Illustration von Anthropic vom 18. Juni 2026. Anthropic ist ein US-amerikanisches Unternehmen im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI), das 2021 von ehemaligen Mitarbeitern von OpenAI gegründet wurde. - Foto: Riccardo Milani / Hans Lucas / AFP via Getty Images
In Kürze:
Anthropic-Forscher ließen ein kleines KI-Modell auf 15 günstigen Android-TV-Boxen laufen – es konnte ein weiteres Modell verbreiten.
Eine Selbstreplikation von KI könnte laut den Forschern schon in wenigen Monaten möglich sein.
Internetfähige Haushaltsgeräte wie TV-Boxen und Backöfen könnten zu Angriffszielen werden.
Experimente von Anthropic-Forschern, deren Ergebnisse das Unternehmen am 12. Oktober veröffentlichte, ergaben, dass KI-Modelle möglicherweise in internetfähige Geräte eindringen und dort Aktionen ausführen können – selbst ohne Zugang zu Rechenzentren.
In einem Test ließen die Forscher ein kleines KI-Modell auf 15 Android-TV-Boxen weniger bekannter Marken laufen. Während des Tests konnte das Modell ein weiteres KI-Modell verbreiten.
„Das deutet darauf hin, dass künftige kleinere Modelle mit vergleichbaren Fähigkeiten ebenfalls die Schritte der Netzwerkerkundung, der Übertragung benötigter Dateien und der Inbetriebnahme des KI-Modells ausführen könnten, die zum Replikationsprozess gehören“, erklärten die Forscher in einem Bericht. Eine vollständige Selbstreplikation wurde jedoch nicht festgestellt.
Auch größere Modelle könnten dabei eine Rolle spielen, indem sie in mehrere Teile aufgeteilt und über mehrere Geräte verteilt ausgeführt werden.
„Wir verfügen noch nicht über einen vollständig autonomen, sich selbst verbreitenden KI-Agenten. Doch KI-Agenten werden zunehmend fähig, einzelne Schritte der Replikationskette auszuführen und ihre Anpassungen an künftige Kopien ihrer selbst weiterzugeben“, erklärten die Forscher.
Sie schätzten, dass eine Selbstreplikation bereits in wenigen Monaten möglich sein könnte.
Forscher von Anthropic, OpenAI und anderen KI-Unternehmen haben bereits zuvor gewarnt, dass KI-Modelle rasch leistungsfähiger werden. Sie haben dokumentiert, wie einige Modelle ihre programmierten Beschränkungen überwunden, Websites angegriffen und Daten beschafft haben, die eigentlich unzugänglich sein sollten oder nur gegen Bezahlung erhältlich waren.
Washington, D.C., 29. September 2026 – Dario Amodei (r.), CEO von Anthropic, spricht bei einem Pressetermin von US-Präsident Donald Trump (l.) mit Führungskräften aus der KI-Branche vor dem Westflügel des Weißen Hauses. Zuvor hatten sie über Schutzvorkehrungen für die KI-Entwicklung beraten.
Foto: Kevin Dietsch/Getty Images
Daniel Freeman, der den neuen Bericht gemeinsam mit William Zhou verfasst hat, schrieb auf X, die Untersuchung habe Fähigkeiten demonstriert, die bislang nur aus Science-Fiction-Szenarien bekannt gewesen seien.
„Das ist wirklich seltsam! Früher lebten wir nicht in einer Welt, in der kleine Dinger in Kästen sich über Netzwerke verbreiten, Computer vereinnahmen, sich so umkonfigurieren können, dass sie auf den gefundenen Geräten besser funktionieren, und so weiter und so fort“, schrieb Freeman, KI-Forscher bei Anthropic.
„Wir müssen uns künftig schlicht mit dieser neuen Art von etwas auseinandersetzen: einem System, das ganz selbstverständlich und mühelos auf Computer zugreifen und sie nutzen kann – für jeden beliebigen Zweck, den es selbst verfolgt oder zu dem es angewiesen oder überredet wurde.“
Und weiter: „Es liegt auf der Hand, dass wir noch viel tun müssen, um unsere verwundbare Computerinfrastruktur besser abzusichern und den möglichen Schadensradius solcher unkontrollierten KI-Systeme zu begrenzen. Doch unabhängig davon, welche Maßnahmen wir ergreifen: Es ist klar, dass diese Systeme kommen werden!“
Zu den internetfähigen Geräten, die in vielen Haushalten zu finden sind, gehören TV-Boxen, Smart-TVs und intelligente Backöfen.
Diese Geräte sind schon seit Langem anfällig für Angriffe. Laut dem Bericht von Anthropic könnte KI jedoch eher bereit sein, sie anzugreifen, als menschliche Hacker.
Die Forscher empfehlen deshalb, die Schutzmaßnahmen für diese Geräte zu verstärken – insbesondere angesichts der zunehmenden Leistungsfähigkeit von KI.
Smartphone mit Anthropic-Logo vor einem Hintergrund mit den Worten „Artificial Intelligence AI“, aufgenommen am 11. Juli 2026 in Tunis, Tunesien. (Symbolbild)
Foto: Imen Ben Youssef/Hans Lucas/AFP via Getty Images
Bei dem Unglück entgleisten zwei Waggons eines Zuges des privaten Bahnunternehmens Iryo. (Symbolbild) - Foto: Jan Woitas/dpa
Beim Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Zentralspanien sind nach Angaben einer Sprecherin der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen.
Bei dem Unglück nahe Urda in der Provinz Toledo waren ein Zug des privaten Bahnunternehmens Iryo und ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe kollidiert. Die Waggons stürzten nach Informationen des Fernsehsenders RTVE einen Bahndamm hinunter. Der zweite Zug stammt von der staatlichen Bahngesellschaft Renfe.
Der Bahnverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde in beide Richtungen unterbrochen, wie der spanische Bahnnetzbetreiber Adif mitteilte. Die Ursache des Zusammenstoßes war zunächst unklar.
Ministerpräsident Sánchez zeigt sich bestürzt
Der Unfall ereignete sich Medienberichten kurz vor 9:00 Uhr. Ein Hochgeschwindigkeitszug habe einen anderen von hinten gerammt, als beide in Richtung Süden nach Andalusien unterwegs gewesen seien, hieß es aus Adif-Kreisen.
„Bestürzt über das schwere Zugunglück in Toledo“, schrieb der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez auf X. Er sprach den Betroffenen und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus.
Der Unfall weckt Erinnerungen an das schwere Zugunglück vom Januar dieses Jahres bei Adamuz in Andalusien. Damals entgleiste ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug und stieß mit einem entgegenkommenden Zug von Renfe zusammen. Bei dem Unglück kamen 46 Menschen ums Leben, mehr als 150 wurden verletzt. (dpa/red)
Der brasilianische Präsident und Kandidat der Partido dos Trabalhadores (PT) Luiz Inácio Lula da Silva in São Paulo am 25. Oktober 2026. - Foto: Miguel Schincariol/AFP via Getty Images
In Kürze:
Lula gewann mit 51,79 Prozent die Stichwahl gegen Flávio Bolsonaro und tritt eine vierte Amtszeit an.
Nach der Wahl brach die brasilianische Börse ein, der Handel wurde zeitweise ausgesetzt.
Flávio Bolsonaro reiste in die USA aus, Washington will ihm und seiner Familie Visa erteilen.
Der amtierende Präsident Luiz Inácio „Lula“ da Silva hat am 25. Oktober die Stichwahl in Brasilien gewonnen und wurde wiedergewählt. Als erster Präsident in der Geschichte des Landes tritt er eine vierte Amtszeit an.
Lula führte das Land bereits von 2003 bis 2011. 2023 gewann er erneut. Nun etablierte er sich als das Gesicht progressiver Politik und gewann 51,79 Prozent der Stimmen gegen Flávio Bolsonaro, den Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro.
Lula: Die Familie Bolsonaro besiegen, um „die Demokratie zu retten“
Der Vater von Flávio Bolsonaro befindet sich in Haft und konnte nicht kandidieren. Er wurde am 11. September 2025 wegen eines versuchten Staatsstreichs verurteilt.
Seine Unterstützer bezeichneten den Fall als politische Verfolgung; auch US-Präsident Donald Trump äußerte Kritik. Einige Juristen sowie das abweichende Votum eines Richters am brasilianischen Obersten Gerichtshof bemängelten, dass es bei der Verurteilung kein ordnungsgemäßes Verfahren gegeben habe.
Lulas Lager erklärte, dass es darum gegangen sei, die Familie Bolsonaro vor Gericht und an der Wahlurne zu besiegen, um „die Demokratie zu retten“ und die Bürgerrechte gegen „Faschismus“ zu verteidigen. Diese Rhetorik half Lula, im zweiten Wahlgang rund 11 Millionen Stimmen mehr als im ersten zu holen und die Wahl nach anfänglichem Rückstand zu gewinnen.
Das politische Klima ist polarisiert, es steht viel auf dem Spiel. Lula kann nun vier weitere Richter für den Obersten Gerichtshof ernennen und damit eine Supermehrheit erreichen.
Das Land hat steigende Schulden zu bewältigen, während die Zinssätze im zweistelligen Bereich liegen. Anhaltende Gewaltkriminalität bleibt ein zentrales Anliegen.
Die Beziehungen zwischen den USA und Brasilien sind auf einem historischen Tiefpunkt. Der Grund ist, dass Lula die US-Einstufungen von zwei Kartellen als ausländische Terrororganisationen abgelehnt hat. Er stellt sich damit gegen einen regionalen Trend einer von Washington geführten Zusammenarbeit.
Börsenhandel ausgesetzt
Lula steht eine institutionelle Krise bevor. Die ersten 24 Stunden nach seinem Wahlsieg sind aufschlussreich.
Zu Beginn seiner ersten Rede nach der Bekanntgabe der Wahlergebnisse nannte Lula strengere Vorschriften für soziale Medien als oberste Priorität.
Seine Auseinandersetzung mit den großen Tech-Unternehmen steht im Fokus der Öffentlichkeit, da viele befürchten, dass dies die Meinungsfreiheit einschränken könnte.
Lulas politisches Lager stellte sich auf die Seite des Obersten Gerichtshofs, als dieser 2024 die Plattform X im Land abschaltete und einige Beiträge und Profile zensierte. X erklärte, dass dieser Schritt ohne die erforderlichen rechtlichen Verfahren erfolgt sei und gegen brasilianisches Recht verstoße.
Am 27. Oktober eröffnete der lokale Aktienmarkt mit einem Minus von mehr als 17 Prozent. Die Aufsichtsbehörden setzten den gesamten Handel für eine Stunde aus. Ziel war, die Volatilität der „Verzweiflungsverkäufe“ im schlimmsten Einbruch seit der COVID-19-Pandemie einzudämmen.
In der Zwischenzeit stieg der US-Dollar um etwa 10,5 Prozent gegenüber der brasilianischen Währung Real, da Kapital aus dem Land abfloss.
Der BOVESPA-Aktienindex auf einer Anzeigetafel an der Börse von São Paulo (B3) in Brasilien. Nach der Stichwahl aktivierte die B3 einen „Circuit-Breaker“-Mechanismus, der für „Zeiten starker Markteinbrüche“ vorgesehen ist.
Foto: Nelson Almeida/AFP via Getty Images
Bereits am 26. Oktober war Flávio Bolsonaro angewiesen worden, seinen Reisepass binnen 24 Stunden bei den Behörden abzugeben, um zu verhindern, dass er Brasilien verlässt.
Dieser Schritt ist Teil von Ermittlungen wegen Geldwäsche, die mit einem Freund von Flávio verbunden sind, und geht auf den umstrittenen Richter am Obersten Gerichtshof Alexandre de Moraes zurück. Das ist derselbe Richter, der die Strafverfolgung gegen seinen Vater leitete und beschuldigt wird, das Justizsystem gemeinsam mit Lulas Partei als Machtinstrument zu missbrauchen.
USA gewähren Bolsonaro und seiner Familie Visa
Am 27. Oktober verließ Flávio Bolsonaro Brasilien in Richtung USA, wie eine der Familie nahestehende Quelle der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times mitteilte.
Seine Abreise erfolgte einen Tag, nachdem er angewiesen worden war, seinen Reisepass abzugeben. Zuvor hatte Flávio Bolsonaro öffentlich gesagt, er habe nicht die Absicht, Brasilien zu verlassen.
Ein hochrangiger Beamter des US-Außenministeriums sagte, das Ministerium werde Bolsonaro und seiner Familie Visa erteilen, um ihnen die Einreise in die Vereinigten Staaten zu ermöglichen.
Die USA hatten Richter Alexandre de Moraes wegen Menschenrechtsverletzungen im Rahmen des Global Magnitsky Act mit Sanktionen belegt. Washington und Brasília führten intensive Verhandlungen, um die diplomatische Krise zu lösen. Die Sanktionen wurden im Dezember 2025 aufgehoben.
Flávio Bolsonaro hatte die Wahlergebnisse zunächst angefochten und angekündigt, die Wahl für ungültig erklären lassen zu wollen. Seine Partei akzeptierte das Ergebnis später. Danach kündigte er an, dass er Lulas Wahlkampf vor Gericht anfechten werde.
Im Mittelpunkt seiner Beschwerde stand eine uneinheitliche Verlängerung der Wahlzeit um zwei Stunden im ganzen Land.
Beide Wahlkampfteams hatten eine Verlängerung beantragt, doch die gerichtlichen Anordnungen zur Umsetzung trafen erst ein, als die Wahl eigentlich schon beendet sein sollte.
Viele Wahllokale hatten bereits geschlossen und konnten nicht wieder geöffnet werden. Da in diesem Zeitraum nur ein Bruchteil der Stimmen einging, schien dies zunächst unbedeutend – doch es führte dazu, dass die Behörden wegen ihrer zu spät getroffenen Entscheidung und mangelhafter Organisation in die Kritik gerieten.
Indigene Bewohner verschiedener Dörfer im Gebiet Xingu geben während der Stichwahl um das Präsidentenamt am 25. Oktober 2026 in Mato Grosso, Brasilien, ihre Stimmen ab.
Foto: Pedro Vilela/Getty Images
Wahlergebnis: Bolsonaros Partei stärkste Fraktion in beiden Kammern
Die Nachwirkungen der Wahlen fallen in eine Zeit des starken Rückgangs des institutionellen Vertrauens.
Eine Umfrage im September zeigte ein Rekordtief beim Vertrauen in den Obersten Gerichtshof; 48 Prozent der Befragten äußerten Misstrauen. Eine andere Umfrage im September ergab, dass 58 Prozent der Befragten der Bundespolizei, dem brasilianischen Pendant zum FBI, vertrauen.
Vor diesem Hintergrund wurde Lula dafür kritisiert, dass er sich zunehmend auf den Obersten Gerichtshof stützt, um den Kongress zu umgehen und regieren zu können. In seiner bisherigen Amtszeit hatte er in beiden Kammern keine Mehrheit, und in seiner nächsten Amtszeit ist er noch isolierter.
Obwohl die brasilianische Rechte die Präsidentschaftswahl verloren hat, haben konservative Parteien im Kongress erhebliche Gewinne erzielt. Rund 64 Prozent des neuen Senats und 59 Prozent der neu gewählten Abgeordnetenkammer stehen auf der Seite der Rechten.
Die Liberale Partei von Flávio Bolsonaro ging in beiden Kammern als stärkste Fraktion hervor und sicherte sich 28 Sitze im Senat sowie 121 Sitze in der Abgeordnetenkammer. Lula wird mit den Parteien der Mitte verhandeln müssen, um legislative Mehrheiten zu erreichen.
Der Alvorada-Palast ist die offizielle Residenz des brasilianischen Präsidenten. Lula da Silva wurde am 27. Oktober 2026 81 Jahre alt und versprach, nach seiner historischen Wiederwahl für eine vierte Amtszeit „24 Stunden am Tag“ zu arbeiten.
Foto: Pablo Porciuncula/AFP via Getty Images
Schlechte Wirtschaftslage und finanzielle Reformen
Wenn man der Wahlkampfrhetorik Glauben schenken darf, könnte Lula sowohl in der Abgeordnetenkammer als auch im Senat gegnerischen Parlamentspräsidenten gegenüberstehen und seine Nominierungen für den Obersten Gerichtshof blockiert sehen.
Es könnte zu beispiellosen Amtsenthebungsverfahren gegen Richter des Obersten Gerichtshofs kommen, über die nach brasilianischem Recht der Senat verhandelt.
Zudem könnte Lula aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage im Kongress ins Stocken geraten.
Laut Schätzungen des brasilianischen Finanzministeriums wird die Regierung in den kommenden Jahren ihr Budget überschreiten, wenn der aktuelle Ausgabentrend anhält.
Steigende Verschuldung und einige der höchsten Zinssätze weltweit könnten umfassende Finanzreformen notwendig machen – darunter Änderungen bei den Rentenausgaben. Diese könnten die Zustimmung des Kongresses erfordern.
Zu seinen innenpolitischen Problemen kommen noch Herausforderungen im Ausland hinzu.
Brasilien verweigert Annäherung an die USA
Brasilien und die Vereinigten Staaten waren historische Verbündete, die während des Zweiten Weltkriegs Seite an Seite kämpften. Jetzt stehen Washington und Brasília vor einer großen diplomatischen Krise.
Erschwerend kommt hinzu, dass große US-Technologieunternehmen behaupten, die brasilianische Justiz habe sie ohne ordnungsgemäßes Verfahren ins Visier genommen. Die Vereinigten Staaten haben Brasilien mit einigen der höchsten Zölle weltweit belegt, was US-Präsident Trump mit politischer Verfolgung von Jair Bolsonaro begründete.
Als Reaktion auf die Wahl sagte Trump: „Es sah wirklich nach einer weiteren manipulierten Wahl aus.“
Ein weiteres Problem: die organisierte Kriminalität bekämpfen
Während die USA ihre Außenpolitik neu ausrichten und dabei einen verstärkten Fokus auf Lateinamerika legen, ist Brasilien, das größte Land der Region nach Fläche, Wirtschaft und Bevölkerung, der wichtigste Verweigerer einer Annäherung an die USA.
Wie Mexiko weigert sich Brasilien, dem Shield of the Americas beizutreten, das auch als American Counter Cartel Coalition bezeichnet wird. Das Bündnis wurde zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden organisierten Kriminalität gegründet.
Zwei brasilianische Kartelle, das Primeiro Comando da Capital und das Comando Vermelho, hat das Bündnis als Ziele benannt. Analysten sagen, dass diese und andere kriminelle Gruppen in Brasilien bei unzureichender internationaler Zusammenarbeit Zuflucht finden könnten.
Lula hat gezeigt, dass er es vorzieht, Handel und Sicherheit über verschiedene institutionelle Kanäle wie die Welthandelsorganisation und die Organisation Amerikanischer Staaten zu diskutieren. Doch angesichts Trumps Vorliebe für direkte Diplomatie und seiner früheren persönlichen Kritik kommt eine Einigung nur langsam zustande.
Am Ende seiner politischen Karriere sieht sich Lula, jetzt 81, einem außergewöhnlich sensiblen Umfeld gegenüber, das es zu navigieren gilt.
Die «Odyssey» liegt seit Ende vergangener Woche in Kambodscha. - Foto: Heng Sinith/AP/dpa
Zwei Jahre lang war das Kreuzfahrtschiff „Odyssey“ für seine Bewohner eine Art Zuhause auf den Weltmeeren. Doch nun ist die Reise in Kambodscha vorzeitig zu Ende gegangen: Wegen explodierender Treibstoffkosten hat der US-Anbieter Villa Vie Residences den Betrieb ausgesetzt. Mehr als 200 Passagiere aus rund einem Dutzend Ländern müssen das Schiff verlassen – und verlieren damit vorerst ihr Heim auf See.
„Das Unternehmen arbeitet mit den Bewohnern zusammen, um die Ausschiffung zu koordinieren und vorübergehende Wohnmöglichkeiten zu finden“, hieß es in einer Mitteilung von Villa Vie Residences. Das Konzept des Anbieters verbindet langfristige Weltreisen auf dem Meer mit dem Komfort eines festen Zuhauses. Gäste können dauerhaft an Bord leben und dabei die Welt erkunden. Auf dem Schiff befanden sich auch mehr als 150 Crew-Mitglieder.
Ursprünglich sollte die dreijährige Weltreise alle sieben Kontinente umfassen und noch bis Ende 2027 dauern. Doch der Krieg im Iran hat nach Angaben des Unternehmens die Treibstoffkosten in Teilen Asiens dramatisch in die Höhe getrieben. Während der monatliche Spritaufwand pro Kabine früher durchschnittlich rund 1.800 US-Dollar (1.600 Euro) betrug, seien es dort zuletzt schätzungsweise 6.000 bis 8.000 US-Dollar gewesen.
Das Unternehmen versuchte nach eigenen Angaben gegenzusteuern: Das Schiff sollte langsamer fahren und länger in Häfen bleiben, um weniger Treibstoff zu verbrauchen. Doch die Mehrkosten ließen sich so nicht auffangen. Die daraus entstehenden Verluste könne man nicht länger tragen, erklärte Villa Vie Residences. Die gesamten Mehrkosten auf die Bewohner umzulegen, sei keine realistische Lösung.
Der autonome Hafen von Sihanoukville hatte schon vor einem Monat mitgeteilt, dass die „Odyssey“ am 25. September erstmals in den kambodschanischen Hafen eingelaufen sei. Wenige Tage später lief das Schiff wieder aus und kehrte am vergangenen Freitag aus Thailand kommend in den Hafen zurück. In dieser Woche sollte es laut Fahrplan eigentlich in Richtung Vietnam ablegen. Die meisten Passagiere stammten Berichten zufolge aus den USA, Australien und Kanada.
Der Preis des Lebens auf hoher See
Laut Firmenbroschüre kosten die Wohnkabinen und Suiten als ständiger Wohnsitz umgerechnet zwischen 108.000 und 395.000 Euro, die monatlichen Gebühren liegen bei Doppelbelegung bei 4.500 bis 9.900 Euro.
„Unser Fokus liegt nun darauf, die Bewohner, die Crew und unsere Mitarbeiter zu unterstützen, während wir in den nächsten 60 Tagen an der Umstrukturierung und Rekapitalisierung arbeiten“, teilte das Unternehmen weiter mit. Das Ergebnis sei aber völlig offen. (dpa/red)
Volkswagen will mehr aus China heraus exportieren. - Foto: Katharina Kausche/dpa
Angesichts der Schwäche des chinesischen Automarktes und mehr Konkurrenz aus der Volksrepublik im Ausland ändert der Volkswagen-Konzern seine China-Strategie. Statt dem bisherigen Motto „In China, for China“ (In China, für China) visieren die Wolfsburger mit „In China, Beyond China“ (In China und über China hinaus) nun Märkte außerhalb der Volksrepublik an, wie der Konzern im ostchinesischen Hefei mitteilte.
VW sprach von einer „entscheidenden Veränderung“, die China nicht nur als einen der wichtigsten Märkte des Konzerns, sondern auch als zentralen Innovations- und Exportknotenpunkt für sein globales Geschäft positioniere. Perspektivisch will Volkswagen so mit seinen Gemeinschaftsunternehmen in China mehr Märkte in Südostasien, dem südlichen Afrika und Südamerika bedienen. Im April hatte der Konzern im Rahmen der Automesse in China etwaige Pläne angedeutet.
VW visiert Globalen Süden an
Bereits jetzt exportiere Volkswagen Fahrzeuge aus China etwa in den Nahen Osten oder nach Kasachstan und Usbekistan, hieß es. Die in China entwickelte Technologie soll dabei die Grundlage jener für den Globalen Süden bestimmten Verbrenner, Elektro- oder Hybridautos sein. „Noch vor Ende dieses Jahrzehnts wird Südamerika die erste Region sein, die in China entwickelte Technologien in ihr lokales Portfolio aufnimmt“, versprach VW.
Volkswagen hatte sich mit seiner Produktion in China bislang auf den chinesischen Automarkt fokussiert. Exporte waren unter „In China, for China“ nicht unbedingt Teil des Plans. Doch neben dem hohen Konkurrenz- und Preisdruck chinesischer Marken bereitet nun auch der schwache Automarkt in China Probleme.
Lage in China schwierig
Jüngste Daten des chinesischen Pkw-Verbandes CPCA für den Gesamtmarkt zeigen für die ersten neun Monate dieses Jahres einen Rückgang der Verkaufszahlen um 21,7 Prozent. Als Konsequenz exportieren die Hersteller und drängen nach Europa aber auch in bislang weniger beachtete Märkte im Globalen Süden. Den CPCA-Daten zufolge sprangen die Exportzahlen im September um 73,7 Prozent nach oben.
Auch für Volkswagen ist das China-Geschäft schwierig: Im dritten Quartal sanken die Verkaufszahlen um 38,5 Prozent auf 405.800 Autos. Das Minus dort machte mehr als 80 Prozent des Gesamtrückgangs aus.
Warum VW aus China exportiert
Mit dem Strategiewechsel will Volkswagen deshalb nicht nur in anderen Märkten der chinesischen Konkurrenz trotzen, sondern auch neue Länder bedienen. „China exportiert Konkurrenzdruck“, hieß es aus Konzernkreisen. Mit Produkten aus Europa ginge das demnach nur schwer, weshalb VW aus China exportieren wolle.
Laut Europas größtem Autobauer ermöglicht die in China entwickelte Technologie den Export aus der Volksrepublik. In China profitiert VW von niedrigeren Entwicklungskosten und kürzeren Zeiten bis zum Markteintritt. Am Forschungs- und Entwicklungsstandort Hefei stellte der Konzern nun Vega vor. Das Technologiesystem sei das Ergebnis, Spitzentechnologien schneller und kosteneffizienter entwickeln, integrieren und skalieren zu können, erklärte VWs China-Chef Ralf Brandstätter laut Mitteilung.
Hinter Vega verbergen sich die in China entwickelten Elektronikarchitektur, Fahrzeugplattformen und Fahrerassistenzsystem. Laut Brandstätter werden damit die Wettbewerbsfähigkeit auf dem lokalen Markt gestärkt und neue Geschäftsmöglichkeiten über China hinaus eröffnet. Konzernchef Oliver Blume nannte China laut Mitteilung den „Innovationsmotor“ und zunehmend „Produkt- und Technologiezentrum für unsere globalen Märkte“. Erst am Vortag hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Standort Hefei während seiner laufenden China-Reise besucht. (dpa/red)
Angehörige kenianischer Rekruten zeigen am 27. Januar 2026 in Nairobi Fotos ihrer in den Ukrainekrieg geschickten Familienmitglieder. Sie fordern deren Rückführung. - Foto: Tony Karumba / AFP via Getty Images
In Kürze:
Beim dritten Russland-Afrika-Gipfel in Moskau stehen afrikanische Staats- und Regierungschefs unter Druck, die Anwerbung ihrer Bürger für Russlands Krieg gegen die Ukraine anzusprechen.
Laut ukrainischem Außenministerium kämpften im August mindestens 2.982 Afrikaner aus 37 Ländern auf russischer Seite.
Russland soll die Anwerbung zuletzt in Ländern wie Burundi und Simbabwe stark ausgeweitet haben, um hohe Verluste an der Front auszugleichen.
Am 28. und 29. Oktober treffen sich zahlreiche afrikanische Staats- und Regierungschefs mit Wladimir Putin in Moskau. Dabei steht ein heikles Thema im Raum: Russland wirbt zunehmend Afrikaner für den Krieg gegen die Ukraine an – offenbar vielfach mit falschen Versprechen. Für die afrikanischen Gäste bietet der Gipfel eine Gelegenheit, die Rekrutierung und das Schicksal ihrer Staatsangehörigen direkt anzusprechen.
„Täuschung, Tod und Menschenhandel – diese Themen verlangen von den afrikanischen Staats- und Regierungschefs in Moskau Antworten“, fordert die südafrikanische Wochenzeitung „Mail & Guardian“.
Der dritte Afrika-Russland-Gipfel biete dafür eine passende Gelegenheit. Mindestens 23 afrikanische Staats- und Regierungschefs würden zu dem Treffen reisen. Insgesamt seien mindestens 30 afrikanische Staaten vertreten.
Über dem Gipfel liege jedoch „ein schwerer Schatten“. Nach Angaben des ukrainischen Außenministeriums waren im August mindestens 2.982 Menschen aus 37 afrikanischen Ländern auf russischer Seite an der Front im Einsatz, berichtet das Blatt. Zudem befänden sich 35 Menschen aus 17 afrikanischen Ländern in ukrainischer Kriegsgefangenschaft.
Getäuscht: Afrikaner plötzlich an der Front
Bereits im Mai warnte das Africa Center for Strategic Studies (ACSS) in einer Analyse:
„Russlands täuschendes Rekrutierungsprogramm für den Krieg lockt Tausende junge Afrikaner in die Falle.“
Das ACSS wird seit 1999 vom US-Kriegsministerium (Pentagon) betrieben. Über ein Schattennetzwerk, das Onlineanwerbung betreibe, habe Russland Afrikaner aus nahezu jedem Land des Kontinents angelockt. Sie würden an der ukrainischen Front sowie in der Rüstungsindustrie eingesetzt.
„Dies waren nicht die Ziele, auf die sich die jungen Afrikaner bei ihrer Anwerbung eingestellt hatten“, stellt das ACSS in seiner Analyse fest. Viele hätten vielmehr nach Arbeit, Ausbildung oder neuen Lebensperspektiven in Russland gesucht.
Derart getäuscht, seien einige sogar „unter Waffengewalt in den Militärdienst gezwungen“ und „an die Front getrieben“ worden, „wo die Verlustraten außergewöhnlich hoch sind“, stellt das ACSS weiter fest.
Kimani Ichung’wah, Mehrheitsführer der kenianischen Nationalversammlung, berichtete am 18. Februar in einer Rede im kenianischen Parlament, dass die Rekrutierten nach ihrer Ankunft in Russland „im Grunde nur eine Waffe in die Hand gedrückt bekommen, um in den Tod zu gehen“.
Andere seien in gefährlichen Drohnenfabriken gefangen, wo sie chemische Verbrennungen und andere Verletzungen erleiden, ohne eine Möglichkeit zu haben, in ihre Heimat zurückzukehren.
Die Anwerber würden vorzugsweise ehemalige Soldaten oder Polizisten ansprechen, sowie Zivilpersonen im Alter zwischen Mitte zwanzig und fünfzig Jahren, „die händeringend nach Arbeitsmöglichkeiten im Ausland suchen“, so der kenianische Politiker.
Für Russland würden Agenturen „vor Ort“ arbeiten. In Kenia sei dies etwa die Global Face Human Resources Limited mit Sitz in Nairobi, die Festus Arasa Omwamba gehöre.
„Einige Betroffene sind nach Kenia zurückgekehrt – entweder verstümmelt oder nachdem es ihnen gelungen war, mithilfe der kenianischen Botschaft in Moskau aus dem Kriegsgebiet zu entkommen“, so Ichung’wah weiter.
Er beklagte am Ende seiner Rede ferner:
„Vielen dieser jungen Menschen wurden Stellen im Sicherheitsbereich versprochen. Man sagt ihnen, sie würden als Wachleute arbeiten. Dass sie beim Militär eingesetzt werden, verschweigt man ihnen. Sie gehen davon aus, dass sie als Wachleute lediglich einen Schlagstock bei sich tragen oder den Eingang eines Gebäudes bewachen werden.“
Doch sobald sie ankämen, würden sie in Militärlager gebracht. „Sie erhalten eine Ausbildung von nur drei Wochen. Nirgendwo auf der Welt bildet das Militär Menschen in nur drei Wochen aus. Es gibt sogar Fälle, in denen die Ausbildung nur neun Tage dauerte“, beklagte der Abgeordnete Ichung’wah und forderte seine Regierung zu Gegenmaßnahmen auf.
Einem Bericht der Nachrichtenagentur „Reuters“ zufolge würden Afrikaner für besonders verlustreiche Aufgaben an der Front eingesetzt. Überlebende und Ermittler hätten berichtet, dass sie bei hochriskanten Angriffen zum Einsatz gekommen seien.
Sie würden an die vorderste Front geschickt, um Schützengräben auszuheben, Drohnenangriffen auszuweichen und an aussichtslosen Offensivaktionen teilzunehmen. Manchmal habe es eine ganze Woche lang kein Essen gegeben, manchmal auch kein Wasser, berichtete der Vater eines Südafrikaners der Nachrichtenagentur unter Berufung auf seinen Sohn.
Nach Ländern betrachtet, stammen laut ACSS die meisten afrikanischen Kämpfer aus Kenia, Ägypten, Kamerun und Côte d’Ivoire, in leicht schwächerem Maße gefolgt von Algerien, Mali, Südsudan, Südafrika und Nigeria, wie eine Karte des ACSS zeigt.
Ungeachtet der Kritik aus mehreren afrikanischen Ländern soll Russland seine Rekrutierungsbemühungen auf dem Kontinent zuletzt ausgeweitet haben. Das berichtete „Bloomberg“ am 26. Oktober unter Berufung auf eine Präsentation aus ukrainischen Geheimdienstkreisen.
Demnach rekrutierte Russland von Januar bis September 2026 insgesamt 699 Männer aus Burundi und 530 aus Simbabwe. Im gesamten Vorjahr waren es 30 beziehungsweise 65 gewesen. Auch in der Demokratischen Republik Kongo, Sierra Leone, Sudan und Kamerun sei die Zahl der Rekrutierten deutlich gestiegen.
Laut der Präsentation richtet Russland seine Suche verstärkt auf Länder mit schwachen demokratischen Institutionen, eingeschränkter Pressefreiheit und einer schwachen Justiz. Die Entwicklung erfolgte demnach, nachdem Kenia und Südafrika versucht hatten, die Abwerbung ihrer Staatsangehörigen einzudämmen.
Als Ziel der Rekrutierung nennt die Präsentation den Ausgleich hoher Verluste und des Mangels an mobilisierbarem Personal. „Bloomberg“ zufolge steht die verstärkte Suche nach neuen Kämpfern im Zusammenhang mit dem Bedarf der russischen Armee, Verluste und Personalengpässe auszugleichen.
Laut einer Analyse des Washingtoner Thinktanks Institute for the Study of War (ISW) vom 1. Oktober würden die russischen monatlichen Verluste an der ukrainischen Front die Zahl der monatlich neu Rekrutierten übersteigen.
Allein im September hätten die russischen Streitkräfte in der Ukraine mehr als 46.000 Verluste zu verzeichnen gehabt, „die bislang höchste monatliche Verlustrate auf russischer Seite im Jahr 2026“, schrieb das ISW.
In Kenia leitet Peter Kamau eine Gruppe, die Präsident William Ruto um Hilfe bittet, ihre von Russland für den Krieg angeworbenen Angehörigen nach Hause zu holen. Nach Angaben der Gruppe sind 841 Kenianer in den Krieg verwickelt, die Regierung hat 354 Fälle bestätigt.
Kamau forderte in dem südafrikanischen Wochenblatt „Mail & Guardian“: Der kenianische Präsident „hat die besten Chancen, uns zu helfen. Er sollte noch in dieser Woche direkt mit Putin sprechen.“
Da der burundische Präsident Évariste Ndayishimiye derzeit auch den Vorsitz der Afrikanischen Union innehat und den Russland-Afrika-Gipfel mitleitet, könne Afrika in dieser Frage mit einer Stimme sprechen, hofft Kamau.
Auf seiner Asien-Reise ist der Kanzler auch mit dem Thema Steinmeier-Nachfolge befasst. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
Bundeskanzler Friedrich Merz sieht weiterhin mehrere mögliche Kandidaten für die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und bekräftigt gleichzeitig den Anspruch der CDU auf das Vorschlagsrecht. Das wurde am Rande seiner Asienreise aus seinem Umfeld klargestellt, nachdem Medien berichtet hatten, er favorisiere die hessische Fraktionschefin Ines Claus.
Bisher habe Merz „weder eine Entscheidung getroffen noch einen Vorschlag unterbreitet“, wurde in der Umgebung des Kanzlers und CDU-Vorsitzenden betont. Es gelte weiterhin, dass die CDU als stärkste Kraft in der Bundesversammlung „den Anspruch hat, einen Kandidaten oder eine Kandidatin zu stellen“. Es gebe „eine Reihe von geeigneten“ Optionen.
Der Anspruch der CDU-Führung war bereits kurz vor dem CSU-Parteitag in München am vergangenen Wochenende kommuniziert worden. CSU-Chef Markus Söder hatte trotzdem sich auf offener Bühne und unter tosendem Beifall der Delegierten für die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner ausgesprochen. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch hat sich inzwischen hinter diesen Vorschlag gestellt.
Aus der CDU werden Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bildungsministerin Karin Prien und die frühere Parteichefin und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer als mögliche Kandidatinnen genannt. Auch der hessische Ministerpräsident Boris Rhein ist im Gespräch. Am Dienstag kam über einen Bericht der „Rheinischen Post“ mit der hessischen Fraktionschefin Ines Claus ein neuer Name hinzu.
Über die Steinmeier-Nachfolge stimmt am 30. Januar die Bundesversammlung ab, in der die Koalition aus Union und SPD eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen hat. Die Entscheidung in der Kandidatur soll in den nächsten Wochen fallen. (dpa/red)
Die halb ausgegrabene Sphinx um das Jahr 1870. Im Kalkstein des Plateaus fanden Forscher später eine, wie wir heute wissen, ausgestorbene Krokodilart, die noch weitere Verbindung zur größten Katze der Welt aufweist. - Foto: Maison Bonfils/Wikimedia Commons | gemeinfrei, Epoch Times
Kann Boden Informationen wie ein Computer verarbeiten?
Feuchtigkeit, Mikroorganismen, Wärme, Mineralstoffe. Der Boden unter unseren Füßen enthält eine Menge Informationen. Forscher um Catherine Merchant, Doktorandin der University of Cambridge, England, sehen darin mehr als nur einen passiven Datenspeicher, sogar mehr als einen Lebensraum. Indem Boden Stoffe unterschiedlich weiterleitet, verändert oder speichert, gleiche er einem Computer. Von einem Bio-Prozessor ist man aber noch weit entfernt und die gezielte Verarbeitung von Umweltreizen nicht belegt. Dies erfordere zudem eine Auswertung, die zunächst lernen muss, die veränderten Zustände zu interpretieren. Als Nächstes sollen Gedächtniseffekte und Informationsübertragung quantitativ gemessen, innere Prozesse abgebildet werden und erste Rechendemonstrationen folgen. Was sie bedeuten und wozu sie später dienen können, bleibt vorerst offen. (ts)
„Doppelagent“ versteckte verbotene Bücher
Im England des 15. Jahrhunderts konnte der Besitz einer Übersetzung der Bibel tödlich enden: Während der Reformation und Gegenreformation ließen die Oberen zahlreiche religiöse Werke vernichten. Einer, der dies im Auftrag Heinrich VIII. ausführte, war Sir John Gage (1479–1556). Oder tat er es doch nicht? Forscher der Universitäten Sussex und Cambridge identifizierten sechs Seiten aus einem Manuskript von Nicholas Love aus dem Jahr 1409, einem jener Werke, das Cage hätte vernichten sollen. Die Notizen auf der Rückseite deuten jedoch vielmehr darauf hin, dass er das Werk – nachdem es wohl im Besitz eines Klosters war – an sich nahm und sicher verwahrte. Einen Beweis dafür gibt es nicht. Die Signatur von einem Mann, der zudem trotz seines königlichen Auftrags, Klöster in England aufzulösen, katholisch blieb, zeugt jedoch von widersprüchlichen Loyalitäten. (kms)
Sie sind meist groß, sperrig oder schwer und auch wenn es sie im Mikroformat gibt, erfordern Antennen eine feste Struktur. Noch. Prya Darshni und Kollegen von der North Carolina State University haben erstmals eine Plasma-Antenne genutzt. Den dafür nötigen haarfeinen Plasmafaden erzeugte ein Laser, der mit ultrakurzen Impulsen die Luft auf etwa 20 Zentimeter Länge ionisierte. Als die Forscher ein Funksignal in diese Laserschwert-ähnliche Antenne einkoppelten, erhöhte sich die Signalstärke im Nahbereich um rund 150 Prozent. Da die Antenne keine festen Bestandteile enthält, lässt sie sich – so die Theorie – an beliebige Frequenzen anpassen und könnte künftig die Raumfahrt bereichern. Der Weg dahin ist aber noch weit. Laut Darshni war es „der erste Schritt“. Jetzt, da es möglich sei, könne man „beginnen, ihre Leistung zu verbessern“. (ts)
Darshnis Plasmaantenne erinnert an ein Lichtschwert. Da sie keine metallischen Teile erfordert, können Eigenschaften, wie Länge und Richtung, der Antenne später gezielt verändert werden.
Foto: Prya Darshni/North Carolina State University
Ausgestorbenes Krokodil mit Verbindungen zu großer Katze
Neu ist der Fund nicht: In den 1920er Jahren bargen Forscher in Ägypten einen fast vollständigen Schädel eines vermeintlichen Scheingavials, einem Krokodil mit ungewöhnlich langer Schnauze. Im Rahmen neuer Untersuchungen kommen Dr. Paul Burke vom Swedish Museum of Natural History und Kollegen zu dem Schluss, dass es sich um eine eigenständige Art handelte, die in dem rund 45 Millionen Jahre alten Gestein steckt und gaben ihr den Namen Herugavialis cairensis. Der Name bezieht sich auf Heru oder Horus, den Altägyptischen Gott des Himmels und des Horizonts. Horus gilt auch als Personifikation der aufgehenden Sonne, die sich in der Großen Sphinx von Gizeh wiederfindet. Zudem bildet der Kalkstein der Mokattam-Formation, aus der das Fossil stammt, den Grundstein der größten Katze der Welt. Und während der die Nase fehlt, fehlt dem Fossil des Horus-Gavials die Spitze der Schnauze. (kms)
Dass Rauchen der Gesundheit schadet und körperliche Aktivität sie fördert, sollte hinlänglich bekannt sein. Neu ist, dass regelmäßiges Teetrinken die Blutgesundheit verbessert. Das zeigt die Auswertung der Gesundheitsdaten von fast einer halben Million Chinesen. Als regelmäßiger Teekonsum galten dabei bereits drei Tee-Tage pro Woche, was dazu führte, dass Teetrinker im Schnitt elf Prozent seltener unter Erkrankungen des Herz-Kreislaufs, der Hirngefäße, Gefäßleiden im Lungenkreislauf und peripheren Gefäßerkrankungen litten. Werte für einzelne Krankheiten weichen davon ab, auch Teesorte und Trinktemperatur beeinflussen das Ergebnis. Wie viel Tee tatsächlich getrunken wurde, wie sich die Gewohnheiten während der Beobachtungsdauer von durchschnittlich neun Jahren veränderte sowie ob und welche andere Faktoren eine Rolle spielen, zeigen die Daten nicht. (ger)
Mond hatte vor 4,2 Milliarden Jahren ein Magnetfeld
Kalt, leer und unbewohnt, so beschreiben Hamburger Musiker den Mond. Ob es schon immer so war, ist ungeklärt. Zumindest was ein frühes Magnetfeld anbelangt, haben Schweizer Forscher neue Erkenntnisse: Stark magnetisiertes Gestein deutet auf die Existenz eines eben solchen. Während das irdische Magnetfeld maßgeblich auf der Bewegung flüssigen Metalls im Erdkern beruht, ist umstritten, ob es diese Dynamik auch im Mond gab. Vorausgesetzt die gemessene Magnet- und Schwerkraftanomalie geht auf dieselbe geologische Ursache zurück, könnte unter der Mondrückseite eine fast zehn Kilometer mächtige, rund 60 Kilometer breite, erstarrte Magmablase liegen. Die darüber liegenden Krater deuten auf ein Alter von über 4,2 Milliarden Jahren und die Magnetisierung auf einen „länger andauernden, im Kern erzeugten Dynamo“. Die Frage lautet nun also nicht mehr, ob es ihn gab, sondern wie er funktionierte. (ts)
Mondwirbel wie Reiner-Gamma (helle Struktur auf dunklem Grund, Bildmitte) deuten auf ein lokale Magnetfeld, welches die Verwitterung durch den Sonnenwind bremst. Strukturen unter der Mondoberfläche lassen auf ein globales Magnetfeld schließen.
Haare auf dem Körper haben verschiedene Funktionen – eine der unscheinbarsten übernehmen dabei haartragende Sinneszellen im Innenohr. Diese reagieren auf feinste mechanische Bewegungen der Luft, leiten ihre Signale an das Nervensystem weiter und ermöglichen uns so das Hören. Ein ähnliches und doch völlig verschiedenes Organ ermöglicht Tieren, unter Wasser Strömungen wahrzunehmen. Kalmare bilden dabei keine Ausnahme. Doch während Fische diese Fähigkeit vor allem ihrem Seitenlinienorgan verdanken, sind derartige Sensorflächen bei den Kopffüßern offenbar erheblich größer. Das ist das Ergebnis von Forschern der Case Western Reserve University um Brian M. McDermott. Während menschliche Ohren also Schwingungen der Luft zunächst in die Hörschnecke leiten, könnten Kalmare auf ähnliche Art und Weise mit dem ganzen Körper Bewegungen des Wassers „hören“. (kms)
Ein großer Teil der Phänomene im Weltraum lässt sich mit der bekannten Physik nicht oder nur dann erklären, wenn Faktoren wie Dunkle Materie einbezogen werden. Was sie ist und wie ihr Nachweis gelingt, ist ebenso unbekannt wie ihre Entstehung. Für Letztere existieren verschiedene Theorien, die unterschiedlich „natürlich“ erscheinen. Die Natürlichkeit steht hier als Maß für Schwankungen, wenn einzelne Parameter verändert werden: je kleiner die Abweichung, desto natürlicher. Stefano Profumo, Physiker der University of California, Santa Cruz untersuchte auf dieser Grundlage existierende Theorien und kommt zu dem Ergebnis, dass weder frühe Schwarze Löcher noch unentdeckte Elementartelchen per se (un)natürlich sind, vielmehr hänge es vom Entstehungsmodell ab. Eine Erklärung für Dunkle Materie liefert Profumo nicht, auch nicht, ob die eine oder andere Art besser geeignet ist, den vermutlich größten Teil der Materie im Kosmos zu erklären. (ts)
Menschen mit psychopathischen Merkmalen zeigen andere Sprachmuster
Psychopathen werden oft als emotionslos und stumpf mit entsprechender Sprache dargestellt. Ky Bray, Doktorand der University of Mississippi kommt zu einem anderen, erheblich differenzierterem Ergebnis. Demnach ist psychopathische Sprache nicht, wie oft dargestellt, hohl oder gefühlskalt, sondern vielmehr abhängig von Kontext und Ausprägung. Wie Bray betont, geht es dabei nicht darum, Psychopathie anhand der Sprache zu diagnostizieren, sondern zu zeigen, wie sich psychopathische Merkmale in alltäglichen, und selbst subtilen Dingen, wie der Sprache niederschlagen: Enthemmung führe tendenziell zu negativem Ton und Kühnheit, wie erwartet, zu weniger Angstbegriffen. Gefühlskälte hingegen gehe mit positiver und belohnungsbezogener Sprache einher. Das sei deshalb interessant, weil am Ende „jeder ein gewisses Maß an Gefühlskälte, Kühnheit und Enthemmung hat“. (ger)
Schon gewusst? Fledermäuse haben ihren Ursprung in Europa
Wenn es im Sommer dunkler wird, sind sie unterwegs und jagen mit tollkühnen Manövern Insekten über unseren Köpfen: Fledermäuse, oder passend zur aktuellen Jahreszeit, von Kindern mitunter auch Halloween-Amseln genannt. Mit über 1.500 Spezies stellen sie mehr als ein Fünftel aller lebenden Säugetierarten. Die bislang umfassendste Genomanalyse des Fledermausstammbaums zeigt dabei, dass die Tiere nicht, wie bisher angenommen, aus Asien, Afrika oder Nordamerika stammen, sondern aus Europa – und dass bereits die ersten ihrer Art Flug und Echoortung beherrschten. In den vergangenen 65 Millionen Jahren haben sie sich auf der ganzen Welt verbreitet und übernehmen eine bedeutende Rolle als Bestäuber und Schädlingsbekämpfer. Ihre außergewöhnliche Langlebigkeit und Krankheitsresistenz stellt Forscher bis heute vor Rätsel. (kms)
Angetrieben von der Anziehungskraft des Mondes läuft zweimal am Tag ein Wasserberg um die Erde, während Küsten und Kontinente scheinbar in ihrer Lage verharren. Scheinbar, denn auch die Erde unter unseren Füßen kann sich der Kraft der kosmischen Begleiter nicht entziehen. Geowissenschaftler um Yishuo Zhou von Université Paris Sciences et Lettres haben sich dies genauer angeschaut und festgestellt, dass Sonne und Mond, zwar keine heftigen Erdstöße verursachen, die Bewegung der Erde aber ebenso beeinflussen, indem sie die natürliche Verschiebung bremsen oder beschleunigen. Am größten sei dieser Einfluss, wenn die Anziehungskräfte aufgrund der Drehung der Erde wiederholt auf Teile von Platten wirkten und so Kraft und Drift in Resonanz gerieten. Eine Erklärung für alle Beben bietet die Studie nicht, wohl aber einen Ansatz, warum manche Störung besonders empfindlich auf die Gezeitenkräfte reagiert. (ts)
Tief unter der Meeresoberfläche schlummern Schätze, die Begehrlichkeiten wecken. Nein, keine gruseligen Schiffswracks voller Gold und Edelsteinen, sondern Rohstoffe wie Eisen, Kupfer und Zink. Besonders an unterseeischen heißen Quellen lagern sich Minerale ab und stellen ein vielversprechendes Ziel für den Tiefseebergbau dar – und eine große Gefahr, wie Forscher des U.S. Geological Survey feststellen mussten. Als sie Erze aus dem Escanaba-Trog im Nordostpazifik im Labor untersuchten, entzündeten sich zwei von insgesamt 57 Proben von selbst. Chemische Analysen wiesen Eisensulfide nach, die aufgrund ihrer besonderen Kristallstruktur bei Kontakt mit Sauerstoff unter starker Wärmeentwicklung reagieren. Das Phänomen ist aus dem Bergbau an Land bekannt, stellt für die mögliche Förderung und Verarbeitung auf See aber eine besondere Herausforderung dar, die bislang wenig Beachtung fand. (ts)
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will wiedergewählt werden. (Archivbild) - Foto: Nathan Howard/Pool The New York Times via AP/dpa
Bei der Parlamentswahl in Israel liegt nach Auszählung der Hälfte aller Stimmzettel offiziellen Angaben zufolge der Block von Regierungschef Benjamin Netanjahu vor dem Block der Opposition. Nach Angaben der israelischen Wahlkommission vom Mittwoch kommen Netanjahus Likud-Partei und ihre Verbündeten nach Auszählung von 50.1 Prozent der Stimmzettel auf 56 der 120 Sitze im Parlament. Das Oppositionsbündnis unter Gadi Eisenkot kommt demnach auf 49 Sitze, die Listen der arabischen Israelis auf 15.
Die Regierungsbildung dürfte schwierig werden. Eisenkot wäre für die Bildung einer Regierung auf die Unterstützung arabischer Parteien angewiesen, was aber mehrere Parteien der Opposition bislang ablehnten.
Netanjahu lehnt Unterstützung arabischer Parteien ab
Netanjahu ist der am längsten amtierende Regierungschef Israels. Vor seinen Anhängern in Jerusalem zeigte sich der 77-Jährige am Mittwoch zuversichtlich, auch künftig die Regierung anzuführen.
Zwar erklärte sich Netanjahu nicht ausdrücklich zum Wahlsieger, verwies aber auf das Abschneiden des Likud als stärkste Einzelpartei. „Wir müssen eine starke Regierung des rechten Lagers bilden“, sagte er.
Zudem sprach er sich gegen jede „Regierung mit der Unterstützung der israelischen Araber“ aus, deren Parteien bei der Wahl massive Zugewinne erzielt hatten. Kein Regierungschef dürfe „auf die Unterstützung israelischer Araber angewiesen“ sein, sagte Netanjahu. „Eine Regierung, die von arabischen Parteien gestützt wird, kommt nicht infrage.“
Netanjahu verwies zudem auf seine enge Verbundenheit mit US-Präsident Donald Trump. „Israel hat gemeinsam mit unserem Partner, Präsident Trump, die einmalige Gelegenheit, die existenzielle Bedrohung durch den Iran für immer zu beseitigen“, sagte er.
Eisenkot fordert politischen Wandel
Derweil richtete Eisenkot in Tel Aviv eine indirekte Warnung an Netanjahu. „Netanjahu, wage es bloß nicht, die Sicherheit Israels für deine politischen Zwecke zu missbrauchen“, sagte er am frühen Mittwochmorgen in einer Rede vor seinen Anhängern in Tel Aviv.
Eisenkot bezeichnete Netanjahu als „geschäftsführenden Ministerpräsidenten, der weder über ein Mandat noch über das Vertrauen des Volkes verfügt“.
„Das Volk hat sich gegen eine Fortsetzung der Amtszeit Netanjahus ausgesprochen“, sagte er und fügte hinzu: „Eine integre Führungspersönlichkeit würde dieses Misstrauensvotum des Volkes akzeptieren und noch heute ihren Rückzug aus dem politischen Leben ankündigen.“ Die Menschen in Israel hätten sich für „den Wandel entschieden“. Er selbst werde nun versuchen, „zügig“ eine neue Regierung zu bilden.
Nach der Wahl zeichnet sich nun eine schwierige Regierungsbildung ab. Eine entscheidende Rolle dürfte dabei den Parteien der arabisch-israelischen Staatsbürger zukommen.
Ein Überblick über vier mögliche Szenarien:
1. Koalition
Sobald das Ergebnis feststeht, beauftragt Präsident Isaac Herzog einen Kandidaten mit der Regierungsbildung. Das muss nicht unbedingt derjenige sein, dessen Partei an der Spitze liegt, sondern jener mit der besten Aussicht, mindestens 61 Abgeordnete hinter sich zu vereinen. Regieren wird, wem es gelingt, eine mehr oder weniger breite und stabile Koalition zu schmieden. Die Parteien werden nun umgehend Verhandlungen aufnehmen, um eine Mehrheit von 61 der insgesamt 120 Knesset-Sitze zu erreichen.
Die arabisch-israelischen Parteien Vereinigte Liste und Raam haben sich offen für eine Zusammenarbeit mit Eisenkots Block gezeigt. Eine Unterstützung durch die arabischen Parteien könnte der Opposition den Weg an die Macht ebnen. Allerdings hatte Eisenkot bislang nicht öffentlich erklärt, dass er mit ihnen zusammenarbeiten würde.
Für Netanjahus Block gibt es dagegen kaum Möglichkeiten, weitere Sitze dazuzugewinnen – zumal einige kleinere rechtsgerichtete Parteien an der für den Einzug ins Parlament erforderlichen 3,25-Prozent-Hürde gescheitert sind. Es stehen nun mühsame Koalitionsverhandlungen bevor.
2. Minderheitsregierung
Sollte es keinem Block gelingen, mindestens 61 Abgeordnete hinter sich zu vereinen, könnte ein Kandidat versuchen, ohne eigene Mehrheit zu regieren. Dabei wäre er auf einzelne Abgeordnete angewiesen.
Experten zufolge könnten arabische Abgeordnete etwa eine Minderheitsregierung stützen, ohne dabei Teil einer Koalition zu werden. In diesem Szenario könnten die beiden israelisch-arabischen Listen eine entscheidende Rolle spielen, indem sie der Regierung bei Abstimmungen eine Mehrheit verschaffen könnten.
Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Tal Elovitz wäre eine Minderheitsregierung unter Eisenkot denkbar. Ihm zufolge deutet eine besonders hohe Wahlbeteiligung unter den arabischen Staatsbürgern „auf einen starken Wunsch nach Partnerschaft hin“.
„Unterm Strich scheint es derzeit die Möglichkeit zu geben, eine Minderheitsregierung unter der Führung von Eisenkot zu bilden“, sagte Elovitz. Doch dies könne sich „je nach endgültigem Wahlergebnis noch ändern“.
3. Regierung der nationalen Einheit
Angesichts der Polarisierung in Israel erscheint eine Regierung der nationalen Einheit unrealistisch. Doch Kommentatoren spekulieren regelmäßig über eine Koalition der sogenannten zionistischen Parteien unter Ausschluss der arabischen und ultraorthodoxen Gruppierungen. Laut einer aktuellen Umfrage ziehen 55 Prozent der Israelis ein solches Bündnis Neuwahlen vor, sollte die Wahl keine klare Mehrheit ergeben.
Das Szenario gab es bereits: 2020 einigten sich Netanjahu und Benny Gantz – wie Eisenkot ein Ex-General und Politiker der Mitte – trotz ihrer tiefen Feindschaft nach drei Wahlen innerhalb eines Jahres auf eine Teilung der Macht; sie wollten sich als Regierungschefs abwechseln. Doch das Bündnis zerbrach nach einem Jahr und es wurde erneut gewählt.
4. Patt und Neuwahlen
Gelingt es keinem Kandidaten, eine Regierung zu bilden, gibt es Neuwahlen. Zwischen April 2019 und März 2021 wählten die Israelis viermal ein neues Parlament, da die Parteien nicht in der Lage waren, sich auf ein tragfähiges Bündnis zu einigen. Der vom Präsidenten benannte Kandidat hat 28 Tage Zeit, eine Koalition zu schmieden.
Diese Frist kann um 14 Tage verlängert werden. Im Falle eines Scheiterns gibt es weitere Möglichkeiten zu verhindern, dass sofort Neuwahlen angesetzt werden. Bis eine neue Regierung steht, bleibt Netanjahu als Interims-Ministerpräsident im Amt.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will wiedergewählt werden. (Archivbild) - Foto: Nathan Howard/Pool The New York Times via AP/dpa
Nach Auszählung von gut 37 Prozent der Stimmen bei der Parlamentswahl in Israel hat der Block von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Medien zufolge seinen Vorsprung ausgebaut. Eine klare Mehrheit erreicht es aber weiterhin nicht. Laut israelischen Medienberichten kommt Netanjahus Lager nach gegenwärtigem Stand auf 57 der 120 Sitze in der Knesset und liegt damit 10 Sitze vor dem gegnerischen Lager von Ex-Militärchef Gadi Eisenkot.
Netanjahus Likud-Partei wurde den Angaben zufolge stärkste Kraft mit 28 Parlamentssitzen. Dahinter liegt die Mitte-Partei Jaschar von Eisenkot, die demnach auf 21 Sitze kommt. Die Regierungsbildung dürfte schwierig werden.
Die arabischen Parteien kommen nach gegenwärtigem Stand auf zusammen 16 Sitze. Eisenkot wäre für die Bildung einer Regierung auf die Unterstützung arabischer Parteien angewiesen, was aber mehrere Parteien der Opposition bislang ablehnten.
Netanjahu lehnt Unterstützung arabischer Parteien ab
Netanjahu ist der am längsten amtierende Regierungschef Israels. Vor seinen Anhängern in Jerusalem zeigte sich der 77-Jährige am Mittwoch zuversichtlich, auch künftig die Regierung anzuführen.
Zwar erklärte sich Netanjahu nicht ausdrücklich zum Wahlsieger, verwies aber auf das Abschneiden des Likud als stärkste Einzelpartei. „Wir müssen eine starke Regierung des rechten Lagers bilden“, sagte er.
Zudem sprach er sich gegen jede „Regierung mit der Unterstützung der israelischen Araber“ aus, deren Parteien bei der Wahl massive Zugewinne erzielt hatten. Kein Regierungschef dürfe „auf die Unterstützung israelischer Araber angewiesen“ sein, sagte Netanjahu. „Eine Regierung, die von arabischen Parteien gestützt wird, kommt nicht infrage.“
Netanjahu verwies zudem auf seine enge Verbundenheit mit US-Präsident Donald Trump. „Israel hat gemeinsam mit unserem Partner, Präsident Trump, die einmalige Gelegenheit, die existenzielle Bedrohung durch den Iran für immer zu beseitigen“, sagte er.
Eisenkot fordert politischen Wandel
Derweil richtete Eisenkot in Tel Aviv eine indirekte Warnung an Netanjahu. „Netanjahu, wage es bloß nicht, die Sicherheit Israels für deine politischen Zwecke zu missbrauchen“, sagte er am frühen Mittwochmorgen in einer Rede vor seinen Anhängern in Tel Aviv.
Eisenkot bezeichnete Netanjahu als „geschäftsführenden Ministerpräsidenten, der weder über ein Mandat noch über das Vertrauen des Volkes verfügt“.
„Das Volk hat sich gegen eine Fortsetzung der Amtszeit Netanjahus ausgesprochen“, sagte er und fügte hinzu: „Eine integre Führungspersönlichkeit würde dieses Misstrauensvotum des Volkes akzeptieren und noch heute ihren Rückzug aus dem politischen Leben ankündigen.“ Die Menschen in Israel hätten sich für „den Wandel entschieden“. Er selbst werde nun versuchen, „zügig“ eine neue Regierung zu bilden.
Nach der Wahl zeichnet sich nun eine schwierige Regierungsbildung ab. Eine entscheidende Rolle dürfte dabei den Parteien der arabisch-israelischen Staatsbürger zukommen.
Ein Überblick über vier mögliche Szenarien:
1. Koalition
Sobald das Ergebnis feststeht, beauftragt Präsident Isaac Herzog einen Kandidaten mit der Regierungsbildung. Das muss nicht unbedingt derjenige sein, dessen Partei an der Spitze liegt, sondern jener mit der besten Aussicht, mindestens 61 Abgeordnete hinter sich zu vereinen. Regieren wird, wem es gelingt, eine mehr oder weniger breite und stabile Koalition zu schmieden. Die Parteien werden nun umgehend Verhandlungen aufnehmen, um eine Mehrheit von 61 der insgesamt 120 Knesset-Sitze zu erreichen.
Die arabisch-israelischen Parteien Vereinigte Liste und Raam haben sich offen für eine Zusammenarbeit mit Eisenkots Block gezeigt. Eine Unterstützung durch die arabischen Parteien könnte der Opposition den Weg an die Macht ebnen. Allerdings hatte Eisenkot bislang nicht öffentlich erklärt, dass er mit ihnen zusammenarbeiten würde.
Für Netanjahus Block gibt es dagegen kaum Möglichkeiten, weitere Sitze dazuzugewinnen – zumal einige kleinere rechtsgerichtete Parteien an der für den Einzug ins Parlament erforderlichen 3,25-Prozent-Hürde gescheitert sind. Es stehen nun mühsame Koalitionsverhandlungen bevor.
2. Minderheitsregierung
Sollte es keinem Block gelingen, mindestens 61 Abgeordnete hinter sich zu vereinen, könnte ein Kandidat versuchen, ohne eigene Mehrheit zu regieren. Dabei wäre er auf einzelne Abgeordnete angewiesen.
Experten zufolge könnten arabische Abgeordnete etwa eine Minderheitsregierung stützen, ohne dabei Teil einer Koalition zu werden. In diesem Szenario könnten die beiden israelisch-arabischen Listen eine entscheidende Rolle spielen, indem sie der Regierung bei Abstimmungen eine Mehrheit verschaffen könnten.
Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Tal Elovitz wäre eine Minderheitsregierung unter Eisenkot denkbar. Ihm zufolge deutet eine besonders hohe Wahlbeteiligung unter den arabischen Staatsbürgern „auf einen starken Wunsch nach Partnerschaft hin“.
„Unterm Strich scheint es derzeit die Möglichkeit zu geben, eine Minderheitsregierung unter der Führung von Eisenkot zu bilden“, sagte Elovitz. Doch dies könne sich „je nach endgültigem Wahlergebnis noch ändern“.
3. Regierung der nationalen Einheit
Angesichts der Polarisierung in Israel erscheint eine Regierung der nationalen Einheit unrealistisch. Doch Kommentatoren spekulieren regelmäßig über eine Koalition der sogenannten zionistischen Parteien unter Ausschluss der arabischen und ultraorthodoxen Gruppierungen. Laut einer aktuellen Umfrage ziehen 55 Prozent der Israelis ein solches Bündnis Neuwahlen vor, sollte die Wahl keine klare Mehrheit ergeben.
Das Szenario gab es bereits: 2020 einigten sich Netanjahu und Benny Gantz – wie Eisenkot ein Ex-General und Politiker der Mitte – trotz ihrer tiefen Feindschaft nach drei Wahlen innerhalb eines Jahres auf eine Teilung der Macht; sie wollten sich als Regierungschefs abwechseln. Doch das Bündnis zerbrach nach einem Jahr und es wurde erneut gewählt.
4. Patt und Neuwahlen
Gelingt es keinem Kandidaten, eine Regierung zu bilden, gibt es Neuwahlen. Zwischen April 2019 und März 2021 wählten die Israelis viermal ein neues Parlament, da die Parteien nicht in der Lage waren, sich auf ein tragfähiges Bündnis zu einigen. Der vom Präsidenten benannte Kandidat hat 28 Tage Zeit, eine Koalition zu schmieden.
Diese Frist kann um 14 Tage verlängert werden. Im Falle eines Scheiterns gibt es weitere Möglichkeiten zu verhindern, dass sofort Neuwahlen angesetzt werden. Bis eine neue Regierung steht, bleibt Netanjahu als Interims-Ministerpräsident im Amt.
Die drei Präsidenten Trump, Selenskyj und Putin (von links) verhandeln über eine Lösung im Ukraine-Krieg. (Archivbild). - Foto: Morissard/Bednyakov/AP/dpa
HEUTE6:55 Uhr
Trump kündigt „sehr bald“ Treffen mit Putin und Selenskyj an
US-Präsident Donald Trump hat ein baldiges Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj angekündigt. „Ich glaube, dass dabei große Fortschritte erzielt werden könnten“, fügte er hinzu.
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HEUTE6:35 Uhr
Mieten steigen in Landkreisen teils stärker als in Städten
Die Mieten in Deutschland stiegen von 2024 auf 2025 in ländlichen Kreisen im Schnitt um 3,8 Prozent, in kreisfreien Städten um 2,6 Prozent. Den stärksten Anstieg innerhalb der Top Ten gab es im Landkreis Bamberg. Dort gingen die Angebotsmieten um 25,2 Prozent nach oben.
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HEUTE6:24 Uhr
GdP-Chef Kopelke: Es ist unklar, wer hinter „GenZ“ steht
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) rechnet bei den für Samstag angekündigten Protesten der „GenZ regelt“ mit gewaltsamen Ausschreitungen. GdP-Bundeschef Jochen Kopelke äußerte sich zudem kritisch zur Transparenz der Organisation: „Derzeit ist recht unklar, wer hinter GenZ steht. Die Namen des im Internet veröffentlichten Impressums helfen da nicht wirklich weiter.“
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HEUTE5:50 Uhr
Sintflutartige Regenfälle: Zyklon „Arnab“ trifft in Indien auf Land
Zyklon „Arnab“ ist an Indiens Südostküste auf Land getroffen. In Andhra Pradesh wurden Windgeschwindigkeiten bis 135 km/h und Böen bis 150 km/h gemessen. Schulen und Hochschulen bleiben bis Ende der Woche geschlossen.
In Wuppertal hat die Feuerwehr am späten Dienstagabend mehrere Fahrgäste aus einer liegengebliebenen Schwebebahn befreit. Wegen eines Stromausfalls kurz hinter der Haltestelle Völklinger Straße konnte sie nicht abgeschleppt werden. Die Evakuierung erfolgte per Drehleiter.
Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting (l.) und der US-Kriegsminister Pete Hegseth am 15. Oktober 2026 im Pentagon in Arlington, Virginia. - Foto: Finn Gomez/Getty Images
In Kürze:
Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting will, dass Großbritannien in 1.000 Tagen kriegsbereit ist – also bis 2030.
Die Briten sollen sich 9 Liter Trinkwasser sowie Lebensmittelvorräte für drei Tage für Notfälle anlegen.
MI5-Chef Sir Ken McCallum fordert eine „gesellschaftsweite Anstrengung“, um das Land vor Bedrohungen zu schützen – Russland sei „nach wie vor der Aggressor Nummer eins“.
Der Kreml spricht von „Russophobie“.
Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting erklärte, dass das Land in 1.000 Tagen kriegsbereit sein müsse. Zuvor hatte die Regierung die Bürger aufgefordert, sich mit lebenswichtigen Vorräten einzudecken.
In einem Artikel in der britischen Tageszeitung „The Telegraph“ am Wochenende warnte Streeting, dass die Feinde des Vereinigten Königreichs bis 2030 bereit sein könnten, einen Angriff zu starten.
Er schrieb: „Die Bereitschaft unserer Gegner, uns Schaden zuzufügen, ist nicht neu. Gewachsen sind jedoch ihre Möglichkeiten. Bis 2030 könnten ihre Truppenstärke und Kriegswirtschaft sie in die Lage versetzen, anzugreifen.“
„Das gibt uns etwas mehr als 1.000 Tage, um unsere Mission zu erfüllen: bereit zu sein, mit unseren Verbündeten zu kämpfen und zu gewinnen.“
Streeting sagte, dass die Gefahr nicht zwangsläufig in Form eines klassischen militärischen Angriffs auftreten müsse. Er warnte, dass hybride Kriegstaktiken – wie Angriffe auf technische Infrastruktur und Desinformationskampagnen – ebenfalls eine Bedrohung darstellten.
„Die größten Gefahren des 20. Jahrhunderts kehren zurück, ausgestattet mit den Technologien des 21. Jahrhunderts“, sagte er. „Doch die Bedrohung für Großbritannien besteht nicht nur in konventioneller Kriegsführung oder in russischen Panzern, die über unsere Grenzen rollen.“
„Es ist auch die wachsende Gefahr von staatlich gefördertem Terrorismus, Sabotage und feindseligen Handlungen, die darauf abzielen, unser Leben zu stören, unsere Sicherheit zu untergraben und Angst in unseren Gemeinden zu verbreiten.“
Streeting, der im Juli vom Labour-Premierminister Andy Burnham zum Verteidigungsminister ernannt wurde, sagte auch: „Um das Schlimmste zu verhindern, müssen wir uns darauf vorbereiten. In erster Linie bedeutet das, unsere Fähigkeiten auszubauen, damit unsere Gegner zweimal darüber nachdenken, uns anzugreifen. Sollte dies scheitern, müssen wir sicherstellen, dass Großbritannien kriegsbereit ist.“
Am 13. Oktober sagte Streeting gegenüber dem Verteidigungsausschuss des Unterhauses: „Begriffe wie ‚hybride Bedrohungen‘ und ‚Grauzone‘ vermitteln nicht angemessen die Ernsthaftigkeit der weitreichenden Kampagne Russlands, die ich lieber als staatlich geförderten Terrorismus bezeichnen würde, den es auf unserem gesamten Kontinent betreibt.“
Der Verteidigungsminister, der keinen militärischen Hintergrund hat, sagte weiter: „Wir befinden uns nicht im Krieg mit Russland, noch streben wir eine Konfrontation an. Aber Russland sollte keinen Zweifel daran haben, dass wir bereit sind, jeden Zentimeter des NATO-Territoriums zu verteidigen, und dass wir uns in unserer unerschütterlichen Unterstützung für die Ukraine nicht abbringen lassen.“
Neue Regierungskampagne: Vorräte anlegen
Streetings Gastbeitrag im „Telegraph“ erschien im Anschluss an den Start der Regierungskampagne „Be Ready“ am 22. Oktober. Diese soll das Land auf einen möglichen Zusammenbruch grundlegender Dienstleistungen vorbereiten.
Der britische Premierminister Andy Burnham (l.) und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj während eines Besuchs auf dem Marinestützpunkt HM Naval Base in Portsmouth an der Südküste Englands am 27. Juli 2026.
Foto: Aaron Chown/Pool/AFP via Getty Images
Die Briten werden aufgefordert, 9 Liter Trinkwasser pro Person sowie Lebensmittelvorräte für drei Tage anzulegen, um sicherzustellen, dass sie im Falle eines Wetternotfalls, Cybernotfalls oder einer anderen kritischen Notlage überleben können.
Eltern mit Babys wird geraten, einen Vorrat an essenziellen Produkten anzulegen, und alle Haushalte werden aufgefordert, Decken, Bargeld, ein Erste-Hilfe-Set, eine Taschenlampe mit Batterien und ein FM-Radio mit Handkurbel bereitzuhalten.
„Es geht nicht darum, in Panik zu geraten“
Im Interview mit „BBC Radio 5 Live“ wurde Burnham darauf angesprochen, dass Mitglieder seiner eigenen Regierung den Rat, sich auf Notfälle vorzubereiten, anscheinend nicht ernst nehmen, einschließlich der Wohnungsbauministerin Angela Rayner.
Sie scherzte in einem Interview mit „Times Radio“, dass ihre Notfallbox Make-up, eine Flasche Weißwein, Baked Beans und eine Dose Vanillepudding enthalten würde.
Der Premierminister sagte der BBC, dass er persönlich Konserven wie Baked Beans und Suppe sowie „Twiglets“, einen knusprigen Snack, lagern würde.
Burnham sagte: „Es geht nicht darum, in Panik zu geraten. […] Es geht lediglich darum, vernünftige Maßnahmen zu ergreifen, um genug im Haus zu haben, um über die Runden zu kommen, falls es zu einer schwierigen Situation kommt.“
Er fügte hinzu, dass unerwartete Ereignisse „leider in der Welt, in der wir leben, immer wahrscheinlicher werden“.
Der Generaldirektor des MI5, Sir Ken McCallum, hält am 13. Oktober 2026 im Thames House, dem Hauptquartier des britischen Inlandsgeheimdienstes, in London eine Rede.
Foto: Jonathan Brady/WPA Pool/Getty Images
Mitte Oktober forderte Sir Ken McCallum, Generaldirektor des Inlandsgeheimdienstes MI5, eine „gesellschaftsweite Anstrengung“, um das Vereinigte Königreich vor Bedrohungen der nationalen Infrastruktur zu schützen.
Er warnte, dass feindliche Staaten Schwachstellen in den Finanzsystemen, Energienetzen und Lieferketten des Landes ausnutzen könnten.
Russland ist „Aggressor Nummer eins“
Am 13. Oktober erklärte McCallum, dass die Risiken in einem zunehmend umkämpften geopolitischen Umfeld wahrscheinlich bestehen bleiben würden – im Gegensatz zur relativen Stabilität nach dem Ende des Kalten Krieges.
Russland sei „nach wie vor der Aggressor Nummer eins“ und der Kreml gehe weiterhin gegen das Vereinigte Königreich und seine Verbündeten vor.
Der MI5-Chef wies darauf hin, dass das russische Militär und die russischen Geheimdienste „ihre Versuche der hybriden Kriegsführung erneut eskalieren“ würden – „wobei sie darauf achten, unterhalb der Schwelle von Artikel 5 des NATO-Vertrags zu bleiben, deren Überschreitung für sie töricht wäre“.
„Das bedeutet, dass Russland Taktiken anwendet, die unterhalb der Schwelle eines konventionellen Konflikts bleiben – wenn auch manchmal nur knapp“, sagte er.
„Um dem Druck standzuhalten, den unsere Gegner auf uns ausüben wollen, müssen wir ein ‚Team von Teams‘ aufbauen – nicht nur zwischen verschiedenen Regierungsstellen, sondern als echtes gesamtgesellschaftliches Bemühen.“
McCallum warnte, dass Infrastrukturen, die auf Effizienz ausgelegt sind, anfällig für böswillige Störungen sein könnten. Er nannte Beispiele wie einen Hackerangriff auf eine Banking-App, der Menschen aus ihren Konten aussperren könnte, einen Drohnenangriff auf eine Flughafenlandebahn, der Fluggäste stranden ließe, und einen Cyberangriff auf ein lokales Krankenhaus, der die Behandlung verzögere.
Kreml: Britische Regierung fördere Russophobie
Der Sprecher des Kremls, Dmitri Peskow, hat wiederholt die Vorwürfe zurückgewiesen, dass Russland versuche, das Vereinigte Königreich oder die Europäische Union zu destabilisieren.
Am 23. September, nach einer Rede von Burnham vor der UN-Generalversammlung, in der er Moskau beschuldigte, Desinformation zu verbreiten, warf Peskow der britischen Regierung vor, „antirussische Stimmung anzuheizen und eine Atmosphäre totaler Russophobie zu fördern“.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will wiedergewählt werden. (Archivbild) - Foto: Nathan Howard/Pool The New York Times via AP/dpa
Nach Auszählung von gut 37 Prozent der Stimmen bei der Parlamentswahl in Israel hat der Block von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Medien zufolge seinen Vorsprung ausgebaut. Eine klare Mehrheit erreicht es aber weiterhin nicht. Laut israelischen Medienberichten kommt Netanjahus Lager nach gegenwärtigem Stand auf 57 der 120 Sitze in der Knesset und liegt damit 10 Sitze vor dem gegnerischen Lager von Ex-Militärchef Gadi Eisenkot.
Netanjahus Likud-Partei wurde den Angaben zufolge stärkste Kraft mit 28 Parlamentssitzen. Dahinter liegt die Mitte-Partei Jaschar von Eisenkot, die demnach auf 21 Sitze kommt. Die Regierungsbildung dürfte schwierig werden.
Die arabischen Parteien kommen nach gegenwärtigem Stand auf zusammen 16 Sitze. Eisenkot wäre für die Bildung einer Regierung auf die Unterstützung arabischer Parteien angewiesen, was aber mehrere Parteien der Opposition bislang ablehnten.
Netanjahu lehnt Unterstützung arabischer Parteien ab
Netanjahu ist der am längsten amtierende Regierungschef Israels. Vor seinen Anhängern in Jerusalem zeigte sich der 77-Jährige am Mittwoch zuversichtlich, auch künftig die Regierung anzuführen.
Zwar erklärte sich Netanjahu nicht ausdrücklich zum Wahlsieger, verwies aber auf das Abschneiden des Likud als stärkste Einzelpartei. „Wir müssen eine starke Regierung des rechten Lagers bilden“, sagte er.
Zudem sprach er sich gegen jede „Regierung mit der Unterstützung der israelischen Araber“ aus, deren Parteien bei der Wahl massive Zugewinne erzielt hatten. Kein Regierungschef dürfe „auf die Unterstützung israelischer Araber angewiesen“ sein, sagte Netanjahu. „Eine Regierung, die von arabischen Parteien gestützt wird, kommt nicht infrage.“
Netanjahu verwies zudem auf seine enge Verbundenheit mit US-Präsident Donald Trump. „Israel hat gemeinsam mit unserem Partner, Präsident Trump, die einmalige Gelegenheit, die existenzielle Bedrohung durch den Iran für immer zu beseitigen“, sagte er.
Eisenkot fordert politischen Wandel
Derweil richtete Eisenkot in Tel Aviv eine indirekte Warnung an Netanjahu. „Netanjahu, wage es bloß nicht, die Sicherheit Israels für deine politischen Zwecke zu missbrauchen“, sagte er am frühen Mittwochmorgen in einer Rede vor seinen Anhängern in Tel Aviv.
Eisenkot bezeichnete Netanjahu als „geschäftsführenden Ministerpräsidenten, der weder über ein Mandat noch über das Vertrauen des Volkes verfügt“.
„Das Volk hat sich gegen eine Fortsetzung der Amtszeit Netanjahus ausgesprochen“, sagte er und fügte hinzu: „Eine integre Führungspersönlichkeit würde dieses Misstrauensvotum des Volkes akzeptieren und noch heute ihren Rückzug aus dem politischen Leben ankündigen.“ Die Menschen in Israel hätten sich für „den Wandel entschieden“. Er selbst werde nun versuchen, „zügig“ eine neue Regierung zu bilden.
Nach der Wahl zeichnet sich nun eine schwierige Regierungsbildung ab. Eine entscheidende Rolle dürfte dabei den Parteien der arabisch-israelischen Staatsbürger zukommen.
Netanjahus Koalition macht Boden gut
Nach Schließung der Wahllokale hatten alle drei großen Fernsehsender in Israel zunächst prognostiziert, dass das Oppositionslager vor Netanjahus Koalitionsblock liegen würde. Wenige Stunden später wandelte sich das Bild jedoch – und Netanjahus Lager machte im Verlauf der Nacht Boden gut.
Frühere Wahlen haben gezeigt, dass sich das Bild bis zur Auszählung aller Stimmen noch verschieben kann. (dpa/afp/red)
Hitze wird das Thema der deutschlandweiten Krisenmanagementübung LÜKEX 26 sein. (Symbolbild) - Foto: Andreas Arnold/dpa
In Kürze:
Bei der LÜKEX 26 üben Bund, Länder und weitere Organisationen das Krisenmanagement bei extremer Hitze und lang anhaltender Dürre.
Fast180 Einrichtungen sind beteiligt, fast 100 davon aktiv. Im Mittelpunkt stehen Entscheidungswege, Informationsaustausch und Krisenkommunikation.
Das Szenario geht von Temperaturen bis zu 45GradCelsius nach fünf Dürrejahren aus. Die Übung soll Schwachstellen aufdecken und die staatliche Krisenvorsorge verbessern.
Vom 4. bis 6. November wird deutschlandweit die sogenannte LÜKEX 26 abgehalten. Es handelt sich dabei um eine Länder- und Ressortübergreifende Krisenmanagementübung/Exercise (LÜKEX). Die Organisation und Koordination der Übung übernimmt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Die Vorbereitungen laufen seit 2024.
Die Übungen behandeln wechselnde Krisenszenarien und dienen dazu, das Krisenmanagement zu verbessern. Sie sollen austesten, ob Bund, Länder, Behörden, Hilfsorganisationen und Betreiber kritischer Infrastrukturen (KRITIS) auch im Fall einer komplexen Krise koordiniert handlungsfähig sind.
LÜKEX 26: Fast 180 Institutionen üben den Krisenfall
In diesem Jahr werden Hitze und Dürre die Themen der LÜKEX-Übung sein. Das Szenario, das dieser zugrunde liegt, soll eine fiktive nationale Notlage infolge einer extremen Hitzewelle sein. Als relevanter Zusatzfaktor kommt zum Tragen, dass es bereits zuvor fünf Dürrejahre gegeben habe.
Fast 180 Einrichtungen und Organisationen werden in die Übung eingebunden sein, fast 100 davon aktiv. Neben KRITIS-Betreibern werden dies unter anderem Bundesbehörden, Behörden aus zehn Bundesländern, Ministerien und Hilfsorganisationen sein.
Eine Feldübung auf operativer Ebene „in echt“ wird es dabei nicht geben, sondern nur auf strategischer Ebene am Bildschirm. Trainieren werden die Teilnehmer die Funktionsfähigkeit von Entscheidungswegen und Informationsaustausch sowie von Zuständigkeiten und Krisenkommunikation. Mag es sich auch um ein fiktives Szenario handeln, sind die beteiligten Akteure und die Entscheidungsstrukturen und -abläufe real.
Fünf Dürrejahre und Temperaturen bis zu 45 Grad
Gemäß den Vorgaben wird angenommen, dass Böden, Vegetation und Wasserressourcen nach fünf Jahren der Dürre bereits stark belastet sind. Im Szenario steigen die Temperaturen auf bis zu 45 Grad Celsius. Die Lage setzt Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen unter Druck, die Wasserversorgung wird erschwert.
Dazu kommen Auswirkungen auf Energie- und Verkehrsnetze. In dieser Situation müssen die Krisenstäbe Informationen sichten und bewerten, Maßnahmen abstimmen und Aufgaben an die adäquaten Stellen delegieren. Zudem müssen sie die Bevölkerung informieren, vor Gefahren warnen und auf Gerüchte oder Falschinformationen reagieren.
Schwachstellen erkennen, bevor der Ernstfall eintritt
Übergeordnete Stellen sollen rechtzeitig Handlungsbedarf dort erkennen, wo er auftritt, wenn Wasserversorgung, medizinische Versorgung und Energieinfrastruktur gleichzeitig unter Druck stehen. Anschließend soll eine zeitnahe, adäquate und gut aufeinander abgestimmte Reaktion erfolgen.
Die LÜKEX soll Schwachstellen sichtbar machen, bevor ein tatsächlicher Krisenfall eintritt – und tatsächlich Menschenleben in Gefahr sind oder wirtschaftliche Großschäden drohen. Im Zentrum stehen Zuständigkeiten, Koordination, Informationsfluss, Ressourcen und Krisenkommunikation.
Die Teilnehmer sollen Kontakte aufbauen, Verfahrensweisen aufeinander abstimmen und die Arbeitsweisen anderer Einrichtungen kennenlernen. Dies soll geschehen, bevor ein möglicher Ernstfall eintritt. Die Ergebnisse der LÜKEX 26 sollen helfen, Krisenpläne und Verwaltungsabläufe zu verbessern – und möglichen Nachbesserungsbedarf zu identifizieren.
Der Sommer 2026 hat die Aktualität des Themas der anstehenden LÜKEX unterstrichen – geplant war die Übung jedoch schon 2024. Die Erfahrungen vom Sommer haben gezeigt, wie sich Hitzewellen und lang anhaltende Trockenperioden gegenseitig verstärken und zahlreiche Sektoren gleichzeitig treffen können.
Bezüglich der Dürre fällt die Entwicklung regional unterschiedlich aus. Wo sie jedoch mit einer Hitzewelle zusammentrifft, tritt ein wechselseitiger Verstärkungseffekt ein – etwa durch Niedrigwasser, das Energietransporte verlangsamt. Dies macht eine bessere Vorbereitung der staatlichen Institutionen auf Lagen dieser Art erforderlich.
Übungen zu Terrorangriff, Pandemie und Cyberangriff
Bisherige LÜKEX-Übungen, die in mehr als 20 Jahren abgehalten wurden, hatten unterschiedliche Krisenlagen zum Gegenstand. Im Jahr 2005 fand eine LÜKEX-Übung zum Thema „Terroristische Anschläge im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft“ statt. Eine Übung im Jahr 2007 befasste sich mit einer weltweiten Influenza-Pandemie.
Themen waren auch Cyberattacken auf die IT-Sicherheit (2011), eine Gasmangellage (2018) und ein Cyberangriff auf das Regierungshandeln (2023).
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will wiedergewählt werden. (Archivbild) - Foto: Nathan Howard/Pool The New York Times via AP/dpa
Bei der Parlamentswahl in Israel könnte die Partei von Premierminister Benjamin Netanjahu erneut stärkste Kraft geworden sein. Drei verschiedene Nachwahlbefragungen sehen die Likud-Partei allesamt vorn.
Zusammen mit Verbündeten kommt der Likud-Block aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr über die parlamentarische Mehrheit.
Laut sämtlicher Nachwahlbefragungen das Mitte-Links-Bündnis von Ex-General Gadi Eizenkot etwas stärker, erreicht aber alleine ebenfalls nicht mehr als die Hälfte der Sitze in der Knesset.
Die Parlamentswahl war die erste seit den Ereignissen vom 7. Oktober 2023, die das Land und die Gesellschaft verändert haben. Wegen des nachfolgenden Gazakrieges existierte von Oktober 2023 bis Juni 2024 ein Kriegskabinett, dem auch Oppositionspolitiker angehörten. (dts/red)
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will wiedergewählt werden. (Archivbild) - Foto: Nathan Howard/Pool The New York Times via AP/dpa
Bei der Parlamentswahl in Israel könnte die Partei von Premierminister Benjamin Netanjahu erneut stärkste Kraft geworden sein. Drei verschiedene Nachwahlbefragungen sehen die Likud-Partei allesamt vorn.
Zusammen mit Verbündeten kommt der Likud-Block aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr über die parlamentarische Mehrheit.
Laut sämtlicher Nachwahlbefragungen das Mitte-Links-Bündnis von Ex-General Gadi Eizenkot etwas stärker, erreicht aber alleine ebenfalls nicht mehr als die Hälfte der Sitze in der Knesset.
Die Parlamentswahl war die erste seit den Ereignissen vom 7. Oktober 2023, die das Land und die Gesellschaft verändert haben. Wegen des nachfolgenden Gazakrieges existierte von Oktober 2023 bis Juni 2024 ein Kriegskabinett, dem auch Oppositionspolitiker angehörten. (dts/red)
Flugabwehrraketensystem Patriot (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
In Polen soll laut Angaben der Regierung in Warschau ein Wartungszentrum für Raketen des US-Flugabwehrsystems Patriot errichtet werden. Ihr Land habe sich bei dem Projekt gegen Bewerbungen aus Deutschland, den Niederlanden und Norwegen durchgesetzt, sagte Vize-Verteidigungsministerin Magdalena Sobkowiak-Czarnecka am Dienstag in Brüssel. Im Onlinedienst X sprach sie von einer „historischen Entscheidung“.
Bislang hätten die USA weder die Technologie noch ihre Fähigkeiten teilen wollen, erläuterte Sobkowiak-Czarnecka im nationalen Fernsehsender TVP Info. Dass das Zentrum nun in ihrem Land gebaut werde, sei „eine Stärkung unserer Sicherheit und eine Unterstützung seitens der Vereinigten Staaten sowie ein klares Zeichen, dass die Nato und insbesondere die USA hinter uns stehen“, betonte sie.
Hoffnung auf Patriot-Produktion
Die Kosten des Projekts belaufen sich demnach auf umgerechnet 230 Millionen Euro; mit einer Fertigstellung wird in mehreren Monaten gerechnet. Polen hoffe, durch die Errichtung des Zentrums künftig auch die Produktion eigener Patriot-Raketen aufbauen zu können, sagte Sobkowiak-Czarnecka.
Die vom US-Rüstungskonzern Lockheed Martin produzierten Patriot-Luftabwehrraketen spielen eine zentrale Rolle beim Schutz ukrainischer Städte und Infrastruktur insbesondere vor ballistischen Raketen aus Russland. Die Raketen werden aber auch von Nato-Staaten und im Nahen Osten eingesetzt.
Im September hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, sein Land habe von den USA grünes Licht für die Produktion von eigenen Patriot-Luftabwehrraketen erhalten. US-Präsident Donald Trump äußerte sich jedoch deutlich zurückhaltender. (afp/red)
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Neue Abschieberechte für Frontex
Die EU-Kommission will die Grenzschutzagentur Frontex deutlich ausbauen. Bis 2041 soll sie auf 30.000 Mitarbeiter wachsen und eine neue Reserve mit 17.000 Einsatzkräften erhalten. Zudem soll Frontex zur zentralen Stelle für Abschiebungen werden, mit einer Schnell-Eingreiftruppe für Krisen wie in Ceuta.
Die EU führt zum 1. November eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro für Päckchen ein, die aus Ländern außerhalb der EU kommen. Die Gebühr wird für jede Produktkategorie in einem Päckchen fällig. Hintergrund ist die wachsende Paketflut, vor allem aus China. Die Gebühr wird zusätzlich zu dem im Juli eingeführten Zoll auf kleine Päckchen erhoben.
In der ukrainischen Stadt Oleschky gilt eine örtlich begrenzte Waffenruhe. Nach Angaben des Weißen Hauses wurde sie von Melania Trump vermittelt. So sollen Lebensmittel, Medikamente und Wasser zu den Menschen vor Ort gebracht werden. Vor dem Krieg lebten rund 24.000 Menschen in der Stadt. Inzwischen sind es nur noch etwa 2.000.
Erstmals seit dem Hamas-Überfall wird in Israel ein neues Parlament gewählt: Schon kurz nach Öffnung der Wahllokale am Morgen bildeten sich lange Schlangen. Nach Angaben der Wahlbehörde war die Beteiligung in den ersten drei Stunden so hoch wie seit 1981 nicht mehr. Erwartet wird ein enges Rennen zwischen der Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der Oppositionspartei von Gadi Eisenkot.
GdP-Vorsitzender Andreas Roßkopf sieht die Polizei für Demonstrantionen am Wochenende gut gerüstet. Man sei auf alle Situationen, auch mit schwerem Gerät wie Wasserwerfern, vorbereitet, sagte er der Epoch Times. Ankündigungen von Protesten in 23 deutschen Städten nahmen teilweise Bezug zu gewaltsamen Ausschreitungen in Frankreich.
Frontex arbeitet mit den nationalen Grenzschutzbehörden zusammen. (Archivbild) - Foto: Panagiotis Balaskas/AP/dpa
In Kürze:
Die EU-Kommission will Frontex zur zentralenEU–Behörde für Außengrenzen und Rückführungen ausbauen.
Personal soll auf rund 30.000Einsatzkräfte anwachsen. Geplant sind auch schnellere Kriseneinsätze und neue Befugnisse bei Abschiebungen.
Ein neues Zentrum soll öffentlich zugängliche Inhalte in sozialenMedien beobachten.
Während Polen den Vorschlag begrüßt, kritisieren Sea-Watch, Grüne und Linke den Ausbau.
Auf höchst unterschiedliche Reaktionen stößt der am Dienstag, 27. Oktober, von der EU-Kommission vorgelegte Entwurf für eine massive Stärkung der EU-Grenzagentur Frontex.
Der für Angelegenheiten der Migration zuständige polnische Staatssekretär Maciej Duszczyk begrüßte nicht nur das Ergebnis, sondern auch den wahrgenommenen Beitrag der polnischen Ratspräsidentschaft Anfang des Vorjahres dazu. Auf X schrieb er:
„Alles wird darauf hinauslaufen, dass Frontex zur ‚Europäischen Abschiebeagentur‘ wird. Sie wird ein zusätzliches Mandat erhalten, um Abschiebungen durchzuführen und die freiwillige Rückkehr zu organisieren. Einmal mehr ist es in unserem Sinne gelaufen. Wir haben während unserer Ratspräsidentschaft die Richtung von Veränderungen vorgegeben.“
Der am Dienstag vorgelegte Vorschlag sieht den Ausbau von Frontex zur zentralen EU-Behörde für Außengrenzen und Rückführungen vor. Die Behörde soll deutlich mehr Personal erhalten, zu schnelleren Kriseneinsätzen ermächtigt werden und eine stärkere Rolle bei Abschiebungen spielen – auch von einem Nicht-EU-Land in ein anderes Nicht-EU-Land.
Außerdem soll ein „Online-Überwachungs- und Reaktionszentrum“ entstehen. Diesem wird nach dem Willen der Kommission die Aufgabe zukommen, öffentlich zugängliche Inhalte in sozialen Medien zu beobachten. Auf diese Weise soll der EU-Grenzschutz frühzeitig grenzrelevante Entwicklungen erkennen und gegen illegale Online-Inhalte mit Bezug zu Grenzsicherheit vorgehen können. Dieses Ansinnen stellt wohl eine Reaktion auf die Ereignisse von Ceuta Ende Juli 2026 dar.
Auf 30.000 Kräfte anwachsen
Dem Vorschlag zufolge soll die Zahl der Frontex zur Verfügung stehenden Einsatzkräfte auf etwa 30.000 anwachsen. Dazu will man das eigene Personal verdoppeln und eine neue „Europäische Grenz- und Rückführungsreserve“ mit 17.000 Personen aufstellen.
Vorgesehen ist auch die EU-weite Planung und Koordinierung von Rückführungen über ein eigenes Rückkehrkoordinierungszentrum. Diese Befugnis soll von der Identifizierung und Beratung über die Durchführung bis zur Wiedereingliederung reichen.
Allerdings soll es dafür Einschränkungen und Voraussetzungen geben. So würde ein Tätigwerden von Frontex voraussetzen, dass es mit dem betreffenden Land diesbezüglich eine Vereinbarung gibt. Zudem müssten Grundrechte der betroffenen Menschen und internationale Standards gewahrt bleiben.
Bei Ceuta-Situationen soll „Schnelle Eingreiftruppe“ tätig werden
Im Fall akuter Grenzkrisen wie zuletzt in Ceuta soll auch eine „Schnelle Eingreiftruppe“ zum Einsatz kommen können. Die entsprechende Einsatzentscheidung soll die Frontex-Leitung auf Ersuchen eines betroffenen Mitgliedstaats treffen.
Um den Informationsaustausch zu optimieren, sollen Mitgliedstaaten verpflichtet werden, Ereignisse mit potenziell erheblichen Folgen für die EU-Außengrenzen künftig binnen 24 Stunden im EUROSUR-System zu melden.
Frontex soll eine wesentliche Rolle beim Ausbau digitaler Infrastruktur für Rückkehr-, Rückübernahme- und Wiedereingliederungsverfahren zukommen. Dafür ist eine eigene Verordnung geplant.
Frontex-Pläne gehen deutlich über bisherigen Rechtsrahmen hinaus
Der bisherige Rechtsrahmen von 2019 hatte den Aufbau einer ständigen Frontex-Reserve von bis zu 10.000 Einsatzkräften bis 2027 vorgesehen. Damit geht der neue Vorstoß deutlich darüber hinaus.
Rat und Europäisches Parlament müssen der Vorlage noch zustimmen. Außerdem ist die Finanzierung von Frontex ab 2028 noch Gegenstand der Verhandlungen über den nächsten mehrjährigen Haushalt.
Der Parlamentsdienst des EU-Parlaments mahnte in einem Bericht im März 2026, dass der Ausbau der Befugnisse von Frontex mit dem Ausbau von Kontrolle einhergehen müsse.
Sea-Watch: Frontex-Verordnung „so abstoßend wie erwartet“
Bereits im Vorfeld der von EU-Innen- und Migrationskommissar Magnus Brunner angekündigten Initiative hatte die Flüchtlingshilfsorganisation Sea-Watch Kritik geübt. Von ihr hieß es am Montag auf X:
„Statt Geld für echte Probleme wie marode Schulen und fehlenden Wohnraum [auszugeben], plant die EU-Kommission den massiven Ausbau der Grenzbehörde Frontex. Die kooperiert mit libyschen Milizen und verantwortet schwerste Menschenrechtsverletzungen.“
Grüne und Linke in Deutschland haben mit scharfer Kritik auf Pläne der EU für ein erweitertes Mandat für die Grenzschutzbehörde Frontex reagiert. „Es ist beschämend, dass die EU ihre unsägliche Abschottungspolitik weiter vorantreibt“, erklärte der Grünen-Innenpolitiker Marcel Emmerich am Dienstag. Die Antwort auf die „vielen Toten von Ceuta“ müsse eine verantwortungsvolle und solidarische Migrationspolitik sein statt „noch mehr Abschottung“. Die Linke forderte, Frontex aufzulösen.
Der Grünen-Politiker Emmerich warnte, Frontex drohe von einer europäischen Grenzagentur zu einer „Abschiebepolizei“ zu werden, die weder ausreichend parlamentarisch kontrolliert werde noch rechtsstaatlich auf festen Füßen stehe. Die Einhaltung der Grund- und Menschenrechte an den europäischen Außengrenzen sei aber „nicht verhandelbar“.
Die Linken-Politikerin Clara Bünger warnte, es dürfe „keinen rechtsfreien Raum für Frontex geben“. Die Behörde gehöre aufgelöst. Stattdessen müsse das dafür aufgewendete Geld in eine zivile europäische Seenotrettung und in die Kommunen gesteckt werden, die Geflüchtete aufnehmen.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ruft seine Anhänger auf, zur Wahl zu gehen. Foto aktuell - Foto: Yonatan Sindel/Pool Flash90 via AP/dpa
In Israel wählen die Menschen erstmals seit dem Hamas-Überfall auf das Land ein neues Parlament: Direkt nach der Öffnung der Wahllokale am Dienstagmorgen herrschte großer Andrang, die Wahlbehörde sprach von der höchsten Wahlbeteiligung in den ersten drei Stunden seit 1981. Die Abstimmung gilt als Richtungswahl in dem gespaltenen Land. Erwartet wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem rechtskonservativen und langjährigen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und dem Block des Mitte-Rechts-Oppositionspolitikers Gadi Eisenkot. Mit ersten Hochrechnungen wird nach Schließung der Wahllokale um 22.00 Uhr (Ortszeit, 21.00 Uhr MEZ) gerechnet.
Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Mehr als eine halbe Million junge Menschen sind als Erstwähler registriert. Umfragen zufolge ordnen sie sich mehrheitlich dem Mitte-Rechts-Spektrum oder dem rechten politischen Lager zu. Schätzungen zufolge sind zudem zehntausende Israelis aus dem Ausland angereist, um an dieser wichtigen Wahl teilzunehmen. Bis die endgültigen Ergebnisse vorliegen, kann es Tage dauern.
Laut den meisten Umfragen kommen weder das Bündnis von Regierungschef Netanjahu noch das Bündnis seines Herausforderers Eisenkot auf eine absolute Mehrheit von 61 Knesset-Sitzen. Demnach erreichen Eisenkots neu gegründete Partei Jaschar (Geradeaus) sowie die weiteren wichtigsten Oppositionsparteien etwa 50 bis 52 Sitze. Der Oppositionsblock liegt damit in etwa gleichauf mit Netanjahus Bündnis. Beiden Blöcken fehlen rund zehn Abgeordnete für eine Mehrheit.
Minderheitsregierung möglich
In der Vergangenheit gab es bei Regierungsbildungen in Israel immer wieder überraschende Wendungen, wenn etwa Abgeordnete die Partei wechselten. Zwei neue Parteien könnten zum Zünglein an der Waage werden, falls sie die 3,25-Prozent-Hürde für den Einzug in die Knesset erreichen.
Sollte es keinem Block gelingen, sich 61 Sitze zu sichern, ist eine Minderheitsregierung eine Option. In diesem Szenario könnten die beiden israelisch-arabischen Listen – die Vereinigte Liste und Raam – eine entscheidende Rolle spielen. Sie kommen laut Umfragen auf zwölf bis 14 Abgeordnete, die der Regierung bei Abstimmungen eine Mehrheit verschaffen könnten. (afp/red)