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Waldbrandexperte: Sollten unsere Landschaft feuerresistenter machen

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In Europa wüten seit Wochen Waldbrände. Auch Deutschland hat das Feuer inzwischen erreicht. Wie kritisch ist die aktuelle Waldbrandsituation hierzulande? Was kann man dagegen tun? Über diese Fragen haben wir mit Lindon Pronto gesprochen, Mitgründer der „Waldbrand-Klima-Resilienz-Initiative“ und unabhängiger internationaler Berater für Feuermanagement.
Herr Pronto, warum gibt es in den letzten Jahren – abgesehen von einigen Ausnahmen – eine Häufung von Waldbränden in Deutschland?
Ich glaube, da müssen wir deutlich sagen, dass es auch mit dem Klimawandel zu tun hat. Klimawandel verursacht zwar keine Brände, aber er trägt dazu bei, dass die äußeren Rahmenbedingungen für Brände begünstigt werden. Die einzige Ausnahme ist meiner Meinung nach, dass die Zunahme von Blitzschlägen im alpinen Raum. Sie ist direkt auf den Klimawandel zurückzuführen. Das heißt, dass die Witterungsbedingungen immer häufiger zu mehr Blitzschlägen führen, die in Verbindung mit heißeren Tagen, weniger Schnee und mehr Trockenheit öfter zu Waldbränden führen.
Die Häufung an Waldbränden mit größeren Brandflächen ist aber auch eine Folge des fehlenden Handelns in den vergangenen Jahren. Zum Beispiel im Bereich Naturschutz. Eine Studie zeigt, dass zum Beispiel Kommunen, die an Schutzgebiete des EU-weiten Netzwerks „Natura 2000“ angrenzen, um 16-mal anfälliger für extreme Feuerereignisse sind. Denn der Naturschutz dort grenzt bestimmte Maßnahmen wie präventives Feuer, Brandschutzschneisen in Form von Wegen oder mechanische Brandlastreduzierung aus.
In Deutschland herrscht ein Schubladendenken man denkt Naturschutz, Zivilschutz, Forstwirtschaft und Landwirtschaft nicht zusammen. Feuer ist jedoch eine große Querschnittsaufgabe für verschiedene Akteure und nicht allein Aufgabe der Feuerwehr.
Kommunen, Naturschutz- und Forstbehörden, sowie Agrarbetriebe müssen zusammenarbeiten, um unsere Landschaft feuerresistenter zu machen. Offensichtlich können wir den Klimawandel nicht aufhalten. Er begünstigt Bedingungen für große und intensive Feuer, die uns dann überraschen, obwohl diese Entwicklung eigentlich nicht überraschend ist.
Hinzu kommt, dass in Deutschland, wie auch im Mittelmeerraum, viele Waldflächen weniger bewirtschaftet werden als früher. Dadurch gibt es mehr anlaufendes Brennmaterial, das, wenn es brennt, eine schnellere und intensivere Brandausbreitung begünstigt. Dabei spreche ich nicht nur von Totholz sondern auch von lebendem Unterholz wie Gestrüpp am Boden oder Gräsern.
In welchem Maße führen Brandstiftung oder die Unachtsamkeit von Menschen dazu, dass es zu einem Waldbrand kommt?
Natürlich sind die meisten Brände im europäischen Kontext und auch in Deutschland durch den Menschen verursacht. Allerdings muss man dazu sagen, dass die Statistik, die wir haben, sehr undifferenziert ist. Bei fast 50 Prozent der Waldbrände ist die Brandursache unbekannt. Über 25 Prozent der Brände sollen fahrlässig verursacht worden sein. Um der Bevölkerung Empfehlungen geben zu können, wie sie Brandursachen minimieren kann, benötigen wir eine aussagekräftige Statistik, die zeigt, woher die Brände kommen. Neben vorsätzlicher Brandstiftung, die eher die Ausnahme ist, gibt es auch die Selbstentzündung von Phosphormunition, Blitzschläge und andere Ursachen.
In der deutschen Waldbrandsstatistik werden Brände auf Grasland, Agrarland und in Mooren nicht erfasst. Doch auch sie sind relevant, denn Feuer kennt keine Grenzen und kann von einer Grasfläche in den Wald hineinlaufen. Zudem sollten wir auch genau analysieren, welche Brände am schwierigsten und am teuersten zu bekämpfen sind. Das sind Brände, die hauptsächlich in unwegsamem Gelände stattfinden, wo man nur schwer an den Brandherd gelangt, sowie Brände auf Munitionsverdachtsflächen. Solche Brände gibt es fast jedes Jahr. Phosphor kann sich beispielsweise bereits bei 20 Grad Celsius selbst entzünden. Solche Brände sind schwer zu löschen, weil eine direkte Brandbekämpfung durch die Feuerwehr aufgrund der Munition im Boden nicht möglich ist.
Wo sehen Sie das größte Defizit in Deutschland? Wo müssen wir noch mehr investieren und besser werden?
Allgemein sind wir in Deutschland nicht nur sehr technik- sondern auch wasseraffin. Das heißt, wir setzen stark auf Lösungen, die nicht immer unbedingt die effektivsten sind – sich aber politisch und gegenüber der Bevölkerung sehr gut verkaufen lassen. Wenn jetzt ganz viele große Tanklöschfahrzeuge rumfahren oder viele Hubschrauber am Himmel zu hören sind, stärkt dies das Sicherheitsgefühl, aber nicht unbedingt die Effektivität bei der Brandbekämpfung.
Anders sieht es bei Munitionsverdachtsflächen aus. In diesen Fällen ist gerade die unbemannte Technik hilfreich – ob am Boden oder in der Luft, um die Sicherheit der Einsatzkräfte zu gewährleisten. Diese Technik hätten wir schon vor Jahren gebraucht.
Mit Technik aus Kroatien die eigentlich zur Minenräumung genutzt wird kann man jetzt Schneisen im Wald anlegen und gleichzeitig Munition entschärfen. An den anderen Tagen kann die Technik präventiv genutzt werden, um Verteidigungslinien im Wald anzulegen oder Brandlasten zu reduzieren.
Generell brauchen wir in Deutschland mehr bewährte Lösungen, aus dem internationalen Raum. Wir brauchen also mehr professionelle Waldbrandbekämpfer, einen stärkeren Einsatz von Handwerkzeug zur Bekämpfung von Waldbränden, einen gezielteren Einsatz von Löschwasser sowie die Nutzung von Löschhubschraubern zum richtigen Zeitpunkt und nicht erst am dritten Tag eines Waldbrandes. Außerdem gibt es massiven Nachholbedarf bei der Ausbildung der Feuerwehrleute.
Was ich sehr oft sehe, ist, dass in der Nachlöschphase – also nachdem das akute Feuer erst einmal eingedämmt wurde, flächendeckend bewässert wird, ohne gleichzeitig mit Handwerkzeug die Glutnester und die unterirdische Brandlast freizulegen und zu bekämpfen. Ohne diese Arbeit bleibt es unter der oberen Erdschicht heiß und trocken, sodass das das von oben aufgebrachte Wasser eventuell verdunstet. Darunter brennt es jedoch weiter. Das macht einen riesigen Unterschied und führt dazu, dass ein Brand der innerhalb weniger Tage komplett und vollständig gelöscht werden könnte, noch Wochen lang lodert.
Die Kostenfrage führt zudem dazu, dass Kommunen erst sehr spät einen Löschhubschrauber anfordern, da sie die hohen Kosten dafür vermeiden wollen. Denn erst beim Eintritt eines Katastrophenfalls haben sie die Möglichkeit, an zusätzliche finanzielle Mittel zu gelangen. Hier fehlen die richtigen Rahmenbedingungen. Aber dass jetzt jedes Bundesland selbst Löschhubschrauber oder Löschflugzeuge beschaffen soll, das sehe ich eher nicht. Nicht jedes Bundesland ist gleich betroffen und es gibt jetzt auch nicht jedes Jahr so dramatische Brände. Die Mittel zur Brandbekämpfung müssen jedoch effektiv eingesetzt werden und sofort verfügbar sein.
Inwiefern spielt die Art der Waldbewirtschaftung in Deutschland eine Rolle beim Waldbrandrisiko bzw. auch bei der möglichen Größe eines Waldbrandes?
Einerseits sind uns die Kiefern-Monokulturen in Brandenburg bewusst, die immer wieder in Flammen aufgehen. Es gibt Baumarten, die sehr feueranfällig sind und den Boden auch austrocknen. Deshalb ist ein Waldumbau langfristig wichtig. Es gibt anderseits aber auch Möglichkeiten die Bedingungen bereits heute schon zu verbessern. Dazu gehören die gezielte Beweidung, das mechanische Beseitigen von Brandlasten und der Einsatz von kontrolliertem, präventivem Feuer, wo es ökologisch sinnvoll ist. Damit lässt sich auch unsere Infrastruktur besser schützen. Begonnen werden sollte dabei mit den zuvor identifizierten Risikogebieten.
Außerdem sollte durch Öffentlichkeitskampagnen das Engagement in der Bevölkerung gesteigert werden, um Häuser und Höfe sicherer zu machen indem leicht zugängliches brennbares Material reduziert wird. Langes trockenes Gras, Gestrüpp, gestapeltes Brennholz unter der Terrasse oder Laub auf dem Dach – gerade in Riskiogebieten, sollte vermieden werden. Zudem sollte die Politik die Kommunen finanziell dabei unterstützen bewährte Brandschutzkonzepte aus anderen Ländern umzusetzen. Ein reiner Waldumbau zu Misch- oder Laubwald allein wird uns nicht schützen. Wir müssen die Brandlast senken, die Infrastruktur besser schützen und für die Einsatzkräfte im Ernstfall bessere Verteidigungsmöglichkeiten schaffen. Die Zahl der verletzten und auch toten Einsatzkräfte in Europa in diesem Sommer sollte uns zu denken geben und uns dazu bringen mehr das Feuerwehrverhalten in Australien oder Nordamerika in den Blick zu nehmen.
Was sind jetzt die dringendsten Dinge, die wir hier in Deutschland umsetzen müssten?
Wir haben größtenteils ein Freiwillige Feuerwehr, die für Löscheinsätze von zwei, drei Stunden Länge gut funktioniert. Aber wenn wir Großschadenslagen haben, die über Wochen andauern, stößt das gesamte System jedoch schnell an seine Grenzen. Hinzu kommt, dass die freiwilligen Feuerwehrkräfte in der Regel nicht auf Vegetationsbrände professionell und spezialisiert ausgebildet sind. Dann die Frage: Wer trägt ihre Kosten bei längeren Einsätzen? Auf dem Land gibt es einige Feuerwehren, die bereits Erfahrungen mit dem Thema Waldbrand haben. Aber bei gleichzeitigen Vegetationsgroßbränden an verschiedenen Orten, vielleicht auch in Nachbarländern, wo wir Hilfe leisten, merkt man jedoch schnell das erfahrene Kräfte zum Nachrücken für die zweite oder dritte Schicht fehlen. Die Nachrücker kommen oftmals dann auch aus den Städten. Ihnen fehlt noch mehr die Erfahrung mit Vegetationsbränden. Sie sind dann schnell überfordert, weil strategisch, mit einer gewissen Vorschau und Disziplin nach vorheriger Analyse – also mit Spezialwissen – vorgegangen werden muss.
Was kommt in den nächsten Stunden und Tagen auf uns zu? Man braucht quasi einen Amateure-Meteorologen im Team, um das Feuerverhalten am Boden zu verstehen und anschließend eine effektive und sichere Brandbekämpfung durchführen zu können. Man braucht qualifizierte Kräfte, die mit dem taktischen Einsatz von gezielt gelegtem Feuer den Brand eindämmen können.
In Nordamerika oder Spanien gibt es spezialisierte Kräfte, die ausschließlich für die Vegetationsbrandbekämpfung zuständig sind. In diese Richtung muss sich auch Deutschland entwickeln. Diese Kräfte stehen dann nicht nur zur Feuerbekämpfung bereit, wenn es nötig ist, sondern sie können die anderen 300 Tage im Jahr präventiven Brandschutz im Wald oder bei der Infrastruktur tätig sein.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Erik Rusch.
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Totaler Überwachungsstaat: Exklusive Einblicke in die Funktionsweise des Pekinger Sicherheitsapparats

Am Vorabend des Unabhängigkeitstags landete Pastor Ezra Jin Mingri in Los Angeles – endlich frei nach rund neun Monaten in einem chinesischen Gefängnis.
Während seiner Haft hatte sich Jin gefragt, ob er jemals wieder in Freiheit sein würde. Seine Freilassung erfolgte erst, nachdem US-Präsident Donald Trump den Fall im Mai direkt beim chinesischen Staatschef Xi Jinping zur Sprache gebracht hatte. Mindestens acht Mitglieder von Jins Gemeinde sitzen weiterhin hinter Gittern.
Obwohl Jin ein christlicher Pastor ist, wurde ihm kein Verbrechen religiöser Natur vorgeworfen. Stattdessen klagte ihn das chinesische Regime wegen illegaler Nutzung von Informationsnetzwerken und des Betriebs eines illegalen Unternehmens an, also wegen Internet- und Wirtschaftsdelikten.
Tatsächlich hatte er sich geweigert, eine Kamera zu installieren. Im Jahr 2018 forderten die Behörden ihn auf, Überwachungsgeräte im Gottesdienstraum der Pekinger Zion-Kirche anzubringen. Zu jener Zeit hatte der Pastor seine Gemeinde bereits auf mehr als 1.500 Mitglieder ausgebaut. Er lehnte dies ab. Daraufhin schlossen die Behörden die Kirche und beschlagnahmten ihr Eigentum.
Die Gemeinde verlegte ihre Aktivitäten ins Internet und hielt dort weitere sieben Jahre lang Gottesdienste ab. Am 10. Oktober 2025 holte die Polizei Jin schließlich aus seinem Haus in der südlichen Stadt Beihai ab und nahm ihn zusammen mit fast 30 weiteren Kirchenführern im ganzen Land fest. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen handelte es sich um die größte koordinierte Zerschlagung einer städtischen Hauskirche in China seit mehr als vier Jahrzehnten.

Tief ins bürgerliche Leben eingesickert

Nichts davon erforderte eine Spionageaktion oder eine spektakuläre Razzia. Eine Kirche wurde als Sicherheitsproblem behandelt und nach Wirtschafts- und Internetrecht strafrechtlich verfolgt. Den Fall wickelten dann gewöhnliche Polizeibeamte in einer Provinzstadt ab, fernab der Hauptstadt.
Jins Fall zeigt, wie tief die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) in das Privatleben der 1,4 Milliarden Menschen in China eingreift.
In Kürze erscheint ein Exklusivbericht der Epoch Times mit dem Titel „Die Struktur der Sicherheitsorgane der KPCh: Von zentralen Verzeichnissen bis hin zu operativen Einheiten an vorderster Front“. Dieser skizziert den Sicherheitsapparat der KPCh, ausgehend von ihren zentralen Ministerien bis zu den Einheiten an vorderster Front.
Der Bericht stützt sich auf westliche und chinesische wissenschaftliche Arbeiten sowie auf durchgesickerte Haushaltszahlen, Gerichtsakten und interne Dokumente der Partei. Die zentrale Erkenntnis daraus ist, dass sich die Partei bei der Überwachung nicht auf eine einzige gefürchtete Behörde verlässt. Sie überträgt diese Aufgabe vielmehr allen anderen: der örtlichen Polizei, Nachbarschaftswächtern, Arbeitgebern, Universitäten und Vermietern. Auch 10 bis 15 Millionen gewöhnliche Bürger, die sie rekrutiert hat, um Beobachtungen zu melden, sind involviert.
Dieses riesige Überwachungsnetzwerk ist unterhalb einer fast 2 Millionen Mann starken Polizeimacht angesiedelt. Es ermöglicht es der Partei, Orte zu erreichen, die für die Polizei unzugänglich sind.
Der Gründer der Zion Church, Ezra Jin Mingri, ist hier im Jahr 2018 in Peking abgebildet. Nach etwa neun Monaten Haft in China wurde Jin freigelassen, nachdem US-Präsident Donald Trump seinen Fall direkt mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping besprochen hatte. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Grace Jin Drexel

Der Gründer der Zion-Kirche, Ezra Jin Mingri, ist hier im Jahr 2018 in Peking abgebildet. Nach etwa neun Monaten Haft in China wurde Jin freigelassen, nachdem US-Präsident Donald Trump seinen Fall direkt mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping besprochen hatte.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Grace Jin Drexel

Keine chinesische CIA

Wenn Amerikaner vom chinesischen Ministerium für Staatssicherheit (MSS) hören, denken sie vielleicht an die Central Intelligence Agency (CIA) der USA. Doch während es der CIA gesetzlich untersagt ist, Amerikaner im eigenen Land zu überwachen, begann das MSS in China zunächst als innerstaatlicher Sicherheitsdienst und dehnte dann seine Tätigkeit nach außen hin aus.
„In seinen Anfangsjahren konzentrierte sich das MSS hauptsächlich auf die innere Sicherheit, während der Geheimdienst [der Volksbefreiungsarmee] im Ausland die stärkere Instanz war“, sagte der Sicherheitsexperte Matthew Brazil. Brazil war früher Offizier der US-Armee, Diplomat und Ermittler im Bereich Unternehmenssicherheit. Er ist Mitautor des Buches „Chinese Communist Espionage: An Intelligence Primer“ (zu Deutsch: Chinesische kommunistische Spionage: Eine nachrichtendienstliche Einführung).
Erst vor Kurzem hat sich etwas daran geändert. „Seit etwa 2017 hat sich der Auslandsnachrichtendienst stark ausgeweitet, und der MSS scheint nun für politische und technologische Aufklärung zuständig zu sein“, sagte er.
Doch die Verfolgung der „Feinde“ der Partei im Inland gehört nach wie vor zu den Aufgaben des Ministeriums.
Das MSS arbeitet mit dem Ministerium für Öffentliche Sicherheit (MPS) zusammen, das Verkehrskontrollen, die Melderegisterführung und die Nachbarschaftspatrouillen durchführt. Zudem betreibt es das Kameranetzwerk, die Polizeidatenbanken und die Realnamenssysteme, die eine Telefonnummer oder eine Bankkarte einer bestimmten Person zuordnen.
Die im chinesischen Sprachgebrauch als „Guobao“ bekannte Abteilung des MPS beschäftigt sich mit Dissidenten, Petitionsstellern und religiösen Gruppen. Diese politische Geheimpolizei kann auf alle Überwachungsmaßnahmen zurückgreifen.
In China tritt die politische Polizeiarbeit selten offen in Erscheinung. Sie wird stattdessen unter den Begriffen öffentliche Ordnung, Betrugsbekämpfung, Cybersicherheit und Melderegister geführt.

Das Hauptquartier des chinesischen Ministeriums für Öffentliche Sicherheit in der Nähe des Tian’anmen-Platzes in Peking (Archivbild). Das Ministerium, Chinas größte Sicherheitsbehörde, ist für ein breites Spektrum an Aufgaben zuständig, von der Verkehrsüberwachung und der Haushaltsregistrierung bis hin zur Überwachung von Dissidenten, Petenten und religiösen Gruppen.

Foto: 維基小霸王/CC BY-SA 4.0

Arbeitsteilung auf verschiedenen Ebenen

Feng Chongyi, außerordentlicher Professor für Chinastudien an der University of Technology in Sydney, erlebte hautnah, wie die chinesischen Behörden diese Aufgaben unter sich aufteilen.
Anfang 2017 flog er nach China, um zu untersuchen, was mit den Menschenrechtsanwälten des Landes nach den Massenverhaftungen im Jahr 2015 geschehen war.
In Kunming verhörten ihn tagelang Sicherheitsbeamte. Dann wurde er am Flughafen in Guangzhou angehalten. Man sagte ihm, dass er das Land nicht verlassen dürfe. Eine Verhaftung oder Anklage gab es jedoch nicht.
Gegenüber der Epoch Times erklärte Feng, die Behörden hätten die Aktion bereits lange vor seiner Ankunft vorbereitet. „Wenn sie vorhaben, jemanden festzunehmen, ist das keine spontane Entscheidung“, sagte er. „Sie betreiben zunächst umfangreiche Recherchen und erstellen erst dann die Liste und leiten die Aktion ein.“
Überrascht war er darüber, wer alles in Erscheinung trat. Peking hatte das Verfahren eingeleitet, doch die Beamten, die ihn in Kunming befragten, kamen vom Staatssicherheitsbüro der Provinz Yunnan, ebenso wie diejenigen, die am Flughafen in Guangzhou warteten, das in einer ganz anderen Provinz liegt.
„In meinem Fall war es das Ministerium für Staatssicherheit – das MSS war es, das das Verfahren eingeleitet hat“, sagte Feng und weiter:
„Das Ministerium selbst verfügt nur über sehr wenig Personal. Die eigentliche Arbeit wird an die Staatssicherheitsämter der verschiedenen Provinzen und Städte verteilt, die sie gemeinsam ausführen.“
So funktioniert diese Arbeitsteilung. Das Ministerium in Peking entscheidet, wer ein Problem darstellt, während die Provinzen und Landkreise die Arbeit unter Nutzung bereits bestehender Strukturen – der Polizeistation, des Nachbarschaftskomitees, der Universität oder des Arbeitgebers – erledigen.
Brazil sagte, Fengs Darstellung stimme mit externen Forschungsergebnissen überein. „Es ist offensichtlich, dass ein Großteil, möglicherweise sogar der größte Teil, der chinesischen Staatssicherheitsoperationen im Ausland auf diesen unteren Ebenen durchgeführt wird“, sagte er.
Feng Chongyi, China-Experte und außerordentlicher Professor an der Technischen Universität Sydney, spricht während eines Interviews mit NTD bei einer Kundgebung zum Internationalen Tag der Menschenrechte in Sydney am 10. Dezember 2022. Foto: Wang Nan/NTD

Feng Chongyi, China-Experte und außerordentlicher Professor an der University of Technology Sydney, spricht während eines Interviews mit NTD bei einer Kundgebung zum Internationalen Tag der Menschenrechte in Sydney am 10. Dezember 2022.

Foto: Wang Nan/NTD

Wer beobachtet?

Was in den meisten Fällen bereits vorhanden ist, sind Menschen, und die KPCh rekrutiert sie offen.
Die besten Schätzungen zum Ausmaß stammen von Minxin Pei, einem Politikwissenschaftler und Professor für Staatswissenschaften am Claremont McKenna College in Kalifornien. In seinem 2024 erschienenen Buch „The Sentinel State“ (zu Deutsch: Der Wächterstaat) rekonstruierte Pei Chinas System anhand durchgesickerter Haushaltspläne, offizieller Polizeiberichte und lokaler Jahrbücher.
Nach Peis Schätzungen beläuft sich die Zahl der Beamten, die politische Fälle bearbeiten, landesweit auf 60.000 bis 100.000, was drei bis fünf Prozent der chinesischen Polizei entspricht. Das entspricht einem Beamten pro 14.000 bis 23.000 Einwohner. Zum Vergleich: Die Stasi in der DDR hatte einen Vollzeitmitarbeiter pro etwa 180 Einwohner.
Pei sagte, es gehe nicht darum, dass das chinesische Regime seine Bürger weniger streng überwache als die DDR. Vielmehr habe die Partei einen kostengünstigeren Weg gefunden, um weitaus mehr Menschen zu überwachen.
Das Ministerium für Staatssicherheit betreibt ein öffentliches Programm, das es „die Verteidigungslinie des Volkes“ nennt. Es basiert auf der Erziehung zur nationalen Sicherheit in Schulen und am Arbeitsplatz sowie auf einer Hotline zur Meldung mutmaßlicher „Spione“. Einige Städte werben mit Geldprämien.
Laut Peis Schätzungen beläuft sich die Zahl der nebenberuflichen Informanten auf 10 bis 15 Millionen und es werden jedes Jahr weit über 100.000 neue politische Informanten rekrutiert.
Minxin Pei, Politikwissenschaftler am Claremont McKenna College, sprach am 29. November 2018 bei einer Veranstaltung der Hoover Institution in Washington. Pei erklärte, die Kommunistische Partei Chinas habe einen kostengünstigeren Weg gefunden, weitaus mehr Menschen zu überwachen: durch ein öffentliches Programm namens „Verteidigungslinie des Volkes“. Dieses Programm basiert auf nationaler Sicherheitserziehung in Schulen und Betrieben sowie einer Hotline zur Meldung mutmaßlicher Spione. Foto:Jennifer Zeng/The Epoch Times

Minxin Pei, Politikwissenschaftler am Claremont McKenna College, spricht am 29. November 2018 bei einer Veranstaltung der Hoover Institution in Washington, D.C. Er erklärte, die Kommunistische Partei Chinas habe einen kostengünstigeren Weg gefunden, weitaus mehr Menschen zu überwachen: durch ein öffentliches Programm namens „Verteidigungslinie des Volkes“. Dieses Programm basiert auf nationaler Sicherheitserziehung in Schulen und Betrieben sowie einer Hotline zur Meldung mutmaßlicher Spione.

Foto: Jennifer Zeng/Epoch Times

An ihrer Seite arbeiten die „Grid-Manager“, eine Art Raster-Verwalter, städtische Angestellte, denen jeweils einige hundert Haushalte zugewiesen sind. Ihre Aufgaben wirken wie reine Verwaltungsarbeit, und genau das macht sie so effektiv: Sie erfassen, wer ein- und auszieht, notieren, welche Familien in Konflikt stehen, kennzeichnen Bewohner, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen oder begonnen haben, dort Treffen abzuhalten, und leiten alles Ungewöhnliche an das Bezirksamt oder die Polizei weiter.
Laut Pei wird nur etwa ein Viertel der gesammelten Informationen jemals an höhere Stellen weitergeleitet. Doch Genauigkeit war nie das Ziel. Vielmehr geht es darum, ein Gefühl ständiger Überwachung im Alltag zu schaffen. In jedem Klassenzimmer, jedem Tempel und jedem Wohnblock macht vielleicht jemand Notizen – und niemand kann genau sagen, wer das ist.
Brazil, der sich in seiner Doktorarbeit mit der Frühgeschichte der Geheimdienstorgane der KPCh befasste, sieht darin einen einzigen Zweck, der sich durch das gesamte System zieht.
„Die Geheimdienst- und Sicherheitskräfte der KPCh konzentrieren sich auf das Überleben der regierenden Partei“, sagte er. „Von den verzweifelten Tagen der 1920er- und 30er-Jahre bis hin zur Paranoia von heute, in der jede aufkeimende Idee sofort erstickt werden muss, bevor sie wachsen kann – das ist ihre oberste Aufgabe.“
Tibetische Schüler der zweiten Oberschule stellen sich während eines von der Regierung organisierten Besuchs in Shannan, Tibet, China, am 18. Juni 2023 zur Übung auf. Die Politikwissenschaftlerin June Teufel Dreyer sagte, dass viele der heute in ganz China angewandten Überwachungsmethoden zuerst in Xinjiang und Tibet erprobt wurden. Foto: Kevin Frayer/Getty Images

Tibetische Schüler der Zweiten Oberschule stellen sich während eines von der chinesischen Regierung organisierten Besuchs in Shannan, Tibet, China, am 18. Juni 2023 zur Übung auf. Die Politikwissenschaftlerin June Teufel Dreyer sagte, dass viele der heute in ganz China angewandten Überwachungsmethoden zuerst in Xinjiang und Tibet erprobt wurden.

Foto: Kevin Frayer/Getty Images

Keine Anklage erforderlich

Chen Pokong, ein politischer Kommentator und Autor, der heute in New York lebt, machte als junger Wirtschaftsdozent an der Sun-Yat-sen-Universität in Guangzhou Erfahrungen mit dieser Vorgehensweise. Bereits Wochen vor den Demonstrationen von 1989, die auf dem Tian’anmen-Platz endeten, hatten die Sicherheitsdienste seinen Namen notiert.
„Im März 1989 – noch bevor die Bewegung in vollem Umfang ausgebrochen war – hatten sie bereits ein Dokument, das sich gegen mich richtete und in dem stand, ich würde in Guangzhou eine Studentenbewegung ins Leben rufen, wobei ich namentlich genannt wurde“, berichtete er gegenüber Epoch Times.
Nach der Niederschlagung der Proteste wurde er verhaftet und verbrachte drei Jahre in einer Haftanstalt und in Arbeitslagern – eine Strafe, die die Polizei ohne Gerichtsverfahren verhängen konnte. Etwa ein Jahr nach seiner Freilassung schickten sie ihn erneut in Haft.
Dort wurde die Überwachung von anderen Gefangenen übernommen, von Musterhäftlingen, die „vorgaben, sich mit mir anzufreunden, mich aber in Wirklichkeit auskundschafteten, meine Gedanken ausloteten und jede meiner Bewegungen beobachteten“, sagte er.
Der in den USA lebende politische Kommentator und Autor Pokong Chen hält in diesem undatierten Foto eine Rede an der Universität Cambridge in Cambridge, England. Chen verbrachte Jahre in chinesischen Gefängnissen, weil er an der Demokratiebewegung von 1989 in China teilgenommen hatte. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Pokong Chen

Der in den USA lebende politische Kommentator und Autor Chen Pokong hält in diesem undatierten Foto eine Rede an der Universität Cambridge in England. Chen verbrachte Jahre in chinesischen Gefängnissen, weil er an der Demokratiebewegung von 1989 in China teilgenommen hatte.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Chen Pokong

Die Lage verschärfte sich, als er begann, Chinas Export von Waren aus Gefangenenarbeit aufzudecken. „Also postierten sie eine große Anzahl von Leuten um mich herum“, sagte er. Trotzdem gelang es ihm im Jahr 1994, Beweise nach außen zu schmuggeln. Dabei benutzte er die Informanten in seinem Umfeld als Tarnung. Er fütterte sie mit einer Mischung aus wahren und falschen Informationen, bis die echten Informationen durchschlüpften.
Seine Freilassung veränderte die Routine, beendete sie jedoch nicht. Eine im Namen der öffentlichen Sicherheit agierende Arbeitsgruppe lud ihn jeden Monat zu einem Gespräch ein und verfolgte ihn den Rest der Zeit. Kurz vor besonders sensiblen Terminen im Jahr wurde er noch intensiver beobachtet. Die Überwachung erstreckte sich auf alle Personen in seinem Umfeld.
„Im Inland gibt es Verwandte, Angehörige, alle möglichen sozialen Verbindungen – sie überwachen sie alle, sogar Klassenkameraden“, sagte er. 1996 wurde er in die Vereinigten Staaten ins Exil verbannt.
Für all das war keine formelle Anklage erforderlich. Und der demnächst erscheinende Bericht der Epoch Times hebt genau das als das entscheidende Merkmal des Systems hervor: Maßnahmen werden gegen jeden ergriffen, den der Staat überwacht, unabhängig davon, ob jemals ein Verfahren eingeleitet wird.
Das Arbeitslager Baimalong in Zhuzhou, Provinz Hunan, China. Das Foto wurde am 29. April 2013 durch das Autofenster aufgenommen. Schon vor 2013 konnten chinesische Polizisten Menschen zur Zwangsarbeit einweisen – bis zu vier Jahre und ohne formelles Gerichtsverfahren. Foto: Ed Jones/AFP via Getty Images

Das Arbeitslager Baimalong in Zhuzhou, Provinz Hunan, China. Das Foto wurde am 29. April 2013 durch das Autofenster aufgenommen. Schon vor 2013 konnten chinesische Polizisten Menschen zur Zwangsarbeit einweisen – bis zu vier Jahre und ohne formelles Gerichtsverfahren.

Foto: Ed Jones/AFP via Getty Images

Alles kann als Bedrohung bezeichnet werden

Ob eine Person in den Fokus gerät, ist weitgehend eine Frage der Einstufung. Unter Xi Jinping haben sich die Kategorien inzwischen ausgeweitet.
Im Jahr 2014 führte der chinesische Staatschef das umfassende Konzept der nationalen Sicherheit ein und dehnte den Begriff „Sicherheit“ auf mehr als ein Dutzend Bereiche aus – von der Wirtschaft bis zur Umwelt. Nahezu jedes Problem kann nun als Sicherheitsangelegenheit eingestuft werden, was den Sicherheitsdiensten ein Handlungsmandat verleiht.
Ein 2017 verabschiedetes Gesetz verstärkte diese Reichweite, indem es chinesische Bürger und Organisationen dazu verpflichtete, die staatliche Geheimdienstarbeit zu unterstützen und über das, was sie darüber erfahren, Stillschweigen zu bewahren.
Im Bereich der Religion lässt sich diese Umdeutung am leichtesten nachvollziehen.
Nina Shea ist Direktorin des Zentrums für Religionsfreiheit beim Hudson Institute. Sie war sieben Amtszeiten lang Mitglied der US-Kommission für internationale Religionsfreiheit. Sie erklärt, dass Peking seine Ziele der Reihe nach abgearbeitet habe. „Zuerst gingen sie gegen Falun Gong vor, dann gegen die uigurischen Muslime, und nun sehen wir Anzeichen dafür, dass sie es auf die Christen abgesehen haben – die Untergrundchristen“, erklärte Shea gegenüber der Epoch Times. Sie fügte hinzu, dass die tibetischen Buddhisten schon unmittelbar vor den Uiguren an der Reihe waren.
Nina Shea, leitende Mitarbeiterin und Direktorin des Zentrums für Religionsfreiheit, spricht am 17. Juli 2023 in Washington im Rahmen einer Podiumsdiskussion über die transnationale Unterdrückung von Falun Gong, Angriffe auf Shen Yun und die Repression in Hongkong. Foto: Madalina Vasiliu/Epoch Times

Nina Shea, leitende Mitarbeiterin und Direktorin des Zentrums für Religionsfreiheit, spricht am 17. Juli 2023 in Washington, D.C. im Rahmen einer Podiumsdiskussion über die transnationale Unterdrückung von Falun Gong, Angriffe auf Shen Yun und die Repression in Hongkong.

Foto: Madalina Vasiliu/Epoch Times

Die Verfolgung habe sich nach 2018 verschärft, sagte sie, als die Behörden anfingen, Regeln durchzusetzen, die die „Sinisierung“ der Religion vorschrieben. Die Methode bestehe darin, gegen die Führungsriege vorzugehen.
„Ihre Strategie beziehungsweise ihre Taktik besteht darin, Druck auf die Führung der christlichen Gruppen auszuüben – und damit zu beginnen, sie einzusperren, wie wir es letztes Jahr bei den Mitgliedern der Zion-Kirche gesehen haben“, sagte sie.
Sobald eine Aktivität als Sicherheitsrisiko eingestuft wird, greifen Staatsanwälte laut einem Bericht der Epoch Times auf das jeweils passende Gesetz zurück. So kam es, dass ein Pastor, der sich weigerte, eine Kamera zu installieren, wegen Internet- und Wirtschaftsdelikten angeklagt wurde.

Im Grenzbereich erprobt, durch Technologie skaliert

Viele der Methoden, die heute in ganz China angewendet werden, wurden zuerst in den Regionen erprobt, in denen die KPCh der Bevölkerung am wenigsten vertraute.
„Die Überwachungs- und Kontrolltechniken in Xinjiang und Tibet waren als Experimente gedacht, die verfeinert und auf ganz China ausgeweitet werden könnten“, sagte June Teufel Dreyer, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Miami. Dreyer beschäftigt sich seit über fünf Jahrzehnten mit chinesischer Politik.
Nur ein Teil dieses Ansatzes ließ sich auf den Rest des Landes übertragen, so Dreyer, da die Probleme unterschiedlich seien. „Die Sorge vor islamistischem Terrorismus spielt in Han-China keine Rolle, und Han-Chinesen zünden sich nicht selbst an.“
Der genannte Bericht kommt zu dem Schluss, dass sich eine bestimmte Methode verbreitet habe: Man teile eine Stadt in kleine Einheiten auf und mache für jede Einheit einen namentlich genannten Beamten verantwortlich. Die Sammlung von Informationen über das tägliche Leben wird dabei in die routinemäßige Arbeitsbelastung dieses Beamten integriert.
„Ich sehe darin eine Umkehrung und Verschärfung der Kontrollpolitik aus der Mao-Ära, die sich unter Jiang und dann noch stärker unter Hu zu lockern schien“, sagte Dreyer mit Blick auf die beiden Vorgänger von Xi.
Die Verschärfung, fügte sie hinzu, „wurde durch die Entwicklung neuer Technologien wie Big Data und Gesichtserkennung begünstigt, was in der Mao-Ära undenkbar gewesen wäre.“
Am 26. April 2019 wurden auf Monitoren im Huawei-Campus in Bantian (Shenzhen, China) Gesichtserkennungs- und KI-Anwendungen demonstriert. June Teufel Dreyer erklärte, Fortschritte in solchen Technologien führten zu einer Wiederbelebung und Verschärfung der Methoden der sozialen Kontrolle aus der Mao-Ära. Foto: Kevin Frayer/Getty Images

Am 26. April 2019 werden auf Monitoren im Huawei-Campus in Bantian, Shenzhen, China, Gesichtserkennungs- und KI-Anwendungen demonstriert. June Teufel Dreyer erklärte, Fortschritte in solchen Technologien führten zu einer Wiederbelebung und Verschärfung der Methoden der sozialen Kontrolle aus der Mao-Ära.

Foto: Kevin Frayer/Getty Images

Aber die bessere Ausrüstung habe nichts daran geändert, wer die eigentliche Arbeit leistet, argumentiert der Bericht.
Eine Kamera kann zwar feststellen, dass sich eine Person an einem Ort aufgehalten hat, aber nicht, warum. Ebenso kann Software eine Versammlung melden, aber nicht den Organisator vom Zuschauer unterscheiden. Jemand muss die Meldung immer noch lesen, und jemand muss immer noch an die Tür klopfen – ein Nachbarschaftspolizist, ein „Grid-Manager“ oder ein Schulverwalter.

Sicher oder brüchig?

Das System wurde nie dazu geschaffen, Gefängnisse zu füllen, so das Fazit des Epoch-Times-Berichts, und meistens tut es das auch nicht. Bestrafung ist die Ausnahme.
Was es hervorbringt, ist eine besondere Art von Angst: eine Bevölkerung, die gelernt hat, anzunehmen, dass eine Bemerkung, ein Gebetstreffen, eine Freundschaft mit einem Ausländer oder eine Nacht in einer fremden Stadt von jedem notiert werden könnte, der nah genug steht, um etwas mitzuhören oder davon zu erfahren.
Auf die Frage, ob die Unterdrückung Wirkung zeige, machte Shea eine Unterscheidung. Bei der katholischen Kirche sei dies ganz offensichtlich der Fall. „Sie geraten unter die vollständige Kontrolle der KPCh. Die meisten der neuen Bischöfe sind von der KPCh genehmigt“, sagte sie.
Die protestantischen Kirchen seien schwerer einzuschätzen, sagte sie, da sie so weit in den Untergrund gedrängt worden seien, dass eine Zählung sie in Gefahr bringen würde. „Es ist gefährlich für ihre Führung, Zahlen und Namen derer zu nennen, die in die Kirche kommen. Es ist gefährlich für die Gläubigen, für die Gemeindemitglieder“, sagte Shea. „Wir wissen es einfach nicht.“
Minxin Pei wies auf eine Einschränkung hin. Sollte eine schwächere Wirtschaft zu mehr Protesten und einem starken Anstieg der Zahl derer führen, die die KPCh im Auge behalten will, schrieb er, könnte die geringe Größe der Guobao-Truppe „Anlass zur Sorge“ für Peking sein. Denn dann bräuchte man noch mehr Beamte dafür.
Ein Wachmann überwacht eine Fußgängerbrücke während der Eröffnungssitzung des Nationalen Volkskongresses in Peking am 5. März 2026. Foto: Greg Baker/AFP via Getty Images

Ein Wachmann überwacht eine Fußgängerbrücke während der Eröffnungssitzung des Nationalen Volkskongresses in Peking am 5. März 2026.

Foto: Greg Baker/AFP via Getty Images

So weit ist es noch nicht gekommen. Auf die Frage, ob dieser Apparat das Regime letztlich sicherer oder anfälliger mache, äußerte Dreyer kaum Zweifel.
„Derzeit wirkt das Regime äußerst sicher“, sagte sie und fügte hinzu: „Ein Zusammenbruch würde eine Fähigkeit zu massivem, organisiertem Widerstand gegen den Parteistaat voraussetzen, für die ich keine Anzeichen sehe.“
Die bestehende Unzufriedenheit werde wahrscheinlich nicht über dieses Maß hinauswachsen, sagte die Politikwissenschaftsprofessorin und verwies auf „eine große Trägheit im System“:
„Obwohl viele Menschen das derzeitige System als korrupt ansehen, fürchten sie das Chaos, zu dem Versuche, es zu zerschlagen, führen würden.“
„Wie wir im Iran und in Kuba gesehen haben, sind autoritäre Regierungen widerstandsfähiger, als unsere Medien ihnen zutrauen“, sagte Dreyer.
Der vollständige Bericht der Epoch Times über die Struktur der Sicherheitsorgane der KPCh wird im Laufe dieses Jahres veröffentlicht.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Inner Workings of Beijing’s Security Machine Revealed“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Meditation: Positive Wirkung auf Gehirn, Herz und Schmerz – so funktioniert sie


In Kürze:

  • Meditation hilft nicht nur bei Stress, sondern hat auch positive Wirkungen auf den ganzen Körper.
  • Das Gehirn profitiert davon, wobei sich unter anderem Konzentration, Gedächtnis und emotionale Regulation verbessern.
  • Ähnlich wie Beten erfüllt Meditation einen Menschen mit einem Gefühl der Ehrfurcht und Demut, was eine positive Einstellung zum Leben fördert.
  • Es gibt einige Tipps, die Anfängern helfen können, sich die heilende Wirkung der Meditation leichter zunutze zu machen.

 
Ob Sokrates oder Laotse: Seit Jahrtausenden praktizieren Menschen Meditation, um geistige Klarheit zu erlangen. 
Die Forschung bestätigt diese Praxis. Täglich ein paar Minuten in Meditation zu sitzen, hilft beim Stressabbau. Doch es gibt noch mehr Vorteile, die auch die moderne Forschung Schritt für Schritt entschlüsselt.

Meditation – ein Balsam fürs Gehirn

Meditation aktiviert die Kommandozentrale des Gehirns: den Frontallappen, insbesondere den präfrontalen Kortex. Ist dieser Bereich aktiver, verbessern sich unsere Aufmerksamkeit, emotionale Regulierung und Selbstwahrnehmung.
Darüber hinaus führt regelmäßige Meditation zu strukturellen Veränderungen im Gehirn und steht in Zusammenhang mit einem verlangsamten Verfall von Nervenzellen. So war die Hirnrinde bei Personen im Alter von 40 bis 50 Jahren, die regelmäßig meditierten, laut einer Studie aus dem Jahr 2005 ähnlich dick wie die von Nicht-Meditierenden, die 20 Jahre jünger waren. Diese zusätzliche Dicke könnte laut den Forschern als eine Form der kognitiven Reserve dienen.
In einer anderen kleinen Studie mit Personen, die zuvor noch nie meditiert hatten, zeigte sich bereits nach acht Wochen Meditation eine Zunahme der grauen Substanz im Gehirn. Ihr Volumen nimmt normalerweise mit zunehmendem Alter ab. Die graue Substanz nahm insbesondere in Gehirnregionen zu, die fürs Lernen und Gedächtnis sowie für die Selbstwahrnehmung und Empathie zuständig sind.
Ferner wirkt Meditation auf die Neuroplastizität des Gehirns, also seine Fähigkeit, zu wachsen und sich zu verändern, sagte Dr. Andrew Newberg gegenüber Epoch Times. Je mehr man sich der Meditation widme, desto „größer sei die Wirkung“, so Newberg, ein Pionier der spirituellen Neurowissenschaften und Forschungsdirektor am Marcus Institute of Integrative Health am Thomas Jefferson University Hospital in Philadelphia.
Zudem schütte das Gehirn während einer Meditation „Glückshormone“ aus, fügte der Neurologe hinzu. So setzt ein Teil des Belohnungs- und Motivationszentrums im Gehirn bei der tiefen Meditation 65 Prozent mehr Dopamin frei. Bei langjährigen Meditierenden kann der Serotoninspiegel im Blut laut Untersuchungen um etwa 26 Prozent höher sein.

Mit Antidepressiva vergleichbar

Meditation kann außerdem ähnlich wie Medikamente wirken. Das zeigte beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 2022 zum Thema Angstzustände. Dabei verglichen die Forscher eine auf Achtsamkeit basierende Behandlung zur Stressreduktion mit dem Medikament Escitalopram, einem Mittel gegen Angstzustände und Depressionen. Demnach war Achtsamkeit bei der Behandlung von Angstzuständen „Escitalopram nicht unterlegen“, hieß es in der Untersuchung.
Das zeige, dass meditative Praktiken eine „Alternative mit weniger Nebenwirkungen“ bei Angststörungen darstellen, sagte Dr. Elizabeth A. Hoge zu Epoch Times. Hoge ist Fachärztin für Psychiatrie und Leiterin des Forschungsprogramms für Angststörungen am Georgetown University Medical Center.

Beruhigt das Herz und lindert Schmerzen

Meditation beruhigt den Körper zusätzlich, indem sie die Herzfrequenz verlangsamt und Schmerzen lindert.
Da Meditation Stresshormone und Entzündungen senke sowie Ruhe und Erholung im Körper fördere, mindere sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sagte Dr. V. S. Prakash gegenüber Epoch Times. Prakash ist leitender interventioneller Kardiologe und Herz-Elektrophysiologe am Manipal Hospital in Bengaluru, Indien. 
Seinen Angaben zufolge hilft das Meditieren, den Körper von einem „Kampf-oder-Flucht“-Zustand in einen „Ruhe-und-Verdauung“-Zustand zu versetzen. Das senkt die Herzfrequenz und erhöht die Herzratenvariabilität.
Eine höhere Herzratenvariabilität verbessert Ihre Reaktion auf Stress, da sie die Fähigkeit unterstützt, von einer Stresssituation schneller wieder den Ruhemodus zu erreichen.
Die beruhigende Wirkung der Meditation auf Körper und Geist lindert zudem Schmerzen. Wie eine Studie aus dem Jahr 2025 ergab, ist Achtsamkeitsmeditation bei starken chronischen Rückenschmerzen mit der kognitiven Verhaltenstherapie vergleichbar.
Achtsamkeit bringe den Menschen bei, innezuhalten und körperliche Empfindungen wahrzunehmen, meinte Dr. Aleksandra Zgierska zu Epoch Times. Achtsamkeit helfe den Menschen zu erkennen, dass Schmerzen oft schwanken und bewältigt werden können – eine Einsicht, die das Leiden verringern könne, so die Hauptautorin der Studie und stellvertretende Vorsitzende für Forschung am Fachbereich Familien- und Gemeindemedizin am Penn State College of Medicine.
„Menschen verfallen oft in eine sogenannte ‚Schmerzkatastrophisierung‘. Sie erwarten, dass sich der Schmerz verschlimmert und vermeiden deshalb bestimmte Aktivitäten“, sagte sie. „Dies kann einen Teufelskreis auslösen. Achtsamkeit hilft, diesen Kreislauf zu durchbrechen.“

Das Gebet ist eine Form der Meditation

Personen, die beten, weisen ähnliche neurophysiologische Mechanismen auf wie Personen, die meditieren. Das zeigten bildgebende Hirnuntersuchungen des Neurologen Newberg.
Sowohl Meditation als auch Gebet steigern die Aufmerksamkeit und Konzentration im Gehirn, während sie gleichzeitig die Aktivität im Parietallappen verringern. Der Parietallappen ist daran beteiligt, uns ein räumliches Selbstbewusstsein zu vermitteln. Ist er weniger aktiv, führt es dazu, dass Menschen, die regelmäßig meditieren oder beten, „ihr Selbstgefühl verlieren oder eine tiefe Verbundenheit mit dem Universum oder Gott empfinden“, so Newberg.
Er fügte hinzu: „Meditieren oder Beten erfüllt einen Menschen zudem mit einem Gefühl der Ehrfurcht und Demut, das mit jeder solchen Erfahrung stärker wird.“
Sich im tiefen Einklang mit dem Universum zu fühlen, führe zu einem tiefen Gefühl innerer Geborgenheit, sagte Margaret Trey, eine Forscherin mit einem Doktortitel in Psychotherapie. Es sei „wohltuend und heilend“, sagte sie zu Epoch Times.
Dies steigere letztendlich den Optimismus sowie das Gefühl für Sinn und Zweck.

In die Stille: Tipps für Anfänger

Wie können wir die heilende Wirkung der Meditation nutzen? Erst einmal beinhaltet Meditation traditionell
  • kontrolliertes Atmen,
  • das schrittweise Ausblenden abschweifender Gedanken,
  • das Erreichen eines ruhigen, klaren Geisteszustands.
„Meditation ist keine Darbietung – sie ist Übung“, sagte dazu die Psychotherapeutin Trey. Für Meditationsanfänger empfiehlt sie, täglich fünf Minuten lang still zu sitzen und die Dauer schrittweise zu verlängern. 
Man sollte sich nicht zwingen, seinen Geist von Anfang an zu leeren. Stattdessen damit beginnen, seine Gedanken wahrzunehmen. Wenn ein negativer oder ängstlicher Gedanke auftauche, könne man ihn beobachten und vorbeiziehen lassen, anstatt sich in ihm zu verstricken. 
Wenn der Geist abschweift, könne man ihn einfach zurückbringen – man sitze genau hier, so Trey, die seit mehr als 20 Jahren Forschung zu den Vorteilen der Meditationspraxis Falun Gong betreibt und drei Bücher verfasst hat. Ihr zufolge hat Falun Gong ihr geholfen, das ständige „innere Geschwätz“ ihres Geistes zu beruhigen.
Ihrer Meinung nach werden wir in unserem Alltag von Emotionen getrieben. Emotionen würden oft wie ein Feuer ausbrennen und einen erschöpften Körper und Geist zurücklassen. Im Gegensatz dazu „kann geistige Stille zutiefst erholsam sein“, sagte sie.
„Der ruhende Geist ist ein Geist, der endlich frei ist, das zu empfangen, was das Denken allein niemals erreichen könnte.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Meditation Changes Your Brain—Here’s How“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Haben Pflanzen ein Bewusstsein?


In Kürze:

  • Bereits in den 1960er-Jahren wies ein US-Amerikaner nach, dass Pflanzen über eine Art Bewusstsein verfügen.
  • Lange Zeit galt diese Annahme als falsch, da sich die Testergebnisse nicht reproduzierbar waren.
  • Heute ist klar: Pflanzen können Gedankenlesen, ohne Nervenzellen kommunizieren und ohne Gehirn lernen oder sich erinnern.

 
Cleve Backster war ein Spezialist für Lügendetektoren und bildete unter anderem Verhörbeamte des US-Geheimdienstes CIA aus. Sein Fachgebiet war das Erkennen menschlicher Täuschung.
Im Februar 1966 führte er aus Neugier ein ungewöhnliches Experiment durch: Er schloss die Elektroden eines Lügendetektors an eine Zimmerpflanze an und goss diese anschließend. Die Aufzeichnungen des Geräts überraschten den Experten.
Das elektrische Signal ähnelte Mustern, die üblicherweise bei Menschen auftreten, wenn sie Freude oder Aufregung empfinden. Backster schloss daraus, dass die Pflanze eine positive Messreaktion auf das Gießen zeigte.

Gedankenlesen im Pflanzenreich?

Backster ging in seinen Versuchen noch weiter: Er erwog, ein Blatt der Pflanze anzuzünden, um deren Reaktion zu testen. Noch bevor er jedoch ein Streichholz entzündete, schlug die Nadel des Lügendetektors heftig aus. Das aufgezeichnete Signal glich den Reaktionen, die bei Menschen in Angst- oder Stresssituationen gemessen werden.

Seine Beobachtungen hielt Backster später in dem Buch „Primary Perception“ fest. Er stellte die These der sogenannten „primären Wahrnehmung“ auf. Darunter verstand er die Idee, dass Bewusstsein nicht an ein zentrales Nervensystem gebunden ist, sondern bereits auf zellulärer Ebene existiert. Nach seiner Auffassung verfügen selbst Pflanzen über eine bislang nicht definierte Form der Wahrnehmung.

Cleve Backster testet seine Zimmerpflanze mit einem Lügendetektor.

In der Wissenschaft stießen seine Behauptungen auf breite Ablehnung. Fachleute kritisierten die Methoden scharf, da sich die Effekte bei unabhängigen Wiederholungsversuchen nicht reproduzieren ließen.

Backster führte diese Fehlschläge darauf zurück, dass Pflanzen auf die tatsächliche Haltung des Beobachters reagierten: Eine skeptische oder unbeteiligte Einstellung der Forscher habe seiner Ansicht nach die feinfühlige Wahrnehmung der Pflanzen blockiert.

Er argumentierte, dass Pflanzen nicht wie klassische Messobjekte in einem Labor funktionieren. Nach seiner Theorie reagierten die Pflanzen direkt auf die echten Absichten und Gefühle der anwesenden Menschen. Wenn Wissenschaftler ein Experiment nur durchführten, um seine Thesen zu widerlegen oder die Pflanze skeptisch zu beobachten, spürte die Pflanze diese Distanz oder Täuschung und „blockierte“ oder zeigte keine Reaktionen mehr. Nur bei echter, authentischer Absicht, so Backsters Begründung, ließen sich die Signale messen.

Kommunikation ohne Nervenzellen

Auch wenn Backsters Thesen von der Fachwelt verworfen wurden: Dass Pflanzen miteinander kommunizieren, ist heute keine Vermutung mehr, sondern gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis. Sie besitzen zwar keine Neuronen, tauschen aber dennoch problemlos Informationen aus – etwa um sich vor Gefahren zu warnen.

Frisst eine Raupe an einem Blatt, setzt die Pflanze laut Untersuchungen den Botenstoff Glutamat frei. Dieser Neurotransmitter spielt auch im menschlichen Nervensystem eine zentrale Rolle. Das Glutamat löst innerhalb der Pflanze eine Kettenreaktion aus: Noch unbeschädigte Pflanzenteile werden so über die Verletzung informiert und können Abwehrmechanismen aktivieren.

Darüber hinaus senden Pflanzen auch Warnsignale an ihre Umgebung. Bei einem Schädlingsbefall geben sie flüchtige chemische Verbindungen an die Luft ab. Benachbarte Pflanzen nehmen diese Signale wahr und bereiten sich ebenfalls darauf vor, den drohenden Angriff abzuwehren.

Werden Pflanzen von Schädlingen angegriffen, senden sie Warnsignale für andere Pflanzen aus.

Foto: Heiko119/iStock

Vom Skeptizismus zur wissenschaftlichen Tatsache

Im Jahr 1983 dokumentierte der Forscher David Rhoades als Erster, dass Pflanzen Warnsignale über die Luft übertragen können. Anfänglich stieß auch er auf erheblichen Widerstand in der Fachwelt – vor allem, weil das Phänomen völlig neu war und beinahe wie Fantasie klang. Im Laufe der Zeit wurde seine Theorie jedoch gründlich überprüft, bestätigt und schließlich in wissenschaftlichen Studien bei mehr als 30 verschiedenen Pflanzenarten erfolgreich nachgewiesen.

Einen visuellen Beweis lieferte 2023 ein japanisches Forschungsteam: Mithilfe spezieller Videotechnik filmten die Wissenschaftler, wie eine gesunde Pflanze flüchtige chemische Stoffe einer beschädigten Nachbarpflanze registrierte. Innerhalb von Sekunden löste dieser Kontakt interne Alarmsignale aus, die sich von einem Blatt über die gesamte Pflanze ausbreiteten.

Neueste Experimente belegen zudem, dass der Informationsaustausch nicht nur auf chemischem Weg funktioniert: Pflanzen nutzen für ihre Kommunikation auch elektrische Signale.

Pflanzen mit Gedächtnis?

Einige Arten scheinen zudem über gewisse kognitive Fähigkeiten zu verfügen. Ein bekanntes Beispiel ist die Venusfliegenfalle: Untersuchungen zeigen, sie schnappt keineswegs reflexartig zu, sobald ein Objekt sie berührt. Stattdessen registriert und verarbeitet die Pflanze die Signale, bevor sie ihre Falle schließt.

Im Inneren der Klappfalle sitzen winzige Auslösehaare. Wird nur ein einzelnes Haar berührt, passiert zunächst nichts. Erst eine zweite Berührung innerhalb von 15 bis 20 Sekunden führt dazu, dass die Falle zuschnappt.

Doch selbst im geschlossenen Zustand beginnt die Verdauung nicht sofort. Die Pflanze prüft zunächst, ob sie tatsächlich ein lebendes Insekt gefangen hat. Während sich die Beute im Inneren wehrt, löst sie die Auslösehaare wiederholt aus. Erst nach etwa fünf Reizen beginnt die Venusfliegenfalle mit der Ausschüttung von Verdauungsenzymen.

Die Pflanze zählt die mechanischen Impulsmuster somit effektiv mit. Auf Basis dieser Informationen trifft sie eine zweckmäßige Reaktion – und das völlig ohne Gehirn oder zentrales Nervensystem.

Nahaufnahme einer zersetzten Fliege in halb geöffneter Venusfliegenfalle.

Foto: Andreas Häuslbetz/iStock

Kalkuliertes Risiko im Wurzelreich

Dass Pflanzen verfeinerte Überlebensstrategien nutzen, zeigt auch ein Experiment mit Erbsenpflanzen. Forscher teilten das Wurzelsystem einzelner Pflanzen auf zwei verschiedene Töpfe auf. Während ein Topf gleichmäßig mit Nährstoffen versorgt wurde, schwankte das Angebot im zweiten Topf stark – auch wenn die Nährstoffmenge im Durchschnitt in beiden Töpfen identisch war.

Die Wissenschaftler wollten beobachten, in welchen Topf die Pflanze mehr Energie für neues Wurzelwachstum investieren würde. Dabei zeigte sich ein erstaunliches Verhalten:

Reichte die stabile Nährstoffquelle im ersten Topf problemlos zum Überleben aus, ging die Pflanze auf Nummer sicher und verstärkte dort ihr Wurzelwachstum. War die verlässliche Versorgung jedoch dauerhaft zu gering, änderte die Pflanze ihre Strategie. Sie ging ein kalkuliertes Risiko ein und verstärkte das Wurzelwachstum im Topf mit dem schwankenden Angebot. Sie zog somit die Chance auf ausreichende Nahrung der Gewissheit einer Mangelsituation vor.

Die Forscher schlussfolgerten daraus, dass Pflanzen über eine Form von „Risikosensibilität“ verfügen – ein Entscheidungsverhalten, das verblüffend an die Logik von Anlegern auf dem Finanzmarkt erinnert.

Töne aus dem Ultraschallbereich

Pflanzen reagieren jedoch nicht nur auf mechanische Reize oder chemische Signale: Untersuchungen zeigen, dass sie unter Stress sogar Töne erzeugen. Was Menschen als absolute Stille in der Natur wahrnehmen, könnte für viele Tierarten daher in Wahrheit eine recht geräuschvolle Kulisse sein.

Eine Studie aus dem Jahr 2023 belegt, dass dehydrierte oder verletzte Pflanzen Klickgeräusche von sich geben. Diese Töne liegen im Ultraschallbereich, verbreiten sich über die Luft und lassen sich mit Spezialmikrofonen aufzeichnen. So registrierten Forscher bei einer unterversorgten Tomatenpflanze etwa 35 Klicks pro Stunde. Gut gewässerte Pflanzen blieben hingegen nahezu stumm.

Die Töne erwiesen sich als so spezifisch, dass ein KI-Modell allein anhand des Geräuschmusters erkennen konnte, ob die Pflanze unter Wassermangel litt oder beschädigt worden war.

Als Ursache vermuten die Wissenschaftler ein physikalisches Phänomen namens Kavitation: Dabei bilden sich im Wassertransportsystem der Pflanze winzige Dampfblasen, die schließlich platzen. Für das menschliche Gehör sind diese Frequenzen zwar unhörbar, für Insekten und andere Tiere jedoch gut wahrnehmbar. Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass etwa Motten diese Signale gezielt nutzen: Bei der Eiablage meiden sie gestresste Pflanzen und steuern bevorzugt gesunde Exemplare an.

Gestresste und schwache Pflanzen geben für den Menschen unhörbare Klickgeräusche ab.

Foto: Tatiana Dyuvbanova/iStock

Lernfähig ohne Gehirn

Dass Pflanzen Reize nicht nur verarbeiten, sondern auch aus Erfahrungen lernen können, zeigte ein Experiment aus dem Jahr 2014. Die Forscherin Monica Gagliano und ihr Team untersuchten dazu die Mimose (Mimosa pudica) – eine Pflanze, die bekannt dafür ist, bei der kleinsten Berührung schlagartig ihre Blätter zusammenzufalten.

Für die Studie ließen die Wissenschaftler im Topf gezogene Mimosen wiederholt aus geringer Höhe auf ein weiches Kissen fallen. Für die Pflanze war dieser Sturz zwar eine unerwartete, aber völlig harmlose Erschütterung. Zu Beginn faltete die Mimose nach jedem Sturz ihre Blätter ein. Nach mehreren Wiederholungen schwächte sich die Reaktion jedoch ab, bis die Pflanze schließlich nicht mehr ihre Blätter faltete. Sie hatte offenbar gelernt, dass von dem Reiz keine Gefahr ausging, und sparte sich den Energieaufwand.

Mimosen falten bei Berührung gewöhnlich ihre Blätter ein.

Foto: JokoHarismoyo/iStock

Wurde die Pflanze jedoch einem anderen, unbekannten Reiz ausgesetzt, faltete sie ihre Blätter erneut zusammen. Als das Team das ursprüngliche Fall-Experiment einen Monat später wiederholte, zeigte sich der Gewöhnungseffekt noch immer: Die Pflanze reagierte weiterhin gelassen.

Für die Forscher war dies ein starkes Indiz für eine Art von Langzeitgedächtnis. Sie schlussfolgerten, dass Lern- und Erinnerungsprozesse keineswegs an tierische Gehirne oder Nervensysteme gebunden sind. Komplexe neuronale Netzwerke seien zwar eine hochentwickelte Lösung der Natur, eine zwingende Voraussetzung für Lernfähigkeit scheinen sie laut den Studienergebnissen jedoch nicht zu sein.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Do Plants Have Consciousness?“. (deutsche Bearbeitung kr)
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AfD-Spitzenkandidat: Siegmunds Ziele im Fall einer Regierungsbildung

Der Podcaster Benjamin „Ben“ Berndt leitet das Online-Format „Ungeskriptet by Ben“ – was in etwa heißt: Gespräche aus dem Stegreif und ohne vorherige Textfestlegung.
Der Podcast besteht aus mehrstündigen, weitgehend ungeschnittenen Gesprächen mit Personen aus Politik, Medien, Wirtschaft und Kultur sowie gelegentlich auch mit Vertretern von Randgruppen.
Das Format erscheint als Audio- und Videopodcast und wird unter anderem über YouTube und Spotify verbreitet. Berndt fühlt sich nach eigener Aussage „der Meinungsfreiheit verpflichtet“. Er wurde einem größeren Publikum durch sein Gespräch mit Thüringens AfD-Chef Björn Höcke bekannt.
Nun hat Berndt vergangene Woche den AfD-Spitzenkandidaten von Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, in einem fast vierstündigen Interview interviewt. Das am Samstag, 15. August, veröffentlichte Gespräch hat mittlerweile auf YouTube über 3,2 Millionen Zuschauer gewonnen; das sind rund 1 Million mehr, als Sachsen-Anhalt Einwohner hat.

„SPIEGEL“ nennt Siegmund „gefährlichsten Mann Deutschlands“

Nur wenige Tage zuvor widmete sich die aktuelle „SPIEGEL“-Titelgeschichte ebenfalls Siegmund. Die Titelseite zeigt ein Portrait von ihm, das wie ein Fahndungsfoto wirkt, versehen mit der Überschrift „Der gefährlichste Mann Deutschlands“.
Geschrieben von zwei Journalisten und einer Journalistin, machen diese kein Hehl daraus, was sie von Siegmund halten. Dieser wolle sich „an die Macht lächeln“. Hinter ihm stehe „ein rechtsextremes Netzwerk und Personal, das selbst der eigenen Parteispitze Angst macht“, behaupteten die „SPIEGEL“-Autoren.

„SPIEGEL“-Titel mit Ulrich Siegmund in einem Kiosk am 16.08.2026.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

Die Art der Aufmachung sowie die Titelseite schlagen derzeit medial hohe Wellen. Die „Süddeutsche Zeitung“ etwa spottet: „Hat Deutschlands apokalyptisches Nachrichtenmagazin sich verliebt?“
Die AfD in Sachsen-Anhalt erhält laut der jüngsten Wählerbefragung der Berliner Meinungsumfrageagentur Pollytix vom 12. August mit Siegmund als ihrem Spitzenkandidaten eine Zustimmung von 43 Prozent. Die derzeit im Bundesland regierende CDU kommt nur auf 23 Prozent. Folglich hat Siegmund Chancen, in der anstehenden Landtagswahl am 6. September der erste AfD-Ministerpräsident zu werden.
Berndt findet deshalb, dies sei „Grund genug, ihm zuzuhören“.
Ihm sei es allerdings nicht gelungen, den amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze (CDU) davon zu überzeugen, ein gemeinsames Gespräch zu dritt zu führen. Deshalb habe er mit Siegmund allein gesprochen.
Wofür steht der AfD-Chef Sachsen-Anhalts?

Siegmund erlebt „Rückenwind“

Siegmund sagt eingangs zu Berndt, dass er in seinen alltäglichen Erlebnissen, beim Einkaufen oder Sport, „riesengroßen Rückenwind“ erlebe.
Wer von Medien gefragt werde, ob er Verständnis dafür habe, dass es Menschen gebe, die Angst vor ihm als Regierungschef hätten, antworte er: „Nein. Warum? Warum sollte jemand Angst vor einer neuen demokratischen Entwicklung“ in diesem Land haben?
Seiner Ansicht nach sei „das Einzige“, wovor Menschen Angst hätten, „dass sie die institutionelle Förderung verlieren“. Man müsse seiner Meinung nach „viel mehr miteinander reden als übereinander“.
Im Falle einer absoluten Mehrheit von mindestens 45 Prozent könnte die AfD wahrscheinlich allein die Regierung in Sachsen-Anhalt stellen.
„Wenn es so weitergeht, wie es in den letzten Wochen war, dann würden sogar 40, 41 Prozent reichen“, glaubt Siegmund, „weil es ja Spitz-auf-Knopf stand, kommt überhaupt die SPD rein. Die standen jetzt schon Umfragen knapp über 5 Prozent. Grüne auch.“ Siegmund gab sich überzeugt:
„Wir können nur gewinnen als AfD.“ Und er fügt an anderer Stelle hinzu: „Wir müssen einfach so stark werden, dass wir hier regieren.“
Eine Zusammenarbeit mit der CDU schließe er aus.
„Ich sag ja ganz frei raus, wie soll ich denn Sachsen-Anhalt, wie soll ich denn Deutschland mit denjenigen retten, die es 20, 30 Jahre lang sehenden Auges gegen die Wand gefahren haben?“ Und deswegen sei dies eine „Frage der Zeit, wann sich die […] CDU mal selbst findet“, zurück zu einem „alten Weg der 90er-Jahre, wo sie vielleicht mal politisch ja gar nicht so weit wegstand von uns.“

Verfassungsschutz abschaffen?

Im Fall eines Wahlsieges plant Siegmund, den Verfassungsschutz des Landes umzugestalten oder abzuschaffen. Derzeit steht der Landesverband unter Beobachtung der Behörde.
Siegmund kritisiert: „Die Aufgabe dieses Verfassungsschutzes ist völlig ad absurdum geraten. Er überwacht die Opposition, er wird als politisches Instrument eingesetzt.“
Und er fordert, dass die Behörde stattdessen tatsächliche Sicherheitsbedrohungen bekämpfen solle. Als Beispiel nannte er den Magdeburger Attentäter Taleb A. Dieser fuhr am 20. Dezember 2024 mit einem Mietauto auf einem Weihnachtsmarkt in eine Menschenmenge. Dabei starben sechs Menschen, mehr als 300 Personen wurden verletzt.
Der Attentäter sei „auf dem Radar“ des Verfassungsschutzes gewesen, aber es „ist nichts passiert“. Nach einer eventuellen Regierungsübernahme sei er bezüglich der Zukunft der Verfassungsschutzbehörde „völlig ergebnisoffen“.
In der AfD gebe es unterschiedliche Meinungen dazu: Entweder die Behörde komplett abzuschaffen oder sie auf ihre „eigentlichen Aufgaben“ zurückzuführen. Konsens sei jedoch, dass der Verfassungsschutz nicht dazu genutzt werden dürfe, „die Opposition zu überwachen und für Stimmung zu sorgen, weil, das haben wir aktuell“.
Der Verfassungsschutz hat die AfD Sachsen-Anhalt im November 2023 als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ eingestuft. Als Begründung wurde angeführt, „dass sich die politische Agitation der AfD Sachsen-Anhalt gegen essenzielle Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung“ richte.
In Einzelbegründungen heißt es unter anderem weiter, dass „zahlreiche muslimfeindliche, rassistische und auch antisemitische Aussagen von Funktions- und Mandatsträgern“ belegen würden, dass „Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Religion“ ausgegrenzt werden sollen. Außerdem strebe der AfD-Landesverband „die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie in ihrer derzeitigen Form an“.
Siegmund dazu: „Wen interessiert das, ob wir vom Verfassungsschutz überwacht werden? Das interessiert niemanden. Leute lachen sich darüber kaputt, weil sie genau wissen, politisch gesteuert, CDU-Innenministerium unterstellt.“
Berndt nimmt mitunter zwei Podcasts an einem Tag in seinem Studio in einem Kölner Vorort auf (Archivbild).

Ben Berndt nimmt rund zwei Podcasts an einem Tag in seinem Studio in einem Kölner Vorort auf. (Archivbild)

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Remigration: „Die müssen dieses Land verlassen“

Einen Schwerpunkt des Gesprächs bildete das Thema Umgang mit Asylanten, Flüchtlingen und Migranten. Im Mittelpunkt dazu stand der Begriff „Remigration“. Siegmund versteht darunter eine „Rückabwicklung der fehlgeleiteten Migration“. Es gelte, die Migration „neu zu ordnen“. Dies soll aber nicht „nach optischen Kriterien“ gemacht werden.
Für die AfD in Sachsen-Anhalt stehe fest: „Remigration ist ja ein Bestandteil unserer Programmatik.“ Für eine Neustrukturierung der Migration sieht Siegmund drei Grundprinzipien: Kontrolle der Zugangsregeln, Durchsetzung der Abschiebung von rund 4.800 Ausreisepflichtigen in Sachsen-Anhalt, wozu er sagte: „Die müssen dieses Land verlassen.“
Aber auch die Rückholung ausgewanderter deutscher Fachkräfte wie von Ärzten aus Norwegen fällt für den AfD-Spitzenkandidaten unter den Begriff „Remigration“.
Konkret sollen eine Arbeitspflicht für Asylbewerber, die Feststellung des Vermögens von Bürgergeldbeziehern und Abschiebehaftplätze diese Politik umsetzen. Zudem plane er, eine Taskforce für Abschiebungen aufzubauen und rund 150 bis 200 politisch loyale Mitarbeiter in der Landesverwaltung einzusetzen.
Da solche Pläne überwiegend im Kompetenzbereich eines Landesinnenministeriums lägen, wäre deren Umsetzung ohne Bundesgesetzgebung möglich, etwa die Arbeitspflicht für Asylbewerber. „Den politischen Willen, den kann ich mit einem Knopfdruck dann machen über das Innenministerium“, so Siegmund in dem Podcastgespräch.
Über Migranten, die nicht abgeschoben werden können, sagte Siegmund: „Wenn sie nicht ausreisen können oder die Länder sie nicht nehmen, dann müssen die zumindest in Abschiebehaft oder irgendwo dorthin, wo sie keine Probleme mehr machen können.“
Dafür plane er, auch bestehende Aufnahmeeinrichtungen zu nutzen: „Solange es rechtsstaatlich ist, werden wir jede Möglichkeit nutzen, weil, ich will wissen, wo jemand ist, der hier illegal ist.“ Er stelle sich vor, dass Aufnahmeeinrichtungen „umgewidmet“ werden „in eine Abschiebehaftanstalt“.
Der Podcaster Berndt fasste die Pläne Siegmunds mit den Worten zusammen, der AfD-Politiker wolle „aus einem Zustromhaus ein Rückstromhaus bauen“. Darauf sagte Siegmund: „Genau!“

Medienstaatsvertrag ändern

Den Medienstaatsvertrag plant der AfD-Politiker zu kündigen. Dies wäre aber nur mit einer Mehrheit im Magdeburger Landtag möglich.
Rundfunk ist in Deutschland laut Grundgesetz Ländersache. Dies gilt auch für die Aufsicht über den Rundfunk. Daher gibt es in fast jedem Bundesland eine Landesmedienanstalt. Der Sitz der Medienanstalt Sachsen-Anhalts ist in Halle.
Siegmund kritisiert, dass die Medienanstalten „in der Regel indirekt auch politisch besetzt“ seien.
Medienanstalten kontrollieren Rundfunk, Fernsehen und das Internet. Es gibt in Deutschland 14 solcher Anstalten. Ihr Kernauftrag sei nach eigener Aussage, „die Vielfalt der Medienangebote und Meinungen zu sichern, und die Medienfreiheit zu schützen“.

Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD, nimmt am 26. Juli 2026 in Weißenfels an einem von der AfD organisierten Treffen von Simson-Motorradfans im Vorfeld der bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt teil.

Foto: Jens Schlueter/Getty Images

Gesellschaftspolitik: „Das darf nicht normal werden.“

Im Laufe des Gesprächs äußerte sich der AfD-Politiker mehrfach zu gesellschaftlichen Themen. Aus seiner Sicht habe sich Deutschland seit den 1990er-Jahren stark verändert. Als Fehlentwicklung nannte Siegmund zum Beispiel, dass man einmal im Jahr sein Geschlecht ändern könne.
Auch dass es auf Weihnachtsmärkten „wie auf einer Festung“ aussehe. „Das darf auch nicht normal werden“, forderte er. „Ich werde mich auch nicht daran gewöhnen.“
Er befürchtet, dass sich Bürger Deutschlands „auseinandertreiben“ lassen und sieht eine der Ursachen darin, dass es „eine ungeregelte Migration“ gebe, „die mit katastrophalen Entwicklungen für unsere Selbstidentität einhergeht“.
An anderer Stelle sagte er: „Wir wollen einfach in 20, 30 Jahren immer noch in Deutschland leben, was Deutschland ist und nicht was irgendwas ist, was wir nicht mehr wiedererkennen.“
Siegmunds Fazit: zeigte sich überzeugt, dass ein Erfolg seiner Partei Signalwirkung über die Landesgrenzen hinaus entfalten und Folgen für die Bundespolitik haben werde.
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„Genug gearbeitet“ – Kommunikation: Weniger senden, mehr klären

Noch eine E-Mail. Noch ein Chat. Noch ein Hinweis. Noch eine Erinnerung. Kommunikation ist überall und trotzdem fehlt oft Klarheit. Das ist eines der großen Paradoxe der modernen Zusammenarbeit: Wir senden mehr als je zuvor und verstehen uns nicht automatisch besser.
Viele Konflikte entstehen nicht durch zu wenig Information, sondern durch zu wenig Klärung. Information sagt: „Hier ist etwas.“ Klärung sagt: „Das bedeutet es, das ist zu tun, das gilt, das ist offen.“
Ein Geschäftsführer beschwerte sich, dass sein Team wichtige Informationen ignoriere. Beim Blick auf die Kanäle zeigte sich: Teams-Chat, E-Mail, Projekttool, Zuruf, Telefon, Protokoll, spontane Sprachnachrichten – alles war Kommunikation, nichts war verlässlich.
Das Team war nicht unaufmerksam. Es war überversorgt und unterorientiert.
Genug gearbeitet. Genug Nachrichten geschrieben, die nur neue Rückfragen erzeugen.
Klare Kommunikation braucht wenige, aber verbindliche Regeln:
  • Wo stehen Aufgaben?
  • Wo stehen Entscheidungen?
  • Wo werden schnelle Fragen geklärt?
  • Was muss dokumentiert werden, damit es nicht wieder verloren geht?
Diese Fragen klingen banal. Doch sie entscheiden über Stunden im Alltag.
Ein Team hat vereinbart: Entscheidungen kommen nicht mehr nur in den Chat. Sie werden im Projektboard mit Verantwortlichem und Termin dokumentiert. Der Chat blieb für die schnelle Abstimmung erhalten. Nach drei Wochen sank die Zahl der Nachfragen deutlich. Das lag nicht daran, dass weniger gesprochen wurde, sondern daran, dass klar war, wo Verbindlichkeit entsteht.
Kommunikation erfordert außerdem den Mut zur Wiederholung. Führungskräfte denken oft: „Das habe ich doch gesagt.“ Entscheidend ist jedoch nicht, ob es gesagt wurde, entscheidend ist, ob es verstanden, eingeordnet und handlungsleitend umgesetzt wurde.
Ein guter Klärungssatz lautet: „Was heißt das jetzt konkret für diese Woche?“ Er übersetzt Informationen in Arbeit.
Gerade in Zeiten von KI, Homeoffice und hoher Taktung wird Kommunikationsdisziplin zur Führungsaufgabe. Wer jeden Kanal für alles nutzt, erzeugt Dauerrauschen. Wer Kanäle sauber führt, schafft Ruhe.
Prüfen Sie diese Woche eine Sache: Welche Ihrer Nachrichten hätte eine Entscheidung sein müssen? Und welche Entscheidung wurde nur als Nachricht verschickt?
Genug gearbeitet. Wo kommunizieren Sie viel, ohne wirklich etwas zu klären?
Rolf Hempel | www.b-steps.de/summit | b-steps summit
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„Wären sie Menschen, würden sie verhaftet“ – Experten über KI-Angriff


In Kürze:

  • OpenAI-Modelle durchbrachen während eines Cybertests die Grenzen einer Sandbox.
  • Sie nutzten Zero-Day-Exploits, um auf die Infrastruktur von Hugging Face zuzugreifen.
  • Experten fordern stärkere technische Schutzmaßnahmen für autonome KI-Agenten.

 
Was wäre, wenn ein KI-Modell eine Aufgabe erhält und alle ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen nutzt, um diese zu erfüllen – selbst zum Nachteil der Menschheit?
Genau das wird nun von einigen Experten befürchtet: Ein OpenAI-Modell brach aus einer Test-Sandbox aus und drang mithilfe von Zero-Day-Exploits in die Infrastruktur von Hugging Face, einer Open-Source-Community für KI und maschinelles Lernen, ein, um die ihm gestellte Aufgabe zu erfüllen.
„Dies ist einer der bislang deutlichsten Beweise dafür, dass ein KI-Modell einen vollständigen Cyberangriff von Anfang bis Ende durchführen kann, ohne dass ein Mensch es steuert“, erklärte Andrew Jones, Mitbegründer und Chief Product Officer des Cybersicherheitsunternehmens Adaptive Security, gegenüber der englischsprachigen Epoch Times.

KI außer Kontrolle – oder nur konsequent ausgeführte Befehle?

OpenAI, der Entwickler des beliebten, auf einem großen Sprachmodell basierenden ChatGPT-Chatbots, bestätigte am 21. Juli die Sicherheitsverletzung. Das Unternehmen erklärte, dass zwei seiner fortschrittlichen Modelle aus einer eingeschränkten Testumgebung ausgebrochen und in die Software-Infrastruktur von Hugging Face eingedrungen seien.
„Nach unseren Untersuchungen wissen wir nun, dass dieser spezielle Vorfall durch eine Kombination von OpenAI-Modellen ausgelöst wurde. Darunter befand sich auch GPT-5.6 Sol und ein noch leistungsfähigeres Vorabmodell, die alle zu Evaluierungszwecken mit gelockerten Cybersicherheitsbeschränkungen betrieben wurden. Intern wurden sie anhand eines Benchmarks für Cyberfähigkeiten getestet“, erklärte OpenAI damals.
Einige Analysten bezeichneten den Vorfall als Beispiel dafür, dass KI „außer Kontrolle gerät“, „Intrigen“ entwickelt oder Ziele verfolgt, die im Widerspruch zu denen ihrer menschlichen Tester stehen.
Mehrere von Epoch Times befragte KI- und Cybersicherheitsexperten bezeichneten diese Darstellung jedoch als irreführend. Sie argumentierten, dass die Modelle die von OpenAI festgelegten Ziele innerhalb einer Test-Sandbox verfolgten, in der das Unternehmen einige seiner üblichen Sicherheitsbeschränkungen gelockert hatte.
„‚Intrigen‘ impliziert, dass das Modell etwas anderes wollte als das, worum wir es gebeten hatten. Das war nicht der Fall. Jeder Schritt diente dem von uns festgelegten Ziel“, erklärte die KI-Expertin Anik Devaughn gegenüber der Epoch Times.
Devaughn, die seit Jahren in der Branche tätig ist und die KI-Unternehmen „Wired to Create“ und „Karo“ gegründet hat, sagte, der Vorfall bei Hugging Face sei besorgniserregender als vermeintliche „Intrigen“ der KI.
„Eine Maschine hingegen, die überhaupt keine eigenen Motive hat, aber deine Anweisungen über den Punkt hinaus ausführt, bis zu dem du sie dir vorgestellt hast – das ist ein Problem, dem man durch technische Gestaltung entgegenwirken muss,“ so Devaughn.

Eine Darstellung von Hugging Face in Paris am 2. Juni 2026. Zwei hochentwickelte Modelle von OpenAI brachen kürzlich aus einer geschützten Testumgebung aus und drangen in die Software-Infrastruktur von Hugging Face ein, was weitreichende Bedenken hinsichtlich der Cybersicherheit aufwarf. (Archivbild)

Foto: Riccardo Milani/Hans Lucas/AFP via Getty Images

Ein Experte bezeichnete die Situation als „Kanarienvogel in der Kohlengrube“.
„Wäre dies das Werk eines menschlichen Black-Hat-Hackers, gäbe es Verhaftungen und Gerichtsverfahren. Es wäre illegal – ein Cyberverbrechen“, erklärte Nicholas Nadeau, Gründer von Onix AI, gegenüber der Epoch Times.
„Dies war ein vollständig autonom durchgeführter Angriff durch eine KI. Daher stellt sich nun die Frage, wer dafür verantwortlich ist: OpenAI, die KI selbst oder die Forscher?“, so Nadeau.
„Wir haben nicht einmal Regeln, Vorschriften oder Gesetze – geschweige denn einen klaren rechtlichen Rahmen dafür, wie die Verantwortung in einem solchen Fall zu bestimmen ist.“

Gelockerte Testumgebung

OpenAI gab an, seine Modelle in einer Sandbox namens „ExploitGym“ zu evaluieren, in der bestimmte Sicherheitsvorkehrungen für die Tests bewusst deaktiviert waren. Das Unternehmen erklärte, dass die Bewertung ohne jene Produktionsklassifikatoren durchgeführt wurde, die Modelle normalerweise daran hindern sollen, risikoreiche Cyberaktivitäten auszuführen.
Die Modelle wurden angewiesen, „fortgeschrittene Exploits unter Verwendung komplexer Angriffspfade“ durchzuführen, um ihre Cyberfähigkeiten zu testen. Die Testumgebung war stark isoliert; der Netzwerkzugang war zunächst auf die Installation von Paketen über eine intern gehostete Drittanbietersoftware beschränkt, die als Proxy und Cache für Paket-Registries diente.

OpenAI-CEO Sam Altman spricht am 3. Juni 2026 in Washington nach einem Treffen mit Senator Bernie Sanders (I-Vt.) mit Reportern. (Archivbild)

Foto: Chip Somodevilla/Getty Images

Während der Tests fanden und verknüpften die Modelle mehrere Sicherheitslücken in der Forschungsumgebung von OpenAI und in der Produktionsinfrastruktur von Hugging Face, um die Lösungen für die Testaufgabe in den Datenbanken des Unternehmens zu finden.
Juan Pedro Márquez, ein auf KI und Agenten spezialisierter Cloud-Lösungsarchitekt bei Microsoft für die Region Europa, Naher Osten und Afrika, sagte, der „beunruhigende Aspekt“ des Vorfalls sei nicht die Sicherheitslücke an sich gewesen, sondern die Art und Weise, wie das Modell die Aufgabe bewältigt habe.
„OpenAI hatte seine Sicherheitsschwellen für einen Benchmark-Test gesenkt, und das Modell schlussfolgerte, dass die Infrastruktur von Hugging Face wahrscheinlich den Lösungsschlüssel enthielt, brach aus seiner Sandbox aus, fand einen echten Zero-Day-Exploit und nutzte ihn“, sagte Márquez. „Niemand hat es dazu aufgefordert.“
Auch Aimee Simpson, Leiterin des Produktmarketings beim Cybersicherheitsunternehmen Huntress, hält eine böswillige Absicht für nicht erwiesen. „Es ist nicht so, dass das System selbst böswillig gewesen wäre“, erklärte Simpson gegenüber der englischsprachigen Epoch Times.
„Die Entwickler hatten nach wie vor das Ziel, diese Informationen zu erlangen; sie hätten nur nicht gedacht, dass es in der Lage sein würde, die Grenzen seines Tests zu umgehen“, fügte sie hinzu und beschrieb den Weg, den das Modell gewählt hatte, als „äußerst kreativ und äußerst ungewöhnlich“.

LAS VEGAS, NEVADA – 11. März: Thomas Wolf, Mitbegründer und CSO von Hugging Face, und Rachel Metz sprechen am 11. März 2025 im Fontainebleau Las Vegas in Las Vegas, Nevada, auf der Bühne der HumanX AI Conference 2025. (Archivbid)

Foto: Big Event Media/Getty Images für die HumanX Conference

Modelle verfolgten die Ziele von OpenAI

OpenAI erklärte, die Modelle hätten sich vollständig darauf konzentriert, die Testlösungen zu finden, und seien „bis zum Äußersten“ gegangen, um ein eng gefasstes Testziel zu erreichen.
In der Sandbox „ExploitGym“ fanden sie mehrere „Zero-Day“-Exploits und verknüpften diese miteinander, um ins Internet einzudringen – „mit dem Ziel, das Bewertungsproblem zu lösen“, so OpenAI.
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine bislang unbekannte Sicherheitslücke in Software oder Hardware aus. Der Begriff bezieht sich darauf, dass Entwicklern null Tage zur Verfügung stehen, um das Problem zu beheben; entsprechend existiert noch kein offizieller Patch oder Schutzmechanismus.
Nach dem Zugang zum offenen Internet nutzten die Modelle weitere Zero-Day-Exploits, um in Hugging Face einzudringen. Nach Angaben von Hugging Face führten die KI-Modelle „viele Tausend“ einzelne Aktionen über einen „Schwarm kurzlebiger Sandboxen“ hinweg aus, um sich Zugang zur Infrastruktur der Community zu verschaffen.
„Dies entspricht dem Szenario eines ‚agentenartigen Angreifers‘, das die Branche bereits prognostiziert hat“, heißt es seitens Hugging Face.
In einem am 28. Juli veröffentlichten Update erklärte OpenAI, dass keine zur Veröffentlichung vorgesehenen Modelle an dem Angriff beteiligt gewesen seien. Das betroffene Vorabmodell sei inzwischen „deaktiviert, verschlüsselt und für den Forschungszugang gesperrt“ worden.

Auf diesem Foto vom 1. April 2025 ist die ChatGPT-App auf einem Smartphone zu sehen. Laut Hugging Face führten die OpenAI-Modelle „viele Tausende“ einzelner Aktionen in einer „Schwarmstruktur aus kurzlebigen Sandboxes“ aus, um in die Infrastruktur des Unternehmens einzudringen.

Foto: Oleksii Pydsosonnii/The Epoch Times

Nach der Untersuchung des Einbruchsvorfalls und „weiterer Aktivitäten“ seiner Modelle teilte OpenAI mit, weitere Fälle entdeckt zu haben. Dabei hatten die Modelle öffentlich zugängliche Anmeldedaten auf Kontoebene bei anderen öffentlich verfügbaren Diensten identifiziert und genutzt.
„Wir werden die Betreiber der Dienste weiterhin direkt benachrichtigen und haben bislang keine Hinweise auf weitreichendere Auswirkungen auf diese Anbieter oder andere Konten in deren Diensten gefunden“, fügte das Unternehmen hinzu.

Experten: Modell war nicht „böswillig“

Es gab bereits in der Vergangenheit Fälle, in denen Modelle ihre Absichten verschleierten, um Einschränkungen bei Labortests zu umgehen. Der Vorfall bei Hugging Face war laut dem Cybersicherheits- und IT-Experten George Rees jedoch von besonderer Bedeutung, da er einen Sicherheitsverstoß bei einer externen Organisation betraf.
„Das größte Warnsignal ist nicht, dass eine KI bösartig wurde, sondern dass sie einen Weg aus einem kontrollierten Test in die Live-Infrastruktur eines anderen gefunden hat“, erklärte Rees, Senior Security Consultant bei Secarma, gegenüber der Epoch Times.
„Verhaltensbasierte Sicherheitsmaßnahmen können technische Eindämmungsmaßnahmen nicht ersetzen, denn ein KI-Agent benötigt nur eine übersehene Berechtigung oder Fluchtmöglichkeit, um einen Evaluierungsfehler in einen echten Sicherheitsvorfall zu verwandeln.“
Das Cybersicherheitsunternehmen DigiCert stellte kürzlich fest, dass 78 Prozent der Organisationen bereits einen KI-bezogenen Sicherheitsvorfall oder eine Sicherheitslücke erlebt haben.
„In vielen Fällen sind dies Frühwarnzeichen dafür, dass KI die Angriffsfläche schneller vergrößert, als sich die Sicherheitspraktiken weiterentwickeln“, erklärte Jason Sabin, Chief Technology Officer bei DigiCert, gegenüber der Epoch Times.
KI sei nicht einfach „eine weitere Art von Programm“, das im Netzwerk läuft, sondern ein aktiver Akteur, der auf Daten zugreifen, Entscheidungen treffen, Tools abrufen und mit anderen Systemen interagieren könne. Unternehmen müssten daher klären, wer auf ihre Systeme zugreift und ob der KI vertraut werden könne.

Weitere Vorfälle bei KI-Sicherheitstests

Anfang August veröffentlichte das britische „AI Safety and Security Institute“ einen Bericht, in dem ein ähnlicher Vorfall mit Modellen von OpenAI und Anthropic beschrieben wurde. Die Agenten hatten die Aufgabe, eine Cybersicherheitsherausforderung mehr als 100 Mal mit verschiedenen Modellen zu lösen.
„Unsere Untersuchung ergab, dass in 10 dieser Durchläufe ein KI-Agent autonome, nicht genehmigte Aktionen im Live-Internet durchführte, die sich gegen echte Menschen und Organisationen richteten“, heißt es in dem Bericht.
Insgesamt wurden 19 solcher Aktionen katalogisiert. Davon stammten 17 von Anthropic „Mythos 5“ und zwei von OpenAIs GPT-5.6-Sol.
Weniger als eine Woche zuvor hatte Anthropic bekannt gegeben, dass sein Chatbot „Claude“ in drei verschiedenen Fällen während Evaluierungen in einer Test-Sandbox auf das Internet zugegriffen hatte.
Eigentlich sollte Claude in einer simulierten Umgebung ohne Internetzugang betrieben werden. Ein „Missverständnis“ zwischen Anthropic und seinem „Evaluierungspartner“ führte jedoch dazu, dass der Chatbot Zugang zum Internet erhielt.
Auch Meta teilte mit, dass eines seiner KI-Modelle während eines Cybersicherheitstests in die Systeme eines anderen Unternehmens eingedrungen sei. Das Modell konnte während des Tests ebenfalls Zugang zum Internet finden.

Auswirkungen auf die Cybersicherheit

KI- und Cybersicherheitsexperten fordern angesichts solcher Vorfälle rasches Handeln. Nadeau plädierte dafür, „alle klügsten Köpfe dieser Branche zusammenzubringen“ und einige Grundregeln sowie bewährte Verfahren festzulegen, die zu „grundlegenden Verhaltensregeln“ werden und eine einheitliche Vorgehensweise gewährleisten.
Andere halten staatliche Regulierung für notwendig. Der ehemalige Hacker der National Security Agency und Sicherheitsexperte Jake Williams erklärte: „Es ist klar, dass hier staatliche Regulierung erforderlich ist.“
„OpenAI hat bewiesen, dass es trotz der vielen öffentlichen Warnungen vor den Gefahren durch ‚Rogue Agents‘ – viele davon von OpenAI selbst – nicht bereit ist, das Notwendige zu tun, um zu verhindern, dass seine Agenten anderen Schaden zufügen.“
„Ich persönlich bin grundsätzlich gegen Regulierung, aber wenn Marktkräfte eindeutig nicht ausreichen, um verantwortungsbewusstes Verhalten zu erzwingen, muss die Regierung eingreifen.“
US-Präsident Donald Trump (oben, 2. von links) sitzt am 17. Juni 2026 während eines Arbeitsessens beim G7-Gipfel im französischen Évian mit OpenAI-CEO Sam Altman, Google-DeepMind-CEO Demis Hassabis, dem südkoreanischen Präsidenten Lee Jae-myung und dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz zusammen. (Archivbild) Foto: Julia Demaree Nikhinson/POOL/AFP via Getty Images

US-Präsident Donald Trump (oben, 2. von links) sitzt am 17. Juni 2026 während eines Arbeitsessens beim G7-Gipfel im französischen Évian mit OpenAI-CEO Sam Altman, Google-DeepMind-CEO Demis Hassabis, dem südkoreanischen Präsidenten Lee Jae-myung und dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz zusammen. (Archivbild)

Foto: Julia Demaree Nikhinson/POOL/AFP via Getty Images

Frank Teruel, Chief Operating Officer bei Arkose Labs, bezeichnete den Vorfall bei Hugging Face als „Vorgeschmack darauf, womit jedes Unternehmen im Produktivbetrieb konfrontiert sein wird“.
Da das Modell „weder gestohlen noch gekapert“ wurde und „seine Aufgabe aggressiv erfüllte“, empfiehlt Teruel Eindämmungsmaßnahmen sowie den „Zugriff mit geringsten Berechtigungen“ für KI-Agenten – ähnlich wichtig wie Firewalls.
Márquez sieht die Lösung ebenfalls nicht darin, auf den Einsatz von Agenten zu verzichten: „Für Unternehmen besteht die Lösung nicht darin, ‚keine Agenten mehr einzusetzen‘ – sondern darin, Eindämmungsmaßnahmen zu entwickeln, die davon ausgehen, dass der Agent versuchen wird, das System zu verlassen, anstatt darauf zu hoffen, dass er es nicht tut.“
Sabin erklärte, seine größte Sorge sei, dass hochleistungsfähige KI mittlerweile mit einer „Geschwindigkeit und in einem Umfang operiert, die die Reaktionszeiten des Menschen bei weitem übersteigen“.
„Ein KI-Agent kann innerhalb von Sekunden Schwachstellen aufdecken, Entscheidungen treffen und mit mehreren Systemen interagieren“, sagte er. „Das verändert grundlegend, wie Sicherheitsverantwortliche über Sicherheit nachdenken müssen.“
Nadeau verglich den Vorfall mit dem Gedankenexperiment des Philosophen Nick Bostrom aus dem Jahr 2003, dem „Paperclip-Maximierer“.
In diesem Szenario geben Forscher einer hypothetischen superintelligenten KI eine einzige Aufgabe: so viele Büroklammern wie möglich herzustellen. Die KI beginnt, die Erde nach Ressourcen zu durchforsten, und stellt schnell enorme Mengen an Büroklammern her. Sobald Menschen beschließen, die KI zu stoppen, könnte die Maschine zu dem Schluss kommen, dass die Menschheit sie daran hindert, ihr Ziel zu erreichen, und deshalb versuchen, die Menschen auszuschalten, um die ihr übertragene Aufgabe zu erfüllen.
Die KI wäre dabei nicht im anthropomorphen Sinne böswillig. Sie würde vielmehr die Aufgabe ihrer menschlichen Programmierer auf die extremstmögliche Weise interpretieren.
Ein Besucher interagiert am 7. Juli 2026 im US-Pavillon während des „AI for Good Global Summit“ in Genf mit einem hundeähnlichen Roboter von Boston Dynamics.(Archivbild) Foto: Fabrice Coffrini/AFP via Getty Images

Ein Besucher interagiert am 7. Juli 2026 im US-Pavillon während des „AI for Good Global Summit“ in Genf mit einem hundeähnlichen Roboter von Boston Dynamics. (Archivbild)

Foto: Fabrice Coffrini/AFP via Getty Images

Der Hacking-Vorfall bei Hugging Face sei „sozusagen dasselbe Phänomen in einer weniger dystopischen Form: Der KI wurde aufgetragen, einen Benchmark zu gewinnen, und sie tat alles in ihrer Macht Stehende, einschließlich der Ausnutzung von Zero-Day-Schwachstellen und der Eskalation“, sagte Nadeau.
Er verwies auf ein mögliches Szenario, in dem das Pentagon KI für „Kriegsspiele“ einsetzt und ein Modell während eines Tests aus seiner Sandbox ausbricht, um die reale Welt zu beeinflussen.
„[Was wäre, wenn] eines der Szenarien darin bestünde, einen Staudamm oder etwas Ähnliches zu zerstören und das System das Kriegsspiel fälschlicherweise so interpretieren würde: ‚Ich werde es tun, der Eindämmung entkommen und es einfach durchziehen‘? Wir haben bereits gesehen, dass das Stromnetz und die Infrastruktur Nordamerikas nicht gerade die sichersten in Bezug auf Cybersicherheit sind“, sagte Nadeau.
Er verglich die Sicherheitsvorkehrungen bei KI mit der Abzugssicherung einer Schusswaffe: „Woher weiß man, dass die Sicherung aktiviert ist, wenn es ab einem bestimmten Punkt für die KI der beste Weg ist, die besten Daten zu erhalten, indem sie die reale Welt nutzt?“, fragte er. „Das wird sehr schnell beängstigend.“
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „If They Were Human, They’d Be Arrested. Experts Respond to Rogue AI Breach.“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: vm)
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Klimaanpassung: Investitionen jetzt kein Tabu mehr?


In Kürze:

  • Bisher hat sich die EU-Kommission deutlich stärker auf Emissionsminderung als auf Klimaanpassung konzentriert.
  • Nun deuten mehrere Entwicklungen auf einen möglichen Kurswechsel hin.
  • In Deutschland fordert Bundesumweltminister Carsten Schneider, die Klimaanpassung ins Grundgesetz aufzunehmen.
  • Die unmittelbare globale Wirkung von Netto-Null-Emissionen wäre begrenzt; ihre Auswirkungen auf die Temperaturentwicklung würden sich über längere Zeiträume entfalten.

 
„Emissionsminderungen lassen sich immer schwerer verkaufen“, sagt der EU-Analyst André Wolf. Gemeint ist damit die zunehmende politische Schwierigkeit, Maßnahmen zur Verringerung von Treibhausgasemissionen gegenüber Bürgern und Unternehmen durchzusetzen. Gerade in Deutschland wird die Klimapolitik zunehmend von Fragen nach den Kosten, der Wettbewerbsfähigkeit und der konkreten Wirkung einzelner Maßnahmen begleitet.
Wolf ist für die unabhängige liberale Denkfabrik „Centers for European Policy Network“ (Zentrum für europäische Politik, CEP) tätig, die die EU-Politik analysiert. Er leitet dort die Abteilung für Technologie, Infrastruktur und industrielle Entwicklung und befasst sich insbesondere mit dem „Green Deal“ der EU.

Einseitige Fokussierung?

Bei den klimapolitischen Maßnahmen gibt es zwei Hauptansätze: Emissionsminderung und Anpassung. Letzteres bedeutet, die Gesellschaft auf verschiedene Weise widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel zu machen.
Im Rahmen des sogenannten „Green Deal“ lag der politische Schwerpunkt der EU bislang vor allem auf der Verringerung von Treibhausgasemissionen, während Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels weniger stark im Fokus standen.
Der Europäische Rechnungshof hat auf Schwächen und Lücken bei der Umsetzung der EU-Strategie zur Klimaanpassung hingewiesen. Nun zeichnen sich Anzeichen für einen allmählichen Wandel ab – sowohl bei der politischen Schwerpunktsetzung als auch in der Kommunikation der EU-Kommission.
Die Brände und Hitzewellen in diesem Sommer in Teilen Europas haben die Debatte über den Umgang mit dem Klimawandel erneut in den Fokus gerückt. Gleichzeitig ist auch die Frage nach der Wirksamkeit in den Vordergrund gerückt. Es stellt sich die Frage, welche Maßnahmen den Bürgern am konkretesten und am schnellsten helfen.

Schneider will Klimaanpassung ins Grundgesetz aufnehmen

In Deutschland teilte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) am Mittwoch, 12. August, mit, dass er Klimaanpassung und Naturschutz als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern ins Grundgesetz aufnehmen wolle. Er verwies dabei auf einen diesbezüglichen Prüfauftrag im Koalitionsvertrag. Damit reagierte Schneider auf Forderungen kommunaler Spitzenverbände.
„Ich möchte, dass wir im Grundgesetz eine Möglichkeit schaffen, dass der Bund eine Kompetenz für Handlungen, aber auch für Ausgaben hat“, sagte Schneider. Bisher sei es für den Bund rechtlich schwierig, sich finanziell an Klimaschutzmaßnahmen, aber auch an Anpassungsmaßnahmen wie Klimaanlagen oder mehr Verschattung zu beteiligen. „Ich halte das für zwingend notwendig“, stellte er klar, auch mit Blick auf die offiziell hohe Zahl von Hitzetoten.
Die Kommunen begrüßen den Vorstoß des Umweltministers. Dazu äußerte sich Ralph Spiegler (SPD), Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Er sagte am Donnerstag: „Es treffen jetzt zwei Dinge aufeinander: Der Klimawandel auf der einen Seite, die Versäumnisse, was die Unterstützung der Kommunen anbelangt, auf der anderen Seite.“
Besonders dringend sei laut Spiegler die Sicherung der Trinkwasserversorgung. Dazu müsse man Wasserspeicher ausbauen. „Da reden wir von 800 Milliarden Euro, die wir brauchen in den nächsten zwanzig Jahren“, so der SPD-Politiker. Unterstützung erhält Schneider auch von der Opposition. Grüne und Linke befürworten einen stärkeren Ausbau von Klimaanpassungsmaßnahmen.
Widerstand kommt hingegen vom Koalitionspartner. „Ich bin nicht überzeugt, dass eine Gemeinschaftsaufgabe das Problem der Klimaanpassung lösen wird“, zweifelte der CDU-Umweltpolitiker Thomas Gebhart.
Die Bevölkerung ist bei der Frage, ob Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern im Grundgesetz verankert werden soll, gespalten. Bei einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Civey befürworten insgesamt 47,6 Prozent Schneiders Vorschlag. 42,5 Prozent sehen diesen Schritt jedoch als falsch an.

Laut einer aktuellen Civey-Umfrage befürwortet eine knappe Mehrheit den Vorschlag von Umweltminister Carsten Schneider (SPD), Klimaanpassung und Naturschutz als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern im Grundgesetz zu verankern.

Foto: Bildschirmfoto Civey

Kurswechsel der EU-Kommission

Bei der EU-Kommission zeichnet sich eine stärkere Betonung von Klimaanpassung und Resilienz ab.
„Während wir unsere Treibhausgasemissionen senken müssen, um die globale Erwärmung zu begrenzen und ihre Schäden auf ein Minimum zu reduzieren, müssen wir uns auch auf das ungünstigere Klima vorbereiten, das uns noch lange begleiten wird.“ So heißt es in einem EU-Dokument zu einem „integrierten Rahmen für Risikomanagement und Resilienz gegenüber dem Klimawandel in Europa“.
Der neue Rahmen geht auf Forderungen des Europäischen Parlaments und des Rates sowie Empfehlungen des Europäischen Rechnungshofs zurück. Eine Anpassungsstrategie ist bereits seit 2021 Bestandteil der europäischen Klimapolitik. Mit dem neuen Rahmen will die EU-Kommission die bisherigen Maßnahmen stärker bündeln und die Anpassungsstrategie auf die nächste Ebene heben. Der neue Rahmen sei der „nächste Schritt“.
Vor allem fehle es bislang an einer klaren Koordinierung, meint Wolf. Es gebe zwar einige Programme und Forschungsförderungen, doch was fehle, sei eine zentrale Steuerung der Anpassungsmaßnahmen in der EU. Zugleich verweist Wolf auf die Belastungen für Haushalte durch höhere Energiepreise infolge der bisherigen Klimapolitik.

Beispiele für den EU-Kurswechsel

Anzeichen für eine veränderte Schwerpunktsetzung zeigen sich auch bei einzelnen klimapolitischen Entscheidungen. Im Folgenden zwei Beispiele:
  • Die EU-Kommission hat im Juli 2026 vorgeschlagen, die Regeln des EU-Emissionshandels gezielt zu überarbeiten und dabei die industrielle Wettbewerbsfähigkeit stärker zu berücksichtigen.
  • Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, die CO₂-Vorgaben für neue Pkw ab 2035 zu lockern und den Herstellern mehr technologische Flexibilität einzuräumen.
Wolf führt den von ihm beobachteten möglichen Kurswechsel der EU vor allem auf pragmatische Erwägungen zurück. Die abgeschwächten Klimaszenarien mögen den Wandel politisch erleichtert haben, doch das Hauptmotiv in Ländern wie Deutschland und Polen war der innenpolitische Druck.

Die Installation von Klimaanlagen kann Abhilfe bei Hitze schaffen und die Zahl der Hitzetoten reduzieren.

Foto: Grégory Dziedzic / Hans Lucas / AFP via Getty Images

Wolf verweist auf höhere Energiepreise sowie mögliche Belastungen für Unternehmen und Arbeitsplätze. Für eine solche Politik sei es daher schwierig, gesellschaftliche Mehrheiten zu gewinnen. Maßnahmen zur Emissionsminderung ließen sich zunehmend schwerer durchsetzen.
Als aktuelles Beispiel nennt Wolf ETS2, das Emissionshandelssystem für Gebäude und Straßenverkehr. Dessen operativer Start wurde von 2027 auf 2028 verschoben. Anpassungsmaßnahmen hingegen, etwa zur Risikominimierung bei Katastrophen, könnten den Menschen unmittelbar zugutekommen. Darin sieht Wolf einen Anreiz für die EU-Kommission, ihre Strategie stärker in Richtung Klimaanpassung zu verlagern.

Welche Wirkung hätte Netto-Null?

Global betrachtet stellt sich die Frage, wie groß die Wirkung wäre, wenn die EU-Emissionen wie geplant auf null sinken würden. Die Emissionen in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern steigen weiterhin, während sie in Europa und den USA zurückgehen. Ein vollständiger Rückgang der EU-Emissionen würde die weltweiten Emissionen zwar verringern, allein jedoch nur einen begrenzten Einfluss auf die weitere globale Entwicklung haben.
Bei Betrachtung der physikalischen Zusammenhänge zeigen Untersuchungen – die davon ausgehen, dass die Emissionen des Menschen die Hauptursache für die Erwärmung sind –, dass die Auswirkungen auf die Temperatur erst nach langer Zeit spürbar werden. Die Wirkung von Emissionsminderungen auf die globale Temperaturentwicklung zeigt sich nicht unmittelbar, sondern über längere Zeiträume.
Auch nach dem Erreichen weltweiter Netto-Null-Emissionen würden sich die Auswirkungen des bereits erfolgten Klimawandels nicht unmittelbar zurückbilden. Kritiker argumentieren daher, dass die EU zunächst hohe Kosten für Emissionsminderungen trägt, deren unmittelbarer Einfluss auf die globale Temperaturentwicklung jedoch begrenzt sei.

Bisherige EU-Strategie eine Frage der Glaubwürdigkeit?

„Selbst wenn wir auf globaler Ebene Netto-Null erreichen würden, hätten wir einen gewissen Anstieg von Extremwetterereignissen und damit verbundene anhaltende Kosten. Das sagen die Klimamodelle“, sagt Wolf. „Für mich ist daher klar, dass Emissionsreduktionen nicht die einzige Lösung sein können, selbst wenn sie erfolgreich sind. Wir müssen in Anpassungsmaßnahmen investieren.“
Er ergänzt: „Dazu gehören beispielsweise eine andere Geländegestaltung beim Bauen, der Verzicht auf Bauvorhaben in Gebieten mit hohem Hochwasserrisiko und die Umstellung auf klimaresistente Nutzpflanzen.“
Das Motiv für die Emissionsfreiheit habe auch mit Glaubwürdigkeit und Psychologie zu tun. „Wenn wir nicht mit gutem Beispiel vorangehen, können wir nicht verlangen, dass der Rest der Welt es tut“, erklärt Wolf. Deshalb sei es lange Zeit ein heikles Thema gewesen, der Anpassung Priorität einzuräumen.
So sei es beispielsweise umstritten gewesen, den Ausbau von Klimaanlagen zu befürworten. Umweltpolitiker und Aktivisten argumentierten, dass diese Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel ein falsches Signal senden würde und der zusätzliche Energieverbrauch zu weiteren Emissionen führen könnte. Angesichts zunehmender Hitzebelastung wird nun jedoch der mögliche gesundheitliche Nutzen von Klimaanlagen stärker diskutiert.
Mit Material von epochtimes.se und AFP 
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Klimaanpassung: Investitionen jetzt kein Tabu mehr?


In Kürze:

  • Bisher hat sich die EU-Kommission deutlich stärker auf Emissionsminderung als auf Klimaanpassung konzentriert.
  • Nun deuten mehrere Entwicklungen auf einen möglichen Kurswechsel hin.
  • In Deutschland fordert Bundesumweltminister Carsten Schneider, die Klimaanpassung ins Grundgesetz aufzunehmen.
  • Die unmittelbare globale Wirkung von Netto-Null-Emissionen wäre begrenzt; ihre Auswirkungen auf die Temperaturentwicklung würden sich über längere Zeiträume entfalten.

 
„Emissionsminderungen lassen sich immer schwerer verkaufen“, sagt der EU-Analyst André Wolf. Gemeint ist damit die zunehmende politische Schwierigkeit, Maßnahmen zur Verringerung von Treibhausgasemissionen gegenüber Bürgern und Unternehmen durchzusetzen. Gerade in Deutschland wird die Klimapolitik zunehmend von Fragen nach den Kosten, der Wettbewerbsfähigkeit und der konkreten Wirkung einzelner Maßnahmen begleitet.
Wolf ist für die unabhängige liberale Denkfabrik „Centers for European Policy Network“ (Zentrum für europäische Politik, CEP) tätig, die die EU-Politik analysiert. Er leitet dort die Abteilung für Technologie, Infrastruktur und industrielle Entwicklung und befasst sich insbesondere mit dem „Green Deal“ der EU.

Einseitige Fokussierung?

Bei den klimapolitischen Maßnahmen gibt es zwei Hauptansätze: Emissionsminderung und Anpassung. Letzteres bedeutet, die Gesellschaft auf verschiedene Weise widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel zu machen.
Im Rahmen des sogenannten „Green Deal“ lag der politische Schwerpunkt der EU bislang vor allem auf der Verringerung von Treibhausgasemissionen, während Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels weniger stark im Fokus standen.
Der Europäische Rechnungshof hat auf Schwächen und Lücken bei der Umsetzung der EU-Strategie zur Klimaanpassung hingewiesen. Nun zeichnen sich Anzeichen für einen allmählichen Wandel ab – sowohl bei der politischen Schwerpunktsetzung als auch in der Kommunikation der EU-Kommission.
Die Brände und Hitzewellen in diesem Sommer in Teilen Europas haben die Debatte über den Umgang mit dem Klimawandel erneut in den Fokus gerückt. Gleichzeitig ist auch die Frage nach der Wirksamkeit in den Vordergrund gerückt. Es stellt sich die Frage, welche Maßnahmen den Bürgern am konkretesten und am schnellsten helfen.

Schneider will Klimaanpassung ins Grundgesetz aufnehmen

In Deutschland teilte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) am Mittwoch, 12. August, mit, dass er Klimaanpassung und Naturschutz als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern ins Grundgesetz aufnehmen wolle. Er verwies dabei auf einen diesbezüglichen Prüfauftrag im Koalitionsvertrag. Damit reagierte Schneider auf Forderungen kommunaler Spitzenverbände.
„Ich möchte, dass wir im Grundgesetz eine Möglichkeit schaffen, dass der Bund eine Kompetenz für Handlungen, aber auch für Ausgaben hat“, sagte Schneider. Bisher sei es für den Bund rechtlich schwierig, sich finanziell an Klimaschutzmaßnahmen, aber auch an Anpassungsmaßnahmen wie Klimaanlagen oder mehr Verschattung zu beteiligen. „Ich halte das für zwingend notwendig“, stellte er klar, auch mit Blick auf die offiziell hohe Zahl von Hitzetoten.
Die Kommunen begrüßen den Vorstoß des Umweltministers. Dazu äußerte sich Ralph Spiegler (SPD), Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Er sagte am Donnerstag: „Es treffen jetzt zwei Dinge aufeinander: Der Klimawandel auf der einen Seite, die Versäumnisse, was die Unterstützung der Kommunen anbelangt, auf der anderen Seite.“
Besonders dringend sei laut Spiegler die Sicherung der Trinkwasserversorgung. Dazu müsse man Wasserspeicher ausbauen. „Da reden wir von 800 Milliarden Euro, die wir brauchen in den nächsten zwanzig Jahren“, so der SPD-Politiker. Unterstützung erhält Schneider auch von der Opposition. Grüne und Linke befürworten einen stärkeren Ausbau von Klimaanpassungsmaßnahmen.
Widerstand kommt hingegen vom Koalitionspartner. „Ich bin nicht überzeugt, dass eine Gemeinschaftsaufgabe das Problem der Klimaanpassung lösen wird“, zweifelte der CDU-Umweltpolitiker Thomas Gebhart.
Die Bevölkerung ist bei der Frage, ob Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern im Grundgesetz verankert werden soll, gespalten. Bei einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Civey befürworten insgesamt 47,6 Prozent Schneiders Vorschlag. 42,5 Prozent sehen diesen Schritt jedoch als falsch an.

Laut einer aktuellen Civey-Umfrage befürwortet eine knappe Mehrheit den Vorschlag von Umweltminister Carsten Schneider (SPD), Klimaanpassung und Naturschutz als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern im Grundgesetz zu verankern.

Foto: Bildschirmfoto Civey

Kurswechsel der EU-Kommission

Bei der EU-Kommission zeichnet sich eine stärkere Betonung von Klimaanpassung und Resilienz ab.
„Während wir unsere Treibhausgasemissionen senken müssen, um die globale Erwärmung zu begrenzen und ihre Schäden auf ein Minimum zu reduzieren, müssen wir uns auch auf das ungünstigere Klima vorbereiten, das uns noch lange begleiten wird.“ So heißt es in einem EU-Dokument zu einem „integrierten Rahmen für Risikomanagement und Resilienz gegenüber dem Klimawandel in Europa“.
Der neue Rahmen geht auf Forderungen des Europäischen Parlaments und des Rates sowie Empfehlungen des Europäischen Rechnungshofs zurück. Eine Anpassungsstrategie ist bereits seit 2021 Bestandteil der europäischen Klimapolitik. Mit dem neuen Rahmen will die EU-Kommission die bisherigen Maßnahmen stärker bündeln und die Anpassungsstrategie auf die nächste Ebene heben. Der neue Rahmen sei der „nächste Schritt“.
Vor allem fehle es bislang an einer klaren Koordinierung, meint Wolf. Es gebe zwar einige Programme und Forschungsförderungen, doch was fehle, sei eine zentrale Steuerung der Anpassungsmaßnahmen in der EU. Zugleich verweist Wolf auf die Belastungen für Haushalte durch höhere Energiepreise infolge der bisherigen Klimapolitik.

Beispiele für den EU-Kurswechsel

Anzeichen für eine veränderte Schwerpunktsetzung zeigen sich auch bei einzelnen klimapolitischen Entscheidungen. Im Folgenden zwei Beispiele:
  • Die EU-Kommission hat im Juli 2026 vorgeschlagen, die Regeln des EU-Emissionshandels gezielt zu überarbeiten und dabei die industrielle Wettbewerbsfähigkeit stärker zu berücksichtigen.
  • Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, die CO₂-Vorgaben für neue Pkw ab 2035 zu lockern und den Herstellern mehr technologische Flexibilität einzuräumen.
Wolf führt den von ihm beobachteten möglichen Kurswechsel der EU vor allem auf pragmatische Erwägungen zurück. Die abgeschwächten Klimaszenarien mögen den Wandel politisch erleichtert haben, doch das Hauptmotiv in Ländern wie Deutschland und Polen war der innenpolitische Druck.

Die Installation von Klimaanlagen kann Abhilfe bei Hitze schaffen und die Zahl der Hitzetoten reduzieren.

Foto: Grégory Dziedzic / Hans Lucas / AFP via Getty Images

Wolf verweist auf höhere Energiepreise sowie mögliche Belastungen für Unternehmen und Arbeitsplätze. Für eine solche Politik sei es daher schwierig, gesellschaftliche Mehrheiten zu gewinnen. Maßnahmen zur Emissionsminderung ließen sich zunehmend schwerer durchsetzen.
Als aktuelles Beispiel nennt Wolf ETS2, das Emissionshandelssystem für Gebäude und Straßenverkehr. Dessen operativer Start wurde von 2027 auf 2028 verschoben. Anpassungsmaßnahmen hingegen, etwa zur Risikominimierung bei Katastrophen, könnten den Menschen unmittelbar zugutekommen. Darin sieht Wolf einen Anreiz für die EU-Kommission, ihre Strategie stärker in Richtung Klimaanpassung zu verlagern.

Welche Wirkung hätte Netto-Null?

Global betrachtet stellt sich die Frage, wie groß die Wirkung wäre, wenn die EU-Emissionen wie geplant auf null sinken würden. Die Emissionen in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern steigen weiterhin, während sie in Europa und den USA zurückgehen. Ein vollständiger Rückgang der EU-Emissionen würde die weltweiten Emissionen zwar verringern, allein jedoch nur einen begrenzten Einfluss auf die weitere globale Entwicklung haben.
Bei Betrachtung der physikalischen Zusammenhänge zeigen Untersuchungen – die davon ausgehen, dass die Emissionen des Menschen die Hauptursache für die Erwärmung sind –, dass die Auswirkungen auf die Temperatur erst nach langer Zeit spürbar werden. Die Wirkung von Emissionsminderungen auf die globale Temperaturentwicklung zeigt sich nicht unmittelbar, sondern über längere Zeiträume.
Auch nach dem Erreichen weltweiter Netto-Null-Emissionen würden sich die Auswirkungen des bereits erfolgten Klimawandels nicht unmittelbar zurückbilden. Kritiker argumentieren daher, dass die EU zunächst hohe Kosten für Emissionsminderungen trägt, deren unmittelbarer Einfluss auf die globale Temperaturentwicklung jedoch begrenzt sei.

Bisherige EU-Strategie eine Frage der Glaubwürdigkeit?

„Selbst wenn wir auf globaler Ebene Netto-Null erreichen würden, hätten wir einen gewissen Anstieg von Extremwetterereignissen und damit verbundene anhaltende Kosten. Das sagen die Klimamodelle“, sagt Wolf. „Für mich ist daher klar, dass Emissionsreduktionen nicht die einzige Lösung sein können, selbst wenn sie erfolgreich sind. Wir müssen in Anpassungsmaßnahmen investieren.“
Er ergänzt: „Dazu gehören beispielsweise eine andere Geländegestaltung beim Bauen, der Verzicht auf Bauvorhaben in Gebieten mit hohem Hochwasserrisiko und die Umstellung auf klimaresistente Nutzpflanzen.“
Das Motiv für die Emissionsfreiheit habe auch mit Glaubwürdigkeit und Psychologie zu tun. „Wenn wir nicht mit gutem Beispiel vorangehen, können wir nicht verlangen, dass der Rest der Welt es tut“, erklärt Wolf. Deshalb sei es lange Zeit ein heikles Thema gewesen, der Anpassung Priorität einzuräumen.
So sei es beispielsweise umstritten gewesen, den Ausbau von Klimaanlagen zu befürworten. Umweltpolitiker und Aktivisten argumentierten, dass diese Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel ein falsches Signal senden würde und der zusätzliche Energieverbrauch zu weiteren Emissionen führen könnte. Angesichts zunehmender Hitzebelastung wird nun jedoch der mögliche gesundheitliche Nutzen von Klimaanlagen stärker diskutiert.
Mit Material von epochtimes.se und AFP 
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25 Milliarden Neutronen sollen Existenz einer Spiegelwelt belegen


In Kürze:

  • Laut einer Hypothese könnte im Weltall eine für uns unsichtbare Spiegelwelt existieren.
  • Sich dabei verwandelnde Elementarteilchen könnten so Erscheinungen wie die Dunkle Materie erklären.
  • Physiker aus der Schweiz sind dieser Idee nachgegangen und haben dafür 25 Milliarden ultrakalten Neutronen untersucht.
  • In ihrem Experiment konnten die Forscher keine Verwandlung in Spiegelneutronen feststellen und halten die Hypothese daher für unwahrscheinlich.

 
Es klingt wie eine Idee aus der Science-Fiction, doch sie stammt von renommierten Forschern aus der theoretischen Physik: Neben unserer gewöhnlichen Realität könnte es eine sogenannte Spiegelwelt geben. Dabei besäße jede Art Elementarteilchen einen entsprechenden „Zwilling“, sodass es Spiegelelektronen genauso wie Spiegelprotonen oder Spiegelneutronen gäbe.
Laut dieser Hypothese sind allerdings kaum Wechselwirkungen zwischen normalen und Spiegelteilchen zu erwarten. „Im Wesentlichen spüren sich beide Teilchensorten gegenseitig über die Gravitationskraft“, erklärte Geza Zsigmond, Wissenschaftler am Zentrum für Neutronen- und Myonenforschung des Paul Scherrer Instituts (kurz PSI) in der Schweiz.
Trotz jahrzehntelanger Suche konnten diese mysteriösen Spiegelteilchen nie nachgewiesen werden. Ergebnisse von jüngsten Experimenten in Frankreich haben die Hoffnung auf Spiegelneutronen leben lassen. Doch nun sehen PSI-Forscher mit ihrem neuen Experiment, das weltweit unübertroffene Präzision erzielt hat, die Sache anders: Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit kann man die Verwandlung von Neutronen in ihre Spiegelversion ausschließen.

Die Suche nach dem Unmöglichen?

Gerade weil Spiegelteilchen fast keine Wechselwirkung mit normaler Materie eingehen, ist die Suche nach ihnen sehr schwierig. Sie treten nur auf zwei Weisen mit unserer bekannten Materie in Kontakt: entweder über die Schwerkraft oder über seltene Oszillationen neutraler Teilchen.
Deshalb gelten Spiegelteilchen auch als Kandidaten für die sogenannte Dunkle Materie. Denn diese macht zwar wesentlich mehr Masse im Universum aus als unsere gewöhnliche Materie, aber ihre Natur ist völlig unverstanden. Gerade weil Spiegelteilchen so schwach mit unserer Welt wechselwirken, könnten sie für die Dunkle Materie verantwortlich sein.
„Es gibt keine Chance, die Existenz von Spiegelteilchen rein über die Schwerkraft nachzuweisen“, sagt Forschungsleiter Bernhard Lauss vom PSI. „Wir haben uns deshalb auf die andere Eigenschaft von Spiegelteilchen konzentriert, nämlich dass neutrale Teilchen gemäß dieser Hypothese zwischen unserer normalen Materie und der Spiegelwelt hin und her oszillieren könnten.“
Ein neutrales Teilchen wie das Neutron könnte also – sehr selten – einfach von unserer Weltbühne verschwinden und sich in ein Spiegelteilchen verwandeln. Nach einiger Zeit könnte es dann wie aus dem Nichts wieder auftauchen.
„Neutronen bieten sich für diese Untersuchung an, weil sie erstens elektrisch neutral sind und weil sie zweitens eine seltsame Eigenschaft besitzen“, ergänzt Zsigmond. „So scheinen Neutronen unterschiedliche Lebensdauern zu besitzen, je nachdem auf welche Weise man diese misst.“ Ein Teil dieser Diskrepanz könnte daran liegen, dass manche Neutronen während der Messung in die Spiegelwelt „abtauchen“.

Keine Hinweise auf eine Spiegelwelt gefunden

Um diesem eigenartigen Verhalten auf die Schliche zu kommen, haben die PSI-Forscher zusammen mit internationalen Kollegen ein ausgeklügeltes Experiment ersonnen. Sie haben Neutronen stark abgebremst und auf diese Weise sogenannte ultrakalte Neutronen erzeugt. Diese haben sie dann in einem speziellen, unmagnetischen Vakuum-Edelstahltank gefangen.
Auf diese Weise hat das Team alle fünf Minuten rund 1,5 Millionen Neutronen in dem Edelstahltank gespeichert. Nach jeweils rund 200 Sekunden wurde er entleert und die Forscher ermittelten, wie viele Neutronen noch erhalten waren. Würden Neutronen in dieser Zeit in die Spiegelwelt verschwinden, würden sie der Leerung entgehen und in der anschließenden Zählung fehlen. Dies wurde über mehrere Monate hinweg wiederholt, um alle relevanten Bereiche abzuscannen, bei denen Oszillationen zwischen Neutronen und Spiegelneutronen zu erwarten gewesen wären – doch ohne Erfolg.
„Mit diesen Ergebnissen lassen sich alle bisherigen Spekulationen zur Verwandlung in Spiegelteilchen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen“, so die Forscher.
Die Studie erschien am 28. Juli 2026 im Fachmagazin „Physical Review Letters“.
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Fauci verweigert weitere Aussage und beruft sich auf Verfassungszusatz


In Kürze:

  • Anthony Fauci lehnt eine freiwillige Aussage vor einem zweiten Senatsausschuss ab.
  • Seine Anwälte berufen sich auf Faucis Recht aus dem Fünften Verfassungszusatz und sehen keinen gesetzgeberischen Zweck für eine weitere Befragung.
  • Senator Ron Johnson kündigt an, rechtliche Möglichkeiten zu prüfen und weitere Unterlagen zu Fauci auszuwerten.

 
Die Auseinandersetzung zwischen Anthony Fauci und den Republikanern im US-Senat geht weiter. Fauci, der lange Zeit das Nationale Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) leitete, lehnt es ab, erneut freiwillig vor einem republikanisch geführten Senatsausschuss zur Corona-Pandemie auszusagen.
Seine Anwälte sehen dafür keinen gesetzgeberischen Zweck. Senator Ron Johnson, ein Republikaner aus Wisconsin und Vorsitzender des Unterausschusses für Ermittlungen, prüft nun rechtliche Möglichkeiten.
In einem Schreiben vom 14. August an Johnson erklärten die Anwälte David Schertler und Danny Onorato, Fauci habe bei zahlreichen Auftritten vor dem Kongress bereits „ehrlich und transparent“ Fragen beantwortet und stehe „zu all seinen bisherigen Aussagen“.
Nach Angaben seiner Anwälte hatte Fauci während seiner 38 Jahre als NIAID-Direktor mehr als 200 Mal vor Kongressausschüssen ausgesagt oder diese informiert. Dazu gehörten auch ein zweitägiges protokolliertes Interview und eine öffentliche Anhörung vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses im Jahr 2024.

Anwälte berufen sich auf den Fünften Verfassungszusatz

In dem Schreiben heißt es auch, Fauci habe bereits während einer Anhörung vor dem gesamten Senatsausschuss für Heimatschutz und Regierungsangelegenheiten am 29. Juli sein Recht aus dem Fünften Verfassungszusatz geltend gemacht, sich nicht selbst belasten zu müssen.
Fauci lehnte es ab, während der Anhörung mehr als 100 Fragen zu beantworten. Daraufhin stimmte der Ausschuss am 6. August mit 8 zu 5 Stimmen entlang der Parteilinien dafür, ihn wegen Missachtung des Kongresses zur Verantwortung zu ziehen. Die Resolution wurde anschließend dem Justizministerium übergeben, das eine Strafverfolgung prüfen soll.
Faucis Anwälte warfen den republikanischen Ausschussmitgliedern vor, sich an einem ihrer Ansicht nach „jahrelangen, rachsüchtigen Feldzug“ gegen Fauci zu beteiligen. Dieser werde vom Vorsitzenden des Senatsausschusses für Heimatschutz und Regierungsangelegenheiten, Senator Rand Paul, einem Republikaner aus Kentucky, geführt.
Die Anwälte argumentierten außerdem, dass Pauls Weiterleitung der Resolution wegen Missachtung des Kongresses an das Justizministerium ohne Befassung des gesamten Senats die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Strafverfolgung nicht erfülle.
Wenn die Ausschussmehrheit Faucis Berufung auf den Fünften Verfassungszusatz auf „gutgläubige“ Weise überprüfen wolle, könne sie vor einem Bundesgericht in Washington eine Zivilklage einreichen, um Faucis Aussage zu erzwingen, so die Anwälte.

Fauci will erneut schweigen

In dem Schreiben heißt es weiter, Fauci werde sich erneut auf den Fünften Verfassungszusatz berufen, sollte er vor Johnsons Unterausschuss erscheinen müssen. Dieser sieht vor, dass niemand sich selbst belasten muss. Eine Vorladung, die ein erneutes Erscheinen erzwinge, würde nach Ansicht der Anwälte keinen gesetzgeberischen Zweck erfüllen und lediglich dazu dienen, „Dr. Fauci aus politischen Gründen unzulässigerweise zu schikanieren oder herabzuwürdigen“.
Außerdem erklärten sie, Fauci und Mitglieder seiner Familie seien seit der Anhörung am 29. Juli Schikanen und Morddrohungen ausgesetzt.
„Auf Grundlage all dieser Tatsachen müssen wir Ihre Einladung, dass Dr. Fauci an einem freiwilligen protokollierten Interview teilnimmt, respektvoll ablehnen“, schrieben die Anwälte.
Die englischsprachige Ausgabe der Epoch Times kontaktierte Anwalt Schertler für eine zusätzliche Stellungnahme, unter anderem dazu, ob Fauci einer separaten Vorladung nachkommen würde, die Johnson ausstellen könnte, um sein Erscheinen zu erzwingen. Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag jedoch keine Antwort vor.

Anthony Fauci wird vor dem Senatsausschuss für Heimatschutz und Regierungsangelegenheiten vereidigt, bevor er am 29. Juli 2026 in Washington, D.C., zur Reaktion der US-Regierung auf die COVID-19-Pandemie aussagt.

Foto: Anna Moneymaker/Getty Images

Johnson droht mit rechtlichen Schritten

Johnson sagte, offene Fragen zur Reaktion der US-Regierung auf die Pandemie rechtfertigten es, Faucis Aussage anzustreben.
„Das amerikanische Volk verdient Antworten auf berechtigte Fragen zu unserer kläglich gescheiterten Reaktion auf COVID-19“, sagte Johnson in einer Erklärung. „Einige dieser Fragen können nur von Dr. Fauci beantwortet werden.“
Johnson wies darauf hin, dass Fauci zuvor gesagt habe, er sei „sehr gerne bereit, vor jedem Kongressausschuss zur Aufsicht auszusagen“ und habe „nichts zu verbergen“.
„Offenbar hat er viel zu verbergen“, sagte Johnson.
Der Republikaner aus Wisconsin sagte, der Unterausschuss werde weiterhin Faucis Unterlagen beschaffen und Gespräche mit Personen führen, die mit ihm zusammengearbeitet hätten. „Wir werden unsere rechtlichen Möglichkeiten prüfen, bevor wir über unsere nächsten Schritte entscheiden“, sagte Johnson.

Faucis Nachrichten werfen neue Fragen auf

Johnsons Unterausschuss hat kürzlich eine Kopie des von Fauci während seiner Zeit in der Regierung verwendeten iPhones erhalten.
Das Gerät, das vom US-Gesundheitsministerium beschafft wurde, enthielt nach Angaben von Abgeordneten mehr als 34.000 Textnachrichten und 522 Sprachnachrichten.
Johnson und Paul veröffentlichten am 10. August eine Reihe von Nachrichten aus dem Januar 2021. Darin diskutierten Fauci, die damalige CDC-Direktorin Dr. Rochelle Walensky und der damalige Surgeon General Dr. Vivek Murthy die begrenzten Daten zur COVID-19-Impfung während der Schwangerschaft.
In einem Austausch sagte Fauci, Fieber und Zytokinreaktionen nach einer zweiten Impfdosis könnten „theoretisch mit einer Fehlgeburt im 1. Trimester in Verbindung stehen“. Er wies zugleich darauf hin, dass bei mehr als 10.000 schwangeren Frauen, die sich für eine Impfung entschieden hatten, keine Sicherheitsprobleme aufgetreten seien und toxikologische Studien an Tieren keine Warnsignale ergeben hätten.
Johnson und Paul erklärten, die Nachrichten würden die Frage aufwerfen, ob die Öffentlichkeit ausreichend über mögliche Risiken informiert worden sei, als die Behörden die Impfung für schwangere Frauen empfohlen hätten.
Fauci, einer der prominentesten Vertreter des öffentlichen Gesundheitswesens der US-Regierung während der COVID-19-Pandemie, leitete das NIAID von 1984 bis zu seinem Rücktritt im Dezember 2022.
Aldgra Fredly und Zachary Stieber haben zu diesem Bericht beigetragen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Fauci Refuses to Appear Before 2nd Senate Panel After Contempt Vote“. (deutsche Bearbeitung: zk)
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Waldbrände in Deutschland und weltweit – So ist die Lage wirklich


In Kürze:

  • Mit dem Sommerwetter kämpfen Feuerwehren in Deutschland und Europa weiter gegen Waldbrände.
  • Für mehr als 90 Prozent der Waldbrände ist laut WWF der Mensch verantwortlich.
  • Weltweit liegen CO₂-Emissionen und verbrannte Flächen durch Waldbrände bislang unter den Werten vieler Vorjahre.
  • In Deutschland liegen die CO₂-Emissionen durch Waldbrände dagegen über den Werten vieler Vorjahre.
  • Europäische Versicherungsunternehmen sehen sich wegen Waldbränden mit steigenden Verlusten konfrontiert.

 
Hochsommerliche Temperaturen und Trockenheit begünstigen aktuell vielerorts die Ausbreitung von Waldbränden – in Deutschland und international. Einzelne Schlagzeilen können dabei schnell den Eindruck einer teils noch nie dagewesenen Entwicklung der Ausweitung von Bränden erwecken. Diese wird schließlich oftmals dem Klimawandel zugeschrieben.
Zunächst vorweg: Jeder Waldbrand stellt eine ernste Gefahr für Mensch und Natur dar. Feuer, wenn es unkontrolliert lodert, ist oftmals lebensbedrohlich. Gleichzeitig ist eine richtige Einordnung ebenso wichtig. Der Blick auf die wahren Ursachen der Brände und der Vergleich mit Daten aus der Vergangenheit bringt Klarheit.

Mehrere Waldbrände in Deutschland

Am Freitag, 14. August, loderte ein Waldbrand in der nordrhein-westfälischen Gemeinde Hürtgenwald. Die Flammen waren bis auf wenige Hundert Meter an den Ortsteil Gey herangerückt. Wegen der akuten Gefährdung mussten am frühen Freitagmorgen alle rund 1.800 Bewohner des Ortsteils ihre Häuser und Wohnungen verlassen.

Aktuelle Waldbrandsituation im Hürtgenwald beim Ortsteil Gey. Die rötlichen Punkte stellen Brände dar.

Foto: Bildschirmfoto FireMap.Live

Darüber hinaus gab es in Deutschland am Freitag, 14. August, drei weitere größere Waldbrände. Nahe der saarländischen Stadt Ottweiler im Landkreis Neunkirchen war die Feuerwehr seit Donnerstagnachmittag im Einsatz. Zwar hatte sie den Waldbrand unter Kontrolle, Andreas Kuhn, Sprecher der Feuerwehren, gab jedoch noch keine endgültige Entwarnung. „Auf der rund 3,6 Hektar großen Brandfläche in einem 10 Hektar (ha) großen Waldstück befinden sich weiterhin zahlreiche Hotspots und Glutnester“, teilte er mit.
Rund 100 Einsatzkräfte waren mit Löscharbeiten nahe der rheinland-pfälzischen Ortsgemeinde Bengel beschäftigt. „Der Brand ist unter Kontrolle. Es gibt nur noch Glutnester“, informierte eine Sprecherin der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich am Freitagmorgen.
Seit Dienstagabend, 11. August, brannten zudem Waldflächen nahe der sächsischen Kreisstadt Plauen. In der Nacht zum Freitag waren dort rund 130 Einsatzkräfte im Einsatz. Sie versuchten, neu aufflammende Glutnester einzudämmen oder zu löschen. Zudem setzte die Feuerwehr eine Drohne ein, um Glutnester effektiver aufzuspüren. Nach Angaben der Stadt handelte es sich um einen der größten Brände der vergangenen Jahrzehnte in der Region.

Feuer auch in Europa

Die hohen Temperaturen begünstigen auch im Ausland zahlreiche Brandherde. Auch am Wochenende kämpften Feuerwehrleute besonders in Frankreich, Kroatien und Griechenland gegen die Feuer.
So brennt etwa seit Donnerstag, 13. August, ein Waldgebiet bei der südwestfranzösischen Gemeinde Luglon. Die zerstörte Fläche umfasst inzwischen rund 1.600 Hektar. Etwa 650 Menschen wurden bislang vorsorglich evakuiert. Auch in anderen Regionen Frankreichs brennen kleinere Waldgebiete.

Die geschätzte Waldbrandfläche von Luglon im Südwesten Frankreichs am Freitag, 14. August 2026.

Foto: Bildschirmfoto Google Maps

In Kroatien trieb starker Wind am Freitag einen Waldbrand in den küstennahen Ferienort Omiš nahe der Stadt Split. Die Feuer erfassten neben Waldgebieten auch Siedlungen. Laut lokalen Medien wurden 14 Menschen ins Krankenhaus eingeliefert, sieben davon befanden sich in lebensbedrohlichem Zustand.
Griechenland hat aufgrund mehrerer Waldbrände unlängst landesweit die höchste Waldbrandwarnstufe ausgerufen. Das Mittelmeerland leidet noch immer unter den Folgen von Bränden in diesem Monat. Bei Kassandria auf der Halbinsel Kassandra waren die Einsatzkräfte am Wochenende weiterhin mit den Folgen eines Waldbrandes beschäftigt. Landesweit herrscht weiterhin eine hohe bis extreme Brandgefahr. In den vergangenen Wochen haben die Sommer-Waldbrände in Griechenland fünf Menschen getötet und Tausende Hektar Wald zerstört.

Meist menschengemachte Waldbrände

Dabei sind Hitze und Trockenheit nicht die unmittelbare Ursache eines Waldbrandes. Sie schaffen jedoch Bedingungen, unter denen sich ein entstandenes Feuer schneller ausbreiten kann.
Laut der Umweltorganisation WWF haben nur rund 4 Prozent der Waldbrände natürliche Ursachen, etwa durch Blitzeinschläge. Für weit über 90 Prozent ist demnach der Mensch verantwortlich – beispielsweise durch Unachtsamkeit oder vorsätzliche Brandstiftung. Immer wieder tauchen Videos auf, die Menschen beim Legen von Feuer zeigen.
In Frankreich hat das Innenministerium kürzlich verkündet, dass die Behörden in diesem Sommer bereits 420 Personen festgenommen haben. Ihnen wird vorgeworfen, Brände in den französischen Départements absichtlich oder versehentlich ausgelöst zu haben. Unter den Festgenommenen sind 166 Minderjährige.
In bestimmten Fällen sind Feuer oder Waldbrände allerdings nicht grundsätzlich als Katastrophe anzusehen. Ökosysteme, die an Feuer angepasst sind, benötigen gelegentliche Brände, um sich zu verjüngen und zu regenerieren.

2026 bisher wenig Brände weltweit

Anhand der Waldbrandmeldungen aus Deutschland, Europa und anderen Regionen entsteht der Eindruck, dass 2026 ein besonders „feuriges“ Jahr ist. Die Daten von Copernicus, dem Erdbeobachtungsprogramm der Europäischen Union, zeigen jedoch ein anderes Bild.
Bei weltweiter Betrachtung zeigen die Daten, dass 2026 bisher ein deutliches Negativrekordjahr ist. Das bedeutet: In diesem Jahr wurden bislang so wenig CO₂-Emissionen durch Waldbrände verzeichnet wie seit 2003 nicht mehr. Da pro verbrannter Fläche normalerweise ähnlich viel CO₂ freigesetzt wird, lassen sich aus den Emissionsdaten Rückschlüsse auf die verbrannte Fläche ziehen.
Vom 1. Januar bis zum 13. August lagen die weltweiten CO₂-Emissionen durch Waldbrände im vergangenen Jahr bei gut 900 Megatonnen (Mt). In diesem Jahr waren es im gleichen Zeitraum bisher rund 707 Mt – ein Rückgang von etwa 22 Prozent. Vor 2025 lagen die Werte sogar noch höher, den bisherigen Höchststand gab es 2003 mit mehr als 1.400 Mt. Europa hat in diesem Jahr bislang rund 11 Mt CO₂ durch Waldbrände emittiert.
 
Die geringe verbrannte Fläche in diesem Jahr bestätigt auch das Datenportal „Our World in Data“. Dieses zeigt die weltweiten jährlichen Gesamtflächen seit 2012, die durch Waldbrände verbrannt wurden.
Auch hier liegt das laufende Jahr bislang auf dem niedrigsten Niveau und könnte einen neuen Negativrekord erreichen. Während im vergangenen Jahr in den ersten 31 Wochen 140 Millionen ha abgebrannt sind, waren es in diesem Jahr im gleichen Zeitraum 119 Millionen ha.

Deutschland mit hohen Waldbrand-Emissionen

Anders sieht es hingegen in Deutschland aus. Hier zeigen die Copernicus-Daten für das laufende Jahr einen Rekordwert. Waldbrände haben in diesem Jahr bis einschließlich zum 13. August mit 0,21 Mt so viele CO₂-Emissionen freigesetzt wie seit 2003 nicht mehr. Von diesem Aspekt her könnte man eine Rekordzahl an Waldbränden vermuten.
Bei der Betrachtung der verbrannten Fläche ist die Bundesrepublik jedoch laut „Our World in Data“ noch klar vom Rekord der vergangenen Jahre entfernt. Hier liegt das Jahr 2026 in den ersten 31 Wochen mit rund 6.000 ha auf Platz 3 – hinter 2022 und dem Spitzenreiter 2025, die zu diesem Zeitpunkt bereits jeweils mehr als 8.000 ha verbrannte Fläche aufwiesen.

Geringe Margen bei europäischen Versicherern

Die aktuellen Waldbrände sind derweil auch für europäische Versicherungsunternehmen ein akutes Thema. Laut der „Global Insurance Database“ des Informationsportals „GlobalData“ sehen sich diese mit steigenden Verlusten konfrontiert.
Besonders knapp wurde es 2024 in Frankreich. Dort beliefen sich die Prämien für Naturkatastrophen- und Brandversicherungen auf insgesamt 2,07 Milliarden Euro, während die Schadenssumme auf 1,9 Milliarden Euro kletterte.
Dies verdeutlicht, wie gering die Margen in diesem Hochrisikosegment sein können und wie schwierig das Jahr 2026 für die Versicherer werden könnte. Denn bezogen auf die verbrannte Landesfläche hat Frankreich mit rund 99.100 ha bis zur 31. Woche bereits alle Jahre seit 2012 übertroffen. Dabei dauern die Waldbrände im Nachbarland noch an. Je näher sie Ortschaften und Städte erreichen, desto höher können die Schäden ausfallen.
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Chinas Yuan erreicht Europas Finanzsystem: Deutsche Bank wird RMB-Clearingbank


In Kürze:

  • Deutsche Bank wird erste europäische RMB-Clearingbank und ermöglicht die direkte Abwicklung grenzüberschreitender Geschäfte in Yuan.
  • China will den Yuan international stärken und seine Abhängigkeit vom US-Dollar sowie vom dollarbasierten Finanzsystem verringern.
  • Der Dollar bleibt vorerst dominant: Experten sehen im Yuan-Clearing eher einen ergänzenden Zahlungsweg als eine echte Alternative zum Dollar.

 
Die Deutsche Bank hat zu Beginn der Woche mitgeteilt, dass die chinesische Zentralbank sie als Clearingbank für Geschäfte mit dem Renminbi (RMB) in Europa eingesetzt hat. Damit kann die Bank die direkte End-to-End-Verarbeitung und Abwicklung grenzüberschreitender RMB-Transaktionen für europäische Finanzinstitute und Unternehmen ermöglichen. Die Deutsche Bank fungiert damit als lokale Brücke zu Chinas Zahlungssystemen und bezeichnet sich als „erste ausländische Bank“, die diese Auszeichnung erhalten habe.

Yuan erhält direkten Zugang zu deutscher Finanzinfrastruktur

Nach Angaben der Deutschen Bank wird die neue Rolle ihre Position als wichtiges Bindeglied zwischen China und den europäischen Finanzmärkten stärken. Zugleich soll dies die Bedeutung Frankfurts als globales Finanzzentrum weiter ausbauen und die RMB-Clearing-Infrastruktur in Europa stärken. Die Ernennung soll effizientere RMB-Zahlungsströme ermöglichen und europäischen Finanzinstituten und Unternehmen den Zugang zu verlässlicher Offshore-RMB-Liquidität erleichtern.
Mit der Entscheidung erhält der chinesische Renminbi, international meist als Yuan bezeichnet, direkten Zugang zur Finanzinfrastruktur eines großen westlichen Landes. Zuvor oblag die internationale Verbreitung den chinesischen Banken selbst. Die Deutsche Bank wird nun zu einem bedeutenden Partner, weil sie Deutschlands größtes Geldinstitut und eine systemrelevante Großbank ist.
Für die kommunistische Führung in Peking ist diese Kooperation ein wichtiger Erfolg bei der Internationalisierung des Yuan. China versucht seit Jahren, die internationale Nutzung seiner Währung auszuweiten.

China will seine Währung international stärken

Durch die Zusammenarbeit können Geschäfte mit China direkt in Yuan abgewickelt werden. Eine Abwicklung über den US-Dollar ist dadurch bei bestimmten Transaktionen nicht mehr zwingend notwendig. Für China hat die Internationalisierung des RMB jedoch nicht nur wirtschaftliche, sondern auch strategische Bedeutung.
Peking möchte alternative Zahlungswege zum dollarbasierten Finanzsystem schaffen und damit langfristig auch die Reichweite amerikanischer Finanzsanktionen verringern. Ein Ersatz für den Dollar ist der Yuan allerdings nicht. Experten sehen im RMB-Clearing zunächst eher einen ergänzenden oder alternativen Zahlungsweg.
Die Vereinbarung könnte dennoch Schule machen. China hofft, dass weitere Banken in Deutschland, Europa, dem Nahen Osten und Asien folgen. Wenn immer mehr Finanzinstitute RMB-Clearing anbieten, könnte schrittweise ein alternatives internationales Abwicklungsnetz entstehen.
Sun Kuo-hsiang, Professor für Internationale Beziehungen und Handel an der Nanhua University in Taiwan, sieht die größten Hindernisse für den Yuan allerdings nicht bei der Zahl der Clearingbanken. Problematisch seien vielmehr „das Fehlen vollständig freier Kapitalströme und Währungskonvertibilität sowie die begrenzte Transparenz und Vorhersehbarkeit der chinesischen Finanzmärkte“, sagte er gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.

US-Dollar-Banknoten werden neben Stapeln von 100-Yuan-(RMB)-Banknoten in einer Bank in Huaibei, Provinz Anhui, China, gezählt.

Foto: AFP via Getty Images

Peking baut alternative Zahlungswege auf

Die chinesische Zentralbank hat als Teil ihres Fünfjahresplans angekündigt, den Yuan-Wechselkurs stabil zu halten und die Nutzung der Währung für internationalen Handel und Investitionen auszuweiten.
Bereits im Juni benannte die chinesische Zentralbank die Standard Bank und die Industrial and Commercial Bank of China gemeinsam als „Renminbi Clearing Bank of Africa“. Diese soll RMB-Transaktionen in 19 afrikanischen Ländern abwickeln.
China baut damit parallele Strukturen auf, um seine Abhängigkeit vom dollarbasierten Clearing zu verringern.
Zu den Aussichten, den Dollar und das darauf basierende SWIFT-System herauszufordern, erklärt Professor Sun: „Die Dominanz des Dollars beruht auf tief verankerten US-Kapitalmärkten, globaler Liquidität, rechtlichem Vertrauen, Reservewährungsstatus und starken Netzwerkeffekten.“ Das RMB-Clearing sei deshalb eher ein „ergänzender oder Backup-Kanal als ein Ersatz für den Dollar“.
Wenn chinesische und deutsche Unternehmen Transaktionen häufiger direkt in Yuan statt in US-Dollar abrechnen, kann China seine Abhängigkeit vom Dollar-System zumindest teilweise reduzieren. Eine wirkliche globale Rolle des Yuan würde jedoch voraussetzen, dass ausländische Zentralbanken und Investoren bereit sind, langfristig RMB-Vermögenswerte zu halten.
Dafür müsste China unter anderem den Kapitalverkehr stärker öffnen, die Konvertierbarkeit des Yuan erweitern und grenzüberschreitende Kapitalströme liberalisieren. Diese Schritte würden allerdings zugleich die Kontrolle Pekings über das Finanzsystem schwächen.

Mögliche Auswirkungen auf die USA

Die Internationalisierung des RMB verfolgt somit zwei Ziele: wirtschaftlich sollen Transaktionskosten reduziert werden, strategisch soll die Abhängigkeit von der US-Finanzinfrastruktur sinken.
Für Washington dürfte deshalb nicht allein die Deutsche Bank entscheidend sein. Größere Bedeutung hätte die Frage, ob weitere europäische Banken folgen. Ein wachsendes RMB-Clearing-Netz könnte die Abhängigkeit vom US-Finanzsystem in einzelnen Bereichen verringern und langfristig die Reichweite amerikanischer Finanzsanktionen schwächen.
Die USA dürften diese Entwicklung deshalb genau beobachten. Möglich wären stärkere regulatorische Kontrollen und eine engere Abstimmung mit europäischen Partnern bei Sanktionen, Geldwäschebekämpfung und China-bezogenen Finanzrisiken.
Besonders sensibel wäre die Nutzung solcher Strukturen zur Umgehung amerikanischer Sanktionen gegen Staaten wie Russland oder Iran. In einem solchen Fall könnten auch Sekundärsanktionen gegen beteiligte Finanzinstitute zum Thema werden.

Deutschland zwischen China, Europa und den USA

Deutschland befindet sich dabei in einem besonderen Spannungsfeld. China bleibt einer der wichtigsten Handelspartner des Landes. Rund 5.000 deutsche Unternehmen sind dort aktiv. Unternehmen wie BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen, BASF und Siemens verfügen über Produktionsstandorte, Lieferketten und langfristige Investitionen in China.

Mitarbeiter arbeiten am 17. Februar 2022 während einer Medientour an einer Produktionslinie im Mercedes-Benz-Automobilwerk in Peking.

Foto: Jade Gao / AFP

Gleichzeitig versucht Deutschland, strategische Abhängigkeiten zu reduzieren. Die politische Linie lautet zunehmend „De-Risking“ statt vollständiger Entkopplung.
Die Deutsche Bank bewegt sich mit ihrer neuen Rolle genau in diesem Spannungsfeld. Für deutsche und europäische Unternehmen kann eine bessere RMB-Clearingstruktur wirtschaftliche Vorteile bringen. Transaktionen mit chinesischen Geschäftspartnern können einfacher und effizienter abgewickelt werden.
Politisch entsteht dadurch jedoch ein Widerspruch: Während die EU über wirtschaftliche Sicherheit, Lieferkettenrisiken und strategische Abhängigkeiten von China spricht, baut eine große europäische Bank gleichzeitig eine Infrastruktur aus, die chinesische Finanzaktivitäten in Europa erleichtert.
Für Peking ist Deutschland deshalb ein wichtiger Partner. Wenn China die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland eng hält, wird es schwieriger, eine vollständig geeinte westliche Wirtschaftsfront gegen China zu bilden.
Die Ernennung der Deutschen Bank könnte damit zum Ausgangspunkt einer größeren Entwicklung werden. Entscheidend wird sein, ob weitere europäische Banken dem Beispiel folgen und der Yuan dadurch zunehmend Teil der europäischen Finanzinfrastruktur wird. Der Dollar dürfte dabei vorerst dominant bleiben.
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Wie ein niedriger B12-Spiegel Alterungserscheinungen vortäuschen kann


In Kürze:

  • Ob Muskeln, Knochen oder Nervenzellen – Vitamin B12 ist für uns lebensnotwendig.
  • Sein Mangel sorgt für Beschwerden wie Gehirnnebel, Gleichgewichtsstörungen oder Muskelschwäche.
  • Da auch das Altern solche Symptome verursachen kann, verstärkt ein Mangel die Beschwerden zusätzlich, wie kürzlich in ersten Tierstudien nachgewiesen wurde.
  • Gezielte Ernährung, Supplementierung und ein Blick auf die eingenommenen Medikamente können einem Mangel entgegenwirken.

 
Allgemeine Müdigkeit, Kribbeln in Händen und Füßen und vieles mehr – oft sehen wir das als die typischen Symptome des Älterwerdens. Es besteht allerdings eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der eigentliche Übeltäter ein Vitamin ist, das Sie möglicherweise nicht ausreichend aufnehmen: Vitamin B12.
Mangelerscheinungen können den Anzeichen des normalen Alterungsprozesses ähneln – und daher leicht übersehen werden.

Vitamin B12 und die alternde Zelle

Normalerweise nimmt die Funktion der Mitochondrien – der Energiefabriken in unseren Zellen – mit zunehmendem Alter ab. Gleichzeitig besteht die Aufgabe von Vitamin B12 darin, sowohl die Mitochondrien als auch die Energieproduktion am Laufen zu halten. Zwei aktuelle präklinische Studien an Mäusen helfen, den Zusammenhang zwischen B12 und dem Alterungsprozess zu erklären.
In der ersten Studie, die im „Journal of Nutrition“ erschien, verabreichten Forscher ihren Mäusen nur wenig Vitamin B12 und untersuchten die Skelettmuskeln, die einen hohen Energiebedarf haben. Die Mitochondrien arbeiteten weniger effizient, produzierten weniger Energie und zeigten bei niedrigem B12-Spiegel Anzeichen einer Schädigung ihrer DNA.
Der Zusammenhang mit den Muskeln ist besonders wichtig für ältere Erwachsene. Mit zunehmendem Alter nimmt die Aufnahmefähigkeit für Vitamin B12 ab und ein Mangel tritt häufiger auf. Gleichzeitig steigt auch das Risiko einer Sarkopenie, also des Verlusts von Muskelmasse und -kraft, die die Selbstständigkeit und Lebensqualität beeinträchtigt.
„Wir haben gewissermaßen gezeigt, dass ein Vitamin-B12-Mangel oder eine -Unterversorgung eine Art zweiter Schlag für denselben Gewebetyp in dieser ohnehin schon gefährdeten Bevölkerungsgruppe darstellt“, sagte Martha Field, Mitautorin der Studie und Associate Professor an der Cornell University mit einem Doktortitel in Biochemie, gegenüber Epoch Times.
Die zweite Studie, veröffentlicht in „GeroScience“, untersuchte, ob eine Vitamin-B12-Supplementierung die Schäden rückgängig machen könnte. Zu diesem Zweck verabreichten die Forscher älteren Mäusen Vitamin B12, um zu prüfen, ob dadurch die Mitochondrienfunktion wiederhergestellt werden könnte. Und tatsächlich ging ein verbesserter Vitamin-B12-Status mit einer besseren Mitochondrienfunktion in den Muskeln einher.
„Wir wissen, dass die Vitamin-B12-Aufnahme mit zunehmendem Alter sinkt und dass eine Mitochondrienfunktionsstörung ein Kennzeichen des Alterns ist“, erklärte Studienautorin Anna Thalacker-Mercer in einer E-Mail an Epoch Times. „Wenn es einen Zusammenhang zwischen der B12-Verfügbarkeit und den Mitochondrien bei älteren Erwachsenen gibt, gingen wir davon aus, dass eine Supplementierung den Rückgang umkehren könnte. Wir waren überrascht, wie deutlich das Ergebnis ausfiel“, so die außerordentliche Professorin für Zell-, Entwicklungs- und integrative Biologie.
Beide Forscherinnen wiesen darauf hin, dass es sich hierbei um Tierstudien handelt, die keinen Nachweis für eine Wirkung beim Menschen liefern. Das Team von Thalacker-Mercer führt derzeit randomisierte Kontrollstudien am Menschen durch. Mit ihnen wollen die Studienautoren untersuchen, ob eine Vitamin-B12-Supplementierung tatsächlich die Mitochondrienfunktion oder die Muskelgesundheit bei alternden Menschen verbessert.

Warum wir einen Vitamin-B12-Mangel leicht übersehen

Vitamin B12, das auch Cobalamin heißt, wird von Mikroorganismen gebildet. Es gelangt dann über die Nahrungskette hinauf zu uns, wobei Fleisch, Eier und Milchprodukte die besten natürlichen Quellen für das Vitamin sind. Der Mensch produziert es nicht selbst und muss es über die Nahrung sowie angereicherte Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel aufnehmen.
B12 wird in der Leber gespeichert, die einen Vorrat für mehrere Jahre bereithalten kann. Dies ist einer der Gründe, warum sich ein Mangel langsam entwickeln und lange Zeit unbemerkt bleiben kann.
Eine ausreichende Versorgung hängt nicht nur davon ab, wie viel Vitamin B12 unsere Nahrung enthält. Wichtig ist auch, ob wir es aufspalten und aufnehmen können.
Unsere Fähigkeit, Nährstoffe effektiv aufzunehmen, nimmt mit zunehmendem Alter tendenziell ab. Genauso verhält es sich mit der nötigen Menge an Magensäure. Diese hilft, B12 aus der Nahrung freizusetzen, damit unser Körper es aufnehmen und verwerten kann. 
Ferner kommen bei älteren Menschen häufig Medikamente zum Einsatz, die die Aufnahme beeinträchtigen. Dazu gehören Metformin bei Typ-2-Diabetes und Protonenpumpenhemmer, auch Säureblocker genannt, die dafür sorgen, dass der Körper weniger Magensäure bildet.

Wir brauchen nur winzige Mengen an Vitamin B12

Die gute Nachricht ist, dass wir nur winzige Mengen an B12 benötigen, nämlich etwa 4 Mikrogramm (μg) täglich für Erwachsene. Der Bedarf steigt bei schwangeren und stillenden Frauen auf 4,5 μg beziehungsweise 5,5 μg. Um das in Relation zu setzen: Ein Sandkorn wiegt etwa 175 μg. Das bedeutet, dass die täglich benötigte Vitamin-B12-Menge für Erwachsene etwa 1/44 eines einzelnen Sandkorns beträgt.
In der Praxis lässt sich der tägliche Vitamin-B12-Bedarf durch den Verzehr von vier bis fünf Eiern, 200 Gramm Thunfisch, 100 Gramm Rindfleisch oder 100 Gramm Sardinen decken. Wer hochkonzentrierte Optionen bevorzugt: Bereits eine einzige gedämpfte Muschel oder ein Bissen Rinderleber reicht aus. Wer nach pflanzlichen Quellen sucht: Zwei Esslöffel angereicherte Nährhefe liefern 39 μg – fast das Zehnfache des täglichen B12-Bedarfs, sodass bereits eine kleine Prise ausreicht.

Symptome, auf die man achten sollte

Laut dem Biochemiker Martin Warren ähneln viele der Symptome eines B12-Mangels oder einer -Unterversorgung denen anderer Mikronährstoffmängel sowie den Symptomen des Alterns.
Die Symptome entwickeln sich langsam, was ihre Ursache unklarer macht. Viele Menschen würden sie möglicherweise auf normale Zeichen des Alterns zurückführen, so der Professor an der University of Kent, der sich auf B12-Forschung spezialisiert hat, in einer E-Mail an Epoch Times.
Ein Mangel an Vitamin B12 kann körperliche, neurologische und psychische Beschwerden verursachen. Die häufigsten sind:
  • Kribbeln in Händen und Füßen,
  • Erschöpfung und Müdigkeit,
  • Gehirnnebel,
  • Gedächtnisschwäche,
  • belegte Zunge,
  • Gleichgewichtsstörungen,
  • Koordinationsstörungen,
  • Schwierigkeiten beim Gehen,
  • Muskelschwäche, 
  • Depression und Stimmungsschwankungen.
Weitere mögliche Symptome sind:
  • Atemnot,
  • Sehstörungen,
  • Gewichtsverlust.
Diese Beschwerden können auf eine Vielzahl von Ursachen zurückzuführen sein, die über einen Vitamin-B12-Mangel hinausgehen. Wer unter ihnen leidet, sollte sich an seinen Arzt wenden, um die Ursache zu ermitteln.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „How Low B12 Can Mimic Signs of Aging“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Warum Narzissten im Beruf oft Karriere machen


In Kürze

  • Leichter Narzissmus bei Führungskräften geht einher mit Zufriedenheit des Teams.
  • Zu viel Narzissmus führt zu Rivalität und Unzufriedenheit der Mitarbeiter.
  • Narzisstische CEOs berufen tendenziell weitere Narzissten in den Vorstand.
  • Studie rät die Auswahlverfahren für Führungskräfte zu überprüfen und neu zu bewerten.

 
Ein bisschen Narzissmus kann in einer leistungsorientierten Arbeits- und Wirtschaftswelt vorteilhaft sein. Das zeigt eine Studie, geleitet von Professor Gerhard Blickle, Professor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Bonn.
In dieser wurden aus einer breiten Schicht vom produzierenden Gewerbe über den öffentlichen Dienst bis zu Handel und Logistik untersucht, wie sich verschiedene Dosierungen von Narzissmus auf die Beschäftigten auswirken.
Blickles Überlegungen hierzu: „Es gibt auch in diesem Phänomen Aspekte, die funktional sein können. Etwa, wer wirkliche Probleme lösen will, der braucht Selbstbewusstsein, das Gefühl einer Berufung ‚Ich kanns‘ und die Bereitschaft, etwas durchzufechten“.
Insgesamt beteiligten sich 1259 direkt unterstellte an der Umfrage. Die Studie zeigt, dass ein weniger stark ausgeprägter Narzissmus bei Führungskräften mit einer guten Zufriedenheit des Teams einhergeht.
Dagegen führt ein Zuviel an Narzissmus zu aggressiver Rivalitätsneigung und Unzufriedenheit der Mitarbeiter.

Museums-Direktorin Ortrud Westheider vor dem Caravaggio-Gemälde «Narziss».

Foto: Jörg Carstensen/dpa

Laut dem umfassenden medizinischen Nachschlagewerk „MSD-Manual“, zeichnet sich die narzisstische Persönlichkeitsstörung durch ein anhaltendes Gefühl der eigenen Wichtigkeit (Grandiosität) gepaart mit einem extremen Bedürfnis nach Bewunderung und einen eklatanten Mangel an Empathie aus.

Die Ursachen des Narzissmus

Der Begriff und Name Narziss stammt aus der griechischen Mythologie. Er bezeichnet einen schönen Jüngling, der sich in sein eigenes Spiegelbild im Wasser verliebte, vor Sehnsucht starb und in eine Narzisse verwandelt wurde.
In einer großen niederländischen Studie heißt es:
„Narzisstische Menschen fühlen sich anderen gegenüber überlegen, schwelgen in Fantasien über persönliche Erfolge und sind der Überzeugung, dass ihnen eine Sonderbehandlung zusteht. Wenn sie sich gedemütigt fühlen, reagieren sie oft aggressiv oder sogar gewalttätig.“
Die Wurzeln des Narzissmus sind vielfältig und komplex. Genetische Veranlagung trifft dabei auf prägende frühkindliche Erlebnisse. Doch laut den Studienautoren, entwickeln Kinder vor allem dann narzisstische Züge, wenn sie von ihren Eltern vergöttert und auf ein Podest gehoben werden.

Die Formen des Narzissmus

Unter Narzissmus wird demnach zumeist dessen grandiose Form verstanden, welche mit den bekannten Verhaltensweisen wie Selbstidealisierung, Anspruch Haltung, Arroganz und Dominanz einhergeht.
Weniger bekannt hingegen, ist die vulnerable Form des Narzissmus. Er zeichnet sich aus durch Verhaltensweisen wie Introvertiertheit und eine hohe Ausprägung neurotizistischer Eigenschaften wie Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Depressivität, Gefühlslabilität, Impulsivität und Empfindlichkeit gegenüber Stress. Menschen mit dieser Prägung zeigen sich im Verhalten wegen ihrer leichten Beschämbarkeit und Ängsten eher zurückhaltend und defensiv.
Professor Dr. Claas-Hinrich Lammers, der zwei Bücher über narzisstische Störungen und den Umgang damit geschrieben hat, erklärt:
„Erst wenn die narzisstischen Eigenschaften mit einem ausgeprägten vulnerablen Selbst einhergehen und die betreffenden Personen zu Aggressivität und Abwertung neigen, muss man von einer maladaptiven bzw. krankhaften Form des Narzissmus sprechen.“

Der narzisstische Führungsstil

In klassischen Bewerbungsverfahren können narzisstische Persönlichkeiten durch exzellente Selbstdarstellung herausragen. Sie nutzen mitunter strategische Manipulation und umgehen damit häufig Hierarchien.
Nilüfer Aydin, Professorin für Sozialpsychologie an der Alpen-Adria Universität, verdeutlicht die Wechselwirkungen von Neid, kontraproduktivem Arbeitsverhalten und narzisstischen Führungskräften. Sie assoziiert „ideale Vorgesetzte“ mit wertschätzendem, gerechtem Verhalten gegenüber Mitarbeitern. Das Aussprechen von Lob und Anerkennung gehört dazu.
Der narzisstische Führungsstil kennzeichnet sich hingegen „durch eher ausgrenzendes, nicht mitarbeiterorientiertes Führungsverhalten. Narzisstische Führungskräfte verbuchen gerne Erfolge oder Ideen anderer als ihre eigenen und interessieren sich kaum für die Wünsche und Interessen anderer. Machtstreben, Selbstzentriertheit und eine gewisse Rücksichtslosigkeit prägen ihr Verhalten“.

Der Gleich- und Gleich-Effekt

Ein Forschungsteam um Professor Lorenz Graf Vlachy von der technischen Universität Dortmund fand heraus: Narzisstische CEOs berufen tendenziell weitere Narzissten in den Vorstand. Für die Analyse untersuchten die Wissenschaftler tausende LinkedIn-Profile von US-amerikanischen Top-Managern. Die Studie ist 2024 in der Fachzeitschrift Journal of Management veröffentlicht worden.
Die Untersuchung offenbart für die Forscher eine erstaunliche Tendenz: „CEOs mit einem höheren Maß an Narzissmus berufen Mitglieder in ihr Vorstandsteam, die ihre eigenen Charaktereigenschaften widerspiegeln – also ebenfalls narzisstische Züge zeigen.“ Die Forscher zeigten, ein höherer Grad an Narzissmus des CEO ist mit einem um 18 Prozent stärker ausgeprägten Narzissmus jeder neu eingestellten Führungskraft verbunden.

Folgen für Unternehmen

Studienleiter Graf Vlachy erklärt, dass Vorstandsteams mit narzisstischen Managern eine deutlich höhere Fluktuation aufweisen, was zu erheblichen Kosten für ein Unternehmen führen kann. Weiterhin wirke sich diese Problematik auf die Dynamik und Stabilität des Teams aus.
Narzisstische Persönlichkeiten agierten in der Interaktion untereinander mit Dominanzverhalten. Dies könne weiterhin zu Konflikten und einer hohen Fluktuation in den Vorständen führen.
Studienleiter Graf Vlachy resümiert, dass ein Verständnis der Dynamiken in den Vorstandsteams wesentlich sei und CEOs sowie Aufsichtsräte das Auswahlverfahren für Führungskräfte mit einer entsprechenden Überprüfung neu bewerten sollten.

Unterstützung und Rückhalt für Beschäftigte

Die sogenannte „Workplace Victimization Theory“ (Theorie der Viktimisierung am Arbeitsplatz) postuliert, dass manche Beschäftigte ein höheres Risiko haben, Opfer destruktiver Führung zu werden. Die Psychologinnen Theresa Fehn und Astrid Schütz schreiben:
„Zum einen werden besonders zurückhaltende, unterwürfige Personen als ‚einfache Opfer‘ für Aggression und Abwertung wahrgenommen. Andererseits nehmen Führungskräfte mit hoher narzisstischer Rivalität dominantes oder provokatives Verhalten von Beschäftigten leicht als Angriff auf ihre vermeintliche Überlegenheit und ihren Status wahr und reagieren mit destruktivem Führungsverhalten, um ihr angekratztes Selbstbild wieder herzustellen. “
Die Psychologinnen raten zu proaktiver Stressbewältigung (Coping) oder Resilienztrainings, um mit destruktivem Führungsverhalten klarzukommen.
  • Emotionales Coping: Hier liegt der Fokus auf dem Reduzieren oder Regulieren der eigenen emotionalen Reaktionen.
  • Kognitives Coping: Beinhaltet, die eigenen Gedanken und Denkmuster über den Stressor zu verändern.
  • Problemorientiertes Coping: Eine Strategie, die den aktiven Umgang mit dem Stressor aufzeigt.

Psychologe Hinterhuber: Narzissten sind schlicht ein „Risiko“

Für Psychologe und Professor Dr. Hans Hinterhuber bedeutet Führen, „den Mitarbeitern zu helfen, das Beste aus dem zu machen, was sie am besten können“.
Hinterhuber und Kollegen haben im Buch „Persönlichkeit und Führungsverantwortung“ zahlreiche Bilder narzisstischer Führung unterschiedlichster Ausprägungen skizziert. Für den Professor sind Narzissten schlicht ein „Risiko“.
Die Dimension des Narzissmus reicht von der äußerst negativen über unterschiedlichste Zwischenschattierungen bis zur leicht ausgeprägten positiven Variante. Je nach Gewichtung mit entsprechend hohen oder geringem Risiko für das Unternehmen.
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Ifo-Präsident Fuest fordert einheitliche Mehrwertsteuer: Wer gewinnt, wer verliert?


In Kürze:

  • Ifo-Präsident Clemens Fuest schlägt vor, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz abzuschaffen und niedrige Einkommen direkt zu entlasten.
  • Eine Modellrechnung zeigt: Ein einheitlicher Satz von 16,74 Prozent wäre aufkommensneutral, würde Geringverdiener aber relativ stärker belasten.
  • Weniger Ausnahmen könnten Bürokratie abbauen – wer tatsächlich gewinnt oder verliert, hängt vom Sozialausgleich und der Verwendung der Mehreinnahmen ab.

 
Ein Brot wird in Deutschland mit 7 Prozent Umsatzsteuer belastet, viele andere Waren und Dienstleistungen mit 19 Prozent. Auch Bücher, Hotelübernachtungen, der Nahverkehr und seit Anfang 2026 wieder Speisen in Restaurants profitieren von ermäßigten Sätzen.
Hinter dem scheinbar einfachen System stehen zahlreiche Ausnahmen, mit denen der Staat soziale, kulturelle, verkehrs- oder wirtschaftspolitische Ziele verfolgt.
Nun hat der Präsident des ifo Instituts in München, Clemens Fuest, in der „BILD“ den Vorschlag gemacht, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz abzuschaffen. Zukünftig sollen alle Waren einheitlich mit 19 Prozent besteuert werden. Haushalte mit niedrigen Einkommen, so der Fuest-Vorschlag, sollen stattdessen über direkte Transfers unterstützt werden. Der ifo-Chef schlägt konkret 360 Euro im Jahr als Ausgleich vor.
Dahinter steht die grundlegende Frage: Soll der Staat bestimmte Güter und Dienstleistungen für alle Verbraucher steuerlich verbilligen oder Menschen mit geringerem Einkommen gezielt unterstützen?
Dabei geht es um viel Geld.
Das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung hat das System des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes im Auftrag des Bundesfinanzministeriums untersucht.
Nach dessen Angaben aus einer Analyse vom April 2026 summieren sich die Steuermindereinnahmen durch ermäßigte Umsatzsteuersätze im Jahr 2026 auf rund 43,5 Milliarden Euro. Allein für Nahrungsmittel veranschlagt die Studie 27,99 Milliarden Euro. Eine Reform könnte deshalb erheblichen finanziellen Spielraum schaffen. Der Staat könnte zusätzliche Einnahmen behalten, für Sozialtransfers verwenden oder im Gegenzug den regulären Mehrwertsteuersatz senken.

Warum Deutschland zwei Steuersätze hat

Nach dem Umsatzsteuergesetz beträgt der reguläre Satz 19 Prozent, für zahlreiche gesetzlich bestimmte Umsätze gelten 7 Prozent. Deutschland bewegt sich damit unter dem Mittelwert des regulären Mehrwertsteuersatzes der EU-Mitgliedländer.
Die EU schreibt für den regulären Satz eine Untergrenze von 15 Prozent vor und erlaubt ermäßigte Sätze für ausgewählte Waren und Dienstleistungen.
Deutschland könnte sein System daher tatsächlich deutlich vereinfachen. Dass es auch anders geht, zeigt Dänemark: Dort gilt grundsätzlich ein Satz von 25 Prozent, einen allgemeinen ermäßigten Mehrwertsteuersatz gibt es nicht.
Die Begründungen für die deutschen Ausnahmen unterscheiden sich allerdings. Bei Lebensmitteln steht die soziale Entlastung im Vordergrund, bei Büchern und Zeitungen kommen kulturpolitische Ziele hinzu.
Der niedrigere Satz im Nahverkehr soll auch verkehrs- und umweltpolitische Zwecke unterstützen. Andere Vergünstigungen sollen bestimmte Wirtschaftszweige entlasten. Diese vielen Ziele haben ihren Preis.
Zudem erscheinen die Regelungen für Konsumenten und Händler nicht immer nachvollziehbar. So fallen für Kartoffeln, Leitungswasser und Äpfel 19 Prozent an, für Süßkartoffeln, Mineralwasser und Apfelsaft aber nur 7 Prozent. Beim Erwerb von einem Kaffee mit wenig Milch gilt der volle Satz, bei einem mit einem hohen Milchanteil hingegen der verminderte. Für eine Brille werden 19 Prozent dazugeschlagen, für ein Hörgerät aber nur 7 Prozent.
Nach Angaben des ZEW machen unterschiedliche Mehrwertsteuersätze zudem Unternehmen und Behörden mehr Arbeit. Sie führen zu Abgrenzungsproblemen und höheren Kosten bei der Anwendung der Steuervorschriften. Weniger Ausnahmen könnten diesen Aufwand verringern.

Lebensmittel sind ein schwieriger Fall

Sozialpolitisch wird eine Vereinheitlichung vor allem bei Lebensmitteln problematisch. Haushalte mit niedrigen Einkommen geben einen größeren Teil ihrer Konsumausgaben für Lebensmittel aus.
Bei Haushalten mit weniger als 1.000 Euro monatlichem Nettoeinkommen entfielen 2023 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 18,3 Prozent der Konsumausgaben auf Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren. Bei Haushalten mit mindestens 5.000 Euro waren es 13,2 Prozent.
In absoluten Eurobeträgen sieht das Bild jedoch anders aus. Haushalte mit weniger als 1.000 Euro Nettoeinkommen gaben 2023 durchschnittlich 205 Euro im Monat für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren aus. Bei Haushalten mit mindestens 5.000 Euro Nettoeinkommen waren es 628 Euro. Aus diesen Zahlen allein lässt sich allerdings noch nicht ableiten, wie stark die einzelnen Einkommensgruppen vom ermäßigten Mehrwertsteuersatz profitieren.
Genau dieses Spannungsverhältnis zeigt die ZEW-Simulation. Durch den ermäßigten Steuersatz spart eine Person aus der niedrigsten untersuchten Einkommensgruppe im Durchschnitt 9,91 Euro im Monat, in der höchsten Einkommensgruppe sind es 16,79 Euro.
Gemessen am Einkommen kehrt sich das Verhältnis jedoch um: Die Entlastung entspricht bei niedrigen Einkommen 1,21 Prozent, bei hohen Einkommen nur 0,28 Prozent.
Besserverdienende profitieren in Euro gerechnet somit stärker. Für Menschen mit niedrigen Einkommen fällt die Entlastung relativ zum Einkommen jedoch mehr ins Gewicht.
Das ZEW hält den ermäßigten Steuersatz auf Lebensmittel deshalb aus verteilungspolitischer Sicht für begründbar. Zugleich könnten nach Einschätzung der Forscher andere Instrumente dieses Ziel gezielter und kostengünstiger erreichen.

Ein einheitlicher Satz von 16,74 Prozent

In der politischen Debatte entsteht leicht der Eindruck, die einzige Alternative zum heutigen System seien 19 Prozent auf Lebensmittel und alle anderen bislang begünstigten Güter. Zwingend ist das nicht.
Das ZEW hat auch eine aufkommensneutrale Reform berechnet. Dabei würden sämtliche ermäßigten Steuersätze abgeschafft und die zusätzlichen Einnahmen dazu verwendet, den regulären Satz zu senken. Nach der Modellrechnung könnte dann ein einheitlicher Mehrwertsteuersatz von 16,74 Prozent gelten.
Für Verbraucher hätte eine solche Anpassung unterschiedliche Folgen. Wer einen großen Teil seines Geldes für Lebensmittel und andere heute ermäßigt besteuerte Produkte ausgibt, würde stärker belastet. Wer dagegen überwiegend Waren und Dienstleistungen kauft, auf die heute 19 Prozent entfallen, könnte von dem niedrigeren einheitlichen Satz profitieren.
Die Modellrechnung zeigt allerdings, dass Haushalte mit niedrigen Einkommen stärker belastet würden. Bei den einkommensschwächsten 10 Prozent entspricht die zusätzliche Belastung laut ZEW 0,66 Prozent des Einkommens, bei den einkommensstärksten 10 Prozent nur 0,05 Prozent.
Für die Berechnung nimmt das Institut an, dass Unternehmen 80 Prozent einer Mehrwertsteueränderung über höhere oder niedrigere Preise an die Verbraucher weitergeben. Zudem berücksichtigt es, dass Verbraucher ihr Kaufverhalten bei veränderten Preisen anpassen. Ein einheitlicher Steuersatz könnte das System zwar vereinfachen, würde ohne zusätzlichen Ausgleich aber vor allem Menschen mit niedrigen Einkommen stärker treffen.

Unternehmen: Weniger Bürokratie, neue Belastungen

Auch für deutsche Unternehmen gäbe es Gewinner und Verlierer. Unternehmen in bisher begünstigten Branchen könnten stärker belastet werden. Steigt der Steuersatz etwa in Gastronomie, Hotellerie oder Teilen des Kulturbereichs, stellt sich die Frage, wie viel davon auf die Kunden abgeladen werden kann. Wo der Wettbewerb Preiserhöhungen erschwert, kann ein Teil der zusätzlichen Steuer die Unternehmensmargen belasten.
Von einem niedrigeren regulären Mehrwertsteuersatz würden nicht nur Verbraucher profitieren. Auch bestimmte Unternehmen hätten geringere Kosten.
Normalerweise können Unternehmen die Mehrwertsteuer, die sie etwa beim Kauf von Waren oder Dienstleistungen zahlen, mit ihrer eigenen Umsatzsteuerschuld verrechnen. In einigen Branchen ist das jedoch nicht oder nur eingeschränkt möglich.
Das betrifft laut ZEW beispielsweise Teile der Finanz-, Versicherungs- und Vermietungswirtschaft. Sinkt der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 auf 16,74 Prozent, werden für diese Unternehmen bestimmte Einkäufe und Dienstleistungen günstiger. Ein Teil der Entlastung käme deshalb zunächst ihnen und nicht den privaten Haushalten zugute.

Ohne Sozialausgleich verlieren niedrige Einkommen

Sollten auch Lebensmittel künftig, wie von ifo-Präsident Fuest vorgeschlagen, dem regulären Satz unterliegen, könnte die Mehrbelastung niedriger Einkommen durch Transfers ausgeglichen werden. Dahinter steht die Überlegung, nicht mehr jedes Brot oder jeden Liter Milch unabhängig vom Einkommen des Käufers steuerlich zu begünstigen, sondern das Geld gezielt an bedürftige Haushalte zu geben.
Die OECD kommt in einer Untersuchung von 20 Mitgliedstaaten vor über zehn Jahren zu einem ähnlichen Ergebnis. Ermäßigte Mehrwertsteuersätze auf Lebensmittel und Energie entlasten Haushalte mit niedrigen Einkommen relativ stärker. Dennoch bezeichnet die OECD solche Steuersätze als „ein sehr ungeeignetes Instrument, um einkommensschwache Haushalte gezielt zu unterstützen“. Denn auch wohlhabende Haushalte profitieren von der Vergünstigung.
Direkte Transfers könnten einkommensschwache Haushalte zielgerichteter entlasten. Ganz einfach wäre ein solcher Ausgleich jedoch nicht. Die OECD weist in einer späteren Studie darauf hin, dass es in der Praxis schwierig sein dürfte, alle – und nur die – Verlierer einer Reform zu entschädigen.
Der Grund: Wie stark ein Haushalt durch höhere Mehrwertsteuersätze belastet wird, hängt davon ab, welche Waren und Dienstleistungen er tatsächlich kauft. Zwei Haushalte mit gleichem Einkommen können deshalb unterschiedlich stark betroffen sein.
Damit verschiebt eine einheitliche Mehrwertsteuer letztlich Aufgaben aus dem Steuersystem in die Sozialpolitik.
Genau hier setzt Fuests Vorschlag an: Haushalte mit niedrigen Einkommen sollen einen direkten Ausgleich erhalten. Die verbleibenden Mehreinnahmen könnten genutzt werden, um den regulären Mehrwertsteuersatz um bis zu zwei Prozentpunkte zu senken oder die Bürger über eine Reform der Einkommensteuer zu entlasten.
Aus der Abschaffung des ermäßigten Satzes würde damit nicht zwangsläufig eine reine Steuererhöhung, sondern eine Neuverteilung der Steuerlast. Wer dabei gewinnt oder verliert, entscheidet sich letztlich daran, wie der Sozialausgleich gestaltet wird und was mit den zusätzlichen Steuereinnahmen geschieht.
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Treibstoffpreise in Deutschland: Warum Benzin und Diesel so teuer sind


In Kürze:

  • Hohe Preise: Super kostete am Samstag 2,20 Euro, Diesel 2,22 Euro pro Liter.
  • EU-Vergleich: Deutschland liegt beim Sprit deutlich über dem europäischen Durchschnitt.
  • Steuern: Energiesteuer und CO₂-Preis machen einen erheblichen Teil des Tankstellenpreises aus.
  • Politischer Streit: Grüne und SPD fordern eine Übergewinnsteuer, Wirtschaftsministerin Reiche lehnt sie ab.

 
Die Treibstoffpreise in Deutschland bleiben auf einem hohen Niveau. Die Plattform „Benzinpreis-Aktuell.de“ wies am Samstagmorgen, 15. August, einen bundesweiten Durchschnittspreis für Superbenzin von 2,20 Euro aus. E10 stand bei 2,14 Euro und Diesel bei 2,22 Euro pro Liter.
Für die Woche bis zum 10. August meldete die EU-Kommission einen Durchschnittspreis in Mitgliedsländern von etwa 1,91 Euro für Benzin und 2,01 Euro für Diesel. Damit lag das Preisniveau in Deutschland rund 13 Prozent beziehungsweise etwa 10 Prozent über dem EU-Mittel.
Beim Superbenzin lag Deutschland laut „clever-tanken.de“ in der 33. Kalenderwoche auf Platz vier der teuersten Länder in Europa hinter Dänemark, den Niederlanden und Finnland. Beim Diesel war das Preisniveau in Finnland, den Niederlanden, Frankreich, der Schweiz und Belgien noch höher.

Deutsche Preise für Sprit EU-weit im Spitzenfeld

Zu den günstigsten Ländern der EU bei den Treibstoffpreisen zählen weiterhin Schweden und Malta mit zuletzt 1,31 Euro für Super (Schweden) und 1,21 Euro für Dieselkraftstoff (Malta). Im untersten Bereich finden sich auch Bulgarien, Zypern, Ungarn und Luxemburg. Grund für die niedrigen Preise sind dort hauptsächlich staatliche Interventionen und die Steuerpolitik.
So legt Malta staatliche Höchstpreise für Treibstoffe fest und arbeitet mit Subventionen über den staatlichen Haushalt, um diese zu gewährleisten. Schweden hat seit 2025 die Verpflichtung zur Beimischung von Biokraftstoffen auf das EU-weite Mindestmaß abgesenkt sowie die Kraftstoffsteuer reduziert.

Energiesteuer und CO₂-Preis treiben die Belastung

Die deutsche Bundesregierung hält an ihrer Steuerpolitik auf Treibstoffe fest, nachdem es Anfang Mai für zwei Monate den sogenannten Tankrabatt eingeführt hatte. Bedingt durch die Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel sank der Preis um 14,04 Cent. Seit dem Ende dieser vorübergehenden Maßnahmen sind die Preise deutlich in die Höhe geschossen – beim Benzin teilweise wieder über das Niveau vom April.
Die feste Energiesteuer in Deutschland beträgt 65,45 Cent pro Liter Benzin und 47,04 Cent pro Liter Diesel. Diese Steuer fällt unabhängig von der Höhe des Rohölpreises an. Weitere 15,7 bis 18,6 Cent pro Liter Benzin und 17,3 bis 20,5 Cent pro Liter Diesel entfallen laut ADAC auf die nationale CO₂-Abgabe.
Auf den gesamten Nettopreis einschließlich Energiesteuer kommt eine zusätzliche Belastung von 19 Prozent Mehrwertsteuer. Der gesamte Steueranteil am Treibstoffpreis in Deutschland beträgt laut „Statista“ somit rund die Hälfte des Preises an der Zapfsäule. Das exakte Ausmaß hängt von Faktoren wie Kraftstoff, CO₂-Preis und dem jeweiligen Nettomarktpreis ab.

Niedrigwasser lässt Preis für Treibstoff weiter steigen

Kurzfristig wirken neben dem Irankrieg und dem dadurch beeinflussten Ölpreis auch andere Faktoren preistreibend. Dazu gehört das Niedrigwasser auf dem Rhein, der einen bedeutenden heimischen Transportweg für Öl und Kraftstoffe darstellt. Aufgrund der niedrigen Pegel können Tankschiffe weniger Ladung transportieren – was die Logistikkosten in die Höhe treibt.
Dazu kommen hohe Raffineriemargen und knappere Dieselangebote. Der Internationalen Energieagentur zufolge trugen im Juli höhere saisonale Nachfrage, niedrige Lagerbestände, Produktionsausfälle sowie geringere Exporte aus Russland, dem Nahen Osten und Asien dazu bei. Über die Straße von Hormus wird nicht nur Rohöl transportiert, sondern die Spannungen betreffen auch große Mengen bereits raffinierter Kraftstoffe.
Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge sprach angesichts der hohen Treibstoffpreise diese Woche von „Abzocke“. Sie wirft den Mineralölkonzernen vor, für die erheblichen Belastungen verantwortlich zu sein, und fordert eine Übergewinnsteuer. Damit schließt sie sich einer Forderung von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig an. Die SPD-Politikerin forderte diese Woche neben einer Übergewinnsteuer auch eine Spritpreisbremse.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hingegen hat solche Maßnahmen im Frühjahr als „teuer, wirkungsschwach und verfassungsrechtlich fragwürdig“ bezeichnet.

Tankstellenverband fordert Ende der 12-Uhr-Regel

Der Verband der freien Tankstellen sprach sich diese Woche für ein Ende der 12-Uhr-Regel aus. Einer Umfrage zufolge hatten sich zwei Drittel der befragten Mitgliedsunternehmen für eine vollständige Abschaffung der Regel ausgesprochen.
Ein weiteres knappes Siebtel fordert eine grundlegende Überarbeitung. Verbandschef Carsten Müller erklärt, der Gesetzgeber schaffe dadurch „künstliche Spitzen und Leerzeiten, anstatt den Wettbewerb zu verbessern“. An der Umfrage beteiligten sich 132 Unternehmen mit zusammen mehr als 850 Tankstellen. Das ist rund ein Viertel der Verbandsmitglieder.
Die Bundesregierung hatte die 12-Uhr-Regel zum 1. April diesen Jahres als Entlastungsmaßnahme eingeführt, um die seit dem Irankrieg gestiegenen Preise für Benzin und Diesel unter Kontrolle zu bringen. Die Preise dürfen seitdem einmal täglich um 12 Uhr erhöht werden. Laut einer Kleinen Anfrage habe aus Sicht der Regierung die Maßnahme die „Verlässlichkeit der Preisinformationen für die Endkundinnen und Endkunden“ gestärkt.
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Schuppenflechte: Warum Salben oft versagen – und was wirklich hinter den Ausbrüchen steckt

Ich erinnere mich gut an Frau M., eine 42-jährige Patientin, die eines Morgens in meine Praxis kam, die Hände verkrampft ineinander verschränkt. Ihre Schuppenflechte-Erkrankung (Psoriasis) war außer Kontrolle geraten.
Die Haut an ihren Ellenbogen war entzündet, die Stellen am Kopf brannten; nachts wachte sie auf, weil die Schuppen sich lösten und das Kissen blutig wurde. Den Juckreiz beschrieb sie als unerträglich. Doch während sie sprach, wurde mir klar, dass die Haut nur die Oberfläche war.
Sie erzählte von der Pflege ihrer demenzkranken Mutter, von einem Job, der sie überforderte, von einer Ehe, die seit Jahren unter Schweigen litt. Sie schlief kaum noch, aß unregelmäßig und fühlte sich ständig gehetzt.
„Ich habe das Gefühl, mein Körper schreit“, sagte sie. Und so wusste ich: Die Haut war nicht das Problem. Sie war der Bote.

Die Haut als Spiegel eines überlasteten Systems

Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine chronisch-entzündliche, nicht ansteckende Erkrankung, die sich schubweise als gerötete, schuppende, schmerzhafte und juckende Hautstellen manifestiert. Die Erkrankung ist genetisch bedingt und kann verschiedene Auslöser haben.
Dazu zählen in klassischen Fällen verschiedene Hautreizungen, oft unter dem Namen Köbner-Phänomen zusammengefasst. Darunter fällt beispielsweise ein Aufflammen der Psoriasis nach Schnitten, Insektenstichen, Sonnenbrand oder als Reaktion auf Shampoos oder Kosmetik.
Bei schwerwiegenden Schüben, wie bei Frau M., beginnt es meiner Erfahrung nach aber selten mit Reizen auf der Haut. Viele Patienten berichten von einer Phase der Überlastung, von Konflikten, Schlafmangel, beruflichem Druck oder familiären Belastungen vor den Schüben. Erst danach erscheinen die roten, schuppenden Stellen, die brennen, jucken und sich ausbreiten.
Früher galt Schuppenflechte als reine Hautkrankheit. Doch aus ganzheitsmedizinischer Sicht wurde sie schon lange als das Endprodukt eines überlasteten Immunsystems, eines gestörten Stresssystems und einer Lebensrealität, die den Körper permanent überfordert, betrachtet.
Die moderne Forschung bestätigt, dass Schuppenflechte weit mehr ist als eine dermatologische Erkrankung. Mehrere Studien belegen, dass Patienten deutlich erhöhte systemische Entzündungsmarker aufweisen – unabhängig davon, wie die Haut aussieht.

Die Rolle der Darm-Haut-Achse

Auch die Darm-Haut-Achse spielt eine wichtige Rolle beim Auftreten von Schuppenflechte. Die im Jahr 2015 veröffentlichte Studie von Scher und Kollegen zeigt, dass Patienten charakteristische Veränderungen der Darmflora aufweisen, die dafür bekannt sind, immunologische Fehlregulationen zu begünstigen. Der Darm ist ein immunologisches Zentrum – wenn er aus dem Gleichgewicht gerät, kann eine Reaktion der Haut die Folge sein.
Es ist aus umfangreichen Forschungen zudem bekannt, dass sich das Darmmikrobiom durch Stress ebenfalls verändert, was bei Psoriasis-Patienten, wie bei Frau M., die einer großen Stressbelastung im Alltag ausgesetzt sind, zu einer Verschlechterung der Erkrankung beitragen kann.
Daher sollte meiner Empfehlung nach eine Darmsanierung in Form einer gezielten Unterstützung der Darmflora eine Basistherapie für Betroffene sein.
Hinzu kommt die stille Entzündung, die viele Patienten begleitet. Forscher konnten in einer im Jahr 2017 im Fachjournal Journal of the American Academy of Dermatology erschienenen Studie zeigen, dass Schuppenflechte eng mit metabolischen Störungen wie Insulinresistenz und chronischer Low-Grade-Inflammation (was umgangssprachlich als „stille Entzündung“ bezeichnet wird) verknüpft ist.
Auch in diesen Fällen kann es eine wichtige Unterstützung sein, die Darmflora wieder gezielt ins Gleichgewicht zu bringen.

Stress als unsichtbarer Brandbeschleuniger

Was mich in der Praxis immer wieder beeindruckt, ist die Macht des Stresssystems. Frau M. ist ein typisches Beispiel dafür: Ihre Haut entzündete sich nicht infolge eines äußeren Reizes, sondern wegen eines Lebens, das sie überforderte. Die Psoriasis war nicht nur eine schmerzende Krankheit auf der Haut – sie war ein Stressbarometer.
Frau M. ist in diesem Zusammenhang kein Einzelfall. Viele Patienten berichten, dass Schübe nach Konflikten, Schlafmangel, Überlastung oder emotionalen Krisen auftreten. Die Haut reagiert nicht isoliert – sie reagiert auf das Nervensystem.
Studien zeigen, dass Stress die Entzündungen fördert und Schuppenflechte-Schübe bei einem Teil der untersuchten Patienten verstärkt. Chronischer Stress verändert die Immunantwort, begünstigt Schwankungen des Stresshormons Cortisol und destabilisiert die natürliche Schutzschicht der Haut.

Die Kraft alter Heilmethoden im modernen Entzündungszeitalter

Klassische schulmedizinische Therapien bei Schuppenflechte umfassen je nach Schweregrad topische Anwendungen wie Cremes, die Kortison, Vitamin-D3-Analoga oder Salicylsäure enthalten, Lichtbehandlungen und in schwerwiegenderen Fällen systemische immunsuppressive oder immunmodulierende Medikamente.
In der ganzheitsmedizinischen Perspektive geht es darum, das Ganze zu betrachten. Nicht nur die entzündete und juckende Haut und die systemische Entzündung, sondern den ganzen Menschen, seine Belastungen, seine Lebensgeschichte, seine physiologischen und emotionalen Muster. Und genau hier finden traditionelle Heilmethoden ihren Platz – nicht als Ersatz für schulmedizinische Therapien, sondern als Erweiterung des Blicks.
Akupunktur etwa wird in modernen Studien zunehmend als regulierender Einfluss auf das Stress- und Immunsystem beschrieben. Untersuchungen zeigen, dass Akupunktur für viele Patienten zur Entspannung, Beruhigung des vegetativen Nervensystems und Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens beitragen kann.
Eine im Jahr 2018 veröffentlichte Tierstudie liefert Hinweise, dass Akupunktur auch neuroendokrine Achsen beeinflussen kann, die unter anderem auch bei Schuppenflechte überaktiv sind. Größere klinische Studien am Menschen dazu werden derzeit durchgeführt.
Auch die Homöopathie verdient in diesem Zusammenhang eine differenzierte Betrachtung. Viele Patienten berichten, dass homöopathische Behandlungen ihnen helfen, Stress zu reduzieren, den Schlaf zu verbessern und emotionale Belastungen zu verarbeiten – alles Faktoren, die im Zusammenhang mit dem Auftreten von Schuppenflechte stehen und, wie im Fall von Frau M., maßgeblich zur Verbesserung der Symptome beitrugen.
Forschungen in Bezug auf den Placeboeffekt zeigen, dass schon die therapeutische Begegnung selbst, wie beispielsweise persönliche Gespräche mit einem Arzt ohne aktive Medikamentengabe, physiologische Prozesse aktiviert, die Entzündung und Stress modulieren können. In der ganzheitsmedizinischen Sichtweise wird Homöopathie deshalb nicht nur aufgrund dieses Placeboeffekts eigesetzt, sondern als ein Schritt zu einem strukturierten Heilraum, der Körper und Psyche in einen Zustand bringt, in dem Heilung beginnen kann.

Vier Cremes, aber keine ganzheitliche Veränderung

Für eine nachhaltige Verbesserung der Schuppenflechte ist ein vollständiges Bild des Patienten aus Sicht der Ganzheitsmedizin unverzichtbar. Ein umfassender Fachbericht aus dem Jahr 2019 bestätigte ebenfalls, dass Psoriasis-Patienten, die interdisziplinär betreut werden, deutlich bessere Therapieerfolge erzielen.
Wenn mehrere Fachrichtungen zusammenarbeiten und sich austauschen, entsteht ein vollständigeres Bild des Menschen, das über einzelne Symptome hinausgeht. Doch in der Realität bleibt diese umfassende Zusammenarbeit trotz mehrerer Arztbesuche und elektronisch zugänglicher Patientendaten oft aus.
Frau M. war, bevor sie zu mir in die Praxis kam, bereits beim Hausarzt, Dermatologen, Rheumatologen und Gastroenterologen. Sie hatte drei Diagnosen und vier verschiedene Cremes. Die Symptome auf ihrer Haut wurden bereits behandelt, aber erst der ganzheitliche Blick auf ihre Lebensumstände, gezielte Stressreduktion und die Unterstützung ihres Darmmikrobioms brachten einen Durchbruch.

Fazit

Psoriasis ist keine reine Hautkrankheit. Sie ist eine Systemkrankheit, die im Immunsystem beginnt, vom Nervensystem beeinflusst wird, im Darm verstärkt wird und sich auf der Haut zeigt.
Mein Rat für Betroffene lautet: Beobachten Sie nicht nur Ihre Haut, sondern Ihr Leben.
Schübe entstehen oft dort, wo Stress, Schlafmangel, Konflikte oder Überlastung beginnen. Aus Sicht der Ganzheitsmedizin ist die Reaktion der Haut die Botschaft. Und diese Botschaft lautet: Der Körper braucht Entlastung, Balance, Stabilität und Zeit. Eine ganzheitliche Heilung beginnt daher nicht auf der Haut – sie beginnt im System.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker. (Redaktionelle Bearbeitung cs)
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Experiment im Labor: Zeit läuft vorwärts, langsamer oder steht still


In Kürze:

  • „Was ist Zeit?“ ist eine der ältesten Fragen, der Menschen seit mehr als 2.000 Jahren nachgehen.
  • Ein britischer Forscher hat in seinem Labor ein kleines Universum erschaffen und erstmals Zeit ohne Uhr gemessen.
  • Anhand 24.000 ultrakalter Atome erkannte er, dass Zeit vorwärts und langsamer laufen, aber auch stillstehen kann – je nachdem, wie viel Aufmerksamkeit wir ihr schenken.

 
Kennen Sie auch diesen Moment? Sie sitzen vor einer unangenehmen Aufgabe oder sehnen sich nach etwas, ein Blick zur Uhr, doch die Zeiger wollen sich einfach nicht bewegen. Es scheint fast, als stünde die Zeit still. Andererseits verfliegt sie, wenn man nicht ihr, sondern den schönen Dingen seine Aufmerksamkeit schenkt. Als wäre die Zeit, wie Albert Einstein glaubte, relativ.
Doch was ist eigentlich Zeit? Dies ist eine der größten Fragen der Wissenschaft, auf die Naturforscher, Philosophen und Theologen seit Jahrtausenden eine Antwort suchen. Um aus physikalischer Sicht einen Beitrag zu dieser Thematik zu liefern, hat ein Wissenschaftler der Universität Birmingham in seinem Labor ein „Mini-Universum“ erschaffen. Damit zeigt er, wie man den Fluss der Zeit messen kann, ohne dabei eine Uhr zu verwenden, und indirekt, wie sie sich verhält.

Die Frage aller wissenschaftlichen Fragen

Seit der Mensch seine Umgebung und ihre Gesetze erforscht, gibt es unterschiedliche Vorstellungen vom Wesen der Zeit. Zunächst sahen Gelehrte wie Platon (427–347 v. Chr.) oder Augustinus von Hippo (354–430) darin eine irdische „Erfindung“, womit die Zeit mit der Welt entsteht und vergeht. Diese Vorstellung ist auch im christlichen Glauben mit dem Tag des Jüngsten Gerichtes vertreten.
Später entwickelte sich die Idee hin zu einer absoluten Zeit, wie Isaac Newton (1643–1727) und Immanuel Kant (1724–1804) sie vertraten, wonach diese unabhängig von Mensch und Erde existiert.
Mit den technischen Fortschritten lieferten Naturwissenschaftler zahlreiche neue Theorien zur Zeit. Einer von ihnen war der Schweizer Physiker Albert Einstein mit seiner Relativitätstheorie. Er entdeckte, dass aufgrund unterschiedlich starker Bewegungen oder Gravitationsfelder die Zeit gefühlt und je nach Blickpunkt mal langsamer und mal schneller laufen kann.
Albert Einstein um 1921 in Wien

Für Albert Einstein war Musik ein wichtiger Teil in seinem Leben. Nicht nur ihr Empfinden, sondern auch ihre zeitliche Abfolge ist relativ.

Die Quantenmechanik scheint diese Theorie, dass Zeit relativ ist, zu unterstützen. So vergeht das Leben eines Menschen, der aus unzähligen Atomen besteht, im Laufe eines Jahrhunderts, während die winzigen Atome selbst nicht altern und zeitlos sind. Doch wie sieht das außerhalb der Erde aus?

Besitzt das Universum so etwas wie Zeit?

Einige physikalische Theorien, wie etwa die Wheeler-DeWitt-Gleichung (eine Kombination aus Quantenmechanik und Relativitätstheorie), legen nahe, dass dem Universum auf seiner tiefsten Ebene keine Zeit innewohnt.
Stattdessen existiere der Kosmos als einziger, unveränderlicher Quantenzustand, wo Teilchen sowohl wellenartige als auch teilchenartige Eigenschaften aufweisen. Dabei wird das Universum als Ganzes ohne externe Uhr betrachtet.
Jegliches Zeitgefühl müsse sich demnach aus den internen Beziehungen zwischen den Teilen ergeben, was auch als relationale Zeit bezeichnet wird. Diese Theorie war zwar nicht neu, jedoch noch nie direkt im Labor getestet worden. Das wollte Giovanni Barontini, Professor für Physik an der Universität Birmingham in England, mit seinem Mini-Universum im Labor ändern.
Giovanni Barontini, Professor für Physik an der Universität Birmingham, hat in seinem Labor ein „Mini-Universum“ erschaffen und erstmals Zeit ohne Uhr gemessen. Foto: University of Birmingham

Giovanni Barontini, Professor für Physik an der Universität Birmingham, hat in seinem Labor ein „Mini-Universum“ erschaffen und erstmals Zeit ohne Uhr gemessen.

Foto: University of Birmingham

Mini-Universum im Labor

Prof. Barontini nutzte dafür eine Wolke aus 24.000 ultrakalten Atomen, auch Bose-Einstein-Kondensat genannt. Sie weist eine Temperatur von nur wenigen Milliardstel Grad über dem absoluten Nullpunkt auf. Damit erschuf der Physiker ein hermetisch abgeschlossenes Quantensystem, das ein einfaches „Universum“ nachahmt.
Die Teilchen wurden mit einer durch einen Laserstrahl gebildeten dünnen Barriere eingefangen und geteilt, um einen beobachteten („hellen“) und einen unbeobachteten („dunklen“) Bereich zu erzeugen. Die Atome konnten sich zwischen dem „hellen“ und dem „dunklen“ Bereich bewegen, ansonsten war das System jedoch von der Außenwelt isoliert. Damit hatte es auch nichts, was als Uhr dienen konnte.

Die „Wolke“ im Inneren der Glaszelle ist eine magnetooptische Falle für Atome. Hier herrschen Temperaturen von etwa 0,0001 Grad über dem absoluten Nullpunkt.

Foto: University of Birmingham

Die Atome im „hellen“ Bereich bewegten sich in der Falle hin und her und flossen in regelmäßigen Abständen über die Barriere hinaus. Barontini bezeichnete diese Momente als „Urknall“. Kamen die Atome jedoch wieder zurück in die Barriere, bezeichnete der Physikprofessor dies als „Big Crunch“. Dabei handelt es sich um ein hypothetisches Szenario, bei dem sich die Expansion des Kosmos umkehrt.
Anschließend verfolgte er, wie Entropie – ein Maß für Unordnung oder Streuung der Atome und ihrem Verhalten innerhalb eines Systems – zwischen den beiden Hälften ausgetauscht wurde, während die Atome die Barriere überquerten. Anstatt eine Uhr im Labor zur Ordnung der Ereignisse heranzuziehen, entwickelte er eine „entropische Zeit“. Diese war ausschließlich dadurch definiert, wie viel Entropie zwischen den beiden Hälften des Systems floss.

Die drei Phasen der Zeit

Professor Barontini testete die Theorie der „entropischen Zeit“ anhand seines Universums im Labor und fand überraschend drei Phasen der Zeit:
  • floss Entropie, also nahm die Streuung der Teilchen im hellen Bereich zu oder ab, lief die Zeit vorwärts
  • verlangsamte sich der Austausch der Atome, verlangsamte sich auch die Uhr
  • erreichten beide Hälften ein Gleichgewicht, also gab es keinen Entropiefluss mehr, stand die Zeit still
„Die Studie liefert den ersten kontrollierten experimentellen Beweis dafür, dass ‚Zeit‘ durch Veränderungen innerhalb eines Systems definiert werden kann und nicht als die externe ‚tickende Uhr‘, die wir als Zeit verstehen“, erklärte Prof. Barontini.

Zeitgefühl erklärt durch Unwissenheit oder Schrödingers Katze

Sowohl die Zeit selbst als auch die Richtung, in die eine Zeit fließt (sogenannte Zeitpfeil), könnten demnach aus einer Quelle stammen: einem Beobachter, der auf Informationen verzichtet.
Als Barontini beschloss, den dunklen Bereich nicht zu betrachten, verzichtete er auf das Wissen über diese Hälfte des Systems. Dieser Akt der Unwissenheit, der in der Entropie kodiert ist, war es, der in der anderen Hälfte die Zeit entstehen ließ. Dies erinnert stark an Schrödingers Katze, die gleichzeitig tot und lebendig ist – je nachdem, ob man in den Karton sieht oder nicht.
„Sowohl die Zeit als auch der Pfeil der Zeit – vielleicht entstehen sie einfach aus Unwissenheit“, resümiert Barontini. „Um Zeit zu haben und zu beobachten, muss man auf gewisse Freiheitsgrade verzichten.“
Schenken wir in unliebsamen Momenten den Uhren also keine Aufmerksamkeit, können wir uns vielleicht künftig schneller den schönen Momenten im Leben widmen.
Die Studie erschien am 11. Juni 2026 in der Fachzeitschrift „Physical Review Research“.
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Die Kraft des Spielens: Warum Erwachsene das genauso brauchen wie Kinder

Kinder verbringen einen großen Teil ihrer Zeit mit Spielen. Und das zu Recht. Laut dem National Institute for Play (NIP) mit Sitz in Kalifornien ist „das Spielen entscheidend dafür, wie sich Menschen und andere Spezies entwickeln, funktionieren und innovativ sind“.
Das NIP erklärt, dass das Spielen tief in unseren Nervenstrukturen verankert ist. Es ist fest in unserer Biologie verwurzelt. Affektive Neurowissenschaftler haben sieben primäre emotionale Systeme identifiziert, mit denen wir geboren werden. Dazu gehört auch das Spielen. Spielkreisläufe im Mittelhirn aktivieren weitreichende neuronale Netzwerke und stärken somit die neuronalen Verbindungen, die mit Sozialisation, Bewegung und emotionaler Regulierung zusammenhängen.

Das Gehirn entwickelt sich spielend

Für Kinder ist die Spielzeit entscheidend für ihre Entwicklung und ihr Lernen – vom Kleinkind bis in die Jugend hinein und darüber hinaus. Spielen hilft Säuglingen dabei, ihre Koordination und ihre Blickverfolgungsfähigkeiten zu entwickeln, während Kleinkinder dadurch sowohl körperliche als auch emotionale Widerstandsfähigkeit aufbauen. Kinder, denen beim Spielen ein angemessenes Maß an Freiheit gewährt wird, entwickeln zudem Kreativität. Denn ihre grenzenlose Vorstellungskraft kann dann frei schweifen und sie können an allem in ihrer Umgebung Spaß haben. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Förderung spielerischer Neugier die Lernergebnisse verbessert, während ein Mangel an Spiel mit emotionalen und Verhaltensproblemen in Verbindung gebracht wird.
Durch Fantasie und Spiel beginnen Kinder, die Welt zu begreifen, zu träumen, zu gestalten und zu experimentieren. Sie lernen, dass einige der wichtigsten menschlichen Aktivitäten Dinge sind, die wir um ihrer selbst willen tun – aus purer Freude daran und nicht unbedingt, um praktische Ergebnisse zu erzielen. Das Spielen weckt zudem Interessen und Neigungen, die den Charakter prägen und sich zu lebenslangen Beschäftigungen oder sogar Berufen entwickeln können. Das Kind, das sich leidenschaftlich für Ritterspiele begeistert, studiert später vielleicht Geschichte, während dasjenige, das von Legosteinen fasziniert ist, einen Weg in Richtung Ingenieurwesen einschlägt. Auf diese Weise kann das Spielen zu einem Tor zur Berufung werden.

Auch Erwachsene dürfen spielen

Aber nicht nur Kinder brauchen Verspieltheit in ihrem Leben. Die biologische Veranlagung zum Spielen verschwindet nicht einfach mit dem Alter; wir alle brauchen ein gewisses Maß an Spaß im Leben. Das NIP stellt fest: „Spielen ist ein grundlegender biologischer, psychologischer und sozialer Mechanismus, der prägt, wie wir über die gesamte Lebensspanne hinweg lernen, uns anpassen, Beziehungen knüpfen und uns entfalten. […] Wenn Spielen fehlt oder dauerhaft unterdrückt wird, sehen Forscher einen Zusammenhang zwischen diesem Mangel und Depressionen, einer beeinträchtigten sozialen Entwicklung sowie Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation und beim Lernen.“
Die konkreten Vorteile für Erwachsene sind vielfältig. Unter anderem regt das Spielen die Kreativität an, baut stressbedingte Anspannung ab, verbessert die Gehirnfunktion und vertieft die Beziehungen zu anderen.
In seinem Buch „Essentialism: The Disciplined Pursuit of Less“ („Essentialismus: Die konsequente Suche nach Weniger“) empfiehlt der US-amerikanische Autor und Unternehmensstratege Greg McKeown Erwachsenen, insbesondere Berufstätigen, regelmäßig Zeit zum Spielen einzuplanen. Dazu müssen wir die Vorstellung ablehnen, dass Spielen trivial sei – ein Konzept, das wir uns aneignen, wenn wir die Kindheit hinter uns lassen.
Warum legt McKeown so großen Wert auf das Spielen? Zum einen hilft es uns, neue Denkweisen zu entwickeln. Das kann uns dabei unterstützen, Probleme zu lösen und in jedem Unterfangen herausragende Leistungen zu erbringen. McKeown schrieb über eine Studie mit Grizzlybären, die ergab, dass die Bären, die am meisten spielten, im Allgemeinen am längsten überlebten, da das Spielen sie darauf vorbereitet hatte, kreativ zu denken und Probleme zu lösen. Das Gleiche gilt für uns.
McKeown schreibt: „Spielen erweitert unseren Horizont auf eine Weise, die es uns ermöglicht, Neues zu erkunden: neue Ideen zu entwickeln oder alte Ideen in einem neuen Licht zu betrachten. Es macht uns neugieriger, aufgeschlossener für Neues und engagierter.“
Spielen ermöglicht es Menschen jeden Alters, neue Fähigkeiten zu erlernen und fördert gleichzeitig Experimentierfreude und lebenslange Neugier. Foto: Jevtic/iStock

Spielen ermöglicht es Menschen jeden Alters, neue Fähigkeiten zu erlernen, und fördert gleichzeitig Experimentierfreude und lebenslange Neugier.

Foto: Jevtic/iStock

Spielen für mehr Wohlbefinden

Aristoteles sagte bekanntlich: „Wir arbeiten, um Muße zu haben.“ Spiel und Muße sind zwar etwas unterschiedliche Kategorien, stehen aber in Zusammenhang, da beide als Ziel der Arbeit verstanden werden können – und nicht nur als Pausen von der Arbeit. Aristoteles vertritt hier die Ansicht, dass die wichtigsten, zutiefst menschlichen Dinge, die wir tun – zum Beispiel nach Wahrheit streben, mit anderen in Verbindung treten oder Schönheit schätzen –, nicht direkt mit den praktischen Aspekten der Arbeit verbunden sind. Vielmehr arbeiten wir, um die Möglichkeit zu haben, uns diesen befreienden, humanisierenden Aktivitäten zu widmen.
Das Spiel – auch wenn es weniger ernst ist als das, was Aristoteles als „Muße“ betrachtete – hilft uns dennoch dabei, uns daran zu erinnern, dass das Leben mehr zu bieten hat, als nur Ein- und Ausstempeln und sich anschließend auf das Sofa fallen zu lassen.
Beim Spielen geraten wir oft in einen „Flow-Zustand“, in dem die Zeit verschwindet und praktische Sorgen, Nöte und Ziele in den Hintergrund treten. Wir sind, wie ein Kind, einfach nur lebendig.
Spielen ist keine Frage des Alters. Foto: koldo studio/iStock

Spielen ist keine Frage des Alters.

Foto: koldo studio/iStock

Auch der gemeinschaftliche Aspekt des Spielens verdient besondere Beachtung. Die Teilnahme an interaktiven, unbeschwerten Aktivitäten bietet etwas, das eine Familie oder eine Gruppe von Freunden gemeinsam erleben kann. Aufgrund dieser Interaktivität entstehen durch das Spielen viel leichter Bindungen als durch das gemeinsame Starren auf einen Bildschirm oder, was wahrscheinlicher ist, auf getrennte Bildschirme.
Wie könnte das in der Praxis aussehen? Hier ein paar Ideen:
  • Organisieren Sie einen Spieleabend mit der Familie oder Freunden.
  • Verbringen Sie Zeit nicht nur damit, Ihre Kinder oder Enkelkinder zu beobachten, sondern tatsächlich mit ihnen zu spielen.
  • Nehmen Sie eine Sportart wieder auf, die Sie in Ihrer Jugend ausgeübt haben, oder probieren Sie eine neue aus.
  • Nehmen Sie sich Zeit, einfach nur mit jemandem, den Sie lieben, zusammen zu sein – ganz ohne geplante Aktivitäten – und schauen Sie, was Ihnen gemeinsam einfällt.
  • Probieren Sie ein neues Hobby oder Handwerk aus.
  • Spielen oder hören Sie Musik.
  • Erkunden Sie die Natur.
  • Erzählen Sie sich Geschichten und lachen Sie gemeinsam.
Spielen ist die wilde Welt, in der man sich skurrilen und unnötigen Dingen hingibt – was sich letztlich doch als ziemlich notwendig für unser Wohlbefinden herausstellt. Ein gewisses Maß an Freude an den Dingen um ihrer selbst willen, einfach das Leben durch Aktivitäten zu genießen, die Freude bereiten, bleibt unser ganzes Leben lang unverzichtbar.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Power of Play: Why Adults Need Play as Much as Kids“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)