Wie präzise verknüpft unser Gehirn Erinnerungen im Laufe der Jahre? - Foto: iStock
Wie präzise arbeitet unser Gedächtnis im Laufe des Lebens? Eine im Fachjournal Cerebral Cortex erschienene Gehirn-Scan-Studie zeigt: Menschen zwischen 50 und 60 Jahren erinnern sich um ein Drittel ungenauer an Details und Zusammenhänge als Personen in ihren Zwanzigern. Es geht dabei nicht nur darum, was wir gesehen haben, sondern womit es verknüpft war.
„Dies ist eine von immer mehr Untersuchungen, die darauf hinweisen, dass das mittlere Alter entscheidend für die Gedächtnisleistung ist und nicht vernachlässigt werden darf“, erläutert Studien-Co-Autor Ian McDonough, Psychologieprofessor an der Binghamton University.
Verändert sich das Gedächtnis in der Lebensmitte?
Wie gut verknüpft unser Gehirn Informationen – und wann lässt diese Fähigkeit nach? Um das herauszufinden, schicken Neurowissenschaftler ihre Probanden in den Hirnscanner.
Das Szenario: Ein MRT-Gerät, vor den Augen eine Reihe von Gesichtern, kombiniert mit alltäglichen Gegenständen oder Szenen. Nach fünf Minuten Ruhepause erscheinen die Gesichter erneut – diesmal mit vier möglichen Motiven an der Seite. Die Aufgabe: Punktgenau das Bild auszuwählen, das ursprünglich dazu gehörte.
Es ist die hohe Schule des Erinnerns. Die Forschung spricht vom assoziativen Gedächtnis – der Fähigkeit, Verknüpfungen zwischen einzelnen Details herzustellen. So bleibt einem eine bestimmte Lampe oder Landschaft zwar mühelos im Kopf, das dazugehörige Gesicht jedoch ist wie weggewischt.
In der Studie führten 61 gesunde Erwachsene die Aufgabe durch: Jüngere Erwachsene (18 bis 30 Jahre) ordneten die Paare im Durchschnitt in etwa 36 Prozent der Fälle richtig zu, verglichen mit etwa 24 Prozent bei den Teilnehmern in den Fünfzigern und 20 Prozent bei den Teilnehmern in den Sechzigern und frühen Siebzigern. Der Unterschied zwischen der mittleren und der älteren Altersgruppe war statistisch nicht signifikant, was bedeutet, dass die Leistung der Fünfzigjährigen statistisch gesehen eher der der ältesten Gruppe ähnelte als ihrer eigenen jüngsten Vergangenheit.
Was geschieht im Gehirn?
Zudem blickten die Forscher tief ins Gehirn der Probanden, genauer gesagt auf den Hippocampus. Diese seepferdchenförmige Struktur gilt als die Schaltzentrale, wenn es darum geht, neue Erinnerungen zu formen und abzurufen. Der Blick im Scanner erfolgte in drei entscheidenden Phasen:
beim ersten Einprägen der Gesichter-Paare
während der anschließenden Ruhepause
und beim finalen Gedächtnistest
Der Grund für diesen Dreiklang: In Momenten der Ruhe lässt der Hippocampus das Erlebte noch einmal im Leerlauf Revue passieren – ein Reaktivierungsprozess, der die Erinnerungen im Langzeitgedächtnis verankert.
Bei jungen Erwachsenen zeigte sich ein deutliches Muster: Je exakter die Hirnaktivität beim Abrufen dem Signalmuster beim ersten Lernen glich, desto treffsicherer war die Erinnerung. Doch dieser neuronale Pfad schwächt sich ab: Bei den 50- bis 60-Jährigen verblasst der Zusammenhang bereits spürbar – in der ältesten Gruppe war er fast völlig erloschen.
Ein Wendepunkt, der keiner sein muss
Ist die Fünfzig also die magische Grenze?
Nicht zwangsläufig. Die Befunde bedeuten keineswegs, dass das Gedächtnis ab dem 50. Geburtstag bei jedem Menschen unaufhaltsam einbricht oder dass Vergesslichkeit im mittleren Alter bereits ein Alarmsignal ist. Schließlich testeten die Forscher im Labor eine sehr spezifische Gedächtnisleistung – nicht die Alltagskompetenz, mit der wir Termine organisieren, Gesprächen folgen oder neue Fähigkeiten erlernen.
Zudem lässt die Studie offen, wann genau dieser neuronale Wandel einsetzt. Menschen in ihren Dreißigern und Vierzigern wurden nicht untersucht. Auch handelt es sich um eine Momentaufnahme verschiedener Altersgruppen und nicht um eine Langzeitstudie, die dieselben Personen über Jahrzehnte begleitet hätte.
Wie McDonough es ausdrückte: „Wir haben wirklich kein gutes wissenschaftliches Verständnis davon, was im mittleren Lebensalter geschieht, da das Gehirn in dieser Zeit nicht gleichmäßig nachlässt, sondern manche Regionen schneller als andere.“
Es gibt noch einen weiteren Aspekt, den man im Auge behalten sollte: Nicht jede Gedächtnislücke bedeutet, dass das Gehirn seine Erinnerungsfähigkeit verliert. Manchmal beginnt das Problem schon früher – nämlich bei der Entstehung einer Erinnerung.
Die Gedächtnisbildung hängt zum Teil von der Aufmerksamkeit ab. Wenn die Aufmerksamkeit geteilt ist, durch einen Handy-Alarm, ein zweites Gespräch oder einfach, weil man mit den Gedanken woanders ist, nehmen wir eine Erfahrung möglicherweise nicht gut genug auf, um eine Erinnerung zu bilden, an die wir uns später leicht erinnern können. Das kann sich wie Vergessen anfühlen, auch wenn die Information möglicherweise von vornherein nicht fest genug gespeichert wurde.
Das ist nicht nur eine Frage des gesunden Menschenverstands. Eine Studie aus dem Jahr 2021 ergab, dass geteilte Aufmerksamkeit während des Lernens nicht nur das Gedächtnis für einzelne Details beeinträchtigt, sondern auch die Fähigkeit, zusammenhängende Details miteinander zu verknüpfen – genau die Art von Gedächtnis, die in der Studie vom Juli untersucht wurde.
Umfangreichere Langzeitstudien, die dieselben Personen über Jahrzehnte hinweg begleiten, könnten dabei helfen, genau zu bestimmen, wann der Rückgang beginnt und inwieweit er von Person zu Person variiert.
Dennoch weisen die Ergebnisse auf etwas hin: Das mittlere Lebensalter könnte eine wichtige Phase sein, um zu verstehen, wie sich das Gedächtnis verändert.
Überall dabei: Das Smartphone. - Foto: Roland_Lundgren/iStock
In Kürze
Soziale Medien nutzen das Belohnungssystem des Gehirns aus – ähnlich wie Spielautomaten.
Meta und Google wurden in Los Angeles wegen süchtigmachender Designelemente verurteilt.
Ein schwedisches Projekt möchte Menschen die Kontrolle über Technik zurückzugeben.
Es geht um Wissen über das Gehirn, Veränderungen im Alltag und das Erleben von Gemeinschaft.
Das Smartphone ist heute ein fest integrierter Bestandteil unserer Gesellschaft. Wir nutzen es für alles Mögliche – vom Telefonieren über das Bezahlen im Geschäft bis hin zum Spielen und Scrollen in den sozialen Medien.
Es hat sich eine Kultur entwickelt, in der Menschen ohne Smartphone leicht ins Abseits geraten. Viele Funktionen des Smartphones erleichtern uns den Alltag – doch es gibt auch besorgniserregende Aspekte.
„In diesem Jahr wurden Meta und Google von einem Gericht in Los Angeles wegen süchtigmachender Designelemente verurteilt. Wer versteht, wie unser Gehirn funktioniert, hat auch die Macht, es auszunutzen“, sagt Kim Nehzaty.
„Lodlinjen“: Das Lot alter Handwerker
Kim Nehzaty und Molly Möller leiten gemeinsam das Projekt „Lodlinjen“. Beide haben eine Vorgeschichte in der Filmbranche. Kim Nehzaty hat als Kameramann und Produzent bei Projekten unterschiedlicher Größe gearbeitet. Molly Möller war in der Filmproduktion tätig und ist zudem ausgebildete Ernährungswissenschaftlerin.
„Wir haben uns in kreativen Milieus bewegt, hatten aber auch immer ein Interesse an Menschen: wie wir uns verhalten, wie es uns geht, welchen Einfluss Ernährung und Technik haben. Ein Grund, warum wir ‚Lodlinjen‘ gegründet haben, war, dass wir anderen Menschen näherkommen wollten“, sagt Möller.
„Lodlinjen“ ist ein Projekt, das darauf abzielt, Menschen dabei zu helfen, die Kontrolle über die Technik zurückzugewinnen. Der Name leitet sich vom Lot ab, dem historischen Werkzeug in Bauwesen und Handwerk. Dazu wird ein Gewicht an einer Schnur befestigt. Wenn die Schnur gehalten wird, entsteht eine vollkommen gerade vertikale Linie.
„Unser Ziel ist, Menschen zu helfen, sich selbst zu finden – sich selbst am Lot auszurichten – und ihren eigenen Balancepunkt im Leben zu entdecken. Viele haben das Gefühl, dass irgendetwas nicht ganz stimmt. Das Leben wird nicht so gelebt, wie man es sich wünscht, sondern eher ein bisschen schief“, erklärt Molly Möller. Und weiter:
„Wir haben viele Namen diskutiert, bevor wir uns für ‚Lodlinjen‘ entschieden haben. Der Name hat eine tiefere Bedeutung. Es geht darum, eine Richtung im Leben zu finden, zu verstehen, was für einen selbst nachhaltig und sinnvoll ist.“
Langeweile? Eine kleine Insel im Stockholmer Archipel.
Foto: BPHOTO/iStock
Die drei Säulen des Projekts
„Lodlinjen basiert auf drei Säulen: Wissen darüber, wie das Gehirn und digitales Design zusammenwirken, Veränderungen im Alltag, und Gemeinschaft mit anderen Teilnehmern“, erklärt Molly Möller.
Obwohl die Forschung auf Zusammenhänge zwischen langer Bildschirmzeit und Stress, Schlafproblemen und psychischen Problemen aufzeigt, ist es keineswegs selbstverständlich, dass man diese Parallele im eigenen Alltag zieht. Die Normalisierung erschwert es, das Problem zu erkennen.
Stattdessen zeigen sich die Auswirkungen oft auf andere Weise: das Gefühl, ständig gestresst zu sein, schlechter zu schlafen und ängstlicher zu sein oder einfach nur ein diffuses Gefühl, dass etwas nicht ganz stimmt. Man sucht die Probleme im Beruf, in der eigenen Lebenssituation, in persönlichen Mängeln oder einem Mangel an Disziplin. Doch die Antwort könnte einfacher und gleichzeitig komplizierter sein, meint Kim Nehzaty.
„Die Probleme müssen nicht unbedingt schwerwiegend sein, um das Leben zu beeinflussen. Im Rahmen unseres Projekts haben wir immer ein technikfreies Retreat. Für viele ist das ein Aha-Erlebnis: Sie erkennen, wie oft sie auf ihr Handy schauen. Es ist ein fester Bestandteil ihres Verhaltensmusters. Viele unserer Teilnehmer berichten, dass es ihnen viel besser geht, wenn sie ihr Handy nicht griffbereit haben. Das deutet darauf hin, dass hier vielleicht tatsächlich ein Problem vorliegt“, sagt Nehzaty.
Es sei leicht, ein schlechtes Gewissen zu bekommen und es auf mangelnde Selbstbeherrschung zu schieben, wenn man instinktiv das Handy in die Hand nimmt und durch die sozialen Medien scrollt. Doch Projektleiter Nehzaty erklärt, man sollte nicht zu hart mit sich selbst sein.
Ein wichtiger Grund dafür, dass es so schwer sei, sich von sozialen Medien zu lösen, sei die Tatsache, dass die Anwendungen mit dem Belohnungssystem des Gehirns interagieren.
Dopamin und soziale Medien
Laut Nehzaty und Möller basieren soziale Medien auf einem tiefgreifenden Verständnis davon, wie unser Gehirn funktioniert und wie wir auf Belohnungen reagieren.
Im Mittelpunkt steht Dopamin, ein Neurotransmitter, der eine zentrale Rolle für unsere Motivation und unsere Erwartung von Belohnungen spielt. Dopamin wird aktiviert, wenn wir etwas tun, das das Gehirn als positiv oder wichtig einstuft – zum Beispiel Essen, soziale Bestätigung oder das Entdecken neuer Dinge.
Das Dopaminsystem verstärkt Verhaltensweisen, die das Gehirn als sinnvoll oder belohnend wahrnimmt – wie den schnellen Upload eines Bildes vom Nordischen und dem Vasa-Museum in Stockholm.
Foto: diatrezor/iStock
Das System, das Dopamin freisetzt, ist für unser Überleben entscheidend, kann aber auch ausgenutzt werden – und genau das geschieht in den sozialen Medien.
Dieses System verstärkt Verhaltensweisen, die das Gehirn als sinnvoll oder belohnend wahrnimmt. Es ist nicht darauf ausgelegt, das größte Belohnungsgefühl zu vermitteln, wenn wir bereits etwas vollbracht haben; vielmehr wird Dopamin oft schon während unserer Erwartung einer Belohnung aktiviert, was uns dazu bringt, weiterhin danach zu suchen.
Soziale Medien basieren daher nicht auf einem gleichmäßigen Strom von Belohnungen, sondern auf Abwechslung. Die Feeds sind endlos und wechseln ständig. Manchmal taucht etwas sehr Fesselndes und Interessantes auf, etwas, das eine starke emotionale Reaktion oder soziale Bestätigung auslöst. Ein anderes Mal ist der Inhalt völlig uninteressant.
Spielautomaten und der Drang zum Scrollen
„Das basiert auf psychologischen Mechanismen, die denen von Spielautomaten ähneln, insbesondere auf variierenden Belohnungen. Du ziehst einmal, die Symbole flimmern vorbei und man gewinnt“, sagt Kim Nehzaty. Und weiter: „Beim nächsten Mal baut sich die Erwartung auf die gleiche Weise auf, aber du verlierst stattdessen. Dopamin wird ausgeschüttet, wenn das Gehirn nach der Belohnung sucht. Das Gleiche passiert, wenn du durch soziale Medien scrollst.“
Sobald das Gehirn dieses Verhalten verinnerlicht hat, verspürst du automatisch den Drang zu scrollen. Unbewusst greifst du zum Handy, um dir einen kurzen Moment der Belohnung zu gönnen. Die Belohnung ist stets griffbereit, was es schwierig macht, dieses Verhalten abzulegen.
Es entsteht eine Art Autopilot, der sich nur schwer umsteuern lässt, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Es ist nicht so, dass die Menschen schwach oder disziplinlos sind, erklärt Kim Nehzaty. Die Mechanismen sind so gestaltet, dass sie dich dazu bringen, zu bleiben.
Belohnung durch Dopamin – das ist per Smartphone einfach.
Foto: peeravit18/iStock
Die Schwierigkeit, sich zu etwas zu Motivieren
Ein Aspekt, der selten diskutiert wird, ist, dass das Dopaminsystem seine Grenzen hat. Man kann sich das so vorstellen, dass den Menschen jeden Tag eine bestimmte Menge Dopamin zur Verfügung steht.
Laut Kim Nehzaty wird das Belohnungssystem des Gehirns davon beeinflusst, wie viel Stimulation wir ausgesetzt sind. Das Signalsystem wird kontinuierlich reguliert und unter anderem durch Schlaf beeinflusst, der eine wichtige Rolle für die Erholung des Gehirns spielt. Ohne Dopamin verlieren wir sowohl die Motivation als auch das Gefühl von Sinnhaftigkeit.
„Ein Tipp, den man oft gibt, ist, das Smartphone eine Stunde vor dem Schlafengehen nicht zu benutzen. Ich würde dies gern erweitern, dass man das Smartphone auch eine Stunde nach dem Aufwachen nicht benutzt. Wenn du den Tag mit Scrollen beginnst, wird das deinen Dopaminspiegel für den Rest des Tages beeinflussen“, erklärt er.
Was auf den ersten Blick wie eine harmlose Kontrolle aussieht, kann dazu führen, dass man später am Tag Schwierigkeiten hat, sich für andere Aktivitäten zu motivieren. Es kann sowohl die Arbeit als auch das Studium und soziale Beziehungen beeinträchtigen.
„Es geht nicht darum, ganz auf Technik zu verzichten, sondern sich bewusst zu machen, wie sie uns beeinflusst. Im Gegensatz zu vielen anderen Aktivitäten hat das Scrollen kein natürliches Ende. Es ist ein System, das so gestaltet ist, dass es uns dazu bringt, weiterhin auf unsere Bildschirme zu schauen“, sagt Molly Möller.
Bei „Lodlinjen“ arbeitet man genau an dieser bewussten Entscheidung: dass das Smartphone ein praktisches Werkzeug ist – anstatt etwas, das Handlungen auslöst, die wir selbst nicht gewählt haben.
Es geht darum, die Teilnehmer zu schulen, innezuhalten und zwischen Impuls und Handlung zu reflektieren. Diese Fähigkeit sollte laut Nehzaty und Möller grundlegend sein in einer Umgebung, die darauf ausgelegt ist, uns zu schnellem Handeln zu veranlassen und in Handlungen festzuhalten, die nicht immer gut für uns sind.
Impulskontrolle ist eine Fähigkeit, die trainiert werden muss. Indem die Teilnehmer über ihre Impulse nachdenken, sobald diese auftreten, lernen sie, einen Abstand zwischen Impuls und Handlung zu schaffen. Wenn der Drang aufkommt, zum Handy zu greifen, halten sie inne, nehmen das Gefühl wahr und fragen sich, ob man das wirklich tun möchte. Oder ob es sich nur um ein automatisches Verhalten handelt.
Wie bei vielen anderen Übungen von „Lodlinjen“ geht es nicht nur darum, digitale Technik zu beherrschen, sondern auch um allgemeine Lebenskompetenz sowie um menschliche Antriebe und Verhaltensweisen.
Auf der Falsterbo Horse Show, einer der größten Sportveranstaltungen in Schweden.
Foto: LottaVess/iStock
Nachdenken bevor man handelt
Indem man übt, inne zu halten und nachzudenken, bevor man handelt, erlangt man schließlich eine Fähigkeit, die sowohl in stressigen Situationen als auch in Beziehungen und bei alltäglichen Entscheidungen nützlich ist. Man wird sich bewusst, warum man so handelt, wie man handelt.
Das Projekt soll den Teilnehmern auch helfen zu verstehen, was wir anderen signalisieren. Wenn das Handy mit dem Bildschirm nach oben auf dem Tisch liegt, zeigt das, dass man jederzeit bereit ist, das Gespräch zu unterbrechen, um mit jemand anderem zu sprechen.
„Du signalisierst, dass das Gespräch für dich nicht so wichtig ist. Die Botschaft ändert sich, wenn du das Handy mit dem Bildschirm nach unten legst. Doch wenn du wirklich zeigen möchtest, dass die andere Person bedeutend ist, solltest du dein Handy am besten ganz weglegen“, sagt Molly Möller.
„Tödliche Langeweile“ führt zu physischen Reaktionen
Manchmal wird gesagt, dass es wichtig ist, sich zu langweilen. Es gibt Studien, die darauf hindeuten, dass Langeweile die Kreativität steigert und das Gehirn anregen kann, neue Ideen zu entwickeln. Das kann Kinder umfassen, die sich Spiele ausdenken bis hin zu Erwachsenen, die einrichten, im Garten arbeiten oder an kreativen Aktivitäten teilnehmen.
Kim Nehzaty und Molly Möller untersuchen auch den Begriff „Terminal Boredom“ („Tödliche Langeweile“). Dieser Begriff, der an Bedeutung gewonnen hat, beschreibt eher ein Gefühl von permanenter Leere, Unruhe und Orientierungslosigkeit als den vorübergehenden Zustand, den wir üblicherweise mit Langeweile verbinden.
Ein typisches schwedisches, rotes Holzhaus in Småland – doch nahezu jeder Moment der Stille wird durch äußere Reize ersetzt, durch einen Strom von Inhalten, der unsere Aufmerksamkeit fordert.
Foto: TT/iStock
Während gewöhnliche Langeweile vorübergehend ist, ist „Terminal Boredom“ anhaltend. Gefühle von Lustlosigkeit und Apathie erzeugen eine so starke Langeweile, dass sie physisch spürbar wird.
„Für manche Menschen kann das Fehlen eines Bildschirms zu rein körperlichen Reaktionen führen. Sie werden unruhig und ängstlich. Das Phänomen hängt eng damit zusammen, wie sehr wir an ständige Stimulation gewöhnt sind. Wir haben das Problem gelöst, dass wir uns nicht langweilen müssen, aber die Lösung hat ihren Preis“, sagt Kim Nehzaty.
Nehzaty spricht davon, dass das Gehirn ein eingebautes, automatisches System zur Verarbeitung von Eindrücken hat. In den kleinen Pausen des Lebens – wenn wir auf der Toilette sitzen, auf den Bus warten oder in der Schlange stehen – nutzt das Gehirn die Gelegenheit, Denkprozesse in Gang zu setzen. Durch diese manchmal scheinbar unnötigen Gedanken verarbeiten wir Erinnerungen, Gefühle und Erlebnisse. Wir formen unser eigenes Verständnis von uns selbst und der Welt. Nehzaty sagt:
„Das müssen wir nicht lernen. Das Gehirn erledigt das automatisch, wenn es die Gelegenheit dazu hat.“
Doch im heutigen Alltag hat es selten die Möglichkeit dazu. Die kleinen Pausen, die früher von diesen inneren Prozessen gefüllt wurden, werden nun oft vom Handy eingenommen. Jeder Moment der Stille wird durch äußere Reize ersetzt, durch einen Strom von Inhalten, der unsere Aufmerksamkeit fordert. Die Folge ist, dass die eigene Verarbeitung im Gehirn unterbrochen wird, bevor sie sich entwickeln oder vertiefen kann.
„Die Reize, denen wir heute ausgesetzt sind, liegen weit über dem Niveau von vor nur 15 Jahren. Und das ist kein Einzelfall – soziale Medien und Smartphones sind zu einem selbstverständlichen Teil der Gesellschaft geworden. Wenn all dies zur Norm wird, wird es schwieriger, das Problem zu erkennen. Du bist nicht kaputt. Du bist überstimuliert“, sagt Kim Nehzaty.
Der Artikel erschien im Original in der schwedische Ausgabe der Epoch Times unter dem Titel „Kampen om vår uppmärksamhet“. (deutsche Bearbeitung: ks)
Ein Trümmerfeld unter dem Eis der Antarktis deutet auf ein einst massives Bergmassiv am heutigen Südpol hin. Sichtbar ist es aus zweierlei Gründen nicht mehr. - Foto: Nancy Pauwels/iStock
Ein Gehirn = zwei Organe?
Dass linke und rechte Hirnhälfte unterschiedliche Funktionen steuern, ist bekannt. Auch, dass graue und weiße Substanz eigene Aufgaben haben, wissen wir. Aber hätten Sie gedacht, dass Ihr Gehirn eigentlich zwei unabhängige Organe sind? Demnach entwickelt sich das Hinterhirn, das unter anderem Herzschlag und Atmung steuert, aus anderen Zellen als das Mittel- und Vorderhirn, die uns Reflexe und Denkvermögen verleihen. Dennoch gehen beide im frühesten Entwicklungsstadium auf das sogenannte Ektoderm zurück, dessen Bildung beim Menschen etwa drei Wochen nach der Befruchtung beginnt. Bereits in dieser Phase „entstehen gleichzeitig zwei parallele Gehirnvorläufer“, so die Forscher aus Kalifornien, einschließlich unterschiedlicher aktiver Gene. Hühner, Zebrafische und Meereswürmer weisen diese Unterteilung ebenfalls auf. (ger)
Auf einem Acker bei Wesseling in Nordrhein-Westfalen haben Archäologen einen Schatz aus mehr als 900 römischen Silbermünzen ausgegraben. Der Großteil des Geldes stammt aus der Zeit von Kaiser Hadrian der 117–138 n. Chr. regierte und stellt mit insgesamt 3,1 Kilogramm Silber ein beträchtliches Vermögen dar. „Damit handelt es sich um den größten Münzschatz aus dieser Zeit in Deutschland, weltweit ist es der fünftgrößte“, erklärt Landesarchäologe Dr. Erich Claßen. Wieso und von wem das wertvolle Gut vergraben wurden, ist nicht bekannt. Der Schatzfund wird nun erstmalig im LVR-Landesmuseum Bonn gezeigt. (kms)
Ein Teil der über 900 entdeckten Münzen bei Wesseling in Nordrhein-Westfalen.
Foto: Marcel Zanjani/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Himalaya unter der Antarktis
99,5 Prozent der Antarktis ist heute von Eis bedeckt. Daher lassen sich Rückschlüsse auf die Geologie im Untergrund nur anhand voreiszeitlicher Spuren und Fernerkundungen wie Bohrkernen ziehen. Ein solches Blickfenster machten sich Geologen um Bei Chen von der Australischen Nationaluniversität zunutze. Ihre Studie ergab, dass sich unter der Eisdecke 650 bis 450 Millionen Jahre alte Schichten befinden, die zu jener Zeit entstanden, als sich der Großkontinent Gondwana bildete. Dabei könnte ein Gebirge von der Größe des Himalayas entstanden sein, das später vollständig erodierte und heute nur noch als riesige Ansammlung von Sediment unter dem Ewigen Eis ruht. (kms)
Rund 65 Prozent aller Fasern auf dem Weltmarkt sind aus Kunststoff, was der Umwelt schadet. Um die Textilindustrie nachhaltiger zu machen, suchen Forscher seit Langem nach Alternativen – einschließlich Pilzen. Bisherige Bemühungen scheiterten daran, dass bei der Herstellung die Pilzzellen starben und ein zerbrechliches Endprodukt entstand. Nun haben chinesische Forscher das fadenförmige Myzel der Puppen-Kernkeule (Cordyceps militaris) benutzt, um flexible, lebende Stoffbahnen zu fertigen. Ihr Stoff konnte jegliche Farben annehmen, vor UV-Strahlen schützen und Muster wachsen lassen. Außerdem konnte der Prototyp eines Kleides seine eigenen Risse mit Wasser und Pilzflicken heilen. Trotz der positiven Ergebnisse handelt es sich bei der Entwicklung noch nicht um ein tragfähiges und alltagstaugliches Kleidungsstück. (ts)
1 / 2
Die Puppen-Kernkeule (Cordyceps militaris) gehört zu den Schlauchpilzen und kommt in Europa vor.
Für viele erinnern Dinosaurier optisch eher an Echsen als an die Vorfahren unserer Vögel. Dabei war der König der Fleischfresser – Tyrannosaurus rex – ein gar nicht so kaltblütiges Reptil, wie viele denken. Tatsächlich haben US-amerikanische Paläontologen um Robert Eagle ganz ohne Messen der Körpertemperatur entdeckt, dass T. rex ein Warmblüter war. Hierfür fühlten sie „Thomas“, einem Tyrannosaurus-Skelett aus Los Angeles auf den Zahn. Denn ein warmblütiges Tier weist in seinem Zahnschmelz weniger chemische Bindungen auf als ein kaltblütiges Tier. Das Ergebnis: 36 °C – fast genauso viel wie bei Menschen. Damit ist der Beweis erbracht, dass der Tyrann unter den Echsen ein schneller Räuber war und keine träge, sich in der Sonne aalende Bestie. (kms)
Zu wissen, wann unsere Sonne erneut in ihrem Aktivitätsmaximum ist, hilft den Menschen, sich auf mögliche technische Störungen durch Sonneneruptionen vorzubereiten. Um deren Vorhersage zu verbessern, haben sich Forscher um Sandra Chapman von der University of Warwick mit dem elfjährigen Sonnenzyklus und seinem alles andere als sanften Wechsel beschäftigt. Dabei entdeckten sie, dass der abrupte „Umschaltpunkt“ von einem zum nächsten Zyklus und die Zahl seiner Sonnenflecken einen Hinweis auf die Stärke des kommenden Zyklus liefert. Was genau das für die Zukunft bedeutet, wird sich in zwei Jahren zeigen: dann beginnt der neue Zyklus 26. Erste Prognosen deuten auf eine ähnlich starke Sonne wie im aktuellen Zyklus hin. (ts)
Sonneneruption, aufgenommen von der Sonde „Solar Orbiter“
Foto: Solar Orbiter/EUI Team/ESA & NASA/dpa
Was wäre, wenn Yellowstone ausbricht?
Vor etwa 631.000 Jahren ereignete sich in der heutigen USA eine Katastrophe: der Supervulkan Yellowstone brach aus. Würde unsere moderne Zivilisation ein solches Ereignis überleben? Dieser Frage gingen Ilan Kelman, Professor für Gesundheit, und der Geologe Matthew Blackett nach. Beide kommen zu dem Entschluss: „Ja, aber …“ Zunächst sorgt der Ausbruch für enorme Mengen Asche und weit verwüstete Landschaften. Alle Überlebenden werden in den folgenden Monaten mit Erkrankungen durch schlechte Luft, verschmutztes Wasser und andere Spätfolgen konfrontiert. Lieferketten und Stromnetze brechen zusammen, Industrie und Landwirtschaft kommen zum Erliegen und die globale Temperatur sinkt um bis zu 1,5 °C. Insgesamt könnte die Weltbevölkerung auf 7,9 Milliarden Menschen sinken – davon hätten 4,8 Milliarden keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser. (kms)
Oft staunen wir, wie Opernsänger mit Leichtigkeit in höchsten Tönen singen. Nun haben Forscher der University of Warwick herausgefunden, dass der Indri (Indri indri), der weltweit einzige bekannte singende Lemur, offenbar eine auffallend ähnliche Gesangstechnik einsetzt. Dabei koordinieren die Primaten aus Madagaskar ihre Mundöffnung mit der Frequenz ihrer Gesänge. Kurz gesagt: Je höher die Tonhöhe des Gesangs, desto weiter öffnen Indris ihren Mund, um ihn zu singen. Dieses Talent nutzen die Affen, um sich über große Entfernungen mit anderen Gruppen austauschen zu können. (kms)
Der Indri ist weltweit der einzige bekannte singende Lemur.
Foto: Artush/iStock
Unordnung für grünen Wasserstoff
Platin, Iridium und Ruthenium sind für die Wasserelektrolyse ebenso wichtig wie verflucht: Sie sind (zu) teuer. Eine mögliche Lösung fanden indische Forscher um Prof. Ranganathan in sogenanntem einschichtigen amorphen Kohlenstoff. Anders als die höchst geordnete Struktur in Graphen verfügt dieser über Unregelmäßigkeiten, Verzerrungen sowie Berge und Täler. Genau jene begünstigen laut Berechnungen die Bildung von Wasserstoff und könnten – so sich die Ergebnisse bestätigen – die Platinmetalle als Katalysatoren ersetzten. Ob, und wann sie tatsächlich zum Einsatz kommen ist offen. Sowohl die experimentelle Bestätigung als auch Untersuchungen zur Gesamtreaktion, zur Herstellung und zur Haltbarkeit stehen aktuell noch aus. (ts)
Fettansammlung in Muskelzellen stellt ein großes Gesundheitsproblem dar, das durch Faktoren wie fettreiche Ernährung, Bewegungsmangel und Alterung begünstigt wird. Sie verringern die Fähigkeit des Körpers, Glukose und Fettsäuren effizient zu verwerten, was die metabolische Flexibilität und die Insulinresistenz beeinträchtigt. Ein einfaches Mittel dagegen, kommt aus dem Obstregal, wie eine neue Studie aus Japan zeigt. Laut den Forschern um Professor Takakazu Mitani hilft das natürlich vorkommende Polyphenol in Heidelbeeren, Trauben und anderen Beeren eine übermäßige Fettansammlung zu verhindern. (ger)
Beeren verhindern eine übermäßige Fettansammlung in den Muskeln.
Foto: Zakharova_Natalia/iStock
Erde wird runder – und weniger rund
Entgegen der kindlichen Vorstellung ist der Erdball keine perfekte Kugel, sondern an ihren Polen leicht abgeflacht und am Äquator gewölbt. Doch natürliche Prozesse wie schmelzendes Eis oder Plattentektonik verändern die Form. Und um das besser zu verstehen, hat der griechische Geologe Prof. Christoforos Kotsakis satellitengestützte Messdaten untersucht. Dabei entdeckte er, dass sich die Pole zu heben und der Äquator abzusenken scheint, womit die Erdmasse runder wird. Gleichzeitig flacht laut Daten das masseabhängige Schwerefeld stärker ab, womit die tatsächliche Erdform möglicherweise unrunder wird. (ts)
Sprache und Feuer gelten als Marker des Menschseins – und beides könnte in puncto Erfindung enger miteinander verknüpft sein, als bislang erwartet. Eine Theorie besagt, dass unsere Vorfahren zunächst mittels Gesten kommunizierten. Das ist jedoch zeitlich begrenzt, denn im Dunkeln sind Handzeichen schwer bis nicht mehr wahrnehmbar. Forscher um Catherine Hobaiter von der Universität St. Andrews vermuten deshalb, dass Geschichtenerzählen am Lagerfeuer wesentlich zur Sprachentwicklung beitrug. Weil das Licht zu schwach war, hätten die frühen Menschen zu den Gesten auch Laute benötigt, um sich zu unterhalten. Dies wiederum soll letztlich die sozialen Bindungen untereinander gestärkt und Wissen vermittelt haben, wodurch der Mensch zu seinem erfindungsreichen Ich kam. (kms)
Einer Theorie zufolge könnte Lagerfeuer bei der Entwicklung der Sprache geholfen haben.
Foto: Dmytro Aslanian/iStock
Strand, Meer, Mars
Weite Sandstrände und das Rauschen der Wellen im weiten Ozean: Was wie Urlaub in der Südsee klingt, soll die Vergangenheit des Mars vor Milliarden Jahren gewesen sein. Den Beweis wollen chinesische Forscher mit ihrem Rover „Zhurong“ erbracht haben, der 2021 auf dem Roten Planeten landete. Seine Bilder zeigen Schichten, die nicht wie Sanddünen, Einschlagskrater oder Lavaströme aussehen. Vielmehr seien sie Spuren von Wellen, die an der Küste brandeten und allmählich die von den Flüssen ins Meer gespülten Sedimente verteilten und ablagerten. Dies stützt die Annahme, dass der Mars einst große eisfreie Gewässer besaß und nicht wie heute ein zumindest oberflächlich kalter, trockener und staubiger Planet war. (ts)
Die Darmgesundheit spielt eine entscheidende Rolle für das allgemeine Wohlbefinden, wobei Verstopfung eines der am weitesten verbreiteten Verdauungsprobleme ist. Dennoch bleibt sie oft unbemerkt oder unbehandelt, bis sie das tägliche Leben beeinträchtigt. Unter den vielen Ansätzen zur Behandlung von Verstopfung sticht körperliche Aktivität als eine der einfachsten und am häufigsten empfohlenen Maßnahmen hervor, wie eine neue Studie von japanischen Forschern untermauert. So zeigten Yohei Otaka und Kollegen, dass bereits wenige Minuten Bewegung nach dem Essen den Darm in Schwung bringt. Wie passend, dass dies die letzte Meldung in dieser Übersicht ist. (ger)
Bereits wenige Minuten laufen kann die Verdauung in Bewegung bringen und Verstopfungen vorbeugen.
Ob Arbeit, Schule, Alltag: Bildschirme sind überall präsent. Wie geht man besonnen mit ihnen um, ohne süchtig zu werden? - Foto: Deagreez/iStock
In Kürze:
Digitale Entgiftungskurennützen nur kurzfristig, da man nach dem Verzicht wieder in das normale Leben mit Bildschirmen zurückkommt.
Auch Zwang hilft wenig, weil das Gehirn schon auf schnelle Entspannung durch das Handy eingestellt ist.
Um die Macht der Gewohnheit zu brechen, sollte man schauen, welche Belohnung man von der Bildschirmzeit erwartet – und ob sie tatsächlich eintritt.
Verschiedene Tipps können helfen, langfristig nicht bei jeder freien Minute das Handy zu zücken.
Eine digitale Auszeit bringt kurzzeitig viel: Nach ein paar Tagen ohne soziale Medien, endloses Scrollen oder Gaming schlafen viele Menschen besser und fühlen sich geistig weniger zerstreut.
Auch merken sie erst da, wie viel Aufmerksamkeit ihre Bildschirme zuvor in Anspruch genommen haben.
Doch dann schleicht sich das echte Leben wieder ein, und man landet wieder bei den alten Gewohnheiten.
Die Herausforderung besteht also nicht nur darin, sich vom Bildschirm zu lösen. Es geht vielmehr darum, die Gewohnheiten und Belohnungen zu ändern, die uns wieder in die digitale Abhängigkeit zurückziehen.
„Bei Entgiftungskuren wird der Bildschirm als das Problem und der vollständige Verzicht als die Lösung betrachtet“, erklärte Dr. Judson Brewer in einer E-Mail gegenüber Epoch Times. „Aber bei Gewohnheiten geht es nicht wirklich um die Droge. Es geht um den zugrunde liegenden, belohnungsbasierten Lernkreislauf“, so der Suchtpsychiater, Neurowissenschaftler und Autor von „The Craving Mind“.
Viele Menschen greifen zum Handy, sobald sie Langeweile, Einsamkeit oder Unsicherheit empfinden. Mit der Zeit lernt das Gehirn, diese Gefühle mit der schnellen Entspannung zu verbinden, die ein Handy bieten kann.
„Das Gehirn hat bereits gelernt, dass das Greifen nach dem Handy zuverlässig für Ablenkung oder Stimulation sorgt“, sagte Brewer. „Man ist nicht willensschwach. Das eigene Gehirn ist gut trainiert.“
Erlernte Gewohnheiten lassen sich noch schwerer überwinden, weil Menschen nach einer digitalen Entgiftung in Umgebungen zurückkehren, die mit digitalen Reizen übersättigt sind. Benachrichtigungs-Pop-ups, vibrierende Handys, automatisch abspielende Videos und endlose Feeds erinnern die Menschen nicht nur daran, ihre Geräte zu überprüfen. Sie verstärken auch kontinuierlich die Gewohnheiten, die sie abzulegen versuchen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Suchtverhalten lassen sich digitale Reize kaum vermeiden, da Handys und Bildschirme fest im Alltag verankert sind.
„Wie Pawlow’sche Hunde beginnen wir bei Suchtreizen zu sabbern und müssen dann enorme Willenskraft aufbringen, um zu widerstehen“, meinte Dr. Anna Lembke in einer E-Mail an Epoch Times.
„Diese Suchtreize selbst setzen Dopamin im Belohnungssystem des Gehirns frei, was den Verzicht umso schwieriger macht“, ergänzte die medizinische Leiterin für Suchtmedizin an der Stanford University School of Medicine und Autorin von „Die Dopamin-Nation: Balance finden im Zeitalter des Vergnügens“.
Die Tendenz, in alte Gewohnheiten zurückzufallen, bedeute nicht, dass digitale Entgiftungskuren nutzlos sind, erklärte Dr. Clifford Sussman gegenüber Epoch Times.
Schon wenige Tage fernab von hochstimulierenden digitalen Inhalten könnten genügend Abstand schaffen, um zu erkennen, wie automatisch die eigenen Bildschirmgewohnheiten geworden sind, so der Entwicklungspsychiater und Pionier bei der Erkennung und Behandlung von Internet-Spielsucht.
Doch im Gegensatz zu Ansätzen, die auf völligem Verzicht basieren, müssen die meisten Menschen irgendwann wieder an die Bildschirme zurückkehren – für Arbeit, Schule und den Alltag.
Genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung, und hier kann eine dauerhafte Veränderung geschehen.
Sich fragen: Was steckt hinter der Gewohnheit?
Wer seine Bildschirmgewohnheiten ändern will, sollte seinem Verhalten mit Neugier begegnen, empfiehlt der Suchtpsychiater Brewer.
Dafür sollte er den Drang zum Scrollen nicht mit aller Kraft unterdrücken. Vielmehr sollte er genauer und ohne Vorurteile darauf achten, welche Belohnung er sich von der Bildschirmzeit verspricht, und ob diese tatsächlich eintrifft.
„Oft stellt man fest, dass die Belohnung viel weniger befriedigend ist, als sie das Gehirn vorhersagte“, meinte Brewer. „Diese Diskrepanz zwischen erwarteter und tatsächlicher Belohnung ist es, die das Lernen aktualisiert.“
Beispielsweise greift jemand vielleicht nach seinem Handy, weil er erwartet, Langeweile oder Angst zu lindern. 30 Minuten später stellt er allerdings fest, dass er sich abgelenkter, emotional erschöpfter oder überforderter fühlt als zuvor. Wenn man diesen Widerspruch erkennt – was den Drang auslöste, was man sich erhofft hatte, wie man sich tatsächlich fühlte –, schwächt das nach und nach den Automatismus.
„Die Gewohnheit verliert ihre Macht nicht durch Zwang, sondern durch klarere Vernunft“, sagte Brewer dazu.
Sich der Gewohnheit bewusst zu werden, kann diese schwächer machen. Doch das allein kann nicht die Zeit und Aufmerksamkeit füllen, die frei werden, wenn man das Scrollen aufgibt.
Einer der verwirrendsten Aspekte einer digitalen Entgiftung ist die Erkenntnis, wie viel leeren Raum Bildschirme routinemäßig einnehmen: beim Warten auf den Kaffee, beim Mittagessen, in Pausen zwischen Aufgaben oder abends im Bett. Sobald diese Gewohnheiten unterbrochen werden, stehen viele Menschen vor stundenlanger unstrukturierter Zeit, die sie nicht zu füllen wissen.
Deshalb ermutigt Sussman seine Patienten, sich in solchen Fällen nicht komplett neu zu erfinden, sondern auf bereits bestehenden Interessen aufzubauen.
Das kann bedeuten, einem Sportverein beizutreten, ehrenamtlich tätig zu werden, einen Malkurs zu besuchen, mit Freunden zu kochen oder einfach mehr Zeit mit anderen Menschen zu verbringen, ohne dass Geräte im Mittelpunkt der Interaktion stehen.
Das Ziel sei nicht einfach, eine Stimulationsquelle zu entfernen, sondern andere Aktivitäten zu finden, die sich wirklich lohnend anfühlen, so der Psychiater.
Darüber hinaus empfiehlt Lembke verbindliche praktische Barrieren. Diese helfen, Menschen von ihren zwanghaftesten digitalen Verhaltensweisen fernzuhalten. Dazu gehört:
Handys außerhalb des Schlafzimmers aufladen.
Social-Media-Apps vom Startbildschirm entfernen.
Soziale Medien nur zu bestimmten Tageszeiten nutzen.
Gerätefreie Zonen rund um Mahlzeiten und Schlaf schaffen.
Es ist auch wichtig, andere Personen an Bord zu holen. Familienmitglieder oder Partner können helfen, indem sie gemeinsame Grenzen setzen. Eltern können zudem die Gewohnheiten vorleben, die sie bei ihren Kindern sehen möchten. Denn Familiennormen sind in der Regel wirksamer als Regeln, die sich nur an Kinder richten.
Sich nicht von Rückfällen entmutigen lassen
Menschen, die versuchen, ihre Bildschirmgewohnheiten zu ändern, verfallen oft wieder in alte Muster: Gelöschte Apps werden neu installiert, Abende werden nach einer stressigen Woche mit Scrollen vergeudet. Auch können sie in vertraute Routinen zurückfallen, von denen sie dachten, sie hätten sie sich abgewöhnt.
„Rückfälle sind Teil der Verhaltensänderung“, so Sussman. „Wichtig ist, zu verstehen, was den Rückfall ausgelöst hat und wie schnell man sich davon erholt.“
Eine gesündere Beziehung zur Technik entsteht nicht allein durch eine dramatische Entgiftungskur am Wochenende. Sie entwickelt sich schrittweise: durch größeres Bewusstsein, bessere Routinen, ein unterstützendes Umfeld und wiederholte Kurskorrekturen.
Das Ziel ist nicht, ein Leben ohne Handy zu leben. Das Ziel ist vielmehr ein Leben, in dem das Handy nicht mehr die automatische Antwort auf jeden leeren Moment ist.
Die neu entdeckte Wildkatze Leopardus tilcayo aus Bolivien. - Foto: Paola Nogales Ascarrunz/Wikimedia Commons | CC BY-SA 4.0, Epoch Times
Fahrerlos in die Filiale
Rund 100 Meter trennen das Lidl-Zentrallager Edermünde und die Filiale an der Langen Heideteile südwestlich von Kassel. Für Aufmerksamkeit sorgt der Warentransport zwischen beiden Standpunkten dennoch: Seit Mitte September erfolgt dieser mittels Lkw ohne Fahrer und sogar ohne Fahrerhaus. 15 Paletten kann der dreiachsige, rund acht Meter lange und bislang auf 25 km/h begrenzte Lkw transportieren. Weitere Fahrzeugdaten nennen weder der schwedische Hersteller noch die Handelskette. Ganz ohne Fahrer geht es dennoch nicht. Gemäß aktuellen Auflagen begleitet ein „Local Operator“ den Lkw auf seiner rund 400 Meter langen Strecke in einem separaten Fahrzeug. Eine zweite Phase soll die Ausweitung auf eine weitere Filiale einschließen.
Premiere im deutschen Lebensmitteleinzelhandel: Lidl und Einride haben den E-LKW mit autonomer Fahrfunktion auf öffentliche Straßen gebracht.
Foto: Lidl
Ihr Kaffee hat ein Gedächtnis
Wer Kaffee zu lange stehen lässt, wird Zeuge eines unvermeidlichen physikalischen Prinzips: Wärme fließt von einem heißeren Körper – Ihrem Kaffee – zu einem kälteren – der Umgebung. Auf atomarer Ebene scheint diese universelle Regel nicht mehr so unumstößlich. Nicht nur kann Wärme zu einem heißeren Körper fließen, sondern sogar Informationen eines früheren Ereignisses tragen und somit eine Art Gedächtnis haben. „Wärme erinnert sich nicht wie wir an eine Person oder ein Ereignis“, erklärt Prof. Jianjun Dong von der Auburn University. „Seine Erinnerungen sind in mikroskopischen Bewegungen des Materials gespeichert.“ Während heißer Kaffee sich also weder Ihr Gesicht noch Namen merken kann, kann er vielleicht wissen, wie energisch Sie Ihre Tasse abgestellt haben.
Eine Tasse Kaffee am Morgen kann erstaunliches leisten: die Stimmung aufhellen und eine Erinnerung bergen.
Foto: dmf87/iStock
Fehlendes Chromosom könnte Krebs begünstigen
Jede Zelle im männlichen Körper trägt normalerweise ein X- und ein Y-Chromosom. Besonders Immunzellen können letzteres im Alter einbüßen und, so eine neue Studie, eine „versteckte Zone genetischer Anfälligkeit“ für Krebs hinterlassen. Dr. Dan Theodorescu vom Krebszentrum der University of Arizona und sein Team analysierten rund 1.000 Gewebeproben von über 400 Männern. Dabei konnten sie den Verlust von Y-Chromosomen in „normal erscheinendem Gewebe neben Tumoren“ nachweisen. Gerade dies mache die Entdeckung so spannend, und sei womöglich „eines der frühesten Anzeichen sich bildender Tumore“, so der Medizinprofessor. Dies könnte eines Tages Ärzten helfen, Unregelmäßigkeiten in Biopsien zu erkennen, die kleine Tumore übersehen.
Liegt Nofretete hinter Tutanchamun?
Baustruktur und Malereien ließen Ägyptologen hinter dem Grab von Tutanchamun seit 2015 weitere Räume vermuten. Neue Untersuchungen verdichten diese Annahme und deuten auf verborgene Kammern und Gänge hinter einer Scheinwand hin. Diese könnten seit der Antike verschlossen und vor dem Tod Tutanchamuns entstanden sein. Erneut flammt damit die Hoffnung auf, dass dort das Grab von Nofretete – der Stiefmutter des jungen Pharaos – liegen könnte. Möglich ist auch, dass dort lediglich Lagerräume sind oder die potenzielle Grabkammer durch Sturzfluten gestört ist. Ob es weitere Untersuchungen geben wird und die Forscher mittels Bohrungen einen Blick hinter die Wand werfen dürfen, muss der Oberste Rate für Altertümer in Ägypten noch entscheiden.
In Deutschland und der Schweiz würde das Summen wildlebender Honigbienen ohne Imkerei binnen eines Jahrzehnts gänzlich verstummen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um Dr. Patrick Kohl von der Universität Hohenheim anhand der Analyse von 700 Nistplätzen in sieben europäischen Ländern. In Südostengland würden sich die Bestände alle zehn Jahre hingegen vervielfachen. Die Untersuchung bildet die Grundlage für die Aufnahme wildlebender Westlicher Honigbienen auf die Rote Liste der IUCN als „stark gefährdet“.
Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) steht auf der Roten Liste als „stark gefährdet“.
Foto: Samuel Ray/iStock
Alkohol aus dem Erdreich
Lignin ist der Baustoff der Natur, der Pflanzen Festigkeit verleiht, kann laut Forschern der Universität Heidelberg aber auch Methanol bilden. Nötig sei dafür lediglich Erde und Wasser. Konkret spalten reaktive Eisen-Sauerstoff-Verbindungen einzelne Methoxygruppen vom Lignin ab. Dieser Prozess ist bisher vor allem bei knapp 300 Grad Celsius, erhöhtem Druck und Wasserstoffumgebung bekannt. In der Natur genügen Zimmertemperatur, Normaldruck und Anwesenheit von Wasser, selbst nach mehreren Trockenzyklen. Biologisch aktivere Böden setzten weniger Methanol frei, vermutlich weil Mikroorganismen die Verbindung als Energiequelle nutzen. Was das für Umwelt und Materialwissenschaft – Lignin ist als Abfallprodukt der Papierindustrie ein vielversprechender alternativer Rohstoff – bedeutet, ist Gegenstand künftiger Forschung.
Fraß unsere Sonne eine Supererde?
Im Gegensatz zu vielen anderen Sonnensystemen besitzt unseres keine Supererde. Wieso das so ist, fragen sich Astronomen seit vielen Jahren. Eine mögliche These ist, dass sie in jungen Jahren von der Sonne verschlungen wurde. Der türkische Forscher Prof. Mutlu Yildiz von der Ege-Universität hält dies für möglich und vermutet, dass die Sonne noch immer Spuren ihres Mahles in sich tragen könnte. So würden die subtilen Veränderungen der inneren Struktur der Sonne und ihr geringer Lithiumgehalt für das Verschlingen eines Planeten mit dem 5- bis 10-Fachen der Erdmasse sprechen. Ein endgültiger Beweis dafür könne laut den Forschern jedoch nie erbracht werden.
Leopardus tilcayo schleicht sich als erste neu entdeckte Katzenart seit 100 Jahren in den Stammbaum der Tigerkatzen. Ihr hellbraunes Fell mit dunklen, unregelmäßigen Rosetten ermöglicht beste Tarnung in den bolivianischen Bergwäldern – und erschwerte Forschern die Unterscheidung von vier artverwandten Katzen, die erstmals 1775 vom Thüringer Mediziner und Naturforscher Johann Christian Daniel Scheber (1739-1810) beschrieben wurden. Mit „Tilcayo“ übernehmen die Entdecker jenen Namen, den Einheimische seit Generationen für die Wildkatze verwenden.
Die neu entdeckte Wildkatze Leopardus tilcayo aus Bolivien.
Abtrieb aus künstlichen Gelenken lässt sich im Gehirn ihrer Träger nachweisen. In einer Autopsiestudie mit 701 verstorbenen Menschen fanden Forscher des Rush University Medical Center um Robin Pourzal erhöhte Konzentrationen von Kobalt, Titan und typischen Legierungen von Implantaten. Dass sich derartige Partikel im benachbarten Gewebe ablagerten, ist seit Jahren bekannt, neu ist, dass sie auch ins Gehirn gelangen. Welchen Weg sie dorthin nehmen, vermag die neue Studie dennoch nicht sagen. Unsicher ist ebenfalls, ob erhöhte Werte im Gehirn zu Demenz beitragen. Bei Kobalt zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang, bei Titan schon. Dies lasse sich aber nicht eindeutig auf künstliche Gelenke zurückführen, weil Titanverbindungen unter anderem auch in Nahrung und Medikamenten vorkommen.
Burg in Universität gefunden
Lange suchten Historiker nach der verschollenen Burg Roebuck. Jetzt hat der irische Archäologe Tadhg O’Keeffe vom University College Dublin Hinweise gefunden: aber nicht in Form von Schriftquellen, sondern von Mauern. Tatsächlich war die Burg aus dem 13. Jh. nicht wie viele andere abgerissen, sondern neu aufgebaut und später als archäologisches Institut der Universität verwendet worden. Detaillierte Malereien des Baus aus dem Jahr 1765 machten es möglich, die unter dem Putz verborgen mittelalterlichen Strukturen wiederzuentdecken. Jetzt können Studenten ihre Zeit in dem einstigen Burghof verbringen, der heute der Innenhof ihrer Universität ist.
Zeichnung der Burg Roebuck von dem Maler Gabriel Beranger aus dem Jahr 1768.
Moderne Batterien bestehen aus sehr vielen, sehr dünnen Schichten. Dabei wechseln sich Kathode und Anode sowie Stromleiter und Trennschichten ab. Dieser Aufbau ermöglicht hohe Leistungen, die vielen inaktiven Schichten benötigen jedoch ihrerseits Platz. Forscher um Dr. Oliver Fitz vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme haben die Dicken einzelner Schichten „von bisher üblichen 100 bis 200 Mikrometer auf bis zu 800 Mikrometer“ vervielfacht, die Zahl nötiger Schichten reduziert und dadurch Material gespart. Auf demselben Bauraum und bei gleichem Gewicht wird so mehr Platz für aktives Material. Das erhöht die Energiedichte um rund 10 bis 15 Prozent. Obgleich die Fertigung auf einer „industrienahen Fertigungslinie“ erfolgte, sei weitere Forschung nötig.
Menschliche Zellen in Mäusen
Neurologische Erkrankungen sind schwer zu untersuchen, da das Gehirn komplex und sein lebendes Gewebe fast unzugänglich ist. US-amerikanische Forscher um Prof. Sergiu Pașca von der Stanford Medicine haben dennoch eine Möglichkeit gefunden. Dafür haben sie genetisch veränderte Mäuse erzeugt und ihnen funktionsfähige menschliche Hirnorganoide eingepflanzt. Danach wurden die Nager mit Sauerstoffmangel konfrontiert, der nachweislich zu neurologischen Schäden führt. Der Versuch zeigte funktionelle Einschränkungen bei den menschlichen Gehirnzellen, nicht aber bei normalen Mäusen, was auf die Einzigartigkeit des menschlichen Gehirns hindeutet. Künftig wollen die Mediziner mit dieser Methoden Epilepsie, Autismus und andere Krankheiten erforschen.
Für den Tierversuch wurden die Mäuse so genetisch verändert, dass der Großteil ihres Neokortex und Hippocampus nicht gebildet wurde.
Foto: JacobStudio/iStock
Schon gewusst? Heißes Eis im All
Bei Eis denken wir zunächst an gefrorene Würfel, die wir in ein kaltes Getränk geben. Doch auf den Gasplaneten Neptun und Uranus gibt es auch heißes, flüssiges Eis. Dieser nach irdischem Maßstab seltsame Zustand liegt an der immensen Hitze und des enormen Drucks. Dadurch sind Sauerstoffatome in einem festen Gitter gebunden, während Wasserstoffkerne wie eine Flüssigkeit frei durch sie hindurchfließen können, und sich sogenanntes superionisches Eis bildet.
Nicht alle Wege führen nach Rom
Verkehrstechnisch gilt Rom heute als Mittelpunkt des Römischen Reiches. Das haben dänische Forscher der Universität Aarhus widerlegt, indem sie 300.000 Kilometer des antiken Straßennetzes untersuchten. Dabei entdeckten sie, dass nicht alle Straßen gerade verliefen, sondern sich – wo nötig – der Landschaft anpassten und Provinzhauptstädte oft wichtige Knotenpunkte waren. Doch nicht Rom spielte eine dominierende Rolle, sondern die spätantike Hauptstadt Konstantinopel. Und noch etwas zeigte sich: Römische und heutige Ingenieure nutzten nicht selten die gleichen Strecken, sodass die moderne Infrastruktur wortwörtlich Parallelen zur antiken aufweist.
Rekonstruierter Verlauf der 299.171 Kilometer römische Straßen, die in der Studie untersucht wurden.
Nordkorea führte 2006 bis 2017 sechs unterirdische Kernwaffentests durch. Unmittelbar danach traten zahlreiche kleinere Erdbeben auf, die Spannungen und Einstürze im Untergrund zeigten, binnen Wochen jedoch abklangen. Am 2.205 Meter hohen Mantapsan nahm die seismische Aktivität hingegen bis 2025 zu. „Besonders bemerkenswert“ ist laut Prof. Kwang-Hee Kim von der Pusan National University, dass die „Erdbeben mit der Zeit eine zunehmend deutliche Verteilung entlang bestehender Störungen“ zeigten, was auf eine Reaktivierung der geologischen Bruchzonen durch die Sprengungen deute. Aufgrund unterschiedlicher Geologie lassen sich die Ergebnisse nicht direkt auf andere Testgelände übertragen, erfordern zugleich aber eine langfristige Überwachung – auch bei weniger intensiven Bodennutzungen.
Erster Riese Europas
Unser Kontinent ist um einen Dinosaurier reicher: Paläontologen haben in Spanien die fossilen Überreste eines Diplodocus entdeckt. Dieser gehört zu den Sauropoden, im Volksmund auch Langhälse genannt, und war bislang ausschließlich aus Fundstellen in den USA bekannt. Der 25 Meter lange Gigant wanderte vor 150 Millionen Jahren zwischen den heute voneinander getrennten Kontinenten Europa und Nordamerika umher. Die Fossilien sind derzeit im Dinosaurier-Saal des Museo Aragonés de Paleontología in Dinópolis bei Teruel, Ostspanien, öffentlich ausgestellt.
Die meisten Menschen sind überzeugt, sie könnten zwischen Wahrheit und Manipulation unterscheiden, Werbung erkennen und sich von emotionalen Botschaften nicht beeinflussen lassen. - Foto: rudall30/iStock
In Kürze:
Ob wir etwas für richtig halten, basiert selten auf Fakten, sondern oft darauf, wer etwas sagt – und wie oft wir es schon gehört haben.
Ein Algorithmus muss unsere Gedanken nicht lesen, er beobachtet unser Verhalten. Aus tausenden kleiner Verhaltensmuster entsteht ein erstaunlich präzises Persönlichkeitsprofil.
Psychische Widerstandskraft beginnt daher mit bewusster Mediennutzung. Oft reichen bereits wenige Minuten Abstand, um einen Beitrag deutlich kritischer zu betrachten.
„Ich bilde mir meine Meinung selbst.“ Kaum ein Satz wird häufiger ausgesprochen, wenn es um soziale Medien geht. Die meisten Menschen sind überzeugt, sie könnten zwischen Wahrheit und Manipulation unterscheiden, Werbung erkennen und sich von emotionalen Botschaften nicht beeinflussen lassen. Genau darin liegt jedoch das eigentliche Problem.
Aus psychologischer Sicht gehören die sozialen Medien zu den wirksamsten Beeinflussungsinstrumenten, die der Mensch jemals entwickelt hat. Nicht, weil sie Menschen zwingen, etwas zu glauben oder zu kaufen. Sondern weil sie unser Gehirn genau dort ansprechen, wo wir besonders empfänglich sind: bei unseren Gefühlen, Bedürfnissen und unbewussten Denkprozessen.
Das menschliche Gehirn verarbeitet täglich Millionen von Informationen. Um dabei nicht permanent überlastet zu sein, arbeitet es mit sogenannten Heuristiken – mentalen Abkürzungen. Diese ermöglichen schnelle Entscheidungen, machen uns aber gleichzeitig berechenbar.
Anstatt jede Information kritisch zu prüfen, orientieren wir uns häufig an einfachen Signalen:
Wie viele Menschen teilen einen Beitrag?
Wie viele Likes hat ein Video?
Wer hat den Inhalt veröffentlicht?
Passt die Botschaft zu dem, was ich ohnehin glaube?
Diese Denkabkürzungen sind grundsätzlich sinnvoll. Ohne sie könnten wir unseren Alltag kaum bewältigen. Doch genau diese Mechanismen machen soziale Medien so wirkungsvoll.
Aufmerksamkeit ist die eigentliche Währung
Viele Menschen glauben, soziale Netzwerke seien kostenlose Plattformen zum Austausch von Informationen. Tatsächlich verfolgen sie jedoch ein anderes Ziel: unsere Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden. Je länger wir auf einer Plattform bleiben, desto mehr Werbung kann angezeigt werden.
Deshalb konkurriert jeder Beitrag mit tausenden anderen um einen begrenzten Rohstoff – unsere Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit gewinnt man nicht durch Sachlichkeit. Sie gewinnt, wer Emotionen erzeugt.
Das Smartphone und die sozialen Medien fesseln die Aufmerksamkeit vieler Menschen.
Foto: Visions/iStock
Der Dopamin-Effekt
Jeder Like, jeder Kommentar und jede neue Benachrichtigung aktiviert unser Belohnungssystem. Dabei spielt der Neurotransmitter Dopamin eine entscheidende Rolle. Entgegen einer weit verbreiteten Annahme ist Dopamin weniger das „Glückshormon“ als vielmehr ein Botenstoff, der Erwartungen und Motivation beeinflusst.
Besonders stark reagiert unser Gehirn auf unvorhersehbare Belohnungen. Genau dieses Prinzip nutzen soziale Medien. Manchmal erhält ein Beitrag viele Reaktionen. Manchmal fast keine.
Diese Unvorhersehbarkeit hält uns am Bildschirm. Psychologisch ähnelt dieses Belohnungsmuster dem Prinzip eines Spielautomaten. Nicht jede Handlung wird belohnt – aber gerade deshalb prüfen wir immer wieder unser Smartphone.
Der Vergleich macht unglücklich
Der Mensch vergleicht sich ständig mit anderen. Früher beschränkte sich dieser Vergleich auf Familie, Freunde oder Kollegen. Heute vergleichen wir uns mit Millionen Menschen gleichzeitig.
Dabei sehen wir jedoch nicht deren Realität. Wir sehen deren Highlights. Perfekte Urlaubsbilder. Erfolgreiche Karrieren. Trainierte Körper. Glückliche Partnerschaften. Unser Gehirn vergisst dabei leicht, dass diese Bilder sorgfältig ausgewählt, bearbeitet und inszeniert wurden. Die Folge sind Selbstzweifel.
„Warum bin ich nicht so erfolgreich?“ „Warum sehe ich nicht so aus?“ „Warum scheint mein Leben weniger spannend zu sein?“ Besonders Jugendliche reagieren empfindlich auf diesen permanenten sozialen Vergleich.
Das, was wir in den sozialen Medien zu sehen bekommen, muss nicht immer die Realität sein.
Foto: Aziz Shamuratov/iStock
Der Algorithmus kennt uns besser, als wir glauben
Viele Nutzer entscheiden scheinbar selbst, welche Inhalte sie konsumieren. Tatsächlich entscheidet zunehmend der Algorithmus. Er analysiert:
welche Beiträge wir länger ansehen,
welche Videos wir bis zum Ende anschauen,
worauf wir klicken,
welche Themen uns emotional bewegen,
mit welchen Personen wir interagieren.
Aus tausenden kleiner Verhaltensmuster entsteht ein erstaunlich präzises Persönlichkeitsprofil. Der Algorithmus muss unsere Gedanken nicht lesen. Er beobachtet unser Verhalten und das ist oft aussagekräftiger als Worte.
Wiederholung schafft Glaubwürdigkeit
Ein besonders wirkungsvoller psychologischer Effekt ist die sogenannte Filterblase. Menschen bevorzugen Informationen, die ihre bestehende Meinung bestätigen. Psychologen sprechen vom Bestätigungsfehler (Confirmation Bias).
Algorithmen verstärken diesen Effekt zusätzlich. Wer sich für ein bestimmtes Thema interessiert, erhält mehr Beiträge dazu. Wer häufig politische Inhalte einer Richtung konsumiert, bekommt immer mehr ähnliche Meinungen angezeigt. Mit der Zeit entsteht der Eindruck: „Alle denken so“. Tatsächlich sieht man jedoch lediglich einen kleinen, algorithmisch ausgewählten Ausschnitt der Wirklichkeit.
Hinzu kommt, eine Aussage muss nicht wahr sein, um glaubwürdig zu wirken. Es genügt oft, sie häufig genug zu hören. Psychologen nennen dieses Phänomen den „Illusory Truth Effect“. Je vertrauter uns eine Behauptung erscheint, desto eher halten wir sie für richtig.
Soziale Medien verstärken auch diesen Effekt enorm. Ein Satz wird geteilt. Kommentiert. Als Bild veröffentlicht. Als Video erzählt. Oder als Meme verbreitet. Irgendwann erscheint er selbstverständlich. Nicht weil Beweise vorliegen. Sondern weil unser Gehirn Vertrautheit mit Wahrheit verwechselt.
Geschäftsmodelle mit Vertrauen und Angst
Influencer verkaufen selten nur Produkte. Sie verkaufen Beziehungen. Unser Gehirn entwickelt zu bekannten Gesichtern sogenannte parasoziale Beziehungen. Wir erleben das Gefühl, jemanden zu kennen, obwohl keinerlei persönliche Beziehung besteht.
Dadurch wirken Empfehlungen glaubwürdiger. Nicht, weil sie objektiver wären. Sondern weil Vertrauen entstanden ist. Deshalb können Produktempfehlungen oder Meinungsäußerungen von Influencern einen erstaunlich großen Einfluss entfalten.
Influencer verkaufen selten nur Produkte. Sie verkaufen Beziehungen und bauen Vertrauen auf.
Foto: pondsaksit/iStock
Großen Einfluss haben auch negative Nachrichten, die sich regelmäßig schneller verbreiten als positive. Das ist evolutionsbiologisch nachvollziehbar. Unsere Vorfahren mussten Gefahren möglichst schnell erkennen. Deshalb reagiert unser Gehirn besonders aufmerksam auf Bedrohungen.
Überschriften wie „Das verschweigt man Ihnen“, „Sie werden belogen“ und „Bevor es zu spät ist …“ aktivieren sofort unsere Aufmerksamkeit. Nicht jede alarmierende Überschrift ist falsch. Aber jede nutzt denselben psychologischen Mechanismus.
Mit anderen Worten: Empörung erzeugt Reichweite. Je stärker wir emotional reagieren, desto eher kommentieren, teilen oder diskutieren wir Inhalte. Für Plattformen bedeutet das: Mehr Interaktion. Mehr Aufmerksamkeit. Mehr Werbeeinnahmen. Dadurch entsteht ein Kreislauf, in dem extreme Meinungen häufig sichtbarer werden als ausgewogene Positionen.
Viele Menschen glauben, Fehlinformationen ließen sich einfach durch Fakten korrigieren. Psychologisch funktioniert das jedoch nur begrenzt. Meinungen sind eng mit Identität verbunden.
Greift man eine Überzeugung an, erleben viele Menschen dies als persönlichen Angriff. Dann verteidigen sie ihre Position häufig noch stärker. Veränderung gelingt deshalb eher durch respektvolle Fragen als durch bloße Konfrontation.
Digitale Selbstverteidigung
Niemand ist vollkommen immun gegen Beeinflussung. Doch Aufmerksamkeit schützt. Stellen Sie sich bei emotionalen Beiträgen folgende Fragen:
Wer profitiert davon, dass ich diesen Beitrag glaube?
Welche Gefühle löst der Inhalt in mir aus?
Wird mit Angst oder Empörung gearbeitet?
Werden Quellen genannt?
Gibt es nachvollziehbare Belege?
Würde ich denselben Inhalt auch glauben, wenn er meiner eigenen Meinung widersprechen würde?
Allein diese Fragen aktivieren das analytische Denken und reduzieren impulsive Reaktionen. Psychische Widerstandskraft beginnt daher mit bewusster Mediennutzung. Hilfreich sind unter anderem:
Soziale Medien sind weder gut noch schlecht. Sie informieren, verbinden Menschen und ermöglichen den Austausch von Wissen in einer Geschwindigkeit, die früher unvorstellbar gewesen wäre. Gleichzeitig nutzen sie psychologische Mechanismen, die tief in unserem Denken verankert sind. Aufmerksamkeit, soziale Bestätigung, Wiederholung, emotionale Aktivierung und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit machen uns beeinflussbar – oft, ohne dass wir es bemerken.
Ein bewusster Umgang mit sozialen Medien kann helfen, weniger beeinflusst zu werden.
Foto: champpixs/iStock
Die eigentliche Gefahr liegt daher nicht in einzelnen Plattformen oder Algorithmen, sondern in der Illusion, selbst gegen Manipulation immun zu sein. Wer glaubt, ausschließlich andere seien beeinflussbar, unterschätzt die Funktionsweise des eigenen Gehirns.
Medienkompetenz bedeutet deshalb weit mehr, als Falschmeldungen zu erkennen. Sie beginnt mit der Bereitschaft, die eigenen Gefühle, Denkmuster und spontanen Reaktionen zu hinterfragen. Denn Manipulation verliert in dem Moment an Macht, in dem wir sie erkennen. Zwischen einem Reiz und unserer Reaktion liegt ein kurzer Augenblick – und genau dort entsteht die Freiheit, selbstbestimmt zu entscheiden, wem wir unsere Aufmerksamkeit, unser Vertrauen und letztlich unsere Meinung schenken.
Tiefer Einklang mit Körper und Geist: Meditieren fördert den Optimismus sowie das Gefühl für Sinn und Zweck. - Foto: Illustriert von Ran/The Epoch Times
In Kürze:
Meditation hilft nicht nur beiStress, sondern hat auch positive Wirkungen auf den ganzen Körper.
Das Gehirn profitiert davon, wobei sich unter anderem Konzentration, Gedächtnis und emotionale Regulation verbessern.
Ähnlich wie Beten erfüllt Meditation einen Menschen mit einem Gefühl der Ehrfurcht und Demut, was eine positive Einstellung zum Leben fördert.
Es gibt einige Tipps, die Anfängern helfen können, sich die heilende Wirkung der Meditation leichter zunutze zu machen.
Ob Sokrates oder Laotse: Seit Jahrtausenden praktizieren Menschen Meditation, um geistige Klarheit zu erlangen.
Die Forschung bestätigt diese Praxis. Täglich ein paar Minuten in Meditation zu sitzen, hilft beim Stressabbau. Doch es gibt noch mehr Vorteile, die auch die moderne Forschung Schritt für Schritt entschlüsselt.
Meditation aktiviert die Kommandozentrale des Gehirns: den Frontallappen, insbesondere den präfrontalen Kortex. Ist dieser Bereich aktiver, verbessern sich unsere Aufmerksamkeit, emotionale Regulierung und Selbstwahrnehmung.
Darüber hinaus führt regelmäßige Meditation zu strukturellen Veränderungen im Gehirn und steht in Zusammenhang mit einem verlangsamten Verfall von Nervenzellen. So war die Hirnrinde bei Personen im Alter von 40 bis 50 Jahren, die regelmäßig meditierten, laut einer Studie aus dem Jahr 2005 ähnlich dick wie die von Nicht-Meditierenden, die 20 Jahre jünger waren. Diese zusätzliche Dicke könnte laut den Forschern als eine Form der kognitiven Reserve dienen.
In einer anderen kleinen Studie mit Personen, die zuvor noch nie meditiert hatten, zeigte sich bereits nach acht Wochen Meditation eine Zunahme der grauen Substanz im Gehirn. Ihr Volumen nimmt normalerweise mit zunehmendem Alter ab. Die graue Substanz nahm insbesondere in Gehirnregionen zu, die fürs Lernen und Gedächtnis sowie für die Selbstwahrnehmung und Empathie zuständig sind.
Ferner wirkt Meditation auf die Neuroplastizität des Gehirns, also seine Fähigkeit, zu wachsen und sich zu verändern, sagte Dr. Andrew Newberg gegenüber Epoch Times. Je mehr man sich der Meditation widme, desto „größer sei die Wirkung“, so Newberg, ein Pionier der spirituellen Neurowissenschaften und Forschungsdirektor am Marcus Institute of Integrative Health am Thomas Jefferson University Hospital in Philadelphia.
Zudem schütte das Gehirn während einer Meditation „Glückshormone“ aus, fügte der Neurologe hinzu. So setzt ein Teil des Belohnungs- und Motivationszentrums im Gehirn bei der tiefen Meditation 65 Prozent mehr Dopamin frei. Bei langjährigen Meditierenden kann der Serotoninspiegel im Blut laut Untersuchungen um etwa 26 Prozent höher sein.
Mit Antidepressiva vergleichbar
Meditation kann außerdem ähnlich wie Medikamente wirken. Das zeigte beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 2022 zum Thema Angstzustände. Dabei verglichen die Forscher eine auf Achtsamkeit basierende Behandlung zur Stressreduktion mit dem Medikament Escitalopram, einem Mittel gegen Angstzustände und Depressionen. Demnach war Achtsamkeit bei der Behandlung von Angstzuständen „Escitalopram nicht unterlegen“, hieß es in der Untersuchung.
Das zeige, dass meditative Praktiken eine „Alternative mit weniger Nebenwirkungen“ bei Angststörungen darstellen, sagte Dr. Elizabeth A. Hoge zu Epoch Times. Hoge ist Fachärztin für Psychiatrie und Leiterin des Forschungsprogramms für Angststörungen am Georgetown University Medical Center.
Beruhigt das Herz und lindert Schmerzen
Meditation beruhigt den Körper zusätzlich, indem sie die Herzfrequenz verlangsamt und Schmerzen lindert.
Da Meditation Stresshormone und Entzündungen senke sowie Ruhe und Erholung im Körper fördere, mindere sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sagte Dr. V. S. Prakash gegenüber Epoch Times. Prakash ist leitender interventioneller Kardiologe und Herz-Elektrophysiologe am Manipal Hospital in Bengaluru, Indien.
Eine höhere Herzratenvariabilität verbessert Ihre Reaktion auf Stress, da sie die Fähigkeit unterstützt, von einer Stresssituation schneller wieder den Ruhemodus zu erreichen.
Die beruhigende Wirkung der Meditation auf Körper und Geist lindert zudem Schmerzen. Wie eine Studie aus dem Jahr 2025 ergab, ist Achtsamkeitsmeditation bei starken chronischen Rückenschmerzen mit der kognitiven Verhaltenstherapie vergleichbar.
Achtsamkeit bringe den Menschen bei, innezuhalten und körperliche Empfindungen wahrzunehmen, meinte Dr. Aleksandra Zgierska zu Epoch Times. Achtsamkeit helfe den Menschen zu erkennen, dass Schmerzen oft schwanken und bewältigt werden können – eine Einsicht, die das Leiden verringern könne, so die Hauptautorin der Studie und stellvertretende Vorsitzende für Forschung am Fachbereich Familien- und Gemeindemedizin am Penn State College of Medicine.
„Menschen verfallen oft in eine sogenannte ‚Schmerzkatastrophisierung‘. Sie erwarten, dass sich der Schmerz verschlimmert und vermeiden deshalb bestimmte Aktivitäten“, sagte sie. „Dies kann einen Teufelskreis auslösen. Achtsamkeit hilft, diesen Kreislauf zu durchbrechen.“
Personen, die beten, weisen ähnliche neurophysiologische Mechanismen auf wie Personen, die meditieren. Das zeigten bildgebende Hirnuntersuchungen des Neurologen Newberg.
Sowohl Meditation als auch Gebet steigern die Aufmerksamkeit und Konzentration im Gehirn, während sie gleichzeitig die Aktivität im Parietallappen verringern. Der Parietallappen ist daran beteiligt, uns ein räumliches Selbstbewusstsein zu vermitteln. Ist er weniger aktiv, führt es dazu, dass Menschen, die regelmäßig meditieren oder beten, „ihr Selbstgefühl verlieren oder eine tiefe Verbundenheit mit dem Universum oder Gott empfinden“, so Newberg.
Er fügte hinzu: „Meditieren oder Beten erfüllt einen Menschen zudem mit einem Gefühl der Ehrfurcht und Demut, das mit jeder solchen Erfahrung stärker wird.“
Sich im tiefen Einklang mit dem Universum zu fühlen, führe zu einem tiefen Gefühl innerer Geborgenheit, sagte Margaret Trey, eine Forscherin mit einem Doktortitel in Psychotherapie. Es sei „wohltuend und heilend“, sagte sie zu Epoch Times.
Dies steigere letztendlich den Optimismus sowie das Gefühl für Sinn und Zweck.
Wie können wir die heilende Wirkung der Meditation nutzen? Erst einmal beinhaltet Meditation traditionell
kontrolliertes Atmen,
das schrittweise Ausblenden abschweifender Gedanken,
das Erreichen eines ruhigen, klaren Geisteszustands.
„Meditation ist keine Darbietung – sie ist Übung“, sagte dazu die Psychotherapeutin Trey. Für Meditationsanfänger empfiehlt sie, täglich fünf Minuten lang still zu sitzen und die Dauer schrittweise zu verlängern.
Man sollte sich nicht zwingen, seinen Geist von Anfang an zu leeren. Stattdessen damit beginnen, seine Gedanken wahrzunehmen. Wenn ein negativer oder ängstlicher Gedanke auftauche, könne man ihn beobachten und vorbeiziehen lassen, anstatt sich in ihm zu verstricken.
Wenn der Geist abschweift, könne man ihn einfach zurückbringen – man sitze genau hier, so Trey, die seit mehr als 20 Jahren Forschung zu den Vorteilen der Meditationspraxis Falun Gong betreibt und drei Bücher verfasst hat. Ihr zufolge hat Falun Gong ihr geholfen, das ständige „innere Geschwätz“ ihres Geistes zu beruhigen.
Ihrer Meinung nach werden wir in unserem Alltag von Emotionen getrieben. Emotionen würden oft wie ein Feuer ausbrennen und einen erschöpften Körper und Geist zurücklassen. Im Gegensatz dazu „kann geistige Stille zutiefst erholsam sein“, sagte sie.
„Der ruhende Geist ist ein Geist, der endlich frei ist, das zu empfangen, was das Denken allein niemals erreichen könnte.“
Ein Hauch von Schokolade sorgt dafür dass sich das Training weniger anstrengend anfühlt, heißt es in einer neuen Studie. - Foto: WS Studio/iStock
Laut einer neuen Studie kann das Einatmen des Schokoladendufts vor dem Krafttraining dazu beitragen, mehr Wiederholungen zu schaffen – sogar auf nüchternen Magen.
Die Ergebnisse, die kürzlich in der Fachzeitschrift „Frontiers in Physiology“ veröffentlicht wurden, untermauern die wachsende Erkenntnis, dass das Gehirn – und nicht nur Muskeln und Stoffwechsel – eine wichtige Rolle bei der sportlichen Leistung spielt.
Das Einatmen von Schokoladendüften unmittelbar vor und zwischen den Sätzen „erhöhte das gesamte Trainingsvolumen der Teilnehmer deutlich“, sagte der leitende Studienautor Mohamed Nashrudin bin Naharudin in einer Erklärung.
Zudem habe sich das Training für die Probanden weniger anstrengend angefühlt, so der Assistenzprofessor an der Fakultät für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Malaya in Kuala Lumpur, Malaysia.
Die Forscher rekrutierten 23 mäßig trainierte, gesunde Männer im Alter von Anfang bis Mitte 20 und teilten sie in drei Gruppen ein, die verschiedenen Düften ausgesetzt wurden:
Alle Teilnehmer fasteten mindestens 10 Stunden, bevor sie einige Sätze mit Übungen zum Beinstrecken absolvierten.
Die Teilnehmer, die dunkle Schokolade mit 90 Prozent Kakaoanteil rochen, führten etwa 18 zusätzliche Wiederholungen bei den Übungen durch. Sie gaben zudem an, weniger Hunger zu verspüren.
Probanden, die den Duft von Milchschokolade mit 60 Prozent Kakaoanteil wahrnahmen, steigerten ihre Wiederholungszahl um rund neun. Sie berichteten jedoch nicht über Veränderungen hinsichtlich Hunger oder Sättigungsgefühl.
Dunkle Schokolade hatte die stärkere Wirkung
Das Riechen von Lebensmitteln kann die Erwartung wecken, diese zu essen. „Das Gehirn assoziiert den Geruch von dunkler Schokolade mit einem sättigenden Lebensmittel. Das Riechen kann dann dazu führen, dass man sich weniger hungrig fühlt“, erklärte Nashrudin bin Naharudin.
Umgekehrt könnte der süßere Geruch von Milchschokolade als wohltuende Belohnung wirken. Das macht das Trainingsumfeld angenehmer und regt die Menschen dazu an, mehr Wiederholungen zu absolvieren, ohne dass der Hunger direkt gesenkt wird.
Da sie im Rahmen der Studie weder Hormone noch die Gehirnaktivität maßen, sind laut den Studienautoren weitere Untersuchungen erforderlich, um den Mechanismus genau zu ergründen.
Schokolade ist eine starke und weithin anerkannte Belohnung. Allerdings glauben die Forscher, dass andere vertraute Lebensmittel, die mit Sättigung in Verbindung stehen, ähnliche Effekte haben könnten. Sie betonten, dass der Geruch vertraut und ansprechend sein muss, um die psychologischen und physiologischen Reaktionen auszulösen, die die Leistung fördern.
Die beobachteten Effekte hängen höchstwahrscheinlich eher mit psychologischen Faktoren wie Motivation oder Stimmung zusammen als mit direkten physiologischen Veränderungen, sagte Denise Chakoian gegenüber der Epoch Times. Sie ist eine zertifizierte Fitnesstrainerin und Inhaberin von Core Cycle Fitness LaGree in den USA und war nicht an der Studie beteiligt.
„Der Geruchssinn steht in direkter Verbindung zu den Bereichen des Gehirns, die für Emotionen, Gedächtnis und Motivation zuständig sind“, sagte sie. „Ein vertrauter Duft wie Schokolade kann jemanden in eine positivere Stimmung versetzen, noch bevor er überhaupt mit dem Training beginnt.“
Allein diese Veränderung könne Menschen dabei helfen, noch ein paar zusätzliche Wiederholungen zu schaffen, fügte sie hinzu.
„In dieser Studie gaben die Teilnehmer nicht an, dass ihnen das Training schwerer fiel. Das deutet darauf hin, dass die Wahrnehmung eine wichtige Rolle spielte“, so die Fitnesstrainerin. Dies bedeute aber nicht, dass es keine physiologischen Veränderungen gegeben habe, sondern dass der psychologische Effekt möglicherweise der größere Antrieb gewesen sei.
„Das ist eine gute Erinnerung daran, dass unser Gehirn die körperliche Leistungsfähigkeit stärker beeinflusst, als uns oft bewusst ist“, merkte sie an.
Duftbasierte Tricks seien allerdings kein Ersatz für eine gute Ernährung, Schlaf oder Bewegung. Sie könnten aber ein nützliches zusätzliches Hilfsmittel sein, insbesondere an Tagen mit wenig Energie, an denen geistige Erschöpfung das Training eher vorzeitig beenden lässt, fügte Chakoian hinzu.
Es ist nicht das erste Mal, dass Forscher einen Zusammenhang zwischen Duft und Leistung hergestellt haben. Eine systematische Übersicht aus dem Jahr 2024 untersuchte, wie Düfte verschiedene Arten körperlicher Aktivität beeinflussten. Die erwähnten Gerüche umfassen unter anderem Pfefferminze, Lavendel und Zitrusfrüchte und ein spezielles Ammoniak-Riechsalz.
Pfefferminze steht mit erhöhter Aufmerksamkeit und Ausdauer in Verbindung.
Zwei Studien aus der Übersichtsarbeit zeigten positive Auswirkungen auf die Präzision. Eine davon ergab, dass der Duft von Jasmin die Bowling-Ergebnisse der untersuchten Teilnehmer um 26,5 Prozent verbesserte. Laut einer weiteren Studie ließ Pfefferminze Dartspieler konstanter spielen. Eine andere Studie stellte sogar fest, dass der Duft von Lavendel das Gleichgewicht der Teilnehmer verbessern konnte.
Chakoian zufolge deuten diese Ergebnisse auf eine mögliche Rolle von duftbasierten „Tricks“ hin, um Menschen dabei zu helfen, mentale Barrieren oder Schlappheit während des Trainings zu überwinden. Es sei aber weitere Forschung erforderlich, bevor allgemeine Empfehlungen ausgesprochen werden können.
Warum unsicherer Gang ein frühes Warnsignal des Gehirns sein kann. - Foto: LightFieldStudios/ iStock
Erste Anzeichen für neurologische Erkrankungen, wie Demenz oder Parkinson, können sich statt im Gedächtnis in den Beinen zeigen. Entgegen der weit verbreiteten Annahme ist ein unsicherer oder verlangsamter Gang im Alter kein reines Verschleißsymptom.
Denn das Gehen erfordert die blitzschnelle Zusammenarbeit zahlreicher Gehirnareale. Das Gehirn steuert nicht nur die Schritte, sondern analysiert kontinuierlich Umwelt, Balance und Körperhaltung. Subtile Abweichungen in Koordination und Geschwindigkeit können deshalb Jahre vor Gedächtnisstörungen auf Probleme im Hirn hinweisen. Sobald das neuronale Zusammenspiel gestört ist, verlangsamt sich der Schritt.
3 Hirnerkrankungen, die sich zuerst auf Ihren Gang auswirken können
Wenn der Körper altert, einen Mini-Schlaganfall erleidet oder degenerative neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Demenz entwickelt, ist das erste Anzeichen ein instabiler Gang.
1. Frühe Demenz
Eine 2023 in „Scientific Reports“ veröffentlichte Studie analysierte die Gehgeschwindigkeit von fast 2.000 älteren Menschen und stellte fest, dass diejenigen mit eingeschränkter kognitiver Funktion im Alltag langsamer gingen. Selbst Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung zeigten zu bestimmten Zeitpunkten eine Abnahme der Gehgeschwindigkeit, noch bevor es zu einer signifikanten Verschlechterung des Gedächtnisses kam.
2. Parkinson-Krankheit
Das Gehirn von Patienten mit der Parkinson-Krankheit verliert allmählich seine Fähigkeit, Dopamin zu produzieren, was zu schmaleren Schritten, einem schleppenden Gang und einem verminderten Armschwung führt. Viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass dies lediglich ein Zeichen des Alterns ist, und verpassen so die Gelegenheit für eine frühzeitige Behandlung.
3. Kleingefäßerkrankung
Ein Schlaganfall in den tiefen Kleingefäßen des Gehirns kann die Leitungsbahnen der weißen Substanz beeinträchtigen, wodurch die Signalübertragung gestört wird und es zu einem langsamen und unsicheren Gang kommt. Da jedoch keine offensichtlichen Symptome einer einseitigen Lähmung vorliegen, wird diese Erkrankung oft übersehen.
Auch chronische Entzündungen beeinträchtigen das Gehen
Neben Hirnerkrankungen wie Demenz und Parkinson „verbrennt“ eine chronische Entzündung still und leise das Gehirn, erklärt Dr. Ping-Hsien Hsieh, leitender Neurochirurg am National Chiao Tung University Hospital in Taiwan, gegenüber Epoch Times.
Studien haben ergeben, dass ältere Erwachsene mit höheren Konzentrationen von Entzündungsfaktoren im Blut tendenziell langsamer gehen und ein höheres Risiko für zukünftige motorische Beeinträchtigungen haben. Eine chronische, schwach ausgeprägte Entzündung ist wie ein kleines, anhaltendes Feuer, das im Gehirn brennt. Man spürt es normalerweise nicht, aber der Schaden summiert sich täglich:
Schädigung von Nervenzellen: Entzündungsfaktoren wie die proinflammatorischen Zytokine IL-6 und TNF-α können Nervenzellen angreifen und so die Übertragung von Nervensignalen verlangsamen.
Läsionen der weißen Substanz: Die „Leitungen“ im Gehirn, die für die Übertragung motorischer Befehle zuständig sind, werden geschädigt, was die Gangsteuerung beeinträchtigt.
Dopaminmangel: Chronische Entzündungen hemmen die Dopaminausschüttung, wodurch die Einleitung von Bewegungen langsamer und mühsamer wird.
Störungen der Muskelkoordination: Verzögerte Signale aus dem Gehirn stören das Timing der Muskelkontraktionen, was zu einem langsameren und unsicheren Gang führt.
Es gibt eine Reihe von Ursachen, die zu chronischen Entzündungen führen, darunter anhaltender Schlafmangel, das metabolische Syndrom, ein Ungleichgewicht der Darmflora und langfristiger psychischer Stress – all dies kann, ohne dass man es merkt, die Degeneration des Gehirns und den Rückgang der motorischen Fähigkeiten beschleunigen, sagte Hsieh.
5 Veränderungen beim Gehen, die Sie nicht ignorieren sollten
Eine Verlangsamung des Gehens tritt in der Regel nicht plötzlich auf, so Hsieh. Das Gehirn sendet oft schon im Vorfeld viele Warnsignale, wie zum Beispiel:
Beim Gehen auf den Boden zu schauen: Normalerweise sollte der Blick beim Gehen ganz natürlich nach vorne gerichtet sein. Wenn Sie anfangen, gewohnheitsmäßig auf den Boden zu schauen, kann dies auf eine Verschlechterung des Gleichgewichts und des räumlichen Urteilsvermögens hindeuten.
Mehr Schritte zum Abbiegen benötigen: Da die Reaktion des Gehirns auf Richtungswechsel langsamer wird, muss das Abbiegen in mehrere kleine Schritte unterteilt werden.
Schwierigkeiten, beim Gehen und Sprechen das Gleichgewicht zu halten: Wenn Sie beim Gehen und Sprechen leicht das Gleichgewicht verlieren, spricht man von einer „Dual-Task-Störung“; dies deutet auf eine nachlassende Fähigkeit des Gehirns hin, zwei Dinge gleichzeitig zu verarbeiten. Es ist ein deutliches Warnzeichen für einen kognitiven Rückgang.
Zunehmend kürzere Schritte: Wenn Ihre Schritte merklich kürzer und langsamer werden, insbesondere morgens oder in ungewohnter Umgebung, könnte dies ein Warnzeichen sein.
Asymmetrischer Armschwung: Wenn ein Arm normal schwingt, der andere jedoch nicht, kann dies auf ein Problem mit der einseitigen Nervenleitung hindeuten.
Wenn Sie eines dieser Symptome bemerken, insbesondere wenn Sie kürzlich eine Kopfverletzung, einen Sturz oder heftiges Schütteln erlitten haben, sollten Sie sich so schnell wie möglich von einem Neurochirurgen untersuchen lassen, so Hsieh.
Förderung der Gehirngesundheit durch den Lebensstil
Zwar lässt sich nicht jede neurologische Erkrankung verhindern, doch gesunde Lebensgewohnheiten, die Entzündungen reduzieren und die Gehirnfunktion unterstützen, können dazu beitragen, die Mobilität im Alter zu erhalten.
Der japanische Neurowissenschaftler Nobusada Shinoura empfiehlt Knoblauchöl als wirksames Nahrungsergänzungsmittel für kognitive Langlebigkeit und Neuroprotektion.
Eine in „ACS Chemical Neuroscience“ veröffentlichte Übersichtsarbeit ergab, dass verschiedene chemische Bestandteile des Knoblauchs, insbesondere Organoschwefelverbindungen, therapeutisches Potenzial bei der Parkinson-Krankheit haben. Diese Komponenten können oxidativen Stress reduzieren, die Mitochondrienfunktion wiederherstellen und neuroinflammatorische Reaktionen verringern, was zum Schutz der Nervenzellen im Gehirn beiträgt.
Knoblauchöl kann über Gemüsesalate, Miso-Suppe oder gekühlten Tofu geträufelt oder mit Brot verzehrt werden. Shinoura pflegt seit vielen Jahren die Gewohnheit, vor Operationen Knoblauchöl einzunehmen. Nach der Einnahme habe er das Gefühl, dass seine Nervenaktivität lebhafter werde und er sich insgesamt energiegeladener fühle, schrieb er.
Der Schutz des Gehirns könne nicht allein auf ein einziges Lebensmittel beruhen; eine ganzheitliche Ernährung sei wichtiger, meint Shinoura.
Die Ernährung sollte in erster Linie aus Gemüse und Vollkornprodukten bestehen, ergänzt durch reichlich fermentierte Lebensmittel, Meeresfrüchte und Pilze. Er empfiehlt insbesondere Blauflossenbrasse, Makrelenhecht und Sardinen, die reich an den Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA sind, da diese der Gesundheit des Gehirns zuträglich sind.
Neben der Ernährungstherapie schlägt Shinoura auch Ausdauertraining wie Tai Chi und zügiges Gehen vor. Die Intensität der Bewegung sollte so sein, dass man leicht ins Schwitzen kommt und der Puls unter 110 bis 120 Schlägen pro Minute bleibt; übermäßig anstrengende Übungen sind nicht erforderlich.
Gedächtnisverlust ist nicht immer der erste Hilferuf des Gehirns. Manchmal zeigen sich die frühesten Anzeichen in der Art, wie man geht.
Wenn Sie bemerken, dass Sie langsamer gehen, ungewöhnlich kurze Schritte machen, Schwierigkeiten beim Wenden haben oder häufiger das Gleichgewicht verlieren, sollten Sie diese Veränderungen nicht einfach als Zeichen des Älterwerdens abtun.
Zeitlich begrenzte Angebote und Aussagen, wie „nur noch wenige Stück verfügbar“ erzeugen eine künstliche Knappheit und die Angst, etwas zu verpassen. Die Überlegung, ob wir etwas tatsächlich benötigen, tritt dabei in den Hintergrund. - Foto: VTT Studio/iStock
In Kürze:
Unser Gehirn arbeitet mit Abkürzungen. Das macht uns effektiv, aber anfällig für Manipulation.
Wer weiß, wie Menschen denken und fühlen, kann dieses Wissen gezielt einsetzen – zum Guten, aber auch zum eigenen Vorteil.
Künstlicher Zeitdruck und induzierte Gefühle sind mächtige Werkzeuge der Manipulation, aber nicht die Einzigen.
Freie Entscheidung beginnt daher mit einer Pause und einer Frage an sich selbst.
Jeden Tag treffen wir unzählige Entscheidungen. Wir wählen, was wir einkaufen, wem wir vertrauen, welche Nachrichten wir glauben oder wie wir auf andere Menschen reagieren. Dabei sind wir überzeugt, frei und unabhängig zu entscheiden. Doch die Wahrheit ist: Unser Gehirn arbeitet mit Abkürzungen. Diese sogenannten mentalen Heuristiken helfen uns, schnell Entscheidungen zu treffen – machen uns aber gleichzeitig anfällig für Manipulation.
Manipulation begegnet uns überall. Sie findet nicht nur in der Werbung statt, sondern auch in Beziehungen, im Berufsleben, in den sozialen Medien und in der Politik. Oft geschieht sie so subtil, dass wir sie gar nicht bemerken. Erst im Nachhinein fragen wir uns: „Warum habe ich eigentlich zugestimmt?“, oder „Wie konnte ich mich darauf einlassen?“
Warum unser Gehirn manipulierbar ist
Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, Energie zu sparen. Würden wir jede Entscheidung gründlich analysieren, wären wir bereits vor dem Frühstück erschöpft. Deshalb nutzt unser Denken Faustregeln. Wir orientieren uns an Erfahrungen, Gewohnheiten – und den Reaktionen anderer Menschen.
Diese Abkürzungen funktionieren meistens gut. Genau sie machen uns jedoch berechenbar. Wer weiß, wie Menschen denken und fühlen, kann dieses Wissen gezielt einsetzen – zum Guten, aber auch zum eigenen Vorteil.
Sympathie, Gegenseitigkeit und künstliche Begehrlichkeit
Menschen sagen eher Ja zu Personen, die sie sympathisch finden. Ein freundliches Lächeln, Gemeinsamkeiten oder ein ehrliches Kompliment schaffen Vertrauen. Genau deshalb investieren Verkäufer, Influencer oder geschickte Verhandler zunächst in den Beziehungsaufbau. Wer sich verstanden fühlt, senkt unbewusst seine kritische Haltung.
Natürlich ist Freundlichkeit nichts Negatives. Problematisch wird sie erst dann, wenn sie ausschließlich dazu dient, Entscheidungen zu beeinflussen.
Wer etwas geschenkt bekommt, verspürt häufig den Wunsch, sich zu revanchieren. Dieses Prinzip ist tief in unserer sozialen Entwicklung verankert. Kostenlose Proben, kleine Geschenke oder vermeintlich unverbindliche Gefälligkeiten erzeugen oft ein Gefühl der Verpflichtung. Dabei spielt der tatsächliche Wert des Geschenks kaum eine Rolle. Entscheidend ist das Gefühl: „Jetzt sollte ich mich erkenntlich zeigen.“
Hinzu kommt: Die Angst, eine Gelegenheit zu verpassen, ist häufig größer als die Freude über einen möglichen Gewinn. Dieses Phänomen wird auch als Fear of Missing Out (FOMO) bezeichnet.
„Nur noch zwei Stück verfügbar.“
„Dieses Angebot gilt nur heute.“
Solche Aussagen begegnen uns ständig. Dahinter steckt ein einfacher psychologischer Mechanismus: Was knapp erscheint, wirkt automatisch wertvoller. In Wirklichkeit reduziert Zeitdruck unsere Fähigkeit, kritisch nachzudenken. Deshalb lohnt es sich fast immer, wichtige Entscheidungen eine Nacht zu überschlafen.
Menge und Autorität sagen nichts über Inhalt
Die Angst, etwas zu verpassen, wirkt aber nicht nur im Einzelhandel. Auch die Anziehungskraft sozialer Netzwerke beruht zum großen Teil auf dem Nicht-Verpassen-Wollen. Zugleich ist hier ein zweiter Effekt am Werk: Wenn viele Menschen etwas tun, muss es doch richtig sein – oder?
Doch Algorithmen kennen unsere Interessen oft erstaunlich genau. Sie zeigen Inhalte, die unsere Aufmerksamkeit möglichst lange binden. Je häufiger wir bestimmte Meinungen lesen, desto vertrauter erscheinen sie uns. Psychologen sprechen vom „Mere-Exposure-Effekt“: Allein die wiederholte Begegnung mit einer Aussage erhöht ihre Glaubwürdigkeit.
Deshalb lohnt es sich, bewusst unterschiedliche Informationsquellen zu nutzen und gelegentlich die eigene Sichtweise zu hinterfragen, denn unser Gehirn orientiert sich an der Gruppe. Tausende positive Bewertungen, lange Warteschlangen oder Formulierungen wie „Bestseller“ oder „Die Nummer 1“ erzeugen Vertrauen. Dieses Prinzip ist besonders hilfreich, wenn wir uns unsicher fühlen. Allerdings bedeutet Beliebtheit nicht automatisch Qualität.
Auch ein weißer Kittel, akademische Titel oder eine beeindruckende Berufsbezeichnung können unsere Wahrnehmung erheblich verändern. Das bedeutet nicht, dass Experten grundsätzlich falschliegen. Dennoch sollten Aussagen immer anhand ihrer Inhalte beurteilt werden – nicht allein aufgrund des Status der Person.
Geschichte und Forschung zeigen immer wieder, dass Menschen Autoritäten erstaunlich weit folgen können, selbst wenn sie dabei gegen ihre eigenen Überzeugungen handeln.
Das Ja-Sagen beginnt mit kleinen Schritten
Eine bekannte Technik besteht darin, zunächst um eine kleine Zustimmung zu bitten. Wer einmal Ja gesagt hat, stimmt später häufig auch größeren Bitten zu. Aus 5 Minuten werden dann schnell 20 und am Ende ist der halbe Tag vertan.
Psychologen sprechen hier vom Wunsch nach Konsistenz. Wir möchten als verlässlich gelten und handeln deshalb oft im Einklang mit früheren Entscheidungen. Dieses Prinzip begegnet uns beim Spendensammeln ebenso wie im Verkauf oder in persönlichen Beziehungen.
Kaum ein Gefühl beeinflusst unser Verhalten so stark wie Angst. Wer Angst hat, sucht nach Sicherheit. Genau deshalb funktionieren Schlagzeilen, die Bedrohungen betonen, häufig besonders gut. Auch Betrüger nutzen dieses Prinzip. Sie erzeugen zunächst Unsicherheit und präsentieren anschließend die vermeintliche Lösung.
Ein ruhiger Moment zum Nachdenken reicht oft aus, um Manipulationsversuche zu erkennen.
Und dann sind da noch Schuldgefühle und emotionale Erpressung:
„Wenn du mich wirklich lieben würdest …“
„Nach allem, was ich für dich getan habe …“
Solche Aussagen zielen nicht auf einen sachlichen Austausch, sondern auf Schuldgefühle. Emotionale Erpressung nutzt unsere Angst vor Ablehnung oder Konflikten. Statt frei zu entscheiden, handeln wir aus schlechtem Gewissen. Gesunde Beziehungen zeichnen sich dagegen durch Respekt, Freiwilligkeit und gegenseitige Wertschätzung aus.
Wie Sie Manipulation erkennen …
Manipulation arbeitet häufig mit denselben Mustern:
künstlicher Zeitdruck
starke emotionale Ansprache
Schuldgefühle
übertriebene Versprechen
scheinbare Alternativlosigkeit
Berufung auf Autoritäten
Gruppendruck
übermäßiges Lob oder Schmeichelei
Je mehr dieser Signale gleichzeitig auftreten, desto vorsichtiger sollten Sie sein.
… und sich vor ihr schützen
Der wirksamste Schutz beginnt mit einem kurzen Moment der Pause.
Fragen Sie sich:
Warum treffe ich diese Entscheidung gerade jetzt?
Profitiere wirklich auch ich davon?
Würde ich ohne Zeitdruck genauso entscheiden?
Welche Gefühle werden gerade bei mir ausgelöst?
Welche Informationen fehlen mir noch?
Allein diese Fragen aktivieren das analytische Denken und reduzieren die Wirkung vieler Manipulationstechniken.
Ebenso hilfreich ist es, wichtige Entscheidungen niemals ausschließlich aus Angst, Euphorie oder schlechtem Gewissen heraus zu treffen. Auch wenn Sie dafür Zeit benötigen und den anderen warten lassen müssen.
Fazit
Dass Manipulation funktioniert, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Folge unserer menschlichen Denkweise. Unser Gehirn nutzt Vereinfachungen, Gefühle und Erfahrungen, um den Alltag zu bewältigen. Genau diese Mechanismen können jedoch ausgenutzt werden.
Fakt ist auch, wir alle sind beeinflussbar, doch nicht jede Form der Beeinflussung ist automatisch negativ. Eltern motivieren ihre Kinder, Lehrkräfte begeistern für Wissen und Therapeuten unterstützen Menschen dabei, hilfreiche Verhaltensweisen zu entwickeln. Der Unterschied liegt in der Absicht. Während Manipulation den Vorteil des Beeinflussenden in den Mittelpunkt stellt, verfolgt eine respektvolle Kommunikation das Ziel, beide Seiten zu stärken.
Die gute Nachricht lautet: Wer die wichtigsten psychologischen Tricks kennt, erkennt sie schneller. Ein kurzer Moment des Innehaltens, kritisches Nachfragen und das Bewusstsein für die eigenen Gefühle reichen oft aus, um Manipulationsversuchen die Wirkung zu nehmen.
Die größte Freiheit besteht nicht darin, sich niemals beeinflussen zu lassen. Sie besteht darin, den Unterschied zwischen einer selbstbestimmten Entscheidung und einer geschickten Beeinflussung zu erkennen. Denn je besser wir verstehen, wie unser Denken funktioniert, desto souveräner können wir unseren eigenen Weg gehen.
Manipulation folgt selten einem Zufallsprinzip. Vielmehr bedient sie sich psychologischer Mechanismen, die tief in unserem Verhalten verankert sind. - Foto: SvetaZi/iStock
In Kürze:
Eltern motivieren ihre Kinder, Lehrer versuchen, Lernverhalten zu fördern, und Verkäufer möchten verkaufen. Manipulation ist allgegenwärtig und nicht immer ein negatives Verhalten.
Manipulation funktioniert nicht, weil Menschen naiv sind, sondern, weil unser Gehirn auf Vertrauen, Kooperation und soziale Verbundenheit ausgerichtet ist.
Der wichtigste Schutz besteht nicht darin, jedem zu misstrauen. Viel hilfreicher ist die Bereitschaft, das eigene Erleben regelmäßig zu hinterfragen.
Im ersten Teil habe ich erklärt, warum unser Gehirn beeinflussbar ist, Manipulation selten mit einer großen Täuschung beginnt und auch intelligente Menschen nicht vor ihr gefeit sind.
Um es in aller Kürze zusammenzufassen: Manipulation folgt selten einem Zufallsprinzip. Vielmehr bedient sie sich psychologischer Mechanismen, die tief in unserem Verhalten verankert sind. Je subtiler diese Techniken eingesetzt werden, desto schwieriger sind sie zu erkennen. Genau darum geht es im Folgenden.
Das Prinzip der Gegenseitigkeit
Eine der stärksten sozialen Regeln lautet: Wer etwas bekommt, möchte etwas zurückgeben. Dieses Prinzip der Reziprozität gehört zu den Grundpfeilern menschlichen Zusammenlebens. Im Alltag erleben wir dies ständig.
Ein Kollege übernimmt eine Aufgabe für uns und wir fühlen uns verpflichtet, ihm später ebenfalls einen Gefallen zu tun. Ein Verkäufer bietet eine kostenlose Kostprobe an. Kurz darauf steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir etwas kaufen.
Manipulation beginnt dort, wo Gefälligkeiten nicht aus Hilfsbereitschaft erfolgen, sondern ausschließlich dazu dienen, eine spätere Verpflichtung zu erzeugen. Das schlechte Gewissen übernimmt dann die eigentliche Überzeugungsarbeit.
Kleine Schritte mit großer Wirkung
Menschen stimmen kleinen Bitten deutlich häufiger zu als großen Forderungen. Wer bereits einmal „Ja“ gesagt hat, möchte dieses Bild von sich selbst aufrechterhalten.
Ein klassisches Beispiel: Zunächst bittet jemand lediglich um 5 Minuten Hilfe. Wenig später werden daraus 20 Minuten. Schließlich übernimmt man ein ganzes Projekt.
Jede einzelne Bitte erscheint harmlos. Erst im Rückblick wird deutlich, wie weit man sich von der ursprünglichen Situation entfernt hat. Verhaltensanalytiker beobachten dieses Muster nicht nur im Berufsleben, sondern auch in Partnerschaften und Freundschaften.
Wer einmal Hilfe zugesichert hat, will sie oft nicht zurückziehen und hilft immer wieder. Das kann von manipulativen Menschen gezielt ausgenutzt werden.
Foto: Tatsiana Volkava/iStock
Schuld als Druckmittel
Schuldgefühle gehören zu den stärksten menschlichen Emotionen. Sie dienen eigentlich dazu, Beziehungen zu stabilisieren und Verantwortung zu übernehmen. Manipulative Menschen nutzen Schuld jedoch gezielt.
Sätze wie „Nach allem, was ich für dich getan habe …“, „Wenn du mich wirklich lieben würdest …“ und „Ich hätte das für dich sofort gemacht“ zielen nicht auf einen sachlichen Austausch, sondern auf emotionalen Druck.
Plötzlich steht nicht mehr die eigentliche Frage im Mittelpunkt, sondern das Bedürfnis, das unangenehme Schuldgefühl möglichst schnell zu beenden.
Besonders belastend ist eine Form der Manipulation, bei der Menschen beginnen, ihrer eigenen Wahrnehmung zu misstrauen. Typische Aussagen sind: „Das habe ich nie gesagt“, „Du bildest dir das nur ein“, „Du bist viel zu empfindlich“ oder „Das hast du völlig falsch verstanden“.
Einzelne dieser Aussagen müssen noch keine bewusste Manipulation darstellen. Missverständnisse gehören zu jeder Beziehung. Problematisch wird es, wenn solche Reaktionen systematisch auftreten und die betroffene Person zunehmend an ihrem Gedächtnis, ihren Gefühlen oder ihrer Wahrnehmung zweifelt.
Das Ziel besteht nicht immer darin, die Realität vollständig umzuschreiben. Häufig genügt bereits die Verunsicherung des Gegenübers.
Fallen häufig Sätze wie „Das habe ich nie gesagt“, kann das Betroffene nachdenklich machen und sie an ihrer Wahrnehmung zweifeln lassen.
Foto: PeopleImages/iStock
Die Macht der Verknappung
Was knapp ist, erscheint wertvoll. Dieser psychologische Effekt begegnet uns täglich. „Nur noch heute erhältlich.“ – „Nur noch zwei Plätze frei.“ – „Dieses Angebot endet in wenigen Stunden.“
Selbst wenn wir das Produkt ursprünglich gar nicht kaufen wollten, entsteht plötzlich das Gefühl, etwas Wichtiges zu verpassen. Die Angst vor Verlust beeinflusst unser Verhalten oft stärker als die Aussicht auf einen Gewinn.
Psychologen sprechen hier von der Verlustaversion. Menschen empfinden einen möglichen Verlust emotional intensiver als einen gleich großen Gewinn.
Manipulation in Beziehungen
Manipulation beginnt selten mit Kontrolle. Sie beginnt mit Aufmerksamkeit, mit Verständnis, mit dem Gefühl, endlich jemanden gefunden zu haben, der einen vollständig versteht.
Gerade zu Beginn einer Beziehung entsteht häufig eine intensive emotionale Nähe. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Problematisch wird es jedoch, wenn diese Nähe später dazu genutzt wird, Abhängigkeiten entstehen zu lassen.
Nach und nach werden Kontakte zu Freunden infrage gestellt. Eigene Interessen verlieren an Bedeutung. Entscheidungen werden zunehmend vom Partner beeinflusst. Nicht selten geschieht dies schleichend über Monate oder Jahre. Die Betroffenen bemerken die Veränderung oft erst, wenn Außenstehende darauf aufmerksam machen.
Glückliche Beziehungen sind gut, doch klammert der Partner zu stark und hat man das Gefühl, eingeengt zu werden, ist Obacht geboten.
Foto: PeopleImages/iStock
Manipulation am Arbeitsplatz
Auch im Berufsleben gehören manipulative Strategien zum Alltag. Da werden Verantwortlichkeiten bewusst unklar formuliert. Lob wird gezielt eingesetzt, um zusätzliche Leistung zu erhalten. Informationen werden zurückgehalten, um Machtpositionen zu sichern. Oder Mitarbeiter werden gegeneinander ausgespielt.
Besonders kritisch wird es, wenn Führungskräfte Unsicherheit erzeugen, um Kontrolle auszuüben. Ein dauerhaftes Klima aus Angst und Unberechenbarkeit führt dazu, dass Menschen ihre Entscheidungen zunehmend an den Erwartungen anderer ausrichten. Eigenverantwortliches Denken nimmt ab.
Noch nie war es so einfach, Aufmerksamkeit zu steuern, wie heute. Soziale Medien belohnen Inhalte, die starke Emotionen auslösen. Empörung verbreitet sich schneller als Sachlichkeit. Angst erreicht mehr Menschen als Gelassenheit.
Je emotionaler eine Botschaft formuliert ist, desto häufiger wird sie geteilt. Hinzu kommen Algorithmen, die bevorzugt Inhalte anzeigen, die unsere bisherigen Überzeugungen bestätigen. Dadurch entstehen sogenannte Echokammern.
Menschen begegnen darin immer seltener widersprüchlichen Informationen und halten ihre eigene Sichtweise zunehmend für die einzig richtige. Manipulation benötigt unter diesen Bedingungen kaum noch direkten Kontakt. Sie verbreitet sich über Wiederholung, Gruppenzugehörigkeit und emotionale Aktivierung.
In Zeiten der sozialen Medien ist es einfacher, Menschen zu manipulieren.
Foto: Robert Way/iStock
Wie wir Manipulation erkennen können
Der wichtigste Schutz besteht nicht darin, jedem Menschen zu misstrauen. Viel hilfreicher ist die Bereitschaft, das eigene Erleben regelmäßig zu hinterfragen. Fragen Sie sich beispielsweise:
Treffe ich diese Entscheidung wirklich freiwillig?
Entsteht gerade Druck oder Angst?
Darf ich auch „Nein“ sagen, ohne Schuldgefühle zu bekommen?
Werden meine Gefühle ernst genommen oder ständig abgewertet?
Erhalte ich vollständige Informationen oder nur ausgewählte Ausschnitte?
Wer sich solche Fragen regelmäßig stellt, entwickelt mit der Zeit ein feineres Gespür für manipulative Dynamiken.
Selbstbewusstsein statt Gegenmanipulation
Viele Menschen glauben, sie müssten Manipulation mit denselben Mitteln beantworten. Das Gegenteil ist meist sinnvoller, und zwar klare Kommunikation, ruhige Nachfragen, Zeit zum Nachdenken, Benennung eigener Grenzen.
Ein respektvoll ausgesprochenes „Nein“ ist häufig der wirksamste Schutz. Manipulation verliert an Kraft, wenn sie nicht mehr automatisch die gewünschte Reaktion auslöst.
„Nein“ klingt im ersten Moment nach Ablehnung, Konflikt oder Schuld, dabei kann es Ausdruck von Selbstbewusstsein sein.
Foto: Pict Rider/iStock
Das Fazit
Manipulation gehört zum menschlichen Zusammenleben. Sie beginnt nicht erst bei spektakulären Täuschungen oder offensichtlichen Lügen. Oft zeigt sie sich in kleinen Formulierungen, subtilen Andeutungen oder geschickt eingesetzten Emotionen. Gerade deshalb bleibt sie häufig unbemerkt.
Als Verhaltenstherapeut begegne ich immer wieder Menschen, die glauben, sie seien „einfach zu gutgläubig“ gewesen. Diese Einschätzung greift jedoch zu kurz. Manipulation funktioniert nicht deshalb, weil Menschen naiv sind. Sie funktioniert, weil unser Gehirn auf Vertrauen, Kooperation und soziale Verbundenheit ausgerichtet ist. Genau diese Eigenschaften machen unser Zusammenleben möglich – und genau sie können missbraucht werden.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob wir manipulierbar sind. Das sind wir alle. Entscheidend ist vielmehr, wie bewusst wir unsere Entscheidungen treffen. Wer lernt, Emotionen von Fakten zu unterscheiden, sich Zeit für wichtige Entscheidungen nimmt und den Mut entwickelt, auch einmal höflich, aber bestimmt „Nein“ zu sagen, entzieht manipulativen Strategien einen großen Teil ihrer Wirkung.
Die größte Stärke gegenüber Manipulation liegt nicht im Misstrauen gegenüber anderen, sondern in einem klaren Vertrauen in die eigene Wahrnehmung – verbunden mit der Bereitschaft, diese immer wieder kritisch zu überprüfen. Denn wer sich seiner selbst bewusst ist, wird schwieriger lenkbar. Und genau darin liegt die wirksamste Form psychologischer Selbstbestimmung.
Alzheimer ist eine vielschichtige Erkrankung, die zurzeit als unheilbar gilt.
Der Neurologe Dr. Dale Bredesen ist der Ansicht, dass die Erkrankung im Frühstadium umkehrbar ist.
Mithilfe seiner Methode, des ReCODE-Ansatzes, konnte er die Alzheimer-Symptome bei Patienten signifikant verbessern.
In der Präzisionsmedizin wird die Behandlung für jede Person maßgeschneidert und umfasst vor allem Veränderungen des Lebensstils.
Viele Menschen glauben, dass die Alzheimer-Krankheit lediglich eine Frage schlechter Gene, von Pech oder eine unvermeidliche Folge des Alterns ist – und dass man kaum etwas tun kann, sobald der Verfall einmal eingesetzt hat. Diese Ansicht sei überholt, meinte Dr. Dale Bredesen, ein Neurologe mit dem Spezialgebiet neurodegenerative Erkrankungen.
„Ich wünschte, mehr Menschen würden verstehen, dass die Alzheimer-Krankheit weitaus häufiger auftritt, als es sein müsste“, sagte Bredesen zu Epoch Times. Er ist der Ansicht, dass Präzisionsmedizin der richtige Ansatz zur Behandlung der Erkrankung sei.
Bredesen beschrieb einen biologischen Schalter. Dieser schalte das Gehirn von einem sogenannten „Verbindungsmodus“ zu einem „Schutzmodus“ und zurück.
Befindet sich das Gehirn im Verbindungsmodus, könne es lernen, sich anpassen und Erinnerungen bilden, so der Neurologe. Alzheimer entwickle sich, wenn das Gehirn in den Schutzmodus wechselt – ein Wechsel, der durch viele verschiedene Faktoren ausgelöst werden kann. Dazu gehören unter anderem:
die Belastung durch Giftstoffe wie Luftverschmutzung, Schwermetalle und Mikroplastik.
Bei einer Behandlung verändere man mit seiner Methode mehrere Dinge, damit sie zusammenwirken, so Bredesen weiter. Auf diese Weise bleibe der Körper nicht länger im Schutzmodus und könne in den Verbindungsmodus zurückkehren.
„Ein Grund, warum die Behandlung der Alzheimer-Krankheit bisher nicht besonders erfolgreich war, ist, dass wir Alzheimer in der Vergangenheit zu eng gefasst und zu spät angegangen sind“, so die Einschätzung von Dr. Margarita Mikhaylova, Fachärztin für Neurologie und funktionelle Medizin, gegenüber Epoch Times.
Der Fokus müsse sich über Eiweißablagerungen hinaus auf eine Vielzahl von Faktoren verlagern, von Insulinresistenz bis hin zu Nährstoffmangel, fügte sie hinzu. „Das sind keine Fragen der Alternativmedizin, sondern gängige Risikofaktoren für Demenz.“
Personalisierte Behandlung von Alzheimer
Die wachsende Erkenntnis, dass Alzheimer eine multifaktorielle Erkrankung ist, führte zu einem personalisierten Behandlungsansatz. Ärzte berücksichtigen die Faktoren, die die Gehirngesundheit einer Person beeinträchtigen könnten und stellen dann einen Plan zusammen, der auf die individuellen Bedürfnisse der Person zugeschnitten ist.
In einer Studie nutzten Forscher einen personalisierten Ansatz bei Menschen mit Alzheimer-Krankheit oder leichter kognitiver Beeinträchtigung. Die Teilnehmer erhielten dabei einen maßgeschneiderten Behandlungsplan. Dieser umfasste Änderungen in den Bereichen Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stressbewältigung, Nahrungsergänzungsmittel und in einigen Fällen auch Medikamente.
Bei den meisten Teilnehmern verbesserten sich im Verlauf der Studie die kognitiven Funktionen oder blieben auf dem gleichen Niveau ohne weitere Verschlechterungen. Zudem gab es Verbesserungen bei mehreren Alzheimer-bezogenen Risikofaktoren.
Auch Bredesen ist der Ansicht, dass Alzheimer einen personalisierten Ansatz zur Behandlung erfordert. Zu diesem Zweck entwickelte er seine eigene maßgeschneiderte Methode, den ReCODE-Ansatz (Reversal of Cognitive Decline, „Kognitiven Verfall umkehren“).
In Versuchen aus dem Jahr 2022, die im „Journal of Alzheimer’s Disease“ erschienen, testete er seinen Präzisionsmedizin-Ansatz in einer klinischen Untersuchung an 25 Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder Demenz. In seiner jüngsten randomisierten Kontrollstudie, die derzeit noch auf die Begutachtung durch Fachkollegen wartet, verglich er den ReCODE-Ansatz mit der Standardbehandlung bei 73 Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder früher Demenz.
Die Teilnehmer, die einen personalisierten Plan befolgten, zeigten laut den Studienautoren signifikante Verbesserungen der allgemeinen kognitiven Funktion, des Gedächtnisses und des Schweregrads der Alzheimer-Symptome. Auch verbesserten sich ihr Blutdruck, Body-Mass-Index, Blutzucker, Gesamtcholesterin und andere Marker.
Mit diesen Untersuchungen verbesserte Bredesen einige Punkte in der Studiendurchführung, die an älteren Veröffentlichungen von anderen Forschern kritisiert wurden. Zu den Verbesserungen zählen die Verwendung standardisierter kognitiver Tests, MRT-Bilder und genauere Dokumentation.
Andere Bedenken konnten nicht gelöst werden. Dazu zählt beispielsweise, dass es keine Kontrollgruppe gibt und bei dem umfassenden Ansatz der Präzisionstherapie keine Verblindung möglich war.
Da es keine Kontrollgruppe gibt und die Behandlung für jede Person individuell angepasst wurde, kann die Studie nur individuell vergleichen, wie es den gleichen Patienten vor und nach der Behandlung ging. Allgemeine Vergleiche mit einer Placebogruppe, wie es in vielen klinischen Studien üblich ist, können auf diese Weise nicht gezogen werden.
Mikhaylova zufolge ist die Präzisionsmedizin bei der Alzheimer-Krankheit ein Gebiet, das aufstrebend, aber noch in der Entwicklung ist. Bredesens Arbeit biete einen wichtigen Wandel im Verständnis der Krankheit und stelle die Vorstellung in Frage, dass Alzheimer eine Erkrankung mit einem einzigen Krankheitsweg sei.
„Ein mehrdimensionaler Ansatz, der Lebensstil und Stoffwechsel umfasst, kann höchstwahrscheinlich in einem früheren Stadium des Krankheitsverlaufs helfen, wenn noch genügend neuronale Netzwerkfunktionen vorhanden sind, die erhalten oder verbessert werden können“, sagte sie.
„Bei fortgeschrittener Demenz können wir zwar immer noch die Lebensqualität, den Schlaf, die Gewohnheiten und die Belastung der Pflegepersonen verbessern, sollten aber bei der Erwartung einer kognitiven Umkehrung wesentlich vorsichtiger sein.“
Das Ziel des Ansatzes besteht darin, so viele potenzielle Faktoren für den kognitiven Verfall wie möglich zu ermitteln und diese dann anzugehen. Es ist anspruchsvoll – Bredesen empfiehlt, es als Teilzeitjob zu betrachten –, etwa zwei Stunden pro Tag.
Ernährung
Im Mittelpunkt steht die Ernährung, die pflanzenreich, leicht ketogen und ballaststoffreich sein sollte. Vermieden werden sollten verarbeitete und glutenhaltige Lebensmittel, raffinierte Kohlenhydrate, künstliche Süßstoffe, Milchprodukte und Alkohol.
Die Betroffenen werden dazu angehalten, über Nacht 12 bis 16 Stunden zu fasten. Dieser Ansatz unterstützt die Darmgesundheit, die Insulinsensitivität, die Stoffwechselflexibilität und die Ketonproduktion.
„Um zu funktionieren, benötigt das Gehirn viel Energie“, so Bredesen. Es könne Glukose oder Ketone verwerten, doch viele Menschen könnten nicht auf diese zugreifen, da sie insulinresistent seien. Ihre Körper würden laut Bredesens Einschätzung Glukose nicht effizient nutzen; und der erhöhte Insulinspiegel hindere die Leber daran, Ketone zu bilden.
Wie jeder andere Aspekt des ReCODE-Ansatzes müsse auch die Ernährung individuell angepasst werden, so Bredesen. Ihm zufolge können Fasten und Ketose für übergewichtige Menschen einfacher sein, da ihr Körper auf Fettreserven zurückgreifen kann, um Ketone zu bilden. Für gebrechliche Menschen sei derselbe Ansatz jedoch möglicherweise nicht geeignet.
Bewegung ist eine weitere zentrale Komponente. Der Ansatz umfasst Ausdauertraining, Krafttraining, Gleichgewichtsübungen und Dehnübungen für mindestens 45 Minuten pro Tag an sechs Tagen pro Woche.
Jede Art von Bewegung wirkt sich auf unterschiedliche Weise positiv auf das Gehirn aus. Aerobes Training verbessert die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung, während Krafttraining die Insulinsensitivität erhöht. Zweimal pro Woche wird hochintensives Intervalltraining empfohlen.
Der Neurologe empfiehlt 7 bis 8 Stunden guten Schlaf, mit ausreichend REM-Schlaf und Tiefschlaf.
Was den Hormonspiegel und Nährstoffstatus betrifft, so sollen diese untersucht und bei Bedarf verbessert werden. Unter anderem die Vitamine D und B, Mineralstoffe, Omega-3-Fettsäuren, die Schilddrüsenfunktion und die Sexualhormone.
Auch Stressbewältigung durch Biofeedback, also das bewusste Wahrnehmen der körperlichen Prozesse, ist Teil des Programms, genauso wie das Training der Herzratenvariabilität. Das ist ein Indikator, der angibt, wie sich das Herz an körperliche und mentale Anforderungen anpasst.
Erst wenn das Gehirn besser versorgt ist, stimuliert man es. „Das Letzte, was man tun sollte, ist, mit Gewichten zu trainieren, wenn man unterernährt ist. Das Gleiche gilt für das Gehirn“, erklärte Bredesen.
Ein Schwachpunkt des Ansatzes
Der Ansatz von Bredesen braucht viel Zeit, deshalb gibt es Fragen zur praktischen Umsetzbarkeit.
Der Ansatz sei „hinsichtlich des Trainingsaufwands so intensiv, dass sich nur sehr wenige Menschen die damit verbundene Zeit oder die Kosten leisten können“. Das meinte Paul Ehren, Fachmann für funktionelle Ernährung und Master Personal Trainer, zu Epoch Times.
Bredesen räumt dies ein. Man müsse nicht alles perfekt machen, sagte er dazu. „Es gibt eine Schwelle, die bei jedem Menschen anders liegt. Das zu tun, was man kann, und sich kontinuierlich zu verbessern, führt in der Regel zu guten Ergebnissen.“
Derzeit gibt es keine anerkannte Heilung für Alzheimer. Laut Bredesens Einschätzung befindet sich die Alzheimerforschung jedoch gerade an einem Wendepunkt.
Der unbemerkte Mechanismus, der das Gehirn vor dem Verfall schützt. - Foto: Smederevac/ iStock
Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, haben möglicherweise eine Gehirnstruktur, die deutlich jünger erscheint, als es ihrem Alter entspricht. Laut einer neuen Studie weisen sie Merkmale auf, die typischerweise bei bis zu 13 Jahren jüngeren Menschen zu finden sind.
Die Ergebnisse, die kürzlich auf dem Forum 2026 der Federation of European Neuroscience Societies vorgestellt wurden, deuten darauf hin, dass das Gehirn umso jünger wirkt, je mehr Sprachen man spricht.
Die neu vorgestellten Daten bauen auf einer im letzten Jahr veröffentlichten Studie des Forscherteams auf, die Menschen aus 27 europäischen Ländern untersuchte und einen Zusammenhang zwischen Mehrsprachigkeit und gesünderem Altern zeigte.
Wie das Erlernen von Sprachen das alternde Gehirn prägt
Je mehr Sprachen man spricht, desto langsamer altert das Gehirn. Laut der Studienautorin Lucia Amoruso kommt es dabei aber auch darauf an, wie gut man die Sprachen beherrscht und wann man sie gelernt hat.
Diejenigen, die zwei Sprachen sprachen, hatten Gehirne, die mittels KI-basierter Modellrechnungen etwa sechs Jahre jünger eingeschätzt wurden als ihr tatsächliches Alter. Diejenigen, die drei Sprachen sprachen, hatten Gehirne, die etwa sieben Jahre jünger erschienen, und Teilnehmer, die vier Sprachen fließend beherrschten, hatten Gehirne, die etwa 13 Jahre jünger geschätzt wurden.
Diese Ergebnisse stimmen mit einer wachsenden Zahl neurowissenschaftlicher Untersuchungen überein, die darauf hindeuten, dass lebenslange Mehrsprachigkeit mit einer größeren kognitiven Reserve verbunden ist und dem Gehirn helfen könnte, im Alter widerstandsfähiger zu bleiben, sagte Dr. Paul E. Bendheim, klinischer Professor für Neurologie am College of Medicine der University of Arizona, der nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der Epoch Times.
Das Erlernen von Sprachen trainiert das Gehirn in besonderem Maße
Zwar hält jede Denkaufgabe das Gehirn fit, aber Sprachenlernen ist ein besonderes Kompletttraining: Es fordert Hören, Denken, Sprechen und Gefühle gleichzeitig. Das Gehirn muss dabei ununterbrochen zwischen den Sprachen wechseln, erklärt Neurowissenschaftler Christopher U. Missling.
Es muss aber nicht immer Sprachenlernen sein: Auch Tanzen, Musik machen, Sport oder Meditation können positive Auswirkungen auf das Gehirn haben. Der Neurowissenschaftler betont, dass vor allem die Mischung aus Bewegung, neuen Reizen und dem Kontakt zu anderen Menschen entscheidend ist.
Laut Missling stärken Meditation und Achtsamkeit die Aufmerksamkeit. Sport wie Kraft- und Ausdauertraining regt dagegen die Durchblutung an, was die Bildung neuer Verbindungen zwischen Nervenzellen im Gehirn fördert.
Selbst im fortgeschrittenen Alter, so sagte er, könne das Erlernen neuer Fähigkeiten, wie das Spielen eines Instruments oder die Ausübung einer neuen Sportart, eine vorteilhafte synaptische Umstrukturierung auslösen.
„Das Gehirn bleibt während des gesamten Erwachsenenalters plastisch; es ist nie zu spät, es mit neuen, herausfordernden Erfahrungen zu stimulieren“, sagte er.
Mit Blick auf die Zukunft planen Amoruso und ihr Team zu untersuchen, ob ähnliche Effekte bei Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer auftreten und ob der Umgang mit eng verwandten Sprachen, der möglicherweise mehr mentale Kontrolle erfordert, einen noch größeren Einfluss hat.
Manipulation ist kein ausschließlich negatives Verhalten, es sei denn, sie wird eingesetzt, um eigene Vorteile auf Kosten anderer zu erzielen. - Foto: Pict Rider/iStock
In Kürze:
Manipulation ist der Versuch, das Denken, Fühlen oder Handeln eines anderen gezielt zu beeinflussen, ohne dass dieser es vollständig erkennt.
Dabei ist Manipulation kein ausschließlich negatives Verhalten und keiner bleibt davon verschont.
Menschen werden selten Opfer spektakulärer Täuschungsversuche. Viel häufiger entwickeln sich manipulative Beziehungen langsam.
Manipulation funktioniert nicht trotz unserer sozialen Fähigkeiten, sondern gerade wegen ihnen.
Welche Werkzeuge der Manipulation es gibt und wie wir sie erkennen können, lesen Sie im zweiten Teil.
„Ich wollte doch nur helfen.“ – „Das habe ich nur zu deinem Besten gesagt.“ – „Du übertreibst wieder.“ Solche Sätze begegnen uns nahezu täglich. Meist schenken wir ihnen kaum Beachtung. Schließlich erscheinen sie harmlos, manchmal sogar fürsorglich. Doch genau hier beginnt ein Phänomen, das Verhaltensanalytiker seit Jahrzehnten beschäftigt: Manipulation geschieht selten laut oder offensichtlich. Sie beginnt oft mit kleinen Verschiebungen der Realität – mit einer Auslassung, einer geschickten Formulierung oder einer scheinbar belanglosen Lüge.
Dabei ist Manipulation kein ausschließlich negatives Verhalten. Aus psychologischer Sicht beschreibt sie zunächst den Versuch, das Denken, Fühlen oder Handeln eines anderen Menschen gezielt zu beeinflussen, ohne dass dieser den Einfluss vollständig erkennt.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Absicht. Dient die Beeinflussung dem gemeinsamen Wohl und erfolgt sie transparent, sprechen wir eher von Überzeugung oder Motivation. Wird sie jedoch eingesetzt, um eigene Vorteile auf Kosten anderer zu erzielen oder Informationen gezielt zu verschleiern, beginnt der Bereich problematischer Manipulation.
Positive Manipulation ist zum Beispiel, wenn Eltern ihren Kindern beim Lernen gut zureden.
Foto: gpointstudio/iStock
Warum unser Gehirn manipulierbar ist
Viele Menschen glauben, rationale Entscheidungen zu treffen. Tatsächlich zeigt die moderne Psychologie jedoch, dass der überwiegende Teil unserer Entscheidungen unbewusst vorbereitet wird. Unser Gehirn arbeitet mit Abkürzungen, sogenannten Heuristiken. Diese mentalen Faustregeln ermöglichen schnelle Entscheidungen, machen uns aber gleichzeitig anfällig für gezielte Beeinflussung.
Aus biologischer Sicht war dies sinnvoll. Unsere Vorfahren mussten innerhalb weniger Sekunden entscheiden, ob eine Situation gefährlich oder sicher war. Für langes Nachdenken blieb oft keine Zeit. Deshalb bevorzugt unser Gehirn einfache Muster, vertraute Personen und emotionale Signale.
Genau diese Mechanismen nutzen Manipulatoren aus. Sie argumentieren selten ausschließlich mit Fakten. Stattdessen erzeugen sie Gefühle wie Sicherheit, Angst, Schuld, Mitleid oder Hoffnung. Emotionen verändern unsere Wahrnehmung schneller als logische Argumente.
Hinzu kommt ein weiterer psychologischer Effekt: Menschen möchten innere Widersprüche vermeiden. Die Kognitionspsychologie bezeichnet dies als das Streben nach Konsistenz. Haben wir uns einmal entschieden oder öffentlich positioniert, neigen wir dazu, an dieser Entscheidung festzuhalten – selbst dann, wenn neue Informationen dagegensprechen. Manipulation nutzt dieses Bedürfnis geschickt aus.
Wenn Menschen einmal eine Entscheidung getroffen haben, bleiben sie oft dabei und lehnen andere Vorschläge ab, auch wenn diese besser sind.
Foto: fizkes/iStock
Die kleine Lüge als sozialer Schmierstoff
Nicht jede Lüge ist böswillig. Tatsächlich wären zwischenmenschliche Beziehungen ohne kleine Unwahrheiten oft erheblich konfliktreicher. Wenn jemand fragt: „Wie gefällt dir meine neue Frisur?“, antworten viele Menschen höflicher als ehrlich. Wenn Kollegen sagen: „Kein Problem, ich mache das gern“, obwohl sie innerlich genervt sind, handelt es sich ebenfalls um eine Form sozialer Anpassung.
Psychologen unterscheiden deshalb häufig zwischen prosozialen und eigennützigen Lügen. Prosoziale Lügen sollen Gefühle schützen oder Beziehungen stabilisieren. Eigennützige Lügen verfolgen dagegen persönliche Vorteile.
Die Grenze zwischen beiden Formen ist allerdings fließend. Aus einer kleinen Notlüge kann schleichend ein dauerhaftes Manipulationsmuster entstehen.
Manipulation beginnt selten mit einer großen Täuschung
In der Beratungspraxis fällt immer wieder auf, dass Menschen selten Opfer spektakulärer Täuschungsversuche werden. Viel häufiger entwickeln sich manipulative Beziehungen langsam.
Zu Beginn wirkt alles freundlich: ein kleiner Gefallen, ein kleines Kompliment, ein wenig Verständnis, ein gemeinsames Geheimnis. Nach und nach entstehen Verpflichtungsgefühle. Der Manipulator investiert wenig und erhält später deutlich mehr zurück.
Ein kleines Kompliment kann positiv sein, aber auch der Anfang manipulativer Beziehungen.
Foto: Moon Safari/iStock
Diese Entwicklung geschieht selten bewusst. Viele Menschen manipulieren, weil sie es im Laufe ihres Lebens gelernt haben. Wer beispielsweise erfahren hat, dass direkte Bedürfnisse regelmäßig zurückgewiesen wurden, entwickelt möglicherweise indirekte Strategien, um dennoch Aufmerksamkeit oder Anerkennung zu erhalten.
Manipulation ist deshalb nicht zwangsläufig Ausdruck eines schlechten Charakters. Häufig handelt es sich um erlernte Verhaltensmuster, die sich über viele Jahre verfestigt haben.
Die Macht der Sprache
Kaum ein Werkzeug beeinflusst unser Denken stärker als Sprache. Bereits einzelne Wörter verändern unsere Wahrnehmung. Vergleichen wir folgende Aussagen: „Sie haben noch die Möglichkeit, sich zu entscheiden“ oder „Sie müssen sich jetzt entscheiden“.
Beide Aussagen beschreiben dieselbe Situation. Dennoch löst die zweite erheblich mehr Druck aus.
Verhaltensanalytiker sprechen hierbei vom sogenannten Framing. Informationen werden in einen bestimmten Bedeutungsrahmen eingebettet. Nicht die Fakten verändern sich, sondern ihre Interpretation.
Ein weiteres Beispiel: „90 Prozent fettfrei“ wirkt deutlich attraktiver als „10 Prozent Fett“, obwohl beide Aussagen mathematisch identisch sind. Unser Gehirn reagiert stärker auf den emotionalen Rahmen als auf objektive Zahlen.
Der Mensch ist ein soziales Wesen. Akzeptanz bedeutete über Jahrtausende das Überleben innerhalb einer Gemeinschaft. Ablehnung hingegen konnte lebensbedrohlich sein. Diese historische Prägung wirkt bis heute nach.
Deshalb orientieren wir uns häufig an der Mehrheit. Wenn viele Menschen ein Produkt kaufen, erscheint es automatisch hochwertiger. Sind viele Kollegen einer Meinung, zweifeln wir eher an unserer eigenen Einschätzung. Wenn in sozialen Netzwerken Tausende Menschen einen Beitrag liken, gewinnt dieser an Glaubwürdigkeit – unabhängig davon, ob die Inhalte tatsächlich korrekt sind.
Dieses Phänomen bezeichnet die Sozialpsychologie als sozialen Beweis. Manipulation nutzt diesen Mechanismus gezielt. Aussagen wie „Alle machen das“, „Jeder vernünftige Mensch sieht das so“ und „Niemand hat sich bisher beschwert“ sollen weniger informieren als vielmehr sozialen Druck erzeugen.
Weil Akzeptanz über Jahrtausende Überleben bedeutete, orientieren wir uns häufig an der Mehrheit, was nicht immer richtig sein muss.
Foto: Teamjackson/iStock
Warum intelligente Menschen ebenfalls manipulierbar sind
Ein weitverbreiteter Irrtum besteht darin, dass Manipulation ausschließlich mit mangelnder Intelligenz in Verbindung stehe. Tatsächlich zeigt die Forschung das Gegenteil. Gerade intelligente Menschen entwickeln häufig besonders raffinierte Begründungen für bereits getroffene Entscheidungen. Sie hinterfragen weniger ihre eigenen Überzeugungen als vielmehr die Argumente anderer.
Hinzu kommt, dass gerade Experten ihrem eigenen Fachgebiet häufig übermäßig vertrauen. Dieser sogenannte Overconfidence-Bias führt dazu, Risiken zu unterschätzen.
Manipulation trifft deshalb nicht die „Dummen“, sondern den Menschen. Sie nutzt universelle Eigenschaften unseres Gehirns, nämlich Vertrauen, Kooperation, Empathie und das Bedürfnis nach Orientierung. Genau darin liegt ihre eigentliche Stärke. Manipulation funktioniert nicht trotz unserer sozialen Fähigkeiten, sondern gerade wegen ihnen.
Welche Werkzeuge der Manipulation es gibt und wie wir sie erkennen können, lesen Sie im zweiten Teil.
Geistig fit bis ins hohe Alter: Die Wissenschaft zeigt, wie ein Nährstoff die Gehirnstruktur schützen kann. - Foto: Xavier Lorenzo/ iStock
Vitamin C hat sich seinen Ruf als Mittel zur Stärkung des Immunsystems erworben. Doch Wissenschaftler stellen zunehmend fest, dass eine seiner wichtigsten Funktionen möglicherweise im Schutz des alternden Gehirns liegt.
Diese Möglichkeit wurde durch eine aktuelle Studie mit mehr als 2.000 älteren japanischen Erwachsenen festgestellt. Die Forscher fanden heraus, dass Teilnehmer mit niedrigeren Vitamin-C-Spiegeln im Blut über weniger graue Substanz verfügten und die Kommunikation innerhalb eines der ersten bei der Alzheimer-Krankheit betroffenen Hirnnetzwerke schwächer war.
Warum Vitamin C für das Gehirn wichtig sein könnte
Vitamin C kann viel mehr als nur das Immunsystem stärken: Es ist ein echter Schutzschild für unser Gehirn. Als Antioxidans fängt es schädliche Stoffe (freie Radikale) ab, die das Gehirn mit den Jahren altern lassen. Gleichzeitig hilft es bei der Herstellung von Botenstoffen, mit denen Gehirnzellen untereinander Informationen austauschen.
Der Mensch kann Vitamin C nicht selbst produzieren und muss es vollständig über die Ernährung aufnehmen. Reichhaltige Quellen sind Zitrusfrüchte, Beeren und grünes Blattgemüse.
Die empfohlene Tagesdosis beträgt für die meisten erwachsenen Frauen 95 mg und für die meisten erwachsenen Männer 110 mg. Während einige Forscher vermuten, dass eine höhere Zufuhr zusätzliche Vorteile bieten könnte, ist die optimale Zufuhr für die langfristige Gesundheit des Gehirns noch nicht ermittelt worden.
Bisherige Forschung
Die neuen Erkenntnisse ergänzen eine wachsende Zahl von Belegen, die einen Zusammenhang zwischen einem gesunden Vitamin-C-Status und einer besseren kognitiven Gesundheit herstellen.
Eine niederländischeStudie aus dem Jahr 2002 begleitete 5.395 Personen über sechs Jahre hinweg und stellte fest, dass eine hohe Zufuhr von Vitamin C und E mit einem um 18 Prozent geringeren Risiko für Alzheimer verbunden war.
AndereStudien haben ergeben, dass selbst Vitamin-C-Spiegel, die zu niedrig sind, um klassische Mangelerscheinungen hervorzurufen, bei älteren Erwachsenen mit einem schlechteren Gedächtnis und einer langsameren Informationsverarbeitung in Verbindung gebracht wurden.
EineÜbersichtsarbeit aus dem Jahr 2022, in der 12 Studien ausgewertet wurden, ergab ebenfalls, dass Menschen mit Alzheimer durchweg signifikant niedrigere Vitamin-C-Spiegel im Blut aufwiesen als kognitiv gesunde Erwachsene, was darauf hindeutet, dass der Nährstoff eine Rolle beim Krankheitsverlauf spielen könnte.
Ältere Erwachsene sind möglicherweise einem höheren Risiko für niedrige Vitamin-C-Spiegel ausgesetzt, was auf verminderten Appetit, eine weniger abwechslungsreiche Ernährung sowie altersbedingte Veränderungen der Verdauung und Aufnahme zurückzuführen ist, sagte Jen Scheinman, eine in New York ansässige staatlich geprüfte Ernährungsberaterin, gegenüber der Epoch Times.
Chronische Erkrankungen, Entzündungen und bestimmte Medikamente können den Vitamin-C-Bedarf des Körpers zusätzlich erhöhen.
Vitamin C ist nur ein Teil des Puzzles
Die Forscher weisen darauf hin, dass die Studie nicht beweist, dass Vitamin C das Gehirn direkt schützt. Ein Grund dafür ist, dass Menschen mit höheren Vitamin-C-Spiegeln oft insgesamt einen gesünderen Lebensstil pflegen.
Vitamin C sollte als Teil eines umfassenden Ernährungsmusters betrachtet werden, wie beispielsweise der Mittelmeerdiät oder der MIND-Diät (Mediterranean-DASH Intervention for Neurodegenerative Delay), so Dr. Thomas Holland, klinischer Forscher, der sich mit kognitivem Altern befasst und nicht an der Studie beteiligt war.
„Kein einzelnes Lebensmittel und kein einzelnes Vitamin kann Demenz verhindern“, sagte Holland. „Aber eine konsequent nährstoffreiche Ernährung, einschließlich reichlich vitamin-C-reicher Obst- und Gemüsesorten, kann langfristig dazu beitragen, die kognitiven Funktionen zu erhalten.“
Das Gehirn blinder Menschen scheint sich aufgrund fehlender visueller Erfahrungen umzustrukturieren und daran anzupassen. - Foto: Highwaystarz-Photography/iStock
In Kürze:
Forscher der Max-Planck-Gesellschaft nutzten hochauflösende MRT-Technologie, um die Mikrostruktur des Gehirns zu untersuchen.
Dabei stellten sie fest, dass die Sehrinde blinder Menschen dicker als die sehender Menschen ist.
Ursache ist, anders als bisher angenommen, offenbar eine geringere Myelinisierung des Gehirns.
Diese stellt jedoch keine Beeinträchtigung dar, da die umgeformte Sehrinde andere Funktionen wie Sprachverarbeitung und Arbeitsgedächtnis übernimmt.
Die Entwicklung des menschlichen Gehirns ist einer der komplexesten biologischen Prozesse. In den ersten Lebensjahren finden im Gehirn enorme Veränderungen statt, die dazu beitragen, seine Funktionsweise zu optimieren. Allein im ersten Jahr vergrößert sich die Oberfläche der Großhirnrinde um etwa drei Viertel, während ihre Dicke um rund ein Drittel zunimmt.
Zu Beginn der Entwicklung bildet das Gehirn weit mehr Verbindungen zwischen Neuronen, als es tatsächlich benötigt. Im Laufe des Lebens werden häufig genutzte Verbindungen gestärkt, während andere in einem als „Pruning“ bezeichneten Prozess eliminiert werden.
Gleichzeitig schreitet ein weiterer Prozess – die Myelinisierung – im gesamten Gehirn voran. Dabei werden die Nervenfasern von einer Fettschicht umhüllt, die ähnlich wie die Isolierung um elektrische Leitungen funktioniert und die Signalübertragung beschleunigt. Diese „Isolierung“ entwickelt sich je nach den Bedürfnissen der einzelnen Hirnregionen unterschiedlich.
Neuronen in sensorischen Kortexen wie dem visuellen und auditorischen Kortex sind stark myelinisiert, während Neuronen im Frontallappen, der für höhere kognitive Funktionen zuständig ist, weniger Myelin aufweisen.
Anna-Lena Stroh vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig erklärte:
„Aus Tierstudien wissen wir bereits, dass Sinneserfahrungen einen enormen Einfluss auf diese Entwicklungsprozesse haben. Die genauen Mechanismen hinter diesem Einfluss sind jedoch Gegenstand laufender Forschung.“
„Menschen, die von Geburt an blind sind, spielen in diesem Zusammenhang eine besonders wichtige Rolle, da sich ihr Gehirn ohne visuelle Reize entwickelt. So lassen sich die Auswirkungen von Sinneserfahrungen auf die Gehirnentwicklung gezielt untersuchen.“
Dickere Sehrinde
Seit vielen Jahren beobachten Forscher, dass der visuelle Kortex von Menschen, die von Geburt an blind sind, dicker erscheint als der von sehenden Menschen. Die vorherrschende Erklärung lautete, dass Blindheit den Pruningprozess stört, wodurch überschüssige neuronale Verbindungen im visuellen Kortex zurückbleiben.
Um diese Idee zu überprüfen, holte sich das Team aus Leipzig Unterstützung von Forschern aus Polen. Mittels modernster Bildgebungstechnologien konnten sie so Hirngewebe in außergewöhnlich hoher Detailgenauigkeit charakterisieren.
Insgesamt reisten 24 von Geburt an blinde Personen nach Leipzig, um an bildgebenden Messungen des Gehirns teilzunehmen. Sie wurden mit sehenden Kontrollpersonen verglichen, die hinsichtlich Alter und Geschlecht vergleichbar waren.
„Dank hochauflösender Daten […] konnten wir die Mikrostruktur des Gehirns im Submillimeterbereich abbilden und so mehrere wichtige Muster aufdecken“, erklärte Nikolaus Weiskopf, Direktor der Abteilung Neurophysik am MPI in Leipzig. Weiter sagte er:
„Wie bereits in früheren Studien beobachteten wir, dass der visuelle Kortex bei blinden Menschen dicker erschien.“
Entscheidend sei jedoch, dass Weiskopf und Kollegen zeigen konnten, „dass der visuelle Kortex von Menschen, die von Geburt an blind sind, weniger myelinisiert war“. Hinweise auf einen gestörten Pruningprozess fanden die Forscher dagegen nicht. Sie schlossen aber auch nicht aus, dass der Prozess irgendeine Rolle spielen könnte.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine verringerte Myelinisierung ein zentraler Faktor für die bei Blindheit beobachteten strukturellen Unterschiede im Gehirn ist. „Eine verminderte Myelinisierung kann auch beeinflussen, wie die Grenze zwischen grauer und weißer Substanz in MRT-Aufnahmen erscheint“, erläuterte Anna-Lena Stroh. „Dadurch kann die Großhirnrinde in MRT-Messungen dicker erscheinen.“
Zusätzliche Analysen zeigten, dass diese Veränderungen auch die weiße Substanz betrafen. Diese ist für die Informationsübertragung zwischen verschiedenen Hirnregionen zuständig. Gleichzeitig beobachteten die Forscher keine Unterschiede in Hirnarealen, die mit dem Hören oder Tasten in Verbindung stehen. Daher glauben die Wissenschaftler, dass die beschriebenen Veränderungen direkt mit dem Fehlen visueller Erfahrungen zusammenhängen.
Doch nur weil sich das Gehirn umstrukturiert, bedeutet dies nicht, dass es beeinträchtigt ist. Bei blinden Menschen ist der visuelle Kortex an Funktionen wie der Sprachverarbeitung, dem Arbeitsgedächtnis und der kognitiven Kontrolle beteiligt. Interessanterweise sind auch die Gehirnregionen, die diese Funktionen bei sehenden Menschen unterstützen, tendenziell weniger myelinisiert.
„Daher stehen die Unterschiede, die wir bei blinden Menschen beobachten, völlig im Einklang mit dem, was dieser Kortex bei blinden Menschen tatsächlich leistet“, resümiert Marcin Szwed von der Jagiellonen-Universität in Krakau. „Der visuelle Kortex bei blinden Menschen ist nicht beeinträchtigt – er ist nur anders organisiert.“
Das menschliche Gehirn liebt Rhythmus. Bei Parkinson-Patienten sind die Basalganglien – jene tief im Gehirn liegenden Nervenknoten, die für die automatische Bewegungssteuerung zuständig sind – beschädigt. Die Musik wirkt hier wie ein externer Taktgeber. - Foto: SeventyFour / iStock
Parkinson schleicht sich in das Leben der Betroffenen. Es beginnt mit einem leisen Zittern, führt zu steifen Muskeln und lässt oft mitten in der Bewegung die Füße wie am Boden festfrieren. Doch auf der Tanzfläche passiert manchmal ein kleines Wunder: Wenn die Musik einsetzt, finden verloren geglaubte Bewegungen plötzlich ihren Fluss wieder.
Neurologen empfehlen das Tanzen heute als „Neurorehabilitation“. Der Grund ist simpel, aber genial: Tanz fordert uns ganzheitlich.
„Er verbindet gleichzeitig körperliche Bewegung, kognitive Herausforderungen, Musikwahrnehmung, Rhythmus, emotionale Beteiligung und soziale Interaktion auf eine Weise, wie es allgemeine Übungen wie das Gehen auf dem Laufband einfach nicht können“, sagte die Neurologin Dr. Fiona Gupta aus New York.
Der Takt, der die Blockade bricht
Der Schlüssel zu diesem Erfolg liegt in der Musik. Das menschliche Gehirn liebt Rhythmus. Bei Parkinson-Patienten sind die Basalganglien – jene tief im Gehirn liegenden Nervenknoten, die für die automatische Bewegungssteuerung zuständig sind – beschädigt. Die Musik wirkt hier wie ein externer Taktgeber. Eine Studie zeigt, dass Melodien weitaus besser helfen als das monotone Klicken eines Metronoms, weil sie zusätzlich Emotionen wecken.
Tango trainiert gezielt das Gleichgewicht und die Schrittlänge.
Gemischte Tanzprogramme reduzieren das gefürchtete „Freezing“, das plötzliche Einfrieren mitten im Gehen.
Das Beste daran: Das Gehirn lernt um. Durch das Einstudieren neuer Choreografien werden neue Nervenbahnen geknüpft. Das Gehirn umgeht die beschädigten Areale mittel Neuroplastizität – ein Effekt, den keine Tablette der Welt nachahmen kann.
David Leventhal ist einer der Gründer von „Dance for PD“ bei der Mark Morris Dance Group in Brooklyn. Sein Programm, das Tanz als Hilfsmittel für Menschen mit Parkinson einsetzt, begann nicht in einem Labor, sondern mit einem Gespräch.
„Es rührt eigentlich daher, dass Parkinson uns gewissermaßen ausgewählt hat“, erzählte er der englischsprachigen Epoch Times.
Das Programm startete im Jahr 2001, als Olie Westheimer, Gründer der Brooklyn Parkinson Group, mit einer Idee an die Mark Morris Dance Group herantrat: einen echten Tanzkurs für Menschen mit Parkinson zu schaffen.
Westheimer war überzeugt, dass das Verständnis von Tänzern für Gleichgewicht, Rhythmus, Koordination, Bewegungsabläufe und ausdrucksstarke Bewegung Menschen mit motorischen Herausforderungen auf eine Weise helfen könnte, wie es Medizinern nicht möglich ist.
„Ich habe nach dem ersten Kurs miterlebt, wie die Kombination aus Tanz und Musik die körperliche und emotionale Erfahrung unserer Parkinson-Tänzer im Laufe von nur einer Stunde verändern konnte“, bemerkte Leventhal. „Es war beeindruckend.“
Mehr als nur Bewegung
Fragt man Menschen mit Parkinson, warum sie immer wieder zum Kurs kommen, geht das Gespräch schnell über Mobilität und Gleichgewicht hinaus.
Ein Teilnehmer, ein ehemaliger Marine und New Yorker Prozessanwalt, von dem man auf den ersten Blick kaum angenommen hätte, dass er sich in den Tanz verlieben würde, kam nach seiner Parkinson-Diagnose in den Kurs und entdeckte den Stepptanz.
Er führte schließlich ein Solo auf, an dem er monatelang gearbeitet hatte. „Der Stolz und die Freude in seinem Gesicht waren unvergesslich“, sagte Leventhal.
Eine andere Teilnehmerin fand das Selbstvertrauen und die Ausdauer, um auf einer Familienhochzeit zu tanzen – etwas, das sie sich sehnlichst gewünscht hatte.
„Das mag für viele vielleicht nichts Besonderes sein, aber für Menschen, die mit Parkinson leben, kann es von enormer Bedeutung sein, diese Art von Selbstvertrauen, Freude und Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen“, fügte er hinzu.
Parkinson beeinträchtigt oft weit mehr als nur die Bewegung: Selbstvertrauen, Identität, Sprache und soziale Bindungen werden häufig gestört. Die sogenannte „Gesichtsmaske“ – die Tendenz der Krankheit, den sichtbaren emotionalen Ausdruck zu verringern – kann enge Beziehungen belasten.
In diesem Zusammenhang bietet der Tanz etwas, was die Medizin nicht leisten kann: einen Raum für Kreativität, Selbstentfaltung und echte zwischenmenschliche Verbundenheit.
„Wir wollten etwas schaffen, das den Menschen als Ganzes anspricht, anstatt uns nur auf die Symptome zu konzentrieren“, dies sagte Elaine Harvey, Leiterin von Moving Minds und Hauptmoderatorin von „Finding Flow“, dem Parkinson-Tanzprogramm der Organisation, gegenüber der englischsprachigen Epoch Times.
Die Vorteile erstrecken sich auch auf Pflegekräfte und Familienangehörige. Gemeinsame kreative Erlebnisse können Beziehungen über reine Pflegerollen hinaus erweitern und Momente der Freude und Partnerschaft ermöglichen, die die Krankheit sonst verdrängen würde, fügte Harvey hinzu.
Viele Teilnehmer kommen mit ihren Partnern, was durch die gemeinsamen Aktivitäten und die erlebte Verbundenheit zusätzliche positive Effekte hat.
In Großbritannien beschreibt Keith Wilson, der mit Parkinson lebt und sich für andere Betroffene einsetzt, seinen wöchentlichen Tanzkurs als ein echtes Highlight: „Vor meiner Diagnose habe ich gern Gesellschaftstanz getanzt, aber meine Körperhaltung ist nicht mehr so stabil“, sagte er. „Trotzdem ist der Parkinson-Tanzkurs für mich einer der schönsten Momente der Woche“.
So sieht ein Kurs aus
Zwar können Tanzkurse je nach Lehrer und Umgebung leicht variieren, doch folgen sie in der Regel einem ähnlichen Ablauf und sind so konzipiert, dass sie für Menschen mit unterschiedlichen Leistungsniveaus zugänglich sind.
Ein typischer „Dance for PD“-Kurs beginnt im Sitzen, damit sich alle aufwärmen und bewegen können, ohne sich Gedanken um das Gleichgewicht machen zu müssen.
Von dort aus können die Teilnehmer je nach ihren Fähigkeiten und ihrem Wohlbefinden zu Übungen im Stehen, Bewegungen mit Stuhlunterstützung, Barre-Übungen oder Schrittfolgen und Gruppentänzen übergehen. Dabei stehen stets Optionen im Sitzen zur Verfügung.
Einzigartige Einheiten kombinieren ausdrucksstarke Bewegung, Rhythmus und Improvisation – alles begleitet von sorgfältig ausgewählter Musik. Die Atmosphäre ist genauso wichtig wie die Bewegung. In den Einheiten herrscht ein Gefühl der Verbundenheit und gegenseitigen Unterstützung.
„Wo auch immer die Einheiten stattfinden, das Ziel ist niemals Perfektion; es geht darum, den Menschen zu helfen, sich mit mehr Selbstvertrauen, Fantasie, Musikalität und Freude zu bewegen und dabei starke soziale Bindungen aufzubauen“, sagte Leventhal.
Kreative Gesundheitsansätze werden manchmal unterschätzt, weil sie nicht immer nahtlos in klassische medizinische Modelle passen, so Harvey. Doch die wachsende Zahl wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen deutet darauf hin, dass sie genau dort hingehören.
„Tanz bietet gleichzeitig körperliche, kognitive, emotionale und soziale Stimulation auf eine Weise, die motivierend und zutiefst menschlich wirkt“, sagte sie. „Die Wirkung kann unglaublich groß sein.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker. Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Dance Does Something Parkinson’s Medication Cannot“. (deutsche Bearbeitung: vm)
Schon eine halbe Stunde in der Natur kann uns beruhigen und ausgeglichener machen. - Foto: Smileus/iStock
In Kürze:
Umfassende neurologische Studien zeigen, dass die Natur das Gehirn ruhiger und ausgeglichener macht.
Die Wirkung beginnt über die Augen und weitet sich über das Nervensystem auf den ganzen Körper aus.
Selbst Zimmerpflanzen, Pflanzenwände, natürliches Licht oder Bilder mit Naturmotiven haben eine positive Wirkung auf das Gehirn.
Es könnte der Gehirngesundheit der Bevölkerung zugute kommen, wenn Städteplaner die Natur in den städtischen Alltag integrieren.
Dass die Natur eine beruhigende Wirkung hat, merkt jeder, der ein bisschen Zeit in ihr verbringt. Doch erst jetzt beginnen Wissenschaftler, genau zu erfassen – bis ins neurologische Detail –, was während einer solchen Auszeit im Grünen im Gehirn vor sich geht.
Eine Metaanalyse von 108 begutachteten Studien zur Gehirnbildgebung, veröffentlicht in „Neuroscience & Biobehavioral Reviews“, liefert eines der bislang umfassendsten neurologischen Bilder darüber, wie die Natur das menschliche Gehirn beeinflusst.
Eine schrittweise Abfolge hin zur Ruhe
Dafür stützt sich die Übersichtsarbeit auf Studien, die von realen Aufenthalten im Freien über Laborfotos und -videos bis hin zu immersiver virtueller Realität und Grünpflanzen in Innenräumen reichten. Sie ergab ein einheitliches Muster über alle Methoden und bildgebenden Verfahren hinweg: Natürliche Umgebungen versetzen das Gehirn in einen ruhigeren, ausgeglicheneren Zustand.
Ihre Auswirkungen auf das Gehirn würden sich in einer Kaskade über mehrere miteinander verbundene Ebenen hinweg entfalten. Das erklärte Constanza Baquedano, korrespondierende Autorin der Studie und Assistenzprofessorin für Psychologie an der Universidad Adolfo Ibáñez in Chile.
„Diese Ebenen interagieren dynamisch miteinander: Sensorische Merkmale der Natur lösen die Kaskade aus, die sich dann über Stressregulation, Aufmerksamkeit und letztendlich darüber, wie wir uns selbst erleben, ausbreitet“, sagte sie gegenüber Epoch Times.
Allerdings betrachtet Baquedano dies eher als Arbeitsmodell denn als gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis.
Erste Ebene: Was unsere Augen tun
Die erste Stufe der Kaskade beginnt damit, wie das Gehirn das Gesehene verarbeitet. Natürliche Umgebungen enthalten Muster wie Fraktale – selbstähnliche Strukturen, die in Blättern, Ästen und Küstenlinien zu finden sind –, die das Gehirn effizient verarbeiten kann.
Da diese Strukturen mit der Art und Weise übereinstimmen, wie das visuelle System Informationen organisiert, muss das Gehirn weniger arbeiten, um sie zu interpretieren. „Dies verringert die Wahrnehmungslast in frühen sensorischen Bereichen wie dem visuellen Kortex“, so Baquedano.
Darüber hinaus ruft der Aufenthalt in der Natur Gehirnaktivitätsmuster hervor, die denen bei der Meditation ähneln. Das war immer wieder das Ergebnis von Studien in der Übersichtsarbeit, die mithilfe der Elektroenzephalografie die elektrische Aktivität des Gehirns aufzeichneten.
Dabei nehmen frontale Alpha-Wellen zu, die mit ruhigem Wachsein und nach innen gerichteter Aufmerksamkeit verbunden sind. Auch gibt es eine verstärkte Theta-Wellen-Aktivität, die mit tiefer Entspannung und anhaltender Konzentration einhergeht. Zudem zeigte sich eine verminderte Aktivität in stressbezogenen Schaltkreisen.
Einigen Studien zufolge, die in der Übersichtsarbeit berücksichtigt wurden, können diese Effekte nach etwa 30 bis 90 Minuten in ruhigen Naturumgebungen wie Wäldern oder Parks auftreten. Andere Untersuchungen sprachen von messbaren Veränderungen bereits innerhalb von drei bis zehn Minuten in der Natur.
Da das Gehirn natürliche Szenen mit weniger Aufwand verarbeitet, lässt die Aktivität in den Stress- und Bedrohungserkennungssystemen allmählich nach.
Gehirnscan-Studien zeigten durchweg, dass die Aktivität in limbischen Regionen abnahm. Diese sind an der Stress- und Bedrohungserkennung beteiligt. Auch waren Teile des präfrontalen Kortex weniger aktiv, die mit Grübeln und kognitiver Belastung in Verbindung stehen.
Diese Veränderungen im Gehirn spiegeln sich im Körper wider. Laut Studien steigt die parasympathische Aktivität – das „Ruhe- und Verdauungssystem“ des Körpers. Dies gleicht die „Kampf-oder-Flucht“-Stressreaktion aus.
Dies deutet darauf hin, dass natürliche Umgebungen die Stresskreisläufe des Gehirns beruhigen und den Körper gleichzeitig in Richtung physiologischer Erholung lenken.
Dritte Ebene: Was unsere Aufmerksamkeit und innere Stimme tun
Anhaltende geistige Anforderungen über den Tag hinweg ermüden die Systeme der gerichteten Aufmerksamkeit des Gehirns. Zu den geistigen Anforderungen gehören unter anderem
lang andauernde Konzentration,
das Lösen von Problemen,
das Fällen von Entscheidungen,
das Aufrechterhalten der Aufmerksamkeit.
Die Natur hilft dabei, diese wieder aufzuladen.
Wie oben erwähnt, zeigten die EEG-Messungen, dass die Alpha-Theta-Aktivität zunahm. Das sind Muster, die mit entspannter, nach innen gerichteter Aufmerksamkeit und einer verringerten kognitiven Belastung in Verbindung stehen.
„Die Natur neigt dazu, das auszulösen, was Psychologen als ‚sanfte Faszination‘ bezeichnen – eine sanfte, unbewusste Form der Aufmerksamkeit. Diese ermöglicht es den Systemen für gezielte Aufmerksamkeit im präfrontalen Kortex, sich zu erholen“, sagte Baquedano.
Diese Art der mentalen Erholung trägt dazu bei, das sogenannte Ruhezustandsnetzwerk (Default Mode Network) des Gehirns zu regulieren. Ist dieses Netzwerk überaktiv, führt es oft zu negativen Gedankenspiralen und Grübeln.
Echte Natur schlägt virtuelle Realität
Selbst simulierte oder in Innenräumen geschaffene Formen der Natur können messbare kognitive und emotionale Vorteile bewirken. Im Vergleich zu herkömmlichen gebauten Umgebungen senkten Pflanzenwände, natürliches Licht oder Bilder mit Naturmotiven Stress. Diese Erkenntnisse könnten hilfreich für die Gestaltung von Büros, Krankenhäusern und Schulen sein.
Die Forscher führen dies auf den multisensorischen Reichtum realer Umgebungen zurück. Dabei wirken taktile Empfindungen, natürliche Düfte, dynamische visuelle Muster und Umgebungsgeräusche auf eine Weise zusammen, die sich in Innenräumen oder durch digitale Simulationen noch nicht vollständig nachbilden lässt.
Eine authentische Naturumgebung wirkt sich also auf das Gehirn aus. Dies unterstreiche die Notwendigkeit, den Zugang zur Natur als grundlegenden Bestandteil der öffentlichen Gesundheitsinfrastruktur zu betrachten, so Baquedano.
Ihr zufolge seien natürliche Umgebungen, aus neurowissenschaftlicher Sicht, nicht bloß ästhetische Annehmlichkeiten. „Sie sind Kontexte, die dazu beitragen, Stress zu regulieren, die Aufmerksamkeit wiederherzustellen und das psychische Wohlbefinden auf Bevölkerungsebene zu fördern.“
Das bedeutet, den Kontakt mit der Natur in den städtischen Alltag zu integrieren. Baquedano macht einige Vorschläge, unter anderem:
von Bäumen gesäumte Straßen,
grüne Korridore,
Stadtparks,
natürliche Elemente, die in die Wege eingebunden sind, die Menschen auf dem Weg von zu Hause zur Arbeit, zur Schule oder zu anderen täglichen Aktivitäten zurücklegen.
Dadurch würden die regenerativen Wirkungen der Natur nicht nur denjenigen vorbehalten bleiben, die über die Zeit und die Mittel verfügen, sie aufzusuchen, sondern jedem täglich als Selbstverständlichkeit zur Verfügung stehen, fügte die Assistenzprofessorin für Psychologie hinzu.
In städtische Natur zu investieren, sei auch eine Investition in die kollektive Gesundheit des Gehirns, merkte sie an.
Optimaler Schlaf. Frauen benötigen laut Studie minimal mehr Schlaf als Männer. - Foto: Yuliia Kaveshnikova/iStock
In Kürze:
Zu wenig oder zu viel Schlaf kann die Alterung der Organe beschleunigen.
Eine Studie zeigt: Abweichungen vom optimalen Schlaffenster erhöhen das Risiko für chronische Krankheiten.
Entscheidend für gesundes Altern sind Schlafdauer und -qualität.
Wer regelmäßig weniger als 6,5 Stunden oder mehr als 8 Stunden schläft, lässt seine Organe möglicherweise schneller altern. Eine aktuelle Studie zeigt, dass eine Schlafdauer außerhalb des optimalen Bereichs von 6,4 bis 7,8 Stunden die Organalterung beschleunigt.
Zudem steigt für diese Menschen das Risiko für chronische Erkrankungen wie Diabetes, Herzerkrankungen und Depressionen. Das richtige Schlafgleichgewicht ist demnach ein entscheidender Schlüssel dafür, im Alter gesünder und biologisch jünger zu bleiben.
Das enge Schlafzeitfenster ist am besten für die Gesundheit
Die Studie stützte sich auf selbst gemeldete Daten von 500.000 Teilnehmern zwischen 37 und 84 Jahren der UK Biobank. Mithilfe von 23 Computermodellen, sogenannten Alterungsuhren, wurde abgeschätzt, wie schnell verschiedene Organe im Verhältnis zum tatsächlichen Alter einer Person altern.
Diese Alterungsuhren basieren auf strukturellen Daten aus der medizinischen Bildgebung, organspezifischen Proteinen sowie im Blut nachgewiesenen Molekülen.
Sie ermöglichen personalisierte Einblicke in den Alterungsprozess einzelner Organe, darunter Gehirn, Herz und Lunge.
Die kürzlich in „Nature“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass eine Schlafdauer von 6,4 bis 7,8 Stunden für Frauen am gesündesten ist, während für Männer ein Bereich von 6,4 bis 7,7 Stunden optimal ist.
„Alle sind begeistert von diesen Alterungsuhren und ihrer Fähigkeit, Krankheits- und Sterberisiken vorherzusagen“, sagte Studienleiter Junhao Wen, Assistenzprofessor für Radiologie am Vagelos College of Physicians and Surgeons der Columbia University, in einer Pressemitteilung.
„Für mich ist jedoch die spannendere Frage: Können wir Alterungsuhren mit einem Lebensstilfaktor verknüpfen, der rechtzeitig verändert werden kann, um den Alterungsprozess zu verlangsamen?“
Obwohl diese Beobachtungsstudie nicht beweist, dass die Schlafdauer direkt zu schnellerem Altern führt, zeigt sie einen Zusammenhang zwischen Schlafgewohnheiten und der allgemeinen Gesundheit.
Schlafgewohnheiten und chronische Erkrankungen
Sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf stehen mit schnellerem Altern fast aller Organe in Verbindung. Das stützt die Annahme, dass Schlaf eine zentrale Rolle für das spielt, was Studienleiter Wen als „ein koordiniertes Gehirn-Körper-Netzwerk, einschließlich Stoffwechselgleichgewicht und eines gesunden Immunsystems“, beschreibt.
Die Studie verknüpft eine abnormale Schlafdauer zudem mit zahlreichen Erkrankungen, darunter Adipositas, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Herzrhythmusstörungen.
Auch Zusammenhänge mit Atemwegserkrankungen wie chronisch obstruktiver Lungenerkrankung und Asthma sowie mit Magen-Darm-Problemen wie Sodbrennen und Gastritis wurden festgestellt.
Daten von neun der Alterungsuhren zeigen darüber hinaus statistisch signifikante Zusammenhänge zwischen Schlafdauer und der Alterung verschiedener Organe, darunter Gehirn, Herz, Immunsystem und Haut. Besonders ausgeprägt waren diese Zusammenhänge bei Menschen mit kürzerer Schlafdauer.
Erhöhtes Risiko für Depressionen im Alter
Wen und sein Team stellten fest, dass zu wenig Schlaf auch mit psychischen Problemen wie Depressionen und Angstzuständen in Verbindung steht. Zugleich fanden die Forscher Hinweise darauf, dass auch zu viel Schlaf das Depressionsrisiko beeinflussen könnte – möglicherweise durch Veränderungen im Alterungsprozess des Gehirns und des Fettgewebes.
Dr. Alex Dimitriu, Facharzt für Psychiatrie und Schlafmedizin, der nicht an der Studie beteiligt war, erklärte gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times, die Ergebnisse deckten sich mit seinen Beobachtungen aus der Praxis. Sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf seien mit schlechteren gesundheitlichen Folgen verbunden.
„Das untermauert, dass 7 bis 8 Stunden für die meisten Erwachsenen der ideale Schlafumfang sind“, sagte er. „Es ist ein veränderbarer Risikofaktor, den wir kontrollieren können.“
Dimitriu sagte, es sei auch gut, zu wissen, dass 7 Stunden für die meisten Erwachsenen ausreichend sein könnten.
„Wir sollten also aufhören, uns Vorwürfe zu machen, wenn wir keine 8 [Stunden] schaffen“, sagte er. „Man darf das nur nicht zu einem Teufelskreis werden lassen und anfangen, nur noch 6 Stunden zu schlafen!“
Die Schlafqualität ist genauso wichtig wie die Schlafdauer
Sowohl die Schlafqualität als auch die Schlafdauer sind für die allgemeine Gesundheit unerlässlich, sagte Chelsie Rohrscheib, leitende Schlafexpertin und Neurowissenschaftlerin bei Wesper, einer Plattform für klinische Schlaftests und Schlafmanagement, die nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber Epoch Times.
„Schlechter Schlaf in einem der beiden Bereiche kann das Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen erhöhen und gleichzeitig die Lebensqualität beeinträchtigen“, sagte sie.
Eine im vergangenen Jahr in der Fachzeitschrift „Health Data Science“ veröffentlichte Studie hat 172 verschiedene Krankheiten mit schlechten Schlafgewohnheiten in Verbindung gebracht.
Rohrscheib sagte, es gebe Warnzeichen dafür, dass sich die Schlafgewohnheiten negativ auf die Gesundheit auswirken könnten. Dazu gehören:
Chronische Tagesmüdigkeit
Konzentrationsschwierigkeiten
Gedächtnisprobleme
Reizbarkeit
Gedrückte Stimmung
Verminderte Leistungsfähigkeit bei der Arbeit oder in der Schule
Dimitriu empfiehlt, das von ihm sogenannte Schlaffenster durch gedämpftes Licht, möglichst wenig Reize und eine ruhige Abendroutine bewusst zu schützen.
„Wenn man 8 Stunden anstrebt, erhält man in der Regel etwa 7 Stunden guten Schlaf“, sagte er. Das ist laut dieser Studie genau das, was man für optimale Ergebnisse im Alter anstreben sollte.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Energieknotenpunkte: Durch Nadeln oder Druck an spezifischen Akupunkturpunkten entlang der Meridiane wird der Fluss von Qi und Blut gezielt reguliert. - Foto: peakSTOCK/iStock
Kuo-Pin Wus kleiner Sohn wurde auf dem Rücksitz plötzlich kreidebleich, ihm war schwindelig und übel. Keine Apotheke weit und breit.
Der erfahrene TCM-Arzt drückte einfach einen Punkt am Fuß seines Sohnes – und 3 Minuten später war alles wieder gut.
„Er sagte, ihm sei schlecht“, erzählt Wu, der seit 20 Jahren als Arzt für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) arbeitet und die taiwanesische Xinyitang-TCM-Klinik leitet, gegenüber der englischsprachigen Epoch Times.
„Ich beugte mich zu ihm hinunter und drückte auf einen Punkt an seinem Fuß. Der Bereich war sehr verspannt, wie ein Knoten. Nach ein paar Minuten sanfter Massage verschwanden die Übelkeit, der Schwindel und die Blässe wieder.“
„Das Ganze dauerte weniger als drei Minuten.“ Der Punkt, den er drückte, ist einer von vielen Akupunkturpunkten, die in der TCM genutzt werden, um den Magen schnell zu beruhigen und das innere Gleichgewicht wiederherzustellen.
Doch was genau passiert, wenn man Akupunkturpunkte drückt, und gibt es wissenschaftliche Belege dafür?
Wie Akupressur funktioniert
Aus Sicht der TCM wird der Körper von einem unsichtbaren Netzwerk durchzogen, das als Meridiansystem bezeichnet wird. Das Meridiannetzwerk verbindet die inneren Organe mit der Körperoberfläche und dient als Hauptverkehrsweg für zwei wichtige Substanzen:
Qi, die Lebensenergie und „Antriebskraft“ des Körpers, und Blut, die nährende Substanz, die alle Gewebe und Funktionen versorgt.
Entlang der Meridiane befinden sich spezifische Akupunkturpunkte – winzige funktionelle „Knotenpunkte“, die mit Nadeln (Akupunktur) oder durch Druck (Akupressur) stimuliert werden können, um den Qi- und Blutfluss zu beeinflussen.
Wenn Qi und Blut aus dem Gleichgewicht geraten – sich zu sehr auf einen Bereich konzentrieren oder an anderer Stelle blockiert sind –, treten laut TCM Symptome auf.
Müdigkeit, Schlafstörungen, ein Engegefühl in der Brust oder chronische Schmerzen können allesamt auf ein inneres Ungleichgewicht hindeuten.
Die TCM-Praktikerin Yingta Lee erklärte das Konzept anhand eines einfachen Bildes.
„Es ist wie bei einem Boot mit 100 Passagieren: Wenn 90 von ihnen zum Bug eilen, kippt das Boot nach vorne“, sagte sie. „Wenn sich die Passagiere wieder verteilen, wird das Boot stabil.
Das Grundprinzip der Akupressur funktioniert auf ähnliche Weise, indem sie Qi und Blut neu verteilt, damit der Körper sein Gleichgewicht wiedererlangen kann.“
Akupunkturpunkte befinden sich oft in Bereichen, die reich an Nerven, Blutgefäßen und Faszien sind. Das Drücken dieser Punkte kann laut TCM:
das autonome Nervensystem regulieren – den Wechsel von „Kampf oder Flucht“ hin zu „Ruhe und Verdauung“ bewirken
die Mikrozirkulation verbessern
Schmerzbahnen im Gehirn und Rückenmark beeinflussen
„Aus Sicht der Schulmedizin hilft Akupressur dabei, das autonome Nervensystem zu regulieren“, sagte Grace Zhang, TCM-Praktikerin und zugelassene Akupunkteurin am Northern Medical Center in Middletown, New York, gegenüber der englischsprachigen Epoch Times.
„Wenn bestimmte Akupunkturpunkte gedrückt werden, bemerken Menschen oft, dass sich ihr Körper allmählich entspannt und ihre Stimmung sich hebt. Dies geschieht, weil die Aktivierung des parasympathischen Nervensystems (des Ruhe-und-Verdauungs-Systems) die Durchblutung verbessert und die natürliche Entspannungsreaktion des Körpers auslöst.“
Gibt es Meridiane wirklich?
Meridiane sind nicht so sichtbar wie Arterien und Venen, was zu Skepsis geführt hat. Neue bildgebende Verfahren zeigen jedoch faszinierende Muster.
In einer Studie aus dem Jahr 2021 injizierten Forscher der Harvard Medical School und der China Academy of Chinese Medical Sciences fluoreszierende Farbstoffe in Akupunkturpunkte auf dem Perikardmeridian.
Der Farbstoff wanderte langsam entlang einer Linie, die bei den meisten Teilnehmern dem klassischen Meridianverlauf entsprach – ein Effekt, der nicht zu beobachten war, wenn der Farbstoff in nahegelegene Bereiche ohne Akupunkturpunkte injiziert wurde.
Das unsichtbare Meridiannetzwerk der TCM verbindet Organe und Körperoberfläche, um Qi (Lebensenergie) und Blut zu transportieren. Nadeln oder Druck auf die Akupunkturpunkte entlang dieser Bahnen stimulieren und regulieren diesen Fluss gezielt.
Foto: PeterHermesFurian/iStock
„Diese Linien lassen sich nicht auf Blutgefäße oder Lymphgefäße zurückführen“, schrieben die Forscher.
Stattdessen scheinen sie linearen Bahnen zu folgen, die den Meridianen ähneln.
Akupressur im Alltag
Das Erlernen einiger gut ausgewählter Akupunkturpunkte kann die Hände zu einem einfachen Selbsthilfewerkzeug für häufige, nicht akute Symptome machen.
1. Magen und Darm beruhigen
Übelkeit spricht sehr gut auf Akupressur an. Sowohl die TCM als auch die moderne Forschung zeigen, dass bestimmte Punkte den Magen schnell beruhigen und die Signalübertragung zwischen Darm und Gehirn regulieren können.
Bereiche, die sich ungewöhnlich empfindlich oder verspannt anfühlen, können auf ein Ungleichgewicht hindeuten. In der Regel ist sanfter, gleichmäßiger Druck am wirksamsten.
Großvater-Enkel (Gongsun)
„Großvater-Enkel“ war der Punkt, den Wu auf den Fuß seines Sohnes drückte, als dieser sich unwohl fühlte. Als Wu diesen Punkt drückte, bemerkte er, dass er sich ungewöhnlich angespannt anfühlte, was auf ein inneres Ungleichgewicht hindeutete.
Das sanfte Massieren des Akupunkturpunkts kann helfen, Blockaden zu lösen und den reibungslosen Fluss von Qi und Blut wiederherzustellen, wodurch die Symptome schnell gelindert werden.
Lage: Am inneren Rand des Fußes. Hinter dem Großzehengelenk liegt der Punkt in einer kleinen Vertiefung direkt unterhalb und vor dem Mittelfußknochen.
Hauptwirkungen
Lindert Übelkeit, Reisekrankheit und Autokrankheit
Lindert Blähungen und Bauchbeschwerden
Unterstützt die Verdauungsfunktion
Innerer Durchgang (Neiguan)
Der „Innerer Pass“ ist einer der am besten untersuchten Punkte gegen Übelkeit. Eine randomisierte Studie unter Patientinnen nach gynäkologischen Operationen ergab, dass Akupressur am Inneren Pass postoperative Übelkeit und Erbrechen im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant reduzierte und das Wohlbefinden verbesserte.
Systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen haben ebenfalls gezeigt, dass die Stimulation dieses Punktes durch Chemotherapie verursachte sowie postoperative Übelkeit und Erbrechen lindern kann.
Viele handelsübliche Armbänder zur Linderung von Reisekrankheit zielen auf diesen Punkt ab.
Lage: Am inneren Unterarm, drei Fingerbreit oberhalb der Handgelenksfalte, zwischen zwei hervortretenden Sehnen.
Hauptwirkungen
Lindert Übelkeit, Erbrechen und Reisekrankheit
Lindert Engegefühl in der Brust und Herzklopfen
Beruhigt Angstzustände und stressbedingte Magenbeschwerden
2. Linderung von Kopfschmerzen
Klinische Studien haben gezeigt, dass Akupunkturprotokolle, einschließlich „Hundert Verbindungen“, die Häufigkeit und Schwere von Migräne und Spannungskopfschmerzen im Vergleich zu Scheinakupunktur oder konventioneller Behandlung verringern können.
Hundert Verbindungen (Baihui)
„Hundert Verbindungen“ oder „Hundert Zusammenkünfte“ ist ein entscheidender Punkt am Scheitel, da er der Schnittpunkt der Yang-Meridiane des Körpers ist.
Er wird häufig in Akupunkturprotokollen bei Kopfschmerzen und neurologischen Erkrankungen eingesetzt.
Er ist auch sehr hilfreich, um wachsam und klar im Kopf zu bleiben.
Lage: Auf dem Scheitel, am Schnittpunkt der Körpermittellinie und einer Linie, die zwischen den Ohrspitzen gezogen wird; oft als leichte Vertiefung spürbar.
Hauptwirkungen
Hilft bei der Linderung von Kopfschmerzen und Schwindel
Stellt die Wachsamkeit wieder her und klärt den Geist
3. Wachsamkeit wiederherstellen
In der TCM bilden „Hundert Verbindungen“ und „Schulterbrunnen“ ein energetisches Paar – eines „oben“, eines „unten“.
„Wenn der Punkt ‚Hundert Verbindungen‘ stimuliert wird, steigt das Qi auf; wenn der Punkt ‚Schulterbrunnen‘ gedrückt wird, sinkt das Qi ab“, sagte Lee gegenüber der englischsprachigen Epoch Times.
„Beide zu stimulieren ist wie das Öffnen beider Enden eines Stromkreises – dies ermöglicht es der Energie, sich zu bewegen, und dem Bewusstsein, sich zu klären.“
Schulterbrunnen (Jianjing)
Der „Schulterbrunnen“ befindet sich am höchsten Punkt der Schulter, in einer kleinen Vertiefung, die wie ein Brunnen aussieht.
In Kung-Fu-Filmen führt ein „Messerhand“-Schlag auf die Schulter oft dazu, dass eine Figur in Ohnmacht fällt.
Lachend sagte Lee: „Die Idee dahinter ist, dass der ,Schulterbrunnen-Punkt‘ einen Schock erleidet, wodurch das Qi plötzlich absinkt und die Durchblutung des Gehirns kurzzeitig abnimmt, was zu Bewusstlosigkeit führt.“
Lage: In der Mitte der Schulter, auf einer Linie zwischen dem hervorstehenden Halswirbel und der Schulterspitze.
Hauptwirkungen
Lindert Verspannungen im Nacken und in den Schultern
Hilft, die Wachsamkeit wiederherzustellen und Schläfrigkeit oder Müdigkeit zu bekämpfen
Unterstützt die Auflösung von „stagnierendem“ Qi im Oberkörper
Vorsicht: Da eine kräftige Stimulation an diesem Punkt Gebärmutterkontraktionen auslösen kann, raten traditionelle Texte schwangeren Frauen, Druck oder Klopfen an diesem Punkt zu vermeiden.
4. Hilft bei Schlaflosigkeit
Das „Geisttor“ – eine kleine Vertiefung am inneren Handgelenk – ist ein Schlüsselpunkt bei Schlaflosigkeit.
Eine Studie mit Bewohnern von Langzeitpflegeeinrichtungen ergab, dass Akupressur am Geisttor-Punkt die Schlafqualität verbesserte und Schlaflosigkeit reduzierte, wobei die positiven Effekte noch mehrere Wochen nach Behandlungsende anhielten.
Eine systematische Übersichtsarbeit zu randomisierten Studien kam ebenfalls zu dem Schluss, dass die Stimulation des Geisttors bei der Behandlung von Schlaflosigkeit wirksam und sicher zu sein scheint.
Geistestor (Shenmen)
Das „Geistestor“ dient als „Tor“, durch das das Qi des Herzmeridians ein- und austritt. Da es den Geist beruhigen und den Verstand stabilisieren kann, wurde es „Tor des Geistes“ genannt.
Lage: An der Handgelenksfalte auf der Seite des kleinen Fingers, in der kleinen Vertiefung direkt hinter der Sehne, auf Höhe der Verbindung zwischen kleinem und Ringfinger.
Hauptwirkungen
Fördert einen erholsamen Schlaf
Lindert Angst und Panik
5. Augenbelastung lindern
Wu merkte an, dass Akupressur im Bereich der Augen sehr wirksam sein kann, um Augenbeschwerden zu lindern.
Augenbelastung geht selten auf einen einzigen Punkt zurück. Längerer Bildschirmgebrauch kann die Muskeln, Nerven und die Durchblutung rund um die gesamte Augenhöhle belasten.
Aus diesem Grund nutzt die TCM mehrere sich ergänzende Bereiche, um die Durchblutung und Entspannung zu fördern. Führt man mit den Fingerkuppen 30 bis 60 Sekunden lang leichte, kreisende Bewegungen an jedem Punkt aus.
„Viele Menschen drücken zu fest“, sagte er. „Das Gewebe um die Augen ist äußerst empfindlich. Übermäßiger Druck kann die Anspannung verstärken, anstatt sie zu lindern. Sanfte, kreisende Bewegungen wirken am besten.“
Wu schlägt einen noch einfacheren Ansatz vor.
„Man muss sich die einzelnen Punkte nicht merken“, sagte er. „Ein langsames Massieren der Augenhöhle in kleinen Kreisen – sowohl im Uhrzeigersinn als auch gegen den Uhrzeigersinn – reicht oft aus, um Ermüdungserscheinungen zu lindern und das Wohlbefinden wiederherzustellen.“
Tränenbehälter (Chengqi)
Lage: Direkt unterhalb der Pupille, in einer kleinen Vertiefung entlang des Augenhöhlenknochens, wenn die Augen geradeaus blicken.
Hauptwirkungen: Fördert die Durchblutung im Bereich der Augen
Strahlende Augen (Jingming)
Lage: Etwas oberhalb des inneren Augenwinkels, in einer kleinen Vertiefung des Augenhöhlenknochens.
Hauptwirkungen
Lindert Augenermüdung und -schmerzen
Hilft bei verschwommenem Sehen und beginnender Kurzsichtigkeit
Bambusansammlung (Cuanzhu)
Lage: In der Vertiefung am inneren Ende der Augenbraue.
Hauptwirkungen
Lindert Augenüberanstrengung und Stirnkopfschmerzen
Löst Verspannungen im Stirnbereich
Seidenbambus-Vertiefung (Sizhukong)
Lage: In der Vertiefung am äußeren Ende der Augenbraue.
Hauptwirkungen
Lindert trockene Augen, Ermüdung und verschwommenes Sehen
Lindert Schläfenkopfschmerzen und Schwindel
6. Ermüdung lindern
In der TCM gilt das Ur-Qi als die tiefste Lebensenergiereserve des Körpers – die Kraftquelle für alle physiologischen Funktionen. Zwei Schlüsselpunkte am Unterbauch werden als „Ladeanschlüsse“ für dieses System angesehen.
Ursprungstor (Guanyuan)
Lage: Etwa vier Fingerbreit unterhalb des Bauchnabels auf der Mittellinie.
Hauptwirkungen
Stärkt das Ur-Qi und die allgemeine Vitalität
Wärmt und unterstützt die Verdauungsfunktion
Qi-Meer (Qihai)
Lage: Etwa zwei Fingerbreit unterhalb des Bauchnabels auf der Mittellinie.
Hauptwirkungen
Unterstützt die Energie, insbesondere bei chronischer Müdigkeit
Reguliert den Qi-Fluss im Unterleib
Zhang empfiehlt, den Unterleib in langsamen, im Uhrzeigersinn verlaufenden Kreisen zu massieren, wobei der natürlichen Richtung der Darmbewegung gefolgt wird.
7. Müde Beine beruhigen
Nach dem Sport, beim Wandern oder nach langen Spaziergängen greifen viele Menschen instinktiv zu Eispackungen. Der TCM-Praktiker Ye Qi-min sagte gegenüber der englischsprachigen Epoch Times, dass Kälte laut Ansicht der TCM bei Qi- und Blutstauungen die Symptome verschlimmern kann, indem sie die Durchblutung einschränkt und die Stauung im Gewebe festhält.
Stattdessen wendet er Akupressur in Kombination mit sanfter Wärme an, um die Durchblutung anzuregen und Schmerzen zu lindern.
Quellende Quelle (Yongquan)
Lage: An der Fußsohle. Wenn die Zehen leicht gekrümmt sind, liegt der Punkt in einer kleinen Vertiefung an der Verbindungsstelle zwischen dem vorderen Drittel und den hinteren zwei Dritteln der Fußsohle.
Hauptwirkungen
Reduziert Müdigkeit und Schweregefühl in den Beinen
Lindert Schwellungen und Schmerzen in den unteren Gliedmaßen
Beruhigt den Geist und fördert den Schlaf
Stützender Berg (Chengshan)
Lage: Auf der Rückseite des Unterschenkels, in der V-förmigen Vertiefung direkt unterhalb der Wölbung des Wadenmuskels, wenn das Bein gestreckt oder die Ferse angehoben ist.
Hauptwirkungen
Lindert Verspannungen und Krämpfe in der Wade
Fördert die Blut- und Qi-Zirkulation in den Beinen
Mitte der Kniekehle (Weizhong)
Lage: Am Mittelpunkt der Kniekehle, an der tiefsten Stelle der Falte hinter dem Knie.
Hauptwirkungen
Hilft bei der Auflösung von Blutstauungen in den Beinen
Lindert Verspannungen der hinteren Oberschenkelmuskulatur
Ye kombiniert diese Punkte oft mit warmer Luft aus einem Föhn – damit lässt sich ein größerer Bereich abdecken, falls man die genauen Stellen nicht exakt finden kann.
„Ein Föhn kann die wärmende Wirkung der Moxibustion, eine sanfte Wärmetherapie mit getrocknetem Beifuß, nachahmen“, sagte er. „Den Föhn ruhig in der Hand und über den Punkt halten – nicht hin und her schwenken – und die Hitze immer zuerst mit der eigenen Hand prüfen.
Für ältere Erwachsene mit schlechter Durchblutung ist es sicherer, durch die Kleidung zu erwärmen, um Verbrennungen zu vermeiden.“
So wendet man Akupressur an
Akupressur wirkt am besten, wenn man sie als Kommunikation mit dem Körper betrachtet und nicht als kräftigen Druck. Das Ziel ist nicht, den Schmerz zu überwinden, sondern sanft die Durchblutung, Entspannung und das Gleichgewicht des Nervensystems zu fördern.
Bevor man beginnt, sollte man sich in eine bequeme Position setzen oder legen. Dann ein paar Mal langsam ein- und ausatmen und den Körper entspannen lassen. Ein ruhiger Zustand hilft dabei, dass die Wirkung der Akupressur schneller einsetzt.
Die Wahl der richtigen Technik hängt von der Art der Symptome und dem zu behandelnden Bereich ab. Bei Verspannungen, Stress oder empfindlichen Regionen – wie Gesicht, Augen oder Bauch – sind sanftere Methoden in der Regel wirksamer.
Bei tieferen Muskelverspannungen oder lang anhaltender Steifheit können festere Techniken angebracht sein, solange sie angenehm bleiben.
Im Folgenden findet man einige grundlegende Techniken und wann sie anzuwenden sind:
Reiben: Einen Finger oder die Handfläche auf den Punkt legen und kleine, langsame Kreise machen. Reiben eignet sich ideal zur Entspannung, zum Stressabbau, bei Überanstrengung der Augen und bei Bauchbeschwerden.
Kneten: Mit der Fingerspitze oder dem Fingerknöchel einen tieferen, gleichmäßigen Druck ausüben. Kneten eignet sich gut bei Muskelverspannungen, Verspannungen in Schultern und Nacken oder chronischer Steifheit.
Zwicken: Die Stelle sanft mit Daumen und Zeige- oder Mittelfinger zwicken. Zwicken sorgt für eine moderate Stimulation und wird oft bei schleppender Durchblutung oder Müdigkeit angewendet.
Schneiden: Die Kante eines Fingernagels für eine kurze, präzise Stimulation verwenden. Die Schneidetechnik wird sparsam eingesetzt, meist zur schnellen Belebung oder bei starker Stagnation, und sollte nicht an empfindlichen Stellen angewendet werden.
Jede Technik sollte etwa 3 bis 5 Sekunden lang angewendet und drei- bis fünfmal wiederholt werden. Dann langsamen, gleichmäßigen Druck ausüben und nach einem Gefühl suchen, das angenehm schmerzt – aber nicht scharf oder stark schmerzhaft ist.
Ein leichtes Gefühl von Schmerz, Wärme, Schwere oder Kribbeln ist normal und oft ein gutes Zeichen. In der TCM deutet Empfindlichkeit an einem Akupunkturpunkt oft darauf hin, dass der Bereich aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Die Atmung sollte natürlich und die umliegenden Muskeln entspannt sein, während man den Druck ausübt.
Wenn sich der Zustand nach einigen Minuten Akupressur nicht bessert, verwendet man möglicherweise den falschen Punkt, oder das Problem erfordert eine professionelle medizinische Untersuchung.
Wenn die Wirkung bei wiederholten Sitzungen nachlässt, kann dies auf eine Überstimulation hindeuten – dann sollte man den Bereich ruhen lassen oder zu anderen Punkten wechseln.
Wann Akupressur vermieden werden sollte
In bestimmten Situationen sollte Akupressur mit Vorsicht angewendet oder ganz vermieden werden:
Lokale Hautinfektionen, Entzündungen oder offene Wunden
Extreme Schwäche oder längeres Fasten
Blutungsneigung oder Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten
Schwere systemische Entzündungs- oder Autoimmunerkrankungen – nur unter fachlicher Anleitung anwenden
Schwangerschaft – in dieser Lebensphase sollen starke Stimulationen an den Punkten „Schultergrube“, „Ursprungstor“ und „Qi-Meer“ vermieden werden.
Tägliche Selbstfürsorge
„Akupressur ist ein wirkungsvolles Mittel zur täglichen Selbstfürsorge“, sagte Lee.
Die TCM legt Wert darauf, die Gesundheit zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen, bevor sie entstehen.
„Man muss nicht warten, bis man ernsthaft krank ist – schon wenige Minuten täglich, um Qi und Blut zu regulieren, können helfen, zu verhindern, dass aus vielen kleinen Problemen etwas Größeres wird“, sagte Lee.
Mit ein wenig Übung können die Fingerspitzen zu einer Brücke zwischen alter medizinischer Weisheit und dem modernen Alltag werden.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.