Tag: Bayern
Daumen raus und los geht’s per Anhalter ins Abenteuer – etwa 67 Teilnehmer starten aus Weiden in der Oberpfalz und Lüneburg das „Tramprennen“ nach Rumänien. In Grüppchen zu zweit oder dritt geht es auf mehrere Etappen, wer zuerst ankommt, schaut sich nach Übernachtungsmöglichkeiten um.
„Wir sind in Teams unterwegs, allein in ein Auto steigen führt zur Disqualifikation. So sind unsere Regeln“, erzählt Tessa Brancalion von der Organisation über den Wettkampf. Sie startet mit 36 Mitstreitern und Mitstreiterinnen in Lüneburg.
Geplant ist außer der Reservierung des Campingplatzes am Zielort Pui nicht viel. Alle haben Outdoor-Ausrüstung inklusive Zelt dabei. „Wir sind eine Gruppe von 19 bis 56 Jahren und unser Ziel ist es, dass Trampen populärer wird“, erzählt die 33-Jährige. „Deutschland ist zum Trampen ein einfaches Land, ich bin deutlich schneller als die Deutsche Bahn“, sagt die Studentin.
Seit 2018 gibt es das jährliche Gemeinschaftserlebnis, zuerst ging es nach Spanien, auch Estland und Griechenland waren Zielländer – nur wegen Corona wurde zwei Jahre pausiert. Der Wettkampf führt über mehrere Etappen, die einzeln gewertet werden, erklärt Mitorganisatorin Brancalion.
Philipp Weckesser startet mit seiner Freundin in der Oberpfalz. Er reist seit elf Jahren per Autostopp und wartet im Inland nach eigenen Angaben längstens eine Stunde auf eine Mitfahrgelegenheit. „Es ist ein Hobby, wir machen es gern, weil man immer mit Menschen in Kontakt kommt, die sich vor Ort auskennen“, erzählt der 35-Jährige.
Einmal habe er eine schlechte Erfahrung gemacht, als ein Autofahrer sexuell übergriffig werden wollte. Aber generell, findet Weckesser, sei das kostenlose Mitreisen nicht gefährlich.
Der Student der Sozialen Arbeit schrieb seine Bachelorarbeit zum Thema Sicherheit beim Trampen und fasst seine Erkenntnisse zusammen: „Es ist vergleichsweise so wie in eine Disco zu gehen. Jeder kann auch beim Trampen entscheiden, ob er einsteigt.“
Viele Frauen stiegen nie bei einzelnen Männern ein, auch er werde manches Mal nicht von Autofahrerinnen mitgenommen. „Von der Sicherheit ist es eigentlich tiefenentspannt“, sagt Weckesser, der nach der Ankunft in Pui zu einer dreijährigen Weltreise aufbrechen will, in Etappen immer wieder auch per Anhalter.
Mitorganisatorin Tessa Brancalion sieht den Reiz im Trampen unter anderem darin, von Ortskundigen Informationen zu den bereisten Ländern sowie zu Sehenswürdigkeiten und Kulinarik zu erhalten.
Wenn man lange auf eine Mitfahrgelegenheit warten müsse, könne es aber auch mal anstrengend werden. „Wichtig ist, dass man freundlich bleibt.“ Zwar gehöre zum Trampen auch ein kleines bisschen Können, „vor allem ist es aber Glück.“
Teilnehmerin Antonina Eliseeva ist zum vierten Mal dabei. Bepackt mit einem dicken Rucksack, Isomatten und einem Campingkocher macht sie sich auf die Reise. Sie freue sich „sehr darauf, aus dem Alltag herauszukommen“ und neue Länder zu entdecken, sagt sie.
Ältere erinnern sich wehmütig an viele Anhalter-Abenteuer – junge Leute reisen immer weniger per Autostopp. „Empirisch kann man das nicht nachweisen, aber die These der Zukunftsforschung ist, dass die Sehnsucht nach Sicherheit größer wird als der Durst nach Freiheit“, sagt der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski der Deutschen Presse-Agentur.
Fast könne man sagen, Sicherheit sei für manche die neue Freiheit. „Die große Kunst ist es, sicher zu sein, ohne die Freiheit aufzugeben“, sagt der 85-Jährige. „Und Trampen ist ein Sicherheitsrisikofaktor im Privatleben.“
Seit der Coronakrise breitet sich nach seiner Einschätzung eine pessimistische Grundstimmung in Deutschland aus. „Wir leben in unsicheren Zeiten, da ist kein Ende abzusehen“, sagt Opaschowski, der seit vielen Jahrzehnten die Stimmung mit repräsentativen Umfragen ermittelt.
Die junge Generation wachse damit auf und müsse sich arrangieren. „Die wilden Touren nach Sri Lanka werden weniger“, sagt er, „die Sehnsucht bleibt, aber vielen ist so etwas zu unsicher“. Work and Travel in sicheren Staaten wie Australien sei relativ risikoarm.
Den besonderen, teuren Auszeiten wie Junggesellenabschieden in fernen Städten wie Palma de Mallorca oder Mailand hat Opaschowski den Titel „Luxese“ gegeben, die Mischung aus Luxus und Askese davor oder danach, um die Extravaganzen zu finanzieren.
Autostopp auf kleineren Strecken sei auch deswegen aus der Mode, weil viele Menschen mobiler geworden seien, sagt Opaschowski. Auch die Bahn-Tarife seien für junge Leute interessanter: „Viele nehmen dann in Kauf, mal zwei Stunden auf dem Bahnsteig auf einer Bank zu schlafen.“ Zudem seien die öffentlichen Verkehrsmittel viel besser ausgebaut worden, führt Tramper Weckesser an. (dpa/red)
In Anwesenheit seiner stolzen Familie ist Stürmerstar Harry Kane vom FC Bayern München zum zweiten Mal in seiner Fußball-Karriere mit dem Goldenen Schuh für den besten Torschützen Europas ausgezeichnet worden. Der 33-Jährige bekam die Trophäe in einem feierlichen Rahmen im Vereinsmuseum der Bayern in der Allianz Arena überreicht.
Er fühle sich sehr wohl in München, sagte Kane. Es stecke viel Arbeit in so einer Auszeichnung. „Die letzte Saison war herausragend und ich bin sehr stolz. Es war die beste Saison meiner bisherigen Karriere.“
Kanes Frau, seine Kinder, seine Eltern und sein Bruder saßen wie die komplette Bayern-Führungsriege und Trainer Vincent Kompany in den ersten beiden Reihen und applaudierten.
Tonis Laudatio sorgt für Erheiterung
Die Laudatio hielt Luca Toni, Ex-Bayern-Star und 2006 Weltmeister mit Italien. „Lieber Harry, du bist eine Maschine, eine Tormaschine“, sagte der 49-Jährige, der mit seiner Rede auf Englisch und mit starkem italienischem Akzent für mehrere Schmunzler sorgte. Kane hätte es auch verdient, noch den Ballon d’Or für den besten Fußballer der Welt zu bekommen, meinte Toni.
Kane erzielte in der abgelaufenen Saison 36 Bundesliga-Treffer und war damit der erfolgreichste Torschütze in den europäischen Topligen. Bereits 2023/2024, in seiner Premierensaison für die Bayern, hatte er 36 Liga-Tore erzielt und dafür den Goldenen Schuh bekommen.
Auch Gerd Müller (1970 und 1972) und Robert Lewandowski (2021 und 2022) war es einst gelungen, die Trophäe während ihrer Zeit beim deutschen Rekordmeister gleich zweimal zu gewinnen.
Pflichtspielstart am Samstag in Dortmund
Mit dem Supercup bei Vizemeister Borussia Dortmund beginnt für Kane und die Bayern am Samstag (20.30 Uhr/Sat.1 und Sky) die neue Pflichtspielsaison.
Der Vertrag des englischen Nationalmannschaftskapitäns bei den Münchnern läuft noch bis zum 30. Juni 2027. Anfang der Woche hatte er bereits zeitnahe Gespräche über eine mögliche Verlängerung angekündigt.
Beim 4:2-Sieg im Testspiel bei Zweitligist 1. FC Heidenheim am Dienstag hatte Kane einen 30-minütigen Einsatz für die Bayern gegeben. Der Angreifer sowie die Franzosen Michael Olise und Dayot Upamecano waren zuvor als letzte WM-Rückkehrer wieder ins Mannschaftstraining der Münchner eingestiegen. (dpa/red)
Fußball-Deutschland sorgt sich um Bayern-Star Jamal Musiala. Nach seinem zweiten Zusammenbruch auf dem Feld innerhalb von vier Tagen macht der 23-Jährige in einem Instagram-Beitrag eine „neurologische Dysfunktion“ und „temporär kurz auftretende, aber gut behandelbare Absencen“ öffentlich. Fans fragen sich, was diese Diagnose für den Profi selbst, für den FC Bayern und die Nationalmannschaft bedeutet.
Beim Rekordmeister aus München rechnet man fest damit, dass Musiala seine Karriere fortsetzen kann. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem Verein erfuhr, gebe es aktuell keine Hinweise, dass Musiala nicht weiter auf Weltklasseniveau Fußball spielen könne. Wie es kurzfristig nach den beiden Vorfällen weitergeht für den Offensivspieler, ist aber zunächst unklar.
Bei vielen überwiegt der Schreck, auf Musialas Beitrag reagierten zahlreiche Kollegen wie Thomas Müller, Manuel Neuer und Dayot Upamecano. Man sei „im Moment ehrlich gesagt ziemlich sprachlos“, sagte Vereinspatron Uli Hoeneß im RTL/Sky-Interview. „Wir haben uns darauf nicht vorbereiten können und wir müssen erst lernen, mit dieser Situation umzugehen.“ Hoeneß betonte, es gebe eine „bedingungslose Unterstützung für Jamal in jeder Hinsicht“.
Immerhin lassen Aussagen von Medizinern hoffen, dass Musialas Erkrankung therapier- und heilbar ist und keine Folgeschäden drohen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Musialas Absencen:
Woran leidet Musiala?
Der Fußballprofi brach sowohl im Testspiel gegen Leipzig am Samstag als auch drei Tage später in Heidenheim zusammen. Nach einer kurzen Behandlung auf dem Platz konnte er alleine vom Feld gehen. Kurz darauf teilte Musiala dann am Dienstagabend mit: „Es wurden bei mir temporär kurz auftretende, aber gut behandelbare Absencen festgestellt, welche auf eine neurologische Dysfunktion zurückzuführen sind. Diese können zu den zuletzt vorgekommenen Momenten führen, wie gegen Leipzig oder auch jetzt in Heidenheim.“
Was sind Absencen und wie gefährlich sind sie?
Absencen sind eine Form epileptischer Anfälle und treten zumeist im Kindheits- oder Jugendalter auf. Patienten erleben dabei Blackouts von wenigen Sekunden – Musiala wirkte während der beiden Partien kurz weggetreten. Anders als bei anderen epileptischen Anfällen, die mit Stürzen und Muskelzuckungen des ganzen Körpers einhergehen, kommt es bei Absencen nicht zu Folgeschäden des Gehirns, wie der Neurologe Peter Berlit der dpa schilderte. Musiala selbst hatte geschrieben: „Das Wichtigste zuerst – mir geht es gut!“ Über die Anfälle hinaus bestehe kein gesundheitliches Risiko, ergänzte der Fußballer.
Kann man mit Absencen überhaupt Profifußballer sein?
Beim FC Bayern gehen sie zumindest davon aus. Dem Vernehmen nach gibt es aktuell keine Hinweise, dass Musiala ein Karriereende droht. Professor Berlit, der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), macht dem Fußballer ebenfalls Hoffnung. „Man kann ganz allgemein sagen, dass etwa 80 bis 90 Prozent aller Betroffenen durch Medikamente heilbar sind“, sagte er. Dies treffe grundsätzlich auch auf Profifußballer zu. „Da man das in aller Regel medikamentös in den Griff bekommt, gilt das natürlich genauso für Sportler: Wenn keine Anfälle mehr auftreten, ist man voll einsetzbar.“
Wie lange hat Musiala bereits diese Absencen?
Das gaben der Spieler und der Verein zunächst nicht konkret bekannt. „Wir sind ja schon länger über die Probleme informiert“, verriet Ehrenpräsident Hoeneß dann in einem RTL/Sky-Interview. Der Vorfall gegen Leipzig sei der erste gewesen „auf dem Platz und für jeden sichtbar“. Unklar blieb dabei, ob es zuvor schon zu Anfällen abseits der Öffentlichkeit, etwas im Training, gekommen war. Ob Musiala möglicherweise schon seit Jahren Absencen habe, ist nicht bekannt.
Warum kam der Profi überhaupt in den Tests zum Einsatz?
Wie aus dem Verein zu hören war, sei der Einsatz Musialas völlig unbedenklich und ärztlich umfangreich abgesprochen gewesen. Die Münchner scheinen dann aber überrascht worden zu sein davon, dass sich die Absence so schnell wiederholt. „Wir haben mit allem gerechnet, nur nicht mit der Häufung dieser Probleme“, sagte Hoeneß. „Es ist ein Drama, vor allem für den Jamal.“
Kann Musiala dennoch aktuell weiter spielen?
Auch dazu gibt es vorerst keine konkreten Prognosen. „Jetzt mit diesen zwei Vorfällen am Samstag und gestern ist es natürlich schon ein Problem, in erster Linie natürlich für den Menschen Jamal“, sagte Hoeneß. Die Bayern müssen entscheiden, ob sie Musiala zum Start in die Saison aufstellen können. Am Samstag steigt in Dortmund der Supercup, knapp eine Woche später folgt daheim in der Allianz Arena der Bundesliga-Auftakt gegen Stuttgart. Trainer Vincent Kompany sprach noch nicht über seine Pläne für die zwei Partien.
Und was ist mit der Nationalmannschaft?
Der Deutschen Fußball-Bund (DFB) äußerte sich nicht nach den beiden Absencen seines Auswahlspielers. Nach dem WM-Debakel steht das erste Länderspiel der Nations League am 24. September in den Niederlanden an – eine Woche davor wird Bundestrainer Jürgen Klopp seinen Kader nominieren. (dpa/red)
Ein mit einer Waffenattrappe hantierender 14-Jähriger ist nahe einer Straßenbahnhaltestelle in München von Polizisten angeschossen und schwer verletzt worden.
Er habe sich mit erhobener Waffe zu zwei Beamten umgedreht, die ihn gerade lautstark angesprochen hätten, teilte die Polizei in der bayerischen Landeshauptstadt mit. Der Vorfall ereignete sich demnach am 18. August. Ein Passant hatte die Beamten zuvor per Notruf alarmiert.
Laut Polizei hatte der Zeuge eine jüngeren Mann mit einer Schusswaffe nahe einem U-Bahnhof im Stadtteil Schwabing gemeldet, der in einen Linienbus stieg.
Zahlreiche Einsatzkräfte wurden mobilisiert. Zwei Zivilpolizisten entdeckten den Verdächtigen mit einem Begleiter kurz darauf an einer Straßenkreuzung im Bereich der Straßenbahnhaltestelle.
Jugendlicher angeschossen, keine Lebensgefahr
Nach bisherigen Erkenntnissen habe der Verdächtige unter den Augen der Beamten „einen waffenähnlichen Gegenstand“ aus dem Hosenbund gezogen und eine Bewegung gemacht, die an das Durchladen einer Waffe erinnerte. Als die Polizisten ihn aufforderten, den Gegenstand fallen zu lassen, habe er sich „mit erhobener Waffe“ zu diesen umgedreht.
Ein Beamter schoss daraufhin einmal und traf den 14-Jährigen in den Oberkörper. Der Jugendliche kam in ein Krankenhaus, Lebensgefahr bestand offenbar nicht.
„Der bei dem Verletzten sichergestellte waffenähnliche Gegenstand sieht einer echten Waffe zum Täuschen ähnlich“, erklärte die Polizei.
Die Ermittlungen der Münchner Kriminalpolizei, des Landeskriminalamts und der Staatsanwaltschaft liefen. Dabei wird auch die Rechtmäßigkeit der Schussabgabe geprüft. (afp/red)
Zwei Zwischenfälle kurz hintereinander am Flughafen München binnen zwei Tagen – und das an derselben Start- und Landebahn. Nach dem Beinahe-Unfall eines Boeing-Dreamliners der Vietnam Airlines beim Start setzt ein Airbus A380 der Lufthansa bei der Landung an der Südbahn zu früh auf.
In beiden Fällen sind viele Fragen offen. Beide Fälle untersucht die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) – und in beiden Fällen wurden die Flugschreiber sichergestellt.
Gefährlicher Start
Bei dem Vorfall mit der vietnamesischen Boeing 787-9 entgingen die rund 270 Passagiere und die Crew nach Expertenansicht am Samstagnachmittag nur knapp einer Katastrophe.
Die Maschine nahm auf dem Rollfeld nicht die nötige Geschwindigkeit auf – doch für einen Abbruch des Starts war es nach Angaben der vietnamesischen Luftfahrtbehörde auf Basis des Berichts der Piloten zu spät.

Der Vorfall ereignete sich am Nachmittag des 15. August. Crew und Passagiere entgingen laut Experten knapp einer Katastrophe. (Archivbild)
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Der Pilot zog die Flugzeugnase hoch, so dass das Flugzeug in einer Staubwolke jenseits der Startbahn gerade noch abhob, die Beleuchtung an der Bahn wurde beschädigt. Bei der Landung zwei Stunden später in München war am Fahrwerk Qualm zu sehen, Reifen waren geplatzt.
Passagiere und Besatzung blieben unverletzt, sie kamen mit dem Schrecken davon. Warum der Flieger nicht ausreichend beschleunigen konnte, ist unklar. Die Airline sprach bereits kurz nach dem Vorfall von einem technischen Problem.
Zu früh aufgesetzt
Die mit 351 Passagieren besetzte Lufthansa-Maschine wiederum setzte nach Angaben der Airline auf dem Beton, aber vor der mit weißen Blockstreifen markierten Landebahnschwelle auf.
Auch hier wurde die Beleuchtung beschädigt. Das Flugzeug, das in San Francisco an der US-Westküste gestartet war, sei sicher gelandet, sagte eine Lufthansa-Sprecherin auf Anfrage.
Zuvor hatten RTL und „aero.de“ berichtet. Die Fluggäste verließen das Flugzeug regulär. Warum die Maschine so früh aufsetzte, ist unklar. (dpa/red)
Nach dem Beinahe-Unglück einer Boeing 787-9 von Vietnam Airlines am Münchner Flughafen läuft noch die Klärung der Ursache, da gibt es schon einen neuen Zwischenfall. Ein Airbus A380 der Lufthansa setzte am Montagabend bei der Landung zu früh auf und beschädigte an der Landebahnschwelle die Beleuchtung.
Das mit 351 Passagieren besetzte Flugzeug sei aber sicher gelandet, sagte eine Lufthansa-Sprecherin auf Anfrage. Zuvor hatten RTL und „aero.de“ berichtet. Nur zwei Tage zuvor war auf derselben Bahn der Boeing-Dreamliner der Vietnam Airlines beim Start über das Pistenende hinausgeschossen.
Hier entgingen Passagiere und Crew nur knapp einem Unglück – die Maschine konnte in letzter Sekunde doch noch abheben.
Was ist zum Vorfall mit dem Lufthansa-Jet bekannt?
Sicher ist nur, dass die Maschine zu früh aufsetzte. Dabei wurden erneut – wie bei dem Start der vietnamesischen Maschine – Lampen der Bahnbefeuerung beschädigt. Passagiere und Besatzung blieben unverletzt. Laut Lufthansa hat die A380 bereits auf dem Beton, aber vor der mit weißen Blockstreifen markierten Landebahnschwelle aufgesetzt.
Die rund 13 Jahre alte Lufthansa-Maschine mit dem Kennzeichen D-AIML war am Vorabend in im US-amerikanischen San Francisco gestartet.
Nach der Landung in München rollte sie zu ihrer Position am Terminal, die Gäste verließen das Flugzeug regulär, wie Lufthansa berichtete. Die Gründe für den Zwischenfall werden wie der Fall der Vietnam Airlines untersucht. Laut Lufthansa hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) eine Untersuchung eingeleitet.
BFU-Mitarbeiter seien vor Ort und hätten die Flugschreiber sichergestellt, bestätigte ein BFU-Sprecher auf Anfrage.
Wie kam es zu dem gefährlichen Start der Vietnam-Boeing?
Die Boeing-Dreamliner war auf dem Rollfeld zu langsam, rollte über das Ende der Startbahn hinaus – und schaffte es in einer Staubwolke gerade noch in die Luft. Bei der Landung zwei Stunden später in München war am Fahrwerk Qualm zu sehen, Reifen waren geplatzt. Passagiere und Besatzung blieben unverletzt, sie kamen mit dem Schrecken davon.
Nach einem vorläufigen Bericht der vietnamesischen Luftfahrtbehörde zu dem Vietnam-Airlines-Flug VN34 geht aus Angaben der Piloten hervor, dass die Geschwindigkeit des Flugzeugs beim Startvorgang zwischenzeitlich abnahm.
Ungefähr auf halbem Weg auf der Startbahn habe die Maschine rund zwei Sekunden lang nicht an Tempo zugelegt. Danach habe die Maschine zunächst bis zur erforderlichen Geschwindigkeit beschleunigt, aber dann sei das Tempo abgefallen.
Da nicht mehr genug Strecke auf der Bahn vorhanden gewesen sei, um den Start sicher abzubrechen, habe der Pilot den Startvorgang fortgesetzt, heißt es weiter im Bericht der Luftfahrtbehörde vom Dienstag. Der Pilot habe die Triebwerks-Schubhebel auf maximale Position gebracht und die Flugzeugnase hochgezogen – sodass das Flugzeug doch noch abhob.
Wie reagierte die Besatzung dann?
Nach dem Start erhielt die Besatzung dem Bericht zufolge Warnungen, die darauf hindeuteten, dass das Heck des Flugzeugs die Startbahn berührt oder gestreift hatte. Außerdem wurde eine Reifendruckwarnung ausgelöst. Bei vier der acht Reifen an den beiden Hauptfahrwerken war demnach der Reifendruck abgefallen.
Die Besatzung informierte die Flugsicherung und entschied, für eine technische Überprüfung zum Münchner Flughafen zurückzukehren, wie aus dem Bericht der Piloten gemäß vietnamesischer Luftfahrtbehörde hervorgeht.
Eine solche Entscheidung fällt grundsätzlich im Cockpit, wie eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS) erläuterte. Die DFS ist dann zuständig, den Luftraum entsprechend freizuräumen und einen Slot für die Landung vorzubereiten.
Wie reagierte Vietnam Airlines?
Die Airline sprach bereits am Samstag von einem technischen Problem und verwies auf Warnmeldungen, die kurz nach dem Vorfall beim Start abgesetzt wurden. Sie entschuldigte sich bei den Passagieren „aufrichtig für die entstandenen Unannehmlichkeiten“ und betonte, die Flugzeugbesatzung habe alle vorgeschriebenen Verfahren eingehalten.

Eine Boeing 787-9 Dreamliner von Vietnam Airlines (Archivbild)
Foto: Miguel Medina /AFP via Getty Images
Was wird weiter zur Aufklärung getan – und wann gibt es Ergebnisse?
Zuständig für die Untersuchung beider Vorfälle ist die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig. Deren Experten stellten auch bei der vietnamesischen Maschine Flugdatenschreiber und Voicerekorder sicher.
Bei der BFU rechnet man mit mehreren Wochen, bis ein Zwischenbericht vorgelegt werden kann. Bis zum Abschlussbericht dürften jedoch Monate vergehen.
Wie gefährlich war der Start?
Flughafen und Airline haben sich dazu nicht geäußert. Nach Meinung eines Luftfahrtexperten entging der Flughafen allerdings nur haarscharf einer Katastrophe.
„Das hätte einen Feuerball mit Hunderten Todesopfern geben können, wenn die Piloten die Maschine nicht noch hochgezogen hätten“, sagt Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt der Deutschen Presse-Agentur.
Wie gefährlich war die Landung?
Nach Einschätzung des Luftsicherheitsexperten Harald Hanke hat die Besatzung des Dreamliners alles getan, um eine risikoarme Sicherheitslandung hinzubekommen. In der gebotenen Ruhe wurden demnach Kerosin abgelassen und die technischen Systemhinweise nach dem fehlerhaften Start bewertet.
Vor der Landung musste das Flugzeug zweimal knapp über den Flughafen fliegen, um mögliche Schäden an den Fahrwerken vom Boden aus zu erkennen.
Nicht zuletzt waren ja nach dem Start Probleme am Reifendruck angezeigt worden. Letztlich platzten zwei von vier Reifen am linken Fahrwerk, die möglicherweise schon vorgeschädigt waren. Der Flieger kam dennoch sicher zum Stehen.
Wie verhält sich Vietnams Regierung?
Die vietnamesische Regierung setzt auf Kooperation und Transparenz. Sie habe die Luftfahrtbehörde und die staatliche Fluggesellschaft angewiesen, dringend mit den deutschen Behörden zusammenzuarbeiten und zugleich die Aufsicht über die Sicherheitsverfahren im Luftverkehr zu verstärken, berichteten staatliche Medien am Dienstag.
Zudem sei die vietnamesische Luftfahrtbehörde aufgefordert worden, die Sicherheitsaufsicht über die Ausbildung von Luftfahrtpersonal sowie über den Flugbetrieb und die Wartung von Flugzeugen durch vietnamesische Fluggesellschaften zu verstärken.
Wie haben Fluggäste den Start der Boeing-Dreamliner erlebt?
Passagiere beschrieben einen Schlag, es habe einen richtigen Knall gegeben, als der Flieger über die Landebahn herausschoss. Einige, so berichtet ein Fluggast, hätten offensichtlich dem keine besondere Bedeutung gegeben oder gar nichts mitbekommen – sie hätten während des etwa zweistündigen Fluges geschlafen.
Er selbst und sein Begleiter hingegen hätten sich zunehmend Sorgen gemacht. „Hoffentlich kommen wir da wieder runter.“ Er habe vor Angst geschwitzt und gefroren zugleich, berichtet ein anderer Fluggast. Kritik gab es an der Kommunikation.
„Wir hatten keinerlei Informationen während des Flugs, wir waren im Ungewissen“, sagte der Fluggast.
Schließlich seien die Fluggäste aufgefordert worden, die Sicherheitshaltung einzunehmen: den Kopf nach vorne geneigt und mit den Händen geschützt. „Gott sei Dank“ habe der Pilot die Maschine am Ende relativ sanft auf den Boden gebracht. (dpa/red)
Der Flughafen München ist nach Meinung eines Experten beim fehlerhaften Start einer Boeing-Passagiermaschine nur haarscharf einer Katastrophe entgangen. „Das hätte einen Feuerball mit hunderten Todesopfern geben können, wenn die Piloten die Maschine nicht noch hochgezogen hätten“, sagt Luftfahrt-Experte Heinrich Großbongardt der Deutschen Presse-Agentur. Auch außerhalb des Flughafengeländes seien Menschen in Gefahr gewesen.
Die Boeing 787 der Vietnam Airlines war am Samstagnachmittag erst hinter dem Ende der Südbahn abgehoben. Videos vom Start zeigen mächtige Staubwolken und Erschütterungen in der Kabine. Nach Informationen der Plattform „Aviation Herald“ blockierten zudem vor dem Start mindestens die Bremsen auf der rechten Seite des Jets.
Wegen der geringen Startgeschwindigkeit setzte das Heck des Flugzeugs auf und wurde schwer beschädigt. Bei der späteren Rückkehrlandung auf der Nordbahn wurden zudem die Reifen des Hauptfahrwerks zerfetzt. Die Passagiere sind laut Flughafen unverletzt mit Bussen in das Flughafengebäude gebracht worden.
Start nicht abgebrochen
Den genauen Hergang des Unfalls müsse nun die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung klären, sagte Großbongardt. Mit Hilfe der Flugdatenschreiber und Voicerecorder müsse geklärt werden, was sich im Cockpit abgespielt hat. Das werde Monate dauern. Zum Beispiel stelle sich die Frage, warum die Crew den Start nicht rechtzeitig abgebrochen habe. Die Münchener Bahn enthalte dafür mit 4.000 Meter Länge eigentlich ausreichend Sicherheitsreserven.
Für grundsätzliche Zweifel an der Dreamliner-Reihe des US-Herstellers Boeing gebe der Vorfall keinen Anlass, sagt der Experte, der bis 2004 Deutschland-Sprecher des Unternehmens war. „Die 787 ist ein absolut sicheres Verkehrsflugzeug.“ Zuletzt war ein Lufthansa-Jet dieses Typs am Frankfurter Flughafen auf die Nase gefallen, weil im Stand das Bug-Fahrwerk eingeknickt war. Grund war hier ein Wartungsfehler. (dpa/red)
Die Fußballerinnen des FC Bayern haben zum dritten Mal in Folge den Supercup gegen den VfL Wolfsburg gewonnen – mit unfreiwilliger Mithilfe der gegnerischen Torhüterin.
Beim 3:0 (2:0)-Sieg des Doublegewinners gegen den Vizemeister in Ingolstadt sah die 25-jährige Stina Johannes bei den beiden ersten Toren ganz schlecht aus.
Nach einem Kopfball von Jovana Damnjanovic (32. Minute) verbuchte Johannes ein kurioses Eigentor nach Videobeweis. Beim Freistoßtreffer von Klara Bühl (45.+4) patzte die VfL-Torhüterin ebenfalls.
Vor 8.689 Zuschauern machte Nationalstürmerin Bühl mit dem 3:0 keine Minute nach Wiederanpfiff alles klar für den Favoriten.
Gwinn und Bühl noch nicht im Kader
Zwei Wochen vor dem Bundesliga-Start saßen bei München die verletzten Nationalspielerinnen Giulia Gwinn, Lena Oberdorf und Franziska Kett draußen.
Das galt auch für DFB-Stürmerin Giovanna Hoffmann, die nach ihrem Wechsel von RB Leipzig zu Wolfsburg noch ihren Kreuzbandriss auskurieren muss. Die erst am Donnerstag verpflichtete Ex-Frankfurterin Lara Prasnikar (zuletzt Utah Royals FC/USA) kam nach einer guten Stunde, als alles gelaufen war. Chelsea-Leihgabe Mara Alber fehlte noch im VfL-Kader.
Erstmals seit vielen Jahren spielten die Wolfsburgerinnen ohne die zu Borussia Dortmund gewechselte Alexandra Popp um einen Titel. Trainer Stephan Lerch hatte die Bayern zum klaren Favoriten erklärt.
Nach zuletzt vier Meisterschaftstriumphen, zwei DFB-Pokalsiegen und zwei Supercup-Erfolgen der Bayern-Frauen in Serie waren die Rollen klar verteilt.
Flügelstürmerin Cora Zicai macht Druck
Doch die VfL-Frauen zeigten schon in den Anfangsminuten, wo der Gegner verwundbar war. Linksaußen Cora Zicai tankte sich mehrfach durch, und die rechte Außenbahn beackerte die inzwischen 35 Jahre alte Kapitänin Svenja Huth hartnäckig.
Vor den Augen von Bundestrainer Christian Wück agierte der FC Bayern im Spielaufbau zunächst zu hektisch und ungenau. Die Offensive mit Linda Dallmann, Klara Bühl, Pernille Harder und Damnjanovic rannte sich immer wieder fest – bekam dann aber unverhofft Unterstützung.
Die fünffache Nationalspielerin Johannes fing zwar einen Kopfball von Damnjanovic, prallte aber gegen Pfosten und stand dann mit dem Ball plötzlich hinter der Linie – wie die Torlinientechnologie ermittelte.
Bei Bühls Freistoß ging der Ball an allem im Strafraum vorbei – auch an Johannes, die zu spät reagierte. So brachte sich Wolfsburg um eine gute Anfangsphase – und praktisch auch um den Titel. Im zweiten Durchgang zeigten sich die Bayern spielerisch und körperlich überlegen. (dpa/red)
Die EU-Kommission genehmigt dem Volkswagen-Konzern, eine Mehrheit seiner Großmotorentochter Everllence abzugeben. Der Verkauf von 51 Prozent der Anteile an dem Unternehmen an den US-Finanzinvestor Bain Capital werfe keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken auf, teilte die Brüsseler Behörde mit.
Ende Juni hatte VW mitgeteilt, sich mit Bain Capital geeinigt zu haben. Bei großen Übernahmen prüft die EU-Kommission dann, ob dadurch unverhältnismäßig große Einschränkungen des freien Wettbewerbs entstehen können.
Die Transaktion bringt Volkswagen einen Erlös von 7,4 Milliarden Euro ein. Mit dem Verkauf setzen die Wolfsburger ihren Kurs zur stärkeren Fokussierung auf das Kerngeschäft fort.
VW: Kündigungen bis 2030 ausgeschlossen
Die fünf deutschen Standorte von Everllence, ehemals unter dem Firmennamen MAN Energy Solutions bekannt, sollen auch unter der neuen Eigentümerstruktur mindestens bis 2030 erhalten bleiben, wie VW mitgeteilt hatte. Betriebsbedingte Kündigungen seien in diesem Zeitraum ausgeschlossen.
Das Unternehmen mit Sitz in Augsburg wurde 2025 in Everllence umbenannt. Nach eigenen Angaben zählt es mit rund 16.000 Beschäftigten und einem Umsatz von etwa 4,9 Milliarden Euro zu den weltweit führenden Herstellern von Großmotoren, Turbomaschinen und Dekarbonisierungslösungen. (dpa/red)
Nach anhaltender Hitze und Trockenheit halten Wald- und Vegetationsbrände in mehreren Bundesländern die Einsatzkräfte auf Trab.
Bei Rodenbach in Südhessen nahe der Landesgrenze zu Bayern kämpften diese nach Behördenangaben seit Montag gegen mehrere Feuer, die sich zu einem größeren Brandgeschehen entwickelt hatten. Menschen wurden per App zum Wassersparen aufgerufen, weil die Reserven für die Löscharbeiten benötigt wurden.
Wasser sparen zugunsten der Waldbrände
Nach Angaben des Landkreises Main-Kinzig waren Feuerwehren aus rund einem Dutzend Gemeinden im Einsatz, um die Feuer in teilweise schwer zugänglichem Gebiet einzudämmen.
Einsatzkräfte aus dem benachbarten Bayern halfen. Ein Polizeihubschrauber unterstützte die Löscharbeiten durch Wasserabwürfe aus der Luft, wie die Polizei Offenbach mitteilte.
Die Kreiswerke Main-Kinzig riefen die Menschen am späten Montagabend über Warn-Apps dazu auf, ihren Wasserverbrauch „ab sofort auf das absolut Notwendigste zu reduzieren“.
Grund sei der hohe Wasserbedarf bei den Waldbrandlöscharbeiten. Auf Duschen, Baden und das Bewässern von Gärten sollte verzichtet werden. „Jeder Liter zählt“, hieß es.
„Bitte verzichten Sie möglichst auf Duschen, Baden, das Bewässern von Gärten sowie wasserintensive Tätigkeiten.“ Der Aufruf richtet sich an die Bewohner von Freigericht, Bruchköbel sowie Langenselbold und Umland.
Brandstiftung als Ursache nicht ausgeschlossen
Die Warnung vom Abend galt heute zunächst weiter. Grund für die Situation sei zum einen die große Ausdehnung des Brandes und damit verbunden der hohe Wasserbedarf gewesen, aber auch die angespannte Versorgungslage angesichts der wochenlangen Trockenheit in der Region, sagte der Landkreis-Sprecher.
Mittlerweile laufe zwar wieder mehr Wasser in die Hochbehälter, als ausfließe, dennoch gelte die Warnung vorläufig weiter.
Der Großbrand nahe Rodenbach hatte auf einer Waldfläche von rund 55 Hektar gewütet, ist aber mittlerweile unter Kontrolle. Nun stehe für die Feuerwehr die Bekämpfung von Glutnestern an, sagte der Sprecher.
Waldbrände an der A7, in NRW und anderswo
Waldbrände gab es auch anderswo. Die Polizei sperrte die Autobahn 7 bei Hannoversch Münden in Südniedersachsen zeitweise voll wegen der starken Rauchentwicklung eines Feuers. Erst im Laufe der Nacht zum Montag kam die Aufhebung der Sperrungen.
Bei Olsberg in Nordrhein-Westfalen kämpfen Einsatzkräfte nach Angaben der örtlichen Feuerwehr am Dienstag weiter gegen einen Waldbrand, der am Montag ausgebrochen und durch starke Winde angefacht worden war. Zeitweise waren demnach 180 Helfer mit 36 Fahrzeugen im Einsatz und konnten ein Übergreifen der Flammen auf hohe Baumbestände verhindern.
Weitere Feuer loderten unter anderem bei Volkach in Nordbayern und bei Bad Schwalbach in Südhessen und bei Hilgert in Rheinland-Pfalz.
Auch im hessischen Rheingau-Taunus-Kreis gab es einen Waldbrand. Hier standen zwischen Hohenstein-Breithardt, Born und Bad Schwalbach-Adolfseck rund 8.000 Quadratmeter Wald in Flammen. Laut Brand- und Katastrophenschutz kam es zu einem Großeinsatz, drei Feuerwehrleute sind leicht verletzt. (dpa/afp/red)
Applaus am Boot, Applaus am Ufer – die Leistung war grandios. Und dennoch reichte es nicht ganz: Der Apnoetaucher Minja Marinković hat den neuen deutschen Tiefenrekord knapp verfehlt. Der 29-Jährige tauchte an der Allmannshauser Steilwand mit einem Atemzug auf die angestrebten 85 Meter ab. Doch beim Auftauchen wurde er kurz vor der Oberfläche in etwa drei Metern Tiefe ohnmächtig – ein Blackout, wie es die Taucher nennen. Damit zählt der Rekord nicht.
Wäre er gewertet worden, wäre der 29-Jährige – der zu den weltbesten Apnoetauchern zählt – der Erste in Deutschland gewesen, der in einem See diese Tiefe erreicht. Der bisherige Rekord liegt bei 80 Metern und stammte aus dem Jahr 2011. Rund neun Bar Druck herrschen da unten, die Luft in der Lunge wird auf ein Neuntel zusammengedrückt.
Gehört zum Sport
Es gehe ihm gut, es sei nicht dramatisch, sagte er kurz nach dem dreiminütigen Tauchgang. Dass man scheitere, „das gehört zum Sport“. Es sei dennoch ein schöner Tag gewesen, die Unterstützung durch das Team großartig, sagt der Ingenieur. Er will es wieder versuchen. „Das wird wiederholt.“
An Land bekommt er viele Umarmungen, Familie und Freunde sind da und haben mitgefiebert, Mutter und Schwester. Sie konnten den Versuch über ein Handy auf der Tauchplattform live verfolgen. Sorgen hätten sie sich nicht gemacht – es sei alles sicher und gut gelaufen, sagt Schwester Anja. Sie sei stolz auf ihren Bruder und habe volles Vertrauen in seine Fähigkeiten.
Sauerstoffmangel
Die Hauptgefahr beim Freitauchen ist Bewusstlosigkeit durch Sauerstoffmangel. Wettkämpfe finden deshalb unter streng kontrollierten Bedingungen statt, mit Sonar, Gegengewichtssystem und mehreren Sicherungstauchern.
An der Steilwand von Allmannshausen hatte 2018 bereits der Apnoetaucher Jens Stötzner versucht, den Rekord zu brechen. Er schaffte es auf 81 Meter. Auch er verlor beim Auftauchen das Bewusstsein. Rekord ungültig.
Kalt und stockdunkel
Die große Herausforderung in Seen sind die absolute Dunkelheit und die Kälte – auch im Hochsommer. Vier Grad herrschen in der Tiefe, neun bar Druck wirken in gut 80 Metern auf den Körper. Die Luft in der Lunge wird auf knapp ein Neuntel zusammengedrückt.
„Es war sehr kalt und dunkel“, schildert Marinković den heutigen Tauchgang. Ein paar Faktoren hätten dazu geführt, dass er nicht seine volle Leitungsfähigkeit hatte, darunter Schlafmangeln und die Verzögerung des Tauchgangs aus technischen Gründen.
Er war in der Disziplin Free Immersion ohne Flossen gestartet. An einem Seil zog er sich nach unten. Ab etwa 30 Metern beginnt der freie Fall, kopfüber in die schwarze Tiefe. Am Zielpunkt der Griff nach dem „Tag“, ein Stück Stoff, das er zum Beweis mit hochbringen muss. Dann am Seil wieder nach oben. Über den Neoprenhandschuhen trug er Gartenhandschuhe, mit Klebeband befestigt. Sie haben mehr Grip.
Doch knapp vor der Oberfläche verlor Marinković den Kampf: Es sei wie „in einen Schlafzustand fallen“, beschreibt er das Gefühl des Bewusstseinsverlusts. Marinković wurde von einem Sicherungstaucher nach oben gebracht, kurzzeitig Mund-zu-Nase beatmet und bekam dann Sauerstoff. Er war gleich wieder bei Bewusstsein. Drei Sicherungstaucher und eine Ärztin hatten den Versuch begleitet.
Rote Karte
Wettkampfrichter des Verbandes Aida International konnten Marinković den Rekord nicht bestätigen – sie mussten die rote Karte zeigen anstatt der erhofften weißen. Voraussetzung ist unter anderem, dass der Taucher aus eigener Kraft nach oben kommt und bei Bewusstsein ist. Trotzdem, so Wettkampfrichter Nils Heininger, Vizevorsitzender von Aida Deutschland: „Es ist für mich eine krasse Leistung.“
Heininger beschreibt das Apnoetauchen so: „Es ist sehr anspruchsvoll, mental ruhig zu bleiben, während der Körper eigentlich auf Alarm schalten sollte. Aber wenn es gelingt, ist man in einem meditativen Zustand und schaltet völlig ab. Das sind die Tauchgänge, nach denen Freediver irgendwann beinahe süchtig werden.“
Wie eine starke Meditation
Marinković spricht von einem Gefühl „wie auf einem anderen Planeten“. „Man ist sehr ruhig – und sehr alleine“, so der Taucher. „Es ist ein sehr friedliches Gefühl. Wie eine starke Meditation.“
Lange Zeit ging man davon aus, dass ein Mensch ohne technische Hilfsmittel nicht tiefer als etwa 40 Meter tauchen kann. Nun liegt der Rekord im Meer in der Disziplin Free Immersion bei 137 Metern. Ähnlich wie beim Höhenbergsteigen, bei dem ein Aufstieg am Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff vor Reinhold Messners und Peter Habelers Erfolg als unmöglich erschien, die Frage: Wo liegt die Grenze menschlicher Leistungsfähigkeit – wie weit lässt sie sich durch Technik und Training verschieben? (dpa/red)
In Kürze:
- Porsche macht als Beteiligungsgesellschaft 2,2 Milliarden Euro Verlust.
- Insgesamt laufen die Geschäfte mit China schlecht.
- Höherer Auftragsbestand stimmt VDA perspektivisch optimistischer.
Eine milliardenschwere Abschreibung auf die Beteiligung am Volkswagen-Konzern hat die Eigentümerholding Porsche SE im ersten Halbjahr 2026 tief in die roten Zahlen gezogen. Unter dem Strich machte die Beteiligungsgesellschaft einen Verlust von 2,2 Milliarden, wie das Unternehmen in Stuttgart mitteilte. Im Jahr zuvor wurden noch 300 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet.
Beteiligungsgesellschaft fordert Tempo beim VW-Umbau
Sowohl Europas größter Autobauer Volkswagen als auch die weitere wesentliche Beteiligung, der Sportwagenbauer Porsche, kämpfen derzeit mit schwierigen Marktbedingungen und dem Umbruch in der Automobilindustrie. Die Wertberichtigungen auf die Volkswagen-Anteile betrugen im ersten Halbjahr drei Milliarden Euro und auf den Sportwagenbauer Porsche 200 Millionen Euro.
Porsche SE-Vorstandschef Hans Dieter Pötsch mahnte eine rasche Entscheidung zum Sparprogramm in Wolfsburg an. Der Volkswagen-Konzern stehe an einem historischen Wendepunkt. Bei den jetzt anstehenden Entscheidungen gehe es um die Zukunft der Marke. „Je länger sich die Entscheidungen hinziehen, desto größer werden die Probleme.“
Volkswagen hatte kürzlich seine Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Daraus ging hervor, dass der Konzern mit 1,54 Milliarden Euro nach Steuern knapp 33 Prozent weniger Gewinn eingefahren hat als im Vorjahreszeitraum.
Umsatzeinbruch bei Daimler Truck
Unterdessen vermeldete Daimler Truck einen Umsatzeinbruch von 48 Prozent. Aus den Zahlen für das zweite Quartal 2026, die der Dax-Konzern am Freitag, 7. August, vorlegte, geht hervor, dass das Konzernergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 245 auf 128 Millionen Euro abrutschte. Zwar stieg der Umsatz um fünf Prozent auf knapp 12,3 Milliarden Euro, allerdings sank das operative Ergebnis (Ebit) um neun Prozent auf 360 Millionen Euro.
Dennoch zeigt sich Karin Rådström, Vorstandsvorsitzende von Daimler Truck, optimistisch: „Die starke Geschäftsentwicklung bei Trucks North America, die Aussicht auf höhere Absatzzahlen und die geringere erwartete Zollbelastung im weiteren Jahresverlauf bestärken uns darin, unsere Prognose für das Gesamtjahr anzuheben“, sagte sie in einer Mitteilung.
Einen massiven Gewinneinbruch hat auch BMW zu beklagen. Im zweiten Quartal blieben dem Konzern nach Steuern 1,2 Milliarden Euro 35 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Umsätze sanken von 34 Milliarden auf 31 Milliarden Euro. Schaut man nur auf den Bereich Automobile, sieht es sogar noch dramatischer aus. So rutsche das operative Ergebnis (Ebit) um mehr als 60 Prozent auf 629 Millionen ab.
Damit hat BMW im abgelaufenen Quartal mehr mit seinen Finanzdienstleistungen verdient als mit der Herstellung von Autos.
Schlecht liefen hauptsächlich die Geschäfte mit China. Ein massiv zurückgehender Absatz um fast ein Drittel und sich verschärfender Wettbewerb bereiten den Münchner Probleme. Der BMW-Absatz war dort um fast ein Drittel eingebrochen.
Schlecht liefen hauptsächlich die Geschäfte mit China. Ein massiv zurückgehender Absatz um fast ein Drittel und sich verschärfender Wettbewerb bereiten den Münchner Probleme. Der BMW-Absatz war dort um fast ein Drittel eingebrochen.
Mercedes: Absatzeinbruch in China
Trotz eines stabilen Gesamtkonzerns spürt Mercedes-Benz im Autogeschäft harten Gegenwind. So setzten die Stuttgarter im zweiten Quartal 417.765 Fahrzeuge ab und lagen damit acht Prozent unter den Zahlen im Vergleichsquartal des Vorjahres. Belastet durch einen Absatzeinbruch von 30 Prozent in China und millionenschwere Wertberichtigungen schrumpfte das bereinigte operative Ergebnis der Pkw-Sparte im zweiten Quartal 2026 um 26 Prozent auf 909 Millionen Euro ab. Die Umsatzrendite fiel auf vier Prozent. Unbereinigt blieben nach Sondereffekten 49 Millionen Euro übrig.
Im ersten Halbjahr 2026 lieferte die Markengruppe Progressive, zu der neben dem Hauptprodukt Audi auch Lamborghini und Bentley gehören, 736.878 Autos aus. Das entspricht einem Rückgang von 7,2 Prozent, teilt der Konzern auf seiner Internetseite mit. Die Umsatzerlöse schrumpften als Folge des geringeren Absatzes sowie mixbedingt um 10,4 Prozent auf 29,2 Milliarden Euro.
Besser sieht es hingegen bei Opel aus. Der zum Stellantis-Konzern gehörende Autobauer setzte sein Wachstum auch im ersten Halbjahr fort, heißt es in einer Mitteilung. Von Januar bis Juni verkauften Opel und seine britische Schwestermarke Vauxhall weltweit etwa 313.000 Fahrzeuge. Der Umsatz beim Pkw-Geschäft stieg um mehr als sieben Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres an.
Besser sieht es hingegen bei Opel aus. Der zum Stellantis-Konzern gehörende Autobauer setzte sein Wachstum auch im ersten Halbjahr fort, heißt es in einer Mitteilung. Von Januar bis Juni verkauften Opel und seine britische Schwestermarke Vauxhall weltweit etwa 313.000 Fahrzeuge. Der Umsatz beim Pkw-Geschäft stieg um mehr als sieben Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres an.
Auch auf europäischer Ebene verzeichnet der Konzern gute Entwicklungen. 231.000 Pkw fanden Käufer, sodass die Bilanz mit einer Steigerung von 11,8 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 positiv ausfällt. Der Marktanteil stieg auf mehr als drei Prozent. Trotz rückläufiger Umsätze erwirtschaftete der Konzern einen Liquiditätsüberschuss in Höhe von 1,9 Milliarden Euro.
VDA hofft auf Impulse nach den Sommermonaten
Nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) wurden im Juli 322.700 Autos in Deutschland produziert. Das entspricht einem Rückgang von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Hauptursache für den Produktionsrückgang war laut Verband eine mehrwöchige Produktionspause im Zuge der Umrüstung eines Werks für die Fertigung von Elektrofahrzeugen. Insgesamt liefen in Deutschland in den ersten sieben Monaten des Jahres 2,43 Millionen Pkw vom Band. Das waren drei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Damit lag die Produktion nach den ersten sieben Monaten 15 Prozent unter den Zahlen des Vorkrisenjahres 2019.
Im Juli wurden 260.000 Pkw exportiert, vier Prozent weniger als im Vergleichsmonat 2025. Seit Jahresbeginn summierten sich die Ausfuhren auf 1,852 Millionen Fahrzeuge. Das bedeute ebenfalls einen Rückgang um vier Prozent.
Die Auftragseingänge aus dem Inland schrumpften auch um vier Prozent. Gar 15 Prozent weniger Bestellungen gab es aus dem Ausland. Insgesamt verzeichnete die Branche damit 13 Prozent weniger neue Aufträge als im Juli 2025. Gleichzeitig lag der aktuelle Auftragsbestand aus dem Inland zehn Prozent über dem Vorjahreswert. Dies sei der höchste Abstand zum Vorjahreswert in diesem Jahr. Daher zeigt sich der Verband optimistisch und hofft auf Impulse für die Inlandsproduktion nach den Sommermonaten.
(Mit Text der Agenturen)
Drei Menschen sind bei einem schweren Unfall auf der Autobahn 3 in der Oberpfalz ums Leben gekommen. Ihr Wagen kam von der Fahrbahn ab und geriet auf Bahngleise, wie die Polizei mitteilte.
Zwar kollidierte das Auto dort nicht mit einem Zug. Dennoch erlitten die Beteiligten schwerste Verletzungen, an denen sie trotz aller Bemühungen der Rettungskräfte noch am Unglücksort starben.
Der Unfall bei Nittendorf (Landkreis Regensburg) hatte erhebliche Auswirkungen auf Autofahrer und Fahrgäste der Bahn. Wegen der Bergungsarbeiten wurden die Bahnstrecke Regensburg-Nürnberg sowie die über den Gleisen querende A3 in Fahrtrichtung Nürnberg vorübergehend komplett gesperrt.

Wegen der Bergungsarbeiten sind sowohl die A3 als auch die Bahnstrecke gesperrt.
Foto: Armin Weigel/dpa
Stau im Berufsverkehr
„Es staut sich relativ weit zurück im Berufsverkehr, deshalb leiten wir schon in der Ausfahrt Sinzing raus“, sagte ein Polizeisprecher am Morgen.
Die Bergung des völlig demolierten Autos war mit erheblichem Aufwand verbunden. Das Wrack wurde mit einem Kran auf die über den Gleisen führende Autobahnbrücke gehievt.
Nach ersten Erkenntnissen war das Auto gegen 7:00 Uhr ohne Beteiligung eines weiteren Fahrzeugs nach rechts von der Autobahn abgekommen und über eine Böschung gerutscht.
Wie es zu dem Unfall kam und wie es passieren konnte, dass der Wagen auf den Gleisen landete, ließ sich zunächst nicht endgültig klären. Laut Polizei wurde ein unfallanalytischer Gutachter hinzugezogen.
Zug evakuiert
Bei dem Unfall wurde die Oberleitung entlang der Bahnstrecke beschädigt. Ein Zug strandete in Regensburg, weil er stromlos wurde.
In dem Zug saßen nach Polizeiangaben etwa 80 Passagiere. Für diese sei auf einem zweiten Gleis ein Zug bereitgestellt worden, in den sie umsteigen konnten. Der evakuierte Zug wurde abgeschleppt, sagte ein Sprecher des Bahnunternehmens Agilis. (dpa/red)
Im Prozess um den tödlichen Autoanschlag auf die Münchner ver.di-Demonstration ist der Angeklagte Farhad N. wegen Mordes und versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden.
Das Oberlandesgericht der bayerischen Landeshauptstadt stellte bei dem aus Afghanistan stammenden 25-Jährigen am Donnerstag außerdem die besondere Schwere der Schuld fest.
Bei dem Anschlag im Februar vergangenen Jahres kamen eine 37 Jahre alte Mutter und ihr zweijähriges Kind ums Leben. Mehr als 40 Menschen wurden verletzt.
Verteidigung plädierte auf 15 Jahre Haft
Das Gericht zeigte sich überzeugt, dass N. absichtlich von hinten mit einem Auto in den Demonstrationszug fuhr. Der Vorsitzende Richter Michael Höhne sagte, der Tatort sei „ein einziges Trümmerfeld“ auf einer Breite von zwölf Metern und einer Länge von 23 Metern gewesen.
Mit dem Strafmaß folgte das Gericht der Forderung der Bundesanwaltschaft. Die Verteidigung hatte hingegen auf 15 Jahre Haft sowie die Unterbringung ihres Mandanten in der Psychiatrie plädiert.
Das Gericht verurteilte N. wegen zweifachen Mordes und 23-fachen versuchten Mordes, damit wertete die Kammer einen Fall mehr als versuchten Mord als die Bundesanwaltschaft. Außerdem verurteilte das Gericht den 2016 nach Deutschland gekommenen Angeklagten wegen 19-facher gefährlicher Körperverletzung und dreifacher vorsätzlicher Körperverletzung.
Die Bundesanwaltschaft stellte bei N. ein komplexes Motivbündel fest. Bei ihm sollen sowohl religiöse als auch politische Gründe eine Rolle für den Anschlag gespielt haben, dazu kamen Einsamkeit und diffuse Ängste. N. machte im Prozess keine Angaben zu seinem Motiv. (afp/red)
Wegen der Ausspähung eines Rüstungsbetriebs in Bayern ist ein Ukrainer festgenommen worden. Der 33-jährige mutmaßliche Agent wurde am Sonntag wegen Sabotageverdachts in Thüringen gefasst, wie die Generalstaatsanwaltschaft München und das Bayerische Landeskriminalamt mitteilten.
Er soll im Auftrag eines ausländischen Nachrichtendienstes im Juni zur Vorbereitung von Sabotageaktionen Aufnahmen vom Betriebsgelände eines bayerischen Rüstungsunternehmens gemacht und diese an seinen Auftraggeber weitergeleitet haben.
Haftbefehl gegen „Low-Level-Agent“ erlassen
Das Amtsgericht München erließ gegen den Beschuldigten am Montag Haftbefehl. Er befindet sich nun in Untersuchungshaft. An seiner Festnahme waren Einsatzkräfte des bayerischen LKA und der Thüringer Polizei beteiligt.
Bei dem Beschuldigten handelt es sich nach Angaben der Ermittlungsbehörden um einen sogenannten Low-Level-Agenten.
Laut Bundesamt für Verfassungsschutz handelt es sich dabei um Menschen, die niedrigschwellig durch ausländische Nachrichtendienste angeworben und für vergleichsweise einfache Operationen eingesetzt werden.
Die Festnahme sei das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit von Sicherheitsbehörden und Nachrichtendiensten unter dem Dach des neu gegründeten GAZ-Hybrid, hieß es. Weitere Auskünfte wurden aufgrund der laufenden Ermittlungen zunächst nicht erteilt. (afp/dts/red)
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Bayern tanken am günstigsten
In Bayern tankt es sich derzeit am günstigsten. Bei Diesel teilt sich der Freistaat diesen Titel (Stand 4. August 6:30 Uhr) mit dem Saarland.
Bei Superbenzin der Sorten E5 trägt er ihn alleine, bei E10 teilt Bayern ihn mit Berlin. Das geht aus Daten des Spritpreiseportals Tankerkönig hervor. Bei Super E5 war Bayern um 8 Cent günstiger als Sachsen-Anhalt und Bremen am anderen Ende der Skala.
Bei E10 ist der Unterschied zwischen Bayern und Berlin als billigsten und Hessen, Bremen und Sachsen-Anhalt mit 7 Cent etwas niedriger.
Bei Diesel sind es ebenfalls 7 Cent – hier zwischen Bayern und Saarland am günstigen Ende und Bremen, Nordrhein-Westfalen und Hessen am teuren Ende.
Ebenfalls eher günstig war Diesel in Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern. Benzin ebenfalls in Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern, aber auch in Berlin, dem Saarland und Brandenburg.
Ebenfalls eher teuer waren Sachsen, Thüringen und Hessen bei Benzin sowie Sachsen bei Diesel. Je nach Region innerhalb der Länder und je nach Tankstelle und Uhrzeit können die Werte aber stark abweichen.
Median statt Durchschnitt
Spritpreisdaten können sich je nach Ermittlungsmethode leicht unterscheiden. Ein direkter Vergleich der Preise unterschiedlicher Analysen ist daher problematisch. Aussagen über Preisunterschiede innerhalb eines Systems lassen sich damit gut tätigen.
Unter anderem nutzt Tankerkönig bei seinem regionalen Vergleich nicht den Durchschnittspreis, sondern den Median.
Dieser gibt denjenigen Preis an, der von allen ermittelten Preisen in der Mitte liegt. Dadurch ist er weniger anfällig für einzelne Extremwerte als der Durchschnitt. Bei einer Zahlenreihe von 1, 2, 3, 4, 40 wäre beispielsweise der Median 3 – der in der Mitte der Reihe liegende Wert -, der Durchschnitt jedoch 10 – die Werte aufaddiert und durch die Anzahl der Werte geteilt. (dpa/red)
Der Schlagerkomponist Ralph Siegel hatte während seines Komas offenbar eine künstlerische Eingebung für den Eurovision Song Contest. „Ich habe aus dem Koma ein fantastisches Lied mitgebracht. Es ist in meinem Kopf und ich weiß schon jetzt: Es ist unschlagbar“, sagte der 80-Jährige dem „Münchner Merkur“ von Ippen Media. Er wolle den Song beim nächsten ESC einreichen und habe genau so ein Gefühl wie damals mit „Ein bisschen Frieden“. Der Titel war 1982 der Gewinner des Wettbewerbs.
Koma als „immerwährender Alptraum“
Ansonsten erlebte Siegel das künstliche Koma als Horror. „Ich kann mich nicht an Details erinnern, aber ich hatte Angst“, sagte er dem Blatt. „Das war das Schrecklichste, was ich jemals erlebt habe. Fürchterlich. Es war wie ein immerwährender Alptraum. Es war ein Gefühl, als ob ich gefangen und gefoltert wurde.“
Anfang Juli hatten die Ärzte den 80-Jährigen wegen einer Lungenentzündung in ein künstliches Koma versetzt, vor rund zwei Wochen war er daraus wieder erwacht. Nun arbeitet der Münchner an seiner Genesung und machte dem Bericht zufolge auch schon seine ersten Schritte, „langsam natürlich, noch mit einer Gehhilfe, einer Art Rollator. Aber trotzdem: Das hat mir viel Mut gemacht, dass ich bald wieder laufen kann“, sagte er. Und: „Ich hoffe, ich komme Ende nächster Woche nach Hause.“
Ralph Siegel zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Schlagerkomponisten und -produzenten. Er hat rund 3.000 Lieder veröffentlicht, sein bekanntester Hit ist „Ein bisschen Frieden“. (dpa/red)
Deutschlands großen Flüssen Rhein, Elbe und Donau fehlt Wasser, ebenso wie vielen anderen Wasserläufen. Am Wochenende werden neue Tiefststände erwartet. Besserung ist vorerst nicht in Sicht – und die Folgen belasten bereits die Wirtschaft. Ein Überblick:
Wie ist die aktuelle Lage?
Nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) führen deutsche Flüsse derzeit an vielen Stellen Niedrigwasser. Regenschauer lassen die Wasserstände nur kurz steigen. „Insgesamt überwiegt die weiterhin sinkende Tendenz“, heißt es in einem Bericht. Laut dem Informationssystem Niwis wiesen zuletzt rund 44 Prozent der Messstellen im Rhein extrem niedriges Wasser aus, 16 Prozent in der Elbe und circa 78 Prozent der Donau-Messstellen.
In Köln erwarten die Behörden an diesem Wochenende einen historischen Niedrigwasserstand von 67 Zentimetern – zwei Zentimeter weniger als im Oktober 2018. „Die Wasserstände am Rhein sind auf einem sehr niedrigen Niveau und sind in den letzten Tagen weiter gefallen“, sagt Fabian Spieß, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB).
Niedrigwasserphasen sind Experten zufolge nicht ungewöhnlich, treten aber normalerweise erst im Spätsommer und Herbst auf. Wenig Regen und hohe Temperaturen lassen unter anderem Wasserstände sinken. Laut BfG führt der Klimawandel langfristig dazu, dass Niedrigwasserereignisse intensiver werden, weil mehr Wasser verdunstet.

Der niedrige Wasserstand der Donau legt Sandbänke frei.
Foto: Armin Weigel/dpa
Welche Auswirkungen gibt es auf die Güterschifffahrt?
Ein Fahrverbot gibt es bei Niedrigwasser nicht, wie Spieß berichtet. Anders als bei Hochwasser entscheide jeder Schiffsführer selbst, wann es sich nicht mehr lohne, zu fahren. „Die Schifffahrt fährt, solange es physikalisch und sicher möglich ist.“ Allerdings sinke die Lademenge, weshalb mehr Schiffe eingesetzt werden müssten. Moritz Axt vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Rhein sagt, Fahrten würden bei sinkenden Pegelständen weniger wirtschaftlich.
Die Binnenschifffahrtsgesellschaft HGK Shipping unterhält eine Flotte von mehr als 300 Schiffen, die vor allem auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen unterwegs sind. Sollte der August ähnlich warm und trocken sein, sei es möglich, dass die Güterschifffahrt auf Rheinabschnitten zeitweise eingeschränkt werde, sagt der Chef der HGK-Gruppe, Steffen Bauer.
Welche Folgen hat das Niedrigwasser für die Wirtschaft?
„Die Lage ist ernst. Der Rhein ist eine zentrale Schlagader für den Güterverkehr in Deutschland“, sagt Thilo Schaefer vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Höhere Transportkosten seien die Folge. Der Druck auf Straße und Schiene nehme zu, wobei nur begrenzt ausgewichen werden könne. Deshalb drohten Engpässe in Lieferketten.
Betroffen sind Experten zufolge vor allem Branchen, die auf große Mengen an Rohstoffen und Vorprodukten angewiesen sind – etwa Chemie, Stahl und Mineralöl. „Dort lässt sich der Ausfall des Rheintransports kurzfristig nur sehr begrenzt kompensieren“, sagt Schaefer.
Drei Verbände der Recycling- und Rohstoffwirtschaft warnen gemeinsam, die Versorgung der Stahlindustrie sei gefährdet. Binnenschiffe könnten nur noch ein Drittel bis die Hälfte der üblichen Ladung transportieren. Frachtkosten auf einzelnen Verbindungen hätten sich verdrei- bis vervierfacht. Hinzu kämen Kosten wegen Verzögerungen und Umplanungen.

Ausgetrocknet ist eine Sandbank an der Niedrigwasser führenden Donau.
Foto: Armin Weigel/dpa
Was bedeutet das für Verbraucher?
Schaefer hält für möglich, dass sich Verbraucher auf höhere Preise einstellen müssen – etwa bei Baustoffen und Energieprodukten. Der Geschäftsführer des Tankstellenverbands ZTG, Jürgen Ziegner, warnte jüngst im „Handelsblatt“ vor möglichen Engpässen in der Spritversorgung, sollten Wasserstände des Rheins an wichtigen Stellen weiter sinken. Sollte die Niedrigwassersituation länger anhalten, könnten Spritpreise vor allem im Süden steigen.
Kreuzfahrtanbieter müssen zudem Touren umplanen oder absagen. Die Reederei Phoenix Reisen aus Bonn bietet Kunden bereits an, Reisen über Donau, Mosel und Rhein umzubuchen. Nicko Cruises aus Stuttgart und A-Rosa aus Rostock sagten bereits mehrere Donau-Reisen ab, wie sie mitteilten. Das hat Folgen für Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel entlang der Flüsse.
Wie groß ist der gesamtwirtschaftliche Schaden?
Das Niedrigwasser könne das Bruttoinlandsprodukt zwischen Juli und September um 0,1 bis 0,2 Prozent dämpfen, sagt Stefan Kooths, Direktor der Forschungsgruppe Konjunktur und Wachstum am Kiel Institut für Weltwirtschaft. „Man kann den Wertschöpfungsausfall grob auf 1 bis 2 Milliarden Euro im dritten Quartal beziffern.“ IW-Ökonom Schaefer nennt keine Zahlen. „Eine Schadenssumme lässt sich erst dann seriös abschätzen, wenn klarer ist, wie lange die Einschränkungen andauern.“

Der Rhein bei Köln
Foto: Oliver Berg/dpa
Wie wird auf das Niedrigwasser reagiert?
Unternehmen wie HGK Shipping setzen spezielle Schiffe ein, die auch bei niedrigen Wasserständen fahren können. Angedacht sind mancherorts Fahrrinnenvertiefungen – etwa im Rhein zwischen St. Goar und Mainz. Der Bundesverband Spedition und Logistik fordert den Bund anlässlich der Entwicklung auf, in die Wasserstraßen zu investieren. Auch die anderen Verkehrsträger müssten wegen begrenzter Kapazitäten gestärkt werden.
Wie sind die Aussichten?
In den nächsten Tagen sei an den großen Flüssen überwiegend mit weiter fallenden Wasserständen zu rechnen, teilt die BfG mit. Die Niedrigwassersituation werde voraussichtlich weiter anhalten, sich räumlich ausweiten und bei ausbleibenden Niederschlägen weiter verschärfen. Moritz Axt vom WSA Rhein sagte: „Entspannung kann es erst geben, wenn großflächige, langanhaltende Niederschläge im Einzugsgebiet fallen.“ (dpa/red)
BMW brechen die Gewinne weg. Im zweiten Quartal verdiente der Konzern nach Steuern nur noch 1,2 Milliarden Euro – 35 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie er mitteilte. Auch die Umsätze sanken deutlich – von 34 Milliarden auf 31 Milliarden Euro. Die Zahlen kommen einen Tag, nachdem ein Stellenabbauprogramm bekannt wurde.
Blickt man nur auf den Bereich Automobile, ist der Einbruch sogar noch drastischer. In diesem Geschäftsbereich sackte das operative Ergebnis (Ebit) um mehr als 60 Prozent auf 629 Millionen ab. Das führt zur Situation, dass BMW im abgelaufenen Quartal mehr mit seinen Finanzdienstleistungen verdiente als mit der Herstellung von Autos.
Vor allem die Geschäfte in China liefen für die Münchner schlecht, die Verkäufe dort brechen ein, während sich der Wettbewerb immer weiter verschärft. Der BMW-Absatz war dort im zweiten Quartal um fast ein Drittel eingebrochen.
Schwerer Einstieg für den neuen Chef
Es ist ein schwerer Einstand für den neuen BMW-Chef Milan Nedeljkovic, der Mitte Mai vom Produktionsvorstand zum Vorstandsvorsitzenden aufgestiegen ist.
In den nicht einmal drei Monaten seiner Amtszeit musste er schon eine kräftige Gewinnwarnung verkünden, und gestern wurde aus Unternehmenskreisen bekannt, dass BMW weltweit 8.000 Stellen abbauen will. Dazu legt der Konzern unter anderem ein Abfindungsprogramm in Deutschland auf.

BMWs neuer Chef muss schon in den ersten Monaten unerfreuliches verkünden. (Archivbild)
Foto: Sven Hoppe/dpa
Nedeljkovic sagte: „Die Herausforderungen in der gesamten Automobilindustrie nehmen rasant zu: Ein harter globaler Wettbewerb, steigende regulatorische Anforderungen und die Auswirkungen geopolitischer Konflikte werden unser Geschäftsmodell in den nächsten Jahren prägen. Daher gilt es, schlank und agil zu sein.“
Auch Finanzvorstand Walter Mertl verweist auf den verschärften Wettbewerb. „Nach Einsparungen von 2,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr intensivieren und beschleunigen wir unsere Effizienzmaßnahmen und gehen strukturelle
Veränderungen gezielt an. Unser Ziel ist weniger Komplexität und eine niedrigere Kostenbasis“, sagt er. Schon vergangenes Jahr war die Zahl der Mitarbeiter bei BMW gesunken.
Veränderungen gezielt an. Unser Ziel ist weniger Komplexität und eine niedrigere Kostenbasis“, sagt er. Schon vergangenes Jahr war die Zahl der Mitarbeiter bei BMW gesunken.
Lange war BMW etwas besser als die beiden anderen großen deutschen Autokonzerne Mercedes-Benz und Volkswagen durch die Krise gekommen. Inzwischen holen die Probleme aber auch die Münchner immer stärker ein. Immerhin liegen sie in Sachen Gewinn im zweiten Quartal noch vor Mercedes, der auf 1,09 Milliarden nach Steuern kam. Volkswagen hat mit 1,54 Milliarden zwar die Nase vorn, ist aber auch sehr viel größer.
Früher wurde deutlich mehr verdient
BMW steckt – wie die anderen deutschen Hersteller – derzeit in einer Abwärtsspirale. Wie steil sie ausfällt, macht ein Blick in den Rückspiegel klar.
Im gerade abgelaufenen Halbjahr machten die Münchner insgesamt 2,9 Milliarden Euro Gewinn. 2025 waren es noch 4,0 Milliarden Euro, 2024 rund 5,7 Milliarden und 2023 sogar 6,6 Milliarden. 2022 waren es sogar mehr als 13 Milliarden – wegen eines extrem positiven Sondereffekts ist zumindest diese Zahl aber kein fairer Vergleich.
Hoffnung setzt BMW unter anderem auf die Fahrzeuge der Neuen Klasse. Das erste Modell iX3 ist inzwischen mehr als 50.000-mal gebaut worden. Die Zahl der Bestellungen insgesamt soll sich sogar schon auf dem Weg zur 100.000 befinden.
Eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht. Zum einen werden die Belastungen aus der geplanten Restrukturierung im zweiten Halbjahr aufs Ergebnis drücken. Zum anderen ist der weltweite Automarkt derzeit zu herausfordernd, um eine schnelle Kehrtwende hinzulegen. (dpa/red)
Jetzt also auch BMW: Als letzter deutscher Autokonzern legen die Münchner ein großes Stellenabbauprogramm auf. Weltweit sollen rund 8.000 Jobs wegfallen, wie dpa aus Unternehmenskreisen erfuhr. Der Stellenabbau soll über natürliche Fluktuation sowie ein Abfindungsprogramm auf freiwilliger Basis in Deutschland erfolgen.
Das Abfindungsprogramm soll von Oktober 2026 bis Ende 2027 laufen und sich an alle Mitarbeiter in Deutschland außerhalb der direkten Produktion wenden.
Da mehr als die Hälfte der knapp 154.000 BMW-Mitarbeiter in Deutschland tätig ist – zum Halbjahr waren es gut 84.000 – und hier auch das Abfindungsprogramm aufgelegt wird, ist es wahrscheinlich, dass am Ende auch mehr als die Hälfte der betroffenen Jobs auf Deutschland entfällt.
„Viel abverlangt“
BMW äußerte sich zunächst nicht zu den Plänen. Laut Teilnehmern an einer Betriebsversammlung, in der die Pläne vorgestellt wurden, sagte der seit Mitte Mai amtierende neue Konzernchef Milan Nedeljkovic: „Mir ist bewusst, dass die nächste Zeit von uns allen viel abverlangen wird. Doch wir müssen sicherstellen, dass unser Unternehmen wieder profitabler und wettbewerbsfähiger wird.“
BMW werde „auf allen Managementebenen Organisationseinheiten zusammenführen und mehr Verantwortung in die Hände der wertschöpfenden Bereiche geben“, sagte Nedeljkovic. „Nur so kehren wir wieder zu dem zurück, was BMW immer ausgezeichnet hat: Unternehmerisches Handeln mit hoher Eigenverantwortung.“
Dass BMW ein Stellenabbauprogramm bevorsteht, darüber wird seit Mitte Juni spekuliert. Damals hatte Nedeljkovic – nur einen Monat nach seinem Aufstieg vom Produktionsvorstand zum Konzernchef – eine deutliche Gewinnwarnung geben müssen.
Sechs Wochen relativ geräuschlose Gespräche
Der Gesamtbetriebsrat hatte daraufhin „unverzügliche und verbindliche“ Gespräche gefordert. Diese sind nun binnen sechs Wochen offenbar abgeschlossen – BMW-typisch nach außen hin eher geräuschlos.
Das Abfindungsprogramm in Deutschland soll dem Vernehmen nach nicht selektiv sein. Es steht also allen Mitarbeitern außerhalb der Produktion offen – insgesamt einigen zehntausend Menschen.
Wie viel BMW sich den Jobabbau kosten lässt, ist noch nicht ganz klar. Die Belastungen sollen früheren Aussagen zufolge erst im zweiten Halbjahr zu Buche schlagen.
In einem Kapitalmarkt-Call im Juni hatte Finanzchef Walter Mertl klargemacht, dass es im Zuge der Restrukturierung Einmalbelastungen von rund einer Milliarde geben werde – es blieb aber offen, ob diese Summe komplett in den Personalabbau fließt. Auch zur Höhe der geplanten Einsparungen waren zunächst keine Zahlen zu erfahren.
Lange ohne Abbauprogramme
Lange war BMW der letzte große deutsche Autohersteller, der ohne großes Stellenabbauprogramm auskam. Volkswagen, Mercedes, Audi, Porsche – alle hatten schon im vergangenen Jahr Stellenstreichungen angekündigt – teilweise in weit höherem Umfang.
Und im VW-Konzern wird bereits um die zweite Runde der Streichungen gerungen – mit Zahlen, die in die Zehntausende gehen. Erst diese Woche hat die Tochter Porsche mit dem Wegfall weiterer 5.000 Jobs den Anfang gemacht. Und auch die großen Zulieferer bauen ab.
Die gesamte deutsche Autoindustrie leidet derzeit unter dem Einbruch des chinesischen Marktes und dem sich dort stark erhöhenden Konkurrenz- und Preisdruck. Hinzu kommen die US-Zölle, die immer stärker werdende chinesische Konkurrenz auf dem Weltmarkt und zuletzt die Auswirkungen der Krise im Nahen Osten auf die weltweite Konjunktur.
Dem kann sich auch BMW nicht entziehen, auch wenn die Münchner zuletzt meist etwas glimpflicher davonkamen als die deutsche Konkurrenz. Auch Nedeljkovic betonte nun, dass man „von einer substanziellen Veränderung der Spielregeln unserer Industrie und damit der Grundlage unseres Geschäftsmodells“ spreche.
Nedeljkovic spricht von „marktfernen politischen Zielvorgaben“
Er kritisierte zudem: „Das ist auch eine Folge marktferner politischer Zielvorgaben. Und weder der Protektionismus noch die gravierenden Marktveränderungen werden wieder verschwinden. Daher müssen wir jetzt – schnell und konsequent – unsere Strukturen und Prozesse verschlanken und unsere Kostenposition deutlich verbessern.“
Für das Abfindungsprogramm nennt man in Unternehmenskreisen neben der allgemeinen Lage einen weiteren Grund: Für die Entwicklung der Neuen Klasse hatte BMW viel Geld in die Hand genommen, um einen technologischen Sprung zu schaffen. Dass die Entwicklungskosten danach wieder sinken sollten, hatte der Konzern schon im vergangenen Jahr betont. Und das umfasst offenbar auch Personal.
Die IG Metall Bayern reagiert relativ zurückhalten auf den Stellenabbau: „BMW reagiert jetzt auf den wegbrechenden Markt in China und arbeitet parallel daran, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte zu stärken“, sagt Bezirksleiter Horst Ott. Zudem betont er, dass der Abbau „mit den Instrumenten der Betriebsparteien“ geschehe und tarifvertragliche Regelungen nicht zur Disposition stünden.
Die Belegschaft schrumpfte schon vor dem Abbauprogramm
Ein Rückgang der Belegschaft hat schon vor dem jetzt angekündigten Abbau eingesetzt: Von Mitte 2025 bis Mitte 2026 sank die Zahl der Mitarbeiter bereits um rund 2.000. Und auch die Jahresprognose für 2026 hatte einen leichten Rückgang vorgesehen.
Beispiellos ist der Jobabbau bei BMW nicht. Anfang 2008 hatte der damalige Konzernchef Norbert Reithofer einen Abbau in ähnlicher Dimension angekündigt. Bis Ende 2010 schrumpfte die Belegschaft dann sogar um mehr als 10.000 – auf damals 95.000.
Danach ging es allerdings wieder steil nach oben. Dass das wieder gelingen wird, ist angesichts der aktuellen Prognosen für die deutsche Autoindustrie eher unwahrscheinlich.
Morgen kommen die Halbjahreszahlen
Wie es finanziell um BMW steht, muss der Konzern am 30. Juli erklären. Dann legt der Konzern seine Halbjahreszahlen vor – die ersten, an denen Nedeljkovic zumindest einen kleinen Anteil als Konzernchef hat.
Die Gewinnwarnung im Juni, die zuletzt sinkenden Absatzzahlen und die bereits vorliegenden Zahlen der deutschen Konkurrenten machen dabei wenig Hoffnung auf gute Nachrichten. (dpa/red)


















