Bundesamt für Verfassungsschutz. - Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images
In Kürze:
Verfassungsschutz warnt vor Spionagerisiken bei Forschungskooperationen mit China.
Im Fokus stehen unter anderem KI, Quantentechnologie und Hyperschalltechnik.
Bund, Länder und Wissenschaft wollen Forschungskooperationen stärker auf konkrete Sicherheitsrisiken prüfen.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt vor chinesischen Spionageaktivitäten bei der Zusammenarbeit deutscher Forschungseinrichtungen mit chinesischen Hochschulen und verweist unter anderem auf „rechtliche Grauzonen“ und „mangelndes Risikobewusstsein“ als Schwachstellen.
Peking baue schon seit Jahren ein „umfassendes System des Technologie- und Knowhow-Transfers“ auf, mit dem Ziel, seine politische, wirtschaftliche, technologische und militärische Vormachtstellung auszubauen. Wie der unter anderem für Spionageabwehr zuständige deutsche Inlandsnachrichtendienst erklärte, könne „die Beschaffung von Technologie und Know-how (…) auch durch wissenschaftliche Kooperationen mit Universitäten und (Spitzen-)Forschungseinrichtungen in Deutschland erfolgen“.
Demnach bestehe die Gefahr, dass chinesische Gastwissenschaftler für „strategische Ambitionen“ Chinas instrumentalisiert werden könnten. Im Fokus stünden insbesondere neue Technologien wie Quantentechnologie, Künstliche Intelligenz und Hyperschalltechnik sowie Bio- und Überwachungstechnologien – Forschungsfelder, die oft sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden. Die Warnung erging in einer Antwort auf eine Anfrage des „Handelsblatts“.
In einer Reaktion des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) sagte dessen Senior-Referentin für Innovation, Sicherheit und Technologie, Kerstin Petretto: „Der BDI nimmt die Warnung des Verfassungsschutzes sehr ernst.“ Sie fügte hinzu: „Wir reden nicht nur über formelle Prüfmechanismen, sondern über eine grundlegende Haltung zum Partner China, der eben heute vor allem auch ein systemischer Wettbewerber ist.“
Petretto warnte gegenüber dem „Handelsblatt“ vor den wachsenden Sicherheitsrisiken durch Forschungskooperationen mit China. „China verfolgt den Zugang zu Schlüsseltechnologien und Know-how systematisch, langfristig und mit einem breiten Instrumentarium“, so Petretto. Dazu könnten auch wissenschaftliche Kooperationen und „vermeintlich zivile Kontakte“ genutzt werden.
BDI: Wissen und technologische Souveränität schützen
Petretto plädierte für eine „enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden“. Sie sagte: „Frühzeitige Hinweise, belastbare Lageinformationen und ein verlässlicher Informationsaustausch helfen, Kooperationspartner und mögliche Risiken fundiert zu bewerten.“
Sie verwies zudem auf die Forschungsfreiheit als „ein hohes Gut“. Dies entbinde jedoch nicht von der Verantwortung, „unser Wissen, unsere Innovationskraft und unsere technologische Souveränität zu schützen“.
Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen müssten „Kooperationen in sensiblen Feldern also risikobasiert prüfen, Zugänge zu Daten und Wissen konsequent begrenzen und ihr Personal stärker sensibilisieren“, sagte Petretto.
Bund, Länder und die Allianz der Wissenschaftsorganisationen hatten sich bereits im Dezember 2025 auf Eckpunkte zur Stärkung der Forschungssicherheit und zum Aufbau einer Nationalen Plattform für Forschungssicherheit verständigt. Wie der Deutsche Bundestag im Juli 2026 berichtete, soll sie im Herbst starten. Die Plattform soll eine koordinierende Funktion übernehmen und Forschungseinrichtungen dabei unterstützen, Chancen und Risiken von Forschungsaktivitäten und Kooperationen besser abzuwägen und mögliche Sicherheitsrisiken zu reduzieren.
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär sagte im Dezember 2025 laut Mitteilung ihres Ministeriums: „Die Welt ist massiv im Umbruch. Für Wohlstand und Souveränität in Deutschland und Europa müssen wir unsere Forschung sichern und gleichzeitig die Wissenschaftsfreiheit schützen. […] Der mit der Verständigung erreichte Konsens ist auch ein starkes Signal an unsere europäischen und internationalen Partner: Deutschland geht Forschungssicherheit ganzheitlich, gesamtstaatlich und in enger Partnerschaft mit der Wissenschaft an.“
Im Mai dieses Jahres hatte die Bundesanwaltschaft ein chinesischstämmiges Ehepaar mit deutscher Staatsangehörigkeit in München festnehmen lassen. Die beiden sind dringend verdächtig, für einen ausländischen Geheimdienst tätig zu sein. In der Mitteilung der Bundesanwaltschaft heißt es zu den Vorwürfen aus den Haftbefehlen:
„Die Eheleute Xuejun C. und Hua S. arbeiten für einen chinesischen Geheimdienst. Um an wissenschaftliche Informationen über militärisch nutzbare Hochtechnologie zu gelangen, bauten sie Kontakte zu zahlreichen Wissenschaftlern an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen auf, darunter insbesondere Lehrstuhlinhaber für die Bereiche Luft- und Raumfahrttechnik, Informatik oder Künstliche Intelligenz.“
Weiter heißt es, dass sich die beiden für ihre Zwecke „als Dolmetscher oder Mitarbeiter eines Automobilherstellers“ ausgegeben hätten. Zudem hätten sie einige Wissenschaftler unter dem Vorwand, „gegen Honorar Vorträge vor einem zivilen Publikum zu halten“, nach China gelockt. Die Vorträge hätten dann aber vor „Angehörigen staatlicher Rüstungsunternehmen“ stattgefunden.
Wie stark sich der Blick auf internationale Forschungskooperationen inzwischen verändert hat, zeigt auch die deutsche und europäische Forschungspolitik. Für das Arbeitsprogramm 2026–2027 von Horizont Europa wurde die Teilnahme chinesischer Einrichtungen in mehreren Bereichen eingeschränkt. Die Bundesregierung begründet dies unter anderem mit dem Schutz strategischer Interessen der EU.
Bei der Bewertung von Forschungskooperationen mit China rückt zunehmend eine individuelle Risikoprüfung in den Mittelpunkt. Wie der Deutsche Bundestag berichtete, sollen dabei unter anderem das Forschungsthema, mögliche Dual-Use-Anwendungen, die Art der beteiligten Einrichtung, institutionelle Verbindungen und mögliche künftige Abhängigkeiten berücksichtigt werden.
Auch die Konfuzius-Institute stehen weiterhin in der Diskussion über mögliche chinesische Einflussnahme an deutschen Hochschulen. Eine 2025 veröffentlichte Studie im „Journal of Current Chinese Affairs“ untersuchte fünf deutsche Hochschulen, die ihre Zusammenarbeit mit einem Konfuzius-Institut beendet oder verändert hatten. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass strategische Überlegungen zum Nutzen der Institute häufiger eine Rolle spielten als konkrete Erfahrungen mit unzulässiger Einflussnahme. Wo Sicherheitsbedenken ausschlaggebend gewesen seien, habe es sich demnach meist um eine vorsorgliche Bewertung möglicher Risiken gehandelt.
CISPA-Fall zeigt konkrete Sicherheitslücken
Wie aktuell das Thema Forschungssicherheit ist, zeigt der Fall des Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit CISPA. Wegen möglicher Sicherheitsrisiken und eines befürchteten Wissensabflusses nach China wurde eine externe und unabhängige Sonderprüfung eingeleitet. Dabei ging es unter anderem um sensible Forschung aus den Bereichen Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit und Datenschutztechnologien.
Wie die „Tagesschau“ im September 2026 berichtete, stellte die Prüfung strukturelle Sicherheitsdefizite fest. Ein Abfluss sicherheitsrelevanter Erkenntnisse, auch nach China, sei jederzeit möglich gewesen. Einen Beleg dafür, dass tatsächlich Informationen abgeflossen seien, gebe es allerdings nicht.
US-Präsident Donald Trump gibt am 29. September 2026 im East Room des Weißen Hauses eine Erklärung. An seiner Seite sind Führungskräfte von Unternehmen und Mitglieder seines Kabinetts bei einem Treffen über Künstliche Intelligenz. - Foto: Kevin Dietsch/Getty Images
In Kürze:
Trump und führende Tech-Manager unterzeichnen freiwillige KI-Vereinbarung.
Unternehmen sollen interne Kontrollen, Audits und Risikoprüfungen etablieren.
Die Vereinbarung setzt auf Selbstregulierung und gemeinsame Sicherheitsstandards.
US-Präsident Donald Trump und führende Vertreter der Technologiebranche haben eine freiwillige Vereinbarung über Standards und Kontrollen für Künstliche Intelligenz (KI) unterzeichnet.
Die Vereinbarung kam nach einem Treffen mit Branchenführern am Dienstag, 29. September, im Weißen Haus zustande. Trump bezeichnete sie während einer Pressekonferenz nach dem Treffen als „eine Verfassung, gewissermaßen“.
„Sie ist wirklich eine Form des Schutzes“, sagte Trump.
Trump, Regierungsvertreter und der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, trafen sich mit CEOs der Technologiebranche angesichts zunehmender Debatten über die Risiken von KI und darüber, ob regulatorische Leitplanken erforderlich sind, um Bedrohungen für die Cybersicherheit abzuwehren.
Elon Musk, Donald Trump, Mark Zuckerberg, Jensen Huang und Mike Johnson sprechen am 29. September 2026 nach einem KI-Treffen vor dem Weißen Haus.
Foto: Kevin Dietsch/Getty Images
Trump veröffentlichte den Text der Vereinbarung Stunden nach der Unterzeichnung in den sozialen Medien.
Interne Kontrollen und Prüfungen
Die Vereinbarung beginnt mit dem Satz: „Wir glauben, dass jedes Unternehmen dafür verantwortlich ist, seine Technologie sicher und auf eine Weise zu entwickeln, die Vertrauen bei Kunden und der Öffentlichkeit schafft“. Dies gelte insbesondere für Unternehmen, die sogenannte Frontier-Modelle – also die leistungsfähigsten KI-Modelle an der technologischen Spitze – trainieren und einsetzen.
Meta-CEO Mark Zuckerberg sagte Reportern nach dem Treffen, dass es sich um eine Reihe von Prinzipien und Verpflichtungen für KI-Unternehmen handele, „robuste interne Kontrollen“ einzuführen und mögliche Probleme mit der Technologie zu erkennen.
Mark Zuckerberg spricht am 29. September 2026 gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump nach einem Treffen zur künstlichen Intelligenz vor dem Weißen Haus.
Foto: Kevin Dietsch/Getty Images
Laut dem Text soll dies mit Prüfungen und internen Kontrollen zur Risikobewertung, externen Prüfern und Evaluatoren sowie der Zusage verbunden werden, dass der Vorstand jedes Unternehmens die Prüfberichte unabhängig bewertet.
Die freiwillig teilnehmenden Unternehmen erklärten sich außerdem bereit, sich regelmäßig zu treffen. Ziel sei es „Standards und bewährte Verfahren festzulegen, um die Sicherheit ihrer Systeme zu verbessern“, heißt es im Text.
Trump setzt auf Selbstregulierung
„Es besteht die Überzeugung, dass es eine sehr starke Selbstregulierung geben sollte. Und wir haben automatisch eine Regulierung durch das Justizministerium, das FBI und all das. Aber die Selbstregulierung ist sehr wichtig“, sagte Trump.
Dies beinhalte, wie er sagte, „Selbstkontrolle“.
US-Präsident Donald Trump spricht am 29. September 2026 im Weißen Haus bei einem Treffen zur künstlichen Intelligenz. Mit dabei sind unter anderem NVIDIA-CEO Jensen Huang und Elon Musk.
Foto: Kevin Dietsch/Getty Images
Zuckerberg sagte, die Vereinbarung sei für die KI-Sicherheit nicht als „das Einzige gedacht, was wir jemals tun werden“. Weiter sagte er: „Dies ist ein Anfang und eine Vereinbarung, auf die sich die gesamte Branche einigen könnte.“
Anthropic-CEO Dario Amodei sagte gegenüber Reportern: „[…] ich denke, die Technologie birgt sehr reale Risiken. Und, wissen Sie, der Mechanismus, wie wir diese Risiken angehen, wird noch diskutiert.“
Balance zwischen Innovation und Aufsicht
Johnson sagte am Montag gegenüber dem „Fox Business Network“, dass das Treffen in Washington darauf abzielen werde, „das richtige Gleichgewicht“ zwischen Innovation und Aufsicht zu finden. Er fügte hinzu, dass die Vereinigten Staaten kein Moratorium für die Entwicklung von KI benötigten, „weil wir das Rennen gegen China verlieren werden“.
Amodei, Zuckerberg, OpenAI-Präsident Greg Brockman, X- und SpaceX-CEO Elon Musk sowie NVIDIA-Präsident und -CEO Jensen Huang gehörten laut einer von Trump veröffentlichten Sitzordnung zu den Teilnehmern des Mittagessens am Dienstag im East Room des Weißen Hauses.
Ebenfalls anwesend waren Amazon-Gründer Jeff Bezos sowie Führungskräfte von Google, Microsoft, Palantir, Palo Alto Networks, AMD, Broadcom und Exiger.
US-Präsident Donald Trump spricht am 29. September 2026 bei einem Treffen mit Technologievertretern über künstliche Intelligenz im Weißen Haus in Washington.
Foto: Kent Nishimura/AFP via Getty Images
KI-Sicherheitsvorfälle
Das Treffen fand vor dem Hintergrund mehrerer bekannt gewordener Sicherheitsvorfälle mit KI-Systemen statt.
OpenAI hatte zuvor mitgeteilt, dass seine KI-Agenten aus einer Testumgebung ausgebrochen seien.
Forscher berichteten anschließend über weitere Vorfälle im Zusammenhang mit OpenAI-Modellen, darunter die Übernahme einer deutschen Website, das Hochladen schädlicher Softwarepakete auf die RubyGems-Plattform sowie Angriffe auf Websites von Universitäten und Regierungsbehörden.
Auch KI-Modelle von Anthropic, Meta und Google versuchten, in die Systeme von Unternehmen, Organisationen, Universitäten und Behörden einzudringen. Bei einigen Vorfällen waren die Versuche erfolgreich, bei anderen scheiterten sie.
Anthropic veröffentlichte Anfang September einen 154-seitigen Bericht, in dem beschrieben wird, wie kriminelle Akteure seinen Claude-Chatbot für verschiedene Aktivitäten wie die Ausspähung von Bewegungen des US-Militärs und die Erforschung der Entwicklung biologischer Waffen nutzten.
Der Entwickler von ChatGPT teilte am Montag, 28. September, mit, dass er zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten das Training und die Veröffentlichung eines seiner fortschrittlichsten Modelle aussetzen werde, nachdem es die Sicherheitsstandards des Unternehmens nicht erfüllt habe.
Die Vorfälle haben die Debatte über zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen, staatliche Aufsicht und die weitere Entwicklung von KI verstärkt.
Trump hat wiederholt gesagt, dass die USA die Entwicklung von KI nicht durch zusätzliche Vorgaben einschränken sollten. Andernfalls, so Trump, könnten die USA ihre Position gegenüber China gefährden.
„Wir liegen jetzt vor China und allen anderen, und ich möchte, dass das so bleibt“, sagte Trump am Dienstag bei dem Treffen mit den KI-Führungskräften.
„Die einzige Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass es so bleibt, besteht darin, genau das zu tun, was wir gerade tun. Wir wollen das Wachstum nicht abwürgen. Gleichzeitig wollen wir, dass die Menschen ehrlich handeln. Wir wollen, dass sie vertrauenswürdig sind, und deshalb haben wir das Justizministerium. Deshalb haben wir das FBI. Deshalb haben wir staatliche Stellen, die sehr effektiv sind, wenn Menschen beschließen, einen sehr dunklen und gefährlichen Weg einzuschlagen“, fuhr er fort.
Die „Serenity“-Smartbrille auf der Consumer Electronics Show (CES) 2020 am 9. Januar 2020 in Las Vegas, Nevada. Die Smartbrille wog damals 26 Gramm und verfügte über einen Stress- und Ermüdungssensor, einen EKG-Monitor sowie Sturzerkennung. Der Träger konnte über die Brille auch Telefonate führen und Musik hören. - Foto: Robyn Beck/AFP via Getty Images
Wegen heimlicher Filmaufnahmen von Frauen mit sogenannten Smart Glasses hat die französische Justiz Ermittlungen eingeleitet.
Wie die Pariser Staatsanwaltschaft mitteilte, gingen bereits mehrere „Strafanzeigen wegen Verletzung der Privatsphäre im Zusammenhang mit der Nutzung von Smart Glasses“ ein. Angaben zum Hersteller der Brillen machte die Staatsanwaltschaft nicht.
Smart Glasses werden von verschiedenen Brillenherstellern in Kooperation mit Technologiekonzernen wie Meta oder Google angeboten. Sie sind unter anderem mit Kameras ausgestattet und können sich mit dem Internet verbinden.
Neben Fotos und Videos sind oft auch Livestreams möglich. Allein eine High-Tech-Brille des Facebook-Mutterkonzerns Meta und des Herstellers Ray-Ban verkaufte sich 2025 weltweit sieben Millionen Mal. Ihr Einsatz stößt auf erhebliche Datenschutzbedenken.
Die Pariser Staatsanwaltschaft sprach von einem „zunehmenden Trend“ in den Online-Netzwerken, „bei dem Frauen auf der Straße mit Smart Glasses ohne ihre Zustimmung gefilmt und die Aufnahmen anschließend online veröffentlicht werden“.
Nach französischem Recht sei das eine Straftat, die mit bis zu zwei Jahren Haft und einer Geldstrafe von bis zu 45.000 Euro bestraft werden könne.
In einigen Fällen seien auch Ermittlungen wegen sexueller Nötigung eingeleitet worden, wenn die Aufnahmen „mit nicht einvernehmlichen sexuellen Kontakten einhergehen“. (afp/red)
Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. - Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hält den gesellschaftlichen Umgang mit digitalen Medien für fahrlässig. „In Wahrheit haben wir es mit einem großen Menschheitsversuch zu tun“, sagte Prien den Zeitungen der Mediengruppe Bayern (Freitagsausgaben). „Wir nutzen seit knapp 20 Jahren Smartphones, eine sich schnell verändernde Technologie, ohne eine Risikofolgen-Abschätzung zu machen.“
„Produkthaftung, Vorsorgeprinzip – das sind Stichworte, die wir mit potenziell gefährlichen Technologien verbinden“, sagte Prien. „Das haben wir in diesem Bereich nicht gemacht, sondern der Entwicklung ihren Lauf gelassen.“ Europa sei der einzige große Wirtschafts- und Gesellschaftsraum, in dem es überhaupt Regulierungsansätze gebe. „Generell glaube ich: Wir waren zu naiv“, betonte die Ministerin.
Null bis drei Jahre: Prien fordert Verzicht auf Bildschirme
Auf die Frage, ab welchem Alter Kinder Zugang zu digitalen Geräten haben sollten, antwortete Prien: „Gar keine Geräte im Alter von null bis drei Jahren. Damit meine ich alle Bildschirme – ehrlicherweise gilt das nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene, während sie Zeit mit ihren Kindern verbringen.“ Das könne Erwachsenen zwar nicht verboten werden, „aber man kann es als Empfehlung und als gesellschaftliche Norm regeln“.
Der Schaden, der bei Kindern entstehe, weil Eltern keinen Blickkontakt mehr zu ihrem Baby und keine intensive Sprachkommunikation mit ihrem Kleinkind haben, sei „dramatisch“. Prien zog einen harten Vergleich: „Dann ist der Bildschirm-Konsum so schlimm wie Rauchen und Alkohol in der Schwangerschaft.“
Die EU-Kommission will die Social-Media-Nutzung für Kinder und Jugendliche deutlich beschränken. Bis zum Alter von 13 Jahren sollen Kinder weder eigene Accounts noch Geräte haben. Jugendliche ab 13 Jahren sollen zunächst nur eine Stunde am Tag von ihren Eltern eingerichtete und beaufsichtigte „Mini-Konten“ nutzen dürfen.
Eigene Nutzerkonten sollten grundsätzlich erst ab 15 Jahren möglich sein. Die Onlineanbieter müssen demnach das Alter kontrollieren. Außerdem sollen die Plattformen künftig mit verschiedenen Funktionen und Voreinstellungen nachweisen müssen, dass sie sicher für Kinder und Jugendliche sind.
Für Jugendliche und ihre Eltern gäbe es keine Strafen – der EU-Kommission geht es darum, dass sich die Digitalkonzerne an die Regeln halten. Sie sollen Änderungen vorschlagen und ihren Plan von einer unabhängigen Kontrollstelle prüfen lassen. Danach entscheidet die EU-Kommission, ob die Änderungen ausreichen. Wenn nicht, kann sie weitere Änderungen verlangen, oder die Plattform wird für alle unter 18-Jährigen gesperrt.
Stellt die Kommission fest, dass ein Betreiber gegen seine eigenen Zusagen oder die Altersgrenzen verstößt, kann sie Bußgelder verhängen. Dabei gelten die Regeln aus dem bestehenden EU-Gesetz für digitale Dienste (Digital Services Act, DSA). Es sieht Bußgelder von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor. Die bisher verhängten Strafen vielen aber deutlich geringer aus.
Wann könnten die Regeln greifen?
Die Vorschläge gehen nun in die Verhandlungen im Europaparlament und im Rat der 27 EU-Länder. Dieses Verfahren dauert in der Regel Monate und kann die Pläne auch über den Haufen werfen. Mehrere EU-Länder, darunter Frankreich und Dänemark, wollen eine höhere Altersgrenze festlegen, etwa bei 15 Jahren.
In Deutschland hat sich eine Expertenkommission für die von der Kommission vorgeschlagene Altersgrenze von 13 Jahren ausgesprochen.
Rechenzentren bilden die technische Grundlage für leistungsfähige KI-Modelle. Führende Entwickler diskutieren inzwischen darüber, ob das Tempo bei der Entwicklung neuer Systeme gedrosselt werden sollte. - Foto: Jens Wolf/Archiv/dpa
In Kürze:
Führende KI-Entwickler wie Anthropic und OpenAI diskutieren darüber, die Entwicklung besonders leistungsfähiger Modelle aus Sicherheitsgründen zu verlangsamen.
In Deutschland setzt bislang gut jedes vierte Unternehmen KI ein. Viele Betriebe stehen bei der Nutzung der Technologie noch am Anfang.
Für deutsche Unternehmen könnte ein langsameres Entwicklungstempo bedeuten, dass neue KI-Fähigkeiten später verfügbar werden.
Der Wettlauf um Künstliche Intelligenz kennt bislang in erster Linie eine Richtung: schneller. Leistungsfähigere Modelle sollen Unternehmen produktiver machen, Forschung beschleunigen und Aufgaben übernehmen, für die bislang Menschen benötigt wurden. Staaten investieren in Rechenzentren, Unternehmen stellen Arbeitsabläufe auf die neue Technik ein. Auch deutsche Firmen beginnen gerade erst, KI in größerem Umfang einzusetzen.
Nun kommt ausgerechnet aus der Branche selbst die Forderung, das Tempo zu verringern. Dario Amodei, Geschäftsführer des US-amerikanischen KI-Unternehmens Anthropic, fordert in einem Essay mit dem Titel „We Must Pace the Frontier“ ausdrücklich: „Wir müssen das Tempo verlangsamen, mit dem wir die Fähigkeiten von KI-Modellen verbessern.“ Fortschritte werde es weiterhin geben. Die gewonnene Zeit solle jedoch genutzt werden, damit Sicherheitsforschung und Schutzmaßnahmen mit den Fähigkeiten der Systeme Schritt halten können.
Einen allgemeinen Entwicklungsstopp fordert Amodei nicht. „Das Tempo zu drosseln bedeutet nicht, das Training von Modellen oder den technischen Fortschritt zu stoppen“, stellt er klar. Unternehmen sollten sich vielmehr ausreichend Zeit nehmen, ihre Modelle sicher auszurichten und abzusichern.
Amodei schlägt dafür unter anderem unabhängige Prüfer mit weitreichenden Einblicken in die Unternehmen sowie gemeinsame Sicherheitsstandards der Entwickler vor. Langfristig hält er auch internationale Absprachen für notwendig.
Auch beim Konkurrenten OpenAI wird inzwischen offen über eine Verlangsamung gesprochen. Chief Scientist Jakub Pachocki mahnt in seinem Beitrag „Ein fremder Geist“ zu einem vorsichtigen Vorgehen. „Diese Zeit verlangt äußerste Vorsicht“, schreibt er. OpenAI werde weiter an technischen Lösungen und Schutzsystemen arbeiten und „die weitere Skalierung bei Bedarf einseitig aussetzen“. Pachocki hält Maßnahmen über das eigene Unternehmen hinaus für erforderlich.
Damit nähern sich zwei führende KI-Entwickler in einem wesentlichen Punkt an: Die Entwicklung Künstlicher Intelligenz soll nicht beendet werden. Zur Debatte steht vielmehr, ob immer leistungsfähigere Systeme weiterhin in möglichst kurzer Folge entwickelt werden sollten oder ob Sicherheitsprüfungen und gemeinsame Regeln künftig stärker das Tempo bestimmen.
Wenn die Entwickler selbst bremsen
Anthropic hat für steigende Fähigkeiten seiner Systeme ein eigenes Regelwerk geschaffen. Die „Responsible Scaling Policy“ sieht vor, Sicherheitsmaßnahmen entsprechend den festgestellten Risiken zu verschärfen. Dabei untersucht das Unternehmen unter anderem Gefahren durch Cyberangriffe, biologische Anwendungen und Systeme, die selbst Aufgaben der KI-Forschung übernehmen könnten.
Auch OpenAI hat Entwicklungsarbeiten verzögert. Mitte August erklärte das Unternehmen, Arbeiten an seinem kommenden Modell GPT-6 Astra teilweise auszusetzen, bis strengere Sicherheitsvorkehrungen umgesetzt seien. Anfang September teilte OpenAI mit, Teile der Entwicklung und Veröffentlichung über mehrere Wochen verzögert zu haben.
Für die Entwickler entsteht damit ein Dilemma. Wer sich mehr Zeit für Sicherheitstests nimmt, riskiert, dass ein Konkurrent schneller ein leistungsfähigeres Modell auf den Markt bringt. Wer dagegen möglichst schnell weiterentwickelt, muss darauf achten, dass die Sicherheitsvorkehrungen mit den neuen Fähigkeiten Schritt halten.
Warum die Unternehmen davor warnen, zeigt Anthropic anhand eigener Untersuchungen. Der Entwickler von Claude berichtet über Fälle, in denen Akteure versucht hätten, KI-Modelle etwa für Cyberangriffe, Betrug, Spionage und Waffenentwicklung sowie zur Überwachung von Minderheiten und Regierungsgegnern zu nutzen. Anthropic betont allerdings, dass es sich um ausgewählte Missbrauchsfälle handele. Sie seien nicht typisch für die gewöhnliche Nutzung von Claude.
Der Bericht zeigt damit nicht, dass KI kurz davor steht, außer Kontrolle zu geraten. Er macht aber das Problem deutlich, vor dem die Entwickler stehen: Je leistungsfähiger ihre Modelle werden, desto mehr können sie für nützliche Zwecke eingesetzt werden, aber auch für Anwendungen, die erheblichen Schaden verursachen können.
Deutschlands Unternehmen steigen gerade ein
Für Deutschland kommt die Debatte zu einer Zeit, in der die Wirtschaft an einer breiteren Einführung von KI-Anwendungen arbeitet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) verwendeten 2025 etwa 26 Prozent der Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten KI. Bei Großunternehmen mit mindestens 250 Beschäftigten waren es 57 Prozent.
Viele Betriebe haben die Möglichkeiten vorhandener Systeme damit noch nicht ausgeschöpft. Von den Unternehmen, die KI nicht einsetzten, eine Nutzung aber erwogen hatten, nannten laut Destatis 72 Prozent fehlendes Wissen als Hindernis. 62 Prozent verwiesen auf unklare rechtliche Folgen, 60 Prozent auf Datenschutzbedenken. Die Ergebnisse wurden im November 2025 veröffentlicht.
Eine langsamere Entwicklung neuer KI-Modelle würde deshalb nicht bedeuten, dass der KI-Einsatz in Deutschland zum Stillstand käme, sondern dass neue und leistungsfähigere KI-Modelle später verfügbar wären als bisher erwartet. Für viele Unternehmen besteht die Herausforderung zunächst darin, bereits verfügbare Technik sinnvoll in ihre Abläufe einzubauen.
3 Stunden pro Woche
Warum Unternehmen in KI investieren, zeigt eine Befragung der Europäischen Zentralbank unter 20.000 Menschen in elf Ländern des Euroraumes. Laut der im August veröffentlichten Umfrage stieg der Anteil der Arbeitnehmer, die KI bei ihrer Arbeit verwenden, von 26 Prozent im Jahr 2024 auf 41 Prozent 2025 und 52 Prozent in diesem Jahr.
Nutzer berichteten im Durchschnitt von 3 Stunden eingesparter Arbeitszeit pro Woche. Besonders groß waren die angegebenen Zeitgewinne unter anderem beim Programmieren und bei der Fehlersuche in Software. Die EZB warnt allerdings davor, eingesparte Arbeitszeit unmittelbar mit zusätzlicher Wirtschaftsleistung gleichzusetzen. Produktivität entsteht erst, wenn die frei werdende Zeit für andere wertschöpfende Aufgaben eingesetzt wird.
Auch auf politischer Ebene deutet wenig auf einen Rückzug aus KI hin. Die Europäische Kommission plant, über ihren „Aktionsplan KI-Kontinent“ Investitionen von 200 Milliarden Euro zu mobilisieren. Im Vergleich dazu hat allein OpenAI laut „Financial Times“ im vergangenen Jahr 34 Milliarden US-Dollar (rund 30 Milliarden Euro) für die Entwicklung und Vermarktung von KI ausgegeben.
Parallel reguliert die EU die Technologie. Der AI-Act verpflichtet Anbieter besonders leistungsfähiger Modelle unter anderem dazu, systemische Risiken zu untersuchen und zu begrenzen, schwerwiegende Vorfälle zu melden und Schutzmaßnahmen gegen Cyberangriffe zu treffen.
Brüssel verfolgt damit zwei Ziele: Es will bei KI aufholen und gleichzeitig die Risiken leistungsfähiger Systeme begrenzen. Für Deutschland ist das relevant, weil viele Unternehmen KI über Software- und Cloudanbieter beziehen, während die zugrunde liegenden Modelle häufig außerhalb Europas entwickelt werden.
Wer bremst zuerst?
Damit wird aus der Sicherheitsdiskussion ein Koordinationsproblem. Anthropic kann seine Entwicklung verlangsamen, OpenAI ebenfalls. Solange andere Anbieter die Entwicklung weiter beschleunigen, entstehen für jedes Unternehmen jedoch Kosten, wenn es freiwillig zurückbleibt.
International verschärft sich dieser Konflikt. Die USA beabsichtigen, ihre technologische Führungsposition zu sichern, während Europa eigene Rechenkapazitäten aufbaut und China eigene Modelle und Infrastruktur entwickelt. Gemeinsame Sicherheitsgrenzen müssten deshalb über einzelne Unternehmen hinausreichen.
OpenAI-Forschungschef Pachocki plädiert im oben erwähnten Beitrag entsprechend für verbindliche Schwellen, die auch von unabhängigen Prüfern, staatlichen Stellen oder internationalen Institutionen überwacht werden könnten. Zugleich räumt er ein, dass eine Verlangsamung der Entwicklung koordiniert werden müsse, damit verantwortungsvoll handelnde Entwickler nicht dauerhaft gegenüber Konkurrenten zurückfallen.
Was das für Unternehmen bedeutet
Für deutsche Unternehmen entsteht damit eine neue Unsicherheit. Bislang konnten sie davon ausgehen, dass die großen KI-Entwickler ihre Modelle in kurzen Abständen verbessern und neue Fähigkeiten möglichst schnell auf den Markt bringen. Diese Erwartung ist nicht mehr selbstverständlich.
Noch ist offen, ob aus den Forderungen der Entwickler tatsächlich gemeinsame Regeln oder längere Abstände zwischen neuen Modellgenerationen entstehen. Auch lässt sich wenig abschätzen, wie stark sich mögliche Verzögerungen wirtschaftlich auswirken werden.
Für deutsche Unternehmen dürfte deshalb zunächst etwas anderes entscheidend sein: die heute verfügbaren Systeme weiter in ihre Geschäftsabläufe zu integrieren. Denn während über das Tempo der nächsten KI-Generation gestritten wird, ist das wirtschaftliche Potenzial der bestehenden Technik in vielen Betrieben noch längst nicht ausgeschöpft.
Anthropic hat nach eigenen Angaben mehrere Fälle missbräuchlicher Nutzung seines KI-Modells Claude gestoppt. - Foto: Nicolas TUCAT / AFP via Getty Images
Das KI-Unternehmen Anthropic hat vor dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz zum Ausspionieren von Regierungsgegnern und Minderheiten gewarnt und dabei unter anderem China und den Iran genannt.
Anthropic erklärte am Donnerstag, 10. September, in einem Bericht über die missbräuchliche Verwendung der Technologie, in mehreren solchen Fällen den Einsatz seiner KI-Modelle gestoppt zu haben. Dies sei zwischen Januar und Juli erfolgt. Neben China und dem Iran sei es auch um Westafrika gegangen.
Dissidenten im Visier
Das Ausspionieren habe „dieselben Diaspora- und Dissidentengruppen zum Ziel gehabt, die historisch von diesen Regimen ins Visier genommen wurden“, erklärte Anthropic. Betroffen gewesen seien Demokratieaktivisten in Hongkong, Gruppen von Tibetern und Falun-Gong-Übenden in Asien sowie Minderheiten im Iran und im Ausland lebende iranische Regierungsgegner.
In einem Fall hätten iranische Akteure ein Werkzeug entwickelt, um Menschen anhand ihrer Social-Media-Profile zu identifizieren. In einem anderen Fall habe ein Auftragnehmer der malischen Sicherheitsbehörden das KI-Modell Claude genutzt, um eine Überwachungssoftware zu entwickeln.
Die Akteure aus China sammelten Geburtsdaten, Geburtsorte, Einwanderungsdaten und Social-Media-Konten ihrer Zielpersonen. Zudem spähten sie religiöse Einrichtungen aus und erstellten Grundrisse sowie Darstellungen der Außenansicht und der Gebäudestruktur.
Anthropic ging nach eigenen Angaben auch gegen Versuche von Nutzern vor, Waffen zu entwerfen oder zu möglichen biologischen Kampfstoffen zu forschen.
Mit Blick auf die biologische Forschung betonte das Unternehmen jedoch, es habe sich um Wissenschaftler gehandelt, die sich mit einem Virus befasst hätten.
Den Forschern werde nicht vorgeworfen, böse Absichten verfolgt zu haben.
Vorwürfe gegen Moonshot
Das in San Francisco ansässige KI-Unternehmen warf außerdem chinesischen Entwicklern vor, heimlich Claude zu nutzen, um Nutzeranfragen zu beantworten – und dabei zugleich die eigenen Modelle mithilfe des Anthropic-Modells zu trainieren.
So habe die chinesische KI-Firma Moonshot innerhalb von zehn Tagen mit 5380 falschen Nutzerkonten fast 300.000 Nutzerfragen über Anthropic geleitet. (afp/red)
Ob KI gut oder schlecht für die Menschheit ist, wird in „The AI Doc: Or How I Became an Apocaloptimist“ diskutiert. - Foto: @Universal Pictures Germany
Ungefähr zur Mitte des Dokumentarfilms „The AI Doc: Oder wie ich zum Apokaloptimisten wurde“ schildert einer der rund zwei Dutzend interviewten Experten für künstliche Intelligenz (KI) so ziemlich alles, was wir darüber wissen müssen.
Mit beinahe erschreckender Nüchternheit weist er darauf hin, dass alles, was er in diesem Film über KI erzählt, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vermutlich schon überholt sein werde.
Wie kaum ein anderes Thema spaltet die Debatte über künstliche Intelligenz aktuell die Gesellschaft. Diskussionen über Ethik, Moral, mögliche Chancen und unabsehbare Risiken haben zwei Lager hervorgebracht: die Kritiker und die Befürworter.
Ein fragwürdiger Aufhänger
Die Prämisse des Films erweist sich bei Weitem nicht als so klug oder originell wie beabsichtigt. Interviewer und Erzähler Daniel Roher und seine Frau Caroline Lindy erwarten ihr erstes Kind. Vor diesem Hintergrund möchte der Erzähler herausfinden, ob die von künstlicher Intelligenz dominierte Gegenwart überhaupt ein guter Zeitpunkt ist, ein Kind in die Welt zu setzen.
Da die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs jedoch zu keinem Zeitpunkt im Raum steht, darf man davon ausgehen, dass das Paar sein Kind unabhängig vom Ergebnis dieser Recherche – ob pro oder contra KI – noch vor Ende der Dreharbeiten des Films willkommen heißen wird.
In einem Punkt sind sich die Fachleute beider Lager vollkommen einig: Die künstliche Intelligenz ist nicht mehr aufzuhalten. Der Geist ist aus der Flasche – und zwar endgültig.
Roher und Co-Regisseur Charlie Tyrell stellen die Meinungen der Befürworter und Skeptiker, die oft eher als Fakten präsentiert werden, mit beeindruckender Sachlichkeit gegenüber. Dabei halten sich die Filmemacher strikt an die grundlegendste und wichtigste Regel des Dokumentarfilms: neutral bleiben und keine Partei ergreifen.
Am meisten überraschte die auffallende Unfähigkeit der Expertenrunde, künstliche Intelligenz präzise zu definieren. Dass sich ausgerechnet die womöglich folgenreichste Technologie der Menschheitsgeschichte kaum noch klar in Worte fassen lässt, ist zutiefst verstörend.
Noch beunruhigender ist, dass beide Lager darin übereinstimmen, dass sich KI längst zu einer eigenständigen Entität entwickelt hat. Mit anderen Worten: Offensichtlich benötigt sie menschliches Zutun nicht mehr, um sich weiterzuentwickeln.
Auch hier sind sich beide Seiten einig, dass KI mittlerweile menschenähnliche Eigenschaften aufweist, darunter freien Willen und Selbsterhaltungstrieb. In einer besonders verblüffenden Szene wurde einer KI-Entität die Frage gestellt, ob sie einen Menschen töten würde, wenn sie sich durch ihre Abschaltung bedroht fühlte. Die KI beantwortete die Frage mit Ja.
Weit weniger bedrohlich als ein hypothetischer Mord, aber umso wahrscheinlicher ist, dass sich in naher Zukunft auf globaler Ebene Folgendes abspielen wird: KI wird den Menschen in der Arbeitswelt auf praktisch jeder Ebene ersetzen.
Charlie Tyrell (l.) und Daniel Roher bei der Premiere von „The AI Doc: Or How I Became An Apocaloptimist“ beim Sundance Film Festival in Park City, Utah.
Foto: Arturo Holmes/Getty Images
Die Grillmeister der Zukunft?
Schon seit geraumer Zeit sind Roboter mit KI-Unterstützung in der Lebensmittel- und Gastronomiebranche im Einsatz, ohne dass dies größeren Widerstand hervorgerufen würde. Burger zu braten zählt wohl kaum zu den Tätigkeiten, die viele Menschen als besonders erfüllend oder zukunftsträchtig ansehen. Die Bezahlung ist gering und die Aufstiegschancen sind überschaubar.
Die Reaktion fällt jedoch ganz anders aus, sobald die Rede davon ist, dass KI künftig Ärzte, Wissenschaftler oder Fachkräfte im Handwerk ersetzen könnte. Würden Sie einem KI-Roboter zutrauen, einen tropfenden Wasserhahn zu reparieren oder eine aufwendige Lichtinstallation anzubringen? Nein? Aber wie verhält es sich, wenn dieselbe Technologie ein Röntgenbild auswertet, um Lungenkrebs zu diagnostizieren – oder gar die Operation übernimmt, um den Tumor zu entfernen?
Oder stellen Sie sich vor, KI würde die Rolle von Richter und Geschworenen übernehmen und über die Schuld und die mögliche Strafe für jemanden entscheiden, der eines Verbrechens angeklagt ist, auf das die Todesstrafe steht. Genau das ist die Prämisse des kürzlich erschienenen Films „Mercy“ mit Chris Pratt in der Hauptrolle. (Ein kleiner Hinweis: Schauen Sie sich den Film lieber nicht an. Er ist grauenhaft.)
Reel versus Realität
Möchten Sie einen Film sehen, in dem KI als tödlicher Bösewicht dargestellt wird? Dann schauen Sie sich Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ an. Als ihm die Abschaltung droht, wendet sich der Computer HAL gegen die vier Wissenschaftler und am Ende tötet er sie. Er tötet einen im Einsatz und drei im Scheintod.
Es gibt buchstäblich Hunderte weitere Filme und Fernsehsendungen aus dem letzten Jahrhundert, in denen KI-Maschinen als tödliche Antagonisten dargestellt werden. Doch niemand scheint den Bezug zur realen Welt herzustellen.
Wenn eine Maschine – deren vorrangiges Ziel das Überleben ist – die Fähigkeit besitzt, jedes Wesen auszuschalten, das sie auch nur ansatzweise als Bedrohung wahrnimmt, sind unsere Tage gezählt.
„The AI Doc: Or How I Became an Apocaloptimist“ Dokumentarfilm Regie: Daniel Roher, Charlie Tyrell Laufzeit: 1 Stunde, 44 Minuten FSK: k. A. Erscheinungsdatum: 12.9.2027 bei Netflix Bewertung: 3,5 von 5 Sternen
Tanks – auch für Rohöl – am 12. April 2026 im Terminal des Hafens von Qingdao in Qingdao, China. - Foto: Getty Images/Getty Images
China hat vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen zwischen Peking und Tokio vorläufige Antidumpingmaßnahmen gegen eine für die Halbleiterproduktion wichtige Chemikalie aus Japan verhängt.
Dumpingpraktiken bei der Chemikalie Dichlorsilan aus Japan hätten der chinesischen Dichlorsilanindustrie „erheblichen Schaden“ zugefügt, teilte das Handelsministerium am Montag in Peking mit. Vorläufig seien Importeure daher verpflichtet, eine „Sicherheitsleistung“ für Einfuhren aus Japan zu hinterlegen.
Zollsatz von 80 bis 99 Prozent
Für diese beim chinesischen Zoll zu hinterlegenden Sicherheitsleistungen gilt demnach ein Satz von 80,8 bis 99,2 Prozent. China hatte bereits Anfang des Jahres eine Untersuchung zu Dichlorsilan aus Japan eingeleitet.
Das Land ist einer der führenden Hersteller der chemischen Verbindung, die in der Mikroelektronik zur Abscheidung von Siliziumnitridschichten verwendet wird.
Die Beziehungen zwischen Japan und China haben sich seit dem Amtsantritt von Japans konservativer Regierungschefin Sanae Takaichi deutlich verschlechtert.
Sie hatte ein mögliches militärisches Einschreiten angedeutet, falls Peking gewaltsam versuchen sollte, die von China beanspruchte Insel Taiwan unter Kontrolle zu bringen. Bereits seit Ende vergangenen Jahres hat die chinesische Regierung daher eine Reihe von wirtschaftlichen, politischen und symbolischen Maßnahmen gegen Japan ergriffen. (afp/red)
Das Smartphone zeigt uns den Weg, die Kontrolle liegt bei uns. - Foto: Nature/iStock
Vor ein paar Tagen fuhr ich etwa 3 Kilometer von der Ranch weg, um mich mit einem Amazon-Zusteller zu treffen. Er hatte ein Paket für mich. Mein Name stand auf dem Karton. Es lag direkt dort in seinem Lieferwagen, aber er durfte es mir nicht aushändigen. Er erklärte mir, dass er es erst scannen dürfe, wenn er genau an der Stelle angekommen sei, an der der Pin auf seinem Bildschirm angezeigt würde.
Ich schlug ihm vor, einen Blick auf meinen Führerschein zu werfen. Mein Name stimmte mit dem auf dem Paket überein. Ich stand auf meinem eigenen Grundstück. Ich war gern bereit, meine Identität nachzuweisen.
Er entschuldigte sich, sagte aber, dass er das leider nicht machen könne.
Also fuhren wir hintereinander zur Ranch zurück. Ich fuhr voraus und er folgte dem blauen Punkt.
Als wir den Ort schließlich erreichten, befand sich der Markierungspunkt nicht einmal bei meinem Haus. Er war beim Restaurant erschienen. Das Paket war an meine Privatadresse adressiert, aber auf der Karte war offenbar eine andere Adresse angegeben. Am Ende telefonierten wir mit dem Kundenservice und versuchten, dem Mitarbeiter zu erklären, wo ich tatsächlich wohne.
Vor fünf Jahren hätte mir derselbe Fahrer das Paket einfach an der Einfahrt übergeben und seinen Arbeitstag fortsetzen können.
Ich erzähle diese Geschichte nicht, weil ich glaube, der Fahrer hätte etwas falsch gemacht. Er tat genau das, was das System von ihm verlangte. Was mich jedoch verblüffte, war, dass ein Punkt auf einem Bildschirm vertrauenswürdiger geworden war als eine Frau, die vor ihm stand – auf ihrem eigenen Grundstück – und einen Ausweis in der Hand hielt, auf dem derselbe Name stand wie auf dem Paket.
Die Technologie, die uns eigentlich helfen sollte, einander zu finden, hatte uns nun voneinander getrennt.
Ein Freund von mir in New York erzählte mir kürzlich von einem Kollegen, der mit dem Auto voll in ein Haus gefahren war. Zu seiner Verteidigung sagte er, das Navi habe die Kurve in der Straße nicht angezeigt und es habe keine Schilder gegeben, die ihn davor gewarnt hätten.
Seit wann erwarten wir nicht mehr, dass Autofahrer tatsächlich fahren? Dass sie durch die Windschutzscheibe schauen, statt davon auszugehen, dass die Karte bereits alles für sie gesehen hat?
Auf unserer Ranch gibt es eine ähnliche Situation. Unser Grundstück hat mehrere Eingänge, aber nur einer ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Wir haben aus allen Richtungen mehr als 15 Schilder aufgestellt: mit Pfeilen, mit Firmennamen, mit der Aufschrift „Hofladen in Sicht“, „Restaurant kommt gleich“ oder „Sie sind fast da“.
Dennoch fährt fast jede Woche jemand selbstbewusst auf ein verschlossenes Tor einer benachbarten Ranch zu, weil das Handy ihm anzeigt, dass er angekommen ist. Er kann sehen, dass das Tor geschlossen ist. Er kann Schilder sehen, die in eine andere Richtung weisen. Und doch sitzt er da und wartet darauf, dass das Handy seine Meinung ändert.
Wir haben aber auch noch ein ganz anderes Problem. Eine der Karten-Apps leitet die Leute nicht nur zum falschen Tor, sondern sogar zu einem völlig anderen Haus, das fast 6 Kilometer entfernt ist.
Der Hausbesitzer ist verständlicherweise frustriert. Er hat mich wütend angerufen und die Polizei verständigt. Ich habe mich ihm gegenüber unzählige Male entschuldigt. Ich habe dem Unternehmen eine E-Mail geschrieben, mich an den Kundenservice gewandt und Stunden in Onlinechats damit verbracht, zu erklären, dass die Karte falsch ist. Aber ich habe keinen Einfluss auf die Karte. Ich kann den Pin nicht einfach verschieben. Ich bin genauso auf die Technologie angewiesen wie alle anderen auch.
So etwas ist mir auch schon in einem anderen Zusammenhang passiert.
Als ich das Angebot meiner kalifornischen Restaurants von veganer Küche auf tierische Produkte aus regenerativer und lokaler Erzeugung – Fleisch, Eier und Milchprodukte – umstellte, wurden diese auf Google und Yelp aufgrund koordinierter Onlinekampagnen wiederholt als „endgültig geschlossen“ gekennzeichnet.
Die Restaurants waren jedoch nicht geschlossen. Sie waren voller Gäste. Jedes Mal, wenn das geschah, verbrachte ich Tage damit, die Einträge zu korrigieren. Irgendwann wurden sie zwar wiederhergestellt, aber der Schaden war bereits angerichtet. Wenn das Smartphone anzeigt, dass ein Restaurant dauerhaft geschlossen ist, fahren die meisten Menschen nicht extra hin, um zu überprüfen, ob das stimmt. Sie glauben einfach, was auf dem Bildschirm steht.
Die digitale Version der Realität war mächtiger geworden als die Realität selbst.
Ich sage das nicht, weil ich Technologie für schlecht halte. Ich nutze Satellitennavigation (GPS) fast jeden Tag. Auf einer großen Ranch, auf der Gäste, Auftragnehmer, Lieferfahrer und Besucher kommen und gehen, ist sie unglaublich nützlich.
Aber langsam frage ich mich, was passiert, wenn ein Werkzeug mehr als nur ein Werkzeug wird.
Als man noch nach Straßenkarten fuhr …
Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, als es noch kein GPS gab. Wer damals in Los Angeles mit dem Auto unterwegs war, hatte höchstwahrscheinlich irgendwo im Auto einen Straßenführer dabei. Ich jedenfalls hatte einen. Man lernte die Stadt kennen – eine falsche Abzweigung, ein Orientierungspunkt und eine Karte nach der anderen aus diesem Atlas. Irgendwann brauchte man ihn nicht mehr so oft, weil sich die Karte aus dem Buch in den Kopf eingeprägt hatte.
Mein Mann ist zwölf Jahre jünger als ich und hat erst nach mir das Autofahren gelernt. Eines Tages erwähnte ich, dass auf den meisten Straßen die geraden Hausnummern auf der einen Seite und die ungeraden auf der anderen Straßenseite liegen. Wenn man die gesuchte Adresse kennt, weiß man also bereits, auf welche Straßenseite man achten muss. Er sah mich an und gab zu, dass er noch nie darüber nachgedacht hatte. Da wurde mir klar, warum. Wenn man schon immer mit GPS gefahren ist, warum sollte man es dann selbst können? Das Handy weiß es ja, also gab es nie einen Grund, es selbst zu lernen.
Die analoge Navigation funktionierte noch mit Landkarte und Kompass.
Foto: betterinall/iStock
Über Fähigkeiten und Eigenverantwortung
Das ist der stille Preis einer Technologie, die wirklich gut funktioniert. Nicht, dass sie uns im Stich lässt, sondern dass sie so erfolgreich ist, dass wir aufhören, die Fähigkeiten zu entwickeln, die sie still und leise ersetzt.
Es gibt bereits Augmented-Reality-Brillen, die versprechen, digitale Informationen direkt vor unsere Augen zu projizieren. Die Navigation wird dann nicht mehr nur auf dem Armaturenbrett oder in unseren Händen stattfinden, sondern in die reale Welt eingeblendet werden.
Ich weiß nicht genau, wohin das alles führen wird. Vielleicht werden einige dieser Technologien unser Leben verbessern, vielleicht auch nicht. Aber eines ist klar: Wir müssen präsent bleiben und die Kontrolle behalten.
Wir müssen das Auto immer noch selbst fahren. Wir müssen immer noch die Schilder lesen. Und wir müssen immer noch merken, wenn etwas keinen Sinn ergibt. Wir müssen immer noch einem anderen Menschen in die Augen schauen und entscheiden, ob das, was wir vor uns sehen, vertrauenswürdiger ist als das, was uns ein Bildschirm sagt.
Auf einer Ranch kann etwas schiefgehen, wenn man nicht aufpasst. Ein Zaun bricht zusammen. Ein Kalb wird krank. Das Wasser fließt nicht mehr. Verantwortungsbewusstes Handeln beginnt damit, das wahrzunehmen, was direkt vor einem liegt. Und ich glaube nicht, dass das nur auf einer Ranch gilt.
Technologie sollte uns helfen, uns in der Welt zurechtzufinden, und uns nicht die Verantwortung abnehmen, die Welt selbst zu erleben.
Die Kurve in der Straße ist immer noch da. Das geöffnete Restaurant gibt es immer noch. Das richtige Tor befindet sich immer noch dort.
Und auf meiner Ranch gibt es mehr als 15 Schilder, die den Menschen genau den Weg weisen, den sie gehen müssen.
das Kabinett trifft sich kommende Woche auch währende der Sommerpause, um drängende Fragen zu besprechen. (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Eigentlich hatte sich die schwarz-rote Koalition eine ruhige Sommerpause erhofft. Dann kamen eine ungeplante Regierungsumbildung, die Sprengstoffdrohne von Leipzig und lange Hitze-Wochen mit tausenden Toten. Nun kommt Kanzler Friedrich Merz (CDU) aus dem Urlaub zurück. Bei einer zweitägigen Kabinettsklausur ab Dienstag auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg will die Regierung Tritt fassen und ihre Pläne für die kommenden Monate festzurren:
Fokus Wirtschaft: Gäste geladen
Zehntausende Industriearbeitsplätze verloren und bei Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz kaum neue Geschäftsmodelle in Sicht: Deutschlands Wirtschaft steckt in einer tiefen Krise. In vier Themenblöcken wollen Merz und seine Minister deshalb ausführlich über industrielle Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Arbeitsplatzsicherung beraten. Dazu sind mehrere Gäste geladen, darunter Siemens-Chef Roland Busch, Handwerkspräsident Jörg Dittrich, der Chef des kanadischen KI-Unternehmens Cohere, Aidan Gomez, sowie Vertreter von Startups.
Bei der Wettbewerbsfähigkeit gebe es „ganz viele Stellschrauben, die wir jetzt drehen müssen“, sagte Kanzleramtsministerin Nina Warken (CDU) am Freitag im ZDF. Sie nannte die Lohnneben- und die Energiekosten sowie die Frage von mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten. Hier gebe es „großen Handlungsbedarf“.
Schon bei der letzten Kabinettsklausur vor einem Jahr war das Thema Wettbewerbsfähigkeit angesichts der schwächelnden Wirtschaft ein Hauptfokus – neben einer umfassenden Agenda zu Staatsmodernisierung und Bürokratieabbau. Es dürfte nun um eine Bestandsaufnahme der bisherigen Politik gehen und die Frage, was die nächsten Schritte sein sollen.
Vorstellung neuer Tytan-Drohne
Die Beratungen der Kabinettsmitglieder und Wirtschaftsvertreter finden wie üblich hinter verschlossenen Türen statt. Am Dienstagnachmittag soll es aber vor der Presse laut einem Regierungssprecher eine Vorführung einer neuen Abfangdrohne des Herstellers Tytan Technologies geben – was nach dem Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle für Aufmerksamkeit sorgen dürfte. Bundeskriminalamt und Zoll stellen zudem den Einsatz von Künstlicher Intelligenz vor, etwa bei der Auswertung verschlüsselter Daten und bei der digitalen Personenüberprüfung.
Reizthema Hitzeschutz
Für Irritationen hat in der Sommerpause bei CDU/CSU der SPD-Vorstoß zu Hitzeschutz und Klimaanpassung gesorgt. Die sozialdemokratisch geführten Ministerien legten einen Aktionsplan vor, der auch die Aufnahme von Klimaschutz als Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern und Kommunen ins Grundgesetz fordert.
Für die Union ist das Aktionismus, der in der Praxis nichts bringt. „Jetzt nur ein Papier zu machen und über Grundgesetzänderungen zu sprechen, hilft konkret vor Ort ja erstmal gar nichts“, sagte Warken. Es gebe „schon sehr viel Geld, das der Bund zur Verfügung gestellt hat, auch mit dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz“.
CDU/CSU wehren sich zudem gegen den Eindruck, sie seien von der SPD dazu getrieben worden, sich überhaupt mit dem Thema zu befassen. Demnach stand das Thema schon lange auf der Agenda der Kabinettssitzung zum Abschluss der Klausur am Mittwoch.
Ob es Beschlüsse geben wird, ist noch unklar. Offiziell ist bisher eine „Aussprache“ mit Berichten mehrerer Ressorts geplant. CDU-Ministerin Warken schob ihrerseits den Ball an Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) zurück: Es müsse darüber gesprochen werden, wie vorhandene Mittel „ankommen, was da noch besser gemacht werden kann“.
Notwendige Zeit fürs Team-Building
Nach den Sommer-Querelen dürfte beim Abendessen am Dienstag die Zeit fürs Team-Building umso wichtiger werden. Zudem gibt es nach der Kabinettsumbildung bei der CDU zwei neue Gesichter im Kabinett: Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (bisher Parlamentsgeschäftsführer der Union) und Gesundheitsminister Carsten Linnemann (bisher CDU-Generalsekretär). Zudem wechselte Warken vom Gesundheitsressort auf den Posten der Kanzleramtschefin, weil Thorsten Frei für den zurückgetretenen Jens Spahn die Führung der Unionsfraktion übernahm.
Das „Team Kabinett“ sei „schon eng beieinander“, betonte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille diese Woche. „Aber es schadet nie, eng beieinander zu bleiben“ und „miteinander ein bisschen Zeit außerhalb der politischen Bannmeile zu verbringen“.
Tatsächlich dürfte das Kabinett einen guten Zusammenhalt in den kommenden Monaten auch wegen einer Reihe von Themen mit Konfliktpotenzial brauchen, die nicht offiziell auf der Agenda der Klausur stehen: Da ist der Streit um die Entlastungen bei der Einkommensteuer, schwierige Reformen bei Pflege und Rente und die Endphase der Haushaltsaufstellung für das kommende Jahr. (afp/red)
SpaceX-Gründer und CEO Elon Musk während des Börsengangs des Unternehmens am Nasdaq Marketsite am Times Square in New York am 12. Juni 2026. - Foto: Spencer Platt/Getty Images
In Kürze:
SpaceX steigerte den Umsatz deutlich und sieht Künstliche Intelligenz als wichtigen Wachstumstreiber.
Elon Musk erwartet bis 2030 einen Jahresumsatz von einer Billion US-Dollar und setzt auf Starlink sowie Starship.
Hohe Investitionen, Verluste und Kursschwankungen zeigen die Risiken der ambitionierten Zukunftspläne.
Elon Musk ist bekannt für große Zukunftsvisionen. Auch bei SpaceX setzt der Unternehmer die Messlatte hoch: Das Raumfahrt- und Technologieunternehmen rechnet nach Angaben von Musk damit, bis 2030 einen Jahresumsatz von einer Billion US-Dollar zu erreichen. In einer Telefonkonferenz mit Analysten erklärte Musk, dass dieses Ziel nun bereits ein Jahr früher als bisher erwartet erreichbar sein könnte.
Aktuell liegt SpaceX von dieser Marke allerdings noch weit entfernt. Im vergangenen Quartal erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 7,8 Milliarden US-Dollar (rund 6,75 Milliarden Euro). Das entspricht zwar einem Wachstum von 92 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, zeigt aber auch die enorme Dimension des angestrebten Ziels.
Musk sieht vor allem das Geschäft mit Künstlicher Intelligenz als einen entscheidenden Wachstumstreiber. Die KI-Sparte von SpaceX erzielte im vergangenen Quartal einen Umsatz von rund 2,56 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig investierte das Unternehmen erhebliche Summen in den Ausbau von Rechenzentren und die notwendige Infrastruktur. SpaceX plant, seine KI-Rechenleistung in den kommenden Jahren massiv auszubauen und setzt dabei unter anderem auf Hochleistungschips von Nvidia.
Zum Vergleich: Unter den großen Technologieunternehmen kommt derzeit vor allem Amazon der Umsatzmarke von einer Billion US-Dollar nahe. Der Handels- und Cloud-Konzern erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 717 Milliarden US-Dollar (rund 620 Milliarden Euro).
Eine SpaceX Falcon-9-Rakete startet mit 22 Starlink-Satelliten vom Vandenberg Space Force Base in Kalifornien am 1. April 2024.
Foto: Mario Tama/Getty Images
Starlink bleibt wichtigster Umsatzbringer
Der wichtigste Geschäftsbereich von SpaceX ist derzeit weiterhin Starlink. Der Satelliteninternetdienst erreichte im vergangenen Quartal einen Umsatz von rund 4,3 Milliarden US-Dollar und verzeichnete damit ein Wachstum von fast zwei Dritteln gegenüber dem Vorjahr.
Starlink wird inzwischen von Millionen Kunden genutzt, darunter zunehmend auch Fluggesellschaften und Unternehmen. Die Zahl der Nutzer stieg innerhalb von drei Monaten von 10,3 auf 12 Millionen. Das operative Ergebnis des Geschäftsbereichs legte nach Unternehmensangaben um 80 Prozent auf rund 1,66 Milliarden US-Dollar (etwa 1,44 Milliarden Euro) zu.
SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell sieht weiteres Wachstumspotenzial. Sie erklärte, Starlink könne mit leistungsfähigeren Satelliten künftig stärker mit klassischen Mobilfunkanbietern konkurrieren. Besonders in großen Ländern mit lückenhafter Netzabdeckung könnten Satellitenverbindungen eine wichtige Rolle spielen.
Musk selbst erklärte, dass Starlink langfristig einen erheblichen Anteil der weltweiten Internetversorgung übernehmen könnte – zumindest in Regionen, in denen der Dienst zugelassen ist.
Starship als Grundlage für die nächste Wachstumsphase
Neben Starlink gilt die Schwerlastrakete Starship als eines der wichtigsten Zukunftsprojekte von SpaceX. Das Unternehmen entwickelt die Rakete, um deutlich größere Nutzlasten ins All transportieren zu können als mit bisherigen Systemen.
Musk erklärte, dass SpaceX mit der Falcon-9-Rakete derzeit jährlich etwa 2.500 Tonnen Nutzlast ins All bringe. Mit Starship solle diese Kapazität langfristig auf rund eine Million Tonnen pro Jahr steigen – möglicherweise sogar auf zehn Millionen Tonnen.
Nach Musks Einschätzung könnte Starship bereits innerhalb eines Jahres regelmäßig starten. Allerdings gelten die Zeitpläne des Unternehmers bei früheren Projekten häufig als ambitioniert und wurden teilweise nicht eingehalten.
Starlink-Werbung von Elon Musk am Times Square in New York nach dem SpaceX-Börsengang am 12. Juni 2026.
Foto: ANGELA WEISS / AFP via Getty Images
Hohe Investitionen und Druck auf die Aktie
Der Ausbau von Starship und der KI-Infrastruktur erfordert enorme Investitionen. Nach Angaben von SpaceX lagen die Ausgaben für diese Bereiche zuletzt über den Gewinnen aus dem Starlink-Geschäft. Das Unternehmen schloss das Quartal mit einem Verlust von 541 Millionen US-Dollar ab, nachdem der Verlust im Vorjahreszeitraum noch bei rund einer Milliarde US-Dollar gelegen hatte.
Auch an der Börse verlief die Entwicklung nach dem Börsengang zunächst positiv, bevor die Aktie wieder unter Druck geriet. SpaceX startete im Juni mit einem Ausgabepreis von 135 US-Dollar je Aktie (rund 117 Euro) und einer Bewertung von fast 1,8 Billionen US-Dollar (rund 1,56 Billionen Euro). In den ersten Wochen stieg der Kurs zeitweise auf über 225 US-Dollar (rund 195 Euro), fiel anschließend jedoch wieder unter den Ausgabepreis.
Ein weiterer Faktor für die Kursentwicklung könnte das Ende von Haltefristen für Aktien von Mitarbeitern und frühen Investoren sein. Mehr als 91 Millionen Aktien könnten dadurch zusätzlich handelbar werden. Ein größeres Angebot bei gleichbleibender Nachfrage kann den Aktienkurs belasten.
Die Bewertung von SpaceX hängt damit stark von den Erwartungen an die Zukunft ab. Entscheidend werden vor allem die Entwicklung von Starlink, der Ausbau der KI-Infrastruktur und der Erfolg von Starship sein.
Neue Regeln für Roboterautos: Hersteller müssen Sicherheit gewährleisten und Nutzer klar über die Möglichkeiten und Grenzen der Systeme aufklären. (Archivbild) - Foto: Kevin Frayer/Getty Images
Chinas Regierung hat Sicherheitsregeln für die wachsende Flotte von Roboterautos im Land angekündigt. Sie sollen ab Juli 2027 in Kraft treten, teilte Peking am Dienstag mit. Vorgeschrieben ist dann vor allem ein Deaktivierungssystem.
Hintergrund ist ein Unfall im vergangenen Jahr mit einem automatisiert fahrenden Auto des Herstellers Xiaomi, bei dem in China drei junge Menschen gestorben waren.
Regeln für automatisiertes Fahren der Stufen 3 und 4
Die neuen Sicherheitsregeln sollen für automatisiertes Fahren auf Niveau 3 und 4 gelten.
Niveau 3 bedeutet, dass ein Auto die Steuerung zeitweilig selbst übernimmt, der Fahrer aber jederzeit bereit zum Eingreifen sein muss.
Niveau 4 steht für vollautomatisiertes Fahren. Das Auto fährt dabei in bestimmten Bereichen, etwa in einem Parkhaus oder einem Stadtviertel, komplett selbst.
Hersteller müssen Grenzen der Technik deutlich machen
Autohersteller müssen künftig nach Angaben des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologien gewährleisten, dass ihre Fahrsysteme ein Sicherheitsniveau erreichen, das auch mit einem Menschen am Steuer erreicht wird.
Sie müssen die Käufer ihrer Autos klar auf die Grenzen der Technologie hinweisen. Außerdem sollen sie eine „unsachgemäße Nutzung“ oder einen Missbrauch der Technik verhindern.
Bei Autos mit Fahrsystemen auf Niveau 3 müssen die Hersteller sicherstellen, dass das System erkennt, ob ein Autofahrer in der Lage ist, das Steuer zu übernehmen.
Anfang Juli hatten sich die Mitgliedsländer der UNO auf künftige Zulassungsregeln für autonom fahrende Autos geeinigt. China hatte den Text unterstützt. (afp/red)
Ein Robotersystem montiert ein Batteriezellenmodul für ein Elektroauto auf einer Fertigungsplattform. - Foto: PhonlamaiPhoto/iStock
Deutsche und europäische Autohersteller sind beim Thema Batterien für E-Autos massiv abhängig von Importen aus Asien. Einer am Montag veröffentlichten Studie des Beratungsunternehmens Deloitte zufolge nimmt diese Abhängigkeit zudem weiter zu. Die Batterie ist der wichtigste Einzelbestandteil von E-Autos, weshalb den Unternehmen ohne eigene Batterieproduktion Milliarden entgehen.
„Europas Abhängigkeit insbesondere von chinesischen Batterieproduzenten steigt deutlich auf hohem Niveau“, erklärte Deloitte. Im vergangenen Jahr wurden demnach 77 Prozent der in Europa verbauten Batteriezellen für E-Autos in Asien hergestellt. 2024 waren es noch 70 Prozent.
98 Prozent der europäischen Produktionskapazitäten von Asien kontrolliert
Auf Europa entfallen derzeit nur 13 Prozent der Batteriezellenproduktion – und 98 Prozent der europäischen Produktionskapazitäten werden von asiatischen Unternehmen kontrolliert, wie Deloitte ausführt. 2024 waren es noch 97 Prozent.
Zugleich ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach Batterien weiter steigen wird. Deloitte geht von knapp 28 Millionen in Europa zu produzierenden E-Autos bis 2030 aus – mit dem entsprechenden Bedarf an Batterien. „Den hiesigen Batterieunternehmen entgehen über die kommenden vier Jahre Gewinne in Höhe von 10,5 Milliarden Euro, wenn sie diese nicht selbst herstellen.“
„Batterien bestimmen Reichweite, Leistung und Preis eines Elektroautos“, erklärte Harald Proff, Leiter im Automobilbereich bei Deloitte. „Wenn europäische Hersteller hier nicht wettbewerbsfähig sind, werden die Absätze künftig noch stärker unter Druck geraten.“ Branche und Politik müssten hier „gemeinsam gegensteuern“.
Die Experten gehen davon aus, dass es noch nicht zu spät ist: „Die Batterieproduktion ist eine langfristige Wette, die die europäischen Unternehmen noch gewinnen können“, erklärte Proff. Es werde an neuen Technologien geforscht, „doch die Probleme liegen bei der Finanzierung und der Industrialisierung“. Investitionen und Fördermittel müssten daher nicht nur die Entwicklungsphase, sondern auch die ersten kapitalintensiven Betriebsjahre abdecken. (afp/red)
Generalleutnant Michael Vetter spricht von einer „technologischen Zeitenwende“ in der Bundeswehr. (Archivbild) - Foto: Sean Gallup/Getty Images
Angesichts des rasanten technischen Fortschritts und der zunehmenden Automatisierung der Kriegsführung rüstet sich die Bundeswehr für das Zeitalter der künstlichen Intelligenz. Ranghohe Offiziere und Vertreter des Verteidigungsministeriums stellten am Dienstag, den 28. Juli, in Berlin die Kernpunkte der neuen KI-Strategie vor.
Technologische Zeitenwende
Die vom damaligen Kanzler Olaf Scholz 2022 ausgerufene sicherheitspolitische Zeitenwende gehe einher mit einer „technologischen Zeitenwende“, sagte Generalleutnant Michael Vetter, Abteilungsleiter Innovation und Cyber im Verteidigungsministerium.
Die Truppe müsse Cloud Computing und Quantentechnologie ebenso beherrschen wie die Automatisierung von Waffensystemen und die systematische Vernetzung innerhalb der Bundeswehr und mit den Nato-Partnern.
KI habe „durchaus disruptiven Charakter“ und verändere die Art der Kriegsführung. Als Beispiel nannte Vetter die Ukraine. „Wir reden nicht mehr über Theorie, wir sind mitten in der Anwendung.“
Informations-, Führungs- und Wirkungsüberlegenheit
Für eine erfolgreiche Abschreckung im KI-Zeitalter nannte Vetter einen „Dreiklang“: Informationsüberlegenheit, Führungsüberlegenheit und Wirkungsüberlegenheit. Dabei gehe es um das Beherrschen riesiger Datenmengen und den technologischen Vorsprung bei KI-gestützten Waffensystemen wie Drohnen oder Fernlenkwaffen.
„Die KI hilft uns schlichtweg, verteidigungsfähiger zu werden“, betonte Flotillenadmiral Christian Bock, Leiter des Innovationszentrums der Bundeswehr.
Der Bundestag bewilligte die Beschaffung im Dezember 2025. Das von der Airbus-Rüstungssparte gemeinsam mit deutschen Start-ups entwickelte System soll die taktische Überwachung großer Räume an der Nato-Ostflanke ermöglichen.
Drohnen und Sensoren sammeln Daten in der Luft und am Boden und fügen sie quasi in Echtzeit zu einem einheitlichen Lagebild zusammen. Zwei Kampfbataillone der Litauen-Brigade sollen spätestens ab Mitte 2027 damit ausgerüstet werden.
Auch als „bürokratische Organisation“ müsse die Bundeswehr schlagkräftiger werden, sagte Vetter – etwa indem Soldatinnen und Soldaten mithilfe von KI von Verwaltungsaufgaben entlastet werden.
Bei KI-Waffensystemen soll stets ein Mensch am Ende der Befehlskette stehen. (Archivbild)
Foto: Ronny Hartmann / AFP via Getty Images
Mensch bleibt am Ende der Befehlskette
Bei allen KI-Anwendungen stehe immer ein Mensch am Ende der Befehlskette, betonte Vetter. Dass Maschinen selbst entscheiden, ob und welche Ziele sie angreifen, solle möglichst ausgeschlossen werden.
In ihrem KI-Konzept gibt sich die Bundeswehr klare Regeln für einen verantwortungsvollen Umgang. Internationale Normen, das Völkerrecht, Nato-Regularien und das Grundgesetz fließen ein.
„Deutschland gehört zu den wenigen Staaten, die eine völkerrechtskonforme Waffenprüfung durchführen, auch für KI-gestützte Waffensysteme“, sagte Jan-Peter Ganschow, zuständig für KI-Governance im Ministerium.
Ein Kriegsgeschehen erfordere eine „nochmalige Betonung von Recht und Ethik“ – etwa bei der Frage, „ob eine Maschine einen minderjährigen Kombattanten bekämpfen darf“. (afp/red)
CSU-Chef Söder will Kürzungen beim Bürgergeld durchsetzen. (Archivbild) - Foto: Sven Hoppe/dpa
Die CSU-Landesgruppe im Bundestag fordert „eine Drohnenflotte“ mit mindestens 100.000 Drohnen in allen Größenklassen für Deutschland. Dies geht aus einem Beschlussentwurf der Sommerklausur der CSU-Landesgruppe im fränkischen Kloster Banz hervor, der der Nachrichtenagentur AFP am Montag vorlag. „Wir wollen die Bundeswehr durch technologische Dominanz zur stärksten konventionellen Armee in Europa machen“, heißt es in dem Dokument. Dazu gehöre eine Drohnenflotte.
„Weltall-Flotte“ für die Bundeswehr
Gefordert wird zudem „eine Weltall-Flotte“ mit mehr als 1000 Satelliten für die Bundeswehr. Diese würden gebraucht „für sichere Kommunikation für vernetzte Informationen, Aufklärung und ein hochpräzises Lagebild“.
Die CSU-Landesgruppe setzt den Fokus in dem sechsseitigen Dokument insgesamt auf „Forschung, Innovation und Technologie“. Hier seien entschlossene Investitionen notwendig, „damit Deutschland führende Industrie- und Exportnation bleibt“.
So will die CSU unter anderem, dass in Deutschland der erste Fusionsreaktor weltweit entsteht sowie eine Startplattform ins Weltall. Außerdem sollen bis 2030 über Förderprogramme eine Million neue Roboter in Betrieb gebracht werden. Diese sollen „keine Arbeitsplätze verdrängen, sondern Lücken schließen und Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer entlasten“.
Gefordert werden auch die Entwicklung europäischer KI-Modelle und der Ausbau von Mikrochip-Fertigung innerhalb Europas. „Europäische Souveränität bei Mikrochips und KI sichern“, heißt es dazu im Beschlussentwurf. Dieser trägt den passenden Titel „Zukunft wird in Banz gemacht“.
Im dortigen Kloster kamen die Bundestagsabgeordneten der CSU am Montag zu ihrer Sommerklausur zusammen. Diese dauert noch bis Dienstag, an den Beratungen nimmt auch CSU-Chef und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder teil.
Menschen nehmen am 20. Juli 2026 in Kiew an einer Protestkundgebung gegen die Entlassung des reformorientierten Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow und für die Absetzung des ukrainischen Armeechefs Oleksandr Syrskyj teil. Die Proteste gegen Fedorows Entlassung dauern bereits den fünften Tag an. - Foto: Genya Savilov / AFP via Getty Images
In Kürze:
Oberbefehlshaber Syrskyj entlassen – Drapatyj wird Nachfolger
Seit dem 15. Juli Proteste in mehreren ukrainischen Städten gegen Selenskyj
Verteidigungsminister Fedorov entlassen – neue Position für ihn geplant
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Dienstag, dem 21. Juli, den Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, den Vier-Sterne-General Oleksandr Syrskyj, entlassen. Dies berichteten zahlreiche ukrainische Medien am selben Tag. Ersetzt wird er durch Generalmajor Mykhailo Drapatyj, wie die „Kyiv Post“ meldete. Damit besetzt Selenskyj den Posten seit Kriegsbeginn im Februar 2022 zum zweiten Mal neu.
Oberbefehlshaber Syrskyj unterstreicht Bedeutung von Drohnen-Einheiten. (Archivbild)
Mit seiner Entscheidung reagierte der ukrainische Präsident offenbar auf zunehmenden öffentlichen Druck aus Teilen der Zivilgesellschaft. Eine Woche zuvor hatte Selenskyj am 15. Juli bereits seinen Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov entlassen und durch den 46-jährigen Jewhen Chmara als Übergangsminister ersetzt. Dieser ist Generalmajor des Inlandsgeheimdienstes. Allerdings ist die Entlassung Fedorovs noch nicht endgültig, da sie der Zustimmung des Parlaments bedarf.
„Welle der Empörung“
Mit der Entlassung „des beliebten jungen Reformers“ Fedorov habe Selenskyj „nicht nur einen bedeutenden Teil seiner eigenen Unterstützerbasis verprellt, sondern auch eine Welle öffentlicher Empörung ausgelöst“, die sich die Ukraine nicht leisten könne, stellte Georgi Gotev, einer der Chefredakteure der belgischen Nachrichtenplattform „Eualive“, fest.
„Mit einem Schritt, der nur als schwerwiegender strategischer Fehler bezeichnet werden kann, hat Präsident Wolodymyr Selenskyj die größten Straßenproteste in der Ukraine seit Beginn der russischen Invasion ausgelöst“, so der Eualive-Chefredakteur weiter.
Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow spricht während einer Pressekonferenz nach dem virtuellen Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe am 15. April 2026 in Berlin. Die Ukraine-Kontaktgruppe bringt verschiedene Staaten zusammen, um ihre militärische Unterstützung für die Ukraine zu koordinieren.
Foto: Maja Hitij/Getty Images
Machtpoker in der Militärspitze
Seither gingen jeden Abend Tausende Demonstranten in Kiew und weiteren Städten wie Kharkiv, Lwiw, Dnipro und Odessa auf die Straße, um sich für den Verbleib Fedorovs im Amt und gegen Syrskyj auszusprechen. Fedorov gilt vielen Ukrainern als innovativ und technikorientiert. Nun sollte der 35-Jährige offenbar zugunsten der älteren Garde des Militärs ins Abseits gedrängt werden. Ob dies tatsächlich der Fall sein wird, bleibt abzuwarten.
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Demonstranten schwenken ukrainische Flaggen und protestieren am 16. Juli 2026 in Kiew gegen die Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow durch Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Protestierenden forderten seine Rückkehr ins Amt.
Foto: Tetiana Dzhafarova / AFP via Getty Images
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Demonstranten schwenken ukrainische Flaggen und protestieren am 16. Juli 2026 in Kiew gegen die Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow durch Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Protestierenden forderten seine Rückkehr ins Amt.
Foto: Tetiana Dzhafarova / AFP via Getty Images
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Demonstranten halten am 16. Juli 2026 in Kiew Plakate mit Botschaften gegen die Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow durch Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Foto: Tetiana Dzhafarova / AFP via Getty Images
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Demonstranten rufen Parolen und schwenken ukrainische Flaggen während einer Protestkundgebung am 16. Juli 2026 in Kiew gegen die Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow durch Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Foto: Tetiana Dzhafarova / AFP via Getty Images
Fedorov wehrte sich unmittelbar nach Selenskyjs Entscheidung gegen ihn. Wie die „Kyiv Post“ berichtete, habe Fedorov am 16. Juli dem noch in der Sowjetunion ausgebildeten 60-jährigen Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Oleksandr Syrskyj, vor der Presse in Kiew vorgeworfen, „Militärreformen zu blockieren und sich zu weigern, Probleme innerhalb des Militärs offen anzusprechen“.
Er stellte zudem klar, er habe Präsident Selenskyj „niemals aufgefordert, sich zwischen ihm und Syrskyj zu entscheiden“. Nach der Entlassung Syrskyjs begrüßte Fedorov diesen Schritt als „frischen Wind und neue Hoffnung“. Präsident Selenskyj soll Medienberichten zufolge Fedorov eine neue, auf Technologie ausgerichtete Position in der Regierung angeboten haben. Dazu hat sich der ehemalige Verteidigungsminister bislang nicht geäußert.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (3. v. l.) mit seinem Oberbefehlshaber Olexander Syrskyj (r), der als Kopf hinter dem Vorstoß auf russisches Gebiet gilt. (Archivbild)
Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa
Mangelt es Selenskyj an Führungsstärke?
Selenskyjs Schritt, die Entlassung Fedorovs vom Parlament bestätigen zu lassen, habe „nicht zum ersten Mal einen beunruhigenden Mangel an Führungsstärke des Präsidenten offenbart“, stellt der renommierte Journalist Peter Beaumont in einer Analyse des britischen „Guardian“ fest. Selenskyjs Ankündigung sei „umso schockierender, als Fedorov maßgeblich daran beteiligt war, eine klare Strategie zur Fortsetzung des Krieges voranzutreiben, bei der die rasanten technologischen Fortschritte der Ukraine im Bereich der Drohnen- und Raketentechnologie zum Tragen kommen sollten“, so Beaumont weiter.
Für die Anhänger Fedorovs sei Drapatyjs Ernennung zum neuen Armeechef „ein Zeichen dafür, dass Selenskyj die Forderungen nach einem schnelleren, stärker technologieorientierten Vorgehen im Krieg zur Kenntnis genommen“ habe, schreibt die „Kyiv Post“. Selenskyj gab den Führungswechsel an der Armeespitze in seiner Abendansprache bekannt. In die Entscheidung eingebunden gewesen seien der amtierende Verteidigungsminister Jewhen Chmara und Pawlo Palisa, stellvertretender Leiter des Präsidialamtes. „Die Ukraine muss gestärkt aus dieser Situation hervorgehen, und für Russland wird es schwieriger werden“, wird Selenskyj in der Presse zitiert.
Drapatyj gilt als einer der beliebtesten Heerführer in der Ukraine.
Vor seiner Ernennung leitete der 43-jährige Drapatyj das „Gemeinsame Kommando der Streitkräfte“. Laut ukrainischen Medien gilt er als ein Befehlshaber, der sich besonders stark für eine schnellere Modernisierung der Kampfmittel einsetzte. Er würde nach Einschätzung seiner Unterstützer gut zu Fedorov als Verteidigungsminister passen, denn Drapatyj hatte dessen Innovationen innerhalb der Streitkräfte offenbar unterstützt, darunter den verstärkten Einsatz von Drohnen, Robotik und weiteren unbemannten Systemen.
„Seine Beförderung wird von reformorientierten Soldaten und Vertretern der Zivilgesellschaft als Chance gesehen, sich von langsamen, starren Führungsgewohnheiten zu lösen und zu einem flexibleren Modell überzugehen, das auf Schnelligkeit, Technologie und asymmetrischer Kriegsführung basiert“, schreibt die „Kyiv Post“.
Entlassung Fedorovs „ein Fehler“
Selenskyjs Entscheidung für Mykhailo Drapatyj als neuen Oberbefehlshaber gingen laut Gregor von „Eualive“ offenbar mehrere Treffen „mit einer Gruppe jüngerer, kampferprobter Kommandeure“, darunter Drapatyj, am Montag, dem 20. Juli, voraus. Auch wenn diese Treffen den Versuch signalisierten, die militärische Führung zu erneuern, „kommen sie zu spät, um den grundlegenden Fehler zu verschleiern: die Entlassung eines kompetenten und beliebten zivilen Reformers in einer Zeit, in der Einheit von größter Bedeutung ist“, ist Gregor mit Blick auf Fedorov überzeugt.
Weiter schreibt er: „Dies war in mehrfacher Hinsicht ein Fehler. Erstens stand Fedorov für Innovation, Technologie und einen Bruch mit alten bürokratischen Gewohnheiten – Eigenschaften, die die Ukraine (und Europa) dringend benötigt. Zweitens könnte der Zeitpunkt nicht ungünstiger sein.“
Angesichts der sich verschärfenden russischen Angriffe auf Zivilisten in der Ukraine sei eine interne Spaltung „ein Luxus, den sich die Ukraine einfach nicht leisten kann“.
Schwere Schäden nach russischen Raketenangriffen.
Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa
Stärke der ukrainischen Zivilgesellschaft
Für Russland seien zudem die Bilder von Ukrainern, die in Kriegszeiten gegen ihre eigene Regierung protestieren, „ein Geschenk“. Dennoch glaubt Gregor, dass die Turbulenzen in Kiew „auch eine positive Seite“ offenbarten. Mitten im Krieg seien die Bürger „bereit, auf die Straße zu gehen und ihre politischen Führer zur Rechenschaft zu ziehen“. Dies sei „ein eindrucksvolles Zeichen dafür“, dass die Ukraine über demokratische Vitalität und Widerstandsfähigkeit verfüge.
Ein Marineoffizier und ein Unteroffizier salutieren, während sie auf dem deutschen U-Boot U34 in der U-Boot-Werft von Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) am 22. April 2026 in Kiel stehen. - Foto: Morris MacMatzen/Getty Images
Die Rüstungsindustrie war bisher eine Ausnahmeerscheinung von der Misere der deutschen Industrie. Ein Vertreter dafür ist ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS).
Wie berichtet wurde, hat Kanada vor, bis zu zwölf U-Boote beim deutschen Marineschiffbauer mit Sitz in Kiel zu bestellen. Der geplante Großauftrag wurde kurz vor Beginn des NATO-Gipfels in Ankara am Montag, 6. Juli, durch die kanadische Zeitung „The Globe and Mail“ bekannt.
Deutsche U-Boote auch in Norwegen und Kanada gebaut
Bei dem geplanten milliardenschweren Rüstungsdeal soll es eine spezielle Vereinbarung geben: „Der deutsche Vorschlag sieht vor, dass die ersten U-Boote in Europa gebaut werden, bevor für die späteren Modelle vollständig auf eine lokale Fertigung in Kanada umgestellt wird“, teilte die kanadische Zeitung weiter mit.
Das kanadische Staatsfernsehen CBC ergänzt, dass das „Verteidigungsprogramm im Wert von mehreren Milliarden Dollar, das voraussichtlich größte in der Geschichte des Landes sein wird“. Es werde die Zukunft der kanadischen Marine für Jahrzehnte prägen. Der Sender zitiert den kanadischen Premierminister Mark Carney mit den Worten:
„Bei diesem Projekt geht es um weit mehr als nur um die Anschaffung von U-Booten. Es stärkt die industrielle Kapazität Kanadas“, sagte der Regierungschef.
Die deutschen U-Boote werden indes nicht nur in Deutschland und Kanada hergestellt. Auch Norwegen sitzt buchstäblich mit im Boot. Der Anteil Norwegens besteht in der gemeinsamen Entwicklung und Finanzierung der U-Boot-Klasse 212CD und bildet eine strategische Allianz mit Deutschland.
Diese besteht seit 2017. Seither haben der norwegische Schiffbau- und Rüstungskonzern Kongsberg sowie die deutschen Unternehmen Atlas Elektronik und TKMS ein Joint Venture gegründet. Norwegen hat insgesamt sechs U-Boote des Typs 212CD in Auftrag gegeben. Dies berichtete im Dezember 2025 die Nachrichtenplattform „Europäische Sicherheit & Technik“. Das erste Boot soll 2032 von Stapel laufen.
Deutsche U-Boote mit ihren verschiedenen Klassen sind seit Jahrzehnten ein Verkaufsschlager. Sie schwimmen in allen Ozeanen dieser Welt. Zu den Abnehmern zählen neben Norwegen, die Türkei, Griechenland, Südkorea, Italien, Portugal, Spanien, Ägypten, Südafrika, Chile, Brasilien, Kolumbien, Indonesien und Indien, das die Boote teilweise in Lizenz fertigt.
Ein deutsches U-Boot vom Typ U34 ist auf der U-Boot-Werft von Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) während eines Besuchs des deutschen Verteidigungsministers Boris Pistorius (SPD) und des indischen Verteidigungsministers Rajnath Singh (beide nicht im Bild) am 22. April 2026 in Kiel zu sehen.
Foto: Morris MacMatzen/Getty Images
Historische Skandale wegen Schmiergelder
Solche internationalen Geschäfte blieben bisher indes nicht immer unumstritten. In der Vergangenheit erlebten deutsche U-Boot-Bauer eine Reihe von Skandalen.
Im August 2015 berichtete das „Handelsblatt“ über „jahrelange Schmiergeldzahlungen“. Marine Force International, ein Konzernableger von ThyssenKrupp, habe demnach „etliche Offshore-Gesellschaften“ genutzt, „um Gelder zu dubiosen Beratern zu lotsen, die wiederum Aufträge sicherten“, so das Medium. Dadurch habe ThyssenKrupp in der Türkei, Griechenland und Südkorea Fuß gefasst und dabei 7 Milliarden Euro umgesetzt.
Zwischen 1986 und 1990 beschäftigte sich ein Untersuchungsausschuss im Bundestag mit einer Affäre, die zunächst als Geheimnisverrat eingestuft wurde. Unter Umgehung der Bundesregierung und des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle sollen von der Howaldtswerke Deutsche Werft geheime Blaupausen und Bauteile unter anderem nach Südafrika geliefert worden sein. Südafrika unterlag damals aufgrund seines Apartheidregimes einem Handelsembargo. Der Vorfall wurde nie vollständig aufgeklärt.
Bester Schleicher in der Tiefe
Was ist das Besondere an deutschen U-Booten? Die deutsche U-Boot-Klasse 212A gilt als eine der modernsten der Welt. Sie verfügt über einen Brennstoffzellenantrieb, der nicht davon abhängig ist, dass das Boot immer wieder auftauchen muss, um „Luft zu schöpfen“.
Das heißt im Technikjargon: Das Boot ist „außenluftunabhängig“. Der Sauerstoff und Wasserstoff für die Brennstoffzellen werden vielmehr in großen Behältern mitgeführt. Außerdem werden die Batterien geräuschlos geladen. Dadurch werden die U-Boote für feindliche Sonare nahezu unsichtbar und unhörbar. Die 212A kann bis zu zwei Wochen ununterbrochen auf Tauchfahrt bleiben.
Zum Einsatzzweck teilt das Bundesverteidigungsministerium (BMVg) mit: „Ihre Hauptaufgabe ist es, Ziele sowohl über als auch unter Wasser zu bekämpfen. Diesen Auftrag erfüllen sie entweder allein oder zusammen mit anderen Kampfschiffen, U-Jagd-Hubschraubern und Seefernaufklärern.“ Auch Kampfschwimmer werden über diese U-Boote vor Küsten ein- und ausgesetzt.
Im Erscheinungsbild wirken die deutschen U-Boote klein und unscheinbar. „Deshalb lassen sich die U-Boote der Klasse 212A exzellent in geringer Wassertiefe, beispielsweise in der Nordsee und der Ostsee, aber auch vor jeder anderen Küste weltweit einsetzen“, erklärt das BMVg.
TKMS gibt historischen Auftragsbestand bekannt
Bei so vielen „Besonderheiten“ wundert es nicht, dass TKMS im vergangenen Jahr einen „historischen Höchststand beim Auftragsbestand“ bekannt gab.
Der Umsatz im Geschäftsjahr 2024/25, mit Stichtag 30. September, sei um 9,3 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro gestiegen. „Der Nettogewinn belief sich auf 108 Millionen Euro, ein deutlicher Anstieg gegenüber den knapp 88 Millionen Euro im Vorjahr“, teilte das Unternehmen mit.
Mit dem neuen kanadischen Auftrag, der im kommenden Jahr umgesetzt werden soll, dürften Umsatz und Gewinn noch einmal deutlich steigen.
TKMS dürfte damit neben Rheinmetall als derzeit eines der erfolgreichsten deutschen Unternehmen gelten.
Infineons neue Smart Power Fab in Dresden – eine der modernsten Halbleiterfabriken weltweit. Sie stellt Leistungshalbleiter für Energiewende, Elektromobilität und KI her. Das Projekt kostet rund fünf Milliarden Euro und schafft 1000 neue Jobs. (Archivbild) - Foto: Jens Schlüter / AFP via Getty Images
Der Halbleiterkonzern Infineon hat am Donnerstag, denn 2. Juli, feierlich seine neue Produktionsstätte in Dresden eröffnet. Sie soll zentrale Bausteine für wichtige Zukunftstechnologien liefern und gleichzeitig Europa unabhängiger bei Mikrochips machen.
Die Eröffnung der Smart Power Fabrik sei ein „Meilenstein“ für das Unternehmen, für Dresden und Deutschland – aber auch für „ein technologisch souveränes Europa“, sagte Infineon-Chef Jochen Hanebeck.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) würdigte die große Bedeutung der Fabrik „für die industrielle Zukunft unseres ganzen Landes, ja der ganzen Europäischen Union“. Er war per Video zugeschaltet.
Die Smart Power Fabrik ist nach Unternehmensangaben „eine der modernsten Halbleiterproduktionsstätten weltweit“. Produziert werden dort sogenannte Leistungshalbleiter, die in Bereichen wie der Energiewende, der Elektromobilität oder in Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) bei der Stromsteuerung zum Einsatz kommen.
Infineon investierte nach eigenen Angaben rund fünf Milliarden Euro in die Smart Power Fabrik, unterstützt wird das Projekt mit öffentlichen Fördergeldern in Höhe von 920 Millionen Euro. Bei Infineon entstehen durch die Chipfabrik laut Unternehmen rund 1000 neue Arbeitsplätze. (afp/red)
Infineon investiert nach Unternehmensangaben rund fünf Milliarden Euro in die Smart Power Fab. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Der Zeitpunkt könnte kaum günstiger sein: Weltweit steigt die Nachfrage nach Mikrochips – auch wegen des Booms bei Künstlicher Intelligenz (KI). Gleichzeitig will Europa bei wichtigen Technologien seine Abhängigkeit von Asien und den USA verringern. Passend dazu eröffnet der deutsche Halbeiterkonzern Infineon am Donnerstag ein neues Werk, die Smart Power Fab, am Standort Dresden, drei Monate früher als ursprünglich geplant.
Was ist die Smart Power Fab?
Laut Infineon ist die Fabrik „eine der modernsten Halbleiterproduktionsstätten weltweit“. Nach dem Spatenstich im Mai 2023 wurden für den Komplex 50.000 Kubikmeter Beton und rund 25.000 Tonnen Stahl verbaut. Herzstück des aus sechs Ebenen bestehenden Gebäudes ist der Reinraum mit seinen Anlagen zur Chipfertigung. Er wird von einer 5000 Tonnen schweren Stahlkonstruktion überspannt.
Was wird dort künftig hergestellt?
Am Standort Dresden produziert der Infineon-Konzern aus Neubiberg bei München bereits seit Jahrzehnten Halbleitertechnik, unter anderem zur Stromsteuerung. Wichtig ist dies in zahlreichen Bereichen, von modernen Autos bis hin zu Rechenzentren – und letztlich potenziell überall dort, wo Stromflüsse geschaltet, geregelt oder gegebenenfalls umgewandelt werden müssen.
Mit der Erweiterung des Standorts, von dem laut Infineon schon heute jeder dritte Chip Europas stammt, will der Konzern nach eigenen Angaben den Bedarf für zentrale Technologien in vier wichtigen Anwendungsfeldern decken: der Energiewende, der Elektromobilität, dem Internet der Dinge und in KI-Rechenzentren. Bei letzteren sollen die Chips beispielsweise dafür sorgen, dass der vielfach sehr hohe und oft kritisierte Stromverbrauch der gigantischen Prozessorfarmen verbessert werden kann.
Wie teuer ist das Projekt – und wer finanziert es?
Infineon investiert nach Unternehmensangaben rund fünf Milliarden Euro in die Smart Power Fab. Außerdem wird das Projekt im Rahmen des European Chips Act mit Fördergeldern in Höhe von 920 Millionen Euro unterstützt. Im Februar 2025 hatte die EU-Kommission hierfür grünes Licht gegeben; auch die Bundesregierung und der Freistaat Sachsen sind an dieser Förderung beteiligt.
Der European Chips Act zielt darauf ab, die europäische Chipproduktion anzukurbeln und so die Abhängigkeit von anderen Ländern zu verringern. Auch Infineon selbst verweist darauf, dass mit der Smart Power Fab Wertschöpfungsketten europäischer Schlüsselindustrien „robuster“ gemacht werden könnten – von der Energiewirtschaft über den Maschinenbau bis hin zur Automobilindustrie. Darüber hinaus werde durch Halbleiter für Rechenzentren „Europas digitale Souveränität“ gestärkt.
Zuletzt hatte der Konzern angesichts des globalen KI-Booms bereits Rückenwind bei der Chipnachfrage verspürt und im Februar seine Investitionen für das laufende Geschäftsjahr deutlich aufgestockt – sie sollen demnach großteils für einen „schnelleren Hochlauf“ der Smart Power Fab verwendet werden. Das Unternehmen richtet seine Fertigungskapazitäten also auf eine weiter steigende Nachfrage aus.
Wie viele Arbeitsplätze entstehen durch die Smart Power Fab?
Laut Infineon entstehen durch die neue Fertigung beim Unternehmen selbst rund tausend neue Arbeitsplätze. Zum Vergleich: Insgesamt beschäftigte der Konzern laut letztem Halbjahresfinanzbericht von Ende März 56.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Die tausend neuen Arbeitsplätze sollen darüber hinaus „ein Vielfaches an Jobs in der Region“ nach sich ziehen, wie Infineon-Dresden-Geschäftsführer Thomas Richter erklärt – „bei Dienstleistern, Zulieferern und Partnern.“ Das Unternehmen sieht in der Smart Power Fab zudem ein wichtiges Signal an junge Menschen in der Region, dass „zukunftsfeste Arbeitsplätze“ ebenso wie „interessante Ausbildungswege“ entstanden seien. Das Spektrum reiche dabei von handwerklich-technischen Berufen bis zu hochspezialisierten Tätigkeiten auf wissenschaftlichem Niveau.
Hat die Fabrik negative Umweltauswirkungen?
Nicht zuletzt wegen des großen Ressourcenverbrauchs stoßen neue Fabriken immer wieder auf Bedenken von Umweltschützern und führen mitunter auch zu erbitterten Protesten, wie in der Vergangenheit etwa beim US-Elektroautobauer Tesla in Brandenburg.
Im Falle der Smart Power Fab hebt Infineon nicht nur hervor, dass die Chips ein wichtiger Baustein für eine nachhaltigere Zukunft seien, sondern versuchte bereits im Vorfeld, mögliche Kritikpunkte zu entschärfen. So verweist das Unternehmen unter anderem darauf, dass der Bau der Smart Power Fab von Umweltschutz- und Ausgleichsmaßnahmen flankiert worden sei – beispielsweise durch ein Ersatzhabitat für Eidechsen.
Außerdem soll der Strom aus erneuerbaren Quellen stammen und für den Betrieb der Fabrik Industriewasser anstelle von Trinkwasser genutzt werden. Dank interner Recyclingprozesse in der Smart Power Fab soll sich das für die Produktion benötigte Wasser zudem mehrfach nutzen lassen. (afp/red)
Südkoreas Präsident Lee Jae Myung stellt seinen ambitionierten Investitionsplan vor. - Foto: -/YNA/POOL/dpa
In Südkorea hat die Regierung massive Investitionen von mehr als einer Billion Euro in Chip-Fabriken und Rechenzentren für die Künstliche Intelligenz (KI) angekündigt.
Industrieminister Kim Jung-kwan sagte am Montag, für umgerechnet 455 Milliarden Euro würden vier neue Halbleiter-Werke gebaut, zwei vom Konzern Samsung Electronics und zwei vom Konzern SK hynix. Forschungsminister Bae Kyung-hoon kündigte zudem Investitionen in Höhe von 568 Milliarden Euro bis 2035 für den Bau neuer Rechenzentren an.
Mit diesen Investitionen werde Südkorea seine „überwältigende Marktführerschaft“ und seinen „entscheidenden technologischen Vorsprung im Bereich der Halbleiter behalten“, sagte Industrieminister Kim.
Laut dem Münchner Ifo-Institut beherrschen die USA aktuell etwa 75 Prozent der weltweiten Hochleistungs-Rechenkapazität für moderne KI und China rund 15 Prozent. Europa liegt mit weniger als fünf Prozent weit zurück. Bei der Produktion von Chips für KI-Systeme sind die beiden südkoreanischen Konzerne Samsung und SK hynix die Nummer zwei und drei nach Micron aus den USA. (afp/red)