Die Windräder in der Nord- und Ostsee weisen inzwischen eine Leistung von 10,2 Gigawatt auf. (Archivbild) - Foto: Kurt Desplenter/BELGA/dpa
Die Bundesregierung will mindestens 70 Gigawatt bis zum Jahr 2045 errichten lassen. Derzeit sind knapp zehn Gigawatt installiert. Doch die Situation der Branche habe sich „dramatisch verschlechtert“. „Windturbinen, Logistik, Kabel – alles ist teurer geworden. Im Fünf-Jahres-Vergleich liegt die Kostensteigerung bei 30 bis 40 Prozent, über 15 Jahre bei mehr als 50 Prozent“, so Stamatelopoulos, Vorstandsvorsitzende des Energieversorgers EnBW. Deshalb schlägt er vor: „Lasst uns erst einmal 55 Gigawatt bauen, und dann sehen wir weiter.“
EnBW betreibt bislang mit Baltic I, Baltic II, Hohe See und Albatros vier Parks. Im Spätsommer soll zudem He Dreiht mit rund 960 Megawatt hinzukommen. 55 der 64 Turbinen seien bereits installiert und etwa 30 davon in Betrieb.
Den Kurs von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) verteidigt Stamatelopoulos grundsätzlich. „Die Bundesregierung geht Dinge an, die seit langer Zeit geregelt werden müssen. Die Energiewende ist ein Langzeitprojekt, und das, was vor 20 Jahren richtig war, muss nicht unbedingt jetzt auch noch richtig sein.“ Jedoch verkaufe Reiche ihre Politik „mitunter kommunikativ schlecht“.
Zudem hält er den geplanten Redispatchvorbehalt für falsch. Er schlägt stattdessen vor, dass die Betreiber von Wind- und Solarparks jeweils für fünf Jahre auf je 200 Stunden Entschädigung verzichten, wenn in einem Jahr fünf bis zehn Prozent des erzeugten Stroms abgeregelt werden müssen. Anders als bei Reiches Vorschlag könne „die Bank dieses Risiko der Erlösminderung konkret abschätzen“, sodass der Bau leichter zu finanzieren werde. (dts/red)
In den unteren Gehaltsgruppen mit einem Bruttolohn bis zu 2.500 Euro hat laut der Alterssicherungskommission nur rund ein Drittel der Beschäftigten Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge. (Archivbild) - Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Die Betriebsrente erfreut sich bei Arbeitnehmern größter Beliebtheit. Auch für Unternehmen ist die firmeninterne Altersvorsorge laut einer Allianz-Umfrage Mittel der Wahl bei den Zusatzleistungen für die Belegschaft.
Bei der Befragung von 1.073 Beschäftigten zur attraktivsten Zusatzleistung des Arbeitgebers landete die Betriebsrente auf Platz eins. Bei der gleichzeitigen Erhebung unter den Führungskräften und Personalverantwortlichen in 162 Unternehmen zu den wichtigsten Bestandteilen eines Benefit-Pakets stand die Betriebsrente auf dem ersten Rang.
Großunternehmen bieten meist Betriebsrente – kleinere Firmen nicht
Allianz Pension Partners – eine Gesellschaft der Allianz Lebensversicherung – führte die Erhebung über einen Zeitraum von mehreren Monaten bis Ende April durch. Anlass war die Rentendebatte.
Nach Zahlen der Alterssicherungskommission des Bundes gibt es in Sachen Betriebsrente ein erhebliches Gefälle zwischen großen Unternehmen auf der einen und kleinen und mittleren Firmen auf der anderen Seite.
Demnach bieten 86 Prozent der Großunternehmen ihren Mitarbeitern eine Betriebsrente an. In kleinen Betrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern sind es dagegen nur 25 Prozent.
Niedrigverdiener bekommen häufig auch keine Betriebsrente
In den unteren Gehaltsgruppen mit einem Bruttolohn bis zu 2.500 Euro hat laut Kommission nur rund ein Drittel der Beschäftigten Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge.
Die Kommission hatte auch die Stärkung der Betriebsrente in ihre 33 Vorschläge für eine Rentenreform aufgenommen, allerdings in eher unverbindlicher Form. So empfiehlt die Kommission einen „Sozialpartnerdialog“ noch in diesem Jahr, der dann konkrete Schritte erarbeiten könnte.
In der Allianz-Umfrage waren sich Beschäftigte und Vorgesetzte noch in einem weiteren Punkt einig. Die zweitbeliebteste Zusatzleistung ist die Möglichkeit, im Heimbüro zu arbeiten.
Erst auf Platz drei gab es einen Unterschied. Führungskräfte nannten hier das Gesundheitsmanagement – beispielsweise Gesundheitschecks oder Fitnessstudio. Sen befragten Arbeitnehmern war eine betriebliche Krankenversicherung lieber. (dpa/red)
Philipp Amthor (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Die Bundesregierung geht davon aus, dass ihr versprochenes Ziel, die Bürokratiekosten für Unternehmen um 25 Prozent zu senken, mit dem nun beschlossenen Reformpaket „theoretisch in einem Schritt erreicht werden“ könnte.
Das sagte der Staatssekretär im Digitalministerium, Philipp Amthor (CDU), dem „Handelsblatt“.
Berichtspflichten sollen fallen
Das nun geplante Berichtsentlastungsgesetz führt laut Amthor eine gesetzliche Generalklausel ein, die bestehende Berichtspflichten aussetzt. „Wir reden dabei nicht von zwölf oder 50 Berichtspflichten, sondern eher von einem vierstelligen Bereich“, sagte Amthor.
Er hoffe auf eine Verabschiedung des Gesetzes noch in diesem Jahr. Dadurch sollen 16 Milliarden Euro pro Jahr an Bürokratiekosten für die Wirtschaft wegfallen. Ministerien könnten allerdings noch per Verordnung bestimmen, welche Berichtspflichten bleiben sollen.
Warnung vor Widerständen
Der Präsident des Nationalen Normenkontrollrats (NKR), Lutz Goebel, warnte deshalb vor „gewaltigen Beharrungskräften“. Viele Leute in den Ministerien fragten sich: „Warum soll ich abschaffen, was ich selbst gemacht habe?“, sagte Goebel dem „Handelsblatt“.
Der Regierungsberater fordert darum strenge Voraussetzungen, um Berichtspflichten beibehalten zu können. „Leider gibt es immer noch eine Reihe von Ministerien, die beim Bürokratieabbau nicht richtig mitspielen“, kritisierte der NKR-Chef und nannte das Umwelt-, das Justiz- und das Finanzministerium. (dts/red)
Eine Mehrheit der befragten Unternehmen nennt Vertrauensverlust in demokratische Institutionen und gesellschaftliche Spaltung als Gefahren. - Foto: kasto80/iStock
Unternehmen in Deutschland befürchten einer Studie zufolge eine Schwächung der Demokratie. Eine große Mehrheit nennt Vertrauensverlust in demokratische Institutionen und gesellschaftliche Spaltung als Gefahren, wie die Bertelsmann Stiftung am Montag mitteilte. Zudem werde wirtschaftliche Schwäche als Risiko für die Demokratie aufgefasst.
Der Studie zufolge, an der auch das Institut der deutschen Wirtschaft und die Universität St. Gallen beteiligt waren, wissen Betriebe, was sie an der Demokratie haben: „Die große Mehrheit der Unternehmen betrachtet Demokratie als zentrale Grundlage erfolgreichen Wirtschaftens.“
Klare Standortvorteile in Deutschland seien etwa Rechtsstaatlichkeit, Planungssicherheit, unternehmerische Freiheit, Schutz vor Willkür und offene Diskurse.
30 Prozent sehen Betriebsklima durch gesellschaftliche Polarisierung belastet
Gesellschaftliche Risse machen sich den Angaben zufolge allerdings mehr und mehr auch in den Betrieben bemerkbar. Rund 30 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass die gesellschaftliche Polarisierung das Betriebsklima belastet. Auch reflektierten Unternehmen zunehmend, „ob politisches Engagement unter veränderten geopolitischen oder innenpolitischen Bedingungen riskanter wird“.
Rund 60 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie auch sich selbst in demokratischer Verantwortung sehen. Konkretes demokratisches Engagement bleibt dann aber meist nach innen gerichtet: „Besonders häufig sind demokratische Werte im Leitbild, Engagement über Verbände oder interne Kommunikation“, erklärte die Bertelsmann-Stiftung. „Öffentliche Positionierungen sind deutlich seltener und vor allem bei kleineren Unternehmen umstritten.“
Die Studienautoren befragten von Februar bis April Vertreter von 903 Unternehmen. Zudem wurden 25 Interviews mit Geschäftsleitern und -leiterinnen aus verschiedenen Branchen geführt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfängt am Montag Unternehmensvertreter zum Thema Engagement für Demokratie in Berlin. (afp/red)
Hohe Kerosinpreise sind laut EU-Kommission kein außergewöhnlicher Umstand: Fluggäste müssen bei Flugstreichungen entschädigt werden. - Foto: Boris Roessler/dpa
Kostenlose Familiensitzplätze und schnellere Entschädigungen: Das Europaparlament stimmt am Dienstag über neue gesetzliche Rechte für Fluggäste ab. Die große Reform blieb nach jahrelangen Verhandlungen aus, die fälligen Entschädigungen bei Verspätungen werden trotz lauter Beschwerden der Fluggesellschaften nicht angetastet.
Wann gibt es einen Anspruch auf Entschädigung?
Ab einer Verspätung von drei Stunden können Passagiere eine pauschale Entschädigung beantragen, sofern die Fluggesellschaft die Wartezeit verschuldet hat. Für Flüge bis 1.500 Kilometer gilt ein Anspruch in Höhe von 250 Euro, für Flüge bis 3.500 Kilometer bekommen Passagiere 400 Euro und für Langstreckenflüge mit mehr als 3.500 Kilometern 600 Euro. Das gilt auch bei Flügen, die weniger als zwei Wochen vor Abflug gestrichen werden.
Welche Ausnahmen gibt es?
Die sogenannten außergewöhnlichen Umstände. Das sind etwa Naturkatastrophen oder Sicherheitsrisiken am Start- oder Zielort. Ein Streik der Angestellten der Fluggesellschaft selbst ist kein außergewöhnlicher Umstand, ein Streik anderer Beschäftigten wie etwa beim Sicherheitspersonal des Flughafens häufig aber schon. Ein technischer Defekt am Flugzeug ist kein solcher Umstand.
Was soll sich ändern?
Die EU will dafür sorgen, dass mehr Passagiere ihren Anspruch geltend machen können. Fluggesellschaften werden deshalb verpflichtet, ihre Passagiere höchstens vier Tage nach Ankunft zu informieren, wo sie eine Entschädigung beantragen können. Sie haben danach 30 Tage Zeit, um entweder die Entschädigung zu zahlen oder den Antrag begründet abzulehnen.
Dann gibt es keinen Anspruch auf eine Entschädigung. Wer einen Hin- und Rückflug gebucht hat und den Hinflug verpasst, kann aber eine Erstattung für den nicht genutzten Rückflug beantragen. Passagiere, die trotz verpasstem Flug an ihren Zielort gelangt sind, können den Rückflug nutzen.
Was gilt für das Handgepäck?
Auch hier gibt es nur kleine Änderungen, Forderungen nach einer einheitlichen Größe für Handgepäckkoffer setzten sich nicht durch. Das Gesetz sieht lediglich vor, dass die Fluggesellschaften bei der Buchung je einen Preis ohne und mit zusätzlichem Handgepäck anbieten sollen.
Welche Rechte haben Familien?
Eltern können künftig kostenlos einen Sitzplatz neben ihren Kindern buchen. Billigfluggesellschaften verlangten dafür bislang teils zusätzliche Gebühren, gerieten deshalb aber bereits ins Visier der Behörden. In Großbritannien strich Ryanair die Gebühr kürzlich, nachdem die dortige Wettbewerbsbehörde eine Untersuchung begonnen hatte.
Wie geht es jetzt weiter?
Die Abstimmung im Europaparlament ist die letzte politische Hürde für die Reform. Der Rat der 27 EU-Staaten hat schon grundsätzlich zugestimmt, muss das Gesetz aber noch einmal formal absegnen.
Mitarbeiter in der Autoproduktion: Gerade in der Industrie entscheiden Investitionen darüber, wo künftig Wertschöpfung entsteht. - Foto: Julian Stratenschulte/dpa
In Kürze:
McKinsey: Deutschland investiert zu wenig in neue Produktionskapazitäten.
Standortnachteil: Hohe Kosten und lange Genehmigungen bremsen Investitionen.
DIHK: Unternehmen setzen zunehmend auf Erhalt statt Wachstum.
Deutschland galt bis vor ein paar Jahren als der wettbewerbsfähigste Industriestandort der Welt. Im letzten „Competitive Industrial Performance Index“ der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung belegte Deutschland aufgrund von Daten des Jahres 2022 Platz eins unter 153 Volkswirtschaften.
Gemessen wurden dabei unter anderem die industrielle Wertschöpfung, die Exportleistung und die technologische Leistungsfähigkeit der Industrie. Deutschland rangierte zudem weltweit auf Platz zwei bei den Exporten von Industriegütern.
Diese Bestandsaufnahme beschreibt allerdings die industrielle Stärke, die über Jahrzehnte entstanden ist. Ob sie sich erhalten lässt, hängt davon ab, was in den kommenden Jahren von Unternehmen in unserem Land investiert wird. Mit jeder Entscheidung für eine neue Fabrik, ein Forschungszentrum oder ein Rechenzentrum legen Unternehmen fest, wo künftig produziert, entwickelt und Wertschöpfung erzielt wird.
Genau dort sieht das McKinsey Global Institute erhebliche Schwächen. Die gerade veröffentlichte Studie „Catalyzing Competitiveness: Where Investment Happens and Why“ (zu Deutsch: Wettbewerbsfähigkeit fördern: Wo investiert wird und warum) zeigt, dass Unternehmen in Deutschland kaum noch zusätzlich in Fabriken, Anlagen und andere produktive Infrastrukturen investieren.
Die Nettoinvestitionen – also die Investitionen, die nach Abzug der Abschreibungen tatsächlich zusätzliche Produktionskapazitäten schaffen – betragen nur noch 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Damit bildet Deutschland unter den großen Industriestaaten das Schlusslicht und liegt damit deutlich hinter den Vereinigten Staaten, China und auch dem Durchschnitt der Mitgliedsländer der Europäischen Union.
Investitionen als Maßstab der Wettbewerbsfähigkeit
Das McKinsey Global Institute wählt einen anderen Zugang zur Frage der Wettbewerbsfähigkeit als andere ökonomische Studien. Statt Steuerbelastungen, Lohnkosten oder Bürokratie in den Mittelpunkt zu stellen, betrachten die Autoren die Investitionsentscheidungen der Unternehmen. Dahinter steht die Überlegung, dass Investitionen dort erfolgen, wo optimale wirtschaftliche Aussichten erwartet werden. Im Bericht heißt es:
„Unternehmen investieren dort, wo sie die besten Erfolgschancen sehen.“
Berücksichtigt werden dabei produktive Investitionen, also Ausgaben für Fabriken, Maschinen, Infrastruktur sowie für Forschung, Software und andere immaterielle Vermögenswerte. Sie entscheiden nicht nur darüber, wo heute produziert wird, sondern auch darüber, welche Regionen künftig ihre Produktivität steigern und neue Technologien entwickeln können.
International entwickeln sich diese Investitionen seit Jahren sehr unterschiedlich. China investiert jährlich rund 5,9 Billionen US-Dollar (5,17 Billionen Euro) in produktive Anlagen, die Vereinigten Staaten etwa 5,1 Billionen Dollar (4,47 Billionen Euro) und die Summe der Mitgliedsländer der Europäischen Union (EU-27) 2,27 Billionen Euro. Noch deutlicher wird der Unterschied beim Blick auf die Nettoinvestitionen.
China erweitert seinen Kapitalstock jedes Jahr um rund 23 Prozent seiner Wirtschaftsleistung. Die Vereinigten Staaten kommen auf etwa 4 Prozent, die EU-27 auf rund 2 Prozent. Deutschland erreicht lediglich 0,2 Prozent. Nach Berechnungen der Autoren müsste Europa seine produktiven Investitionen jährlich um 750 bis 800 Milliarden Euro erhöhen, um diese Lücke zu schließen.
Hohe Kosten bremsen neue Projekte
Warum Unternehmen neue Produktionsstätten häufig anderswo errichten, untersuchte die Studie anhand von zehn konkreten Investitionsvorhaben. Verglichen werden unter anderem Halbleiterwerke, Batteriefabriken, Chemieanlagen, Rechenzentren sowie Forschungsprojekte in der Pharma- und Automobilindustrie.
Dabei fließen sämtliche Kosten über den gesamten Lebenszyklus eines Projekts ein – vom Bau über Finanzierung und Energie bis zum laufenden Betrieb. Für Deutschland ergibt sich ein einheitliches Bild. Je nach Branche liegen die Gesamtkosten neuer Investitionen zwischen 40 und mehr als 250 Prozent über denen des jeweils wettbewerbsfähigsten Standorts.
Bei Halbleiterwerken beträgt der Kostennachteil gut 40 Prozent. Die Entwicklung neuer Elektrofahrzeugplattformen oder innovativer Biopharmazeutika verursacht bei deutschen oder amerikanischen Unternehmen Kosten, die drei- bis viermal so hoch sind wie bei chinesischen Wettbewerbern. In der chemischen Industrie verteuert primär der Energiepreis die Produktion. Die Herstellung von Polyethylen kostet in Deutschland aufgrund der Erdgaspreise ungefähr doppelt so viel wie in den Vereinigten Staaten oder Saudi-Arabien.
Mehr als ein Energieproblem
Die hohen Strompreise gehören zu den bekanntesten Standortnachteilen Deutschlands. Nach Auffassung der Autoren greifen sie als Erklärung jedoch zu kurz. Die Wettbewerbsfähigkeit werde durch mehrere Faktoren gleichzeitig beeinträchtigt. Dazu zählen höhere Löhne, die sich nach Ansicht der Autoren nicht mehr vollständig in einer entsprechend höheren Produktivität niederschlagen. Hinzu kommen gestiegene Baukosten, lange Projektlaufzeiten und ein hohes Maß an Bürokratie.
Besonders deutlich wird dies bei Genehmigungsverfahren. Für ein nicht wohnwirtschaftliches Bauprojekt vergehen in Deutschland laut der Studie durchschnittlich rund 200 Tage, bis eine Genehmigung vorliegt. In den Vereinigten Staaten dauert ein vergleichbares Verfahren etwa 60, in China rund 40 Tage. Gerade in Branchen, in denen Produkte immer schneller auf den Markt kommen müssen, wird die Zeit damit zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Nicht jeder Kostennachteil kann beseitigt werden
Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass Unternehmen Investitionsentscheidungen nicht allein nach den niedrigsten Kosten treffen.
Jan Mischke, Partner beim McKinsey Global Institute, sagte: „Kosten sind dabei nur ein Kriterium. Über den Standort entscheiden auch politische Stabilität, Kapitalmarktzugang, Verfügbarkeit von Talenten und Infrastruktur. Unsere Analyse legt bewusst die reine Kostenperspektive offen.“
Zugleich warnt er davor, die Analyse auf eine reine Standortkritik zu reduzieren. „Deutschland hat enormes industrielles Know-how. Entscheidend ist jetzt, dass Investitionsvorhaben hier wieder schneller und verlässlicher gerechnet werden können.“
Aus den Ergebnissen leiten die Autoren mehrere Ansatzpunkte für Unternehmen ab. Sie messen ein größeres Gewicht bei einer konsequenten Industrialisierung des Bauens sowie einem stärkeren Einsatz von Automatisierung und künstlicher Intelligenz.
Weiterhin plädieren sie dafür, sich stärker auf Technologien und Branchen zu spezialisieren und zu konzentrieren, bei denen Deutschland nicht über den Preis konkurrieren muss. Dazu zählen industrielle Anwendungen Künstlicher Intelligenz, Halbleiterausrüstung, Feststoffbatterien oder industrielle Biotechnologie.
Für Mischke wäre es allerdings ein Fehler, auf bessere Rahmenbedingungen zu warten. „Wenngleich das Investitionsumfeld sicher nicht ideal ist, bleibt Abwarten für Unternehmen die teuerste Option. Gerade große und dynamische Unternehmen können vorangehen und das Umfeld selbst gestalten.“
Die Studie beschreibt damit keinen raschen Verlust der industriellen Stärke Deutschlands. Im Gegenteil: Die Daten der UNIDO zeigen, dass die Bundesrepublik ihre Spitzenposition in der Industrie bis vor Kurzem behauptet hat.
Der Befund lautet vielmehr, dass diese Stärke zunehmend auf früheren Investitionen beruht. Ob Deutschland auch künftig zu den führenden Industriestandorten zählt, wird davon abhängen, ob Unternehmen wieder häufiger neue Produktionsanlagen, Forschungseinrichtungen und Zukunftstechnologien im Land aufbauen.
Investitionsbereitschaft auf einem Tiefstand
Dass dies derzeit eher unwahrscheinlich erscheint, zeigt die Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer aus dem Frühsommer dieses Jahres unter mehr als 23.000 Unternehmen.
Die Investitionsbereitschaft ist demnach weiter gesunken: Nur noch 23 Prozent der Betriebe beabsichtigen, ihre Investitionsbudgets auszuweiten, 34 Prozent planen Kürzungen. Der Saldo der Investitionsabsichten fiel auf minus 11 Punkte, den niedrigsten Stand seit der Corona-Pandemie.
Gleichzeitig geben 67 Prozent der Unternehmen an, vorwiegend in den Ersatz bestehender Anlagen zu investieren. Lediglich 19 Prozent planen noch Kapazitätserweiterungen. Das ist laut DIHK ein Wert, der zuletzt während der Finanzkrise 2009 ähnlich niedrig war.
DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov fasst die Lage entsprechend drastisch zusammen: „Anders als in früheren Krisen haben viele Betriebe kaum noch Reserven, um den Belastungen etwas entgegenzusetzen. Wir leben in Deutschland von der Substanz.“
Damit zeichnet die DIHK ein ähnliches Bild wie die McKinsey-Studie, allerdings aus der Perspektive der Unternehmen.
Während McKinsey zeigt, dass Deutschland im internationalen Wettbewerb zu wenig neue Produktionskapazitäten aufbaut, macht die Umfrage deutlich, warum: Viele Betriebe konzentrieren sich inzwischen darauf, bestehende Anlagen zu erhalten, statt in Wachstum zu investieren. Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung für den Industriestandort Deutschland.
Foto: seewhatmitchsee / iStock; Montage: Epoch Times
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Reform der Einkommensteuer
Union und SPD haben sich auf ein Reformpaket mit insgesamt 34 Maßnahmen geeinigt. Dazu gehört auch eine Reform der Einkommensteuer, die im Januar in Kraft treten soll. Geplant sind unter anderem höhere Freibeträge. Eine Familie mit zwei Kindern und einem zu versteuernden Einkommen von 60.000 Euro soll dadurch mehr als 600 Euro Steuern im Jahr sparen. Finanziert werden die Entlastungen unter anderem durch eine höhere Reichensteuer.
Die Koalition schafft die telefonische Krankschreibung ab. Künftig soll bereits ab dem 1. Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung erforderlich sein. Ziel sei es, die hohen Fehlzeiten in den Unternehmen zu senken. Betriebe können jedoch durch Arbeitsverträge oder Betriebsvereinbarungen von dieser Regelung abweichen.
Das geplante neue Heizungsgesetz soll verfassungswidrig sein. Das geht aus einem Gutachten hervor, das der Solaranlagen- und Wärmepumpenanbieter Enpal in Auftrag gegeben hat. Kritisiert wird die geplante Abschaffung der 65-Prozent-Regel. Doch auch die Erlaubnis, künftig wieder fossile Heizungen einbauen zu dürfen, verstoße gegen die Anforderungen der Klimapolitik.
Der Halbleiterkonzern Infineon hat heute seine neue Produktionsstätte in Dresden eröffnet. Diese soll Europa unabhängiger bei Mikrochips machen. Dort werden sogenannte Leistungshalbleiter gefertigt, die unter anderem in Elektromobilität und Rechenzentren für Künstliche Intelligenz zur Stromsteuerung eingesetzt werden. Laut dem Unternehmen sollen rund 1000 neue Arbeitsplätze entstehen.
Eine Welle fremdenfeindlicher Proteste und Ausschreitungen hat Südafrika erfasst. Hunderte Menschen wurden bereits festgenommen. Hinter der Eskalation stehen wirtschaftliche Probleme, hohe Kriminalität und eine zunehmend angespannte politische Lage.
Ein am 7. Mai 2026 aufgenommenes - Foto: zeigt die Buchstaben „AI“ für „Artificial Intelligence“ auf einem Laptopbildschirm (r.) neben dem Logo der Microsoft-Copilot-Chatbot-Anwendung auf einem Smartphonebildschirm in Frankfurt am Main. Foto: Kirill KUDRYAVTSEV/AFP via Getty Images
Die Revolution der Künstlichen Intelligenz führt möglicherweise doch nicht so schnell zum Verlust menschlicher Arbeitsplätze, wie manche befürchtet hatten. Steigende Rechenkosten, betriebliche Probleme und uneinheitliche Ergebnisse veranlassen einige Unternehmen dazu, ihren Kurs zu ändern und Mitarbeiter zurückzuholen.
Im frühen KI-Boom hatten viele Unternehmen aufgrund großer Versprechen zu Kosteneinsparungen Personal abgebaut – eine Entscheidung, die sich später oft als Fehler herausstellte.
Viele Branchenfachleute sind mittlerweile der Meinung, dass in Bereichen, in denen fundiertes Urteilsvermögen, Kreativität, Kundenkontakt und Qualitätskontrolle gefragt sind, Menschen weiterhin das Sagen haben müssen.
KI liefert nicht die versprochenen Ergebnisse
Neun von zehn Unternehmen würden ihre KI-bedingten Kündigungen überdenken. Das ergab eine Umfrage des Unternehmens CareerMind unter 600 Personalverantwortlichen, die in den vergangenen zwölf Monaten Entlassungen vorgenommen hatten.
Drei von vier befragten Personalverantwortlichen gaben an, dass ihr Unternehmen Mitarbeiter entlassen hat, weil technologische Fortschritte bestimmte Aufgaben und Zuständigkeiten übernommen haben. Nur 8,4 Prozent sagten, dass KI die erwarteten Ergebnisse tatsächlich erreicht hat.
„In den vergangenen zwölf Monaten haben wir einen deutlichen Anstieg von Unternehmen verzeichnet, die sich an uns wenden, nachdem sie die Einführung von KI-Tools ausgesetzt oder zurückgefahren haben“, erklärte James Calloway, Betriebsleiter (Chief Operating Officer) bei Stealth Agents, gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.
Bei Aufgaben, bei denen zwischen den Zeilen gelesen werden muss, um die tatsächlichen Bedürfnisse eines Kunden zu erkennen, sind Menschen besser als KI.
Foto: Blue Planet Studio/iStock
Calloways Unternehmen bietet virtuelle Assistenten für Führungskräfte an. In diesem Bereich ist der Kostenunterschied zwischen menschlichen Mitarbeitern und KI-Agenten besonders groß.
„Ein E-Commerce-Kunde hatte Mittel für die Einführung eines KI-Kundenservices eingeplant. Dieser stellte fest, dass die Kosten für Lizenzen, Integration und die laufende Entwicklung von Prompts zwei- bis dreimal so hoch waren wie ursprünglich veranschlagt“, sagte Calloway. „Stattdessen stellte er zwei unserer remote arbeitenden Assistenten ein und senkte seine Kosten pro bearbeitetem Ticket um fast 40 Prozent.“
Weiter sagte Calloway: „Menschliche Mitarbeiter sind nach wie vor kosteneffizienter bei der Kommunikation mit Kundinnen und Kunden, die Einfühlungsvermögen und Urteilsvermögen erfordert und bei Aufgaben, bei denen zwischen den Zeilen gelesen werden muss, um die tatsächlichen Bedürfnisse eines Kunden zu erkennen, bei Arbeiten mit firmeneigenen Kontextinformationen, die nicht sicher in KI-Systeme von Drittanbietern eingespeist werden können, sowie bei allen Arbeitsabläufen, bei denen ein Fehler reale reputationsbezogene oder rechtliche Konsequenzen hat.“
Auch große Technologieunternehmen kamen zu dieser Erkenntnis. Im April sagte Bryan Catanzaro, Vizepräsident für angewandte Deep-Learning-Forschung bei Nvidia, gegenüber „Axios“:
„Für mein Team liegen die Rechenkosten weit über den Personalkosten.“
Nickle LaMoreaux, Senior Vice President und Personalvorstand (Chief Human Resources Officer) bei IBM, vertrat auf einem Gipfeltreffen des Wall Street Journal Leadership Institute im März die Auffassung, dass die Erweiterung von Aufgaben durch KI für das Unternehmenswachstum wichtiger sei als der vollständige Ersatz menschlicher Arbeitskräfte.
LaMoreauxs Aussage erfolgte nur wenige Wochen, nachdem IBM Pläne angekündigt hatte, die Zahl der Neueinstellungen auf Einstiegsebene zu verdreifachen. Auf die Frage, warum viele Unternehmen keinen ähnlichen Ansatz verfolgen, antwortete er: „Das liegt daran, dass sie in einer Produktivitätsmentalität verhaftet sind, anstatt eine Wachstumsmentalität zu verfolgen.“
Eine Analyse der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) prognostiziert, dass 50 bis 55 Prozent aller Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren durch KI „umgestaltet“ werden.
Besucher am 20. April 2026 am IBM-Messestand auf der Hannover Messe 2026 in Hannover, Deutschland. Auf der diesjährigen Messe liegt ein verstärkter Schwerpunkt auf künstlicher Intelligenz in der Industrie.
Foto: Sean Gallup/Getty Images
Unvorhergesehene Kosten
Jon Hill, CEO von The Energists, sagte, es sei ein weit verbreitetes Missverständnis, generative KI lediglich als „Software mit einer Abonnementgebühr“ zu betrachten. Er habe selbst erlebt, dass Enttäuschung über KI-Lösungen dazu führen könne, dass Unternehmen zuvor gestrichene Stellen wieder besetzen.
„Viele unserer Kunden haben generative-KI-Initiativen aggressiv vorangetrieben, weil sie glaubten, dadurch ihre Personalkosten senken zu können“, sagte Hill gegenüber der Epoch Times. „Doch wir beobachten zunehmend, dass diese Kunden wieder auf menschliche Mitarbeiter zurückgreifen, nachdem sie die tatsächlichen Kosten von KI-Systemen erkannt haben.“
Hill nannte beispielhaft ein Unternehmen, mit dem er zusammengearbeitet hatte und das einen Teil seiner Compliance-Berichterstattung und seines technischen Supports automatisieren wollte. Das Unternehmen stellte fest, dass die prognostizierten Einsparungen zwar zunächst vielversprechend erschienen, jedoch geringer ausfielen, sobald Kosten für Cybersicherheit, menschliche Überwachung und die Nutzung von Anwendungsprogrammierschnittstellen (APIs) berücksichtigt wurden.
Der Kunde entschied sich, den Einsatz von KI auszusetzen, weil „menschliche Mitarbeiter verlässlichere Ergebnisse zu geringeren langfristigen Kosten lieferten“, so Hill.
Hill erklärte weiter, es gebe zahlreiche Kosten, die Unternehmen leicht übersehen könnten. Allein die Kosten für Cloud-Rechenleistung könnten je nach Nutzung „einen sechs- bis siebenstelligen Jahresaufwand“ verursachen.
Am 3. März 2025: Besucher während des Mobile World Congress in Barcelona, Spanien, in einem KI-Rechenzentrum bei SK Networks. Eine Umfrage vom Februar bei Personalmanagern ergab, dass neun von zehn Firmen Kündigungen im Zusammenhang mit KI noch einmal überdenken.
Foto: Manaure Quintero/AFP via Getty Images
Der von seinem Team eingesetzte KI-Content-Assistent habe sich letztlich als kostspielig und ineffizient erwiesen, sagte Matt Baharav, CEO von MKB Media Solutions, gegenüber der Epoch Times.
„Im letzten Quartal haben wir beschlossen, keinen automatisierten KI-Content-Assistenten mehr für unsere Akquisemaßnahmen zu nutzen. Wir haben erkannt, dass die Software wirkungslos war“, so Baharav. „Das Unternehmen, das wir beauftragt und dem wir monatlich mehrere tausend Dollar gezahlt hatten, stellte uns Lizenzkosten in Rechnung und zwang mein Team zudem dazu, unzählige Stunden damit zu verbringen, die von ihrem Tool erstellten allgemeinen Textabschnitte umzuschreiben.“
Die Deepseek-App am 31. März 2026 in Kiew, Ukraine. Nach dem rasanten Vormarsch der KI-Einführung in der Industrie holen immer mehr Unternehmen ihre Mitarbeiter wieder zurück an den Arbeitsplatz.
Foto: Oleksii Pydsosonnii/The Epoch Times
Baharav sagte, er habe gelernt, dass „ein guter Autor kostengünstiger ist als ein teurer automatisierter Inhaltsassistent“. Das gelte besonders bei komplexer Kommunikation. „Wir haben die Software komplett abgeschafft und die Mittel wieder in die Einstellung kompetenter, kluger Autoren investiert“, sagte er.
80 bis 85 Prozent der Unternehmen haben ihre Prognosen für die KI-Infrastruktur um mehr als 25 Prozent verfehlt. Das besagt eine Analyse der Tech-Ausgaben-Tracker Mavvrik im Bericht „State of AI Cost Management 2025“ . Gleichzeitig meldeten 84 Prozent aufgrund falsch kalkulierter KI-Kosten einen „erheblichen Rückgang der Bruttomarge“.
Luxuskomponente
Marcus Mossberger vertritt die Auffassung, dass KI ihre eigene Nische in der Arbeitswelt finden könne – solange es sich nicht um Situationen handelt, die besser durch menschliches Urteilsvermögen bewältigt werden. Mossberger ist Leiter der Marktstrategie (Chief Market Strategy Officer) bei der Workforce-Intelligence-Plattform LYTIQS.
„Das Personalwesen ist ein gutes Beispiel dafür, dass KI genutzt werden kann, um transaktionsbezogene Fragen wie ‚Wie hoch ist die Selbstbeteiligung bei meiner Krankenversicherung?‘ zu beantworten, nicht jedoch für persönlichere Anliegen wie ‚Was soll ich tun, wenn mir ein Kollege Unbehagen bereitet?‘“, so Mossberger.
Einige Unternehmen würden sich vermutlich zu stark auf KI verlassen und dabei eine harte Lektion lernen. Seiner Ansicht nach könnten die Konsequenzen gravierender sein als lediglich die Notwendigkeit, neue Mitarbeiter einzustellen.
„Ich glaube tatsächlich, dass die größte versteckte Kostenstelle im Zusammenhang mit der Einführung generativer KI die Zerstörung des Vertrauens zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ist. Und seien wir ehrlich: Das war ohnehin nicht gerade ein Bereich, in dem wir besonders stark waren“, sagte Mossberger.
Die Büros im neuen Hauptsitz von Amazon Deutschland am 16. April 2026 in München. Im Januar entließ Amazon weltweit 16.000 Mitarbeiter. Diese Entlassungen sind Teil einer mehrjährigen Entlassungswelle, die unter anderem durch den KI-Einsatz ausgelöst wurde.
Foto: AFP via Getty Images
Fleißige Beschäftigte müssten mit ansehen, wie Arbeitgeber Milliarden in KI-Infrastruktur investieren, während gleichzeitig Kollegen entlassen werden und von ihnen erwartet wird, bei der Einarbeitung ihres eigenen KI-Ersatzes mitzuwirken. „Wenn Sie glauben, dass genau diese Menschen sich freiwillig über das normale Maß hinaus engagieren und innovative Risiken eingehen, um Ihr Unternehmen voranzubringen, irren Sie sich gewaltig“, so Mossberger weiter.
Er prognostiziert, dass Unternehmen gezwungen sein werden, das Vertrauen in ihre Marke wiederherzustellen und gleichzeitig neue Mitarbeitende einzuarbeiten. Mossberger geht davon aus, dass sich viele der Menschen, die in der Anfangsphase des KI-Booms entlassen wurden, weigern könnten, zurückzukehren.
Die Rückkehr eines Arbeitnehmers zu demselben Unternehmen, das ihn ursprünglich entlassen hat, wird als „Bumerang-Mitarbeiter“ bezeichnet.
Für den CEO von MKB Media, Matt Baharav, hat sich die Entscheidung, den Menschen in den Vordergrund zu stellen, ausgezahlt. „Bis heute haben wir dadurch tatsächlich Geld gespart“, sagte er.
Infineons neue Smart Power Fab in Dresden – eine der modernsten Halbleiterfabriken weltweit. Sie stellt Leistungshalbleiter für Energiewende, Elektromobilität und KI her. Das Projekt kostet rund fünf Milliarden Euro und schafft 1000 neue Jobs. (Archivbild) - Foto: Jens Schlüter / AFP via Getty Images
Der Halbleiterkonzern Infineon hat am Donnerstag, denn 2. Juli, feierlich seine neue Produktionsstätte in Dresden eröffnet. Sie soll zentrale Bausteine für wichtige Zukunftstechnologien liefern und gleichzeitig Europa unabhängiger bei Mikrochips machen.
Die Eröffnung der Smart Power Fabrik sei ein „Meilenstein“ für das Unternehmen, für Dresden und Deutschland – aber auch für „ein technologisch souveränes Europa“, sagte Infineon-Chef Jochen Hanebeck.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) würdigte die große Bedeutung der Fabrik „für die industrielle Zukunft unseres ganzen Landes, ja der ganzen Europäischen Union“. Er war per Video zugeschaltet.
Die Smart Power Fabrik ist nach Unternehmensangaben „eine der modernsten Halbleiterproduktionsstätten weltweit“. Produziert werden dort sogenannte Leistungshalbleiter, die in Bereichen wie der Energiewende, der Elektromobilität oder in Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) bei der Stromsteuerung zum Einsatz kommen.
Infineon investierte nach eigenen Angaben rund fünf Milliarden Euro in die Smart Power Fabrik, unterstützt wird das Projekt mit öffentlichen Fördergeldern in Höhe von 920 Millionen Euro. Bei Infineon entstehen durch die Chipfabrik laut Unternehmen rund 1000 neue Arbeitsplätze. (afp/red)
Infineon investiert nach Unternehmensangaben rund fünf Milliarden Euro in die Smart Power Fab. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Der Zeitpunkt könnte kaum günstiger sein: Weltweit steigt die Nachfrage nach Mikrochips – auch wegen des Booms bei Künstlicher Intelligenz (KI). Gleichzeitig will Europa bei wichtigen Technologien seine Abhängigkeit von Asien und den USA verringern. Passend dazu eröffnet der deutsche Halbeiterkonzern Infineon am Donnerstag ein neues Werk, die Smart Power Fab, am Standort Dresden, drei Monate früher als ursprünglich geplant.
Was ist die Smart Power Fab?
Laut Infineon ist die Fabrik „eine der modernsten Halbleiterproduktionsstätten weltweit“. Nach dem Spatenstich im Mai 2023 wurden für den Komplex 50.000 Kubikmeter Beton und rund 25.000 Tonnen Stahl verbaut. Herzstück des aus sechs Ebenen bestehenden Gebäudes ist der Reinraum mit seinen Anlagen zur Chipfertigung. Er wird von einer 5000 Tonnen schweren Stahlkonstruktion überspannt.
Was wird dort künftig hergestellt?
Am Standort Dresden produziert der Infineon-Konzern aus Neubiberg bei München bereits seit Jahrzehnten Halbleitertechnik, unter anderem zur Stromsteuerung. Wichtig ist dies in zahlreichen Bereichen, von modernen Autos bis hin zu Rechenzentren – und letztlich potenziell überall dort, wo Stromflüsse geschaltet, geregelt oder gegebenenfalls umgewandelt werden müssen.
Mit der Erweiterung des Standorts, von dem laut Infineon schon heute jeder dritte Chip Europas stammt, will der Konzern nach eigenen Angaben den Bedarf für zentrale Technologien in vier wichtigen Anwendungsfeldern decken: der Energiewende, der Elektromobilität, dem Internet der Dinge und in KI-Rechenzentren. Bei letzteren sollen die Chips beispielsweise dafür sorgen, dass der vielfach sehr hohe und oft kritisierte Stromverbrauch der gigantischen Prozessorfarmen verbessert werden kann.
Wie teuer ist das Projekt – und wer finanziert es?
Infineon investiert nach Unternehmensangaben rund fünf Milliarden Euro in die Smart Power Fab. Außerdem wird das Projekt im Rahmen des European Chips Act mit Fördergeldern in Höhe von 920 Millionen Euro unterstützt. Im Februar 2025 hatte die EU-Kommission hierfür grünes Licht gegeben; auch die Bundesregierung und der Freistaat Sachsen sind an dieser Förderung beteiligt.
Der European Chips Act zielt darauf ab, die europäische Chipproduktion anzukurbeln und so die Abhängigkeit von anderen Ländern zu verringern. Auch Infineon selbst verweist darauf, dass mit der Smart Power Fab Wertschöpfungsketten europäischer Schlüsselindustrien „robuster“ gemacht werden könnten – von der Energiewirtschaft über den Maschinenbau bis hin zur Automobilindustrie. Darüber hinaus werde durch Halbleiter für Rechenzentren „Europas digitale Souveränität“ gestärkt.
Zuletzt hatte der Konzern angesichts des globalen KI-Booms bereits Rückenwind bei der Chipnachfrage verspürt und im Februar seine Investitionen für das laufende Geschäftsjahr deutlich aufgestockt – sie sollen demnach großteils für einen „schnelleren Hochlauf“ der Smart Power Fab verwendet werden. Das Unternehmen richtet seine Fertigungskapazitäten also auf eine weiter steigende Nachfrage aus.
Wie viele Arbeitsplätze entstehen durch die Smart Power Fab?
Laut Infineon entstehen durch die neue Fertigung beim Unternehmen selbst rund tausend neue Arbeitsplätze. Zum Vergleich: Insgesamt beschäftigte der Konzern laut letztem Halbjahresfinanzbericht von Ende März 56.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Die tausend neuen Arbeitsplätze sollen darüber hinaus „ein Vielfaches an Jobs in der Region“ nach sich ziehen, wie Infineon-Dresden-Geschäftsführer Thomas Richter erklärt – „bei Dienstleistern, Zulieferern und Partnern.“ Das Unternehmen sieht in der Smart Power Fab zudem ein wichtiges Signal an junge Menschen in der Region, dass „zukunftsfeste Arbeitsplätze“ ebenso wie „interessante Ausbildungswege“ entstanden seien. Das Spektrum reiche dabei von handwerklich-technischen Berufen bis zu hochspezialisierten Tätigkeiten auf wissenschaftlichem Niveau.
Hat die Fabrik negative Umweltauswirkungen?
Nicht zuletzt wegen des großen Ressourcenverbrauchs stoßen neue Fabriken immer wieder auf Bedenken von Umweltschützern und führen mitunter auch zu erbitterten Protesten, wie in der Vergangenheit etwa beim US-Elektroautobauer Tesla in Brandenburg.
Im Falle der Smart Power Fab hebt Infineon nicht nur hervor, dass die Chips ein wichtiger Baustein für eine nachhaltigere Zukunft seien, sondern versuchte bereits im Vorfeld, mögliche Kritikpunkte zu entschärfen. So verweist das Unternehmen unter anderem darauf, dass der Bau der Smart Power Fab von Umweltschutz- und Ausgleichsmaßnahmen flankiert worden sei – beispielsweise durch ein Ersatzhabitat für Eidechsen.
Außerdem soll der Strom aus erneuerbaren Quellen stammen und für den Betrieb der Fabrik Industriewasser anstelle von Trinkwasser genutzt werden. Dank interner Recyclingprozesse in der Smart Power Fab soll sich das für die Produktion benötigte Wasser zudem mehrfach nutzen lassen. (afp/red)
Mehrere Milliarden solcher Sendungen werden in Deutschland jedes Jahr zugestellt. - Foto: Wolf von Dewitz/dpa
Die Europäische Union erhebt ab 1. Juli einen neuen Zoll auf Päckchen aus Ländern außerhalb der EU. Pro Bestellung werden dann mindestens drei Euro fällig. Die EU will damit eine Paketflut eindämmen, die in den vergangenen Jahren mit der Beliebtheit von Onlinehändlern wie Shein und Temu gewachsen ist.
Wie hoch ist der Zoll?
Er liegt bei drei Euro pro Produktkategorie. Für ein Päckchen mit einem T-Shirt und einer Haarspange würden also sechs Euro fällig. Enthält ein Päckchen ein, zwei, drei oder zehn T-Shirts, bleibt die Abgabe hingegen bei drei Euro.
Die Regelung gilt für Sendungen mit einem Gesamtwert bis 150 Euro, die bislang von Zöllen ausgenommen waren. Darüber hinaus gelten die regulären Zölle. Mit einer Reihe von Ländern wie der Schweiz hat die EU Freihandelsabkommen abgeschlossen, die alle Zölle abschaffen, hier greift auch die neue Regelung nicht.
Ab dem ersten November soll eine Bearbeitungsgebühr dazukommen, deren Höhe noch nicht feststeht. Sie könnte bei zwei Euro pro Päckchen liegen und soll die Mehrkosten in den Zollbehörden durch die kleinen Pakete decken.
Die Zahl der Päckchen aus Ländern außerhalb der EU ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, auf rund 4,6 Milliarden im Jahr 2024. Das sind mehr als 145 pro Sekunde. Mehr als 90 Prozent dieser Päckchen stammten nach Angaben der EU-Kommission aus China.
Europäische Firmen kritisieren die Flut zollfrei eingeführter Waren als unfair. Die EU-Kommission befürchtet zudem, dass zahlreiche verbotene Produkte durchrutschen, weil die Zollbehörden nicht jedes kleine Päckchen kontrollieren können. Dabei geht es etwa um verschluckbare Kleinteile und Chemikalien in Kinderspielzeug.
Auf dem Papier muss die Firma zahlen, die ihre Waren in die EU schickt. Die Unternehmen dürfen den Zoll aber auf ihre Kunden abwälzen. „Das ist ganz ihre wirtschaftliche Entscheidung“, sagte ein Kommissionsbeamter in Brüssel. Einzige Voraussetzung ist, die Kundin deutlich über die Mehrkosten zu informieren.
Können die Firmen den Zoll umgehen?
Das ginge zum Beispiel, indem sie ihre Ware zuerst in ein Land wie die Schweiz schicken und über diesen Umweg in die EU, solche Tricks sind aber bereits verboten. Die Kommission kündigte an, möglichen Umgehungen der neuen Zölle streng zu kontrollieren.
Mehrere Onlinehändler haben als Reaktion auf die Regelung bereits angekündigt, neue Lagerhallen und Verteilzentren in Europa zu bauen.
Sie könnten ihre Ware dann zuerst gesammelt dorthin liefern und müssten den regulären Zoll anstelle der Abgabe auf kleine Pakete zahlen. Den Zollbehörden dürfte dies recht sein, weil große Lieferungen einfacher zu kontrollieren sind.
Wie lange gilt der Zoll?
Die neue Regelung gilt für zwei Jahre. Dann tritt eine größere Reform der europäischen Zollregeln in Kraft. Sie schafft den bisherigen Zollfreibetrag bei 150 Euro vollständig ab, sodass die Übergangsregelung hinfällig wird. (afp/red)
Ryanair. (Archivbild) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Der österreichische Oberste Gerichtshof (OGH) hat einer Verbraucherorganisation zufolge zahlreiche von der irischen Billig-Airline Ryanair erhobene Gebühren für rechtswidrig erklärt.
„Der OGH stellt klar, dass Zusatzgebühren transparent darzustellen sind und Konsument:innen nicht unsachlich benachteiligen dürfen“, erklärte am Montag, 29. Juni, der Verein für Konsumenteninformation (VKI). Die Organisation war im Auftrag des Sozialministeriums mit einer Verbandsklage gegen 15 Gebührenklauseln der Fluglinie vorgegangen.
Es handele sich um „55 Euro Check-In-Gebühr, 25 Euro Kleinkindgebühr, Gebühren für obligatorische Familiensitze, 15 Euro für die Ausstellung einer Bordkarte“ und zehn weitere Zusatzgebühren, erklärte der VKI weiter.
Teils könnten diese Gebühren selbst dann verrechnet werden, „wenn der Grund für ihr Anfallen Ryanair selbst zuzurechnen ist“.
Kunden können Geld zurückfordern
„Betroffene Konsument:innen, die auf Basis dieser oder sinngleicher Klauseln Gebühren bezahlt haben, können diese zurückfordern“, erklärte Petra Leupold von VKI. „Wer einen Flug bucht, muss wissen, was er wirklich kostet“, zitierte die Organisation Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig.
Auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur AFP reagierte Ryanair zunächst nicht. (afp/red)
Airbus-Logo (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Die Europäische Investitionsbank (EIB) gewährt Airbus einen Rekordkredit über drei Milliarden Euro. Das sagte EIB-Präsidentin Nadia Calvino dem „Handelsblatt“, Bloomberg und der spanischen Zeitung „El Pais“. Der Kredit soll Europas Luft- und Raumfahrtindustrie stärken. Es sei die größte Unternehmensfinanzierung in der Geschichte der EIB.
Mit dem Geld soll Airbus Forschung, Entwicklung und Innovationen in Frankreich, Deutschland und Spanien finanzieren. Die Projekte sollen bis 2030 laufen und sowohl die zivile Luftfahrt als auch Sicherheits- und Verteidigungstechnologien betreffen.
Nach Angaben der EIB geht es um Schlüsseltechnologien, integrierte Systeme, neue Fertigungslösungen, spritsparende Antriebe und vernetzte Systeme für Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung.
Eine erste Tranche von einer Milliarde Euro wurde am Montag in Brüssel unterzeichnet. Calvino sagte, die EIB-Gruppe setze ihre gesamte Schlagkraft ein, um Europas technologische Autonomie, industrielle Stärke und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu festigen. Das Leuchtturm-Projekt sei innerhalb von rund sechs Monaten genehmigt worden. Damit beweise der Finanzierungsarm der EU, dass Europa schnell und in großem Umfang handeln könne, um seine Champions zu unterstützen und sich im neuen geopolitischen Umfeld zu behaupten. (dts/red)
VW-Werk (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Der Volkswagen-Konzern will nach Informationen der „Bild“-Zeitung seine Partnerschaft für autonomes Fahren mit dem Zulieferer Bosch beenden. Die Zeitung berichtete am Sonntag unter Berufung auf „voneinander unabhängige Quellen“, dieser Schritt sei Teil des Konzernumbaus, der das Überleben des deutschen Autobauers sichern soll.
Die Allianz mit Bosch habe nach interner Einschätzung nicht den erwarteten Entwicklungsstand erreicht, berichtete die Zeitung weiter. „Interne Fachbereiche“ hielten die Technik aktuell nicht für wettbewerbsfähig. Insbesondere beim autonomen Fahren ohne Hände am Lenkrad auch in der Stadt (Level 2++) sehe Volkswagen eine erhebliche Lücke zur Konkurrenz.
Trotz Investitionen von 1,5 Milliarden Euro
Bosch und die VW-Software-Tochter CARIAD sollten ursprünglich gemeinsam den Baukasten für Fahrerassistenz und automatisiertes Fahren entwickeln. Die Allianz galt als Antwort auf die Konkurrenz durch den US-Autobauer Tesla und aus China. Die Reißleine würde jetzt gezogen, obwohl bereits 1,5 Milliarden Euro investiert worden seien, berichtete „Bild“ weiter.
Demnach will Volkswagen die Hardware und Software künftiger Systeme zukaufen und weiterenwickeln statt sie mit Bosch selbst aufzubauen.
Nach Informationen des „Manager Magazin“ soll der Konzernumbau bei Volkswagen mit einem noch stärkeren Stellenabbau als bisher geplant und Werkschließungen in Deutschland einhergehen. Unter Verweis auf Insider berichtete das Magazin von weltweit bis zu 100.000 geplanten Stellenstreichungen.
Soziale Netzwerke sind für sehr viele Menschen unentbehrlich - sie können auch schädlich sein. - Foto: Yui Mok/PA Wire/dpa
Gut sechs Monate nach der Einführung des weltweit ersten Social-Media-Verbots für Kinder und Jugendliche will Australien Verstöße der Konzerne mit höheren Geldstrafen ahnden.
Wie die Regierung mitteilte, wird die Höchststrafe für systematische Verstöße auf 99 Millionen australische Dollar (59,9 Millionen Euro) verdoppelt. Die Internet-Aufsichtsbehörde soll zudem umfassendere Befugnisse erhalten.
Sie gehe möglichen Verstößen durch Facebook, Instagram, Snapchat, Tiktok und Youtube „aktiv“ nach, erklärte die Regierung.
Minderjährige umgehen die Sperren
Australien war mit seinem im Dezember in Kraft getretenen Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige weltweiter Vorreiter. Seitdem erließen mehrere weitere Länder ähnliche Vorschriften, auch in Deutschland wird über das Thema diskutiert.
Eine am Donnerstag im Fachmagazin „British Medical Journal“ veröffentlichte Studie kam jedoch zu dem Ergebnis, dass das Verbot bisher kaum Auswirkungen auf das Nutzungsverhalten australischer Teenager hatte.
Minderjährige umgehen demnach die per Gesetz erlassenen Beschränkungen, indem sie beispielsweise Fake-Accounts erstellen oder Konten nutzen, die auf ältere Personen registriert sind.
„Es ist klar, dass die großen Tech-Konzerne nicht genug tun, um das Gesetz einzuhalten“, konstatierte nun Premierminister Anthony Albanese.
Es seien „immer noch zu viele Kinder“ in den Onlinenetzwerken aktiv. Mit der Neuregelung verdeutliche die Regierung, „wie ernst wir jede Nichteinhaltung durch die Social-Media-Unternehmen nehmen“.
Kommunikationsministerin Anika Wells ergänzte, die Plattform-Betreiber hätten bisher „Tricks direkt aus dem Taktikhandbuch der Tech-Giganten“ angewendet und „nur das absolute Minimum“ getan.
Die Tech-Konzerne gehörten aber „zu den reichsten und mächtigsten Unternehmen der Welt, und wir meinen es ernst damit, sie zur Verantwortung zu ziehen“. Die Regierung werde „nicht klein beigeben“.
Die australische Aufsichtsbehörde kann die Unternehmen künftig zu Nachweisen darüber verpflichten, welche Maßnahmen sie ergreifen, um zu verhindern, dass Unter-16-Jährige ein Konto eröffnen.
Zur Überprüfung der Angaben kann sie zudem Informationen und Unterlagen anfordern – von den Betreibern selbst, aber auch von Dritten wie den Anbietern für die Altersüberprüfung oder den App-Store-Betreibern. (afp/red)
Bratislava Flughafen. (Archivbild) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Porsche will die Produktion des wichtigen SUV-Modells Cayenne offenbar mit allen drei Antriebsvarianten von Bratislava nach Leipzig verlagern. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf Arbeitnehmerkreise. Der Sportwagenhersteller wolle so die Auslastung des Werks in Sachsen langfristig absichern.
Voraussetzung sei allerdings, dass die Arbeitnehmerseite sich auf eine spürbare Absenkung der Löhne einlasse, weil die Entgelthöhen in der Slowakei deutlich unter dem Niveau der deutschen Porsche-Mitarbeiter lägen.
Dass Porsche-Chef Leiters die gesamte Produktion des Cayenne trotzdem aus der Slowakei abziehen wolle, gründe auf den Überkapazitäten in Deutschland. Porsche habe das Problem, dass weder das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen, in dem die Sportwagen vom Band laufen, noch die SUV-Fabrik in Leipzig ansatzweise ausgelastet sei.
Verhandlungen über Löhne laufen
Das Unternehmen selbst wollte sich auf Anfrage der FAZ nicht zu dem Plan äußern. Ein Sprecher bestätigte aber laufende Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite. Auch der Gesamtbetriebsrat bestätigte die Gespräche.
„Allerdings sind noch einige Themen offen, über die es zu diskutieren gilt“, ließ der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats Ibrahim Aslan mitteilen. „Im Sinne der Belegschaft und des Unternehmens ist es unser Anliegen, zügig voranzukommen. Wann und wie das der Fall sein wird, hängt von den nächsten Wochen ab.“
Klar sei aber, dass vor allem das Werk in Leipzig eine Durststrecke überstehen müsse. Bis die neuen Modelle kämen, dauere es noch, und die Verlagerung der Cayenne-Produktion sei ebenfalls keine kurzfristige Lösung.
Weitere Stellenstreichungen geplant
Nachdem Porsche in den vergangenen Monaten bereits die Verträge von mehreren 100 Zeitarbeitern nicht verlängert habe, wolle das Unternehmen bis August 200 Arbeitsplätze mit freiwilligen Aufhebungsverträgen und Abfindungsangeboten abbauen. Zudem sollten bis zu 400 Mitarbeiter mit einer sogenannten „Drehscheibe“ zeitweise nach Wolfsburg abgeordnet werden.
Die Maßnahmen seien alle Teil einer umfassenden Neuausrichtung, die Leiters in allen Einzelheiten auf einem Kapitalmarkttag im Oktober vorstellen wolle.
Der Porsche-Chef wolle die Zahl der verschiedenen Modellvarianten reduzieren, die Entwicklung des Herstellers umbauen und Synergien mit der Muttergesellschaft VW nutzen. Vor allem aber plane er einen weiteren Stellenabbau.
Am Stammsitz in Zuffenhausen und im Entwicklungszentrum in Weissach stehen nach Informationen der FAZ aus Unternehmenskreisen Stellen in niedriger vierstelliger Höhe zur Disposition. (dts/red)
Minijobs sind für die Gastronomie unverzichtbar. (Archivbild) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) kündigt Widerstand gegen die geplante Abschaffung der Minijobs an. Das berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagsausgabe). Hintergrund sind die Empfehlungen der Rentenkommission zu möglichen Reformen der Altersvorsorge, die unter anderem die Abschaffung der Minijobs vorsehen.
Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Jana Schimke sagte den Funke-Zeitungen: „Wir werden mit aller Kraft für den Erhalt der Minijobs kämpfen.“
Hotellerie und Gastronomie auf Minijobs angewiesen
In der Branche arbeite die Hälfte aller Beschäftigten auf Minijob-Basis, das seien 1,1 Millionen Menschen. Sie sicherten insbesondere Abendstunden, Wochenenden, Veranstaltungen und saisonale Spitzen. „Es ist nicht möglich, dieses Angebot ohne unsere Minijobber aufrechtzuerhalten“, so Schimke.
Sie stellte zudem klar, Minijobs seien bereits heute grundsätzlich rentenversicherungspflichtig. Arbeitgeber zahlten schon heute einen pauschalen Rentenbeitrag von 15 Prozent, zusätzlich zum Krankenversicherungsbeitrag von 13 Prozent.
„Es gibt also keine Versorgungslücke, wie behauptet“, sagte sie. Es sei Aufgabe der Politik, „weitsichtige, praxistaugliche und tragfähige Entscheidungen zu treffen, die Beschäftigung nicht gefährden, sondern fördern“.
Die Kommission hatte am Dienstag ihre Empfehlungen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) übergeben. Beide kündigten nach dem einstimmigen Beschluss der Kommission an, die 33 Empfehlungen auch umzusetzen. (dts/red)
Der deutsche Staat beteiligt sich am Panzerbauer KNDS. (Archivbild) - Foto: Sven Hoppe/dpa
Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat grünes Licht für den Einstieg des Bundes beim Rüstungskonzern KNDS gegeben. Dies verlautete am Freitag aus Parlamentskreisen.
Der Bund will eine Beteiligung von 40 Prozent an dem Hersteller des Leopard-2-Kampfpanzers übernehmen. Die Kosten für den Einstieg werden nach einem „Spiegel“-Bericht auf bis zu 7,2 Milliarden Euro geschätzt.
Deutschland und Frankreich hatten Anfang der Woche die Einigung auf eine Beteiligung des Bundes verkündet. Aktuell halten der französische Staat und die deutsche Eigentümerfamilie Wegmann jeweils 50 Prozent an KNDS.
Der französische Anteil soll im Zuge eines Börsengangs auf 40 Prozent sinken, der Bund übernimmt einen Anteil in derselben Höhe von der Wegmann-Familie. Die restlichen 20 Prozent sollen an die Börse gebracht werden.
Der „Spiegel“ berichtete, der Kaufpreis für die 40 Prozent an KNDS sei noch nicht festgelegt. Bund und Eigentümerfamilien hätten sich auf eine „Kaufpreisformel“ verständigt, zitierte das Magazin aus vertraulichen Unterlagen für den Haushaltsausschuss.
Die Formel basiere auf dem Ausgabepreis für die Aktien „zuzüglich eines marktüblichen Paketaufschlags“ und berücksichtige außerdem die weitere Kursentwicklung.
KNDS ist aus der Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Unternehmen Nexter hervorgegangen. Das Unternehmen hatte am Mittwoch seinen Börsengang angekündigt.
Ein genauer Termin dafür ist derzeit noch offen, in einer geheimen Vorlage des Bundesverteidigungsministeriums ist aber von Anfang Juli die Rede.
KNDS stellt neben dem Kampfpanzer Leopard 2 auch Artilleriesysteme, Schützenpanzer und Munition her. In Deutschland unterhält das Unternehmen elf seiner weltweit 34 Standorte.
Werke gibt es unter anderem in Hamburg, den nordrhein-westfälischen Städten Remscheid und Mühlheim an der Ruhr und im thüringischen Ebeleben. In Frankreich gibt es zehn KNDS-Standorte. (afp/red)
Lufthansa-Flugzeuge (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Die Lufthansa bereitet sich wegen der sich zuspitzenden Treibstofflage offenbar auf das Grounding von bis zu 40 Flugzeugen vor. Das berichtet der „Spiegel“ unter Berufung auf interne Äußerungen von Konzernchef Carsten Spohr.
Bei einer Mitarbeiterveranstaltung am Freitag sagte Spohr demnach, binnen 72 Stunden sei aus dem teuren Kerosin ein Verfügbarkeitsproblem geworden.
An immer mehr Flughäfen drohe der Treibstoff knapp zu werden. Erste Airports in Asien verweigerten bereits zusätzliche Flüge, um ihre Reserven für den laufenden Flugplan zu schonen.
Der Vorstand habe am Freitagmorgen zwei Krisenpakete in Auftrag gegeben, hieß es. Paket eins kürzt das Sitzplatzangebot um 2,5 Prozent – rund 20 Maschinen. Vorsorglich werde ein zweites Paket über fünf Prozent vorbereitet, welches etwa 40 Flugzeugen entsprechen würde.
Treffen würde es zuerst die ältesten Spritschlucker wie den Airbus A340 und die Boeing 747-400. Entschieden sei das Grounding noch nicht, hieß es. Mögliche Streichungen würden frühestens im dritten Quartal greifen, womöglich erst im Winter.
Obwohl die Fluglinie rund 80 Prozent des Treibstoffs zu Festpreisen abgesichert hat, beziffert Spohr die kriegsbedingte Mehrbelastung laut „Spiegel“ auf etwa 1,5 Milliarden Euro.
Das für dieses Jahr geplante Wachstum von vier Prozent sei wahrscheinlich nicht mehr zu halten, hieß es weiter. (dts/red)
Mit einem umfassenden Konzernumbau will Volkswagen Milliarden einsparen. (Symbolbild) - Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Der Autokonzern Volkswagen will einem Medienbericht zufolge bis zu 100.000 Stellen streichen. In Deutschland sollen vier Werke geschlossen werden, wie das „Manager Magazin“ am Freitag unter Verweis auf Insider berichtete. Zudem plant VW-Chef Oliver Blume demnach, die Kernmarke Volkswagen in ein neues Unternehmen auszugliedern.
Vier deutsche Werke betroffen
Dem Bericht zufolge ist der Jobabbau weltweit geplant. In Deutschland wären Werke in Hannover, Zwickau, Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm betroffen. Der Konzern verspricht sich davon Milliarden-Einsparungen.
VW hatte 2025 einen Einbruch des Nettogewinns um fast die Hälfte verzeichnet und hatte deshalb in diesem Frühjahr bereits Stellenstreichungen bis 2030 im Umfang von 50.000 angekündigt.
Ende 2024 hatte der Konzern mit den Gewerkschaften einen Stellenabbau in Deutschland um 35.000 bis 2030 vereinbart, vor allem bei der Kernmarke VW.
Die Arbeitnehmervertreter des Autoherstellers kündigten angesichts des Medienberichts unmittelbar Widerstand an.
„Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und unsere Standorte sind unverantwortliche Drohungen“, erklärten die IG-Metall-Chefin Christiane Benner, die VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo, und der Tarifverhandlungsführer der IG Metall bei VW, Thorsten Gröger, gemeinsam. „Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern.“ (afp/red)