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Vier Mythen über die Entstehung der Kunst


In Kürze:

  • Wenn ein Gemälde den besten Künstler davon überzeugen konnte, dass es ein Werk der Natur ist, galt es in der Antike als große Kunst.
  • Kreativität war bei den Griechen untrennbar mit Liebe, Hoffnung und Sehnsucht verbunden, wie die vier ausgewählten Mythen zeigen.
  • Sie handeln von dem fürsorglichen Töpfer Butades, dem verliebten Bildhauer Pygmalion, dem meisterhaften Maler Zeuxis und dem überheblichen Musiker Marsyas.

 
Die alten Griechen hinterließen spannende historische Abhandlungen, herzzerreißende Tragödien und komplexe philosophische Texte. Sie prägten den Westen mit kühnen Thesen darüber, was es bedeutet, die Meinungsfreiheit zu wahren, tiefgründig und sorgfältig zu denken und Mensch zu sein. Dasselbe gilt für die Römer, die vieles von den Griechen übernahmen.
Gemeinsam formulierten sie die ästhetischen Prinzipien, die über zwei Jahrtausende hinweg die westliche Kunst prägten. Als Liebhaber des Geschichtenerzählens überlieferten sie auch faszinierende Mythen über die Künste, wie die folgenden vier, die Liebe, Hoffnung und Sehnsucht in den Mittelpunkt der Kreativität stellen.

Liebe macht erfinderisch

Die meiste Zeit über war die mündliche Überlieferung die übliche Art des Geschichtenerzählens bei den antiken Griechen. Erst später schrieben römische Autoren wie der Dichter Ovid (um 43 v. Chr.–18 n. Chr.) oder der Historiker Plinius dem Älteren (um 23–79 n. Chr.) diese Mythen nieder.
Zu den sagenhaften Personen, die Plinius in ihren Bann zogen, gehörten Butades und seine liebeskranke Tochter. Butades war ein griechischer Töpfer aus Sicyon nahe Korinth und hatte eine Tochter, die er von ganzem Herzen liebte.
Eines Tages lernte sie einen jungen Mann kennen, verbrachte viel Zeit mit ihm und verliebte sich. Doch dann musste der Mann verreisen. Als er sich in ihrem Haus auf die Abreise vorbereitete, bemerkte sie seinen Schatten an der schwach beleuchteten Wand und zeichnete sein Profil nach.
Butades konnte es nicht ertragen, seine Tochter leiden zu sehen, und drückte den Ton auf die an der Wand gezeichneten Umrisse. So formte er das Gesicht des Mannes nach und schenkte seiner Tochter als Trost für ihr leidendes Herz das Abbild.
Es heißt, dass Butades um 600 v. Chr. lebte. Zu dieser Zeit war die Töpferkunst bereits weitverbreitet, hatte jedoch nur einen praktischen Charakter und bildete höchstens Pflanzen oder Tiere ab. Das änderte sich laut Plinius mit Butades:
„Des Butades Erfindung ist, der Masse Röthel hinzuzufügen oder den Röthel selbst in eine plastische Masse zu verwandeln.“
Noch wichtiger ist, dass Butades der Erste gewesen sein soll, der einen Menschen darstellte. Danach soll er begonnen haben, ähnliche Masken als Verzierungen an den Enden von Dachziegeln anzubringen. Diese Innovation leitete den stilistischen Wandel von floralen und tierischen Motiven hin zu menschlichen Darstellungen ein. Letztlich revolutionierte dies die gesamte griechische Kunst, die wir bis heute so bewundern.
Butades beabsichtigte mit dem Bild, den Herzschmerz seiner Tochter zu lindern. Auch wenn ein Gegenstand einen Menschen niemals ersetzen konnte, offenbarte das Werk des Töpfers den Glauben an die heilende Kraft der Schönheit.

Verliebt in eine Statue

Ovid erzählte eine ähnliche Geschichte über Pygmalion, einen legendären Bildhauer aus Zypern. Da er es leid war, von Frauen umgeben zu sein, die ein schamloses und laszives Leben führten, zog Pygmalion es vor, unverheiratet zu bleiben. Doch seine Sehnsucht nach Liebe blieb bestehen.
Eines Tages begann er, eine Statue aus Elfenbein zu formen. Laut Ovid war diese von so erlesener Schönheit, dass keine Frau auf der Welt ihr je gleichkam. Obwohl er wusste, dass es nur eine Statue war, konnte Pygmalion nicht anders, als sich in sein eigenes Werk zu verlieben. Je länger er sie betrachtete, desto mehr glich sie einer echten Frau. Voller Liebe und Bewunderung begann er, mit ihr zu sprechen, und streichelte sie liebevoll.
Dann war der Festtag der Aphrodite gekommen und die Menschen brachten der Göttin der Schönheit und Liebe Opfergaben dar. Auch Pygmalion stand mit Gaben und Gebet vor ihrem Altar: „Wenn ihr Himmlischen alles vermöget, werde mein Weib.“
Er brachte es nicht über sich, die Statue zu erwähnen, obwohl er genau das sagen wollte. Das Opferfeuer flammte dreimal auf. Auch wenn Pygmalion seinen Satz nicht zu Ende gesprochen hatte, hatte Aphrodite ihn verstanden.
Sobald er nach Hause zurückgekehrt war, suchte Pygmalion sein Werk auf. „Es muss Fleisch sein!“, rief er ungläubig aus, als die Verwandlung ihren Abschluss fand. Die hellhäutige Frau spürte die Küsse, die ihr gegeben wurden, und hob errötend ihren schüchternen Blick. So sah sie nicht nur das Licht und den Himmel über sich, sondern auch ihren verzückten Bewunderer. Neun Monate später bekam das Paar eine Tochter namens Paphos – benannt nach jenem Ort, der mit der Geburt von Aphrodite in Verbindung steht.
 
Ovids Geschichte inspirierte Theaterstücke, Opern und Filme, nicht zuletzt, weil sie die Beziehung zwischen Kunst, Begierde und Wahnsinn anschaulich schildert. Der Bildhauer liebte sein Handwerk, das für ihn zu einem Mittel wurde, der Welt jene Anmut und Schönheit zu verleihen, die ihr seiner Meinung nach fehlten. Seine Statue konnte sich nur deshalb in einen Menschen verwandeln, weil er sie mit großer Sorgfalt und Liebe geschaffen hatte.
Doch Pygmalion reagierte besessen. Er zog sich in die Behaglichkeit seiner Fantasie zurück, um ein idealistisches Verlangen zu stillen, und schwelgte in seinem Werk, während er den Bezug zur Welt verlor. Obwohl die Geschichte die Kraft großer Kunst betont, der Perfektion der Natur zu gleichen, wirft sie auch Fragen nach den Risiken auf, die entstehen, wenn man versucht, der Realität mit künstlichen Bildern zu entfliehen.

Täuschend echte Meisterwerke

Wenn die Griechen von Malerei sprachen, meinten sie damit meist das Auftragen von Farbe auf Stein, Keramik oder Holz. Zu den vielen legendären Malern der Griechen gehörte Zeuxis von Herakleia, der um 450 v. Chr. lebte. Seine Werke waren so beeindruckend, dass laut Plinius Gerüchte kursierten, er habe seinen Meistern „die Kunst entwendet und mit sich genommen“. Sein Spezialgebiet waren Stillleben, bei denen er kleine Details präziser darstellte als jeder andere. Zumindest war er davon überzeugt.
Zeuxis’ Werke verkauften sich so gut, dass er reich und selbstverliebt wurde. Er ließ seine Kleidung mit einem goldenen Monogramm besticken und begann, seine Gemälde als Geschenke zu verteilen, „weil er sie […] für keinen ihrer hinreichend würdigen Preis verkaufen könnte“.
Mit seinem Ruhm wuchs auch der seiner Konkurrenten. Einer davon war der ehrgeizige Parrhasios, der Zeuxis zu einem Malwettbewerb herausforderte. Plinius berichtete über den Wettstreit:
„Zeuxis habe nämlich Weintrauben so treffend gemalt, dass die Vögel der Schaubühne zugeflogen wären, Parrhasius aber einen so natürlich gemalten leinenen Vorhang aufgestellt, dass Zeuxis, durch das Urtheil der Vögel stolz gemacht, endlich darauf gedrungen sei, den Vorhang zu entfernen und das Gemälde zu zeigen; als er nun seinen Irrthum eingesehen, soll er aus aufrichtiger Schaam sich für besiegt gehalten und gesagt haben, er habe Vögel, Parrhasius aber ihn, den Künstler, getäuscht.“
Angetrieben vom Streben nach Größe schufen die beiden Maler ihre besten Werke. Zeuxis’ Kunstfertigkeit hatte Tiere getäuscht. Doch laut Zeuxis war das menschliche Auge der maßgebliche Richter, da es die ästhetische Sensibilität der Menschen verkörperte.
Für die Griechen und Römer war der Mensch das größte Geschöpf der Natur, zugleich geschaffen und schöpferisch. Wenn ein Gemälde den besten Künstler davon überzeugen konnte, dass es ein Werk der Natur sei, verdiente es, als große Kunst bezeichnet zu werden.

Kunst, die den Göttern gehört

Die Griechen würdigten generell das beeindruckende Können menschlicher Künstler. Jedoch nahmen sie sich auch vor der Überheblichkeit in Acht, sich für größer zu halten, als es gerechtfertigt war.
Eine beliebte Geschichte über die Tücken der Eitelkeit handelte von einem Flöte spielenden Satyr namens Marsyas. Satyrn waren männliche Wesen, die die ursprüngliche Natur der Menschheit verkörperten. Musik war ihre Kunst. Marsyas wollte der Welt beweisen, dass er der größte lebende Musiker war, und forderte daher Apollon – den Gott des Lichts, der Schönheit und der Musik – zu einem Wettstreit heraus.

Eine Marmorstatue von Apollon und Marsyas von Walter Magnus Runeberg (1838–1920).

In der ersten Runde spielte Apollon nur die Leier, sein charakteristisches Instrument. Marsyas begeisterte die Jury mit einer virtuosen Darbietung auf seiner doppelrohrigen Flöte. In der zweiten Runde begleitete Apollon sein Leierspiel mit einem bezaubernden Lied, das die Sympathie der Richter zurückgewann. Marsyas war wütend. Er beklagte sich, es sei ungerecht, zwei Fähigkeiten mit einer zu vergleichen, und beschimpfte den Gott wegen seiner angeblichen Hinterlist.
Apollon argumentierte kühl, dass Flötenspiel dasselbe sei wie Singen – bei beidem werde die Stimme eingesetzt. Von diesem Argument überzeugt, wies die Jury die Wettkämpfer an, nur eine Fertigkeit vorzuführen, bei der die Stimme keine Rolle spielte. Da Flötenspiel als Gesangsfertigkeit galt und Marsyas kein anderes Instrument beherrschte, war er besiegt.
Für die Dreistigkeit, zu glauben, er könne Apollon übertrumpfen, und die Unverschämtheit, dem Gott Unehrlichkeit vorzuwerfen, verlor Marsyas sein Leben.
Alle außer Apollon beklagten das traurige Schicksal von Marsyas – von den Göttern über die Satyrn bis zu den Menschen. „Aber das fruchtbare Land empfing die fallenden Tränen, durchgenetzt, und trank sie hinab in die innersten Adern: Wo sie, zu Wasser geseigt, aufquollen an freiere Lüfte. Jäh zu dem stürmischen Meer, im Hang abschüssiger Ufer, rollt der Marsyasstrom durch Phrygia lautere Wellen.“ – Johann Heinrich Voß, 4. Auflage von „Ovid. Metamorphosen“, Anaconda Verlag, 2016
Was auch immer wir von Marsyas’ grausamem Tod halten mögen: Die antiken Autoren waren sich fast einig, dass seine Strafe die direkte Folge seiner Hybris war. So begabt er auch war, Marsyas konnte Apollon niemals in den Schatten stellen. Die Musik und die Kunst im Allgemeinen gehörten letztlich den Göttern.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „4 Greco-Roman Myths About the Crucible of Art“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)
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Jenseits der großen Worte: Drei Maler verewigen das Vatersein

Das Vatersein war schon immer schwer darzustellen. Es eignet sich kaum für großartige Inszenierungen und auffällige Symbolik. Die dahinterstehenden Gefühle sind nicht einfach zu vermitteln. Die hier präsentierten Gemälde beziehen ihre Kraft aus besonderen Momenten. Sie stammen aus drei Ländern und unterschiedlichen Zeitepochen, haben jedoch eines gemeinsam: Sie zeigen, wie es aussieht, wenn die Liebe eines Vaters im Gemälde das Beständigste ist.

„Die Rückkehr des verlorenen Sohnes“

Das symbolträchtige Gemälde „Die Rückkehr des verlorenen Sohnes“ ist Teil eines Zyklus, den der spanische Barockmaler Bartolomé Esteban Murillo (1617–1682) für die Kirche des Krankenhauses Saint George in Sevilla gemalt hat, einem Ort, an dem Arme und Obdachlose gepflegt wurden. Dabei prägte der Auftraggeber die theologische Botschaft dahinter. Jedes Motiv wurde so gestaltet, dass es eine der sieben Taten der Barmherzigkeit verkörpert. Hierzu gehören: Hungernde speisen, Dürstenden zu trinken geben, Fremde beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und Tote bestatten.
Vier der Gemälde befinden sich noch immer in Sevilla: „Die wunderbare Brotvermehrung“ (auch bekannt als „Das Wunder von Broten und Fischen“), „Moses schlägt Wasser aus dem Felsen“, „Die heilige Elisabeth von Ungarn pflegt die Aussätzigen“ (auch bekannt als „Die heilige Elisabeth von Thüringen pflegt die Aussätzigen“) und „Der heilige Johannes trägt einen Kranken“ (auch bekannt als „Johannes der Barmherzige“).

„Die Rückkehr des verlorenen Sohnes“. Murillo hätte jeden beliebigen Moment aus dem Gleichnis wählen können, doch er entschied sich für diesen: den Augenblick, in dem sich die bedingungslose Liebe eines Vaters stärker erweist als all das, womit ein Sohn sie auf die Probe stellen könnte. National Gallery of Art, Washington.

Im Mittelpunkt des Gemäldes stehen Vater und Sohn. Der Künstler lenkt den Blick des Betrachters auf das Wesentliche: ihre Beziehung zueinander. Murillo stellt Vergebung und Liebe in den Fokus, indem der Vater seinen Sohn mit einer liebevollen Umarmung begrüßt. Das ungepflegte Äußere des Sohnes wird mit demselben unverfälschten Realismus dargestellt, den Murillo auch in seinen Straßenszenen zum Ausdruck brachte – Details, welche die bedingungslose Begrüßung des Vaters umso lebendiger erscheinen lassen.
Murillos Gespür für Kleinigkeiten, wie etwa den hochspringenden Welpen, verleiht der Szene eine zusätzliche Tiefe. Rechts stehen zwei Bedienstete bereit, um den Sohn zu empfangen: Der eine hält edle Kleidung in den Händen, der andere einen Ring – ein Symbol, dass der Sohn seinen Platz in der Familie wieder vollständig eingenommen hat. Alle diese Details verwandeln den Moment in eine lebendige Geschichte, die den Betrachter in ihren Bann zieht.

„Rudolf von Arthaber und seine Kinder Rudolf, Emilie und Gustav“

„Rudolf von Arthaber und seine Kinder Rudolf, Emilie und Gustav“ von Friedrich von Amerling, 1837.

Vielleicht bringt nichts besser die Essenz des Vaterseins zum Ausdruck als der Mann, der seine Kinder immer wieder behutsam an seine Brust zieht. Dieses Gruppenporträt zeigt Rudolf von Arthaber, einen Wiener Textilfabrikanten und leidenschaftlichen Kunstsammler, mit seinen drei Kindern Rudolf, Emilie und Gustav – ein Werk von Friedrich von Amerling (1803–1887), einem der gefragtesten Porträtmaler seiner Zeit. Er schuf mehr als tausend Werke, fast ausschließlich Porträts. Der Künstler war in London bei Thomas Lawrence in die Lehre gegangen und später als k.k. Hofmaler des österreichischen Kaiserhauses tätig.
Die romantische Epoche, die sich intensiv mit der Kindheit sowie deren Unschuld und Lebensfreude auseinandersetzte, prägte Amerlings liebevolle Darstellung seiner Figuren. Er gestaltete ihre Gesichter individuell und sehr lebendig.
Der Maler zeigt Arthaber umgeben von seinen spielenden Kindern, die sich offensichtlich in seiner Gegenwart sehr wohlfühlen. In seinem Gesicht spiegelt sich eine Mischung aus Müdigkeit und Zuneigung wider. Sanftes Licht umhüllt Vater und Kinder – ein Stil, den Amerling von seinem Lehrer Lawrence übernommen hat.
Das Werk ist das Porträt einer Familie, die mit sich im Frieden ist – eine Szene, die von enger familiärer Bindung und Großzügigkeit beseelt ist.

„Francesco Sassetti und sein Sohn Teodoro“

„Francesco Sassetti und sein Sohn Teodoro“ von Domenico Ghirlandaio, um 1488, Metropolitan Museum of Art, New York City.

Im späten 15. Jahrhundert wurde Domenico Ghirlandaio (1448–1494) für seine erzählerischen Fresken gepriesen, in denen er häufig Porträts prominenter Florentiner Bürger einarbeitete. Vor allem die Florentiner Kaufleute vertrauten Ghirlandaio, wenn es darum ging, ihre gesellschaftliche Stellung künstlerisch einzufangen. Eines seiner häufigsten Motive war der Bankier Francesco Sassetti, Generaldirektor des Medici-Bankennetzwerks in der Schweiz und Frankreich.
Seinem Auftrag wurde der Künstler auch in dem Werk „Francesco Sassetti und sein Sohn Teodoro“ gerecht: Sassetti wirkt wohlhabend, gelassen und beständig. Sein kleiner Sohn neben ihm ist das Symbol dafür, dass sein Lebenswerk ihn überdauern wird.
Ghirlandaio bevorzugte die Technik der Freskomalerei, die sich gut für die großen Wandflächen eignete. Die Altarbilder für dieselben Kapellen erforderten jedoch kleinere Werke auf Holztafeln. Das vorliegende Porträt ist ein solches Werk. Ghirlandaio stellt Sassetti zusammen mit seinem kleinen Sohn Teodoro auf einer kleinen Tafel dar, wobei die Gestaltung formell und bedächtig wirkt.
Das Bild zeigt Sassetti mit dem „Lucco“, jenem langen roten Umhang, den wohlhabende Florentiner Männer üblicherweise trugen und der für Amtsträger gesetzlich vorgeschrieben war. Die tiefrote Farbe war an sich schon ein Zeichen von Wohlstand, da die dafür benötigten Färbemittel kostspielig und somit nur der Oberschicht vorbehalten waren.
Sassetti blickt nach vorn. Seine gesenkten Augen wirken nachdenklich, während Teodoro im Profil dargestellt ist – eine Gestaltung, die Unschuld und Reinheit vermitteln sollte. Im Hintergrund sieht man wie durch ein Fenster eine Kapelle, die Sassetti in Genf errichten ließ. Sie symbolisiert seinen Glauben, seinen Reichtum und seinen Einfluss innerhalb einer bestimmten Region.
Alle drei Werke umfassen verschiedene Genres aus verschiedenen Jahrhunderten, von frommen Erzählungen bis hin zu Porträts der oberen Schichten, doch in jedem einzelnen stehen Vater und Kind im Fokus. Aus den Gemälden wird deutlich, in welcher Form sich Künstler immer wieder mit dieser Beziehung auseinandergesetzt haben als ein Thema, das es verdient, genauer betrachtet zu werden.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Beyond the Grand Gesture: 4 Painters Who Capture Fatherhood“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sua)
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Rembrandts größtes Rätsel

Von allen niederländischen Malereien ist das am meisten verehrte Werk zugleich eines, das am stärksten angegriffen, beschädigt und fehlinterpretiert wurde. Es wurde nicht nur deutlich in seiner Größe beschnitten, sondern auch dreimal durch Kunstvandalen beschädigt und aufgrund von Schmutz und verwitterter Lasur, die seine Farben verdunkelten, falsch benannt: Rembrandts „Die Nachtwache“, das eine der berühmtesten Comeback-Geschichten der Kunstwelt erzählt.
350 Jahre nach seiner Entstehung ermöglichen die zahlreichen aufwendigen Restaurierungsarbeiten den Millionen Besuchern, die das Gemälde jährlich bewundern, einen neuen Blick auf die ursprüngliche Gestaltung. Bis heute jedoch existieren auch nach jahrhundertelangen Analysen und sorgfältigen Untersuchungen hinter der rätselhaften Bildgestaltung umstrittene Interpretationen und Geheimnisse.

„Selbstporträt“, 1660, von Rembrandt, Kenwood House, London.

Ein Blick in die Geschichte

Im Jahr 1602 fusionierten mehrere Handelsgesellschaften zur Niederländischen Ostindien-Kompanie (Vereenigde Oostindische Compagnie, VOC), wodurch sich Amsterdam rasch zur Finanzhauptstadt der Welt entwickelte. Dieses Monopol ermöglichte es nicht nur Kaufleuten, sondern allen niederländischen Einwohnern, zu investieren und an den Gewinnen des Verbunds teilzuhaben. So entstand die weltweit erste Aktiengesellschaft, die dafür sorgte, dass Amsterdams Bevölkerungszahl in den folgenden 50 Jahren von 50.000 auf 175.000, auf mehr als das Dreifache, anstieg.

Vom Schulabbrecher zum Magier

Vier Jahre nach der Gründung der VOC, die das sogenannte Goldene Zeitalter der Niederlande einläutete, wurde Rembrandt van Rijn geboren.
Rembrandt (1606–1669) wuchs in der Stadt Leiden auf, rund 40 Kilometer von Amsterdam entfernt. Sein Studium an der Lateinschule brach er vorzeitig ab. Er begann eine Lehre bei dem niederländischen Maler und Kunsthändler Jacob van Swanenburg (1571–1638), dessen Stil von der italienischen Kunstszene geprägt wurde. Da der junge Künstler nach Abschluss seiner dreijährigen Ausbildung mit den erworbenen Fähigkeiten noch immer unzufrieden war, absolvierte er weitere Lehrjahre, darunter einen sechsmonatigen Aufenthalt in Amsterdam bei dem bekannten Historienmaler Pieter Lastman (1583–1633).

Eine der vier Szenen aus Rembrandts „Die fünf Sinne“.

Obwohl Rembrandt bei seinen Auftraggebern den Eindruck eines ruppigen und arroganten Künstlers hinterließ, zeugte seine Bereitschaft, weiterhin von verschiedenen Meistern zu lernen, von einer unbestreitbaren Disziplin und Selbstwahrnehmung, die sein Selbstbewusstsein untermauerten.
Anstatt die Gemälde mit seinen Initialen zu signieren, fügte er seinem Vornamen ein „d“ hinzu und nannte sich fortan „Rembrandt“ – ein Wortspiel mit den niederländischen Begriffen „rem“ („Hindernis“) und „brandt“ („Licht“).
Seine allmähliche Abkehr von lebhaften, farbenfrohen Paletten hin zu einer zurückhaltenden, monochromen Ästhetik ermöglichte ihm ein geniales Zusammenspiel von Licht und Schatten, mit denen er narrative Spannung zwischen seinen Motiven erzeugte. Seine Faszination für das Licht veranlasste ihn, seine Fenster mit geöltem Papier zu verdecken, um direktes Sonnenlicht zu dämpfen und eine diffuse Beleuchtung zu erzeugen.
Ein Vergleich seiner frühesten erhaltenen Werke „Die fünf Sinne“ (1625) und „Grablegung Christi“ (um 1633) zeigt seine deutliche Abkehr von einer farbenfrohen Sprache hin zu einer Technik dramatischer Kontraste. Auf der Grundlage der barocken Tradition des „Chiaroscuro“ (italienisch für hell-dunkel) entwickelte Rembrandt diese Technik im Laufe des folgenden Jahrzehnts weiter und setzte sie in dem Werk um, das der wichtigste Auftrag seines Lebens werden sollte.

„Grablegung Christi“, um 1633.

Wie „Die Nachtwache“ entstand

Gegen Ende des Achtzigjährigen Krieges hatten sich die Amsterdamer Milizen längst aus dem Kampfgeschehen zurückgezogen. Eine Möglichkeit, ihren hohen gesellschaftlichen Status zu wahren, bestand darin, große Gruppenporträts in Auftrag zu geben, um ihre glorreichen Tage im Kampf zu verewigen. Diese Porträts waren in der Regel formelle, statische Darstellungen, die das Gesicht jedes einzelnen Mitglieds deutlich zeigten. Als die Amsterdamer Bürgerwehr, die Kloveniers, im Jahr 1640 mit einem solchen Auftrag an Rembrandt herantrat, fiel seine Antwort ausgesprochen untypisch aus.
Obwohl die Kloveniers aus 18 Mitgliedern bestanden, sind auf Rembrandts Gemälde 32 Männer zu erkennen, dazu zwei Frauen und noch ein Hund. Die Szene, in der sich die Figuren in einer turbulenten Atmosphäre aus dynamischer Bewegung und Lärm vor einem Triumphbogen versammelt haben, hat seit ihrer Enthüllung zu keiner einheitlichen Deutung geführt – ein abgefeuertes Gewehr, Trommelklänge, eine geschwenkte Fahne und unterschiedlichste Figuren, die alle in eine andere Richtung blicken oder zeigen.
Die beiden zentralen Figuren sind Hauptmann Frans Banninck Cocq und sein Leutnant Willem van Ruytenburch, nach dem das Gemälde ursprünglich benannt war. Der Hauptmann hat seinen Handschuh ausgezogen und streckt seine linke Hand dem Betrachter entgegen, wobei er einen auffälligen, kontrastreichen Schatten auf das hell leuchtende, prächtige Gewand seines Leutnants und hinunter auf dessen Lanze wirft. Hinter dem herabhängenden Handschuh des Hauptmanns trägt eine Frau in einem goldenen Kleid ein Huhn an ihrem Gürtel, vermutlich ein Symbol für das Vogelklauen-Wappen der Kloveniers und ein Wortspiel mit dem Namen des Hauptmanns. Nur wenige Zentimeter neben dem Kopf des Leutnants geht ein Musketenschuss fehl und hüllt seinen Federhut in eine Rauchwolke.

„Die Nachtwache“, 1642, Rembrandt van Rijn. Rijksmuseum in Amsterdam, Niederlande.

Rembrandts meisterhafte Lichtführung verteilt sich über sämtliche Figuren, wobei einige im Rampenlicht stehen, während der Rest in tiefen Schatten gehüllt ist. Jedes noch so kleine Detail ist eine bewusste und wahrscheinlich ironische Anspielung.
Warum? Aus der Mitte der sich drängenden Figuren blickt ein kaum wahrnehmbares einzelnes beobachtendes Auge hervor, das von Wissenschaftlern als Rembrandt selbst interpretiert wird – eine weitere provokante Signatur des Künstlers, der sich selbst in das Geschehen einfügt.

Ein mysteriöses Rätsel

Die Spekulationen über die Bedeutung der vielschichtigen Andeutungen in Rembrandts Werk reißen auch lange nach dem Ende seiner Schaffenszeit nicht ab. Im Jahr 1715 wurde das Gemälde vom Hauptquartier der Kloveniers ins Amsterdamer Rathaus verlegt. Um es an den neuen Aufstellungsort anzupassen, wurde es sowohl in der Höhe als auch in der Breite beschnitten, wobei zwei Figuren auf der linken Seite entfernt wurden.
Der Filmregisseur Peter Greenaway vermutet, dass es sich bei diesen Figuren um Floris und Clement Cocq handeln könnte. Ihre Entfernung habe die Andeutung Rembrandts, die Miliz sei in einen Mordkomplott verwickelt gewesen, möglicherweise abgeschwächt. Diese entfernten Teile wurden nie wiedergefunden. Es wurde auch vermutet, dass dieser vermeintliche Affront gegen einflussreiche Familien dazu beitrug, dass Rembrandt nach 1642 immer weniger Großaufträge erhielt und schließlich in den Bankrott getrieben wurde. [Anm. d. Red.: Greenaway widmete Rembrandts berühmtem Gemälde „Die Nachtwache“ besondere Aufmerksamkeit. In seinem Film „Nightwatching“ interpretiert er das Bild als verschlüsselte Anklage gegen ein Verbrechen und entwickelt daraus eine historische Kriminalgeschichte.]
So spannend diese Hypothese auch sein mag und so provokativ Rembrandts Darstellungen offensichtlich auch sein sollten, die Miliz lehnte das Gemälde nicht ab und weigerte sich auch nicht, ihn dafür zu bezahlen. Das Werk blieb die nächsten 73 Jahre stolzer Blickfang in der Kloveniershalle, bevor es in das Amsterdamer Rathaus und schließlich in das Rijksmuseum gebracht wurde. Nur dank einer kleineren Kopie, die wahrscheinlich von Frans Banninck Cocq in Auftrag gegeben wurde, konnten die entfernten Teile 2021 mithilfe von KI rekonstruiert werden.
Trotz der Restaurierung des Gemäldes, die ihm seine ursprüngliche Größe und Leuchtkraft zurückgab, ist es nach wie vor liebevoll als „Die Nachtwache“ bekannt.
Rembrandts finanzielle Schwierigkeiten wurden zweifellos durch seine zwanghafte Vorliebe für Antiquitäten und Kuriositäten sowie durch seine Weigerung, von seinem unverwechselbaren Stil abzuweichen, noch verschärft – selbst als sich der Geschmack in den Niederlanden in eine andere Richtung entwickelte.
Doch sein unerschütterliches Selbstvertrauen gab ihm am Ende recht: Im Jahr 1915 entwickelte der Filmregisseur Cecil B. DeMille für seinen Film „The Warrens of Virginia“ („Der Held der Prärie“) eine neue Beleuchtungstechnik. Seine bahnbrechende Innovation von Hell und Dunkel – die „Rembrandt-Beleuchtung“ – prägte die Regisseure und Fotografen des 20. Jahrhunderts nachhaltig.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Rembrandt’s ‘The Night Watch’: A Masterpiece Shrouded in Scandal“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sua)