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„Ein Roman gegen Gleichgültigkeit“– Buchpreis für Bazyar

Der Deutsche Buchpreis geht in diesem Jahr an die Autorin Shida Bazyar für „Die Lücken“. Der Roman reflektiere anhand einzelner Figurenschicksale fast hundert Jahre ambivalenten deutschen Lebens, heißt es in der Begründung der Jury. Die Autorin wähle dabei überzeugende literarische Strategien. Und: Es sei ein „Roman gegen Gleichgültigkeit“.
Die 1988 in Rheinland-Pfalz geborene Bazyar hat „Die Lücken“ in einem fiktiven Ort namens Heimesbach im Hunsrück angesiedelt, der an den Heimatort der Autorin angelehnt ist. Die Ich-Erzählerin ist tot. Sie starb bei einem Verkehrsunfall. Seither gelangte sie an Wissen über den Ort aus der Nazi-Zeit. Sie wird von „Göttern“ wieder dorthin geschickt, wohin sie als zehn Jahre altes Mädchen mit ihrer älteren Schwester und Eltern kam – als Flüchtlingsfamilie.
Erzählt wird von jüdischen Familien, von NS-Profiteuren sowie von kurdischen und iranischen Menschen, die in Deutschland Schutz und Zuflucht suchen. Es werden verschwiegene Kapitel deutscher Vergangenheit zur Sprache gebracht. So dreht sich der rund 500 Seiten lange Roman um Lügen, Rassismus und Verdrängung. Nie habe jemand zugegeben, „noch immer das Bild des Führers in seiner Schublade liegen zu haben“, heißt es etwa.

Was hat die Jury begeistert?

Über einen Zeitraum von rund hundert Jahren verändert sich die Sprache zwischen den Zeitebenen und verleiht jeder ihren eigenen Ton. Und: Es sei ein Roman, der mit seinem transnationalen Blick die Grenzen des Heimatromans auslotet und ihn neu definiere, erklärte die Jury bereits bei der Bekanntgabe der Shortlist.
Autorin Shida Bazyar hat ihren Roman in einem fiktiven Ort im Hunsrück angesiedelt.

Autorin Shida Bazyar hat ihren Roman in einem fiktiven Ort im Hunsrück angesiedelt.

Foto: Hannes P. Albert/dpa

Und was hat noch überzeugt? „Der Blick einer toten Erzählerin und die kaleidoskopische Struktur des Textes ermöglichen es, zwischen den Zeiten zu springen sowie Nähe und Distanz zu erzeugen“, hieß es nun in der Begründung. „Auch die enge Verbindung von fiktiven und dokumentarischen Elementen, von erfundenen und historischen Figuren, die selbst eine Stimme bekommen, erzeugen den starken Nachhall des Textes.“

Warum passt der Roman in die Zeit?

Bazyars neues Werk – sie hatte 2016 ihr Debüt mit „Nachts ist es leise in Teheran“ vorgelegt, gefolgt von „Drei Kameradinnen“ 2021, das damals auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand – fällt in eine Zeit, in der die Nazi-Vergangenheit und die Verflechtung mit Familien in Deutschland wieder an Aktualität gewinnt.
So hatten dieses Jahr etwa mehrere Medien eine neu veröffentlichte Datenbank des US-Nationalarchivs aufbereitet, mit Hilfe derer man prüfen kann, ob die eigenen Vorfahren Teil der Nazi-Maschinerie waren oder nicht.
Vom „Roman der Stunde“ war mancherorts zu lesen. Es sei ein hochaktuelles und zugleich zeitloses Buch, „das wir genau jetzt brauchen und immer brauchen werden“, hieß es bei „MDR Kultur“. Und die „Frankfurter Rundschau“ befand: „Wer „Die Lücken“ gelesen hat, weiß wirklich etwas über Land und Leute. Gestern und heute.“
Der Deutsche Buchpreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen der Branche und wird traditionell am Tag vor der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse vergeben. Im vergangenen Jahr gewann Dorothee Elmiger mit ihrem Roman „Die Holländerinnen“.

Wer geht leer aus?

Neben Bazyar waren noch fünf weitere Kandidaten in der engeren Auswahl: Franziska Gänsler („Orca“), Valeria Gordeev („Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“), Elias Hirschl („Schleifen“), Peggy Mädler („Selbstregulierung des Herzens“) sowie Dana Vowinckel („Anton und Alma“).
Insgesamt hatte die Jury 205 Titel gesichtet, die zwischen Herbst 2025 und Anfang September 2026 erschienen sind. Zunächst wurden 20 Bücher für die Longlist ausgewählt, diese wurde dann auf die sechs Titel umfassende Shortlist gekürzt. Insgesamt ist der Buchpreis mit 37.500 Euro dotiert: Bazyar erhält 25.000 Euro, die übrigen Autoren der Shortlist jeweils 2.500 Euro.
Für die Autorin bleibt es nicht nur bei dem Deutschen Buchpreis. Am 7. November erhält sie für „Die Lücken“ den Wilhelm Raabe-Literaturpreis – der vom Deutschlandfunk und der Stadt Braunschweig gestiftete Preis ist mit 30.000 Euro dotiert. Bazyar habe „einen der brisantesten Romane unserer Zeit geschaffen“, erklärte die Jury. Der Ort Heimesbach werde „zum exemplarischen Schauplatz individueller Verstrickungen in die Verbrechen des Holocausts und einer schleichenden Normalisierung von Antisemitismus, Entrechtung und Ausgrenzung, die sich bis in die Gegenwart fortschreibt“. (dpa/red)
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Blätter – von Rainer Maria Rilke

Blätter

Die Blätter fallen,
fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
 
Rainer Maria Rilke (1875–1926)
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Kleine Bäume mit großem Charakter – wie aus einem geschenkten Bonsai ein leidenschaftliches Hobby wurde

Wenn Uwe Friedrichs an seinem Gartentisch vor seinen Bonsai sitzt, steht die Zeit oft still und der Alltag rückt in die Ferne. „Wenn ich eine halbe Stunde mit diesem Baum verbringe, kümmere ich mich nicht um Benzinpreise oder etwas anderes“, sagt er. Mit Epoch Times sprach der Leiter des Arbeitskreises „Bonsai Team 23“ aus der Nähe von Lübeck über seine Leidenschaft, kleinen Bäumen mit Potenzial zu ihrem großen Auftritt zu verhelfen.
Herr Friedrichs, wie sind Sie zu Ihrem Hobby gekommen?
Meine damalige Freundin hat mir einen Indoor-Bonsai geschenkt, einen Benjamin Ficus. Als er nach anderthalb Jahren nicht mehr so schön aussah, habe ich nach Informationen über Bonsai gesucht. Das war 1995. Da konnte man nicht so einfach ins Internet gehen. Ich schrieb damals einen Brief, um mir einen Katalog für Bonsai-Zubehör zu bestellen. Stattdessen erhielt ich jedoch eine Einladung für einen Workshop. Ich kam nicht nur mit einem Wacholder zurück, also einem Outdoor-Bonsai, sondern auch mit dem festen Wunsch, die Bonsai-Kunst zu erlernen. Bei einer lokalen Bonsaiausstellung in Lübeck habe ich dann weitere Interessierte kennengelernt. So entstand der erste Arbeitskreis.
Ihr Herz schlägt demnach für Outdoor-Bonsai?
Richtig. Wie der Name schon sagt, sind diese Bonsai das ganze Jahr über draußen. Ich finde sie viel schöner, weil die Bäume im Gegensatz zu den Indoors alle Jahreszeiten durchleben. Im Winter, der schwierigsten Jahreszeit für einen Bonsai im Innenbereich, stellt man die Outdoor Bonsai einfach in eine geschützte Ecke.
Was empfehlen Sie, wenn man mit einem Bonsai anfangen möchte?
Eine einheimische Lärche oder Hainbuche, wie sie als Heckenpflanze üblich ist – oder ein Cotoneaster aus der Familie der Mispelgewächse. Die können das ganze Jahr draußen auf der Terrasse, dem Balkon oder im Garten stehen.
Am Anfang muss man das Pflegen lernen, das Gestalten kommt erst später. Die Bäume werden allein groß. Wer Glück hat, hat einen Bonsai-Arbeitskreis in der Nähe oder eine Volkshochschule, die Kurse gibt. Es gibt auch gute YouTube-Kanäle, die alles Schritt für Schritt erklären. Neben viel Geduld benötigt man noch vernünftiges Schneidwerkzeug, Biegedraht und einen guten Standort für den Baum. Wenn man einen Indoor-Bonsai haben möchte, muss klar sein: Der braucht im Winter Licht, also spezielle Pflanzenleuchten. Ein Fensterplatz im November reicht für die Photosynthese nicht aus.
Aber auch, wenn ein Baum mal eingeht, darf man nicht verzweifeln. Das passiert selbst uns, den erfahrenen Bonsai-Gestaltern. Bäume sind schließlich individuelle Lebewesen – da werden nicht alle 800 Jahre alt.
Gibt es einen konkreten Moment, wann eine Pflanze zu einem Bonsai wird?
Das hängt vom Aussehen des Baumes ab. Es gibt viele kleine Bäume, die großes Potenzial haben. Der japanische Begriff Bon-Sai bedeutet wörtlich übersetzt „Baum in der Schale“. Für mich ist der Schritt von der Jungpflanze in Richtung Bonsai, wenn ich das dringende Gefühl habe, dass sie eine Schale, ein richtiges Gefäß benötigt.
Das passiert oft im Unterbewusstsein. Plötzlich merke ich dann: „Ja, das ist ein Baum!“ Das hat für mich nichts mit der Größe zu tun. Man kann auch in Pflanzen, die nicht einmal 10 Zentimeter hoch sind, Bäume erkennen.
Woran merkt man, dass eine Pflanze Potenzial zum Bonsai hat?
Ich schaue immer nach eher „schwierigen Pflanzen“, also Pflanzen, die mehr Überlegung erfordern, um zu erkennen: Wo ist der eigentliche Baum in dieser Pflanze?
Sie helfen der Pflanze also, ihre Persönlichkeit auszudrücken?
So könnte man es sagen. Es geht um die Einzigartigkeit, eine gewisse Individualität. Das kann etwas sein, das entweder im Entstehen oder schon vorhanden ist. Wenn ich eine Beschädigung am Stamm habe, dann wird sie nicht versteckt, sondern betont, weil sie ein Teil des Lebens ist. Ein kleiner Makel macht den Baum später vielleicht besonders ausdrucksstark. Über die Jahre habe ich gelernt, Bäume in der Natur anders wahrzunehmen und viel schneller zu erfassen.
Wie fühlt sich so ein Prozess an?
Manchmal fühle ich mich wie ein Vater, dessen Kind gerade hingefallen ist. Dem Kind wird dann ein Pflaster auf das Knie geklebt und dann sagt man: „So schlimm ist es nicht, bis zur Silberhochzeit ist das wieder weg“ oder: „Das ist eine Spur, die du jetzt tragen darfst. Sie gehört zu dir.“
Wir versorgen die Wunde, damit der Baum überleben kann – denn das Ziel ist, dass der Bonsai möglichst alt und am besten über Generationen weitergegeben wird.
Das klingt nach intensiver Arbeit für einen kleinen Baum. Wofür machen Sie das?
Weil ich einfach die Sinne in mir wecken will. Ja, es bedeutet Arbeit. Es ist die gleiche Verantwortung, wie ein Kind, eine Katze oder einen Hund zu betreuen. Es kann auch sehr kostenintensiv werden, wenn man viele Bäume hat und ihnen später zu ihrem Auftritt auf Ausstellungen verhilft. Da gehört dann ein Tischchen und als Beisteller eine kleine Pflanze dazu und eine saubere, aufgeräumte Schale.
Für mich hat das etwas mit Respekt zu tun. Ich möchte den Baum von seiner besten Seite präsentieren. Das ist nichts anderes als: „Wir gehen zu Oma! Zieht den feinsten Zwirn an und macht die Fingernägel sauber.“ Der Baum soll seine Geschichte erzählen – ohne Worte, einfach durch Betrachtung. Wenn ich eine halbe Stunde mit diesem Baum verbringe, kümmere ich mich nicht um Benzinpreise oder etwas anderes.
Viele Menschen verbinden mit dem Bonsai Ruhe und Meditation. Was verbinden Sie damit?
Stellen Sie sich eine 50 Zentimeter große Fichte vor. Von dem verholzten inneren Holz fange ich dann an, mit einer Pinzette die Nadeln eine nach der anderen zu entfernen, um eine saubere Struktur und eine saubere Borke zu erhalten.
Mit der Reife der Bäume verändert sich also meine Arbeit, sie wird feiner. Vor einem 60 Jahre alten Bonsai verbringt man mehr Zeit als vor einer Jungpflanze – das ist dann eine Art meditativer Betrachtungswinkel. Sie sehen die Form vom Wurzelballen, den Wurzelansatz, die Erde und die Sonne, die durch die Äste scheint. Das sind Momente, die man genießt. Das entspannt mich auch.
Wenn ich nach 20 Jahren auf die Bäume schaue und mit den Bildern am Anfang vergleiche, dann weiß ich: „Wir sind jetzt ein Stück zusammen gegangen und jetzt siehst du völlig anders aus.“ All das ist durch meine Hände entstanden, aber ich stehe nicht im Vordergrund. Für mich ist mein Bonsai wie ein Spiegel meiner eigenen Fähigkeiten und meines Wissens über Bonsai.
Was sagen Sie Menschen, die meinen, dass dem Bonsai durch das Formen und die Gestaltung Schmerzen zugefügt werden?
Wir dürfen die Pflanze nicht vermenschlichen. Vom künstlerischen Aspekt betrachtet, arbeite ich den einzigartigen Charakter des Baumes heraus. Dafür sind bestimmte Schritte notwendig. Durch unsere gewissenhafte Arbeit mit sehr scharfen Werkzeugen erleichtern wir dem Baum sogar die Arbeit, weil er abgebrochene Dinge nicht abstoßen muss. Wir helfen ihm durch Wundverschluss. Wir pflegen eine Beziehung zu unseren Bäumen. Das ist wie beim Bildhauer. Der Stein ist schon von Natur aus schön, aber erst wenn daraus eine Statue gearbeitet wurde, werden ihn alle bewundern können.
Vielen Dank für das Interview.
Einen aktuellen Überblick über europäische Bonsai-Clubs, regionale Arbeitskreise und Organisationen finden Sie auf der Website www.bonsaiempire.de.
 
 
 
 
 
 
 
 
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Waldlied – von Gottfried Keller

Waldlied

Arm in Arm und Kron‘ an Krone steht der Eichenwald verschlungen,
heut hat er bei guter Laune mir sein altes Lied gesungen.
Fern am Rande fing ein junges Bäumchen an sich sacht zu wiegen,
und dann ging es immer weiter an ein Sausen, an ein Biegen;
kam es her in mächt’gem Zuge, schwoll es an zu breiten Wogen,
hoch sich durch die Wipfel wälzend kam die Sturmesflut gezogen.
Und nun sang und pfiff es graulich in den Kronen, in den Lüften,
und dazwischen knarrt‘ und dröhnt‘ es unten in den Wurzelgrüften.
Manchmal schwang die höchste Eiche gellend ihren Schaft alleine,
donnernder erscholl nur immer drauf der Chor vom ganzen Haine!
Einer wilden Meeresbrandung hat das schöne Spiel geglichen;
alles Laub war, weisslich schimmernd, nach Nordosten hin gestrichen.
Also streicht die alte Geige Pan der Alte laut und leise,
unterrichtend seine Wälder in der alten Weltenweise.
In den sieben Tönen schweift er unerschöpflich auf und nieder,
in den sieben alten Tönen, die umfassen alle Lieder.
Und es lauschen still die jungen Dichter und die jungen Finken,
kauernd in den dunklen Büschen sie die Melodien trinken.
 
Gottfried Keller (1819–1890)
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Die Katzen – von Maria Luise Weissmann

Die Katzen

Sie sind sehr kühl und biegsam, wenn sie schreiten,
Und ihre Leiber fließen sanft entlang.
Wenn sie die blumenhaften Füße breiten,
Schmiegt sich die Erde ihrem runden Gang.
Ihr Blick ist demuthaft und manchmal etwas irr.
Dann spinnen ihre Krallen fremde Fäden,
Aus Haar und Seide schmerzliches Gewirr,
Vor Kellerstufen und zerbrochnen Läden.
Im Abend sind sie groß und ganz entrückt,
Verzauberte auf nächtlich weißen Steinen,
In Schmerz und Wollust sehnsuchtskrank verzückt
Hörst du sie fern durch deine Nächte weinen.
 
Maria Luise Weissmann
(1899–1929)
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Ein Schuss positive Energie und Hoffnung

Es gibt noch so schreckliche Kapitel in der jüngeren spanischen Geschichte, die bis heute nicht aufgearbeitet wurden. Aus deutscher Sicht mag das besonders befremden, hat sich doch das deutsche Kino dem dunkelsten Kapitel seiner Geschichte verschrieben wie kein anderes.
Anders gesagt: Schafft es eine deutsche Produktion in den Internationalen Wettbewerb eines Filmfestivals, dann geht es darin vielfach um die NS-Zeit. Einer von zwei deutschen Beiträgen im Wettbewerb des 74. Festivals in San Sebastián, immerhin ein sehr guter, steht dafür beispielhaft. Aber dazu später.
Das spanische Kino hat analog quantitativ weniger Geschichten über den Faschismus unter Franco hervorgebracht – zumindest unter Berücksichtigung der Filme, die einen deutschen Verleih fanden –, dafür aber so herausragende wie „Der Lehrer, der uns das Meer versprach“ (2023) um einen vorbildlich mutigen Pädagogen, der für das Wohl seiner Schüler sein eigenes Leben aufs Spiel setzt, oder „Pans Labyrinth“ (2006) um ein Mädchen, das sich in eine von bizarren Geschöpfen bevölkerte Traumwelt flüchtet.
Aber wer hat in Mittel- oder Nordeuropa schon mitbekommen, dass es in Spanien über die Franco-Zeit hinaus bis 1985 schaurige Erziehungsheime gab, in denen „gefallene“ junge Frauen von Nonnen misshandelt wurden?

Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis

Nicht, dass dieses Thema gänzlich neu wäre. Von ähnlich schmerzhaften Zuständen in sogenannten „Magdalenenheimen“ in Irland erzählte 2002 Peter Mullans preisgekrönter Film „Die unbarmherzigen Schwestern“, und in Pedro Almodóvars Drama „La mala educación – Schlechte Erziehung“ (2004) wie auch in dem deutschen Drama „Freistatt“ (2015) geht es um Jungen, die Missbrauch in kirchlichen Erziehungsanstalten erlitten.
Die Geschichte um die Martyrien zweier bildhübscher, mutiger, kluger Mädchen, von denen Daniel Monzón erzählt, ist aber alles andere als ein Abklatsch der genannten Filme, ergreift und verstört vielmehr tiefgehend, als hätte man Vergleichbares noch nicht gesehen. „Pray for us“ überragte das Festival in San Sebastián, lief aber leider außer Konkurrenz.
Das vor allem auch dank der Hauptdarstellerinnen Zoe Bonafonte und Manuela Calle, famose Entdeckungen, die mit aparten Gesichtszügen, facettenreichem Spiel und einem für ihr junges Alter ungewöhnlichen Charisma bestechen. Dies auch in der Weise, wie sie trotz schlimmster Erfahrungen nicht aufgeben. Nicht nur die Nonnen, allen voran die fiese Vorsteherin, erwecken dabei große Abscheu, da sie die ihnen anvertrauten jungen Frauen wechselweise wie Sklavinnen hart für sich arbeiten lassen und in unfassbarer Weise wie Schwerverbrecherinnen wegsperren, sollten sie einmal aus ihrer Sicht nicht gehorsam gewesen sein, sondern auch die Eltern der Gepeinigten.
Wiewohl von ihren Kindern über deren albtraumhafte Erlebnisse in Kenntnis gesetzt, glauben sie den Lügen der Nonnen und unternehmen nichts, um sie den Sadistinnen zu entziehen, bezahlen sogar noch Geld für die „Betreuung“. Dabei handelt es sich noch nicht einmal um schwer erziehbare, sondern um ganz normale junge Frauen, die nichts verbrochen haben, außer dass sie einen Freund und vorehelichen Sex hatten.

Szenenbild aus „Pray for us“.

Foto: Ruegapornosotras_Filmpicture

Fataler Gehorsam

In „Krux“, dem Debütfilm von Tony Vahl, erscheinen die Grausamkeiten kaum weniger skurril, wenngleich aus gänzlich anderen Gründen. In einem Dorf im Nordosten Deutschlands heiratet wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs eine Frau (Jella Haase) ihren gefallenen, toten Verlobten, von dem nur noch ein Soldatenhelm übrig geblieben ist, der neben ihr steht.
In der Schule lernen die Kinder unbedingten Gehorsam an das Vaterland, der Bürgermeister schürt Angst vor der anrückenden Roten Armee und gibt Befehl, dem Feind weder lebende Menschen noch Tiere zu überlassen. Nur eine schon ältere, taffe Bäuerin (Steffi Kühnert) und der den Selbstmord verurteilende Pfarrer (Martin Wuttke), wagen ihre Stimme gegen so viel Menschenhass zu erheben.
Die Bereitwilligkeit der Übrigen, die Anweisung zu befolgen, erscheint noch gruseliger als der Befehl selbst. Der fatale Gehorsam steht mithin in diesem Drama auf dem Prüfstand.
Wenngleich auch die große Selbstmordwelle, die kurz vor der Kapitulation Deutschlands im Zweiten Weltkrieg einsetzte, den historischen Ausgangspunkt für die Geschichte bildet, so erzählt sie doch unweigerlich bestürzend real und zeitloser, als man wahrhaben möchte, von einem Volk, das – in Angst versetzt und erstarrt – widerstandslos bis zur Selbstaufgabe alles mit sich machen lässt.

Hochwertige Produktionen ohne Auszeichnungen

Einen weiteren bemerkenswerten deutschen, thematisch einmal gänzlich anders ausgerichteten Film, zeigte San Sebastián mit „Geister“ von Fatih Akin. Dessen Stil hat sich gegenüber früheren Werken wie „Gegen die Wand“ (2004), „Kebab Connection“ (2004) oder „Chiko“ (2008) stark verändert. Ist doch hier eine spirituell angehauchte Tragödie in eleganten Schwarz-Weiß-Bildern und Dialogen zu erleben, die sich sprachlich – dies freilich auch milieubedingt – auf einem höheren Niveau bewegen.
Die Geschichte selbst erinnert dabei in ihrer spirituell-surrealen Ausrichtung an Christian Petzolds „Gespenster“. Nur dass sich hier nach einem tragischen Unfall der überlebende Fahrer und seine tote Freundin wieder begegnen, von der er sich nicht trennen kann.
Stark vertreten unter den 17 Beiträgen, die in San Sebastián um die Goldene Muschel konkurrierten, waren traditionell das spanische und südamerikanische Kino. Es sind freilich auch die Produktionen, die für ein auswärtiges Publikum besonders interessant erscheinen, zumal die wenigsten darunter einen deutschen Verleih finden, man diese Filme also selten anderswo zu sehen bekommt.
Der hohe Anspruch einiger dieser Produktionen seitens Drehbuch, Darstellern, Kamera, Musik und Dramaturgie spiegelte sich leider in der Preisverleihung nicht wider. Dabei hätte alleine schon „El mal padre“, das sehr lebensnahe Porträt eines narzisstischen Literaturprofessors, gleichermaßen einen Regie- und Darstellerpreis verdient.
Alt und krank geworden und das Lebensende vor Augen, hat dieser Santiago seine erwachsenen Kinder nach langer Funkstille in seinem Haus am Meer versammelt, die ihn – vorsichtig formuliert – so uncharmant erleben wie ihr ganzes bisheriges Leben. Schließlich macht der Alte keinen Hehl daraus, dass sie ihm mit ihren Bedürfnissen stets nur im Wege standen, er sich nur seiner Kunst widmen und bewundert werden wollte.
Bis ihm schließlich im Streit mit einem seiner Söhne, der selbst gerade Vater wird, kurz vor seinem Tod bewusst wird, was für ein „Monster“ er war. Eduard Fernández gibt diesen „schlechten Vater“ fulminant als selbstverliebten, launischen Maestro mit Allüren, süffisant, scharfzüngig, selbstironisch und auch ein bisschen larmoyant.

Foto: @LaiaLluch

Einen packenden Thriller zeigte San Sebastián mit dem argentinischen Beitrag „Glaxo“, der in bestem Stil des Film noir mit einem fiesen ehemaligen Kommissar und einer Femme fatale im Zentrum schildert, wie Mitte der 1950er Jahre die Freundschaft von vier jungen Männern zerbricht, die sich in Rivalität um die Schöne gegeneinander ausspielen lassen.
Der Sturz des populistischen Präsidenten Juan Perón, und die Machtübernahme des Militärs im instabilen Land bilden den historischen, im Film nur an den Rändern angedeuteten Hintergrund.

Femme fatale in „Glaxo“.

Foto: Glaxo_Filmpicture

Wohltuende optimistische Note

Das Filmfestival im Baskenland zählt neben denen in Cannes, Venedig, Berlin, Locarno und Karlovy Vary europaweit zu den bedeutendsten. Ein gewisser Trend hin zu düsteren, bedrückenden, schwermütigen Filmen ließ sich in diesem Jahr zuvor schon in Karlovy Vary ausmachen. Aber ganz so pessimistisch gab sich San Sebastián trotz vieler solcher desolater Bestandsaufnahmen nicht.
Mit dem jüngsten und vermutlich auch letzten Werk des 83-jährigen Briten Mike Leigh kam vielmehr eine wohltuende optimistische Note in den Wettbewerb. Er gewann allemal verdient sowohl die Goldene Muschel für den besten Film als auch eine Silberne für das beste Drehbuch!
Entgegen üblicher Sozialdramen fokussiert „Tender Loving Care“ nicht auf die Unterprivilegierten der Gesellschaft, sondern auf diejenigen, die ihnen zu helfen versuchen, gerüstet mit Humor und familiärem Rückhalt.
Amy (verdienter Darstellerpreis: Kate O’Flynn) und ihre Freundin Rosie sind die Protagonistinnen in diesem Konversationsfilm. Die beiden kümmern sich um Menschen in prekären Lebenssituationen: Ein obdachloser, resignierter alter Mann, dem es egal ist, was aus ihm nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus wird, findet sich ebenso darunter wie ein aggressiv aufgeladener Jugendlicher oder eine überforderte, alleinerziehende Mutter, der das Sorgerecht für ihr Kind entzogen wurde.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Die positive Energie in diesem Film, von der sich Publikum und Jury gleichermaßen mitreißen ließen, nährt sich keineswegs aus purer Sozialromantik. Eine unbeschwerte Existenz führen die Heldinnen keineswegs, ihre Bemühungen laufen nicht selten ins Leere, auch ihr eigenes Liebesleben liegt im Argen.
Amys Beziehung ist gerade gescheitert, nachdem der Mann zu seiner Ehefrau zurückgekehrt ist, Rosie macht gar nicht erst Bekanntschaften, die für eine ernsthafte Beziehung in Betracht kämen. Einzig Amys Eltern, die rührend an dem anstrengenden Leben ihrer Tochter Anteil nehmen, führen als Vertreter einer älteren Generation eine glückliche Ehe. Ein Hauch von Melancholie legt sich aber auch über dieses liebenswerte Paar, machen sich doch bei Amys Vater die Schwächen des Alters sorgenvoll bemerkbar.
Und doch nährt der Film die Hoffnung, dass sich alles einfacher verkraften lässt, wenn Menschen zueinander halten und aufeinander Acht geben wie Amy, ihre liebenswerten Eltern und Rosie.

Wie glaubwürdig sind die Geschehnisse auf der Bühne?

Und noch einen Schuss positiver Energie verströmte die Komödie „The Debut“ aus den USA. Julianne Moore ist hier eine Hausfrau, die nach einem zunächst erfolglosen Vorsingen doch noch zu einer Rolle in einem Musical kommt. Ihr Regisseur bringt sie zunächst in ungewöhnliche, stressreiche Situationen, die ihr dabei helfen sollen, in die Welt der von ihr verkörperten Hausmeisterin einzutauchen.
Aber im Laufe der Proben identifiziert sich Mona zusehends stärker mit ihrer Figur als erwünscht, indem sie Dialoge aus ihrem Textbuch verweigert, die ihr nicht stimmig erscheinen. Damit wirft Eisenberg grundsätzlich interessante Fragen danach auf, wie weit ein Schauspieler hinsichtlich der Authentizität seiner Rolle gehen darf. Und weitergesponnen letztlich vielleicht sogar: Was eigentlich passieren würde, wenn im Theater einmal Zuschauer die Bühne entern und den Akteuren mitteilen würden, wenn sie ihnen nicht glauben, was sie sagen.
Denn streng genommen berührt Mona ein Thema, das vor allem angesichts desolater Tendenzen in Schauspiel und Oper zusehends beschäftigt – die Unglaubwürdigkeit der Geschehnisse auf der Bühne angesichts großer Diskrepanzen zwischen Text, Aktion und Musik.
Dass insgesamt einmal mehr die Mischung aus künstlerisch hochwertigen, aber auch prominent besetzten aufwendigeren Produktionen stimmte – als Stars liefen Naomi Watts und Brad Pitt über den roten Teppich –, war freilich das Verdienst des scheidenden Festivalchefs José Luis Rebordinos.
Schade, dass er mit seinem Abschied nicht zumindest noch bis 2028 warten konnte. Dann hätte zumindest noch die Jubiläumsausgabe zum 75-jährigen Bestehen im kommenden Jahr seine überzeugende künstlerische Handschrift getragen.
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Wir träumen von Reisen – von Novalis

Wir träumen von Reisen

Wir träumen von Reisen durch das Weltall –
ist denn das Weltall nicht in uns?
Die Tiefen unsers Geistes kennen wir nicht –
Nach innen geht der geheimnisvolle Weg.
In uns oder nirgends ist die Ewigkeit mit ihren Welten –
die Vergangenheit und Zukunft.
Die Außenwelt ist die Schattenwelt,
sie wirft ihren Schatten in das Lichtreich.
Denn die Wahrheit bin ich selbst.
 
Novalis (1772–1801)
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Das Klavier – das beliebteste Musikinstrument der Welt

Was ist das beliebteste Musikinstrument der Welt? Die Gitarre? Das Schlagzeug? Die Geige? Nein. Trotz seines hohen Preises sowie seiner beeindruckenden Größe und seines Gewichts ist es das Klavier.
Ein modernes Klavier hat 52 weiße und 36 schwarze Tasten, insgesamt also 88. Es besteht aus etwa 12.000 Teilen, von denen 10.000 bewegliche Teile sind. Ein Instrument von solch technischer Komplexität entstand nicht von heute auf morgen. Seine Wurzeln reichen zurück zu antiken Saiteninstrumenten wie der Harfe und der Leier, die bereits 3.000 v. Chr. in der ägyptischen und mesopotamischen Kunst auftauchen.

Eine lange Entwicklungsgeschichte

Das Psalterium, das in der Bibel häufig erwähnt wird, bestand wahrscheinlich aus Metall- oder Darmsaiten, die über einen Holzkasten gespannt waren, der für mehr Klangfülle und Resonanz sorgte. Es wurde geschlagen oder gezupft.
„Erhebt Gesang und lasst das Tamburin ertönen, die liebliche Laute samt der Harfe!“ (Psalm 81,3)
Das Psalterium wurde wahrscheinlich im Gottesdienst und bei Zeremonien sowie zur Begleitung von Psalmen verwendet, da es im Buch der Psalmen mindestens achtmal erwähnt wird.
Im Mittelalter entstand das Cembalo, das bis ins 18. Jahrhundert hinein das führende Tasteninstrument in Europa war. Es sieht aus wie ein kleines Klavier. Durch Drücken einer Taste wird eine Saite gezupft, wodurch ein Klang entsteht, der laut genug ist, um in einem Ballsaal oder einem kleinen Theater zu erklingen.
Die Einschränkung des Cembalos lag in seinem Mangel an Klangvielfalt. Ganz gleich, wie stark oder sanft man eine Taste drückte – der gezupfte Klang war immer derselbe.
Auch Orgeln hatten eine Tastatur, jedoch keine Saiten. Sie gehören seit dem 10. Jahrhundert bis heute in Kirchen zur Standardausstattung.
Junge Frau an einem Konzertflügel. Foto: gorodenkoff/iStock

Eine junge Frau an einem Konzertflügel.

Foto: gorodenkoff/iStock

Wichtige Entwicklungsschritte

Der große Johann Sebastian Bach war zu Lebzeiten als Organist berühmter denn als Komponist, doch sein Lieblingsinstrument war das Clavichord. Dabei handelte es sich um einen Holzkasten mit Saiten und einer Klaviatur, der oft so kompakt war, dass er auf einem Tisch Platz fand. Kleine Metallstifte schlugen auf die Saiten, wodurch ein Musiker etwas lauter oder leiser spielen und sogar ein wenig Vibrato hinzufügen konnte.
Das Clavichord war ein wichtiger Schritt in Richtung des modernen Klaviers, doch sein Klang war zu leise, um außerhalb eines Salons zur Geltung zu kommen.
Um 1700 baute der italienische Instrumentenbauer Bartolomeo Cristofori ein Instrument, dessen Saiten mit Leder, später mit Filz überzogenen Hämmern angeschlagen wurden. Dies ermöglichte es den Spielern, Lautstärke und Ausdruck wie nie zuvor zu steuern. Cristoforis Innovationen fanden zunächst wenig Beachtung, bis andere Instrumentenbauer mit seiner Erfindung experimentierten und sie verfeinerten. Bald stellte dieses neue Instrument die Vorherrschaft des Cembalos in ganz Europa infrage.
Bartolomeo Cristoforis Erfindung aus dem frühen 18. Jahrhundert ermöglichte es Musikern erstmals, sowohl laute als auch leise Töne zu spielen. Foto: Opus 33/ CC BY-SA 4.0

Bartolomeo Cristoforis Erfindung aus dem frühen 18. Jahrhundert ermöglichte es Musikern erstmals, sowohl laute als auch leise Töne zu spielen.

Foto: Opus 33/CC BY-SA 4.0

Der nächste große Fortschritt Mitte des 18. Jahrhunderts war das Hammerklavier. Sein italienischer Name „Pianoforte“ bedeutet „leise“ und „laut“. Endlich gab es ein Instrument, bei dem die Lautstärke einer Note davon abhing, wie stark man die Taste anschlug. Das Hammerklavier zeichnete sich durch ein Holzgehäuse, dünne Saiten und eine größere Tastatur aus. Es wurde auf 60 Tasten erweitert. Die Komponisten Haydn und Mozart schrieben für dieses Instrument und auch Beethoven in seiner Jugend.
Die Musikpädagogin Melissa Mauro erklärt: „Komponisten nutzten das Pianoforte zunehmend, weil es Ausdrucksmöglichkeiten bot, die frühere Instrumente nicht hatten. Insbesondere Mozarts Klavierkonzerte zeigen, wie schön das Pianoforte singen, funkeln und auf den Anschlag reagieren konnte.“
Dieses Gemälde von Moritz von Schwind aus dem Jahr 1868 zeigt den Komponisten Franz Schubert, wie er für Freunde Klavier spielt. So brachte Musik im 19. Jahrhundert Menschen zusammen. Foto: gemeinfrei

Dieses Gemälde von Moritz von Schwind aus dem Jahr 1868 zeigt den Komponisten Franz Schubert, wie er für Freunde Klavier spielt. So brachte Musik im 19. Jahrhundert Menschen zusammen.

Foto: gemeinfrei

Ein Klavier für die kraftvolle Romantik

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts leitete Beethoven den Wandel weg von der anmutigen Eleganz der Musik des 18. Jahrhunderts ein – jener Musikrichtung, zu der Damen und Herren des Adels ihre Menuette tanzten. Die Musik der sogenannten Romantik war kraftvoller und emotionaler, mit großen Kontrasten in Lautstärke und Klangfarbe.
Die Instrumentenbauer machten sich daran, größere, kraftvollere und reaktionsfreudigere Instrumente zu entwickeln. Sie erweiterten deren Tastatur auf 88 Tasten. Damit wollten sie den Anforderungen dieser neuen Musik von Beethoven, Chopin und Liszt Rechnung tragen. Dies war die Geburtsstunde des modernen Klaviers.
Piano.org bezeichnet die Mechanik eines Klaviers als „eine der kompliziertesten Maschinen, die je gebaut wurden. […] Sie leitet den leichten Druck Ihres Fingers nach unten auf einen Filzhammer, der genau im richtigen Moment und mit genau der richtigen Geschwindigkeit auf eine Stahlsaite schlägt, und fängt den Hammer anschließend sauber wieder auf.“
Im Gehäuse eines Klaviers befinden sich etwa 230 Saiten. Jede einzelne dieser Saiten ist an einem eigenen Stimmstift befestigt. Jede Taste ist mit einem Holzhammer verbunden. Die Diskanthämmer auf der rechten Seite der Tastatur schlagen drei identisch gestimmte Saiten an, um hohe Töne zu erzeugen. Die Hämmer im Bassbereich auf der linken Seite schlagen mit Kupferdraht umsponnene Saiten an, um den tiefen Tönen mehr Fülle zu verleihen.

Zig Tonnen Zugkraft in einem Klavier

Im Deutschen nennt man diese Bauform wegen ihrer charakteristischen Form „Flügel“ – sie erinnert tatsächlich an den Flügel eines Vogels. Während sich die Klaviatur an einem Ende befindet, ist das andere Ende von links her nach innen geschwungen, da die Saiten mit steigender Tonhöhe kürzer werden.
Ein Flügel von Steinway & Sons, hergestellt von einem der wichtigsten amerikanischen Unternehmen, die die Klavierkonstruktion maßgeblich geprägt haben. Foto: Steinway & Sons/ CC BY-SA 3.0

Ein Flügel von Steinway & Sons, hergestellt von einem der wichtigsten amerikanischen Unternehmen, die die Klavierkonstruktion maßgeblich geprägt haben.

Foto: Steinway & Sons/CC BY-SA 3.0

Hier kommen die aufrechten Klaviere ins Spiel. Ein aufrecht stehendes Klavier ist in der Regel günstiger und nimmt weniger Platz ein, da das Gehäuse hochkant gestellt wird.
Die Saiten eines jeden Klaviers sind sehr straff gespannt und stehen unter einer Zugspannung von jeweils bis zu 90 Kilogramm. Ein bedeutender Fortschritt im Klavierbau war der Ersatz des Holzrahmens durch eine gusseiserne Platte, um zu verhindern, dass die Spannung der 230 Saiten das Instrument auseinanderreißt.
Hinter der Eisenplatte liegt eine Holzplatte, die den Klang der Saiten verstärkt. Dieser Resonanzboden wird meist aus Sitka-Fichte gefertigt, einem immergrünen Baum, der an der Nordwestküste Nordamerikas wächst. Sein Holz ist leicht, flexibel und stark genug, um diese Aufgabe zu erfüllen. Europäische Hersteller verwenden Bergfichte, zum Beispiel aus den Alpen oder dem Fichtelgebirge.
Heute ist es kaum noch vorstellbar, aber jahrtausendelang musste man, um Musik zu hören, sie selbst spielen oder von jemand anderem spielen lassen.
Piano-Liebe... Foto: SeventyFour/iStock

Klavierliebe.

Foto: SeventyFour/iStock

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „I Love a Piano!“ (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Erich Wolfgang Korngold: Wie ein Europäer Hollywoods musikalisches Genie wurde

Während der Goldenen Ära Hollywoods wiesen viele Filmkomponisten einen fundierten klassischen Musikhintergrund auf. Derart inspiriert, schufen sie viele filmische Meisterwerke. Zu dieser illustren Gruppe gehörten viele europäische Einwanderer, darunter Max Steiner, Dimitri Tiomkin und Miklós Rózsa.
Ein Komponist jedoch hinterließ neben seinen unvergesslichen Filmmusiken auch ein beeindruckendes Werk für den Konzertsaal und die Opernbühne. Am bekanntesten ist er für seine Filmmusik zu den Abenteuerfilmen von Warner Bros. in den 1930er- und 1940er-Jahren geworden, von denen der berühmteste mit Errol Flynn in der Hauptrolle gedreht wurde. Dieses österreichisch-amerikanische Genie war Erich Wolfgang Korngold (1897–1957).

Ein brillanter Filmkomponist

Während seiner 13-jährigen Hollywood-Karriere komponierte Korngold 16 Filmmusiken. Diese zählen zu den meistgefeierten Filmmusiken, die je geschrieben wurden, obwohl er mengenmäßig nur einen Bruchteil der Filmmusiken verfasste, die seine Kollegen komponierten.
Erich Wolfgang Korngold, etwa um 1927. Foto: gemeinfrei

Erich Wolfgang Korngold, etwa um 1927.

Foto: gemeinfrei

Korngold gab sein Debüt im Filmgeschäft mit der Komödie „Ein Sommernachtstraum“ (1935). Diese Verfilmung von Shakespeares Stück wurde von William Dieterles äußerst erfolgreicher Inszenierung im Hollywood Bowl im Jahr 1934 inspiriert.
Als der deutsche Regisseur das Stück verfilmen wollte, beauftragte er Korngold mit der Bearbeitung von Felix Mendelssohn Bartholdys bekannter Bühnenmusik. Korngold hatte zuvor weder eine Filmmusik komponiert noch die Vereinigten Staaten besucht. Er bestand darauf, lediglich als Arrangeur genannt zu werden, komponierte aber dennoch einige neue Musikpassagen dafür.
„Ein Sommernachtstraum“ wurde sehr gut aufgenommen, und die Filmmusik fand großen Anklang. Warner Bros. beauftragte Korngold auf Drängen des Produzenten Hal B. Wallis umgehend mit der Vertonung des Abenteuerfilms „Unter Piratenflagge“ (Original: „Captain Blood“) aus dem Jahr 1935, der Errol Flynn zum Star machte.
Um 1945: Porträt des in Australien geborenen Schauspielers Errol Flynn (1909–1959), der lächelnd hinter einem Stuhl steht und mit einem Schwert spielt, am Set eines seiner Abenteuerfilme, 1940er Jahre. Foto: Hulton Archive/Getty Images

Um 1945: Porträt des in Australien geborenen Schauspielers Errol Flynn (1909–1959), der lächelnd hinter einem Stuhl steht und mit einem Schwert spielt, am Set eines seiner Abenteuerfilme, 1940er-Jahre.

Foto: Hulton Archive/Getty Images

Obwohl er den Auftrag annahm, war der Komponist von der Aussicht, in weniger als drei Wochen über 1 Stunde Musik zu komponieren, überwältigt. Er ergänzte seine ursprüngliche symphonische Partitur mit Auszügen aus zwei Tondichtungen von Franz Liszt. Im Abspann wurde er lediglich als „Musikalische Arrangements von Erich Wolfgang Korngold“ genannt, obwohl er 90 Prozent der Musik komponiert hatte.
Gleichzeitig schrieb er zusammen mit Oscar Hammerstein II für Paramount an einer erfolglosen Operette mit dem Titel „Schenk uns die Nacht“ (Original: „Give Us This Night“, 1936). Korngold wurde in Hollywood schnell zu einer Berühmtheit, obwohl er dort noch nicht ansässig war.

Korngolds Blütezeit in Hollywood

Während er an seinen ersten Filmen arbeitete, pendelte Korngold zwischen Hollywood und Wien hin und her, wo er weiterhin mehrere erfolgreiche Operetten schrieb und inszenierte.
Der Aufstieg der Nationalsozialisten in Europa machte Österreich für den jüdischen Komponisten zunehmend unsicher. Im März 1938 dirigierte er gerade eine Oper in Wien, als die Nazis einmarschierten.
Er sagte, die Gelegenheit, nach Amerika zurückzukehren, um die Filmmusik für „Robin Hood – König der Vagabunden“ (Original: „The Adventures of Robin Hood“, 1938) zu schreiben, habe ihm das Leben gerettet. Dies war nach „Unter Piratenflagge“ (Original: „Captain Blood“, 1935), „Flammende Nächte“ (Original: „Another Dawn“, 1937) und „Der Prinz und der Bettelknabe“ (Original: „The Prince and the Pauper“, 1937) bereits der vierte Errol-Flynn-Film, für den er die Musik komponierte. Der Film erwies sich als großer Erfolg für ihn und ebenso für den aufstrebenden Actionstar.
Korngold gewann den Oscar für die beste Originalmusik, nachdem er bereits 1936 für „Ein rastloses Leben“ (Original: „Anthony Adverse“) ausgezeichnet worden war. Es war das erste Mal, dass ein Komponist den Preis persönlich entgegennahm und nicht der Musikdirektor des Studios.
Diese dramatische Filmmusik wurde als einer der Gründe für den Erfolg des Films genannt. Korngolds Musik zählt bis heute zu den meistgelobten Filmmusiken der Hollywood-Geschichte.
In den folgenden zwei Jahren wurde Korngold für zwei weitere Kostümdramen mit Errol Flynn für den Oscar nominiert: „Günstling einer Königin“ (Original: „The Private Lives of Elizabeth and Essex“, 1939) und „Der Herr der sieben Meere“ (Original: „The Sea Hawk“, 1940). Obwohl er bei keinem der beiden Filme den Oscar gewann, ist die Filmmusik zu „Der Herr der sieben Meere“ in zahlreichen Bearbeitungen zu einem seiner beliebtesten Werke geworden, das häufig in Konzerten aufgeführt wird.
Weitere bemerkenswerte Filme, für die er in den 1940er-Jahren bei Warner Bros. die Musik komponierte, sind „Der Seewolf“ (Original: „The Sea Wolf“, 1941), „Kings Row“ (1942), „Liebesleid“ (Original: „The Constant Nymph“, 1943) und „Trügerische Leidenschaft“ (Original: „Deception“, 1946).
Kapitän Geoffrey Thorpe, gespielt vom australisch-amerikanischen Schauspieler Errol Flynn (1909–1959), mit seinem Haustieraffen in „Der Seefalke“, Regie: Michael Curtiz, 1940. Foto: FPG/Archive Photos/Getty Images

Kapitän Geoffrey Thorpe, gespielt vom australisch-amerikanischen Schauspieler Errol Flynn (1909–1959), mit seinem Haustieraffen in „Der Herr der sieben Meere“, Regie: Michael Curtiz, 1940.

Foto: FPG/Archive Photos/Getty Images

Mitte der 1940er-Jahre wurde Korngold in Hollywood jedoch ruhelos. Er hatte das Gefühl, immer wieder an derselben Art von Filmen zu arbeiten, und sehnte sich danach, wieder ernsthafte Musik für die Konzertbühne zu schreiben.
Der Tod seines Vaters im Jahr 1945 traf ihn tief. Da sein Vertrag bei Warner Bros. im nächsten Jahr auslaufen würde, überlegte Korngold, ob es Zeit für einen Karrierewechsel sei. Er sagte: „Im kommenden Mai werde ich fünfzig. Ich habe das Gefühl, dass dies ein Wendepunkt ist. […] Fünfzig ist ein hohes Alter für ein Wunderkind. Ich muss mich jetzt entscheiden, wenn ich nicht mein Leben lang Hollywood-Komponist bleiben will.“

Filmmusik und Opernpartituren

Korngolds Vater war Musikkritiker in Wien, und der junge Erich spielte bereits im Alter von fünf Jahren Klavierduette mit ihm. Zwei Jahre später begann der Junge, seine ersten Kompositionen zu schreiben. Im Alter von elf Jahren schrieb er sein erstes großes Werk, ein Ballett mit dem Titel „Der Schneemann“. Es wurde vor dem österreichischen Kaiser aufgeführt und erntete großen Beifall. In seiner Jugend komponierte er viele erfolgreiche Werke für Klavier und Orchester.
Bevor er im Filmbereich tätig wurde, war Korngold in erster Linie Opernkomponist. Er schrieb fünf Opern und arbeitete zum Zeitpunkt seines Todes an einer sechsten. Seine dritte Oper, „Die tote Stadt“, wurde 1920 uraufgeführt, als er 23 Jahre alt war. Sie gilt bis heute als eine der bedeutendsten Opern des 20. Jahrhunderts.
Noten aus „Die tote Stadt“ mit einer Widmung von Erich Wolfgang Korngold. Foto: Dumi, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Noten aus „Die tote Stadt“ mit einer Widmung von Erich Wolfgang Korngold.

Neben einigen eigenen Operetten feierte er große Erfolge mit Bearbeitungen bestehender Operetten, etwa von Werken der berühmten Komponisten Johann Strauss II. und Jacques Offenbach.
Korngold betrachtete Filmmusik als „eine Oper ohne Gesang“. Er setzte Opernkonzepte wie das Leitmotiv – ein wiederkehrendes musikalisches Thema, das eine Figur oder ein Konzept repräsentiert – äußerst wirkungsvoll ein.
Scherzhaft sagte er, dass Giacomo Puccinis beliebte Oper „Tosca“ „die beste Filmmusik sei, die je geschrieben wurde“. Korngold ließ sich bei der Komposition seiner Partituren von der Leidenschaft Puccinis und dem Melodram Richard Wagners inspirieren.
Um einen Film zu vertonen, setzte er sich ans Klavier und sah sich den Film dabei an. Er war überzeugt, dass die Musik zur Szene passen und die Handlung auf der Leinwand untermalen musste. Das wusste er aus seiner Arbeit als Bühnenkomponist. Er sagte: „Musik ist Musik, egal ob für die Bühne, das Dirigentenpult oder das Kino.“

Zurück auf die Konzertbühne

Korngold wurde 1943 amerikanischer Staatsbürger und schwor sich, nur so lange für Filme zu komponieren, bis Hitler nicht mehr an der Macht war. 1947 schrieb er mit „Escape Me Never“ seine letzte Filmmusik – passenderweise für einen Errol-Flynn-Film.
Korngold kehrte 1949 nach Wien zurück, in der Hoffnung, dort seine Karriere wiederzubeleben. Er musste jedoch feststellen, dass die vom Krieg gezeichnete Stadt keinen Platz mehr für seine Musik bot. Er kehrte nach Amerika zurück, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte. In seinen Ruhestandsjahren war er nicht untätig. In seinem letzten Lebensjahrzehnt komponierte er Opern, Konzerte und Sinfonien.
Er kehrte kurzzeitig aus dem Ruhestand zurück, um als musikalischer Leiter an William Dieterles Wagner-Biopic „Frauen um Richard Wagner“ (Original: „Magic Fire“, 1956) mitzuwirken. In diesem Film trat er auch als Dirigent auf – einer seiner wenigen Auftritte vor der Kamera. Im selben Jahr erlitt er einen Schlaganfall und starb ein Jahr später im Alter von 60 Jahren an einem Herzinfarkt.
Korngold war ein brillanter Komponist, der den Konzertsaal ins Kino und das Kino in den Konzertsaal brachte. Oftmals integrierte er seine früheren klassischen Werke in seine Filmmusiken und griff dabei auf seine langjährige Erfahrung im Schreiben von Orchester- und Opernwerken zurück. Im Gegenzug bemühte er sich, all seine Filmmusiken so symphonisch zu gestalten, dass sie es wert waren, im Konzert aufgeführt zu werden. Seine Filmmusiken werden bis heute häufig im Radio gespielt und in Konzerten aufgeführt.
Sein berühmtestes Instrumentalwerk, das Violinkonzert in D-Dur, op. 35 (1945), greift Themen aus seinen früheren Filmmusiken auf. Es wurde schnell Teil des Standardrepertoires und ist bis heute ein großartiges Beispiel für das facettenreiche Genie dieses begabten Komponisten.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Erich Wolfgang Korngold: Hollywood’s Musical Genius“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Die Arbeitsethik der großen Meister

Erfolgreiche Menschen inspirieren auch andere dazu, über sich hinauszuwachsen. Hinter jedem Erfolg stehen Fleiß, harte Arbeit und diszipliniertes Engagement. Wenn wir uns mit den Besten eines Fachgebiets auseinandersetzen und ihre Arbeit studieren, werden unser eigener Erfolg und unsere Kreativität beflügelt. Sir Joshua Reynolds, Präsident der Royal Academy of Arts in London, sagte dazu treffend: „Je eingehender Sie sich mit den Werken herausragender Künstler vertraut machen, desto größer wird Ihre schöpferische Kraft sein.“
Über die Jahrhunderte hinweg haben die großen Meister eine Arbeitsethik entwickelt, von der alle profitieren können, die selbst nach Höherem streben.

Von den Meistern der Vergangenheit und Gegenwart lernen

Raffael, Michelangelo und Leonardo da Vinci gelten seit langem als die größten Künstler der Hochrenaissance.
Raffael (1483–1520) stand möglicherweise im Schatten seiner älteren und bereits etablierteren Kollegen; Leonardo war 31 Jahre älter als Raffael, und Michelangelo war acht Jahre älter als Raffael.
Raffael studierte zunächst in Florenz den künstlerischen Stil von Leonardo und Michelangelo und arbeitete hart daran, deren Techniken zu verfeinern. Im Allgemeinen ging Leonardo seine Kunst wie ein Wissenschaftler an; er beobachtete die Natur und versuchte, bei seiner Arbeit seine Subjektivität auszublenden. Im Gegensatz dazu ist Michelangelos Kunst ausdrucksstark und von menschlicher Erfahrung emotional geprägt.
Raffael ließ sich zudem von Leonardos Interesse an der menschlichen Psychologie und von Michelangelos Fähigkeit inspirieren, Gefühle durch seine Kunst zum Ausdruck zu bringen. Raffael integrierte die Ideen anderer Künstler so geschickt in seine Werke, dass er sie sich zu eigen machte. Dieses Talent machte ihn zu einem Rivalen anderer Künstler, insbesondere von Michelangelo. Bevor Michelangelo beispielsweise die Gelegenheit hatte, seine Komposition „Die Erschaffung Adams“ in der Sixtinischen Kapelle zu malen, übernahm Raffael Michelangelos Vorzeichnung und integrierte sie in sein Fresko „Der Parnass“ im Vatikan.
Raffaels Skizze von „Leda und der Schwan“ ist die einzige erhaltene direkte Kopie nach Leonardos Werk, die er selbst angefertigt hat – abgesehen von einer flüchtigeren Skizze auf einem Blatt mit weiteren Studien. Leda nimmt darin eine sogenannte Kontraposthaltung ein, bei der das Körpergewicht auf einem Bein ruht; diese Haltung geht auf die Kunst der Antike zurück. Für sein Gemälde „Die heilige Katharina von Alexandrien“ griff Raffael sowohl auf die antike Kunst als auch auf Leonardos „Leda“ zurück.

Werden Sie zum Experten auf Ihrem Gebiet

Der bedeutendste Tiermaler Großbritanniens, George Stubbs (1724–1806), widmete jedem seiner Motive – ob Pferd oder Mensch – größte Sorgfalt und Aufmerksamkeit und verlieh ihm seinen ganz eigenen Charakter.
Wie Leonardo da Vinci beschäftigte sich Stubbs intensiv mit der Anatomie anhand von Leichen. Zwischen etwa 1745 und 1751 untersuchte Stubbs erstmals Leichen, darunter auch die von schwangeren Frauen, im York County Hospital. Später beauftragte ein Arzt Stubbs, für eine Abhandlung über Geburtshilfe eine Serie von Föten im Mutterleib zu zeichnen und zu radieren.
Stubbs’ Pferdegemälde sind der Inbegriff seiner Naturstudien. 18 Monate lang untersuchte er in einer abgelegenen Scheune in Horkstow, Lincolnshire, die Kadaver von Pferden. Zunächst brachte er jeden Kadaver in eine Haltung, als wäre das Tier noch am Leben. Dann hob er ihn mithilfe eines Systems aus Flaschenzügen an und sezierte ihn Schritt für Schritt – von der Haut über Muskeln und Sehnen bis hinunter zu den Knochen – während er jede Phase zeichnerisch festhielt. Jeder Kadaver blieb ihm dabei elf Wochen lang als Studienobjekt erhalten.

Ein Pferd, von vorne betrachtet: zwei Écorché-Darstellungen, die die Muskeln und Blutgefäße zeigen, eine als Umrisszeichnung, die andere als Tonwertzeichnung, 1766, George Stubbs. Stich mit Radierung. Wellcome Collection.

Foto: gemeinfrei

Stubbs studierte die Anatomie des Pferdes, um es möglichst naturgetreu darstellen zu können und zugleich anderen Künstlern, Pferdezüchtern und Fachleuten eine Anleitung an die Hand zu geben. Aus diesen Arbeitszeichnungen und ausgearbeiteten Studien entstand 1766 seine umfassende Abhandlung „The Anatomy of the Horse“. Bis heute wird sie sowohl von Tierärzten als auch von Tierkünstlern hoch geschätzt.

Klarheit über die eigene Absicht

Alles in den Gemälden des französischen Künstlers Nicolas Poussin ist aus einem bestimmten Grund da; jedes einzelne seiner Bilder beruht auf einer bewussten Überlegung.
Für Poussin (1594–1665) waren seine Gemälde kein Ort für Leichtfertigkeit oder sinnliche Vergnügungen. Er war überzeugt, dass die Malerei sich den edelsten und ernsthaftesten Bestrebungen des Menschen widmen und dabei die der jeweiligen Situation angemessene Form finden müsse.
„Für ihn ist die formale Ordnung, ja selbst eine gewisse Pedanterie der Gestaltung, fast immer ein Mittel, Erfahrungen von tiefster geistiger, imaginativer und visueller Wirklichkeit mit größtmöglicher Klarheit und Ökonomie zum Ausdruck zu bringen. Seine Gemälde finden vielleicht ihr nächstes Gegenstück in der Musik Johann Sebastian Bachs“, schrieb der Kunsthistoriker Basil Taylor in „French Painting“.

„Die Verkündigung“, um 1655–1657, Nicolas Poussin. Öl auf Leinwand; 105,1 × 102,9 cm.

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„Kurz gesagt, ist Poussins Kunst […] eine Verbindung von Poesie und Vernunft, Gefühl und Verstand, ein Gleichgewicht zwischen zwei Seiten ein und derselben Persönlichkeit“, schreibt Mary Sprinson de Jesús aus der Abteilung für europäische Malerei am Metropolitan Museum of Art in New York auf der Website des Museums.
Poussins künstlerische Auffassung entwickelte sich nicht zufällig. Harte Arbeit und seine unstillbare Neugier auf die großen Künstler, die ihm vorausgingen – auf die Meister der italienischen Renaissance wie Raffael, Michelangelo und Tizian ebenso wie auf die Kunst der alten Griechen und Römer – sowie jahrelanges Nachdenken machten Poussin zu einem international bekannten und hoch verehrten Künstler – zu seiner Zeit und darüber hinaus.

Die Auswahl der besten Mitarbeiter

Der flämische Künstler Peter Paul Rubens (1577–1640) schuf rund 1.400 Werke, manche Experten sprechen sogar von bis zu 1.800. Dieses überaus produktive Schaffen wäre ohne seine Werkstatt nicht möglich gewesen.
Rubens leitete eine der größten und erfolgreichsten Werkstätten seiner Zeit. Von der Gründung seiner Werkstatt am 15. Oktober 1598 bis zu seinem Tod am 30. Mai 1640 schuf er durchschnittlich drei Gemälde pro Monat, von kleinen Skizzen bis hin zu monumentalen Werken.
Statt junge Lehrlinge auszubilden, setzte Rubens auf erfahrene Werkstattmitarbeiter. An Bewerbern mangelte es ihm nie. Am 11. Mai 1611 schrieb Rubens an einen Freund: „Ich kann dir wahrheitsgemäß und ohne jede Übertreibung sagen, dass ich mehr als hundert [Mitarbeiter] ablehnen musste, darunter sogar einige meiner eigenen Verwandten und die meiner Frau.“

„Die heilige Teresa von Ávila kniet vor Christus und bittet für die Seelen im Fegefeuer“, Werkstatt von Peter Paul Rubens. Öl auf Holz; 64,1 × 48,9 cm. Geschenk von J. Pierpont Morgan, 1917; Metropolitan Museum of Art, New York.

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Ähnlich wie in einer industriellen Fertigung gab es auch in den Werkstätten klar geregelte Abläufe, bei denen die Mitarbeiter häufig auf bestimmte Tätigkeiten spezialisiert waren – vom Mahlen der Pigmente und dem Aufspannen der Leinwände über die Herstellung von Leim, Firnis und Ölfarben bis hin zur Übertragung der Zeichnungen des Meisters auf die Leinwand und schließlich zum Malen.
Die Werkstattmitarbeiter stellten ihre Werkzeuge und Materialien selbst her, darunter Pinsel, Ölfarben, Firnisse und Leinwände.
Neben Rubens’ eigener Erfahrung beschrieben Abhandlungen aus der Renaissance ausführlich, welche Holzarten und Tierhaare, von Wildschweinborsten bis hin zu Eichhörnchenhaar, für die Herstellung verschiedener Pinsel am besten geeignet waren.
Auch wenn diese großen Meister schon vor langer Zeit gestorben sind, inspirieren ihre Kunst und ihre Arbeitsdisziplin noch bis heute andere dazu, Großes zu leisten.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „4 Work Ethics for Success From Master Artists“. (redaktionelle Bearbeitung: ee)
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Selbstkritik – von Wilhelm Busch

Selbstkritik

Die Selbstkritik hat viel für sich.
Gesetzt den Fall, ich tadle mich,
So hab‘ ich erstens den Gewinn,
Daß ich so hübsch bescheiden bin;
Zum zweiten denken sich die Leut,
Der Mann ist lauter Redlichkeit;
Auch schnapp‘ ich drittens diesen Bissen
Vorweg den andern Kritiküssen;
Und viertens hoff‘ ich außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
Daß ich ein ganz famoses Haus.
 
Wilhelm Busch (1832–1908)
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Die Schwalben – von Louise Otto

Die Schwalben

Einstmals die Schwalben kamen
Mit fröhlichem Gesang,
Jetzt ziehen fort sie wieder
Und schweigen alle bang.
Das ist ein gutes Zeichen:
Sie brachten Lieder her,
Die bleiben uns zurücke,
Drum singen sie nicht mehr.
Wir aber können singen
Nun auch bei Eis und Schnee –
Die Schwalben stille ziehen
Habt Dank! – Ade! Ade!
 
Louise Otto (1819–1895)
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Der Herbst – von Friedrich Hölderlin

Der Herbst

Das Glänzen der Natur ist höheres Erscheinen,
Wo sich der Tag mit vielen Freuden endet,
Es ist das Jahr, das sich mit Pracht vollendet,
Wo Früchte sich mit frohem Glanz vereinen.
Das Erdenrund ist so geschmückt, und selten lärmet
Der Schall durchs offne Feld, die Sonne wärmet
Den Tag des Herbstes mild, die Felder stehen
Als eine Aussicht weit, die Lüfte wehen
Die Zweig und Äste durch mit frohem Rauschen,
Wenn schon mit Leere sich die Felder dann vertauschen,
Der ganze Sinn des hellen Bildes lebet
Als wie ein Bild, das goldne Pracht umschwebet.
 
Friedrich Hölderlin (1770 – 1843)
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Klassische Weisheit: Wenn Wahrheit zur Geschichte wird

Ein Aphorismus oder Sprichwort kann uns sagen, dass Hochmut ins Verderben führt. Ein Mythos lässt uns dabei zusehen, wie ein hochmütiger Mensch sich selbst zugrunde richtet. Darin liegt der Unterschied zwischen Weisheit als Aussage und Weisheit in Form einer Geschichte.
Beide Formen sind uralt, und beide sind notwendig. Der Aphorismus verdichtet Wahrheit zu einprägsamen Worten. Die Erzählung hingegen leistet etwas anderes. Sie sagt uns nicht einfach, was wir denken sollen; sie lädt uns ein, eine Welt zu betreten. Sie lässt Weisheit durch Figuren, Entscheidungen, Folgen, Ironie, Wendungen, Leid und Erkenntnis lebendig werden. Ein Sprichwort fasst Weisheit in einem Satz. Eine Geschichte haucht der Weisheit Leben ein.
Mit dieser größeren Komplexität geht allerdings auch Mehrdeutigkeit einher: Geschichten lassen sich auf ganz unterschiedliche Weise lesen und deuten. Das ist bei Sprichwörtern in der Regel nicht möglich. Etwas fachsprachlicher ausgedrückt sind Geschichten polysemisch: Sie enthalten mehrere Bedeutungsebenen, die sich verschiedenen Lesern unterschiedlich erschließen können – oder sogar derselben Person in unterschiedlichen Lebensphasen immer wieder neu.
Deshalb bestehen die großen Weisheitstraditionen der Welt nicht nur aus Aphorismen. Sie schenken uns Erzählungen: Ödipus, Midas, Ikarus, Hiob, Jona, der verlorene Sohn, der barmherzige Samariter, Arjuna auf dem Schlachtfeld. Diese Geschichten dienen nicht bloß der Unterhaltung. Sie sind moralische und spirituelle Werkzeuge. Sie ergreifen unsere Vorstellungskraft, noch bevor unser Verstand damit begonnen hat, sich dem zu widersetzen.

Arjuna und Duryodhana

Der Bhagavad Gita, dem heiligen Text des Hinduismus, geht eine Geschichte aus einem indischen Epos voraus. Sie erzählt von dem bevorstehenden großen Krieg zwischen den Pandavas und den Kauravas. Sowohl Arjuna als auch Duryodhana, die jeweils auf unterschiedlichen Seiten stehen, suchen die Unterstützung des hinduistischen Gottes Krishna. Duryodhana kommt zuerst und wartet neben Krishnas Kopf, während dieser schläft. Arjuna kommt später und nimmt ehrerbietig an Krishnas Füßen Platz. Als Krishna erwacht, sieht er zuerst Arjuna, räumt jedoch ein, dass Duryodhana vor ihm eingetroffen ist.
Krishna stellt ihnen eine Wahl frei. Die eine Seite kann seine gewaltige Armee erhalten. Die andere kann Krishna selbst an ihrer Seite haben – unbewaffnet und ohne in den Kampf einzugreifen, aber als Wagenlenker. Duryodhana entscheidet sich für die Armee. Arjuna wählt Krishna.

Arjuna und sein Wagenlenker Krishna treffen auf Karna (Miniaturmalerei, Nordindien um 1820).

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Krishna und Arjuna auf dem Wagen, „Mahabharata“, 18.–19. Jahrhundert, Indien. Smithsonian Freer Sackler Gallery. Gemeinfrei
Das ist eines der großen Bilder der klassischen Weisheit. Duryodhana entscheidet sich für die Macht; Arjuna für die Führung. Duryodhana entscheidet sich für den messbaren Vorteil; Arjuna für die göttliche Gegenwart. Duryodhana will, was Krishna besitzt; Arjuna will Krishna selbst. Größer könnte der Unterschied kaum sein.
Auf den ersten Blick mag Arjunas Entscheidung unpraktisch erscheinen. Welcher Heerführer würde sich statt einer Armee für einen unbewaffneten Wagenlenker entscheiden? Doch genau darin liegt der Punkt: Klassische Weisheit erscheint dem berechnenden Verstand oft als Torheit. Der heilige Paulus bringt denselben paradoxen Gedanken in der christlichen Tradition zum Ausdruck: „ […] was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache“ (1 Korinther 1,27), denn „die göttliche Torheit ist weiser, als die Menschen sind“ (1 Korinther 1,25). Das Sichtbare ist nicht immer das Entscheidende. Die Zahl der Truppen, Waffen, Ressourcen, Anhänger und strategischen Vorteile mag von Bedeutung sein. Doch sie sind nicht das, worauf es letztendlich ankommt. Die tiefer liegende Frage lautet: Wer lenkt den Wagen?

Weitere weise Geschichten

Diese Frage beschränkt sich nicht auf das alte Indien. Wer lenkt den Wagen eines menschlichen Lebens? Der Appetit? Der Ehrgeiz? Die Angst? Der Groll? Eine Ideologie? Die Masse? Oder Weisheit, Gewissen, Seele oder Gott? Arjunas Entscheidung wird damit zu einer universellen Frage: Wenn Macht und Weisheit getrennt voneinander angeboten werden – wofür entscheiden wir uns? Denken wir an Salomo, der, als Gott ihm gewährte, sich alles zu wünschen, was er begehrte, weder ein langes Leben noch Reichtum oder den Tod seiner Feinde wählte, sondern um „ein gehorsames Herz“ bat (1 Könige 3,9), um „zu verstehen, was gut und böse ist“.
Auch die griechische Mythologie vermittelt diese Art von Weisheit, und zwar durch verschiedene Bilder. Erinnern wir uns an König Midas: Er wünscht sich, dass alles, was er berührt, zu Gold wird. Sein Wunsch geht in Erfüllung. Doch das Geschenk wird zum Fluch: Essen, Getränke und selbst menschliche Zuwendung werden durch die Berührung seiner Gier leblos. Die Geschichte muss nicht direkt ausdrücken: „Gier ist schlecht.“ Sie tut etwas viel Wirkungsvolleres: Sie zeigt uns einen Menschen, der genau das bekommt, was er sich wünscht – und entdecken muss, dass sein Wunsch tödlich ist.
Midas ist ein geradezu ideales Gleichnis für ein kommerziell und technologisch geprägtes Zeitalter. Wir wissen, wie man Dinge monetarisiert, optimiert, misst und anhäuft. Doch der Mythos wirft die Frage auf: Was geschieht, wenn die „goldene Hand“ die lebendige Welt zerstört? Was, wenn unsere Fähigkeit, allem einen Preis zuzuweisen, letztendlich dazu führt, dass wir den Dingen ihren wahren Wert nehmen? Was, wenn sich das, was wir am meisten begehren, als das herausstellt, was uns aushungert? Wie Oscar Wilde in „Lady Windermeres Fächer“ aphoristisch feststellte, ist ein Zyniker „ein Mensch, der von allem den Preis und von nichts den Wert kennt“.
Oder denken wir an den griechischen Mythos von Ikarus. Gemeinsam mit seinem Vater Dädalus entkommt er seiner Gefangenschaft mithilfe von Flügeln aus Federn und Wachs. Dädalus warnt seinen Sohn davor, zu nahe an die Sonne zu kommen. Doch Ikarus – berauscht vom Gefühl des Fliegens – steigt höher und höher. Das Wachs schmilzt, und er stürzt in die Tiefe. Die übliche Moral lautet: „Flieg nicht zu hoch.“ Doch die Geschichte ist subtiler. Sie richtet sich nicht gegen das Fliegen. Das Fliegen ist schließlich das Mittel, das die Befreiung ermöglicht. Die Gefahr liegt vielmehr in Freiheit ohne Selbstdisziplin, Erfindungsgeist ohne Demut, Möglichkeiten ohne jegliches Maß.

„Der Sturz des Ikarus“ von Adriaan Collaert (1560–1618), Druckgrafik, Rijksmuseum Amsterdam.

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Auch dies ist heute eine dringende Botschaft: Unsere Zivilisation fliegt der Sonne immer näher entgegen. Wir erweitern unsere Fähigkeiten durch Technologie, Wissenschaft, künstliche Intelligenz, Finanzen, Medizin und Kommunikation. Vieles davon ist wunderbar. Doch Ikarus fragt, ob wir die Weisheit besitzen, genau jene Kräfte zu beherrschen, die wir selbst erschaffen. Dädalus verfügt über technisches Können; Ikarus mangelt es an moralischem Maß – und genau dieser Unterschied könnte eines der entscheidenden Probleme der Moderne sein.
Dann gibt es noch Ödipus, die wohl furchterregendste aller griechischen Weisheitsgeschichten. Ödipus ist sehr klug, vielleicht sogar der klügste Mensch auf Erden, denn nur er kann das Rätsel der Sphinx lösen. Er löst das Rätsel und rettet Theben. Dennoch kann er das Rätsel seiner selbst nicht lösen. Er sucht nach der Ursache für das Unheil, das die Stadt heimsucht, und entdeckt, dass er selbst dessen Ursprung ist. Er hat genau jene Prophezeiung erfüllt, die er so sehr zu vermeiden versucht hatte.
Ödipus lehrt uns, dass Intelligenz nicht dasselbe ist wie Selbsterkenntnis. Ein Mensch kann brillant und dennoch blind sein. Er mag gesellschaftliche Probleme lösen, während er sich seiner eigenen Lage nicht bewusst ist. Deshalb ist der Spruch des Orakels von Delphi „Erkenne dich selbst“ nicht nur ein dekoratives Motto, sondern eher ein diamantenscharfer Aphorismus, eine wahrhaftige Warnung. Der Mensch ist gefährlich, wenn seine Klugheit seine Selbsterkenntnis übertrifft.
Auch die biblische Tradition schenkt uns Erzählungen von ebenso großer Kraft. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn wird oft als einfache Geschichte von Sünde und Umkehr gelesen. Doch sie geht tiefer als das.
Der jüngere Sohn geht durch Maßlosigkeit, Verschwendung und Auflehnung verloren. Der ältere durch Verbitterung, Selbstgerechtigkeit und seine Unfähigkeit, sich mitzufreuen. Die Barmherzigkeit des Vaters legt beides offen. Die Erzählung lässt nicht zu, dass wir die Welt so sauber in Sünder und anständige Menschen aufteilen. Beide Söhne müssen wieder zu sich selbst und zueinander finden.

„Die Rückkehr des verlorenen Sohnes“, 1773, von Pompeo Batoni. Öl auf Leinwand, 138 × 100 cm. Kunsthistorisches Museum, Wien.

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Auch der barmherzige Samariter ist von gleicher Brillanz. Jesus wird gefragt: „Wer ist denn mein Nächster?“ Statt eine Definition zu liefern, erzählt er eine Geschichte.
Ein verletzter Mann wird von denjenigen ignoriert, von denen man eigentlich erwarten würde, dass sie ihm helfen, und schließlich von einem Samariter gerettet, einem Angehörigen einer gesellschaftlich verachteten Gruppe. Das Gleichnis kehrt die ursprüngliche Frage um. Es geht nicht darum: „Welche Menschen gehören zu meinen Nächsten?“, sondern: „Bin ich bereit für den Menschen, der meine Hilfe braucht, selbst zum Nächsten zu werden?“ Die Geschichte beantwortet die Frage nicht einfach. Sie verwandelt sie.
Das Buch Hiob ist möglicherweise die größte Weisheitserzählung überhaupt, weil es sich einer Vereinfachung entzieht. Die Sprüche lehren oft, dass Gerechtigkeit zum Segen und Bosheit zum Untergang führt. Hiob fragt, was geschieht, wenn Gerechte leiden und eine Erklärung nicht ausreicht. Die Freunde Hiobs geben konventionelle Antworten. Sie verteidigen ein geordnetes moralisches Universum. Doch Hiobs Leiden erschließt ein tieferes Geheimnis. Weisheit besteht hier nicht in einer einfachen Formel, sondern in der Ehrfurcht vor einer Wirklichkeit, die größer ist als unsere Erklärungen.

„Hiob und seine Freunde“, eine der Illustrationen von Gustave Doré für „La Grande Bible de Tours“ („Die Große Bibel von Tours“).

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Deshalb ist narrative Weisheit mit ziemlicher Sicherheit noch tiefgründiger als aphoristische Weisheit. Das Sprichwort belehrt. Geschichten lassen uns erfahren. Das Sprichwort sagt: „Hochmut zerstört.“ Die Geschichte dahinter schenkt uns jedoch Ödipus. Das Sprichwort sagt: „Gier korrumpiert.“ Die Geschichte dahinter schenkt uns Midas. Das Sprichwort sagt: „Wähle Weisheit statt Macht.“ Die Erzählung dahinter schenkt uns Arjuna, der sich für Krishna und gegen die Armee entscheidet.

Worte, die weiterleben

Geschichten bewahren Weisheit auch vor voreiliger Gewissheit. Eine Maxime oder ein Aphorismus kann zu schnell aufgegriffen, zu einem Ratschlag verflacht oder als Slogan verwendet werden – etwas, das uns heute vielleicht eher in Form des „Memes“ vertraut ist. Eine wahre Geschichte widersetzt sich dem. Wir können Ödipus, Hiob, Arjuna oder den verlorenen Sohn niemals vollständig ausschöpfen. Sie verändern sich, so wie wir uns verändern. Wir kehren in unterschiedlichen Lebensphasen zu ihnen zurück und entdecken neue Bedeutungen, weil wir selbst zu neuen Lesern geworden sind.
Die moderne Welt hat die Geschichten nicht verloren, aber sie hat oft die Gewohnheit verloren, sie mit Bedacht zu lesen. Wir konsumieren Erzählungen als Unterhaltung, als Ideologie, als Flucht aus der Wirklichkeit oder schlicht als „Content“. Die Menschen der Antike taten etwas Anspruchsvolleres. Sie ließen sich anhand von Geschichten beurteilen. Sie fragten sich: Wo bin ich in dieser Geschichte? Bin ich Midas, der inmitten seines Goldes verhungert? Bin ich Ikarus, der Möglichkeiten mit Erlaubnis verwechselt? Bin ich Ödipus, der jedes Problem löst – außer dem Problem seiner selbst? Bin ich der ältere Bruder, nach außen gehorsam, aber innerlich ohne Liebe? Bin ich Duryodhana, der sich für die Armee entscheidet? Oder bin ich Arjuna, der den Wagenlenker wählt?
Die klassische Weisheit hat Bestand, weil sich das menschliche Dasein nicht verändert hat. Unsere Mittel sind neu, unsere Versuchungen sind uralt. Wir tauschen nach wie vor die Seele gegen Erfolg ein, verwechseln Macht mit Wahrheit und Klugheit mit Weisheit; wir versuchen die Welt zu beherrschen, während wir uns selbst fremd bleiben. Die großen Geschichten bleiben bestehen, weil sie uns kennen. Und wenn wir sie richtig lesen, tun sie mehr, als nur den Verstand zu informieren: Sie wecken die Seele. Anders ausgedrückt: Sie bringen uns zurück ins Leben – ins wahre Leben.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Classical Wisdom, Part 2: When Truth Becomes a Story“. (redaktionelle Bearbeitung: ee)
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Kunst als bevorzugtes Ziel des organisierten Verbrechens?


In Kürze:

  • Mit Kunst wurden im Jahr 2025 Umsätze von fast 50 Milliarden Euro erzielt.
  • Hohe Einzelwerte, subjektive Bewertungen und hoher Anonymität machen sie zum Ziel und Werkzeug für das organisierte Verbrechen.
  • Geldwäsche läuft dabei in drei Stufen: Investition, Verschleierung und Integration
  • Internationale Regeln können das Problem nicht vollständig Lösen. Museen können dazu beitragen, die Gesellschaft zu sensibilisieren.

 
Im Jahr 2024 erreichte der weltweite Kunstmarkt laut dem „Art Basel and UBS Art Market Report 2025“ einen geschätzten Umsatz von umgerechnet 49,5 Milliarden Euro, was die Bedeutung der Kunst als Anlageklasse unterstreicht.
Kunst wird traditionell mit edlen Motiven und kulturellem Erbe in Verbindung gebracht. Der Kunstmarkt mit seinen hohen Transaktionswerten, teils manipulierten Bewertungen sowie seiner relativen Undurchsichtigkeit kann jedoch als Instrument für kriminelle Investitionen und Geldwäsche missbraucht werden.
Wir haben deshalb die Triebkräfte der Geldwäsche, die neu entstandenen Schwachstellen des Kunstmarktes – insbesondere durch dessen Digitalisierung – und mögliche Lösungen analysiert.

Mangelnde Transparenz

Experten schätzen, dass jährlich zwischen zwei und fünf Prozent des weltweiten BIP gewaschen werden. Zwar ist Geldwäsche mittels Gemälde und Co. nur eine von vielen Methoden, doch ist die Kunstbranche aufgrund mangelnder Transparenz, subjektive Bewertungsmechanismen und reichlich Spekulationen anfällig.
Diese Eigenheiten machen den Kunstmarkt zu einem der am wenigsten regulierten Märkte, was Maßnahmen zur Eindämmung der Geldwäsche anbelangt. Tatsächlich gilt der Handel mit Kunst aller Art nach Drogen und Waffen als die lukrativste Finanzierungsquelle für illegale Aktivitäten.
Im Jahr 2007 gab es ein eindrucksvolles Beispiel im Zusammenhang mit einem Gemälde des US-amerikanischen Künstlers Jean-Michel Basquiat (1960–1988). Das Kunstwerk „Hannibal“ passierte den Zoll mit einer Rechnung, auf der sein Wert mit nur 82 Euro angegeben war. Der tatsächliche Wert lag jedoch bei 6,8 Millionen Euro.
Hinter der Transaktion stand ein Geldwäschekomplott, das von einem ehemaligen brasilianischen Banker inszeniert wurde. Dieser Fall zeigt, wie der Kunstmarkt aufgrund seiner Natur in den Mittelpunkt illegaler Aktivitäten geraten kann.

Die Künstler Andy Warhol (l.), Jean-Michel Basquiat (2.v.l.) und Fransesco Clemente (r.) mit Kunstsammler Bruno Bischofberger (2.v.r.).

Eine gut geölte Maschine

Als Geldwäsche gilt der Vorgang, bei dem die Herkunft illegal erworbener Gelder verschleiert wird, um sie als legitim erscheinen zu lassen. Das Ziel ist einfach: „Schmutziges Geld“, das nicht offen verwendet werden kann, soll in „sauberes Geld“ umgewandelt werden, das sich nahtlos in die legale Wirtschaft einfügt. In der Kunstwelt nutzen kriminelle Organisationen bewährte Taktiken, ähnlich denen, die von mexikanischen Drogenkartellen angewendet werden.
Kunst spielt in kriminellen Machenschaften zwei zentrale Rollen. Erstens dient sie als direkte Quelle illegaler Einnahmen durch die Herstellung gefälschter Werke oder den Verkauf gestohlener Kunstwerke. Zweitens fungiert sie als Instrument zur Geldwäsche: Echte Kunstwerke werden gekauft und weiterverkauft, um illegale Gelder zu „waschen“.
Der Geldwäscheprozess vollzieht sich in drei Phasen: Investition, Verschleierung und Integration. Bei der Investition wird schmutziges Bargeld in Geldmittel umgewandelt, die auf Bankkonten eingezahlt werden. Kriminelle könnten so etwa Kunstwerke mit Bargeld erwerben und diese anschließend weiterverkaufen, wobei sie vom neuen Käufer die Zahlung per Banküberweisung verlangen. Dies beruht oft auf der Bestechung von Insidern in Galerien, Auktionshäusern oder Freihäfen.

In Auktionshäusern erworbene Kunstwerke werden teils von Kriminellen benutzt, um Geldwäsche zu betreiben.

Foto: shironosov/iStock

Bei der Verschleierung geht es darum, das investierte Geld über mehrere Konten zu schleusen, um seine Spur zu verwischen. Der Kunstmarkt ist in dieser Phase der Geldwäsche von besonderem Interesse, da Spekulationen auf bestimmte Arten von Kunstwerken und Auktionen den Preis von Kunstwerken irrational in die Höhe treiben können. Dies ermöglicht es Kriminellen, große Geldsummen in einer begrenzten Anzahl von Transaktionen zu investieren, ohne Aufmerksamkeit zu erregen.
Schließlich bedeutet Integration, das gewaschene Geld – oft über Briefkastenfirmen – in legale Vermögenswerte zu reinvestieren, um den Kreislauf zu schließen.

Zahlreiche Schwachstellen

Der Kunstmarkt ist in vielerlei Hinsicht anfällig für kriminelle Aktivitäten. Diese Schwachstellen sind besonders ausgeprägt in Bereichen, in denen Undurchsichtigkeit und Anonymität an der Tagesordnung sind, wie unter anderem bei privaten Verkäufen in Auktionshäusern, digitalen Transaktionen mit Kryptowährungen und der Nutzung von Freihäfen für Lagerung und Transfer.
Das erste Glied in der Kette illegaler Aktivitäten ist häufig die Herstellung gefälschter Kunstwerke oder der Verkauf gestohlener Objekte. Dadurch werden Gelder generiert, die sich ideal zur Geldwäsche eignen. Ein eindrucksvolles Beispiel ist eine groß angelegte europäische Operation aus dem Jahr 2024, die sich über Spanien, Frankreich, Italien und Belgien erstreckte. Die Behörden beschlagnahmten über 2.000 gefälschte zeitgenössische Kunstwerke, deren Originale in Summe auf 200 Millionen Euro geschätzt werden.
Gefälschte Kunst Bayerischen Landeskriminalamts in München

Drei der 20 von der deutschen Polizei beschlagnahmten Gemäldefälschungen sind am 24. Oktober 2025 in den Räumlichkeiten des Bayerischen Landeskriminalamts in München ausgestellt.

Foto: Matthias Balk/AFP via Getty Images

Eine weitere kritische Schwachstelle entsteht, wenn Kunstwerke über Verkaufsplattformen wie Galerien oder Messen den Besitzer wechseln. Dieses Risiko ist besonders ausgeprägt bei Privatverkäufen, bei denen die Provenienz und die Identität des Verkäufers selten öffentlich gemacht werden. Die mangelnde Transparenz bietet Kriminellen ideale Möglichkeiten, Geld zu waschen, indem sie die Herkunft und die Besitzgeschichte des Kunstwerks verschleiern.
Schließlich werden ganz am Ende der Wertschöpfungskette häufig Briefkastenfirmen zum Kauf von Kunstwerken genutzt, wodurch der wahre Begünstigte verschleiert und es den Behörden erschwert wird, die Herkunft der Gelder zurückzuverfolgen.

Neue, wirksamere Instrumente?

Das regulatorische Umfeld für den Kunstmarkt hat sich in jüngster Zeit in Richtung strengerer Standards entwickelt. Die Europäische Union passte im Mai 2024 ihre Geldwäscherichtlinie an und weitete diese auf die Anforderungen zur Bekämpfung der Geldwäsche aus.
Gemäß der neuen Richtlinie sind Verkäufer von Kunst nun verpflichtet, die Identität ihrer Kunden zu überprüfen. Außerdem müssen sie alle Transaktionen überwachen, die den Betrag von 10.000 Euro übersteigen.
Auf Ebene der Mitgliedstaaten haben nationale Maßnahmen die Sanktionen zur Bekämpfung der Geldwäsche auf dem Kunstmarkt verschärft. In den USA zielt unter anderem der vorgeschlagene „Art Market Integrity Act“ darauf ab, der Kunstbranche spezifische Verpflichtungen in Bezug auf Geldwäschebekämpfung, Identitätsprüfung von Kunden, detaillierte Aufzeichnungspflichten, Überwachung von Transaktionen über 10.000 US-Dollar und die Meldung verdächtiger Aktivitäten an das US-Finanzministerium aufzuerlegen.
Handel mit Kunst wie hier bei einer Auktion in Frankreich

Besucher einer Auktion am 27. März 2018 in Nantes, Frankreich. Zum Verkauf stand ein Gemälde des Franzosen Charles Meynier (1763–1832) (siehe Hintergrund), dass für mehr als 2,2 Millionen Euro den Besitzer wechselte.

Foto: Loic Venance/AFP via Getty Images

Sensibilisierung der Öffentlichkeit

Auch Museen spielen eine entscheidende Rolle, insbesondere bei der Sensibilisierung der Öffentlichkeit. So wurden beispielsweise im Jahr 2024 in einer Ausstellung in Mailand über 80 Kunstwerke gezeigt, die mit der organisierten Kriminalität in Verbindung stehen, darunter Werke von Salvador Dalí und Andy Warhol, um das Thema des internationalen Kunsthandels zu beleuchten.
Aufgrund seiner Komplexität und Undurchsichtigkeit ist der Kunstmarkt ein fruchtbarer Boden für Geldwäscheaktivitäten. Zwar stellen die jüngsten regulatorischen Fortschritte einen bedeutenden Schritt nach vorn dar, doch reichen sie nach wie vor nicht aus, um die Schwachstellen in der Wertschöpfungskette des Kunstmarktes zu überwinden: mangelnde Transparenz, Korruption und regulatorische Lücken in Freihäfen, um nur einige zu nennen.
Wir hoffen, dass die Bedeutung der Kunst – an sich, in den Augen der Bürger und im Hinblick auf ihre „Soft Power“ – die Behörden dazu ermutigen wird, ihre Handlungsmöglichkeiten zu stärken und gleichzeitig eine echte Kultur der Transparenz und Rechenschaftspflicht zu etablieren.
Dieser Artikel erschien im Original auf theconversation.com unter dem Titel „Les œuvres d’art, cibles de choix pour le crime organisé ?“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)The Conversation
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Mensch gegen Maschine: Was sind 200 Stunden Zeichenkunst im Zeitalter der KI wert?

„Ist es reine Kunstfertigkeit oder einfach nur Wahnsinn?“ Mit dieser Frage wird Luke Lewis hin und wieder konfrontiert, wenn die Leute wissen wollen, wie viele Stunden er und seine Schüler in ihre Kunst investieren. Es sind Hunderte!
Doch für Lewis ist dies ein lohnenswerter Aufwand, den er in die Erschaffung seiner Werke steckt. Denn seine realistische Kunst zielt darauf ab, ein Motiv äußerst authentisch und detailgetreu wiederzugeben – insbesondere in einer Zeit, in der schnelle KI-Tools, soziale Medien und das Streben nach sofortiger Erfüllung eigener Bedürfnisse oft im Fokus der Gesellschaft stehen.
„Es spielt keine Rolle, ob man mithilfe von KI in einer Sekunde ein Kunstwerk erschaffen kann. Es spielt wirklich keine Rolle – denn die Menschen wissen es zu schätzen, wenn man 100 oder 200 Stunden seiner Zeit in etwas investiert und sieht, dass man es mit den eigenen Händen geschaffen hat“, so der Künstler gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.

Pandemie sorgt für kreativen Schub

Alles begann in der Corona‑Pandemie. Damals suchte Lewis einen Zeitvertreib. Was als Hobby anfing, hat sich inzwischen zu einer regelrechten Hommage an die Kunst entwickelt. Und mittlerweile gibt der gelernte Krankenpfleger sein Wissen auch an andere weiter.
Lewis hatte schon immer eine Vorliebe für Kunst, doch erst während der Pandemie bot sich dem 25-Jährigen die Gelegenheit, seine Fertigkeiten wirklich zu verfeinern.
„Ich hatte viel mehr Zeit zur Verfügung und wollte mich kreativ betätigen – und so begann ich zu zeichnen“, erinnert sich Lewis.
„Das bot mir in jener Zeit nicht nur eine Möglichkeit, mich abzulenken, sondern auch, um einen Zugang zu mir selbst zu finden.“

Luke Lewis im Interview mit The Epoch Times.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Alex Ang

Durch das Anschauen von YouTube-Tutorials habe er viel gelernt, sagt der Künstler. Mit seinem Atelier Luke’s Fine Arts verdient er inzwischen dreimal so viel wie damals als Krankenpfleger, wobei er erwähnt, dass er beide Berufe gleichermaßen mag.

Inspiriert von Ost und West

Erste Inspirationen fand der aus Perth stammende junge Mann bei einem Besuch der Sixtinischen Kapelle in Italien. Damals sei er „von der Kreativität so vieler Künstler geradezu durchdrungen“ worden. Ein anderes Mal besuchte er einen Tempel in Singapur und betrachtete dort Wachsfiguren.
„Die Präzision und Geduld, die nötig gewesen sein müssen, um all das zu erschaffen … das hat mich einfach tief beeindruckt. Und in jenem bestimmten Tempel, ganz oben im obersten Stockwerk, befand sich eine Skulptur aus Gold“, erinnert er sich. Die vielen Details hätten ihn förmlich „umgehauen“.
„Wenn das möglich ist, was können wir dann jetzt tun?“, fragte er sich. Sein Entschluss:
„Dann werde ich zu einem kleinen Teil dieses riesigen Puzzles und kann zugleich anderen Menschen dabei helfen, ebenfalls kreativ zu wirken.“

Was macht den Realismus so einzigartig?

Im Vergleich zu anderen Kunstrichtungen, bei denen der emotionale Ausdruck im Vordergrund steht, erfordert die realistische Kunst laut Lewis nicht nur Planung und Geduld, sondern auch einen Prozess des Ausprobierens.
„Man muss eine ganze Reihe technischer Fertigkeiten erlernen, um das zu erschaffen, was man sich vorgenommen hat“, sagt er. „Das bedeutet nicht, dass es sich um die beste oder herausragendste Technik oder Ähnliches handelt.“ Es sei einfach eine Tatsache, dass man die notwendigen Fähigkeiten beherrschen müsse.

Ein Gemälde von Luke Lewis.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Luke Lewis

„Hingegen suchen Menschen, die sich eher für abstrakte Kunst und Surrealismus und all diese Dinge interessieren, weniger nach diesen Fähigkeiten, sondern vielmehr nach einer Möglichkeit, sich auf andere Weise kreativ auszudrücken.“
Eine Herausforderung des Realismus bestehe darin, die „hässliche Phase“ zu überwinden, wenn Künstler bei ihrer Arbeit auf Hindernisse stoßen, erklärt er. „Wir versuchen, dich so weit zu bringen, vielleicht 10 Stunden oder 20 Stunden an einem Werk zu arbeiten“, fügt Lewis hinzu.
„An diesem Werk, das ich hier ausgestellt habe, arbeite ich nun schon seit sieben Monaten – etwa ein bis zwei Stunden täglich, mit einigen Unterbrechungen“, sagt der Künstler und deutet auf die Zeichnung eines Augenpaares.

In diesem Werk steckt monatelange Arbeit.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Alex Ang

„Mittlerweile habe ich weit über Hunderte Stunden daran gearbeitet. Doch es hat viele, viele Jahre gedauert, diese Ausdauer zu entwickeln, um so etwas erschaffen zu wollen.“
In den sozialen Medien wird er gelegentlich gefragt: Ist das noch Können – oder schon Wahnsinn? Der Künstler jedoch hält an seiner Überzeugung fest, dass sich der „unermüdliche Einsatz“ lohne und es stets Möglichkeiten gebe, sich neu zu orientieren und neue Fähigkeiten zu erlangen, damit das Ergebnis realistisch aussehe.

Elefanten.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Luke Lewis

Nach einem Prozess des Ausprobierens schuf Lewis ein beeindruckendes Porträt seiner Frau.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Alex Ang

Tradition im Aufwärtstrend

Mit seiner Botschaft steht Lewis nicht allein da. Auch anderen Künstlern ist es ein Bedürfnis, sich in Zeiten von KI und postmodernen Formen stark zu machen.
Der Epoch-Times-Reihe „Wie der Teufel die Welt beherrscht“ zufolge sympathisierten viele Verfechter modernistischer oder avantgardistischer Bewegungen mit marxistischen oder kommunistischen Theorien, die den Sturz traditioneller Formen und Überzeugungen vorantrieben. Pablo Picasso wird darin als Beispiel genannt.
Im Kapitel 11 „Die Vernichtung der Künste“ heißt es dazu: „Der Ausdruck ‚Avantgarde‘ wurde zuerst von sozialistischen Anhängern verwendet, um Kunstrichtungen zu beschreiben, die ihren eigenen politischen Bestrebungen entsprachen. Im späten 19. Jahrhundert brachten diese Einflüsse den Impressionismus hervor. Seit dieser Zeit haben die Künstler die Anforderungen zurückgewiesen, die an die traditionelle Ölmalerei gestellt wurden, einschließlich jener der Präzision, Proportionen, Struktur, Perspektive und Übergänge zwischen Licht und Schatten. Dann kamen Neoimpressionismus (Pointillismus) und Postimpressionismus auf, die die Erforschung der persönlichen Empfindungen und Gefühle des Künstlers in den Mittelpunkt stellten.“
Spätere Strömungen setzten diesen Trend fort, darunter der Expressionismus, der Fauvismus, der Dadaismus sowie der Kubismus. Letzterer wurde von Picasso mitbegründet, der im Jahr 1944 der Kommunistischen Partei Frankreichs beigetreten war. Unterdessen wurden traditionelle Maler und Bildhauer verdrängt: Der britische Maler John William Godward nahm sich das Leben und erklärte: „Die Welt ist nicht groß genug für mich und einen Picasso.“
Gemessen an der Beliebtheit des jungen Künstlers Luke Lewis gibt es jedoch offenbar wieder einen Aufschwung zurück zur Tradition.
„Als die Kamera erstmals herauskam, erlitt die Porträtmalerei einen herben Rückschlag. Aber nichts hat sie aufhalten können, sie wird immer weiterbestehen. Die Menschen werden deine Fertigkeit, mit Geduld etwas von Hand zu schaffen, immer zu schätzen wissen“, so der Künstler.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Is 200 Hours of Human Effort Worth in the Age of AI?“. (redaktionelle Bearbeitung: sua)
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Gebet an das Leben – von Lou Andreas-Salomé

Gebet an das Leben

Gewiß, so liebt ein Freund den Freund
wie ich dich liebe, rätselvolles Leben!
Ob ich in dir gejauchzt, geweint,
ob du mir Leid, ob du mir Lust gegeben,
ich liebe dich mit deinem Glück und Harme,
und wenn du mich vernichten mußt,
entreiße ich schmerzvoll mich deinem Arme,
gleich wie der Freund der Freundesbrust.
 
Lou Andreas-Salomé (1861–1937)
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Septembertag – von Christian Morgenstern

Septembertag

Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit,
die dich befreit, zugleich sie dich bedrängt;
wenn das kristallene Gewand der Wahrheit
sein kühler Geist um Wald und Berge hängt.
Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit.
 
Christian Morgenstern (1871–1914)
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„Pressure“: Das bisher beste Drama des Jahres

Ich kenne mich etwas mit der Geschichte des Vietnamkriegs aus, aber über den D-Day im Zweiten Weltkrieg weiß ich nicht besonders viel. Ich erinnere mich, dass ich irgendwann dachte, das US-amerikanische M60-Maschinengewehr mit Gurtzuführung, das im Vietnamkrieg eingesetzt wurde, sieht überhaupt nicht nach den 1960er-Jahren aus. Mit seiner wuchtigen, brutalen Erscheinung erinnerte es mich eher an ein Relikt aus der Zeit der Industriellen Revolution, wie die Autos der 1930er- und 1940er-Jahre.
„Pressure“, ein brillantes Weltkriegsdrama über den D-Day, zeigt auch die „Hitlersäge“, das gefürchtete deutsche MG 42 mit Gurtzuführung, das an den Stränden der Normandie die amerikanischen Soldaten in Stücke sägte. Ich dachte: „Jetzt weiß ich, woher das M60 kommt.“ Eine kurze Recherche bei Google ergab: Ja, das M60 war stark vom MG 42 inspiriert, ist aber keine direkte Kopie.
Das MG 42 wurde als Waffe des Faschismus geschaffen, doch stattdessen brachte es das M60 hervor, das später den Kommunismus zu vernichten versuchte.
Als General Dwight D. Eisenhower – dessen Nachname auf Deutsch passenderweise wie „Eisenhauer“ klingt – gefragt wurde, wie er den Krieg gewonnen habe, soll er geantwortet haben: „Wir hatten bessere Meteorologen als die Deutschen.“

Die Geschichte zweier Meteorologen

„Pressure“ erzählt eine faktenbasierte, wenngleich weitgehend fiktive Geschichte über die Beziehung zwischen Eisenhower und seinem unbeirrbar mutigen Wetterberater, dem schottischen Meteorologen James Stagg (Andrew Scott).

Brendan Fraser spielt General Dwight D. Eisenhower, den Oberbefehlshaber der Alliierten.

Foto: ©Alex Bailey/STUDIOCANAL SAS

In den angespannten 72 Stunden vor der Landung der Alliierten in der Normandie, als das Schicksal der freien Welt auf dem Spiel stand, hatte Stagg die undankbare Aufgabe, Eisenhower zu beraten, ob die Invasion grünes Licht bekommen sollte oder nicht.
Das heißt, Eisenhower und sein Stab müssen entscheiden, ob sie die größte und gefährlichste Seeinvasion der Geschichte wagen – oder die katastrophale Folge riskieren, dass Deutsch zur Weltsprache wird. Und zu Staggs Zeiten – lange vor Computern und Satellitenbildern – war die Wettervorhersage noch ebenso sehr Kunst wie Wissenschaft.
Damit die US-amerikanischen, britischen und kanadischen Alliierten ihren Angriff koordiniert beginnen konnten, durften die Wellen auf dem Ärmelkanal nicht höher als 3 Meter sein, und der Himmel musste klar genug sein, damit die Bomber ihre Ziele erkennen konnten. Mit anderen Worten: Ein Angriff bei schlechten Wetterbedingungen drohte verheerende Verluste zu fordern, doch eine zu lange Verzögerung barg das Risiko, dass der deutsche Nachrichtendienst Wind von der Operation bekam.

Stagg und Krick

Andrew Scott spielt den unbeliebten Meteorologen Stagg als einen extrem stoischen, ernsten Mann, dessen Fachkompetenz und Autorität ständig infrage gestellt werden, weil seine beängstigenden Prognosen vor schweren, zerstörerischen Stürmen mit bis zu 5,5 Meter hohen Wellen warnen – eine Übertreibung des Films.
Wird Eisenhower ihm folgen? Einem Mann, dessen Schlussfolgerungen auf strenger wissenschaftlicher Grundlage, moralischer Integrität, einer stillen Leidenschaft für seinen nach außen hin eher langweiligen Beruf und einer tiefen Ehrfurcht vor der Natur beruhen? Oder wird der General auf den Rat von Staggs amerikanischem Pendant und Eisenhowers langjährigem Favoriten Irving P. Krick (Chris Messina) hören, der sich gern in den Vordergrund spielt? Kricks vehemente Prognosen, die sich ausschließlich auf historische Wetterdaten stützen, sagen ein sichereres Zeitfenster voraus. Er weiß, dass genau das alle hören wollen.
Chris Messina hat sichtlich Spaß daran, Krick als einen überaus selbstsicheren Clown darzustellen, der fest davon überzeugt ist, dass der Himmel am 5. Juni 1944 klar sein wird. Stagg ist sich sicher, dass ein Angriff der Alliierten am 5. Juni eine absolute Katastrophe wäre.

(v. l. n. r.) Brendan Fraser als General Dwight D. Eisenhower und Andrew Scott als James Stagg.

Foto: ©Alex Bailey/STUDIOCANAL SAS

Schauspielerische Leistungen

Der Film weicht in seiner Darstellung Eisenhowers deutlich von der historischen Realität ab: Er zeigt ihn als aufbrausenden Hitzkopf, der ständig seine Mitarbeiter und insbesondere Stagg anschreit. Zwar war Eisenhower für sein explosives Temperament bekannt, doch hier läuft er schon früh zur Höchstform auf und hat danach kaum noch Luft nach oben – was in der Realität seine Autorität wohl eher untergraben hätte. In Wirklichkeit war Eisenhower zwar sehr autoritär, neigte aber dazu, ein ruhiges Auftreten an den Tag zu legen. Er setzte eher auf Konsensbildung und Koalitionsdiplomatie als auf Einschüchterung.
Dennoch trifft Brendan Fraser etwas Wesentliches an Eisenhower: Er hat die passenden hellblauen Augen und den starren Blick eines Mannes, der die Last der Welt auf seinen Schultern trägt.
Eisenhower, dessen Spitzname „Ike“ war, wusste, dass die meisten amphibischen Invasionen gegen verteidigtes Gebiet scheitern – und dass die Deutschen ihnen die Knochen abnagen würden, wenn sie auch nur ein wenig zu lange warteten. Ein anderer Spitzname für das deutsche MG 42 war „Knochensäge“. Das MG 42 in den Schießscharten der deutschen Bunker in Aktion zu sehen, lässt mich noch einen Tag später nicht los.

General Montgomery (Damian Lewis) verschärft im Kommandoraum den Ton in „Pressure“.

Foto: ©STUDIOCANAL SAS

Damian Lewis ist als General Bernard Montgomery, Befehlshaber der britischen Streitkräfte, großartig und verstärkt die operative Anspannung im Kommandoraum. Ebenso großartig ist die Irin Kerry Condon in der Rolle der Captain Kay Summersby, Eisenhowers Fahrerin und Assistentin, die möglicherweise auch seine Geliebte war – zumindest der historischen Überlieferung zufolge.
Doch „Pressure“ ist Staggs (und Scotts) Film. Der Druck, unter dem er steht, wird bis an den Punkt gesteigert, an dem er beinahe erstarrt. So überzeugend taumelt er unter der Last und der überwältigenden Dissonanz all dessen, was auf ihm lastet, dass eine ungeheuer intensive Atmosphäre den gesamten Film durchzieht. Man könnte von der ersten bis zur letzten Minute den Tränen nahe sein.
Doch es stellt sich weniger ein Gefühl der Traurigkeit als vielmehr des Respekts ein, angesichts der Hingabe, die hier einer Sache entgegengebracht wird. Der Film ist eine Hommage an den Mut jener Menschen, die unter enormem moralischem Druck schwierige Entscheidungen über den Luftdruck treffen mussten. Schon jetzt ist „Pressure“ ein Klassiker des Kriegsfilmgenres.

Foto: ©STUDIOCANAL SAS

„Pressure“
Regie: Anthony Maras
Darsteller: Brendan Fraser, Damian Lewis, Andrew Scott, Chris Messina, Kerry Condon
FSK: 12
Laufzeit: 1 Stunde, 40 Minuten
Kinostart (Deutschland): 17. September 2026
Bewertung: 5 von 5 Sternen
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „‘Pressure’: 2026’s Best Dramatic Film to Date“. (redaktionelle Bearbeitung: ee)
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Niederländisches Museum zeigt erstmals seit 1984 seine gesamte Van-Gogh-Sammlung

Das niederländische Kröller-Museum, das eine der größten Vincent-Van-Gogh-Sammlungen besitzt, stellt erstmals seit gut 40 Jahren all seine Bilder des berühmten Malers aus.
Es handele sich um „eine der größten Van-Gogh-Ausstellungen dieses Jahrhunderts“, erklärte das Museum anlässlich des Ausstellungsbeginns.
Zu den gezeigten Werken gehören weltberühmte Bilder wie „Caféterrasse am Abend“ aus dem Jahr 1888 oder „Die Kartoffelesser“, eine Darstellung des bäuerlichen Lebens von 1885.

Bilder von „Glaube, Hoffnung und Liebe“

Das Kröller-Museum befindet sich in Otterlo bei Arnheim, etwa hundert Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Eine Gesamtschau seiner Van-Gogh-Werke gab es seit 1984 nicht mehr.
Die aufsehenerregende Ausstellung soll bis Januar zu sehen sein. Alle gezeigten Bilder stünden im Zusammenhang „mit den drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe“, erklärte das Museum.

Vincent van Gogh, Die Kurtisane (nach Eisen), Oktober-November 1987.

Foto: Jeroen Jumelet/dpa

Diese Themen spielten in Van Goghs Leben und Werk eine große Rolle. Durch seine Kunst habe er anderen Menschen „Hoffnung und Trost“ geben wollen.
Im Laufe seiner kurzen Karriere hat Van Gogh etwa 900 Bilder gemalt. Er starb 1890 im Alter von 37 Jahren, zwei Tage nachdem er sich aufgrund seiner psychischen Probleme selbst in die Brust geschossen hatte.
Die meisten Bilder im Kröller-Museum, die nun unter dem Titel „Van Gogh – All unsere Bilder“ gezeigt werden, waren von der Museumsgründerin Helene Kröller-Müller in den Jahren 1908 bis 1930 zusammengetragen worden. (afp/red)