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Entdeckung: Photosynthese funktioniert (auch) anders als gedacht


In Kürze:

  • Bislang galt laut Lehrbuch, dass die sauerstoffbildende Photosynthese zwingend zwei Photosysteme benötigt: Photosystem II und I.
  • Molekularbiologen aus München haben nun durch Zufall entdeckt, dass Cyanobakterien auch ohne Photosystem I erfolgreich Photosynthese betreiben können.
  • Die langjährige Annahme, dass Photosystem I für den biologischen Prozess unverzichtbar ist, ist damit widerlegt.

 
Es gibt nur wenige biologische Konzepte, die als so gesichert gelten, dass sie seit Jahrzehnten nahezu unverändert in jedem Lehrbuch stehen. Eines davon lautet: Für die sauerstoffbildende Photosynthese werden zwingend zwei Photosysteme benötigt.
Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigen jedoch, dass dieses grundlegende Prinzip offenbar nicht universell gilt. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Natur deutlich flexibler ist, als wir bislang angenommen haben“, sagte Studienleiter Dario Leister, Professor für Molekularbiologie.

Zwei statt beide

Die Photosynthese versorgt die Erdatmosphäre mit Sauerstoff und bildet die Grundlage nahezu aller Nahrungsketten. Pflanzen, Algen und Cyanobakterien wandeln Sonnenlicht in chemische Energie um.
Nach dem bisherigen Verständnis gelingt dies nur durch das Zusammenspiel zweier großer Proteinkomplexe: Photosystem II und Photosystem I. Das Photosystem II ist für den ersten Schritt der Lichtreaktion verantwortlich, während Photosystem I unter anderem das Koenzym „NADPH“ bildet. Dieses Prinzip gehört seit mehr als 50 Jahren zum Grundwissen der Biologie. Durch Zufall entdeckten die Gruppe von Prof. Leister jedoch einen alternativen Photosyntheseweg.
„Eigentlich wollten wir etwas völlig anderes erreichen“, sagt Leister. So war ihr ursprüngliches Ziel, ein pflanzliches Photosystem I in das Cyanobakterium „Synechocystis“ einzubauen. „Dass daraus Organismen entstehen würden, die ohne Photosystem I wachsen, Kohlendioxid fixieren und Sauerstoff produzieren können, war vollkommen unerwartet“, erklärt Leister weiter.
Letztlich zeigte sich, dass die neuen Cyanobakterienstämme trotz des fehlenden Elements eine vollständige sauerstoffbildende Photosynthese betrieben. Damit widerlegen sie die bislang geltende Annahme, dass Photosystem I für die Bildung von NADPH unverzichtbar ist.

Ein alternativer Weg

Das Team konnte außerdem einen Mechanismus identifizieren, mit dem die Bakterien das fehlende Photosystem kompensieren. Schlüssel dazu war eine grundlegende Umorganisation, die die Herstellung von NADPH in umgekehrter Richtung ermöglichte. Biologen schrieben diese Funktion bislang ausschließlich Photosystem I zu.
Laut den Forschern verändere diese Entdeckung das Verständnis der Photosynthese grundlegend und zeige, dass selbst einer der am besten untersuchten Prozesse der Biologie noch grundlegende Überraschungen bereithalte. Langfristig könnten die Ergebnisse zudem neue Ansätze für die Entwicklung effizienterer photosynthetischer Systeme und biotechnologischer Anwendungen ermöglichen.
„Unsere Arbeit erinnert daran, dass selbst scheinbar unumstößliche Lehrbuchkonzepte durch neue experimentelle Befunde infrage gestellt werden können. Genau das macht Grundlagenforschung so spannend“, sagt Leister.
Die Studie erschien am 10. Juli 2026 im Fachmagazin „Nature Communications“.
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Pi – seit der Antike bekannt, bis heute unvollständig


In Kürze:

  • Die Kreiszahl π (Pi) ist seit der Antike bekannt, bis heute unvollständig und noch immer voller Überraschungen.
  • Indischer Physiker entdecken 2024 durch Zufall eine neue Schreibweise für Pi.
  • Ihre beeindruckende Effizienz im Vergleich zu klassischen Reihen verändert, wie Pi in Spezialgebieten der Physik verwendet werden kann.
  • Die Zahl verbindet die abstrakteste Mathematik mit den alltäglichsten Gegenständen unseres Lebens.

 
Sie hat weder Farbe noch Geruch noch Form, und doch ist sie wahrscheinlich eine der bekanntesten Zahlen der Welt. Die ersten bekannten Annäherungen an die Zahl, die wir heute π (Pi) nennen, reichen fast 4.000 Jahre zurück. Bereits die Babylonier und Ägypter konnten annäherungsweise das Verhältnis zwischen dem Umfang eines Kreises und seinem Durchmesser bestimmten.
Das Symbol π selbst tauchte erst viel später auf und wurde im 18. Jahrhundert durch den Schweizer Mathematiker Leonhard Euler populär gemacht. Erheblich jünger, aber nicht minder interessant ist eine Studie, die vor zwei Jahren großes mediales Interesse geweckt hatte. Auf ihrer Grundlage untersuchen Forscher bis heute die Auswirkungen, die sich zwischen Hochenergiephysik und Stringtheorie bewegen.
Pi fasziniert damit seit der Antike, Forscher ebenso wie die breite Öffentlichkeit. Sie kommt sowohl in der elementarsten Geometrie als auch in den fortgeschrittensten Gleichungen der theoretischen Physik vor. Und zeigt, dass sie bis heute Überraschungen für die Wissenschaft bereithält.

Eine unverzichtbare Zahl, weit über Kreise hinaus

Der Nutzen von π beschränkt sich nicht auf die Berechnung der Fläche einer Scheibe oder des Umfangs eines Rades. Sein Wert – etwa 3,14159 – spielt eine Rolle bei der Untersuchung von Wellen, Schwingungen und Elektrizität, in der Statistik sowie in zahlreichen grundlegenden Formeln der Physik. Man findet es, wenn auch weniger sichtbar, ebenso in trigonometrischen und geometrischen Berechnungen. Diese sind wiederum unter anderem für GPS und das Pendel einer Uhr relevant und beeinflussen damit unmittelbar unseren Alltag.
Dieser wissenschaftliche Erfolg hat π sogar einige unerwartete Auftritte auf der großen Leinwand beschert. In „Nachts im Museum 2: Die Schlacht um das Smithsonian, der 2009 in die Kinos kam, verrät die Figur des Albert Einstein – in Form einer Wackelkopfpuppe –, dass die neue Kombination für die magische Tafel des Ahkmenrah nichts anderes ist als die ersten Dezimalstellen von π. Eine Anspielung, die die Drehbuchautoren sichtlich gerne in die Handlung eingebaut haben.

Physiker entdecken zufällig eine neue Schreibweise für Pi

Im Jahr 2024 nimmt die Geschichte eine ernstere Wendung. Zwei Physiker des Indian Institute of Science, Arnab Priya Saha und Aninda Sinha, veröffentlichen in der Zeitschrift „Physical Review Letters“ eine Studie, die ursprünglich absolut nichts mit π zu tun hatte. Ihr Ziel: die extrem komplexen Berechnungen zu vereinfachen, die beschreiben, wie subatomare Teilchen miteinander kollidieren und sich zerstreuen. In diesem Gebiet können Gleichungen schnell unlesbar werden.
Zu diesem Zweck kombinierte das Team zwei den Physikern bereits bekannte Werkzeuge: sogenannte Feynman-Diagramme, die die Wechselwirkungen zwischen Teilchen visuell darstellen, und die Euler-Beta-Funktion, die aus der Stringtheorie stammt. Anschließend versuchten sie, ein Modell mit weniger Parametern zu entwickeln. Dabei sahen die beiden Forscher eine Reihe von Zahlen auftauchen, die wider Erwarten genau gegen π konvergierten.
Es handelt sich dabei weder um einen neuen, noch um einen Ersatz für π. Die Konstante, die wir aus der Schule kennen, bleibt streng genommen dieselbe. Sie stellen keinen Fortschritt bei der numerischen Berechnung von π selbst dar. Hier sind andere Formeln, insbesondere die von Ramanujan oder Chudnovsky, nach wie vor weitaus leistungsfähiger. Was die Forscher entdeckt haben, ist eine andere Art, π in Berechnungen der Hochenergiephysik darzustellen, insbesondere im Zusammenhang mit der Teilchenstreuung.

Eine beeindruckende Effizienz im Vergleich zu klassischen Reihen

Was die wissenschaftliche Gemeinschaft am meisten überrascht hat, ist die Schnelligkeit dieser neuen Darstellung. Um zehn exakte Dezimalstellen von π zu erhalten, benötigt eine der ersten bekannten unendlichen Reihen zur Berechnung von π, die Madhava von Sangamagrama im 15. Jahrhundert zugeschrieben wird, etwa fünf Milliarden Glieder.
Die neue Formel von Saha und Sinha hingegen schafft dies mit nur etwa dreißig Gliedern. Anzumerken bleibt, dass dieser Vergleich für diese konkrete historische Reihe gilt, nicht jedoch für jene der leistungsfähigsten Algorithmen, die heute zur Berechnung der Dezimalstellen von π verwendet werden.
Laut Aninda Sinha war dieser Ansatz jedoch bereits Anfang der 1970er Jahre von Wissenschaftlern angestoßen worden, bevor er mangels ausreichend ausgereifter mathematischer Werkzeuge zur Umsetzung aufgegeben wurde. Genau diese Werkzeuge, die im Laufe mehrjähriger Zusammenarbeit entwickelt wurden, ermöglichten es dem indischen Team, den Ansatz zu Ende zu führen.

Zwei Jahre später wird der Ansatz weiterverfolgt

Diese Entdeckung hat sich keineswegs mit der Veröffentlichung von 2024 erschöpft. Seitdem folgten mehrere Weiterentwicklungen. Insbesondere der schwedische Mathematiker Hjalmar Rosengren hat strenge Beweise und Verallgemeinerungen der von Saha und Sinha entdeckten Teilbruchreihen für die Amplituden von Strings veröffentlicht.
Ende 2025 stellte eine neue Studie von Faizan Bhat und Aninda Sinha eine Verbindung zwischen den berühmten Ramanujan-Reihen für 1/π und zweidimensionalen logarithmischen Konformitätstheorien her – einem mathematischen Rahmen, der speziell in der Quantenphysik und der Werkstoffkunde zum Tragen kommt. Und im März 2026 veröffentlichten Bhat, Saha und Sinha in der Zeitschrift „Physical Review D“ eine von der Stringtheorie inspirierte Beziehung, die sich auf zwei zentrale Werkzeuge dieses Fachgebiets bezieht.
Diese Forschungen beschränken sich vorerst auf ein sehr spezialisiertes Gebiet der theoretischen Physik und haben keine direkten Auswirkungen auf den Alltag. Doch sie veranschaulichen, wie ein fast zufällig entstandenes Ergebnis auch zwei Jahre später noch verschiedene Forschungszweige der Physik und Mathematik befruchtet.

Der Pi-Tag, ein Fest, das weltweit gefeiert wird

Auch außerhalb der Labore ist π zu einem beliebten Symbol für wissenschaftliche Neugier geworden. Sein eigener Feiertag, der Pi-Tag, wird jedes Jahr am 14. März begangen. Das Datum entspricht in der angelsächsischen Datumsschreibweise 3/14 und erinnert direkt an die ersten Dezimalstellen.
Seit 2019 ist der 14. März der Internationale Tag der Mathematik. Seine angelsächsiche Schreibweise 3/14 erinnert an die Kreiszahl Pi.

Seit 2019 ist der 14. März der Internationale Tag der Mathematik. Seine angelsächsiche Schreibweise 3/14 erinnert an die Kreiszahl Pi.

Foto: marekuliasz/iStock

Die Tradition, die 1988 vom Physiker Larry Shaw im Exploratorium in San Francisco ins Leben gerufen wurde, gewann in den Vereinigten Staaten schnell an Popularität, bevor sie sich international verbreitete. Im November 2019 erklärte die UNESCO den 14. März offiziell zum Internationalen Tag der Mathematik. Erstmals begangen wurde der weltweite Festtag im folgenden Jahr.
Auch das Massachusetts Institute of Technology (MIT) machte den 14. März zu einer ganz eigenen Tradition. Die Universität veröffentlicht ihre Zulassungsentscheidungen in der Regel am 14. März und wählt häufig genau 18:28 Uhr als Zeitpunkt – eine Anspielung auf den Wert von Tau (2π) –, wobei dieser Zeitpunkt jedoch nicht von Jahr zu Jahr einheitlich ist.

Eine Zahl, die niemand zu Ende aufsagen kann

Auch π-Begeisterte lassen ihrer Fantasie freien Lauf, um der Zahl Tribut zu zollen: Haikus, Lieder oder Wettbewerbe zum Auswendiglernen von Dezimalstellen. In diesem Bereich führt derzeit der Inder Suresh Kumar Sharma die Community-Liste der Pi World Ranking List an, die Rezitationsleistungen weltweit erfasst. Er konnte im Oktober 2015 in etwas mehr als 17 Stunden 70.030 Dezimalstellen rezitieren.
Zum Vergleich: Der offiziell von den Guinness World Records anerkannte Rekord geht auf das Konto eines anderen Inders. Rajveer Meena, rezitierte im März desselben Jahres 70.000 Dezimalstellen mit verbundenen Augen – ein Unterschied, der die Kluft zwischen spezialisierten Community-Ranglisten und allgemeinen Rekordorganisationen verdeutlicht.
Vom bekannten „Ende“ von Pi sind beide jedoch noch erheblich entfernt. Im November 2025 errechnete ein Spezialcomputer sage und schreibe 314 Billionen Dezimalstellen der unendlich weitergehenden Kreiszahl.
Der Artikel erschien im Original auf epochtimes.fr unter dem Titel „Pi, la constante vieille de 4 000 ans, réserve encore des surprises aux physiciens“. (Redaktionelle Bearbeitung: sm, ts)
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Wird die Erde den Tod der Sonne überleben?


In Kürze:

  • Die bisherige Annahme besagt, dass sich unsere Sonne in rund fünf Milliarden Jahren zu einem Roten Riesen entwickelt und die Erde verschlingen wird.
  • Forscher aus Belgien nutzten genauere Berechnungen statt vereinfachte Näherungen und entdeckten ein anderes mögliches Schicksal unseres Planeten.
  • Demnach ist ein Überleben sicher – wenn die Erde das heikle Tauziehen der Gezeitenkräfte überlebt und die Sonne schnell genug an Masse verliert.

 
Wenn die Sonne in etwa fünf Milliarden Jahren das Ende ihres Lebens erreicht, wird sie sich zu einem Riesenstern ausdehnen, der hunderte Male größer ist als heute. Seit Jahrzehnten diskutieren Astronomen darüber, was dies für die Erde bedeutet. Wird unser Planet von der sich ausdehnenden Sonne verschlungen oder wird er in eine weit entfernte Umlaufbahn entkommen?
Eine neue Studie zeigt, dass die Antwort ungewisser ist als bisher angenommen. Anhand der neuesten Modelle zur Sternentwicklung und zu Gezeitenwechselwirkungen kommen die Forscher um Mats Esseldeurs jedoch zu dem Ergebnis, dass die Erde beide Riesenphasen der Sonne überstehen könnte. Dies gelinge aber nur, wenn die Sonne in den letzten Stadien ihrer Entwicklung schnell genug an Masse verliert.

Ein heikles Tauziehen

Während sich die Sonne zu einem Roten Riesen entwickelt, bestimmen zwei konkurrierende Prozesse das Schicksal der Erde. Einerseits wird sich die Sonne enorm ausdehnen, wodurch die gravitationsbedingten Gezeitenkräfte zunehmen. Die Folge: Unser Planet wird nach innen gezogen und „verschlungen“.
Andererseits wird die Sonne einen großen Teil ihrer Masse durch den Sonnenwind verlieren. Wenn die Sonne leichter wird, verschiebt sich die Umlaufbahn der Erde allmählich nach außen, wodurch ein Jahr auf unserem Planeten länger und das Erdklima kühler wird.
„Das Schicksal der Erde hängt von einem empfindlichen Gleichgewicht zwischen diesen beiden Effekten ab“, erklärte Mats Esseldeurs von der belgischen Katholieke Universiteit Leuven. „Wenn die Gezeitenwechselwirkungen überwiegen, wird die Erde verschlungen. Wenn der Massenverlust überwiegt, entkommt die Erde in eine weiter außen liegende Umlaufbahn.“
Frühere Studien kamen oft zu dem Schluss, dass die Erde letztlich von der Sonne verschlungen werden würde. Viele dieser Annahmen stützten sich jedoch auf vereinfachte Beschreibungen der Gezeitenwechselwirkungen im Inneren von Riesensternen.

Ein Blick ins Innere der zukünftigen Sonne

Die neue Studie nutzt modernste Berechnungen der Gezeiten-Dissipation, die auf der inneren Struktur und Dynamik von entwickelten Sternen basieren. Diese Modelle wurden vom Forschungsteam in früheren Arbeiten entwickelt und beruhen auf genauen Berechnungen statt auf vereinfachten Näherungen.
Mithilfe dieser aktualisierten Modelle stellten die Forscher fest, dass die Gezeitenwechselwirkungen schwächer sind als bisher angenommen. Infolgedessen bleibt die Erde während der Riesenphasen weiter von der Sonne entfernt, was ihre Überlebenschancen signifikant erhöht.
In den Simulationen werden Merkur und Venus unweigerlich von der sich ausdehnenden Sonne verschlungen. Die Erde hingegen überstehe beide Riesenphasen und gelange schließlich in eine weiter außen liegende Umlaufbahn. Dort wird unser Planet um den Weißen Zwerg kreisen, zu dem sich die Sonne letztlich entwickeln wird.

Schematische Darstellung der Entwicklung der Sonne. Die Abbildung zeigt die Sonne, wie sie heute aussieht (1.), während sie ihre beiden Riesenphasen durchläuft (2. und 3.), bevor sie ihr Leben als Weißer Zwerg beendet (4.).

Foto: KU Leuven

Eine riesige Ungewissheit

Trotz dieses ermutigenden Ergebnisses ist die Sache noch nicht entschieden. Die Forscher fanden heraus, dass das endgültige Ergebnis davon abhängt, wie schnell die Sonne während ihrer letzten Riesenphase an Masse verliert. Diese Massenverlustraten gehören jedoch nach wie vor zu den wenig erforschten Aspekten der Sternentwicklung.
Um diese Unsicherheit zu untersuchen, wandte sich das Team „L2 Puppis“ zu, einem nahegelegenen, entwickelten Stern, der oft als Vorgeschmack auf die Zukunft der Sonne angesehen wird. Nach dieser auf Beobachtungen basierenden Schätzung wird sich die Erde gerade so weit nach außen bewegen, dass sie überleben kann.
„Die größte Unsicherheit ergibt sich nicht mehr aus den Gezeitenberechnungen, sondern davon, wie viel Masse die zukünftige Sonne verlieren wird“, sagt Mats Esseldeurs. „Beobachtungen sonnenähnlicher Riesensterne deuten derzeit auf das Überleben der Erde hin, aber wir benötigen bessere Beobachtungen, bevor wir sicher sein können.“
Die Studie verdeutlicht, wie die Beobachtung von entwickelten Sternen Hinweise auf die ferne Zukunft unseres eigenen Sonnensystems liefern können. Zukünftige Observatorien und Missionen werden viele weitere Planeten um Riesensterne entdecken, was es Astronomen ermöglicht, Modelle zum Überleben von Planeten zu überprüfen. Ob die Erde letztlich überlebt oder nicht – wir werden es wohl nie erfahren.
Die Studie erschien am 19. Juni 2026 in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“.
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Windräder verursachen keine nachweisbaren Gesundheitsschäden


In Kürze:

  • Windräder haben laut einer neuen Studie keinen negativen Einfluss auf die Gesundheit.
  • Dafür haben Forscher Daten von über 120.000 US-Haushalten aus den Jahren 2011 bis 2023 ausgewertet.
  • Die Entfernungen der Turbinen zu Wohnhäusern sind in den USA teils geringer als in Deutschland, der mittlere Abstand im Rahmen der Studie liegt aber bei 6 Kilometern.
  • Eine Fachärztin erinnert an die Berücksichtigung des Schalldruckpegels und die größeren Ausmaße heutiger Anlagen.
  • Die Uni Augsburg verweist für Deutschland auf eine andere, ähnlich aufgebaute Untersuchung – und mit ähnlichen Problemen.

 
Brummtöne, Schlagschatten, Infraschall: Immer wieder klagen mancherorts Anwohner und Windkraftgegner über störende oder gar gesundheitsbeeinträchtigende Auswirkungen von großen Windkraftanlagen.
Eine Studie unter Beteiligung der Universität Augsburg kam kürzlich allerdings zu einem ganz anderen Ergebnis. „Windräder verursachen keine nachweisbaren Gesundheitsschäden“, schreibt die Bildungseinrichtung.
Zugrunde liegt eine über 12 Jahre währende Längsschnittuntersuchung, die sich mit der Wohnnähe zu Windrädern und der Gesundheit der Anwohner befasst hat. Es soll sich um eine der bislang umfangreichsten Studien zu diesem Thema weltweit handeln.
Die Autoren sind die Wirtschaftswissenschaftler Niklas Rott, Douglas Almond und Osea Giuntella. Rott ist an der Uni Augsburg tätig, während Almond an der Columbia Universität und Giuntella an der Universität von Pittsburgh arbeiten.

Woher stammen die Daten?

Zunächst das Wichtigste: Die Forscher erhielten die Daten aus dem sogenantnen NielsenIQ Ailments Survey, einer jährlich durchgeführten Umfrage. Daraus extrahierten sie Selbstauskünfte von über 120.000 US-Haushalten aus den Jahren 2011 bis 2023 zu Gesundheitsbeschwerden wie Schlaflosigkeit, Depression, Angst und Kopfschmerzen. Diese Haushalte befanden sich in der Nähe von rund 75.000 Windkraftanlagen.

Eine Ölförderanlage am 4. Oktober 2023 im US-Bundesstaat Texas in der Nähe eines Windparks. Die Windkraft soll auch in den Vereinigten Staaten die Nutzung fossiler Brennstoffe reduzieren.

Foto: Brandon Bell/Getty Images

Die Studienautoren bezogen ebenso das Kaufverhalten der Bewohner mit ein. Wer nach der Windradinstallation mehr Schlaftabletten oder Schmerzmittel kauft, hinterlässt objektive Spuren, die auf Gesundheitsprobleme hinweisen – unabhängig von subjektiven Einschätzungen.
Im direkten Vergleich standen somit jeweils die Daten der Haushalte vor und nach der Installation nahegelegener Windräder. Bei diesem sogenannten Event-Study-Design wird jeder Haushalt mit sich selbst verglichen. Die Betrachtungszeiträume liegen in den Jahren vor und nach der Inbetriebnahme des nahegelegenen Windrades.
Störfaktoren wie Einkommen, Alter, Haushaltsgröße oder regionale Trends unterlagen laut der Uni einer statistischen Kontrolle. Die Studie selbst durchlief im Rahmen der Veröffentlichung in der Fachzeitschrift PNAS einen Peer-Review und damit eine Prüfung durch unbeteiligte Wissenschaftler.

Ergebnis: Keine messbaren negativen Gesundheitseffekte

Laut der Uni Augsburg konnte das Forscherteam keine statistisch nachweisbaren Zusammenhänge bezüglich der Gesundheitsangaben oder des Kaufverhaltens der Anwohner und des Baus neuer Windräder feststellen.
Ebenso zeigten sich keine Veränderungen in der Zeitverwendung, etwa hinsichtlich Schlaf, Sport oder Zeit im Freien, noch in Ausgaben für Alkohol, Tabak und allgemeine Medikamente. Das Ergebnis bleibe stabil für alle untersuchten Subgruppen: Alter, Geschlecht, Einkommen, Bildungsgrad und ethnische Zugehörigkeit. Hierzu teilte Rott mit:
„Windkraftanlagen stehen immer wieder im Fokus gesundheitlicher Bedenken. Die bisherige Evidenz dazu ist jedoch teils uneinheitlich und häufig durch kleine Stichproben oder rein korrelative Analysen begrenzt. Unsere Analysen unter Verwendung umfangreicher US-Haushaltsdaten zeigen keine messbaren negativen Gesundheitseffekte bei typischen Entfernungen zwischen Windrädern und Wohngebieten.“
Windräder

Im Rahmen der Studie ermittelter Zusammenhang zwischen Windraderrichtung und Gesundheitszustände der Anwohner.

Foto: Bildschirmfoto/Rott et al. (2026), NBER Working Paper No. 35131, Bearbeitung: mf/Epoch Times

Dennoch betonen die Autoren, dass lokale Belastungen wie Lärm oder Schattenwurf die Lebensqualität der Anwohner beeinflussen. Ebenso bestehe die Möglichkeit, dass sie die Akzeptanz von Windkraftprojekten verringern – auch ohne nachweisbare gesundheitliche Folgen.
Sie empfehlen, Debatten über Windkraft stärker auf evidenzbasierte Lärmgrenzwerte, faire Kostenverteilung und transparente Planungsverfahren zu fokussieren, anstatt auf nicht belegte Gesundheitsrisiken.

Was sind „übliche“ Abstände?

Die Uni Augsburg spricht bei den Ergebnissen von „üblichen Abstandsdistanzen“ der Windkraftanlagen zu Wohngebieten. Welche Abstände in den USA „üblich“ sind, teilte sie allerdings nicht mit. Auch auf Anfrage der Epoch Times erhielten wir hierzu keine direkte Antwort. Die Uni schrieb: „Über die veröffentlichten Forschungsergebnisse hinaus geben wir grundsätzlich keine weitergehenden fachlichen Bewertungen oder Empfehlungen zu allgemeinen oder praktischen Fragestellungen ab.“
Auch die Bitte, uns die Studie zuzusenden, blieb von der Uni unbeantwortet. Erst durch Kontaktaufnahme mit dem Nationalen Büro für Wirtschaftsforschung, kurz NBER, erhielten wir das vorab veröffentlichte Arbeitspapier. NBER ist eine überparteiliche Nonprofit-Forschungsorganisation in Massacusetts in den USA.
Der Einblick in das Arbeitspapier brachte schließlich die Antwort. Für die untersuchten Gebiete beträgt die „Entfernung von den Windkraftanlagen zu den Postleitzahlen-Zentren“ im Schnitt 6 Kilometer (km). Der Quartilsabstand, also die mittleren 50 Prozent, umfasst den Bereich von 3 bis 10 km. Da die Messung auf Postleitzahlbereichen basiert, könnten einzelne Haushalte innerhalb eines Bereichs näher oder weiter entfernt liegen.
Dabei ist zu erwähnen, dass in den Vereinigten Staaten kein einheitlicher Mindestabstand einer Windkraftanlage zu einem Wohngebiet existiert. Jeder Landkreis und jede Gemeinde erlässt ihre eigenen Abstandsvorschriften. Diese liegen meist bei der 1,1- bis 2,5-Fachen Distanz der Anlagengesamthöhe zur Grundstücksgrenze eines Wohngebäudes. Die meisten Behörden schreiben den 1,5-fachen Wert der Höhe vor. Demnach müsse eine 150 Meter hohe Anlage mindestens 225 Meter von der Grundstücksgrenze entfernt sein.
Aus dem Arbeitspapier geht indes nicht hervor, wie nah die Distanzen im kürzesten Quartil waren. Darüber hinaus lassen die Daten weder Rückschlüsse auf die Lage der Haushalte innerhalb der Postleitzahlenbereiche zu, noch über die tatsächlichen Abstände von Wohngebäuden und Windkraftanlagen.

Ein Windrad in der Nähe eines Wohngebäudes in Texas am 28. Juni im US-Bundesstaat Texas.

Foto: Brandon Bell/Getty Images

Vergleichbar mit Deutschland?

Auch in Deutschland gibt es keine bundeseinheitliche pauschale Mindestabstandsregel. Relevant ist hierzulande der Immissionsschutz oder Schallschutz durch die TA Lärm und das Bundes-Immissionsschutzgesetz. Diese führen typischerweise zu Mindestabständen von 600 bis 1.000 Metern zu Wohngebieten, mehr als in den USA.
Entscheidend ist zudem die Windraddichte der beiden Länder. Zwar stehen in den USA mit rund 77.400 Windräder an Land aktuell rund 2,6 Mal mehr Windturbinen als in der Bundesrepublik. Dafür verfügen die Vereinigten Staaten über rund 30 Mal mehr Landesfläche.
Dementsprechend liegt die Windraddichte in Deutschland bei 82 Anlagen pro 1.000 Quadratkilometer (km²), während auf der gleichen Fläche in den USA nur 8,5 Anlagen stehen. Sprich: Die Bundesrepublik hat auf der gleichen Fläche fast zehnmal mehr Windräder als die Vereinigten Staaten. Somit ist es in Übersee viel einfacher, geeignete Flächen zu finden, die weit genug von Wohngebieten entfernt liegen. Auch die Einwohnerzahl pro km² ist in den USA mit rund 38 deutlich geringer als in Deutschland mit rund 235.
Auf die Entwicklung der Anlagenhöhe wies die Fachärztin Dr. med. Ursula Bellut-Staeck hin. Ihrer Aussage nach seien „die Windkraftturbinen vor zehn Jahren nicht mit den deutschen Großwindanlagen heutiger Zeit zu vergleichen“. Seit 2011 sind Rotordurchmesser und Anlagenhöhe deutlich gestiegen. Auch nach 2023 sind Windräder zu immer größeren Höhen angewachsen, was mindestens die Beeinträchtigung der Lebensqualität der Anwohner weiter erhöht.
Weiter sagte Bellut-Staeck: „Es gilt auch immer zu bedenken, dass aufgrund des Nichtwissens sowohl zum Schalldruckpegel in dB(A), als auch der extraaurikulären [Anm. d. Red.: außerhalb des Gelenks] Wahrnehmung, sowohl der Infraschall nicht adäquat beurteilt werden kann, als auch seine Auswirkungen auf der zellulären Ebene.“ In diesem Zusammenhang warnt die Fachärztin besonders vor großen Windkraftanlagen mit mehr als 7 Megawatt Nennleistung.

Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen?

Ein Kritiker der Forschungsarbeit ist auch Theologe und Mitglied der Bürgerinitiative „Kein Windpark in den Westlichen Wäldern“ Mario Weidele. Gegenüber Epoch Times sagte er: „Erkenntnis der Studie: Infraschall macht nicht krank – wohlgemerkt: in Amerika. Mit diesem Hauptgedanken der Pressemitteilung hat sich in Deutschland eine katastrophale Außenwirkung breit gemacht.“
Er warnte davor, dass mit der Verbreitung der Ergebnisse aus den USA in Deutschland die Assoziation entstehe, dass der Ausbau der Windkraft in Deutschland bedenkenlos weitergehen könne. Eine Beschwerde der BI zur Pressemitteilung der Uni Augsburg beim bayerischen Wissenschaftsministerium wurde abgelehnt. Argument sei gewesen, dass es an der Wissenschaftlichkeit nichts auszusetzen gebe.
„Kein Wort zur Pragmatik, zur Platzierung einer ‚veralteten‘ amerikanischen Studie in den Kontext der gegenwärtigen Windkraftdiskussion in Deutschland“, beklagte Weidele. „Die Pressemitteilung vereinfacht den Diskurs auf zwielichtige Weise, denn jetzt werden Äpfel mit Birnen verglichen.“

Immer mehr installierte Windkraftleistung

Somit ist festzuhalten, dass das Forschungsergebnis wohl für die Situation in den USA Richtigkeit besitzt – zumindest für den Zeitraum von 2011 bis 2023. Die Übertragbarkeit auf Deutschland bleibt offen.
Im Zuge der Energiewende und dem fortwährenden Boom der „erneuerbaren“ Energien steigt die Anzahl der Windkraftanlagen und die installierte Windkraftleistung von Jahr zu Jahr. Lag die gesamte installierte Windleistung in den USA 2011 noch bei 46,9 Gigawatt (GW), sind es nun schon 159,7 GW (Stand: Ende 2025). Nur wenige GW davon stammen von Anlagen auf See, bis 2027 sollen das insgesamt 6 GW sein.
Windräder

Windkraftanlagen erzeugen am 14. August 2022 im US-Bundesstaat Wyoming Strom. Aufgrund der großen Landflächen stören sich viele Menschen nicht an den Turbinen.

Foto: Patrick Fallon/AFP via Getty Images

Deutschland verfügt hingegen heute über eine gesamte installierte Windleistung von 81,5 GW, also rund die Hälfte wie die viel größeren Vereinigten Staaten. Davon befinden sich 70,5 GW an Land.
Aufgrund der Platzknappheit in Deutschland haben viele Anwohner nahe Windkraftanlagen Beschwerden geäußert. In Sachsen hat ein Investor erst kürzlich eine Anlage deswegen wieder abgebaut.

Uni verweist auf andere Studie für Deutschland

Angesichts der genannten Unterschiede hat auch die Uni Augsburg gegenüber Epoch Times darauf hingewiesen, dass die Untersuchung ausschließlich auf US-Daten basiert. Sie habe „durchschnittliche Gesundheitseffekte auf Bevölkerungsebene untersucht und keine Evidenz für moderate bis große gesundheitliche Auswirkungen bei typischen Expositionsdistanzen“ gefunden.
Um mehr Klarheit zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Windrädern in Deutschland zu gewähren, verwies die Uni auf eine andere Studie. Diese trägt den Titel „Windkraftanlagennähe und gesundheitsbezogene Lebensqualität in Deutschland 2002 bis 2022“ und erschien im Juni 2026 bei der Fachzeitschrift „Nature Scientific Reports“.
Wie am Titel zu erkennen ist, wurden auch hier die Auswirkungen von meist älteren und kleineren Windrädern mit mindestens 50 Meter Nabenhöhe untersucht. Die Abstände zu Wohngebieten sind in der Studie mit 1,5 km bis 6 km angegeben, also auch eher größere Entfernungen.
Das Fazit dieser Deutschland-Studie lautet auch hier: Die Autoren „finden […] während des beobachteten Vorher-Nachher-Zeitraums keine Hinweise auf negative Veränderungen der durchschnittlichen gesundheitsbezogenen Lebensqualität im Zusammenhang mit dem Vorhandensein einer Turbine im Umkreis von 6 km“.
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„Korallen mögen es heiß“: Great Barrier Reef bei bester Gesundheit


In Kürze:

  • Das Australische Institut für Meereswissenschaften hat einen neuen Bericht zum Zustand des Great Barrier Reef veröffentlicht.
  • Es ist die Rede von Anzeichen einer Erholung nach vorheriger Massenkorallenbleiche.
  • Riffforscher Prof. Peter Ridd hält das für eine Untertreibung und sieht das Great Barrier Reef in bestem Zustand.
  • Er erklärt den natürlichen Zyklus des Riffs und dass Korallen überhaupt kein Problem mit wärmerem Wasser haben.

 
Das berühmte Great Barrier Reef an der australischen Nordostküste gilt als Naturwunder. „Es ist so groß wie Italien und liegt weit entfernt von einer sehr dünn besiedelten Küste“, teilte Peter Ridd der Epoch Times mit. Er ist Physiker, Riffforscher, Autor und ehemaliger Professor der James Cook Universität in Australien.
Der Druck durch Tourismus ist an weiten Teilen des Riffs verschwindend gering und es liegt vollständig in einem Nationalpark. Laut Ridd ist das Riff das „wohl unberührteste Gebiet der Erde“.
Das Great Barrier Reef liegt im Nordosten Australiens.

Das Great Barrier Reef liegt im Nordosten Australiens, besteht aus Tausenden einzelnen Riffen und erstreckt sich über eine Länge, so groß wie Kalifornien oder Italien.

Foto: ts/Epoch Times nach Reto Stöckl / NASA Goddard Space Flight Center, gemeinfrei, demis.nl, gemeinfrei

„Anzeichen einer Erholung“ untertrieben?

Kürzlich veröffentlichte das Australische Institut für Meereswissenschaften einen neuen Bericht zum Zustand des Riffs. Darin ist die Rede von vielversprechenden Anzeichen einer Erholung nach einer Massenkorallenbleiche im Jahr 2024.
Allgemein wird gesagt, dass der Klimawandel die größte Bedrohung für das Great Barrier Reef darstellt. Steigende Meerestemperaturen würden immer häufiger zu massiven Korallenbleichen führen. Dabei stoßen die Korallen lebenswichtige Algen ab, wodurch sie absterben.
Die Wirklichkeit sieht etwas anders aus: Bei zu warmem Wasser tauschen die Korallen die in ihnen lebenden bunten Algen aus, die sie zum Überleben benötigen. Als Folge verlieren die Korallen – über kurz oder lang – ihre Farbe, daher der Begriff Korallenbleiche. Eine bleiche Koralle stirbt also nicht zwangsläufig, mitunter wechselt sie nur ihre Untermieter.
Laut dem australischen Institut unterliegt das Riff somit Zyklen von Schädigung und Erholung. Diese drohen die farbenprächtigen Korallengärten in von Algen dominierte Meereslandschaften zu verwandeln – und dann wieder zurück. Die Forscher geben jedoch an, dass diese Zyklen immer unbeständiger werden, je mehr sich unsere Welt erwärmt.
Ridd hingegen betrachtet die Rede von „Anzeichen einer Erholung“ als untertrieben. Er teilte mit:
„Das Riff erfreut sich bester Gesundheit – in den vergangenen sechs Jahren gab es mehr Korallen als in jedem der vorangegangenen 35 Jahre. Das ist ein unglaublich gutes ‚Anzeichen‘.“

Bleichen doch nicht tödlich für Korallen?

Dabei wies Ridd auf die Warmwasser-Bleichereignisse in den Jahren 2016, 2017, 2020, 2022, 2024 und 2025 hin. Diese hätten das Great Barrier Reef eigentlich „verwüsten“ müssen. Letztlich weist es jedoch laut dem Physiker „einen Rekordbestand an Korallen auf“.
„Das bedeutet, dass bei diesen Bleichereignissen nicht viele Korallen abgestorben sein können“, so Ridd. „Selbst die am schnellsten wachsenden Korallen benötigen mindestens 5 bis 10 Jahre, um nachzuwachsen.“ Demnach dürfte es jetzt nur noch wenige Korallen dort geben. „Stattdessen verzeichnen wir Rekordmengen.“

Der Australier Prof. Peter Ridd stellt die Lage des Great Barrier Reef vor.

Foto: Bildschirmfoto Reef Rebels/YouTube

Beim Blick auf die neuesten Entwicklungen des Riffs fällt auf, dass beim nördlichen und mittleren Teil des Riffs die Korallenbedeckung zugenommen hat. Sie befindet sich auf hohem Niveau. Anders erscheint hingegen die jüngste Entwicklung im südlichen Riff. Hier zeigen die Daten einen weiteren Rückgang der Korallenbedeckung.
Ridd widersprach dem jedoch: „Im Süden ist die Korallenbedeckung nicht weiter zurückgegangen. Sie ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen, nachdem die Korallenbestände viele Jahre lang rapide zugenommen hatten. Das ist typisch für die Funktionsweise des Great Barrier Reef.“

Ein natürlicher Zyklus

Er erklärte, dass das Riff durch tropische Wirbelstürme und Ausbrüche von Dornenkronenseesternen riesige Mengen an Korallen verlieren könnten.
„Beides ist völlig natürlich. Dann erholt es sich wieder. Wiederholt man das eine Million Jahre lang, erhält man das Great Barrier Reef“, so Ridd.
Er teilte mit, dass das Great Barrier Reef aus rund 3.000 einzelnen Riffen besteht. „Jede Region, jeder Sektor durchläuft diese enormen Schwankungen über Zeiträume von Jahren bis Jahrzehnten.“
Aus Sicht von Ridd begründet sich der jüngste Korallenverlust im Süden größtenteils durch Dornenkronenseesterne. „Aber es wird sich wieder erholen“, schätzt der Physiker. Er merkte an, dass bisher keines der 3.000 einzelnen Riffe verloren gegangen seien. „Alle weisen blühende Korallen auf. Keine einzige Art ist ausgestorben.“
„Zyklen von Absterben und Nachwachsen sind für das Great Barrier Reef ganz normal, ergänzte Ridd. „Aber da es in jedem Jahr immer einen Teil des Great Barrier Reef gibt, der Korallen verloren hat, können die Katastrophenpropheten die Welt immer wieder mit einer Untergangsgeschichte täuschen. Sie sind Meister der Meinungsmache.“
Aus seiner Sicht sei es erschütternd, dass viele wissenschaftliche Institutionen weltweit davon überzeugt sind, dass das Riff am Rande des Untergangs steht. Zahlreiche Medien berichten entsprechend.

Steigende Temperaturen eher von Vorteil

Zudem sagte Ridd, dass sich Korallen an gar nichts anpassen müssten. Auch nicht an einen wärmer werdenden Ozean. Er verwies hierbei auf das sogenannte „Korallendreieck“ rund um Indonesien und Papua-Neuguinea. Es ist das Gebiet der Welt mit den am schnellsten wachsenden und artenreichsten Korallen. „Dieses Gebiet wird auch als ‚Indo-Pazifischer Warmpool‘ bezeichnet, da es sich um das Gebiet mit dem wärmsten Ozean der Erde handelt“, schilderte er.
Dieselben Korallenarten würden zu einem großen Teil auch im Great Barrier Reef vorkommen. Somit seien laut Ridd langsam steigende Temperaturen, wie wir sie in den letzten Jahrzehnten beobachtet haben, für das Great Barrier Reef eher von Vorteil als von Nachteil.
Dennoch erwartet Ridd, dass es in einigen Jahren weniger Korallen geben wird. Dies begründet er jedoch damit, dass das Riff aktuell Rekordmengen an Korallen aufweist und mit dem erwähnten natürlichen Zyklus. Nach der Verringerung der Korallen werde sich der Bestand aber erneut erholen.
„Auf lange Sicht wird es dem Great Barrier Reef gut gehen. Die Korallen werden wahrscheinlich etwas schneller wachsen, wenn sich die Welt weiter erwärmt – Korallen mögen es heiß“, teilte der Riffforscher mit.
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Warum Rosmarin so wertvoll für Gesundheit und Küche ist


In Kürze:

  • Rosmarin bringt mediterrane Aromen in die Speisen und das von herzhaft bis süß.
  • Das Küchenkraut ist seit Jahrtausenden auch als Heilkraut bekannt.
  • Rosmarin enthält ätherische Öle, Terpene, Polyphenole, Flavonoide, Bitter- und Gerbstoffe und wirkt antibakteriell, schmerzstillend, entzündungshemmend und antioxidativ.
  • Mit einigen Tipps gelingt die Kultivierung im Topf oder Garten.

 
Rosmarin ist aus unseren Küchen kaum wegzudenken. Die nadelartigen Blätter des Rosmarins schmecken würzig-herb und duften intensiv. Als Gewürz verleiht er sowohl Fleisch- als auch Gemüsegerichten sowie Eintöpfen und Soßen eine mediterrane Note. Besonders gut schmeckt Rosmarin zu Ofenkartoffeln oder -kürbis.
Rosmarin hat jedoch nicht nur als Gewürz eine lange Tradition. Seit Jahrtausenden ist er auch als Heilpflanze bekannt. Die Pflanze bringt Wärme in den Körper und Sonne ins Gemüt. Sein Tee wirkt anregend und stärkend bei Erschöpfung, unterstützt die Verdauung und die Gedächtnisleistung. Ein Vollbad mit Rosmarin fördert die Durchblutung und regt den Kreislauf an. Im antiken Griechenland (rund 1000 v. Chr.) wurde Rosmarin wie Weihrauch verräuchert und galt als Symbol für Liebe und Treue.

Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendungen

Rosmarin (Salvia rosmarinus) ist in den Mittelmeerländern beheimatet, wo er wild in Küstenregionen und oft an felsigen Hängen wächst. Er fand sich in den Klostergärten des Mittelalters und wird heute weltweit kultiviert. Der mehrjährige Halbstrauch zählt zur Familie der Lippenblütler und kann eine Höhe von bis zu 1,5 bis zwei Metern erreichen – und sehr ausladend werden.
Rosmarin ist immergrün und kann das ganze Jahr über geerntet werden. Von März bis Juni blüht Rosmarin rosa bis blass violett oder weiß und zieht viele Insekten an. Mit zunehmendem Alter verholzen seine unteren Triebe.
Rosmarinblätter enthalten rund 2 Prozent wertvolle ätherische Öle. Den Hauptanteil bilden Cineol (Eucalyptol), Camphor und Alpha-Pinene. Britische Forscher fanden in einer Studie 2012 heraus, dass das Inhalieren von Rosmarinöl mentale Klarheit und Fokussierung fördert.
Des Weiteren befinden sich Diterpene, Polyphenole, Flavonoide, Harze, Bitter- und Gerbstoffe im Rosmarin. Vor allem die Diterpene Carnosol und Carnosinsäure, die zu den am häufigsten vorkommenden sekundären Pflanzenstoffen im Rosmarin gehören, sind für die hohe antioxidative Wirkung der Pflanze verantwortlich.
Traditionell wird Rosmarin wegen seiner entzündungshemmenden, schmerzstillenden und durchblutungsfördernden Wirkung bei rheumatischen Beschwerden, Kopfschmerzen und Migräne verwendet. Für die Anwendung einige Tropfen ätherisches Rosmarinöl mit Mandelöl vermischen und die entsprechenden Bereiche einmassieren.
Wer seine Haarpracht vermehren möchte, massiert diese Ölmischung oder eine starke Teeabkochung in den Haarboden ein. Es fördert die Durchblutung der Kopfhaut und das Haarwachstum. Gleichzeitig ergibt eine Teeabkochung ein sanft glättendes, reinigendes und antioxidatives Gesichtswasser.
Außerdem kommt die Heilpflanze in der Erfahrungsmedizin als Tee bei niedrigem Blutdruck, nervösen Herzstörungen, Appetitlosigkeit, Lebererkrankungen und gestauten Gallenwegen zum Einsatz. Zudem kann Rosmarin bei Angststörungen Linderung bringen.

Rosmarin in der Küche

In der Küche ist Rosmarin ein wahrer Alleskönner. Er passt sowohl zu herzhaften als auch zu süßen Speisen. So ist Rosmarin ein Klassiker zu Lamm, Fisch und Geflügel. Er passt aber genauso gut zu Wildgerichten, Rind oder Schweinebraten.
Ebenso vielfältig lässt sich das Küchenkraut in Gemüsegerichten verwenden. Neben Kartoffeln passt es zu Kürbis, Karotten, Rote Bete, Zucchini oder Tomaten ebenso wie zu Hülsenfrüchten. Egal, ob zu Ofengemüse, in geschmorten Gemüsegerichten oder in Bohneneintöpfen, Rosmarin verleiht den Gerichten eine frische, belebende Note und macht sie gleichzeitig bekömmlicher.
Eine würzige Frische bringt Rosmarin zudem zu Käse wie Ziegenkäse, Feta, Camembert oder Grillkäse. Rosmarin in Olivenöl ergibt ein aromatisches und vielseitig verwendbares Küchenöl. Besonders interessant schmeckt das mediterrane Kraut in Süßspeisen wie Pfirsichkuchen, Zitroneneis, Mürbteigkeksen oder kombiniert mit dunkler Schokolade.
Darüber hinaus eignet sich Rosmarin hervorragend zum Verfeinern von Marmelade, Kompott und Sirup. Dafür beim Einkochen einige Rosmarinzweige mitkochen und vor dem Abfüllen wieder entfernen. Besonders gut harmoniert Rosmarin zum Beispiel mit Heidelbeeren, Brombeeren, Kirschen, Pfirsich oder Birne.
Neben seinem aromatischen Wert wird Rosmarin aufgrund seiner nachgewiesenen antimikrobiellen und antioxidativen Eigenschaften auch als natürlicher Lebensmittelkonservierer erforscht. Daher kann er dazu beitragen, die Qualität und Haltbarkeit von Lebensmitteln zu verbessern.

Tipps für Anbau und Pflege

Rosmarin liebt Wärme, egal ob im Topf auf der Terrasse oder im Beet. Die sonnenliebende Pflanze bevorzugt einen trockenen, durchlässigen und kalkhaltigen Boden, der leicht steinig sein darf. Für die Pflanzung im Topf vermischt man am besten Kräutererde mit reichlich Sand oder Tongranulat. Das Gießwasser sollte vom Topf gut abfließen können, denn Rosmarin verträgt keine Staunässe.
Topfpflanzen sollten zudem zwei- bis dreimal pro Jahr mit einem Kräuterdünger gedüngt werden. Ein Rückschnitt im Frühling um etwa ein Drittel fördert ein buschiges Wachstum.
Rosmarin ist nicht winterhart. Er benötigt daher sowohl im Beet als auch im Topf ausreichend Frostschutz. Im Beet den Wurzelbereich dick mit Laub bedecken und die Blätter mit Reisig so abdecken, dass noch Luft zirkulieren kann.
Bei Topfpflanzen den Topf ohne Übertopf in eine Kiste geben und gut in Stroh einpacken. Die Blätter mit Reisig abdecken. Ein sonniger, geschützter Platz an der Hauswand ist ein idealer Ort zum Überwintern. Wichtig ist, darauf zu achten, dass Rosmarin im Winter nicht austrocknet. Er benötigt zwar weniger aber dennoch alle zwei bis drei Wochen kleine Mengen Wasser. Zwischen den Wassergaben darf die Erde ruhig austrocknen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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NASA-Bilder zeigen Krater von Einschlag von SpaceX-Schrottteil auf dem Mond

Zwei Wochen nach dem Einschlag eines vier Tonnen schweren Schrottteils einer SpaceX-Rakete auf dem Mond hat die NASA neue Aufnahmen von dem dadurch entstandenen Krater veröffentlicht.
Dieser habe einen Durchmesser von etwa 18 Metern und sei knapp knapp drei Meter tief, teilte die US-Raumfahrtbehörde am Dienstag mit. Sie berief sich dabei auf ihre Berechnungen auf Grundlage des Krater-Schattenwurfs.
Die von der NASA veröffentlichten Aufnahmen wurden von der den Mond umkreisenden US-Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) den Angaben zufolge am 11. und 12. August gemacht.
Sie zeigen den Einschlag, der entstand, als die Oberstufe einer Falcon-9-Rakete am 5. August auf die Mondoberfläche traf. Die NASA will in Zukunft eine Weltraumbasis auf dem Mond errichten, Erkenntnisse über mögliche Kollisionen mit Weltraumschrott sind deshalb wichtig.

Falscher Kurs eine „Mischung aus Sonnenaktivität und Schwerkraft“

Eine SpaceX-Trägerrakete Falcon 9 hatte im Januar 2025 zwei Mondlandgeräte ins All befördert. Der Raketenantrieb landete auf der Erde, die oberste Raketenstufe blieb jedoch im All.
Durch „eine Mischung aus Sonnenaktivität und Schwerkraft“ sei das Raketenteil von seinem berechneten Kurs abgekommen, so dass es unbeabsichtigt auf den Mond zusteuerte, hatte die zuständige SpaceX-Direktorin Julianna Scheiman vor dem Aufprall erklärt.

Kollissionen mit dem Mond sind eher selten

Auf dem Mond schlagen zwar regelmäßig Meteoriten ein, Kollisionen mit Raketenteilen oder anderem Weltraumschrott sind aber selten. Schätzungen der Europäischen Weltraumbehörde Esa zufolge befinden sich derzeit mehr als 46.000 Teile Weltraumschrott in der Erdumlaufbahn, die zusammen rund 17.000 Tonnen wiegen.
Die von der NASA nun veröffentlichten Aufnahmen sind nicht die ersten von der Einschlagstelle auf dem Mond: Die südkoreanische Raumfahrtbehörde hatte bereits am 6. August Bilder veröffentlicht. (afp/red)
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Erdbeerwasser und Arsen: Wie man einen vornehmen Teint erhält

Sonnenbrand, Hautkrebs, vorzeitige Hautalterung. Um derartige Schäden zu vermeiden, ist das Auftragen von Sonnencreme für viele Frauen längst zur Routine geworden. Angesichts jahrzehntelanger wissenschaftlicher Forschung sind sie sich der Risiken der UV-Strahlung bewusst und können aus Tausenden Produkten wählen.
Früher war das anders. Den viktorianischen Frauen fehlte diese wissenschaftliche Basis. Dennoch mieden auch sie die Sonne bewusst. Das hatte jedoch weniger mit Gesundheit zu tun. Zu jener Zeit galt helle Haut als Statussymbol. Ein blasser Teint, der nicht von der Arbeit im Freien geprägt war, stand für Eleganz und Muße. Auf der Suche nach diesem Schönheitsideal rüsteten sich die Frauen mit einem ganzen Arsenal gegen die Sonneneinstrahlung. Ihre Pflege umfasste altbewährte Hausmittel, moderne Kosmetika und experimentelle Anwendungen, die von harmlos bis giftig alles umfassten.

Der Teint als Zeichen vornehmer Herkunft

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich Schönheit zunehmend zu einem lukrativen Geschäft entwickelt. In jene Zeit fällt der Beginn des viktorianischen Zeitalters, benannt nach Königin Victoria, die von 1837 bis 1901 regierte.
„Keine Frau war jemals glücklicher als unsere junge Königin, was die Reinheit und zarte Rosigkeit ihres strahlenden Teints angeht“, hieß es damals.
Die Vorliebe für helle Haut spiegelte nicht nur Schönheitsideale wider, sondern stand auch für Klasse, Identität und soziale Hierarchie.
In dem viktorianischen Schönheitsratgeber „Handbook of the Toilette“ von 1841 hieß es: „Ein guter Teint, ganz gleich, ob die Haut hell oder braun ist, lässt sich weder mit körperlicher oder geistiger Arbeit noch mit einem Übermaß an Vergnügungen und Ausschweifungen vereinbaren.“
Zeitungen, Frauenzeitschriften und Werbeanzeigen versprachen seitenweise eine glattere Haut, weniger Sommersprossen und ein gepflegteres Aussehen. Porträtmaler und Modedesigner trugen dazu bei, dieses Idealbild zu festigen: In ihren Bildern und Modeentwürfen erschienen Frauen mit blassen, glatten Gesichtern. Ein krasser Gegensatz zu den Frauen, deren Aussehen durch die Arbeit im Freien deutlich geprägt war.
Die viktorianische Kleidung war in erster Linie von Sittsamkeit und Traditionsbewusstsein geprägt, schränkte aber auch die Sonneneinstrahlung ein. Im Sommer trugen Frauen lange Ärmel, hohe Kragen, bodenlange Röcke, Handschuhe sowie Kopfbedeckungen mit breiter Krempe. Sonnenschirme, oft mit Seide bezogen, schützten vor direkter Sonneneinstrahlung.

Modestich, 1880, veröffentlicht in der Modezeitschrift „La Saison“, Nr. 666.

Das Arsenal einer Frau

Über die Kleidung hinaus griffen modebewusste Frauen auf eine Vielzahl von Mitteln zurück, die einen glatten, ebenmäßigen Teint bewahren sollten. Einige Rezepte beruhten auf Wissen, das über Generationen hinweg weitergegeben wurde, während andere in kommerziellen Schönheitsratgebern erschienen oder als Markenprodukte verkauft wurden.
Verschiedene Schönheitsratgeber widmeten sich ausführlich der Behandlung von Sommersprossen, Rötungen und ungleichmäßiger Pigmentierung. Unter den Rezepten fanden sich Buttermilchkompressen, Gurkenlotionen, Zitronencremes und Blütenwasserextrakte.
Zu den sanftesten Behandlungen gegen Sommersprossen im 19. Jahrhundert gehörte Erdbeerwasser. Es wurde in der Regel bei einem Parfümeur oder Apotheker gekauft, wo es neben Rosenwasser, Orangenblütenwasser und anderen destillierten Kosmetikwässern für den Schminktisch angeboten wurde.

Eine farbige Illustration zu „Glycerin- und Gurkencreme“ aus der Ephemera-Sammlung der 1890er-Jahre. Wellcome Library, London. Foto: Wellcome Images/CC-BY-4.0

Eines der beliebtesten Hautpflegeprodukte jener Zeit war die „Cold Cream“. Hergestellt aus Ölen, Wachsen und Rosenwasser, versorgte sie die Haut mit Feuchtigkeit und bildete gleichzeitig einen Schutz vor Wind und Wetter. Ein typisches Rezept aus dem 19. Jahrhundert kombinierte Wachse, Süßmandelöl und Rosenwasser, die miteinander verschmolzen und zu einer glatten Creme verrührt wurden.
Eine weitere wesentliche Komponente der Schönheitspflege jener Zeit war Gesichtspuder. Ihm wurde nicht nur eine verschönernde Wirkung zugeschrieben. Man ging auch davon aus, dass das Puder nach der Hautreinigung Feuchtigkeit aufnahm und die Haut vor Witterungseinflüssen und den Belastungen des Alltags schützte. Zu den üblichen Rezepturen gehörten Inhaltsstoffe wie Zinkoxid, Talkum, Stärke, Kreide, Iriswurzel und geringe Mengen Parfüm. Einige Rezepturen enthielten zusätzlich antiseptische Substanzen wie Salicylsäure.

Puderdose, 1830–1870, vermutlich hergestellt in Bennington, Vermont. Parian-Porzellan; 10,8 cm × 12,1 cm, Metropolitan Museum of Art, New York City.

In der Literatur wurde davor gewarnt, dass zu viel Puder ein künstliches Aussehen erzeugen könnte. Es wurde Wert darauf gelegt, den sanften, natürlichen „Pfirsichglanz“ zu betonen, der mit gesunder Haut assoziiert wurde. Eine häufige Empfehlung lautete, die Haut vor dem Auftragen von Kosmetika vorzubereiten und diese sodann sparsam und möglichst unauffällig einzusetzen.
Einige beliebte „Pearl“-Puder enthielten Wismutverbindungen, die der Haut ein helleres, strahlendes Aussehen verliehen. Bestimmte Hautcremes, darunter Gourauds „Oriental Cream“ und Hagans „Magnolia Balm“, enthielten zudem Zinkoxid, das in erster Linie zur kosmetischen Aufhellung und Vorbehandlung der Haut und weniger als wissenschaftlich fundierter Sonnenschutz verwendet wurde.

Hagans „Magnolia Balm“ wurde zur Verschönerung des Teints sowie zur Beseitigung von Sommersprossen, Ausschlägen, Sonnenbrand und Bräune verwendet. National Museum of American History, Smithsonian Institution.

Der Preis der Perfektion

Nicht jedes Schönheitsmittel war harmlos. Einige Hautpflegeprodukte enthielten Inhaltsstoffe, die heute als gefährlich eingestuft werden, darunter Blei, Arsen und Quecksilberverbindungen.
Quecksilbersublimat, eine hochgiftige Quecksilberverbindung, tauchte in einigen Schönheitsrezepten als Mittel gegen Sommersprossen und Hautunreinheiten auf. Frauen konnten es in Apotheken und Drogerien erwerben, wo es nicht als Kosmetikprodukt, sondern als Arzneimittel und Haushaltsmittel angeboten wurde.
Ein Rezept für eine Hautlotion aus dem viktorianischen Zeitalter, veröffentlicht in „Beeton’s Dictionary of Practical Recipes and Every-Day Information“ von 1871, empfahl eine Mischung aus 1,5 Gran (knapp 0,1 Gramm) Quecksilberdichlorid und 1 Unze Bittermandelemulsion (28–30 ml). Die Anwendung sollte mit einem weichen Schwamm erfolgen. Zugleich warnte das Rezept ausdrücklich: Quecksilberdichlorid müsse mit Vorsicht verwendet werden, da es sich um ein Gift handle.
Obwohl Rezepte wie diese darauf hinwiesen, dass Quecksilber gefährlich war, erklärten sie nur selten das ganze Ausmaß seiner Gefahren. Eine längere Anwendung konnte zu einer Vielzahl schwerwiegender Gesundheitsprobleme führen, darunter Depressionen, abnormale Schwellungen des Körpergewebes, Nierenschäden und Gedächtnisverlust. Statt vor der Anwendung zu warnen, rieten Schönheitsratgeber den Frauen lediglich, Quecksilberverbindungen vor dem Auftragen mit Rosenwasser, Alkohol oder Mandelemulsionen zu verdünnen.
Trotz bekannter Risiken erfreuten sich diese Rezepte, die einen helleren Teint und eine ebenmäßigere Hautfarbe versprachen, einer großen Beliebtheit.

Dr. Campbells Arsen-Hautpflegeblätter, um 1890. National Museum of American History, Smithsonian Institution.

Der viktorianische Ansatz zur Hautpflege lässt sich weder als grundlegend falsch noch vollkommen ausgereift bezeichnen. Im Fokus der viktorianischen Schönheitskultur stand damals der schlichte Gedanke, das Aussehen zu verbessern. Denn, wie die zeitgenössische Zeitschrift „The Girl’s Own Paper“ schrieb, handelt es sich bei Schönheit niemals um eine „feste Größe“.
Auch heute, mehr als ein Jahrhundert später, entwickeln sich Schönheitsideale immer noch weiter. Trotzdem sind einige viktorianische Schönheitspraktiken bis in die Gegenwart erhalten geblieben. Inhaltsstoffe wie Rosenwasser und Zinkoxid werden nach wie vor in modernen Hautpflege- und Kosmetikprodukten verwendet.
Eine Lehre jedoch, die sich aus diesen historischen Schönheitsrezepten ziehen lässt, liegt auf der Hand: Wenn eine Rezeptur Gift enthält, sollte man sie lieber nicht in seine Hautpflege übernehmen, sondern lediglich als historische Erscheinung betrachten.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem TitelStrawberry Water and Arsenic: A Victorian Guide to Staying Pale“ veröffentlicht. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung (sua)
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1.400 Jahre alte Überreste bei Ausgrabungen in Peru entdeckt

Bei archäologischen Ausgrabungen in der peruanischen Hauptstadt Lima sind die rund 1.400 Jahre alten Überreste eines möglichen Menschenopfers entdeckt worden.
Der Fund wurde in der Ruinenstätte Huaca Pucllana der Lima-Kultur gemacht, die zwischen 450 und 650 nach Christus errichtet wurde, wie das Kulturministerium des südamerikanischen Landes mitteilte.
Ein archäologisches Team fand die Überreste eines vermutlich erwachsenen Mannes. Sie sollen als Opfergabe bei der rituellen Schließung eines unterirdischen Wasserkanals deponiert worden sein, der mit einem zeremoniellen Brunnen in Verbindung steht. Die Archäologen fanden dort außerdem einen Schlangenkopf aus Keramik.

Beeindruckende Pyramide aus handgefertigten Lehmziegeln

Das Skelett sei entlang des Kanals liegend gefunden worden. Es sei in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet gewesen und habe auf der linken Seite gelegen. Der Schädel sei nach Westen gerichtet gewesen, der Blick auf die Pyramide und das Meer. Dies deute „auf eine absichtliche Anordnung im Zusammenhang mit der rituellen Einweihung des Bauwerks“ hin, teilte das Kulturministerium mit.
Die Entdeckung liefert laut den Kulturbehörden neue Erkenntnisse über die rituellen Praktiken in Huaca Pucllana. Die Stätte im Viertel Miraflores ist für ihre Stufenpyramide bekannt, die aus Millionen handgefertigten Lehmziegeln besteht. (dpa/red)
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25 Milliarden Neutronen sollen Existenz einer Spiegelwelt belegen


In Kürze:

  • Laut einer Hypothese könnte im Weltall eine für uns unsichtbare Spiegelwelt existieren.
  • Sich dabei verwandelnde Elementarteilchen könnten so Erscheinungen wie die Dunkle Materie erklären.
  • Physiker aus der Schweiz sind dieser Idee nachgegangen und haben dafür 25 Milliarden ultrakalten Neutronen untersucht.
  • In ihrem Experiment konnten die Forscher keine Verwandlung in Spiegelneutronen feststellen und halten die Hypothese daher für unwahrscheinlich.

 
Es klingt wie eine Idee aus der Science-Fiction, doch sie stammt von renommierten Forschern aus der theoretischen Physik: Neben unserer gewöhnlichen Realität könnte es eine sogenannte Spiegelwelt geben. Dabei besäße jede Art Elementarteilchen einen entsprechenden „Zwilling“, sodass es Spiegelelektronen genauso wie Spiegelprotonen oder Spiegelneutronen gäbe.
Laut dieser Hypothese sind allerdings kaum Wechselwirkungen zwischen normalen und Spiegelteilchen zu erwarten. „Im Wesentlichen spüren sich beide Teilchensorten gegenseitig über die Gravitationskraft“, erklärte Geza Zsigmond, Wissenschaftler am Zentrum für Neutronen- und Myonenforschung des Paul Scherrer Instituts (kurz PSI) in der Schweiz.
Trotz jahrzehntelanger Suche konnten diese mysteriösen Spiegelteilchen nie nachgewiesen werden. Ergebnisse von jüngsten Experimenten in Frankreich haben die Hoffnung auf Spiegelneutronen leben lassen. Doch nun sehen PSI-Forscher mit ihrem neuen Experiment, das weltweit unübertroffene Präzision erzielt hat, die Sache anders: Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit kann man die Verwandlung von Neutronen in ihre Spiegelversion ausschließen.

Die Suche nach dem Unmöglichen?

Gerade weil Spiegelteilchen fast keine Wechselwirkung mit normaler Materie eingehen, ist die Suche nach ihnen sehr schwierig. Sie treten nur auf zwei Weisen mit unserer bekannten Materie in Kontakt: entweder über die Schwerkraft oder über seltene Oszillationen neutraler Teilchen.
Deshalb gelten Spiegelteilchen auch als Kandidaten für die sogenannte Dunkle Materie. Denn diese macht zwar wesentlich mehr Masse im Universum aus als unsere gewöhnliche Materie, aber ihre Natur ist völlig unverstanden. Gerade weil Spiegelteilchen so schwach mit unserer Welt wechselwirken, könnten sie für die Dunkle Materie verantwortlich sein.
„Es gibt keine Chance, die Existenz von Spiegelteilchen rein über die Schwerkraft nachzuweisen“, sagt Forschungsleiter Bernhard Lauss vom PSI. „Wir haben uns deshalb auf die andere Eigenschaft von Spiegelteilchen konzentriert, nämlich dass neutrale Teilchen gemäß dieser Hypothese zwischen unserer normalen Materie und der Spiegelwelt hin und her oszillieren könnten.“
Ein neutrales Teilchen wie das Neutron könnte also – sehr selten – einfach von unserer Weltbühne verschwinden und sich in ein Spiegelteilchen verwandeln. Nach einiger Zeit könnte es dann wie aus dem Nichts wieder auftauchen.
„Neutronen bieten sich für diese Untersuchung an, weil sie erstens elektrisch neutral sind und weil sie zweitens eine seltsame Eigenschaft besitzen“, ergänzt Zsigmond. „So scheinen Neutronen unterschiedliche Lebensdauern zu besitzen, je nachdem auf welche Weise man diese misst.“ Ein Teil dieser Diskrepanz könnte daran liegen, dass manche Neutronen während der Messung in die Spiegelwelt „abtauchen“.

Keine Hinweise auf eine Spiegelwelt gefunden

Um diesem eigenartigen Verhalten auf die Schliche zu kommen, haben die PSI-Forscher zusammen mit internationalen Kollegen ein ausgeklügeltes Experiment ersonnen. Sie haben Neutronen stark abgebremst und auf diese Weise sogenannte ultrakalte Neutronen erzeugt. Diese haben sie dann in einem speziellen, unmagnetischen Vakuum-Edelstahltank gefangen.
Auf diese Weise hat das Team alle fünf Minuten rund 1,5 Millionen Neutronen in dem Edelstahltank gespeichert. Nach jeweils rund 200 Sekunden wurde er entleert und die Forscher ermittelten, wie viele Neutronen noch erhalten waren. Würden Neutronen in dieser Zeit in die Spiegelwelt verschwinden, würden sie der Leerung entgehen und in der anschließenden Zählung fehlen. Dies wurde über mehrere Monate hinweg wiederholt, um alle relevanten Bereiche abzuscannen, bei denen Oszillationen zwischen Neutronen und Spiegelneutronen zu erwarten gewesen wären – doch ohne Erfolg.
„Mit diesen Ergebnissen lassen sich alle bisherigen Spekulationen zur Verwandlung in Spiegelteilchen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen“, so die Forscher.
Die Studie erschien am 28. Juli 2026 im Fachmagazin „Physical Review Letters“.
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Weltbild im Wandel: Als in der Antike die Sonne im Zentrum stand


In Kürze:

  • Heute herrscht das heliozentrische Weltbild mit seiner Sonne im Mittelpunkt vor, das mit dem preußischen Astronomen Nikolaus Kopernikus verbunden wird.
  • Die Kopernikanische Wende sorgte mit der Abkehr vom seit Jahrtausenden etablierten, geozentrischen Weltbild für große Aufregung.
  • Tatsächlich war die Idee aus dem 16. Jahrhundert keine neue, sondern hatte ihre Wurzeln in der Antike.

 
Das berühmteste Beispiel für Wissen, das seiner Zeit voraus war und dann in Vergessenheit geriet, sind frühe astronomische Entdeckungen. Bis ins 16. Jahrhundert dominierte das geozentrische Modell die gebildete Welt. Unverrückbar stand hier die Erde und damit der Mensch im Mittelpunkt des Universums, um die sich Sonne, Mond und Planeten drehten.
Diese Theorie, aufgestellt von bekannten Philosophen und verfeinert von Astronomen, hatte ihre Wurzeln im antiken Griechenland. Sie hielt sich über Jahrhunderte, bis ein Mann namens Nikolaus Kopernikus mit einer scheinbar neuen Theorie aufwartete: der Sonne im Zentrum. Doch was als wissenschaftliche Neuheit erschien, war in Wahrheit bereits vor über 2.000 Jahren entdeckt worden.

Ein starres Modell

Schon in der Antike versuchten die Menschen, unseren Planeten mit all seinen Eigenheiten und natürlichen Gesetzen zu verstehen. Doch der Drang nach Wissen blieb nicht auf die Erde beschränkt. So versuchten frühe Astronomen zu verstehen, in welcher Beziehung die Erde und andere Planeten zu Sonne, Mond und Sternen stehen.
Einer dieser ersten „Forscher“ war der griechische Mathematiker Eudoxos von Knidos (um 397–338 v. Chr.). Er vermutete, dass alle Himmelskörper in perfekten Bahnen um die kugelförmige, stillstehende Erde kreisen.
Auf dieser Vorstellung baute der griechische Philosoph Aristoteles (384–322 v. Chr.) seine Theorie eines geozentrischen Weltbildes auf und schrieb sie in seinem Werk „Über den Himmel“ nieder.

Die Büste von Aristoteles aus Marmor ist die römische Kopie eines griechischen Bronze-Originals.

Demnach bilde die Erde den Mittelpunkt, um die sich in verschiedenen Sphären andere Himmelskörper bewegen. Der Mond läge in der innersten und langsamsten Sphäre, während die Sterne an der äußersten und schnellsten Sphäre säßen. Zudem würden die Planeten und die Sonne aus der Quintessenz bestehen, dem fünften und nicht irdischen Element, das die besonderen Eigenschaften der Himmelskörper erkläre.

Verrückte Welt mit Lücken

Doch bereits in der Antike war Aristoteles‘ Modell nicht perfekt und wies erhebliche Lücken auf. So konnten die Astronomen damit beispielsweise nicht erklären, wieso die Planeten Mars und Jupiter gelegentlich rückwärts über den Himmel ziehen.
Dafür gab es zwei Lösungen: Der griechische Astronom und Mathematiker Aristarchos von Samos (um 310–230 v. Chr.) soll erstmals die These aufgestellt haben, dass sich die Erde um ihre eigene Achse dreht und um die Sonne kreist. Seine ursprünglichen Schriften zu diesem Thema sind nicht erhalten geblieben, sodass wir seine Ideen hauptsächlich durch Verweise anderer Autoren, darunter Archimedes, kennen.
Nur wenig später lieferte der griechische Mathematiker Apollonios von Perge (um 265–190 v. Chr.) ebenfalls eine Lösung – ohne das Weltbild sprichwörtlich auf den Kopf zu stellen: Er behob den Makel, dass sich die Planeten rückwärts bewegten, indem er die Epizykeltheorie ins Leben rief. Diese besagt, dass Himmelskörper separat von einer großen Umlaufbahn, dem sogenannten Deferenten, ihre eigenen kleineren Kreise ziehen, dem Epizykel, womit rückläufige Bewegungen von Planeten möglich sind.

Das Schema zeigt die Bewegung eines Planeten nach der Epizykeltheorie.

Aber auch dann schien das Modell nicht recht zu den Beobachtungen am Himmel zu passen. Der Astronom Hipparchos von Nicäa (um 190–120 v. Chr.) entwickelte das geozentrische Modell weiter und verbesserte zahlreiche astronomische Berechnungen. Seine Ideen fanden jedoch zu seiner Zeit keinen Anklang.
Dies änderte sich rund 300 Jahre später mit Claudius Ptolemäus (um 100–160 n. Chr.), der das geozentrische Weltbild um die Epizykeltheorie erweiterte. Seiner Vorstellung nach stand die Erde im Mittelpunkt des Universums, während Sonne, Mond und Planeten sie auf verschiedenen Kreisbahnen umkreisten. Um die beobachteten unregelmäßigen Bewegungen der Planeten zu erklären, führte Ptolemäus zusätzliche Kreisbewegungen, sogenannte Epizykel, sowie einen weiteren Bezugspunkt, den Äquantenpunkt, ein.
Obwohl das geozentrische Weltbild nach Ptolemäus immer noch Unstimmigkeiten aufwies, sollte es für die nächsten 1.400 Jahre die Sicht auf die Welt prägen.

Drei Astronomen auf der Spur der Wahrheit

Diese Ära endete 1543 mit der Veröffentlichung von „De revolutionibus orbium coelestium“ durch Nikolaus Kopernikus (1473–1543). In seinem Modell umkreisten die Erde und andere Planeten folgerichtig die Sonne, während nur noch der Mond um uns kreiste.
Geozentrisches und heliozentrisches Weltbild im Vergleich

Vergleich des geozentrischen Weltbildes (o.) und des heliozentrischen Weltbildes (u.).

Unterstützt wurde Kopernikus durch die Studien von weiteren bekannten Astronomen: Galileo Galilei (1564–1641) und Johannes Kepler (1571–1630). Während Galilei mit seinem Teleskop die Himmelsbeobachtung verbesserte und zahlreiche Beweise gegen das geozentrische Weltbild sammelte, entdeckte Johannes Kepler, dass die Planetenbahnen keine perfekten Kreise, sondern Ellipsen sind.

Ideen der Zeit voraus

Das neue Weltbild weckte bekanntlich Unmut bei den damaligen Obrigkeiten. Viele Gelehrte, die das heliozentrische Weltbild vertraten, wurden von der Katholischen Kirche als Ketzer bezeichnet und beschuldigt, falsche Lehren zu verbreiten. Doch der Versuch, die Kopernikanische Wende zu verhindern, gelang letztlich nicht und das heliozentrische Weltbild, das eigentlich seit fast 2.000 Jahren bekannt war, etablierte sich.
Kopernikus selbst entwickelte das Weltbild vermutlich nicht völlig neu. Laut einer 2025 veröffentlichten Studie soll auch der arabische Astronom Ibn asch-Schatir (1304–1375) die Mängel im geozentrischen Modell gekannt haben. Schon 200 Jahre vor Kopernikus schlug er vor, nicht die Erde, sondern die Sonne ins Zentrum zu stellen. Der Studie zufolge könnten Gemeinsamkeiten zwischen den Modellen Ibn asch-Schatirs und Kopernikus‘ auf einen Wissenstransfer hindeuten.
Doch letztlich waren weder Kopernikus noch Ibn asch-Schatir vermutlich die ersten Astronomen, die die Sonne ins Zentrum des (antiken) Kosmos stellten. Dies bleibt Aristarchos vorbehalten, dessen Idee jedoch jahrhundertelang eine Randerscheinung blieb. Vielleicht war es für sie der falsche Zeitpunkt und die Menschheit noch nicht bereit dafür.
Heute wissen wir, dass sich die Sonne ihrerseits bewegt und wir nur eines von unzähligen Sonnensystemen in einer von noch mehr Galaxien sind. Was tatsächlich im Zentrum des Universums steht, bleibt auch heute noch unbekannt.
Weitere Artikel aus der Reihe „Rätselhafte Relikte“ finden Sie hier.
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Experiment im Labor: Zeit läuft vorwärts, langsamer oder steht still


In Kürze:

  • „Was ist Zeit?“ ist eine der ältesten Fragen, der Menschen seit mehr als 2.000 Jahren nachgehen.
  • Ein britischer Forscher hat in seinem Labor ein kleines Universum erschaffen und erstmals Zeit ohne Uhr gemessen.
  • Anhand 24.000 ultrakalter Atome erkannte er, dass Zeit vorwärts und langsamer laufen, aber auch stillstehen kann – je nachdem, wie viel Aufmerksamkeit wir ihr schenken.

 
Kennen Sie auch diesen Moment? Sie sitzen vor einer unangenehmen Aufgabe oder sehnen sich nach etwas, ein Blick zur Uhr, doch die Zeiger wollen sich einfach nicht bewegen. Es scheint fast, als stünde die Zeit still. Andererseits verfliegt sie, wenn man nicht ihr, sondern den schönen Dingen seine Aufmerksamkeit schenkt. Als wäre die Zeit, wie Albert Einstein glaubte, relativ.
Doch was ist eigentlich Zeit? Dies ist eine der größten Fragen der Wissenschaft, auf die Naturforscher, Philosophen und Theologen seit Jahrtausenden eine Antwort suchen. Um aus physikalischer Sicht einen Beitrag zu dieser Thematik zu liefern, hat ein Wissenschaftler der Universität Birmingham in seinem Labor ein „Mini-Universum“ erschaffen. Damit zeigt er, wie man den Fluss der Zeit messen kann, ohne dabei eine Uhr zu verwenden, und indirekt, wie sie sich verhält.

Die Frage aller wissenschaftlichen Fragen

Seit der Mensch seine Umgebung und ihre Gesetze erforscht, gibt es unterschiedliche Vorstellungen vom Wesen der Zeit. Zunächst sahen Gelehrte wie Platon (427–347 v. Chr.) oder Augustinus von Hippo (354–430) darin eine irdische „Erfindung“, womit die Zeit mit der Welt entsteht und vergeht. Diese Vorstellung ist auch im christlichen Glauben mit dem Tag des Jüngsten Gerichtes vertreten.
Später entwickelte sich die Idee hin zu einer absoluten Zeit, wie Isaac Newton (1643–1727) und Immanuel Kant (1724–1804) sie vertraten, wonach diese unabhängig von Mensch und Erde existiert.
Mit den technischen Fortschritten lieferten Naturwissenschaftler zahlreiche neue Theorien zur Zeit. Einer von ihnen war der Schweizer Physiker Albert Einstein mit seiner Relativitätstheorie. Er entdeckte, dass aufgrund unterschiedlich starker Bewegungen oder Gravitationsfelder die Zeit gefühlt und je nach Blickpunkt mal langsamer und mal schneller laufen kann.
Albert Einstein um 1921 in Wien

Für Albert Einstein war Musik ein wichtiger Teil in seinem Leben. Nicht nur ihr Empfinden, sondern auch ihre zeitliche Abfolge ist relativ.

Die Quantenmechanik scheint diese Theorie, dass Zeit relativ ist, zu unterstützen. So vergeht das Leben eines Menschen, der aus unzähligen Atomen besteht, im Laufe eines Jahrhunderts, während die winzigen Atome selbst nicht altern und zeitlos sind. Doch wie sieht das außerhalb der Erde aus?

Besitzt das Universum so etwas wie Zeit?

Einige physikalische Theorien, wie etwa die Wheeler-DeWitt-Gleichung (eine Kombination aus Quantenmechanik und Relativitätstheorie), legen nahe, dass dem Universum auf seiner tiefsten Ebene keine Zeit innewohnt.
Stattdessen existiere der Kosmos als einziger, unveränderlicher Quantenzustand, wo Teilchen sowohl wellenartige als auch teilchenartige Eigenschaften aufweisen. Dabei wird das Universum als Ganzes ohne externe Uhr betrachtet.
Jegliches Zeitgefühl müsse sich demnach aus den internen Beziehungen zwischen den Teilen ergeben, was auch als relationale Zeit bezeichnet wird. Diese Theorie war zwar nicht neu, jedoch noch nie direkt im Labor getestet worden. Das wollte Giovanni Barontini, Professor für Physik an der Universität Birmingham in England, mit seinem Mini-Universum im Labor ändern.
Giovanni Barontini, Professor für Physik an der Universität Birmingham, hat in seinem Labor ein „Mini-Universum“ erschaffen und erstmals Zeit ohne Uhr gemessen. Foto: University of Birmingham

Giovanni Barontini, Professor für Physik an der Universität Birmingham, hat in seinem Labor ein „Mini-Universum“ erschaffen und erstmals Zeit ohne Uhr gemessen.

Foto: University of Birmingham

Mini-Universum im Labor

Prof. Barontini nutzte dafür eine Wolke aus 24.000 ultrakalten Atomen, auch Bose-Einstein-Kondensat genannt. Sie weist eine Temperatur von nur wenigen Milliardstel Grad über dem absoluten Nullpunkt auf. Damit erschuf der Physiker ein hermetisch abgeschlossenes Quantensystem, das ein einfaches „Universum“ nachahmt.
Die Teilchen wurden mit einer durch einen Laserstrahl gebildeten dünnen Barriere eingefangen und geteilt, um einen beobachteten („hellen“) und einen unbeobachteten („dunklen“) Bereich zu erzeugen. Die Atome konnten sich zwischen dem „hellen“ und dem „dunklen“ Bereich bewegen, ansonsten war das System jedoch von der Außenwelt isoliert. Damit hatte es auch nichts, was als Uhr dienen konnte.

Die „Wolke“ im Inneren der Glaszelle ist eine magnetooptische Falle für Atome. Hier herrschen Temperaturen von etwa 0,0001 Grad über dem absoluten Nullpunkt.

Foto: University of Birmingham

Die Atome im „hellen“ Bereich bewegten sich in der Falle hin und her und flossen in regelmäßigen Abständen über die Barriere hinaus. Barontini bezeichnete diese Momente als „Urknall“. Kamen die Atome jedoch wieder zurück in die Barriere, bezeichnete der Physikprofessor dies als „Big Crunch“. Dabei handelt es sich um ein hypothetisches Szenario, bei dem sich die Expansion des Kosmos umkehrt.
Anschließend verfolgte er, wie Entropie – ein Maß für Unordnung oder Streuung der Atome und ihrem Verhalten innerhalb eines Systems – zwischen den beiden Hälften ausgetauscht wurde, während die Atome die Barriere überquerten. Anstatt eine Uhr im Labor zur Ordnung der Ereignisse heranzuziehen, entwickelte er eine „entropische Zeit“. Diese war ausschließlich dadurch definiert, wie viel Entropie zwischen den beiden Hälften des Systems floss.

Die drei Phasen der Zeit

Professor Barontini testete die Theorie der „entropischen Zeit“ anhand seines Universums im Labor und fand überraschend drei Phasen der Zeit:
  • floss Entropie, also nahm die Streuung der Teilchen im hellen Bereich zu oder ab, lief die Zeit vorwärts
  • verlangsamte sich der Austausch der Atome, verlangsamte sich auch die Uhr
  • erreichten beide Hälften ein Gleichgewicht, also gab es keinen Entropiefluss mehr, stand die Zeit still
„Die Studie liefert den ersten kontrollierten experimentellen Beweis dafür, dass ‚Zeit‘ durch Veränderungen innerhalb eines Systems definiert werden kann und nicht als die externe ‚tickende Uhr‘, die wir als Zeit verstehen“, erklärte Prof. Barontini.

Zeitgefühl erklärt durch Unwissenheit oder Schrödingers Katze

Sowohl die Zeit selbst als auch die Richtung, in die eine Zeit fließt (sogenannte Zeitpfeil), könnten demnach aus einer Quelle stammen: einem Beobachter, der auf Informationen verzichtet.
Als Barontini beschloss, den dunklen Bereich nicht zu betrachten, verzichtete er auf das Wissen über diese Hälfte des Systems. Dieser Akt der Unwissenheit, der in der Entropie kodiert ist, war es, der in der anderen Hälfte die Zeit entstehen ließ. Dies erinnert stark an Schrödingers Katze, die gleichzeitig tot und lebendig ist – je nachdem, ob man in den Karton sieht oder nicht.
„Sowohl die Zeit als auch der Pfeil der Zeit – vielleicht entstehen sie einfach aus Unwissenheit“, resümiert Barontini. „Um Zeit zu haben und zu beobachten, muss man auf gewisse Freiheitsgrade verzichten.“
Schenken wir in unliebsamen Momenten den Uhren also keine Aufmerksamkeit, können wir uns vielleicht künftig schneller den schönen Momenten im Leben widmen.
Die Studie erschien am 11. Juni 2026 in der Fachzeitschrift „Physical Review Research“.
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Legte der Heronsball den Grundstein für die Dampfmaschine?


In Kürze:

  • Vor rund 2.000 Jahren entstand in Ägypten mit dem Heronsball eine frühe Form der Dampfmaschine.
  • Der Entwickler der sogenannten Aeolipile war Heron von Alexandria, auf den auch die Erfindung von Wasserorgeln und münzbetriebenen Automaten zurückgeht.
  • Zwar nutzte die „Windkugel“ das Prinzip der Dampfkraft, doch als Energiequelle oder zum Antrieb im eigentlichen Sinne kam sie wahrscheinlich nie zum Einsatz.

 
Wenn es um die Dampfmaschine geht, glauben viele Menschen bis heute, dass der schottische Erfinder James Watt (1736–1819) diese erstmals während der Industriellen Revolution entwickelte. Doch dem ist nicht so, denn Watt verfeinerte lediglich die Erfindung des Briten Thomas Newcomen (1663–1729).
Doch auch Newcomen war nicht der Erste, der die erste Art einer Wärmekraftmaschine baute. Das Prinzip, mechanische Bewegung durch Dampfdruck zu erzeugen, um damit etwa Kolben, Räder oder Pumpen zu betreiben, wurde bereits vor rund 2.000 Jahren entdeckt.

Entwickelt in einer antiken Ideenschmiede

Den ersten bekannten Apparat dieser Art entwickelte der antike Mathematiker und Ingenieur Heron von Alexandria († nach 62 n. Chr.). Sein kreativer Schaffensort war die berühmte Bibliothek von Alexandria, wo Heron Schriften aus der gesamten, damals bekannten Welt studieren und allerlei physikalische Experimente durchführen konnte.
Es ist nicht auszuschließen, dass Heron dabei die Werke des ptolemäischen Erfinders Ktesibios (ca. 300–222 v. Chr.) und des römischen Ingenieurs Vitruv (ca. 80–15 v. Chr.) in den Händen hielt. Beide Gelehrte der vorchristlichen Zeit kannten bereits einen Apparat, der mittels kochendem Wasser einen starken Luftzug erzeugte.
Sehr wahrscheinlich sammelte Heron zur Zeit des römisch besetzten Ägyptens zahlreiche solche Erfindungen und wissenschaftliche Prinzipien und schrieb diese in eigenen Schriften nieder. Bis heute sind unter anderem die Werke „Dioptra“ („Buch der Optik“), Automata („Buch der Maschinen“), Pneumatika („Buch der Pneumatik und Hydraulik“) und Metrika („Buch der Messung“) bekannt.
Zwischen zahlreichen ausgeklügelten Konstruktionen wie einer Wasserorgel oder einem münzbetriebenen Weihwasserspender, die alle in Tempeln zum Einsatz kamen, beschrieb Heron auch den Aufbau und die Funktion einer Vorrichtung namens „Aeolipile“. Übersetzt bedeutet dies in etwa „Windkugel“, ist sprachlich an den griechischen Windgott Aiolos angelehnt und lässt die Art des Apparates bereits erahnen.

Die Zeichnung des 9. Jhs. soll den antiken Mathematiker und Ingenieur Heron von Alexandria zeigen.

Die Kunst, eine Kugel zum Drehen zu bringen

Bei seiner Aeolipile, die auch Heronsball genannt wird, handelte es sich um einen dreifüßigen Kessel, an dem eine Kugel über zwei Rohre so befestigt ist, dass sie sich drehen konnte. Der Kessel selbst ist geschlossen und mit Wasser gefüllt, während die Kugel zwei gegenläufig gebogene Austrittsdüsen besitzt.
Stellt man diesen Apparat nun über eine Hitzequelle, in der Antike ein gut geschürtes Holzfeuer, wird das Wasser im Kessel erhitzt und es entsteht Wasserdampf. Dieser sucht sich den Weg des geringsten Widerstands und strömt durch die Rohre in die Kugel, wo er schließlich aus den Düsen austritt.
Der Heronsball – schematische Zeichnung

Schematische Zeichnung des Heronsballs aus dem Jahr 1876.

Unter Berücksichtigung der Newtonschen Gesetze erzeugt der druckvoll entweichende Dampf mittels Rückstoßeffekt ein Drehmoment und die Kugel rotiert – wie ein Rasensprenger im Garten. Dabei wird thermische Energie in Rotationsenergie umgewandelt.
Um eine Windkugel erfolgreich zu betreiben, benötigte man jedoch saubere Handwerksarbeit und optimale Bedingungen. So müssen die Düsen tangential und nicht radial zur Rotationsachse ausgerichtet sein, damit die Kugel den maximalen Schwung erreicht. Wichtig ist auch eine leichtgängige Kugel, da ein Widerstand ebenso die Leistung verringert. Hinzu kommt, dass die Düsen nicht in die gleiche Richtung angebaut sein dürfen und das Wasser ausreichend stark erhitzt werden muss, da sonst kein Schub entsteht. [Mehr dazu]

Kuriosum ohne praktischen Nutzen?

Der Heronsball war somit eines der frühesten bekannten Instrumente, das Dampfdruck in Drehbewegung umwandelte – auch moderne Dampfturbinen machen sich dieses Prinzip zunutze. Allerdings diente er weder als Energiequelle noch als Antriebsart im Sinne einer Dampfmaschine.
Dass es dieses Gerät gab, wissen wir nur aus Schriftquellen – ein echtes Exemplar konnten Archäologen bislang nicht entdecken. Außerdem scheint diese Erfindung in der Antike praktisch nie verwendet worden zu sein. Schon damals galt der Heronsball als reines Kuriosum. Sein praktischer Nutzen wurde offenbar nicht erkannt.

Nachbau eines Heronsballs in einem griechischen Museum.

Wieso diese Erfindung nie in großem Umfang im antiken Alltag zum Einsatz kam, ist nicht genau bekannt. Bis damit wirklich eine Fabrik angetrieben oder etwas in Bewegung gesetzt wurde, vergingen wahrscheinlich rund 1.500 Jahre.

Aus einem Prinzip wird eine Dampfmaschine

Die erste dampfgetriebene Maschine meldete der spanische Universalgelehrte Jerónimo de Ayanz y Beaumont (1553–1613), der auch als „spanischer da Vinci“ bekannt ist, im Jahr 1606 zum Patent an.
Anders als die vorherigen Apparate kam diese frühe Dampfmaschine tatsächlich für Arbeitszwecke zum Einsatz – dem Auspumpen von Wasser in Bergwerken. Doch auch dieses Gerät war nicht dauerhaft funktionstüchtig und wurde im Laufe der nächsten 100 Jahre durch andere Erfinder stetig verbessert.
1712 war es dann soweit: Der Brite Thomas Newcomen baute eine Kolben antreibende atmosphärische Dampfmaschine. Mit dieser konnten zunächst lediglich Pumpvorgänge in Bergwerken getätigt werden. Sie hatte einen Wirkungsgrad von 0,5 Prozent.

Aufbau und Prinzip der Newcomen Dampfmaschine.

Dank zahlreicher Weiterentwicklungen gelang es James Watt schließlich 1769, den Wirkungsgrad zu erhöhen und die Dampfmaschine im großen Stil für die Industrie anwendbar zu machen. Der französische Offizier und Erfinder Nicholas Cugnot nutzte sie erstmals zum Antrieb eines Wagens und der britische Ingenieur und Maschinenbauer Richard Trevithick setzte sie schließlich auf Schienen.
Weitere Artikel aus der Reihe „Rätselhafte Relikte“ finden Sie hier.
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Winzige Plasmawirbel auf der Sonne entdeckt


In Kürze:

  • Ein Solar-Teleskop auf Hawaii entdeckt kleine Wirbel auf der Sonnenoberfläche.
  • Forscher werten das als Anzeichen von Instabilitäten im Sonnenplasma.
  • Die Entdeckung soll dazubeitragen explosive Sonnenausbrüche besser zu verstehen.

 
Forschern des US-amerikanischen Sonnen- und des Höhenobservatoriums sowie des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen sind erstmals Aufnahmen kleinster wirbelartiger Strukturen auf der Sonnenoberfläche gelungen. Sie nutzten dafür das weltgrößte Sonnenteleskop, das NSF Daniel K. Inouye Solar Telescope auf Hawaii, und verglichen diese Bilder mit denen aufwendiger Computersimulationen.

Kleinste sichtbare Wirbel auf der Sonne

Die Wirbel treten an den Rändern zwischen sogenannten Granulen auf, welche die sichtbare Oberfläche der Sonne dicht an dicht überziehen. Sie messen zwischen 500 und 2.000 Kilometern im Durchmesser. In ihrer Gesamtheit bilden sie die sogenannte Granulation der Sonne: ein Muster, das an die blubbernden Blasen in einer siedenden Flüssigkeit erinnert. Die Granulation entsteht jedoch durch Plasmaströme, die aus dem heißen Innern der Sonne aufsteigen, abkühlen und wieder in die Tiefe sinken.
In der neuen Studie gelang es erstmals, ausgefranst wirkende Strukturen an den Rändern dieser Granulen sichtbar zu machen, die stellenweise verwirbeln und dabei anmuten wie sich brechende Meereswellen. Die „Fransen“ sind stellenweise kaum mehr als 20 Kilometer breit. Diese feinen Strukturen abzubilden, ist vergleichbar damit, eine Ein-Euro-Münze aus einer Entfernung von 180 Kilometern zu erkennen.
„Das ist an der Grenze dessen, was selbst das weltgrößte Sonnenteleskop und modernste Simulationen leisten können“, weiß Michiel van Noort vom MPS.
Van Noort trug als Teil des Teams zu den Beobachtungen auf Hawaii bei und verantwortete die Datenreduktion und Bildrekonstruktion. Die Forscher nutzen eine Breitband-Kamera des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung.
Ein Vergleich einer Beobachtung des Inouye Solar Telescope (oben links) mit einem Bild, das mit Hilfe modernster Computersimulationen erzeugt wurde (oben rechts). Die bemerkenswerte Übereinstimmung beider Bilder ermöglicht es Forschenden, den Ursprung der Kelvin-Helmholtz-Instabilität zu bestätigen – ein universelles physikalisches Phänomen, das auftritt, wenn benachbarte Flüssigkeits- oder Gasschichten sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegen und an ihrer Grenzfläche Wirbelmuster erzeugen. Eine simulierte Karte des Magnetfeldes an der Sonnenoberfläche (unten rechts) bestätigt, dass diese Prozesse die Grenzen der magnetischen Elemente physikalisch krümmen und verformen. Foto: © NSF/NSO/AURA/HAO

Beobachtungen des Inouye Solar Telescope (o.l., u.l.) zeigen eine „bemerkenswerte Übereinstimmung“ mit Simulationen von Kelvin-Helmholtz-Instabilitäten (o.r., u.m.), einem universellen physikalischen Phänomen, das auftritt, wenn benachbarte Flüssigkeits- oder Gasschichten sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegen. Eine simulierte Karte des Magnetfeldes an der Sonnenoberfläche (u.r.) bestätigt, dass diese Prozesse die Grenzen der magnetischen Elemente physikalisch krümmen und verformen.

Foto: NSF/NSO/AURA/HAO

Instabilitäten im Sonnenplasma

Die Forscher werten die wirbelartigen Plasmaströme als Anzeichen von sogenannten Kelvin-Helmholtz-Instabilitäten. Dies ist ein bekannter Effekt aus der Dynamik von Flüssigkeiten. Er tritt auf, wenn zwei Fluide mit verschiedenen Geschwindigkeiten aneinander vorbeiströmen. Dabei kommt es an der Grenzfläche zu Scherkräften, durch die kleinste Störungen zu wellen- oder wirbelartigen Strömen anwachsen.
Der Effekt kommt in unterschiedlichsten Bereichen und auf verschiedenen Größenskalen zum Tragen. Man sieht ihn etwa an der Oberfläche von Seen oder bei Meereswellen und bei der Wolkenbildung. Auch in den Atmosphären der riesigen Gasplaneten Jupiter und Saturn ist er zu sehen. Es gibt ihn auch bei der Wechselwirkung des Sonnenwindes mit den Magnetosphären von Planeten.
Offenbar entstehen auch an den Rändern der Sonnengranulen Bereiche, in denen aneinander angrenzende Plasmaschichten mit verschiedenen Geschwindigkeiten strömen und so die notwendigen Voraussetzungen für Kelvin-Helmholtz-Instabilitäten schaffen.
Die nun entdeckten, im Vergleich zur Sonnenoberfläche, winzigen Plasmawirbel erlauben damit einen völlig neuen Blick auf Prozesse, durch welche die Sonne Energie in ihrem Magnetfeld speichert und freisetzt. Dies geschieht etwa in Form kleinster Strahlungsausbrüche, sogenannter Nano-Flares. Gemäß der gängigen Theorie baut die Sonne magnetische Energie auf, indem sich Magnetfeldlinien verdrillen und verdrehen – ähnlich wie die mechanische Energie, die in einer eng gewunden Metallfeder gespeichert ist.

Verdrillte Magnetfeldlinien an der Grenze des heute Sichtbaren

So entsteht eine sehr energiereiche, aber auch instabile Magnetfeld-Architektur. Die aufgestaute Energie kann sich schlagartig entladen. Dabei reißen die verdrillten Magnetfeldlinien auf und verbinden sich neu. Der Vorgang wird als magnetische Rekonnektion bezeichnet.
Allerdings war bisher unklar, wodurch sich die Magnetfeldlinien überhaupt verdrillen. Die neue Entdeckung könnte einen Teil der Antwort auf diese Frage liefern. Da die Wirbel offenbar ständig und überall dort auftreten, wo das Magnetfeld stark genug ist, könnten sie der Motor sein, der das Verdrillen routinemäßig in Gang setzt. Sami K. Solanki, Direktor des MPS und Koautor der neuen Veröffentlichung erklärte:
„Die neu entdeckten Plasmawirbel zeigen auf beeindruckende Weise, wie kleinste Prozesse – an der Grenze dessen, was wir mit allen Mitteln der Kunst auflösen können – maßgeblich das Wesen unseres Sterns bestimmen.“
Die Auswertungen zeigen zudem, dass die Mini-Wirbel magnetisiertes und nicht magnetisiertes Plasma an der Sonnenoberfläche effizient vermischen. Dies könnte dazu beitragen, dass sich das Magnetfeld von der Oberfläche rasch in die Atmosphäre der Sonne ausbreitet.
Das ist wichtig, um zu verstehen, warum die Sonnenaktivität im elfjährigen Rhythmus ansteigen und wieder abfallen kann. Denn ein Wechsel von niedriger zu hoher Aktivität ist begleitet von einem raschen Wechsel des magnetischen Grundgerüsts der Sonne von einem relativ geordneten Dipol-Magnetfeld zu einem chaotischen Feld und wieder zurück.
Diese Veränderungen sind nur möglich, wenn magnetischer Fluss effizient durch die Sonnenatmosphäre „abtransportiert“ wird. Bisherige Modelle können eine solch schnelle „Diffusion“ nicht erklären. Die neu entdeckten Wirbel könnten das Verständnis des Sonnenzyklus einen entscheidenden Schritt voranbringen.
Mit Material der Max-Planck-Gesellschaft
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Sonnenfinsternis in Spanien im Livestream


In Kürze:

  • Heute Abend schiebt sich der Neumond vor die Sonne und erzeugt eine Sonnenfinsternis.
  • Ein schmaler Streifen von Oviedo an der spanischen Atlantikküste bis Mallorca verschwindet bis knapp zwei Minuten in totaler Dunkelheit.
  • In weiten Teilen Europas lässt sich eine partielle Sonnenfinsternis beobachten.
  • Von Deutschland aus gesehen, schiebt sich der Mond ab kurz nach 19:00 Uhr vor die Sonne und wird sie – je nach Standort – zu 84 bis 90 Prozent verdecken.
  • Sowohl die Europäische Weltraumagentur ESA als auch die NASA senden aus Nordspanien live.

 
Schon als Kind betrachtete Enrique Bordallo voller Staunen den Sternenhimmel über seiner spanischen Heimat. Bis heute begeistert er sich für Gestirne; seine Vorfreude auf die totale Sonnenfinsternis am Mittwochabend ist riesig. „Wir sind völlig aus dem Häuschen!“, sagt Bordallo, der den Astronomieverein in Burgos leitet. In dieser Stadt in Nordspanien wird das astronomische Spektakel besonders gut zu beobachten sein.

Wettrennen um Betten und Brillen

Hinzu kommt, für Spanien ist es die erste totale Sonnenfinsternis seit 1905. Obwohl extrem kurz, verschafft das astronomische Ereignis der Gegend große Aufmerksamkeit: Hunderttausende Besucher werden erwartet, von denen einige ihre Zimmer bereits vor Jahren gebucht haben. Falls noch Unterkünfte verfügbar sein sollten, ist mit Mondpreisen zu rechnen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass auch diese schon vergeben sind und es zwischen Oviedo im Norden und Palma de Mallorca in diesen Tagen keine freien Betten gibt.

Von Oviedo im Norden bis Palma de Mallorca ist die totale Sonnenfinsternis sichtbar.

Der Mondschatten wird mit rund 2.500 Kilometer pro Stunde – über 40 Kilometer pro Minute – über Spanien ziehen, bevor der sich im Mittelmeer mit dem Sonnenuntergang trifft und verschwindet.

Und Betten sind nicht das einzige knappe Gut: Zwei Millionen spezielle Sonnenfinsternisbrillen hat die spanische Regierung in einer gemeinsamen Kampagne mit einer Organisation für Sehbehinderte bereitgestellt, damit das Himmelsspektakel nicht zu massenhaften Augenschäden führt. Trotzdem ist der zertifizierte Sehschutz kaum zu bekommen.
An vielen Ausgabestellen wie Kiosken oder Museen sind die Gratis-Brillen vergeben, in einigen Apotheken in der Hauptstadt Madrid war der Sehschutz am Dienstag noch zum Preis zwischen drei und vier Euro zu haben. In anderen Ländern ist es nicht anders.
„Es ist verrückt“, sagte ein Apotheker in Paris. Sein Lieferant sei von der Nachfrage so überwältigt, dass er die Brillen nicht mehr selbst ausliefern könne und die Bestellungen stattdessen mit einem Uber kämen. Verkaufspreis: 10 Euro pro Brille. Auch Fouad Mehdaoui, Ladenbesitzer in der belgischen Hauptstadt Brüssel, berichtete, dass er in letzter Minute noch eine Lieferung von hundert Brillen bekommen habe. „Alle waren innerhalb von 30 Minuten weg“, sagte er.
Zudem erfüllen nicht alle auf dem Markt erhältlichen Brillen die notwendigen Schutzstandards. In Spanien zogen die Behörden am Montag sechs Modelle aus dem Verkehr, da ihre Nutzung laut einer Verbraucherschutzorganisation „das Risiko von Augenschäden“ mit sich bringe.

Nicht mit bloßen Augen in die Sonne schauen

Dennoch ist es wichtig, nicht ohne eine Schutzbrille in die Sonne zu sehen, denn sonst kann man es genau zweimal tun: einmal mit dem linken Auge, einmal mit dem rechten, heißt es scherzhaft unter Astronomen. Die Warnung dahinter ist jedoch äußerst ernst und gilt auch bei weitgehender Verfinsterung sowie einsetzender Dämmerung.
Wer ungeschützt in die Sonne blickt, läuft Gefahr, zu erblinden, denn unsere Augen bündeln das Licht wie ein Brennglas – und haben keine Schmerzrezeptoren. Ersteres führt dazu, dass binnen kürzester Zeit bleibende Schäden an der lichtempfindlichen Netzhaut drohen. Letzteres ist trügerisch, denn wenn Betroffene es bemerken, ist es bereits zu spät.
Eine sichere Beobachtung ist laut Bundesamt für Strahlenschutz daher nur mit genormten (ISO 12312-2:2015) und entsprechend gekennzeichneten Spezialbrillen für Sonnenfinsternisse möglich. Auch indirekte Beobachtung durch Projektion auf eine Fläche etwa mittels Lochkamera sind möglich.
Auf keinen Fall darf jedoch mit Ferngläsern oder Kameras ohne Sonnenfilter in die Sonne geschaut werden; die Optik bündelt das Licht zusätzlich und verstärkt Augenschäden. Eindringlich gewarnt wird zudem vor improvisierten Hilfsmitteln wie gefalteten Rettungsdecken, Gletscherbrillen oder schwarzen Filmstreifen.

Es bleibt eine schmale Sichel

Vollkommen dunkel wird es in Deutschland nicht, aber die Sonnenfinsternis ist auch hierzulande gut zu sehen. Laut Astronomen werden während des Maximums je nach Standort etwa zwischen 84 und 90 Prozent der Sonne verdeckt – es bleibt also eine schmale Sichel. Grundsätzlich ist die partielle Sonnenfinsternis aber überall in Deutschland zu sehen.
Das Ereignis wird insgesamt fast zwei Stunden dauern und mit dem beginnenden Sonnenuntergang zusammenfallen. Der Mond schiebt sich in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ab 19:11 Uhr allmählich vor die Sonne. In den Bundesländern weiter südlich beginnt das kosmische Spektakel einige Minuten später, in Bayern etwa um 19:19 Uhr. Der Höhepunkt mit der maximalen Sonnenbedeckung wird etwa eine Stunde später erreicht, wobei es ebenfalls abermals eine leichte Zeitverzögerung in Nord-Süd-Richtung gibt.

Verlauf und Sichtbarkeit der Sonnenfinsternis am 12. August 2026.

Foto: Grzegorz Nykiel/Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Das Maximum stellt sich nach Angaben des Heidelberger Hauses der Astronomie in Kiel und Rostock um 20:07 Uhr ein, in Berlin um 20:09 Uhr, in Dresden um 20:11 Uhr, in Köln um 20:13 Uhr, in München und Stuttgart um 20:16 Uhr und in Freiburg um 20:18 Uhr. Je später, desto größer ist die Bedeckung. In Freiburg beispielsweise ist die Sonne zu über 90 Prozent verdeckt, in Berlin sind es noch knapp 85 Prozent.
Danach gibt der Mond nach und nach die Sonne wieder frei, bis die partielle Finsternis zwischen 20:48 Uhr und 21:03 Uhr überall in Deutschland beendet sein wird. Dies fällt mit dem Sonnenuntergang zusammen. Das heißt, die Sonne geht noch teilweise verfinstert unter.

Der beste Blick: in Deutschland, in Spanien, auf dem Sofa

Wegen des Zeitpunkts kurz vor Sonnenuntergang benötigen Beobachter unbedingt einen freien Blick auf den Horizont in Richtung Westen. Zu Beginn der partiellen Finsternis steht die Sonne dem Haus der Astronomie zufolge noch etwa zwölf Grad über dem Horizont, während des Höhepunkts der Verfinsterung aber nur noch etwa vier Grad. Häuser, Bäume oder Hügel können schnell einen Strich durch die Rechnung machen. Das Wetter hingegen eher nicht:
Dank des vorherrschenden Hochdruckeinflusses werde die Sonnenfinsternis „fast landesweit hervorragend zu beobachten sein“, teilte der Deutsche Wetterdienst am Dienstag mit. Nur den Norden überziehen dann zeitweise ein paar hohe Wolkenfelder.
In Spanien ist vor allem direkt an der Atlantikküste mit Wolken zu rechnen. Ideale Beobachtungsbedingungen herrschen daher eher im Landesinneren. Auch an der Mittelmeerküste ist ein leichter Schleier nicht ausgeschlossen. Auf den Balearen hingegen ist wiederum mit klarem Himmel zu rechnen, dafür ist hier die Dauer kürzer. Der nordöstlichste Zipfel Portugals versinkt sogar nur für wenige Sekunden in kompletter Dunkelheit.
Noch besser als vor Ort ist die Sonnenfinsternis nur mittels Profiausrüstung zu beobachten. Die Europäische Raumfahragentur verfolgt die Sonnenfinsternis gleich an drei Standorten: am Observatorio Astrofísico de Javalambre, in Leon und in Frómista (Palencia). Ab 19:30 überträgt sie die Bilder der Teleskope des Observatorium live.

An dieser Stelle wird ein Video von Youtube angezeigt. Bitte akzeptieren Sie mit einem Klick auf den folgenden Button die Marketing-Cookies, um das Video anzusehen.

Die US-amerikanische Raumfahrtbehörde wird die Sonnenfinsternis aus Island und Spanien beobachten und beginnt seine Übertragung bereits 19:15 Uhr. Außerdem wird ein Höhenforschungsflugzeug den Schatten des Mondes verfolgen.

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Angesichts der technisch erheblich besser ausgestatteten Raumfahrtbehörden verzichtet Epoch Times auf eine eigene Liveübertragung aus Nordspanien. Unsere Reporter vor Ort wird Sie stattdessen mit exklusiven Bildern und einem Bericht aus erster Hand versorgen.

Sonne und Mond kehren zurück

Etwa ein- bis zweimal pro Jahr gibt es eine Sonnenfinsternis. Da der Streifen der absoluten Verdeckung jedoch nur wenige hundert Kilometer breit ist, kann es bis zu 400 Jahre dauern, bis am selben Ort wieder eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten ist. Spanien kann sich dennoch über drei Finsternisse in drei Jahren freuen:
Am 2. August kommenden Jahres wird in Südspanien, Nordafrika und der arabischen Halbinsel eine besonders lang andauernde totale Sonnenfinsternis zu beobachten sein. Sechs Minuten und 23 Sekunden lang wird die Sonne dann im Kernschatten des Mondes liegen. Eine ähnlich lange Sonnenfinsternis wird es danach bis 2114 nicht mehr geben.
Ganz so lange muss Deutschland nicht warten. Der Mondschatten erreicht uns „schon“ im Jahr 2081 wieder. Während alte Kulturen dieses merkwürdiges Phänomen als Zeichen der Apokalypse oder Botschaften der Götter betrachteten, wissen wir heute also sehr genau, was, wann und wo passiert – und dennoch ist es immer wieder faszinierend.
Oder um es mit den Worten Enrique Bordallos zu sagen: „Wir können es kaum erwarten, dass es endlich so weit ist, und hoffen auf gutes Wetter.“
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Die Bedeutung der Sonnenfinsternis im alten Rom


In Kürze:

  • Eine Sonnenfinsternis sorgt seit jeher für Staunen und Furcht bei den Menschen – auch bei den Gebildeten und Gewöhnlichen des Römischen Reiches.
  • Zwar kannten sie die kosmische Ursache des Naturphänomens, aber dennoch glaubten sie, dass ihnen damit die Götter eine Botschaft vermitteln wollten.
  • Römische Politiker deuteten sie oft als schlechte Omen, Missfallen der Götter oder ungünstige Zeitpunkte für ihre Bestrebungen.

 
Am 12. August wird Europa – und insbesondere Spanien – den Blick zum Himmel richten, um eine historische Sonnenfinsternis zu beobachten. Wir wissen bereits, wann sie beginnt, wie lange sie dauern wird und welcher Teil der Sonne hinter dem Mond verborgen sein wird. Mit Apps auf unseren Smartphones können wir den genauen Zeitpunkt der maximalen Bedeckung berechnen und uns die besten Beobachtungsorte anzeigen lassen.
Doch während eines Großteils der Menschheitsgeschichte waren Sonnenfinsternisse weit mehr als nur eine astronomische Kuriosität. Tatsächlich galten sie als mächtige Ereignisse, die in der Lage waren, die Welt selbst neu zu ordnen. Das antike Rom bildete hier keine Ausnahme, da die Sonne in seiner vorchristlichen Religion eine wichtige Rolle spielte.

Frühe Erforschung der Sonnenfinsternis

Das Wort Sonnenfinsternis leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet „Verschwinden der Sonne“. Obwohl Gelehrte und frühe Astronomen wissenschaftliche Erklärungen lieferten, deutete man Sonnenfinsternisse weithin als Zeichen der Götter. In der religiösen Gesellschaft Roms wurden sie deshalb aufmerksam verfolgt.
Die beiden Weltanschauungen – wissenschaftlich und empirisch sowie abergläubisch – existierten jahrhundertelang nebeneinander. Für uns bieten sie heute einen Einblick, wie die Römer das Verhältnis zwischen Natur, Religion und Macht verstanden. Die Synthese dieser Ideen ist bis heute gebräuchlich, wenn wir das aus dem Lateinischen stammende Wort „Omen“ verwenden, um ein Zeichen zu beschreiben, das sowohl ein Ereignis vorhersagt, als auch etwas darüber aussagt.
Zwei Philosophen beobachten eine Sonnenfinsternis

Das Werk von Pierre Brébiette (1598–1650) zeigt zwei Philosophen beim Beobachten einer Finsternis.

Es waren babylonische Astronomen, die entdeckten, dass Sonnenfinsternisse zyklisch auftreten. Ihre Methoden zur Vorhersage wurden von den alten Griechen und anschließend von den Römern übernommen.
Römische Gelehrte wie Plinius der Ältere (um 23–79) und Seneca (um 1–65) stellten in ihren jeweiligen Werken „Naturalis historia“ und „Thyestes“ Theorien zu Sonnenfinsternissen auf. Damit war die römische Astronomie alles andere als rudimentär.
Ein bemerkenswertes Beispiel fand zur Zeit von Kaiser Claudius (10 v. Chr.–54 n. Chr.) statt. Der römische Historiker Cassius Dio (um 163–235) berichtet, dass der Kaiser seine Bevölkerung vor einer Sonnenfinsternis am 1. August des Jahres 45 n. Chr. warnte, damit diese nicht in Panik geriet.
Offensichtlich waren sich die kaiserlichen Behörden bewusst, dass sie die vorübergehende Dunkelheit vorhersagen konnten, und kannten die tiefe Angst, die ihr unheilvoller Charakter in der Bevölkerung auslöste.

Zeichen der Götter

Zwar kannten die Römer die astronomischen Zusammenhänge hinter Sonnenfinsternissen, doch schloss dies religiöse Deutungen nicht aus. Für einen Römer wurde das Universum von den Göttern beherrscht. Ein Naturphänomen konnte daher eine physikalische Ursache haben und zugleich eine göttliche Botschaft vermitteln.
In „Vitae parallelae“ berichtet der Historiker Plutarch (um 45–125), wie im Juni 708 v. Chr. der Tod des ersten Königs von Rom damit einhergegangen sein soll, dass der Tag zur Nacht wurde. Vielleicht wurden Sonnenfinsternisse daher oft als „prodigia“ eingestuft – Omen, die auf eine Störung des Gleichgewichts zwischen Göttern und Menschen hindeuteten und eine Reaktion der Staatsreligion erforderten.
Die Werke des Historikers Livius (um 59 v. Chr.–17 n. Chr.) sind voller weiterer Beispiele. So sollen sich im Jahr 340 v. Chr. gleichzeitig eine Sonnenfinsternis und ein Hagelsturm ereignet haben. Als Reaktion darauf, ordnete der Senat umgehend Rituale an, um den Frieden mit den Göttern wiederherzustellen.
Eine weitere Sonnenfinsternis soll Rom am 17. Juli des Jahres 188 v. Chr. für fast zwei Stunden in Dunkelheit gestürzt haben. Laut Livius löste dies solche Besorgnis aus, dass eine dreitägige Reinigung des heiligen Aventinhügels angeordnet wurde.

Sonnenfinsternis aus der Sicht römischer Politiker

Sonnenfinsternisse, die mit Zeiten politischer Krisen zusammenfielen, verstärkten ihren unheilvollen Charakter. Während der Jahre der römischen Expansion nach Mazedonien wurde eine Sonnenfinsternis als Vorbote der Niederlage der Griechen in der Schlacht von Pydna im Jahr 168 v. Chr. gedeutet.
Im Jahr 49 v. Chr. erwähnte Cassius Dio eine totale Sonnenfinsternis als Teil einer Reihe von Omen, die Unglück für Rom vorhersagten. Die Auswirkungen waren so groß, dass einige Magistrate sogar den Antritt ihres Amtes verschoben, da sie den Zeitpunkt für ungünstig hielten. Der Politiker und Philosoph Cicero (106–43 v. Chr.) deutete die partielle Sonnenfinsternis vom 18. Mai 63 v. Chr. als schlechtes Omen für sein Konsulat, das in jenem Jahr beginnen sollte.

Das Relief am Konstantinsbogen in Rom zeigt den römischen Sonnengott Sol mit seinem Himmelswagen.

Sonnenfinsternisse werden sogar in der Bibel beschrieben. So soll eine von ihnen den Himmel nach dem Tod Jesu verdunkelt haben und war der Ausdruck des Wunders, das nach der Kreuzigung auftrat.
In Rom lag das Interesse an Sonnenfinsternissen nicht nur in der Tatsache, dass sie den Himmel für einige Minuten verdunkelten, sondern in der Bedeutung, die dieser Dunkelheit beigemessen wurde. Der Kosmos und die Geschichte waren Teil derselben Ordnung, und jede Störung am Himmel musste richtig gedeutet werden. Man glaubte, dass die Zukunft, Gesundheit und Wohlergehen des Volkes – und vor allem des Staates – in hohem Maße davon abhingen, wie zutreffend diese Deutungen waren.

Zur Zeit der Kreuzigung Jesu soll sich eine Sonnenfinsternis ereignet haben.

Foto: Timacoch/iStock

Die Erfahrung der einfachen Menschen

Die überwiegende Mehrheit der römischen Bevölkerung hatte indes weder Aristoteles gelesen, noch hatte sie Zugang zu den Werken von Seneca oder Plinius dem Älteren. Ihre Erfahrung mit der Sonnenfinsternis war daher eine ganz andere.
Für sie verschwand die Sonne – die Ursache für Licht, den Kalender und den Tagesablauf – einfach unerwartet am helllichten Tag. Es war nur natürlich, diese Dunkelheit als eine furchterregende kosmische Störung zu deuten.
Es gibt Berichte über abergläubische Volksvorstellungen, die Rom von anderen Kulturen übernommen hatte. Dazu gehörte das Lärmmachen durch das Schlagen auf Töpfe und Pfannen, um der Sonne zu helfen, ihr Licht wiederzuerlangen, oder um die Kräfte zu vertreiben, die sie zu bedrohen schienen, indem sie sie vom Himmel verschwinden ließen.
Auf diese Weise glaubten die Menschen, sie trügen dazu bei, ein Phänomen abzuwehren, das die natürliche Ordnung störte und das, wie alle unbekannten Dinge, Angst und Unsicherheit hervorrief.
Das Gemälde „Astronomen beobachten eine Sonnenfinsternis“ von Antoine Caron

Das Gemälde „Astronomen beobachten eine Sonnenfinsternis“ von Antoine Caron (1521–1599).

Angesichts der Sonnenfinsternis am 12. August wird unsere eigene Reaktion nicht von Angst oder Unbehagen geprägt sein. Wenn uns die Verdunklung jedoch dazu veranlasst, zum Himmel aufzublicken, können wir uns daran erinnern, dass dies auch bereits die Römer taten. Dabei stellten sie sich wohl eine Frage, die die Astronomie niemals beantworten konnte: Was wollen uns die Götter damit sagen, dass sie die Sonne so plötzlich verschwinden lassen?
Dieser Artikel erschien im Original auf theconversation.com unter dem Titel „Science, religion, and political omens: the meaning of eclipses in ancient Rome“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)The Conversation
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Sind unser Obst und Gemüse noch gesund?

Immer wieder sorgen Rückrufe von Lebensmitteln für öffentliche Aufmerksamkeit. Zu den jüngsten Fällen zählt unter anderem der Rückruf einer tiefgefrorenen Biobeerenmischung, die über Aldi, Lidl und Netto vertrieben wurde, nachdem Noroviren nachgewiesen wurden.
Eine Untersuchung der Verbraucherorganisation foodwatch, die im April veröffentlicht wurde, zeigte zudem: Von 64 in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Österreich untersuchten Produkten enthielten 45 Proben – rund 67 Prozent – Rückstände von Pestiziden, die in Europa nicht zugelassen sind. (Das heißt nicht unbedingt, dass die EU-Grenzwerte überschritten wurden. Foodwatch und andere Verbraucherorganisationen fordern, dass die Schwellenwerte für nicht zugelassene Pestizide auf null gesetzt werden.)
Solche Fälle werfen die Frage auf, wie sich die Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln in Deutschland langfristig entwickelt haben. Sind unser Obst und Gemüse heute tatsächlich häufiger von Qualitätsproblemen betroffen als früher? Oder haben sich ihre Qualität und die Lebensmittelsicherheit in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt sogar verbessert?

„Die gute alte Zeit“ – war sie auch gut für die Lebensmittelproduktion?

Die moderne Landwirtschaft entstand im Zuge der Industrialisierung ab etwa 1850, gewann in Deutschland aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung – durch Mechanisierung, den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie moderne Züchtungsmethoden.
Schon vor dem Zweiten Weltkrieg gab es Pflanzenschutzmaßnahmen, etwa auf Basis von Kupferpräparaten oder anderen damals bekannten Mitteln gegen Krankheiten und Schädlinge. Die Landwirtschaft war also auch damals nicht frei von chemischen Mitteln zur Schädlingsbekämpfung, wie wir es heute im Bioanbau verstehen.

Die Grüne Revolution

Nach 1950 begann die Grüne Revolution, die durch eine starke Intensivierung der Landwirtschaft zwischen etwa 1965 und 1980 mit Hochleistungssorten, Mineraldünger, Pflanzenschutz und Bewässerung geprägt war. Diese Entwicklung erhöhte die Nahrungsmittelproduktion weltweit erheblich und prägt die moderne Landwirtschaft bis heute.
Vor der Grünen Revolution besaßen viele Kulturpflanzen vermutlich eine etwas höhere Nährstoffdichte als heutige Hochleistungssorten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen für einige Obst- und Gemüsesorten Rückgänge bei Mineralstoffen und Vitaminen im Verlauf des 20. Jahrhunderts.
Als Ursache gilt unter anderem der sogenannte Verdünnungseffekt, bei dem höhere Erträge zu geringeren Nährstoffkonzentrationen führen können. Gleichzeitig verbesserte die Grüne Revolution die weltweite Ernährungssicherheit erheblich, da die Erträge von Grundnahrungsmitteln stark anstiegen und Millionen Menschen vor Hunger bewahrt wurden.
Die Grüne Revolution führte zugleich zu einem deutlich höheren Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel als in der traditionellen Landwirtschaft zuvor. Die neuen Hochertragssorten waren häufig auf den Schutz durch Pflanzenschutzmittel angewiesen, um ihre Leistungsfähigkeit auszuschöpfen.
So stiegen zwar Erträge und Ernährungssicherheit vieler Länder erheblich, gleichzeitig entstanden jedoch neue Umwelt- und Gesundheitsdebatten über den Pestizideinsatz. Einige damals verwendete Wirkstoffe wie das Insektizid DDT gelten heute als umwelt- oder gesundheitsschädlich und wurden inzwischen verboten oder stark eingeschränkt.

Die Wurzeln des Ökolandbaus

Wer annimmt, die ökologische Landwirtschaft sei erst als Reaktion auf die Probleme der Grünen Revolution entstanden, irrt sich. Sie entstand in Deutschland bereits in den 1920er-Jahren als Reaktion auf die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft.
Als Geburtsstunde des modernen Biolandbaus gilt der „Landwirtschaftliche Kurs“ von Rudolf Steiner, eine Reihe von Vorträgen über die biologisch-dynamische Landwirtschaft im Jahr 1924. Die Biobewegung wollte Bodenfruchtbarkeit, Tiergesundheit und Lebensmittelqualität erhalten und setzte deshalb auf natürliche Kreisläufe statt auf synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel.
Größere wirtschaftliche Bedeutung erlangte der ökologische Landbau in Deutschland ab den 1970er-Jahren mit der Gründung von Anbauverbänden wie Bioland. 1991 schuf die damalige Europäische Wirtschaftsgemeinschaft mit der Verordnung (EWG) Nr. 2092/91 den ersten gemeinschaftsweiten Rechtsrahmen für den ökologischen Landbau.

Sind Biolebensmittel gesünder?

Untersuchungen zeigen, dass Biolebensmittel bei bestimmten Inhaltsstoffen wie Antioxidantien und Polyphenolen sowie teilweise bei Vitamin C, Eisen und Magnesium höhere Konzentrationen aufweisen können. Die Unterschiede lassen sich jedoch nicht bei allen Lebensmitteln und Nährstoffen nachweisen.
Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass Bioprodukte tendenziell eine etwas höhere Nährstoffdichte bestimmter Inhaltsstoffe besitzen können, ohne dass grundsätzlich alle Biolebensmittel deutlich nährstoffreicher sind als konventionell erzeugte.
Ein möglicher Grund liegt im langsameren Wachstum der Pflanzen, da im Bioanbau ohne Kunstdünger gearbeitet wird – das wirkt dem Verdünnungseffekt in der Nährstoffdichte entgegen.

Haben die Rückstände in Obst und Gemüse abgenommen?

In der EU gelten heute deutlich strengere Zulassungs- und Kontrollverfahren als noch vor 20 bis 30 Jahren. Viele ältere, als besonders problematisch geltende Wirkstoffe wurden verboten oder stark eingeschränkt.
Aktuelle Daten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für das Berichtsjahr 2024 zeigen:
  • Es wurden mehr als 9.000 Lebensmittelproben analysiert.
  • Rund 99 Prozent der Proben lagen innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte.
  • Das gesundheitliche Risiko durch Pestizidrückstände wird von der EFSA als niedrig eingestuft.
Das bedeutet allerdings nicht, dass keine Rückstände vorhanden sind. Rund 55 Prozent der Obst- und Gemüsesorten enthielten messbare Rückstände; diese lagen jedoch meist unter den gesetzlichen Höchstwerten.
Zudem können sich Stoffe, die für sich innerhalb der zulässigen Grenzwerte liegen, aufgrund von Wechselwirkungen untereinander gegenseitig verstärken.

Nicht nur die Anbaumethode

Viele Ernährungswissenschaftler sehen heute nicht die Anbaumethode allein als entscheidend an, sondern:
  • Bodengesundheit
  • Sortenauswahl
  • Reifegrad bei der Ernte
  • Lagerdauer
  • Frische des Produkts
Eine frisch geerntete Karotte vom regionalen Bauern kann deshalb nährstoffreicher sein als eine Biokarotte, die mehrere Wochen gelagert wurde oder einen langen Transport hinter sich hat. Umgekehrt kann ein Bioprodukt geringere Pestizidrückstände und mehr sekundäre Pflanzenstoffe enthalten als ein Produkt, das nicht biologisch angebaut wurde.
Obst und Gemüse sind heute im Hinblick auf Schadstoffe, Hygiene und Lebensmittelsicherheit besser kontrolliert als jemals zuvor. Die Belastung durch problematische Pflanzenschutzmittel konnte durch strengere gesetzliche Vorgaben und umfangreiche Kontrollen reduziert werden.
Gleichzeitig weisen einige moderne Kulturpflanzen bei bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen teilweise geringere Konzentrationen auf als ältere Sorten. Deshalb lässt sich nicht pauschal sagen, dass Obst und Gemüse heute grundsätzlich gesünder oder ungesünder sind. Die Lebensmittel sind heute sicherer, während die Nährstoffdichte einzelner Pflanzenarten teilweise zurückgegangen sein kann.
Als Fazit, kann man sagen: Durch die Technologisierung in der Landwirtschaft, den An- und Ausbau der Biolandwirtschaft sowie die ungeheure Vielfalt an Obst- und Gemüsesorten und die starke Lebensmittelkontrollen hat der Verbraucher eine größere Auswahl an gesunden und sicheren Lebensmitteln, als er sie jemals zuvor hatte.
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Auf den Schleim gegangen: Schnecken nutzen dasselbe Protein wie Menschen


In Kürze:

  • Europas häufigste Schnecken verwenden ihren Schleim in Variationen – und dafür ein Protein, das wir aus dem menschlichen Körper kennen.
  • Die Bänderschnecke nutzt ihn zur Fortbewegung, zur Haftung, zum Schutz oder zur Verteidigung.
  • Seine Entschlüsselung könnte zur Entwicklung umweltfreundlicher Klebstoffe, funktioneller Beschichtungen oder medizinischer Materialien beitragen.

 
Schleimige Spuren im Garten und auf Wegen sieht man vor allem nach einem Regenschauer. Dann sind Schnecken nämlich besonders aktiv – auch in Deutschland, und auch auf dem Max-Planck-Campus in Potsdam-Golm. Dort untersuchten Forscher der Abteilung „Biomaterialien“ auf dem Gelände hinterlassene Schleimspuren der gewöhnlichen Bänderschnecken (Cepaea nemoralis) und erkannten in dem glänzenden Schleim ein vielversprechendes Naturmaterial.
Denn die Schnecke produziert nicht nur eine einzige Art von Schleim, sondern kann ihn je nach Bedarf so variieren, dass er flüssig, fest, klebrig oder rutschig wird.

Auf den Spuren des Schneckenschleims

Für das Forschungsteam wurde der Schneckenschleim damit zum Gegenstand einer materialwissenschaftlichen Analyse: Wie schafft es die Schnecke, mit den gleichen Grundbausteinen völlig unterschiedliche Materialeigenschaften zu erzeugen? Die Antwort liefern die Forscher des Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung (MPIKG) in einer Studie, die nun im Fachjournal „Science“ erschienen ist.
Darin zeigen sie erstmals umfassend, mit welchen biochemischen Rezepten die Bänderschnecke ihren Schleim gezielt an unterschiedliche Aufgaben anpasst – und dass er immer dieselben Zutaten verwendet, die auch unser Körper nutzt.
„Schneckenschleim mag auf den ersten Blick unscheinbar wirken, ist aber ein unglaublich vielseitiges Material“, sagte Franziska Jehle, Wissenschaftlerin am MPIKG.
Die Forscherin erklärte weiter, dass „die Schnecke mit den gleichen Grundbausteinen gezielt die Eigenschaften ihres Schleims verändern kann“, so Jehle. Das mache sie für die Forschung auch so spannend.
Auch Bänderschnecken mögen zuweil an Erdbeeren naschen. Foto: Olha Haletska/iStock

Auch Bänderschnecken mögen zuweil an Erdbeeren naschen. Forscher machen derweil einen langen Hals, um den Schneckenschleim zu untersuchen

Foto: Olha Haletska/iStock

Überraschung aus dem Baukasten der Natur

Um zu verstehen, wie die Natur diese Materialvielfalt erzeugt, analysierten die Forscher fünf verschiedene Schleimarten, die sie bei der Bänderschnecke entdeckten. Sie untersuchten einen Schleim, der die Fortbewegung ermöglicht, und einen, der als starker Klebstoff an Oberflächen wirkt. Ein anderer soll das Tier vor Austrocknung schützen und ein weiterer das Gehäuse während längerer Ruhephasen verschließen. Schließlich gibt es auch noch einen speziellen Schleim, der zur Verteidigung dient.
Dabei zeigte sich, dass die Schnecke für die verschiedenen Schleime stets die gleichen Komponenten verwendet, die sie in unterschiedlichen Mengen zusammenmischt. Bei den chemischen Bausteinen handelt es sich um Proteine, vor allem um Kollagen, und um Kalzium.
Bei den Untersuchungen erlebten die Forscher eine kleine Überraschung: Als zentralen Bestandteil des Schleims konnten sie Kollagen VI identifizieren. Dieses Protein ist eigentlich für seine strukturgebende Funktion in menschlicher Haut, Knochen und Gelenken bekannt.
Die Schnecke mischt zu diesem Kollagen VI noch amorph vorliegendes Kalziumkarbonat, das sie in ihrem Drüsengewebe speichert. Sie gibt es bei Bedarf zusammen mit dem Schleim ab. Der Anteil von Kollagen VI trägt entscheidend dazu bei, die Eigenschaften der verschiedenen Schleime zu steuern.

Mögliche Anwendungen der Schnecken-„Technologie“

Offenbar verändert die Schnecke über die Gesamtmenge an Proteinen und den Anteil an Kollagen VI, wie dicht das Proteinnetzwerk im Schleim ist. Das wirkt sich unmittelbar auf die mechanischen Eigenschaften aus: Je engmaschiger das Proteinnetz ist, desto zäher ist der Schleim. Kalzium dient in seiner Ionenform entweder der Vernetzung oder als Calcit der Verstärkung des Materials.
„Die Erkenntnisse dieser Studie reichen weit über die Biologie der Schnecke hinaus“, fasst Peter Fratzl, Direktor am MPIKG zusammen:
„Natürliche Materialien erzielen mit wenigen Bausteinen eine enorme Vielfalt an Funktionen. Wenn wir die Prinzipien dahinter verstehen, ist das für die Entwicklung nachhaltiger Materialien von großer Bedeutung.“
So könnten sich nach dem Vorbild von Schneckenschleim beispielsweise umweltfreundliche Klebstoffe, funktionelle Beschichtungen oder Materialien für medizinische Anwendungen herstellen lassen. Bis diese in unserem Alltag glänzen, dürften allerdings noch zahlreiche Schnecken ihre Schleimspuren in Potsdam und der Bundesrepublik hinterlassen.
Mit Material der Max-Planck-Gesellschaft.
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Wenn das Mobilfunknetz Menschen erkennt: Datenschützer warnen vor 6G


In Kürze:

  • Um das Jahr 2030 soll die Mobilfunkgeneration 6G starten. Vorbereitung und Forschung laufen weltweit.
  • Der neue Standard soll das Funknetz zugleich zum „Radar“ machen. Potenziell wird damit jedes funkfähige Gerät ein aktives Ortungsgerät.
  • Die deutsche Datenschutzkonferenz vergleicht die Eingriffstiefe mit einer nicht wahrnehmbaren Videoüberwachung.
  • Erfasst würde auch, wer kein Gerät bei sich trägt. Eine wirksame Einwilligung halten die Behörden für ausgeschlossen.

 
Es ist eine der stilleren Weichenstellungen dieser Dekade: In den Gremien, in denen der Mobilfunkstandard der sechsten Generation geformt wird, entscheidet sich gerade, ob das Funknetz der Zukunft nebenbei zum flächendeckenden Sensorapparat wird. Die Konferenz der unabhängigen Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder, kurz Datenschutzkonferenz, hat dazu am 17. Juni 2026 ein Positionspapier beschlossen. Der Ton darin ist für ein behördliches Dokument ungewöhnlich deutlich.
Es geht um Integrated Sensing and Communication, kurz ISAC. Die Idee: Dieselben Funkwellen, die heute Telefonate und Daten übertragen, sollen künftig zugleich als Radar dienen.

Wie ISAC funktioniert

Radar ist ein altes Prinzip: Funkwellen treffen auf Objekte, werden zurückgeworfen, und aus dem Muster der Echos lässt sich rekonstruieren, was – oder wer – im Raum steht und sich wie bewegt. Bislang erforderte das eigene Geräte. Dasselbe Prinzip nutzen Fledermäuse und Delfine.

Aus winzigen Unterschieden im reflektierten Schall kann eine Fledermaus ermitteln, wo sich ein Hindernis befindet. Radar, ISAC und WLAN-Sensing funktionieren auf ähnliche Art und Weise. Die Unterschiede liegen in Detailtiefe, Durchdringung und von welchen Geräten die Funkwellen ausgehen, aufgefangen und ausgewertet werden.

Foto: Petteri Aimonen, gemeinfrei

Neu an ISAC ist, dass diese Fähigkeit in die alltägliche Funkinfrastruktur einwandern soll – in die Basisstationen der Netzbetreiber und, so die Planung, in jedes angebundene Endgerät. Das Positionspapier formuliert es nüchtern: Künftig werde potenziell jedes funkfähige Gerät auch als Radarsensor fungieren, was einen flächendeckenden Einsatz zur Folge habe.

Wozu die Technik gedacht ist

Entwickelt wird ISAC nicht als Überwachungswerkzeug und das Positionspapier führt die Anwendungsfelder selbst auf. Im Verkehr soll die präzise Ortung dem autonomen Fahren, der Robotik und der Drohnensteuerung dienen – auch als Ergänzung zu optischen Sensoren, die bei schlechtem Wetter an Grenzen stoßen. Genannt werden ferner die Sicherung von Bahnübergängen, die Steuerung von Großveranstaltungen zur Vermeidung gefährlicher Menschenmengen und die Sturzerkennung in der Pflege.
Der Reiz liegt darin, dass all dies ohne zusätzliche Sensor-Hardware auskäme. Stefan Köpsell, Datenschutzexperte am Barkhausen-Institut in Dresden, nennt das Potenzial „enorm – von der intelligenten Mobilität bis zur industriellen Automatisierung“. Das Ziel sei, diese Vorteile zu nutzen, ohne neue Risiken für Datenschutz und Privatsphäre zu schaffen.

Was sich darüber hinaus erkennen lässt

Genau hier setzen die Aufsichtsbehörden an: Was ein Radarsensor erfasst, lässt sich nicht auf den vorgesehenen Zweck begrenzen. Sie verweisen auf den Forschungsstand – Radardaten ließen sich mit maschinellem Lernen so auswerten, dass sich Personen am Gangbild unterscheiden und Gesten, Geschlecht und Gesichtsmerkmale ableiten lassen, bis hin zu Analysen von Atmung und Herzschlag. Damit fällt ISAC nach Lesart der Behörde unter die besonders schützenswerten Daten nach Artikel 9 der Datenschutz-Grundverordnung.
Eine Präzisierung, die in der aufgeregteren Berichterstattung verloren geht: Die Messung von Vitalwerten wie Puls und Atmung ordnet das Papier vor allem dem verwandten WLAN-Sensing zu. Gemeint ist dasselbe Prinzip im heimischen Funknetz: Ein WLAN-Router sendet permanent Signale, die von Gegenständen und Personen zurückgeworfen werden. Wenn sich jemand im Raum bewegt oder auch nur atmet, verändert das minimal die Art, wie diese Signale reflektiert werden. Aus diesen Schwankungen lässt sich der Brustkorb beim Heben und Senken erkennen – ohne Kamera, ohne am Körper getragenen Sensor.
Für 6G selbst bleiben die Behörden vorsichtiger – es sei noch nicht abschließend abzuschätzen, was damit flächendeckend erreichbar würde. Dass Radar- sowie Mobilfunkwellen Wände durchdringen, gehört allerdings zur Physik des Verfahrens; deshalb könnte, so das Papier, das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung berührt sein.

Das eigentliche Problem: Niemand kann zustimmen

Der wunde Punkt ist nicht die Technik, sondern ihre Rechtsgrundlage. Eine flächendeckende Funksensorik erfasst jeden, der sich im Erfassungsbereich aufhält – ob mit oder ohne Handy in der Tasche. Das Papier nennt diese Menschen „Bystander“: Unbeteiligte, die nicht einmal ein Gerät bei sich tragen müssen, um vermessen zu werden.
Damit bricht das Fundament weg, auf dem der europäische Datenschutz ruht. Die Einwilligung nach Artikel 6 der DSGVO erweise sich bei flächendeckender Sensorik als ungeeignet, heißt es; schon die Erreichbarkeit aller Betroffenen sei mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Man kann Millionen Passanten nicht um Erlaubnis fragen, bevor das Netz sie erfasst.
Bleiben schwerwiegendere Rechtfertigungen: das öffentliche Interesse, für das der Gesetzgeber erst Grundlagen schaffen müsste, oder das „berechtigte Interesse“ privater Betreiber. Letzteres betrachtet die Behörde skeptisch – es werde in der Praxis nicht selten überdehnt und einseitig zulasten der Betroffenen ausgelegt. Wo Artikel 9 greift, genügt es ohnehin nicht mehr.
Die Konferenz zieht selbst einen Vergleich: ISAC ähnele in der Eingriffstiefe einer nicht wahrnehmbaren Videoüberwachung, die zusätzlich auch nicht sichtbare Bereiche erfassen könne. Der Unterschied zur klassischen Überwachung liegt in der Unauffälligkeit – ein WLAN-Router wird, anders als eine Kamera, von den wenigsten mit Überwachung assoziiert.

Warum jetzt – und warum in Europa?

Der Zeitdruck erklärt die Schärfe des Papiers. Ein verabschiedeter Standard lässt sich kaum nachträglich entschärfen. 6G soll um 2030 in Betrieb gehen; was heute nicht als Schutzmechanismus in die Norm geschrieben wird, fehlt später im ganzen Netz.
Die Debatte ist dabei längst europäisch. Das European Telecommunications Standards Institute (ETSI), Mitbegründer des globalen Normungsprojekts 3GPP, veröffentlichte im Februar 2026 einen Bericht zu Sicherheit und Privatheit von ISAC. Er benennt 19 Kernprobleme, davon 15 im Bereich Sicherheit und Datenschutz. Sie umfassen unter anderem unbefugtes Sensing, den Umgang mit Rohdaten und die KI-gestützte Auswertung.

USA und China: Wettlauf mit anderen Prioritäten

In den USA treibt die industriegetragene Next G Alliance um Konzerne wie Nokia, Ericsson und Qualcomm die Sensorik-Entwicklung voran; ISAC gilt dort als grundlegende Fähigkeit von 6G, diskutiert werden Verkehrssicherheit, Umweltbeobachtung und Notfalleinsätze.
China wiederum hat 6G zur nationalen Priorität erklärt, baut sein Vorläufernetz 5G-Advanced bereits über Hunderte Städte aus und sammelt damit Messdaten, die den globalen Standard mitprägen.
Beide Seiten arbeiten an derselben Technik – und in beiden steht der Wettlauf um technologische Führung im Vordergrund, nicht die Frage der Einwilligung von Unbeteiligten, die das deutsche Papier ins Zentrum rückt. Der Start ist überall um 2030 vorgesehen. Europa ist damit weniger technischer Vorreiter als die Region, die am lautesten fragt, wer die Sensorik am Ende wieder abschalten kann.

Ein technischer Gegenentwurf aus Dresden

Dass Datenschutz und Technik keine Gegensätze sein müssen, will man am Barkhausen-Institut zeigen. Dort sollen Schutzmechanismen nicht nachträglich angeflanscht, sondern in die Architektur der Netze eingezogen werden.
Zwei Bausteine sind bereits entstanden: ein Schalter, der die Sensorfunktion des eigenen Smartphones abschaltet, während es weiter kommuniziert – und eine prototypische App, die anzeigt, ob am Standort gerade eine Erfassung läuft. Der Schalter verhindert, dass das eigene Gerät zum Sensor wird. Vor fremden Antennen schützt er ebenso wenig wie die App.
Das Institut setzt deshalb eine Ebene höher an und entwickelt Vorgaben für den Bau künftiger Mobilfunknetze: nur die nötigen Daten verarbeiten, Zugriff allein für berechtigte Stellen. Wirksam wird das erst, wenn es in der Norm steht. Ihre Konzepte tragen die Dresdner daher auch in die europäischen Normungsgremien.
Es ist ein Wettlauf. Deutschland hat die 6G-Forschung seit 2021 mit bis zu 700 Millionen Euro vorangetrieben. Ob am Ende ein Werkzeug der Fürsorge steht – Sturzerkennung in der Pflege, Rettung auf Bahngleisen – oder eine Infrastruktur, vor deren Eingriffstiefe die Datenschutzbehörden heute warnen, entscheidet sich nicht auf dem Markt. Es entscheidet sich in den Sitzungssälen der Normungsgremien. Und dort tickt die Uhr.
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Erdbebendetektor anno 132: Der Seismoskop von Zhang Heng


In Kürze:

  • Das älteste Seismoskop, ein Gerät zur Erkennung von Erdbeben, wurde 132 n. Chr. von dem chinesischen Universalgenie Zhang Heng gebaut.
  • Laut Schriftquellen zeigte der Apparat in Form eines Bronzegefäßes im Jahr 138 die Richtung eines über 400 Kilometer entfernten Erdbebens korrekt an.
  • Möglich macht dies ein ausgeklügeltes, bis heute teils unerklärtes Schwingsystem im Inneren des Gefäßes, das einen Drachen eine Kugel speien und in das Maul einer Kröte fallen lässt.

 
Im Jahr 138 n. Chr. stand am kaiserlichen Hof der chinesischen Han-Dynastie ein großes Bronzegefäß. Was auf den ersten Blick wie ein zeremonielles Objekt aussah, war das weltweit erste Gerät, das Erdbeben anzeigte.
Das Seismoskop war ein großes, schweres Gefäß, an dessen Rand acht Drachen mit dem Kopf nach unten saßen. Im Maul hatten diese eine kleine Bronzekugel und blickten auf je eine mit offenem Maul lauernde Kröte hinab – jene Tiere, die im Alten China mit Katastrophen und Unheil in Verbindung gebracht wurden.
Eines Tages ertönte ein schriller, metallischer Klang – eine der acht Kugeln war in das Maul der Amphibie gefallen. Doch niemand am kaiserlichen Hof spürte auch nur die geringste Erschütterung. Der Boden bebte nicht, die Wände bekamen keine Risse und es waren keine Schreie zu hören.
Man hätte das Gerät leicht als defekt abtun können. Doch schon bald traf ein Bote mit der Nachricht ein, dass im Westen, weit entfernt vom kaiserlichen Hof, ein Erdbeben stattgefunden hatte. Wie sich herausstellte, hatte das geheimnisvolle Instrument das ferne Ereignis erfasst und dessen Richtung korrekt angegeben.
Nachbau vom chinesischen Seismoskop

Nachbau eines Seismoskops von Zhang Heng in einem Museum für chinesische Kultur im kanadischen Calgary.

Der Zeit voraus

Geschichten wie diese fesseln uns unter anderem deshalb, weil sie unsere gewohnte Sichtweise auf den menschlichen Fortschritt ins Wanken bringen. Wir neigen dazu, uns menschliches Wissen als einen langsamen, aber stetigen Aufstieg auf einer Leiter vorzustellen: von der Unwissenheit über die Entdeckung bis hin zur Verfeinerung. Jede Generation steht auf den Schultern der vorherigen und wird mit jedem Schritt ein wenig klüger.
Das reale Leben verläuft jedoch nicht immer so geradlinig wie eine Leiter. Manchmal gleicht es einem Archiv, das teilweise verbrannt wurde. So wurde vielleicht eine clevere Maschine, die einst perfekt funktionierte, nie nachgebaut oder eine Idee entstand vielleicht zu früh – lange bevor die Welt wusste, was sie damit anfangen sollte.
Zu diesen Maschinen, die trotz ihrer Perfektion in Vergessenheit gerieten, gehört der Erdbebendetektor des chinesischen Astronomen, Mathematikers und Erfinders Zhang Heng (78–139).
Nachbau vom chinesischen Seismoskop in China

Replik des Seismoskops von Zhang Heng im Museum von Macau.

Zhang Heng: Ein frühes Universalgenie

Zhang Heng studierte zunächst Literatur und arbeitete als Dokumentenmeister, bis er sich im Alter von 30 Jahren für ein Astronomiestudium entschied. Schnell wurde er für seine mathematischen und astronomischen Kenntnisse bekannt und als Astronom an den Hof von Hàn Āndì (94–125) berufen. Dort diente er dem Kaiser sowie seinen Nachfolgern Liu Yi und Shun.
Seine Aufgaben am kaiserlichen Hof umfassten unter anderem die Aufzeichnung von Himmelsbeobachtungen und Vorzeichen sowie die Erstellung eines Kalenders. Letzteres setzte er im Jahr 123 mit einem überarbeiteten Kalendersystem in die Tat um.
Außerdem verzeichnete Zhang Heng, der an das geozentrische Weltbild glaubte, 2.500 Sterne, beschrieb 124 Sternbilder und erkannte bereits die Zusammenhänge zwischen Sonnen- und Mondfinsternissen. Mit seinen Berechnungen, bei denen er den Himmelskreis mit dem Erddurchmesser verglich, kam er im Jahr 130 als erster Chinese mit 3,162… sehr nah an die Kreiszahl Pi (3,141…) heran.

Gedenkstatue von Zhang Heng an seinem Grab im chinesischen Nanyang.

Seine Kreativität und sein technisches Verständnis blieben jedoch nicht auf das Geistige beschränkt. Stattdessen betätigte sich der chinesische Gelehrte auch als Erfinder. So soll er als Erster eine mit Wasserkraft betriebene Armillarsphäre gebaut haben, also ein astronomisches Anschauungsmodell, das die Positionen und Bewegungen von Himmelskörpern darstellt.

Beben in Hunderten Kilometern Entfernung erkannt

Im Jahr 132 führte Zhang dem Kaiser schließlich seine berühmteste Erfindung vor: das Seismoskop. Anders als moderne Seismometer konnte es lediglich die ungefähre Richtung anzeigen, in der sich ein Erdbeben ereignete, ohne dabei den Zeitpunkt und die Stärke aufzuzeichnen.
Wie effizient das Bronzegefäß war, das auch „Houfeng Didong Yi“, also „Instrument zur Erfassung von Wind und Erdbewegungen“, genannt wurde, beschreibt der Historiker Fan Ye rund 300 Jahre später in seinem Werk „Hou Hanshu“ („Schriften der Späteren Han“).
Demnach gab das Seismoskop an, dass nordwestlich vom Kaiserhof die Erde bebte. Ein mehrere Tage später eintreffender Bote meldete schließlich, dass sich im 400 bis 500 Kilometer entfernten Longxi ein Erdbeben ereignet hatte. Dies war tatsächlich die Richtung, die das Seismoskop von Zhang Heng mit seiner heruntergefallenen Kugel angezeigt hatte. Doch wie war das möglich?

Die erste Seite des Buches „Hou Hanshu“, in dem vieles über die Geschichte des Alten Chinas überliefert ist.

Wie funktionierte das Seismoskop?

Zhangs Erdbebendetektor bestand aus Bronze und hatte acht außen angebrachte Drachen, die in die Himmelsrichtungen Norden, Nordosten, Osten, Südosten, Süden, Südwesten, Westen und Nordwesten zeigten – wie die Rose eines Kompasses.
Im Inneren des Gefäßes befand sich ein feiner Mechanismus, vermutlich ein Pendel oder ein anderes Schwingungssystem, das auf die bei Erdbeben entstehenden seismischen Wellen reagierte. Dieses Schwingungssystem war zudem mit den Drachenköpfen verbunden, die jeweils eine Kugel im Maul hielten.
Die wahrscheinlichste Erklärung seiner Funktionsweise ist folgende: Bewegt sich der Boden, auf dem das Gerät steht, in eine Richtung, bringt das den inneren Mechanismus aus dem Gleichgewicht. Dies öffnet wiederum das Maul des entsprechenden Drachen und gibt die darin ruhende Bronzekugel frei. Fällt diese in das Maul der darunter wartenden Kröte, entsteht ein Geräusch. Somit zeigt jene Kröte mit der Kugel an, in welcher Himmelsrichtung sich das Beben ereignete. Mögliche Folgebeben konnten ohne das Zurücklegen der Kugel ins Maul des Drachen nicht angezeigt werden.
Vereinfachte Konstruktionszeichnung vom Seismoskop des Zhang Heng

Vereinfachte Konstruktionszeichnung des Seismoskops von Zhang Heng.

Während mehrere Nachbauten des Geräts in Schriftquellen überliefert sind, fehlen ausgerechnet die Angaben zu Zhangs Seismoskop. Aus diesem Grund kennen wir heute weder sein genaues Aussehen noch seine Funktionsweise. Alle in Museen zu findenden Stücke sind daher mehr oder weniger originalgetreue Repliken aus späteren Epochen. Dabei experimentierten ihre Erfinder mit verschiedenen Mechanismen, erreichten jedoch nie die Präzision und Perfektion des Originals.
Je nach verbautem Mechanismus zeigen sich zudem unterschiedliche Probleme: Ist das Pendel an der Oberseite aufgehängt, müssten bei einem Erdstoß zwei gegenüberliegende Kugeln fallen. Balanciert das Pendel auf einer Befestigung auf der Unterseite, wären prinzipiell weder Drachen noch Kröten erforderlich. Dafür muss das Seismoskop nach jedem Beben „zurückgesetzt“ und das Pendel neu ausbalanciert werden.
Im Jahr 2005 verkündeten Seismologen aus China, dass sie eine erfolgreiche Nachbildung anfertigen konnten, die auf „replizierte Wellen vierer echter Erdbeben“ reagierte. Ob dieser Nachbau auch auf reale Erdbeben reagiert und wie er im Inneren aufgebaut ist, bleibt offen. Andere Forscher bezeichnen sämtliche Nachbauten mangels konkretem Wissen als Produkte von Versuch und Vorstellung oder bezweifeln sogar, dass das Seismoskop jemals existierte.

Vom Seismoskop zum Seismografen

Über die folgenden Jahrhunderte scheint das Wissen um Zhang Hengs Erfindung verloren gegangen zu sein. Zwar ist aus dem Persien des 13. Jahrhunderts ein Erdbebendetektor bekannt, doch ob dieser auf dem chinesischen Apparat beruhen könnte, ist unklar.
Weitere 500 Jahre später bauten italienische und französische Erfinder ein Seismoskop mit Quecksilber, das anhand der Bewegung des flüssigen Metalls die Richtung der Beben wies. Etwa zur gleichen Zeit experimentierte unter anderem der Benediktinermönch Andrea Bina mit Pendeln, die aufgrund des Ausschlags sogar die Stärke des Bebens verzeichneten.
Stetige Verbesserungen führten schließlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Entwicklung der ersten Seismografen mit Nadel und Papier. Heutige Geräte besitzen elektronische Sensoren und können Bewegungen mit Frequenzen von 500 bis 0,00118 Hertz messen.
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