Zhang und Xu sollen 2021 an der HAFNIUM-Kampagne gegen Microsoft Exchange beteiligt gewesen sein. (Symbolbild) - Foto: Philip Dulian/dpa
In Kürze:
Die chinesischen Staatsbürger Zhang Yu und Xu Zewei sollen sich in Netzwerke von US-Universitäten gehackt und für Pekings Geheimdienste COVID-19-Forschungsergebnisse gestohlen haben.
Das US-Außenministerium hat eine Belohnung von bis zu 10 Millionen US-Dollar (rund 8,7 Millionen Euro) für Hinweise zu Zhang ausgesetzt.
Xu Zewei wurde 2025 in Italien festgenommen und im April 2026 an die USA ausgeliefert. Er bestreitet die Vorwürfe.
Die US-Behörden werfen dem chinesischen Staatsbürger Zhang Yu vor, im Auftrag des chinesischen Ministeriums für Staatssicherheit COVID-19-Forschungsergebnisse amerikanischer Universitäten und Wissenschaftler gestohlen zu haben. Die US-Regierung hat eine Belohnung von bis zu zehn Millionen US-Dollar (rund 8,7 Millionen Euro) für Hinweise auf Zhang ausgesetzt. Sein Mitbeschuldigter wurde im April 2026 aus Italien an die USA ausgeliefert und muss sich dort vor Gericht verantworten.
Das Programm „Rewards for Justice“ (Belohnungen für Gerechtigkeit) des US-Außenministeriums sucht nach Hinweisen auf Zhang Yu, einen Direktor der Firma Shanghai Firetech Information Science and Technology Co. Er soll im Auftrag des chinesischen Ministeriums für Staatssicherheit (MSS) Cyberspionage betrieben haben.
Auch die Cyberabteilung des FBI veröffentlichte am 7. Oktober einen Fahndungsaufruf. Sie bittet um Hinweise zu Zhang, seinen mutmaßlichen Komplizen und den ihnen zugeschriebenen Cyberangriffen. Zhang ist weiterhin flüchtig. Sein Mitbeschuldigter Xu Zewei wurde im Juli 2025 in Italien festgenommen und am 25. April 2026 an die USA ausgeliefert. In Houston muss er sich wegen mutmaßlicher Hackerangriffe vor einem Bundesgericht verantworten.
Laut einer Anklageschrift der Bundesbehörden waren Zhang und Xu zwischen Februar 2020 und Juni 2021 an Hackerangriffen beteiligt, die unter der Leitung von Beamten des Büros für Staatssicherheit in Shanghai – einer Dienststelle des MSS – durchgeführt wurden.
Zhang Yu wird Cyberspionage gegen US-Universitäten und COVID-19-Forscher im Auftrag Pekings vorgeworfen. Das US-Außenministerium bietet bis zu 10 Millionen US-Dollar für Hinweise.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung des US-Außenministeriums.
Die Beschuldigten nahmen mutmaßlich Universitäten sowie Immunologen und Virologen ins Visier, die an Impfstoffen, Behandlungsmethoden und Tests für COVID-19 forschten. Der Anklage zufolge stahlen die Hacker mehrere Gigabyte an Daten von einer amerikanischen Universität. Zudem versuchten sie, sich Zugang zu den E-Mail-Konten von Forschern zu verschaffen, um an sensible Informationen zu gelangen.
Laut Anklageschrift übermittelte ein Beamter der Shanghaier Staatssicherheit Xu die Benutzernamen von fünf Universitätsmitarbeitern. Darunter waren COVID-19-Forscher, deren E-Mails Xu beschaffen sollte. Die Beschuldigten nahmen dabei mutmaßlich einige der Forscher mehrfach ins Visier. Im Jahr 2021 sollen Zhang und Xu an einer weiteren Hackerkampagne namens HAFNIUM beteiligt gewesen sein, bei der Sicherheitslücken in Microsoft Exchange Server – einer Software zur Verwaltung der E-Mail-Kommunikation – ausgenutzt wurden.
Da Microsoft Exchange Server von zahlreichen Organisationen zur E-Mail-Verwaltung eingesetzt wird, stellen kompromittierte Systeme potenzielle Einfallstore für den Zugriff auf vertrauliche Kommunikation und andere sensible Informationen dar.
Nach Angaben des US-Außenministeriums wurden im Zuge dieser Kampagne weltweit Tausende Computer kompromittiert, darunter Systeme einer amerikanischen Universität und einer Anwaltskanzlei.
Das US-Justizministerium teilte im April mit, dass von der HAFNIUM-Kampagne mehr als 12.700 US-Organisationen betroffen gewesen seien. Die Bundesstaatsanwaltschaft wirft chinesischen Geheimdienstmitarbeitern vor, bei der Informationsbeschaffung auf private Technologieunternehmen und Auftragnehmer zurückgegriffen zu haben, um die Beteiligung des chinesischen Regimes zu verschleiern.
Gegen Xu, einen ehemaligen Geschäftsführer der Shanghai Powerock Network Co., liegt eine Anklageschrift mit neun Punkten vor; die Vorwürfe reichen von elektronischen Betrugsdelikten (Wire Fraud) und unbefugtem Computerzugriff bis hin zu Computerschädigung und schwerem Identitätsdiebstahl.
Xu bestritt die Hackervorwürfe während des Auslieferungsverfahrens in Italien und berief sich auf eine Verwechslung seiner Person. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lin Jian, kritisierte die Auslieferung am 27. April. Er warf Washington vor, die Anschuldigungen durch politische Manipulation konstruiert zu haben, und forderte Italien auf, seine Entscheidung zu revidieren.
Weder Zhang noch seine Vertreter oder sein Arbeitgeber haben sich bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung öffentlich zu den US-Vorwürfen geäußert.
Das Programm „Rewards for Justice“ nimmt über einen verschlüsselten Meldekanal Informationen zu Zhang und seinen Komplizen entgegen. Nach Angaben des US-Außenministeriums können Informanten, die die entsprechenden Kriterien erfüllen, finanzielle Belohnungen sowie Unterstützung bei einer Umsiedlung erhalten.
Brote sind im Zeitalter der industriellen Fertigung zu kleinen „lebensmitteltechnischen Projekten“ geworden. - Foto: foodandstyle/iStock
In Kürze:
Die Grundzutaten für Brot sind Mehl, Wasser, Salz, dazu Hefe oder Sauerteig – und Zeit.
Verschiedene Zusatzstoffe sollen vor allem letztere ersetzen, das Aussehen vereinheitlichen und die industrielle Fertigung ermöglichen.
Moderner Weizen weist nicht grundsätzlich mehr Gluten auf, aber seine Zusammensetzung hat sich geändert.
Bei einer Brotunverträglichkeit kann Gluten die Ursache sein, muss es aber nicht. Ein gutes Sauerteigbrot kann hier Aufschluss bringen.
Ich habe nichts gegen Brot. Im Gegenteil. Brot gehört für mich zu den Lebensmitteln, bei denen ich mich regelmäßig frage, wie man etwas so Einfaches derart kompliziert machen konnte. Was meine ich? Einfach war früher: Mehl, Wasser, Salz. Dazu Sauerteig oder Hefe – mehr brauchte es im Prinzip nicht.
Und es kam noch eine Zutat hinzu, die heute auf keiner Zutatenliste steht: Zeit. Ein Teig durfte ruhen und die Mikroorganismen arbeiteten. Dabei wurden Kohlenhydrate verändert und bestimmte schwerer verdauliche Bestandteile teilweise abgebaut. Niemand hätte damals von „Fermentationsmanagement“ gesprochen. Man ließ den Teig einfach stehen.
Zeitsprung in das Jahr 2026. Zeit ist kostbar – und übrigens noch nicht an sich besteuert. Dennoch ist Zeit angeblich Geld. Deswegen muss es beim Brot schneller gehen. Nicht nur schneller, sondern auch maschinengängig, lagerfähig und möglichst jeden Morgen genauso aussehen wie am Tag zuvor. „Zeit“ stört dabei, also hilft man nach. Und die Lebensmittelchemie mit ihren Segnungen steht selbstverständlich bereit.
Vom Brot zum kleinen „lebensmitteltechnischen Projekt“
Wer sich einmal die Zutatenliste abgepackter Brote oder Aufbackbrötchen angesehen hat, stellt fest, dass aus Mehl, Wasser und Salz oftmals ein kleines „lebensmitteltechnisches Projekt“ wurde: Emulgatoren, Säuerungsmittel, Enzyme, Zucker, Öle, Backmittel und je nach Produkt auch zusätzliches Weizengluten.
Selbstverständlich ist nicht jedes industriell hergestellte Brot vollgestopft mit Zusatzstoffen. Und natürlich backt auch nicht jeder kleine Bäcker noch wie vor hundert Jahren. Das Schild „Handwerk“ über der Tür sagt leider nichts darüber aus, wie lange ein Teig tatsächlich geführt wurde. Wenn ich Bäckereifachverkäufer frage, wie sich das Brot genau zusammensetzt oder wie lange der Teig geführt wurde, werde ich in gefühlt 90 Prozent der Fälle mit großen Augen angesehen.
Da ist es auch kein Wunder, dass mir heute immer mehr Patienten sagen: „Ich vertrage Brot nicht mehr.“ Ja, ich weiß: Früher war nicht alles besser. Bei Brot und Brötchen darf man darüber zumindest diskutieren. Sehr schnell fällt im Zusammenhang mit solchen Unverträglichkeiten ein Wort: Gluten.
Gleich, welche Zutaten enthalten sind: Brot sollte immer Zeit zum Gehen bekommen.
Foto: Magone/iStock
Mehr Gluten als früher?
Gluten ist das Klebereiweiß des Weizens und verwandter Getreidearten. Genau genommen handelt es sich um verschiedene Speicherproteine, vor allem Gliadine und Glutenine. Ohne Gluten wäre das luftige Brötchen oder Brot, wie wir es kennen, kaum möglich. Der Kleber bildet im Teig ein elastisches Gerüst und hält die beim Gären entstehenden Gase fest.
Bei einer Zöliakie brauchen wir gar nicht zu diskutieren. Gluten löst bei diesen Patienten eine Autoimmunreaktion aus. Betroffene müssen Gluten konsequent meiden. Daran ändert auch der beste Sauerteig der Welt nichts.
Interessanter ist die weit größere Gruppe von Menschen, die keine Zöliakie haben, nach Brot oder Weizenprodukten aber trotzdem über Blähungen, Bauchschmerzen, Müdigkeit oder Verdauungsprobleme klagen. Dazu hört man häufig: Der moderne Weizen sei auf immer mehr Gluten gezüchtet worden. Ganz so pauschal lässt sich das allerdings nicht behaupten.
Forscher haben 60 deutsche Winterweizensorten untersucht, deren Zulassungsjahre von 1891 bis 2010 reichen. Dabei zeigte sich kein signifikanter Anstieg des gesamten Glutengehaltes. Der Gesamtproteingehalt und die Gliadine nahmen sogar eher ab. Verändert hat sich allerdings die Zusammensetzung: Bestimmte Glutenine, die für Elastizität und Backqualität wichtig sind, nahmen zu. Die Züchtung hat den Weizen also sehr wohl verändert.
Die Backindustrie hat ohnehin noch eine einfachere Methode. Wenn das Mehl nicht die gewünschten Backeigenschaften besitzt, kann man Gluten einfach hinzufügen. Das nennt sich dann Vitalweizengluten. Es wird aus Weizen gewonnen und verbessert unter anderem die Teigstabilität und das Brotvolumen. Je nach Rezeptur wird solches Weizengluten zusätzlich zum Mehl eingesetzt. Das macht Brot und Brötchen noch „fluffiger“.
Man könnte sagen: Wenn der Weizen nicht genügend Kleber für das gewünschte Ergebnis mitbringt, bekommt er eben Nachhilfe. Das ist besonders praktisch, wenn Vollkornteige, eiweißreiche Brote oder andere Mischungen nicht so brav aufgehen, wie es die Produktionsanlage gern hätte.
Und anschließend wundert man sich, warum Gluten plötzlich ein Verkaufsschlager geworden ist. Die einen geben es hinein, die anderen schreiben „glutenfrei“ auf die Packung. Willkommen in den „Modernen Zeiten“. Charlie Chaplin hat dem Irrsinn der Maschinenwelt bereits 1936 ein Denkmal gesetzt.
Forscher haben 60 deutsche Winterweizensorten untersucht und festgestellt, dass der Gesamtproteingehalt und die Gliadine seit 1891 abgenommen haben.
Foto: Frolova_Elena/iStock
Zeit und Herstellungsweise machen den Unterschied
Zurück ins Jahr 2026. Bei manchen Menschen könnte hinter den Beschwerden allerdings noch etwas ganz anderes stecken. Weizen enthält nämlich Fruktane. Diese gehören zu den sogenannten FODMAPs, einer Gruppe kurzkettiger Kohlenhydrate, die im Dünndarm teilweise schlecht aufgenommen werden. Gelangen größere Mengen davon in den Dickdarm, freuen sich dort zunächst die Bakterien. Der Besitzer des Darms freut sich möglicherweise etwas weniger.
Es entstehen Gase, Wasser wird in den Darm gezogen. Bei empfindlichen Menschen können Blähungen, Druck, Schmerzen, Durchfall oder andere Beschwerden auftreten. Gerade beim Reizdarmsyndrom ist dieser Zusammenhang inzwischen gut untersucht. Das ist insofern bemerkenswert, als jemand nach zwei Brötchen Bauchschmerzen bekommen und anschließend völlig korrekt beobachten kann: „Weizen vertrage ich nicht.“ Gluten kann der Schuldige sein, muss aber nicht.
Und jetzt taucht unsere verschwundene Zutat wieder auf: Zeit. Bei langer Sauerteigführung können Mikroorganismen einen Teil der Fruktane abbauen. Das Brot verändert sich also bereits während der Herstellung. Ich frage mich deshalb, weshalb wir beim Thema Ernährung ständig darüber reden, was wir essen, aber so selten darüber, wie diese Lebensmittel hergestellt wurden.
Weizen ist eben nicht gleich Brot. Ein Mehl, das innerhalb kürzester Zeit mit Backhilfsmitteln und viel Hefe zu einem Brötchen verarbeitet wird, ist etwas anderes als ein Teig, der über viele Stunden fermentieren durfte.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Sauerteigbrot automatisch bekömmlich ist. Die Studienlage ist auch hier nicht so eindeutig, wie es manche Sauerteigmissionare gern hätten. Weniger FODMAPs bedeuten in klinischen Untersuchungen nicht zwangsläufig, dass jeder Mensch das Brot plötzlich problemlos verträgt. Menschen haben leider die unangenehme Eigenschaft, komplizierter zu sein als Laborwerte.
Und dann wäre da noch der Acker. Denn bevor der Weizen im Brot landet, steht er einige Monate draußen. In der konventionellen Landwirtschaft können dabei Herbizide, Fungizide, Insektizide und andere Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen.
Glyphosat ist nur einer dieser Stoffe, allerdings der bekannteste. Die verbreitete Behauptung, in Deutschland werde Weizen vor der Ernte routinemäßig mit Glyphosat „totgespritzt“, um ihn schneller trocken zu bekommen, stimmt so nicht. Eine Anwendung allein zur Sikkation, also zur Beschleunigung der Abreife oder Ernte, ist in der EU nicht erlaubt.
Das bedeutet aber nicht, dass Pflanzenschutzmittelrückstände im Getreide überhaupt kein Thema wären. Die Lebensmittelüberwachung findet regelmäßig Rückstände verschiedener Substanzen. Der größte Teil liegt innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte.
Unsere Behörden schließen daraus, dass bei „bestimmungsgemäßer Anwendung“ kein relevantes Gesundheitsrisiko zu erwarten sei. Behörden und Grenzwerte halt. Ich will hier auch keine Diskussion um Grenzwerte eröffnen. Denn die würde die Frage nicht beantworten, die ich mir beim Einkauf stelle.
Ein Plastikcontainer mit der Aufschrift „Glyphosat“ bei einer Protestaktion vor dem Eingang des Chemiekonzerns Bayer. (Archivbild)
Foto: Fabian Sommer/dpa
Was kann der Einzelne tun?
Ich möchte nämlich nicht wissen, wie viel von einem Stoff ich gerade noch essen darf, ohne dass der Gesetzgeber ein Problem sieht. Mich interessiert eher, wie ich meine Belastung mit solchen Stoffen möglichst gering halte. Das gilt besonders für Lebensmittel, die täglich auf dem Tisch stehen. Wer morgens Brötchen, mittags Nudeln und abends Brot isst, hat mit Getreide nicht gerade eine seltene Begegnung.
Biogetreide ist deshalb für mich eine vernünftige Option. Nicht weil ein konventionelles Brötchen zur toxikologischen Zeitbombe wird, sondern weil Untersuchungen bei Biolebensmitteln deutlich häufiger eben keine quantifizierbaren Rückstände synthetischer Pflanzenschutzmittel finden.
Man kann sich natürlich auch darüber lustig machen und sagen, die Mengen seien doch winzig und an irgendetwas müsse man sowieso sterben. Stimmt. Die Menge macht bekanntlich das Gift. Aber daraus folgt noch nicht, dass jede vermeidbare Menge automatisch sinnvoll ist.
Was mache ich also mit einem Patienten, der mir sagt, er vertrage Brot nicht mehr? Ich würde zunächst wissen wollen, welches Brot er überhaupt isst. Ist es ein lange geführtes Sauerteigbrot oder ein Schnellbrot? Welche Zutaten stehen auf der Packung? Wurde zusätzlich Gluten verwendet? Gibt es eine gesicherte Zöliakie? Passen die Beschwerden eher zu einer FODMAP-Problematik? Und wie sieht der Rest der Ernährung aus?
Manchmal ist ein Versuch mit einem guten Sauerteigbrot aus wenigen Zutaten erstaunlich aufschlussreich. Viele Menschen berichten mir inzwischen auch: „Ich backe wieder selbst.“ Dann weiß man wenigstens, was drin ist – und vor allem, wie viel Zeit der Teig bekommen hat.
Und es gibt noch eine Möglichkeit. Ich selbst esse inzwischen praktisch kein Brot mehr. Nicht aus Angst vor Gluten oder weil ich Brot grundsätzlich für schlecht halte. Es hat sich einfach so ergeben. Und ich finde bis heute erstaunlich, wie gut das geht.
Wenn es um die Zukunft der Raumfahrt geht, ist kürzlich oft die Rede davon, in absehbarer Zeit zum Mars zu fliegen. An dieser anspruchsvollen Mission arbeiten etwa die amerikanischen Unternehmen SpaceX und Blue Origin.
Von Europa hört man wenig. Zu Unrecht. Es gibt zum Beispiel das im Jahr 2021 gegründete deutsch-französische Raumfahrtunternehmen mit dem Namen ATMOS Space Cargo (ATMOS Weltraum-Fracht). Der Hauptsitz der Firma befindet sich im badischen Lichtenau.
Ziel des Unternehmens ist es, Fracht kostengünstig in das Weltall und wieder zurück zur Erde zu schicken – und zwar mit wiederverwendbaren Raumkapseln. Das hat bislang keine europäische Raumfahrtfirma geschafft, auch die Europäische Weltraumorganisation ESA nicht.
Foto: ATMOS Space Cargo
Mitbegründer und Chef des Start-up-Unternehmens ist Sebastian Klaus, ein ehemaliger Bundeswehroffizier der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte in Calw. Er hat während seines Dienstes an der Universität der Bundeswehr München Luft- und Raumfahrttechnik mit dem Schwerpunkt auf NewSpace-Technologien studiert.
„Strategische Autonomie“ durch europäische Infrastruktur im Orbit
In einem Interview mit dem Magazin „StartupValley“ vor rund einem Jahr machte Klaus darauf aufmerksam: „Orbitaler Rücktransport ist nicht nur wirtschaftlich, sondern geopolitisch relevant. Ohne eigene Rückkehrkapazität bleibt Europa abhängig.“
Die Vision von ATMOS sei es, eine europäische Weltraum-Infrastruktur zu schaffen, „die zivile und sicherheitsrelevante Anwendungen gleichermaßen stärkt“, so Klaus. Als europäisches Unternehmen orientiere man sich an den Grundwerten der EU und übernehme „Verantwortung, die bei dem Aufbau einer kritischen Infrastruktur entsteht, auch im Bereich Sicherheit“.
Indem die ATMOS-Raumkapseln sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke genutzt werden können – im politischen Sprachgebrauch nennt man dies „Dual-Use“ – entstehe Synergie: Ein und dieselbe Technologie ermögliche sowohl wissenschaftlichen Fortschritt als auch „strategische Autonomie“, sagte Klaus.
ATMOS will vor allem „eine nachhaltige und umfassende Integration des Weltraums in Forschung, Fertigung und Industrie auf der Erde“ ermöglichen.
„Wir treten nicht an, um Abenteuer für wenige Superreiche zu schaffen oder Flaggen auf fremden Planeten zu pflanzen“, kündigte Klaus in dem Interview mit dem Magazin an.
Das Unternehmen möchte vielmehr kostengünstig „die unbegrenzten Möglichkeiten des Weltraums für medizinische Forschung erschließen, sowie für Tests bei Hochleistungsmaterialien, die auf der Erde für Durchbrüche sorgen“.
Sebastian Klaus, CEO von ATMOS Space Cargo.
Foto: ATMOS Space Cargo
Konkret nennt Klaus biomedizinische Forschung. Diese verlange „die höchste Präzision bei Rückführzeiten“ der Experimente sowie bei den Umweltbedingungen, die in den Weltraumkapseln herrschen.
„Wenn Zellen oder Proteine in der Schwerelosigkeit wachsen, muss der Rückflug exakt planbar sein, sonst verliert das Experiment seinen Wert“, erklärt der Raumfahrtexperte. Gleiches gelte für Tests für Halbleiter oder genereller Materialforschung.
ATMOS habe dafür den Rückkehrkapselprototyp PHOENIX 1 in weniger als einem Jahr entwickelt, sagte der Firmenchef und erklärte weiter: Normalerweise dauere eine solche Entwicklung mehrere Jahre. Aber: „Als Startup hast du keine andere Wahl als schnell zu sein. Dafür musst du die Risiken eingehen, unter realen Bedingungen Fehler machen und aus ihnen lernen – nicht aus Simulationen“, berichtete Klaus vom Vorgehen seiner Firma.
PHOENIX 1 wurde im April 2025 vom amerikanischen Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida mittels einer SpaceX-Rakete des Tech-Unternehmers Elon Musk in den Weltraum geschickt.
Eines der Missionsziele des ersten Testflugs war einen damals neuartigen, aufblasbaren Hitzeschild für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zu erproben.
Foto: ATMOS Space Cargo
Foto: ATMOS Space Cargo
Eingesetzt werden sollen die wiederverwendbaren Kapseln im erdnahen Orbit, in dem auch die Internationale Raumstation ISS in rund 400 Kilometer Höhe die Erde umkreist. Gelingt das Projekt, könnten zum Beispiel die ISS-Besatzungen mit ein und derselben Raumkapsel neue Fracht an Bord nehmen und von dort aus wiederum Fracht zur Erde schicken.
Inzwischen hat sich ATMOS mit den Typen PHOENIX 2 und 3 weiterentwickelt. Diese Weltraumkapseln sollen in der Lage sein, Nutzlasten von weniger als 100 kg bis zu mehreren Tonnen in den Weltraum zu transportieren und dort bis zu drei Monaten zu lagern.
Doch auch andere Staaten und Firmen forschen und experimentieren im Bereich der wiederverwendbaren Raumkapseln auf Hochtouren. Eine Datenbank vom September 2025 führt 69 weitere Unternehmen.
Auch die von 23 Staaten finanzierte ESA entwickelt gerade mit dem Space Rider ein unbemanntes, wiederverwendbares Raumfahrzeug für den Transport und für Experimente in der Erdumlaufbahn. Laut ESA, sei der Space Rider „das erste wiederverwendbare Raumfahrzeug Europas“.
Ziel sei es, mit einem fliegenden Labor bis zu zwei Monate unbemannt im niedrigen Erdorbit verweilen können und schließlich zur Erde zurückkehren. Genauso wie bei dem Privatunternehmen ATMOS sollen im Laderaum Experimente unter Schwerelosigkeit durchgeführt werden, darunter pharmazeutische Forschung, Materialtests und Materialfertigung im All. Die Landung soll mittels eines Gleitschirms gezielt auf einer Landebahn erfolgen. Der Erstflug des Space Rider ist für 2028 geplant.
Der Fachjournalist Andrew Parsonson sieht hinter dem Wettlauf um wiederverwendbare Raumkapseln die für das Jahr 2030 vorgesehene Stilllegung der ISS. Diese – schreibt er in seinem Medium „European Spaceflight“ – dürfte nach „eine gewisse Nachfrage für kommerzielle Betreiber schaffen“, doch bleibe ungewiss, ob diese Nachfrage ausreichen werde, „um eine wachsende Zahl konkurrierender europäischer Rücktransportdienste am Leben zu erhalten“.
Wissenschaftler erkennen Anzeichen „für eine allgemein zunehmende Polarisierung“ unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. - Foto: Axel Bueckert/iStock
Die seit mehr als einer Woche anhaltenden und teilweise gewaltsamen Proteste in Frankreich ziehen die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich.
Im Nachbarland demonstrieren täglich Schüler, Studenten und teils deren Lehrer für bessere Unterrichtsbedingungen. Gibt es Parallelen? Könnte es auch in Deutschland unter Jugendlichen aus Frustration zu ähnlichen Großdemonstrationen wie in Frankreich kommen?
Eine solche Entwicklung hält die Politikwissenschaftlerin Kira Renée Kurz für „unwahrscheinlich“.
Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Greifswald. Davor forschte sie auch an der Universität Straßburg. Kurz setzt sich vor allem mit generationsbedingten Konflikten und politischen Parteien in den zwei Ländern auseinander. Ihre Doktorarbeit trug den Titel „Jung gegen Alt?: Gesellschaft und Parteien im Spannungsfeld des demographischen Wandels – eine vergleichende Untersuchung von Deutschland und Frankreich“.
Jugendliche in Frankreich befänden sich in einer strukturell schwierigen Situation, stellt Kurz in einem Interview mit Epoch Times fest und weist darauf hin: „Zum einen gibt es die gleichen Herausforderungen wie in Deutschland, zum Beispiel hohe Wohnkosten und Sorgen über den Klimawandel. Zusätzlich aber gibt es weitere Probleme wie eine relativ hohe Jugendarbeitslosigkeit, prekäre Einstiegsjobs, ein verhältnismäßig autoritäres und traditionelles Schulsystem und in den letzten Jahren starke Kürzungen der Bildungsausgaben aufgrund der schwierigen Haushaltslage.“
Von den Schülern würden nicht nur der häufige Unterrichtsausfall und sehr lange Schultage kritisiert, sondern auch Parcoursup – die französische Onlineplattform zur Vergabe von Studienplätzen an Universitäten und Hochschulen. Dem 2018 eingeführten System wird mangelnde Transparenz vorgeworfen. Schüler erfahren oft nicht, nach welchen Kriterien sie angenommen oder abgelehnt werden.
Außerdem gebe es laut Kurz in Frankreich „eine gewisse Protesttradition, die es so in Deutschland nicht gibt“. Immer wieder würden Schüler und Studenten für ihre Anliegen auf die Straße gehen.
„Dies liegt aus meiner Sicht auch daran, dass die Interessenvertretung über andere Wege für Jugendliche im französischen politischen System nicht gut funktioniert“, so Kurz. Sie erklärt: Parteijugendorganisationen seien „nicht sehr stark institutionalisiert“ und hätten nur begrenzten Einfluss.
Gleichzeitig hätten Parteien aufgrund niedriger Wahlbeteiligung junger Wähler wenig Anreize, sich aktiv um diese zu bemühen. „Dies zeigt sich zum Beispiel in Wahlkampfzeiten, wenn Parteien argumentieren, dass es sich für sie gar nicht lohnen würde, junge Menschen anzusprechen“, weiß Kurz zu berichten.
In Frankreich träfen strukturelle Probleme auf „nachvollziehbare Frustration mit dem politischen System“. Deshalb kommt die Politikwissenschaftlerin zu dem Schluss: „Die Ausgangslage in Frankreich unterscheidet sich aus meiner Sicht deutlich von der in Deutschland. Ähnliche Großdemonstrationen in Deutschland halte ich zum jetzigen Zeitpunkt daher für unwahrscheinlich.“
„Keine einheitliche Gruppe“
Die junge Generation in Deutschland bilde „keine einheitliche Gruppe“, stellt die Politikwissenschaftlerin außerdem fest. Ihren Forschungserkenntnissen nach seien zum Beispiel politische Einstellungen „stark durch Geschlecht, Wohnort und sozioökonomische Faktoren wie Bildung bestimmt“.
In Bezug auf politische Einstellungen gebe es sowohl einen Unterschied zwischen Männern und Frauen als auch zwischen Menschen auf dem Land und in der Stadt. Diese Unterschiede seien bei jungen Menschen stärker ausgeprägt als unter älteren.
Forscher: Steigendes Interesse an Politik bei allen Schülern
Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen jüngst drei Politikwissenschaftler. Sie haben in ihrer Forschung unter deutschen Schülern festgestellt, dass es bei parteipolitischen Präferenzen „deutliche Unterschiede nach Bundesland, Schultyp und Bildungshintergrund“ gebe.
Der Titel der Analyse lautet „Politische Polarisierung in der Schule? Entwicklungstendenzen unter Jugendlichen im Bundesländervergleich“. Darin haben Marius Busemeyer, Professor an der Universität Konstanz, die Postdoktorandin Nadja Wehl von der Universität Konstanz und die Politikwissenschaftlerin Susanne Garritzmann von der Goethe-Universität Frankfurt ihre jüngsten Forschungsergebnisse über deutsche Schüler vorgestellt.
„Zwischen der 7. und 9. Klasse zeigt sich ein steigendes politisches Interesse und eine insgesamt hohe Unterstützung demokratischer Werte“, schreiben die Wissenschaftler in einem „Policy Paper“, das im Juli von der Universität Konstanz und dem Berliner Thinktank Das Progressive Zentrum veröffentlicht wurde.
Ein Policy Paper ist eine Analyse, die ein konkretes gesellschaftliches oder politisches Problem untersucht und Handlungsempfehlungen für die Politik gibt.
AfD beliebt bei Jugend in Sachsen, Linke in Schleswig-Holstein
Die Schule sei neben der Familie „der zentrale Ort für“ politische Sozialisierung, halten die Wissenschaftler fest. Deshalb stehe die Schule im Fokus ihrer Forschung. „Eine Untersuchung der Einstellungen von Jugendlichen gibt darüber hinaus auch mögliche Einblicke in zukünftige politische Entwicklungen“, heißt es in dem Policy Paper weiter.
Die Wissenschaftler haben zudem festgestellt, dass das politische Interesse an Gymnasien zwar stärker ausgeprägt sei als an nichtgymnasialen Schulen. Dennoch werde deutlich, „dass das politische Interesse in allen Gruppen, durchaus auch in eher bildungsfernen Schichten und nichtgymnasialen Kontexten, wächst“. Die repräsentativen Befragungen von Schülern in Baden-Württemberg, Sachsen und Schleswig-Holstein wurden in zwei Wellen durchgeführt: einmal im Herbst und Winter 2022/23 in der 7. Klasse und im Herbst und Winter 2024/25 in der 9. Klasse.
In der ersten Befragungswelle habe „eine relative Mehrheit“ – zwischen 38 und 48 Prozent der Befragten – angegeben, dass sie sich nicht mit einer bestimmten Partei identifizieren könne, da sie diese noch nicht gut genug kennen. Auch die Antwortoption, dass die Befragten „keine der Parteien besonders gut“ fänden, sei mit 18 bis 28 Prozent häufig gewählt worden.
Im kurzen Zeitraum von nur zwei Jahren stellten die Wissenschaftler bei ihrer Befragungswelle in den Jahren 2024/25 jedoch eine grundsätzliche Veränderung fest. „Besonders auffällig ist, dass die vormals beliebteste Antwortoption (‚kenne Parteien nicht gut genug‘) besonders in Sachsen (von 38 auf 12 Prozent) und in Schleswig-Holstein (von 41 auf 9 Prozent) stark zurückgeht“, heißt es in dem Policy Paper.
Zudem zeigten sich nun „klare Unterschiede in der Identifikation mit verschiedenen Parteien“, welche sich stark zwischen den Bundesländern unterscheiden würden. „So ist die AfD in Sachsen in der zweiten Befragungswelle mit starkem Anstieg (plus 23 Prozentpunkte) die mit Abstand (25 Prozent) beliebteste Partei, gefolgt von der Linken (13 Prozent; plus 10 Prozentpunkte)“, stellten die Jugendforscher fest.
„Im eher bürgerlich-grün geprägten Baden-Württemberg können sich die meisten Jugendlichen mit der CDU/CSU (19 Prozent, plus 9 Prozentpunkte im Vergleich zur ersten Welle) identifizieren, gefolgt von den Grünen (10 Prozent), die etwa gleichauf liegen mit der AfD (+9 Prozentpunkte)“, heißt es in dem Policy Paper weiter.
In Schleswig-Holstein hingegen sei in der zweiten Befragungswelle besonders die Linkspartei mit 24 Prozent bei den 14-jährigen Jugendlichen beliebt gewesen. Das entspricht nach Angabe der Forscher einem Zuwachs von 23 Prozentpunkten. Die AfD erreichte unter den norddeutschen Schülern 15 Prozent, das entspricht einem Plus von zehn Prozentpunkten im Vergleich zu den Jahren 2022/23.
Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss: „Die insgesamt überdurchschnittlich hohe Identifikation mit der AfD einerseits und der Linkspartei andererseits scheint in diesen Bundesländern kein Einzelphänomen zu sein, sondern zeigte sich auch unter den jüngsten Wählenden in der Europawahl 2024 und der Bundestagswahl 2025.“ Sie könne somit ein Anzeichen „für eine allgemein zunehmende Polarisierung“ unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen sein.
Auch die Greifswalder Politikwissenschaftlerin Kurz teilt diese Einschätzung und sagt: „Insgesamt lässt sich also schwerlich von der einen, jungen Generation sprechen.“ Die nach ihrem Wissen nach „starke Zustimmung für ‚Die Linke‘ unter jungen Menschen lässt sich auch dadurch erklären, dass sie auf Themen setzt, die vielen jungen Menschen wichtig sind“, erklärt Kurz weiter. So seien junge Menschen häufiger vom Problem steigender Wohnkosten betroffen als ältere Bürger.
Das Konstanzer Policy Paper kritisiert zudem, „dass es in Politik und Gesellschaft eine Schieflage zu Ungunsten von Jugendlichen und späteren Erwachsenen aus bildungsfernen Familien gibt“. So seien etwa politische Entscheidungsträger überdurchschnittlich häufig akademisch gebildet und politische Beschlüsse spiegelten „primär die Präferenzen von Höhergebildeten wider“.
Um der Polarisierung und Radikalisierung als Reaktion auf zunehmende sozioökonomische und politische Ungleichheiten entgegenzuwirken, bedarf es nach Ansicht der Autoren „tiefgreifender gesamtgesellschaftlicher Maßnahmen, um strukturelle Ungleichheiten im Bildungssystem, auf dem Arbeitsmarkt und im politischen System selbst aktiv abzubauen“.
Wie genau diese „gesamtgesellschaftlichen Maßnahmen“ aussehen sollten, konkretisieren die Forscher aber nicht. Allerdings fordern sie, die politische Bildung – insbesondere in bildungsfernen Kreisen – und die politische Mitbestimmung für junge Menschen auszubauen.
Sind Wahlen mit 16 eine Lösung?
Um Jugendlichen mehr Gehör für ihre Anliegen in der Politik zu geben, habe sich schon öfter Politiker verschiedener Parteien für eine generelle Herabsetzung des Wahlalters starkgemacht. Dies forderten etwa die heutige Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas als Bundestagspräsidentin im Jahr 2024 sowie in diesem Jahr die Partei Die Linke.
Kurz bemängelt, dass die derzeit bestehenden Unterschiede bei den Wahlaltersgrenzen zwischen Kommunal-, Landtags-, Bundestags- und Europawahlen „verwirrend“ wirkten. „Aus politikwissenschaftlicher Sicht spreche ich mich also klar für eine einheitliche Absenkung auch bei Bundestagswahlen aus“, sagt sie und fügt hinzu: „Das Absenken des Wahlalters auf 16 Jahre zeigt Jugendlichen, dass sie mitbestimmen können und dass Politik nicht allein Sache von Erwachsenen ist.“
Allerdings hält sie es für „fraglich“, ob ein Wahlrecht ab 16 Jahren dazu führen würde, dass die Anliegen junger Menschen in der Politik besser repräsentiert werden, denn die 16- und 17-Jährigen „stellen nur einen sehr kleinen Teil der wahlberechtigten Bevölkerung“ dar.
Abschließend stellt die Politikwissenschaftlerin fest: „In einer alternden Gesellschaft wie Deutschland halte ich es für besonders wichtig, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im politischen Prozess mitzudenken.“ Das bedeute ihrer Meinung nach, „über Wege nachzudenken, mehr Partizipation zu ermöglichen“.
Das Absenken der Wahlaltersgrenze sei dafür nur eine Möglichkeit. Sie hält eine Ausweitung der Beteiligung von Jugendlichen auf kommunaler Ebene für sinnvoll. Als Beispiel nennt sie Baden-Württemberg, wo 2023 das Alter für Kandidaten bei Kommunalwahlen, etwa für Gemeinderäte, auf 16 Jahre abgesenkt wurde. Erstmals galt die neue Regel bei den Kommunalwahlen im Jahr 2024.
Wissenschaftler erkennen Anzeichen „für eine allgemein zunehmende Polarisierung“ unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. - Foto: Axel Bueckert/iStock
Die seit mehr als einer Woche anhaltenden und teilweise gewaltsamen Proteste in Frankreich ziehen die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich.
Im Nachbarland demonstrieren täglich Schüler, Studenten und teils deren Lehrer für bessere Unterrichtsbedingungen. Gibt es Parallelen? Könnte es auch in Deutschland unter Jugendlichen aus Frustration zu ähnlichen Großdemonstrationen wie in Frankreich kommen?
Eine solche Entwicklung hält die Politikwissenschaftlerin Kira Renée Kurz für „unwahrscheinlich“.
Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Greifswald. Davor forschte sie auch an der Universität Straßburg. Kurz setzt sich vor allem mit generationsbedingten Konflikten und politischen Parteien in den zwei Ländern auseinander. Ihre Doktorarbeit trug den Titel „Jung gegen Alt?: Gesellschaft und Parteien im Spannungsfeld des demographischen Wandels – eine vergleichende Untersuchung von Deutschland und Frankreich“.
Jugendliche in Frankreich befänden sich in einer strukturell schwierigen Situation, stellt Kurz in einem Interview mit Epoch Times fest und weist darauf hin: „Zum einen gibt es die gleichen Herausforderungen wie in Deutschland, zum Beispiel hohe Wohnkosten und Sorgen über den Klimawandel. Zusätzlich aber gibt es weitere Probleme wie eine relativ hohe Jugendarbeitslosigkeit, prekäre Einstiegsjobs, ein verhältnismäßig autoritäres und traditionelles Schulsystem und in den letzten Jahren starke Kürzungen der Bildungsausgaben aufgrund der schwierigen Haushaltslage.“
Von den Schülern würden nicht nur der häufige Unterrichtsausfall und sehr lange Schultage kritisiert, sondern auch Parcoursup – die französische Onlineplattform zur Vergabe von Studienplätzen an Universitäten und Hochschulen. Dem 2018 eingeführten System wird mangelnde Transparenz vorgeworfen. Schüler erfahren oft nicht, nach welchen Kriterien sie angenommen oder abgelehnt werden.
Außerdem gebe es laut Kurz in Frankreich „eine gewisse Protesttradition, die es so in Deutschland nicht gibt“. Immer wieder würden Schüler und Studenten für ihre Anliegen auf die Straße gehen.
„Dies liegt aus meiner Sicht auch daran, dass die Interessenvertretung über andere Wege für Jugendliche im französischen politischen System nicht gut funktioniert“, so Kurz. Sie erklärt: Parteijugendorganisationen seien „nicht sehr stark institutionalisiert“ und hätten nur begrenzten Einfluss.
Gleichzeitig hätten Parteien aufgrund niedriger Wahlbeteiligung junger Wähler wenig Anreize, sich aktiv um diese zu bemühen. „Dies zeigt sich zum Beispiel in Wahlkampfzeiten, wenn Parteien argumentieren, dass es sich für sie gar nicht lohnen würde, junge Menschen anzusprechen“, weiß Kurz zu berichten.
In Frankreich träfen strukturelle Probleme auf „nachvollziehbare Frustration mit dem politischen System“. Deshalb kommt die Politikwissenschaftlerin zu dem Schluss: „Die Ausgangslage in Frankreich unterscheidet sich aus meiner Sicht deutlich von der in Deutschland. Ähnliche Großdemonstrationen in Deutschland halte ich zum jetzigen Zeitpunkt daher für unwahrscheinlich.“
„Keine einheitliche Gruppe“
Die junge Generation in Deutschland bilde „keine einheitliche Gruppe“, stellt die Politikwissenschaftlerin außerdem fest. Ihren Forschungserkenntnissen nach seien zum Beispiel politische Einstellungen „stark durch Geschlecht, Wohnort und sozioökonomische Faktoren wie Bildung bestimmt“.
In Bezug auf politische Einstellungen gebe es sowohl einen Unterschied zwischen Männern und Frauen als auch zwischen Menschen auf dem Land und in der Stadt. Diese Unterschiede seien bei jungen Menschen stärker ausgeprägt als unter älteren.
Forscher: Steigendes Interesse an Politik bei allen Schülern
Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen jüngst drei Politikwissenschaftler. Sie haben in ihrer Forschung unter deutschen Schülern festgestellt, dass es bei parteipolitischen Präferenzen „deutliche Unterschiede nach Bundesland, Schultyp und Bildungshintergrund“ gebe.
Der Titel der Analyse lautet „Politische Polarisierung in der Schule? Entwicklungstendenzen unter Jugendlichen im Bundesländervergleich“. Darin haben Marius Busemeyer, Professor an der Universität Konstanz, die Postdoktorandin Nadja Wehl von der Universität Konstanz und die Politikwissenschaftlerin Susanne Garritzmann von der Goethe-Universität Frankfurt ihre jüngsten Forschungsergebnisse über deutsche Schüler vorgestellt.
„Zwischen der 7. und 9. Klasse zeigt sich ein steigendes politisches Interesse und eine insgesamt hohe Unterstützung demokratischer Werte“, schreiben die Wissenschaftler in einem „Policy Paper“, das im Juli von der Universität Konstanz und dem Berliner Thinktank Das Progressive Zentrum veröffentlicht wurde.
Ein Policy Paper ist eine Analyse, die ein konkretes gesellschaftliches oder politisches Problem untersucht und Handlungsempfehlungen für die Politik gibt.
AfD beliebt bei Jugend in Sachsen, Linke in Schleswig-Holstein
Die Schule sei neben der Familie „der zentrale Ort für“ politische Sozialisierung, halten die Wissenschaftler fest. Deshalb stehe die Schule im Fokus ihrer Forschung. „Eine Untersuchung der Einstellungen von Jugendlichen gibt darüber hinaus auch mögliche Einblicke in zukünftige politische Entwicklungen“, heißt es in dem Policy Paper weiter.
Die Wissenschaftler haben zudem festgestellt, dass das politische Interesse an Gymnasien zwar stärker ausgeprägt sei als an nichtgymnasialen Schulen. Dennoch werde deutlich, „dass das politische Interesse in allen Gruppen, durchaus auch in eher bildungsfernen Schichten und nichtgymnasialen Kontexten, wächst“. Die repräsentativen Befragungen von Schülern in Baden-Württemberg, Sachsen und Schleswig-Holstein wurden in zwei Wellen durchgeführt: einmal im Herbst und Winter 2022/23 in der 7. Klasse und im Herbst und Winter 2024/25 in der 9. Klasse.
In der ersten Befragungswelle habe „eine relative Mehrheit“ – zwischen 38 und 48 Prozent der Befragten – angegeben, dass sie sich nicht mit einer bestimmten Partei identifizieren könne, da sie diese noch nicht gut genug kennen. Auch die Antwortoption, dass die Befragten „keine der Parteien besonders gut“ fänden, sei mit 18 bis 28 Prozent häufig gewählt worden.
Im kurzen Zeitraum von nur zwei Jahren stellten die Wissenschaftler bei ihrer Befragungswelle in den Jahren 2024/25 jedoch eine grundsätzliche Veränderung fest. „Besonders auffällig ist, dass die vormals beliebteste Antwortoption (‚kenne Parteien nicht gut genug‘) besonders in Sachsen (von 38 auf 12 Prozent) und in Schleswig-Holstein (von 41 auf 9 Prozent) stark zurückgeht“, heißt es in dem Policy Paper.
Zudem zeigten sich nun „klare Unterschiede in der Identifikation mit verschiedenen Parteien“, welche sich stark zwischen den Bundesländern unterscheiden würden. „So ist die AfD in Sachsen in der zweiten Befragungswelle mit starkem Anstieg (plus 23 Prozentpunkte) die mit Abstand (25 Prozent) beliebteste Partei, gefolgt von der Linken (13 Prozent; plus 10 Prozentpunkte)“, stellten die Jugendforscher fest.
„Im eher bürgerlich-grün geprägten Baden-Württemberg können sich die meisten Jugendlichen mit der CDU/CSU (19 Prozent, plus 9 Prozentpunkte im Vergleich zur ersten Welle) identifizieren, gefolgt von den Grünen (10 Prozent), die etwa gleichauf liegen mit der AfD (+9 Prozentpunkte)“, heißt es in dem Policy Paper weiter.
In Schleswig-Holstein hingegen sei in der zweiten Befragungswelle besonders die Linkspartei mit 24 Prozent bei den 14-jährigen Jugendlichen beliebt gewesen. Das entspricht nach Angabe der Forscher einem Zuwachs von 23 Prozentpunkten. Die AfD erreichte unter den norddeutschen Schülern 15 Prozent, das entspricht einem Plus von zehn Prozentpunkten im Vergleich zu den Jahren 2022/23.
Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss: „Die insgesamt überdurchschnittlich hohe Identifikation mit der AfD einerseits und der Linkspartei andererseits scheint in diesen Bundesländern kein Einzelphänomen zu sein, sondern zeigte sich auch unter den jüngsten Wählenden in der Europawahl 2024 und der Bundestagswahl 2025.“ Sie könne somit ein Anzeichen „für eine allgemein zunehmende Polarisierung“ unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen sein.
Auch die Greifswalder Politikwissenschaftlerin Kurz teilt diese Einschätzung und sagt: „Insgesamt lässt sich also schwerlich von der einen, jungen Generation sprechen.“ Die nach ihrem Wissen nach „starke Zustimmung für ‚Die Linke‘ unter jungen Menschen lässt sich auch dadurch erklären, dass sie auf Themen setzt, die vielen jungen Menschen wichtig sind“, erklärt Kurz weiter. So seien junge Menschen häufiger vom Problem steigender Wohnkosten betroffen als ältere Bürger.
Das Konstanzer Policy Paper kritisiert zudem, „dass es in Politik und Gesellschaft eine Schieflage zu Ungunsten von Jugendlichen und späteren Erwachsenen aus bildungsfernen Familien gibt“. So seien etwa politische Entscheidungsträger überdurchschnittlich häufig akademisch gebildet und politische Beschlüsse spiegelten „primär die Präferenzen von Höhergebildeten wider“.
Um der Polarisierung und Radikalisierung als Reaktion auf zunehmende sozioökonomische und politische Ungleichheiten entgegenzuwirken, bedarf es nach Ansicht der Autoren „tiefgreifender gesamtgesellschaftlicher Maßnahmen, um strukturelle Ungleichheiten im Bildungssystem, auf dem Arbeitsmarkt und im politischen System selbst aktiv abzubauen“.
Wie genau diese „gesamtgesellschaftlichen Maßnahmen“ aussehen sollten, konkretisieren die Forscher aber nicht. Allerdings fordern sie, die politische Bildung – insbesondere in bildungsfernen Kreisen – und die politische Mitbestimmung für junge Menschen auszubauen.
Sind Wahlen mit 16 eine Lösung?
Um Jugendlichen mehr Gehör für ihre Anliegen in der Politik zu geben, habe sich schon öfter Politiker verschiedener Parteien für eine generelle Herabsetzung des Wahlalters starkgemacht. Dies forderten etwa die heutige Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas als Bundestagspräsidentin im Jahr 2024 sowie in diesem Jahr die Partei Die Linke.
Kurz bemängelt, dass die derzeit bestehenden Unterschiede bei den Wahlaltersgrenzen zwischen Kommunal-, Landtags-, Bundestags- und Europawahlen „verwirrend“ wirkten. „Aus politikwissenschaftlicher Sicht spreche ich mich also klar für eine einheitliche Absenkung auch bei Bundestagswahlen aus“, sagt sie und fügt hinzu: „Das Absenken des Wahlalters auf 16 Jahre zeigt Jugendlichen, dass sie mitbestimmen können und dass Politik nicht allein Sache von Erwachsenen ist.“
Allerdings hält sie es für „fraglich“, ob ein Wahlrecht ab 16 Jahren dazu führen würde, dass die Anliegen junger Menschen in der Politik besser repräsentiert werden, denn die 16- und 17-Jährigen „stellen nur einen sehr kleinen Teil der wahlberechtigten Bevölkerung“ dar.
Abschließend stellt die Politikwissenschaftlerin fest: „In einer alternden Gesellschaft wie Deutschland halte ich es für besonders wichtig, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im politischen Prozess mitzudenken.“ Das bedeute ihrer Meinung nach, „über Wege nachzudenken, mehr Partizipation zu ermöglichen“.
Das Absenken der Wahlaltersgrenze sei dafür nur eine Möglichkeit. Sie hält eine Ausweitung der Beteiligung von Jugendlichen auf kommunaler Ebene für sinnvoll. Als Beispiel nennt sie Baden-Württemberg, wo 2023 das Alter für Kandidaten bei Kommunalwahlen, etwa für Gemeinderäte, auf 16 Jahre abgesenkt wurde. Erstmals galt die neue Regel bei den Kommunalwahlen im Jahr 2024.
Plakat mit einer Einladung für das Museum des Kommunismus in Prag. - Foto: Fotoillustrator/iStock
Es ist nicht mehr nötig, gegen den dialektischen Materialismus zu kämpfen: Ich musste nur ins Museum des Kommunismus gehen. Was mich dort erwarten würde, wusste ich nicht genau. Die Antwort erhalte ich bereits am Eingang. Eine Darstellung von Karl Marx wird von drei Worten begleitet: Traum. Realität. Albtraum. Der Ton ist gesetzt.
Ein Stück weiter übernimmt der tschechische Humor das Ruder. Eine Postkarte fasst auf ihre ganz eigene Weise die Versorgungsengpässe jener Zeit zusammen: „… Waschmittel ist nirgends zu finden. Was die Gehirnwäsche angeht, gibt es hingegen keinerlei Probleme.“
Während des gesamten Besuchs wird man an die Hand genommen und von Schlagzeilen im Stil der damaligen Zeit geleitet: das Wesentliche in wenigen Zeilen, darunter die Details für diejenigen, die tiefer einsteigen möchten.
Mal ernste, mal skurrile Fotos, Objekte aus der damaligen Zeit und Rückblenden ergänzen die Erzählung. So bewegt man sich durch die Geschichte wie durch die Seiten einer großen Zeitung.
Machtkonzentration und Verstaatlichung
Allmählich zeichnen sich die klassischen und perversen Mechanismen des „1. Klasse“-Systems ab: Macht konzentrieren, verstaatlichen, die private Initiative unterbinden, Grenzen schließen, überwachen, Propaganda betreiben … und unweigerlich, wie immer, zunächst an etwas Mangel leiden, dann gar nichts mehr haben und schließlich die Welt vermissen, die man gerade erst auslöschen wollte.
Der Rundgang wird übrigens von manchmal bissigen, manchmal offen humorvollen Schlagzeilen unterbrochen. An einer Wand steht dieser Satz, fälschlicherweise Winston Churchill zugeschrieben: „Überlasst die Sahara den Kommunisten, und nach fünf Jahren wird es einen Sandmangel geben.“ Der weitere Verlauf des Rundgangs verdeutlicht dies recht schnell.
Februar 1948: Die Kommunistische Partei übernimmt die Macht in der Tschechoslowakei. Kaum ist die Revolution etabliert, beginnt das Privateigentum seine Koffer zu packen. Eine Freiheit, die die Genossen – bald Gefangene ihres eigenen Landes – nicht mehr haben werden.
Reisekontrollen. Stacheldraht. Hunde. Überwachung. Verhaftungen. Gefängnis. Die Genossen sind nun in ihren eigenen Grenzen gefangen. Außer, wie immer, einige privilegierte Auserwählte: gute Beziehungen sind mehr wert als ein schlechter Pass.
Im Museum des Kommunismus in Prag.
Foto: Jack Chaumont
Das Museum versetzt einen direkt in die Atmosphäre jener Zeit. In einer dunklen Ecke wird man plötzlich von einem Soundtrack umhüllt: Hundegebell, Befehle der Wachen, Flehen und zitternde Stimmen. Allein durch den Klang spürt man den Schrecken und die Angst derjenigen, die versuchten, die Grenze zu überqueren.
Wie üblich folgt man dann dem klassischen Schema: Banken, Versicherungen, Bergwerke und Großunternehmen werden verstaatlicht. Dann sind die anderen an der Reihe. Über 3.000 Unternehmen gehen in staatliche Hände über.
Und wenn noch ein widerspenstiger Handwerker oder Kleinhändler übrig bleibt, braucht man ihn nicht zu enteignen: Man muss ihm nur die Rohstoffe verweigern, die Strafen vervielfachen und seine Tätigkeit einfach unmöglich machen. Und wenn er wirklich zu widerspenstig ist, können ein paar Elektroschocks oder sogar subtilere Folterungen im Gefängnis ihn überzeugen.
Ein ruiniertes Land
Anfang der 1960er-Jahre ist der tschechoslowakische Privatsektor nahezu am Ende. Und da der Staat die Wirtschaft lenkt, bestimmt er auch die Preise und die Verteilung. Das Ergebnis lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: „Stehen Sie an, wie alle anderen.“
Für alltägliche Produkte gibt es Rationierung. Um ein Auto zu bekommen, muss man sich auf eine Liste setzen lassen. Wer ein Fahrrad haben will, muss dem Cousin des Schwagers des Leutnants einen Schein zustecken. Damenbinden werden gewaschen und wiederverwendet.
Und die offizielle Tageszeitung der Kommunistischen Partei, „Rudé právo“, hat eine unerwartete zweite Karriere: In Stücke geschnitten dient sie buchstäblich als Toilettenpapier. Eine treffendere und endgültigere redaktionelle Kritik ist kaum vorstellbar.
Parallel dazu entwickelt sich eine ganze Schattenwirtschaft. Klempner, Maurer, Tischler und andere Handwerker arbeiten nach ihrem offiziellen Arbeitstag weiter. Tauschhandel und Schmiergelder florieren. Ende der 1980er-Jahre kursiert sogar die Maxime: „Wer nicht stiehlt, bestiehlt seine Familie.“
Und diese wunderbare, ideale, gleichberechtigte Gesellschaft erfindet schließlich ihre eigenen Geschäfte für Privilegierte. Sie heißen Tuzex.
Dort findet man genau das, was das normale System nicht bietet: Jeans, Adidas, Lego, Whisky, Schokolade, westliche Kosmetik, Elektronikgeräte … Aber nicht mit den gewöhnlichen Kronen. Man braucht eine spezielle Währung, die „Bony“, die auf dem Schwarzmarkt bis zum Fünffachen ihres offiziellen Wertes gehandelt wird.
Ende der 1980er-Jahre konnten manche „Bony“-Händler zwischen 100.000 und 250.000 Kronen pro Monat verdienen, während das durchschnittliche Monatsgehalt kaum über 3.000 Kronen lag. Die Gleichheit hatte also schließlich ihre Reichen hervorgebracht – versteckt im Dunkeln des „Grand Soir“, des ersehnten revolutionären Umsturzes.
Zeitleiste Ost und West
Eine der aufschlussreichsten Entdeckungen im Museum ist eine große Zeitleiste, die Ost und West parallel von den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts verdeutlicht.
Einige Bilder genügen. Im Westen: Astronauten mit Sauerstoffmasken bei Apollo 11. Im Osten: Schulkinder mit Gasmasken, dazu Panikmache wegen des amerikanischen Kartoffelkäfers. Im Westen: Bluejeans. Im Osten: Schwarzmarkt. Im Westen: Weihnachtsmann. Im Osten: Vater Lenin.
Im Museum des Kommunismus in Prag.
Foto: Jack Chaumont
Oder fast. In den 1950er-Jahren versuchten die Behörden tatsächlich, den traditionellen Ježíšek – das Christkind, das den tschechischen Kindern Geschenke bringt – durch den sowjetischen Ded Moroz (Väterchen Frost) zu ersetzen.
Weiter hinten wird eine Wohnung auf eigenartige Weise rekonstruiert: Tisch, Stühle und andere Gegenstände sind vertikal an der Wand befestigt, als ob man die Wohnung von oben betrachtete. Big Brother, tschechoslowakische Version.
Hinter einer Vitrine erscheint auch das klassische kommunistische Klassenzimmer mit seiner zeittypischen Dekoration und den roten Halstüchern.
Hinter dem Absurden kommt das Tragische
Repression, politische Polizei, Inhaftierungen, geschlossene Grenzen, dann die sowjetische Besatzung nach der Niederschlagung des Prager Frühlings.
Im Januar 1969 zündet sich Jan Palach, ein 20-jähriger Student, auf dem Wenzelsplatz an. Seine Tat wird eines der mächtigsten Symbole des Widerstands gegen die Resignation. Hier hört der Humor auf. Auf meiner Uhr ist es 17:55 Uhr. Ich schließe für 15 Minuten die Augen und spüre dabei ein seltsames inneres Vibrieren.
Glücklicherweise kehrt der Humor in den Museumsshop zurück: Ich entdecke dort unter anderem Kerzen mit den Konterfeis von Stalin und Lenin. Das Konzept hat durchaus etwas Poetisches. Allein die Vorstellung, sie mit nach Hause zu nehmen und ihnen dabei zuzusehen, wie sie langsam vor sich hin brennen, zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht.
Ein letzter tschechischer Witz, gedruckt auf Plakaten, Taschen und T-Shirts: „Es gab kein Toilettenpapier. Glücklicherweise gab es sowieso nichts zu essen.“
Nach 40 Jahren tschechoslowakischer Geschichte verlasse ich das Museum mit einem letztlich recht optimistischen Gedanken und der Hoffnung, dass es bald überall auf der Welt genauso sein wird: Der Kommunismus hat vielleicht endlich seinen Platz gefunden – in einem Museum, zumindest an einem Ort, wahrscheinlich dem einzigen, wo er funktioniert.
MdL in Sachsen-Anhalt Tobias Krull (CDU). - Foto: Max Kittan/Epoch Times
In der CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt brodelt es. Erst die deutliche Wahlniederlage, dann die scharfe Kritik wegen einer möglichen CDU-Beteiligung an der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten. Und jetzt könnte die CDU-Fraktion durch Austritte zerbrechen. Darüber sprechen wir jetzt mit Tobias Krull, Mitglied der CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt.
Herr Krull, im Raum steht, dass sich ein Teil der CDU-Fraktion als parlamentarische Gruppe abspalten könnte, sollte sich der Konflikt um den Fraktionsvorsitz von Herrn Schulze nicht legen. Wie ist die Stimmung in der CDU-Fraktion und für wie wahrscheinlich halten Sie Austritte?
Die Stimmung ist sicherlich seit letztem Dienstag und den Vorwürfen und Unterstellungen, die im Raum stehen, sicherlich nicht die allerbeste. Und ich kann uns auch als Fraktion nur raten, jetzt schnellstmöglich in den Dialog einzutreten, um da Unklarheiten zu beseitigen und vor allem auch wieder eine gute Vertrauensbasis zu schaffen.
Was ist denn konkret das Problem? Was trübt die Stimmung so stark?
In der Fraktion gab es die Verabredung, sich entweder zu enthalten oder wie vorher angekündigt, mit „Nein“ zu stimmen. So habe ich das auch persönlich getan. Aber offensichtlich waren es nicht so viele Enthaltungen, wie das anzunehmen gewesen wäre, sondern es gab nur fünf Enthaltungen. Darüber werden wir uns unterhalten müssen.
Was wir natürlich intern auch brauchen, ist eine Offenheit im Umgang miteinander und ehrlich anzusprechen, wenn wir ein anderes Abstimmungsverhalten zeigen wollen. Das ist einer der Gründe, warum es jetzt gerade Verunsicherung gibt.
Ich will aber ausdrücklich sagen, dass es nicht bestätigt oder sicher ist, dass die vier Stimmen aus dem CDU-Lager kamen, sondern die Wahl war geheim. Wir werden das intern auch auswerten, was uns da teilweise vorgeworfen wird und in welcher Tonlage.
Für wie wahrscheinlich halten Sie, dass sich bis zum Landesparteitag im Dezember die Wogen wieder glätten und es nicht zu einer Spaltung kommt?
Ich glaube persönlich nicht an die Theorie der Spaltung. Ich glaube, jeder, der in dieser Fraktion ist, ist sich seiner Verantwortung bewusst. Dabei geht es nicht nur um die Verantwortung für die Partei oder für sich selbst, sondern auch für das gesamte Bundesland Sachsen-Anhalt.
Ich gehe davon aus, dass sich die Gemüter alle ein Stück weit wieder beruhigen, dass wir uns auch darauf konzentrieren, was unsere Aufgabe ist – und zwar offensichtlich eine gute Oppositionsfraktion zu werden.
Denn das Abstimmungsverhalten von AfD und BSW und jetzt auch der gemeinsame Antrag beider Fraktionen sind schon ein sehr deutliches Zeichen.
Die Bevölkerung schätzt uns nicht dafür, dass wir uns bloß mit uns selbst beschäftigen. Wir müssen jetzt liefern – auch in unserer neuen Funktion als Opposition.
Gibt es eine Vermutung, warum CDU-Fraktionsmitglieder möglicherweise doch für den AfD-Kandidaten gestimmt haben könnten?
Ich nehme die vielen Theorien, die gerade in den Medien kursieren zur Kenntnis, aber ich werde mich dazu nicht äußern. Wer das jetzt war oder aus welchen Motiven heraus – das ist etwas, womit wir uns intern als Fraktion beschäftigen müssen.
Wir stehen jetzt vor großen Herausforderungen. Die Unsicherheiten, die seit letztem Dienstag bestehen, plus die mediale Begleitung dieser Ereignisse sind etwas, was uns sehr zu denken geben. Das spüre ich auch an der Parteibasis: Dort gibt es viele Fragen – bis hin zur Wut.
Herr Merz sprach davon, dass es sich auch um eine False-Flag-Aktion handeln könne. Halten Sie das für wahrscheinlich?
Das ist natürlich rein mathematisch eine Option. Ich kann sie auch nicht komplett ausschließen. Ich weiß aber ehrlich gesagt nicht, wie man überhaupt auf die Idee kommen konnte, für Herrn Rausch zu stimmen. Von daher wird es auch sehr spekulativ, mich da hineinzuversetzen.
Dass ein Abgeordneter der Grünen, der Linken oder der SPD für ihn [Tobias Rausch] gestimmt haben könnte, weil man uns noch einmal einen mitgeben wollte, ist mathematisch möglich.
Aber ich halte momentan alles für spekulativ. Wir werden nie herausfinden, wer tatsächlich diese vier Stimmen gewesen sind. Ich würde mir wünschen, dass sich diese vier Personen dazu bekennen, wie sie abgestimmt haben. Das würde nicht nur für eine Beruhigung sorgen, sondern würde auch klarstellen, in welcher Lage sich dieser Landtag von Sachsen-Anhalt gerade befindet.
Wir sind jetzt in einer veränderten Rolle. Nur über Personal zu diskutieren, bringt aus meiner Sicht gar nichts. Wir müssen uns eher die Frage stellen, wie wir unsere Oppositionsfunktion ausüben wollen als konstruktive Opposition oder als eine, die grundsätzlich alles ablehnt.
Wie wird sich Ihrer Meinung nach Sachsen-Anhalt in dieser Legislaturperiode entwickeln?
Ich befürchte, dass die kommenden fünf Jahre für das Land Sachsen-Anhalt, falls diese faktische Koalition zwischen AfD und BSW hält, schwierige Jahre sein werden. Denn es wird viele Initiativen geben mit wenig Bezug zur Realität, stattdessen viel Schaufensterpolitik.
Diese Regierung wird vor großen finanziellen Herausforderungen stehen. Ich glaube nicht, dass diese von der aktuellen Konstellation bewältigt werden können.
Und wie sehen Sie die gesamtpolitische Entwicklung in der Bundesrepublik?
Sie kennen die Umfragen genauso gut wie ich. Es steht nicht im Grundgesetz geschrieben, dass SPD und CDU immer in Abwechslung oder gemeinsam an der Bundesregierung beteiligt werden müssen. Unser Parteiensystem hat sich verschoben und verschiebt sich weiter.
Es wird eine der großen Herausforderungen sein, Antworten zu finden und Visionen zu entwickeln, damit Menschen den sogenannten Volksparteien SPD und Union wieder ihr Vertrauen schenken.
Dies beginnt auf kommunaler Ebene, weil die Menschen dort Politik am unmittelbarsten erleben und reicht bis zur Bundes- und Europapolitik. Wir müssen überall um das Vertrauen kämpfen und das Vertrauen zurückgewinnen, weil wir es ganz offensichtlich bei vielen verloren haben.
Woran könnte dies liegen?
Es ist uns nicht gelungen, eine Zukunftsvision zu entwickeln, die die Menschen auch ernst nehmen. Wir müssen stärker als Union deutlich machen, wofür wir stehen. Wir haben bis jetzt immer einen Wahlkampf mit Sachargumenten geführt.
Jetzt haben wir hier in Sachsen-Anhalt einen stark von Emotionen geprägten Wahlkampf erlebt. Auf diese neue Art der politischen Kommunikation müssen wir uns viel mehr einstellen, als das bisher der Fall war.
Dem Fieber auf der Spur: Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts erforschten den Zusammenhang zwischen Darmbakterien und Impfantwort. (Symbolbild) - Foto: gorodenkoff/iStock
In Kürze:
Das Darmmikrobiom könnte die grundsätzliche Aktivität des Immunsystems beeinflussen.
Unterschiede in den Darmmikrobiota können daher auch die Reaktion auf Impfstoffe und andere Herausforderungen steuern.
Personen mit stärkeren Fieberreaktionen nach einer Impfung produzieren schon vorher mehr Flagelline.
Bei Mäusen konnte die Produktion von mikrobiellem Flagellin und damit die Impfreaktionen durch Ernährung beeinflusst werden.
Impfungen sind eine Maßnahme, um die Gesundheit der gesamten Bevölkerung zu schützen und Infektionskrankheiten einzudämmen. Trotz Verwendung gleicher Impfstoffe reagieren verschiedene Menschen jedoch sehr unterschiedlich: Während einige nach der Impfung Fieber oder grippeähnliche Symptome entwickeln, bleiben andere völlig unbeeinträchtigt.
Gerade das Risiko von Nebenwirkungen löst bei vielen Menschen Zweifel und Angst aus, was die Impfbereitschaft beeinträchtigen, die Impfquoten senken und das Risiko für vermeidbare Erkrankungen und Todesfälle erhöhen kann. Fieber ist ein Zeichen einer entzündlichen Immunreaktion. Es war bisher aber unklar, warum nur manche Menschen nach Impfungen Fieber bekommen.
Forscher des Max-Planck-Instituts für Biologie Tübingen, der Georgia State University, des Institut Pasteur in Paris, des französischen Gesundheitsforschungsinstituts (Inserm), der University of Manitoba, der University of California San Diego und des Instituts für Tropenmedizin der Universität Tübingen haben nun gezeigt, dass eine Ursache für die Unterschiede in der Immunantwort nach Impfung das Darmmikrobiom sein könnte.
Die Billionen Mikroorganismen, die den menschlichen Darm besiedeln, unterscheiden sich von Mensch zu Mensch und stehen in ständiger Wechselwirkung mit dem Immunsystem. Durch die Interaktion mit unseren Immunzellen tragen sie dazu bei, den Immunstatus einer Person bereits vor der Impfung zu prägen.
Billionen Mikroorganismen besiedeln den menschlichen Darm und interagieren kontinuierlich mit unseren Immunzellen. (Symbolbild)
Foto: piyaset/iStock
Studie mit geimpften Personen
Um die Rolle des Mikrobioms während der Impfung besser zu verstehen, hat ein Team unter der Leitung von Ruth Ley, Direktorin am Max-Planck-Institut für Biologie Tübingen, die µHEAT-Studie (Microbial-Human Ecology and Temperature) ins Leben gerufen. Mit Unterstützung von Meral Esen vom Institut für Tropenmedizin in Tübingen wurden für die Studie gesunde junge Erwachsene rekrutiert, die sich 2021 und 2022 gegen SARS-CoV-2 impfen ließen.
Die Teilnehmer stellten Stuhlproben für die Mikrobiom-Charakterisierung und Blutproben für Immunmessungen zur Verfügung und dokumentierten in der Woche vor und nach der Impfung regelmäßig ihre Körpertemperatur.
„Es war eine Herausforderung, mitten in der Pandemie eine neue Studie mit Menschen auf die Beine zu stellen“, sagt Hauptautorin Kelsey Huus, die die µHEAT im Rahmen ihrer Postdoc-Arbeit leitete und mittlerweile Assistenzprofessorin an der University of Ottawa in Kanada ist. „Wir wollten die Teilnehmer nicht mit zu vielen Messungen oder Terminen belasten. […] Aber der Aufwand hat sich gelohnt, die Studie liefert einige sehr spannende Ergebnisse.“
Eine mikrobielle Signatur vor der Impfung
Wie erwartet zeigten die Teilnehmer erhebliche Temperaturunterschiede als Reaktion auf die Impfung. Einige entwickelten hohes Fieber. Interessanterweise ließen sich mehrere Faktoren identifizieren, die Personen mit stärkeren Fieberreaktionen bereits vor der Impfung von den anderen unterschieden. Besonders auffällig war, dass die Darmmikrobiome dieser Personen bereits vorab eine erhöhte Aktivität von Genen für bakterielle Beweglichkeit zeigten. Diese Erhöhung war besonders bei Genen sichtbar, die für die Herstellung der peitschenartigen Flagellen verantwortlich sind, mit denen sich viele Bakterien fortbewegen.
Flagellen sind Strukturen, die es Bakterien ermöglichen, sich durch Flüssigkeiten zu bewegen, und bestehen aus kleinen Proteinen, den sogenannten Flagellinen. Da Flagelline auch von schädlichen Erregern wie Salmonellen produziert werden, erkennt das menschliche Immunsystem sie als potenziell gefährliche Signale und löst daraufhin eine Entzündungsreaktion aus.
Salmonellen produzieren Flagelline, die vom Immunsystem als Warnsignal erkannt werden und eine Entzündungsreaktion auslösen können. (Symbolbild)
Foto: urfinguss/iStock
Wichtig ist, dass diese Unterschiede im Mikrobiom bereits vor der Impfung bestanden. Personen, die später stärkeres Fieber entwickelten, zeigten etwa durch unterschiedliche Entzündungsmarker im Blut und in Stuhlproben zudem Hinweise auf einen zuvor entzündlich aktivierten Grundzustand. Zusammen deuten diese Beobachtungen darauf hin, dass die Produktion von mikrobiellen Flagellinen zum bereits bestehenden Immunstatus einer Person beitragen und dadurch die Reaktion auf die Impfung beeinflussen könnte.
Steuert das Mikrobiom die Immunreaktion?
Um zu prüfen, ob das Mikrobiom tatsächlich die Immunreaktion beeinflusst, führten die Forscher ein klassisches Mikrobiom-Experiment durch: Sie übertrugen Stuhlmikrobiome von Studienteilnehmern auf Mäuse, die kein eigenes Darmmikrobiom besaßen. Die Tiere wurden anschließend geimpft, um zu testen, ob diese unterschiedlichen Mikrobiota allein ausreichen, unterschiedlich starke Impfreaktionen hervorzurufen.
Tatsächlich entwickelten Mäuse, die Mikrobiome von Personen mit starker Fieberreaktion erhalten hatten, nach der Impfung eine deutlich stärkere Entzündung als ihre Artgenossen, die Mikrobiome von Personen mit milder Reaktion erhalten hatten. Zudem war dieser Effekt teilweise davon abhängig, ob die Tiere in der Lage waren, bakterielle Flagelline zu erkennen.
Insgesamt deuten die experimentellen Ergebnisse darauf hin, dass das Darmmikrobiom dazu beitragen kann, den Entzündungszustand des Wirts vor der Impfung zu beeinflussen. Mikrobielle Flagelline scheinen dabei eine zentrale Rolle bei der Bestimmung der Stärke der entzündlichen Reaktion auf Impfstoffe zu übernehmen.
Die Studie untersuchte auch, warum die Mikrobiome einiger Studienteilnehmer von vornherein mehr Flagelline produzieren. Dabei identifizierten die Forscher die Ernährung als einen möglichen Einfluss und testeten daher, ob Ernährungsfaktoren die mikrobielle Flagellinproduktion verändern könnten.
„Wir konnten beobachten, dass bestimmte Lebensmittelzusatzstoffe die Produktion von Flagellinen durch Darmbakterien in vitro erhöhen“, erklärt Benoit Chassaing, Forschungsdirektor am Institut Pasteur. Weiter sagte er:
„Interessanterweise deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass Bestandteile einer industrialisierten Ernährung das Wachstum von flagellierten Darmbakterien fördern und damit die Flagellinproduktion insgesamt erhöhen können.“
Hirohito Abo, Co-Autor von der Georgia State University in Atlanta, betont die weitreichenden Auswirkungen der Ernährung auf die Immunantwort nach einer Impfung: „Wir haben festgestellt, dass eine fettreiche, eher typisch westliche Ernährung die entzündlichen Impfreaktionen bei Mäusen verstärkt hat.“
Teilnehmer, die eine pflanzliche Ernährung bevorzugten, zeigten nach der Impfung tendenziell schwächere Fieberreaktionen. Ein Beweis oder eine Lösung des Problems ist das nicht: „Obwohl wir nicht nachweisen konnten, dass bei Menschen die Ernährung direkt die Impfreaktion bestimmt, zeigen unsere Ergebnisse, dass die Ernährung ein Faktor ist, der ein proinflammatorisches Mikrobiom begünstigen kann“, fasst Huus zusammen. „Nur Interventionsstudien werden zeigen können, ob Ernährungsumstellungen die Flagellinproduktion durch Darmbakterien beeinflussen und damit auch die Impfreaktionen wie Fieber verändern können.“
Das Mikrobiom prägt den Immunstatus
„Die Impfung bietet eine kontrollierte Möglichkeit, zu verstehen, warum Menschen so unterschiedlich auf denselben Immunreiz reagieren“, ergänzt Ruth Ley, Direktorin der Abteilung für Mikrobiomforschung. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass mikrobielle Flagelline einen Beitrag zu diesem Grundimmunzustand leisten und damit einen möglichen Zusammenhang zwischen Unterschieden im Darmmikrobiom und Unterschieden bei den Immunreaktionen herstellen.“
In Zukunft könnten Interventionen, die auf das Mikrobiom abzielen, getestet werden, um zu versuchen, starke Fieberreaktionen nach einer Impfung zu reduzieren. Dies könnte dazu beitragen, Bedenken auszuräumen, die zur Impfskepsis führen. Zudem deutet die µHEAT-Studie darauf hin, dass das Darmmikrobiom nicht nur die Reaktion auf Impfstoffe beeinflusst, sondern möglicherweise generell den individuellen Immuntonus prägt – mit Auswirkungen auf die Reaktion auf eine Vielzahl von Immunreizen jenseits der Impfung.
„Letztendlich ergänzt diese Arbeit die wachsenden Belege dafür, dass das Darmmikrobiom eine zentrale Rolle für die Gesundheit des menschlichen Immunsystems spielt“, fügt Huus hinzu. „Das Verständnis dieser Wechselwirkungen könnte nun neue Möglichkeiten eröffnen, um individuelle Unterschiede bei Immunreaktionen besser vorherzusagen, zu verhindern und zu bewältigen.“
Die Anträge auf Kriegsdienstverweigerung haben sich zum gesamten Vorjahr mehr als verdreifacht. - Foto: Federico Gambarini/dpa
In Kürze
Bis Ende August sind 12.102 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung eingegangen.
Damit haben sich die Anträge zum gesamten Vorjahr mehr als verdreifacht.
Als Auslöser gelten das Wehrdienstmodernisierungsgesetz und geopolitische Entwicklungen.
Ab Juli 2027 ist die verpflichtende Musterung aller jungen Männer vorgesehen; Frauen können sich freiwillig melden.
Während Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) auf genügend freiwillige Meldungen für den Dienst an der Waffe bei der Bundeswehr setzt, steigen gleichzeitig die Zahlen der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung drastisch, obwohl die allgemeine Wehrpflicht nach wie vor ausgesetzt ist.
Zuständig für Anträge auf Kriegsdienstverweigerung sind zwei Stellen: das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr sowie das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) in Köln, das die Entscheidung über die Anerkennung oder Ablehnung der Anträge trifft.
Bis Ende August 12.102 Anträge
Wie die Sprecherin des BAFzA Epoch Times mitteilte, sind mit Stand 31. August 12.102 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung bei ihrem Bundesamt eingegangen. Im Vergleich dazu fielen die Zahlen in den vergangenen beiden Jahren deutlich niedriger aus. 2024 wurden 2.249 Anträge gestellt, 2025 waren es 3.879. Damit hat sich alleine bis Ende August dieses Jahres die Antragszahl zum gesamten Vorjahr mehr als verdreifacht.
Als Auslöser für Antragsflut teilte die BAFzA-Sprecherin mit, dass nach Ansicht der Behörde „der Anstieg der Antragszahlen auf Kriegsdienstverweigerung im Kontext aktueller weltpolitischer Entwicklungen sowie einer erhöhten öffentlichen Aufmerksamkeit für den Versand von Fragebögen durch die Bundeswehr im Zusammenhang mit dem Wehrdienstmodernisierungsgesetz (WDModG) zu sehen“ sei.
Ein anhaltender Anstieg der Anzahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung sei bereits seit dem Jahr 2022 festgestellt worden. Im Februar 2022 überfiel Russland die Ukraine. Seither unterstützt die NATO die Ukraine finanziell und mit Waffen. Zudem fordert seit dem Jahr 2023 Verteidigungsminister Pistorius, dass Deutschland bis zum Jahr 2029 „kriegstüchtig“ sein müsse.
Die Wehrpflicht ist zwar weiterhin ausgesetzt. Sollte Pistorius jedoch sein Personalziel von etwa 80.000 mehr freiwillige Berufssoldaten verfehlen, könnte der Bundestag eine sogenannte Bedarfswehrpflicht aktivieren.
Dass dies ein realistisches Szenario sein könnte, zeigt ein Blick nach Osten. Selbst unter Soldaten der Bundeswehr gibt es nur eine begrenzte Bereitschaft, sich freiwillig an die sogenannte NATO-Ostflanke versetzen zu lassen. Die Litauen-Brigade ist bislang zu 80 Prozent besetzt. Dabei handele es sich „ausschließlich“ um Freiwillige, so das Bundesverteidigungsministerium.
Mitte September teilte die Behörde mit, dass für den weiteren Aufbau der Einheit Bundeswehrsoldaten nun auch zwangsweise dorthin versetzt werden sollen. Das Ministerium erklärte:
„In wenigen Bereichen werden ab sofort auch ergänzend verpflichtende Maßnahmen zum Einsatz kommen.“
Musterung: wer ist geeignet als Soldat?
Unabhängig von der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht bleibt das Recht, den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgründen gemäß Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes zu verweigern, bestehen. Hierfür gibt es ein kompliziertes Verfahren.
Der Antrag auf Kriegsdienstverweigerung muss schriftlich beim Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) in Köln eingereicht werden. Von dort erhält der Antragssteller eine Eingangsbestätigung und eine Vorladung zur Musterung.
Die Musterung ist laut Bundeswehr ein „Verfahren“ mittels dessen die Bundeswehr feststellt, „wer geeignet für den Dienst als Soldat oder Soldatin“ ist. Dort wird die körperliche und geistige Eignung sowie die gesundheitliche Verfassung des Gemusterten überprüft.
Ab Juli 2027 ist die Musterung aller jungen Männer verpflichtend.
Foto: picture alliance / dpa
Da es noch nicht genügend Musterungszentren gibt, werden laut Bundeswehr momentan zunächst diejenigen zu einem „Assessment“ eingeladen, die sich aktiv „für den Dienst in der Truppe interessieren und auf Basis ihrer Antworten auf den Fragebogen für den Dienst in den Streitkräften geeignet erscheinen“.
Bei einem „Assessment“ – zu Deutsch Bewertung – lösen Teilnehmer praktische Aufgaben, Fallstudien oder Rollenspiele, während Beobachter ihr Verhalten bewerten.
Grundsätzlich werden nur Männer gemustert. Denn nur sie fallen unter das Wehrpflichtgesetz, das die Musterung rechtlich begründet. Frauen werden nur dann gemustert, wenn sie sich freiwillig für die Bundeswehr melden.
Verweigerung des Kriegsdiensts
Für Kriegsdienstverweigerer gilt folgende Regelung: Fällt die Musterung positiv aus, wird der Antrag auf Kriegsdienstverweigerung an das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) weitergereicht. Dieses entscheidet über die Anerkennung oder Ablehnung des Antrages.
Anträge von Wehrpflichtigen, die vor dem 1. Januar 2010 geboren wurden und nicht bei der Bundeswehr gedient haben, werden ohne vorherige Musterung an das BAFzA weitergeleitet.
Zu einem vollständigen Antrag verlangt das BAFzA folgende Dokumente: einen unterschriebenen Begleitbrief, aus dem hervorgeht, dass sich der Antragsteller auf das Grundrecht der Kriegsdienstverweigerung beruft, ein lückenloser tabellarischer Lebenslauf sowie „eine ausführlich und persönlich verfasste Begründung, in der die Bewegründe für die Gewissensentscheidung dargestellt werden“, so die BAFzA-Sprecherin.
Da es zwischen dem Antragseingang beim Personalamt der Bundeswehr und der Weiterleitung an das BAFzA eine Verzögerung gibt, kann davon ausgegangen werden, dass in diesem Jahr bereits mehr Anträge auf Kriegsdienstverweigerung eingegangen sind, als das BAFzA bislang registrieren konnte.
Nach Angaben der Amts-Sprecherin wurden bis Ende August 428 Anträge abgelehnt. Im Jahr 2024 waren es 280 Ablehnungen und im Jahr 2025 wurden 1.048 Anträge abgelehnt. Dazu führt das Bundesamt näher aus, dass die Zahl der abgelehnten Anträge nicht exakt der Zahl der Bescheide im selben Zeitraum entspricht, da es zum Beispiel auch Altfälle gibt, deren Bearbeitung sich aufgrund von Nachfragen verzögert. Deshalb könne die Zahl der Bescheide nicht direkt miteinander vergleichen werden.
Zu den Gründen für Ablehnungen wollte sich das BAFzA nicht äußern, da keine „Erhebung über die Gründe für eine Ablehnung eines Antrages auf Kriegsdienstverweigerung“ vorgenommen werde.
Grundsätzlich gebe es aber folgende Ablehnungsgründe: Wenn ein Antragsteller die Musterung verweigert, der Antrag nicht vollständig ist „und der Antragsteller der Aufforderung durch das BAFzA, diesen zu vervollständigen, nicht nachkommt, die dargelegten Beweggründe auch nach schriftlicher, ggf. mündlicher Anhörung nicht begründet werden können oder Zweifel an der Wahrheit der Angaben der Antragsteller trotz vorheriger Anhörung besteht“, so die BAFzA-Sprecherin.
Danach gefragt, wie das Bundesamt die neue Flut an Anträgen bewältigt, teilte die Sprecherin mit, dass derzeit „bestehende Strukturen sukzessive“ angepasst würden.
Demonstration in Berlin-Kreuzberg gegen den Wehrdienst. Per Parlamentsbeschluss kann eine Bedarfswehrpflicht eingeführt werden – also eine tatsächliche Einberufung junger Männer zum Dienst, falls sich nicht genug Freiwillige melden.
Foto: Markus Lenhardt/dpa
Außerdem ermögliche das neue Wehrdienstmodernisierungsgesetz (WDModG) eine verlängerte Bearbeitungszeit für Anträge von Antragsstellern, die vor 2010 geboren sind. Laut § 13 Abs. 2 Kriegsdienstverweigerungsgesetz (KDVG) soll allerdings über Anträge, die ohne vorherige Musterung an das BAFzA weitergeleitet werden, innerhalb von 9 Monaten nach Eingang beim BAPersBw entschieden werden.
Dazu die BAFzA-Sprecherin weiter:
„Die Bearbeitung der Anträge erfolgt einzelfallbezogen. Sie ist aufgrund des unterschiedlichen Werdegangs der Antragstellenden und der Darlegung der persönlichen Gründe sehr individuell.“
Das komplette Antragsverfahren für die Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer ist auf der BAFzA-Website beschrieben.
Worauf man beim Mittagsschlaf für den optimalen Effekt achten sollte und Tipps wie man nach dem Aufwachen schnell wieder in die Gänge kommt. - Foto: Andrii Iemelyanenko/ iStock
Zwei Stunden Mittagspause – wer kann sich das heute noch vorstellen? Während meiner Arbeit in einer traditionellen Apotheke auf dem Land erlebte ich genau das: Die Mitarbeiter sollten in Ruhe nach Hause gehen können, warm essen und eine echte Mittagsruhe halten.
Ich, damals Anfang 20, hatte dafür wenig Verständnis und wollte lieber moderne, flexible Arbeitszeiten. Früher nach Hause zu gehen oder später zu beginnen kam mir besser vor als den Arbeitstag mit einer so langen Pause zu unterbrechen.
Heute zeigt die moderne Forschung jedoch, was nicht nur die Apotheker der früheren Generationen wussten, sondern auch verschiedene Kulturen seit Jahrtausenden schätzen: Eine Mittagsruhe oder Mittagsschlaf – richtig gemacht – kann gesundheitliche Vorteile bringen und die Konzentration fördern.
Was während des Mittagsschlafes passiert
Studien zeigen, dass, wenn man die Mittagsmüdigkeit nicht ignoriert, sondern für ein paar Minuten die Augen schließt, einiges in unserem Körper passiert.
In Ruhe und bei leichtem Dämmerschlaf beginnt sich der schlaffördernde Botenstoff Adenosin, der sich über den Vormittag angesammelt hat, wieder abzubauen.
Gleichzeitig kommt es zu charakteristischen Veränderungen des autonomen Nervensystems: das Stresshormon Cortisol, der Blutdruck und die Herzfrequenz sinken.
Das Ergebnis nach dem Aufwachen: Man fühlt sich entspannter und wieder aufnahmefähiger als zuvor.
Untersuchungen zeigen, dass man, um diesen Effekt zu erreichen, nicht unbedingt wirklich einschlafen muss; auch Ruhen mit geschlossenen Augen und ohne Bildschirm hilft.
Die biologischen Hintergründe des Mittagstiefs
Die Schlappheit rund um die Mittagszeit ist keineswegs Einbildung und auch ein leichtes Mittagessen wirkt dem nur bedingt entgegen.
Zum einen sieht die innere Uhr des Gehirns im suprachiasmatischen Nukleus des Hypothalamus am frühen Nachmittag ein „kleines Schlaffenster“ vor, in dem Wachheit und Aufmerksamkeit abnehmen.
Zum anderen ist der Schlafdruck, der sich über den Energieverbrauch seit dem morgendlichen Aufstehen aufbaut, um diese Zeit besonders hoch. Durch den Energiestoffwechsel entstehen der Botenstoff Adenosin und verwandte Verbindungen. In hoher Konzentration hemmt dieser Botenstoff bestimmte neuronale Netzwerke im Gehirn.
Die Folgen sind spürbar: Die Konzentration lässt nach, der Schlafdruck steigt und die Augenlider werden langsam schwer.
Vorsicht: Zu lange zu schlafen macht den Effekt zunichte
Für einen gelungenen Mittagsschlaf ist es wichtig, nicht zu lange zu schlafen. Das optimale Zeitfenster liegt zwischen zehn und fünfzehn Minuten.
Denn mit zunehmender Schlafdauer steigt die Wahrscheinlichkeit, in tiefere Schlafstadien zu sinken. Aus solchen Tiefschlafphasen ist es schwieriger aufzuwachen und die Schlafträgheit ist dann stärker ausgeprägt.
Daher sollte unbedingt ein Wecker gestellt werden, um den gewünschten Erfrischungseffekt zu erreichen.
Tipps für direkt nach dem Aufwachen
Nach dem Aufwachen werden die wachheitsfördernden Systeme des Gehirns wieder aktiviert. Dazu gehören unter anderem noradrenerge und dopaminerge Netzwerke, die Wachheit und Aufmerksamkeit unterstützen.
Allerdings kann es ein paar Minuten dauern, um diese Effekte zu merken und wieder in die Gänge zu kommen. Um die Ausschüttung der wachmachenden Botenstoffe zu unterstützen und schneller richtig wach zu werden, kann man auf folgende Tricks zurückgreifen:
Helles Tageslicht nutzen durch beispielsweise ein paar Minuten an einem sonnigen Tag aus dem Fenster blicken direkt nach dem Aufwachen
Eine kurze Bewegungseinheit von 30 Sekunden einlegen – wie beispielsweise Kniebeugen oder leichte Dehnübungen
Für Kaffee-Profis: Wenn Sie an Kaffeetrinken gewöhnt sind, können Sie eine Tasse direkt vor dem Hinlegen trinken. Koffein braucht ungefähr zwanzig bis dreißig Minuten, bis es beginnt, im Körper zu wirken. Damit setzt die wachmachende Wirkung genau zum Ende des Mittagsschlafs ein.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Die Motivation der Schüler, den PISA-Test zu absolvieren – der nicht benotet wird –, scheint in mehreren Ländern zu sinken. - Foto: Jean-François Fort/Hans Lucas via AFP via Getty Images
In Kürze:
Die PISA-Ergebnisse haben sich international verschlechtert – eine Ausnahme ist Estland.
Migration und soziale Medien erklären den Rückgang nur teilweise.
Hinterfragt wird, wie wichtig der PISA-Test für die 15-Jährigen ist – der keine Folgen für sie hat.
Ähnliche Tests mit 16- bis 19-Jährigen zeigen deutliche Verbesserungen der Teilnehmer.
Der Unterschied ist die Motivation: Die jungen Erwachsenen werden für ihre Teilnahme bezahlt.
Die PISA-Ergebnisse in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen bei 15-Jährigen haben deutlich nachgelassen. Doch andere Leistungstests bestätigen den Absturz nicht in gleichem Maße.
Forscher suchen nach einer Erklärung – und stoßen dabei auch auf die Frage, wie ernst Jugendliche einen Test nehmen, der keine Folgen für sie hat.
Ein deutlicher Rückgang
Der Rückgang ist international zu beobachten. Im Lesen ist das durchschnittliche PISA-Ergebnis seit 2018 um 28 Punkte gesunken. Das entspricht etwa anderthalb Jahren Lernfortschritt. In Mathematik entspricht der Rückgang etwa einem Jahr.
Länder wie Frankreich, Deutschland und die Niederlande verzeichnen ihre bisher niedrigsten Ergebnisse. In diesen Ländern ist der Anteil der 15-Jährigen, die grundlegende Kenntnisse in Leseverständnis und Mathematik nicht erreichen, auf fast jeden Dritten gestiegen.
An der Spitze stehen vor allem asiatische Bildungssysteme: Singapur, Taiwan, China, Südkorea und Japan. Estland ist das bestplatzierte europäische Land.
„Die Esten nehmen diese Prüfungen sehr ernst“, sagt Eve Eisenschmidt, Professorin für Bildungsmanagement an der Pädagogischen Hochschule Tallinn, gegenüber Epoch Times.
PISA wird von der OECD seit 2000 durchgeführt und untersucht unter anderem die Kompetenzen von 15-Jährigen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Ein allgemeiner Abwärtstrend begann 2018.
Wie viel des PISA-Rückgangs tatsächlich auf schlechtere Leistungen zurückgeht, ist nicht eindeutig.
Bildungsforscher Gabriel Heller Sahlgren weist auf zwei Auffälligkeiten hin: Zum einen zeigen andere, vergleichbare Leistungsmessungen keinen ebenso markanten Rückgang. Zum anderen sind die Veränderungen bei PISA in einigen Ländern innerhalb weniger Jahre ungewöhnlich groß.
In Dänemark beispielsweise sind die PISA-Ergebnisse im Lesen seit 2022 um das Äquivalent von anderthalb Jahren Lernzeit gesunken. Heller Sahlgren, der für das schwedische Institutet för Näringslivsforskning tätig ist, erklärt:
„Es ist nicht möglich, dass sich etwas in der Schule innerhalb von drei Jahren so stark verschlechtert hat.“
Auch zehn führende norwegische Sozialwissenschaftler kommen zu einem ähnlichen Schluss. Nationale Tests in Norwegen, die dieselben Inhalte wie PISA messen, zeigen keinen entsprechenden Einbruch. Das spreche dafür, dass bessere Messmethoden erforderlich sind, schreiben die Wissenschaftler in einem Gastbeitrag der Zeitung „Aftenposten“.
Migration erklärt den Rückgang nur teilweise
Eine allgemein anerkannte Ursache für die schlechteren Ergebnisse ist ein gestiegener Anteil neu zugewanderter Schüler.
In Ländern wie Deutschland und Schweden fallen die Ergebnisse deutlich besser aus, wenn nur Schüler mit einheimischem Hintergrund betrachtet werden. Eine Studie kommt etwa zu dem Ergebnis, dass Migration fast ein Drittel des Rückgangs in Schweden zu Beginn der 2000er Jahre erklären könnte.
Für die jüngste Entwicklung reicht diese Erklärung jedoch offenbar nicht aus. Auch Schüler mit einheimischem Hintergrund erzielten schlechtere Ergebnisse.
Eine naheliegende Erklärung ist die rasante Verbreitung sozialer Medien und die stark gestiegene Bildschirmzeit von Jugendlichen. Die intensive Nutzung digitaler Medien könnte insbesondere das Lesen verändern.
Heller Sahlgren verweist darauf, dass Digitalisierung und die intensive Handynutzung dazu führen können, dass längere Texte weniger konzentriert und stärker fragmentiert gelesen werden. Auch die OECD diskutiert den Zusammenhang von Mediennutzung und Aufmerksamkeitsspanne von Jugendlichen.
Eine weitere Ursache könnte überraschend banal sein: Die Motivation, den Test überhaupt ernst zu nehmen.
PISA-Ergebnisse fließen nicht in die Schulnoten der Teilnehmer ein. Für die Jugendlichen hat es deshalb normalerweise keine unmittelbaren Konsequenzen, ob sie eine Aufgabe richtig oder falsch beantworten.
„Vieles deutet darauf hin, dass sich die Prüfungsmotivation in mehreren Ländern verändert hat“, sagt Heller Sahlgren. Schüler könnten demnach weniger bereit sein, sich bei einer Prüfung anzustrengen, von der sie keinen persönlichen Vorteil erwarten. Der Forscher sagt weiter:
„Es gibt Anzeichen dafür, dass die Schüler keine Zeit für eine Prüfung aufwenden wollen, die für ihre Noten keine Rolle spielt. Der Anteil derjenigen, die falsch antworten, weil sie zu schnell antworten, steigt. In Schweden nimmt er lawinenartig zu.“
Auch in den OECD-Zahlen zeigt sich, dass immer mehr Schüler den Test besonders schnell ablegen und gleichzeitig ungewöhnlich viele Fehler machen. Von 2018 bis 2025 stieg dieser Anteil von 3,9 Prozent auf 11,1 Prozent.
Ein Teil der schlechten PISA-Ergebnisse könnte damit nicht auf einen entsprechenden Verlust von Wissen und Fähigkeiten zurückgehen, sondern darauf, dass Schüler weniger Energie in die Prüfung stecken.
Was finanzielle Anreize verändern können
Ein schwedisch-deutsches Forschungsteam untersuchte 2024 die Ergebnisse der Schüler im PISA-Test mit Ergebnissen in benotungsrelevanten Prüfungen. Sie stellten fest, dass Schüler sich bei PISA zwar „in hohem Maße angestrengt haben, sich jedoch noch mehr angestrengt hätten, wenn dies Auswirkungen auf ihre Note gehabt hätte.“ Eine der untersuchten Schülergruppen schnitt im Vergleich zu ihren Ergebnissen in den nationalen Prüfungen unterdurchschnittlich ab.
Ein weiteres Experiment liefert einen ähnlichen Hinweis. In einer Untersuchung des amerikanischen Forschungsinstituts National Bureau of Economic Research absolvierten einige chinesische und amerikanische Schulklassen einen PISA-Test. Einigen Schülern wurde mitgeteilt, dass sie – basierend auf ihrer Leistung – bezahlt würden, während andere keinen besonderen Anreiz erhielten.
In den USA erzielten die Schüler mit finanzieller Belohnung im Durchschnitt rund 20 Punkte mehr als diejenigen ohne finanziellen Anreiz. Das entspricht ungefähr einem Jahr Lernfortschritt. Bei den chinesischen Schülern gab es keinen Unterschied.
Heller Sahlgren hat sich insbesondere die Testergebnisse schwedischer 16- bis 19-Jähriger angesehen – also einer Altersgruppe, die etwas älter ist als die PISA-Teilnehmer. Er sagt:
„Es handelt sich um ungefähr dieselbe Art von Fragen, und bei PIAAC sehen wir eine deutliche Verbesserung von 2012 bis 2023.“
Der entscheidende Unterschied liegt in den Rahmenbedingungen: Die Teilnehmer an PIAAC erhalten für ihre Teilnahme 900 schwedische Kronen (rund 80 Euro). Der Test wird zu Hause unter Aufsicht eines Prüfers durchgeführt.
Der Vergleich ist kein Beweis dafür, dass finanzielle Anreize Testergebnisse verbessern. Er wirft jedoch die Frage auf, welchen persönlichen Stellenwert die Teilnehmer dem PISA-Test beimessen.
Bei PISA ist Estland ein auffälliges Gegenbeispiel zu vielen westeuropäischen Ländern. Das Land hatte bis 2006 ähnliche Ergebnisse wie das oft gelobte Finnland, seither überholt es sein Nachbarland, das gleichzeitig absackt.
Eve Eisenschmidt sieht einen Teil der Erklärung in kulturellen Faktoren. Sie sagte Epoch Times: „Bildung ist stark kulturell geprägt. Im Allgemeinen herrscht in Estland die Einstellung, dass man hart arbeiten muss. Wenn man etwas tut, dann macht man es ernsthaft.“
Nur ein sehr geringer Teil der Schüler breche die Prüfung ab. Auch historische Erfahrung spielen ihrer Einschätzung nach eine Rolle. Und weiter:
„Man muss auch unsere frühere lange Zeit der Besetzung durch eine fremde Macht berücksichtigen. Wir sagen oft, dass Bildung der Schlüssel zu einer besseren Zukunft ist.“
Hinzu kommen strukturelle Faktoren. Bildung habe in den vergangenen Jahren für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit an Bedeutung gewonnen. „Der Zusammenhang zwischen Bildung und Wirtschaft ist mittlerweile allgemein anerkannt.“ Außerdem gebe es Kooperationen zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor.
Als weitere Gründe nennt Eisenschmidt die weitgehende Autonomie der Schulen und den anspruchsvollen nationalen Lehrplan. „Bestimmte Lerninhalte der 5. Klasse in Estland werden in anderen Ländern erst in der 7. Klasse vermittelt. Dies bringt jedoch auch Herausforderungen und Stress mit sich.“
Bildungsdebatte gefordert
Eine eindeutige Erklärung für den internationalen PISA-Rückgang gibt es bislang nicht.
Bildungsforscher Gabriel Heller Sahlgren sagt, dass die ehrliche Antwort auf die Frage nach den Ursachen des PISA-Phänomens darin besteht, dass niemand wirklich Bescheid weiß.
Er hält deshalb die Diskussion über Schulreformen, die in vielen Ländern geführt werden, grundsätzlich für sinnvoll. Ein reformiertes Bildungssystem könnte Schülern auf unterschiedliche Weise dazu anregen, bessere Leistungen zu erbringen.
„Doch diese Reformen werden die Anreize, bei Tests zu bestehen, die keine Bedeutung haben, nicht beeinflussen.“
Kohlenhydrate aus Vollwertkost sind Teil einer ausgewogenen Ernährung. - Foto: ivandzyuba/iStock
In Kürze:
Kohlenhydrate aus verarbeiteten Brot- und Nudelprodukten sind Entzündungsauslöser.
Bezieht man sie hingegen aus nährstoffreichen Lebensmitteln können sie Entzündungen lindern.
Vollwertlebensmittel wie Süßkartoffeln, Hülsenfrüchte und Buchweizen sind nur wenige Beispiele für Kohlenhydrate, die Entzündungen entgegenwirken.
Drei einfache Rezepte können uns helfen, gesunde Kohlenhydratquellen zu genießen.
Einer der hartnäckigsten Mythen in der Ernährungswissenschaft ist, dass Kohlenhydrate von Natur aus entzündungsfördernd sind. Das entspricht nicht ganz der Wahrheit.
Süßkartoffeln, Hülsenfrüchte, Buchweizen – all diese nährstoffreichen Lebensmittel gelten als Kohlenhydratquellen. Und Kohlenhydrate aus Vollwertkost können Entzündungen laut Untersuchungen sogar lindern.
Zwei Gründe, warum Kohlenhydrate Entzündungen hemmen können
Ein wichtiger Grund ist ihr Ballaststoffgehalt. Eine höhere Zufuhr von Ballaststoffen steht mit einem geringeren Risiko für chronisch-entzündliche Erkrankungen in Verbindung. Diese Stoffe fördern unter anderem ein gesünderes Darmmikrobiom, was systemische Entzündungen verringern kann.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil einiger Kohlenhydrate ist resistente Stärke. Diese Art von Stärke gelangt unverdaut durch den Dünndarm in den Dickdarm, wo Darmbakterien sie vergären. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, das über verschiedene Stoffwechselwege im Körper entzündungshemmend wirkt.
Warum werden Kohlenhydrate manchmal pauschal als Entzündungsauslöser abgestempelt? Schuld daran seien stark verarbeitete und haltbargemachte Brot- und Nudelprodukte, sagte die ganzheitliche Ernährungsberaterin Jaz Robbins gegenüber Epoch Times. Diese seien es, die zu Entzündungen beitragen.
Wo man entzündungshemmende Kohlenhydrate findet
Wurzelgemüse
An erster Stelle steht das Wurzelgemüse – Süßkartoffeln, Sellerie, Pastinaken, Steckrüben. „Ich liebe Süßkartoffeln – sie sind wohltuend, farbenfroh und unglaublich vielseitig. Ihre natürliche Süße und ihr Fruchtfleisch machen jedes Gericht nährstoffreicher“, meinte die staatlich geprüfte Ernährungsberaterin Jessica Clancy Strawn zu Epoch Times.
Wie sie weiter erklärte, enthalten sie Ballaststoffe und Antioxidantien, die einen stabilen Blutzuckerspiegel unterstützen, oxidativen Stress reduzieren und entzündungshemmend wirken.
Kartoffeln, die in unserer Ernährung häufiger vorkommen und botanisch gesehen kein Wurzelgemüse, sondern Sprossknollen sind, enthalten ebenfalls viele Verbindungen, die bei Entzündungen helfen können. Dazu gehören unter anderem Ballaststoffe, resistente Stärke und Anthocyane – die natürlichen Verbindungen, die einigen Sorten ihre rote, violette oder blaue Farbe verleihen.
Auch Hülsenfrüchte wie Bohnen und Linsen sind reich an löslichen Ballaststoffen. Diese seien eines der wirksamsten entzündungshemmenden Lebensmittel, über die wir verfügen, sagte Clancy Strawn.
Dies ist dem hohen Gehalt an Polyphenolen (Tannine, Phenolsäuren, Flavonoide) zu verdanken, die nicht nur Entzündungen hemmen können, sondern auch antioxidativ wirken.
Buchweizen
Eine weitere gängige Art entzündungshemmender Kohlenhydrate sind Vollkornprodukte. „Buchweizen ist der Geheimtipp, von dem ich am meisten begeistert bin“, meinte Clancy Strawn.
Trotz des Namens ist Buchweizen kein Weizen. Es handelt sich um einen glutenfreien Samen, den man wie ein Getreide verwenden kann. Dadurch eignet er sich als Getreideersatz für Personen, die Gluten meiden. Außerdem enthält er den sekundären Pflanzenstoff Rutin, der dazu beiträgt, die Blutgefäße gesund zu erhalten und die Blutzirkulation zu fördern.
„Das ist besonders wichtig, da unser Gefäßsystem die Hauptverkehrsader ist, die Blut und Nährstoffe zu jedem Organ transportiert“, so die staatlich geprüfte Ernährungsberaterin weiter.
Quinoa
Auch Quinoa wird als Getreide behandelt, ist aber ebenfalls ein Samen. Seine Kombination aus Ballaststoffen und Eiweiß hilft, den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren. Das macht Quinoa zu einem hervorragenden entzündungshemmenden Grundnahrungsmittel.
Quinoa unterstützt zudem ein gesundes Gleichgewicht der Darmbakterien und der Darmschleimhaut, die beide eng mit Entzündungen im Körper verbunden sind.
3 einfache Rezepte, um gesunde Kohlenhydrate zu genießen
Letztendlich geht es nicht darum, Kohlenhydrate zu meiden. Vielmehr geht es darum, die Richtigen auszuwählen und sie als Teil einer ausgewogenen Ernährung zu genießen. Die folgenden Rezepte können als Inspirationsquelle dienen.
1. Eine Schüssel voller Energie
Eines der Lieblingsgerichte von Clancy Strawn ist eine Schüssel mit gerösteten Süßkartoffeln, Bohnen und Quinoa.Und so bereitet sie diese cremige, farbenfrohe Mahlzeit vor:
Süßkartoffeln rösten, bis sie karamellisiert sind.
Bohnen aus der Dose, vorgekochten Quinoa, Blattgemüse, Gurken und Kirschtomaten hinzufügen.
Mit einem Spritzer Zitrone, einem Löffel Hummus und einem Klecks ungesüßten griechischen Joghurts garnieren.
„Das ist genau die Art von Mahlzeit, die mir an einem hektischen Arbeitstag Energie gibt“, sagte sie.
2. Eine Bowl nach mediterraner Art
Ein weiteres einfaches Gericht ist eine Schüssel im mediterranen Stil. Die ganzheitliche Ernährungsberaterin Jaz Robbins verriet Epoch Times, wie sie sie zubereitet.
Grüne oder braune Linsen kochen.
Mit gehackten Tomaten, Gurken, roten Zwiebeln, Koriander (oder Petersilie) und Rucola ergänzen.
Nach Geschmack Feta hinzufügen.
Mit einem großzügigen Schuss nativem Olivenöl extra, Zitronensaft und einer Prise Knoblauch abrunden.
„Damit nimmt man entzündungshemmende Kohlenhydrate, Antioxidantien und gesunde Fette zu sich. Und es schmeckt köstlich“, so Robbins.
3. Mexikanisch inspirierte Kohlenhydratschüssel
Die australische Ärztin für Naturheilkunde, Jodi Duval, verfolgt einen eher mexikanisch inspirierten Ansatz.
Eine ganze Süßkartoffel rösten, bis sie karamellisiert ist.
Mageres Rinderhackfleisch aus Weidehaltung mit Knoblauch, Zwiebeln, Kreuzkümmel, Paprikapulver und Oregano anbraten.
Die Kartoffel mit dem angebratenen Rinderhack füllen.
Obendrauf schwarze Bohnen, Avocado, frischen Koriander, Tomatensalsa und Babyspinat verteilen.
Mit einem Spritzer frischer Limette, einem Klecks griechischen Joghurts und einer Handvoll Kürbiskerne servieren.
„Das ist eines der Lieblingsgerichte meiner Familie unter der Woche“, sagte sie.
Prof. Dr. Werner J. Patzelt. (Archivfoto) - Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times
Ein AfD-Politiker wurde erstmals zum Landtagspräsidenten gewählt. Mit den Stimmen der AfD war dies allein jedoch nicht möglich, so dass nun die Debatte über die Brandmauer neu entfacht wurde. Darüber sprachen wir mit dem Politikwissenschaftler Professor Dr. Werner J. Patzelt.
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Der neue Landtagspräsident Tobias Rausch selber sagte, er sei neben BSW-Stimmen auch mit Stimmen von der CDU gewählt worden. Was ist Ihre Einschätzung dazu?
Der neu gewählte Landtagspräsidenten bekam vier Stimmen mehr, als die AfD und das BSW zusammen haben. Wenn man nun nicht auf die Hypothese verfällt, dass der eine oder andere von den Grünen, von den Linken oder von den Sozialdemokraten den AfD-Kandidaten gewählt hat, dann bleibt nichts anderes übrig, als dass man vermutet, dass diese Stimmen von der Union kommen. Das ist eine ziemlich gut begründete Vermutung. Wir sollten außerdem nicht vergessen, dass anschließend auch noch ein umstrittener AfD-Politiker zum Vizepräsidenten gewählt wurde. Und während ein SPD-Politiker bei der Wahl zum Vizepräsidenten durchfiel, wurde ein CDU-Politiker gewählt. Also man müsste schon blind sein, wenn man hier nicht ein gewisses Zusammenspiel von Union und AfD bemerken wollte.
Mit Blick auf die Wahl zum Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt. Ulrich Siegmund gab sich zuletzt selbstbewusst und sagte, eine klare Entscheidung soll schon im ersten Wahldurchgang erfolgen. Durch die gestrige Wahl scheint das jetzt zumindest nicht mehr abwegig. Ist die Brandmauer jetzt gefallen?
Im Landtag von Sachsen-Anhalt ist sie gefallen. Bei der Wählerschaft ist sie auch gefallen. Und wenn man sich die Wählerwanderungsanalysen ansieht, stellt man fest, dass es schon lange keine Brandmauer mehr zwischen Wählern der Union und SPD zur AfD gibt. Seitens der Nichtwähler, die früher zu einem nennenswerten Teil Union oder SPD oder sonst was gewählt haben, hin zur AfD, gab es ohnehin noch nie eine Brandmauer. Im Übrigen ist die Brandmauer-Semantik ohnehin irreführend. Das, was man Brandmauer nennt, war ein strategischer Trick der Linken. Er sollte die Union davon abhalten, mit der AfD zusammenzuwirken und die Union an sich selbst als Sozialdemokraten oder Grüne zu ketten, wohl wissend, dass ein Mitte-Links-Kurs, die Union immer weiter nach unten zieht. Die Brandmauer ist in Wirklichkeit ein Sturmgeschütz zur Eliminierung der CDU aus dem deutschen Parteiensystem gewesen. Sollte die CDU das allmählich begreifen, wird sie sich dann auch anders verhalten.
Welches Szenario halten Sie für die Regierungsbildung und die Wahl eines Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt nunmehr für am wahrscheinlichsten?
Es spricht inzwischen einiges dafür, dass auch die ganzen Absprachen der nächsten zwei Monate zwischen AfD, Union und BSW Erfolg haben werden und die Wahl des Ministerpräsidenten Siegmund schon im ersten Wahlgang gelingen wird. Dafür brauche es gar nicht seinen neuerlichen Erpressungsversuch, bei dem er sagte, wenn er nicht im ersten Wahlgang Ministerpräsident wird, dann wird er nicht noch einmal kandidieren. Solche Erpressungsversuche sollte er ebenso unterlassen wie jene aus dem Wahlkampf, als er sagte: „Wenn es für die AfD keine absolute Mehrheit gibt, dann wird eben nicht regiert und die anderen sollen zusehen, wie sie weitermachen.“ Nein, die Wahrscheinlichkeit ist inzwischen ziemlich groß, dass der erste Wahlgang zur Wahl des Ministerpräsidenten führt. Dann warten wir gespannt darauf, wie die Ministerien zugeschnitten sein werden, wie sie besetzt werden und welche Politik dann tatsächlich durchgeführt wird.
SPD-Chef Lars Klingbeil sieht in der Wahl von Rausch einen Tabubruch und fordert eine Erklärung von CDU und BSW. Die Fraktionschefin der Linken, Heidi Reichinek, fordert von Friedrich Merz Konsequenzen. Welche Auswirkungen könnte die Entwicklung in Sachsen-Anhalt über die Landesebene hinaus haben?
Sollte mein Eindruck richtig sein, dass es ein informelles Zusammenwirken von AfD und Union bei der Wahl des Landtagspräsidenten, seiner Stellvertreter und demnächst des Ministerpräsidenten gegeben hat beziehungsweise geben wird, dann wird die wesentliche Konsequenz davon abhängen, ob die AfD-Landesregierung überzeugend regiert. Damit würden all jene Lügen gestraft, die behaupten, eine AfD-Regierung führe zur Faschisierung des Landes, zur Unregierbarkeit und dazu, dass niemand je wieder in Sachsen-Anhalt investieren will. Es hängt also von der AfD ab. Wenn die AfD aber, nachdem sie an die Macht in Sachsen-Anhalt gelangt ist, eine vernünftige Regierungstätigkeit entfaltet, dann wird es für die Union immer schwerer, der Bevölkerung glaubhaft zu machen, dass sie um keinen Preis mit der AfD zusammenwirken kann. Sobald die CDU diese Lage einsieht, wird sie sich womöglich doch dafür entscheiden, die Transaktionskosten und die Risiken einer Neuorientierung auf sich zu nehmen, die zu einer Zusammenarbeit mit der AfD führen, statt sich mit der SPD der 5-Prozent-Hürde weiter anzunähern.
Zum Schluss noch einmal auf den Punkt gebracht: Welche Bedeutung hat die erste erfolgreiche Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten für die deutsche Politiklandschaft aus Ihrer Sicht?
Um es platt zu formulieren: Auch die weiteste Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Der erste Schritt, nämlich einen AfD-Landtagspräsidenten in einem deutschen Bundesland zu haben, ist jedoch weit davon entfernt, die politischen Verhältnisse in Deutschland zu verändern.
Warum sind wir hier? Und was erwartet uns, wenn unser Leben endet?
Tausende Menschen berichten von Erfahrungen an der Grenze zwischen Leben und Tod. Sie waren klinisch tot – ohne Puls und ohne Atem. Und doch kamen sie zurück und erzählen von Erlebnissen, die ihr Leben nachhaltig verändert haben.
Manche berichten, ihr gesamtes Leben noch einmal vor sich gesehen zu haben – jede Begegnung, je…
Für viele Jäger besteht der Reiz darin, die Natur bewusster wahrzunehmen und zu verstehen. - Foto: AndreaObzerova/iStock
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Auf der Messe Jagd & Angeln reicht das Angebot von Brauchtum und Natur bis hin zu moderner Technik.
Foto: Lynn Wu/Epoch Times
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Der kleine Junge hat sein eigenes Fernglas dabei. Wenn sein Vater Julian König draußen auf Rehe ansitzt, darf er manchmal mitkommen. Nachts, wenn es auf Schwarzwild geht, bleibt er zu Hause.
König ist 30 Jahre alt, Hufschmied und seit rund zehn Jahren Jäger. Etwa zweimal in der Woche geht er zur Jagd. Was ihn daran fasziniert, ist zunächst das Draußensein.
Wer viele Stunden im Wald verbringe, nehme Dinge wahr, die anderen verborgen blieben: Tiere und Geräusche in der Nacht oder das Verhalten von Wildschweinrotten. Hinzu komme der Abstand zum Alltag. „Einfach diese Abgeschiedenheit draußen. Das ist schon einmalig“, sagt König.
Dass er auch seinen Sohn mitnimmt, hat einen Grund: Ihm sei wichtig, dass Kinder die Natur bewusster wahrnehmen und verstehen, dass Lebensmittel nicht selbstverständlich auf dem Tisch landen.
„Einfach diese Abgeschiedenheit draußen. Das ist schon einmalig“, sagt Julian König.
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Einige Stände weiter erzählt die 38-jährige Annette Riedel von einem anderen Reiz. Auf die Frage, was für sie das Besondere an der Jagd sei, muss sie nicht lange überlegen: „Die Gesellschaft.“
Entscheidend sei auch das, was nach der eigentlichen Jagd komme: das Zusammensein und die Begegnung mit Menschen, die ein gemeinsames Interesse verbinde. „Es ist wirklich wie eine zweite Familie“, sagt Riedel.
Immer mehr Jäger
Tatsächlich ist die Zahl der Jäger in Deutschland deutlich gestiegen. Im Jahr 2025 besaßen laut Deutschem Jagdverband 467.682 Menschen einen Jagdschein – rund 22 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Die Jagdfläche ist dagegen seit Jahren weitgehend konstant: 2025 umfasste sie rund 32 Millionen Hektar und damit etwa 89 Prozent der Fläche Deutschlands.
Auf der Jagd & Angeln, die vom 2. bis 4. Oktober im agra Messepark Leipzig stattfand, ließ sich diese Welt aus der Nähe betrachten. Rund 300 Aussteller und mehr als 150 Programmpunkte waren angekündigt. Der Veranstalter hatte vor der Messe mit mehr als 20.000 Besuchern gerechnet.
Auch Polo Palmen beobachtet Veränderungen. Er ist Präsident des Landesjagdverbandes Sachsen. „Es werden immer mehr Jäger“, sagt er im Gespräch auf der Messe. Zunehmend kämen Menschen aus Städten und ohne jagdlichen Hintergrund in der Familie hinzu. Auch der Anteil der Frauen wachse.
Die neuen Jäger seien häufig jünger und nutzten selbstverständlich soziale Medien. In den Verbänden sei der Altersdurchschnitt zwar weiterhin relativ hoch, „aber es kommen viele Junge nach“.
Als wichtiges Motiv sieht Palmen den Wunsch nach Naturverbundenheit. Es gehe nicht unbedingt darum, etwas zu schießen oder zu erlegen, sondern darum, zu erleben, „was da draußen passiert“, und Teil davon zu sein.
Ein Brauchtum über Generationen
Für Kerstin Schwandtke und Marcel Fabian aus Brandenburg gehört die Jagd seit Jahrzehnten zum Familienleben.
Beide jagen seit 29 Jahren. Schon Vater und Schwiegervater waren Jäger, inzwischen haben auch die eigenen Kinder einen Jagdschein. Die jüngste Tochter ist 18 Jahre alt. „Wir sind wirklich eine relativ große Jagdfamilie inzwischen“, sagt Schwandtke.
Dabei gehe es ihnen nicht allein um die Jagd selbst. In ihrer Jägerschaft in Bad Freienwalde pflegen sie bewusst das jagdliche Brauchtum – vom Jagdhornblasen bis zur Arbeit mit Jagdhunden.
Auch Fabian verbindet mit der Jagd, ähnlich wie König, vor allem das Draußensein. Er genieße die Ruhe und höre „dem Schauspiel der Natur“ zu. Das eigentliche Jagen und „Beutemachen“ mache dagegen nur einen vergleichsweise kleinen Teil aus.
Zum traditionellen Verständnis der Jagd gehört für das Paar auch, das erlegte Wild zu verwerten. Rehrücken und Hirschkeule verarbeiten sie in ihrem Schlachthaus und vermarkten sie selbst.
„Diesem Wild nachzustellen und es sich zu entnehmen, um dann auch letztendlich ein ordentliches Lebensmittel zu haben, ist schon viel, viel wert“, sagt Fabian.
Für Kerstin Schwandtke und Marcel Fabian ist die Jagd ein über Generationen weitergegebenes Brauchtum.
Foto: Lynn Wu/Epoch Times
Zugleich engagiert sich das Paar mit seinem Verein für die Rettung von Rehkitzen. Dabei kommt moderne Technik zum Einsatz.
Bevor Landwirte ihre Wiesen und Felder mähen, suchen vier Teams die Flächen mit Wärmebilddrohnen ab. Im vergangenen Frühjahr hätten sie auf rund 4.500 Hektar mehr als 200 Kitze gefunden und vor der Mahd in Sicherheit gebracht.
So verbindet sich bei Schwandtke und Fabian etwas sehr Altes mit etwas sehr Neuem: Das Brauchtum, das sie von der älteren Generation übernommen haben, geben sie an ihre Kinder weiter – während Wärmebilddrohnen längst zum jagdlichen Alltag gehören.
Ob ihre Enkel eines Tages ebenfalls Jäger werden?
„Durchaus möglich“, sagt Fabian. „Wäre wünschenswert.“
Jagen lernen in der Jagdschule
Während die Jagd bei Schwandtke und Fabian innerhalb der Familie weitergegeben wird, lernen andere sie heute in einer Jagdschule kennen.
Max Körbis betreibt im Raum Leipzig die Jagdakademie Körbis. Auch seine eigene Verbindung zur Jagd begann früh: Sein Großvater war Jäger und nahm ihn schon in seiner Kindheit mit auf die Jagd. Heute bildet Körbis selbst angehende Jäger aus.
Einmal im Jahr bietet Körbis einen Intensivkurs mit höchstens zwölf Teilnehmern an.
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Sein Intensivkurs dauert zwei Wochen. Nach seinen Angaben müssen die Teilnehmer mindestens 120 Ausbildungsstunden absolvieren; bei ihm seien es meist etwa 140. Anschließend folgen weitere Wochen zum Lernen und Üben, bevor Schießprüfung, schriftliche und mündliche Prüfung anstehen.
Einmal im Jahr bietet Körbis einen solchen Kurs für höchstens zwölf Teilnehmer an. Hauptberuflich arbeitet er als Dachdeckermeister.
Dabei will er nicht nur Prüfungswissen vermitteln. Ihm geht es auch um Traditionen, die er selbst durch seinen Großvater kennengelernt hat. „Es geht nicht immer alles ums Totschießen“, sagt er. Er möchte Jäger ausbilden, die dieses Brauchtum weitertragen.
Vom Holzschaft zur Wärmebildtechnik
Wenige Meter weiter zeigt sich eine andere Seite der Jagd. Auf den Tischen liegen Gewehre, darüber Optiken, daneben Zubehör.
Frank Balkenhol ist Verkaufsleiter beim Waffengroßhändler Albrecht Kind. Das Unternehmen wurde 1853 gegründet und steht damit selbst in einer langen Tradition des deutschen Waffen- und Jagdhandels.
Balkenhol zeigt zunächst eine Einstiegswaffe und dann das andere Ende des Preisspektrums. Bei einem hochwertigen Modell koste allein die Grundwaffe knapp 5.000 Euro. Mit Zielfernrohr und Schalldämpfer könne eine solche Ausstattung auf 8.000 bis 9.000 Euro kommen.
Doch moderne Jagdtechnik beschränkt sich längst nicht auf Gewehr und Zielfernrohr. Ferngläser sowie Nachtsicht- und Vorsatzgeräte gehören ebenfalls zum Sortiment. Gerade Langwaffen und entsprechende Vorsatztechnik würden derzeit stark nachgefragt, sagt Balkenhol.
So stehen auf der Messe Jagdhorn und Wärmebildkamera, Holzschaft und moderne Optik, überliefertes Brauchtum und Hightech unmittelbar nebeneinander.
Zur Jagdausbildung gehört auch ein verantwortungsbewusster Umgang mit Waffen.
Foto: Lynn Wu/Epoch Times
Landesjagdpräsident Palmen betont zugleich die Ausbildung im Umgang mit Waffen. Zur Jagdausbildung gehörten praktische und theoretische Bestandteile – vom Schießen über Tierarten und Wildkrankheiten bis hin zu Pflanzen und Jagdzeiten.
Jäger seien im Umgang mit Waffen ausgebildet und müssten sich an klare Regeln halten, sagt Palmen. Dazu gehörten insbesondere Vorschriften zur sicheren Aufbewahrung, deren Einhaltung auch kontrolliert werde. Nach seiner Einschätzung gehe von Jägern nur eine geringe Gefahr aus; Probleme seien vor allem mit illegal besessenen Waffen verbunden.
Auch nach der Prüfung setze der Verband auf Weiterbildung. Dafür stelle die Landesjagdakademie den angeschlossenen Kreisjagdverbänden unter anderem Dozenten zur Verfügung.
Jagd als Werkzeug
Eine weitere Funktion der Jagd beschreibt Stefan Naumann. Der ausgebildete Förster arbeitet im Raum Mittelsachsen und ist nach eigenen Angaben für rund 8.000 Hektar zuständig. Auf der Messe hilft er am Stand der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die mit einem Waldmobil Umweltbildung anbietet.
Naumann spricht über die Jagd anders als die zuvor Zitierten. Für ihn ist sie auch ein „Werkzeug“.
Wenn Waldbestände verjüngt und junge Bäume gepflanzt werden, müsse der Wildbestand so reguliert werden, dass die Pflanzen eine Chance hätten, aufzuwachsen. Neben Sachsenforst seien daran viele Freizeitjäger beteiligt, die diese Aufgabe „sehr gewissenhaft und gut“ erledigten.
Seine eigene Aufgabe beschreibt Naumann mit einem Augenzwinkern als die eines „Waldpolizisten“. Er achte darauf, dass Waldbesucher die Regeln einhalten und Waldbesitzer ihren Pflichten nachkommen, ihre Bestände pflegen und wieder aufforsten.
„Waldpolizist“ Stefan Naumann ist für rund 8.000 Hektar Wald zuständig.
Foto: Lynn Wu/Epoch Times
Eine Kunst für sich
Auch die Präparation gehört zur traditionellen Welt der Jagd. Uwe Bauch begann nach eigener Aussage bereits mit 14 Jahren damit.
Wie aufwendig eine Präparation ist, hängt stark vom Tier ab. Manche Arbeiten dauerten nur wenige Stunden, an anderen arbeite er über Monate. In den USA habe er sogar schon Elefanten präpariert.
Dass Menschen Tiere noch heute präparieren lassen, erklärt Bauch nicht allein mit der Erinnerung an eine Jagd. Ihm gehe es darum, das Tier möglichst lebensecht darzustellen und etwas von seinem Wesen zu bewahren. „Es geht nicht um meine Arbeit“, sagt Bauch. Entscheidend sei, „die Message, die der Vogel in sich trägt, weiterzureichen“.
Uwe Bauch wurde für seine Präparationsarbeiten mehrfach international ausgezeichnet.
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Traditionelles Handwerk findet sich auf der Messe auch abseits der Jagd. Der Holzschnitzer Ronny Schubert erzählt, dass seiner Familie seit 1953 ein Wald gehöre und sich aus dem Umgang schließlich sein Handwerk entwickelt habe.
2010 begann er mit einem geschnitzten Pilz. Ein Nachbar wollte ebenfalls einen, später auch dessen Verwandte – aus den ersten Einzelstücken entwickelte sich langsam ein Geschäft.
Tische, Stühle, Nistkästen und andere Holzarbeiten fertigt er inzwischen allein und nach Kundenwunsch.
Tische, Stühle, Nistkästen und andere Arbeiten fertigt Ronny Schubert aus dem Holz seines eigenes Waldes.
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Ein Stück gelebter Kultur
Zur Jagd gehören schließlich auch die Jagdhörner. An einem Stand mit handgefertigten Instrumenten probiert Annette Riedel ein neues Mundstück aus. Ihr altes sei inzwischen stark beansprucht.
Riedel lebt in einem Dorf zwischen Riesa und Torgau. Dort erlebt sie die Jagd als ein Stück Kultur, das nicht im Museum bewahrt wird, sondern im Alltag weiterlebt.
Wenn die Jäger zurückkehren, die Jagdhörner erklingen und Dorfbewohner fragen, ob es Wildbret gibt, gehört die Jagd für sie bis heute zum gemeinsamen Leben.
Annette Riedel testet ein neues Mundstück für ihr Jagdhorn.
Foto: Lynn Wu/Epoch Times
„Der Mensch ist ja von Urzeiten her Jäger“, sagt Marcel Fabian. „Also dieser Instinkt ist bis heute bei einigen extrem stark ausgeprägt. Nur werden die Techniken heute natürlich viel, viel moderner.“
Das sibirische Biolabor, das im Mittelpunkt eines mutmaßlichen Pesttodes steht, ist von mehreren stark frequentierten Geschäften, Krankenhäusern, kommunalen Gebäuden und Schulen umgeben. Grafik: The Epoch Times
In Kürze:
Das sibirische Anti-Pest-Institut, bei dem ein vermuteter Fall von Lungenpest aufgetreten war, liegt mitten im Stadtgebiet von Irkutsk.
Laut der russischen Gesundheitsbehörde wurden in den vergangenen zehn Tagen keine Infektionskrankheiten unter den Mitarbeitern des Instituts gemeldet.
US-Außenminister Marco Rubio sagte: „Ich halte es nicht für alarmierend, aber es ist wichtig, aufmerksam zu sein und ein Auge darauf zu haben. Und genau das tun wir.“
Das biologische Labor, das international Aufmerksamkeit erregte, nachdem dort ein Verdachtsfall von Lungenpest aufgetreten war, liegt mitten in einer dicht besiedelten Stadt in Sibirien – in unmittelbarer Nähe zu einem Supermarkt und einem Kindergarten.
Die Lungenpest zählt neben der Beulenpest zu den bekanntesten Formen der Pest, die als Schwarzer Tod im 14. Jahrhundert weite Teile Eurasiens heimsuchte und Millionen Menschen das Leben kostete. Besonders gefürchtet ist die Lungenpest: Unbehandelt verläuft sie laut Weltgesundheitsorganisation tödlich. Heute lässt sich die Erkrankung mit Antibiotika behandeln, sofern sie rechtzeitig erkannt wird. Zu den möglichen Symptomen gehören Fieber, Atemnot und blutiger Auswurf.
Das „sibirische St. Petersburg“
Irkutsk liegt rund 4.200 Kilometer Luftlinie von Moskau entfernt, unmittelbar nördlich der Grenze zur Mongolei. Das Klima der Region ist gemäßigter als in weiten Teilen Sibiriens, was unter anderem auf den Einfluss des Baikalsees im Südosten zurückzuführen ist.
Auf den von Bäumen gesäumten Gehwegen der Stadt sind Jugendliche unterwegs, Familien verbringen Zeit in den öffentlichen Parks, und Touristen besuchen Denkmäler und Museen. Moderne Gebäude stehen neben historischen Bauten aus der Gründungszeit der Stadt im 17. Jahrhundert. Dazwischen finden sich zahlreiche Relikte aus der Sowjetzeit.
Straßenbahnlinien durchziehen das architektonisch vielfältige „sibirische St. Petersburg“, das durch den Fluss Angara in zwei Teile geteilt wird. Die Stadt zählt rund 605.000 Einwohner, vergleichbar mit Dortmund, Leipzig oder Stuttgart.
Hier befindet sich auch das Irkutsker Institut für Pestbekämpfung in Sibirien und im Fernen Osten. Das Institut widmet sich der Erforschung von Pestbakterien und steht nun unter internationaler Beobachtung, nachdem eine Mitarbeiterin an einer Lungenentzündung unbekannter Ursache gestorben ist.
Russische Behörden sagen, dass die Situation unter Kontrolle sei. Was wissen wir darüber?
Wo liegt Irkutstk? Grafik: The Epoch Times
Irkutsker Anti-Pest-Institut
Das Institut liegt im östlichen Teil von Irkutsk und ist von einem Zaun umgeben, der den größten Teil des Geländes umschließt.
Das 1934 zur Bekämpfung der Pest gegründete Institut beschäftigt 95 wissenschaftliche Mitarbeiter, darunter 13 Ärzte, und hat den Auftrag, vor Epidemien, einschließlich Pestepidemien, zu schützen.
Die Pest ist eine Krankheit, die durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht wird. Sie wird in der Regel durch Bisse infizierter Nagetierflöhe übertragen, wobei die Lungenpest auch von Mensch zu Mensch übertragbar ist.
Der Eingang zum Gelände des Anti-Pest-Instituts in der Stadt Irkutsk am 6. Oktober 2026.
Foto: AFP via Getty Images
Die WHO beschreibt die Lungenpest als eine seltenere, aber schwerwiegende Form der Pest.
„Die Pest kann eine sehr schwere Krankheit bei Menschen sein, mit einer Fallsterblichkeit von 30 bis 60 Prozent für die Beulenpest, und sie ist immer tödlich für die Lungen- und septikämischen Formen, wenn sie unbehandelt bleibt“, heißt es auf der Website der Weltgesundheitsorganisation.
Nach Angaben des US-Gesundheitsinstituts NIH weist die Lungenpest eine Reproduktionszahl von etwa 1,3 bis 1,44 auf. Das bedeutet, dass jede an Lungenpest erkrankte Person im Durchschnitt etwas mehr als eine weitere Person ansteckt. Diese niedrige Reproduktionszahl ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass eine Ansteckung mit Lungenpest meist längeren, engen Kontakt von Angesicht zu Angesicht voraussetzt.
Ein Blick auf die Umgebung des Instituts in Irkutsk zeigt, dass es unmittelbar von stark frequentierten Geschäften, einem Krankenhaus, einem Kindergarten und städtischen Einrichtungen umgeben ist.
Am nächsten zum Institut selbst liegt der Slata-Supermarkt. Auf Google Earth sind ein Dutzend Autos auf dem Parkplatz des Supermarkts zu sehen, der an den Zaun des Instituts grenzt.
Im Nordosten wird das Labor von einem Hotel und einem Kindergarten flankiert, die sich in einer relativ großen, umzäunten Anlage befinden.
Im Norden befindet sich ein städtisches Krankenhaus. In den Straßen rund um dieses Krankenhaus stehen Imbissstände, an denen sich Menschen unterhalten, alte Damen auf Bänken sitzen und Familien, Gruppen und Einzelpersonen spazieren gehen.
Entlang seines westlichen Eingangs grenzt das Institut an die Bezirksstaatsanwaltschaft, eine Polizeiwache, einen Blumenladen, ein weiteres Hotel und einen Friseur.
Spekulationen über einen Pestausbruch
Russische Beamte haben versucht, Gerüchte und Spekulationen über einen Pestausbruch in der Region zu entkräften, so auch Kremlsprecher Dmitri Peskow am 5. Oktober auf einer Pressekonferenz.
„Man sollte sich an den offiziellen Erklärungen von Rospotrebnadsor orientieren und nicht auf verschiedene Gerüchte, Spekulationen und dergleichen hören“, sagte Peskow und verwies auf die russische Verbraucher- und Gesundheitsaufsichtsbehörde. „Es gibt Rospotrebnadsor, wo hoch qualifizierte Fachleute auf diesem Gebiet tätig sind. Hören wir auf ihre offiziellen Erklärungen.“
Eine Frau geht am 5. Oktober 2026 mit einem Hund am Hauptsitz der russischen Verbraucher- und Gesundheitsaufsichtsbehörde Rospotrebnadsor in Moskau vorbei.
Foto: Igor Ivanko/AFP via Getty Images
Die USA erklärten, dass sie die Lage beobachten. „[Die Gesundheitsbehörde CDC] beobachtet die Lage gemeinsam mit dem Außenministerium und unseren anderen behördenübergreifenden Partnern sehr genau“, teilte ein Sprecher des US-Gesundheitsministeriums, der übergeordneten Behörde der CDC, der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times in einer E-Mail mit. „Die Sicherheit der US-Bürger hat für uns höchste Priorität.“
Russische Behörden haben die Identität der verstorbenen Laborangestellten nicht bekannt gegeben, und ihre Todesursache wurde bislang nicht bestätigt. Es ist auch unklar, wann die Mitarbeiterin gestorben ist. Die Behörden bestritten, dass der Tod der Mitarbeiterin mit ihrer Arbeit im Institut in Verbindung stehe.
Am 5. Oktober veröffentlichte Igor Kobsew, Gouverneur der Region Irkutsk, eine Erklärung auf Telegram, in der er mitteilte, Untersuchungen hätten ergeben, dass „in den Biopsieproben der Frau keine Mikroorganismen gefunden wurden, die mit ihrer beruflichen Tätigkeit in Zusammenhang stehen“.
„Die Todesursache war eine Lungenentzündung unbekannter Ursache“, schrieb Kobsew. Er fügte hinzu, dass diese Mitarbeiterin der einzige bekannte Fall aus dem Institut sei. „Wichtig ist, dass in den letzten Tagen keine neuen Fälle von Mitarbeitern des Anti-Pest-Instituts festgestellt wurden, die ärztliche Hilfe in Anspruch genommen haben.“
Laut einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur „Interfax“ vom 4. Oktober gaben die russischen Gesundheitsbehörden an, Maßnahmen ergriffen zu haben, um eine weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern.
Dazu habe laut Gesundheitsbehörde auch die Ermittlung „des größtmöglichen Kreises von Personen, die Kontakt mit der Patientin hatten“, gehört.
Tests unter Personen, die mit ihr Kontakt hatten, ergaben zwei COVID-19-Fälle und zwei Rhinovirus-Infektionen. Laut Rospotrebnadsor wurden in den vergangenen zehn Tagen keine Infektionskrankheiten unter den Mitarbeitern des Instituts gemeldet.
Maxim Modin, Bürgermeister des Bezirks Schelechow, sagte am 2. Oktober, dass das dortige Bezirkskrankenhaus unter Quarantäne gestellt worden sei und keine Patienten mehr aufnehme oder entlasse. Das Krankenhauslabor könne vorerst keine Routinetests durchführen. Die Ambulanz des Krankenhauses arbeite weiterhin wie gewohnt, sagte er.
Kobsew schrieb am selben Tag in einem Beitrag auf Telegram, dass alle identifizierten Kontaktpersonen der betroffenen Person unter ärztlicher Aufsicht stünden, keine Krankheitsanzeichen zeigten und negativ auf die Krankheit getestet worden seien.
Das Aluminiumwerk Irkutsk in Schelechow verlange vorsorglich das Tragen von Masken, schrieb der Direktor des Werkes am Wochenende in einem Telegram-Beitrag.
Viele Fragen sind offen, während die internationale Gemeinschaft Klarheit über die Situation in Russland sucht.
Ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte am 5. Oktober gegenüber der Epoch Times, dass die USA von Berichten über „einen tödlichen Fall einer mutmaßlichen Lungenpest“ in Irkutsk Kenntnis hätten und die Lage genau beobachteten.
„Viele Details wurden noch nicht bestätigt. Wir ermutigen die russischen Behörden, genaue Informationen schnell und offen zu teilen“, sagte der Sprecher des Außenministeriums.
US-Außenminister Marco Rubio informierte am 5. Oktober in Maryland Reporter über das Thema. „Es gibt Bedenken, dass [die Krankheit] sich zumindest im Inland [in Russland] ausgebreitet haben könnte; man hat gesehen, dass sie Quarantänemaßnahmen dieser und jener Art ergriffen haben“, sagte er.
„Der Reiseverkehr zwischen den USA und Russland ist natürlich sehr begrenzt. Aber wie bei allem anderen gilt: Wenn so etwas bekannt wird, kann es sich schnell ausbreiten. Deshalb beobachten und überwachen wir die Lage genau.“
Rubio fügte hinzu: „Ich halte es nicht für alarmierend, aber es ist wichtig, aufmerksam zu sein und ein Auge darauf zu haben. Und genau das tun wir.“
Verpackungen könnten in Zukunft teurer werden, wenn der Kunststoffanteil mehr als fünf Prozent beträgt. - Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
In Kürze:
Die Steuer soll im Juli 2027 eingeführt werden.
550 Euro soll eine TonneKunststoffverpackungen kosten.
Die Deutsche Umwelthilfe will eine Ausweitung auch auf andere Verpackungsmaterialien.
Verbände fordern ein geordnetes und transparentes Verfahren.
Die Zoll- und Finanzgewerkschaft kritisiert Unklarheiten im Gesetzesentwurf.
Plastikverpackungen könnten für Unternehmen bald deutlich teurer werden: Die Koalitionsfraktionen aus CDU/CSU und SPD im Bundestag planen eine neue Steuer auf Kunststoffverpackungen. Ab Juli 2027 sollen für jede Tonne Kunststoff in Verpackungen 550 Euro fällig werden.
Das geht aus einem Entwurf für ein „Kunststoffverpackungsteuergesetz“ hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Er basiert auf einem Beschluss der Bundesregierung vom vergangenen Juli. Zuvor hatte die „Welt“ berichtet.
1,5 Milliarden Euro Einnahmen ab 2028
Das kursierende Papier stammt aus dem Umwelt- und Finanzministerium. Die Bundesregierung will vor der Einbringung noch die Inhalte des Entwurfs abstimmen. Im Gesetzentwurf heißt es:
„Mit der Einführung einer Verbrauchsteuer auf Kunststoffverpackungen sollen Anreize geschaffen werden, den Verbrauch von Kunststoffverpackungen zu verringern.“
Demnach fielen 2023 rund drei Millionen Tonnen Kunststoffverpackungsabfälle an.
Zudem sollen durch das Gesetz zusätzliche Einnahmen für den Bundeshaushalt generiert werden. Schon für 2027 rechnet der Bund mit zusätzlichen Steuereinnahmen von 805 Millionen Euro. Ab 2028 sollen die Mehreinnahmen den Prognosen zufolge bei knapp 1,5 Milliarden Euro jährlich liegen.
Was fällt unter die Plastiksteuer?
Steuerpflichtig sollen dem Entwurf zufolge Kunststoffverpackungen und -folien sowie Verbundverpackungen sein, wenn deren Kunststoffanteil mehr als fünf Prozent beträgt.
Erfasst werden damit unter anderem Folien, Transport- und Verpackungsmittel, Verschlüsse, Deckel und Kunststoffkapseln. Die Steuer soll bei der Herstellung, dem Verbringen oder der Einfuhr der entsprechenden Verpackungen anfallen.
Die Koalition rechnet zunächst mit der Versteuerung von rund drei Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen pro Jahr. Diese Menge dürfte im Laufe der Zeit zurückgehen, heißt es in der Begründung des Gesetzentwurfs.
Für Verpackungen aus recyceltem Kunststoff kann die Steuer auf Antrag entfallen. Privatpersonen bleiben bei der Weitergabe der betroffenen Produkte steuerfrei.
Die Deutsche Umwelthilfe begrüßt den Ansatz. Eine Sprecherin der Organisation fügte hinzu:
„Allerdings muss sichergestellt werden, dass die Kunststoffverpackungssteuer auf Einwegverpackungen beschränkt bleibt und keinesfalls auf Mehrweg erhoben wird.“
Um eine Verlagerung auf andere Verpackungsmaterialien zu verhindern, sollte die Verbrauchsteuer nach Ansicht der Umwelthilfe auf Papier, Pappe und Karton sowie auf Metalle wie Aluminium und Weißblech ausgeweitet werden.
Kritik kommt vom Kunststoffverband Plastics Europe Deutschland. Der Gesetzentwurf lasse wichtige Fragen zur Umsetzung der Steuer offen.
Es handle sich nicht um ein „ausgereiftes Gesetz, sondern ein nationales Steuerexperiment“, sagte die Hauptgeschäftsführerin Christine Bunte. Auch enthalte der Entwurf einen „bemerkenswerten Widerspruch“. So kalkuliere die Regierung zwar mit bis zu 1,5 Milliarden Euro Steuereinnahmen und fast 800 zusätzlichen Stellen beim Zoll, „nennt aber an keiner Stelle die Zahl der Unternehmen, die tatsächlich steuerpflichtig werden sollen“.
Offen sei zudem, welche Kunststoffverpackungen betroffen wären. Treffen könne es hauptsächlich Produkte, die etwa aus Gründen des Produktschutzes, der Hygiene oder der Haltbarkeit in Kunststoffen verpackt seien.
Unklar sei außerdem, welche Ausnahmen es geben könnte. Die Steuer werde auch die Verbraucher belasten, heißt es weiter. Die Verbände schätzen, dass Haushalte jährlich mit etwa 50 Euro an Mehrkosten rechnen müssten.
Die Liste derer, die die Steuer kritisch sehen, ist lang. Der Handelsverband Deutschland (HDE) sieht in ihrer Einführung einen Widerspruch zu den Umweltzielen.
In einer Stellungnahme verweist der Verband dabei auf eine Studie, deren Ergebnisse das Umweltbundesamt (UBA) im vergangenen Jahr veröffentlichte. Die Behörde war auch Auftraggeberin der Untersuchung.
So seien „Lenkungseffekte“ hin zu anderen Verpackungsmaterialien möglich. Dies sei „problematisch“, weil diese dann – unversteuert – vorgezogen werden könnten, obwohl ihre Ökobilanz „teils sogar schlechter“ ausfallen könnte.
Verbände schreiben an Kanzleramtschefin Warken
Zudem wird die Art der Gesetzgebung kritisiert. In einem Eilschreiben an Kanzleramtschefin Nina Warken (CDU) vom 2. Oktober fordern acht Verbände die Einstellung des „Schnellverfahrens“.
Stattdessen sprechen sie sich für ein „geordnetes und transparentes Verfahren“ aus, so wie es bislang üblich gewesen sei. Sie wiesen darauf hin, dass „neue Verbrauchsteuern“ stets „in eigenständigen Gesetzgebungsverfahren behandelt“ worden seien. Und weiter:
„Das beabsichtigte Vorgehen wäre daher ein beispielloses Schnellverfahren und für die Einführung eines vollständig neuen, bürokratie- und vollzugsintensiven Steuerregimes nicht sachgerecht.“
Warken solle darauf hinwirken, „dass eine Formulierungshilfe zur Plastiksteuer erst dann dem Deutschen Bundestag zugeleitet wird, wenn ein vollständiger und begründeter Gesetzentwurf vorliegt und die fachlich betroffenen Bundesministerien ordnungsgemäß beteiligt worden sind“.
Auch müssten zuvor „die wirtschaftlichen, administrativen und ökologischen Folgen belastbar unter Einbeziehung des Nationalen Normenkontrollrats geprüft“ werden. Die Absender mahnten zudem eine „angemessene parlamentarische Beratung unter Beteiligung der zuständigen Ausschüsse und von Sachverständigen“ an.
Zu den Unterzeichnern gehört als branchenfremder Verband auch die Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft (BDZ). Wie bei Verbrauchsteuern üblich, müsste der Zoll die Abgabe umsetzen. BDZ-Bundesvorsitzender Thomas Liebel kritisierte, dass „nicht einmal klar definiert ist, was überhaupt besteuert werden soll“. Allein die Einrichtung der digitalen Infrastruktur könne etwa ein Jahr dauern.
Bereits seit 2021 gibt es eine EU-weite Plastikabgabe. Sie wurde vor allem als Finanzierungsinstrument für den EU-Haushalt eingeführt.
So zahlen die Mitgliedstaaten der Europäischen Union 80 Cent pro Kilogramm nicht recycelter Kunststoffverpackungsabfälle. Deutschland hat diese Zahlung bislang aus dem Bundeshaushalt geleistet. Diese Abgabe soll nun durch die Einführung der nationalen Plastiksteuer geleistet werden. Im Haushalt 2027 sind rund 1,26 Milliarden Euro dafür eingeplant.
Außerdem gibt es hierzulande seit 2024–2025 den sogenannten Einwegkunststofffonds. Hersteller bestimmter Einwegkunststoffprodukte müssen dafür Abgaben zahlen. Dies gilt etwa für To-go-Verpackungen, Getränkebecher, Tüten und Folien. Ab 2027 kommen überdies kunststoffhaltige Feuerwerkskörper hinzu.
Andere EU-Länder haben bereits nationale Plastiksteuern eingeführt. Dazu gehört beispielsweise Spanien, das seit 2023 je Kilogramm 45 Cent auf nicht wiederverwendbare Kunststoffverpackungen erhebt.
In Portugal und in Litauen gibt es ebensolche Abgaben. In Großbritannien kassiert der Fiskus seit April 2022 eine Steuer auf Kunststoffverpackungen mit weniger als 30 Prozent Recyclingkunststoff.
Der bereits erwähnte Kunststoffverband weist auf seiner Internetseite darauf hin, dass das erhoffte Ziel der Steuer – mehr Recycling, weniger Verpackungsmüll – fraglich sei. So habe ein Gutachten aus dem Jahr 2026 keine eindeutigen Auswirkungen auf die Umwelt in diesen Ländern nachweisen können.
Brigadegeneral der Bundeswehr Christoph Huber nimmt am 4. Februar 2026 in Kaunas, Litauen, an einer öffentlichen Feierstunde anlässlich der Ausweitung des deutschen Militäreinsatzes in Litauen teil. Deutschland führt mit seiner 45. Panzerbrigade ein multinationales NATO-Kontingent in Litauen an. - Foto: Paulius Peleckis/Getty Images
„Russland führt einen Schattenkrieg gegen uns“, sagte am Montag, 5. Oktober, der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Martin Jäger, in einer öffentlichen Anhörung des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages. Der Chef des Auslandsgeheimdienstes warnte: „Deutschland ist in Gefahr, in einen gewaltsamen Konflikt mit Russland zu geraten.“
Von keinem anderen Land gehe derzeit eine so „direkte, umfassende und konkrete Bedrohung gegen Deutschland“ aus, wie von Russland, gab sich Jäger überzeugt. Er stellte auch klar, dass sein Auslandsgeheimdienst keine Hinweise darauf habe, dass Russland einen großangelegten Angriff auf das NATO-Gebiet plane.
Genau davon war in den vergangenen Wochen jedoch international zunehmend die Rede. „Plant Russland, die NATO anzugreifen?“, titelte am 24. September die britische Hauptstadtzeitung „The Times“. So oder ähnlich lauteten am selben Tag die fast gleichlautenden Schlagzeilen der „Financial Times“ und des „Guardian“: „Russland könnte innerhalb weniger Monate ein NATO-Land angreifen, so der dänische Geheimdienst.“
Die britischen Medien beriefen sich auf eine Veröffentlichung des dänischen Militärgeheimdienstes. Darin heißt es unter anderem, Russland stehe „unter Druck“ und sei bereit, „mehr Risiken einzugehen“. Es sei „äußerst unwahrscheinlich“, dass der russische Präsident Wladimir Putin bereit sein werde, bei seinen grundlegenden Kriegszielen in der Ukraine Kompromisse einzugehen.
Vielmehr gehe Moskau davon aus, „dass Europa schrittweise eigenständige militärische Fähigkeiten aufbauen“ werde, „die bis 2030 eine zunehmende Bedrohung für Russland darstellen“ würden.
„Für Russland bieten die kommenden Jahre daher ein Zeitfenster, in dem Präsident Putin zu dem Schluss kommen könnte, dass es das Risiko wert ist, zu versuchen, die Sicherheitsordnung in Europa drastisch zu verändern“, so der Geheimdienst aus Kopenhagen in seiner Risikoanalyse.
Am 1. Oktober reagierte der Kreml seinerseits mit einer Warnung an den Westen. Unter Hinweis auf die Exklave Kaliningrad (Königsberg) machte der russische Präsident Wladimir Putin deutlich, Russland werde „alle Waffen“ aus seinem Arsenal einsetzen, sollte ein Teil seines Staatsgebiets angegriffen werden.
Unabhängig davon, dass bislang kein NATO-Staat die Absicht geäußert hat, russisches Gebiet anzugreifen, wurde diese Androhung international so verstanden, dass Putin bereit sei, Atomwaffen einzusetzen. Ähnlich äußerten sich am 30. September mehrere russische Botschaften in Europa. Sie warfen in einer gemeinsamen Stellungnahme europäischen Staats- und Regierungschefs vor, „ein gefährliches Spiel zu spielen“, indem sie andeuteten, Russland könnte ein anderes Land angreifen.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) warnt seit über zwei Jahren vor einem Angriff Russlands auf NATO-Gebiet. Während einer Regierungsbefragung im Bundestag am 5. Juni 2024 forderte Pistorius: „Wir müssen bis 2029 kriegstüchtig sein.“
Seither wurde die Warnung, Russland könne bis Ende des Jahrzehnts in der Lage sein, NATO anzugreifen, mehrfach von deutschen Generälen, darunter dem Generalinspekteur Carsten Breuer, wiederholt. Die Einschätzung beruhe „auf nationalen und internationalen Aufklärungsinformationen von nachrichtendienstlichen und offenen Quellen“, zitiert der WDR eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums.
In seinen Ausführungen vor dem Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten des Europäischen Parlaments im Januar 2025 forderte NATO-Generalsekretär Mark Rutte die EU-Staaten nachdrücklich auf, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen. Er warnte: Wenn die europäischen Staaten ihre Militärausgaben nicht drastisch aufstocken, müssten die Bürger in vier oder fünf Jahren „ihre Russischkurse wieder hervorholen oder nach Neuseeland gehen“.
Rutte sagte dann im November 2025 gegenüber der spanischen Tageszeitung „EL PAÍS“: „Russland wird auch dann eine Bedrohung für Europa bleiben, wenn es in der Ukraine zu einem Friedensabkommen kommt.“
Doch am 30. September sagte der Generalsekretär gegenüber „Euronews“, dass er die nukleare Warnung Russlands in Bezug auf Kaliningrad nicht ernst nehme. Moskau versuche nur, von seinen Schwierigkeiten in der Ukraine abzulenken. „Es gibt derzeit keine unmittelbare Bedrohung für das NATO-Gebiet“, so Rutte.
Keine Ressourcen für einen weiteren Krieg
Der wissenschaftliche Mitarbeiter am New Europe College in Bukarest, Mihail Evans, stellte in einem Beitrag für das Magazin „Horizons“ des Belgrader Thinktanks Center for International Relations and Sustainable Development die Frage: „Verfügt das russische Militär – sei es heute oder zu irgendeinem Zeitpunkt in absehbarer Zukunft – über die Fähigkeit, einen Angriff auf einen NATO-Mitgliedstaat durchzuführen?“
Evans gab in dem Beitrag vom Sommer 2025 darauf gleich die Antwort: „In fast drei Jahren intensiver Kämpfe ist es den russischen Streitkräften nicht gelungen, Charkiw im Osten der Ukraine einzunehmen, geschweige denn die Hauptstadt Kiew.“ Allein um den geografisch „eher begrenzten Konflikt“ aufrechtzuerhalten, habe sich Putin gezwungen gesehen, Gefangene einzuziehen und nordkoreanische Truppen einzusetzen. Russland habe sogar Freiwillige aus Kuba, Syrien, Nepal, Indien und aus Zentralasien angeworben. Es gebe „große Schwierigkeiten, aus den Rekruten eine schlagkräftige Streitmacht zu formen“.
Fahnenträger der Bundeswehr führen am 22. Mai 2025 auf dem Domplatz in Vilnius, Litauen, die Appellzeremonie der 45. Panzerbrigade an. Bundeskanzler Friedrich Merz besucht Litauen anlässlich der offiziellen Aufstellung der ersten ständigen deutschen Militäreinheit im Ausland seit dem Zweiten Weltkrieg, die die Ostflanke der NATO gegenüber Russland stärken soll. Die „Litauen-Brigade“ besteht aus rund 4.800 Soldaten und 200 zivilen Bundeswehrmitarbeitern.
Foto: Petras Malukas/AFP via Getty Images
Sollte die Armee gezwungen sein, in großem Umfang auf Menschen in Ballungsräumen und aus der Mittelschicht zurückzugreifen, könnte es leichter zu Widerstand kommen, ist Evans überzeugt und erinnert daran: „Ende der 1980er-Jahre führte die Zahl von 15.000 Todesopfern im Afghanistankrieg dazu, dass sich die Mütter der Soldaten organisierten.“
Auch die russische Wirtschaft sei inzwischen von dem Krieg massiv betroffen. Der Krieg in der Ukraine nehme „mittlerweile 40 Prozent der Staatsausgaben“ in Anspruch. Zudem gebe es „einen gravierenden Arbeitskräftemangel“ und die Inflation liege offiziell bei rund 10 Prozent.
Um den Krieg in der Ukraine „nur aufrechtzuerhalten“, müsse Russland bereits „militärisch und wirtschaftlich alle Kräfte mobilisieren“, so der Analyst Evans. Er kommt zu dem Schluss: Russland verfüge „schlichtweg nicht über die Ressourcen, um sein Militär wieder aufzubauen und einen weiteren Krieg zu führen, der zwangsläufig wesentlich größere Anforderungen stellen würde“. Und er fügt hinzu: Dem russischen Militär mangle es nicht nur an Soldaten, auch „ihre veralteten militärischen Methoden haben so gut wie ausgedient“.
Der emeritierte britische Professor für Rechnungslegungspraxis Richard Murphy von der Universität Sheffield befasste sich in seinem Blog im August 2026 ebenfalls mit der Frage „Ist Russland wirklich eine militärische Gefahr?“
Russland sei „ein Land, das nicht einmal einen verwundbaren Nachbarn besiegen kann, geschweige denn eine konventionelle Invasion eines NATO-Staates durchführen könnte“. Die wahren Bedrohungen seien Cyberangriffe und Drohnen, weil sie kostengünstig seien und man sie nicht nachweisen könne.
Murphy zeigt sich zudem überzeugt: „Eine geschwächte russische Armee wird weder jetzt noch in absehbarer Zukunft einen weiteren Konflikt wollen. Sie muss ihre Ressourcen wieder aufbauen, und gleichzeitig wird Putin älter. Die Sorge vor einer Ausweitung des Krieges [in der Ukraine] sollte in diesem Fall ernsthaft geprüft werden.“
Der emeritierte Professor gibt zu bedenken: „Wir sollten uns bewusst sein, dass die Bedrohung für uns nicht nur von außen kommt, sondern auch von der Übermilitarisierung unserer Volkswirtschaften aufgrund von eingebildeten Bedrohungen, die es gar nicht gibt.“
Er stellt klar, dass er nicht bezweifle, dass es äußere Bedrohungen gebe, schreibt Murphy, aber er stelle infrage, „ob wir derzeit Panzer auf uns oder ein anderes europäisches Land zukommen sehen“. Und er kommt zu dem Schluss: „Im Moment kann ich mir eine solche Bedrohung durch Russland nicht vorstellen. Warum geben wir also Geld [für mehr Verteidigung] aus?“
Der US-Analyst Richard D. Hooker jr. vom Washingtoner Thinktank Atlantic Council entwarf im Februar 2026 fünf mögliche Szenarien, mittels derer Russland Druck auf den Westen ausüben könnte.
Er glaube nicht an einen Großangriff Russlands, jedoch an begrenzte Militäraktionen. Dazu gehörten die Einnahme und Besetzung des norwegischen Archipels Svalbard, der entmilitarisierten finnischen Åland-Inseln, von Ost-Estland rund um die Stadt Narwa mit einer russischsprachigen Mehrheit, der schwedischen Insel Gotland und des Suwałki-Korridors zwischen Polen und Litauen, über den Russland eine Landverbindung zu Kaliningrad herstellen könnte.
Hooker sagt nicht voraus, dass eines dieser Szenarien von Russland tatsächlich umgesetzt werde. Er schreibt vielmehr, dass Putin versuchen könnte, ein Gebiet in der Nähe seines Hoheitsgebiets einzunehmen, das über eine schwache Verteidigung verfüge oder worüber es historisch gesehen völkerrechtliche Unklarheiten gebe, um auf diese Weise die Reaktion der NATO zu testen.
Der estnische Auslandsgeheimdienst kam in seinem im Februar 2026 veröffentlichten Jahresbericht zu dem Schluss, dass Russland nicht die Absicht habe, Estland oder ein anderes NATO-Mitglied im kommenden Jahr und wahrscheinlich auch im Jahr darauf militärisch anzugreifen.
Als Grund wird angeführt, dass die inzwischen gestärkte Verteidigungsfähigkeit der NATO sowie deren kollektive Reaktion den Kreml dazu zwingen, solch ein Risiko sorgfältig abzuwägen. Der Direktor des estnischen Nachrichtendienstes schreibt: „Es besteht kein Grund zur Panik.“
Hans-Georg Maaßen kennt den ehemaligen BND-Chef August Hanning seit 25 Jahren und kann sich nicht vorstellen, dass sich die Vorwürfe bewahrheiten. - Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times
Der ehemalige BND-Präsident August Hanning ist unter Spionageverdacht festgenommen worden. Neben ihn wurde auch sein ehemaliger Büroleiter Manfred D. festgenommen. Dieser soll insgesamt um die 2.000 Dokumente an Hanning weitergegeben haben. Was würde es bedeuten, wenn sich die Vorwürfe bestätigen? Darüber sprach Epoch Times mit dem ehemaligen Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen.
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Dem ehemaligen BND-Chef August Hanning wird vorgeworfen, Geheimhaltungsbedürftige Dokumente des BND über seinen ehemaligen Büroleiter erhalten zu haben und diese weitergegeben zu haben. Wie ordnen Sie diesen Vorwurf ein?
Das ist ein sehr, sehr schwerwiegender Vorwurf, gerade gegenüber einem absoluten Top-Beamten der deutschen Sicherheitsarchitektur. Er war nicht nur BND-Chef, er war auch langjähriger Sicherheitsstaatssekretär unter Wolfgang Schäuble (CDU) im Bundesinnenministerium. Dieser Vorwurf ist natürlich maximal reputationsschädigend für so eine Persönlichkeit. Wenn da nichts dran sein sollte, müsste man sich umgehend bei ihm entschuldigen. Ich kenne Herrn Hanning über 25 Jahre. Ich habe viele Jahre mit ihm zusammengearbeitet. Er war zeitweise auch mein Chef im Bundesinnenministerium. Ich kann mir das einfach nicht vorstellen, dass er geheimhaltungsbedürftige Unterlagen an einen ausländischen Dienst gegeben hat. Ich kann es mir auch deswegen nicht vorstellen, weil der Mann 80 Jahre alt ist. Auch sein angeblicher Büroleiter ist mir bekannt. Er war nie sein Büroleiter gewesen. Manfred D. war Mitarbeiter in seinem Büro vom gehobenen oder mittleren Dienst. Auch die Tatsache, dass es sich um angeblich 2.000 Dokumente handeln soll, ist für mich sehr, sehr merkwürdig. Es ist nicht so, als ob der Bundesnachrichtendienst eine Behörde wäre, aus der man einfach mal eine Aktentasche Unterlagen mit nach Hause nehmen kann oder mal eine E-Mail an irgendjemanden da draußen schicken kann. Der BND ist eine Behörde mit einem ganz hohen Maß an Geheimschutz. Für mich klingt alles sehr, sehr unglaubhaft. Auch die Umstände seiner heutigen Festnahme erfolgte erscheinen mir mehr als dubios. Die Medien waren vor Ort. Dann wurde er dem Haftrichter wegen Fluchtgefahr vorgeführt. Der Mann ist 80 und krank. Wir wissen, dass in Deutschland Messerstecher und Vergewaltiger relativ schnell auf freien Fuß kommen. Das ist für mich alles sehr, sehr merkwürdig und ich habe große Zweifel, dass es hier rechtsstaatlich und mit rechten Dingen zugegangen ist.
Es steht im Raum, dass Herr Hanning die geheimhaltungsbedürftigen Informationen, die er erhalten haben soll, auch für seine private Beratertätigkeit genutzt habe, um sie gewinnbringend zu verwerten. Herr Hanning ist ja Präsident der Schweizer Sicherheitsberatungsfirma Pluteus AG, für die Sie als Berater tätig waren oder sind. Wie realistisch ist denn dieser Vorwurf?
Ich halte ihn für unrealistisch, ohne dass ich jetzt die genauen Umstände kenne. Ich bin nicht in die Geschäfte dieser Firma involviert gewesen, sondern als ein Berater. Ich halte es für in hohem Maße unglaubhaft, dass er Unterlagen verkauft haben soll. Denn um was soll es sich denn da letztendlich handeln? Ein Sachbearbeiter aus dem Bundesnachrichtendienst wird unterstellt, Informationen aus dem Bundesnachrichtendienst rausgeholt zu haben. Er hat nicht die Zugänge zu der Vielzahl an Dokumenten. Es wird alles genau dokumentiert, wer Zugriff auf welche Dokumente hat. Das ist nicht irgendeine Kreisverwaltung, aus der man ein paar Dokumente rausnehmen kann. Das ist jedem, der mit Nachrichtendiensten zu tun hat klar, dass so etwas eigentlich nicht möglich ist.
Es ist nicht unüblich, dass ehemalige Mitarbeiter der deutschen Nachrichtendienste nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt für Sicherheitsberatungsfirmen arbeiten. Wie hoch sehen Sie dabei das Sicherheitsrisiko, dass Daten genutzt werden, die einer Geheimhaltungsstufe unterstehen und dass Sicherheitsgrenzen und Gesetze überschritten werden?
Das eine ist, dass man als Beamter ohnehin verpflichtet ist, wenn man in den Ruhestand geht, jegliche Tätigkeit anzumelden. Und das gilt ganz besonders natürlich für Personen, die im Sicherheitsbereich tätig waren. Es gilt nicht nur für den Nachrichtendienst. Schauen Sie sich die Polizeibehörden an. Sehr, sehr viele ehemalige Polizeibeamte arbeiten für Sicherheitsunternehmen. Das ist, wie Sie sagen, im Sicherheitsbereich nicht unüblich, dass so etwas passiert. Beim Nachrichtendienst kommt noch hinzu, dass man einer mehrjährigen besonderen Sicherheitsüberprüfung unterliegt, wenn man für andere arbeitet. Es muss nämlich auch ausgeschlossen werden, dass frühere Informationen vergoldet werden. Und ich denke, das ist auch ausgeschlossen.
Angeblich hat man einen elektronischen Datenträger gefunden auf dem diese Daten gewesen sein sollen. Wie realistisch ist das, dass so was tatsächlich zu Hause gefunden wird?
Beim Bundesnachrichtendienst, wie auch im Verfassungsschutz und anderen Diensten hat man ein Datensystem, das völlig abgekoppelt ist vom normalen Netz. Man nennt es dann das rote Netz. Es gibt auch das schwarze Netz, das offene Netz. Und beide haben nichts miteinander zu tun. Das heißt, wenn man Daten im Bundesnachrichtendienst auf einem Server hat, wird man sie im Zweifel nicht rausbekommen, sondern nur über eine ganz bestimmte Stelle werden diese Daten auf einen Datenträger getan oder ins Netz gestellt. Das wird nach einem Mehr-Augen-Prinzip kontrolliert. Wie ich vorhin sagte, es ist ausgeschlossen, dass beim Dienst jemand am Rechner sitzt und drückt einfach mal bei einem E-Mail-Programm auf Weiterleitung. Und dann geht die E-Mail nach draußen. Das geht nicht. Jeder Datenzugriff wird protokolliert. Und wenn jemand Zugriff auf Daten nimmt, zu denen er normalerweise keinen Zugriff haben darf, gibt es eine Alarmmeldung. Wenn man etwas ausdruckt, wird dies auch protokolliert. Das heißt, auch das Papier, das produziert wird, wird letztendlich für die interne Sicherheitsabteilung festgehalten. Damit soll nachvollziehbar sein was, wann von wem ausgedruckt wurde. Auch beim Rausgehen aus den Dienstgebäuden finden Kontrollen bei den Mitarbeitern statt. Es ist nicht erlaubt Smartphones mit in die Zimmer zu nehmen. Dass keiner auf die Idee kommen kann, mal den Bildschirm zu fotografieren. Ich will damit zum Ausdruck bringen, es ist ein ganz hohes Maß an Schutzmaßnahmen zur Sicherheit der Daten in den Diensten. 2.000 Dokumente sollen an Herrn Hanning gegangen sein. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, wie das möglich war. Zumal jetzt auch der betroffene Mitarbeiter Rentner sein soll. Ich finde da ziemlich vieles ungereimt.
Jetzt mal angenommen, das bewahrheitet sich doch, dass da was abgeflossen ist, was hätte das für Auswirkungen auf die Sicht der ausländischen Geheimdienste auf die deutschen Nachrichtendienste?
Natürlich ist jeder Verratsfall eine Katastrophe für einen Nachrichtendienst. Sollte es zutreffend sein, dass ein Mitarbeiter des BND an einen Nichtangehörigen des Dienstes – und dazu zählt auch der Herr Hanning, weil er nicht mehr zum Dienst gehörte – in hohem Umfang Daten herausgegeben hat, ist das natürlich ein großer Reputationsschaden, auch für den Dienst.
Die Generalbundesanwaltschaft spricht davon, dass Dokumente gefunden worden seien, die dazu dienten, im Kanzleramt die nachrichtendienstliche Lage darzustellen. Wie sensibel sind diese Dokumente?
Die Daten, die in diesen Dokumenten enthalten sind, sind regelmäßig zumindest VS-vertraulich oder VS-geheim eingestuft. Das heißt also die zweite oder dritte Einstufung bei Dokumenten der Geheimschutzqualifikation. Sie sind schon relativ hoch eingestuft.
Zum einen dürfte es in diesen Dokumenten regelmäßig darum gehen, dass bestimmte Tatsachen beschrieben werden, Lagemeldungen dargestellt werden. Aber auch dürfte es für ausländische Dienste interessant sein zu wissen, wie die Bundesregierung beziehungsweise wie der BND diese Tatsachen bewertet und was für Schlussfolgerungen daraus gezogen werden. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass es ein derartiges Versagen der gesamten Geheimschutzarchitektur des BND gibt.
Und Sie sehen besondere Kontakte bei Herrn Hanning ins Ausland, die auf irgendeine Art und Weise verdächtig erscheinen würden?
Ich kenne nicht seine Kontaktliste. Der Mann ist 80 Jahre alt. Die Leute, die er früher bei den Nachrichtendiensten kannte, die dürften auch schon in seinem Alter und im Ruhestand sein. Ich kann es mir auch nicht vorstellen, dass er von anderen Diensten angesprochen wurde Informationen zur Verfügung zu stellen. Ich meine, ihn so weit zu kennen, dass er immer ein sehr dienstbeflissener, loyaler Beamter war, der patriotisch dachte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er auf die Idee kam, einen Ex-Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes zu nutzen, um Informationen an ausländische Staaten weiterzugeben.
Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Werner Bruns. - Foto: privat
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Ein historischer Tiefpunkt für die CDU. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik hat sie den Einzug in einen Landtag verpasst und musste insgesamt hohe Verluste hinnehmen. Bundeskanzler Friedrich Merz wollte die AfD halbieren. Jetzt führt die Partei die Umfragen an, und das Vertrauen in den Kanzler schwindet sowohl in der Bevölkerung als auch in den eigenen Reihen.
Welche Zukunft hat die Koalition unter Friedrich Merz und was bedeutet sein Festhalten am bisherigen Kurs? Darüber sprechen wir jetzt mit dem Soziologen Prof. Dr. Werner Bruns. Herzlich willkommen, Herr Bruns!
Ein Strandkorb im Kanzleramt hat tagelang für Schlagzeilen gesorgt. Warum werden solche vermeintlichen Kleinigkeiten in politischen Krisenzeiten zum Symbol?
Normalerweise ist ein Strandkorb in normalen Zeiten eine Anekdote. Man lacht darüber und hat vielleicht auch ein bisschen Sympathie dafür, dass da jetzt ein Strandkorb aus Mecklenburg-Vorpommern geliefert wird. Aber in einer Krisenzeit, in der Vertrauensverlust durchs Land geht und die Menschen in Deutschland das Gefühl haben, dass die Regierung keine Probleme löst, ist das ein Krisenbeschleuniger.
Erst die Aktion mit Jens Spahn – Sie kennen die Geschichte ja –, dass er abwesend war und in den Urlaub gefahren ist und deswegen nicht bei der Tagung des Haushaltsausschusses war. Dann wird auch noch der Strandkorb geliefert – und das wird von Philipp Amthor auch noch über soziale Medien vermarktet.
Dann wird eine Bagatelle zum Brandbeschleuniger, die in normalen Zeiten wahrscheinlich sogar einen gewissen Sympathieeffekt ausgelöst hätte. Aber im Moment sind all diese kleinen Dinge eher ein großes Problem für die Regierung.
Die Union knüpft ihre Zustimmung zur Steuerreform an einen Rentenentwurf der SPD. Ist das ein legitimes Mittel der Koalitionspolitik, oder zeigt es, dass das Vertrauen zwischen den Partnern aufgebraucht ist?
Zunächst einmal ist ein Kompromiss ja nichts Schlechtes. Aber wenn der Kompromiss, den man erzielt, kein Problemlösungsansatz ist, sondern nur der Versuch, die Macht durch einen Minimalkompromiss zu stabilisieren, dann führt das zu schweren Enttäuschungen in der Bevölkerung. Denn die Menschen haben dann das Gefühl: Es geht nicht voran.
Von daher kann man sagen: Die Kompromisse, die im Moment gemacht werden, bringen uns nicht weiter. Im Gegenteil, sie werden von der Bevölkerung nicht mehr wertgeschätzt. Und ich würde sogar so weit gehen und sagen: Man fühlt sich verschaukelt, wenn man manche dieser Kompromisse sieht.
Das Vertrauen in Merz ist stark gesunken, sowohl in der Bevölkerung, als auch aus eigenen Reihen wird immer öfter Kritik laut. Wie stabil ist eine Kanzlerschaft, die vor allem durch das Fehlen von Alternativen getragen wird?
Friedrich Merz ist eine tragische Figur, ein Bundeskanzler ohne Macht. Das hat verschiedene Gründe. Zunächst einmal ist Merz in der eigenen Partei nicht gefestigt. Das heißt, es gibt in der CDU Misstrauen, ob Merz überhaupt der richtige Kanzler ist. Er hat keine ausreichende Verankerung in der eigenen Partei, aber auch nicht in der Gesellschaft.
Doch gerade jetzt braucht es einen Kanzler, der Probleme lösen kann. Es gibt eine Wirtschaftskrise, der Sozialstaat muss umgebaut werden, und bei der Migration stehen schwierige Entscheidungen an. Das alles ist für Merz schwer zu lösen. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass eine überzeugende Gesamtkonzeption fehlt.
Erschwerend kommt hinzu, dass er mit der SPD regiert, die bei den aktuellen Herausforderungen andere Vorstellungen von den notwendigen Lösungen hat. Unser bisheriges Wohlstandsmodell kommt an seine Grenzen. Wir müssen den Sozialstaat umbauen, über Wohlfahrt neu nachdenken und die Wirtschaftsthemen nach vorne holen.
Hinzu kommt, dass Klingbeil und Bas ein ähnliches Problem haben wie Merz. Sie haben wenig Rückendeckung in der eigenen Partei und auch wenig Rückhalt in der Gesellschaft. Das führt insgesamt dazu, dass wir eine Kanzlerschaft erleben, deren Handlungsspielraum stark eingeschränkt ist und die versucht, die Probleme mit Kompromissen zu lösen, die nicht weit genug gehen.
Zur Frage der Alternativen: Im Moment wird niemand sagen, dass er unbedingt die Position von Merz haben will, weil jeder in dieser Koalition Gefahr liefe, ebenfalls zur tragischen Figur zu werden. Merz hat allerdings auch eigene Probleme geschaffen. Er hat Dinge versprochen, die dann nicht gekommen sind. Das hat den Vertrauensverlust beschleunigt. Ich bin deshalb skeptisch, ob es derzeit wirklich eine ernsthafte Alternative gibt.
Im Hintergrund gibt es immer noch ein großes Lager, das hinter Angela Merkel steht und Merz kritisch gegenübersteht. Viele in der CDU sagen: Das war doch unter Merkel eine gute Zeit. Aber Frau Merkel hat insbesondere in der Migrations- und Energiepolitik Probleme hinterlassen, die bis heute nachwirken. Frau Merkel sollte Merz unterstützen und ein positives Signal in die CDU hinein senden, um die Regierung zu stabilisieren. Stattdessen nutzt sie ihren Einfluss und kritisiert Merz. Das verschärft die Krise zusätzlich.
Die CDU war im Osten lange Regierungspartei, in Mecklenburg-Vorpommern ist sie nun nicht mehr im Landtag vertreten. Sehen wir einen langfristigen Strukturwandel oder vor allem die Folgen aktueller Bundespolitik?
Da gibt es einen Unterschied zwischen Ost und West. Aber man muss auch sagen: Das Parteiensystem hat sich wirklich verändert. Wir sind von den Milieuparteien stärker zu Themenparteien gewandert. Während die CDU christlich und wirtschaftspolitisch ausgerichtet war und einen großen politischen Raum abgedeckt hat, sind mit den Grünen, der Piratenpartei und jetzt der AfD Parteien entstanden, die zunächst stark über bestimmte Themen gewachsen sind.
Die AfD versucht jetzt, neben Migration und EU-Kritik ihr Programm breiter zu machen – ähnlich wie es die CDU über Jahrzehnte getan hat und immer noch tut. Gleichzeitig brechen die traditionellen Milieus weg. Im Osten erleben wir das schon länger, im Westen vollzieht sich dieser Prozess ebenfalls.
Hinzu kommen die Wirtschaftskrise, die Defizite bei der Digitalisierung und zu viel Bürokratie. Das macht die Bundespolitik immer komplizierter und schwächt zugleich die traditionelle Bindung an die großen Parteien.
Einige ostdeutsche CDU-Politiker stellen die Brandmauer offen infrage. Ist sie unter den neuen Mehrheitsverhältnissen noch durchzuhalten, und was stünde für die CDU auf dem Spiel, wenn sie fällt?
Die Brandmauer muss fallen. Man kann und muss sagen, dass man bestimmte Positionen nicht akzeptiert, weil sie undemokratisch oder mit den Grundsätzen des Rechtsstaates unvereinbar sind. Aber eine pauschale Brandmauer halte ich für falsch.
Im Moment gehen Carsten Linnemann und Philipp Amthor, aber auch andere in der CDU herum und sagen sinngemäß: „Die AfD will uns zerstören.“ Es ist absurd, dass eine Volkspartei den Eindruck vermittelt: „Wählt uns, weil uns die AfD zerstören will.“
Man verbarrikadiert und versteckt sich hinter der Brandmauer und weist dann noch darauf hin, dass die anderen die CDU abräumen wollen. Das ist keine entschlossene Politik. Die Brandmauer muss man überdenken, und man wird sie auch überdenken. Es ist nur eine Frage der Zeit. Denn das Verstecken hinter einer Brandmauer löst kein einziges Problem und macht die CDU auf Dauer schwächer. Die CDU muss nicht ständig erklären, was die AfD mit ihr vorhat. Sie muss zeigen, was sie mit Deutschland vorhat.
Welche Voraussetzungen müssten erfüllt sein, damit diese Koalition bis zur nächsten regulären Bundestagswahl 2029 handlungsfähig bleibt?
Ich bin ehrlich gesagt sehr skeptisch. Ich glaube nicht, dass die CDU mit der SPD als Koalitionspartner ohne Weiteres die entscheidenden Reformen hinbekommt. Man wird bei der Rente etwas machen müssen, und das wird schwierig. Die Zeiten, in denen große Koalitionen viel Geld verteilen konnten und man Wohlstand auch über Staatsleistungen vermehren konnte, sind vorbei.
Jetzt muss der Sozialstaat reformiert und in Teilen auch zurückgebaut werden. Das ist in der Gesellschaft nicht leicht zu vermitteln. Die Regierung muss deshalb klar kommunizieren, warum welche Reformen notwendig sind. Und genau das tut sie bislang nicht ausreichend. Aber nur so hat sie eine Chance, weiter bestehen zu bleiben.
Deutschlands Exportmodell läuft nicht mehr so wie früher. Die Wirtschaft hat Schwierigkeiten, die Automobilwirtschaft hat Schwierigkeiten. Die Regierung verweist dabei häufig auf den Ukrainekrieg und andere äußere Faktoren. Mir wird zu viel nach Erklärungen dafür gesucht, warum man Dinge nicht machen kann. Stattdessen sollte die Bevölkerung erfahren, wo man eigentlich hinwill und wie Deutschland wieder erfolgreich werden kann.
Den Strukturwandel gilt es erfolgreich zu meistern. Den Menschen muss dabei ehrlich gesagt werden, dass sie in manchen Bereichen mehr Eigenleistung einbringen müssen, egal ob in der Pflege oder anderswo. Das muss man auch auf die Gefahr hin sagen, dass es bei der nächsten Wahl schwierig wird.
Aber ein Kompromiss darf nicht für sich stehen und nicht nur die beiden Parteien weiterbringen, die regieren. Ein Kompromiss muss das Land weiterbringen.
Die Schnittmenge zwischen CDU und SPD ist so klein, dass man überlegen muss: Wie können wir diese Schnittmenge größer machen? Dazu muss sich auch die SPD bewegen und die notwendigen Sozialstaatsreformen mittragen.
Ob es wirklich gelingt, bis zur nächsten Wahl entscheidende Kompromisse zum Wohle des Landes zu machen, da bin ich skeptisch.