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Jenseits der großen Worte: Drei Maler verewigen das Vatersein

Das Vatersein war schon immer schwer darzustellen. Es eignet sich kaum für großartige Inszenierungen und auffällige Symbolik. Die dahinterstehenden Gefühle sind nicht einfach zu vermitteln. Die hier präsentierten Gemälde beziehen ihre Kraft aus besonderen Momenten. Sie stammen aus drei Ländern und unterschiedlichen Zeitepochen, haben jedoch eines gemeinsam: Sie zeigen, wie es aussieht, wenn die Liebe eines Vaters im Gemälde das Beständigste ist.

„Die Rückkehr des verlorenen Sohnes“

Das symbolträchtige Gemälde „Die Rückkehr des verlorenen Sohnes“ ist Teil eines Zyklus, den der spanische Barockmaler Bartolomé Esteban Murillo (1617–1682) für die Kirche des Krankenhauses Saint George in Sevilla gemalt hat, einem Ort, an dem Arme und Obdachlose gepflegt wurden. Dabei prägte der Auftraggeber die theologische Botschaft dahinter. Jedes Motiv wurde so gestaltet, dass es eine der sieben Taten der Barmherzigkeit verkörpert. Hierzu gehören: Hungernde speisen, Dürstenden zu trinken geben, Fremde beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und Tote bestatten.
Vier der Gemälde befinden sich noch immer in Sevilla: „Die wunderbare Brotvermehrung“ (auch bekannt als „Das Wunder von Broten und Fischen“), „Moses schlägt Wasser aus dem Felsen“, „Die heilige Elisabeth von Ungarn pflegt die Aussätzigen“ (auch bekannt als „Die heilige Elisabeth von Thüringen pflegt die Aussätzigen“) und „Der heilige Johannes trägt einen Kranken“ (auch bekannt als „Johannes der Barmherzige“).

„Die Rückkehr des verlorenen Sohnes“. Murillo hätte jeden beliebigen Moment aus dem Gleichnis wählen können, doch er entschied sich für diesen: den Augenblick, in dem sich die bedingungslose Liebe eines Vaters stärker erweist als all das, womit ein Sohn sie auf die Probe stellen könnte. National Gallery of Art, Washington.

Im Mittelpunkt des Gemäldes stehen Vater und Sohn. Der Künstler lenkt den Blick des Betrachters auf das Wesentliche: ihre Beziehung zueinander. Murillo stellt Vergebung und Liebe in den Fokus, indem der Vater seinen Sohn mit einer liebevollen Umarmung begrüßt. Das ungepflegte Äußere des Sohnes wird mit demselben unverfälschten Realismus dargestellt, den Murillo auch in seinen Straßenszenen zum Ausdruck brachte – Details, welche die bedingungslose Begrüßung des Vaters umso lebendiger erscheinen lassen.
Murillos Gespür für Kleinigkeiten, wie etwa den hochspringenden Welpen, verleiht der Szene eine zusätzliche Tiefe. Rechts stehen zwei Bedienstete bereit, um den Sohn zu empfangen: Der eine hält edle Kleidung in den Händen, der andere einen Ring – ein Symbol, dass der Sohn seinen Platz in der Familie wieder vollständig eingenommen hat. Alle diese Details verwandeln den Moment in eine lebendige Geschichte, die den Betrachter in ihren Bann zieht.

„Rudolf von Arthaber und seine Kinder Rudolf, Emilie und Gustav“

„Rudolf von Arthaber und seine Kinder Rudolf, Emilie und Gustav“ von Friedrich von Amerling, 1837.

Vielleicht bringt nichts besser die Essenz des Vaterseins zum Ausdruck als der Mann, der seine Kinder immer wieder behutsam an seine Brust zieht. Dieses Gruppenporträt zeigt Rudolf von Arthaber, einen Wiener Textilfabrikanten und leidenschaftlichen Kunstsammler, mit seinen drei Kindern Rudolf, Emilie und Gustav – ein Werk von Friedrich von Amerling (1803–1887), einem der gefragtesten Porträtmaler seiner Zeit. Er schuf mehr als tausend Werke, fast ausschließlich Porträts. Der Künstler war in London bei Thomas Lawrence in die Lehre gegangen und später als k.k. Hofmaler des österreichischen Kaiserhauses tätig.
Die romantische Epoche, die sich intensiv mit der Kindheit sowie deren Unschuld und Lebensfreude auseinandersetzte, prägte Amerlings liebevolle Darstellung seiner Figuren. Er gestaltete ihre Gesichter individuell und sehr lebendig.
Der Maler zeigt Arthaber umgeben von seinen spielenden Kindern, die sich offensichtlich in seiner Gegenwart sehr wohlfühlen. In seinem Gesicht spiegelt sich eine Mischung aus Müdigkeit und Zuneigung wider. Sanftes Licht umhüllt Vater und Kinder – ein Stil, den Amerling von seinem Lehrer Lawrence übernommen hat.
Das Werk ist das Porträt einer Familie, die mit sich im Frieden ist – eine Szene, die von enger familiärer Bindung und Großzügigkeit beseelt ist.

„Francesco Sassetti und sein Sohn Teodoro“

„Francesco Sassetti und sein Sohn Teodoro“ von Domenico Ghirlandaio, um 1488, Metropolitan Museum of Art, New York City.

Im späten 15. Jahrhundert wurde Domenico Ghirlandaio (1448–1494) für seine erzählerischen Fresken gepriesen, in denen er häufig Porträts prominenter Florentiner Bürger einarbeitete. Vor allem die Florentiner Kaufleute vertrauten Ghirlandaio, wenn es darum ging, ihre gesellschaftliche Stellung künstlerisch einzufangen. Eines seiner häufigsten Motive war der Bankier Francesco Sassetti, Generaldirektor des Medici-Bankennetzwerks in der Schweiz und Frankreich.
Seinem Auftrag wurde der Künstler auch in dem Werk „Francesco Sassetti und sein Sohn Teodoro“ gerecht: Sassetti wirkt wohlhabend, gelassen und beständig. Sein kleiner Sohn neben ihm ist das Symbol dafür, dass sein Lebenswerk ihn überdauern wird.
Ghirlandaio bevorzugte die Technik der Freskomalerei, die sich gut für die großen Wandflächen eignete. Die Altarbilder für dieselben Kapellen erforderten jedoch kleinere Werke auf Holztafeln. Das vorliegende Porträt ist ein solches Werk. Ghirlandaio stellt Sassetti zusammen mit seinem kleinen Sohn Teodoro auf einer kleinen Tafel dar, wobei die Gestaltung formell und bedächtig wirkt.
Das Bild zeigt Sassetti mit dem „Lucco“, jenem langen roten Umhang, den wohlhabende Florentiner Männer üblicherweise trugen und der für Amtsträger gesetzlich vorgeschrieben war. Die tiefrote Farbe war an sich schon ein Zeichen von Wohlstand, da die dafür benötigten Färbemittel kostspielig und somit nur der Oberschicht vorbehalten waren.
Sassetti blickt nach vorn. Seine gesenkten Augen wirken nachdenklich, während Teodoro im Profil dargestellt ist – eine Gestaltung, die Unschuld und Reinheit vermitteln sollte. Im Hintergrund sieht man wie durch ein Fenster eine Kapelle, die Sassetti in Genf errichten ließ. Sie symbolisiert seinen Glauben, seinen Reichtum und seinen Einfluss innerhalb einer bestimmten Region.
Alle drei Werke umfassen verschiedene Genres aus verschiedenen Jahrhunderten, von frommen Erzählungen bis hin zu Porträts der oberen Schichten, doch in jedem einzelnen stehen Vater und Kind im Fokus. Aus den Gemälden wird deutlich, in welcher Form sich Künstler immer wieder mit dieser Beziehung auseinandergesetzt haben als ein Thema, das es verdient, genauer betrachtet zu werden.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Beyond the Grand Gesture: 4 Painters Who Capture Fatherhood“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sua)