschreckung in Europa. Dabei geht es vor allem um sogenannte nichtstrategische Atomwaffen. Diese sind zum Beispiel für den Einsatz gegen gegnerische Truppen, Flugplätze, Häfen, Kommandozentralen und andere militärische Infrastruktur vorgesehen.
Im Vergleich zu strategischen Atomwaffen haben sie häufig eine geringere Sprengkraft und werden meist mit Kampfflugzeugen oder kürzer reichenden Raketen oder Marschflugkörpern als Träger eingesetzt.
Nach der massiven atomaren Abrüstung nach dem Ende des Kalten Krieges lagerten laut Schätzungen von Nuklearexperten zuletzt nur noch etwa 100 US-Bomben vom Typ B61-12 auf sechs Luftwaffenstützpunkten in Deutschland, Belgien, Italien, den Niederlanden und der Türkei. In der Bundesrepublik sollen sie auf dem Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz stationiert sein.
Die Bomben könnten im Rahmen der sogenannten nuklearen Teilhabe der NATO im Ernstfall auch von deutschen Kampfjets abgeworfen werden. Derzeit hält die Luftwaffe Tornados für mögliche Einsätze dieser Art bereit, künftig sollen es Tarnkappenjets vom Typ F-35 sein.
Nato will auf Atomwaffenangriff antworten können
NATO-Generalsekretär Mark Rutte schloss im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur nicht aus, dass künftig mehr US-Atomwaffen in Europa stationiert werden. Er wollte sich aus Geheimhaltungsgründen allerdings nicht zu Details der laufenden Beratungen äußern.
Das Bündnis prüfe fortlaufend, welche Fähigkeiten benötigt würden und wie der nukleare Abschreckungsmix aussehen müsse, erklärte er in einem Mitte Juli geführten Interview. „Wo immer wir Anpassungen vornehmen müssen, werden wir dies tun“, sagte Rutte. „Wir müssen sicherstellen, dass uns niemand mit Atomwaffen angreifen kann, ohne dass wir in der Lage wären, darauf zu antworten.“
Dass die Arbeiten über den Austausch und die Modernisierung vorhandener Systeme hinausgehen könnten, hatte er bereits im April beim NATO Nuclear Policy Symposium in Istanbul angedeutet. Es müssten entscheidende Beschlüsse darüber gefasst werden, wie die nukleare Aufstellung der NATO weiter an das sich verschlechternde Sicherheitsumfeld angepasst werden solle, sagte er damals.
Nach dem jüngsten Treffen der Nuklearen Planungsgruppe des Bündnisses wurde dann im Juni erstmals seit knapp zwei Jahrzehnten wieder eine Erklärung veröffentlicht. Darin bekennen sich die Verbündeten dazu, die nuklearen Fähigkeiten der NATO weiter zu modernisieren, ihre Fähigkeit zur nuklearen Planung zu stärken und die Abschreckung anzupassen. (dpa/red)
Um Truppen im Ernstfall schnell verlegen zu können, ist ein funktionierendes Schienennetz notwendig. (Archivbild) - Foto: picture alliance / dpa
Die Bundesregierung entwickelt Notfallpläne für den Fall, dass einzelne Bundesländer die Verlegung von NATO-Truppen behindern.
Mehrere Ressorts beschäftigen sich mit der Frage, wie militärische Mobilität auch dann sichergestellt werden kann, wenn eine Landesregierung nicht kooperiert, berichten die „Welt“ und der „Telegraph“. Hintergrund sind offenbar mögliche Wahlerfolge der AfD im Osten Deutschlands.
Kiesewetter: Maßnahmen gegen „potenziell abtrünnige Landesregierungen“
Roderich Kiesewetter, CDU-Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses, sagte, der Kreml versuche, unterschiedliche Haltungen zu Russland innerhalb Deutschlands auszunutzen und das Land als logistische Drehscheibe der NATO „so unzuverlässig wie möglich“ zu machen.
Um dies zu verhindern, würden Beamte des Bundesinnenministeriums Gegenmaßnahmen gegen potenziell abtrünnige Landesregierungen erarbeiten.
Es gebe Planungen, wie die Arbeitsfähigkeit der Nachrichtendienste gesichert werden könne und wie benachbarte Bundesländer im Ernstfall Aufgaben beim Schutz kritischer Infrastruktur und von Schlüsselpersonal übernehmen könnten, so Kiesewetter weiter.
Krull: AfD könnte Prozess „verlangsamen“
Der stellvertretende Vorsitzende des Innenausschusses im Landtag von Sachsen-Anhalt, Tobias Krull (CDU), bestätigte laufende Planungen. Es werde in bestimmten Institutionen auf Bundesebene darüber nachgedacht, welche Maßnahmen man im Falle einer AfD-Alleinregierung „an der Landesregierung vorbei“ durchführen könne.
Krull zufolge wäre eine AfD-Landesregierung zwar nicht in der Lage, die Umsetzung des Operationsplans Deutschland zu verhindern, aber den Prozess zu „verlangsamen“. Dies treffe auch auf den Schutz von Zivilinfrastruktur zu.
Als mögliche Verzögerungspunkte nennt Krull die Bereitstellung von Kräften der Landespolizei sowie die Weitergabe von Weisungen und die Umsetzung von Einsatzplänen.
Für Putin sei es „vielleicht gar nicht das Ziel, die NATO militärisch zu besiegen“, denn dies sei ein schwieriges Unterfangen, sagte eine mit der Verteidigungsplanung vertraute Quelle aus einem westlichen Land.
„Aber wenn es ihm gelingt, politische Bruchlinien innerhalb des Bündnisses zu finden und zu vertiefen, dann ist das der schnellste Weg, die Allianz zu zerschlagen“, so die Person. Aus Moskaus Sicht könne es „sehr wirksam“ sein, sich kremlfreundlicher Politiker zunutze zu machen, um die schnelle Verlegung von NATO-Truppen zu verzögern. (dts/red)
Ein Mann fährt am 24. Juli 2026 auf einem Motorrad an iranischen Raketen vorbei, die auf dem Azadi-Platz in Teheran ausgestellt sind. - Foto: AFP über Getty Images.
In Kürze:
Iran feuert ballistische Raketen auf US-Streitkräfte – alle Geschosse werden abgefangen.
USA und Saudi-Arabien greifen iranisch unterstützte Milizen im Irak an.
Neue Eskalation überschattet Atomgespräche zwischen Washington und Teheran.
Nach mehreren Tagen relativer Ruhe ist der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran erneut eskaliert. Der Dienstag wurde von zwei zentralen militärischen Entwicklungen geprägt: Zum einen feuerte der Iran erstmals seit der jüngsten Angriffspause mehrere ballistische Raketen auf im Nahen Osten stationierte US-Streitkräfte ab. Nach Angaben des US-Regionalkommandos Central Command (Centcom) wurden sämtliche Raketen erfolgreich abgefangen. Zum anderen führten die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien koordinierte Luftangriffe gegen iranisch unterstützte Milizen im Irak durch. Washington und Riad begründeten die Operation mit einer Serie von Drohnenangriffen auf US-Streitkräfte und die saudische Energieinfrastruktur.
Die gleichzeitigen militärischen Aktionen markieren eine erneute Zuspitzung des Konflikts und erfolgten nur wenige Stunden nach einem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Weißen Haus. Gleichzeitig verschlechterten sie die Aussichten auf eine diplomatische Einigung im Atomstreit mit Teheran.
Pendler passieren am 21. Juli 2026 eine Wandmalerei in Teheran. Die Iranischen Revolutionsgarden meldeten Angriffe auf US-Militärziele in Bahrain und Kuwait.
Foto: ATTA KENARE / AFP via Getty Images
Iran feuert ballistische Raketen auf US-Streitkräfte
Nach Angaben von Centcom starteten Einheiten der Iranischen Revolutionsgarden mehrere ballistische Raketen direkt vom iranischen Staatsgebiet aus. Das US-Militär sprach von einem versuchten Überraschungsangriff auf im Nahen Osten stationierte US-Streitkräfte.
Nach Angaben des Kommandos konnten sämtliche Raketen erfolgreich abgefangen werden. Centcom erklärte auf X: „Die US-Streitkräfte bleiben wachsam und befinden sich in einem hohen Bereitschaftszustand.“
Welcher US-Stützpunkt Ziel des Angriffs war, wurde zunächst nicht offiziell bekannt gegeben. Nach Informationen des US-Nachrichtenportals Axios flogen die Raketen in Richtung eines amerikanischen Militärstützpunktes in Jordanien.
Nach Einschätzung des Iran-Experten Hamidreza Azizi handelte es sich um einen bemerkenswerten Schritt Teherans. Erstmals habe der Iran einen direkten Angriff auf US-Streitkräfte durchgeführt, ohne unmittelbar zuvor selbst von den Vereinigten Staaten oder Israel militärisch angegriffen worden zu sein.
Azizi sieht darin vor allem ein politisches Signal im Zusammenhang mit dem Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu in Washington. Der Iran habe den Vereinigten Staaten verdeutlichen wollen, dass sich Washington nicht an einer neuen Militärkampagne gegen die Islamische Republik beteiligen oder eine solche selbst beginnen solle. Gleichzeitig vermutet der Experte, dass bewusst ältere Raketentypen eingesetzt wurden, um Entschlossenheit zu demonstrieren, ohne eine unkontrollierte militärische Eskalation auszulösen.
Umfangreiche US-Militärpräsenz und Blockade im Persischen Golf
Bereits am 28. Juli hatte Centcom einen Überblick über die amerikanische Militärpräsenz in der Region veröffentlicht.
Demnach befinden sich mehr als 20 Kriegsschiffe der US-Marine im gesamten Nahen Osten im Einsatz. Sie unterstützen verschiedene militärische Operationen und setzen unter anderem die von den Vereinigten Staaten verhängte Blockade iranischer Häfen in der Straße von Hormus durch.
Nach Angaben des US-Militärs wurden bis zum 28. Juli insgesamt 18 Handelsschiffe umgeleitet. Zwei Schiffe wurden außer Gefecht gesetzt, zwei weitere im Rahmen der Blockade geentert.
Nahezu zeitgleich mit dem iranischen Raketenangriff meldete Centcom gemeinsame Luftschläge amerikanischer und saudischer Streitkräfte gegen Ziele im Irak.
Nach Angaben des US-Kommandos richteten sich die Angriffe gegen mit dem Iran verbündete Milizen. Amerikanische und saudische Kampfflugzeuge bombardierten mehrere Logistik- und Waffenlager der Gruppierungen im Osten des Landes.
Nach Darstellung der Vereinigten Staaten seien diese Milizen von den Iranischen Revolutionsgarden angewiesen worden, Angriffe auf US-Streitkräfte sowie auf die saudische Energieinfrastruktur durchzuführen.
Centcom erklärte, die Milizen hätten allein in den vergangenen 72 Stunden mehr als 30 Drohnenangriffe gestartet. Keiner dieser Angriffe sei erfolgreich gewesen.
Darüber hinaus teilte das Kommando mit, dass vom Iran unterstützte Gruppierungen zwischen Februar und April dieses Jahres mehr als 600 Angriffsversuche auf US-Bürger sowie amerikanische Einrichtungen unternommen hätten.
Das US-Militär warnte die iranischen Revolutionsgarden und die mit ihnen verbundenen Milizen eindringlich vor weiteren Angriffen. Sollten diese fortgesetzt werden, seien weitere militärische Reaktionen der Vereinigten Staaten möglich.
Das saudische Verteidigungsministerium bestätigte die gemeinsamen Luftangriffe. Nach Angaben Riads richteten sich die Operationen gegen „dem Iran loyale terroristische Milizen“ im Irak. Die Angriffe seien im Rahmen des Selbstverteidigungsrechts erfolgt.
Nur wenige Stunden zuvor hatte das Ministerium erklärt, erneut hätten mit dem Iran verbundene Milizen vom Irak aus Drohnen auf Saudi-Arabien gestartet. Ziel seien unter anderem Energie- und Ölanlagen des Königreichs gewesen.
Die saudische Luftverteidigung habe sämtliche Drohnen abgefangen und zerstört. Bereits am Vortag hatte Saudi-Arabien ähnliche Angriffe gemeldet.
Pro-iranische Milizen melden Tote und Verletzte
Die Hasched al-Schaabi, eine inzwischen offiziell in die irakischen Streitkräfte integrierte frühere pro-iranische Miliz, bestätigte Angriffe auf mehrere ihrer Einrichtungen.
Nach Angaben der Organisation wurden mehrere ihrer offiziellen Hauptquartiere in verschiedenen Regionen des Landes getroffen. Die Miliz erklärte, bei den Luftangriffen seien mehrere Menschen getötet und weitere verletzt worden. Zudem seien mehrere Gebäude beschädigt worden.
Die Organisation sprach von „tückischen Terroranschlägen“, die von amerikanischen und saudischen Streitkräften verübt worden seien.
Obwohl die Hasched al-Schaabi offiziell Bestandteil der irakischen Sicherheitskräfte ist, agieren mehrere ihrer pro-iranischen Unterverbände weiterhin weitgehend eigenständig und unterhalten enge Beziehungen zu den Iranischen Revolutionsgarden.
Auch der Zusammenschluss schiitischer Milizen „Islamischer Widerstand im Irak“ wies die Vorwürfe Washingtons zurück. Die Gruppierung bezeichnete die amerikanischen Anschuldigungen als „Erfindungen“ und drohte im Falle weiterer saudischer Militäraktionen auf irakischem Staatsgebiet mit einer „harten Antwort“.
Ein Mann passiert am 24. Juli 2026 ein Wandbild von Ajatollah Ali Chamenei in Teheran. Iran meldete Drohnenangriffe auf US-Militärziele in Bahrain und Jordanien.
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Hintergrund: Irans Einfluss auf schiitische Milizen im Irak
Der Irak verfügt über zahlreiche schiitische Milizen, die politisch und militärisch enge Beziehungen zum Iran unterhalten.
Viele dieser Gruppierungen entstanden nach der US-geführten Invasion des Irak im Jahr 2003. Während des Kampfes gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ bauten sie ihren Einfluss innerhalb des Landes erheblich aus.
Ein Teil dieser Verbände wurde später offiziell in die irakischen Sicherheitskräfte integriert. Mehrere Unterorganisationen handeln jedoch weiterhin eigenständig und gelten als enge Verbündete der Iranischen Revolutionsgarden.
US-Präsident Trump hatte bereits einen Tag zuvor erklärt, dass die Vereinigten Staaten Irans mutmaßliche Nuklearanlage am sogenannten Pickaxe Mountain angreifen würden, falls keine Einigung im Atomstreit erzielt werde.
Im Gespräch mit dem Fernsehsender Fox & Friends erklärte Trump, die Vereinigten Staaten überwachten die tief unterirdische Anlage genau und wüssten, was dort geschehe.
Das iranische Atomprogramm bleibe der zentrale Streitpunkt der laufenden Verhandlungen.
Trump bekräftigte erneut, dass dem iranischen Regime niemals der Besitz einer Atomwaffe erlaubt werde.
Gleichzeitig erklärte er, frühere amerikanische Luftangriffe hätten Irans nukleare Infrastruktur schwer beschädigt. Sollten die Verhandlungen scheitern, könnten weitere Militärschläge den Pickaxe Mountain, Kraftwerke sowie wichtige Brücken treffen.
Trotz dieser Drohungen betonte Trump, weiterhin auf eine diplomatische Lösung zu hoffen.
Trump setzt weiter auf Verhandlungen – hält militärische Option offen
Bereits am 27. Juli hatte der US-Präsident erklärt, die Gespräche mit Teheran verliefen gut. Gleichzeitig machte er deutlich, dass militärische Angriffe jederzeit wieder aufgenommen werden könnten.
Der 27. Juli war zugleich der dritte aufeinanderfolgende Tag einer Unterbrechung der amerikanischen Luftangriffe nach einer 13-tägigen Bombenkampagne gegen den Iran.
Trump erklärte: „Der Iran hat in den letzten 14 Tagen schwer einstecken müssen. Sie haben uns sehr höflich gebeten: ‚Bitte hört auf, lasst uns miteinander sprechen.‘“
Während dieser Angriffspause startete der Iran nach Angaben der betroffenen Staaten Drohnenangriffe gegen Saudi-Arabien, Jordanien und den Irak.
Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Michigan sagte Trump: „Man kann sie nicht bestechen. Man muss sie besiegen, und wir werden sie verdammt noch mal vernichtend schlagen. Aber wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Im Moment laufen sehr freundliche Verhandlungen.“
Medienberichten zufolge könnten allerdings auch sinkende Bestände amerikanischer Luftabwehrmunition – insbesondere Patriot-Abfangraketen – ein Grund dafür gewesen sein, dass die Vereinigten Staaten ihre Luftangriffe vorübergehend eingestellt hatten.
Treffen zwischen Trump und Netanjahu
Die militärische Eskalation ereignete sich nur wenige Stunden nach dem ersten Treffen Donald Trumps mit Netanjahu seit Beginn des jüngsten Iran-Krieges. Das etwa 90-minütige Gespräch fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Im Anschluss bezeichnete Trumps Sprecherin Karoline Leavitt die Unterredung als „positiv und produktiv“.
Netanjahu erklärte später, es habe sich um eines der besten Gespräche gehandelt, die er jemals mit einem amerikanischen Präsidenten geführt habe. Im Mittelpunkt habe das gemeinsame Ziel gestanden, den Iran dauerhaft am Erwerb einer Atomwaffe zu hindern.
Politische Beobachter sehen den Besuch auch als Versuch, Spekulationen über Spannungen zwischen Washington und Jerusalem entgegenzutreten.
In den vergangenen Wochen waren dennoch Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Regierungen sichtbar geworden.
Trump reagierte öffentlich verärgert auf israelische Warnungen, wonach der Iran eine unterirdische Urananreicherungsanlage unter dem sogenannten Pickaxe Mountain absichere.
Der US-Präsident erklärte, er benötige keine entsprechenden Hinweise Netanjahus und wisse selbst genau, was dort geschehe.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu trifft am 28. Juli 2026 im Weißen Haus in Washington ein. Er beriet mit US-Präsident Donald Trump über den Iran-Krieg.
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Unsichere Aussichten
Die neuen militärischen Entwicklungen wirkten sich unmittelbar auf die internationalen Finanzmärkte aus.
An den asiatischen Börsen stieg der Ölpreis nach Bekanntwerden der Angriffe um mehr als drei Prozent. Marktbeobachter befürchten, dass eine weitere Eskalation den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus und damit einen der wichtigsten Transportwege für Erdöl weltweit beeinträchtigen könnte.
Die beiden militärischen Entwicklungen – der direkte iranische Raketenangriff auf US-Streitkräfte sowie die gemeinsamen Luftangriffe der USA und Saudi-Arabiens gegen iranisch unterstützte Milizen im Irak – haben die Hoffnungen auf eine rasche diplomatische Entspannung erheblich geschwächt.
Ob die jüngste Eskalation den Beginn einer neuen Phase direkter militärischer Konfrontationen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran markiert oder beide Seiten trotz der neuen Kampfhandlungen an den Verhandlungstisch zurückkehren, dürfte sich in den kommenden Tagen entscheiden.
Menschen nehmen am 20. Juli 2026 in Kiew an einer Protestkundgebung gegen die Entlassung des reformorientierten Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow und für die Absetzung des ukrainischen Armeechefs Oleksandr Syrskyj teil. Die Proteste gegen Fedorows Entlassung dauern bereits den fünften Tag an. - Foto: Genya Savilov / AFP via Getty Images
In Kürze:
Oberbefehlshaber Syrskyj entlassen – Drapatyj wird Nachfolger
Seit dem 15. Juli Proteste in mehreren ukrainischen Städten gegen Selenskyj
Verteidigungsminister Fedorov entlassen – neue Position für ihn geplant
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Dienstag, dem 21. Juli, den Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, den Vier-Sterne-General Oleksandr Syrskyj, entlassen. Dies berichteten zahlreiche ukrainische Medien am selben Tag. Ersetzt wird er durch Generalmajor Mykhailo Drapatyj, wie die „Kyiv Post“ meldete. Damit besetzt Selenskyj den Posten seit Kriegsbeginn im Februar 2022 zum zweiten Mal neu.
Oberbefehlshaber Syrskyj unterstreicht Bedeutung von Drohnen-Einheiten. (Archivbild)
Mit seiner Entscheidung reagierte der ukrainische Präsident offenbar auf zunehmenden öffentlichen Druck aus Teilen der Zivilgesellschaft. Eine Woche zuvor hatte Selenskyj am 15. Juli bereits seinen Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov entlassen und durch den 46-jährigen Jewhen Chmara als Übergangsminister ersetzt. Dieser ist Generalmajor des Inlandsgeheimdienstes. Allerdings ist die Entlassung Fedorovs noch nicht endgültig, da sie der Zustimmung des Parlaments bedarf.
„Welle der Empörung“
Mit der Entlassung „des beliebten jungen Reformers“ Fedorov habe Selenskyj „nicht nur einen bedeutenden Teil seiner eigenen Unterstützerbasis verprellt, sondern auch eine Welle öffentlicher Empörung ausgelöst“, die sich die Ukraine nicht leisten könne, stellte Georgi Gotev, einer der Chefredakteure der belgischen Nachrichtenplattform „Eualive“, fest.
„Mit einem Schritt, der nur als schwerwiegender strategischer Fehler bezeichnet werden kann, hat Präsident Wolodymyr Selenskyj die größten Straßenproteste in der Ukraine seit Beginn der russischen Invasion ausgelöst“, so der Eualive-Chefredakteur weiter.
Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow spricht während einer Pressekonferenz nach dem virtuellen Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe am 15. April 2026 in Berlin. Die Ukraine-Kontaktgruppe bringt verschiedene Staaten zusammen, um ihre militärische Unterstützung für die Ukraine zu koordinieren.
Foto: Maja Hitij/Getty Images
Machtpoker in der Militärspitze
Seither gingen jeden Abend Tausende Demonstranten in Kiew und weiteren Städten wie Kharkiv, Lwiw, Dnipro und Odessa auf die Straße, um sich für den Verbleib Fedorovs im Amt und gegen Syrskyj auszusprechen. Fedorov gilt vielen Ukrainern als innovativ und technikorientiert. Nun sollte der 35-Jährige offenbar zugunsten der älteren Garde des Militärs ins Abseits gedrängt werden. Ob dies tatsächlich der Fall sein wird, bleibt abzuwarten.
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Demonstranten schwenken ukrainische Flaggen und protestieren am 16. Juli 2026 in Kiew gegen die Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow durch Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Protestierenden forderten seine Rückkehr ins Amt.
Foto: Tetiana Dzhafarova / AFP via Getty Images
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Demonstranten schwenken ukrainische Flaggen und protestieren am 16. Juli 2026 in Kiew gegen die Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow durch Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Protestierenden forderten seine Rückkehr ins Amt.
Foto: Tetiana Dzhafarova / AFP via Getty Images
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Demonstranten halten am 16. Juli 2026 in Kiew Plakate mit Botschaften gegen die Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow durch Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Foto: Tetiana Dzhafarova / AFP via Getty Images
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Demonstranten rufen Parolen und schwenken ukrainische Flaggen während einer Protestkundgebung am 16. Juli 2026 in Kiew gegen die Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow durch Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Foto: Tetiana Dzhafarova / AFP via Getty Images
Fedorov wehrte sich unmittelbar nach Selenskyjs Entscheidung gegen ihn. Wie die „Kyiv Post“ berichtete, habe Fedorov am 16. Juli dem noch in der Sowjetunion ausgebildeten 60-jährigen Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Oleksandr Syrskyj, vor der Presse in Kiew vorgeworfen, „Militärreformen zu blockieren und sich zu weigern, Probleme innerhalb des Militärs offen anzusprechen“.
Er stellte zudem klar, er habe Präsident Selenskyj „niemals aufgefordert, sich zwischen ihm und Syrskyj zu entscheiden“. Nach der Entlassung Syrskyjs begrüßte Fedorov diesen Schritt als „frischen Wind und neue Hoffnung“. Präsident Selenskyj soll Medienberichten zufolge Fedorov eine neue, auf Technologie ausgerichtete Position in der Regierung angeboten haben. Dazu hat sich der ehemalige Verteidigungsminister bislang nicht geäußert.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (3. v. l.) mit seinem Oberbefehlshaber Olexander Syrskyj (r), der als Kopf hinter dem Vorstoß auf russisches Gebiet gilt. (Archivbild)
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Mangelt es Selenskyj an Führungsstärke?
Selenskyjs Schritt, die Entlassung Fedorovs vom Parlament bestätigen zu lassen, habe „nicht zum ersten Mal einen beunruhigenden Mangel an Führungsstärke des Präsidenten offenbart“, stellt der renommierte Journalist Peter Beaumont in einer Analyse des britischen „Guardian“ fest. Selenskyjs Ankündigung sei „umso schockierender, als Fedorov maßgeblich daran beteiligt war, eine klare Strategie zur Fortsetzung des Krieges voranzutreiben, bei der die rasanten technologischen Fortschritte der Ukraine im Bereich der Drohnen- und Raketentechnologie zum Tragen kommen sollten“, so Beaumont weiter.
Für die Anhänger Fedorovs sei Drapatyjs Ernennung zum neuen Armeechef „ein Zeichen dafür, dass Selenskyj die Forderungen nach einem schnelleren, stärker technologieorientierten Vorgehen im Krieg zur Kenntnis genommen“ habe, schreibt die „Kyiv Post“. Selenskyj gab den Führungswechsel an der Armeespitze in seiner Abendansprache bekannt. In die Entscheidung eingebunden gewesen seien der amtierende Verteidigungsminister Jewhen Chmara und Pawlo Palisa, stellvertretender Leiter des Präsidialamtes. „Die Ukraine muss gestärkt aus dieser Situation hervorgehen, und für Russland wird es schwieriger werden“, wird Selenskyj in der Presse zitiert.
Drapatyj gilt als einer der beliebtesten Heerführer in der Ukraine.
Vor seiner Ernennung leitete der 43-jährige Drapatyj das „Gemeinsame Kommando der Streitkräfte“. Laut ukrainischen Medien gilt er als ein Befehlshaber, der sich besonders stark für eine schnellere Modernisierung der Kampfmittel einsetzte. Er würde nach Einschätzung seiner Unterstützer gut zu Fedorov als Verteidigungsminister passen, denn Drapatyj hatte dessen Innovationen innerhalb der Streitkräfte offenbar unterstützt, darunter den verstärkten Einsatz von Drohnen, Robotik und weiteren unbemannten Systemen.
„Seine Beförderung wird von reformorientierten Soldaten und Vertretern der Zivilgesellschaft als Chance gesehen, sich von langsamen, starren Führungsgewohnheiten zu lösen und zu einem flexibleren Modell überzugehen, das auf Schnelligkeit, Technologie und asymmetrischer Kriegsführung basiert“, schreibt die „Kyiv Post“.
Entlassung Fedorovs „ein Fehler“
Selenskyjs Entscheidung für Mykhailo Drapatyj als neuen Oberbefehlshaber gingen laut Gregor von „Eualive“ offenbar mehrere Treffen „mit einer Gruppe jüngerer, kampferprobter Kommandeure“, darunter Drapatyj, am Montag, dem 20. Juli, voraus. Auch wenn diese Treffen den Versuch signalisierten, die militärische Führung zu erneuern, „kommen sie zu spät, um den grundlegenden Fehler zu verschleiern: die Entlassung eines kompetenten und beliebten zivilen Reformers in einer Zeit, in der Einheit von größter Bedeutung ist“, ist Gregor mit Blick auf Fedorov überzeugt.
Weiter schreibt er: „Dies war in mehrfacher Hinsicht ein Fehler. Erstens stand Fedorov für Innovation, Technologie und einen Bruch mit alten bürokratischen Gewohnheiten – Eigenschaften, die die Ukraine (und Europa) dringend benötigt. Zweitens könnte der Zeitpunkt nicht ungünstiger sein.“
Angesichts der sich verschärfenden russischen Angriffe auf Zivilisten in der Ukraine sei eine interne Spaltung „ein Luxus, den sich die Ukraine einfach nicht leisten kann“.
Schwere Schäden nach russischen Raketenangriffen.
Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa
Stärke der ukrainischen Zivilgesellschaft
Für Russland seien zudem die Bilder von Ukrainern, die in Kriegszeiten gegen ihre eigene Regierung protestieren, „ein Geschenk“. Dennoch glaubt Gregor, dass die Turbulenzen in Kiew „auch eine positive Seite“ offenbarten. Mitten im Krieg seien die Bürger „bereit, auf die Straße zu gehen und ihre politischen Führer zur Rechenschaft zu ziehen“. Dies sei „ein eindrucksvolles Zeichen dafür“, dass die Ukraine über demokratische Vitalität und Widerstandsfähigkeit verfüge.
Flugabwehrraketensystem Patriot (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Das ukrainische Rüstungsunternehmen Fire Point entwickelt gemeinsam mit deutschen Partnern ein europäisches Abwehrsystem gegen ballistische Raketen. Ziel ist eine größere Unabhängigkeit Europas von US-Systemen wie Patriot.
„Sicherheitsgarantien sollten nicht mit Tinte geschrieben werden, sondern mit Stahl“, sagte Iryna Terekh, Geschäftsführerin und Technikchefin von Fire Point, in Kiew.
Projekt „Freyja“
Fire Point arbeitet mit den deutschen Unternehmen Diehl Defence und Hensoldt am Projekt „Freyja“. Deutschland und acht weitere Länder haben sich mit der Ukraine in einer neuen Koalition zur Raketenabwehr zusammengeschlossen.
Das Unternehmen strebt an, die Kosten für das Abfangen einer ballistischen Rakete auf unter eine Million Dollar zu senken. Selbst bei einer leichten Überschreitung wäre der Abfangkörper fünf- bis zehnmal günstiger als aktuelle Systeme. Bis Ende 2027 soll der erfolgreiche Abschuss einer ballistischen Rakete nachgewiesen werden.
Strategisches Ziel
Terekh betonte: „Unser Ziel ist die vollständige technologische und strategische Unabhängigkeit Europas – nicht unter dem Schutzschirm der Vereinigten Staaten, sondern eigenständig. Das ist kein Schritt gegen die USA, sondern ein natürlicher Reifeprozess.“
Das 2022 gegründete Unternehmen wurde durch den Marschflugkörper „Flamingo“ bekannt, der eine Reichweite von 3.000 Kilometern hat. Terekh sieht den Flamingo teilweise als Ersatz für den nicht gelieferten Taurus-Marschflugkörper. Die Nicht-Lieferung des Taurus habe die Entwicklung des Flamingo zusätzlich motiviert. (dts/red)
Henning Otte. (Archivbild) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Henning Otte (CDU), warnt Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) vor einer Benachteiligung des Bestandspersonals der Bundeswehr.
Otte sagte der „Welt“, Soldaten hätten ihm berichtet, dass sie ihre Stuben für erwartete Freiwillige räumen mussten, die dann gar nicht in der prognostizierten Zahl kamen. Das sorge verständlicherweise für Missstimmung.
Die Bundeswehr dürfe sich nicht nur um Bewerber kümmern, sondern müsse auch diejenigen im Blick behalten, die bereits ihren Dienst leisten. Dafür brauche es eine verlässliche strategische Planung, die sich an der Realität orientiert – beispielsweise Mietkostenzuschüsse, die den regionalen Wohnungsmärkten Rechnung tragen.
Der Wehrbeauftragte kritisierte auch, dass das Ministerium nach einem am 1. Juli ausgesprochenen Beförderungsstopp für Feldwebel noch keine Maßnahmen ergriffen habe. Die Kommunikation sei mäßig gewesen und habe für zu viel Unruhe in der Truppe gesorgt, sagte Otte.
Das müsse schnell bereinigt werden, damit die Soldaten wüssten, welchen Karriereweg sie gehen können. Für Verzögerungen dabei habe er kein Verständnis.
Kritik am Litauen-Dienst
Der CDU-Politiker beklagte weiter, dass der Aufbau der Litauen-Brigade zulasten der Truppe im Heimatland gehe. Dass der Minister Soldaten nach Litauen befehlen müsse, anstatt an der versprochenen Freiwilligkeit festzuhalten, liege auch an der Unattraktivität des Dienstes im Baltikum für Mannschaftssoldaten.
Da für Verwendungen in Litauen kein Auslandsverwendungszuschlag mehr gezahlt werde, sondern lediglich der reguläre Auslandszuschlag, habe das insbesondere für Mannschafter erhebliche finanzielle Auswirkungen, sagte Otte. Dadurch sei eine Verwendung in Litauen für den Mannschaftsbereich deutlich weniger attraktiv als für höhere Dienstgrade.
Reservisten müssten ihre Verpflegung teilweise sogar selbst bezahlen und hätten am Monatsende kaum mehr Geld als bei einer Verwendung in Deutschland. Das könne nicht zielführend sein. Die Attraktivität eines Wechsels nach Litauen müsse auch für Familien weiter steigen, damit möglichst wenige Soldaten kommandiert werden müssten.
Zweifel am Freiwilligenmodell
Schließlich zweifelt Otte am Freiwilligenmodell beim neuen Wehrdienst. Der Anspruch, den personellen Aufwuchs durch Freiwilligkeit zu erreichen, sei aller Ehren wert. Für ihn gelte aber die Devise: Wiedervorlage Anfang 2027.
Dann müsse man sich ehrlich machen, ob die notwendigen Aufwuchszahlen auf diesem Weg erreicht werden. Sonst müssten weitere verpflichtende Elemente her. Denn die Ausbildung neuer Soldaten dauere Jahre.
Otte warnte davor, sich nur vom relativen Aufwuchs beruhigen zu lassen. Entscheidend sei, dass daraus militärische Fähigkeiten und Einsatzbereitschaft entstehen. Dazu brauche es länger dienende Zeit- und Berufssoldaten.
Bei einem Stand von 185.000 und einer Ziellinie von 260.000 brauche man 75.000 Soldaten mehr im Zeit- und Berufssoldatenbereich. Das nur durch einen Beifang im freiwilligen Dienst zu erreichen – da fehle ihm die Zuversicht. (dts/red)