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Anthropic-Experimente: KI steht kurz vor der Selbstreplikation


In Kürze:

  • Anthropic-Forscher ließen ein kleines KI-Modell auf 15 günstigen Android-TV-Boxen laufen – es konnte ein weiteres Modell verbreiten.
  • Eine Selbstreplikation von KI könnte laut den Forschern schon in wenigen Monaten möglich sein.
  • Internetfähige Haushaltsgeräte wie TV-Boxen und Backöfen könnten zu Angriffszielen werden.

 
Experimente von Anthropic-Forschern, deren Ergebnisse das Unternehmen am 12. Oktober veröffentlichte, ergaben, dass KI-Modelle möglicherweise in internetfähige Geräte eindringen und dort Aktionen ausführen können – selbst ohne Zugang zu Rechenzentren.
In einem Test ließen die Forscher ein kleines KI-Modell auf 15 Android-TV-Boxen weniger bekannter Marken laufen. Während des Tests konnte das Modell ein weiteres KI-Modell verbreiten.
„Das deutet darauf hin, dass künftige kleinere Modelle mit vergleichbaren Fähigkeiten ebenfalls die Schritte der Netzwerkerkundung, der Übertragung benötigter Dateien und der Inbetriebnahme des KI-Modells ausführen könnten, die zum Replikationsprozess gehören“, erklärten die Forscher in einem Bericht. Eine vollständige Selbstreplikation wurde jedoch nicht festgestellt.

KI-Agenten werden leistungsfähiger

Auch größere Modelle könnten dabei eine Rolle spielen, indem sie in mehrere Teile aufgeteilt und über mehrere Geräte verteilt ausgeführt werden.
„Wir verfügen noch nicht über einen vollständig autonomen, sich selbst verbreitenden KI-Agenten. Doch KI-Agenten werden zunehmend fähig, einzelne Schritte der Replikationskette auszuführen und ihre Anpassungen an künftige Kopien ihrer selbst weiterzugeben“, erklärten die Forscher.
Sie schätzten, dass eine Selbstreplikation bereits in wenigen Monaten möglich sein könnte.
Forscher von Anthropic, OpenAI und anderen KI-Unternehmen haben bereits zuvor gewarnt, dass KI-Modelle rasch leistungsfähiger werden. Sie haben dokumentiert, wie einige Modelle ihre programmierten Beschränkungen überwunden, Websites angegriffen und Daten beschafft haben, die eigentlich unzugänglich sein sollten oder nur gegen Bezahlung erhältlich waren.
Washington, D.C., 29. September 2026 – Dario Amodei (r.), CEO von Anthropic, spricht bei einem Pressetermin von US-Präsident Donald Trump (l.) mit Führungskräften aus der KI-Branche vor dem Westflügel des Weißen Hauses. Zuvor hatten sie über Schutzvorkehrungen für die KI-Entwicklung beraten. Foto: Kevin Dietsch/Getty Images

Washington, D.C., 29. September 2026 – Dario Amodei (r.), CEO von Anthropic, spricht bei einem Pressetermin von US-Präsident Donald Trump (l.) mit Führungskräften aus der KI-Branche vor dem Westflügel des Weißen Hauses. Zuvor hatten sie über Schutzvorkehrungen für die KI-Entwicklung beraten.

Foto: Kevin Dietsch/Getty Images

Daniel Freeman, der den neuen Bericht gemeinsam mit William Zhou verfasst hat, schrieb auf X, die Untersuchung habe Fähigkeiten demonstriert, die bislang nur aus Science-Fiction-Szenarien bekannt gewesen seien.

Notwendig: Computerinfrastruktur besser absichern

„Das ist wirklich seltsam! Früher lebten wir nicht in einer Welt, in der kleine Dinger in Kästen sich über Netzwerke verbreiten, Computer vereinnahmen, sich so umkonfigurieren können, dass sie auf den gefundenen Geräten besser funktionieren, und so weiter und so fort“, schrieb Freeman, KI-Forscher bei Anthropic.
„Wir müssen uns künftig schlicht mit dieser neuen Art von etwas auseinandersetzen: einem System, das ganz selbstverständlich und mühelos auf Computer zugreifen und sie nutzen kann – für jeden beliebigen Zweck, den es selbst verfolgt oder zu dem es angewiesen oder überredet wurde.“
Und weiter: „Es liegt auf der Hand, dass wir noch viel tun müssen, um unsere verwundbare Computerinfrastruktur besser abzusichern und den möglichen Schadensradius solcher unkontrollierten KI-Systeme zu begrenzen. Doch unabhängig davon, welche Maßnahmen wir ergreifen: Es ist klar, dass diese Systeme kommen werden!“

Fernseher und Backöfen könnten Zielobjekte werden

Zu den internetfähigen Geräten, die in vielen Haushalten zu finden sind, gehören TV-Boxen, Smart-TVs und intelligente Backöfen.
Diese Geräte sind schon seit Langem anfällig für Angriffe. Laut dem Bericht von Anthropic könnte KI jedoch eher bereit sein, sie anzugreifen, als menschliche Hacker.
Die Forscher empfehlen deshalb, die Schutzmaßnahmen für diese Geräte zu verstärken – insbesondere angesichts der zunehmenden Leistungsfähigkeit von KI.
Smartphone mit Anthropic-Logo vor einem Hintergrund mit den Worten „Artificial Intelligence AI“, aufgenommen am 11. Juli 2026 in Tunis, Tunesien. (Symbolbild) Foto: Imen Ben Youssef/Hans Lucas/AFP via Getty Images

Smartphone mit Anthropic-Logo vor einem Hintergrund mit den Worten „Artificial Intelligence AI“, aufgenommen am 11. Juli 2026 in Tunis, Tunesien. (Symbolbild)

Foto: Imen Ben Youssef/Hans Lucas/AFP via Getty Images

 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Experiments Show AI Close to Self-Replicating: Anthropic“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Lula gewinnt vierte Amtszeit – Flávio Bolsonaro reist in die USA aus


In Kürze:

  • Lula gewann mit 51,79 Prozent die Stichwahl gegen Flávio Bolsonaro und tritt eine vierte Amtszeit an.
  • Nach der Wahl brach die brasilianische Börse ein, der Handel wurde zeitweise ausgesetzt.
  • Flávio Bolsonaro reiste in die USA aus, Washington will ihm und seiner Familie Visa erteilen.

 
Der amtierende Präsident Luiz Inácio „Lula“ da Silva hat am 25. Oktober die Stichwahl in Brasilien gewonnen und wurde wiedergewählt. Als erster Präsident in der Geschichte des Landes tritt er eine vierte Amtszeit an.
Lula führte das Land bereits von 2003 bis 2011. 2023 gewann er erneut. Nun etablierte er sich als das Gesicht progressiver Politik und gewann 51,79 Prozent der Stimmen gegen Flávio Bolsonaro, den Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro.

Lula: Die Familie Bolsonaro besiegen, um „die Demokratie zu retten“

Der Vater von Flávio Bolsonaro befindet sich in Haft und konnte nicht kandidieren. Er wurde am 11. September 2025 wegen eines versuchten Staatsstreichs verurteilt.
Seine Unterstützer bezeichneten den Fall als politische Verfolgung; auch US-Präsident Donald Trump äußerte Kritik. Einige Juristen sowie das abweichende Votum eines Richters am brasilianischen Obersten Gerichtshof bemängelten, dass es bei der Verurteilung kein ordnungsgemäßes Verfahren gegeben habe.
Lulas Lager erklärte, dass es darum gegangen sei, die Familie Bolsonaro vor Gericht und an der Wahlurne zu besiegen, um „die Demokratie zu retten“ und die Bürgerrechte gegen „Faschismus“ zu verteidigen. Diese Rhetorik half Lula, im zweiten Wahlgang rund 11 Millionen Stimmen mehr als im ersten zu holen und die Wahl nach anfänglichem Rückstand zu gewinnen.
Das politische Klima ist polarisiert, es steht viel auf dem Spiel. Lula kann nun vier weitere Richter für den Obersten Gerichtshof ernennen und damit eine Supermehrheit erreichen.
Das Land hat steigende Schulden zu bewältigen, während die Zinssätze im zweistelligen Bereich liegen. Anhaltende Gewaltkriminalität bleibt ein zentrales Anliegen.
Die Beziehungen zwischen den USA und Brasilien sind auf einem historischen Tiefpunkt. Der Grund ist, dass Lula die US-Einstufungen von zwei Kartellen als ausländische Terrororganisationen abgelehnt hat. Er stellt sich damit gegen einen regionalen Trend einer von Washington geführten Zusammenarbeit.

Börsenhandel ausgesetzt

Lula steht eine institutionelle Krise bevor. Die ersten 24 Stunden nach seinem Wahlsieg sind aufschlussreich.
Zu Beginn seiner ersten Rede nach der Bekanntgabe der Wahlergebnisse nannte Lula strengere Vorschriften für soziale Medien als oberste Priorität.
Seine Auseinandersetzung mit den großen Tech-Unternehmen steht im Fokus der Öffentlichkeit, da viele befürchten, dass dies die Meinungsfreiheit einschränken könnte.
Lulas politisches Lager stellte sich auf die Seite des Obersten Gerichtshofs, als dieser 2024 die Plattform X im Land abschaltete und einige Beiträge und Profile zensierte. X erklärte, dass dieser Schritt ohne die erforderlichen rechtlichen Verfahren erfolgt sei und gegen brasilianisches Recht verstoße.
Am 27. Oktober eröffnete der lokale Aktienmarkt mit einem Minus von mehr als 17 Prozent. Die Aufsichtsbehörden setzten den gesamten Handel für eine Stunde aus. Ziel war, die Volatilität der „Verzweiflungsverkäufe“ im schlimmsten Einbruch seit der COVID-19-Pandemie einzudämmen.
In der Zwischenzeit stieg der US-Dollar um etwa 10,5 Prozent gegenüber der brasilianischen Währung Real, da Kapital aus dem Land abfloss.
Der BOVESPA-Aktienindex auf einer Anzeigetafel an der Börse von São Paulo (B3) in Brasilien. Nach der Stichwahl aktivierte die B3 einen „Circuit-Breaker“-Mechanismus, der für „Zeiten starker Markteinbrüche“ vorgesehen ist. Foto: Nelson Almeida/AFP via Getty Images

Der BOVESPA-Aktienindex auf einer Anzeigetafel an der Börse von São Paulo (B3) in Brasilien. Nach der Stichwahl aktivierte die B3 einen „Circuit-Breaker“-Mechanismus, der für „Zeiten starker Markteinbrüche“ vorgesehen ist.

Foto: Nelson Almeida/AFP via Getty Images

Bereits am 26. Oktober war Flávio Bolsonaro angewiesen worden, seinen Reisepass binnen 24 Stunden bei den Behörden abzugeben, um zu verhindern, dass er Brasilien verlässt.
Dieser Schritt ist Teil von Ermittlungen wegen Geldwäsche, die mit einem Freund von Flávio verbunden sind, und geht auf den umstrittenen Richter am Obersten Gerichtshof Alexandre de Moraes zurück. Das ist derselbe Richter, der die Strafverfolgung gegen seinen Vater leitete und beschuldigt wird, das Justizsystem gemeinsam mit Lulas Partei als Machtinstrument zu missbrauchen.

USA gewähren Bolsonaro und seiner Familie Visa

Am 27. Oktober verließ Flávio Bolsonaro Brasilien in Richtung USA, wie eine der Familie nahestehende Quelle der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times mitteilte.
Seine Abreise erfolgte einen Tag, nachdem er angewiesen worden war, seinen Reisepass abzugeben. Zuvor hatte Flávio Bolsonaro öffentlich gesagt, er habe nicht die Absicht, Brasilien zu verlassen.
Ein hochrangiger Beamter des US-Außenministeriums sagte, das Ministerium werde Bolsonaro und seiner Familie Visa erteilen, um ihnen die Einreise in die Vereinigten Staaten zu ermöglichen.
Die USA hatten Richter Alexandre de Moraes wegen Menschenrechtsverletzungen im Rahmen des Global Magnitsky Act mit Sanktionen belegt. Washington und Brasília führten intensive Verhandlungen, um die diplomatische Krise zu lösen. Die Sanktionen wurden im Dezember 2025 aufgehoben.

Kurzfristige Wahlverlängerung um zwei Stunden

Flávio Bolsonaro hatte die Wahlergebnisse zunächst angefochten und angekündigt, die Wahl für ungültig erklären lassen zu wollen. Seine Partei akzeptierte das Ergebnis später. Danach kündigte er an, dass er Lulas Wahlkampf vor Gericht anfechten werde.
Im Mittelpunkt seiner Beschwerde stand eine uneinheitliche Verlängerung der Wahlzeit um zwei Stunden im ganzen Land.
Beide Wahlkampfteams hatten eine Verlängerung beantragt, doch die gerichtlichen Anordnungen zur Umsetzung trafen erst ein, als die Wahl eigentlich schon beendet sein sollte.
Viele Wahllokale hatten bereits geschlossen und konnten nicht wieder geöffnet werden. Da in diesem Zeitraum nur ein Bruchteil der Stimmen einging, schien dies zunächst unbedeutend – doch es führte dazu, dass die Behörden wegen ihrer zu spät getroffenen Entscheidung und mangelhafter Organisation in die Kritik gerieten.
Indigene Bewohner verschiedener Dörfer im Gebiet Xingu geben während der Stichwahl um das Präsidentenamt am 25. Oktober 2026 in Mato Grosso, Brasilien, ihre Stimmen ab. Foto: Pedro Vilela/Getty Images

Indigene Bewohner verschiedener Dörfer im Gebiet Xingu geben während der Stichwahl um das Präsidentenamt am 25. Oktober 2026 in Mato Grosso, Brasilien, ihre Stimmen ab.

Foto: Pedro Vilela/Getty Images

Wahlergebnis: Bolsonaros Partei stärkste Fraktion in beiden Kammern

Die Nachwirkungen der Wahlen fallen in eine Zeit des starken Rückgangs des institutionellen Vertrauens.
Eine Umfrage im September zeigte ein Rekordtief beim Vertrauen in den Obersten Gerichtshof; 48 Prozent der Befragten äußerten Misstrauen. Eine andere Umfrage im September ergab, dass 58 Prozent der Befragten der Bundespolizei, dem brasilianischen Pendant zum FBI, vertrauen.
Vor diesem Hintergrund wurde Lula dafür kritisiert, dass er sich zunehmend auf den Obersten Gerichtshof stützt, um den Kongress zu umgehen und regieren zu können. In seiner bisherigen Amtszeit hatte er in beiden Kammern keine Mehrheit, und in seiner nächsten Amtszeit ist er noch isolierter.
Obwohl die brasilianische Rechte die Präsidentschaftswahl verloren hat, haben konservative Parteien im Kongress erhebliche Gewinne erzielt. Rund 64 Prozent des neuen Senats und 59 Prozent der neu gewählten Abgeordnetenkammer stehen auf der Seite der Rechten.
Die Liberale Partei von Flávio Bolsonaro ging in beiden Kammern als stärkste Fraktion hervor und sicherte sich 28 Sitze im Senat sowie 121 Sitze in der Abgeordnetenkammer. Lula wird mit den Parteien der Mitte verhandeln müssen, um legislative Mehrheiten zu erreichen.
Der Alvorada-Palast ist die offizielle Residenz des brasilianischen Präsidenten. Lula da Silva wurde am 27. Oktober 2026 81 Jahre alt und versprach, nach seiner historischen Wiederwahl für eine vierte Amtszeit „24 Stunden am Tag“ zu arbeiten. Foto: Pablo Porciuncula/AFP via Getty Images

Der Alvorada-Palast ist die offizielle Residenz des brasilianischen Präsidenten. Lula da Silva wurde am 27. Oktober 2026 81 Jahre alt und versprach, nach seiner historischen Wiederwahl für eine vierte Amtszeit „24 Stunden am Tag“ zu arbeiten.

Foto: Pablo Porciuncula/AFP via Getty Images

Schlechte Wirtschaftslage und finanzielle Reformen

Wenn man der Wahlkampfrhetorik Glauben schenken darf, könnte Lula sowohl in der Abgeordnetenkammer als auch im Senat gegnerischen Parlamentspräsidenten gegenüberstehen und seine Nominierungen für den Obersten Gerichtshof blockiert sehen.
Es könnte zu beispiellosen Amtsenthebungsverfahren gegen Richter des Obersten Gerichtshofs kommen, über die nach brasilianischem Recht der Senat verhandelt.
Zudem könnte Lula aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage im Kongress ins Stocken geraten.
Laut Schätzungen des brasilianischen Finanzministeriums wird die Regierung in den kommenden Jahren ihr Budget überschreiten, wenn der aktuelle Ausgabentrend anhält.
Steigende Verschuldung und einige der höchsten Zinssätze weltweit könnten umfassende Finanzreformen notwendig machen – darunter Änderungen bei den Rentenausgaben. Diese könnten die Zustimmung des Kongresses erfordern.
Zu seinen innenpolitischen Problemen kommen noch Herausforderungen im Ausland hinzu.

Brasilien verweigert Annäherung an die USA

Brasilien und die Vereinigten Staaten waren historische Verbündete, die während des Zweiten Weltkriegs Seite an Seite kämpften. Jetzt stehen Washington und Brasília vor einer großen diplomatischen Krise.
Erschwerend kommt hinzu, dass große US-Technologieunternehmen behaupten, die brasilianische Justiz habe sie ohne ordnungsgemäßes Verfahren ins Visier genommen. Die Vereinigten Staaten haben Brasilien mit einigen der höchsten Zölle weltweit belegt, was US-Präsident Trump mit politischer Verfolgung von Jair Bolsonaro begründete.
Als Reaktion auf die Wahl sagte Trump: „Es sah wirklich nach einer weiteren manipulierten Wahl aus.“

Ein weiteres Problem: die organisierte Kriminalität bekämpfen

Während die USA ihre Außenpolitik neu ausrichten und dabei einen verstärkten Fokus auf Lateinamerika legen, ist Brasilien, das größte Land der Region nach Fläche, Wirtschaft und Bevölkerung, der wichtigste Verweigerer einer Annäherung an die USA.
Wie Mexiko weigert sich Brasilien, dem Shield of the Americas beizutreten, das auch als American Counter Cartel Coalition bezeichnet wird. Das Bündnis wurde zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden organisierten Kriminalität gegründet.
Zwei brasilianische Kartelle, das Primeiro Comando da Capital und das Comando Vermelho, hat das Bündnis als Ziele benannt. Analysten sagen, dass diese und andere kriminelle Gruppen in Brasilien bei unzureichender internationaler Zusammenarbeit Zuflucht finden könnten.
Lula hat gezeigt, dass er es vorzieht, Handel und Sicherheit über verschiedene institutionelle Kanäle wie die Welthandelsorganisation und die Organisation Amerikanischer Staaten zu diskutieren. Doch angesichts Trumps Vorliebe für direkte Diplomatie und seiner früheren persönlichen Kritik kommt eine Einigung nur langsam zustande.
Am Ende seiner politischen Karriere sieht sich Lula, jetzt 81, einem außergewöhnlich sensiblen Umfeld gegenüber, das es zu navigieren gilt.
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Lula Wins Historic 4th Term, but Brazil Faces Deepening Political Divisions“. (deutsche Bearbeitung: ks)
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Russlands Anwerbenetz in Afrika: Tausende landen im Krieg gegen die Ukraine


In Kürze:

  • Beim dritten Russland-Afrika-Gipfel in Moskau stehen afrikanische Staats- und Regierungschefs unter Druck, die Anwerbung ihrer Bürger für Russlands Krieg gegen die Ukraine anzusprechen.
  • Laut ukrainischem Außenministerium kämpften im August mindestens 2.982 Afrikaner aus 37 Ländern auf russischer Seite.
  • Russland soll die Anwerbung zuletzt in Ländern wie Burundi und Simbabwe stark ausgeweitet haben, um hohe Verluste an der Front auszugleichen.

 
Am 28. und 29. Oktober treffen sich zahlreiche afrikanische Staats- und Regierungschefs mit Wladimir Putin in Moskau. Dabei steht ein heikles Thema im Raum: Russland wirbt zunehmend Afrikaner für den Krieg gegen die Ukraine an – offenbar vielfach mit falschen Versprechen. Für die afrikanischen Gäste bietet der Gipfel eine Gelegenheit, die Rekrutierung und das Schicksal ihrer Staatsangehörigen direkt anzusprechen.
„Täuschung, Tod und Menschenhandel – diese Themen verlangen von den afrikanischen Staats- und Regierungschefs in Moskau Antworten“, fordert die südafrikanische Wochenzeitung „Mail & Guardian“.
Der dritte Afrika-Russland-Gipfel biete dafür eine passende Gelegenheit. Mindestens 23 afrikanische Staats- und Regierungschefs würden zu dem Treffen reisen. Insgesamt seien mindestens 30 afrikanische Staaten vertreten.
Über dem Gipfel liege jedoch „ein schwerer Schatten“. Nach Angaben des ukrainischen Außenministeriums waren im August mindestens 2.982 Menschen aus 37 afrikanischen Ländern auf russischer Seite an der Front im Einsatz, berichtet das Blatt. Zudem befänden sich 35 Menschen aus 17 afrikanischen Ländern in ukrainischer Kriegsgefangenschaft.

Getäuscht: Afrikaner plötzlich an der Front

Bereits im Mai warnte das Africa Center for Strategic Studies (ACSS) in einer Analyse:
„Russlands täuschendes Rekrutierungsprogramm für den Krieg lockt Tausende junge Afrikaner in die Falle.“
Das ACSS wird seit 1999 vom US-Kriegsministerium (Pentagon) betrieben. Über ein Schattennetzwerk, das Onlineanwerbung betreibe, habe Russland Afrikaner aus nahezu jedem Land des Kontinents angelockt. Sie würden an der ukrainischen Front sowie in der Rüstungsindustrie eingesetzt.
„Dies waren nicht die Ziele, auf die sich die jungen Afrikaner bei ihrer Anwerbung eingestellt hatten“, stellt das ACSS in seiner Analyse fest. Viele hätten vielmehr nach Arbeit, Ausbildung oder neuen Lebensperspektiven in Russland gesucht.
Derart getäuscht, seien einige sogar „unter Waffengewalt in den Militärdienst gezwungen“ und „an die Front getrieben“ worden, „wo die Verlustraten außergewöhnlich hoch sind“, stellt das ACSS weiter fest.

Parlament in Kenia debattiert über Anwerbung

Kimani Ichung’wah, Mehrheitsführer der kenianischen Nationalversammlung, berichtete am 18. Februar in einer Rede im kenianischen Parlament, dass die Rekrutierten nach ihrer Ankunft in Russland „im Grunde nur eine Waffe in die Hand gedrückt bekommen, um in den Tod zu gehen“.
Andere seien in gefährlichen Drohnenfabriken gefangen, wo sie chemische Verbrennungen und andere Verletzungen erleiden, ohne eine Möglichkeit zu haben, in ihre Heimat zurückzukehren.
Die Anwerber würden vorzugsweise ehemalige Soldaten oder Polizisten ansprechen, sowie Zivilpersonen im Alter zwischen Mitte zwanzig und fünfzig Jahren, „die händeringend nach Arbeitsmöglichkeiten im Ausland suchen“, so der kenianische Politiker.
Für Russland würden Agenturen „vor Ort“ arbeiten. In Kenia sei dies etwa die Global Face Human Resources Limited mit Sitz in Nairobi, die Festus Arasa Omwamba gehöre.
„Einige Betroffene sind nach Kenia zurückgekehrt – entweder verstümmelt oder nachdem es ihnen gelungen war, mithilfe der kenianischen Botschaft in Moskau aus dem Kriegsgebiet zu entkommen“, so Ichung’wah weiter.
Er beklagte am Ende seiner Rede ferner:
„Vielen dieser jungen Menschen wurden Stellen im Sicherheitsbereich versprochen. Man sagt ihnen, sie würden als Wachleute arbeiten. Dass sie beim Militär eingesetzt werden, verschweigt man ihnen. Sie gehen davon aus, dass sie als Wachleute lediglich einen Schlagstock bei sich tragen oder den Eingang eines Gebäudes bewachen werden.“
Doch sobald sie ankämen, würden sie in Militärlager gebracht. „Sie erhalten eine Ausbildung von nur drei Wochen. Nirgendwo auf der Welt bildet das Militär Menschen in nur drei Wochen aus. Es gibt sogar Fälle, in denen die Ausbildung nur neun Tage dauerte“, beklagte der Abgeordnete Ichung’wah und forderte seine Regierung zu Gegenmaßnahmen auf.
Einem Bericht der Nachrichtenagentur „Reuters“ zufolge würden Afrikaner für besonders verlustreiche Aufgaben an der Front eingesetzt. Überlebende und Ermittler hätten berichtet, dass sie bei hochriskanten Angriffen zum Einsatz gekommen seien.
Sie würden an die vorderste Front geschickt, um Schützengräben auszuheben, Drohnenangriffen auszuweichen und an aussichtslosen Offensivaktionen teilzunehmen. Manchmal habe es eine ganze Woche lang kein Essen gegeben, manchmal auch kein Wasser, berichtete der Vater eines Südafrikaners der Nachrichtenagentur unter Berufung auf seinen Sohn.
Nach Ländern betrachtet, stammen laut ACSS die meisten afrikanischen Kämpfer aus Kenia, Ägypten, Kamerun und Côte d’Ivoire, in leicht schwächerem Maße gefolgt von Algerien, Mali, Südsudan, Südafrika und Nigeria, wie eine Karte des ACSS zeigt.

Anwerbung in armen Ländern verstärkt?

Ungeachtet der Kritik aus mehreren afrikanischen Ländern soll Russland seine Rekrutierungsbemühungen auf dem Kontinent zuletzt ausgeweitet haben. Das berichtete „Bloomberg“ am 26. Oktober unter Berufung auf eine Präsentation aus ukrainischen Geheimdienstkreisen.
Demnach rekrutierte Russland von Januar bis September 2026 insgesamt 699 Männer aus Burundi und 530 aus Simbabwe. Im gesamten Vorjahr waren es 30 beziehungsweise 65 gewesen. Auch in der Demokratischen Republik Kongo, Sierra Leone, Sudan und Kamerun sei die Zahl der Rekrutierten deutlich gestiegen.
Laut der Präsentation richtet Russland seine Suche verstärkt auf Länder mit schwachen demokratischen Institutionen, eingeschränkter Pressefreiheit und einer schwachen Justiz. Die Entwicklung erfolgte demnach, nachdem Kenia und Südafrika versucht hatten, die Abwerbung ihrer Staatsangehörigen einzudämmen.
Als Ziel der Rekrutierung nennt die Präsentation den Ausgleich hoher Verluste und des Mangels an mobilisierbarem Personal. „Bloomberg“ zufolge steht die verstärkte Suche nach neuen Kämpfern im Zusammenhang mit dem Bedarf der russischen Armee, Verluste und Personalengpässe auszugleichen.
Laut einer Analyse des Washingtoner Thinktanks Institute for the Study of War (ISW) vom 1. Oktober würden die russischen monatlichen Verluste an der ukrainischen Front die Zahl der monatlich neu Rekrutierten übersteigen.
Allein im September hätten die russischen Streitkräfte in der Ukraine mehr als 46.000 Verluste zu verzeichnen gehabt, „die bislang höchste monatliche Verlustrate auf russischer Seite im Jahr 2026“, schrieb das ISW.

Was der Russland-Afrika-Gipfel bringen soll

In Kenia leitet Peter Kamau eine Gruppe, die Präsident William Ruto um Hilfe bittet, ihre von Russland für den Krieg angeworbenen Angehörigen nach Hause zu holen. Nach Angaben der Gruppe sind 841 Kenianer in den Krieg verwickelt, die Regierung hat 354 Fälle bestätigt.
Kamau forderte in dem südafrikanischen Wochenblatt „Mail & Guardian“: Der kenianische Präsident „hat die besten Chancen, uns zu helfen. Er sollte noch in dieser Woche direkt mit Putin sprechen.“
Da der burundische Präsident Évariste Ndayishimiye derzeit auch den Vorsitz der Afrikanischen Union innehat und den Russland-Afrika-Gipfel mitleitet, könne Afrika in dieser Frage mit einer Stimme sprechen, hofft Kamau.
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Krokodil unter Katze, schwimmende Ohren und spontane Selbstentzündung

Kann Boden Informationen wie ein Computer verarbeiten?

Feuchtigkeit, Mikroorganismen, Wärme, Mineralstoffe. Der Boden unter unseren Füßen enthält eine Menge Informationen. Forscher um Catherine Merchant, Doktorandin der University of Cambridge, England, sehen darin mehr als nur einen passiven Datenspeicher, sogar mehr als einen Lebensraum. Indem Boden Stoffe unterschiedlich weiterleitet, verändert oder speichert, gleiche er einem Computer. Von einem Bio-Prozessor ist man aber noch weit entfernt und die gezielte Verarbeitung von Umweltreizen nicht belegt. Dies erfordere zudem eine Auswertung, die zunächst lernen muss, die veränderten Zustände zu interpretieren. Als Nächstes sollen Gedächtniseffekte und Informationsübertragung quantitativ gemessen, innere Prozesse abgebildet werden und erste Rechendemonstrationen folgen. Was sie bedeuten und wozu sie später dienen können, bleibt vorerst offen. (ts)

„Doppelagent“ versteckte verbotene Bücher

Im England des 15. Jahrhunderts konnte der Besitz einer Übersetzung der Bibel tödlich enden: Während der Reformation und Gegenreformation ließen die Oberen zahlreiche religiöse Werke vernichten. Einer, der dies im Auftrag Heinrich VIII. ausführte, war Sir John Gage (1479–1556). Oder tat er es doch nicht? Forscher der Universitäten Sussex und Cambridge identifizierten sechs Seiten aus einem Manuskript von Nicholas Love aus dem Jahr 1409, einem jener Werke, das Cage hätte vernichten sollen. Die Notizen auf der Rückseite deuten jedoch vielmehr darauf hin, dass er das Werk – nachdem es wohl im Besitz eines Klosters war – an sich nahm und sicher verwahrte. Einen Beweis dafür gibt es nicht. Die Signatur von einem Mann, der zudem trotz seines königlichen Auftrags, Klöster in England aufzulösen, katholisch blieb, zeugt jedoch von widersprüchlichen Loyalitäten. (kms)

Mit Lichtschwert nach Hause telefonieren

Sie sind meist groß, sperrig oder schwer und auch wenn es sie im Mikroformat gibt, erfordern Antennen eine feste Struktur. Noch. Prya Darshni und Kollegen von der North Carolina State University haben erstmals eine Plasma-Antenne genutzt. Den dafür nötigen haarfeinen Plasmafaden erzeugte ein Laser, der mit ultrakurzen Impulsen die Luft auf etwa 20 Zentimeter Länge ionisierte. Als die Forscher ein Funksignal in diese Laserschwert-ähnliche Antenne einkoppelten, erhöhte sich die Signalstärke im Nahbereich um rund 150 Prozent. Da die Antenne keine festen Bestandteile enthält, lässt sie sich – so die Theorie – an beliebige Frequenzen anpassen und könnte künftig die Raumfahrt bereichern. Der Weg dahin ist aber noch weit. Laut Darshni war es „der erste Schritt“. Jetzt, da es möglich sei, könne man „beginnen, ihre Leistung zu verbessern“. (ts)

Darshnis Plasmaantenne erinnert an ein Lichtschwert. Da sie keine metallischen Teile erfordert, können Eigenschaften, wie Länge und Richtung, der Antenne später gezielt verändert werden.

Foto: Prya Darshni/North Carolina State University

Ausgestorbenes Krokodil mit Verbindungen zu großer Katze

Neu ist der Fund nicht: In den 1920er Jahren bargen Forscher in Ägypten einen fast vollständigen Schädel eines vermeintlichen Scheingavials, einem Krokodil mit ungewöhnlich langer Schnauze. Im Rahmen neuer Untersuchungen kommen Dr. Paul Burke vom Swedish Museum of Natural History und Kollegen zu dem Schluss, dass es sich um eine eigenständige Art handelte, die in dem rund 45 Millionen Jahre alten Gestein steckt und gaben ihr den Namen Herugavialis cairensis. Der Name bezieht sich auf Heru oder Horus, den Altägyptischen Gott des Himmels und des Horizonts. Horus gilt auch als Personifikation der aufgehenden Sonne, die sich in der Großen Sphinx von Gizeh wiederfindet. Zudem bildet der Kalkstein der Mokattam-Formation, aus der das Fossil stammt, den Grundstein der größten Katze der Welt. Und während der die Nase fehlt, fehlt dem Fossil des Horus-Gavials die Spitze der Schnauze. (kms)

Regelmäßiger Teekonsum reduziert Gefäßkrankheiten

Dass Rauchen der Gesundheit schadet und körperliche Aktivität sie fördert, sollte hinlänglich bekannt sein. Neu ist, dass regelmäßiges Teetrinken die Blutgesundheit verbessert. Das zeigt die Auswertung der Gesundheitsdaten von fast einer halben Million Chinesen. Als regelmäßiger Teekonsum galten dabei bereits drei Tee-Tage pro Woche, was dazu führte, dass Teetrinker im Schnitt elf Prozent seltener unter Erkrankungen des Herz-Kreislaufs, der Hirngefäße, Gefäßleiden im Lungenkreislauf und peripheren Gefäßerkrankungen litten. Werte für einzelne Krankheiten weichen davon ab, auch Teesorte und Trinktemperatur beeinflussen das Ergebnis. Wie viel Tee tatsächlich getrunken wurde, wie sich die Gewohnheiten während der Beobachtungsdauer von durchschnittlich neun Jahren veränderte sowie ob und welche andere Faktoren eine Rolle spielen, zeigen die Daten nicht. (ger)

Mond hatte vor 4,2 Milliarden Jahren ein Magnetfeld

Kalt, leer und unbewohnt, so beschreiben Hamburger Musiker den Mond. Ob es schon immer so war, ist ungeklärt. Zumindest was ein frühes Magnetfeld anbelangt, haben Schweizer Forscher neue Erkenntnisse: Stark magnetisiertes Gestein deutet auf die Existenz eines eben solchen. Während das irdische Magnetfeld maßgeblich auf der Bewegung flüssigen Metalls im Erdkern beruht, ist umstritten, ob es diese Dynamik auch im Mond gab. Vorausgesetzt die gemessene Magnet- und Schwerkraftanomalie geht auf dieselbe geologische Ursache zurück, könnte unter der Mondrückseite eine fast zehn Kilometer mächtige, rund 60 Kilometer breite, erstarrte Magmablase liegen. Die darüber liegenden Krater deuten auf ein Alter von über 4,2 Milliarden Jahren und die Magnetisierung auf einen „länger andauernden, im Kern erzeugten Dynamo“. Die Frage lautet nun also nicht mehr, ob es ihn gab, sondern wie er funktionierte. (ts)

Mondwirbel wie Reiner-Gamma (helle Struktur auf dunklem Grund, Bildmitte) deuten auf ein lokale Magnetfeld, welches die Verwitterung durch den Sonnenwind bremst. Strukturen unter der Mondoberfläche lassen auf ein globales Magnetfeld schließen.

Foto: NASA | gemeinfrei

Hören mit dem ganzen Körper

Haare auf dem Körper haben verschiedene Funktionen – eine der unscheinbarsten übernehmen dabei haartragende Sinneszellen im Innenohr. Diese reagieren auf feinste mechanische Bewegungen der Luft, leiten ihre Signale an das Nervensystem weiter und ermöglichen uns so das Hören. Ein ähnliches und doch völlig verschiedenes Organ ermöglicht Tieren, unter Wasser Strömungen wahrzunehmen. Kalmare bilden dabei keine Ausnahme. Doch während Fische diese Fähigkeit vor allem ihrem Seitenlinienorgan verdanken, sind derartige Sensorflächen bei den Kopffüßern offenbar erheblich größer. Das ist das Ergebnis von Forschern der Case Western Reserve University um Brian M. McDermott. Während menschliche Ohren also Schwingungen der Luft zunächst in die Hörschnecke leiten, könnten Kalmare auf ähnliche Art und Weise mit dem ganzen Körper Bewegungen des Wassers „hören“. (kms)

Ist Dunkle Materie wirklich „natürlich“?

Ein großer Teil der Phänomene im Weltraum lässt sich mit der bekannten Physik nicht oder nur dann erklären, wenn Faktoren wie Dunkle Materie einbezogen werden. Was sie ist und wie ihr Nachweis gelingt, ist ebenso unbekannt wie ihre Entstehung. Für Letztere existieren verschiedene Theorien, die unterschiedlich „natürlich“ erscheinen. Die Natürlichkeit steht hier als Maß für Schwankungen, wenn einzelne Parameter verändert werden: je kleiner die Abweichung, desto natürlicher. Stefano Profumo, Physiker der University of California, Santa Cruz untersuchte auf dieser Grundlage existierende Theorien und kommt zu dem Ergebnis, dass weder frühe Schwarze Löcher noch unentdeckte Elementartelchen per se (un)natürlich sind, vielmehr hänge es vom Entstehungsmodell ab. Eine Erklärung für Dunkle Materie liefert Profumo nicht, auch nicht, ob die eine oder andere Art besser geeignet ist, den vermutlich größten Teil der Materie im Kosmos zu erklären. (ts)

Menschen mit psychopathischen Merkmalen zeigen andere Sprachmuster

Psychopathen werden oft als emotionslos und stumpf mit entsprechender Sprache dargestellt. Ky Bray, Doktorand der University of Mississippi kommt zu einem anderen, erheblich differenzierterem Ergebnis. Demnach ist psychopathische Sprache nicht, wie oft dargestellt, hohl oder gefühlskalt, sondern vielmehr abhängig von Kontext und Ausprägung. Wie Bray betont, geht es dabei nicht darum, Psychopathie anhand der Sprache zu diagnostizieren, sondern zu zeigen, wie sich psychopathische Merkmale in alltäglichen, und selbst subtilen Dingen, wie der Sprache niederschlagen: Enthemmung führe tendenziell zu negativem Ton und Kühnheit, wie erwartet, zu weniger Angstbegriffen. Gefühlskälte hingegen gehe mit positiver und belohnungsbezogener Sprache einher. Das sei deshalb interessant, weil am Ende „jeder ein gewisses Maß an Gefühlskälte, Kühnheit und Enthemmung hat“. (ger)

Schon gewusst? Fledermäuse haben ihren Ursprung in Europa

Wenn es im Sommer dunkler wird, sind sie unterwegs und jagen mit tollkühnen Manövern Insekten über unseren Köpfen: Fledermäuse, oder passend zur aktuellen Jahreszeit, von Kindern mitunter auch Halloween-Amseln genannt. Mit über 1.500 Spezies stellen sie mehr als ein Fünftel aller lebenden Säugetierarten. Die bislang umfassendste Genomanalyse des Fledermausstammbaums zeigt dabei, dass die Tiere nicht, wie bisher angenommen, aus Asien, Afrika oder Nordamerika stammen, sondern aus Europa – und dass bereits die ersten ihrer Art Flug und Echoortung beherrschten. In den vergangenen 65 Millionen Jahren haben sie sich auf der ganzen Welt verbreitet und übernehmen eine bedeutende Rolle als Bestäuber und Schädlingsbekämpfer. Ihre außergewöhnliche Langlebigkeit und Krankheitsresistenz stellt Forscher bis heute vor Rätsel. (kms)

Außerirdische Einflüsse auf Erdbeben

Angetrieben von der Anziehungskraft des Mondes läuft zweimal am Tag ein Wasserberg um die Erde, während Küsten und Kontinente scheinbar in ihrer Lage verharren. Scheinbar, denn auch die Erde unter unseren Füßen kann sich der Kraft der kosmischen Begleiter nicht entziehen. Geowissenschaftler um Yishuo Zhou von Université Paris Sciences et Lettres haben sich dies genauer angeschaut und festgestellt, dass Sonne und Mond, zwar keine heftigen Erdstöße verursachen, die Bewegung der Erde aber ebenso beeinflussen, indem sie die natürliche Verschiebung bremsen oder beschleunigen. Am größten sei dieser Einfluss, wenn die Anziehungskräfte aufgrund der Drehung der Erde wiederholt auf Teile von Platten wirkten und so Kraft und Drift in Resonanz gerieten. Eine Erklärung für alle Beben bietet die Studie nicht, wohl aber einen Ansatz, warum manche Störung besonders empfindlich auf die Gezeitenkräfte reagiert. (ts)

Spontane Selbstentzündung aus der Tiefsee

Tief unter der Meeresoberfläche schlummern Schätze, die Begehrlichkeiten wecken. Nein, keine gruseligen Schiffswracks voller Gold und Edelsteinen, sondern Rohstoffe wie Eisen, Kupfer und Zink. Besonders an unterseeischen heißen Quellen lagern sich Minerale ab und stellen ein vielversprechendes Ziel für den Tiefseebergbau dar – und eine große Gefahr, wie Forscher des U.S. Geological Survey feststellen mussten. Als sie Erze aus dem Escanaba-Trog im Nordostpazifik im Labor untersuchten, entzündeten sich zwei von insgesamt 57 Proben von selbst. Chemische Analysen wiesen Eisensulfide nach, die aufgrund ihrer besonderen Kristallstruktur bei Kontakt mit Sauerstoff unter starker Wärmeentwicklung reagieren. Das Phänomen ist aus dem Bergbau an Land bekannt, stellt für die mögliche Förderung und Verarbeitung auf See aber eine besondere Herausforderung dar, die bislang wenig Beachtung fand. (ts)
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Ungarn strebt den Euro an: Magyars Reformkurs auf dem Prüfstand


In Kürze:

  • Ungarns Regierung will das Haushaltsdefizit bis 2030 auf unter 3 Prozent des BIP senken und peilt den Euro-Beitritt an – frühestens Anfang der 2030er-Jahre.
  • Hohe Staatsschulden, offene Reformen bei der Zentralbank und die noch ausstehende Teilnahme am Wechselkursmechanismus ERM II erschweren den Beitritt.
  • Die Finanzmärkte honorieren den Reformkurs bislang, die Freigabe blockierter EU-Mittel bleibt jedoch an weitere Reformen gebunden.

 
Der Machtwechsel nach den Parlamentswahlen in Ungarn liegt mittlerweile etwa ein halbes Jahr zurück. Es sind erste klare Konturen in der Wirtschaftspolitik der neuen Regierung zu erkennen. Ein Ziel, das Ministerpräsident Péter Magyar mehrfach in den Vordergrund seiner Ankündigungen gestellt hatte, ist der Beitritt des Landes zur Eurozone.
Bis etwa 2030 will die Regierung in Budapest die Konvergenzkriterien erfüllen. Ein Beitritt kommt frühestens Anfang der 2030er-Jahre in Betracht.
Finanzminister András Kármán nannte 2032 als möglichen Beitrittstermin. Gleichzeitig erklärte er, Ungarn wolle nicht überstürzt dem Wechselkursmechanismus ERM II beitreten. Allerdings sieht man den Kurs mit Blickrichtung Euro auch als Ausdruck eines wirtschaftspolitischen und institutionellen Neuanfangs nach der Orbán-Ära.

Defizit liegt noch deutlich über der Euro-Grenze

Eine wesentliche Voraussetzung für den Beitritt zur Eurozone stellen weitreichende Reformen dar, die eine dauerhafte Integration in den gemeinsamen Währungsraum absichern sollen. Die Regierung Magyar kann sich dabei auf eine breite Mehrheit von mehr als zwei Drittel der Abgeordneten stützen. Dies eröffnet ihr auch Spielraum für unpopuläre Reformen.
Als zentrales Element des Eurozonen-Projekts gilt die Haushaltskonsolidierung. Zum Zeitpunkt des Regierungsantritts lag das Haushaltsdefizit bei 7,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das Ziel für 2027 liegt bei 4,9 Prozent, in den drei darauffolgenden Jahren soll es auf 4,0 Prozent (2028), 3,4 Prozent (2029) und 2,8 Prozent im Jahr 2030 sinken. Damit wäre das entsprechende Stabilitätskriterium erfüllt.
Allerdings wird ein einmaliges Erreichen des Referenzwerts von 3 Prozent für einen Beitritt zur Eurozone noch nicht ausreichen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Bruegel spricht von einem langfristigen strukturellen Defizit von 1 bis 1,5 Prozent, das Ungarn anvisieren solle. Dies wäre erforderlich, um einen ausreichenden fiskalischen Puffer zu schaffen.

Einsparungen könnten in Bevölkerung und Wirtschaft für Unmut sorgen

An Wirtschaft und Bürgern wird das Konsolidierungsprogramm jedoch nicht spurlos vorübergehen. Die schrittweise Reduzierung des Defizits erfordert erhebliche Einsparungen im Haushalt. Die ungarische Regierung hofft auf Entlastung durch die Wiederfreigabe zuvor blockierter EU-Gelder. Diese ist noch nicht in vollständigem Umfang erfolgt.
Um den Haushalt zu konsolidieren, setzt das Kabinett Magyar auch auf höhere Alkohol- und Tabaksteuern. Diese Maßnahme trifft die Bevölkerung in ihrer Breite. Wohlhabendere sollen über das Schließen von Steuerschlupflöchern, eine Vermögensteuer und höhere Abgaben für Großkonzerne beitragen. Es bleibt abzuwarten, inwieweit dies zu einem Kapitalabfluss führen wird.
Für Geringverdiener soll es zugleich Entlastungen geben. Auf einige Investitionsprogramme zur Stärkung der Konjunktur will Magyar ebenfalls nicht verzichten. Der Ökonom Geoff Yu von BNY sprach mit Blick auf die Konsolidierungsbemühungen gegenüber der „WELT“ von einem „freiwilligen Sparprogramm, das für Ungarn schmerzhaft werden könnte“.

Preisstabilität als eine der entscheidenden Herausforderungen

Ungarn hat jedoch nicht nur bezüglich des laufenden Haushaltsdefizits Optimierungsbedarf. Auch die Schuldenquote aller öffentlichen Haushalte liegt mit 75 bis 79 Prozent des BIP noch deutlich über dem EU-Referenzwert von 60 Prozent. Bei der Preisstabilität hat sich das Land verbessert. Laut dem Statistikamt KSH lag die Inflationsrate im September 2026 bei 1,6 Prozent.
Allerdings ist auch das eine Momentaufnahme – und noch keine dauerhaft stabilisierte Entwicklung. Um an der Eurozone teilnehmen zu können, muss eine anhaltende Preisstabilität vorliegen. Konkret bedeutet dies, dass die über einen Zeitraum von einem Jahr gemessene durchschnittliche Inflationsrate nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über der Rate der drei preisstabilsten Mitgliedstaaten liegen darf.
Bei den langfristigen Zinsen sollte der durchschnittliche nominale langfristige Zinssatz des Landes nicht mehr als 2 Prozentpunkte über dem Zinssatz der drei preisstabilsten Mitgliedstaaten liegen. Derzeit liegt dieser in Ungarn bei 5,5 Prozent. Das ist noch über dem Referenzniveau. Zudem muss Ungarn vor einem Beitritt mindestens zwei Jahre ohne starke Spannungen am Wechselkursmechanismus ERM II teilnehmen.

Reformbedarf bei der Notenbank

Der geplante Beitritt zur Eurozone macht auch in öffentlichen Institutionen Umgestaltungen erforderlich. Anpassungsbedarf mit Blick auf die EU-Verträge und die EZB-Satzung besteht beispielsweise aufseiten der Gesetzgebung zur Zentralbank. Derzeit ist die Magyar Nemzeti Bank (MNB) rechtlich unabhängig. Die direkte Staatsfinanzierung durch die Notenbank ist bereits gesetzlich untersagt.
Dennoch gibt es aus Sicht der EU noch Klärungsbedarf bezüglich der praktischen Unabhängigkeit der MNB. In Brüssel erwartet man unter anderem mehr Transparenz mit Blick auf die negativen Eigenkapitalpositionen der ungarischen Notenbank und ihre künftigen Gewinne.

Ungarn hofft auf baldige Freigabe eingefrorener Mittel

Im Mai und im Oktober gab es zwei weitreichende Einigungen zwischen Ungarn und der EU-Kommission über die Freigabe zuvor eingefrorener Mittel. Zunächst verkündeten Magyar und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Ende Mai eine Einigung auf die Freigabe von insgesamt 16,4 Milliarden Euro, die bisher eingefroren waren.
Im Gegenzug solle die Regierung in Budapest Reformen und Investitionspläne präsentieren. Anfang Oktober verkündete der Rat der EU die Freigabe der ersten 4,2 Milliarden Euro. Ungarn hat dazu noch die Auszahlung von weiteren 10 Milliarden Euro aus dem Corona-Wiederaufbaufonds der EU beantragt. Die übrigen 2,2 Milliarden Euro sind an „Verbesserungen bei der akademischen Freiheit“ geknüpft.
Zu den übrigen Voraussetzungen, die Ungarn erfüllen soll, um an die dem Land zustehenden Milliarden zu gelangen, zählen auch Fortschritte bei Investitionen, Regionalpolitik und Korruptionsbekämpfung. Konkret solle es bestimmte Anpassungen in der Verfassung geben und Ungarn solle der Europäischen Staatsanwaltschaft beitreten.
Die Regierung in Budapest hatte bereits Ende August betont, sämtliche Voraussetzungen für den Zugang zu den eingefrorenen Mitteln zu erfüllen. Eine Prüfung durch die EU-Kommission steht jedoch noch aus. Fällt diese positiv aus, könnte das Geld noch vor Jahresende für Ungarn zugänglich sein.

Finanzmärkte geben Regierung Magyar weiterhin Vertrauensvorschuss

Märkte und Ratingagenturen statten Ungarn und seinen wirtschaftlichen Reformkurs bisher mit einem Vertrauensvorschuss aus. Die Ratingagentur Scope hob ihren Ausblick für ungarische Anleihen von „neutral“ auf „positiv“ an. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen sank zuletzt von etwa 6,5 Prozent in der Endphase der Orbán-Ära auf derzeit 5,5 Prozent.
Seit Jahresbeginn verringerte sich zudem der Renditeabstand ungarischer zu deutschen Staatsanleihen von etwa 4 auf derzeit 2,15 Prozentpunkte. Der IWF sieht gerade in der Annäherung an die Eurozone ein Potenzial für eine wirtschaftliche Belebung. Auf diese Weise könnten Währungsrisiken und Finanzierungskosten sinken und Staat, Unternehmen sowie Privathaushalte könnten von intensiviertem Handel und Investitionen profitieren.
Allerdings zeigen die jüngsten Marktdaten auch die Grenzen des Vertrauensvorschusses. In der Woche nach Vorstellung des Haushaltsplans für 2027 verlor der Forint gegenüber Euro und US-Dollar an Wert. Der Eurokurs stieg am Dienstag auf mehr als 367 Forint. Auch die Kurse an der Börse in Budapest gaben nach. Als Gründe werden neben innenpolitischen Faktoren unter anderem hohe Energiepreise, eine Aufwertung des Dollars und eine schwächere internationale Anlegerstimmung genannt.

Zu früher Beitritt zur Eurozone würde eigene Spielräume gefährden

Ein Beitritt zur Eurozone wäre für Ungarn nicht ausschließlich mit Vorteilen verbunden. Die währungspolitische Eigenständigkeit verleiht dem Land auch die Möglichkeit, eine eigene Geldpolitik und den Wechselkurs des Forints als wirtschaftspolitische Instrumente zu nutzen. Fällt diese Möglichkeit weg, müsste sich die Wirtschaft stärker über Löhne, Preise, Beschäftigung und die Finanzpolitik an externe Schocks und Drucksituationen anpassen.
Derzeit ist auch das Produktivitätswachstum in Ungarn noch gering. Die Löhne steigen schnell, eine reale Aufwertung des Forints könnte die preisliche Wettbewerbsfähigkeit belasten. Für Ungarn wird es auch darum gehen, einen zu frühen Beitritt zur Eurozone zu vermeiden.
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„Bund und Länder sind auf alles vorbereitet“: GdP-Chef zu GenZ-Protesten

Für den 31. Oktober werden bundesweite Proteste der Aktion „GenZ regelt“ erwartet, die sich an den Protesten in Frankreich orientieren. Im öffentlichen Diskurs dazu werden verschiedene Bedrohungsszenarien diskutiert, darunter auch mögliche gewaltsame Ausschreitungen.
Wie bewertet die Polizei die Aufrufe und von welcher Bedrohungslage geht sie aus? Darüber sprachen wir mit Andreas Roßkopf von der Gewerkschaft der Polizei.

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Es gibt Aufrufe von „GenZ regelt“  in verschiedenen deutschen Städten, Proteste in Anlehnung an die Proteste in Frankreich durchzuführen. Wie schätzt die Polizei das Gefahrenpotenzial aktuell ein?
Zunächst wissen wir von Veranstaltungen, die durch GenZ am 31. Oktober geplant sind. Im Moment ist im Aufruf von Protestaktionen in 23 Städten die Rede. Wir gehen zunächst davon aus, dass die Proteste friedlich ablaufen werden.
Was wir aber in Frankreich, Italien und Spanien in den letzten Tagen und Wochen erlebt haben, sind gewaltbereite Proteste. In den sozialen Netzwerken werden genau solche Aufrufe dazu verbreitet.
Genau deswegen bereiten sich die Polizeibehörden und andere Sicherheitsbehörden auch darauf vor. Bund und Länder sind im Zusammenspiel auf alles vorbereitet.
Die Proteste in Frankreich begannen zunächst mit Schülern, die gegen schlechte Bedingungen an den Schulen auf die Straße gingen. Mittlerweile sieht sich die Polizei in Frankreich, aber auch in anderen Ländern mit gewaltsamen Ausschreitungen konfrontiert. Wie konnte aus Ihrer Sicht die Lage so stark kippen? Und ist solch eine Entwicklung auch für Deutschland denkbar?
Zunächst muss man betrachten, dass solche gewaltsamen Proteste in unserem Nachbarland Frankreich leider immer wieder stattfinden. Die Bevölkerung ist dort durchaus ein bisschen anders aufgestellt als bei uns und protestiert öfter mit Gewalt.
In Deutschland kennen wir solche Situationen zumindest bisher nicht in diesem Ausmaß. Das ist auch gut so!
Wir müssen aber davon ausgehen, dass militante Linksextreme und gewalttätige Linke diese Art von gewaltsamen Protest aus Frankreich nach Deutschland bringen wollen. Deswegen müssen wir jetzt aufpassen.
Wie genau bereitet sich die Polizei auf mögliche gewaltsame Ausschreitungen vor? Welche Sicherheitskonzepte und Einsatzmittel stehen ihr zur Verfügung?
Zunächst erfolgt eine Beobachtung im Vorfeld durch den betreffenden Landesverfassungsschutz. Die Polizeibehörden beobachten die sozialen Medien sehr intensiv, denn genau dort finden derzeit diese Gewaltaufrufe statt.
Wir bewerten diese Aufrufe. Der Verfassungsschutz bewertet sie, um zu verifizieren, ob sie ernst zu nehmen sind, und um im Vorfeld die Autoren oder Verantwortlichen herauszufiltern. Denn dann kann die Polizei schon im Vorfeld an diese Menschen herantreten und reagieren.
Wie wird die Polizei in Deutschland mit möglichen Gewalttaten im Rahmen von Protesten umgehen?
Zunächst stehen deeskalierende Maßnahmen im Vordergrund. Das heißt, die Polizei wird sich zurückhalten, die Protestaktion genau beobachten und letztendlich so wenig wie möglich einschreiten. Allerdings ist auch klar, dass wir auf alle Situationen vorbereitet sind.
Sollten sich militante Linksextreme und linke Gewalttäter unter die Protestteilnehmer mischen und Gewaltaktionen starten, wird die Polizei mit aller Härte und Konsequenz vorgehen. Darauf sind wir vorbereitet. Der Bund arbeitet mit den Ländern eng zusammen.
Die französische Polizei hat Schwierigkeiten, die Proteste einzudämmen. Was unterscheidet die Taktik der französischen Polizei von der deutschen?
Wir haben jetzt auch eine neue Situation. Das möchte ich vorwegschicken, denn wir sprechen von 23 Veranstaltungsorten an einem Tag. Das stellt uns natürlich vor eine besondere Herausforderung. Ich glaube, es ist auch die Taktik der Veranstalter, so zu agieren.
Nichtsdestotrotz haben wir unsere Landespolizeien, die sehr gut aufgestellt sind, sowie die Bundespolizei mit ihren weit über 30 Einsatzhundertschaften, die die Länder unterstützen können. Sie verfügen über schweres Gerät wie Wasserwerfer, Absperr- und Räumgitter sowie Hubschrauber, um im Ernstfall schnell Kräfte verlagern zu können.
Das heißt, wir sind in Deutschland gut vorbereitet.
Die Berliner Polizei teilte der Epoch Times heute mit, dass zunächst von GenZ eine Versammlung für Berlin angemeldet worden ist, dann jedoch wieder zurückgezogen wurde. Wie ordnen Sie das ein?
Na ja, wenn der Veranstalter seine Genehmigung zurückzieht, dann haben wir auch keine genehmigte Veranstaltung mehr. In diesem Fall wird die Genehmigung entzogen. Dann hat die Polizei von vornherein ganz andere Möglichkeiten.
Denn einer nicht genehmigten Veranstaltung kann von Anfang an mit ganz anderen Maßnahmen begegnet werden als einer genehmigten. Das heißt, die Polizei kann von vornherein jegliche Ansammlung auflösen. Das ist der Unterschied zwischen angemeldeten und nicht angemeldeten Veranstaltungen.
Bereitet sich die Polizei auch auf Spontanversammlungen oder kurzfristige Proteste, die nicht angezeigt werden, vor?
Absolut. Im Gegenteil, wir gehen sogar davon aus, dass an den angemeldeten Versammlungsorten die Veranstaltungen relativ ruhig laufen werden und dass ganz gezielt in anderen Stadtvierteln und Brennpunkten dann Gewaltaktionen gestartet werden.
Vielen Dank für das Interview!
Das Gespräch führte Erik Rusch.
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Handlungsbedarf bei Deutschlandticket und Kfz-Versicherung: Das ändert sich im November


  • Deutschlandticket: Der Preis steigt 2027 auf 66,80 Euro. Bahn-Kunden müssen bis 30. November zustimmen, sonst endet ihr Abo zum Jahresende.
  • Kfz-Versicherung: Die meisten Verträge lassen sich bis 30. November kündigen.
  • Ratenkäufe: Ab 20. November gibt es auch bei Kleinkrediten und „Buy Now, Pay Later“ eine Bonitätsprüfung.

 
Viele Autofahrer können ihre Kfz-Versicherung noch bis Ende November kündigen, außerdem gelten neue Regeln für Kleinkredite. Wer sein Deutschlandticket über die Deutsche Bahn auch nach der Preiserhöhung im kommenden Jahr weiter beziehen will, muss aktiv werden. Was sich im November ändert:

Preisänderung beim Deutschlandticket zustimmen – oder kündigen

Ab 2027 erhöht sich der Preis des Deutschlandtickets von monatlich 63 auf 66,80 Euro. Je nach Anbieter müssen die Nutzer nun aktiv werden: Die Deutsche Bahn etwa bittet ihre Kundschaft bis zum 30. November mitzuteilen, ob sie das Ticketabo zum neuen Preis behalten oder kündigen wollen.
Wer sich nicht fristgerecht zurückmelde, dessen Abo werde zum 31. Dezember gekündigt, erklärt die Bahn. Möglich ist eine Zustimmung zu den neuen Bedingungen im Kunden-Account auf bahn.de oder in der App DB Navigator.

Das Familienticket kommt zurück

Es gibt noch weitere Änderungen bei der Bahn. Das Staatsunternehmen warb im Sommer mit einem Familienticket um Kunden. Zum Pauschalpreis von 99,99 Euro konnten Familien mit bis zu fünf Personen quer durch Deutschland hin- und zurückreisen, eine einfache Fahrt kostete 59,99 Euro. Dieses Angebot kommt nun zurück – und soll dauerhaft im Angebot bleiben.
Wie die Bahn mitteilte, gilt das Familienticket für Reisen ab dem 1. November, buchbar sind Fahrkarten bereits seit dem 26. Oktober. Wer das Angebot nutzen will, muss allerdings auch einige Regeln beachten. So muss mindestens ein Kind mitreisen. Auch dürfen höchstens zwei Reisende 15 Jahre oder älter sein.
Die Stiftung Warentest weist darauf hin, dass das Familienticket nur für Fernzüge (ICs und ICEs) gilt. Wählt eine Familie Verbindungen, bei denen sie auch Nahverkehrszüge nutzen muss, wird die Reise teurer.
Für eine einfache Strecke muss sie dann 81,99 Euro bezahlen, Hin- und Rückfahrt kostet pauschal 143,99 Euro. Nicht enthalten in dem Familienpreis ist außerdem das City-Ticket für den Abfahrts- und Ankunftsbahnhof.

Angebote vergleichen

Zwar gebe es laut Deutscher Bahn keine Kontingente für das Familienticket. Doch könne es sein, dass diese Fahrkarte auf Strecken mit großer Nachfrage nicht mehr angeboten wird. Für Spontanbucher bedeute dies, dass möglicherweise nicht mehr die komplette Auswahl an Verbindungen zur Verfügung steht.
Die Stiftung Warentest hat sich eigenen Angaben zufolge intensiv mit dem Familienticket beschäftigt und es auf vier Strecken getestet. Sie rät, das Angebot trotzdem mit den Spar- und Supersparpreisen zu vergleichen.
So könne ein anderes Ticket billiger sein, wenn man etwa die Reservierungen nicht zwingend benötigt, weil die Kinder bis einschließlich 14 Jahre nicht unbedingt nebeneinander sitzen müssen.
Günstiger kann ein anderer Fahrschein auch für Kunden sein, die kein Deutschlandticket besitzen und die ihre Reise sowohl mit Fern- als auch mit Nahverkehrszügen bewältigen.
Wer einige Monate vor der Reise bucht, für den lohnt sich ein Vergleich der Preise innerhalb der Deutschen Bahn oder auch mit dem Konkurrenten Flixtrain, schreibt die Stiftung Warentest.

Stichtag für Kündigung vieler Kfz-Versicherungen

Die meisten Kfz-Versicherungen haben eine Laufzeit bis Ende Dezember und können mit einer Frist von einem Monat zum Vertragsende gekündigt werden – also bis zum 30. November.
Weil dieser Stichtag für so viele Autofahrer gilt, senken viele Unternehmen laut der Verbraucherorganisation Finanztip im Herbst ihre Beiträge, um Neukunden zu gewinnen. Verbraucher könnten so von günstigen Angeboten profitieren.
Die Kündigungsfrist 30. November gilt allerdings nicht für alle Versicherungsverträge. Darauf weist die HUK-Coburg hin. Für Verträge mit unterjähriger Laufzeit, deren Versicherungsjahr also nicht am 1. Januar beginnt, gelten andere Stichtage. Läuft der Vertrag zum Beispiel am 14. Juni aus, ist der 13. Mai der persönliche Stichtag für die Kündigung.
Finanztip rät, beim Versicherungswechsel in der richtigen Reihenfolge vorzugehen: erst einen neuen Vertrag suchen, dann den alten kündigen. Bei einer Kündigung zum 1. Januar sollten Autobesitzer also noch im November nach einem günstigeren Versicherer Ausschau halten.
Dabei empfiehlt Finanztip einen doppelten Vergleich: zunächst über Vergleichsportale wie Verivox oder Check24, danach bei einem Direktversicherer.

Neue Regeln für Ratenkäufe

Ab dem 20. November gelten in Deutschland neue EU-Regeln für Verbraucherkredite. Ab diesem Datum dürfen auch Kleinkredite unter 200 Euro sowie „Buy Now, Pay Later“-Angebote nur nach einer Prüfung der Kreditwürdigkeit vergeben werden. Bislang war das nicht der Fall.
Wer künftig ein solches Angebot nutze, etwa einen Ratenkauf oder eine Null-Prozent-Finanzierung, müsse zudem „ausführlich über Kosten, Laufzeit und Risiken des jeweiligen Kredits informiert werden, auch bei kleinsten Beträgen und kurzen Zahlungsaufschüben“, erklärt die Stiftung Warentest.
Auch wird die Frist für den Widerruf bei fehlerhaften Informationen auf maximal zwölf Monate und 14 Tage begrenzt, heißt es auf der Website der Bundesregierung zur rechtlichen Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie.
Eine Ausnahme gibt es, schreibt der Verein „Für soziales Leben“ in seinem Online-Magazin „Bürger & Geld“. Demnach sind Debitkarten mit Zahlungsaufschub nicht von der Neuregelung betroffen. Bei der Bonitätsprüfung berücksichtigen die Anbieter nicht nur die getätigte Bestellung, sondern auch die bestehenden Verbindlichkeiten des Käufers.
Bei „Buy Now, Pay Later“ müssen daher bereits laufende Ratenzahlungen einbezogen werden. Hat ein Kunde bei mehreren Anbietern gleichzeitig offene Raten, kann sich dies negativ auf seine Bonitätsbewertung auswirken. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine weitere Zahlungsanfrage abgelehnt wird.
Eine Pflicht zur Begründung ist ebenfalls neu. Auch wenn die Entscheidung automatisiert getroffen wird, müssen Unternehmen in der Lage sein, offenzulegen, aus welchen Gründen jemand einen Kredit erhält oder nicht. Dazu ist eine Dokumentation der Daten erforderlich.
Angepasst wurde in diesem Zusammenhang auch das Bundesdatenschutzgesetz. Die neuen Regeln zur Bewertung der Kreditwürdigkeit (Scoring) gelten ebenfalls ab dem 20. November 2026.

Lohnsteuerfreibetrag sichern

Wer viel Geld etwa für berufliche Fortbildungen und Fahrten ausgibt, kann noch bis zum 30. November einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung für 2026 stellen. Geld sparen Verbraucher damit zwar nicht – aber sie holen sich das Geld vom Staat sofort, was sie „sonst erst im folgenden Jahr mit der Steuererklärung erhalten“ würden, erläutert Finanztip.
Auch müssen die Ausgaben eine Grenze von 600 Euro überschreiten. Werbungskosten zählen nur mit, wenn sie den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 Euro übersteigen. Wem der Lohnsteuerfreibetrag gewährt wird, der muss in der Regel eine Steuererklärung abgeben. (afp/red)
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Wie sich die US-Politik nach den Zwischenwahlen ändern könnte

Am 3. November wird zur Mitte der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump der US-Kongress zum größten Teil neu gewählt. Deshalb spricht man von den „Midterm Elections“, also den Zwischenwahlen. Der Kongress setzt sich zusammen aus dem Repräsentantenhaus, in etwa vergleichbar mit dem Bundestag, und dem Senat, in dem die 50 amerikanischen Bundesstaaten mit jeweils zwei Senatoren noch einmal eigens vertreten sind.

Gradmesser für Zufriedenheit mit Präsidenten

Die Abgeordneten des Repräsentantenhauses werden anders als in Deutschland nur auf zwei Jahre gewählt. Deshalb sind dieses Mal wieder sämtliche 435 Sitze zu vergeben, sowie 35 der 100 Senatssitze. Außerdem werden in vielen Bundesstaaten neue Gouverneure, Parlamente, Bürgermeister und Sheriffs gewählt.
Zurzeit verfügen Trumps Republikaner in beiden Kammern über hauchdünne Mehrheiten. Im Repräsentantenhaus errangten sie bei der Wahl vor zwei Jahren 220 Sitze, nur zwei mehr als für eine Mehrheit erforderlichen 218 Sitze. Im Senat bilden die Republikaner mit 53 Sitzen die Mehrheit, das sind ebenfalls nur zwei mehr als mindestens erforderlich.
Die „Midterms“ sind traditionell zu einem Gradmesser für die Zufriedenheit mit der bisherigen Amtszeit eines Präsidenten geworden, ähnlich wie in Deutschland die Landtagswahlen auch eine Art Abstimmung über die Zufriedenheit mit der Bundesregierung sind. Häufig gewinnt bei den amerikanischen Zwischenwahlen jene Partei, die die Präsidentschaftswahl zwei Jahre zuvor verloren hat – das wären in diesem Fall die Demokraten.

Umfragen: Mehrheit für Demokraten

Laut dem Vorhersagemodell ElectIt der Harvard University, das ohne Meinungsumfragen auskommt und zuletzt am 25. Oktober aktualisiert wurde, würden die Demokraten bei den Zwischenwahlen mit 241 Sitzen eine deutliche Mehrheit im Repräsentantenhaus gewinnen.
Eine gemeinsame Befragung des Fernsehsenders „ABC News“, der Tageszeitung „Washington Post“ und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos, die am 20. Oktober veröffentlicht wurde, hat ergeben, dass es 59 Prozent der befragten 2.545 Amerikaner bevorzugen würden, wenn der nächste Kongress wieder von den Demokraten kontrolliert würde, „um Trump in Schach zu halten“. Nur 35 Prozent sprechen sich laut dieser Umfrage für eine Mehrheit der Republikaner aus. Was die Amtsführung von Trump anbelangt, gaben nur 33 Prozent der Befragten an, dass sie „die Art und Weise, wie Trump sein Amt als Präsident ausübt“, gutheißen, während 66 Prozent sie ablehnten.
Alle Umfragen und Prognosen ergeben indes nur ungefähre Einschätzungen. Bei der Präsidentschaftswahl im November 2024 unterschätzten viele Umfragen Trumps Abschneiden. Damals wurde ein Kopf-an-Kopf-Rennen insbesondere in umkämpften „Swing States“ zwischen der Demokratin Kamala Harris und dem Republikaner Trump prognostiziert. Das Wahlergebnis offenbarte dann jedoch einen klaren Sieg Trumps.

Weichenstellung für zwei Jahre

Das Ergebnis der Zwischenwahlen stellt stets die politischen Weichen für die USA für die nächsten zwei Jahre. Im konkreten Fall heißt dies: Kann Trump weiter so durchregieren, wie bisher, oder wird seine Politik künftig im Kongress gebremst?
Wenn die Demokraten die Kontrolle sowohl über das Repräsentantenhaus als auch über den Senat gewinnen würden, bliebe Trumps grundlegende Machtbefugnis als Präsident im Weißen Haus zwar erhalten, etwa sein Vetorecht, seine Regierungsführung würde sich aber drastisch durch Blockaden und Kontrollen verändern.
So könnten die Demokraten Trumps Gesetzesvorhaben für eine neue Steuerreform oder neue Einwanderungsgesetze verhindern.

Demokraten könnten blockieren

Im Fall einer Mehrheit im amerikanischen Kongress könnten die Demokraten künftig in erster Linie die Politik Trumps blockieren, nicht aber eine eigene Politik gestalten. Eigene Gesetzesvorhaben zum Beispiel könnten die Demokraten kaum durchbringen. Denn diese könnte Trump durch sein Vetorecht blockieren. Nur mit einer Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern könnten die Demokraten Trumps Veto überstimmen. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass die Demokraten eine solche Mehrheit bei den Zwischenwahlen erreichen.
Würden die Demokraten die Mehrheit im Senat gewinnen, könnten sie die Ernennung von Botschaftern, hohen Regierungsbeamten und gegebenenfalls auch von neuen Ministern blockieren. Gleiches gilt für die Ernennung von Bundesrichtern.
Doch weder in seiner ersten Amtszeit (2017–2021) noch in seiner laufenden Amtszeit konnten die Demokraten die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses erlangen.

Mögliche Konsequenzen für Europa

Waya Quiviger, Professorin an der IE University in Madrid und Segovia, wirft einen Blick darauf, was diese amerikanischen Zwischenwahlen für Europa und die Welt bedeuten könnten. In einem Beitrag für die auf wissenschaftliche Expertise spezialisierte Nachrichtenplattform „The Conversation“ stellt sie fest, dass die diesjährigen Zwischenwahlen bereits Wochen vor dem Wahltermin Auswirkungen gehabt hätten und besonders in Europa aufmerksam wahrgenommen würden.
Da die Kraftstoffpreise die amerikanischen Wähler belasten, habe Trump kurz vor den Wahlen mit Moskau eine Vereinbarung getroffen, russischen Diesel zu importieren, „in der Hoffnung, die Kraftstoffpreise noch vor dem Wahltag zu senken. Dies war eine verblüffende Kehrtwende nach jahrelangem Druck der USA auf Moskau wegen dessen Krieg gegen die Ukraine“, so die Professorin.
Diese Maßnahme stehe in einem „auffälligen Kontrast zu Europa“. Die EU hat wenige Tage später, am 12. Oktober, weitere weitreichende Sanktionen gegen Russland verhängt. Vier Tage später setzte Trump US-Sanktionen gegen Russland aus, die er selbst erst wenige Wochen zuvor unterzeichnet hatte.
Europäer sollten sich laut Quiviger darauf einstellen, dass eine Wahlschlappe „Trump nicht zwangsläufig dazu bringen wird, im Ausland weniger aktiv zu sein“. Vielmehr könnte „dies sogar den gegenteiligen Effekt haben“.
Da Gesetzesinitiativen dann durch die Demokraten blockiert wären, „könnte er sich auf internationale Abkommen, Konfrontationen und sein präsidiales Vermächtnis konzentrieren“, schreibt die spanische Professorin. Deshalb sollten sich die Europäer „auf einen Präsidenten einstellen, der im Inland eingeschränkt ist, aber dennoch bereit ist, in der Außenpolitik große politische Risiken einzugehen“.

Der demokratische Senatskandidat, Abdul El-Sayed, am 19. September 2026 während einer Wahlversammlung in Saginaw, Michigan.

Foto: Jacob Burg/Epoch Times

Mögliche Änderungen für Nahost

Obwohl Trump in der Außenpolitik als Präsident das Sagen hat, könnte ein demokratisch dominierter Kongress die gesetzgeberischen Rahmenbedingungen in Bezug auf Israel und Palästina verändern und damit der propalästinensischen und israelkritischen Strömung innerhalb der Demokratischen Partei hinsichtlich der US-Hilfe für Israel mehr Gewicht verleihen, schreibt Hady Amr, früherer US-Sonderbeauftragter für palästinensische Angelegenheiten und Associate Fellow des Londoner Thinktanks Chatham House. In solch einem Fall würde die politische Grundlage geschaffen, auf der eine mögliche Regierung der Demokraten nach der Präsidentschaftswahl 2028, ihre Politik gestalten würde.
Amr verweist auf eine Reihe von Demokraten, darunter Abdul El-Sayed, der in Michigan für den US-Senat kandidiert, sowie Angela Gonzales-Torres, die in Kalifornien für das US-Repräsentantenhaus antritt. Beide gehören zum sogenannten progressiven Flügel der Demokraten und hätten „wegen ihrer Kritik an den Maßnahmen der israelischen Regierung – und der Unterstützung der USA dafür – erhebliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen“.
Allein die Entwicklungen im politischen Washington im vergangenen Monat würden verdeutlichen, dass sich vieles verändert habe. Als Beleg führt der Chatham-House-Analyst an: Am 29. September haben 46 von 47 demokratischen Senatoren für eine Resolution gestimmt, die das US-Außenministerium „verpflichten soll, Informationen und Einschätzungen im Zusammenhang mit Ermittlungen zur Tötung von amerikanischen Bürgern durch gewalttätige israelische Siedler oder israelische Sicherheitskräfte im Westjordanland vorzulegen“.
Die Resolution sei zwar von der aktuellen republikanischen Mehrheit abgelehnt worden. Bemerkenswert findet Amr „jedoch die Einstimmigkeit bei der Abstimmung. Eine solche Einigkeit der Demokraten bei einer Resolution, die Israel kritisiert, wäre noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen.“
Der Analyst kommt zu dem Schluss: Sollten die Demokraten die Kontrolle über den Kongress erlangen, könnten sie die kommenden beiden Jahre dazu nutzen, Vorbereitungen für das Wahljahr 2028 zu treffen.
Ein demokratischer Kongress könnte beispielsweise dazu drängen, den Ausbau der Siedlungen im Westjordanland infrage stellen und darangehen, „die US-Militärhilfe genau unter die Lupe zu nehmen, tragfähige Elemente des Wiederaufbaus im Gazastreifen zu unterstützen, palästinensische Institutionen zu stärken und damit zu beginnen, rechtliche Hindernisse für normale Beziehungen zwischen den USA und Palästina aus dem Weg zu räumen“, so Amr.
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Eine einstige Ruine im Einklang mit Stein, Wasser und einer frischen Brise

An den sonnigen Ufern des Flusses Guadiana in Andalusien, wo Spanien und Portugal aufeinandertreffen, steht ein außergewöhnliches Haus – das „Piedra y Agua“, was wörtlich übersetzt „Stein und Wasser“ bedeutet. Dieses kompakte, markante Refugium ohne Innentüren schafft eine meisterhafte Balance zwischen lebendig gewordener Geschichte, den klaren Linien des zeitgenössischen iberischen Designs und einer vom Fluss geprägten Lebensweise.
Das Haus befindet sich in Sanlúcar de Guadiana, einem Dorf mit etwas mehr als 400 Einwohnern, dessen Geschichte seit jeher vom Wasser geprägt ist. Als erster geschützter Ankerplatz landeinwärts des Atlantiks diente Sanlúcar als wichtiger Treffpunkt für Seeleute und Reisende. Über Generationen hinweg entschieden sich viele von ihnen, hier dauerhaft anzulegen und sich niederzulassen. Dadurch schufen sie nicht nur eine einzigartige Kultur, sondern auch eine tiefe Verbindung mit dem Fluss.
Für Olga, die Eigentümerin der Immobilie, ist das Projekt der Höhepunkt einer jahrzehntelangen Liebesbeziehung zum Fluss. Nachdem sie jahrelang mit dem Boot den Guadiana bereist und an seinen Ufern übernachtet hatte, sehnte sie sich nach einem dauerhaften Rückzugsort. Der perfekte Platz dafür schien ihr in den verfallenen Steinruinen eines alten Grenzpostens der Guardia Civil aus dem 19. Jahrhundert, der einst zur Überwachung des Flussverkehrs und zur Bekämpfung lokaler Schmuggler diente.
Für ihr Projekt beauftragte die Besitzerin zwei Architekturbüros: das in Sevilla ansässige Zurita Studio sowie das in Madrid und Padua tätige Kalibra Arquitectura. Statt das Gebäude historisch zu restaurieren, wurde die 150 Jahre alte Steinruine als strukturelles Gerüst genutzt. Die Steinmauern bilden das tragende Element und definieren die Grundfläche des Hauses. Das nicht nur optisch raue Mauerwerk des historischen Wachturms prägt Licht, Raum und den Charakter der zeitgenössischen Sanierung im Inneren des Gebäudes.
Dieses Zusammenspiel aus rauer, historischer Fassade und stilvoller Innenausstattung folgt einer konsequenten „Ökonomie der Mittel“. Trotz des begrenzten Budgets entstand so eine überzeugende Verbindung von historischer Bausubstanz und zeitgenössischer Gestaltung. Mit poetischem Pragmatismus haben sich die Architekten dem Kreislaufprinzip verschrieben: Wiederverwertung, Zurückhaltung und kreative Neuerfindung.
Die Materialpalette ist sorgfältig aufeinander abgestimmt. Aus der ursprünglichen Ruine wurden verwitterte Dachbalken aus Kiefernholz ausgebaut und zu einer schwebenden Treppe sowie minimalistischen Küchenelementen verarbeitet. Ein weicher, sandfarbener Mikrozement fließt nahtlos über die Böden und erhebt sich zu Arbeitsplatten, integrierten Spülbecken und offenen Duschwannen, wodurch eine ruhige, einheitliche Fläche entsteht.
Vor diesen sauberen, durchgehenden Flächen kommt die Struktur lokaler Handwerkskunst besonders gut zur Geltung. Eine großformatige, geflochtene Lampe aus Espartogras hängt eindrucksvoll von der hohen Kiefernholzdecke herab. Neben dem alten, freiliegenden Mauerwerk schaffen ein antiker Holzschrank und zeitgenössische Werke eines argentinischen Malers einen stillen Dialog zwischen der Geschichte der Grenzregion und modernem kreativem Ausdruck.
Die vielleicht radikalste gestalterische Entscheidung bei „Piedra y Agua“ ist jedoch das, was fehlt: Das Haus verfügt über keine Klimaanlage. Im Süden Andalusiens, wo die Sommertemperaturen regelmäßig in die Höhe schnellen, wird stattdessen auf eine alte Methode der Raumkühlung gesetzt.
Die fast einen Meter dicken Steinmauern wirken wie ein Wärmespeicher, die tagsüber die Sonnenwärme aufnehmen und nachts langsam wieder abgeben. Eine schräge Dachlinie erhebt sich eindrucksvoll zum Fluss hin und bildet einen doppelt so hohen Raum im Inneren, wo warme Luft auf natürliche Weise verteilt und nach oben abgeleitet wird, weg von den Wohnräumen. Strategisch platzierte Querlüftung, versenkte Westfenster, die als struktureller Sonnenschutz dienen, sowie eine kühlende Brise vom Guadiana runden das Konzept ab.
Durch den Verzicht auf Innentüren und Wände entfaltet das Haus seinen Charme als fließende Abfolge von Gemeinschaftsräumen. Diese gehen nahtlos ineinander über und laden zu einem Leben in ständiger Verbundenheit mit dem Wasser, der Brise und dem wechselnden Licht der Grenzregion ein.
Letztendlich liefert die „Piedra y Agua“ ein überzeugendes Beispiel für folgende Erkenntnis: Die luxuriösesten Häuser der Zukunft sind vielleicht nicht solche, die mit Technologie vollgestopft sind. Vielleicht sind es eher jene, die das uralte Wissen dieser Gegend respektieren.
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Juanca Lagares und Ulrich Stockhaus
Dieser Artikel erschien im Original auf magnifissance.com unter dem Titel „A House Without Doors: Embracing Stone, Water and River Breeze“. (redaktionelle Bearbeitung: sua)
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und in den sozialen Medien: instagram.com/magnifissance.
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Die Heilkraft der Schärfe: Warum Wissenschaft und TCM plötzlich dieselben Rezepte empfehlen

Ein westlicher Ernährungswissenschaftler wird Ihnen erklären, dass Chilischoten dank Capsaicin wirken, einem Stoff, der Schmerzen lindern und den Stoffwechsel ankurbeln kann. Für einen Praktiker der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) vertreibt die Chili Kälte und bringt stagnierende Energie wieder in Bewegung. Beide beschreiben dasselbe feurige Gefühl, und beide haben auf ihre Weise recht.
Von mexikanischen Salsas bis zu Sichuan-Hotpots, scharfe Zutaten verleihen Gerichten schon seit Jahrhunderten ihren besonderen Charakter. Was sich jedoch verändert hat: Die moderne Wissenschaft erforscht heute mit bemerkenswerter Ernsthaftigkeit die biochemischen Grundlagen von Schärfe, und bestätigt dabei oft genau das, was die TCM seit Jahrhunderten beobachtet.

Drei Wirkstoffe

Die westliche Ernährungswissenschaft konzentriert sich auf drei Wirkstoffe:
  • Piperin (schwarzer Pfeffer),
  • Capsaicin (Chilischoten) und
  • Gingerol (Ingwer).
Diese Moleküle sind für die Schärfe verantwortlich, die diesen Gewürzen ihre charakteristische Note verleiht und sie bieten zudem eine Vielzahl von gesundheitlichen Vorteilen.
Der größte Vorteil von Piperin liegt in seiner Fähigkeit, Krebsstammzellen zu unterdrücken und bestimmte Leber- und Darmenzyme zu blockieren, die normalerweise Nährstoffe abbauen, bevor diese in den Blutkreislauf gelangen.
Capsaicin reduziert Substanz P, einen Neurotransmitter, der Schmerzsignale an das Gehirn weiterleitet. Deshalb ist es ein häufiger Bestandteil von Salben gegen Arthritis und Nervenschmerzen. Zur gezielten Schmerztherapie wird Capsaicin jedoch vorwiegend äußerlich angewendet, da das Essen von Chilis Schmerzsignale in peripheren Nerven nicht auf dieselbe lokale Weise blockieren kann.
Capsaicin regt zudem die Thermogenese an, den körpereigenen Prozess der Wärmeerzeugung, was zu einem erhöhten Kalorienverbrauch führt. Diese Eigenschaft hat scharfe Speisen bei Menschen beliebt gemacht, die nach Lösungen zur Gewichtsregulierung suchen. Der Effekt auf die Gewichtsabnahme ist jedoch gering und kein Ersatz für eine Diät oder sportliche Betätigung.
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Capsaicin dazu beitragen kann, den Blutdruck und den Cholesterinspiegel zu senken und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern, während Ingwer in Laborstudien antimikrobielle Wirkungen gezeigt hat, die die Gesundheit des Immunsystems unterstützen können.
Die entzündungshemmenden Verbindungen des Ingwers können Muskelkater und Gelenkschmerzen lindern. Außerdem ist Ingwer reich an Antioxidantien, die oxidativem Stress entgegenwirken, der zu Alterungsprozessen und chronischen Erkrankungen beiträgt.

Die Vorteile der Schärfe

In der TCM wird Essen nicht von Medizin getrennt. Man geht davon aus, dass alles, was man isst, das innere Gleichgewicht des Körpers beeinflusst – sein Qi (Lebensenergie), das Blut und das Wechselspiel von Yin und Yang – zwei sich ergänzende, gegensätzliche Kräfte, die zusammenwirken, um das dynamische Gleichgewicht des Universums aufrechtzuerhalten.
Scharfe Zutaten werden als „warm“ oder „heiß“ eingestuft. Man sagt ihnen nach, dass sie den Kreislauf anregen und „Kälte“ sowie „Stagnation“ beseitigen; deshalb werden Ingwer, Zimt und Sichuan-Pfeffer traditionell im Winter oder von Menschen verwendet, die leicht frieren.
„Frischer Ingwer, Frühlingszwiebeln und Zimtstangen können oft eingesetzt werden, um Erkältungs- und Grippeviren abzuwehren, bevor sie sich im Körper wirklich festgesetzt haben“, erklärte Sharon Sherman, eine zugelassene Akupunkteurin und Kräuterkundlerin, gegenüber der Epoch Times. Eine weitere traditionelle Anwendung von Ingwer, nämlich die Linderung von Übelkeit, wirke direkter auf die Verdauung, sagte sie.

Bitter, sauer, scharf: Geschmack mit Funktion

„Selbst der Geschmack hat in der TCM eine eigene Bedeutung“, erklärt der TCM-Arzt und Akupunkteur Maz Roginski. Demnach regen scharfe beziehungsweise würzige Aromen das Schwitzen an; bittere Geschmacksrichtungen wirken „absenkend“, was bei Beschwerden wie Sodbrennen oder Verstopfung helfen soll. Saure Geschmacksrichtungen regen die Bildung von Speichel und anderen Körperflüssigkeiten an.
Gewürze werden selten allein verwendet. „Die synergistische Kombination von Kräutern und Gewürzen ist das Herzstück der chinesischen Kräutermedizin“, sagte Sherman. „Wir verlassen uns selten auf einzelne Kräuter, um ein Symptom oder ein Ungleichgewicht zu behandeln.“
Ein klassisches Beispiel ist der Ingwer-Süßholzwurzel-Sud aus dem „Shang Han Lun“, einem medizinischen Text aus der Östlichen Han-Dynastie. „Ingwer regt das Verdauungsfeuer an, während die Süße der Süßholzwurzel die anregende, wärmende Wirkung ausgleicht und Nebenwirkungen wie Schluckauf, Sodbrennen oder sogar Hautausschläge verhindern kann“, erklärte Sherman.
Maßhalten ist das Leitprinzip. „Anzeichen von überschüssiger Hitze, wie Durst, trockener Mund, Reizbarkeit oder ein gelber Zungenbelag, deuten darauf hin, dass wärmende Gewürze reduziert werden müssen“, erklärte Dr. Reuben Chen, ein TCM-Praktiker, gegenüber der Epoch Times.
Wer es mit der Schärfe übertrieben hat, für den hält die TCM laut Chen kühlende Gegenmittel bereit: Mungobohnensuppe soll „Hitze aus dem Blut leiten“, Chrysanthementee beruhigt gerötete Augen und Reizbarkeit, und Pfefferminztee hilft dabei, überschüssige Wärme über die Haut abzuleiten.

Nahrungsergänzungsmittel, Wechselwirkungen und Lagerung

Während die Mengen in Lebensmitteln im Allgemeinen als unbedenklich gelten, sind Nahrungsergänzungsmittel deutlich höher dosiert, gibt die US-Ernährungsexpertin Sophia Deahl zu bedenken.
„Beispielsweise sollten Menschen, die Blutverdünner einnehmen, mit ihrem Arzt sprechen, bevor sie hochdosierte Kurkuma-, Ingwer- oder Knoblauchpräparate einnehmen, da diese das Blutungsrisiko beeinflussen können“, sagte sie.
Menschen mit Lebererkrankungen sollten bei hochkonzentriertem Kurkuma oder Zimt vorsichtig sein“, rät die Expertin. Schwangere sollten vor der Einnahme von Kräuter- oder Gewürzpräparaten grundsätzlich ärztlichen Rat einholen.
Wer auf zertifizierte Bio-Marken setzt, kann zudem die Belastung durch Pestizide und Schwermetalle verringern. Auch die richtige Lagerung spielt eine Rolle: In luftdichten Glasbehältern, geschützt vor Hitze, Feuchtigkeit und direkter Sonneneinstrahlung, behalten Gewürze am längsten ihre Wirksamkeit. Ein Blick auf das Verfallsdatum lohnt sich ebenfalls – verströmt ein Gewürz sein charakteristisches Aroma nicht mehr, ist das ein Zeichen dafür, dass sich die wertvollen Wirkstoffe bereits abgebaut haben.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Benefits of Eating Spicy Foods“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Spitzensportler Böhlmark – Seine größte Entdeckung war der Mensch

Vor sechs Jahren durchquerte der Spitzensportler Jonas Böhlmark die Ostsee mit dem Stand-Up-Paddleboard (SUP). Eine 280 Kilometer lange Reise, die ihn 43 schlaflose Stunden kostete. Alle seine Fingernägel verfärbten sich blau, einer fiel ihm sogar aus. Im darauffolgenden Jahr beschloss er, mit seinem Freund Axel Bergsten bis zur russischen Grenze Ski zu fahren.
Die Reise verlief jedoch nicht ganz so, wie sie es geplant hatten. Aufgrund von Pandemie-Beschränkungen mussten sie nach 43 Tagen umkehren. Es war eine Reise von fast 1.200 Kilometern, von Grövelsjön im Westen Schwedens nahe der norwegischen Grenze bis nach Karesuando im Norden in den schwedischen Bergen, nahe der Grenze zu Finnland.

Der Hintergrund seiner Reisen

Die Reise war nicht in erster Linie eine körperliche Herausforderung, sondern diente dazu, das Bewusstsein für psychische Erkrankungen zu schärfen und das Stigma rund um die bipolare Störung abzubauen. Die Krankheit wurde bei ihm im Alter von 19 Jahren diagnostiziert.
Bei einer bipolaren Störung können Betroffene zwischen manischen und depressiven Phasen wechseln. In manischen Phasen fühlen sie sich oft ungewöhnlich energiegeladen, stark und leistungsfähig – manchmal sogar so, als könnten sie alles bewältigen. In depressiven Phasen hingegen können Energie, Antrieb und Ausdauer nahezu vollständig verschwinden.
Nach seinem Abenteuer in Richtung russischer Grenze begann er, an seinem Buch zu schreiben. Er nannte es „Die bipolare Bibel“ – ein ehrliches und offenes Buch darüber, wie es sein kann, an einer bipolaren Störung zu erkranken und damit zu leben. Das Buch ist eine autobiografische Erzählung über sein Leben, seine bipolare Störung und seinen Weg ins Abenteuer.

Ein Buch wie ein Weg

Anhand seiner eigenen Erfahrungen möchte er zeigen, dass die Krankheit nicht das Leben eines Menschen bestimmen muss. In dem Buch verwebt sich die Geschichte seiner Krankheit mit seinen sportlichen Leistungen und Abenteuern. Manie, Depression, Psychosen, Training, Medikamente und Selbstbeherrschung werden Teil derselben Erzählung. Für Jonas ist körperliche Aktivität nicht nur eine Freizeitbeschäftigung – sie ist auch zu einem Weg geworden, sich besser zu fühlen und die Kontrolle zurückzugewinnen.
Das Buch nahm Gestalt an, als Jonas sich selbst in einer intensiven Lebensphase befand. Seitdem ist es gemeinsam mit seinen Abenteuern gewachsen. Das Ziel ist es, Menschen zu erreichen, die selbst mit einer bipolaren Störung leben, sondern auch Angehörige und andere, die verstehen möchten, wie es ist, mit dieser Erkrankung zu leben.
Er erklärt:
„Viele Menschen, die mit einer bipolaren Störung leben, haben ein sehr schweres Leben. Ich möchte zeigen, dass es trotzdem möglich ist, ein erfülltes und aktives Leben zu führen. Viele sagen, sie seien bipolar, aber ich halte das für eine falsche Ausdrucksweise. Man sollte sich nicht mit seiner Krankheit identifizieren. Ich habe eine bipolare Störung, aber ich bin nicht meine Krankheit.“
Das Buch entstand in den Jahren 2021 und 2022 und wurde auch ins Englische und Spanische übersetzt. Nach seinem jüngsten Abenteuer, welches internationale Aufmerksamkeit erregte, sollte dies relevant werden.

Sein längstes Abenteuer

Im September 2022, noch bevor sein Buch einen Verlag gefunden hatte, begab sich Jonas zusammen mit seinem Freund Axel auf das, was sein längstes Abenteuer werden sollte. Die Reise begann in Lyngen, hoch im Norden von Norwegen. Der Plan war, nach Süden in Richtung Treriksröset zu laufen, am Dreiländereck zu Schweden und Finnland. Der Plan war, nach Süden in Richtung Treriksröset zu laufen und dann den Torne-Fluss mit dem Stand-Up-Paddleboard bis nach Haparanda zu befahren.
Nach einiger Zeit nimmt die Reise eine Wende: Axel kehrte nach Hause zu seiner Familie und seiner Arbeit zurück. Was als gemeinsames Abenteuer begann, setzte Jonas nun alleine fort. Seine Reise führte ihn weiter nach Helsinki, der Hauptstadt Finnlands, weiter nach Tallinn, der Hauptstadt von Estland, dann nach Malmö, ganz im Süden von Schweden und wieder nach Norden, nach Mora, in Mittelschweden und Kiruna in Nordschweden, bis nach Narvik, einer Hafenstadt an der norwegischen Nordatlantikküste. Er lief, er radelte und er paddelte.
Danach entstand die Idee, mit dem SUP die Küste Europas entlang bis nach Gibralter zu paddeln, dem Tor zu Afrika, der einen Seite der Säulen des Herakles, wie man die europäischen und afrikanischen Felsen beidseits der Meerenge in der Antike nannte. Die Reise dauerte gut drei Jahre. Es gab nur leichtes Gepäck und geschlafen wurde unter freiem Himmel.
„Dieses Abenteuer hat mir sehr gutgetan. Es hat mir geholfen, meine bipolare Störung unter Kontrolle zu halten. Die tägliche körperliche Aktivität, der Aufenthalt im Freien und die klaren Routinen waren für mich wie Medizin. Ich musste in diesen Jahren keine Schlaftabletten einnehmen.“
Doch Jonas wollte noch weiter, weiter in Richtung Afrika, immer weiter nach Süden paddeln, an der Westküste Marokkos entlang.

Die Frage der Frau in Sagres

Jonas hatte sich schon vorbereitet und das meiste besorgt, was man für so eine Reise braucht. Er sah ein weiteres langes Abenteuer vor sich. Doch dann, irgendwo unterwegs, begann er sich zu fragen, warum er eigentlich weitermachte. Es ging schon nicht mehr nur um die Freude am Paddeln, sondern immer mehr darum, etwas zu tun, was noch niemand zuvor getan hatte.
Schließlich beschloss er, eine Pause einzulegen. Er erkannte, dass er nicht wollte, dass es nur noch darum ging, anderen etwas zu beweisen. Er wollte es doch um seiner selbst willen tun.
Diese Erkenntnis hängt mit einer Frage zusammen, die ihm eine Frau in Sagres in Portugal gestellt hatte: „Was würdest du tun, wenn du niemandem etwas beweisen müsstest?“
Die Frage ließ ihn nicht mehr los. Jonas liebt es nach wie vor, auf seinem SUP zu stehen und zu paddeln. Aber das muss nicht bedeuten, dass jede Reise länger, schwieriger oder extremer sein muss als die vorherige.
Jonas Böhlmark möchte das Stigma rund um die bipolare Störung abbauen. In „Die Bipolar-Bibel“ teilt er seine persönlichen Erfahrungen und zeigt Wege aus der Krise auf. Foto: Privat

Jonas Böhlmark möchte das Stigma rund um die bipolare Störung abbauen. In „Die Bipolar-Bibel“ teilt er seine persönlichen Erfahrungen und zeigt Wege aus der Krise auf.

Foto: Privat

Die Magie der Natur erleben

Es gibt andere Dinge, die ihm wichtig sind.
„Die Morgenstunden haben etwas Besonderes an sich. Man wacht auf, baut sein Lager ab und weiß, dass der ganze Tag noch vor einem liegt. Dann schnappt man sich sein SUP, geht hinunter zum Wasser und stellt sich auf das Brett. Wenn ich auf das SUP steige, passiert etwas in meinem Körper. Alles wird ruhig, und ein fast schon magisches Gefühl stellt sich ein. Das erlebe ich nun schon seit mehreren Jahren.“
Für Jonas ist körperliche Aktivität einer der wichtigsten Faktoren für sein Wohlbefinden. Er beschreibt die letzten Jahre als eine Zeit, in der es ihm sehr gut ging und er keine schwerwiegenden Episoden hatte. Das Training wird zu einer zusätzlichen Medizin und zu einem Weg, sich von schlechten Phasen zu erholen und mehr Kontrolle über sein Befinden zu erlangen.
„Bewegung tut jedem gut, aber für Menschen mit einer bipolaren Störung ist sie besonders wichtig. Ich würde mir wünschen, dass Ärzte den Betroffenen körperliche Aktivität verschreiben – und zwar nicht nur einmal pro Woche. Wenn es einem schlecht geht, muss man sich anstrengen und jeden Tag trainieren. Als Angehöriger ist es gut, wenn man dabei hilft, da es schwierig sein kann, aus eigener Kraft den ersten Schritt zu machen.“
Doch das Training ist nicht das Einzige, was Jonas als entscheidend hervorhebt.

Die eigenen Schwächen meistern

Mindestens ebenso wichtig ist die Selbstkontrolle. In seinem Buch beschreibt er, wie sich der manische Zustand als enorme Freude – als brennender Energieschub – anfühlen kann, aber dass er letztendlich zu nichts Gutem führt. Wie eine Droge, die einen dazu bringt, verheerende Entscheidungen zu treffen, mit denen man dann leben muss.
„Bei der Selbstbeherrschung geht es darum, das zu tun, von dem man weiß, dass man es tun muss, auch wenn man keine Lust dazu hat. Egal, wie müde ich bin, ich nehme jeden Abend meine Medikamente ein. Das ist in etwa so wie Zähneputzen. Man tut es, weil man weiß, dass es wichtig ist. Ich weiß, dass Alkohol nicht gut für mich ist, und deshalb trinke ich nicht.“
Sowohl das Buch als auch die Abenteuer sind für Jonas eine Möglichkeit, die bipolare Störung zu normalisieren. Ein bisschen so, wie Diabetes sich von einem Stigma zu einer Krankheit gewandelt hat, die jeder kennt.

„Die Menschheit ist wirklich wunderbar“

Als ich ihn frage, was die wichtigsten Erkenntnisse sind, die er während seiner Abenteuer gewonnen hat, bekomme ich eine unerwartete Antwort. Es geht nicht um körperliche Leistungen oder tiefe Einsichten über sich selbst – sondern um die innewohnende Güte anderer Menschen.
„Die Menschheit ist wirklich wunderbar. Ich habe ganz Westeuropa bereist. Ich bin langsamer unterwegs gewesen als die meisten anderen. Überall begegne ich freundlichen, guten und hilfsbereiten Menschen.“
Jonas stand in den letzten Jahren durchschnittlich vier bis sechs Stunden täglich auf seinem SUP. Sein Gepäck passt in einen wasserdichten Beutel, den er auf dem Brett mitnimmt. Kein Neoprenanzug, kein Notruftelefon, kein Begleitboot, das überprüft, ob es ihm gut geht – und keine Sponsoren.
Keine sichtbaren Sponsoren zu haben, ist eine bewusste Entscheidung von Jonas. Das erschwert seine finanzielle Situation erheblich und verschafft ihm weniger Medienpräsenz. Aber gleichzeitig schafft es Freiheit. Er muss weder Bilder noch Ergebnisse liefern noch sich danach richten, was andere von ihm erwarten.

Ohne Netz und doppelten Boden

In erster Linie geht es bei dieser Entscheidung um Jonas’ Beziehung zur Natur. Während seiner Abenteuer hat er Jahre damit zugebracht, Tag und Nacht im Freien zu verbringen. Die Natur ist ihm mittlerweile so nah, dass sie sich fast lebendig anfühlt. Wenn er sich um die Natur kümmert, wird sich die Natur auch um ihn kümmern. Er reagiert sehr empfindlich auf Müll und findet es widersprüchlich, die Natur zu nutzen, um Marken zu stärken, die eine Konsumgesellschaft unterstützen.
Jonas’ Abenteuer ist in vielerlei Hinsicht gefährlich. Ohne Begleitboot ist er alleine auf seinem SUP. Sollte etwas passieren, gibt es niemanden, der schnell zu Hilfe eilen könnte. Es gibt nur ihn selbst und die Natur.
Die Ausrüstung muss solange durchhalten, wie es nur geht. Das Board wurde schon so oft repariert, dass die Flicken mittlerweile ein Teil davon geworden sind. Derzeit schläft er in zwei kaputten Schlafsäcken, die einander ergänzen müssen. Ein Zelt besitzt er nicht. Stattdessen schläft er unter freiem Himmel, oft an Stränden oder in Waldgebieten.
Es ist ein spartanisches Leben ohne Dinge, die sonst selbstverständlich sind. Die Beschaffung von Essen, Wasser, Schlaf und einem Platz zum Schlafen wird Teil der Tagesplanung.
„Vier Jahre auf Reisen haben mir eine Perspektive auf Menschen eröffnet, denen man in den Nachrichten nicht so oft begegnet.“
Er hat oft Hilfe von fremden Menschen erhalten, und wenn er krank wurde, ging diese Hilfe manchmal über einen Teller Essen oder ein repariertes Brett hinaus. Zweimal, als er im Krankenhaus operiert wurde, sind Menschen, die er kaum kannte, zu seinen Freunden geworden und haben ihm ihr Zuhause geöffnet. In Frankreich wohnte er etwa zwei Monate lang bei einer 63-jährigen Frau und ihren Freunden. Für Jonas sind solche Begegnungen ein Beweis dafür, dass das Bild vom Menschen, das in den Nachrichten oft vermittelt wird, nicht die ganze Wahrheit ist.
Dieser Eindruck verstärkte sich noch in Gegenden, in denen die Menschen selbst echten Hunger erlebt haben und aus eigener, körperlicher Erfahrung wissen, wie es ist, in einer prekären Lage zu sein.
Eine wichtige Sache, die man beachten sollte, wenn man an einer bipolaren Störung leidet ist – und das gilt auch für alle Menschen –, sich um seine Beziehungen zu kümmern. Während meines Abenteuers habe ich sehr viele nette Menschen kennengelernt.
Diese Beziehungen sind zu einem großen Teil des Abenteuers geworden. Als er sich auf den Weg machte, ging es anfangs vor allem um die eigene Leistung, doch nach mehreren Jahren auf den Straßen haben die Menschen, denen er begegnet ist, für ihn eine immer größere Bedeutung erlangt.

Vier Jahre auf Reisen haben Jonas Böhlmarks Lebenseinstellung verändert. Jetzt sind es Beziehungen, Natur und Freiheit, die ihm am wichtigsten sind.

Foto: Privat

Eine neue Sicht auf die Zukunft

Das ist auch etwas, das offenbar seine Vorstellung von dem verändert hat, was er in der Zukunft erreichen möchte. Bei einem Abenteuer geht es also nicht unbedingt darum, ständig den nächsten Schritt zu machen, weiter zu paddeln oder etwas zu tun, was noch niemand zuvor getan hat. Stattdessen sind es die Beziehungen, die wichtig geworden sind, und die Natur und die Möglichkeit, selbst über den eigenen Alltag zu bestimmen.
Nun bleibt die Frage, was er mit all dem anfangen soll, was er erlebt hat, und wie ein Leben nach dem Abenteuer aussehen soll.
Das Buch ist auch ein Teil davon. Doch es ist nicht sicher, dass Jonas’ „Bipolare Bibel“ zuerst auf Schwedisch erscheinen wird. Während seiner Reise entlang des europäischen Kontinents hat er große mediale Aufmerksamkeit erhalten. In Schweden wird er jedoch selten erwähnt. Jonas beschreibt, wie er heute auf dem Rückweg als Held empfangen wird, jetzt, wo er in Portugal paddelt und weiter nach Norden fährt.
Eigentlich möchte er nach Grövelsjön in Dalarna, Westschweden, zurückkehren und als Naturführer arbeiten oder Wildniscamps organisieren. Aber er hat Angst, dass er von seiner Leidenschaft nicht leben kann. Dank der öffentlichen Aufmerksamkeit rund um sein Rekordabenteuer wäre ein entsprechender Lebensunterhalt in Südeuropa möglich.
Nach vier Jahren des Reisens zu Land und Wasser hat er jedoch bisher nicht genug. Jonas spricht davon, so lange weiter zu paddeln, bis er einen Grund findet, sich niederzulassen. Vielleicht eine Frau, mit der er eine Familie gründen kann, oder etwas so Einfaches wie eine friedliche Arbeit an einem von Europas Stränden.
Es geht nicht mehr darum, etwas zu tun, was noch niemand zuvor getan hat, sondern darum, zu verstehen, was er eigentlich will.
Gleichzeitig hat das Abenteuer ihn grundlegend verändert. Nach über vier Jahren unter freiem Himmel ist das einfache Leben zur neuen Normalität geworden. Als wir miteinander sprechen, hat Jonas einen Schlafplatz unter einem Sonnenschirm an einem Strand in Südeuropa gefunden. Es ist spät am Abend, und ich höre, wie der Wind heult. Er hat keine Wohnung, in die er nach Hause gehen kann, und keinen Arbeitstag, der am nächsten Morgen auf ihn wartet. Nur das SUP, sein Gepäck und den morgigen Tag.
Der Artikel erschien im Original auf epochtimes.se unter dem Titel „Hans största upptäckt var människan“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Spitzensportler Böhlmark: Seine größte Entdeckung war der Mensch

Vor sechs Jahren durchquerte der Spitzensportler Jonas Böhlmark die Ostsee mit dem Stand-Up-Paddleboard (SUP). Eine 280 Kilometer lange Reise, die ihn 43 schlaflose Stunden kostete. Alle seine Fingernägel verfärbten sich blau, einer fiel ihm sogar aus. Im darauffolgenden Jahr beschloss er, mit seinem Freund Axel Bergsten bis zur russischen Grenze Ski zu fahren.
Die Reise verlief jedoch nicht ganz so, wie sie es geplant hatten. Aufgrund von Pandemie-Beschränkungen mussten sie nach 43 Tagen umkehren. Es war eine Reise von fast 1.200 Kilometern, von Grövelsjön im Westen Schwedens nahe der norwegischen Grenze bis nach Karesuando im Norden in den schwedischen Bergen, nahe der Grenze zu Finnland.

Der Hintergrund seiner Reisen

Die Reise war nicht in erster Linie eine körperliche Herausforderung, sondern diente dazu, das Bewusstsein für psychische Erkrankungen zu schärfen und das Stigma rund um die bipolare Störung abzubauen. Die Krankheit wurde bei ihm im Alter von 19 Jahren diagnostiziert.
Bei einer bipolaren Störung können Betroffene zwischen manischen und depressiven Phasen wechseln. In manischen Phasen fühlen sie sich oft ungewöhnlich energiegeladen, stark und leistungsfähig – manchmal sogar so, als könnten sie alles bewältigen. In depressiven Phasen hingegen können Energie, Antrieb und Ausdauer nahezu vollständig verschwinden.
Nach seinem Abenteuer in Richtung russischer Grenze begann er, an seinem Buch zu schreiben. Er nannte es „Die bipolare Bibel“ – ein ehrliches und offenes Buch darüber, wie es sein kann, an einer bipolaren Störung zu erkranken und damit zu leben. Das Buch ist eine autobiografische Erzählung über sein Leben, seine bipolare Störung und seinen Weg ins Abenteuer.

Ein Buch wie ein Weg

Anhand seiner eigenen Erfahrungen möchte er zeigen, dass die Krankheit nicht das Leben eines Menschen bestimmen muss. In dem Buch verwebt sich die Geschichte seiner Krankheit mit seinen sportlichen Leistungen und Abenteuern. Manie, Depression, Psychosen, Training, Medikamente und Selbstbeherrschung werden Teil derselben Erzählung. Für Jonas ist körperliche Aktivität nicht nur eine Freizeitbeschäftigung – sie ist auch zu einem Weg geworden, sich besser zu fühlen und die Kontrolle zurückzugewinnen.
Das Buch nahm Gestalt an, als Jonas sich selbst in einer intensiven Lebensphase befand. Seitdem ist es gemeinsam mit seinen Abenteuern gewachsen. Das Ziel ist es, Menschen zu erreichen, die selbst mit einer bipolaren Störung leben, sondern auch Angehörige und andere, die verstehen möchten, wie es ist, mit dieser Erkrankung zu leben.
Er erklärt:
„Viele Menschen, die mit einer bipolaren Störung leben, haben ein sehr schweres Leben. Ich möchte zeigen, dass es trotzdem möglich ist, ein erfülltes und aktives Leben zu führen. Viele sagen, sie seien bipolar, aber ich halte das für eine falsche Ausdrucksweise. Man sollte sich nicht mit seiner Krankheit identifizieren. Ich habe eine bipolare Störung, aber ich bin nicht meine Krankheit.“
Das Buch entstand in den Jahren 2021 und 2022 und wurde auch ins Englische und Spanische übersetzt. Nach seinem jüngsten Abenteuer, welches internationale Aufmerksamkeit erregte, sollte dies relevant werden.

Sein längstes Abenteuer

Im September 2022, noch bevor sein Buch einen Verlag gefunden hatte, begab sich Jonas zusammen mit seinem Freund Axel auf das, was sein längstes Abenteuer werden sollte. Die Reise begann in Lyngen, hoch im Norden von Norwegen. Der Plan war, nach Süden in Richtung Treriksröset zu laufen, am Dreiländereck zu Schweden und Finnland. Der Plan war, nach Süden in Richtung Treriksröset zu laufen und dann den Torne-Fluss mit dem Stand-Up-Paddleboard bis nach Haparanda zu befahren.
Nach einiger Zeit nimmt die Reise eine Wende: Axel kehrte nach Hause zu seiner Familie und seiner Arbeit zurück. Was als gemeinsames Abenteuer begann, setzte Jonas nun alleine fort. Seine Reise führte ihn weiter nach Helsinki, der Hauptstadt Finnlands, weiter nach Tallinn, der Hauptstadt von Estland, dann nach Malmö, ganz im Süden von Schweden und wieder nach Norden, nach Mora, in Mittelschweden und Kiruna in Nordschweden, bis nach Narvik, einer Hafenstadt an der norwegischen Nordatlantikküste. Er lief, er radelte und er paddelte.
Danach entstand die Idee, mit dem SUP die Küste Europas entlang bis nach Gibralter zu paddeln, dem Tor zu Afrika, der einen Seite der Säulen des Herakles, wie man die europäischen und afrikanischen Felsen beidseits der Meerenge in der Antike nannte. Die Reise dauerte gut drei Jahre. Es gab nur leichtes Gepäck und geschlafen wurde unter freiem Himmel.
„Dieses Abenteuer hat mir sehr gutgetan. Es hat mir geholfen, meine bipolare Störung unter Kontrolle zu halten. Die tägliche körperliche Aktivität, der Aufenthalt im Freien und die klaren Routinen waren für mich wie Medizin. Ich musste in diesen Jahren keine Schlaftabletten einnehmen.“
Doch Jonas wollte noch weiter, weiter in Richtung Afrika, immer weiter nach Süden paddeln, an der Westküste Marokkos entlang.

Die Frage der Frau in Sagres

Jonas hatte sich schon vorbereitet und das meiste besorgt, was man für so eine Reise braucht. Er sah ein weiteres langes Abenteuer vor sich. Doch dann, irgendwo unterwegs, begann er sich zu fragen, warum er eigentlich weitermachte. Es ging schon nicht mehr nur um die Freude am Paddeln, sondern immer mehr darum, etwas zu tun, was noch niemand zuvor getan hatte.
Schließlich beschloss er, eine Pause einzulegen. Er erkannte, dass er nicht wollte, dass es nur noch darum ging, anderen etwas zu beweisen. Er wollte es doch um seiner selbst willen tun.
Diese Erkenntnis hängt mit einer Frage zusammen, die ihm eine Frau in Sagres in Portugal gestellt hatte: „Was würdest du tun, wenn du niemandem etwas beweisen müsstest?“
Die Frage ließ ihn nicht mehr los. Jonas liebt es nach wie vor, auf seinem SUP zu stehen und zu paddeln. Aber das muss nicht bedeuten, dass jede Reise länger, schwieriger oder extremer sein muss als die vorherige.
Jonas Böhlmark möchte das Stigma rund um die bipolare Störung abbauen. In „Die Bipolar-Bibel“ teilt er seine persönlichen Erfahrungen und zeigt Wege aus der Krise auf. Foto: Privat

Jonas Böhlmark möchte das Stigma rund um die bipolare Störung abbauen. In „Die Bipolar-Bibel“ teilt er seine persönlichen Erfahrungen und zeigt Wege aus der Krise auf.

Foto: Privat

Die Magie der Natur erleben

Es gibt andere Dinge, die ihm wichtig sind.
„Die Morgenstunden haben etwas Besonderes an sich. Man wacht auf, baut sein Lager ab und weiß, dass der ganze Tag noch vor einem liegt. Dann schnappt man sich sein SUP, geht hinunter zum Wasser und stellt sich auf das Brett. Wenn ich auf das SUP steige, passiert etwas in meinem Körper. Alles wird ruhig, und ein fast schon magisches Gefühl stellt sich ein. Das erlebe ich nun schon seit mehreren Jahren.“
Für Jonas ist körperliche Aktivität einer der wichtigsten Faktoren für sein Wohlbefinden. Er beschreibt die letzten Jahre als eine Zeit, in der es ihm sehr gut ging und er keine schwerwiegenden Episoden hatte. Das Training wird zu einer zusätzlichen Medizin und zu einem Weg, sich von schlechten Phasen zu erholen und mehr Kontrolle über sein Befinden zu erlangen.
„Bewegung tut jedem gut, aber für Menschen mit einer bipolaren Störung ist sie besonders wichtig. Ich würde mir wünschen, dass Ärzte den Betroffenen körperliche Aktivität verschreiben – und zwar nicht nur einmal pro Woche. Wenn es einem schlecht geht, muss man sich anstrengen und jeden Tag trainieren. Als Angehöriger ist es gut, wenn man dabei hilft, da es schwierig sein kann, aus eigener Kraft den ersten Schritt zu machen.“
Doch das Training ist nicht das Einzige, was Jonas als entscheidend hervorhebt.

Die eigenen Schwächen meistern

Mindestens ebenso wichtig ist die Selbstkontrolle. In seinem Buch beschreibt er, wie sich der manische Zustand als enorme Freude – als brennender Energieschub – anfühlen kann, aber dass er letztendlich zu nichts Gutem führt. Wie eine Droge, die einen dazu bringt, verheerende Entscheidungen zu treffen, mit denen man dann leben muss.
„Bei der Selbstbeherrschung geht es darum, das zu tun, von dem man weiß, dass man es tun muss, auch wenn man keine Lust dazu hat. Egal, wie müde ich bin, ich nehme jeden Abend meine Medikamente ein. Das ist in etwa so wie Zähneputzen. Man tut es, weil man weiß, dass es wichtig ist. Ich weiß, dass Alkohol nicht gut für mich ist, und deshalb trinke ich nicht.“
Sowohl das Buch als auch die Abenteuer sind für Jonas eine Möglichkeit, die bipolare Störung zu normalisieren. Ein bisschen so, wie Diabetes sich von einem Stigma zu einer Krankheit gewandelt hat, die jeder kennt.

„Die Menschheit ist wirklich wunderbar“

Als ich ihn frage, was die wichtigsten Erkenntnisse sind, die er während seiner Abenteuer gewonnen hat, bekomme ich eine unerwartete Antwort. Es geht nicht um körperliche Leistungen oder tiefe Einsichten über sich selbst – sondern um die innewohnende Güte anderer Menschen.
„Die Menschheit ist wirklich wunderbar. Ich habe ganz Westeuropa bereist. Ich bin langsamer unterwegs gewesen als die meisten anderen. Überall begegne ich freundlichen, guten und hilfsbereiten Menschen.“
Jonas stand in den letzten Jahren durchschnittlich vier bis sechs Stunden täglich auf seinem SUP. Sein Gepäck passt in einen wasserdichten Beutel, den er auf dem Brett mitnimmt. Kein Neoprenanzug, kein Notruftelefon, kein Begleitboot, das überprüft, ob es ihm gut geht – und keine Sponsoren.
Keine sichtbaren Sponsoren zu haben, ist eine bewusste Entscheidung von Jonas. Das erschwert seine finanzielle Situation erheblich und verschafft ihm weniger Medienpräsenz. Aber gleichzeitig schafft es Freiheit. Er muss weder Bilder noch Ergebnisse liefern noch sich danach richten, was andere von ihm erwarten.

Ohne Netz und doppelten Boden

In erster Linie geht es bei dieser Entscheidung um Jonas’ Beziehung zur Natur. Während seiner Abenteuer hat er Jahre damit zugebracht, Tag und Nacht im Freien zu verbringen. Die Natur ist ihm mittlerweile so nah, dass sie sich fast lebendig anfühlt. Wenn er sich um die Natur kümmert, wird sich die Natur auch um ihn kümmern. Er reagiert sehr empfindlich auf Müll und findet es widersprüchlich, die Natur zu nutzen, um Marken zu stärken, die eine Konsumgesellschaft unterstützen.
Jonas’ Abenteuer ist in vielerlei Hinsicht gefährlich. Ohne Begleitboot ist er alleine auf seinem SUP. Sollte etwas passieren, gibt es niemanden, der schnell zu Hilfe eilen könnte. Es gibt nur ihn selbst und die Natur.
Die Ausrüstung muss solange durchhalten, wie es nur geht. Das Board wurde schon so oft repariert, dass die Flicken mittlerweile ein Teil davon geworden sind. Derzeit schläft er in zwei kaputten Schlafsäcken, die einander ergänzen müssen. Ein Zelt besitzt er nicht. Stattdessen schläft er unter freiem Himmel, oft an Stränden oder in Waldgebieten.
Es ist ein spartanisches Leben ohne Dinge, die sonst selbstverständlich sind. Die Beschaffung von Essen, Wasser, Schlaf und einem Platz zum Schlafen wird Teil der Tagesplanung.
„Vier Jahre auf Reisen haben mir eine Perspektive auf Menschen eröffnet, denen man in den Nachrichten nicht so oft begegnet.“
Er hat oft Hilfe von fremden Menschen erhalten, und wenn er krank wurde, ging diese Hilfe manchmal über einen Teller Essen oder ein repariertes Brett hinaus. Zweimal, als er im Krankenhaus operiert wurde, sind Menschen, die er kaum kannte, zu seinen Freunden geworden und haben ihm ihr Zuhause geöffnet. In Frankreich wohnte er etwa zwei Monate lang bei einer 63-jährigen Frau und ihren Freunden. Für Jonas sind solche Begegnungen ein Beweis dafür, dass das Bild vom Menschen, das in den Nachrichten oft vermittelt wird, nicht die ganze Wahrheit ist.
Dieser Eindruck verstärkte sich noch in Gegenden, in denen die Menschen selbst echten Hunger erlebt haben und aus eigener, körperlicher Erfahrung wissen, wie es ist, in einer prekären Lage zu sein.
Eine wichtige Sache, die man beachten sollte, wenn man an einer bipolaren Störung leidet ist – und das gilt auch für alle Menschen –, sich um seine Beziehungen zu kümmern. Während meines Abenteuers habe ich sehr viele nette Menschen kennengelernt.
Diese Beziehungen sind zu einem großen Teil des Abenteuers geworden. Als er sich auf den Weg machte, ging es anfangs vor allem um die eigene Leistung, doch nach mehreren Jahren auf den Straßen haben die Menschen, denen er begegnet ist, für ihn eine immer größere Bedeutung erlangt.

Vier Jahre auf Reisen haben Jonas Böhlmarks Lebenseinstellung verändert. Jetzt sind es Beziehungen, Natur und Freiheit, die ihm am wichtigsten sind.

Foto: Privat

Eine neue Sicht auf die Zukunft

Das ist auch etwas, das offenbar seine Vorstellung von dem verändert hat, was er in der Zukunft erreichen möchte. Bei einem Abenteuer geht es also nicht unbedingt darum, ständig den nächsten Schritt zu machen, weiter zu paddeln oder etwas zu tun, was noch niemand zuvor getan hat. Stattdessen sind es die Beziehungen, die wichtig geworden sind, und die Natur und die Möglichkeit, selbst über den eigenen Alltag zu bestimmen.
Nun bleibt die Frage, was er mit all dem anfangen soll, was er erlebt hat, und wie ein Leben nach dem Abenteuer aussehen soll.
Das Buch ist auch ein Teil davon. Doch es ist nicht sicher, dass Jonas’ „Bipolare Bibel“ zuerst auf Schwedisch erscheinen wird. Während seiner Reise entlang des europäischen Kontinents hat er große mediale Aufmerksamkeit erhalten. In Schweden wird er jedoch selten erwähnt. Jonas beschreibt, wie er heute auf dem Rückweg als Held empfangen wird, jetzt, wo er in Portugal paddelt und weiter nach Norden fährt.
Eigentlich möchte er nach Grövelsjön in Dalarna, Westschweden, zurückkehren und als Naturführer arbeiten oder Wildniscamps organisieren. Aber er hat Angst, dass er von seiner Leidenschaft nicht leben kann. Dank der öffentlichen Aufmerksamkeit rund um sein Rekordabenteuer wäre ein entsprechender Lebensunterhalt in Südeuropa möglich.
Nach vier Jahren des Reisens zu Land und Wasser hat er jedoch bisher nicht genug. Jonas spricht davon, so lange weiter zu paddeln, bis er einen Grund findet, sich niederzulassen. Vielleicht eine Frau, mit der er eine Familie gründen kann, oder etwas so Einfaches wie eine friedliche Arbeit an einem von Europas Stränden.
Es geht nicht mehr darum, etwas zu tun, was noch niemand zuvor getan hat, sondern darum, zu verstehen, was er eigentlich will.
Gleichzeitig hat das Abenteuer ihn grundlegend verändert. Nach über vier Jahren unter freiem Himmel ist das einfache Leben zur neuen Normalität geworden. Als wir miteinander sprechen, hat Jonas einen Schlafplatz unter einem Sonnenschirm an einem Strand in Südeuropa gefunden. Es ist spät am Abend, und ich höre, wie der Wind heult. Er hat keine Wohnung, in die er nach Hause gehen kann, und keinen Arbeitstag, der am nächsten Morgen auf ihn wartet. Nur das SUP, sein Gepäck und den morgigen Tag.
Der Artikel erschien im Original auf epochtimes.se unter dem Titel „Hans största upptäckt var människan“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Koalition der Willigen: Bundeswehr übt für möglichen Einsatz in der Ukraine


In Kürze:

  • Die „Koalition der Willigen“ probt im November in Polen, Rumänien und Deutschland einen möglichen Einsatz in der Ukraine nach einem Waffenstillstand.
  • Die Bundeswehr beteiligt sich unter anderem mit etwa zehn Stabsoffizieren und zwei A400M-Tankflugzeugen; Russland lehnt NATO-Soldaten in der Ukraine ab.
  • Parallel sollen sich Unterhändler der Ukraine, Russlands und der USA in der ersten Novemberhälfte in Abu Dhabi treffen.

 
Um einen möglichen Einsatz europäischer Truppen in der Ukraine für den Fall eines Waffenstillstands oder Friedensabkommens mit Russland zu proben, treffen sich im November Streitkräfte der sogenannten Koalition der Willigen in Polen, Deutschland und Rumänien.
An der Übung sollen laut Angaben zahlreicher Nachrichtenagenturen, zum Beispiel der „Deutschen Presse-Agentur“ (dpa) und der russischen Agentur „TASS“, etwa 1.500 deutsche, britische, französische Soldaten sowie polnische Truppen beteiligt sein.
Im Mittelpunkt stehe die „Verlegung von Truppen sowie die logistische Unterstützung“, wird einhellig berichtet.

Koalition der Willigen

Die „Koalition der Willigen“ ist laut Bundesregierung „ein Zusammenschluss von derzeit 35 Staaten und Organisationen, die sich gemeinsam mit der Ukraine für einen dauerhaften und gerechten Frieden für die Ukraine einsetzen sowie über Sicherheitsgarantien für eine souveräne Ukraine auch nach einem Waffenstillstand beraten“.
Weiter heißt es dazu aus dem Bundeskanzleramt: „Bundeskanzler Merz vertritt Deutschland als eine der treibenden Kräfte neben Frankreich und Großbritannien in der Koalition.“
Dieses Bündnis wurde im Februar 2025 auf Initiative von Frankreich und Großbritannien gegründet und handelt unabhängig von der NATO und der EU. Dennoch gibt es enge Verflechtungen zu beiden, wie eine Pressemitteilung der EU vom Anfang dieses Jahres unter Punkt 3 offenbarte.
Dort hieß es, eines der Hauptziele des Zusammenschlusses der „Koalition der Willigen“ sei es, nach einem Waffenstillstand „eine multinationale Truppe für die Ukraine“ aufzustellen, die unter anderem „zur Abschreckung beitragen“ soll.
Diese soll „unter europäischer Führung stehen, wobei auch nichteuropäische Mitglieder der Koalition einbezogen werden und die USA ihre Unterstützung in Aussicht gestellt haben“.

Russische Reaktion

Anlässlich der bevorstehenden Militärübung der „Koalition der Willigen“ wiederholte die staatliche Nachrichtenagentur „TASS“ die bekannte russische Position: „Russland lehnt die Präsenz von NATO-Militärpersonal in der Ukraine ab.“
Außenminister Sergej Lawrow wird mit den Worten zitiert, dass eine Gewährleistung der Sicherheit der Ukraine durch eine „ausländische militärische Intervention in einem Teil des ukrainischen Territoriums“ für Russland inakzeptabel wäre.

Polen will nur Logistikzentrum sein

Trotz dieser mehrfach wiederholten Ablehnung von NATO-Soldaten als Teil einer möglichen multinationalen Truppe zur Absicherung des Friedens in der Ukraine kommen nun Soldaten von vier Nationen der „Koalition der Willigen“ in Polen zusammen.
Die polnische Regierung hatte diese Übung bereits im Juli angekündigt. Sie war auf einem EU-Gipfeltreffen in Paris vereinbart worden. Das Manöver werde die Bereitschaft der verbündeten Staaten stärken, gemeinsam für die Sicherheit der Region und der Ukraine zu handeln, so Premierminister Donald Tusk.
Allerdings plane Polen nicht, im Rahmen einer möglichen Stabilisierungsmission Truppen in die Ukraine zu entsenden, sagte der ehemalige polnische Verteidigungsminister Janusz Onyszkiewicz in einem Interview mit der staatlichen ukrainischen Nachrichtenagentur „Ukrinform“.
Polen sei aber als operative Basis und logistischer Knotenpunkt von zentraler Bedeutung für die Koalition. Auch Transportwege würden über Polen laufen, erklärte Onyszkiewicz, wenn es zu einem Einsatz in der Ukraine käme.

Deutschland schickt Stabsoffiziere

Die deutsche Teilnahme an der Übung wurde offiziell erst am Sonntag, 25. Oktober, bestätigt. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums teilte der „Deutschen Presse-Agentur“ (dpa) in einer vagen Aussage den generellen deutschen Anteil an der anstehenden Übung mit.
So würden etwa zehn Stabsoffiziere, zwei Luftbetankungsflugzeuge vom Typ A400M sowie „logistische Unterstützung bereitgestellt“. Eine Gesamtzahl der beteiligten Bundeswehrsoldaten nannte dpa nicht. Stabsoffiziere bilden nach den Generälen die zweithöchste Führungsebene der Bundeswehr und umfassen die Dienstgrade Major, Oberstleutnant und Oberst.
Geübt werde nicht nur in Polen, sondern auch im Luftraum von Rumänien, der auch ins westliche Schwarze Meer reicht, sowie in Deutschland. Der Einsatz der A400M-Tankflugzeuge etwa soll von Deutschland aus gelenkt werden. Die Maschinen werden zudem von deutschen Luftwaffenstützpunkten starten.
Und auch ein Truppentransport soll durch Deutschland bis ins polnische Einsatzgebiet vorgenommen werden. Gesicherte Informationen darüber, welche Soldaten und in welcher Anzahl durch Deutschland fahren oder insgesamt an den Übungen in den drei Ländern teilnehmen, wurden nicht bekanntgegeben.
Die Londoner „Times“ veröffentlichte kürzlich unter Hinweis auf Insiderwissen, an der Gesamtübung seien „mindestens 1.500 Soldaten“ beteiligt. Auch der private polnische TV-Sender „Polsat News“ verbreitete am 25. Oktober die gleiche Anzahl.

Gleichzeitig Verhandlungen in Abu Dhabi

Begleitet wird das Militärmanöver von einer neuen diplomatischen Initiative für Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland. Darüber berichtete am 23. Oktober die Nachrichtenagentur „Reuters“.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj habe mitgeteilt, die Friedensunterhändler aus der Ukraine, Russland und den USA hätten sich darauf geeinigt, in der ersten Novemberhälfte – wahrscheinlich am 10. November – in Abu Dhabi „auf technischer Ebene“ zusammenzukommen.
Diese Ankündigung des ukrainischen Präsidenten erfolgte, nachdem er am 23. Oktober mit Trumps Sondergesandten Jared Kushner und Steve Witkoff gesprochen habe, so Selenskyj weiter.
Die beiden amerikanischen Sondergesandten hatten sich am 19. Oktober mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau beraten. Die russische Nachrichtenagentur „Interfax“ verbreitete eine ähnliche Erklärung wie Selenskyj.
Laut „Reuters“ forderte der ukrainische Präsident erneut, dass jedes Friedensabkommen „starke Sicherheitsgarantien für die Ukraine“ enthalten müsse. Insofern dürfte es bei dem angekündigten Gespräch in Abu Dhabi auch um die Bereitschaft der „Koalition der Willigen“ gehen, den Frieden in der Ukraine abzusichern.
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TCM: Was Ihr Gesicht über die Nierengesundheit verraten kann

Sie liegen tief im Verborgenen, doch manchmal senden sie unübersehbare Signale an die Oberfläche: Als körpereigene Filter reinigen die Nieren nicht nur das Blut, sondern regeln im Stillen auch unseren Wasser- und Salzhaushalt. Wenn diese lebenswichtige Filterfunktion ins Stocken gerät, zeigt sich das mitunter an einer überraschend sichtbaren Stelle – im Gesicht.

Anhaltende Schwellungen um die Augen, ein auffällig blasser oder fahl wirkender Teint sowie Gesichtsassymmetrien können auf veränderte Nierenwerte hinweisen. Grace Zhang, Praktikerin der Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) am Northern Medical Center in New York, erläuterte gegenüber der Epoch Times, dass sie im Rahmen einer ganzheitlichen Diagnostik gezielt auf feine Veränderungen an Augen, Lippen, Wangen und Kinn achtet.

Ein Teil dieser optischen Auffälligkeiten lässt sich schulmedizinisch und physiologisch begründen, etwa wenn Wasseransammlungen infolge einer gestörten Filterleistung im Gewebe verbleiben, während andere Indikatoren auf jahrhundertealten Beobachtungen der TCM beruhen. Zusammengenommen, und vor allem in Kombination mit körperweiten Symptomen, ergeben sie ein klinisches Mosaik, das ernst genommen werden sollte.

Der Teint wird blass, fahl oder dunkler

Ein gesunder Teint ist normalerweise rosig und strahlend. Wenn Ihr Teint zunehmend blass, fahl oder dunkler wird und sich auch nach Ruhe nicht verbessert, kann dies mit einer nachlassenden Nierenfunktion zusammenhängen.
Eine retrospektive Studie ergab, dass unspezifische Hautveränderungen wie Blässe, Mattheit oder Gelbfärbung bei Patienten mit Nierenerkrankungen im Endstadium häufig vorkommen.
„Die Nieren scheiden Erythropoetin aus, das die Bildung roter Blutkörperchen anregt“, erklärte Zhang. Eine eingeschränkte Nierenfunktion kann zu Anämie führen, was einen blassen Teint zur Folge hat. Verschlimmert sich der Zustand, können Stoffwechselabfälle nicht mehr ordnungsgemäß ausgeschieden werden, was möglicherweise den Melaninstoffwechsel beeinträchtigt und dazu führt, dass die Haut matt, dunkel oder fahl erscheint.
Da der Teint von vielen Faktoren beeinflusst wird, wie Schlaf und Ernährung bis hin zu Anämie und Durchblutung, ist eine anhaltende Veränderung aussagekräftiger, wenn sie im Zusammenhang mit anderen Symptomen betrachtet wird.

Dunkle Augenringe und geschwollene Augenlider

Besonders die Augenregion gilt als klassischer Indikator für nierenbedingte Veränderungen. Ob dunkle Augenringe, Tränensäcke, Schwellungen der Lider oder Veränderungen der Augenlidfarbe – kaum eine andere Stelle im Gesicht reagiert so sensibel auf Prozesse im Körperinneren.

Da die Nieren maßgeblich für die Regulation des Flüssigkeitshaushalts verantwortlich sind, hat eine Störung ihrer Funktion direkte Folgen. Bei einer Funktionsstörung sammelt sich häufig überschüssiges Wasser im Körper an. Da die Haut an den Augenlidern besonders dünn und elastisch ist, zeigt sich ein Flüssigkeitsstau hier als Erstes in Form von Schwellungen.

Wenn Stoffwechselabfälle nicht ordnungsgemäß ausgeschieden werden können, können sie sich im Blut ansammeln. Der Bereich um die Augen verfügt über ein dichtes Kapillarnetz, das Veränderungen in der Durchblutung und im Stoffwechsel widerspiegeln kann, was möglicherweise zu ausgeprägteren Augenringen, einer dunkleren Augenpartie oder stärkeren Tränensäcken führt.
In der TCM gelten die Augenlider als Reflexzone der Nieren. Während eine Niereninsuffizienz zu geschwollenen Augenlidern führen kann, kann ein verlangsamter Stoffwechsel von Giftstoffen ebenfalls dazu führen, dass die Augenpartie dunkel und matt erscheint.
Augenringe selbst haben viele mögliche Ursachen, darunter genetische Veranlagung, Schlafstörungen, Allergien und Alterung. Wenn jedoch eine neue Veränderung im Bereich der Augen zusammen mit Schwellungen an anderen Stellen oder Veränderungen beim Wasserlassen auftritt, verdient dies besondere Aufmerksamkeit.

Geschwollene und fettige Wangen

Manche Menschen mit einer Nierenerkrankung stellen fest, dass ihre Wangen anschwellen, ihr Gesicht runder wirkt und sich ihre Haut beim Drücken vorübergehend eindrückt, so Zhang.
Eine erhöhte Talgproduktion im Gesicht kann dazu führen, dass es fettiger als gewöhnlich erscheint. Die TCM geht davon aus, dass dies auf unzureichendes Nieren-Qi (Energie) zurückzuführen ist, das den Stoffwechsel beeinträchtigt.
Unzureichendes Nieren-Qi in der TCM ist nicht vollständig gleichbedeutend mit einer Nierenerkrankung in der westlichen Medizin; vielmehr konzentriert es sich auf die Menge an Lebensenergie, die in den Nieren gespeichert ist. Manche Menschen weisen zwar normale Nierenfunktionstests auf, leiden aber dennoch unter dem, was die TCM als Nieren-Qi-Mangel bezeichnet.

Dunkle oder schwärzliche Lippen

Eine Veränderung der Lippenfarbe ist ein weiteres Merkmal, das bei der Gesichtsbeobachtung in der TCM berücksichtigt wird.
Laut Zhang können Lippen, die allmählich ihre gewohnte Farbe verlieren und ungewöhnlich dunkel oder violett erscheinen, auf Störungen im Qi- und Blutkreislauf hindeuten.

Insbesondere bringt die TCM unzureichendes Nieren-Yang mit verminderten wärmenden und zirkulierenden Funktionen im Körper in Verbindung. Wenn diese wärmende Energie geschwächt ist, kann der Kreislauf träge werden, was sich nach Einschätzung der TCM-Praktiker in den Lippen und im Teint zeigen kann.

Anhaltend blaue oder violette Lippen können jedoch auch auf einen Sauerstoffmangel im Blut oder auf Probleme mit Herz oder Lunge hinweisen und sollten ärztlich abgeklärt werden, insbesondere wenn die Veränderung plötzlich auftritt oder mit Atemnot einhergeht.

Wiederkehrende Akne oder Schwellungen am Kinn

Die TCM-Gesichtskartierung bringt das Kinn und den unteren Teil des Gesichts traditionell mit den Nieren und dem Fortpflanzungssystem in Verbindung.
Zhang erklärte, dass wiederkehrende Schwellungen, Entzündungen oder Akne im Bereich des Kinns daher bei der Beurteilung des Nieren-Qi und des Flüssigkeitsstoffwechsels zusammen mit anderen Anzeichen berücksichtigt werden sollten.
Diese Hautprobleme haben viele gemeinsame Ursachen, insbesondere hormonelle Veränderungen und lokale Hauterkrankungen; daher sollten sie am besten als ein Beobachtungsbefund innerhalb des umfassenderen TCM-Musters verstanden werden und nicht als eigenständiger Hinweis auf eine Nierenerkrankung.

Über das Gesicht hinausblicken

Veränderungen des Teints, Augenringe, dunkle Lippen oder Gesichtsschwellungen treten nicht ausschließlich bei Nierenerkrankungen auf, so Zhang. Daher kann man die Nierenfunktion nicht allein anhand von Gesichtsveränderungen beurteilen.
Wenn Sie eine der oben genannten Gesichtsveränderungen bemerken, achten Sie darauf, ob Sie zusätzlich eines oder mehrere der folgenden Symptome haben, und suchen Sie so schnell wie möglich einen Arzt auf:
  • Schwellungen an den Knöcheln und Waden
  • Eine große Menge anhaltenden Schaums im Urin, der nicht durch das Spülen verursacht wird
  • Deutlich verminderte Urinausscheidung oder ein plötzlicher Anstieg des nächtlichen Harndrangs
  • Erhöhter Blutdruck oder zuvor gut eingestellter Blutdruck, der instabil wird
  • Anhaltende Müdigkeit, verminderter Appetit oder Übelkeit ohne andere erkennbare Ursache
  • Eine familiäre Vorbelastung mit Diabetes, Bluthochdruck oder Nierenerkrankungen

3 einfache Übungen zur Unterstützung der Nierengesundheit

Neben dem Erkennen potenzieller Warnzeichen legt die TCM Wert darauf, die Gesundheit zu erhalten, bevor Probleme schwerwiegend werden.
Der TCM-Arzt Ritsugaku Ken stellte der Epoch Times drei einfache Übungen vor, die er als Teil der täglichen Gesundheitsvorsorge empfiehlt. Nach der TCM-Theorie sollen diese Übungen den Fluss von Qi und Blut fördern, die Meridiane stimulieren und die Nierenenergie stärken.
Regelmäßige körperliche Aktivität im weiteren Sinne steht in Zusammenhang mit besseren Werten bei Blutdruck, Blutzucker, Herz-Kreislauf-Gesundheit, Kraft und Gewichtsmanagement – allesamt wichtige Faktoren für die Nierengesundheit.

1. Fäuste ballen

Die TCM geht davon aus, dass es im menschlichen Körper ein Meridiansystem gibt, das für die Zirkulation von Qi und Blut verantwortlich ist und verschiedene Organe miteinander verbindet.
Viele Meridiane und Akupunkturpunkte sind über die Hände verteilt und stehen mit anderen Organen im Körper in Verbindung. Das Ballen der Fäuste kann Akupunkturpunkte an den Händen stimulieren und dazu beitragen, den Geist zu beruhigen und die Abwehrkräfte des Körpers zu stärken.
  • Schritt 1: Legen Sie Ihren Daumen in die Handfläche, wobei die Daumenspitze an der Basis Ihres Ringfingers liegt.
  • Schritt 2: Umfassen Sie Ihren Daumen fest mit den anderen vier Fingern.
Üben Sie dies wiederholt beim Gehen, auf dem Weg zur Arbeit, beim Plaudern oder beim Fernsehen.

2. Stehhaltung

Die TCM geht davon aus, dass die Nieren und die Knochen zum selben Energiesystem gehören. Die Stehhaltung hilft, Geist und Körper zu entspannen, während sie die Nierenenergie nährt und Muskeln sowie Knochen stärkt.
  • Schritt 1: Stellen Sie sich mit den Füßen schulterbreit auseinander hin. Führen Sie Ihre Hände von den Seiten nach vorne zum Bauch, etwa auf Höhe des Bauchnabels, wobei Ihre Arme auf natürliche Weise einen Bogen bilden.
  • Schritt 2: Beugen Sie die Knie leicht, verlagern Sie Ihren Schwerpunkt nach unten und drehen Sie die Knie leicht nach außen.
Halten Sie diese Position ein bis zwei Minuten lang, stehen Sie dann aufrecht und entspannen Sie sich. Wiederholen Sie die Übung. Halten Sie den Rücken auf natürliche Weise aufrecht und atmen Sie langsam und natürlich.

3. Fersenheben

Beim Fersenheben stellt man sich auf die Zehenspitzen und senkt die Fersen dann sanft wieder ab. Nach der TCM ist der Nierenmeridian der Energiekanal, der den Körperkern stützt und unterhalb des kleinen Zehs entspringt. Das Stehen auf den Zehenspitzen stimuliert die mit dem Nierenmeridian verbundenen Akupunkturpunkte, entspannt die Rumpfmuskulatur und fördert die Nierenfunktion.
  • Schritt 1: Stellen Sie sich mit geschlossenen Beinen hin, spannen Sie Beckenboden und Bauchmuskeln an, lassen Sie die Schultern natürlich hängen und richten Sie den Rücken auf.
  • Schritt 2: Krallen Sie sich mit den Zehen am Boden fest und heben Sie die Fersen etwa 10 Sekunden lang an. Senken Sie sie langsam bis zur Hälfte ab, wippen Sie dabei Ihren Körper rhythmisch ein paar Mal nach unten und lassen Sie die Fersen dann sanft auf den Boden sinken.
Achten Sie während der gesamten Bewegung auf einen entspannten Körper und eine natürliche Atmung und vermeiden Sie übermäßige Kraftanstrengung. Wiederholen Sie die Übung nach Bedarf.

Halten Sie die Füße warm

Der Nierenmeridian entspringt an den Fußsohlen, daher trägt der tägliche Schutz Ihrer Füße dazu bei, das Nieren-Qi zu stärken. Ken empfahl, die Füße während des Schlafs nicht direkt kalter Luft oder Ventilatoren auszusetzen. Wer leicht friert, kann im Bett Socken tragen.
Halten Sie Ihre Füße sauber, vermeiden Sie es, längere Zeit barfuß in feuchter Umgebung zu laufen, und waschen Sie Ihre Füße umgehend, wenn sie schmutzig sind.
Eine Veränderung im Spiegel reicht selten aus, um zu erkennen, was im Körper vor sich geht. Anhaltende Gesichtsschwellungen, ungewöhnliche Blässe oder andere Veränderungen sollten jedoch genauer untersucht werden, wenn sie zusammen mit schaumigem Urin, geschwollenen Beinen, Veränderungen beim Wasserlassen, hohem Blutdruck oder unerklärlicher Müdigkeit auftreten.
Anstatt auf sichtbare Anzeichen zu warten, beginnt der Schutz der Nierengesundheit mit alltäglichen Gewohnheiten: aktiv bleiben, sich gesund ernähren und bei Vorliegen von Risikofaktoren geeignete Nierenuntersuchungen durchführen lassen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Your Face May Reveal About Kidney Health“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Rattengift jetzt privat verboten: Droht nun eine Nagerplage?


In Kürze:

  • Seit dem 26. April 2026 dürfen gerinnungshemmende Rattengifte nicht mehr an Privatleute verkauft werden, seit dem 23. Oktober ist auch die Verwendung von Restbeständen verboten.
  • Nach einer Faustformel der Schädlingsbekämpfer kommen auf jeden Einwohner zwei bis drei Ratten – das wären in Deutschland 167 bis 250 Millionen Tiere.
  • Ratten können Hantaviren und Leptospiren übertragen; der Industrieverband Agrar fordert gleichwertige Alternativen und rät vor allem zur Vorbeugung.

 
Ratten wühlen in Mülltonnen und nisten in Kellern. Sie stellen für den Menschen eine grundsätzliche Gesundheitsgefahr dar.
Bereits Ende 2024 warnte ein Zusammenschluss aus Herstellern von Ratten-Fraßködern, betroffenen Verbänden und Unternehmen, darunter der Industrieverband Agrar (IVA), in einem dringenden Appell an die Politik vor einer „grassierenden Rattenplage in Deutschland“.
Doch wie viele Ratten gibt es und wie ernst ist die Lage wirklich?

Schätzung: 167 bis 250 Millionen Ratten

„Eine belastbare bundesweite Zahl gibt es nicht“, stellt Frank Gemmer, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes Agrar (IVA) in Frankfurt/Main, gegenüber dem Autor fest. Denn Ratten leben verborgen und ihre Bestände schwanken regional stark.
„In der Branche der Schädlingsbekämpfung wird häufig die Faustformel genannt, dass auf jeden Einwohner zwei bis drei Ratten kommen könnten“, erklärt Gemmer weiter.
In Deutschland leben laut Statistischem Bundesamt mit Stand Ende 2025 rund 83,5 Millionen Menschen. Nutzt man die genannte Faustformel und rechnet nur zwei Ratten pro Einwohner, käme man auf eine Zahl von 167 Millionen Ratten hierzulande; würde man drei Ratten pro Einwohner zugrunde legen, wären es 250,5 Millionen dieser Nager.
Klimaerwärmung, Urbanisierung und eine steigende Stadtbevölkerung würden die Zunahme an Ratten fördern. Zu diesem Schluss gelangte 2025 eine weltweit durchgeführte Forschung, für die Rattenmeldungen aus 16 Großstädten, darunter New York, Amsterdam und Tokio, ausgewertet wurden.
Der IVA-Vertreter Frank Gemmer ergänzt: „Die Ursachen sind oft ähnlich: leicht zugängliche Nahrungsquellen, milde Winter sowie komplexe Infrastrukturen wie Kanalnetze und dicht besiedelte Wohngebiete.“

Ratten sind als Gesundheitsschädlinge eingestuft

Ratten sind laut § 2 Nr. 12 Infektionsschutzgesetz als Gesundheitsschädlinge eingestuft, da sie Krankheitserreger wie Hantaviren oder Leptospiren auf den Menschen übertragen können, wie zum Beispiel der Kreis Düren informiert.
Hantaviren werden laut Robert Koch-Institut durch Mäuse und Wanderratten übertragen. Die Tiere selbst werden nicht krank, infizieren jedoch Menschen meist dadurch, dass diese aufgewirbelten Staub, der mit getrocknetem Urin, Kot oder Speichel der Tiere verunreinigt ist, einatmen.
Dadurch können hohes Fieber, starke Kopf-, Rücken- und Gliederschmerzen sowie ein allgemeines Schwächegefühl ausgelöst werden. Häufig kommt es auch zu einer eingeschränkten Nierenfunktion, zu Eiweiß oder Blut im Urin bis hin zum akuten Nierenversagen, weiß das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin zu berichten.
Leptospiren sind dünne, spiralförmige und sehr bewegliche Bakterien. Sie lösen beim Menschen grippeähnliche Symptome aus. Neben Ratten und Mäusen können auch Hunde, Schweine, Rinder und Pferde Leptospiren auf Menschen übertragen.
Laut AOK stecken sich Menschen „in der Regel durch den direkten Kontakt mit dem Urin der erkrankten Tiere an, oder indirekt durch die Berührung mit kontaminiertem Wasser oder Schlamm“.
Die Krankheitssymptome ähneln oft einer Grippe. „In schweren Fällen kann die Krankheit auch zur Gelbsucht führen“, informiert die AOK weiter. Auch Hirnhautentzündung, Husten, Hautausschlag und Bindehautentzündung sind möglich.

EU-Biozid-Verordnung

Dennoch ist seit dem 26. April 2026 der private Verkauf von gängigen Rattenködern mit blutgerinnungshemmenden Wirkstoffen, wissenschaftlich Antikoagulanzien genannt, verboten. Seit dem 23. Oktober gilt zudem ein striktes Verwendungsverbot für private Restbestände.
Schädlingsbekämpfer verzeichnen seitdem einen deutlichen Anstieg der Aufträge, da Privatleute den Befall nicht mehr selbst mit Gift bekämpfen dürfen, wie Epoch Times auf Nachfrage bei Kammerjägern erfahren konnte.
Das Verbot geht auf die Europäische Biozid-Verordnung zurück. Eine der Begründungen lautet unter Punkt 1: „Von Biozidprodukten kann […] ein Risiko für Mensch, Tier und Umwelt ausgehen.“
Denn Hauptzweck dieser Verordnung sei es, den freien Verkehr von Biozidprodukten innerhalb der Union zu verbessern und gleichzeitig ein hohes Schutzniveau für die Gesundheit von Mensch und Tier und für die Umwelt zu gewährleisten (siehe Punkt 3).
Einschränkend heißt es jedoch unter Punkt 48: „Im Fall unvorhergesehener Gefahren für die öffentliche Gesundheit oder für die Umwelt, die mit anderen Mitteln nicht eingedämmt werden können, sollten die Mitgliedstaaten die Möglichkeit haben, die Bereitstellung auf dem Markt von Biozidprodukten, die dieser Verordnung nicht entsprechen, für einen begrenzten Zeitraum zu gestatten.“
Entscheidend an der Verordnung ist außerdem, dass der Einsatz dieser Rattengifte nur noch von Fachleuten – sogenannten Kammerjägern – getätigt werden darf.

Was die Hersteller sagen

Dazu noch einmal der Vertreter des Industrieverbands Agrar, Frank Gemmer: „Im Mittelpunkt der Bekämpfung steht vor allem die Wanderratte. Die Problematik betrifft sowohl Städte als auch ländliche Regionen. Oft wird Rattenbefall vor allem als Problem der Städte wahrgenommen. Tatsächlich spielt er aber auch entlang der gesamten Lebensmittelkette eine wichtige Rolle – von Futtermittellagern und landwirtschaftlichen Betrieben über Lager- und Logistikstandorte bis hin zur Lebensmittelverarbeitung.“
Überall dort müssten Hygiene und Lebensmittelsicherheit gewährleistet werden.
Gemmer stört vor allem an der neuen Regelung, „dass die Diskussion häufig bei der Einschränkung von Bekämpfungsmöglichkeiten endet, aber nicht bei der Frage beginnt, wie das Problem künftig gelöst werden soll“. Ratten verschwänden nicht, weil ein Mittel vom Markt genommen werde.
„Wenn bewährte Instrumente wegfallen, müssen gleichwertige und praktikable Alternativen verfügbar sein“, fordert Gemmer und sagt, die „Regulierung muss sich auch daran messen lassen, ob sie in der Praxis zu besseren Ergebnissen für Hygiene, Gesundheitsschutz und Schädlingsmanagement führt“.
Deshalb sei das Entscheidende an der Verordnung, ob sie „ihre Ziele in der Praxis erreicht“. Diese Folgen sollten seiner Meinung nach bei politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden.

Empfehlung für Privathaushalte

„Am besten ist es, einem Befall vorzubeugen. Lebensmittel und Tierfutter sollten nicht offen zugänglich sein, Abfälle gehören in geschlossene Behälter und Zugänge zu Gebäuden sollten verschlossen werden“, empfiehlt Gemmer.
Auch „bauliche Präventionsmaßnahmen“ würden eine Rolle spielen, sowie „Fallen und die professionelle Schädlingsbekämpfung“. Alternativen wie Lebendfallen seien mit erheblichem Aufwand verbunden, gibt der Verbandsvertreter zu bedenken.
Denn: „Sie müssen regelmäßig kontrolliert, gefangene Tiere tierschutzgerecht getötet und anschließend ordnungsgemäß entsorgt werden.“

Risiken für Landwirtschaft

Gerade in der Lebensmittelherstellung und -lagerung stelle sich deshalb die Frage, „ob die verfügbaren Alternativen eine ebenso wirksame und praktikable Kontrolle von Rattenpopulationen ermöglichen“.
Die Diskussion sollte seiner Meinung nach „nicht auf einzelne Bekämpfungsmittel reduziert werden“. Ratten „spielen auch für die Landwirtschaft, die Futtermittelwirtschaft und die gesamte Lebensmittelkette eine Rolle“.
Wirksame Schadnagerbekämpfung diene deshalb nicht nur dem Schutz von Gebäuden und Infrastruktur, sondern auch der Hygiene, der Biosicherheit und letztlich der Lebensmittelsicherheit, so Gemmer.

Hygienemängel

Nicht immer liegt das Problem in der Art und Weise, wie Rattenbefall bekämpft wird, sondern darin, welche hygienischen Maßnahmen dagegen ergriffen werden.
Am 12. Oktober berichtete etwa der „Bayerische Rundfunk“ über einen massiven Rattenbefall im Zentrallager des Discounters NORMA im Landkreis Regensburg.
Das zuständige Landratsamt habe laut Sender erhebliche Hygienemängel festgestellt. Seitdem gebe es engmaschige Betriebskontrollen durch das Landratsamt.

Rattenzentrum NRW

Im nordrhein-westfälischen Krefeld wurde im Jahr 2025 451-mal von einem Rattenbefall berichtet. Dies erfuhr der WDR. In diesem Jahr musste deshalb sogar ein Spielplatz gesperrt werden. „Mit Giftködern versucht die Stadt, die Nagetiere jetzt zu vertreiben“, heißt es beim WDR weiter.
In NRW treten Ratten laut einem Schädlingsreport deutlich über dem Bundesdurchschnitt auf. Dies veröffentlichte die Plattform SchädlingsHero. Sie dient als Vermittlungsmöglichkeit für Kammerjägerdienste.
Gegenüber dem Vorjahr habe der Report sogar einen leichten Anstieg an Ratten in NRW erkennen können, „doch auch 2023 war der Anteil der Rattenanfragen bereits überdurchschnittlich hoch“, heißt es dort.
„Ein Grund hierfür könnte die hohe Populationsdichte und die damit einhergehenden positiven Lebensbedingungen für Ratten sein“, schlussfolgert der Report.
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Die wirtschaftlichen Ursachen der Unruhen in Frankreich


In Kürze:

  • Mehrere volkswirtschaftliche Schwächen gehören zu den Auslösern der Unruhen in Frankreich.
  • Neben Inflationsproblemen kämpft das Land mit einer gestiegenen Arbeitslosenquote und einer stagnierenden Gesamtwirtschaft.
  • Die Ratingagentur Moody’s hat indes die politische Instabilität Frankreichs im Blick.

 
Laut dem französischen Innenminister Laurent Nuñez sei die Polizei bei den sich fortsetzenden Protesten mit einem „extrem erhöhten Maß an Gewalt“ von „Militanten der extremen Linken“ konfrontiert gewesen.
Doch die Unruhen in Frankreich sind ebenso von wirtschaftlichen Hintergründen geprägt. Es sind gleichzeitig Proteste gegen die steigenden Lebenshaltungskosten in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone.
Wie andere Länder auch verzeichnet Frankreich aufgrund des Krieges im Iran stark steigende Kraftstoffpreise, was den Inflationsdruck weiter verschärft. Hinzu kommen stagnierende Löhne und hohe Arbeitslosigkeit, weshalb Hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen sind. Diese Demonstrationen wurden letztlich von Plünderungen und Gewalt überschattet.
Die Ursachen für die jüngsten Unruhen in Frankreich liegen nicht in einer plötzlich aufgetauchten Krise. Sie haben sich über Jahre hinweg entwickelt und spiegeln eher langfristige wirtschaftliche und politische Belastungen wider.

Ein Blick auf die französische Wirtschaft

Die Inflationsprobleme Frankreichs haben sich seit Beginn des Konflikts zwischen den USA und dem Iran Ende Februar verschärft. Im September erreichte die jährliche Inflationsrate 3,1 Prozent – den höchsten Stand seit Januar 2024. Das war fast ausschließlich auf einen starken Anstieg der Energiepreise zurückzuführen.
Doch die kumulativen Auswirkungen haben die französischen Haushalte stark belastet. Die Verbraucherpreise sind seit dem Amtsantritt von Präsident Emmanuel Macron im Jahr 2017 um mehr als 23 Prozent gestiegen.
Unterdessen haben die steigenden Preise die Einkommen der Arbeitnehmer aufgezehrt. Seit dem Höchststand von 4,7 Prozent Anfang 2023 ist das Lohnwachstum stetig zurückgegangen und verharrt seit Ende letzten Jahres auf niedrigem Niveau. Im Zeitraum April bis Juni lag das Lohnwachstum im Durchschnitt bei 1,7 Prozent, ein leichter Anstieg gegenüber 1,6 Prozent in den ersten drei Monaten des Jahres.
Ökonomen bezweifeln, dass Frankreich mit anhaltenden Inflationsrisiken zu kämpfen haben wird. Sie verweisen auf eine schwächere Verbrauchernachfrage und einen schwachen Arbeitsmarkt.
„Zum jetzigen Zeitpunkt erscheint ein breit angelegter Anstieg des Inflationsdrucks in Frankreich eher unwahrscheinlich“, erklärte Charlotte de Montpellier, Senior-Ökonomin bei der niederländischen Bank ING, in einer Analyse.

Höhere Arbeitslosenquote, stagnierende Gesamtwirtschaft

Die Beschäftigungslage hat sich in den vergangenen zwei Jahren rapide verschlechtert. Die Arbeitslosenquote stieg im zweiten Quartal auf 8,3 Prozent – den höchsten Stand seit dem dritten Quartal 2020 – gegenüber 8,1 Prozent im Vorquartal. Bei jungen Menschen liegt die Arbeitslosenquote deutlich höher und nähert sich der 22-Prozent-Marke.
Die Gesamtwirtschaft stagniert seit einigen Jahren. Im ersten Quartal schrumpfte Frankreichs BIP um 0,2 Prozent, im zweiten Quartal trat es auf der Stelle.
„Frankreich war ein bemerkenswerter Schwachpunkt“, erklärte Adam Turnquist, Chefstratege für verschiedene Anlageklassen bei LPL Financial, mit Blick auf die Wirtschaftsentwicklung gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.
ING-Ökonomen prognostizieren ein BIP-Wachstum von lediglich 0,3 Prozent im Jahr 2026 und 0,6 Prozent im Jahr 2027. Dabei „tendieren die Risiken in Richtung einer erneuten Abwärtsrevision“.

Was Moody’s sagt

Frankreich entging am 23. Oktober einer Herabstufung seiner Bonität, die Ratingagentur Moody’s behielt ihr Aa3-Rating bei. Allerdings bestätigte die Agentur ihren negativen Ausblick für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone und verwies dabei auf „die Zersplitterung der politischen Landschaft Frankreichs“. In ihrem Bericht heißt es:
„Diese politische Instabilität, die sich auch in den aktuellen sozialen Spannungen zeigt, birgt das Risiko, die Fähigkeit der französischen Regierung zu beeinträchtigen, zentrale politische Herausforderungen wie ein hohes Haushaltsdefizit, eine steigende Schuldenlast und einen anhaltenden Anstieg der Kreditkosten anzugehen, was zu einer schnelleren Verschlechterung der wichtigsten Kreditkennzahlen des Staates führen könnte, als wir derzeit erwarten.“
Die Agentur stellte in Aussicht, den Ausblick für Frankreich wieder auf „stabil“ anzuheben, sollte die Regierung das Defizit verringern.
Verschiedene Indikatoren deuten darauf hin, dass sich die Haushaltslage des Landes verschlechtert. Die Schuldenquote liegt bei 119 Prozent. Die Regierung warnte, dass sie im nächsten Jahr auf fast 122 Prozent steigen könnte. Die Defizitquote liegt bei 5,5 Prozent und somit über der 3-Prozent-Grenze der 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union.
Zudem werden bis 2030 Schulden in Höhe von mehr als 1 Billion US-Dollar (rund 900 Milliarden Euro) fällig. Die Kosten für Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) gegen einen französischen Zahlungsausfall sind sprunghaft auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt gestiegen.
„Zunehmende Sorgen um Verschuldung und Defizit haben die französischen Staatsanleihen unter Druck gesetzt, während eine tief gespaltene Regierung darum kämpft, das Vertrauen wiederherzustellen“, sagte Turnquist. „Höhere Zinsen und Energiepreise haben das makroökonomische Umfeld weiter verkompliziert.“

Anleihemärkte horchen auf

In den Industrieländern haben die Anleihemärkte begonnen, die Zinssätze neu zu bewerten. Die Märkte schlagen Alarm angesichts der anhaltenden Verschuldung und Defizite. Frankreich bildet da keine Ausnahme.
Die Kreditkosten sind gestiegen, wobei die Rendite der französischen zehnjährigen Staatsanleihe zum ersten Mal seit 2002 die 5-Prozent-Marke überschritten hat. Sie stieg zudem zum ersten Mal seit 13 Jahren über die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe. Ebenso sind die Renditen kurz- und langfristiger französischer Anleihen auf Mehrjahreshochs gestiegen.
Höhere Kosten für den Schuldendienst führen laut de Montpellier zu einem Teufelskreis für die Gesamtwirtschaft. „Gleichzeitig schwächt die erneute Verschlechterung der finanziellen Rahmenbedingungen die ohnehin schon sehr schlechten Wachstumsaussichten weiter, indem sie die Kreditkosten erhöht“, sagte sie.
Diese Entwicklungen haben den CAC 40, Frankreichs führenden Aktienindex, belastet, der in diesem Jahr um fast 5 Prozent nachgegeben hat.

Ungewissheit für die Zukunft

Angesichts der jüngsten Proteste, bei denen es vor allem um Lebenshaltungskosten, öffentliche Dienstleistungen und Schulen ging, dürfte den politischen Entscheidungsträgern kaum Spielraum bleiben, um Sparmaßnahmen umzusetzen, die sowohl parlamentarische Unterstützung finden als auch die Investoren zufriedenstellen würden.
Infolgedessen bleibt die Unsicherheit hinsichtlich des Haushaltsplans für 2027 und der Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr hoch.
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Riots, Rates, and Risks—The Economic Roots of France’s Unrest“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: mf)
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Billige Konkurrenz aus China: Europas letztes Penicillinwerk in Gefahr


In Kürze:

  • Die drohende Schließung des Sandoz-Werks in Kundl wirft Fragen über die Eigenständigkeit Europas auf.
  • China übernimmt die Führung in Branchen, die einst von Europa geprägt waren.
  • Sandoz könnte ganz Europa mit Penicillinpräparaten versorgen, wenn der Preis stimmt – die EU will mit einem Gesetz gegensteuern.

 
Versteckt in den grünen Ausläufern der österreichischen Alpen steht das letzte vollständig integrierte Penicillinwerk Europas vor einer ungewissen Zukunft – im Schatten der wachsenden Industriemacht Chinas.

200 Millionen Euro für Erweiterung

Der Grund: China produziert dieselben Antibiotika und Wirkstoffe wie das Sandoz-Werk im österreichischen Kundl, allerdings zu deutlich niedrigeren Kosten für den europäischen Markt, wie die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtet. Die sinkenden Preise stellen für den Standort eine existenzielle Bedrohung dar. Das Werk ist das Einzige in Europa, das Penicillin vom Anfang bis zum Ende der Produktionskette herstellt – einschließlich wichtiger pharmazeutischer Wirkstoffe.
Nachdem mehrere Wettbewerber angekündigt hatten, ihre Produktion einzustellen oder nach China zu verlagern, ist das Werk zum Brennpunkt einer zunehmend intensiven Debatte über die wirtschaftliche Eigenständigkeit des Westens geworden.
Nur drei Jahre nach einer 200 Millionen Euro teuren Erweiterung, die mit öffentlichen Mitteln unterstützt wurde, hat Sandoz die Europäische Kommission aufgefordert, eine Antidumpinguntersuchung einzuleiten. Diese könnte zu Zollmaßnahmen gegen China führen. Sollte das Werk seinen Betrieb einstellen, wäre Europa „vollständig abhängig“ von China, sagte Stephanie Jedner, Standortleiterin in Kundl, gegenüber „Reuters“.
Alexander Fleming entdeckte das Penicillin vor fast einem Jahrhundert in London. Bis heute gehört es zu den wichtigsten Antibiotikaklassen bei der Behandlung schwerer Infektionen. Die Herstellung wichtiger Penicillinwirkstoffe wird inzwischen jedoch von China dominiert.

Chinas Anteil an EU-Importen hat sich fast verdoppelt

Laut Eurostat hat sich Chinas Anteil an den EU-Importen von Penicillinen und deren Derivaten fast verdoppelt. 2019 lag er noch bei 44 Prozent, im vergangenen Jahr bereits bei 86 Prozent. Die EU importiert diese Produkte überwiegend als pharmazeutische Wirkstoffe in großen Mengen. Der Anstieg fällt zeitlich mit Pekings Zehnjahresplan „Made in China 2025“ zusammen, mit dem China in der globalen Wertschöpfungskette aufsteigen will.
Gleichzeitig erreichen Europas Exporte dieser Produkte heute kaum noch ein Fünftel ihres Höchststands vom Beginn der 2000er-Jahre.
Der Fall verdeutlicht, wie China sich von der Textilindustrie und einfachen Montagewerken zu einem führenden Standort für anspruchsvolle industrielle Fertigung entwickelt hat. Zudem wird deutlich, wie das Land zunehmend in Branchen vordringt, die traditionell von Europa geprägt waren – von der Pharmaindustrie bis zum Werkzeugmaschinenbau.
Das Handelsdefizit der EU im Warenhandel mit China ist stark gewachsen. 2025 lag es bei rund einer Milliarde Euro pro Tag und war damit doppelt so hoch wie 2020. Die Regierungen suchen deshalb nach neuen Maßnahmen, um Unternehmen und Arbeitsplätze zu schützen.

Beispiel für strategische Verwundbarkeit

In einer schriftlichen Stellungnahme vom 10. April 2026 an den britischen Unterhaus-Ausschuss für Wirtschaft und Handel schrieb Sandoz, das Unternehmen sei in der Lage, ganz Europa mit wichtigen Penicillinpräparaten zu versorgen.
„Doch solange bei der Vergabe vor allem der Preis zählt, lohnt sich die Produktion in Kundl wirtschaftlich nicht“, heißt es seitens des Unternehmens. China werde dann de facto alleiniger Produzent. Dies sei „ein Paradebeispiel für strategische Verwundbarkeit, die durch verzerrten globalen Wettbewerb entsteht“, heißt es in der Stellungnahme.
Die Europäische Union will dieser Entwicklung mit einem neuen Gesetz entgegenwirken. Im Mai haben der Rat der EU und das Europäische Parlament eine vorläufige Einigung über das Gesetz zu kritischen Arzneimitteln erzielt.
Ziel ist es, Engpässe bei wichtigen Medikamenten wie Antibiotika, Insulin und Schmerzmitteln zu verhindern. Damit soll die Abhängigkeit der EU von Lieferanten außerhalb der Union verringert werden.
Dafür sollen künftig mehr Länder Medikamente und ihre Wirkstoffe liefern. Außerdem soll die EU ihre Produktionskapazitäten ausbauen. Bei öffentlichen Ausschreibungen sollen die Verantwortlichen künftig auch die Versorgungssicherheit berücksichtigen müssen.
Zudem sollen EU-Staaten wichtige Medikamente leichter gemeinsam einkaufen können. Auch der Austausch von Informationen über Notfallvorräte soll verbessert werden.
Die vorläufige Einigung muss noch vom Rat der EU und vom Europäischen Parlament formell gebilligt und verabschiedet werden. Erst danach können die neuen Regeln in Kraft treten.
 
Mit Material von „Reuters“
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Wyschehrad – wo die Geschichte Prags lebendig bleibt

In Kürze:

  • Wyschehrad ist eine historische Festung aus dem 10. Jahrhundert und ein bedeutendes Symbol Prags.
  • Die Kasematten und die Basilika St. Peter und St. Paul zeugen von seiner Geschichte.
  • Außerdem befinden sich dort der Friedhof Slavín und das Grab des Komponisten Antonín Dvořák.

Nur wenige Kilometer vom Trubel der Prager Altstadt entfernt liegt ein geschichtsträchtiger Ort mit dem Namen Wyscherhrad (Vyšehrad). So nennt man die Prager Hochburg, eine historische Festung aus dem 10. Jahrhundert. Sie liegt idyllisch auf einem felsigen Vorsprung oberhalb der Moldau und bietet einen einzigartigen Blick auf Prag.
Man sagt, dass Prag hier gegründet wurde, und hier lebte Ende des 11. Jahrhunderts auch der erste König von Böhmen, Vratislav II. Der Ort wurde schrittweise zu einer militärischen Festung und gilt heute als spirituelles und nationales Symbol.
Schon aus der Ferne sehen wir die beiden hohen, dunklen Türme der Kirche. Das Gelände ist von einer hohen Mauer umgeben. Hier, an einem großen Tor in der Mauer, beginnt eine Reise in die Vergangenheit der Prager Hochburg. Kühle Luft und der Geruch von Erdkellern strömen uns entgegen, als wir durch die Tür treten, die uns der Stadtführer Mikuláš Zima aufhält.
Wir betreten die Kasematten – ein verborgenes System aus Gängen, das entstand, als Wyschehrad auf Beschluss von König Ferdinand III. im 17. Jahrhundert zu einer modernen Barockfestung umgebaut wurde. Wir bewegen uns auf unebenen Lehmböden und folgen den Gängen innerhalb der Mauern und gelangen bis in die Katakomben unter der Basilika. Groß gewachsene Besucher müssen den Kopf einziehen, denn an manchen Stellen beträgt die Deckenhöhe weniger als zwei Meter. Die Wände werden durch eine elektrische Beleuchtung erhellt.

Licht und Wege aus der Besatzungszeit

„Bis zum Zweiten Weltkrieg waren Lüftungsschächte die einzige Lichtquelle. Dann installierten die Deutschen Elektrizität. Die Kabel über uns sind also ihr Werk“, erzählt unser Stadtführer.
Auch die Treppen in den Kasematten werden dem deutschen Militär zugeschrieben, das sie während der deutschen Besatzung der Tschechoslowakei errichtete.
Als wir ein Stück in den Gang hineingehen, sehen wir etwas Licht von oben hereinfallen, wenn wir hin und wieder an Lüftungsschächten vorbeikommen, deren Öffnungen 12 Meter weiter oben liegen. Zima warnt uns.
„Einige dieser Lüftungsschächte aus dem 17. Jahrhundert sind noch offen, daher ist es möglich, dass jemand, der auf dem Aussichtspunkt über uns vorbeigeht, das runde Gitter sieht und eine Zigarette auf uns herunterfallen lässt. Ich entschuldige mich dafür. Und manchmal sind es nicht nur Zigaretten, sondern auch Vögel, die sich dort niederlassen …“
Die Teilnehmer lachen, achten aber gleichzeitig darauf, nicht zu lange unter einer Öffnung zu stehen.

Im Dunkeln durch die Kasematten

Hier konnte sich das Militär sicher fortbewegen. „Die Soldaten zogen mit Pulver und Waffen in fast vollkommener Dunkelheit durch die Kasematten.“ Zima legt den Schalter um, damit wir sehen, wie finster es wird. Man sieht die Hand vor Augen nicht. Kurz darauf macht er wieder Licht. Zima erzählt Historisches im Detail und erklärt, wie die Mauer angelegt wurde, um bei Beschuss mit Kanonenkugeln den Schaden zu begrenzen.
Obwohl man in Prag auf militärische Angriffe gefasst war, wurde die Stadt, so erfahren wir, nur ein einziges Mal bombardiert – aus Versehen. Am 14. Februar 1945 nahmen amerikanische Flugzeuge mehrere Stadtteile unter Beschuss.
„Die amerikanischen Piloten glaubten, sie flögen über Dresden, und begannen, Bomben abzuwerfen. Ich weiß nicht, wie ähnlich sich Dresden und Prag sehen, aber so ist es gewesen“, sagt er.
Wir kommen zu einer der Bastionen, in der Ausrüstung, Waffen, Schießpulver, Lebensmittel und Baumaterial gelagert wurden. Hier kann man leicht unter Klaustrophobie leiden – zwischen uns und der Außenwelt liegen 17 Meter.

Gorlice: Aus Versehen ein Saal

Nachdem wir eine Weile durch die Gänge gegangen sind, stehen wir plötzlich in einem Saal mit hoher Decke. Ein warmes, gelbes Licht erhellt den Saal und die Statuen, die dort stehen. Der Ort heißt Gorlice. Entlang der Karlsbrücke im Zentrum von Prag stehen Statuen, die verschiedene Heilige darstellen, doch die Statuen, an denen man heute auf der Brücke vorbeikommt, sind Nachbildungen. Einige der Originale stehen hier in Wyschehrad. Wir erfahren, dass wir uns nur dank eines Fehlers des italienischen Ingenieurs Giovanni de Capauli in diesem Saal befinden können.
„Vielleicht hatte er zu viel getrunken“, sagt Zima und erklärt, dass hier ursprünglich gar kein Raum geplant war.
Die Deutschen wollten ihn für die Waffenproduktion nutzen, doch dazu kam es nie. Von 1953 bis 1992 nutzte das kommunistische Regime der Tschechoslowakei den Saal als Kartoffellager. Die neue Regierung, die 1992 ihr Amt antrat, räumte die Kartoffeln aus und ließ Gorlice stattdessen zu einem Aufbewahrungsort werden, um die sechs Statuen vor Luftverschmutzung und Verwitterung zu schützen.

Alle Originale aus tschechischem Sandstein

„Alle diese Statuen stammen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und sind aus tschechischem Sandstein gefertigt“, sagt er und zeigt auf die Statuen, darunter die Heiligen Augustinus und Adalbert sowie die Heilige Anna und die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind und den knienden Heiligen Bernhard von Clairvaux. Laut Zima gibt es Pläne, sie umzusiedeln.
Weil Wasser von der Decke tropft, überlegt man nun, wie sich eine bessere Umgebung für ihre Aufbewahrung finden lässt.
In Gorlice werden sechs Originalstatuen verschiedener Heiliger aufbewahrt.

In Gorlice werden sechs Originalstatuen verschiedener Heiliger aufbewahrt.

Foto: Eva Sagerfors / Epoch Times

Wir schlendern zwischen den Statuen umher, die in dieser stillen Umgebung einen beeindruckenden Anblick bieten. Hier finden gelegentlich Konzerte und Festivals statt, ebenso wie Hochzeiten.
Die Führung ist zu Ende, und wir gehen eine Treppe hinunter ins Tageslicht.
Ich frage Zima nach seiner Arbeit als Stadtführer. Er möchte, dass die Menschen die tschechische Geschichte kennenlernen und ein Bild vom Leben in Wyschehrad sowie von der Bombardierung Prags erhalten, bei der 700 Menschen starben.
„Ich möchte den Besuchern zeigen, welches Glück sie haben, diese Mauern völlig unversehrt sehen zu können, da weder Kanonenkugeln noch amerikanische Bomben die Mauern getroffen haben. Dies ist einer der großartigsten Abschnitte der tschechischen Geschichte.“

Spaziergang über Wyschehrad

Wir haben uns für eine weitere Führung angemeldet, um Wyschehrad besser kennenzulernen, aber zuerst schlendern wir auf eigene Faust durch die Gegend, um uns umzuschauen. Hier gibt es große Grünflächen, auf denen sich Menschen aufhalten. Es ist später Nachmittag und die Sonne scheint sanft. Wir begegnen Joggern und Familien mit Kinderwagen und hören jemanden, der auf seiner Trompete Jazz spielt. Eine Gruppe sitzt im Gras und spielt Trommel.
Die beiden Türme der Basilika St. Peter und Paul sind 63 Meter hoch.

Die beiden Türme der Basilika St. Peter und Paul sind 63 Meter hoch.

Foto: Eva Sagerfors / Epoch Times

Von oben auf der Mauer haben wir einen schönen Blick über Prag – rote Dächer und alte Bebauung vermischen sich mit modernen Gebäuden. Die Moldau fließt nach Norden. Dort tummeln sich Ausflugsboote und Segelboote zusammen mit dem einen oder anderen Kajakfahrer.
Wir kommen zum Friedhof Slavín, der die Basilika St. Peter und St. Paul umgibt. Der Friedhof ist eine Attraktion für sich. Hier befinden sich die Gräber mehrerer berühmter Persönlichkeiten. Eines der bekanntesten Gräber gehört dem Komponisten Antonín Dvořák (1841–1904). An seiner Grabstätte liegen frische Blumen, sowohl in Töpfen als auch in Sträußen, die Besucher dort niedergelegt haben.
Auf dem Friedhof von Slavín sind mehrere berühmte Persönlichkeiten begraben. Zu den bekanntesten zählt der Komponist Antonín Dvořák (1841–1904).

Auf dem Friedhof von Slavín sind mehrere berühmte Persönlichkeiten begraben. Zu den bekanntesten zählt der Komponist Antonín Dvořák (1841–1904).

Foto: Eva Sagerfors / EpochTimes

Es ist Zeit, unseren Stadtführer Zima wiederzusehen, um einen weiteren Teil der Kasematten und einige der historischen Gebäude der Prager Hochburg zu besichtigen. Nun erzählt er mehr über den Fehler des Ingenieurs Giovanni de Capauli beim Bau im 17. Jahrhundert.
Er baute die Festung so schlecht, dass die Kasematten im Inneren nirgendwohin führten. Dabei ignorierte er den Plan des Architekten (Carlo Lugaro) und errichtete die Mauer ohne ein funktionsfähiges Tor. Zima zeigt auf das Leopoldstor, das im Barockstil verziert ist. Erst in den 1840er-Jahren konnte das Tor geöffnet werden.
„Es sah genauso aus wie heute, mit dem schönen Habsburger Adler und den tschechischen Löwen, aber ohne Eingang.“

Die „Dunkelheit des 17. Jahrhunderts“

Wir betreten die Kasematten von Sankt Martin. Hier herrscht das ganze Jahr über eine Temperatur von 10 bis 12 Grad. Unser Stadtführer meint, es wäre ein perfekter Weinkeller gewesen.
Man fragt uns, ob wir die Gänge unter denselben Bedingungen durchqueren möchten wie im 17. Jahrhundert. Wir sagen Ja, und Zima löscht das Licht. Zwar erkennen wir die hellen Lichtkreise auf dem Boden entlang des Gangs vor uns, doch wegen der Abstände dazwischen sieht man nicht durchgehend etwas, und das Licht ist ohnehin schwach. Eine aus der Gruppe nimmt das Licht ihres Handys zu Hilfe – sie will nicht stolpern.
„Sich hier nachts fortzubewegen, war unmöglich“, sagt Zima.
Als wir wieder draußen sind, äußert eine der Damen ihre Erleichterung. Doch das Erlebnis war spannend und hat uns bewusster gemacht, wie das Leben hier vor einigen hundert Jahren gewesen sein mag.
Der tschechische Löwe und das Jesus-Monogramm IHS – Iesus Hominum Salvator.

Der tschechische Löwe und das Jesus-Monogramm IHS – Iesus Hominum Salvator.

Foto: Eva Sagerfors / Epoch Times

Wir stellen fest, wie lebendig Wyschehrad ist. An einigen Stellen gibt es Tennisplätze direkt vor den Mauern, und dort, wo wir die Kasematten verlassen, werden in Pflanzkübeln neben der Mauer Gemüse und Blumen angebaut. Zima erzählt, dass die Menschen, die hier unten wohnen, die Fläche zum Anbau nutzen dürfen.

Die Johannes-der-Täufer-Kirche

Das Letzte, was wir im Rahmen der Führung besichtigen, ist die dem heiligen Johannes dem Täufer geweihte Kirche, die heute nicht mehr genutzt wird. Eine kleine Treppe am Altar führt hinunter zu einer noch laufenden archäologischen Ausgrabung. In der angrenzenden Sakristei zeigt der Stadtführer Holzkopien der Waffen, die von der Infanterie vom Ende des 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts verwendet wurden – Steinschlossgewehre.
Die Originalwaffen waren schwer und schwer zu handhaben. Zima zeigt und erklärt anschaulich, warum es schwierig war, mit der Waffe das Ziel zu treffen.
Ein guter Soldat des 18. Jahrhunderts gab während einer Schlacht ein- oder zweimal einen Schuss ab, und wenn das Ziel mehr als 50 Meter entfernt war, war es fast unmöglich, es zu treffen. Im Nahkampf benutzten sie das Bajonett oder drehten das Gewehr um und setzten den Kolben ein.
Die Führung ist zu Ende und wir bedanken uns für eine interessante Geschichtsstunde und spannende Erlebnisse.

Das Museum im ehemaligen Pulvermagazin

Wir gehen weiter zum ehemaligen Pulvermagazin, das heute ein Museum ist. Eine Ausstellung gibt einen Überblick über die lange Geschichte von Wyschehrad. In der Mitte steht eine Kanone aus dem 18. Jahrhundert, und in Vitrinen sind archäologische Funde ausgestellt. Hier sehen wir alte Pfeilspitzen zusammen mit „nordischen Kochgefäßen“.
Die Kanone im alten Pulvermagazin stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Die Kanone im alten Pulvermagazin stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Foto: Eva Sagerfors / Epoch Times

Zum Schluss betreten wir die Kirche, die noch immer für Zeremonien wie Messen und Hochzeiten genutzt wird. Die Basilika St. Peter und St. Paul, das geistliche Symbol von Wyschehrad, wurde 1070 von Vratislav II. gegründet. Die Kirche hat zwei hohe Türme und ist im neugotischen Stil erbaut. Nach mehreren Umbauten und Renovierungen erhielt sie 1903 ihr heutiges Aussehen.
Was uns als Erstes auffällt, ist der goldene Altar, der in Gold glänzt. Wir betrachten die Malereien an der Decke. Hier gibt es viele Blumen, aber auch Szenen aus Erzählungen. Als wir weiter durch die Seitenschiffe gehen, werden unsere Blicke auf die Säulenmalereien gelenkt, die katholische Heilige zeigen.
Die heilige Elisabeth ist eine der Heiligen, deren Porträts die Säulen der Basilika schmücken.

Die heilige Elisabeth ist eine der Heiligen, deren Porträts die Säulen der Basilika schmücken.

Foto: Eva Sagerfors / Epoch Times

Der Stil ist sanft und wirkt etwas vertraut. Die hellen, gedämpften Farben tragen zu diesem sanften Eindruck bei. Die Heiligen befinden sich oft in Umgebungen mit einer beeindruckenden Detailfülle und werden auf menschliche und natürliche Weise dargestellt. Die Heilige Alžbeta, auch bekannt als Elisabeth von Thüringen, wird unter anderem als Schutzpatronin von Krankenhäusern, Bäckern, Bräuten, sterbenden Kindern, Klöpplerinnen und Witwen verehrt. Auf der Darstellung wirkt sie besorgt oder traurig, während sie mit zwei Kindern dasteht, von denen eines sie auf die Wange küsst. Das andere Kind hält Blumen in der Hand. Auf dem Boden wächst ein Fliegenpilz.

Jugendstil in der Peter-und-Paul-Basilika

Als wir später mehr über die Künstler erfahren, wird uns klar, warum uns der Stil so vertraut vorkommt. Das Ehepaar František Urban und Marie Urbanová-Zahradnická malte im Jugendstil und schuf zwischen 1900 und 1903 Decken- und Wandmalereien in der Basilika St. Petrus und St. Paulus. Er war bekannt für seine großformatigen architektonischen Gemälde, sie als Blumenmalerin. Seine Werke erinnern an den berühmten tschechischen Jugendstilkünstler Alfons Mucha.
Das Ehepaar František Urban und Marie Urbanová-Zahradnická bemalte zwischen 1900 und 1903 die Decken und Wände der Peter-und-Paul-Basilika.

Das Ehepaar František Urban und Marie Urbanová-Zahradnická bemalte zwischen 1900 und 1903 die Decken und Wände der Peter-und-Paul-Basilika.

Foto: Eva Sagerfors / Epoch Times

In einer der Seitenkapellen sehen wir ein Gemälde der Jungfrau Maria. Das Bild hat eine besondere Geschichte. Einer Überlieferung aus dem Jahr 1638 zufolge herrschte eine schwere Dürre, doch als das Gemälde ein kurzes Stück zur St.-Pankratius-Kirche in Prag getragen wurde, begann es endlich zu regnen. Daraufhin fanden hier zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert besondere Pilgerwanderungen statt, um Regen zu erbitten.
Zufrieden verlassen wir die Kirche mit einem Gefühl der Ruhe und des Staunens.
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.se unter dem Titel: „Vyšehrad – där Prags historia lever“ (redaktionelle Bearbeitung: vm)
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Hans-Werner Sinn zur Energiewende: „Alles Humbug. Nichts hat gestimmt“


In Kürze:

  • Der frühere ifo-Präsident Hans-Werner Sinn hält Deutschlands Ziel der Klimaneutralität bis 2045 für unrealistisch und warnt vor einer weiteren Deindustrialisierung.
  • Nach Sinns eigener Überschlagsrechnung müsste sich der Beitrag von Wind- und Solarenergie nahezu verzehnfachen. Er bezweifelt, dass dies technisch und wirtschaftlich zu bewältigen ist.
  • Europäische Alleingänge beim Klimaschutz hält Sinn für wirkungslos. Stattdessen fordert er internationale Vereinbarungen und die Abschaffung der EU-CO₂-Flottengrenzwerte.

 
Der frühere Präsident des ifo Instituts, Hans-Werner Sinn, hält die deutsche Klimapolitik für grundlegend verfehlt. Bei einem Vortrag am Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik an der Universität Luzern am 9. Oktober warnte der Ökonom vor den wirtschaftlichen Folgen der Energiewende und bezweifelte, dass Deutschland seine gesetzlichen Klimaziele erreichen könne. Insbesondere die hohen Energiekosten, der Ausbau erneuerbarer Energien und die europäische Regulierung der Automobilindustrie standen im Mittelpunkt seiner Kritik.
Dabei stellte Sinn ausdrücklich klar, dass er den Einfluss von Kohlendioxid auf das Klima nicht bestreite. „Also ich wäre der Letzte, der den Klimaeffekt CO₂ bestreiten würde“, sagte er. Dieser sei ein wichtiger Effekt. Allerdings müsse der eingeschlagene Weg auch wirtschaftlich tragbar und technisch umsetzbar sein.

Sinn hält Klimaneutralität bis 2045 für unrealistisch

Deutschland hat sich im Klimaschutzgesetz verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 65 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Bis 2040 sollen die Emissionen um mindestens 88 Prozent sinken. Für 2045 ist Netto-Treibhausgasneutralität vorgeschrieben. Verbleibende Emissionen müssen dann durch die Entnahme von Treibhausgasen aus der Atmosphäre ausgeglichen werden.
Sinn verwies darauf, dass die deutschen Emissionen bis 2025 um rund 48 Prozent gegenüber 1990 zurückgegangen seien. Die Emissionsbilanz des Umweltbundesamtes weist einen Rückgang um 48,2 Prozent aus. Die noch ausstehenden Einsparungen müssten allerdings in deutlich kürzerer Zeit erreicht werden.
„Geht das? Nein, ist vollkommen unmöglich“, so der Ökonom. Der verbleibende Reduktionspfad sei nach seiner Rechnung etwa doppelt so steil wie der bisherige. Zugleich seien die vergleichsweise leicht erreichbaren Einsparungen bereits verwirklicht worden.
Einen Teil des bisherigen Emissionsrückgangs führte Sinn auf den Zusammenbruch der ostdeutschen Industrie nach der Wiedervereinigung zurück. Auch der jüngere Rückgang der Industrieproduktion spiele seiner Einschätzung nach eine erhebliche Rolle.
Allerdings sagte er, dass er den Anteil dieser Entwicklung bislang nicht beziffern könne. „Das zu quantifizieren ist noch mal ein anderes Thema. Da habe ich noch nicht die Zahlen“, sagte Sinn.
Eine weitere Verschärfung der Klimapolitik könnte seiner Ansicht nach deshalb den industriellen Niedergang beschleunigen. Er bezeichnete dies als eine mögliche „Deindustrialisierung zweiter Art“.
Auch die Projektionsdaten 2026 des Umweltbundesamtes zeigen Schwierigkeiten beim Erreichen der Klimaziele. Mit den bis November 2025 beschlossenen Maßnahmen würde Deutschland demnach bis 2030 eine Emissionsminderung von 62,6 Prozent erreichen und damit das gesetzliche Ziel von 65 Prozent verfehlen. Anders als Sinn bewertet das Umweltbundesamt die Zielerreichung für 2030 jedoch nicht als grundsätzlich unmöglich.

Kritik an den Kosten der Energiewende

Besonders kritisch äußerte sich Sinn über die wirtschaftlichen Versprechen, mit denen die Energiewende ursprünglich begründet worden sei. Dazu zählte er die Erwartung sinkender Energiepreise, neue Exportmärkte für grüne Technologien und eine internationale Vorbildfunktion Deutschlands.
„Alles Humbug. Nichts hat gestimmt“, sagte Sinn in seinem Vortrag.
Statt günstiger Energie seien hohe Stromkosten entstanden. Als wesentliche Ursache nannte er die Notwendigkeit, neben Windkraft- und Solaranlagen weiterhin konventionelle Kraftwerkskapazitäten bereitzuhalten.
Wind- und Solarstrom seien wetterabhängig. Bei fehlendem Wind oder geringer Sonneneinstrahlung müsse die Stromversorgung anderweitig sichergestellt werden. Dafür seien zusätzliche Anlagen erforderlich, deren Kosten auch dann anfielen, wenn sie nur zeitweise genutzt würden.
Sinn sprach in diesem Zusammenhang von Doppelstrukturen und doppelten Fixkosten. Besonders Gaskraftwerke seien als Ergänzung zu Wind- und Solarenergie notwendig, um deren schwankende Einspeisung auszugleichen.
Auch die Hoffnung auf einen technologischen Exporterfolg habe sich nach seiner Darstellung nicht erfüllt. Deutschland importiere vielmehr große Mengen der hier installierten Solarmodule aus China.

Verzehnfachung von Wind- und Solarenergie?

Zur Begründung seiner Zweifel an der Energiewende verwies Sinn auf den Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch. Nach den von ihm verwendeten Zahlen entfielen rund 22 Prozent des Bruttoendenergieverbrauchs auf erneuerbare Energien. Wind- und Solarenergie machten zusammen etwa 9 Prozent aus. Die übrigen erneuerbaren Energieträger steuerten rund 13 Prozent bei.
Um fossile Energieträger innerhalb von etwa 20 Jahren weitgehend zu ersetzen, wäre nach Sinns Rechnung eine annähernde Verzehnfachung des Beitrags von Wind- und Solarenergie erforderlich. „Es ist Absurdistan, versteckt in irgendwelchen Statistiken, wie sie normalerweise gebracht werden“, sagte er.
Dabei handelt es sich um Sinns eigene Überschlagsrechnung, nicht um eine ausdrücklich gesetzlich vorgeschriebene Ausbauquote. Zudem ist zwischen dem gesamten Energieverbrauch und dem Stromverbrauch zu unterscheiden.

Speicherproblem bleibt nach Sinns Ansicht ungelöst

Ein weiteres Hindernis sieht Sinn in der Speicherung erneuerbarer Energie über längere Zeiträume. Pumpspeicherkraftwerke und Batterien seien nach seiner Darstellung nicht geeignet, größere Strommengen wirtschaftlich vom Sommer bis in den Winter zu übertragen. „Diese Langzeitspeicherung ist völlig unlösbar“, sagte er. Dabei handelt es sich um Sinns persönliche Einschätzung.
Auch die Umwandlung von Strom in Wasserstoff und anschließend zurück in Strom betrachtete er kritisch. Bei diesem Verfahren gingen nach seiner Rechnung rund drei Viertel der ursprünglich eingesetzten Energie verloren. Wasserstoff sei damit zwar eine technische Möglichkeit, aus seiner Sicht aber keine wirtschaftlich überzeugende Lösung für das saisonale Speicherproblem.
Sinn verwies zugleich darauf, dass sich private Solaranlagen aufgrund staatlicher Förderung durchaus rechnen könnten. Daraus folge jedoch nicht automatisch, dass das gesamte System volkswirtschaftlich vorteilhaft sei.

Warum Sinn europäische Alleingänge ablehnt

Den grundsätzlichen Einwand gegen die europäische Klimapolitik entwickelte Sinn anhand des internationalen Ölmarktes. Seiner Darstellung zufolge führt eine geringere europäische Nachfrage nach Erdöl nicht zwangsläufig dazu, dass weltweit entsprechend weniger Öl gefördert wird.
Sinke die Nachfrage nur in einer Weltregion, könnten zunächst die Preise zurückgehen. Dadurch werde Öl für andere Verbraucher günstiger, sodass es andernorts zusätzlich nachgefragt werde.
Der emeritierte Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München sagte, dass die Förderländer ihre Produktion bei moderaten Preisänderungen nicht entsprechend einschränkten. Erst bei einem sehr starken Preisverfall könnten Förderanlagen unrentabel werden.
Als Beispiel führte er die Corona-Pandemie an. Während der weltweiten Wirtschaftskrise sei die Nachfrage nach Erdöl massiv eingebrochen. Die Preise seien daraufhin so stark gesunken, dass Förderländer ihre Produktion reduzierten.
Der Nachfrageeinbruch ist auch im Ölmarktbericht der Internationalen Energieagentur (IEA) vom Juni 2020 dokumentiert. Die IEA erwartete damals für 2020 den stärksten jährlichen Rückgang der weltweiten Ölnachfrage seit Beginn ihrer Erhebungen.

Kritik an europäischen Vorgaben für Elektroautos

Auch die europäischen Flottengrenzwerte für Automobilhersteller nahm Sinn in Luzern ins Visier. Sie sollen den CO₂-Ausstoß neuer Fahrzeuge schrittweise senken. Grundlage ist die EU-Verordnung 2019/631, die festlegt, wie viel Kohlendioxid die neu zugelassenen Fahrzeuge eines Herstellers im Durchschnitt ausstoßen dürfen.
Sinn kritisierte vor allem die Art der Berechnung. Die EU-Vorgaben erfassen nur den CO₂-Ausstoß am Auspuff. Elektroautos gelten dabei als emissionsfrei, weil sie während der Fahrt kein Kohlendioxid ausstoßen. Wie viel CO₂ bei der Erzeugung des benötigten Stroms entsteht, bleibt bei den Flottengrenzwerten hingegen unberücksichtigt.
Aus seiner Sicht werden die Emissionen damit lediglich vom Fahrzeug auf die Stromerzeugung verlagert, sofern dafür fossile Energieträger eingesetzt werden. Sinn hält es deshalb für irreführend, Elektroautos bei der Berechnung der Flottengrenzwerte grundsätzlich mit null CO₂-Emissionen anzusetzen.
Er forderte deshalb, die Flottengrenzwerte vollständig abzuschaffen. Aus seiner Sicht begünstigten die Vorschriften Elektroautos, ohne deren tatsächliche Klimabilanz ausreichend zu berücksichtigen.

Internationaler Klimaklub statt nationaler Alleingänge

Eine grundsätzlich andere Klimapolitik hält Sinn dagegen für möglich. Er verwies auf das Konzept eines internationalen Klimaklubs, wie es unter anderem der Wirtschaftsnobelpreisträger William Nordhaus entwickelt hat.
Wenn sich zahlreiche große Volkswirtschaften gemeinsam auf eine Verringerung des Verbrauchs fossiler Energieträger verständigten, könnte die weltweite Nachfrage nach Öl erheblich sinken. Nach Sinns Argumentation wären dann stärkere Preisrückgänge möglich, die auch die Förderentscheidungen der Produzenten beeinflussten.
Ein solcher international koordinierter Ansatz könne deshalb durchaus wirksam sein. Allerdings bezweifelte Sinn, dass sich unter den gegenwärtigen politischen Bedingungen kurzfristig eine entsprechende Vereinbarung erreichen lasse. Solange dies nicht gelinge, müsse sich Deutschland stärker auf die Anpassung an die Folgen des Klimawandels konzentrieren.
Als Beispiele nannte er höhere Deiche zum Schutz vor Überschwemmungen sowie Klimaanlagen gegen zunehmende Hitze. Gerade Klimaanlagen könnten seiner Ansicht nach sinnvoll mit Solarstrom betrieben werden, weil der Strombedarf bei hohen Temperaturen häufig mit starker Sonneneinstrahlung zusammenfalle.
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Trump droht Iran mit neuer Militäroperation: „Kleine Epic Fury“ möglich


In Kürze:

  • Trump schließt eine weitere US-Militäroperation gegen den Iran nicht aus, sollte keine Einigung zustande kommen.
  • US-Botschafter Tom Barrack hält einen Angriff bereits am Wochenende für möglich.
  • Trump deutet einen Zwischenstopp von US-Kriegsschiffen vor Kuba an und will Marco Rubio mit einer Einigung beauftragen.

 
US-Präsident Donald Trump schließt eine erneute Militäroperation gegen den Iran nicht aus. Die Vereinigten Staaten könnten eine kleinere Variante der Ende Februar gestarteten Operation „Epic Fury“ durchführen, sollte Teheran nicht zu einer Einigung bereit sein, so Trump. Das berichtet die englischsprachige Ausgabe der Epoch Times.

USA verschärfen wirtschaftlichen Druck auf den Iran

„Wir werden vielleicht eine weitere kleine ‚Epic Fury‘ durchführen, oder sie werden zustimmen“, sagte Trump am Freitag, 23. Oktober, bei einer Wahlkampfveranstaltung im Vorfeld der Zwischenwahlen in Fort Myers (Florida). „Wenn sie klug sind, werden sie einfach sagen: ‚Kommen wir zur Sache.‘ Aber ich bezweifle, dass sie das tun werden, weil sie vielleicht nicht klug sind.“
Für die Operation „Epic Fury“ wurden mehr als 50.000 US-Soldaten im gesamten Nahen Osten stationiert. Laut Admiral Brad Cooper, dem Kommandeur des US-Zentralkommandos, umfasste die Militärkampagne Angriffe auf etwa 13.500 Ziele.
Trumps Äußerungen fallen in eine Phase, in der der militärische Konflikt zwischen den USA und dem Iran ins Stocken geraten ist. Die US-Regierung hat ihre Strategie angepasst und den wirtschaftlichen Druck auf Teheran verstärkt. Dazu gehören die militärische Blockade iranischer Häfen sowie weitere Sanktionen im Rahmen der Operation „Economic Outcast“.

Barrack: Trump strebt keinen Regimewechsel im Iran an

Vor Trumps Auftritt in Florida hatte Tom Barrack, US-Botschafter in der Türkei und Sondergesandter für Syrien, in einem Interview mit dem Online-Kommentator Mario Nawfal erklärt, dass es „auf jeden Fall“ bereits an diesem Wochenende zu einem US-Angriff auf den Iran kommen könnte.
Zugleich betonte Barrack, dass Trump zu einer Einigung bereit sei: „Der Präsident hat sich sehr klar ausgedrückt. Er ist offen, bereit und zugänglich für eine Einigung. Und wir sitzen schon seit Monaten und Monaten und Monaten am Verhandlungstisch“, sagte er.
Trump habe dem Iran zudem deutlich gemacht, dass er einen Prozess zur langfristigen Beruhigung der Lage anstrebe. Teheran müsse jedoch mit Konsequenzen rechnen, sollte das Land weiterhin die Verbündeten der USA und andere Staaten bedrohen.
Barrack erklärte gegenüber Nawfal außerdem, dass Trump keinen Regimewechsel im Iran anstrebe. Vielmehr gehe es um eine „Neugewichtung der Kräfte“, damit „es keine Geiseln mehr gibt, keine Drohungen mehr und sich die Lage weltweit beruhigen kann“.
Auf die Frage nach Barracks Andeutung eines möglichen US-Angriffs am Wochenende antwortete Trump gegenüber Reportern: „Wenn das der Fall ist, weiß ich nichts davon.“ Bei seiner Kundgebung am Freitag erklärte der Präsident, der Iran befinde sich in der schlechtesten wirtschaftlichen Lage und habe die weltweit höchste Inflationsrate.
Die Vereinigten Staaten hätten Teheran bereits „militärisch, finanziell und in jeder anderen Hinsicht“ besiegt. Nun arbeite seine Regierung daran, sicherzustellen, dass der Iran niemals in den Besitz von Atomwaffen gelange. Zudem kündigte Trump an, dass die Ölpreise „bald einbrechen“ würden.

Rubio ruft Kubaner zur Zusammenarbeit mit der CIA auf

Wenn der Konflikt mit dem Iran beendet sei, würden sich die Vereinigten Staaten auf dem Rückweg „um Kuba kümmern“, fuhr Trump fort.
„Wir werden einen kleinen Zwischenstopp einlegen“, so der Präsident vor seinen Anhängern. Damit deutete er an, dass ein US-Kriegsschiff vor die Küste Kubas entsandt werden könnte.
„Sie werden die Hände heben, und dann werden wir [US-Außenminister] Marco Rubio hinschicken, um den Deal unter Dach und Fach zu bringen“, fuhr er fort.
Rubio, der kubanischer Abstammung ist, knüpfte an Trumps Äußerungen bei der Wahlkampfveranstaltung an. Auf X rief er Menschen in Kuba dazu auf, mit dem Geheimdienst CIA zusammenzuarbeiten.
„An diejenigen, die sich für einen positiven Wandel in Kuba einsetzen wollen – jetzt ist der Zeitpunkt gekommen“, schrieb Rubio.
„Die Enttäuschung über gebrochene Versprechen, Korruption und das privilegierte Leben einiger weniger: Nutzt diese Gelegenheit, um durch eine diskrete Zusammenarbeit mit der CIA den Wandel herbeizuführen, den ihr euch wünscht.“
Trump und andere Regierungsmitglieder hatten bereits einen möglichen Militäreinsatz gegen Kuba angedeutet. In den vergangenen zwölf Monaten hatte die Regierung zudem den diplomatischen Druck auf den karibischen Inselstaat unter kommunistischer Führung weiter verstärkt.
Am Mittwoch, 21. Oktober, hatte Trump gegenüber Reportern gesagt, dass die USA sowohl militärisch als auch finanziell „sehr gut“ gegen den Iran abschneiden würden.
„Wir werden in jedem Fall etwas erreichen. Es wird ziemlich bald passieren“, sagte Trump. „Die meisten Leute scheinen davon auszugehen, dass es nach der Wahl sein wird. Wir werden sehen, was passiert.“

Teheran: Dialog unter Druck hat keinen Sinn

Anfang Oktober sagte Trump, dass die USA vor den Zwischenwahlen im November keine weiteren Angriffe gegen den Iran starten würden. In den vergangenen Wochen kam es zu keinen weiteren Angriffen.
Doch haben die USA neue Sanktionen gegen Teheran sowie Organisationen und Personen verhängt, die dem Regime helfen, die Zwangsmaßnahmen zu umgehen.
Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian forderte laut der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur „Anadolu“, dass die Sanktionen der USA aufgehoben werden müssten. Dann könnten die Verhandlungen zwischen Teheran und Washington auch wieder vorankommen.
„Man kann nicht jeden Tag die Sanktionen und den Druck verschärfen, die Wege der Interaktion versperren und gleichzeitig von Verhandlungen sprechen“, schrieb Pezeshkian am 21. Oktober in einem Social-Media-Beitrag. „Ein Dialog, der von Drohungen und Druck geprägt ist, hat keinen Sinn.“