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Hat München sein Wasserproblem selbst verursacht?


In Kürze:

  • In München gilt seit 15. Juli eine befristete Allgemeinverfügung zum Wassersparen unter Androhung hoher Bußgelder.
  • Zwischen 9 und 19 Uhr gelten unter anderem Verbote für PoolbefüllungGartenbewässerung und private Wasserspiele.
  • Die öffentliche Begründung spiegelt gerade diese zeitliche Einschränkung nicht wider, doch die Ursache liegt anscheinend woanders:
  • Während der Untergrund ausreichend Wasser liefert, wurden die städtischen Wasserspeicher in den letzten Jahrzehnten nicht angemessen ausgebaut
  • Die Einschränkungen dienen nicht zum Schutz angeblich knappen Grundwassers, sondern der veralteten Infrastruktur.

 
Private Springbrunnen, Wasserspiele und Bewässerungsanlagen dürfen in München seit Mitte Juli tagsüber nicht mehr betrieben werden; Autos und Terrassen, Wände oder Dächer nicht mehr gewaschen werden; Badebecken und Regentonnen nicht befüllt und selbst Gärten dürfen – im Zeitraum von 9 bis 19 Uhr – nicht aus dem öffentlichen Versorgungsnetz bewässert werden.
Als Begründung verweist die bayerische Landeshauptstadt auf eine drohende Wasserknappheit infolge der anhaltenden Trockenheit. Bei wiederholten Verstößen drohen Strafen von bis zu 50.000 Euro. Angesichts der zeitlichen Einschränkungen, erscheinen die Maßnahmen seltsam, denn wer bis 8:59 Uhr Pool und Regentonnen gefüllt hat, kann darin anschließend ungestraft planschen oder daraus den Garten bewässern.
Die von Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) erlassene Allgemeinverfügung zur Einschränkung der Wasserentnahme selbst liefert keine ausführliche Begründung. Diese kann lediglich beim Referat für Klima- und Umweltschutz eingesehen oder angefordert werden. Auch das stellt einen eher unüblichen Vorgang dar.
Nach Medienberichten aber begründet die Stadt den Schritt mit der Trockenheit nach der jüngsten Hitzewelle sowie einem deutlichen Anstieg des Wasserverbrauchs. Der Oberbürgermeister erklärte hierzu:
„Nach einem außergewöhnlich trockenen Winter und Frühling sind die vorhandenen Ressourcen der Wasserversorgung Münchens derzeit äußerst strapaziert.“
Weiter sagte Krause:
„Ich bitte alle Münchnerinnen und Münchner, sich an die Regeln zu halten, damit sich die Grundwasserpegel erholen. Wasser ist unser kostbarstes Lebensmittel, lassen Sie uns damit sorgsam umgehen.“

Wie ist die tatsächliche Versorgungslage?

Nach Angaben der Stadtwerke München stammen rund 75 Prozent des Trinkwassers aus dem Mangfalltal, 15 Prozent aus dem Loisachtal und etwa 10 Prozent als Reserve aus der Münchner Schotterebene. Da drei Viertel der Versorgung aus dem Mangfalltal stammen, kommt der Entwicklung des dortigen Grundwasserstandes besondere Bedeutung zu.
Die veröffentlichten Messdaten des Bayerischen Landesamtes für Umwelt zeigen jedoch, dass sich der Grundwasserstand derzeit im Bereich des langjährigen Mittels bewegt. Aus den Grundwasserständen allein lässt sich daher kein akuter Wassernotstand ableiten.

Wo liegt dann das eigentliche Problem?

Ein Blick auf die Versorgungsstruktur liefert eine mögliche Erklärung: Aus dem Mangfalltal werden laut den Stadtwerken München rund 2.800 Liter Wasser pro Sekunde – etwa 10.000 m³ pro Stunde – über ein Gefälle von rund 100 Höhenmetern nach München geleitet. Die Förderkapazität einer solchen Leitung ist aufgrund hydraulischer Randbedingungen und der Rohrreibungsverluste begrenzt.
Auf Grundlage der von den Stadtwerken veröffentlichten Versorgungsanteile ergibt sich auf Basis der oben genannten Menge eine tägliche Förderung von etwa:
  • rund 250.000 m³ aus dem Mangfalltal,
  • etwa 50.000 m³ aus dem Loisachtal,
  • rund 32.000 m³ aus der Münchner Schotterebene.
Insgesamt stehen damit ungefähr 332.000 m³ Trinkwasser pro Tag zur Verfügung. Dieses Wasser gelangt zunächst in Hochbehälter und nicht unmittelbar zu den Verbrauchern.

Die Bedeutung der Hochbehälter

Nach Angaben der Stadtwerke München verfügen die drei zentralen Trinkwasserhochbehälter – Kreuzpullach, Deisenhofen und Forstenrieder Park – über ein gemeinsames Speichervolumen von rund 306.000 m³ beziehungsweise 306 Millionen Litern. Dieses Volumen entspricht ungefähr dem durchschnittlichen Tagesverbrauch der Landeshauptstadt.
Ihre eigentliche Aufgabe besteht jedoch nicht in einer langfristigen Bevorratung, sondern im Ausgleich täglicher Verbrauchsschwankungen. Während der Verbrauch in den Morgen- und Nachmittagsstunden besonders hoch ist, werden die Speicher nachts wieder aufgefüllt.

Wo entsteht der Engpass?

Bei einem üblichen Tagesverbrauch von etwa 300.000 bis 350.000 m³ reicht die verfügbare Förderleistung für eine sichere Versorgung aus. Während der jüngsten Sommertage stieg der Wasserverbrauch nach Angaben der Stadt jedoch zeitweise auf über 400.000 m³ pro Tag. Damit entstand rechnerisch ein tägliches Defizit von rund 50.000 m³.
Unter der Annahme eines dauerhaft derart hohen Verbrauchs, würden die Hochbehälter kontinuierlich entleert. Das vorhandene Speichervolumen wäre dann nach wenigen Tagen weitgehend aufgebraucht. Rechnerisch wäre nach etwa sechs Tagen mit erheblichen Versorgungsproblemen zu rechnen.
Vor diesem Hintergrund erscheint die Allgemeinverfügung – einschließlich ihrer zeitlichen Ausprägung – als kurzfristige Maßnahme zur Stabilisierung der Versorgung grundsätzlich nachvollziehbar. Ob die öffentliche Begründung mit einer allgemeinen Wasserknappheit die eigentliche Ursache des Problems vollständig und richtig beschreibt, erscheint dagegen diskussionswürdig.

Wurde die Infrastruktur ausreichend ausgebaut?

Eine mögliche Erklärung liegt in der langfristigen Entwicklung Münchens: Die Einwohnerzahl der Landeshauptstadt ist in den vergangenen 20 Jahren um rund 25 Prozent gewachsen. Gleichzeitig wurden laut im Internet verfügbaren Informationen weder die Speicherkapazitäten der Hochbehälter in vergleichbarem Umfang erweitert, noch die Wassergewinnung entsprechend ausgebaut.
Dass die Versorgung dennoch über viele Jahre funktionierte, dürfte vor allem auf einen sparsameren Wasserverbrauch und effizientere Nutzung zurückzuführen sein. Diese Einsparungen konnten den steigenden Bedarf bislang weitgehend kompensieren.
Die außergewöhnlich hohen Verbrauchsspitzen während der jüngsten Hitzeperiode scheinen dieses System jedoch an seine Leistungsgrenze gebracht zu haben.

Ein weiteres Risiko

Hinzu kommt ein strukturelles Risiko: Rund 75 Prozent des Münchner Trinkwassers stammen aus einem einzigen Gewinnungsgebiet.
Sollte dieses Gebiet durch technische Störungen, Verunreinigungen oder außergewöhnliche Naturereignisse beeinträchtigt werden oder gleichzeitig eine der beiden übrigen Versorgungsquellen ausfallen, könnte die Versorgung der Landeshauptstadt erheblich erschwert werden.
Gerade vor dem Hintergrund einer wachsenden Bevölkerung stellt sich daher die Frage, ob die Trinkwasserinfrastruktur Münchens ausreichend resilient und redundant an heutige und an die zukünftigen Anforderungen angepasst ist.
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Münchens Wasserstreit: Notfallmaßnahme oder überzogene Reaktion?


In Kürze:

  • Seit dem 14. Juli gelten in München weitreichende Einschränkungen beim Wasserverbrauch.
  • Stadt und Wissenschaftler verweisen auf Trockenheit, sinkende Quellschüttungen und hohen Verbrauch.
  • Kritiker sehen keinen akuten Wassermangel, sondern ein Problem der Fördergrenzen und politischen Kommunikation.
  • Langfristig soll eine neue Wasserstrategie die Versorgung sichern.

 
In München sorgt die Allgemeinverfügung zum Wassersparen vom 14. Juli 2026 weiterhin für Konfliktstoff. Bis dato ist die Maßnahme bis 1. August befristet. Ob das Referat für Klima- und Umweltschutz der Landeshauptstadt sie verlängern wird, ist noch unklar. Als eine der sichtbarsten Auswirkungen der Allgemeinverfügung gilt die Abdeckung des bekannten Fischbrunnens am Marktplatz.

Was in München vorerst bis zum 1. August für den Verbrauch von Wasser gilt

Die Allgemeinverfügung untersagt unter anderem das Befüllen privater Pools und das Bewässern von Rasenflächen. Das Gießen privater Gärten ist nur zwischen 19:00 Uhr und 8:59 Uhr erlaubt. Zudem verbietet die Anordnung die Autowäsche außerhalb gewerblicher Waschanlagen, die Reinigung von Terrassen und Höfen mit Wasser sowie die Entnahme von Wasser aus Flüssen, Seen und Bächen. Verstöße können mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.
Dem seit Mai im Amt befindlichen Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) zufolge hätten freiwillige Sparappelle nicht mehr ausgereicht, um einer drohenden Wasserknappheit entgegenzuwirken. Obwohl es bereits im Juni Appelle zum Wassersparen gegeben habe, sei der Verbrauch weiter deutlich gestiegen.
Die Stadt verweist darauf, dass rund 75 Prozent des Münchner Trinkwassers aus dem Mangfalltal stammen. Die dortigen Quellen lieferten derzeit jedoch deutlich weniger Wasser als üblich. Das Bayerische Landesamt für Umwelt spricht davon, dass sich derzeit zwischen 70 und 80 Prozent der Grundwasserstände im Freistaat auf niedrigem Niveau befinden.

Niederschlagsdefizit hemmt Neubildung von Grundwasser

Neben einer seit etwa 20 Jahren sinkenden Grundwasserneubildung verschärft ein bereits seit dem vergangenen Winter beobachtetes außergewöhnliches Niederschlagsdefizit die Lage. Hydrologen wie Harald Kunstmann von der Universität Augsburg sprechen vom Frühjahr 2026 als dem trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881.
Gegenüber dem BR erklärt Kunstmann, der Klimawandel sei der wesentliche langfristige Faktor hinter dieser Entwicklung. Dieser verändere zwar wenig an der gesamten Niederschlagsmenge, aber an deren zeitlicher Verteilung. Die Sommer würden trockener, die Winter etwas feuchter bei gleichzeitig weniger Schneefall. Schnee schmelze schneller, zudem steige die Verdunstung. Dadurch gelange insgesamt weniger Wasser dauerhaft ins Grundwasser.
Kritiker wie der frühere Sportjournalist Waldemar Hartmann sprechen hingegen von einem „Panikerlass“. Er verweist auf „amtliche Stellen“, die bestätigt hätten, dass es in und um München weder einen Wassernotstand gebe noch gegeben habe. Deshalb habe auch keine Gemeinde im Umland der Landeshauptstadt vergleichbare Einschränkungen erlassen. Das Portal „NIUS“, für das Hartmann kommentiert, kritisiert zudem, Oberbürgermeister Krause dramatisiere die Lage und stütze sich auf Durchschnittswerte, ohne historische Einzelwerte offenzulegen.

Sommergewitter sorgen für keine substanzielle Entlastung

Von einem akuten Wassermangel sprechen auch die Stadt selbst und die Stadtwerke nicht. Allerdings sei das Wasserangebot aufgrund der Trockenheit deutlich zurückgegangen. Die Quellen im Mangfalltal lieferten zeitweise nur etwa 65 Prozent der üblichen Wassermenge.
Gleichzeitig sei der Verbrauch, der normalerweise bei etwa 300 Millionen Litern liege, deutlich angestiegen. Zeitweise habe er Spitzenwerte zwischen 360 und mehr als 400 Millionen Litern erreicht. Im Durchschnitt habe der Verbrauch etwa ein Fünftel über dem üblichen Niveau gelegen. Aus Sicht der Stadtwerke und der Stadt München macht dies Maßnahmen zur kurzfristigen Senkung des Verbrauchs erforderlich.
Das Landesamt für Umwelt sieht bis auf Weiteres auch keinen Grund zur Entwarnung wegen der Sommergewitter, die in den Wochen seit der Hitzewelle im Juni vermehrt aufgetreten seien. Deren Wirkung sei nur begrenzt. Auf den ausgetrockneten Böden fließe der Starkregen größtenteils oberflächlich ab. Für die Neubildung von Grundwasser sei hingegen langsames und stetiges Versickern erforderlich. Eine nachhaltige Entspannung sei erst nach einem außergewöhnlich niederschlagsreichen Winter zu erwarten.

München will langfristige Wasserstrategie vorlegen

Professor Jörg E. Drewes vom Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft der TU München erklärt, die Allgemeinverfügung sei eine „Notfallmaßnahme“. Perspektivisch solle Trinkwasser nicht mehr für jede Form der Nutzung eingesetzt werden. Für Zwecke wie Bewässerung, Autowäsche oder die Versorgung öffentlicher Grünanlagen reichten auch Regenwasser oder aufbereitetes Brauchwasser aus. Andere Länder nutzten solche Systeme bereits deutlich intensiver.
Drewes spricht sich zudem für ein besseres Wassermanagement aus. Erforderlich sei eine genauere Erfassung des tatsächlichen Wasserverbrauchs. Daten zu Grundwasser- und Pegelständen müssten transparenter aufbereitet werden. Bürger sollten Informationssysteme wie NIWIS nutzen können, um nachvollziehen zu können, warum Kommunen Sparmaßnahmen verhängen.
Wie der BR berichtet, sei zwar grundsätzlich ausreichend Wasser vorhanden. Allerdings stoße die Versorgung an Fördergrenzen, weil die Quellen derzeit deutlich weniger lieferten, während der Verbrauch gestiegen sei. Zudem bestehe ein anhaltender Konflikt zwischen München und den Anrainergemeinden im Mangfall- und Loisachtal. Dadurch dürften die Münchner Stadtwerke nur eine wasserrechtlich genehmigte Höchstmenge fördern, die zuletzt nahezu ausgeschöpft gewesen sei.
Die Stadt hat angekündigt, eine langfristige Wasserstrategie zu erarbeiten. Diese soll sich mit Fragen der Infrastruktur, möglicher zusätzlicher Förderkapazitäten sowie wasserrechtlicher Genehmigungen befassen.
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15. Juli: Wassersparen in München | Merz vor Presse | Bürokratieabbau

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Wassersparen in München

Wegen Trockenheit, steigendem Wasserverbrauch und „strapazierten“ Ressourcen hat die Stadt München eine Allgemeinverfügung erlassen. Zwischen 9 und 19 Uhr ist die Entnahme von Wasser aus dem öffentlichen Netz u. a. zur Poolbefüllung, Gartenbewässerung oder privaten Autowäsche verboten. Bußgelder reichen von 50 bis 50.000 Euro. Die Maßnahmen gelten zunächst bis 1. August.

Merz vor Presse

Bundeskanzler Friedrich Merz lässt bei der Sommerpressekonferenz persönliche Konsequenzen nach den Landtagswahlen im Herbst offen, falls die AfD stark abschneidet. Er zeigt sich zuversichtlich, AfD-Erfolge durch Reformpolitik verhindern zu können. Außerdem verteidigte Merz die hohe Neuverschuldung mit der Sicherheitslage und betonte Reformen in Rente, Pflege und Krankenkassen.

Bürokratieabbau

In Berlin hat die Regierung einige Maßnahmen zum Bürokratieabbau verabschiedet. Beschlossen wurde beispielsweise die Digitalisierung von ärztlichen Überweisungen zu Fachärzten. Zudem gelten Lkw-Fahrverbote nur noch an bundesweit einheitlichen Feiertagen. Und über die Pflicht zur Ortskenntnis für Taxis sollen künftig die Bundesländer entscheiden.

Kein automatischer Schutz

Wehrfähige ukrainische Männer sollen es schwerer haben, in der EU Schutz zu bekommen und zu arbeiten. Darauf einigten sich die EU-Innenminister in Brüssel. Zukünftig sollen sie einen Nachweis der Ukraine erbringen müssen, dass sie rechtmäßig ausgereist oder vom Wehrdienst befreit sind. Männer, die sich bereits in der EU aufhalten, sind davon nicht betroffen.

Für immer Sommerzeit

Das US-Repräsentantenhaus hat ein Gesetz verabschiedet, das die zweimal jährliche Zeitumstellung abschaffen und die Sommerzeit dauerhaft einführen soll. Der „Sunshine Protection Act“ muss nun den Senat passieren. Befürworter sprechen von mehr Alltagstauglichkeit, Kritiker warnen vor dunkleren Wintermorgen.