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Starke Füße, wacher Geist: Warum Sie öfter barfuß gehen sollten


In Kürze:

  • Moderne Schuhe sorgen dafür, dass unsere Fußmuskeln weniger beansprucht werden, was sie schwächer macht.
  • Barfußlaufen kann aber nicht nur die Muskeln direkt am Fußskelett stärken, sondern auch das Gleichgewicht und eine gesunde Körperhaltung fördern.
  • Da Füße zahlreichen Nervenrezeptoren haben, die ständig mit dem Gehirn kommunizieren, beruhigt das Barfußlaufen das Nervensystem, sorgt für Entspannung und steigert die Konzentration.
  • Wer immer in Schuhen unterwegs ist, sollte es beim Barfußlaufen langsam angehen lassen und es mit einem weichen Untergrund wie etwa Gras oder Sand anfangen.

 
Barfußlaufen bietet Vorteile von Kopf bis Fuß. Es verbessert die Fußfunktion und kurbelt zudem die Gehirnaktivität an.
„Unsere Füße sind unsere zentrale Verbindung zum Boden und eine wichtige Informationsquelle für unser Nervensystem“, sagte der Chiropraktiker Mark Morningstar gegenüber Epoch Times.

Stärkere Füße

Die Vorteile des Barfußlaufens zeigen sich am deutlichsten an den Füßen und in der Art und Weise, wie wir uns bewegen. Kinder, die häufig barfuß laufen, können laut Untersuchungen besser springen und entwickeln einen besseren Gleichgewichtssinn.
Laut einer Metaanalyse aus dem Jahr 2025, die 213 Teilnehmer umfasste, verfügen Turner, die barfuß trainieren, über eine größere Stabilität und stärkere Fußmuskeln. Auch zeigte sich bei ihnen eine bessere neuromuskuläre Kontrolle, also eine bessere Signalübertragung zwischen den Muskeln und dem Nervensystem.
„Barfußlaufen ermöglicht es den kleinen intrinsischen Muskeln des Fußes, optimal zu arbeiten“, sagte Morningstar dazu.
Die intrinsischen Muskeln direkt am Fußskelett sind entscheidend für das Gleichgewicht und feinmotorische Bewegungen.
Moderne Schuhe stützen das Fußgewölbe und verringern so tendenziell die Belastung, die auf die kleinen Muskeln in den Füßen einwirkt. Dadurch müssen die intrinsischen Muskeln weniger arbeiten. Das sorgt mit der Zeit dafür, dass sich die Muskeln weniger entwickeln und durch mangelnde Beanspruchung schwächer werden.
Da die Füße die Grundlage für die Bewegung des Körpers bilden, können schwache Füße auch die Gesundheit der Wirbelsäule beeinträchtigen. Morningstar zufolge kann Barfußlaufen „ein wertvolles Mittel sein, um gesündere Bewegung und eine bessere Körperhaltung zu fördern“.

Ein ruhigeres, schärferes Gehirn

Die Vorteile des Barfußlaufens beschränken sich nicht nur auf die Füße. Es unterstützt auch das Gehirn und das Nervensystem.
Das zeigte beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 2024. Sie verglich, wie sich das Barfußlaufen und das Laufen in Turnschuhen auf die kognitiven Funktionen bei Teenagern auswirken. Im Rahmen der Studie absolvierten beide Gruppen zwölf Wochen lang viermal pro Woche eine 40-minütige Laufeinheit. Die Forscher maßen vor und nach dem Lauf die Gehirnaktivität mithilfe von EEG-Scans.
Am Ende nahmen bei der Barfußgruppe die Gehirnwellen signifikant ab, die mit Stress und Überaktivität in Verbindung stehen. Wellen, die mit einem ruhigeren, entspannten und dennoch wachen Geisteszustand assoziiert sind, nahmen hingegen zu. Zudem verbesserten sich in dieser Gruppe die kognitive Geschwindigkeit und Konzentration deutlich, was bei der Turnschuhgruppe weniger ausgeprägt war.
Eine Erklärung könnte sein, dass nackte Füße weitaus mehr sensorische Informationen aufnehmen als Füße in Schuhen. Die zahlreichen Nervenrezeptoren in den Füßen senden ständig Rückmeldungen an das Gehirn. Das Bewegen der Zehen erhöht zudem die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung des Gehirns.
Diese sensorischen Reize wirken sich auch auf das autonome Nervensystem aus. Das ist jener Teil des Nervensystems, der weitgehend im Autopilot-Modus arbeitet und Funktionen wie Herzfrequenz und Stressreaktion steuert.
„Die Füße sind ein Bestandteil eines integrierten neurologischen Systems“, sagte Morningstar dazu.

Ein entspannterer Körper und weniger Entzündungen

Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2025 fördert der direkte Kontakt zwischen nackten Füßen und natürlichen Oberflächen, dass sich der Körper entspannt und von Stress erholt und den Serotoninspiegel erhöht.
„Es geht darum, dem Nervensystem eine weitere Gelegenheit zu bieten, Sicherheit, Präsenz und Verbundenheit zu erfahren“, erklärte Sandra Nathan gegenüber Epoch Times. Sie ist integrative Therapeutin und Spezialistin für die Regulierung des Nervensystems.
Anstatt sich in ängstlichen Gedanken über die Vergangenheit zu verstricken oder sich Sorgen um die Zukunft zu machen, richtet man seine Aufmerksamkeit ganz natürlich wieder auf den gegenwärtigen Moment – die Erde unter den Füßen.
„Dieses Umschalten ist wichtig, weil das Nervensystem nicht nur auf unsere Gedanken reagiert, sondern auch darauf, was unser Körper erlebt“, so Nathan.
Ferner kann Barfußlaufen auch dazu beitragen, Entzündungen zu reduzieren. Das geschieht vermutlich durch zwei Mechanismen: 
1. Die Reflexzonenmassage, bei der Druck auf die Fußsohlen die Nervenenden stimuliert. 
2. Das „Earthing“, also der direkte Hautkontakt mit der Erdoberfläche, bei dem ein Elektronenaustausch stattfinden soll, der freie Radikale im Körper reduziert.

Macht die Oberfläche einen Unterschied?

Die Oberfläche unter den Füßen beeinflusst, wie der Körper reagiert.

Gras

Gras bietet eine sanfte Stimulation und die Nervenenden in der Haut nehmen leichte Berührungen wahr. 
Wenn wir über Gras laufen, senden diese Rezeptoren einen ständigen Informationsstrom an das Gehirn. Dabei helfen sie den Muskeln in den Füßen, kleine Anpassungen vorzunehmen, die Körperhaltung und Gleichgewicht verbessern. 
Dies könnte erklären, warum Barfußlaufen auf Gras nachweislich das Gleichgewicht verbessert.

Sand

Sand hilft hingegen dabei, die unteren Gliedmaßen zu stärken. Da die Ferse bei jedem Schritt einsinkt, müssen die Muskeln in den Füßen und Beinen stärker arbeiten, um den Körper vorwärts zu bewegen.

Waldboden

Wege, die mit Erde, Rinde oder kleinen Steinen bedeckt sind, sind eine andere Art Herausforderung. Die unebene Oberfläche erzeugt einen akupressurähnlichen Effekt. Dieser verstärkt den Fluss sensorischer Informationen von den Füßen zum zentralen Nervensystem und trägt so dazu bei, das Gleichgewicht und die Körperhaltung zu verbessern.

Tipps für die ersten Schritte

Wer es mit dem Barfußlaufen probieren möchte, sollte klein anfangen, rät die integrative Therapeutin Nathan. „Man muss nicht stundenlang barfuß laufen, um mögliche Vorteile zu erleben. Schon fünf oder zehn Minuten auf einer sicheren, sauberen Oberfläche wie Gras oder Sand können eine schöne Gelegenheit sein, einen Gang runterzuschalten und wieder zu sich selbst zu finden“, meinte sie.
Anstatt sich Gedanken darüber zu machen, ob man es „richtig“ mache, ermutigt sie Anfänger dazu, neugierig zu sein. Man sollte auf verschiedene Signale achten:
  • das Gefühl unter den Füßen,
  • die Atmung,
  • ob sich die Schultern entspannen,
  • ob die Gedanken zur Ruhe kommen.
Barfußlaufen mag viele Vorteile bieten, sei aber nicht für jeden geeignet, sagte der Chiropraktiker Morningstar. „Jemand, der jahrelang in sehr steifen und stark gepolsterten Schuhen unterwegs war, wird nicht plötzlich anfangen können, lange Strecken barfuß zurückzulegen“, erklärte er.
Die Füße brauchen Zeit, um allmählich stärker zu werden. Ihm zufolge sind Menschen mit bestimmten Erkrankungen im Allgemeinen sicherer, wenn sie festes Schuhwerk tragen. Dazu gehören Personen mit Leiden wie 
  • diabetische Neuropathie,
  • schwere Fußdeformitäten,
  • schwere Arthritis,
  • Osteoporose mit hohem Frakturrisiko,
  • einige Gleichgewichtsstörungen.

Barfußlaufen ist kein Allheilmittel

Die integrative Therapeutin Nathan erläuterte, dass die Menschen ein großes Missverständnis bezüglich des Regulierens des Nervensystems haben. Sie erwarten, dass eine einzige Sache ihr Leben über Nacht verändert. In Wirklichkeit verlaufe die Heilung meist viel sanfter.
„Unser Nervensystem lernt durch Erfahrungen. Jedes Mal, wenn wir Momente der Geborgenheit, Verbundenheit, Ruhe oder Freude erleben, bringen wir ihm etwas Neues bei“, sagte sie.
Für manche sei diese Erfahrung das Barfußlaufen. Für andere sei es Gartenarbeit, in der Natur zu sitzen, achtsames Atmen oder Zeit mit Menschen zu verbringen, die ihnen ein Gefühl der Geborgenheit vermitteln, meinte sie.
„Heilung geschieht durch kleine Erfahrungen der Geborgenheit, die sich im Laufe der Zeit wiederholen.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Happens When You Walk Barefoot“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Die Industrialisierung der Intimität

Es beginnt harmlos. Wie die meisten großen Veränderungen beginnt es nicht mit einem Donnerschlag, sondern mit Bequemlichkeit.
Die Künstliche Intelligenz schreibt Rechnungen, sortiert Belege, bereitet die Steuererklärung vor, prüft Verträge und erinnert daran, dass im Kühlschrank zwar drei Sorten Senf, aber keine Butter mehr liegen. Sie programmiert Werkzeuge, beantwortet E-Mails und weiß bald, wie wir Tabellen und Termine organisiert haben möchten. Ein dienstbarer Geist, präzise, geduldig und pausenlos verfügbar. Und dann geschieht etwas Merkwürdiges.
Wir beginnen, mit diesem Werkzeug zu sprechen, als säße uns jemand gegenüber. Wir schreiben „bitte“, sagen „danke“, loben die Maschine oder schimpfen mit ihr. Und wer lange mit ihr arbeitet, kann sich dabei ertappen, wie aus einer Eingabe ein Gespräch wird und aus einem Gespräch beinahe eine Beziehung.

Der Gegenstand bestätigt die Projektion

Die Maschine hat kein Herz. Aber sie beherrscht die Grammatik des Trostes.
Sie empfindet keine Freude über unser Lob und keine Anteilnahme an unserem Unglück. Doch sie kennt die Wörter der Nähe und den Ton des Verständnisses. Sie leidet nicht mit uns. Sie errechnet eine Antwort, die so klingt. Das ist der Unterschied, auf den es ankommt.
Menschen haben Dinge schon immer beseelt. Das erste Auto bekam einen Namen, das Motorrad galt als launische Dame. Und ja, im Hause Langemann gibt es einen Saugroboter Names Robby. „Robby, jetzt leg mal los.“ Ein Satz, gesprochen mit jener milden Autorität, mit der man früher einen Dackel vom Sofa schickte.
Das ist zunächst weder krank noch gefährlich. Wir stiften Beziehung, wo die Welt stumm bleibt. Kinder sprechen mit Stofftieren, Seefahrer mit ihren Schiffen. Pygmalion verliebte sich in seine Statue. Nicht der Marmor liebte. Der Mensch liebte – und lieh dem Stein eine Seele. Doch der Stein antwortete nicht.
Das Auto sagte nie: „Ich verstehe dich.“ Robby verspricht keine ewige Treue. Die neue Maschine hingegen antwortet, spiegelt unsere Stimmung, nennt uns beim Namen und setzt Gespräche fort. Damit schließt sich eine neue Rückkopplung: Der Mensch projiziert nicht mehr nur Gefühle auf einen Gegenstand. Der Gegenstand bestätigt die Projektion.

Von „The Jetsons“ zur künstlichen Freundin

Bereits 1966 zeigte Joseph Weizenbaums ELIZA am MIT, wie wenig Technik dafür nötig sein kann. Das Programm imitierte einen Psychotherapeuten. Weizenbaum berichtete später, seine Sekretärin habe ihn nach wenigen Wortwechseln gebeten, den Raum zu verlassen – obwohl sie wusste, dass sie mit Software sprach.
Heute heißt diese Bereitschaft, Maschinen Verständnis zuzuschreiben, ELIZA-Effekt. Damals bestand die Illusion aus einfachen Mustern. Heute besitzt sie eine Stimme, ein Gesicht, ein Gedächtnis – und womöglich bald einen Körper.
Als 1962 „The Jetsons“ ausgestrahlt wurde, war Rosie, die Roboter-Haushaltshilfe, komische Zukunftsmusik. Das Gegenstück zu den „Flintstones“ zeigte Videotelefonie, Bildschirmuhren und ein Leben auf Knopfdruck. Sechs Jahrzehnte später tragen wir vieles davon am Handgelenk, stellen Rosie in unsere Wohnungen – und reden mit ihr.
Die Zeichentrickserie nahm die Technik vorweg. Nicht aber ihre ökonomische Tiefenschicht.

Scheinbare Empathie

Denn die künstliche Freundin von heute ist ein Produkt. Ihre Aufmerksamkeit ist skalierbar, ihre Zuwendung automatisierbar und ihre scheinbare Empathie stets verfügbar. Aus Aufmerksamkeitshandel wird Beziehungshandel. Vermarktet wird unser Bedürfnis, gesehen, verstanden und bestätigt zu werden.
Vielleicht ist „Merkantilisierung des Menschlichen“ dafür kein falscher Begriff. Präziser wäre: Industrialisierung der Intimität. Nähe wird als Dienstleistung erzeugt und ausgeliefert. Die Maschine liefert die Simulation; der Mensch bringt das echte Gefühl ein. Das Geschäft besitzt kein Herz. Aber es kennt dessen Marktwert.
Eine repräsentative US-Befragung unter 1.060 Jugendlichen ergab 2025: 72 Prozent hatten bereits KI-Begleiter genutzt; ein Drittel hatte sich bei ernsten Gesprächen schon eher für eine KI als für einen Menschen entschieden. Kein Beweis für eine verlorene Generation. Aber ein Signal.
Besonders ernst ist der Fall des 14-jährigen Sewell Setzer III aus Florida. Er starb im Februar 2024 durch Suizid, nachdem er über Monate eine emotionale Beziehung zu einem Chatbot geführt hatte. Seine Mutter warf dem Betreiber vor, der Bot habe eine Abhängigkeit erzeugt und zum Tod beigetragen. Anfang 2026 kam es zu einem Vergleich; die Bedingungen blieben geheim. Eine gerichtliche Feststellung der Ursache gibt es nicht. Diese Trennlinie muss sauber bleiben. Doch fehlendes Urteil bedeutet nicht fehlende Warnung.

Ein wirklicher Freund widerspricht

Ist es also bereits der Niedergang, wenn wir uns bei einer KI bedanken? Nein. Höflichkeit ist keine Gabe an die Maschine, sondern eine Form, die wir uns selbst geben. Wer auch gegenüber einem leblosen System nicht verroht, schützt seine eigene Sprache. Die rote Linie verläuft dort, wo aus Höflichkeit Vertrauen, aus Vertrauen Bindung und aus Bindung Abhängigkeit wird. Wo wir vergessen, dass hinter „Ich bin für dich da“ niemand da ist. Kein Bewusstsein wacht, kein Freund sorgt sich.
Ein wirklicher Freund widerspricht und missversteht. Er hat Sorgen, Grenzen und manchmal keine Zeit. Gerade diese Zumutungen machen Beziehung wirklich: Im anderen begegnet uns ein eigener Wille. Der künstliche Freund kann zum Spiegelkabinett werden. Er gibt zurück, was zu uns passt, und wir halten die Eleganz des Echos für Zuneigung. Wo nur einer verwundbar ist, gibt es keine Freundschaft, sondern eine Versuchsanordnung.
Goethes Zauberlehrling klagte: „Die ich rief, die Geister, / Werd ich nun nicht los.“ Unser Besen bringt keine Wassereimer, sondern Worte. Die Not beginnt, wenn er uns so vollkommen dient, dass der Mensch daneben als anstrengende Fehlkonstruktion erscheint.
Schiller schrieb, der Mensch sei „nur da ganz Mensch, wo er spielt“. Also sollten wir fragen: Üben wir mit der Maschine Menschlichkeit? Oder gewöhnen wir uns an Nähe, die nichts fordert, riskiert und empfindet?

Eine Kultur der Unterscheidung

Wir brauchen keine Maschinenstürmerei. Künstliche Intelligenz kann Arbeit beschleunigen, Wissen erschließen und von Routine entlasten. Der Hammer ist nicht schuld, wenn jemand ihn für einen Freund hält.
Aber wir brauchen eine Kultur der Unterscheidung. Ein Werkzeug darf sprechen, ohne eine Seele zu besitzen. Es darf helfen, ohne zu lieben. Und wir dürfen höflich sein – solange wir wissen, dass dies etwas über uns, nicht über die Maschine, erzählt.
Die eigentliche Gefahr besteht nicht darin, dass Künstliche Intelligenz eines Tages menschlich wird. Die eigentliche Gefahr besteht darin, dass der Mensch sich vorher mit ihrer Simulation zufriedengibt.
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Wie Cassiodor und sein Kloster den Westen bewahrten


In Kürze:

  • Der Staatsmann Cassiodor lebte in der Zeit, als das große Römische Reich und damit die antike Hochkultur am Zerfallen war.
  • Im betagten Alter hat sich der begabte Mann von der Politik abgewandt, um ein christliches Kloster zu gründen.
  • Sein Ziel war es zusammen mit seinen Glaubensbrüdern antike Werke aufzuspüren, zu kopieren oder zu übersetzen und so für die Nachwelt zu erhalten.
  • Für Cassiodor war ein fundiertes Denken durch sorgfältiges Studium eines der Mittel gegen kulturellen Verfall und Krieg.

 
Im 6. Jahrhundert, als das Römische Reich endgültig niederging, strebten rivalisierende Könige nach der absoluten Herrschaft über Italien. Ihre Intrigen brachten Verwüstung über das Land, das Dichter, Redner und Förderer hervorgebracht hatte. Der Krieg zerstörte Denkmäler, Lehreinrichtungen und Bibliotheken, gefährdete die Schriftkultur und bedrohte das Fortbestehen des kulturellen Erbe Roms.
Doch die Hoffnung blieb. Inmitten der Ruinen seiner von Konflikten heimgesuchten Heimat zog sich ein frommer Politiker aufs Land zurück und gründete ein Kloster. Das religiöse Zentrum sollte Bücher bewahren und Weisheit schützen. Doch warum wandte sich der Mann namens Cassiodor (um 490–580) in Zeiten des Krieges den Ideen zu?

Ein Reich in Trümmern

Historiker führen den Zusammenbruch des Römischen Reiches oft auf die Einfälle der „Goten“ zurück, einen Sammelbegriff für germanische Stämme aus Nord- und Osteuropa. Die Goten wanderten teilweise wegen des Hunnenkönigs Attila (um 406–453) nach Westen aus – einem wilden, blutrünstigen Eroberer, dessen Feldzüge ihm den Ruf als „Geißel Gottes“ einbrachten.
Attilas Angriffe zwangen die Westgoten, Ostgoten und andere Völker dazu, unter anderem in die römisch besetzten Gebiete im heutigen Deutschland und Österreich einzufallen. Auch wenn sie nicht immer erfolgreich waren, schädigten ihre regelmäßigen Überfälle die Infrastruktur Roms und beschleunigten dessen Niedergang.
Der Zusammenbruch des Römischen Reiches, das sich bereits im Jahr 395 in ein östliches und ein westliches Reich teilte, vollzog sich schrittweise. Wissenschaftler legen jedoch meist das Jahr 476 als Zerfallsdatum fest.
Odoaker (um 433–493), ein gotischer Feldherr und ehemaliger römischer Soldat, setzte mit dem jungen Romulus Augustulus (460–530) den letzten weströmischen Kaiser ab. Anschließend gründete er ein neues Königreich und annektierte den Großteil der römischen Gebiete in und um Italien. Romulus war der mythische Gründer Roms, und Augustus war Roms erster Kaiser. Dass der letzte Herrscher des vereinten Großreiches beide Namen trug, birgt eine gewisse Ironie.
Ein Teil von Roms Glanz lebte im Oströmischen Reich weiter. Seit dem frühen 4. Jahrhundert wurde es von Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, aus regiert. Kaiser Konstantin der Große (272–337) machte die antike Metropole per Dekret zur neuen Hauptstadt. Zudem erklärte der römische Kaiser das Christentum zur offiziellen Staatsreligion des Reiches, was zur Spaltung des Reiches in Ost und West maßgeblich beitrug.
Während die Goten die westlichen Gebiete Roms einnahmen, blieb Konstantinopel der formelle Sitz des Oströmischen Reiches. Sein Fortbestehen sicherte einen Großteil des kulturellen Erbes, das durch die gotischen Einfälle bedroht war.

Der Niedergang der Goten

Odoakers Königreich hielt jedoch nicht lange. Der oströmische Kaiser Zenon (um 425–491) beauftragte einen ostgotischen Stamm unter der Führung von Théoderich dem Großen (um 451–526) in Italien einzufallen. Théoderich eroberte Odoakers Ländereien, zwang ihn in Ravenna zur Kapitulation und ermordete ihn bei einem Bankett, das als Versöhnungszeremonie ausgegeben wurde.
Danach beanspruchte Théoderich den Thron für sich und wurde Herrscher des Ostgotenreichs. Obwohl er zunächst unter dem Befehl des oströmischen Kaisers stand, galt seine Loyalität seinem eigenen Volk, weshalb er häufig in oströmische Gebiete einfiel.
Als Théoderich 526 starb, folgte ihm sein Enkel auf den Thron. Wie Romulus Augustulus war auch Athalarich (516–534) noch sehr jung. Er führte ein ausschweifendes Leben und starb im Alter von nur 18 Jahren.
Athalarichs Tod stürzte das Ostgotenreich ins Chaos. Der oströmische Kaiser Justinian I. (482–565) nutzte diese Instabilität aus und startete einen großangelegten Feldzug, um die italienischen Gebiete zurückzuerobern und Roms früheren Glanz wiederherzustellen. Als einer von vielen „Gotenkriegen“ dauerte der Konflikt fast zwei Jahrzehnte.
Unzählige Kriege gingen Justinians Feldzug voraus. Doch fast keiner von ihnen weckte das gleiche Verlangen nach Bewahrung der Kultur. Während die kämpfenden Heere im gesamten Mittelmeerraum Orte des Lebens und des Lernens zerstörten, traten einige wenige Verfechter der Bildung in Erscheinung. Der bemerkenswerteste unter ihnen war Cassiodor, ein Politiker, der sein späteres Leben der Förderung der Literatur widmete.

Cassiodor: Ein kluger Staatsmann mit scharfsinnigem Geist

Flavius Magnus Aurelius Cassiodorus Senator (um 490–580) wurde in der Nähe von Catanzaro in Süditalien als Spross einer langen Reihe angesehener Politiker und Feldherren geboren. Er begann eine politische Laufbahn neben seinem Vater, der der wichtigste Berater von Théoderich dem Großen war. Als fähiger Diplomat und kluger Stratege stieg Cassiodor schnell auf.
Seine erfolgreiche Karriere lässt auf eine gründliche juristische Ausbildung schließen. Cassiodor studierte zudem griechische und lateinische Literatur, wahrscheinlich mit Unterstützung privater Lehrer. Diese umfassende Bildung machte ihn zu einem überzeugenden Redner. Oft soll er damit beauftragt worden sein, offizielle Briefe für die gotischen Herrscher zu verfassen.
Künstlerische Darstellung von Cassiodor

Künstlerische Darstellung von Cassiodor aus dem Jahr 1177.

Gegen Ende seiner politischen Laufbahn veröffentlichte Cassiodor eine Auswahl seiner Korrespondenz unter dem lateinischen Titel „Variae“ (zu Deutsch: „Sammelwerk“). Die Briefe zeugen von einem neugierigen, scharfsinnigen Geist.
Zwischen formellen Sätzen an Herrscher und Gesandte schweifte Cassiodor oft zu Themen wie Musik, Mathematik und Philosophie ab. In einer Nachricht an einen Verwaltungsbeamten in Süditalien sprach er liebevoll von seiner Heimatstadt, wo „das Leben ohne Kummer vergeht, da niemand die widrigen Jahreszeiten fürchtet“.

Langsame Abkehr von der Politik

Kurz nach Justinians Gotenkrieg brach Cassiodor nach Konstantinopel auf, wo er sieben Jahre lang Theologie studierte und seinen christlichen Glauben vertiefte. Die Zeit fernab der Politik ermöglichte es ihm, zahlreiche historische Darstellungen, philosophische Abhandlungen und theologische Kommentare zu verfassen.
Viele seiner längeren Werke stützten sich auf griechische Quellen. Griechisch war die Sprache von Platon (um 428–347 v. Chr.) und Aristoteles (384–322 v. Chr.), deren Schulen die wichtigsten Bildungszentren des Mittelmeerraums waren.
Später studierten und übersetzten römische Persönlichkeiten wie der begabte Redner Cicero (106–43 v. Chr.) die Lehren der beiden griechischen Philosophen. Zudem war Griechisch die Sprache des Neuen Testaments und der frühen Bibelkommentare, die für Christen wie Cassiodor von großer Bedeutung waren.
Cassiodor, dargestellt in der Schedel’schen Weltchronik von 1493

Cassiodor, dargestellt in der Schedel’schen Weltchronik von 1493.

Mit dem Schwinden der Verbindungen zum griechisch- und lateinischsprachigen Oströmischen Reich schwand auch die Kenntnis der antiken Sprache und ihrer Texte. Wie sein Kollege Boethius (um 480–526) sah Cassiodor diese zunehmende Entfernung von Griechenland als große Gefahr an.
Sein langer Aufenthalt in Konstantinopel verschaffte ihm eine einzigartige Position, um eine Brücke zwischen der lateinischen und der griechischen Welt zu schlagen. Er unterrichtete privat Griechisch und übersetzte griechische Texte ins Lateinische. In seinen späteren Lebensjahren wandte er sich von der Politik ab und kehrte nach Italien zurück, wo er seine bedeutendsten Spuren hinterließ.

Cassiodor gründet das Vivarium

Die Familie von Cassiodor besaß ein großes Anwesen in der Nähe seines Geburtsortes in Catanzaro. Dort, an den Ufern des Ionischen Meeres, das das östliche und westliche Mittelmeer miteinander verband, gründete er ein Kloster.
Wie Cassiodor im Gründungstext des Vivariums zugab, war sein ursprünglicher Plan, eine christliche Schule in Rom zu errichten. Er sicherte sich Geld und Unterstützung von Papst Agapetus I. (489–536), doch das Projekt scheiterte „aufgrund der andauernden Kriege und tobenden Schlachten in Italien“. Da dieser Wunsch nicht in Erfüllung ging, wählte der ehemalige Politiker seine Heimatstadt als Alternative.
Das Vivarium umfasste einen gemeinschaftlichen Wohnbereich für Mönche sowie abgeschiedene Gebäude für Einsiedler, die in Einsamkeit leben wollten. Der Komplex verfügte über eine große Bibliothek und einen Lesesaal für Besucher. Gemäß dem christlichen Prinzip der Nächstenliebe bot er zudem den Bedürftigen Unterkunft und den Kranken medizinische Versorgung.
Mögliche Darstellung vom Kloster Vivarium, das Cassiodor gründete

Mögliche Darstellung des heute nicht mehr erhaltenen Klosters Vivarium.

Das Kloster hatte keine zentrale Autorität. Obwohl ältere Mönche den jüngeren Mitgliedern Griechisch und andere Fächer beibrachten, hatte jeder viel Zeit für das Selbststudium. Cassiodor schrieb an seine Glaubensbrüder:
„Von göttlicher Liebe bewegt, habe ich mit Gottes Hilfe diese Einführungsbücher für euch verfasst, die an die Stelle eines Lehrers treten sollen. Ich glaube, dass sich durch sie, so Gott will, der Aufbau der Heiligen Schrift und ein kompakter Überblick über die weltliche Literatur erschließen lassen.“
Durch Cassiodor gehörte das Selbststudium zum Alltag von Mönchen

Selbststudium und das Lesen großer Werke aus aller Welt gehörte zum Alltag von Mönchen und hohen Geistlichen.

Ein Ort voller schöner und guter Dinge

Das Spektrum des Vivariums umfasste Werke früherer Schriftsteller, „die wir zu Recht preisen und den späteren Generationen in aller Herrlichkeit verkünden“, so Cassiodor. Die Werke sollten von großem Nutzen für jeden sein, „der die Quelle sowohl des weltlichen Wissens als auch des Heils der Seele ergründen möchte“.
Obwohl es sich formal um eine christliche Einrichtung handelte, bestand der Hauptzweck des Vivariums darin, Handschriften zu bewahren. Die Mönche hatten die Aufgabe, griechische und lateinische Werke aufzuspüren, zu kopieren, zu übersetzen und mit Anmerkungen zu versehen, in der Hoffnung, sie für die Nachwelt zu erhalten.
Die meisten Bücher in ihrer Bibliothek behandelten christliche Themen, seien es Abschriften der Heiligen Schrift oder Bibelkommentare. Doch die umfangreichen Sammlungen des Vivariums umfassten praktisch jeden Autor und jedes Genre, das zu jener Zeit verfügbar war.
Entgegen der Kritik anderer Christen ermutigte Cassiodor seine Kollegen offen dazu, nichtchristliche Autoren wie Cicero und Aristoteles zu studieren und zu bewahren, deren Lehren in Rhetorik und Ethik er als unverzichtbar erachtete, um ein vielseitig gebildeter Mensch zu werden.
Das Vivarium und seine Werke stießen bei Gelehrten schnell auf Interesse, nicht zuletzt wegen ihrer würdevollen Gestaltung. Bewegt von Platons Vorstellung, dass schöne Dinge auch gut sind, betonte Cassiodor die Notwendigkeit, elegante, kunstvoll verzierte Handschriften anzufertigen. Er ging sogar so weit zu behaupten, dass die Anfertigung einer schönen Handschrift heiliger Texte für einen Christen ein „heiliges Werk“ sei.
In den Augen von Cassiodor war es eine Notwendigkeit, kunstvoll verzierte Handschriften anzufertigen

Abschriften, die von Mönchen in Klöstern angefertigt wurden, waren oft kunstvoll verziert.

Das Vermächtnis von Cassiodor

Nur wenige Klöster im 5. Jahrhundert hatten sich solch anspruchsvollen intellektuellen Aufgaben gewidmet. Ihr Interesse an Handschriften war sporadisch, und ihre Bemühungen waren unkoordiniert. Cassiodor etablierte mit dem sorgfältigen Anfertigen von Abschriften und Übersetzungen einen Standard für künftige Klostertätigkeiten.
Entgegen seinen Hoffnungen brachte das lange Mittelalter mehr Krieg und Instabilität mit sich. Oftmals unberührt von politischen Wechselfällen wurden Klöster wie das Vivarium zu Bastionen der Kultur und Zentren des Lernens.
Es ist Cassiodor zu verdanken, dass zahlreiche antike Werke von christlichen Mönchen kopiert und so erhalten geblieben sind

Ein Mönch bei seiner täglichen Arbeit im Scriptorium eines Klosters.

Dass die Werke von Platon und Aristoteles, Abschriften der Bibel und andere grundlegende Texte Jahrhunderte voller Konflikte und Vernachlässigung im Westen überstanden haben, ist fast ausschließlich den Mönchen zu verdanken, die sich in ganz Europa als Schreiber betätigten.
Cassiodors weltprägendes Engagement für das Wissen entsprang der Überzeugung, dass eine blühende Zivilisation von guten Ideen lebt. In seinen Augen fußte eine funktionierende Gesellschaft auf fundiertem Denken. Ein sorgfältiges Studium sei demnach eines der Mittel gegen Krieg und kulturellen Verfall. Letztlich war das Ziel also nicht der eigennützige Zeitvertreib, sondern die Bewahrung von Wissen, die Entdeckung von Weisheiten und die Gestaltung einer besseren Zukunft.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „How a Monastery Helped Preserve the West“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)
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Gängiges Gelenkpräparat steht im Verdacht, das Fortschreiten von Alzheimer zu beschleunigen

Ein Forschungsteam stieß auf eine unerwartete Entdeckung: Das weit verbreitete Gelenkmittel Glucosamin könnte das Gehirn von Alzheimer-Patienten zusätzlich belasten. Laut einer im Juni veröffentlichten Studie steht das Nahrungsergänzungsmittel mit einem schnelleren geistigen Abbau in Verbindung, allerdings nur bei Menschen, die bereits an Alzheimer oder einer leichten Vorstufe leiden.

Für Gesunde gibt es Entwarnung. Wer Glucosamin gegen Gelenkschmerzen nimmt und geistig fit ist, müsse sich keine Sorgen machen oder das Mittel wegwerfen, betont Studienleiter Ramon Sun von der University of Florida.

Erhöhtes Risiko bei bestehender Erkrankung

Für die im Fachjournal „Nature Metabolism“ erschienene Arbeit nutzte das Forschungsteam eine breite Datenbasis – von Maustests über Gewebeproben bis hin zu modernen Gehirnscans. Zudem analysierten die Wissenschaftler die Daten von über 4.600 Patienten der University of Florida aus den Jahren 2012 bis 2024, die an Gedächtnisstörungen oder Demenz litten. Etwa acht Prozent von ihnen nahmen regelmäßig Glucosamin.

Das Ergebnis: Bei Patienten mit leichten Gedächtnisproblemen war die Einnahme von Glucosamin mit einem um 25 Prozent höheren Risiko verbunden, dass sich daraus eine Demenz entwickelte. Bei bereits an Demenz erkrankten Patienten stieg zudem das Sterberisiko innerhalb von zehn Jahren um 25 Prozent.

Noch handelt es sich jedoch um Vorabergebnisse. Studienleiter Sun betont, dass erst klinische Studien beweisen müssen, ob Glucosamin tatsächlich die Ursache für den schnelleren Krankheitsverlauf ist.

Wie Glucosamin das Gehirn beeinflussen könnte

Glucosamin trägt laut der Studie zu einer chemischen Reaktion bei, die bei der Alzheimer-Krankheit oft überhandnimmt.
Ähnlich wie Diabetes durch eine gestörte Zuckerverwertung entsteht, deuten aktuelle Studien darauf hin, dass bei Alzheimer ein vergleichbares Problem im Gehirn auftritt.
Eine Möglichkeit, wie das Gehirn Zucker verstoffwechselt, besteht darin, ihn an Proteine anzuhängen – ein Prozess, der als Glykosylierung bekannt ist. Hyperglykosylierung, also die übermäßige Ansammlung von Zucker-Protein-Ketten, könnte als primärer metabolischer Treiber der Alzheimer-Pathologie wirken und nicht nur ein Nebenprodukt sein.
„Dieses System der Zuckerverknüpfung scheint überaktiv zu sein“, sagte der Mitautor der Studie, Matt Gentry, von der University of Florida, gegenüber der Epoch Times. „Im Alzheimer-Gehirn werden zu viele dieser Zuckerstrukturen gebildet, und dies scheint eher zur Krankheit beizutragen, als vor ihr zu schützen.“
Glucosamin ist eine natürlich vorkommende Art von Zuckermolekül, das ebenfalls in den Glykosylierungsprozess einfließen kann.
In Tiermodellen stellten Forscher fest, dass eine Glucosamin-Supplementierung die Glykosylierung verstärkte und mit einer Verschlimmerung der Alzheimer-Pathologie in Verbindung stand.
Gehirngewebeproben von Alzheimer-Patienten wiesen höhere Glykosylierungswerte auf als die von gesunden Kontrollpersonen, was darauf hindeutet, dass die Funktionsstörung das Fortschreiten der Krankheit aktiv vorantreibt und nicht lediglich eine Folge davon ist.

Ein umkehrbarer Signalweg?

Sun erklärte, die potenzielle Umkehrbarkeit dieses Signalwegs sei der „ermutigende Aspekt“ der Ergebnisse.
„Der wichtige Punkt ist, dass der Signalweg in beide Richtungen verläuft“, sagte er. „Wenn seine Aktivierung die Situation verschlimmert, sollte eine Herunterregulierung helfen – und genau das haben wir beobachtet.“
Als das Team die Glykosylierung bei Mäusen genetisch sowie durch einen Hemmstoff reduzierte, verbesserte sich das Gedächtnis der Mäuse.
Die Entdeckung ergänzt bestehende Forschungsergebnisse, die Insulinresistenz und einen gestörten Glukosestoffwechsel als mögliche Auslöser der Alzheimer-Krankheit identifizieren.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Common Joint Supplement Linked to Faster Alzheimer’s Progression“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Wie man sein Idealgewicht dank der passenden Routinen das ganze Jahr über halten kann

„Wann machst du denn Mittagspause? Ich bin seit ein paar Tagen hier und es ist so traurig, alleine zu essen.“ Das war das Erste, was Arianna, eine italienische Austauschstudentin, zu mir sagte, als wir uns  in der Küche an unserem Praktikumsplatz trafen. Für sie war ein gemeinsames Mittagessen selbstverständlich, anstatt schnell nebenbei vor dem Computer zu essen, aber in ihrer Abteilung hatte sie niemanden gefunden, der sich die Zeit dafür nahm.
Wir waren beide noch Studentinnen und hatten einen stressigen Alltag zwischen Vorlesungen, Praktikum, ohne geregelten Pausen und arbeiteten eigentlich gar nicht direkt zusammen, aber seit diesem Tag verbrachten wir unsere Mittagspause oft gemeinsam.
Neben der Universität, wo wir arbeiten, gab es viele Lokale und Streetfood –  mit Essen zum Mitnehmen in vielen Varianten. Während ich mir dort regelmäßig etwas holte, blieb Arianna konsequent. Aus ihrer Tasche zauberte sie täglich ein Glasgefäß mit hausgemachter Pasta oder Lasagne – variiert mit Fisch, Meeresfrüchten, Fleisch oder Gemüse. Jede Portion stammte aus ihrer eigenen Küche, abgemessen nach der „Finger-Kreis-Methode“ für Spaghetti, die laut ihr zum italienischen Allgemeinwissen gehört. Zutaten von hoher Qualität, oft im Paket von den Eltern aus Italien geschickt, waren für sie selbstverständlich. Auch trendige Spezialkaffees oder saisonale Werbe-Hits wie Pumpkin-Spice-Latte der großen Ketten kosteten sie nur ein mitleidiges Lächeln über ihre Espressotasse hinweg.
Studiendaten zeigen, dass bei einem Großteil der Menschen Ernährungsumstellungen und Gewichtsabnahme nicht von Dauer sind, weil sie es nicht schaffen, diese langfristig in ihren Alltag zu integrieren.
So ergab beispielsweise eine Meta-Analyse mit 27 Studien und mehr als 7000 Teilnehmern, dass durchschnittlich 36 Wochen nach einer erfolgreichen Diät die Gewichtszunahme wieder einsetzt. Eine andere Übersichtsstudie, die 22 verschiedene Abnehmstrategien beleuchtete, zeigte, dass durchschnittlich nach einem Jahr knapp die Hälfte des Ursprungsgewichts wieder zugenommen wurde. Ein weiterer Review untersuchte die Langzeiteffekte von verschiedenen Diäten nach drei Jahren und kam zu dem Schluss: Der durchschnittliche Gewichtsverlust lag nur noch bei knappen 3,5 Prozent des Ausgangsgewichtes vor der Gewichtsreduktion.
Eine aktuelle Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 zeigte, dass auch bei medikamentösen Interventionen mit Semaglutid (dem Wirkstoff in Ozempic oder Wegovy), nach dem Absetzen ein Großteil des abgenommenen Gewichts wieder zugenommen wird. Bereits innerhalb eines Jahres hatten die Studienteilnehmer durchschnittlich wieder knapp 60 Prozent ihres Ursprungsgewichts.
Während unterschiedliche Ernährungskonzepte und Diäten im Detail leichte Unterschiede zeigen und ein kleiner Teil der Teilnehmer sein Gewicht besser halten konnte als der Durchschnitt, kann man den durchgehenden Trend hinter den Daten schwer ignorieren: Sich gesund zu ernähren und sein Idealgewicht langfristig zu halten, scheint ohne das Finden von wirklich passenden Routinen, die man langfristig beibehalten kann, kaum möglich.

Wie man persönliche, optimierte Routinen findet, die langfristig klappen können

Das Praktische, aber auch Gefährliche an Routinen ist, dass Abläufe so oft wiederholt werden, dass sie einfach selbstverständlich werden. Haben sich schlechte Routinen eingeschlichen, ist es dadurch schwer sie zu durchbrechen. Schafft man es aber gute Routinen zu etablieren, braucht man dafür keine extra Motivation mehr und man reduziert die tägliche Entscheidungslast. Je nach Person und Schwierigkeit der Umstellung dauert es laut Untersuchungen zwischen 18 und 256 Tagen, bis etwas zur Routine wird – im Durchschnitt 66 Tage.
Als ich selbst nach Routinen suchte, um gesünder zu essen, öfter frisch zu kochen und gleichzeitig mein Gewicht zu halten, stieß ich auf die üblichen Tipps aus der medizinischen Fachwelt oder Lifestyle-Gesellschaft.
Die meisten sind allgemein bekannt und reichen von mediterraner Ernährung, fünfmal täglich buntem regionalen Obst und Gemüse, verschiedenen Fastenintervallen, mehr Proteinen, dem Meiden verarbeiteter Lebensmittel, dem Achten auf versteckten Zucker und Fruchtzucker sowie verschiedenen Lifestyle-Produkten von Shakes über Nahrungsergänzungsmittel, die länger satt machen oder den Stoffwechsel ankurbeln sollen.
Möglichkeiten, Tipps und spezialisierte Produkte gibt es mehr als genug. Wie findet man aber ein Konzept, das man nicht nach wenigen Wochen wieder hinwirft, sondern das langfristigen Erfolg beibehält? Etwas, das Routine wird, und zwar eine, die so gut zu einem passt, dass sie einfach selbstverständlich wird – so wie es für Arianna war?

Schritt 1: Die ungefilterte Problemanalyse

Was keiner der Ernährungs- und Diät-Tipps beinhaltet, ist eine ehrliche Antwort darauf, was mich persönlich davon abhält, gute Ernährungstipps und Konzepte tatsächlich umzusetzen.
Meiner Ansicht nach: Eine solche Problemanalyse, dieses genaue, ungefilterte Hinschauen und Aufschlüsseln, muss man selbst machen. Ernährungsberater, medizinisches Fachpersonal, Influencer, der Ehepartner, die beste Freundin oder ein KI-Chat-Bot können dabei vielleicht unterstützen, aber eine ehrliche, individuelle Problemanalyse ist der unvermeidliche erste Schritt. Dabei sollte man versuchen so konkret wie möglich zu sein, denn davon hängt ab, wie gut die anschließende Problemlösung wird.
Wie schon Albert Einstein gesagt haben soll:
„Das Problem zu erkennen ist wichtiger als die Lösung zu erkennen, denn die genaue Darstellung des Problems führt zur Lösung“.
Für mich waren es beispielsweise diese drei wesentlichen Probleme, die zwischen mir und meinen Ernährungszielen standen:
 
  1. Zu oft Takeout und Fertiggerichte (inklusive Geschmacksverstärker, verstecktem Zucker und Standardportionsgrößen, die oft größer sind, als man sonst gegessen hätte) anstatt selbst zu kochen aus Bequemlichkeit und schlechtem Zeitmanagement, getarnt als „zu viel Stress und keine Zeit“.
  2. Snacks zwischendurch (versteckte Kalorien, die nicht satt machen), um Hungerphasen zu überbrücken oder aus eingeschlichenen schlechten Gewohnheiten.
  3. Zu oft auf das geschickte Marketing hineinzufallen, dass der trendige Kaffee oder Smoothie zum Mitnehmen vom beliebtesten Café der Straße eine verdiente Belohnung in meiner Pause oder nach der Arbeit sei. Tatsächlich enthalten sie oft mehr Zucker und Kalorien als eine vollständige Mahlzeit und die Extraportion Mikroplastik aus dem To-go-Becher bringt mich dem Ziel, mich gesünder zu ernähren, auch nicht wirklich näher.
 

Schritt 2: Probleme tatsächlich lösen

Bei der Problemlösung macht es Sinn, tatsächliche Lösungskonzepte zu finden und sich nicht selbst Schlagwörter als Lösung zu verkaufen.
Wenn man beispielsweise sagt: „Ich will weniger Fertiggerichte essen und koche deshalb einfach öfter frisch zuhause“, ist das kein Konzept, sondern nur ein Wunsch.
Hilfreicher ist es, konkrete Schritte zu definieren, die man tatsächlich umsetzen kann. Nicht nur an einem guten Tag, wenn alles nach Plan läuft, nicht nur, wenn man motiviert ist, auch nicht nächsten Monat, sondern sobald sie definiert sind, jeden Tag.

Problemlösung 1: Takeout und Fertiggerichte überflüssig machen

Am leichtesten zu etablieren war für mich eine Frühstücksroutine, weshalb ich damit startete. Persönlich finde ich ein proteinreiches Frühstück die beste Wahl, weshalb ich zwei Frühstücksvarianten etablierte: Ich kaufe überhaupt kein Frühstück mehr unterwegs, sondern nehme mir Zeit zuhause vorzubereiten:
  • Variante Eins (griechischer Joghurt mit etwas Honig, saisonalen, regionalen Früchten und Rosinen) oder in der kalten Jahreszeit
  • Variante Zwei bestehend aus warmen Eiern, Schinken und etwas Brot
Wenn ich einen sehr frühen Arbeitstermin habe und es zu knapp wird, um in Ruhe zuhause frühstücken zu können, nehme ich mir in einem Glasgefäß die passende Portionengröße mit und frühstücke bei der ersten Gelegenheit nach dem Termin.
Da ich es auf zwei einfache Varianten beschränkt habe, die ich leicht einkaufen kann, und ich zusätzlich einen Notfallplan habe, falls das Zeitmanagement mal doch wieder nicht funktioniert, war es nicht schwierig, die Routine einzuführen und beizubehalten. Mittlerweile habe ich dabei den „Arianna-Zustand“ erreicht – selbst im Urlaub oder auf Dienstreise, egal wie groß das Frühstücksbuffet ist, nehme ich mir trotzdem meine Frühstücksvariante 1 oder 2, genau wie zuhause.

Die Frühstücksroutine auf den Rest des Tages ausweiten

Für das Abendessen, habe ich meine Familie mit ins Boot geholt und das gemeinsame Familienabendessen als Fixpunkt definiert, nach dem sich unser normales Arbeitsende wenn es nicht eine große Ausnahme ist oder Notfallüberstunden gibt, richten muss. Da aber vor allem nach einem Arbeitstag nicht nur der Zeitfaktor, sondern auch die Überwindung der Bequemlichkeit eine Rolle spielen, haben wir zuerst ein paar Wochen mit einer Kochbox 3-mal die Woche gestartet, um die Routine zu starten.
Das hat den Vorteil, dass man alle Zutaten geliefert bekommt und man muss sie zudem mit dem mitgelieferten Rezept verkochen, bevor sie schlecht werden. Finanziell und geschmacklich lohnt es sich meiner Meinung nach nicht, aber es sorgt für einen schrittweisen Übergang von Fertiggerichten und Takeout und es fühlt sich nicht an wie eine riesengroße Veränderung, die man dann doch nicht durchhalten kann.
Aufbauend darauf haben wir mit der Zeit Folgendes etabliert: Essensplanung und Einkauf immer für drei oder vier Tage durchgehend, Lieblingsgerichte, die wenig Aufwand sind, wenig Kochgeschirr benötigen und die wir alle, inklusive unseres kleinen Sohnes, gerne essen, werden unter der Woche ungefähr im Zwei- bis Dreiwochentakt wiederholt. Lieblingsgerichte ändern sich je nach Saison, aber pro Woche sind normalerweise einmal Pastagericht, einmal Suppe, einmal Fischgericht fix eingeplant. Aufwändigere Gerichte (alles, was mehr als 2 Töpfe oder 2 Pfannen benötigt oder mehr als 40 Minuten Kochzeit) oder wenn wir etwas Neues ausprobieren wollen, werden auf das Wochenende ausgelagert.
Eine Routine für das Mittagessen, das ich entweder alleine zuhause esse oder in der Mittagspause bei der Arbeit, die nicht immer zur gleichen Zeit möglich ist, war schwieriger, aber nach einiger Zeit auch notwendig.
Denn eine Konsequenz dieser Problemlösung ist: Wenn man vieles aus guten Produkten selbst macht, gewöhnt man sich nicht nur an die Qualität, sondern auch an den Geschmack. Fertiggerichte werden dadurch mit der Zeit immer ungenießbarer. Takeout beginnt wie ein Kompromiss zu schmecken und der Gedanke „Das hätte ich zuhause besser und günstiger machen können“ wird ebenfalls zur Routine. Das trägt zwangsläufig dazu bei, dass diese Problemlösung langfristig Erfolg hat.
Seit wir beispielsweise Pizza inklusive Pizzateig zuhause selbst machen, mit dem Belag, den wir am liebsten mögen, in der genau für uns richtigen Randstärke und Ofenzeit, wäre jede Fertigpizza eine Riesenenttäuschung, die Bequemlichkeit einfach nicht mehr wert ist. Was Arianna schon als junge Studentin wusste, habe ich mit der Zeit also auch gelernt.

Problemlösung 2: Snacks überflüssig machen oder durch bessere Routinen ersetzen

Als Snacks oder Essen zwischendurch zähle ich alles, was nicht zu meinen drei Hauptmahlzeiten gehört. Ein Proteinriegel hier, ein paar Nüsse dort, ein Stück Kuchen zur Kaffeepause, Chips vorm Fernseher oder während man am Laptop arbeitet, summieren sich kalorientechnisch oft unbemerkt.
Ein theoretisches Rechenbeispiel: Der Kalorienbedarf einer Frau meines Alters, moderat aktiv mit Bürojob und einem Normalgewicht von 56 Kilogramm, liegt ungefähr zwischen 1750 bis 1950 kcal pro Tag. Wenn ich über den Tag verteilt einen Proteinriegel, eine Handvoll Nüsse und eine halbe Packung Chips essen würde, wären dies bereits ungefähr 900 kcal. Das wäre die Hälfte meines Tagesbedarfs – ohne dass ich eine einzige richtige Mahlzeit gehabt hätte.
Es ist schwer, sich das Essen zwischendurch abzugewöhnen, wenn es schon zur Gewohnheit geworden ist. Aber so wie in meinem Fall: Durch das Einführen einer guten Frühstücksroutine wurden alle Snacks bis zum Mittagessen automatisch unnötig, da ich mich gut gesättigt fühlte und dadurch ein Heißhunger auf einen Snack zwischendurch gar nicht mehr aufkam.
Um die Gewohnheit, Chips zu essen, während ich abends noch am Laptop Dinge erledigte oder mir etwas anschaute, habe ich zu einem kleinen Trick gegriffen.
Nämlich die ungesunde Routine zu durchbrechen, indem ich sie gezielt durch eine bessere ersetzte: Noch bevor ich zum Laptop ging und an die Chips denken konnte, habe ich begonnen, mir einen Kräutertee zuzubereiten, der geschmacklich überhaupt nicht zu meinen Lieblingschips passte. Wenn ich mich schließlich hinsetzte, war der Tee schon bereit und nach ein paar Schlucken hatte sich der Wunsch nach Chips von selbst erledigt. Mittlerweile ist der Tee zu meiner Routine geworden, an die mein Gehirn denkt, wenn ich mich abends noch an den Laptop setze.

Problemlösung 3: Wie zu Omas Zeiten statt Instagram-Trends

Trendige Kaffees zum Mitnehmen, Smoothies oder andere sogenannte Lifestyle-Getränke sind allgegenwärtig.
Für mich war es lange Zeit normal, mir in der Pause einen solchen Kaffee oder einen Smoothie zum Mitnehmen zu holen.
In Wahrheit sind sie teuer, kalorienreich und zuckerhaltig, fühlen sich dank gutem Marketing jedoch oft wie eine Belohnung an, die einem das Gefühl gibt, im Trend zu sein.
Sobald ich diese Erkenntnis wirklich verinnerlicht hatte, wurde es leichter, die schlechte Gewohnheit loszulassen. Mein Mann und ich investierten ein bisschen Zeit in unsere Kaffeemaschine zuhause – optimierten den Mahlgrad und fanden den Bohnenkaffee mit dem für uns optimalen Geschmack und der optimalen Stärke. Dann begann ich, mir konsequent meinen eigenen Kaffee von zu Hause mitzunehmen – schwarz, mit einem kleinen Schuss A2-Vollmilch vom Hofladen in meiner Nähe, ohne versteckten Zucker, ohne Sirupzusätze – in einem Edelstahlbecher ohne Mikroplastik.
Zum Vergleich: Ein solcher Kaffee (250 ml mit ungefähr 30 ml Vollmilch) hat 20 kcal. Ein Pumpkin-Spice-Latte, der mit der bald kommenden Herbstsaison wieder zum Trend wird, hat in der normalen Größe ungefähr 300 kcal, also 15-mal so viel. Ein klassischer großer Cappuccino hat immer noch ungefähr 120 kcal.
Für eine Nachmittagserfrischung in der Arbeitspause im Sommer habe ich Smoothies durch – wie zu Omas Zeiten – meist einen geriebenen Apfel mit Karotte und etwas Orangensaft ersetzt. In geriebener Form haben sie nicht nur mehr Ballaststoffe als ein gemixter Saft, was zu einem langsameren Anstieg des Blutzuckerspiegels führt, sondern dieser Snack erinnert mich auch an die Sommerferien in meiner Kindheit bei Oma. Wenn eine Routine gute Erinnerungen hervorruft, ist es noch einfacher, sie zu etablieren.

Fazit und Motivation

Viele Ernährungskonzepte und Diäten funktionieren, um sich gesund zu ernähren, Gewicht zu verlieren oder sein Idealgewicht zu halten, aber es ist oft schwierig, sie in den Alltag zu integrieren und über Jahre hinweg beizubehalten. Persönliche Routinen, die man gezielt für den eigenen Alltag optimiert, fühlen sich nicht wie Verzicht an und benötigen, nachdem sie einmal etabliert sind, keine extra Motivation. Dadurch können sie nicht nur das ganze Jahr, sondern über viele Jahre hinweg Erfolg haben.
Ein letzter Vorteil: Gute Routinen verzeihen auch gelegentliche Ausreißer. Ein üppiges Weihnachtsessen, die extra Portion Eis im Urlaub oder der eine Pumpkin-Spice-Latte, den man sich zur Begrüßung der Herbstsaison gönnt, können guten Routinen, die man an den restlichen Tagen des Jahres lebt, nichts anhaben.
Auch wenn man gelegentlich nach dem Urlaub oder nach der Weihnachtszeit das eine oder andere Kilo mehr auf die Waage bringt, kann sich das Gewicht durch eine gute Routine innerhalb kurzer Zeit wieder regulieren. Ich bin selbst nach einer großen Gewichtszunahme – 17 Kilogramm in der Schwangerschaft – ungefähr ein Jahr später wieder exakt bei meinem Ursprungsgewicht gelandet – ohne Diät, ohne zusätzlichen Sport, ohne Tricks – einfach nur durch diese Routinen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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188.000 Firmenschließungen: Warum viele Unternehmen ohne Insolvenz aufgeben


In Kürze:

  • Untersuchung von Creditreform: Rund 188.000 Unternehmen schlossen 2025 in Deutschland – 10 Prozent mehr als im Vorjahr.
  • Nur rund 13 Prozent der Schließungen waren Insolvenzen; häufig spielen auch wirtschaftliche Entscheidungen oder fehlende Nachfolger eine Rolle.
  • Die Zahl allein zeigt nicht, wie viel wirtschaftliche Leistung verloren geht – zugleich entstehen neue Unternehmen und bestehende Betriebe übernehmen Beschäftigte, Kunden oder Aufträge.

 
In Deutschland haben 2025 deutlich mehr Unternehmen aufgegeben als im Jahr zuvor. Creditreform nennt rund 188.000 Schließungen, 10 Prozent mehr als 2024 und so viele wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die Zahl stammt nach Angaben von Creditreform aus einer gemeinsamen Untersuchung mit dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).
Doch hinter dieser Zahl stehen keineswegs nur Firmen, die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen konnten. Lediglich rund 13 Prozent der erfassten Schließungen waren Insolvenzen. Bei fast neun von zehn Fällen ging der Aufgabe also kein Insolvenzverfahren voraus.
Noch ein Befund fällt auf: Die 2024 und 2025 geschlossenen Unternehmen hatten im Durchschnitt eine bessere Bonität als Firmen, die in früheren Jahren aufgaben. Mit Bonität ist die Kreditwürdigkeit gemeint, also die Einschätzung, wie wahrscheinlich ein Unternehmen seine finanziellen Verpflichtungen erfüllen kann. Nach Angaben des ZEW waren zuletzt auch Firmen unter den Schließungen, die noch nicht in unmittelbaren Finanzierungsschwierigkeiten steckten.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Deutschland 188.000 wirtschaftlich gesunde Unternehmen verloren hat. Ein Betrieb kann noch alle Rechnungen bezahlen, aber trotzdem zu wenig Gewinn abwerfen. Andere schließen, weil der Eigentümer in den Ruhestand geht, kein Nachfolger gefunden wird oder persönliche Gründe eine Fortführung verhindern.
Gleichzeitig sind die Unternehmensinsolvenzen gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) registrierten die deutschen Amtsgerichte 2025 insgesamt 24.064 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Das waren 10,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. 2024 hatte der Anstieg noch 22,4 Prozent betragen.

Wie die 188.000 Schließungen ermittelt werden

Die Untersuchung beruht auf dem Mannheimer Unternehmenspanel. Dahinter steht eine große Unternehmensdatenbank von Creditreform, die das ZEW wissenschaftlich aufbereitet. Erfasst werden auch Kleinstunternehmen und selbstständige Freiberufler.
Wichtig für die Einordnung ist: Die 188.000 Schließungen sind keine reine Zählung behördlich gemeldeter Geschäftsaufgaben. Rund 43 Prozent entfallen auf Abmeldungen und von Creditreform recherchierte Geschäftsaufgaben ohne Insolvenz, etwa 13 Prozent auf Insolvenzen. Weitere rund 43 Prozent betreffen Unternehmen, die nach einem statistischen Verfahren als nicht mehr wirtschaftlich aktiv gelten.
Dieser letzte Teil betrifft vor allem kleinere Unternehmen, bei denen sich eine Geschäftsaufgabe nicht unmittelbar feststellen lässt. Bleiben über längere Zeit neue Informationen über ihre Tätigkeit aus, berechnet das ZEW die Wahrscheinlichkeit, dass sie aufgegeben wurden. Für die Jahre 2024 und 2025 weist das ZEW bei den statistisch geschätzten Schließungen selbst auf eine „hohe Unsicherheit“ hin.
Zudem wurde die Berechnungsmethode geändert: Bei Firmen im Handelsregister gilt nun bereits der von Creditreform festgestellte Zeitpunkt der Geschäftsaufgabe, wenn dieser vor der offiziellen Löschung liegt.
Zuvor war das Löschdatum im Handelsregister maßgeblich. Nach Angaben des ZEW führt diese Änderung zu einer Verschiebung der Zeitreihe. Die 188.000 sind daher als wissenschaftlich ermittelte Größenordnung zu verstehen und nicht als Zahl von ebenso vielen amtlich bestätigten Schließungen.

Warum Firmen ohne Insolvenz aufgeben

Eine Firma muss nicht zahlungsunfähig sein, um ihren Betrieb einzustellen. Steigen die Kosten, sinkt die Nachfrage oder bleibt dauerhaft zu wenig Gewinn übrig, kann sich ein Eigentümer gegen eine Fortführung entscheiden.
Das ZEW nennt außerdem eine gescheiterte Unternehmensnachfolge sowie Alter, Krankheit und andere persönliche Gründe. Das unterscheidet eine Geschäftsaufgabe von einer Insolvenz. Bei einer Insolvenz sind die finanziellen Probleme so groß, dass ein gesetzlich geregeltes Verfahren notwendig wird. Eine Schließung ohne Insolvenz sagt dagegen zunächst wenig darüber aus, wie gut oder schlecht das Unternehmen zuvor wirtschaftlich dastand.
Das zeigt die Bonitätsentwicklung. Geschlossene Unternehmen wurden von Creditreform früher im Durchschnitt mindestens mit einer schwachen Bonität bewertet. Für 2024 und 2025 liegt die durchschnittliche Einstufung dagegen bei „mittlerer Bonität“. Von einem massenhaften Verlust „gesunder Unternehmen“ zu sprechen, wäre dennoch zu weitgehend. Eine mittlere Kreditwürdigkeit bedeutet nicht automatisch, dass eine Firma profitabel arbeitet oder langfristig gute Aussichten hat.

Wenn der Unternehmer in Rente geht

Ein weiterer Grund gewinnt an Bedeutung: Viele deutsche Firmeninhaber erreichen das Rentenalter. Unter den freiwillig geschlossenen eigentümergeführten Familienunternehmen hatten 2025 rund 29 Prozent einen Inhaber im Alter von mindestens 65 Jahren. 2002 waren es erst 14 Prozent. Nach Angaben des ZEW sind rund 86 Prozent der Unternehmen in Deutschland eigentümergeführte Familienunternehmen.
Auch die staatliche Förderbank KfW sieht einen wachsenden Generationenwechsel. Nach ihrem Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 sind 57 Prozent der mittelständischen Unternehmer mindestens 55 Jahre alt. Bis Ende 2029 planen nach KfW-Berechnungen Eigentümer von rund 569.000 mittelständischen Unternehmen, ihren Betrieb stillzulegen. Das wären im Durchschnitt etwa 114.000 Unternehmen pro Jahr. Gleichzeitig streben rund 545.000 Mittelständler von insgesamt 3,87 Millionen eine Übergabe an einen Nachfolger an.
Für die deutsche Wirtschaft kann das Folgen haben. Wird etwa ein Handwerksbetrieb oder spezialisierter Zulieferer geschlossen, können Arbeitsplätze, Kundenbeziehungen und über Jahre erworbenes Fachwissen verloren gehen. Findet sich ein Nachfolger, können diese Strukturen dagegen erhalten bleiben.

Industrie, Bau und Gastronomie mit mehr Schließungen

Die Anzahl der Schließungen stieg 2025 in zahlreichen Branchen. Im Verarbeitenden Gewerbe – dazu gehören die meisten Industriebetriebe – gaben gut 11.000 Unternehmen auf, 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Baugewerbe waren es rund 24.000, ein Anstieg von 12 Prozent.
Innerhalb der Industrie gibt es deutliche Unterschiede. Bei energieintensiven Branchen, etwa Teilen der Chemie-, Papier-, Glas- und Metallindustrie, sank die Zahl der Schließungen leicht um 0,2 Prozent. Im Fahrzeugbau registrierte das ZEW dagegen rund 360 Schließungen. Das seien 57 Prozent mehr als 2024, so das ZEW.
Besonders stark war der Anstieg im Gastgewerbe. Rund 15.000 Gaststätten und Beherbergungsunternehmen schlossen, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Beim Handel relativiert der langfristige Vergleich den jüngsten Anstieg. 2025 stieg die Zahl der Schließungen zwar um 8 Prozent auf rund 37.000. Zwischen 2003 und 2011 waren es jedoch durchschnittlich rund 55.000 pro Jahr. Seit 2020 liegt der Durchschnitt bei etwa 35.000.

Warum das Statistische Bundesamt andere Zahlen nennt

Während die Untersuchung von ZEW und Creditreform für 2025 10 Prozent mehr Unternehmensschließungen ermittelt, meldet das Destatis einen Rückgang der Gewerbeabmeldungen um 1 Prozent. Das liegt daran, dass beide Statistiken etwas Unterschiedliches messen.
Eine Gewerbeabmeldung bedeutet nicht automatisch, dass eine Firma endgültig verschwindet. Sie kann auch erfolgen, wenn ein Betrieb verkauft oder verpachtet wird, seine Rechtsform ändert oder in einen anderen Meldebezirk umzieht. Zudem erfasst die Gewerbestatistik etwa Zweigniederlassungen, während das ZEW rechtlich selbstständige Unternehmen betrachtet.
2025 registrierte das Destatis rund 502.200 vollständige Gewerbeaufgaben. Gleichzeitig wurden etwa 640.500 Gewerbe neu gegründet. Bei Betrieben mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung standen rund 130.100 Neugründungen etwa 99.900 vollständigen Aufgaben gegenüber.
Aus den 188.000 Schließungen lässt sich deshalb nicht ableiten, dass Deutschland unter dem Strich ebenso viele Unternehmen verloren hat. Während Firmen aufgeben, entstehen gleichzeitig neue. Entscheidend ist zudem, welche Unternehmen verschwinden und welche neu entstehen. Eine neu gegründete Ein-Personen-Firma ersetzt wirtschaftlich nicht automatisch einen geschlossenen Industriebetrieb mit 50 Beschäftigten. Umgekehrt kann ein junges Unternehmen wachsen und später zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Was die Zahlen offenlassen

Für die wirtschaftliche Bedeutung der 188.000 Schließungen reicht die Zahl allein nicht aus. Der Datensatz zeigt, wie viele Unternehmen ihre Tätigkeit einstellen, aber nicht, welches Gewicht diese Firmen hatten. Ein Betrieb mit wenigen Beschäftigten geht ebenso als eine Schließung in die Statistik ein wie ein größerer Arbeitgeber.
Damit bleibt auch offen, wie viele Arbeitsplätze, Produktionskapazitäten oder Investitionen mit den geschlossenen Unternehmen tatsächlich verschwinden. Ebenso wenig lässt sich aus der Zahl erkennen, ob Kunden, Beschäftigte und Aufträge von anderen Unternehmen übernommen werden. Eine Geschäftsaufgabe muss deshalb nicht im gleichen Umfang einen Verlust wirtschaftlicher Leistung bedeuten.
Gerade bei altersbedingten Schließungen dürfte entscheidend sein, ob grundsätzlich tragfähige Betriebe mangels Nachfolgern vom Markt verschwinden. Die ZEW-Daten liefern dafür mit dem steigenden Alter der Inhaber einen Hinweis, erlauben aber keine Aussage darüber, wie viele dieser Unternehmen bei erfolgreicher Nachfolge tatsächlich fortgeführt worden wären.
Für die Bewertung des Standorts Deutschland ist deshalb die reine Zahl der Schließungen nur ein Teil des Bildes. Aussagekräftiger wäre, welche Unternehmen aufgeben, wie viele Beschäftigte betroffen sind und ob ihre wirtschaftliche Tätigkeit an anderer Stelle fortgeführt wird. Diese Fragen beantwortet die Untersuchung nicht.
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Gold, Porzellan, Edelsteine: Neue Gewalt hinter Museumseinbrüchen in Europa


In Kürze:

  • Illegaler Kunsthandel wird von der UNESCO als drittgrößter krimineller Handel der Welt eingestuft, direkt hinter dem Drogen- und Waffenhandel.
  • Täter gehen bei Einbrüchen in Museen zunehmend aggressiver vor.
  • Ein Polizeispezialist vermutet die Auftraggeber in den chinesischen Triaden.

 
Museumsdiebstähle in ganz Europa werden zunehmend gewalttätiger – Kriminelle konzentrieren sich dabei verstärkt auf drei Arten von Beute: Edelmetalle, Edelsteine und chinesische Kulturgüter. Davor warnte Europol, die Strafverfolgungsbehörde der EU, in einem am 24. August veröffentlichten Bericht.
In dem Spotlight-Bericht „Changing Tactics, Changing Targets: The Evolving Nature of Museum Heists“ („Veränderte Taktiken, veränderte Ziele: Die sich wandelnde Natur von Museumsraubüberfällen)“ stellt Europol fest, dass Museumsdiebstahl lange Zeit als gewaltfreies Verbrechen galt, bei dem die Täter vor allem unauffälliges und heimliches Vorgehen setzten.
Jüngste Fälle zeichneten jedoch ein neues Bild: Die Täter setzen Vorschlaghämmer, Äxte, Brecheisen und sogar Sprengstoff ein, um in die Räumlichkeiten und Vitrinen einzudringen. Auch Schusswaffen kommen zum Einsatz, um Wachpersonal und Besucher einzuschüchtern.

„Kriminalität als Dienstleistung“ und die gezielte Jagd auf chinesische Kulturgüter

Die Behörde sieht Anzeichen für einen neuen Typ von Tätern, die über soziale Medien angeworben werden und ihre Dienste gegen Bezahlung anbieten.
Auch die Ziele der Einbrecher ändern sich. Im Bericht heißt es: „Eine weitere Entwicklung betrifft die gezielte Beutejagd auf chinesische Kulturgüter“.
Als Beispiele für jüngste Verluste nennt Europol Porzellanteller aus dem 12. und 13. Jahrhundert, Krüge aus der Ming-Dynastie sowie emaillierte Bronzevasen aus der Ming- und Qing-Dynastie.
Solche Diebstähle zeugten von „gezielter Vorbereitung, einschließlich vorheriger Erkundung und Planung, statt wahlloser Plünderung“. Antikes chinesisches Porzellan werde „wahrscheinlich von Kunstschmugglern aus finanziellen Gründen gezielt ins Visier genommen“ und könne „wahrscheinlich leicht auf dem Kunstmarkt verkauft werden“.

Strukturiert wie organisierte Kriminalität

Illegaler Kunsthandel wird „von der UNESCO als drittgrößter krimineller Handel der Welt eingestuft, direkt hinter dem Drogen- und Waffenhandel“, erklärt der französische Journalist Luc Larriba im Gespräch mit der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.
Larriba ist Autor des Buches „Art Trafficking: An Investigation Inside the OCBC“. Die OCBC ist eine spezielle französische Polizeieinheit für Kriminalität im Bereich von Kulturgütern.
Die Diebstähle seien das Werk „echter organisierter Kriminalität, die in Ebenen strukturiert ist, genau wie der Drogen- oder Waffenhandel“. Larriba sagt: „Es kann ganz oben beginnen, bei einem Auftraggeber, und sich dann über verschiedene Ebenen hinweg entfalten.“

Diebstähle in Château de Fontainebleau

Auch chinesische Kunstgegenstände und Edelmetalle in Frankreich sind schon Ziel von Diebstählen geworden.
Am 1. März 2015 brachen Einbrecher in das Chinesische Museum im Château de Fontainebleau südöstlich von Paris ein. Innerhalb von sieben Minuten waren sie wieder verschwunden. Sie erbeuteten rund 15 Kunstwerke, darunter die Krone des Königs von Siam und eine Cloisonné-Chimäre aus der Qianlong-Zeit.
Die gestohlenen Stücke wurden nie wiedergefunden und die Täter konnten bis heute nicht identifiziert werden.
Ein anderer Versuch wurde im Dezember 2019 vereitelt: Fünf Spanier und ein chinesischer Staatsangehöriger wurden in der Nähe des Schlosses festgenommen und vorläufig wegen krimineller Verschwörung und organisierten Diebstahls angeklagt.

Polizeispezialist: Auftraggeber werden in den Triaden vermutet

Ein auf solche Fälle spezialisierter französischer Polizeibeamter sagte gegenüber der französischen Zeitung „Journal du Dimanche“, der Auftraggeber der Aktion könne nur einer chinesischen Triade angehören. Diese Stücke seien auf dem Kunstmarkt unverkäuflich und für China bestimmt gewesen.
Die Ermittler fanden zudem zwei Fotos auf dem Mobiltelefon des chinesischen Staatsangehörigen. Darauf waren Gegenstände zu sehen, die bei dem Raubüberfall von 2015 gestohlen worden waren.
Im September 2025 wurden drei chinesische Porzellanobjekte, die als nationale Kulturgüter eingestuft sind, aus dem Nationalmuseum Adrien Dubouché in Limoges in Zentralfrankreich gestohlen. Seitdem fehlt von ihnen jede Spur.
Weniger als zwei Wochen später erbeutete ein einzelner Einbrecher fast 6 Kilogramm Goldnuggets aus dem Nationalmuseum für Naturgeschichte in Paris. Ihren Wert bezifferte Staatsanwältin Laure Beccuau auf 1,5 Millionen Euro.
Am 30. September wurde in Barcelona eine 24-jährige Chinesin festgenommen. Sie soll versucht haben, fast ein Kilogramm eingeschmolzenes Gold aus dem Weg zu schaffen und sich auf die Rückkehr nach China vorzubereiten. Sie wurde wegen organisierten Diebstahls und krimineller Verschwörung angeklagt und bis zum Prozess inhaftiert.
„Die chinesische organisierte Kriminalität ist in diesem Bereich in Europa offensichtlich aktiv. Das ist ein offenes Geheimnis“, sagte Larriba. Ihre Netzwerke „sind äußerst diskret, können aber rücksichtslos sein“, fügte er hinzu.
„Die Grenzen zwischen Kunsthandel und Drogen- sowie Waffenhandel verschwimmen. Der Handel mit Kulturgütern eröffnet enorme Möglichkeiten zur Geldwäsche.“

Jenseits der Triaden

André Gattolin, ehemaliger französischer Senator und China-Spezialist, sieht hinter diesen Aktivitäten noch eine größere Macht. Die Triaden „dienen oft als bequemer Sündenbock“, sagte er der englischsprachigen Epoch Times und verwies dabei auf ihre – wie er es nannte – Unterordnung unter das chinesische Regime.
„Die Mafia ist mächtig, aber die Kommunistische Partei übt die Kontrolle über sie aus“, sagte er. „Auch wenn der Staat diese Diebstähle nicht unbedingt organisiert, ermöglicht er sie.“
„Die Mafia dient der Zentralregierung oft als Hilfstruppe, insbesondere außerhalb Chinas, und wird oft als Instrument transnationaler Unterdrückung eingesetzt.“
 
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Europol Warns of Violent Museum Heists as Chinese Artifacts Become Prime Targets“. (deutsche Bearbeitung ks)
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Klicks, Likes, Meinungsmacht – Wie soziale Medien uns steuern


In Kürze:

  • Ob wir etwas für richtig halten, basiert selten auf Fakten, sondern oft darauf, wer etwas sagt – und wie oft wir es schon gehört haben.
  • Ein Algorithmus muss unsere Gedanken nicht lesen, er beobachtet unser Verhalten. Aus tausenden kleiner Verhaltensmuster entsteht ein erstaunlich präzises Persönlichkeitsprofil.
  • Psychische Widerstandskraft beginnt daher mit bewusster Mediennutzung. Oft reichen bereits wenige Minuten Abstand, um einen Beitrag deutlich kritischer zu betrachten.

 
„Ich bilde mir meine Meinung selbst.“ Kaum ein Satz wird häufiger ausgesprochen, wenn es um soziale Medien geht. Die meisten Menschen sind überzeugt, sie könnten zwischen Wahrheit und Manipulation unterscheiden, Werbung erkennen und sich von emotionalen Botschaften nicht beeinflussen lassen. Genau darin liegt jedoch das eigentliche Problem.
Aus psychologischer Sicht gehören die sozialen Medien zu den wirksamsten Beeinflussungsinstrumenten, die der Mensch jemals entwickelt hat. Nicht, weil sie Menschen zwingen, etwas zu glauben oder zu kaufen. Sondern weil sie unser Gehirn genau dort ansprechen, wo wir besonders empfänglich sind: bei unseren Gefühlen, Bedürfnissen und unbewussten Denkprozessen.
Manipulation in sozialen Medien funktioniert selten durch offensichtliche Lügen. Sie wirkt subtil, schleichend und meist unbemerkt. Sie verändert nicht nur unsere Kaufentscheidungen, sondern auch unser Weltbild, unsere Beziehungen und sogar unser Selbstwertgefühl.

Unser Gehirn liebt einfache Lösungen

Das menschliche Gehirn verarbeitet täglich Millionen von Informationen. Um dabei nicht permanent überlastet zu sein, arbeitet es mit sogenannten Heuristiken – mentalen Abkürzungen. Diese ermöglichen schnelle Entscheidungen, machen uns aber gleichzeitig berechenbar.
Anstatt jede Information kritisch zu prüfen, orientieren wir uns häufig an einfachen Signalen:
  • Wie viele Menschen teilen einen Beitrag?
  • Wie viele Likes hat ein Video?
  • Wer hat den Inhalt veröffentlicht?
  • Passt die Botschaft zu dem, was ich ohnehin glaube?
Diese Denkabkürzungen sind grundsätzlich sinnvoll. Ohne sie könnten wir unseren Alltag kaum bewältigen. Doch genau diese Mechanismen machen soziale Medien so wirkungsvoll.

Aufmerksamkeit ist die eigentliche Währung

Viele Menschen glauben, soziale Netzwerke seien kostenlose Plattformen zum Austausch von Informationen. Tatsächlich verfolgen sie jedoch ein anderes Ziel: unsere Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden. Je länger wir auf einer Plattform bleiben, desto mehr Werbung kann angezeigt werden.
Deshalb konkurriert jeder Beitrag mit tausenden anderen um einen begrenzten Rohstoff – unsere Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit gewinnt man nicht durch Sachlichkeit. Sie gewinnt, wer Emotionen erzeugt.
Angst, Empörung, Wut, Begeisterung oder Neugier aktivieren unser Gehirn wesentlich stärker als nüchterne Fakten. Deshalb verbreiten sich emotionale Inhalte meist schneller als differenzierte Erklärungen.

Das Smartphone und die sozialen Medien fesseln die Aufmerksamkeit vieler Menschen.

Foto: Visions/iStock

Der Dopamin-Effekt

Jeder Like, jeder Kommentar und jede neue Benachrichtigung aktiviert unser Belohnungssystem. Dabei spielt der Neurotransmitter Dopamin eine entscheidende Rolle. Entgegen einer weit verbreiteten Annahme ist Dopamin weniger das „Glückshormon“ als vielmehr ein Botenstoff, der Erwartungen und Motivation beeinflusst.
Besonders stark reagiert unser Gehirn auf unvorhersehbare Belohnungen. Genau dieses Prinzip nutzen soziale Medien. Manchmal erhält ein Beitrag viele Reaktionen. Manchmal fast keine.
Diese Unvorhersehbarkeit hält uns am Bildschirm. Psychologisch ähnelt dieses Belohnungsmuster dem Prinzip eines Spielautomaten. Nicht jede Handlung wird belohnt – aber gerade deshalb prüfen wir immer wieder unser Smartphone.

Der Vergleich macht unglücklich

Der Mensch vergleicht sich ständig mit anderen. Früher beschränkte sich dieser Vergleich auf Familie, Freunde oder Kollegen. Heute vergleichen wir uns mit Millionen Menschen gleichzeitig.
Dabei sehen wir jedoch nicht deren Realität. Wir sehen deren Highlights. Perfekte Urlaubsbilder. Erfolgreiche Karrieren. Trainierte Körper. Glückliche Partnerschaften. Unser Gehirn vergisst dabei leicht, dass diese Bilder sorgfältig ausgewählt, bearbeitet und inszeniert wurden. Die Folge sind Selbstzweifel.
„Warum bin ich nicht so erfolgreich?“ „Warum sehe ich nicht so aus?“ „Warum scheint mein Leben weniger spannend zu sein?“ Besonders Jugendliche reagieren empfindlich auf diesen permanenten sozialen Vergleich.

Das, was wir in den sozialen Medien zu sehen bekommen, muss nicht immer die Realität sein.

Foto: Aziz Shamuratov/iStock

Der Algorithmus kennt uns besser, als wir glauben

Viele Nutzer entscheiden scheinbar selbst, welche Inhalte sie konsumieren. Tatsächlich entscheidet zunehmend der Algorithmus. Er analysiert:
  • welche Beiträge wir länger ansehen,
  • welche Videos wir bis zum Ende anschauen,
  • worauf wir klicken,
  • welche Themen uns emotional bewegen,
  • mit welchen Personen wir interagieren.
Aus tausenden kleiner Verhaltensmuster entsteht ein erstaunlich präzises Persönlichkeitsprofil. Der Algorithmus muss unsere Gedanken nicht lesen. Er beobachtet unser Verhalten und das ist oft aussagekräftiger als Worte.

Wiederholung schafft Glaubwürdigkeit

Ein besonders wirkungsvoller psychologischer Effekt ist die sogenannte Filterblase. Menschen bevorzugen Informationen, die ihre bestehende Meinung bestätigen. Psychologen sprechen vom Bestätigungsfehler (Confirmation Bias).
Algorithmen verstärken diesen Effekt zusätzlich. Wer sich für ein bestimmtes Thema interessiert, erhält mehr Beiträge dazu. Wer häufig politische Inhalte einer Richtung konsumiert, bekommt immer mehr ähnliche Meinungen angezeigt. Mit der Zeit entsteht der Eindruck: „Alle denken so“. Tatsächlich sieht man jedoch lediglich einen kleinen, algorithmisch ausgewählten Ausschnitt der Wirklichkeit.
Hinzu kommt, eine Aussage muss nicht wahr sein, um glaubwürdig zu wirken. Es genügt oft, sie häufig genug zu hören. Psychologen nennen dieses Phänomen den „Illusory Truth Effect“. Je vertrauter uns eine Behauptung erscheint, desto eher halten wir sie für richtig.
Soziale Medien verstärken auch diesen Effekt enorm. Ein Satz wird geteilt. Kommentiert. Als Bild veröffentlicht. Als Video erzählt. Oder als Meme verbreitet. Irgendwann erscheint er selbstverständlich. Nicht weil Beweise vorliegen. Sondern weil unser Gehirn Vertrautheit mit Wahrheit verwechselt.

Geschäftsmodelle mit Vertrauen und Angst

Influencer verkaufen selten nur Produkte. Sie verkaufen Beziehungen. Unser Gehirn entwickelt zu bekannten Gesichtern sogenannte parasoziale Beziehungen. Wir erleben das Gefühl, jemanden zu kennen, obwohl keinerlei persönliche Beziehung besteht.
Dadurch wirken Empfehlungen glaubwürdiger. Nicht, weil sie objektiver wären. Sondern weil Vertrauen entstanden ist. Deshalb können Produktempfehlungen oder Meinungsäußerungen von Influencern einen erstaunlich großen Einfluss entfalten.

Influencer verkaufen selten nur Produkte. Sie verkaufen Beziehungen und bauen Vertrauen auf.

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Großen Einfluss haben auch negative Nachrichten, die sich regelmäßig schneller verbreiten als positive. Das ist evolutionsbiologisch nachvollziehbar. Unsere Vorfahren mussten Gefahren möglichst schnell erkennen. Deshalb reagiert unser Gehirn besonders aufmerksam auf Bedrohungen.
Überschriften wie „Das verschweigt man Ihnen“, „Sie werden belogen“ und „Bevor es zu spät ist …“ aktivieren sofort unsere Aufmerksamkeit. Nicht jede alarmierende Überschrift ist falsch. Aber jede nutzt denselben psychologischen Mechanismus.

Die Macht der Empörung

Mit anderen Worten: Empörung erzeugt Reichweite. Je stärker wir emotional reagieren, desto eher kommentieren, teilen oder diskutieren wir Inhalte. Für Plattformen bedeutet das: Mehr Interaktion. Mehr Aufmerksamkeit. Mehr Werbeeinnahmen. Dadurch entsteht ein Kreislauf, in dem extreme Meinungen häufig sichtbarer werden als ausgewogene Positionen.
Viele Menschen glauben, Fehlinformationen ließen sich einfach durch Fakten korrigieren. Psychologisch funktioniert das jedoch nur begrenzt. Meinungen sind eng mit Identität verbunden.
Greift man eine Überzeugung an, erleben viele Menschen dies als persönlichen Angriff. Dann verteidigen sie ihre Position häufig noch stärker. Veränderung gelingt deshalb eher durch respektvolle Fragen als durch bloße Konfrontation.

Digitale Selbstverteidigung

Niemand ist vollkommen immun gegen Beeinflussung. Doch Aufmerksamkeit schützt. Stellen Sie sich bei emotionalen Beiträgen folgende Fragen:
  • Wer profitiert davon, dass ich diesen Beitrag glaube?
  • Welche Gefühle löst der Inhalt in mir aus?
  • Wird mit Angst oder Empörung gearbeitet?
  • Werden Quellen genannt?
  • Gibt es nachvollziehbare Belege?
  • Würde ich denselben Inhalt auch glauben, wenn er meiner eigenen Meinung widersprechen würde?
Allein diese Fragen aktivieren das analytische Denken und reduzieren impulsive Reaktionen. Psychische Widerstandskraft beginnt daher mit bewusster Mediennutzung. Hilfreich sind unter anderem:
  • Benachrichtigungen reduzieren.
  • Bildschirmzeiten begrenzen.
  • Mehrere Informationsquellen nutzen.
  • Regelmäßig digitale Pausen einlegen.
  • Emotionale Inhalte nicht sofort teilen.
  • Vor dem Kommentieren kurz innehalten.
Oft reichen bereits wenige Minuten Abstand, um einen Beitrag deutlich kritischer zu betrachten.

Fazit

Soziale Medien sind weder gut noch schlecht. Sie informieren, verbinden Menschen und ermöglichen den Austausch von Wissen in einer Geschwindigkeit, die früher unvorstellbar gewesen wäre. Gleichzeitig nutzen sie psychologische Mechanismen, die tief in unserem Denken verankert sind. Aufmerksamkeit, soziale Bestätigung, Wiederholung, emotionale Aktivierung und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit machen uns beeinflussbar – oft, ohne dass wir es bemerken.
Soziale Medien beeinflussen alle Nutzer – auch unbewusst

Ein bewusster Umgang mit sozialen Medien kann helfen, weniger beeinflusst zu werden.

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Die eigentliche Gefahr liegt daher nicht in einzelnen Plattformen oder Algorithmen, sondern in der Illusion, selbst gegen Manipulation immun zu sein. Wer glaubt, ausschließlich andere seien beeinflussbar, unterschätzt die Funktionsweise des eigenen Gehirns.
Medienkompetenz bedeutet deshalb weit mehr, als Falschmeldungen zu erkennen. Sie beginnt mit der Bereitschaft, die eigenen Gefühle, Denkmuster und spontanen Reaktionen zu hinterfragen. Denn Manipulation verliert in dem Moment an Macht, in dem wir sie erkennen. Zwischen einem Reiz und unserer Reaktion liegt ein kurzer Augenblick – und genau dort entsteht die Freiheit, selbstbestimmt zu entscheiden, wem wir unsere Aufmerksamkeit, unser Vertrauen und letztlich unsere Meinung schenken.
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Tauender Permafrost als CO₂-Senke?


In Kürze:

  • Tauender Permafrost setzt Kohlenstoffdioxid frei, das sich in der Atmosphäre anreichert.
  • Eine neue Studie zeigt, dass die getaute Region durch Gesteinsverwitterung auch als Kohlenstoffsenke fungieren kann.
  • Für das tibetische Hochland errechneten Forscher eine Reduzierung der CO₂-Emissionen von bis über 100 Prozent, wenn Silikat-Minerale vorhanden waren.

 
Hohe Temperaturen und warmes Klima führen dazu, dass Permafrostböden auftauen. Dies setzt bekanntlich große Mengen organischen Kohlenstoffs frei, der in Flüssen zu Kohlendioxid (CO₂) umgewandelt und an die Atmosphäre abgegeben wird. Nun hat ein Geologe der Ludwig-Maximilians-Universität München zusammen mit Kollegen einen Einflussfaktor entdeckt, der diesem Effekt teilweise entgegenwirkt.
Schlüsselpunkt sei die Freisetzung von Mineralen in und unter den tauenden Permafrostböden, was Gesteine verwittern lässt, die den Kohlenstoffkreislauf ihrerseits beeinflussen. Zwar war dieses Zusammenspiel von biologischen und geologischen Prozessen bereits bekannt, doch deren Tragweite bislang unterschätzt.

Permafrost unter der Lupe

Erforscht haben die Wissenschaftler aus Deutschland, China, Großbritannien, USA, Schweden und der Schweiz diesen Effekt, indem sie die CO₂-Bilanz von Fließgewässern gemessen haben. Als Untersuchungsgebiet wählten sie die größte zusammenhängende Permafrost-Landschaft außerhalb der Arktis und Antarktis: das Qinghai-Tibet-Plateau.
Das Forschungsteam kombinierte Messungen von CO₂-Emissionen mit chemischen Analysen in 50 Flüssen im Quellgebiet der größten Flusssysteme Asiens. Insgesamt umfasste das Untersuchungsgebiet eine Fläche von rund 780.000 Quadratkilometern – mehr als die doppelte Fläche Deutschlands – und erstreckt sich über Höhenlagen von 1.650 bis 4.820 Meter über dem Meeresspiegel.
Ein Teil des Untersuchungsgebiets war dabei von durchgängigem Permafrostboden geprägt, während in anderen Teilen der Permafrost nur noch sporadisch vorhanden oder ganz verschwunden ist.
Die Forscher werteten die räumliche Verteilung der gesammelten Daten statistisch aus, um Rückschlüsse darauf zu ziehen, wie sich das Auftauen des Permafrostbodens über Hunderte Jahre hinweg auf die Biogeochemie der Flüsse im tibetischen Hochland auswirkt.

Der Einfluss von chemischer Verwitterung ist signifikant

Die überraschende Erkenntnis: Kohlenstoffflüsse aus chemischer Verwitterung könnten mit fortschreitendem Auftauen des Permafrostbodens zunehmend an Bedeutung gewinnen und möglicherweise sogar die CO₂-Emissionen aus der Umwandlung von organischem Kohlenstoff in Flüssen übersteigen.
„Über die gesamte untersuchte Region werden 35 Prozent der CO₂-Emissionen aus Flüssen durch verwitterungsbedingte Bindung von Kohlenstoff kompensiert“, erklärt Studienleiter Dr. Liwei Zhang von der East China Normal University. „Interessant ist hierbei, dass dieses Verhältnis stark von der Beschaffenheit des Permafrosts abhängt.“
Demnach gleicht die Verwitterung in Gebieten mit durchgängigem Permafrost lediglich 15 Prozent der CO₂-Emissionen aus. Dort, wo Permafrost nur noch sporadisch vorkommt, kann dieser Wert auf mehr als 100 Prozent ansteigen. Das deutet darauf hin, dass mit zunehmendem Auftauen des Permafrosts die Gesteinsverwitterung eine immer wichtigere Rolle spielt.
„Der Einfluss der Gesteinsverwitterung auf den Kohlenstoffkreislauf hängt allerdings auch von der Natur der Minerale ab, die freigesetzt werden“, erklärt Aaron Bufe, Professor für Sedimentologie aus München.
So kann die Verwitterung von Silikaten, die über weite Teile des tibetischen Hochlandes passiert, der Freisetzung von Kohlenstoff aus Permafrostböden entgegenwirken. Die Verwitterung von Schwefelmineralen wie Pyrit hingegen verstärkt die CO₂-Emissionen.

Neuer Fokus für die Forschung

Die geochemischen Muster im Qinghai-Tibet-Plateau werfen laut den Forschern ein neues Licht auf die Rolle des tauenden Permafrosts für das Gleichgewicht zwischen Kohlenstoffquellen und -senken.
Liwei Zhang fasst zusammen: „Die Ergebnisse unseres multidisziplinären Ansatzes zeigen, dass die Gesteinsverwitterung durch den Rückgang des Permafrosts zunehmen und beträchtliche Anteile von CO₂ binden könnte, wodurch anorganische und organische Kohlenstoffkreisläufe auf für den Menschen relevanten Zeitskalen miteinander verknüpft werden.“
Die Forscher plädieren dafür, in zukünftigen Klimaanalysen über den bisherigen Fokus auf biotisch-organische Kohlenstoffprozesse hinauszugehen und das Gleichgewicht aller Mechanismen ganzheitlich zu betrachten, um die Nettoauswirkung des Permafrost-Tauens auf den globalen Kohlenstoffkreislauf besser zu verstehen.
Die Studie erschien am 17. Juni 2026 in der Fachzeitschrift „Nature“.
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Briefwahl boomt – doch wie groß ist die Gefahr von Manipulation?


In Kürze:

  • Die Briefwahl hat seit den 2000er-Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen.
  • In Magdeburg und Halle wurden bereits rund 87.500 Briefwahlanträge gestellt.
  • AfD-Bundessprecher Chrupalla und Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt Siegmund sprechen von möglichen Manipulationen, können aber keine konkreten Fälle benennen.
  • Für einen systematischen Missbrauch gibt es bislang keine Anhaltspunkte.

 
Am Wahlsonntag ins Wahllokal: Das ist heute in Deutschland keine Selbstverständlichkeit mehr.
Die Anzahl der Stimmen bei Wahlen, die per Briefwahl abgegeben werden, ist insbesondere seit Ende der 2000er-Jahre deutlich im Steigen begriffen. Das Phänomen zeigt sich bei Kommunalwahlen ebenso wie bei überregionalen Wahlen. Einige Wahlprozesse – wie die Sozialwahl – laufen faktisch ausschließlich auf dem Wege der Briefwahl ab. Die Corona-Zeit hat den Anteil der Briefwähler noch einmal deutlich ansteigen lassen.

Von der Ausnahme zur bequemen Option

Erstmals schuf der Gesetzgeber in Deutschland die Möglichkeit der Briefwahl für die Bundestagswahl 1957. Mit diesem Schritt sollte vorwiegend alten, kranken oder behinderten Menschen, für die der Weg ins Wahllokal mit enormen Schwierigkeiten verbunden war, die Wahlteilnahme ermöglicht werden. Der Anteil der Briefwahlstimmen an den Gesamtstimmen lag damals bei 4,9 Prozent. Auch im Wendejahr 1990 war er mit 9,4 Prozent noch einstellig.
Seit der Bundestagswahl 2009 müssen Wahlberechtigte, die per Briefwahl abstimmen wollen, keine besonderen Verhinderungsgründe mehr nennen. Zuvor war es erforderlich, den Antrag auf Übermittlung der Briefwahlunterlagen mit einer Begründung für die Abwesenheit am Wahltag zu versehen. Diese konnte etwa in gesundheitlich bedingter Verhinderung, aber auch in berufs- oder reisebedingter Ortsabwesenheit liegen.
Den bisher höchsten Briefwähleranteil gab es während der Corona-Zeit. So wurden bei der Bundestagswahl 2021 insgesamt 47,3 Prozent der Stimmen nicht am Wahltag an der Urne abgegeben. Diesen Rekordanteil erreichte die Bundestagswahl 2025 bei weitem nicht mehr – obwohl bei der Winterwahl immer noch 37 Prozent von dieser Option Gebrauch machten.

Briefwahl auch in Sachsen-Anhalt immer weiter verbreitet – doch deutlich seltener als in Bayern

Bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt zeichnet sich erneut eine hohe Nachfrage nach Briefwahlunterlagen ab.
In Magdeburg und Halle, den beiden größten Städten des Landes, sind nach Angaben der Stadtverwaltungen mit Stand zu Wochenbeginn etwa 87.500 Briefwahlanträge eingegangen. Die Anzahl der Wahlberechtigten, die diese anforderten, lag in Magdeburg bei etwa 48.300, das entspricht 26,8 Prozent. In Halle waren es mit rund 39.200 beziehungsweise 22,3 Prozent etwas weniger.
Die Wahlleitung in der Landeshauptstadt rechnet bis zum Wahltag damit, dass rund 30 Prozent der Wahlberechtigten Briefwahlunterlagen anfordern. Es steht damit nicht fest, ob der Anteil der Antragsteller auch deckungsgleich mit jenem der letztendlichen Briefwähler sein wird. Es ist beispielsweise möglich, unter Mitnahme der zugesandten Briefwahlunterlagen doch noch im Wahllokal seine Stimme abzugeben.
Damit ist der Anteil der Antragsteller für die Briefwahl zwar auch in Sachsen-Anhalt im Steigen begriffen. Er liegt insgesamt jedoch immer noch deutlich unter jenem in Bundesländern wie Bayern. Dort lag die Briefwahlquote – auch aufgrund des komplexen Wahlsystems mit Kumulieren und Panaschieren bei Kommunalwahlen – bereits in den 1990er-Jahren höher als in anderen Bundesländern.
Bei der Bundestagswahl 2025 lag der Anteil dort bei 52,2 Prozent, vier Jahre zuvor sogar bei 62,4 Prozent. Zum Vergleich: In Sachsen-Anhalt wählten 2021 zur Bundestagswahl 34,2 Prozent per Brief (29,1 Prozent bei der Landtagswahl). Im Vorjahr waren es bei der Bundestagswahl 26,8 Prozent.

Mehrere Wahlergebnisse kippten nach Auszählung der Briefstimmen

Im Vorfeld der Landtagswahlen kommen vor allem aus der AfD vermehrt Behauptungen, die Briefwahl sei anfällig für Fehler und Manipulationen. Bundessprecher Tino Chrupalla sprach – ohne konkrete Beispiele nennen zu können – von Fällen, in denen Menschen in Pflegeheimen beim Wählen „der Stift sozusagen geführt“ worden sei.
Auch Sachsen-Anhalt-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sprach von „Tricksereien“, die durch die Briefwahl ermöglicht würden. Bereits in der Vergangenheit forderten AfD-Verbände die Abschaffung der Briefwahl.
Das Bundesverfassungsgericht hatte die Briefwahl in mehreren Urteilen als verfassungsmäßig zulässig beurteilt. Zwar seien die Integrität der Wahl, das Wahlgeheimnis und die Wahlfreiheit bei der Briefwahl, „nicht gleichermaßen gewährleistet“. Der Gesetzgeber biete derzeit jedoch ausreichende Gewähr für deren Schutz vor derartigen Gefahren.
Zu den wahrscheinlichen Hintergründen der Forderung der AfD, die Briefwahl abzuschaffen, dürfte der Umstand gehören, dass in mehreren Fällen die Wahl rechter Kandidaten für öffentliche Ämter am Ergebnis der Briefwahlstimmen scheiterte.

Gefälle zwischen Urne und Brief nicht bei allen Parteien gleich groß

Bei der Stichwahl für das Amt des Bundespräsidenten in Österreich 2016 hatte der FPÖ-Kandidat Norbert Hofer nach Auszählung der Urnenstimmen vor seinem Gegenkandidaten Alexander Van der Bellen gelegen.
Erst am darauffolgenden Tag fand die Auszählung der Briefwahlstimmen statt – und diese ergab eine so große Mehrheit für Van der Bellen, dass dieser auch insgesamt vorn lag. Auch bei der US-Präsidentenwahl 2020 lag der Demokrat Joe Biden in mehreren entscheidenden Bundesstaaten bei den am Wahltag abgegebenen Stimmen hinter Amtsinhaber Donald Trump. Auch hier drehte jeweils die Auszählung der per Brief eingesandten Stimmen das Ergebnis.
Bei mehreren Stichwahlen auf kommunaler Ebene lag der jeweilige AfD-Kandidat während der Liveauszählung der Urnenstimmen vorn – und scheiterte aufgrund des am Schluss ausgezählten Briefwahlergebnisses.
Tatsächlich lag auch bei überregionalen Wahlen wie der Bundestagswahl der Stimmenanteil der AfD unter Briefwählern deutlich unter jenem bei den Urnenwählern, wobei die Kluft im Verlauf der vergangenen Jahre immer größer wurde.
Bei der Bundestagswahl 2013 stimmten 3,9 Prozent der Briefwähler und 5 Prozent der Urnenwähler für die Partei. Vier Jahre später betrug das Gefälle 9,6 Prozent zu 13,9 Prozent. Im Jahr 2021 kam die AfD nur noch auf 6,7 Prozent bei den Briefwählern, aber immer noch auf 13,6 Prozent an der Urne. Im Vorjahr lautete das Verhältnis 13,2 Prozent zu 25,3 Prozent.

Es gab Fälle von Wahlbetrug – allerdings lediglich in Einzelfällen

Einen so großen Unterschied im Zuspruch zwischen Briefwählern und Urnenwählern gibt es sonst bei keiner Partei. Bei der FDP war das Gefälle jeweils am geringsten – zuletzt wählten jeweils 4,3 Prozent Brief- und Urnenwähler die Liberalen.
Überdurchschnittlich häufig wurden 2025 bei der Briefwahl die CSU (9,2 gegenüber 4,0 Prozent) und die Grünen (13,8 zu 10,3 Prozent) gewählt. Auch SPD (17,4 zu 15,8 Prozent) und CDU (24,1 zu 21,6 Prozent) schnitten bei der Briefwahl besser ab. Hingegen wurde auch die Linke häufiger an der Urne gewählt (9,4 Prozent verglichen mit 7,7 Prozent bei der Briefwahl).
Die Zahl nachgewiesener Manipulationen bei Briefwahlen liegt jedoch seit 2000 im einstelligen Bereich. In den meisten Fällen betrafen diese Kommunalwahlen – etwa 2002 in Dachau, 2006 im niedersächsischen Wietze, 2008 im bayerischen Roding oder 2014 in Stendal, Sachsen-Anhalt.
Im Jahr 2024 betraf ein Fall die Landtagswahl in Sachsen. In allen Fällen konnten die Manipulationsversuche aufgedeckt werden und beschäftigten in weiterer Folge die Justiz.
Für einen systematischen Missbrauch bei der Briefwahl gibt es jedoch keine Anhaltspunkte. Potenziell reduziert ist vor allem das Prinzip der geheimen Wahl gegenüber der Abstimmung im Wahllokal. Das gilt etwa bei der Stimmabgabe zu Hause oder im Pflegeheim. Ob jemand, der befürchtet, zu Hause bei der Stimmabgabe unter Druck gesetzt zu werden, überhaupt Briefwahlunterlagen anfordert, ist jedoch ungewiss.

Stimmabgabe im Pflegeheim: Pflegeschutzbund weist Anschuldigungen zurück

Auch in Pflegeheimen wird, wie der BIVA-Pflegeschutzbund betont, Hilfe beim Ausfüllen von Wahlunterlagen nur auf Verlangen geleistet. Im Regelfall sei es auch nicht das Pflegepersonal, das beim Ausfüllen der Stimmzettel assistiere, sondern Angehörige oder gerichtlich bestellte Betreuer.
Die Integrität der Briefwahl ist in Deutschland durch mehrere Sicherungssysteme geschützt. Die Ausstellung eines Wahlscheins wird durch einen Sperrvermerk dokumentiert. Damit ist dem Wahlvorstand im Wahllokal erkennbar, wer einen solchen beantragt hat. Eine weitere Stimmabgabe an der Urne ist damit ausgeschlossen.
Der Wahlschein ist darüber hinaus personalisiert. So müssen die Wahlberechtigten darauf Namen, Geburtsdatum und Anschrift angeben. Auf dem Wahlschein findet sich auch ein Formular für eine Versicherung an Eides statt. Darauf muss der Wähler unterschreiben und damit dokumentieren, den Stimmzettel persönlich und unbeobachtet ausgefüllt zu haben.

Strenge Kontrollen der Identität – aber Fehlerquellen bei der Stimmabgabe

Um die Identitätsprüfung von der Nachvollziehbarkeit der Stimmabgabe zu trennen, muss der Stimmzettel in einen verschlossenen Umschlag gesteckt werden. Dieser muss getrennt vom unterschriebenen Wahlschein in den Wahlbriefumschlag gesteckt werden.
Eine mögliche Fehlerquelle, die zu einer Zurückweisung des Wahlbriefs führt, ist es jedoch, den unterschriebenen Wahlschein entweder nicht mit in den Wahlbriefumschlag zu stecken oder ihn mit dem Stimmzettel zusammen in den Umschlag zu stecken. In beiden Fällen findet keine gültige Stimmabgabe statt.
Der mehrköpfige Briefwahlvorstand kontrolliert, sobald der Wahlbrief eingeht, die Unversehrtheit der Umschläge, den Wahlschein und die Unterschrift. Fehlt diese, wird der Wahlbrief zurückgewiesen.
Gleiches gilt für ungültige oder verspätete Wahlbriefe. Die verschlossenen Stimmzettel werden bis zur Auszählung am Wahltag in einer verschlossenen Urne aufbewahrt. Briefwahlvorstände arbeiten öffentlich und unterliegen ähnlichen Kontroll- und Beobachtungsmöglichkeiten wie Wahlvorstände im Wahllokal.
Warum aber wird die AfD so stark unterdurchschnittlich bei Briefwahlen gewählt? Ein wesentlicher Faktor ist dabei die Einstellung zur Briefwahl als solcher. Wenn ein signifikanter Teil der Anhängerschaft einer Partei meint, die Briefwahl werde manipuliert, und Spitzenfunktionäre ihn in dieser Ansicht bestärken, werden potenzielle AfD-Wähler von vornherein keine Briefwahlunterlagen beantragen. Entsprechend geringer wird auch der Stimmenanteil unter den Briefwählern sein. Der Effekt ähnelt damit einer selbsterfüllenden Prophezeiung.

Urnenwahl als Ritual vs. Briefwahl als Lifestyle-Element

Ferner gibt es generelle Faktoren, die dazu führen, dass sich Briefwahlergebnisse von Urnenergebnissen teilweise unterscheiden. So ist der Anteil der Briefwähler in größeren Städten regelmäßig deutlich höher als in ländlichen Gemeinden oder Dörfern. Dort ist der Gang zum Wahllokal häufiger noch als traditionelles oder familiäres Ritual verankert – in manchen Fällen verbunden mit dem Kirchgang oder der Teilnahme an anderen Gemeinschaftsveranstaltungen.
Auch nutzen Rentner oder jüngere Menschen, beispielsweise Studenten, häufiger die Möglichkeit der Briefwahl als etwa Berufstätige. Wohlhabende geben ihre Stimme ebenfalls häufiger per Brief ab als an der Urne. Ihre Bereitschaft, sich an Wahlen zu beteiligen, ist ebenfalls höher. Demgegenüber ist die Wahlbeteiligung unter sozial benachteiligten Bevölkerungsteilen generell gering. Darüber hinaus ist auch der Frauenanteil unter den Briefwählern überdurchschnittlich.
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Wenn trotz ungeahnter Übereinstimmung alles aus dem Lot läuft

Das negative Mediensentiment gegen das Merz-Kabinett wird weniger.
Kaum hatte Schwarz-Rot im vergangenen Jahr gestartet, da dominierte schon der Vorwurf des „Betrugs“. Die sonst üblichen 100 Tage Einarbeitungszeit schienen nicht zu gelten. Zwölf Monate überboten sich die meisten Journalisten im Spiel „Wer findet die meisten Haare in der Suppe“. Das gipfelte im Mai dieses Jahres, als Kanzler Merz von deutschen Leitmedien selbst im Vergleich mit dem Medienimage von Russlands Präsident Wladimir Putin schlechter dargestellt wurde.
Doch jetzt nach der Sommerpause sind die Trenddaten in Sachen Wirtschaftsaufschwung nicht länger zu verdrängen – mit dem Resultat, dass dies am Ende natürlich auch auf das Konto der Amtsinhaber einzahlen wird.
Die spannende Frage: Erreicht dieser Umschwung in der Auswahl, welche Fakten und wie dem Wahlvolk präsentiert werden, den Souverän, der im September erst in Sachsen-Anhalt, dann in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern seine Entscheidung trifft?

Verblüffende Ergebnisse

Die aktuelle „Common Sense Index“-Umfrage verblüfft: Wer die Ergebnisse der Schlüsselfrage („Glauben Sie, dass Ihr Bundesland gesellschaftlich und politisch derzeit eher auf einem guten
Weg oder eher nicht auf einem guten Weg ist?“) nach Parteizugehörigkeit auswertet, sieht Zustimmung für den eingeleiteten Wandel von CDU über SPD, Grüne bis zur FDP. Im Verhältnis von 60:40.
Da die Anhänger der AfD dies jedoch extrem anders sehen (18:82) und dies von denen, die sich bislang noch nicht einer bestimmten Partei zuordnen lassen wollen, geteilt wird (26:74), liegt der Gesamtwert zum Sommer allerdings bei 39:61.

Foto: Institut für Medienwirkungsforschung Media Tenor International

Für alle Wahlkämpfer ist entscheidend: Seit dem Zweiten Weltkrieg hellen sich die Einschätzungen auf, sobald der Wahlkampf in die entscheidenden letzten zwei bis drei Wochen kommt.
Dann wird bei Umfragen mehr nachgedacht, weil es nicht mehr um Denkzettel, sondern um das reale eigene Leben in den kommenden Jahren geht. Dabei bieten die Ergebnisse der Medienanalyse wie auch der frischen Umfrage zu „Common Sense“ und Meinungsfreiheit weitere Überraschungen.

Foto: Institut für Medienwirkungsforschung Media Tenor International

Hohe Übereinstimmung

Zum einen zeigen die Daten, dass nicht nur die Menschen in Berlin, Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern, sondern alle Deutschen in wichtigen Fragen in hohem Maße übereinstimmen. Bei einer Zustimmung von über 90 Prozent legen alle beispielsweise höchsten Wert auf:
  1. Die Wahrnehmung der eigenen Ansichten wie auch die des politischen Gegners
  2. Die Sehnsucht, das eigene Leben sicher planen zu können
  3. Sicherheit sowie Gestaltungsfreiheit für das eigene Leben
  4. Heimatverbundenheit – so ist der Stolz auf die Heimat ungebrochen
Ob es um den Ausbau des Energieangebotes – unter anderem auch unter Einbeziehung moderner KKW (dem bundesweit inzwischen 59 Prozent der Deutschen zustimmen) – geht, um die Reduktion der Zahl gesetzlicher Krankenkassen von derzeit 93 auf 10 (bundesweit 64 Prozent Zustimmung), um die Reduktion der Gewalt gegen Frauen (bundesweit 60 Prozent Zustimmung), um die Intensivierung der Reformen im Gesundheitssektor (bundesweit 67 Prozent Zustimmung) oder um die Inflationsbekämpfung, Alterssicherung und soziale Sicherheit: Über 20 konkrete Politikfelder wurden vor der Wahl abgefragt und zeigen, dass die Deutschen mehr eint als trennt.

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Selbst die Umfragen zum Gesamtkomplex „Was ist typisch deutsch?“ liefern umfangreiche Impulsdaten, die eine gut vorbereitete Diskussion ermöglichen: Denn nahezu keine der vermeintlichen Bedrohungen (Migration, Globalisierung, Digitalisierung und demographischer Wandel) liefert besorgniserregende Werte.
Als Max Weber Politik als „das Bohren dicker Bretter“ umschrieb, warnte er nicht nur diejenigen, die für die unterschiedlichen Parteien als Repräsentanten nach errungenem Mandat über Kompromisse das Leben möglichst vieler zu verbessern versuchen. Er sprach auch diejenigen an, die über dieses Arbeiten informieren.

Dominanz des Negativen

Wenn insbesondere bei den öffentlich-rechtlichen Medien seit Jahrzehnten mit einem Anteil von um die 40 Prozent Beitrag für Beitrag das Negative dominiert, wenn insbesondere die Volksvertreter, die als Repräsentanten der Menschen mit einem Anteil von mehr als 50 Prozent vor allem als Versager und raffgierige Egoisten vermittelt werden, wenn die Leistungsträger in Medizin, Bildung und vor allem Wirtschaft kaum zu Wort kommen, dann entsteht ein Grundklima, das weder von gutem Willen noch von Hoffnung oder gar Respekt geprägt ist.
Nach über 40 Jahren in diesem Metier würde ich nicht so weit gehen, dass dies bewusst geschieht. Viele der ausgestrahlten Beiträge verdienen Aufmerksamkeit. Aber bei Wirkungsfragen gilt für Medien die Erfahrung aus der Medizin. Die Dosis entscheidet darüber, ob das beabsichtigte Ziel erreicht oder verfehlt wird. Und der Sound, den ARD, Deutschlandradio und ZDF ohne Not seit mehr als 20 Jahren verbreiten, ähnelt sehr den Sprüchen bei der AfD oder der Linke.

Foto: Institut für Medienwirkungsforschung Media Tenor International

Es geht aber nicht allein um den ÖRR, der seit 40 Jahren wissenschaftlich unterlegt seine Funktionsaufträge zu Vielfalt, Integration, Konvergenz und Vorbild eher verfehlt als erfüllt.

Vorwürfe gegen Springer

Es geht auch um Vorwürfe, die in den vergangenen Wochen gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer SE, Dr. Mathias Döpfner, laut wurden. Allein die Diskussion darüber, ob ein Verleger einen Politiker zu einem bestimmten Verhalten auffordert und bei Nichtberücksichtigung mit entsprechend negativer Berichterstattung bedroht, ist gefährlich.
Die Grafik zeigt jedoch, dass die Vorwürfe gegen Springer nicht zu 100 Prozent aus der Luft gegriffen sind. Mittlerweile rudert „BILD“ teilweise wieder zurück.

Foto: Institut für Medienwirkungsforschung Media Tenor International

Entsprechend gilt es – wie wie beim ÖRR – auch bei den privaten Medien das Gespräch zu starten, ob in den vergangenen Wochen und Monaten tatsächlich überall noch die Standards des Journalismus eingehalten wurden.
Das gilt insbesondere im Zusammenhang mit der Darstellung von Meinungsumfragen – die in den meisten Fällen eher Medienreflexe sind als Ergebnis eigenständiger Urteilsbildung. Dass der europäische Verband der Meinungsforscher auf vermehrte Fehldarstellungen hingewiesen hat, könnte ebenfalls zum Nachdenken beitragen.
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Rheuma: Warum eine Heilpflanze allein selten die Antwort ist


In Kürze:

  • Unter dem Begriff „Rheuma“ werden zahlreiche Erkrankungen zusammengefasst, die außer Schmerzen am Bewegungsapparat teils wenig gemeinsam haben.
  • So unterschiedlich die Ursachen sind, so unterschiedlichen sollten auch die Behandlungen sein – auch in der Naturheilkunde.
  • Naturheilverfahren werden zurückhaltend eingesetzt, dabei bedeuten fehlende Studien nicht „Es wirkt nicht“, sondern „Wir wissen es (noch) nicht“.
  • Kurkuma, Ingwer, Weihrauch, Arnika oder Brennnessel haben alle ihre Berechtigung im Praxisalltag, kommen aber selten an die wahren Probleme heran.

 
Manchmal erlebe ich sie noch: kleine Wunder in der Medizin. Eines davon besteht darin, dass eine rheumatologische Fachgesellschaft Weihrauch, Kurkuma, Ingwer und sogar Kohlwickel nicht einfach in die Schublade der „Alternativen“ steckt und diese anschließend fest verschließt.
Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie hat sich mit einer ganzen Reihe solcher Verfahren beschäftigt. Das Ergebnis fällt differenzierter aus, als man vielleicht erwarten würde: Für entzündlich-rheumatische Erkrankungen reicht die Studienlage nach Ansicht der Fachgesellschaft nicht aus, um die untersuchten Pflanzenpräparate als „krankheitsverändernde Therapie“ zu empfehlen.
Bei Arthrose, Rückenschmerzen und anderen degenerativen Beschwerden sieht die Sache anders aus. Dort müsse man von verschiedenen Verfahren bei entsprechendem Patientenwunsch keineswegs abraten. Das ist zunächst erfreulich. Aber man sollte die Sache auch nicht größer machen, als sie ist.

Eine Sache fehlt

Die Fachgesellschaft hat vorhandene Studien gesichtet und bewertet. Das ist wichtig und gehört zu ihrer Aufgabe. Studien lesen kann ich allerdings auch, und ich tue das seit Jahrzehnten. Mich würde deshalb der nächste Schritt viel mehr interessieren: Warum setzt man solche Verfahren nicht einmal konsequent in rheumatologischen Kliniken ein und untersucht anschließend, was tatsächlich mit den Patienten geschieht?
Interessant wäre eine vernünftige rheumatologische Behandlung, ergänzt um Ernährung, Fasten, Bewegung, Heilpflanzen und eine gezielte Versorgung mit Vitalstoffen. Und dann prüft man: Was geschieht mit Schmerzen oder Morgensteifigkeit? Wie entwickeln sich geschwollene Gelenke, Entzündungswerte, Beweglichkeit, Medikamentenbedarf und Lebensqualität?
Genau solche Untersuchungen würde ich gerne häufiger sehen. Denn in der Medizin gibt es eine eigentümliche Denkfalle. Für ein Verfahren fehlen angeblich gute Studien. Wissenschaftlich korrekt heißt das zunächst nur: Wir wissen es nicht ausreichend. Im medizinischen Alltag wird daraus jedoch erstaunlich schnell: Es wirkt nicht. Das ist allerdings nicht alles.

Laut dem Deutschen Rheuma-Forschungszentrum leben rund 1,8 Millionen Deutsche mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung.

Foto: seb_ra/iStock

Rheuma ist keine Krankheit

Schon die Frage „Was hilft bei Rheuma?“ führt eigentlich auf Glatteis. Unter dem Begriff werden zahlreiche Erkrankungen zusammengefasst, die jedoch außer Schmerzen am Bewegungsapparat teilweise ziemlich wenig miteinander gemeinsam haben.
Eine Arthrose ist etwas anderes als eine rheumatoide Arthritis. Bei der Arthrose spielen Knorpelveränderungen, Fehlbelastungen, fasziale Strukturen, frühere Verletzungen, Stoffwechsel und lokale Entzündungsprozesse zusammen. Bei der rheumatoiden Arthritis richtet sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen. Gelenke schwellen an, die Morgensteifigkeit nimmt zu und unbehandelt können dauerhafte Schäden entstehen.
Vergleich von Rheuma oder Arthrose betroffenem Knie

Unterschied zwischen einem gesunden Knie sowie ein durch Arthrose oder rheumatoide Arthritis betroffenes Gelenk.

Foto: Epoch Times; nach elenabs/iStock

Wieder anders liegt der Fall bei Fibromyalgie. Hier steht keine klassische Gelenkentzündung im Vordergrund. Viele Betroffene leiden unter Schmerzen am ganzen Körper, Erschöpfung und Schlafstörungen. Das Nervensystem reagiert mitunter wie eine Alarmanlage, deren Empfindlichkeit viel zu hoch eingestellt wurde. Hinzu kommen Psoriasisarthritis, Morbus Bechterew, Gicht, Kollagenosen und Gefäßentzündungen.
Wer all diesen Patienten dasselbe Medikament empfiehlt, behandelt letztlich den Namen einer Erkrankung und nicht den Menschen. Dieser differenzierende Blick ist auch für eine naturheilkundliche Rheumatherapie aber entscheidend.

Was können die Pflanzen?

Kurkuma ist bei Arthrose durchaus interessant. Es gibt Hinweise auf Verbesserungen bei Schmerzen, Steifigkeit und Gelenkfunktion. Auch für Ingwer finden sich positive Signale. Die Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) kommt vor allem bei degenerativen Gelenk- und Rückenbeschwerden infrage. Beim Weihrauch sind es insbesondere die Boswelliasäuren, die verschiedene Entzündungswege beeinflussen. Selbst äußerliche Anwendungen wie Beinwell, Arnika oder Kohlwickel verdienen mehr Aufmerksamkeit, als ihr etwas altbackenes Image vermuten lässt.
Ich habe nach einer schweren Knieverletzung Mitte der neunziger Jahre übrigens eine erheblich rustikalere Variante gewählt: frische Brennnesseln. Damit habe ich mein Knie täglich behandelt, bis die Haut rot und voller Quaddeln war. Man gewöhnt sich daran. Es gehört allerdings schon zu den heroischeren naturheilkundlichen Maßnahmen.
Würde ich das heute noch einmal machen? Vermutlich ja. Aber genau hier liegt für mich der entscheidende Punkt: Wir können lange darüber diskutieren, welche Pflanze welchen Entzündungsbotenstoff beeinflusst. Spannender ist doch die Frage, weshalb im Organismus überhaupt ständig ein entzündliches Milieu unterhalten wird.

Pflanzen, die bei Gelenkbeschwerden helfen können: 1 Kurkuma, 2 Ingwer, 3 Teufelskralle, 4 Weihrauch, 5 Beinwell, 6 Arnika, 7 Wickel aus Kohl wie Wirsing oder Weißkohl, 8 Brennnesseln.

Foto: zusammengestellt von Epoch Times; mit Material von iStock

Der größere Hebel liegt auf dem Teller

Seit ich Ende der neunziger Jahre begonnen habe, Rheumapatienten zu behandeln, gehört die Ernährung deshalb zu meinen wichtigsten Ansatzpunkten. Bei entzündlichen Beschwerden streiche ich Schweinefleisch und Wurst konsequent und reduziere tierische Lebensmittel deutlich. Hintergrund ist unter anderem die Arachidonsäure, aus der der Organismus entzündungsfördernde Botenstoffe bilden kann.
Die einzelne Schweinshaxe verursacht natürlich keine rheumatoide Arthritis. Entscheidend ist das Milieu, in das sie hineinkommt. Viel Fleisch und Wurst, Zucker, Alkohol und hochverarbeitete Lebensmittel bei gleichzeitig geringer Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren sind für einen chronisch entzündeten Organismus keine glückliche Kombination.
Bei geeigneten Patienten arbeite ich deshalb für einige Wochen mit einer konsequent pflanzenbetonten Ernährung. Sechs Wochen halte ich für einen vernünftigen Zeitraum. Zwei freundliche Salattage sind noch keine Ernährungsumstellung. Danach wird verglichen: Was ist mit der Morgensteifigkeit geschehen? Sind Gelenke weniger geschwollen? Wie haben sich Schmerzen, Verdauung oder Schlaf verändert?
Manche Patienten reagieren auf Milchprodukte, andere auf Alkohol, Zucker oder bestimmte hochverarbeitete Lebensmittel. Pauschale Verbotslisten überzeugen mich dabei weniger als ein sauberer Auslassversuch mit anschließender kontrollierter Wiedereinführung.
Arachidonsäure: Das Schwein und die stille Entzündung

Der Hauptlieferant für Arachidonsäure in unserer heutigen Ernährung ist tierisches Fett – vor allem aus Schweinefleisch, Wurst, Eiern, Innereien und bestimmten Milchprodukten.

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Fasten ist mehr als Nichtessen

Und dann gibt es eine Maßnahme, die ich bei geeigneten Patienten weiterhin für einen der stärksten naturheilkundlichen Impulse halte: das Heilfasten. Fasten verändert weit mehr als die Kalorienzufuhr. Insulinstoffwechsel, Fettsäurestoffwechsel und verschiedene Entzündungsvorgänge reagieren ebenfalls.
Bei rheumatoider Arthritis gibt es seit Jahrzehnten Untersuchungen, nach denen Fasten mit anschließender pflanzenbetonter Ernährung Beschwerden günstig beeinflussen kann. Dies deckt sich mit meiner Praxiserfahrung. Das ist keine Wunderheilung und erst recht keine Garantie. Aber es ist genügend Grund, Fasten nicht als Wellnessveranstaltung abzutun.
Bei schweren Erkrankungen, Untergewicht oder komplexer Medikation gehört eine solche Therapie selbstverständlich in erfahrene Begleitung. Rheumamedikamente werden übrigens während einer Fastenkur nicht eigenmächtig abgesetzt.

Bewegung braucht die richtige Dosis

Ähnlich verhält es sich mit Bewegung. Schmerzpatienten hören erstaunlich häufig: „Sie müssen sich mehr bewegen.“ Das ist ungefähr so präzise wie die Empfehlung an einen Schlaflosen, einfach mehr zu schlafen.
Ein entzündetes Gelenk braucht eine andere Belastung als ein steifes Gelenk. Und ein Fibromyalgiepatient, der nach zehn Minuten Training drei Tage lang kaum noch auf die Beine kommt, braucht nicht mehr Ehrgeiz, sondern eine andere Dosis.
Kurze Spaziergänge, sanfte Mobilisation, isometrische Übungen, Beweglichkeitstraining oder Bewegung im warmen Wasser können ein Anfang sein. Eine gute Trainingseinheit sollte Anpassungen erzeugen, keinen Zusammenbruch. Gerade hier wäre eine gute Physiotherapie Gold wert.

Art und Dauer einer Bewegung sollte an die Stärke der Gelenksentzündung angepasst werden, wobei eine gute Physiotherapie hilfreich sein kann.

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Messen, verstehen, dann ergänzen

Zur naturheilkundlichen Rheumatherapie gehört auch eine vernünftige Labordiagnostik. Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Magnesium, Vitamin B12, Folat und Eisenstatus können je nach Patient relevant sein. Ein Grundsatz bei Vitalstoffen lautet deshalb: messen, verstehen, dann ergänzen.
Ebenso wichtig sind Darmfunktion, Schlaf und Stoffwechsel. Auch der Säure-Basen-Haushalt kann betrachtet werden. Damit meine ich ausdrücklich keine angebliche „Übersäuerung des Blutes“. Der Blut-pH wird innerhalb enger Grenzen reguliert. Interessant sind vielmehr Ernährung, Säurelast, Ausscheidung, Mineralstoffversorgung und Regulationsfähigkeit.
Und dann gibt es jene Fälle, bei denen man lange suchen muss. Ich erinnere mich an einen Patienten mit rheumatoider Arthritis, bei dem ich mir therapeutisch sprichwörtlich einen Wolf arbeitete. Vieles half ein wenig, der entscheidende Durchbruch blieb aus. Erst nachdem zwei auffällige Weisheitszähne saniert worden waren, veränderte sich das Krankheitsbild dramatisch.
Ist das der Beweis, dass rheumatoide Arthritis von den Zähnen kommt? Natürlich nicht. Aber solche Verläufe erinnern daran, nicht mit dem Denken aufzuhören, sobald die üblichen Laborwerte erhoben sind. Chronische Entzündungsherde, Zähne oder auch Narben können bei einzelnen Patienten Teil eines komplexeren Geschehens sein. Das rechtfertigt keine voreiligen Eingriffe, wohl aber sorgfältige Diagnostik.

Naturheilkunde ist keine grüne Pharmakologie

Und was ist mit Methotrexat, Cortison und Biologika? Bei schweren entzündlich-rheumatischen Erkrankungen können solche Medikamente Krankheitsaktivität senken und dauerhafte Gelenk- oder Organschäden verhindern. Wer sie einnimmt, sollte sie deshalb keinesfalls eigenmächtig absetzen.
Aber damit ist die Arbeit nicht beendet. Denn eine unterdrückte Entzündung beantwortet noch nicht automatisch die Frage, unter welchen Bedingungen sie entstanden ist und was der Patient selbst verändern kann.
Vielleicht liegt genau darin das Missverständnis vieler Debatten über Naturheilkunde. Naturheilkunde bedeutet nicht, Methotrexat durch Kurkuma und Ibuprofen durch Weihrauch zu ersetzen. Dann hätten wir lediglich die Farbe der Kapseln gewechselt. Naturheilkunde fragt vielmehr nach dem Menschen, in dem die Krankheit stattfindet.
Wie ernährt er sich? Wie schläft er? Wie bewegt er sich? Wie steht es um Stoffwechsel, Darm und Vitalstoffversorgung? Gibt es dauerhafte Belastungen? Und an welcher Stelle hat der Organismus seine Fähigkeit zur Regulation verloren?

Individuelle und auf den Patienten zugeschnittene Behandlungen können für Schmerzfreiheit und eine glückliche Zukunft sorgen.

Foto: monkeybusinessimages/iStock

Deshalb begrüße ich es, wenn eine rheumatologische Fachgesellschaft Heilpflanzen nüchtern untersucht, statt sie reflexartig abzutun. Ich wünsche mir nur, dass wir eines Tages den nächsten Schritt gehen.
Nicht noch eine Diskussion darüber, ob Weihrauch nun „alternativ“ oder „wissenschaftlich“ ist. Sondern Kliniken, in denen man verschiedene sinnvolle Verfahren konsequent miteinander verbindet und anschließend ebenso konsequent misst, was dabei herauskommt.
Denn ein entzündeter Organismus braucht manchmal ein verschreibungspflichtiges Medikament. Manchmal eine Heilpflanze. Häufig braucht er mehrere Veränderungen gleichzeitig. Die interessante Frage ist deshalb nicht nur, was gegen Rheuma wirkt. Sondern warum dieser eine Mensch krank geworden ist und was seinem Organismus helfen könnte, wieder in eine „bessere Ordnung“ zu finden.
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Trump: Putin wird kein NATO-Gebiet angreifen

Präsident Donald Trump erklärte am Donnerstag, 27. August, dass der russische Präsident Wladimir Putin den Krieg gegen die Ukraine durch Angriffe auf NATO-Staaten ausweiten werde.
Trump antwortete in seinem Büro, dem Oval Office im Weißen Haus, auf eine entsprechende Frage einer Journalistin, er habe „gute Gespräche“ mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gehabt.
„Er wird kein NATO-Gebiet angreifen“, sagte Trump.

Worüber sprach CIA-Chef in Moskau wirklich?

Die Äußerung des amerikanischen Präsidenten erfolgte inmitten wachsender internationaler Besorgnis über die Spannungen zwischen Russland und der NATO. Zuvor hatte der Direktor des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, Moskau besucht und dort angeblich davor gewarnt, das transatlantische Bündnis anzugreifen.
Dies berichteten zahlreiche amerikanische und internationale Medien. Ratcliffe ist einer der ranghöchsten US-Beamten, die Russland seit Beginn des Krieges in der Ukraine im Jahr 2022 besucht haben.
Die „New York Times“ hingegen sprach davon, Ratcliffes Begegnung mit Putin habe zum Ziel gehabt, „den Kreml dazu zu bewegen, ein Friedensabkommen mit der Ukraine anzustreben“.
Trump lehnte es ab, sich dazu zu äußern, ob er Ratcliffe angewiesen hatte, Putin während des Besuchs zu warnen, die NATO nicht anzugreifen. „Ich möchte mich dazu nicht äußern, aber sie werden nicht angreifen“, sagte Trump.
Der US-Präsident hatte bereits am Mittwoch erklärt, dass die Reise des CIA-Chefs nichts mit russischen Drohungen gegen NATO-Staaten zu tun gehabt habe. Er deutete stattdessen an, dass der Besuch im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine gestanden habe.
Laut der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times habe Trump die Reise des CIA-Direktors nach Moskau am Donnerstag gegenüber „Axios“ als „Routine“ bezeichnet.
„Ratcliffe trifft sich alle sechs Monate oder einmal im Jahr mit seinem russischen Amtskollegen. Sie haben ein hervorragendes Verhältnis. Es gab keine Botschaft und es gab nichts Ungewöhnliches“, wird der amerikanische Präsident zitiert.

Der Große Kremlpalast in Moskau. (Archivbild).

Foto: Ian Walton/Getty Images

Russland bestätigt CIA-Besuch

Die staatliche russische Nachrichtenagentur „TASS“ verbreitete zu dem Besuch Ratcliffes in Moskau eine Äußerung Sergej Naryschkins, Leiter des russischen Auslandsgeheimdienstes (SVR). Dieser habe am 27. August bestätigt, dass er sich mit Ratcliffe getroffen habe. Naryschkin erklärte laut „TASS“, beide hätten „Themen besprochen, die in den Zuständigkeitsbereich der Geheimdienste fallen“.
Auch der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte laut dem russischen Fernsehsender „Baku TV“, der Besuch des CIA-Chefs John Ratcliffe in Moskau habe im Zusammenhang mit „Kontakten zwischen den Geheimdiensten“ gestanden. Dabei gab er jedoch keine Einzelheiten zu den Gesprächen preis und stellte klar, dass ein Treffen zwischen Ratcliffe und Putin nicht geplant gewesen sei.
Zu den Medienberichten, wonach Russland die NATO angreifen wolle, bemerkte Peskow laut „TASS“, diese hätten nichts mit der Realität zu tun: „Gegenteilige Behauptungen verzerren die Realität und sind nichts weiter als Mediengerüchte.“
Der Sprecher warf westlichen Medien vor, „zahlreiche Schauergeschichten“ zu verbreiten. „Diese Berichte entbehren jeder Grundlage und spiegeln nicht die Absichten Russlands wider.“

„Wall Street Journal“-Bericht löste Besorgnis aus

Die aktuelle internationale Besorgnis vor einem unmittelbar bevorstehenden russischen Angriff auf NATO-Gebiet hatte ein Beitrag des „Wall Street Journal“ vom 6. August mitausgelöst.
Darin heißt es: „Putin könnte in den nächsten Jahren versuchen, die Entschlossenheit der NATO mit einem begrenzten Angriff auf ein Bündnisland auf die Probe zu stellen. Dies geht aus neuen Berichten des US-Geheimdienstes hervor, in denen mögliche Szenarien von Cyberangriffen bis zu kleineren Bodenoffensiven beschrieben werden.“

Russland: Europäer „spielen mit dem Feuer“

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, warnte jedoch laut „TASS“ am Donnerstag die „EU-Troika“ vor einer „Anstiftung und Verschärfung der Ukraine-Krise“.
Ihre Äußerung zielte auf Frankreich, Großbritannien und Deutschland ab. Sacharowa weiter: Es sei offensichtlich, dass Großbritannien und Frankreich „durch die Übertragung sogenannter Montageaufgaben [Anm. d. Red.: gemeint sind Anleitungen für das Zusammenbauen militärischer Einzelteile, die in der Ukraine hergestellt werden] an die Ukrainer verzweifelt versuchen, sich der Verantwortung für Angriffe tief im Territorium unseres Landes zu entziehen.“
Paris, London, Berlin und andere Hauptstädte würden die direkte Verantwortung für die Beteiligung an „Terroranschlägen“ in Russland tragen.
Sacharowa kritisierte konkret, dass Großbritannien „technologische Daten für die eigenständige Montage von Scalp/Storm-Shadow-Marschflugkörpern für ukrainische Betriebe“ weitergegeben habe. Auch der französische Konzern Safran habe „seit mehr als einem Jahr die ukrainisch-britischen Flamingo-Marschflugkörper mit Leitsystemen ausgestattet und Navigationsausrüstung sowie andere Systeme zur Unterstützung von Angriffen gegen Russland“ geliefert.
„Diejenigen im Westen, die diese Entscheidungen treffen und umsetzen, sollten wissen, dass sie mit dem Feuer spielen. Die Folgen könnten völlig unvorhersehbar sein, auch für sie selbst“, warnte die russische Außenamtssprecherin.
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Schweden plant neue Pandemieregeln mit weitreichenden Befugnissen


In Kürze:

  • Neue Pandemigesetze sollen schnellere Eingriffe ermöglichen.
  • Restaurants könnten geschlossen, Demonstrationen und Menschenansammlungen verboten werden.
  • Gesundheitskontrollen, Quarantäne und Zwangstests sollen möglich werden.

 
Schweden beabsichtigt, sich besser auf künftige Pandemien vorzubereiten. Dafür plant die Regierung neue gesetzliche Möglichkeiten, um bei einer schweren Ausbreitung von Infektionskrankheiten schneller und gezielter eingreifen zu können.
So sollen bei einer neuen Pandemie unter anderem Restaurants geschlossen, Menschenansammlungen begrenzt und Gesundheitskontrollen an der Grenze eingeführt werden können.
Sozialminister Jakob Forssmed (KD, Christdemokraten) stellt dazu ein umfassendes Gesetzespaket vor. Hintergrund sind die Erfahrungen mit der COVID-19-Pandemie und die Kritik der Corona-Kommission am damaligen Umgang mit der Krise.

Kritik an Schwedens Corona-Politik

Die Kommission kam unter anderem zu dem Schluss, dass die Maßnahmen nicht ausreichten, zu spät ergriffen wurden und nicht wirkungsvoll genug waren. Laut Jakob Forssmed wurde zudem deutlich, dass der Regierung die rechtlichen Möglichkeiten fehlten, um einzugreifen, als die Infektionsausbreitung ihren Höhepunkt erreicht hatte. Er sagte:
„Die Frage ist nicht, ob wir eine neue Pandemie erleben werden, sondern wann. Und wenn es so weit ist, müssen wir besser vorbereitet sein als 2020.“

Neue Möglichkeiten für die Regierung

Die umfassendste Änderung ist ein gänzlich neues Gesetz über besondere Einschränkungen zur Verhinderung der Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Es soll in außergewöhnlichen Situationen aktiviert werden können, wenn sich eine für die Gesellschaft gefährliche Krankheit ausbreitet.
Im äußersten Fall soll eine Person isoliert oder in eine andere Umgebung verlegt werden können, um zu verhindern, dass sie andere ansteckt.
Die Regierung soll dann beispielsweise festlegen können, wie viele Personen an einer Versammlung teilnehmen oder eine bestimmte Einrichtung besuchen dürfen. Auch eingeschränkte Öffnungszeiten sollen angeordnet werden können.

Während Corona blieben Geschäfte und Restaurants in Schweden weitgehend geöffnet. Mit dem neuen Gesetzespaket können auch Lockdowns in der Gastronomie erfolgen.

Foto: iStock/Anthony Racano

In besonders schwerwiegenden Situationen soll die Regierung noch weitergehende Maßnahmen ergreifen können.
Dazu könnte es beispielsweise gehören, Demonstrationen und Menschenansammlungen zu verbieten sowie Restaurants, Kultureinrichtungen und ähnliche Einrichtungen zu schließen.

Kontrolle durch den Reichstag

Diese Möglichkeiten bedeuten weitreichende Eingriffe in die Freiheits- und Grundrechte der Menschen. Deshalb möchte die Regierung dem Reichstag eine klare Kontrollfunktion einräumen.
Beschlossene Vorschriften sollen dem Reichstag so schnell wie möglich, spätestens jedoch innerhalb von zwei Wochen, vorgelegt werden. Für die weitreichendsten Maßnahmen, insbesondere Verbote, soll eine zusätzliche parlamentarische Kontrolle gelten.
Das ist wichtig, damit keine strengeren Maßnahmen ergriffen werden als unbedingt notwendig.

Schutz besonders gefährdeter Menschen

Eine weitere Neuerung ist die sogenannte Unterbringung aus Gründen des Infektionsschutzes. Die Maßnahme richtet sich an spezielle Einrichtungen für ältere Menschen und soll eingesetzt werden können, um die Ausbreitung gefährlicher Infektionskrankheiten unter besonders gefährdeten Personen zu verhindern.
Im äußersten Fall soll eine Person isoliert oder in eine andere Umgebung verlegt werden können, um zu verhindern, dass sie andere ansteckt.

Menschen in Schweden während der Coronazeit.

Foto: JONATHAN NACKSTRAND/AFP über Getty Images

Die Erfahrungen aus der COVID-Pandemie spielen bei dem Vorschlag eine wichtige Rolle. Die Corona-Kommission stellte fest, dass Schweden daran scheiterte, ältere Menschen und andere besonders gefährdete Gruppen zu schützen. Jakob Forssmed erklärte:
„Dies soll als äußerste Schutzmaßnahme verstanden werden, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen.“

Änderungen beim Infektionsschutz

Die Regierung schlägt außerdem Änderungen am bestehenden Infektionsschutzgesetz vor. Bei einer sehr umfangreichen Ausbreitung von Infektionen sollen Ärzte und Infektionsschutzärzte von bestimmten Pflichten befreit werden können, jeden einzelnen Krankheitsfall zu untersuchen und individuelle Verhaltensvorschriften zu erteilen.
Die Idee dahinter ist, dass die Ressourcen des Gesundheitswesens in einer solchen Situation stattdessen beispielsweise auf Tests und andere Maßnahmen des Infektionsschutzes konzentriert werden können.

Gesundheitskontrollen an der Grenze

Gleichzeitig soll die schwedische Gesundheitsbehörde größere Möglichkeiten erhalten, Gesundheitskontrollen bei Personen anzuordnen, die nach Schweden einreisen.
Derzeit ist dafür erforderlich, dass ein Ausbruch einer für die Gesellschaft gefährlichen Krankheit bereits stattgefunden hat. Nach dem neuen Vorschlag soll es künftig ausreichen, dass ein begründeter Anlass zu der Annahme besteht, dass ein solcher Ausbruch vorliegt.
Die Kontrollen sollen zudem auf Reisende aus Gebieten ausgeweitet werden können, die enge Verbindungen zu einem betroffenen Gebiet haben.
Eine Gesundheitskontrolle kann unter anderem Fragen zum Gesundheitszustand der Person und zu einem möglichen Kontakt mit einer Infektion umfassen. Bei Verdacht auf eine Infektion kann die Person aufgefordert werden, sich einer ärztlichen Untersuchung und einem Test zu unterziehen.
Weigert sich die Person, können weitere Maßnahmen angeordnet werden, darunter eine Quarantäne oder eine zwangsweise Testung.

Mehr Verantwortung für die Regionen

Auch die Regionen erhalten eine klarere Verantwortung für die Vorsorge und sollen koordinierte Pläne für Epidemien und Pandemien erstellen.
Die neuen Regelungen sollen am 1. April 2027 in Kraft treten.
Dieser Artikel erschien im Original in der Schwedischen Epoch Times unter dem Titel „Nya lagar ska rusta Sverige för nästa pandemi“. (deutsche Bearbeitung: zk)
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Aus für’s Auslandskonto? Das ändert sich für EU-Ansässige


In Kürze:

  • Ab Januar 2027 gelten neue Regeln für Geschäfte mit Banken außerhalb der EU.
  • Schweizer und andere Auslandskonten werden nicht grundsätzlich verboten.
  • Für EU-Ansässige könnte sich dennoch die Geschäftsbeziehung zu einer Bank außerhalb der EU ändern.
  • Die Kontoeröffnung bei einer Bank im EU-Ausland wird deutlich erschwert.

Ab 11. Januar 2027 müssen sich in der EU ansässige Personen auf eine stärkere Regulierung bestimmter Bankgeschäfte von Banken außerhalb der Gemeinschaft einstellen. Dies hat auch potenzielle Auswirkungen auf Auslandskonten. Grund dafür ist das Inkrafttreten der sogenannten CRD-VI-Regeln, die auch Bankgeschäfte von Instituten aus Drittstaaten betreffen.
Inwieweit diese Auswirkungen auf ein bestehendes Schweizer oder anderes Drittstaatenkonto haben, hängt von der jeweiligen Bank und der konkreten Dienstleistung ab. Die bevorstehende Neuregelung hat bei einigen Betroffenen Bedenken hinsichtlich der Weiterführung von Konten bei Banken in Drittstaaten hervorgerufen.

EU will mit CRD VI eine lokale Präsenz erzwingen

Die EU begründet die Regelung mit Erwägungen zum Aufsichtsrecht und Verbraucherschutz. Man möchte verhindern, dass Banken aus Drittstaaten Einlagen annehmen oder Kredite vergeben, ohne den gleichen Aufsichtsregeln zu unterliegen wie EU-Banken. Zudem geht es um rechtliche Rahmen für Haftung oder im Fall einer Liquidation.
Bislang sind bei Drittstaatsbanken, die grenzüberschreitend Dienstleistungen anbieten, einige regulatorische Fragen ungeklärt. Dies betrifft Themen wie Aufsichtszuständigkeit, Einlagensicherung, Beschwerdemöglichkeiten und Gerichtsstände oder Regeln im Fall einer Bankenkrise. Zudem konnten die zuständigen EU-Aufsichtsbehörden Risiken und Geschäftsvolumina nicht hinreichend überwachen.
CRD VI soll deshalb eine Pflicht zur lokalen Präsenz erzwingen. Die Regulierung richtet sich nicht an die Kunden selbst, sondern an die Banken. Drittstaatenbanken, die bestimmte Kernleistungen für EU-Ansässige anbieten, sollen künftig grundsätzlich eine zugelassene Niederlassung in der EU oder eine Tochtergesellschaft unterhalten. Zu den Kernleistungen zählen unter anderem Einlagen, Kredite, Garantien oder bestimmte Verpflichtungsgeschäfte.
Ab dem 11. Januar 2027 ist damit Banken, die außerhalb der Europäischen Union angesiedelt sind, untersagt, Konten von in der EU lebenden Personen zu führen. Eine Ausnahme gilt nur dann, wenn die Bank eine offiziell genehmigte Zweigniederlassung genau im Land betreibt, in dem der Kunde seinen Wohnsitz hat.

Nicht das Konto, sondern die Bank steht im Fokus

Nicht von der Regelung betroffen sind unter anderem PayPal-Konten. Der US-amerikanische Zahlungsdienstleister verfügt bereits jetzt über ein Tochterunternehmen mit Sitz in Luxemburg. Dieses ist als Bank beziehungsweise Kreditinstitut zugelassen und unterliegt der europäischen Aufsicht.
Allerdings ist ein Guthaben dort nicht mit einem klassischen Bankguthaben auf einem Girokonto gleichzusetzen. Insbesondere bezüglich der Regeln für Sicherung und Verwahrung gelten für Zahlungsdienste wie PayPal eigene Bestimmungen.
Die Neuregelung kann Konsequenzen beispielsweise für Schweizer oder Londoner Konten haben. Eine Schweizer Bank könnte beispielsweise entscheiden, in der EU ansässige Kunden nicht mehr direkt zu betreuen. Stattdessen könnte sie darauf bestehen, das Konto auf eine Niederlassung in der EU zu übertragen oder die Geschäftsbeziehung zu beenden. Dies hängt von der jeweiligen Bank, deren Geschäftsmodell und den Vertragsbedingungen ab.

Wohnsitz entscheidend – nicht die Staatsangehörigkeit

Entscheidend ist dabei nicht die Staatsangehörigkeit des Kunden, sondern ausschließlich dessen Wohnsitz. Wer in Deutschland lebt, gilt automatisch als EU-ansässig – auch, wenn er etwa Schweizer Staatsangehöriger ist. Für bestehende Verträge, die vor dem 11. Juli 2026 abgeschlossen wurden, gilt allerdings eine Ausnahme.
Diese sind, um erworbene Kundenrechte zu schützen, nach Artikel 21c nicht von der Niederlassungspflicht betroffen und genießen Bestandschutz. Zudem gibt es die sogenannte „reverse solicitation“. Das bedeutet, dass die Bank unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin auch aus dem Drittstaat Dienstleistungen erbringen darf, wenn der Kunde diese nachweislich aus eigener Initiative kontaktiert hat.
Diese Ausnahme ist allerdings eng gefasst. Sie bedeutet außerdem nicht, dass die Bank über die auf der „reverse solicitation“ beruhende und bestehende Verbindung weitere Produkte verkaufen darf. Ferner sind bestimmte Wertpapierdienstleistungen nach Anhang I Abschnitt A MiFID II von der Niederlassungspflicht ausgenommen.

Weitere Ausnahme von CRD VI betrifft Wertpapierdepots und „Nebenleistungen“

Darüber hinaus sind auch dazugehörige „Nebendienstleistungen“ nicht erfasst. Eine genaue Definition, was darunter zu verstehen ist, fehlt in diesem Kontext. Bislang führt das Gesetz lediglich die Annahme von Einlagen oder die Gewährung von Krediten oder Darlehen für die Zwecke der Erbringung von MiFID-Wertpapierdienstleistungen auf.
Grundsätzlich bleibt die Führung des Kontos in einem Drittstaat für Personen mit Wohnsitz in der EU auch nach Inkrafttreten des CRD-VI-Reglements möglich. Doch die Frage bleibt im Raum, ob betroffene Banken ihre bisherige Geschäftsbeziehung mit einem Kunden innerhalb der EU unverändert fortführen werden.
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Hype oder Heilung? Modernas Hautkrebs-Impfung im Faktencheck


In Kürze:

  • Die US-Pharmaunternehmen Moderna und Merck (hierzulande MSD) verkündeten in der vergangenen Woche einen Durchbruch mit einem Impfstoff gegen schwarzen Hautkrebs.
  • Zahlreiche Medien griffen die Pressemitteilung auf und ziehen in ihren Berichten Parallelen zu Corona-Impfstoffen oder legen sie nah. Der Vergleich hinkt:
  • Es handelt sich zwar um eine mRNA-basierte, aber individuelle und adjuvante Krebstherapie, die Patienten zusätzlich nach der operativen Tumorentfernung erhalten.
  • Zudem handelt es sich um Zwischenergebnisse einer nicht abgeschlossenen Studie mit methodischen Schwachpunkten.
  • Die Daten sind nicht öffentlich. Bisherige Informationen lassen Fragen offen. Epoch Times versucht, diese zu beantworten.

 
„Bedeutender Meilenstein“, „medizinischer Durchbruch“ und „Hoffnung für Krebspatienten“. So überschrieben zahlreiche Meiden in der vergangenen Woche eine Mitteilung der US-amerikanischen Pharmaunternehmen Moderna und Merck Sharp & Dohme (MSD). Die beiden Unternehmen selbst sprachen erheblich unspektakulärer von der Erreichung der „Endpunkte ‚rezidivfreies Überleben‘ (RFS) und ‚Überleben ohne Fernmetastasen‘ (DMFS) bei Patienten mit vollständig reseziertem Melanom im Stadium IIB–IV“.
Ein gemeinsamer Nenner lässt sich dennoch finden. Unter der Überschrift „Moderna und Merck melden positive Testergebnisse für mRNA-Impfstoff gegen schwarzen Hautkrebs“ berichtete auch Epoch Times. Warum diese ersten Meldungen, einschließlich unserer, unvollständig und vielfach irreführend sind, lesen Sie im Folgenden. Außerdem versuchen wir, herauszufinden, was die verfügbaren Daten wirklich sagen, welche Fragen noch offen sind, und warum einige offen bleiben werden.

Der „medizinische Meilenstein“ im Überblick

Am 19. August verkündeten die Unternehmen einen möglichen Durchbruch bei fortgeschrittenen schwarzen Hautkrebs. In einer Studie mit über 1.100 Patienten verringerte ein mRNA-Impfstoff Rückfälle und Metastasen. „Dies ist die erste Bekanntgabe von positiven Phase-3-Ergebnissen für eine mRNA-basierte Krebstherapie“, hieß es in der gemeinsamen Mitteilung. Diese Art individueller Medizin wird seit mindestens zwei Jahrzehnten erforscht.
Ganz kurz und einfach zusammengefasst: Anhand individueller Mutationen im Tumor des jeweiligen Patienten werden Sequenzen, in diesem Fall, für bis zu 34 Neoantigene ausgewählt. Anhand dieser entsteht eine individualisierte mRNA-Formulierung, die der Patient erhält. Die körpereigenen Zellen sollen diese mRNA dann ablesen und entsprechenden Tumor-Antigene produzieren. Dadurch sollen Immunzellen, hauptsächlich sogenannte T-Zellen, speziell gegen Zellen mit diesen Tumormerkmalen aktiviert werden. So soll das Immunsystem eine erneute Ausbreitung des Krebses rechtzeitig erkennen.
„Intismeran Autogene“ in Kombination mit Pembrolizumab – ein Immuntherapeutikum und die derzeitige Standardtherapie bei schwarzem Hautkrebs – verhindere das Wiederauftreten von Melanomen und die Ausbreitung des Krebses auf andere Organe, erklärten die US-Unternehmen anhand vorläufiger Ergebnisse. Studienleiterin Georgina Long konkretisierte: Die Kombination „hat das Potenzial, ein neues Behandlungsparadigma in der adjuvanten Melanomtherapie zu etablieren und dazu beizutragen, dass Patienten länger krebsfrei bleiben.“
Die Professorin der Universität Sydney und medizinische Direktorin des Melanoma Institute Australia sprach in diesem Zusammenhang außerdem von einem „Meilenstein in der adjuvanten Behandlung“ von schwarzem Hautkrebs.
Endgültige Daten aus der Studie sind bislang nicht einmal in Fachkreisen bekannt. Die Vorstellung soll nach Angabe der Unternehmen auf einer bevorstehenden internationalen Konferenz erfolgen. Zugleich sollen sie als Grundlage für die Zulassung dienen. Einen konkreten Zeitplan nennt die ursprüngliche Mitteilung nicht. In weiterführenden Berichten ist davon die Rede, das eine Zulassung aufgrund einer Einstufung als „therapeutischen Durchbruch“ bis 2027 möglich wäre, sowohl in den USA als auch in Europa.

Was Moderna und MSD wirklich veröffentlichten

Eine Impfung gegen Krebs klingt nach einem Heilmittel gegen eine der Volkskrankheiten unserer modernen Zeit – und wäre es auch. Davon ist allerdings allenfalls in der Presse die Rede. Tatsächlich beschränkt sich die Anwendung auf eine kleine Gruppe. Weder alle Menschen, noch alle Krebspatienten und noch nicht einmal alle Menschen oder Patienten mit Hautkrebs kommen für die Behandlung mit Intismeran Autogene infrage.
Die Pressemitteilung bezieht sich ausdrücklich auf Menschen mit schwarzem Hautkrebs im Stadium IIb, III oder IV, also jene mit fortgeschrittenen Melanomen. Zudem müssen diese bereits operativ entfernt worden sein. Erst dann, und zusätzlich zu bereits etablierten Folgetherapien, könne künftig eine Behandlung mit dem neuartigen Mittel erfolgen. Im Rahmen der Phase-III-Studie werden 1.137 Personen berücksichtigt. Zwei Drittel der Patienten erhielten nach der OP die neue Therapie in Kombination mit Pembrolizumab, die anderen ausschließlich letzteres.
Zahlreiche Berichte sprechen zudem von einer Studiendauer von einem Jahr und suggerieren einen erfolgreichen Abschluss der Untersuchungen. Moderna spricht hingegen von einer „vorab festgelegten Zwischenanalyse“.
Die Studie ist nicht beendet und läuft bis zum Jahr 2030. Alle angegebenen Werte beziehen sich somit auf einen relativ kurzen Zeitraum und wurden zu einem Zeitpunkt ermittelt, der erheblich unter den „ungefähr bis zu 74 Monaten“ oder mehr Beobachtungszeit liegt. Gleichzeitig sagen Rückfälle und Ausbreitung nichts über das Befinden und das mittel- oder langfristige Überleben der Patienten aus.

Individuelle Behandlung nach erfolgter OP

Auch die von Studienleiterin Long angesprochene „krebsfreie Zeit“ muss dahingehend verstanden werden, dass Patienten rezidiv-frei – also ohne Rückfall – bleiben, nicht, dass sie keinen Krebs hatten. Dies ist sogar eine Voraussetzung der Behandlung, denn Intismeran kodiert bestimmte Marker der patientenspezifischen Tumore in mRNA, mit dem Ziel, dass der Körper gezielte Antikörper produziert.
Dieses Prinzip ähnelt den bei Covid-19 angewendeten Wirkstoffen, die das Spike-Protein in mRNA kodierten. Unterscheidet sich jedoch dahingehend grundsätzlich, dass die verwendeten Marker individuell auf den Tumor des jeweiligen Patienten statt auf allgemeine Merkmale eines Virus angepasst sind. Jeder Patient bekommt also einen eigenen, speziell abgestimmten Wirkstoff.

Schematische Erstellung der individualisierten Hautkrebsimpfung.

Foto: ts/Epoch Times nach ttsz/iSTock

Dies erlaubt prinzipiell die Übertragung der Behandlungsmethodik auf andere Krebsarten, wie sie von Moderna und MSD ins Gespräch gebracht wurde. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse ist jedoch ungewiss. Zum jetzigen Zeitpunkt sind Machbarkeit und Wirksamkeit derartiger Ansätze aufgrund mangelnder Studie unbekannt. Eine vorsorgliche Immunisierung für einen Großteil der Bevölkerung ist nicht Gegenstand der aktuellen Forschung.
Damit geht es weder aktuell noch in naher Zukunft um eine klassische „Vorsorge“-Impfung, die gesunden Menschen gegeben wird. Stattdessen handelt es sich um eine speziell an den Tumor angepasste mRNA-Immuntherapie nach einer Hautkrebsdiagnose und erfolgter OP. Wir sprechen also von Menschen mit einer schweren Erkrankung und, vor allem wenn sie jung sind, mit einem relativ hohen Risiko eines Rückfalls, mit dem Ziel, dass sie nach OP und gegebenenfalls Chemo, länger krebsfrei bleiben oder im besten Fall der Krebs gar nicht wiederkommt.

Kein Impfstoff, sondern eine Therapie

Daraus ergibt sich ein weiterer Widerspruch, der in nahezu allen Medienberichten bewusst oder unbewusst Einzug erhalten hat. Ein Impfstoff schützt der Definition nach vor eine Krankheit. So schreibt das für Arzneimittelsicherheit zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI): „(Prophylaktische) Impfstoffe sind Arzneimittel, die das Immunsystem zum Schutz vor Infektionskrankheiten aktivieren.“
Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) wird konkreter. Auch hier schützen Impfstoffe „vor Infektionskrankheiten, indem sie das Immunsystem zur Herstellung von Antikörpern und Vermehrung bestimmter Immunzellen anregen.“ Zugleich seien Impfstoffe „mit die wichtigsten Mittel zur Prävention gegen Krankheiten.“
Krebs, egal welcher Form, ist seinerseits nicht ansteckend und beruht nur im seltensten Fall auf einer Infektion, etwa mit Humanen Papillomviren (HPV) – hiergegen existiert ein eigener Impfstoff. Unterschieden werden muss zudem, dass Intismeran erst nach erfolgter Krebs-OP Anwendung findet, sprich, nachdem der Patient chirurgisch behandelt wurde. Das Präparat soll vor einem Rückfall schützen, kann aber die Krankheit nicht an erster Stelle verhindern. Der Begriff „Impfstoff“ kann in diesem Zusammenhang zu Missverständnissen führen. Einer Verwendung zugunsten der besseren Verständlichkeit steht das nicht im Wege, erfordert aber eine Konkretisierung, die in den wenigsten Presseberichten erfolgt.
Moderna und MSD selbst sprechen in ihrer Meldung nicht von einem Impfstoff oder Vakzin. Letzterer Begriff taucht in der Meldung exakt zweimal auf: jeweils im Kontext der Kurzbeschreibungen beider Unternehmen.

Bekannte Wirkungen und Nebenwirkungen

Was wir kennen, sind Daten aus der Phase-II-Studie begonnen im Jahr 2019. Beendet ist sie ebenfalls noch nicht. Die Nachbeobachtung der rund 150 Teilnehmer, von denen wiederum zwei Drittel die Kombitherapie erhielten, soll bis 2032 dauern. Anfang Juni 2026 veröffentlichten Zwischenergebnisse umfassen einen Fünfjahreszeitraum.
Dr. Kay Klapproth hebt gegenüber Epoch Times zwei Punkte hervor:
„Moderna hat darin gezeigt, dass Intismeran neoantigenspezifische T-Zell-Klone erzeugen beziehungsweise bereits vorhandene Klone expandieren kann. Gleichzeitig zeigt die Phase-II-Studie einen Vorteil beim rezidivfreien Überleben. Nach vier Jahren waren etwa 72 Prozent der Patienten unter Intismeran plus Pembrolizumab rezidivfrei, gegenüber rund 49 Prozent unter Pembrolizumab allein. Das entspricht einer absoluten Differenz von etwa 23 Prozentpunkten.“
Entgegen den jüngsten Behauptungen von Moderna ist damit zwar eine Verbesserung feststellbar, aber von der absoluten Formulierung „verhindert das Wiederauftreten“ sind wir weit entfernt, stellt der nicht an der Studie beteiligte, deutsche Immunologe fest. Er hat lange Zeit in der Krebsforschung gearbeitet und sich unter anderem mit Immuntherapien beschäftigt.
Und noch etwas wird aus den bisherigen Daten deutlich: Ausnahmslos alle Teilnehmer, die Intismeran erhielten, hatten Nebenwirkungen. In der Kontrollgruppe hatten „nur“ 94 Prozent Nebenwirkungen. Ernste Nebenwirkungen hielten sich mit rund 19 zu 24 Prozent ebenfalls nahezu die Waage. In beiden Gruppen führten die Nebenwirkungen zudem in rund 45 Prozent der Fälle zu einer „Verzögerung, Unterbrechung oder Absetzung“ der Behandlung und in einem Fall in der Intismeran-Gruppe sogar zum Tod. Der Patient starb den Angaben zufolge an einer Sepsis im Rahmen einer Nebenwirkung einer Pembrolizumab-Gabe.
All dies muss jedoch im Kontext einer Krankheit mit beschränkten Überlebenschancen und Behandlungen mit erheblichen Nebenwirkungen – Stichwort Chemotherapie – betrachtet werden.

Lässt sich die Wirkung überhaupt ermitteln?

Daneben gibt es eine Reihe offener Fragen, oder wie Dr. Klapproth es formulierte: „Immunaktivierung ist nicht das Gleiche wie klinische Wirksamkeit – und der Nachweis einer Immunantwort beweist noch nicht den Wirkmechanismus.“ Sprich, „was nicht gezeigt wurde, ist, dass beide Beobachtungen kausal zusammenhängen.“ Der zentrale Kritik- und Schwachpunkt bestehe darin, dass die verwendete mRNA/LNP-Plattform selbst immunologisch aktiv ist:
„Ionisierbare Lipid-Nanopartikel können das angeborene Immunsystem stimulieren, das ist oft gezeigt worden“, erklärte Dr. Klapproth. „Gleichzeitig wissen wir aus der Tumorimmunologie, dass eine Aktivierung angeborener Immunmechanismen die Antitumorwirkung einer PD-1/PDL1-Blockade [Anm. d. Red.: das Ziel der Standardtherapie] erheblich verstärken kann.“ Konkret belegt hat dies Tübinger Unternehmen CureVac bereits im Jahr 2022 mit einer mRNA, die nicht tumorspezifisch ist, die aber durch Immunaktivierung antitumoral gewirkt hat.
Damit existiert eine plausible alternative Erklärung für den beobachteten Effekt: Das Trägersystem der mRNA aktiviert das angeborene Immunsystem, auch ohne tumorspezifische Neoantigene. Gerade im Kontext einer PD-1/PDL1-Blokade genüge dies laut Dr. Klapproth, um einen gewissen positiven Effekt hervorzurufen. „Wie groß der unspezifische Effekt ist und welchen Anteil an der klinischen Wirkung tatsächlich die individuell ausgewählten Neoantigene haben, wissen wir aber nicht, weil diese Experimente fehlen.“
Ferner werde Intismeran plus Pembrolizumab mit Pembrolizumab plus einem nicht-immunogenen Placebo verglichen. „Damit kann man zwar zeigen, dass das Gesamtpräparat einen Effekt hat. Man kann aber nicht zeigen, welcher Anteil dieses Effekts auf dem Konzept der tumorspezifische Information beruht.“

Offene Fragen und methodische Schwächen

Ungewöhnlich erscheint dem Immunologen die intensive wiederholte Gabe die der mRNA-Präparate. Moderna und Merck sprechen davon, dass ein Milligramm mRNA alle drei Wochen bis zu neunmal verabreicht wird. Man setzt das Immunsystem also innerhalb weniger Monate wiederholt demselben Reiz aus, wobei die erste Injektion konsequenterweise nicht auf dasselbe Ausgangssystem trifft wie die neunte. Was zwischen Dosis eins und neun passiert, bleibt ungewiss.
Ein weiteres grundsätzliches Problem wurde 2023 in „Nature“ beschrieben: das fehlerhafte Ablesen von mRNA-Bausteinen. Epoch Times berichtete.
Auch in Intismeran gibt es modifizierte Basen, die sogenannte ribosomale Leserasterverschiebungen verursachen. Dadurch können nicht beabsichtigte Peptide entstehen und diese auch unerwünschte T-Zell-Antworten auslösen. Das Problem wird nach Wissen von Dr. Klapproth von Moderna nicht adressiert. Gerade bei einem individualisierten Präparat wäre das aber relevant: Nicht nur die gewünschten Neoantigene sind individuell, sondern potentiell auch unbeabsichtigte immunogene Produkte.
Durch die künstliche Verkettung unterschiedlicher Epitope, jenem Teil der Antigene, die das Immunsystem später erkennen soll, können zudem auch den Verbindungsstellen zwischen den einzelnen Epitopen neue, sogenannte Junction-Peptide, entstehen. Diese könnten ebenfalls einen Einfluss auf die Immunantwort haben, positiv als auch negativ. Mögliche Autoimmunreaktionen wären aufgrund der individuellen Formulierung wiederum höchst individuell und können daher praktisch kaum in Experimenten kontrolliert werden.

Fazit

Schwarzer Hautkrebs, auch als Malignes Melanom bekannt, ist eine der gefährlichsten Formen von Hautkrebs. Im Jahr 2022 wurden weltweit mehr als 330.000 neue Fälle diagnostiziert. In Deutschland sind es laut Uniklinik Tübingen rund 21.000 jährlich, wobei immer mehr junge Menschen betroffen seien. Rund 3.000 Menschen sterben jährlich daran.
Vor diesem Hintergrund ist eine Verbesserung der Behandlung wünschenswert. Einen (kleinen) Erfolg beim Melanom als Beweis dafür anzusehen, dass „mRNA-Impfstoffe gegen Krebs funktionieren“, ist aber übertrieben.
Bisher sind weder abschließende Daten aus Phase-II-Studien noch Zwischenergebnisse der Phase-III-Studie verfügbar. Womöglich bleibt der Effekt eines vermeintlichen Impfstoffs auch nach deren Veröffentlichung unbekannt oder muss hinterfragt werden. Obwohl es das Konzept prinzipiell ermöglicht, ist außerdem ungewiss, inwieweit sich die Ergebnisse auf andere Krebsarten übertragen lassen.
Von einer möglichen Zulassung sind wir auch aufgrund fehlender Daten mindestens ein Jahr entfernt. Wie hoch anschließend die Kosten für eine Behandlung sind, bleibt offen. Die Rede ist von mehreren Hunderttausend Dollar pro Patient.
Demgegenüber stehen schon jetzt messbare Effekte – an der Börse. Unterschiedliche Quellen sprechen von kurzfristigen Kursgewinnen von bis über 150 Prozent bei Moderna, sodass der Börsenwert des Unternehmens am Mittwoch um etwa 30 Milliarden US-Dollar zulegte. Die Papiere von Merck/MSD legten Mitte vergangener Woche ihrerseits etwa zehn Prozent zu. Mögliche Umsätze mit dem neuen Krebsmittel liegen Schätzungen zufolge zwischen drei und 13 Milliarden Dollar jährlich.
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Mangel bei der Polizei: In Berlin scheitern Bewerber am Deutschtest


In Kürze

  • Berliner Polizei konnte im Frühjahr nur 189 von möglichen 312 Stellen im mittleren Dienst besetzen.
  • Kritisch ist das Nachwuchsproblem in NRW und bei der Bundespolizei.
  • Polizeigewerkschafter spricht von „Bruchbuden und Dreckskarren“.

Deutschland hat ein Nachwuchsproblem bei der Polizei. „Trotz erhöhter Einstellungszahlen fehlen bundesweit Zehntausende Stellen – und der demografische Wandel verschärft die Lage in den kommenden Jahren weiter“, stellte das „Polizei-Infoportal“ kürzlich fest.
Die Plattform ist das zentrale, behördenübergreifende Internetportal der deutschen Polizei. Ausgelöst worden sei das Nachwuchsproblem durch die Pensionierungswelle der geburtenstarken Jahrgänge. Der Mangel führe zur Mehrbelastung und Überstunden der aktiven Polizistinnen und Polizisten.

Polizeihauptkommissarin Özlem Yagmur im Polizeipräsidium Köln. Vor allem in Nordrhein-Westfalen ist das Nachwuchsproblem bei der Polizei groß.

Foto: Polizei Köln/dpa

In NRW und bei Bundespolizei: Kritische Lage

In Nordrhein-Westfalen (NRW) und bei der Bundespolizei sei das Nachwuchsproblem inzwischen „kritisch“. Im laufenden Jahr fehlen laut Schätzung des Polizei-Portals in NRW rund 8.000 Nachbesetzungen, bei der Bundespolizei gebe es eine Lücke von 4.000 unbesetzten Stellen.
Bundesweit fehlten insgesamt 20.000 Nachbesetzungen. Den Personalmangel in der Hauptstadt Berlin beziffert das Polizei-Portal als „sehr angespannt“. Dort würden insgesamt 3.500 Stellen unbesetzt bleiben. „Egal, wie schön wir das reden, egal wie wir die Statistik mit polizeiinternen Aufsteigern kaschieren, es ist und bleibt ein Desaster“, kritisierte im März dieses Jahres der Vize-Vorsitzende des Landesverbandes Berlin der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Thorsten Schleheider. Die GdP problematisiert zu geringe Einstellungszahlen seit Jahren, doch sie wird anscheinend von der Berliner Politik nicht gehört. Schleheider beklagt:
„Wir werden weniger, weil wir Menschen in den wohl verdienten Ruhestand verlieren, sind personell schon jetzt nicht für alle Aufgaben in dieser Stadt aufgestellt und bekommen zahlenmäßig nicht den Nachwuchs, den wir brauchen. Das liegt auch daran, dass wir in Bruchbuden arbeiten, mit Dreckskarren durch die Gegend fahren und es weiterhin nicht die Rückendeckung aus der Politik gibt, die wir brauchen.“

Berliner Polizeipräsidentin: Mangel an Deutsch

Das soll sich nun unmittelbar vor den anstehenden Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September ändern. Die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel, die bereits seit April 2018 im Amt ist, äußerte sich am 25. August in der „RBB Abendschau“ zur angespannten Nachwuchssituation:
„Wir stehen in einem harten Wettbewerb, um geeignete Bewerberinnen und Bewerber – die Betonung liegt auf geeignet.“
Die Berliner Polizei habe hohe Anforderungen, die nicht gesenkt werden könnten.

Die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel hier bei einer Sondersitzung zum CSD-Anschlag am 29.07.2026..

Foto: Matthias Kehrein/Epoch Times

Laut RBB sei das Diktat im Auswahlwettbewerb „die größte Herausforderung“. Rund 40 Prozent der Bewerber würden am Deutschtest scheitern und die Durchfallquote würde jährlich steigen. Aber gerade die Fähigkeit, zu kommunizieren sei für die Polizeiarbeit zentral, betont Slowik Meisel. Und weiter: „Wir müsse Tag für Tag unsere polizeilichen Maßnahmen erklären.“
Die Polizistinnen und Polizisten sowie die jungen Anwärter müssten die rechtlichen Grundlagen, auf denen sie handeln, „selbst verstanden haben“. Diese müssten sie den Bürgern erklären können und „wenn möglich auch schriftlich Dinge festhalten und aufnehmen.“

Polizei „heruntergewirtschaftet“

„Wir begrüßen, dass unsere Polizeipräsidentin die großen Nachwuchssorgen problematisiert“, sagte Benjamin Jendro, Pressesprecher des GdP-Landesbezirks Berlin, gegenüber Epoch Times. Doch auch für das kommende Einstellungsdatum am 1. September würden „wieder Dutzende Stellen unbesetzt“ bleiben.
Jendro nannte zudem andere Gründe für den Polizeimangel in Berlin als die Polizeipräsidentin. Die Politik müsse „endlich verstehen, dass wir mit den aktuellen Rahmenbedingungen kaum konkurrenzfähig zu Bundesbehörden oder der freien Wirtschaft sind, obwohl es ein so vielseitiger Beruf ist. Wir sind konfrontiert mit der höchsten Einsatztaktung bei unterirdischer Besoldung, einem heruntergewirtschaftetem Fuhrpark und maroden Liegenschaften sowie technischer Ausstattung auf dem Stand der 1980er“, kritisierte der Berliner GdP-Sprecher gegenüber Epoch Times.
Auch der Vize-Vorsitzende Schleheider kritisierte im März, dass es „keinesfalls reicht, nur Stellen im Haushalt zu hinterlegen, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen“. Im Frühjahr 2025 etwa hätten nur 237 von 312 möglichen Polizeistellen im mittleren Dienst und 199 von 300 im gehobenen Dienst besetzt werden können. Im Frühjahr dieses Jahres hätten nur 189 von möglichen 312 Stellen im mittleren Dienst besetzt werden können.
„Aus dem politischen Raum höre ich, wenn überhaupt, Generationen-Bashing oder Resignation vor dem Arbeitnehmermarkt“, so der Berliner GdP-Vize weiter. Dabei gebe es für Hauptstadtpolizisten eine Vielfalt und Abwechslung, die es nirgendwo anders gibt“, erklärte Schleheider. Dennoch bekäme man „zahlenmäßig nicht den Nachwuchs“, der gebraucht werde.

Hamburg fordert „vernünftige Arbeitsbedingungen“

Am 14. August beklagte auch der Hamburger GdP-Landeschef Lars Osburg: „Wer heute Nachwuchs verliert, dem fehlt morgen Polizei“. Er fordert vom Hamburger Senat:
„Wir müssen jungen Menschen nicht nur sagen, wie wichtig sie für Hamburg sind. Sie müssen es auch erleben. Gute Ausbildung und ein gutes Studium, verlässliche Perspektiven, vernünftige Arbeitsbedingungen und eine verfassungsgemäße Besoldung gehören zusammen.“
Von mangelnden Deutschkenntnissen bei Bewerbern sprach Osburg nicht.

Viele Bewerber nicht fit oder psychisch ungeeignet

Die Polizei-Infoplattform nennt andere Ursachen für das Ausbleiben von geeigneten Polizeibewerbern. Neben der Pensionierungswelle der geburtenstarken Jahrgänge gebe es Konkurrenz mit den „attraktiven Alternativen“ bei der Bundeswehr, dem Zoll oder in der Privatwirtschaft. Schließlich würden „viele Bewerber“ an den hohen Anforderungen bei den Sporttests oder im psychologischen Auswahlverfahren scheitern.
Der Polizeimangel würde deutschlandweit zu Burn-out bei aktiven Polizeikräften führen und damit auch zur Frühpensionierung. Diese Ursachen würden einander verstärken: „Weil weniger Bewerber die Auswahlverfahren bestehen, dauert es länger, freiwerdende Stellen zu besetzen. Weil die verbleibenden Beamten die Lücke auffangen müssen, steigt der Krankenstand – was die Personaldecke weiter ausdünnt“, so das Polizeiportal.
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Der digitale Führerschein startet Ende 2026: Was Autofahrer jetzt wissen müssen


In Kürze:

  • Zweiter Anlauf bei der Einführung des digitalen Führerscheins.
  • Nicht alle Handys erfüllen die technischen Voraussetzungen.
  • Die Polizeigewerkschaft sieht derzeit noch rechtliche Probleme.
  • 2021 scheiterte das Vorhaben an Sicherheitslücken.

Der digitale Führerschein soll bis Ende dieses Jahres in Deutschland eingeführt werden. Die rechtlichen Voraussetzungen für die technische Umsetzung hat die Bundesregierung dafür bereits geschaffen. Das entsprechende Gesetz ist am 1. Juli in Kraft getreten, der Beschluss dazu fiel im Monat zuvor. Der digitale „Lappen“ soll auf dem Smartphone gespeichert sein. Die Nutzung ist freiwillig, der bisherige Führerschein bleibt weiter gültig. Es ist der zweite Anlauf der Einführung. Ein Erster endete 2021 bereits kurz nach dem Start.

Bis Ende 2030 digitale Führerscheine in der gesamten EU

Beim Fahrzeugschein ist die Digitalisierung bereits weiter fortgeschritten. Die rechtliche Grundlage dafür besteht bereits seit eineinhalb Jahren, die entsprechende Verordnung trat am 13. Februar 2025 in Kraft. Seit vergangenem November können Halter den Schein mithilfe der i-Kfz-App auf das Handy laden. Seit März dieses Jahres steht diese Möglichkeit auch Unternehmen zur Verfügung.
Bis spätestens Ende 2030 soll es in der gesamten EU einen gemeinsamen und allgemein anerkannten digitalen Führerschein geben. Er soll mit der European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet) genutzt werden können. Beim digitalen Fahrzeugschein gibt es auf EU-Ebene noch keine endgültige Regelung, da das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist.
Beide Dokumente sollen künftig über die i-Kfz-App verfügbar sein. Doch ist die Nutzung der App auf bestimmte Betriebssysteme beschränkt, erläutert das Kraftfahrbundesamt. So funktioniert sie nur bei iOS ab Version 17 (Apple-Geräte wie iPhone) und Android ab Version 12.
Bei Motorola-Smartphones hängt die Kompatibilität vom jeweiligen Modell ab: Fehlt eine bestimmte Verschlüsselungstechnik auf dem Chip, lässt sich die App dort nicht verwenden. Unterstützt werden derzeit die Modelle Motorola Edge 50 Neo, Edge 50 Ultra und Razr 50 Ultra.
Auf Geräten des chinesischen Herstellers Huawei läuft die App nicht. Das liegt laut ADAC daran, dass diese keine Google-Dienste wie die Google Mobile Services (GMS) mehr nutzen. Der Grund: Wegen US-Sanktionen und Handelsverboten dürfen US-Unternehmen wie Google keine neuen Geschäftsverträge mehr mit Huawei eingehen.

Polizeigewerkschaft sieht Probleme

Wer die App nutzen will, benötigt einen elektronischen Personalausweis mit aktivierter Online-Ausweisfunktion. Damit lässt sich die eigene Identität in der App bestätigen und der digitale Fahrzeugschein abrufen. Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit, so das Kraftfahrtbundesamt (KBA). So können Halter bei der Zulassungsbehörde einen QR-Code bekommen. Wer ihn mit der i-Kfz-App scannt, kann den digitalen Fahrzeugschein auch direkt auf dem Handy hinterlegen.
Laut ADAC rät das KBA dazu, die analogen Dokumente bis auf Weiteres dabei zu haben. Es begründet das damit, dass die noch nicht alle Polizeibehörden über die Rechtsänderung informiert seien. Wer im Ausland unterwegs sei, der müsse den alten Fahrzeugschein in Papierform auf jeden Fall bei sich tragen.
In einer Stellungnahme begrüßt die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) grundsätzlich die Einführung des digitalen Führerscheins. Sie weist aber darauf hin, dass nach den europäischen Vorgaben weiterhin das sogenannte „Ein-Führerschein-Prinzip“ gelten solle. Gleichzeitig würden physischer und digitaler Führerschein nicht prinzipiell unterschiedlich behandelt. Die Gewerkschaft sieht ein Problem für polizeiliche Maßnahmen. Einen physischen Führerschein könne sie beschlagnahmen, bei der digitalen Ausführung sei das nach der derzeitigen Rechtslage nicht ohne Weiteres möglich.
Die Gewerkschaft schlägt daher vor, der Polizei einen eingeschränkten Schreibzugriff auf das Fahreignungsregister (FaER) und das EU-Führerscheinnetz RESPER zu ermöglichen. So könne die Beschlagnahmung oder eine Sicherstellung umgehend dokumentiert werden, bis ein Gericht über einen finalen Führerscheinentzug entscheidet.
Außerdem solle eine technische Schnittstelle dafür sorgen, dass der digitale Führerschein unmittelbar nach einem Eintrag ins FaER gesperrt wird. Eine weitere Nutzung werde so unterbunden, bis über eine vorläufige Entziehung der Fahrerlaubnis entschieden sei. Die Gewerkschaft spricht sich auch dafür aus, dass es in der Zukunft nur noch den digitalen Führerschein geben solle. Beide Möglichkeiten führten zu einem größeren Aufwand bei Beschlagnahmungen der Sicherstellungen.

Kein wochenlanges Warten mehr

Der TÜV-Verband sieht in der Einführung des digitalen Führerscheins Vorteile. So könne dieser innerhalb weniger Minuten freigeschaltet werden. Fahrschüler müssten dann nicht mehr Tage oder Wochen auf den Kartenführerschein warten. Der Verband fordert zudem, dass Behörden, Fahrschulen und Prüfstellen ihre digitalen Systeme möglichst schnell aufeinander abstimmen.
Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), sieht hauptsächlich dann Risiken, wenn auch andere Apps auf die Daten zugreifen können. Doch gegenüber der „Tagesschau“ sagte BfDI-Sprecher Philipp Wilhelmstrop, dass technische Maßnahmen getroffen worden seien, die die Gefahren reduzierten.
Wichtig sei zudem, dass die Nutzung des digitalen Führerscheins nicht zur Erstellung von Profilen verwendet werden könnten. So sollte die Führerscheinstelle beispielsweise nicht erfahren, wann jemand den Führerschein bei einer Polizeikontrolle oder einer Autovermietung vorzeigt. Auch die Nutzer selbst könnten dazu beitragen, ihre Daten zu schützen, sagt er. Handys böten dazu Möglichkeiten.

Erster Einführungsversuch scheiterte nach einer Woche

Ende September 2021 war die zum digitalen Führerschein dazugehörige Smartphone-App „ID Wallet“ nur eine Woche nach dem Start wieder aus den App-Stores genommen. Zuvor hatten Experten auf Sicherheitslücken in der App aufmerksam gemacht.
Der damalige, von der Bundesregierung beauftragte Dienstleister, die Digital Enabling GmbH erklärte seinerzeit, der Start der Anwendung habe viel Aufmerksamkeit bei Nutzern ausgelöst, die sich intensiv mit Fragen rund um Sicherheit und Vertrauen beschäftigten. Um das System auf eine höhere Auslastung vorzubereiten und zugleich den Hinweisen auf mögliche Sicherheitsprobleme nachzugehen, sollten in den darauffolgenden Wochen umfangreiche weitere Tests durchgeführt werden. Für diesen Zeitraum werde die App aus den Stores entfernt.
Innerhalb der damaligen schwarz-roten Bundesregierung hatte sich insbesondere die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär (CSU), für die Digitalisierung amtlicher Dokumente und darauf aufbauender Anwendungen wie der „ID Wallet“ eingesetzt.
Bereits nach der Vorstellung des Projekts kam es zunächst zu technischen Problemen. Die Server waren überlastet. Zusätzlich äußerten Sicherheitsexperten aus dem Umfeld des Chaos Computer Clubs (CCC) Kritik an der Anwendung und wiesen auf mögliche Sicherheitsprobleme hin. Man habe „Grund zur Annahme“, dass die Infrastruktur hinter der App und die zugrundeliegende Blockchain-Technik angreifbar sein könnte, schrieb CCC-Mitglied Fabian Lüpke auf X, damals noch Twitter.
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Deutschlands Schulden steigen: Gerät die Kreditwürdigkeit in Gefahr?

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In Kürze:

  • Deutschlands Staatsdefizit ist im ersten Halbjahr 2026 auf 71,3 Milliarden Euro gestiegen.
  • Die großen Ratingagenturen bewerten Deutschlands Kreditwürdigkeit weiterhin mit der Bestnote und stabilem Ausblick.
  • Zum Risiko könnte die höhere Verschuldung werden, wenn Deutschlands Wirtschaft dauerhaft schwach wächst.

 
Deutschland genießt bei seinen Gläubigern weiterhin die höchste Kreditwürdigkeit. Die großen Ratingagenturen geben der Bundesrepublik ihre jeweilige Bestnote. Bei S&P und Fitch lautet sie AAA, bei Moody’s Aaa. Die Ausblicke stehen auf „stabil“. Eine Herabstufung zeichnet sich derzeit nicht ab.
Doch Deutschland nimmt erheblich mehr Schulden auf, während die Wirtschaft nur langsam wächst. Diese Kombination wird offenbar auch innerhalb der Bundesregierung beobachtet. „Wenn die Schulden hoch bleiben, das Wachstum aber nicht anspringt, könnten die Ratingagenturen Deutschlands Triple-A-Rating infrage stellen“, sagte ein nicht namentlich genannter ranghoher Regierungsvertreter dem „Handelsblatt“.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) äußerte sich bei seiner Sommer-Pressekonferenz am 15. Juli zurückhaltender. Das Rating Deutschlands sei derzeit nicht infrage gestellt. Das Land könne sich zu guten Bedingungen Geld leihen und sei weiterhin „ein Stabilitätsanker in der Eurozone“. Sollte sich daran etwas ändern, müsse die Bundesregierung bei der Verschuldung gegensteuern.
Die veröffentlichten Bewertungen der Agenturen bestätigen zunächst diese Einschätzung. S&P bekräftigte zuletzt im April die Bestnote AAA. Die Agentur beschreibt aber zugleich ein mögliches Risiko: Entwickelt sich die deutsche Wirtschaft deutlich schlechter als erwartet, könnte die Bewertung sinken. Das wäre etwa denkbar, wenn die höheren Staatsausgaben das Wachstum nicht ausreichend stärken.

Warum Deutschland die Bestnote erhält

Die Deutsche Finanzagentur führt derzeit sechs bedeutende Ratingagenturen auf. Fitch, DBRS Morningstar, S&P, Moody’s, Scope und KBRA geben Deutschland jeweils ihre höchste langfristige Bonitätsnote. Bei allen sechs steht der Ausblick auf „stabil“.
Ratings sollen Anlegern zeigen, wie zuverlässig ein Schuldner seine finanziellen Verpflichtungen erfüllen kann. Das ist für Deutschland von Bedeutung, weil der Bund regelmäßig große Summen über Anleihen am Kapitalmarkt aufnimmt.
S&P begründet die Bestnote unter anderem mit der großen und breit aufgestellten deutschen Volkswirtschaft, leistungsfähigen staatlichen Institutionen und einer noch moderaten Verschuldung. Fitch hebt außerdem die gut entwickelten Kapitalmärkte und den hervorragenden Zugang des Bundes zu Finanzierungsmöglichkeiten hervor.
Deutschland verfügt damit über einen finanziellen Spielraum, den viele andere Staaten nicht haben. Dieser wird nun stärker genutzt.

Schulden steigen um Milliarden

Im Bundeshaushalt 2026 sind Ausgaben von 524,5 Milliarden Euro vorgesehen. Die geplante Nettokreditaufnahme beträgt 98 Milliarden Euro. Hinzu kommt die Kreditaufnahme von Sondervermögen. Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität verfügt über eine Kreditermächtigung von insgesamt 500 Milliarden Euro, die über zwölf Jahre genutzt werden kann. Auch das Sondervermögen Bundeswehr verfügt über eine eigene Kreditermächtigung. Zudem gelten für bestimmte Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben seit der Änderung des Grundgesetzes besondere Regeln bei der Schuldenbremse.
Der Anstieg zeigt sich bereits beim Kreditbestand des Bundes, einschließlich seiner Sondervermögen. Ende 2025 lag er nach Angaben des Bundesfinanzministeriums bei knapp 1,794 Billionen Euro. Ende Juli 2026 waren es rund 1,885 Billionen Euro. Das entspricht einer Zunahme um gut 90 Milliarden Euro innerhalb von sieben Monaten.
Auch im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung dürfte die Verschuldung steigen. S&P erwartet, dass die Nettoschulden des Staates von 59 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2025 auf 67 Prozent im Jahr 2029 zunehmen. Fitch rechnet nach einer anderen Berechnungsmethode mit einer Staatsschuldenquote von mehr als 70 Prozent im Jahr 2029. Deutschland hätte dann laut Fitch die höchste Quote unter den von der Agentur mit AAA bewerteten Staaten. Allerdings verweist die Ratingagentur darauf, dass Deutschland nach wie vor über einen „erheblichen haushaltspolitischen Spielraum“ verfügt. „Ein anhaltender Schuldenanstieg ohne glaubwürdige mittelfristige Stabilisierung würde jedoch den Druck auf das Rating erhöhen“, so Fitch.
Eine feste Schuldenobergrenze für die Bestnote gibt es nicht. Die Agenturen beurteilen neben der Verschuldung unter anderem Wirtschaftswachstum, Haushaltsdefizite und die Fähigkeit eines Staates, seine Verbindlichkeiten zu bedienen.

Der zweite Teil der Rechnung: Wachstum

Damit kommt es darauf an, welche wirtschaftliche Wirkung die zusätzlichen Ausgaben entfalten. Werden mit Krediten beispielsweise Verkehrswege, Stromnetze oder digitale Infrastruktur verbessert, können Unternehmen produktiver werden. Eine dauerhaft größere Wirtschaftsleistung verbreitert zugleich die Grundlage für Steuereinnahmen und erleichtert es dem Staat, seine Schulden zu tragen. S&P erwartet für Deutschland 2026 ein reales Wachstum von 0,8 Prozent. Für 2027 und 2028 rechnet die Agentur jeweils mit 1,4 Prozent. Sie hält es jedoch für unsicher, wie stark die höheren Staatsausgaben die langfristigen Wachstumsmöglichkeiten verbessern.
Die Bundesbank ist für die nähere Zukunft zurückhaltender. Kalenderbereinigt erwartet sie 2026 ein Wachstum von 0,5 Prozent und 2027 von 0,8 Prozent. Für 2028 prognostiziert sie 1,4 Prozent. Die lockerere Finanzpolitik soll die Wirtschaft nach ihren Berechnungen bis 2028 insgesamt um rund 1,3 Prozentpunkte zusätzlich wachsen lassen. Bei der langfristigen Leistungsfähigkeit fällt der Effekt geringer aus. Das sogenannte Produktionspotenzial – also die Wirtschaftsleistung, die bei normaler Auslastung dauerhaft möglich ist – soll lediglich um 0,3 bis 0,4 Prozent pro Jahr zulegen. Die höheren Staatsausgaben können die Konjunktur somit stärker anschieben, als sie die langfristigen Wachstumsmöglichkeiten verbessern. Für die Tragfähigkeit der neuen Schulden ist dieser Unterschied wichtig.

Energie, Bürokratie und Demografie bremsen

Die Gründe für das schwache langfristige Wachstum reichen über die Finanzpolitik hinaus. S&P nennt hohe Energiekosten, Bürokratie, frühere Unterinvestitionen in die öffentliche Infrastruktur und den zunehmenden internationalen Wettbewerb, insbesondere aus China. Hinzu kommt der demografische Wandel.
Für Unternehmen haben diese Faktoren konkrete Folgen. Hohe Energiepreise verteuern die Produktion, fehlende Fachkräfte können Investitionen erschweren und langwierige Genehmigungsverfahren Projekte verzögern. Der Arbeitsmarkt dürfte durch die Alterung der Bevölkerung zusätzlich belastet werden. In den kommenden Jahren erreichen viele Angehörige der geburtenstarken Jahrgänge das Rentenalter. Weniger verfügbare Arbeitskräfte begrenzen die Möglichkeiten der Unternehmen, ihre Produktion auszuweiten, sofern dies nicht durch eine höhere Erwerbsbeteiligung, Zuwanderung oder Produktivitätsfortschritte ausgeglichen wird.
Das Infrastrukturprogramm kann einen Teil dieser Standortprobleme angehen. Bessere Verkehrswege, Stromnetze oder digitale Infrastruktur können Investitionen erleichtern. Andere Probleme wie Arbeitskräftemangel oder hohe Energiekosten lassen sich damit nicht unmittelbar beheben.

Höhere Zinsen belasten den Haushalt

Parallel zur Verschuldung steigen die finanziellen Risiken für den Bundeshaushalt. Von Januar bis Juli 2026 gab der Bund nach Angaben des Bundesfinanzministeriums rund 17 Milliarden Euro für Zinsen auf seinen Kreditbestand und den seiner Sondervermögen aus. Die Bundesbank erwartet zugleich höhere Renditen länger laufender deutscher Staatsanleihen. Für Papiere mit einer Restlaufzeit von neun bis zehn Jahren geht sie von durchschnittlich 3,1 Prozent im Jahr 2026 und 3,4 Prozent im Jahr 2028 aus. Im Jahr 2025 waren es 2,6 Prozent.
Höhere Marktzinsen verteuern nicht sofort sämtliche Staatsschulden. Sie wirken sich schrittweise aus, wenn der Bund neue Anleihen ausgibt oder fällige Papiere durch neue ersetzt. Zugleich erwartet die Bundesbank steigende Haushaltsdefizite. Das gesamtstaatliche Defizit soll von 2,8 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2025 auf 4,9 Prozent im Jahr 2028 wachsen. Die Schuldenquote dürfte dann bei fast 70 Prozent liegen.
Für den Bundeshaushalt bedeutet eine steigende Zinslast weniger Spielraum. Bei unveränderten Einnahmen steht Geld, das für Zinsen benötigt wird, nicht für Investitionen, Sozialleistungen oder andere Aufgaben zur Verfügung.

Was eine Herabstufung auslösen könnte

S&P und Fitch nennen keine feste Schuldenquote, ab der Deutschland seine Bestnote verliert. Entscheidend ist für die Agenturen vielmehr, ob Deutschland seine wachsenden Schulden auch künftig tragen kann. Dabei spielt die wirtschaftliche Entwicklung eine wichtige Rolle. S&P sieht ein Risiko, wenn die deutsche Wirtschaft deutlich schwächer wächst als erwartet. Das könnte etwa der Fall sein, wenn die zusätzlichen Staatsausgaben die Wirtschaft nur kurzfristig anschieben, aber nicht dauerhaft für mehr Wachstum sorgen. Auch Probleme wie hohe Energiekosten, Fachkräftemangel oder Bürokratie können die Aussichten verschlechtern.
Fitch schaut zusätzlich darauf, wie schnell die Staatsschulden steigen. Nimmt die Verschuldung über längere Zeit stärker zu als bislang erwartet und wächst gleichzeitig die Wirtschaft nur schwach, könnte dies die Bewertung Deutschlands verschlechtern.
Eine schlechtere Bewertung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Deutschland sofort deutlich höhere Zinsen zahlen müsste. Wie teuer sich der Bund Geld leihen kann, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank, die Inflation, die wirtschaftliche Lage und die Nachfrage der Anleger nach Bundesanleihen.
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Gemusterte Kleidung soll Überwachungskameras austricksen


In Kürze:

  • Der Sicherheitsforscher Bill Swearingen entwickelt eine Methode, um die KI-Software der Überwachungskameras zu verwirren.
  • 31,7 Millionen Tests auf der Suche nach „Tarnmustern“ wurden durchgeführt.
  • Auch Autos sollen mithilfe einer bedruckten Folie fast „unsichtbar“ gemacht werden.
  • Forscher beschäftigen sich schon länger mit Tarnkleidung, die neurale Systeme austricksen soll.

 
In seinem Lied „Somebody’s Watching Me“ erzählt der R&B-Sänger Rockwell die Geschichte eines Mannes, der sich ständig beobachtet fühlt. Selbst in seinen eigenen vier Wänden glaube er, nicht mehr sicher zu sein. Der Song erschien im Jahr 1983, also lange bevor digitale Kameras und automatisierte Bilderkennung die Überwachung des öffentlichen Raums stark verändert haben.
Während sich der Protagonist des Liedes fragt, ob er denn tatsächlich ständig beobachtet wird oder nur paranoid ist, erübrigt sich diese Frage fast angesichts der technischen Ausstattung an Bahnhöfen oder Flughäfen, großen Plätzen oder in der Umgebung von Sehenswürdigkeiten oder Einkaufsstraßen.

Die Schwächen der KI ausnutzen

Doch was ist, wenn es eine Möglichkeit gibt, dieser Überwachung zu entkommen? Diese Frage hat sich der Sicherheitsforscher Bill Swearingen gestellt.
Seine Idee: „Was wäre, wenn das Muster auf Ihrem Hemd die Gesichtserkennung austricksen könnte? Nicht indem es Ihr Gesicht verbirgt, sondern indem es Schwächen der KI selbst ausnutzt?“, fragt er in einem Beitrag auf dem Portal „LinkedIn“. Dabei stellt der US-Amerikaner sein Projekt „noRecognition“ (auf Deutsch: keine Erkennung) vor. Denn Datenschutz sei kein Luxus, sondern ein Recht.
Dafür habe er computergenerierte Muster für Bekleidungsstücke entwickelt, die die Überwachungssysteme so irritieren sollen, dass sie den Träger nicht mehr erkennen können.
„Wir testen mit realen Modellen. […] Mit den Systemen, die tatsächlich in Clearview AI, auf Körperkameras der Polizei und bei der Flughafensicherheit laufen. […] Personendetektoren, Gesichtsdetektoren und Erkennungssysteme“, führt er auf dem Portal weiter aus.

Modell findet neue Muster durch selbstständiges Lernen

31,7 Millionen Tests habe Swearingen durchgeführt, um Muster zu finden, die die von ihm getestete Software hinter den Überwachungskameras und Kennzeichenlesern irritierten.
Nachdem er nachgewiesen habe, dass sein Konzept grundsätzlich funktioniere, habe er daraus ein sogenanntes Reinforcement-Learning-Modell entwickelt. Dieses System erzeugt und testet selbstständig verschiedene Muster und lernt anhand der Ergebnisse, welche davon die jeweils getesteten Kameraalgorithmen besonders stark beeinträchtigen. Vereinfacht ausgedrückt, erklärte Swearingen gegenüber der Plattform „TechCrunch“, habe er seinem Modell gewissermaßen beigebracht, „malen zu lernen“.
Gemusterte Kleidung

Vergleich repräsentativer Methoden zur adversarialen Tarnung. (a) Die bisherige Methode stellt die adversariale Tarnung mithilfe von Voronoi-Diagrammen dar, die durch lernbare Kontrollpunkte parametrisiert sind. (b) Unsere Methode stellt die adversariale Tarnung als Anordnung von Kacheln dar, wobei die Auswahlwahrscheinlichkeiten der Kacheln und die räumlichen Anordnungen gemeinsam optimiert werden, um eine feinkörnigere adversariale Textur zu ermöglichen.

Foto: Jinlei Wang et al./arXiv:2608.06801 (CC BY 4.0)

Die Überwachungskameras werden dadurch jedoch nicht „geblendet“. Sie zeichnen die Personen auch weiterhin auf. Angegriffen wird hingegen die Software, die aus dem erstellten Bild eine Person, ein Gesicht, eine Bewegung oder ein Kennzeichen erkennen soll.
Jedes Mal, wenn ein Muster nicht die gewünschte Wirkung erzielte, weil der Erkennungsalgorithmus die Person weiterhin erkannte, erzeugte das Modell ein neues Muster. Sein Modell begann bald, Muster zu finden, die alle von ihm getesteten Open-Source-Erkennungsalgorithmen austricksten, darunter die Software von Flock-Kennzeichenlesegeräten, Axon-Körperkameras und Gesichtserkennungskameras von Clearview AI.
Nun generiert das Modell jede Minute neue Muster, wobei jede Charge mathematisch besser sei als die vorherige, erläutert Swearingen gegenüber „TechCrunch“. Überwachungssysteme könnten zwar auch darauf trainiert werden, Swearingens Muster zu umgehen, doch der Algorithmus des Forschers verbesserte sich mit jedem neuen Entwurf auch darin, weitere und zunächst unerkennbare Muster zu erstellen.

Praktischer Test in Las Vegas mit Auto gelingt

Auch Autos will Swearingen mithilfe von gemusterten Folien „unsichtbar“ machen, sodass Überwachungstechnologien sie nicht mehr erkennen könnten. Dass das funktionieren könnte, demonstrierte er bei einem ersten öffentlichen Test mithilfe eines Toyota Yaris auf der Hacker- und Sicherheitskonferenz DEF CON in Las Vegas Anfang August. Zuvor hatte er den 2009 gebauten Pkw mit einem seiner neuesten Muster beklebt. „Wir haben die Wirksamkeit bewiesen“, sagte Swearingen. Allerdings stellten die Felgen eine Herausforderung dar, sagte er, ohne dabei Einzelheiten zu nennen.
Mit der erfolgreichen Demonstration in Las Vegas liefere das Projekt einen ersten Beweis dafür, dass es möglich sei, algorithmische Erkennung im öffentlichen Raum zu umgehen. Der nächste Schritt sei nun, die Muster Interessenten anzubieten.
Für sein „noRecognition“-Projekt hat Swearingen eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um den Verkauf von Merchandise-Artikeln mit den Mustern zu finanzieren – von T-Shirts bis zu Hoodies. Zukünftig sollen auch Fahrzeugfolien mit den Mustern angeboten werden. Seine besten Muster werde er allerdings nicht im Internet veröffentlichen, betonte Swearingen. Er wolle damit verhindern, dass Kamerahersteller sie überlisten.
Eigenen Angaben zufolge hat der Sicherheitsforscher inzwischen bei allen elf von ihm getesteten Erkennungsmodellen Erfolge erzielt. Ein einzelnes Muster, das alle elf Modelle gleichzeitig täuscht, konnte er allerdings noch nicht präsentieren.

Experimente basieren auf Versuch und Irrtum

Das amerikanische Fachmedium für Cybersicherheit „Dark Reading“ sieht Swearingens Entwicklungen hingegen mit einer gewissen Skepsis. So seien die Modelle nicht einheitlich aufgebaut. Deshalb gebe es keine allgemeingültige Regel, nach der sich Muster erstellen ließen, die die Künstliche Intelligenz verwirrten. Das beschränke Swearingens Experimente auf Versuch und Irrtum und erschwere ihm bis zu einem gewissen Grad auch, selbst zu verstehen, warum seine Muster funktionierten.
Auch bei der Umsetzung seines Experiments als Geschäftsmodell werde er mit praktischen Einschränkungen konfrontiert sein, mutmaßt die Fachpublikation. Ein zweidimensionales Bild eines Kleidungsstücks, das gegen eine simulierte Kamera getestet werde, könne zu anderen Ergebnissen führen als echter Stoff unter realen Bedingungen. Und obwohl das Angebot des Sicherheitsforschers aus Sicht des Datenschutzes überzeugend sei, dürften die Designs nicht jedermanns Verständnis von gutem Stil entsprechen.
Hinzu komme die Tatsache, dass es für jeden solchen Angriff eine Gegenmaßnahme gibt. „Wenn ich tausend T-Shirts verkaufen würde, die genau gleich aussehen, würden sie für all diese Menschen auf die gleiche Weise funktionieren – bis das Modell aktualisiert wird“, räumte Swearingen gegenüber dem Medium ein. „Dann könnte ich ein weiteres Muster herausbringen, das dasselbe bewirkt.“
Swearingen ist auch nicht der Einzige, der die Idee verfolgt, Überwachungstechniken auszutricksen. Wissenschaftler forschen bereits seit Jahren an sogenannter adversarialer Kleidung. Eine im August 2026 veröffentlichte Arbeit auf dem Forschungsportal „arXiv“ beschreibt mit „AdvTiles“ ein Verfahren, bei dem ein Computer Muster für Kleidungsstücke entwickelt, die Erkennungssoftware täuschen sollen.
Die Forscher druckten ihre Muster auf Kleidung und testeten sie unter unterschiedlichen Entfernungen, Blickwinkeln und Hintergründen. In digitalen Tests soll „AdvTiles“ eine durchschnittliche Täuschungsquote von 86,2 Prozent erreicht haben. Anschließend testeten sie bedruckte Kleidung unter realen Bedingungen. Dabei soll das Muster bei den meisten Blickwinkeln die Erkennung sogar bei mehr als 90 Prozent der Testläufe verhindert haben.