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Illegale Migranten weiterhin über ganz Ceuta verstreut

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In Kürze:

  • Viele illegal eingereiste Migranten befinden sich weiterhin in der spanischen Enklave Ceuta.
  • Einsatzkräfte haben bereits einige zur Rückkehr nach Marokko bewegt.
  • Epoch Times war vor Ort und sprach mit Einwohnern, Migranten und einem Politiker.
  • Es stellt sich heraus, dass viele Migranten aufgrund von Hoffnung gebenden Videos auf Social Media kamen.

 
Am Samstag, 1. August 2026, war der Strand von Ceuta, an dem wenige Tage zuvor Zehntausende illegal eingereiste Migranten an Land gegangen waren, weitgehend leer. Patrouillenboote lagen neben einer 500 Meter langen schwimmenden Absperrbarriere, die erst an diesem Morgen errichtet worden war.
Die Auswirkungen des Massenzustroms von Zehntausenden Menschen aus Marokko auf die Stadt mit ihren 84.000 Einwohnern waren jedoch noch sichtbar.
Während einige über die Grenze in ihr Heimatland zurückgekehrt waren, hatten sich andere ins Landesinnere begeben. Scharen von Migranten hielten sich weiterhin verstreut in der Stadt auf. Sie warteten in Hauseingängen, Seitenstraßen und Randbezirken, ohne klare Aussicht darauf, wie lange es dauern würde, sie alle zurückzuschicken.
Der Bürgermeister der Stadt, Juan Jesús Vivas, trat am Samstag gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Volkspartei, Alberto Núñez Feijóo, auf. Er begrüßte die Rückkehr vieler der illegal eingereisten Personen. Jedoch erklärte er: „In Ceuta ist noch keine Normalität eingekehrt“, da inmitten einer angespannten Stimmung noch mehrere Tausend Personen zurückgeschickt werden müssten.

Der lange Rückweg

Der Rückstrom nach Marokko war ebenso eindrucksvoll wie der Zustrom. Kolonnen junger Männer zogen zu Fuß in Richtung des Grenzübergangs, einige skandierten „Viva Marruecos! (Es lebe Marokko)“, während Beamte im Rahmen des Rückführungsabkommens Hunderte weiterer Abreisen meldeten – nach Tagen ohne Nahrung und Unterkunft.
An einer Stelle löste sich eine Gruppe aus der Menge und ging auf Reporter der Epoch Times zu. Dabei riefen sie „Free Palestine“ und aggressive Parolen gegen Israel, bevor sie sich wieder der Kolonne anschlossen.
Diejenigen, die anhielten, um zu sprechen, nannten übereinstimmende Gründe für ihre Rückkehr: Seit ihrer Ankunft hätten sie nichts zu essen oder zu trinken gehabt. Außerdem habe es wegen der großen Zahl an Menschen keine Perspektiven gegeben.
Mehrere sagten, sie hätten gar nicht vorgehabt, in Spanien zu bleiben, sondern hofften, weiter nach Frankreich oder Dänemark zu gelangen. Einige sagten auch, sie fühlten sich nicht willkommen und behaupteten, von einigen Einwohnern angegriffen worden zu sein.
Epoch Times wurde am Freitag Zeuge einer gewalttätigen Auseinandersetzung, bei der Einwohner und Migranten sich gegenseitig mit Steinen bewarfen.
Ceuta

Junge illegale Einwanderer versammeln sich am 1. August 2026 in der Nähe von Straßenschildern, die in Richtung Príncipe Alfonso und El Tarajal in Ceuta, Spanien, weisen. Mehrere sagten gegenüber Epoch Times, sie planten, in der spanischen Enklave zu bleiben.

Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times

Gerichtsurteil im Internet neu interpretiert

Der 39-jährige Bilal schilderte der Epoch Times, er glaube, „Europa manipuliert uns“. Man hätte den Marokkanern den Eindruck vermittelt, sie würden „dringend als Arbeitskräfte gebraucht“ und könnten ein weitaus besseres Leben führen. Er kritisierte Videos, die auf Instagram und Facebook geteilt wurden und diese Botschaft verbreiteten.
Vertreter der Regierung Sánchez erklärten inzwischen, dass „mafiaähnliche“ Menschenhandelsnetzwerke diese Videos nutzten, um die falsche Darstellung und irreführende Informationen über das Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs vom 8. Juli zu verbreiten. Die Videos stehen im Mittelpunkt der offiziellen Erklärung für den Anstieg der Zuwanderungszahlen.
In dem Urteil untersagte das Gericht die sofortige Zurückweisung oder „Hot Returns“ („heiße Rückführungen“) von Migranten, die beim Schwimmen in Richtung Ceuta oder Melilla abgefangen wurden. Solche Ankömmlinge würden das reguläre Verfahren durchlaufen. Das schließt laut dem Gericht auch den Zugang zu einem Anwalt, einem Dolmetscher und die Möglichkeit, Asyl zu beantragen, ein.
Das Gericht wies jedoch darauf hin, dass sofortige Rückführungen zulässig sind, wenn Migranten versuchen, eine physische „Grenzsicherung“ zu überwinden. Diese Regel soll nach Angaben der Behörden nun durch die neue schwimmende Barriere umgesetzt werden.
In den sozialen Medien wurde dieser enge rechtliche Punkt anders interpretiert. Es stand die Behauptung im Raum, Spanien habe seine Grenze geöffnet. Ebenso gebe es keine Abschiebung von Menschen, die auf dem Seeweg ankämen.
Videos von erfolgreichen Schwimmern verbreiteten sich weitläufig. Mehrere junge Migranten teilten der Epoch Times mit, die Instagram-Videos hätten sie davon überzeugt, zu kommen.

Erinnerungen an 2021

Anwohner teilten der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times mit, dass die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez für den Grenzübertritt der Migranten verantwortlich sei. Sie bezweifelten, dass die verbleibenden Rückführungen zügig erfolgen würden.
Mehrere von ihnen sagten, die Szenen erinnerten an die Ereignisse aus dem Jahr 2021. Damals gelangten innerhalb von zwei Tagen rund 10.000 Menschen von Marokko aus in die spanische Exklave auf dem afrikanischen Kontinent. Zuvor hatten die marokkanischen Behörden die Kontrollen im Zuge eines Konflikts um die Westsahara offenbar gelockert. Der Zustrom der vergangenen Tage war um ein Vielfaches größer.
Soldaten und die örtliche Polizei durchkämmten am Samstag Stadtviertel, in denen sich kleine Lager von Migranten gebildet hatten. Sie wiesen diese zurück in Richtung Grenze und machten deutlich, dass eine Legalisierung solcher Einreisen aus Marokko nicht in Aussicht stehe.
Die Zivilgarde wurde zudem damit beauftragt, den Strand von El Tarajal zu überwachen, um neue Ankunftsversuche zu verhindern. Sie soll damit die Gefahr von Ertrinkungsunfällen verringern, wie ein in der Nähe stationierter Soldat berichtete.

Die am 1. August 2026 vor dem Strand von Tarajal an der Seegrenze zwischen Ceuta und Marokko neu installierte 500 Meter lange schwimmende Barriere.

Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times

Sánchez’ Regierung unter Druck

Erst am Vorabend hatte die Epoch Times beobachtet, wie Migranten – zwar weit weniger als zu Spitzenzeiten – immer noch ungehindert nach Ceuta schwammen.
Die Krise der illegalen Migration hat die Kritik an der sozialistischen Regierung Spaniens sowohl seitens der rechten Opposition als auch seitens der europäischen Nachbarländer verschärft.
Juan Sergio Redondo, Vorsitzender und Sprecher der nationalkonservativen Partei Vox in Ceuta sprach mit der Epoch Times über die aktuelle Lage. Er sagte, dass „die Migrationskrise nicht gelöst wurde, weil sich die Regierung von Pedro Sánchez den Interessen Marokkos unterwirft und wir eine selbstzerstörerische Einwanderungspolitik betreiben“.
Redondo warnte, dass die Abschiebungen Zeit benötigen. „Es ist unmöglich, dass diese Menschen innerhalb weniger Tage das Land verlassen oder zurückgeschickt werden“, sagte er. Ebenso fügte er hinzu: „Viele kehren freiwillig zurück … aber andere haben nicht die Absicht, zurückzukehren.“

Bleiben Migranten noch viele Monate?

Der Vox-Vorsitzende prognostizierte, dass ein erheblicher Teil derjenigen, die „unsere Grenze gestürmt haben“, noch „viele Monate“ lang durch die Stadt ziehen werde. Gleichzeitig verwies er auf die Unsicherheit und Angst unter den Einwohnern, die weiterhin das Gefühl hätten, dass das Problem nicht gelöst sei.
Ceuta

Marokkanische illegale Einwanderer sitzen am 1. August 2026 auf den Stufen in der Nähe des Rafael-Gibert-Tors in Ceuta, Spanien.

Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times

Nach Redondos Aussage seien Spaniens Sicherheitskräfte durch das Fehlen von Gesetzen „an Händen und Füßen gebunden“. Vox fordere seit vier Jahren verstärkte Zäune, verlängerte Wellenbrecher und maritime Absperrungen. Er beklagte:
„Hätte man eine ganze Menge tun können? Ja. Hat man es getan? Nein.“
Ministerpräsident Sánchez erklärte seinerseits auf einer Pressekonferenz am 31. Juli, seine Regierung werde „die Sicherheit der Einwohner von Ceuta garantieren, indem die Präsenz von Sicherheitskräften und Polizeibeamten in den Straßen der Stadt erhöht wird“. Außerdem werde man die Bearbeitung von Rückführungsverfahren für illegal eingereiste Personen beschleunigen.

Ein Durchbruch ohne Präzedenzfall in jüngster Zeit

Das Innenministerium schätzt, dass zwischen dem 30. und 31. Juli etwa 50.000 Menschen nach Ceuta eingereist sind. Stadtpräsident Vivas bezifferte die Zahl auf 60.000. Einen Tag zuvor versammelten sich vor dem Versammlungspalast von Ceuta Menschenmengen anlässlich des Besuchs von Sánchez und skandierten „Sánchez, tritt zurück“.
Der Ministerpräsident bezeichnete den Zustrom als „Verletzung der territorialen Integrität Spaniens“ und erklärte, Innenminister Fernando Grande-Marlaska werde vor Ort bleiben, um die Sicherheitsmaßnahmen in Abstimmung mit dem Einsatz der Armee zu koordinieren.
Ceuta

Marokkanische Migranten gehen am 1. August 2026 entlang der Carretera N-352 nahe der Grenze in Ceuta, Spanien, zurück in Richtung Marokko.

Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times

Spanien und Marokko einigten sich am Donnerstag darauf, alle illegal eingereisten Personen „so schnell wie möglich“ zurückzuschicken. Die Regierung in Madrid lobte die Zusammenarbeit mit Rabat als ausgezeichnet.

Wiederholung möglich

Derzeit ist das Wasser vor El Tarajal leer und die Barriere hält stand. Einige männliche Migranten zeigten sich unbeeindruckt. „Wir werden es ein anderes Mal erneut versuchen“, sagte einer gegenüber Epoch Times.
Lola, eine Einwohnerin von Ceuta, erklärte der Epoch Times, sie habe damit gerechnet. „Leider werden wir wahrscheinlich erleben, dass sich eine solche Krise wiederholt.“
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Spain: Days After Historic Border Breach, Illegal Migrants Remain Scattered Across Ceuta“ (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung mf)
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Illegale Migranten weiterhin über ganz Ceuta verstreut


In Kürze:

  • Viele illegal eingereiste Migranten befinden sich weiterhin in der spanischen Enklave Ceuta.
  • Einsatzkräfte haben bereits einige zur Rückkehr nach Marokko bewegt.
  • Epoch Times war vor Ort und sprach mit Einwohnern, Migranten und einem Politiker.
  • Es stellt sich heraus, dass viele Migranten aufgrund von Hoffnung gebenden Videos auf Social Media kamen.

 
Am Samstag, 1. August 2026, war der Strand von Ceuta, an dem wenige Tage zuvor Zehntausende illegal eingereiste Migranten an Land gegangen waren, weitgehend leer. Patrouillenboote lagen neben einer 500 Meter langen schwimmenden Absperrbarriere, die erst an diesem Morgen errichtet worden war.
Die Auswirkungen des Massenzustroms von Zehntausenden Menschen aus Marokko auf die Stadt mit ihren 84.000 Einwohnern waren jedoch noch sichtbar.
Während einige über die Grenze in ihr Heimatland zurückgekehrt waren, hatten sich andere ins Landesinnere begeben. Scharen von Migranten hielten sich weiterhin verstreut in der Stadt auf. Sie warteten in Hauseingängen, Seitenstraßen und Randbezirken, ohne klare Aussicht darauf, wie lange es dauern würde, sie alle zurückzuschicken.
Der Bürgermeister der Stadt, Juan Jesús Vivas, trat am Samstag gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Volkspartei, Alberto Núñez Feijóo, auf. Er begrüßte die Rückkehr vieler der illegal eingereisten Personen. Jedoch erklärte er: „In Ceuta ist noch keine Normalität eingekehrt“, da inmitten einer angespannten Stimmung noch mehrere Tausend Personen zurückgeschickt werden müssten.

Der lange Rückweg

Der Rückstrom nach Marokko war ebenso eindrucksvoll wie der Zustrom. Kolonnen junger Männer zogen zu Fuß in Richtung des Grenzübergangs, einige skandierten „Viva Marruecos! (Es lebe Marokko)“, während Beamte im Rahmen des Rückführungsabkommens Hunderte weiterer Abreisen meldeten – nach Tagen ohne Nahrung und Unterkunft.
An einer Stelle löste sich eine Gruppe aus der Menge und ging auf Reporter der Epoch Times zu. Dabei riefen sie „Free Palestine“ und aggressive Parolen gegen Israel, bevor sie sich wieder der Kolonne anschlossen.
Diejenigen, die anhielten, um zu sprechen, nannten übereinstimmende Gründe für ihre Rückkehr: Seit ihrer Ankunft hätten sie nichts zu essen oder zu trinken gehabt. Außerdem habe es wegen der großen Zahl an Menschen keine Perspektiven gegeben.
Mehrere sagten, sie hätten gar nicht vorgehabt, in Spanien zu bleiben, sondern hofften, weiter nach Frankreich oder Dänemark zu gelangen. Einige sagten auch, sie fühlten sich nicht willkommen und behaupteten, von einigen Einwohnern angegriffen worden zu sein.
Epoch Times wurde am Freitag Zeuge einer gewalttätigen Auseinandersetzung, bei der Einwohner und Migranten sich gegenseitig mit Steinen bewarfen.
Ceuta

Junge illegale Einwanderer versammeln sich am 1. August 2026 in der Nähe von Straßenschildern, die in Richtung Príncipe Alfonso und El Tarajal in Ceuta, Spanien, weisen. Mehrere sagten gegenüber Epoch Times, sie planten, in der spanischen Enklave zu bleiben.

Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times

Gerichtsurteil im Internet neu interpretiert

Der 39-jährige Bilal schilderte der Epoch Times, er glaube, „Europa manipuliert uns“. Man hätte den Marokkanern den Eindruck vermittelt, sie würden „dringend als Arbeitskräfte gebraucht“ und könnten ein weitaus besseres Leben führen. Er kritisierte Videos, die auf Instagram und Facebook geteilt wurden und diese Botschaft verbreiteten.
Vertreter der Regierung Sánchez erklärten inzwischen, dass „mafiaähnliche“ Menschenhandelsnetzwerke diese Videos nutzten, um die falsche Darstellung und irreführende Informationen über das Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs vom 8. Juli zu verbreiten. Die Videos stehen im Mittelpunkt der offiziellen Erklärung für den Anstieg der Zuwanderungszahlen.
In dem Urteil untersagte das Gericht die sofortige Zurückweisung oder „Hot Returns“ („heiße Rückführungen“) von Migranten, die beim Schwimmen in Richtung Ceuta oder Melilla abgefangen wurden. Solche Ankömmlinge würden das reguläre Verfahren durchlaufen. Das schließt laut dem Gericht auch den Zugang zu einem Anwalt, einem Dolmetscher und die Möglichkeit, Asyl zu beantragen, ein.
Das Gericht wies jedoch darauf hin, dass sofortige Rückführungen zulässig sind, wenn Migranten versuchen, eine physische „Grenzsicherung“ zu überwinden. Diese Regel soll nach Angaben der Behörden nun durch die neue schwimmende Barriere umgesetzt werden.
In den sozialen Medien wurde dieser enge rechtliche Punkt anders interpretiert. Es stand die Behauptung im Raum, Spanien habe seine Grenze geöffnet. Ebenso gebe es keine Abschiebung von Menschen, die auf dem Seeweg ankämen.
Videos von erfolgreichen Schwimmern verbreiteten sich weitläufig. Mehrere junge Migranten teilten der Epoch Times mit, die Instagram-Videos hätten sie davon überzeugt, zu kommen.

Erinnerungen an 2021

Anwohner teilten der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times mit, dass die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez für den Grenzübertritt der Migranten verantwortlich sei. Sie bezweifelten, dass die verbleibenden Rückführungen zügig erfolgen würden.
Mehrere von ihnen sagten, die Szenen erinnerten an die Ereignisse aus dem Jahr 2021. Damals gelangten innerhalb von zwei Tagen rund 10.000 Menschen von Marokko aus in die spanische Exklave auf dem afrikanischen Kontinent. Zuvor hatten die marokkanischen Behörden die Kontrollen im Zuge eines Konflikts um die Westsahara offenbar gelockert. Der Zustrom der vergangenen Tage war um ein Vielfaches größer.
Soldaten und die örtliche Polizei durchkämmten am Samstag Stadtviertel, in denen sich kleine Lager von Migranten gebildet hatten. Sie wiesen diese zurück in Richtung Grenze und machten deutlich, dass eine Legalisierung solcher Einreisen aus Marokko nicht in Aussicht stehe.
Die Zivilgarde wurde zudem damit beauftragt, den Strand von El Tarajal zu überwachen, um neue Ankunftsversuche zu verhindern. Sie soll damit die Gefahr von Ertrinkungsunfällen verringern, wie ein in der Nähe stationierter Soldat berichtete.

Die am 1. August 2026 vor dem Strand von Tarajal an der Seegrenze zwischen Ceuta und Marokko neu installierte 500 Meter lange schwimmende Barriere.

Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times

Sánchez’ Regierung unter Druck

Erst am Vorabend hatte die Epoch Times beobachtet, wie Migranten – zwar weit weniger als zu Spitzenzeiten – immer noch ungehindert nach Ceuta schwammen.
Die Krise der illegalen Migration hat die Kritik an der sozialistischen Regierung Spaniens sowohl seitens der rechten Opposition als auch seitens der europäischen Nachbarländer verschärft.
Juan Sergio Redondo, Vorsitzender und Sprecher der nationalkonservativen Partei Vox in Ceuta sprach mit der Epoch Times über die aktuelle Lage. Er sagte, dass „die Migrationskrise nicht gelöst wurde, weil sich die Regierung von Pedro Sánchez den Interessen Marokkos unterwirft und wir eine selbstzerstörerische Einwanderungspolitik betreiben“.
Redondo warnte, dass die Abschiebungen Zeit benötigen. „Es ist unmöglich, dass diese Menschen innerhalb weniger Tage das Land verlassen oder zurückgeschickt werden“, sagte er. Ebenso fügte er hinzu: „Viele kehren freiwillig zurück … aber andere haben nicht die Absicht, zurückzukehren.“

Bleiben Migranten noch viele Monate?

Der Vox-Vorsitzende prognostizierte, dass ein erheblicher Teil derjenigen, die „unsere Grenze gestürmt haben“, noch „viele Monate“ lang durch die Stadt ziehen werde. Gleichzeitig verwies er auf die Unsicherheit und Angst unter den Einwohnern, die weiterhin das Gefühl hätten, dass das Problem nicht gelöst sei.
Ceuta

Marokkanische illegale Einwanderer sitzen am 1. August 2026 auf den Stufen in der Nähe des Rafael-Gibert-Tors in Ceuta, Spanien.

Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times

Nach Redondos Aussage seien Spaniens Sicherheitskräfte durch das Fehlen von Gesetzen „an Händen und Füßen gebunden“. Vox fordere seit vier Jahren verstärkte Zäune, verlängerte Wellenbrecher und maritime Absperrungen. Er beklagte:
„Hätte man eine ganze Menge tun können? Ja. Hat man es getan? Nein.“
Ministerpräsident Sánchez erklärte seinerseits auf einer Pressekonferenz am 31. Juli, seine Regierung werde „die Sicherheit der Einwohner von Ceuta garantieren, indem die Präsenz von Sicherheitskräften und Polizeibeamten in den Straßen der Stadt erhöht wird“. Außerdem werde man die Bearbeitung von Rückführungsverfahren für illegal eingereiste Personen beschleunigen.

Ein Durchbruch ohne Präzedenzfall in jüngster Zeit

Das Innenministerium schätzt, dass zwischen dem 30. und 31. Juli etwa 50.000 Menschen nach Ceuta eingereist sind. Stadtpräsident Vivas bezifferte die Zahl auf 60.000. Einen Tag zuvor versammelten sich vor dem Versammlungspalast von Ceuta Menschenmengen anlässlich des Besuchs von Sánchez und skandierten „Sánchez, tritt zurück“.
Der Ministerpräsident bezeichnete den Zustrom als „Verletzung der territorialen Integrität Spaniens“ und erklärte, Innenminister Fernando Grande-Marlaska werde vor Ort bleiben, um die Sicherheitsmaßnahmen in Abstimmung mit dem Einsatz der Armee zu koordinieren.
Ceuta

Marokkanische Migranten gehen am 1. August 2026 entlang der Carretera N-352 nahe der Grenze in Ceuta, Spanien, zurück in Richtung Marokko.

Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times

Spanien und Marokko einigten sich am Donnerstag darauf, alle illegal eingereisten Personen „so schnell wie möglich“ zurückzuschicken. Die Regierung in Madrid lobte die Zusammenarbeit mit Rabat als ausgezeichnet.

Wiederholung möglich

Derzeit ist das Wasser vor El Tarajal leer und die Barriere hält stand. Einige männliche Migranten zeigten sich unbeeindruckt. „Wir werden es ein anderes Mal erneut versuchen“, sagte einer gegenüber Epoch Times.
Lola, eine Einwohnerin von Ceuta, erklärte der Epoch Times, sie habe damit gerechnet. „Leider werden wir wahrscheinlich erleben, dass sich eine solche Krise wiederholt.“
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Spain: Days After Historic Border Breach, Illegal Migrants Remain Scattered Across Ceuta“ (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung mf)
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Illegale Migranten weiterhin über ganz Ceuta verstreut


In Kürze:

  • Viele illegal eingereiste Migranten befinden sich weiterhin in der spanischen Enklave Ceuta.
  • Einsatzkräfte haben bereits einige zur Rückkehr nach Marokko bewegt.
  • Epoch Times war vor Ort und sprach mit Einwohnern, Migranten und einem Politiker.
  • Es stellt sich heraus, dass viele Migranten aufgrund von Hoffnung gebenden Videos auf Social Media kamen.

 
Am Samstag, 1. August 2026, war der Strand von Ceuta, an dem wenige Tage zuvor Zehntausende illegal eingereiste Migranten an Land gegangen waren, weitgehend leer. Patrouillenboote lagen neben einer 500 Meter langen schwimmenden Absperrbarriere, die erst an diesem Morgen errichtet worden war.
Die Auswirkungen des Massenzustroms von Zehntausenden Menschen aus Marokko auf die Stadt mit ihren 84.000 Einwohnern waren jedoch noch sichtbar.
Während einige über die Grenze in ihr Heimatland zurückgekehrt waren, hatten sich andere ins Landesinnere begeben. Scharen von Migranten hielten sich weiterhin verstreut in der Stadt auf. Sie warteten in Hauseingängen, Seitenstraßen und Randbezirken, ohne klare Aussicht darauf, wie lange es dauern würde, sie alle zurückzuschicken.
Der Bürgermeister der Stadt, Juan Jesús Vivas, trat am Samstag gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Volkspartei, Alberto Núñez Feijóo, auf. Er begrüßte die Rückkehr vieler der illegal eingereisten Personen. Jedoch erklärte er: „In Ceuta ist noch keine Normalität eingekehrt“, da inmitten einer angespannten Stimmung noch mehrere Tausend Personen zurückgeschickt werden müssten.

Der lange Rückweg

Der Rückstrom nach Marokko war ebenso eindrucksvoll wie der Zustrom. Kolonnen junger Männer zogen zu Fuß in Richtung des Grenzübergangs, einige skandierten „Viva Marruecos! (Es lebe Marokko)“, während Beamte im Rahmen des Rückführungsabkommens Hunderte weiterer Abreisen meldeten – nach Tagen ohne Nahrung und Unterkunft.
An einer Stelle löste sich eine Gruppe aus der Menge und ging auf Reporter der Epoch Times zu. Dabei riefen sie „Free Palestine“ und aggressive Parolen gegen Israel, bevor sie sich wieder der Kolonne anschlossen.
Diejenigen, die anhielten, um zu sprechen, nannten übereinstimmende Gründe für ihre Rückkehr: Seit ihrer Ankunft hätten sie nichts zu essen oder zu trinken gehabt. Außerdem habe es wegen der großen Zahl an Menschen keine Perspektiven gegeben.
Mehrere sagten, sie hätten gar nicht vorgehabt, in Spanien zu bleiben, sondern hofften, weiter nach Frankreich oder Dänemark zu gelangen. Einige sagten auch, sie fühlten sich nicht willkommen und behaupteten, von einigen Einwohnern angegriffen worden zu sein.
Epoch Times wurde am Freitag Zeuge einer gewalttätigen Auseinandersetzung, bei der Einwohner und Migranten sich gegenseitig mit Steinen bewarfen.
Ceuta

Junge illegale Einwanderer versammeln sich am 1. August 2026 in der Nähe von Straßenschildern, die in Richtung Príncipe Alfonso und El Tarajal in Ceuta, Spanien, weisen. Mehrere sagten gegenüber Epoch Times, sie planten, in der spanischen Enklave zu bleiben.

Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times

Gerichtsurteil im Internet neu interpretiert

Der 39-jährige Bilal schilderte der Epoch Times, er glaube, „Europa manipuliert uns“. Man hätte den Marokkanern den Eindruck vermittelt, sie würden „dringend als Arbeitskräfte gebraucht“ und könnten ein weitaus besseres Leben führen. Er kritisierte Videos, die auf Instagram und Facebook geteilt wurden und diese Botschaft verbreiteten.
Vertreter der Regierung Sánchez erklärten inzwischen, dass „mafiaähnliche“ Menschenhandelsnetzwerke diese Videos nutzten, um die falsche Darstellung und irreführende Informationen über das Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs vom 8. Juli zu verbreiten. Die Videos stehen im Mittelpunkt der offiziellen Erklärung für den Anstieg der Zuwanderungszahlen.
In dem Urteil untersagte das Gericht die sofortige Zurückweisung oder „Hot Returns“ („heiße Rückführungen“) von Migranten, die beim Schwimmen in Richtung Ceuta oder Melilla abgefangen wurden. Solche Ankömmlinge würden das reguläre Verfahren durchlaufen. Das schließt laut dem Gericht auch den Zugang zu einem Anwalt, einem Dolmetscher und die Möglichkeit, Asyl zu beantragen, ein.
Das Gericht wies jedoch darauf hin, dass sofortige Rückführungen zulässig sind, wenn Migranten versuchen, eine physische „Grenzsicherung“ zu überwinden. Diese Regel soll nach Angaben der Behörden nun durch die neue schwimmende Barriere umgesetzt werden.
In den sozialen Medien wurde dieser enge rechtliche Punkt anders interpretiert. Es stand die Behauptung im Raum, Spanien habe seine Grenze geöffnet. Ebenso gebe es keine Abschiebung von Menschen, die auf dem Seeweg ankämen.
Videos von erfolgreichen Schwimmern verbreiteten sich weitläufig. Mehrere junge Migranten teilten der Epoch Times mit, die Instagram-Videos hätten sie davon überzeugt, zu kommen.

Erinnerungen an 2021

Anwohner teilten der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times mit, dass die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez für den Grenzübertritt der Migranten verantwortlich sei. Sie bezweifelten, dass die verbleibenden Rückführungen zügig erfolgen würden.
Mehrere von ihnen sagten, die Szenen erinnerten an die Ereignisse aus dem Jahr 2021. Damals gelangten innerhalb von zwei Tagen rund 10.000 Menschen von Marokko aus in die spanische Exklave auf dem afrikanischen Kontinent. Zuvor hatten die marokkanischen Behörden die Kontrollen im Zuge eines Konflikts um die Westsahara offenbar gelockert. Der Zustrom der vergangenen Tage war um ein Vielfaches größer.
Soldaten und die örtliche Polizei durchkämmten am Samstag Stadtviertel, in denen sich kleine Lager von Migranten gebildet hatten. Sie wiesen diese zurück in Richtung Grenze und machten deutlich, dass eine Legalisierung solcher Einreisen aus Marokko nicht in Aussicht stehe.
Die Zivilgarde wurde zudem damit beauftragt, den Strand von El Tarajal zu überwachen, um neue Ankunftsversuche zu verhindern. Sie soll damit die Gefahr von Ertrinkungsunfällen verringern, wie ein in der Nähe stationierter Soldat berichtete.

Die am 1. August 2026 vor dem Strand von Tarajal an der Seegrenze zwischen Ceuta und Marokko neu installierte 500 Meter lange schwimmende Barriere.

Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times

Sánchez’ Regierung unter Druck

Erst am Vorabend hatte die Epoch Times beobachtet, wie Migranten – zwar weit weniger als zu Spitzenzeiten – immer noch ungehindert nach Ceuta schwammen.
Die Krise der illegalen Migration hat die Kritik an der sozialistischen Regierung Spaniens sowohl seitens der rechten Opposition als auch seitens der europäischen Nachbarländer verschärft.
Juan Sergio Redondo, Vorsitzender und Sprecher der nationalkonservativen Partei Vox in Ceuta sprach mit der Epoch Times über die aktuelle Lage. Er sagte, dass „die Migrationskrise nicht gelöst wurde, weil sich die Regierung von Pedro Sánchez den Interessen Marokkos unterwirft und wir eine selbstzerstörerische Einwanderungspolitik betreiben“.
Redondo warnte, dass die Abschiebungen Zeit benötigen. „Es ist unmöglich, dass diese Menschen innerhalb weniger Tage das Land verlassen oder zurückgeschickt werden“, sagte er. Ebenso fügte er hinzu: „Viele kehren freiwillig zurück … aber andere haben nicht die Absicht, zurückzukehren.“

Bleiben Migranten noch viele Monate?

Der Vox-Vorsitzende prognostizierte, dass ein erheblicher Teil derjenigen, die „unsere Grenze gestürmt haben“, noch „viele Monate“ lang durch die Stadt ziehen werde. Gleichzeitig verwies er auf die Unsicherheit und Angst unter den Einwohnern, die weiterhin das Gefühl hätten, dass das Problem nicht gelöst sei.
Ceuta

Marokkanische illegale Einwanderer sitzen am 1. August 2026 auf den Stufen in der Nähe des Rafael-Gibert-Tors in Ceuta, Spanien.

Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times

Nach Redondos Aussage seien Spaniens Sicherheitskräfte durch das Fehlen von Gesetzen „an Händen und Füßen gebunden“. Vox fordere seit vier Jahren verstärkte Zäune, verlängerte Wellenbrecher und maritime Absperrungen. Er beklagte:
„Hätte man eine ganze Menge tun können? Ja. Hat man es getan? Nein.“
Ministerpräsident Sánchez erklärte seinerseits auf einer Pressekonferenz am 31. Juli, seine Regierung werde „die Sicherheit der Einwohner von Ceuta garantieren, indem die Präsenz von Sicherheitskräften und Polizeibeamten in den Straßen der Stadt erhöht wird“. Außerdem werde man die Bearbeitung von Rückführungsverfahren für illegal eingereiste Personen beschleunigen.

Ein Durchbruch ohne Präzedenzfall in jüngster Zeit

Das Innenministerium schätzt, dass zwischen dem 30. und 31. Juli etwa 50.000 Menschen nach Ceuta eingereist sind. Stadtpräsident Vivas bezifferte die Zahl auf 60.000. Einen Tag zuvor versammelten sich vor dem Versammlungspalast von Ceuta Menschenmengen anlässlich des Besuchs von Sánchez und skandierten „Sánchez, tritt zurück“.
Der Ministerpräsident bezeichnete den Zustrom als „Verletzung der territorialen Integrität Spaniens“ und erklärte, Innenminister Fernando Grande-Marlaska werde vor Ort bleiben, um die Sicherheitsmaßnahmen in Abstimmung mit dem Einsatz der Armee zu koordinieren.
Ceuta

Marokkanische Migranten gehen am 1. August 2026 entlang der Carretera N-352 nahe der Grenze in Ceuta, Spanien, zurück in Richtung Marokko.

Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times

Spanien und Marokko einigten sich am Donnerstag darauf, alle illegal eingereisten Personen „so schnell wie möglich“ zurückzuschicken. Die Regierung in Madrid lobte die Zusammenarbeit mit Rabat als ausgezeichnet.

Wiederholung möglich

Derzeit ist das Wasser vor El Tarajal leer und die Barriere hält stand. Einige männliche Migranten zeigten sich unbeeindruckt. „Wir werden es ein anderes Mal erneut versuchen“, sagte einer gegenüber Epoch Times.
Lola, eine Einwohnerin von Ceuta, erklärte der Epoch Times, sie habe damit gerechnet. „Leider werden wir wahrscheinlich erleben, dass sich eine solche Krise wiederholt.“
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Spain: Days After Historic Border Breach, Illegal Migrants Remain Scattered Across Ceuta“ (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung mf)
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Warum mehrere Kernkraftwerke in Europa drosseln müssen


In Kürze:

  • Mehrere Kernkraftwerke in der EU schalten wegen zu hoher Flusstemperaturen ab.
  • In Ungarn bricht fast die Hälfte der gesicherten Leistung weg.
  • Wegen befürchteten Strommangels hat Rumänien den Notstand ausgerufen.
  • In Frankreich sind 18 von 57 Reaktoren nicht in Betrieb.

 
In mehreren Ländern Europas drosseln aktuell die Betreiber von Kernkraftwerken (KKW) ihre Reaktoren. Grund dafür sind die anhaltenden sommerlichen Temperaturen sowie zu niedrige Flusspegelstände.
Die Leistung aller Atommeiler in der Europäischen Union lag zu Wochenbeginn am 27. Juli noch bei rund 70 Gigawatt (GW, oder 70.000 Megawatt). Am Sonntagmorgen zeigen die Leistungsdaten des Stromportals „Energy Charts“ nur noch knapp 53 GW an. Das ist ein Rückgang um 24,5 Prozent, also um fast ein Viertel.
Kernkraftwerke

Öffentliche Stromerzeugungsdaten der Kernkraft und die Verbrauchskurve (Last) in der Europäischen Union vom 27. Juli bis 2. August 2026.

Foto: Bildschirmfoto  /energy-charts.info/Fraunhofer ISE

Nur begrenzte Aufheizung der Flüsse erlaubt

Wärmeres Flusswasser ist rein aus technischer Sicht nicht unbrauchbar für ein KKW. Es kann die Anlage ebenfalls ausreichend abkühlen. Hintergrund ist vielmehr, dass die Meiler die Flüsse nicht zusätzlich aufheizen dürfen.
Die Brennstäbe im Kernreaktor geben Temperaturen von mehreren Hundert Grad Celsius ab. Diese Wärmeenergie können die Anlagen zu rund einem Drittel in Strom umwandeln. Die übrige Abwärme muss abgeführt werden. KKW, die an Flüssen liegen, entnehmen dazu Flusswasser und fügen diesem die Abwärme zu. Anschließend leitet der Kühlkreislauf das erwärmte Wasser in den Fluss zurück.
Im Sommer kann diese zusätzliche Wassererwärmung für manche Lebewesen in den Flüssen problematisch sein. Im schlimmsten Fall kann es zu erhöhtem Fischsterben kommen.
Daher gibt es in den EU-Ländern bestimmte Regelungen. Sie schreiben vor, wie warm das Flusswasser maximal sein darf, um es für die Kühlung der Meiler zu verwenden. Der Energieexperte Leonhard Gandhi erklärte: „Der Grenzwert für die Flusstemperatur liegt an vielen Standorten bei etwa 25 Grad Celsius, wobei je nach Kraftwerk und Genehmigung auch Ausnahmeregelungen möglich sind.“

Ungarn fährt komplett herunter

Im Verhältnis der Stromproduktion eines Landes ist Ungarn am stärksten betroffen. Das osteuropäische Land hat nur ein KKW mit vier Reaktoren am Standort Paks, rund 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Budapest. Im Normalbetrieb erzeugen diese fast die Hälfte des ungarischen Stroms. Der Anteil der Kernenergie am Strommix lag in diesem Jahr bis dato bei rund 44 Prozent.
Seit Montag, 27. Juli, begann laut den Stromdaten des Portals „Energy Charts“ jedoch die schrittweise Drosselung der Leistung der Anlage. Am Sonntagmorgen speiste sie nur noch rund 173 Megawatt (MW) ins ungarische Netz ein. In der Spitze und vor der Drosselung erbrachte das Kraftwerk noch rund 1.850 MW.
Kernkraftwerke

Öffentliche Stromerzeugungsdaten der Kernkraft und die Verbrauchskurve (Last) in Ungarn vom 27. Juli bis 2. August 2026.

Foto: Bildschirmfoto  /energy-charts.info/Fraunhofer ISE

In Kürze schaltet das KKW Paks dann wegen zu niedriger Pegelstände der Donau komplett ab. „Nach aktuellen Berechnungen (…) könnte das am Dienstag oder Mittwoch geschehen“, sagte Ministerpräsident Peter Magyar am Freitag, 31. Juli, bei einer Pressekonferenz am Kraftwerk. Der Betreiber der Anlage hatte die Abschaltung „unvermeidlich“ genannt. Es ist die erste Komplettabschaltung dieses KKW seit seiner 44-jährigen Existenz.
Der Fluss hat an seinem Unterlauf stellenweise nur ein Drittel des im Juli durchschnittlich gemessenen Wasserstands. Der Wetterdienst Hungaromet sagt Ungarn in den kommenden sechs Tagen eine Hitzeperiode mit Temperaturen von bis zu 41 Grad Celsius voraus.

Minister spricht von drohender Energiekrise

Der ungarische Regierungschef Magyar rief die Industrie auf, ihren Stromverbrauch einzuschränken, um eine Energiekrise zu vermeiden. Zudem soll die Beleuchtung öffentlicher Gebäude eingestellt werden, um Strom zu sparen. Spätestens ab Montag, 3. August, könne es zu Engpässen bei der Stromversorgung kommen, hatte Magyar angekündigt. Seiner Einschätzung nach könne die Krisensituation wegen des erwarteten heißen Sommers noch Wochen andauern.
Die Bevölkerung in Ungarn ist weiterhin aufgerufen, während der Spitzenverbrauchszeit zwischen 17 und 22 Uhr keinen zusätzlich Strom zu verbrauchen – etwa durch das Aufladen von Elektroautos und den Betrieb von Klimaanlagen.
An einem durchschnittlichen Sommerabend würden 6.000 Megawatt Strom verbraucht, aufgrund der Hitze steige dieser Wert um 20 Prozent, erläuterte Magyar. Man setze nun die Stromreserven des Landes ein und kümmere sich um Importe.

Rumänien schaltet ab – und ruft Notstand aus

Wegen der hohen Temperaturen und des ausbleibenden Regens sind die Pegelstände der Donau mancherorts auf ein Rekordtief gesunken. Die Donau verläuft auch an der rumänisch-bulgarischen Grenze und versorgt das einzige KKW Rumäniens in der Stadt Cernavoda mit Kühlwasser.
Aufgrund der Bedingungen hat der Betreiber am Dienstag, 28. Juli, bereits den ersten der beiden Reaktoren der Anlage heruntergefahren. Ebenso ist die Abschaltung des zweiten Reaktors angekündigt. Von rund 1.185 MW sank die Leistung des KKW somit auf rund 625 MW.
Kernkraftwerke

Öffentliche Stromerzeugungsdaten der Kernkraft und die Verbrauchskurve (Last) in Rumänien vom 27. Juli bis 2. August 2026.

Foto: Bildschirmfoto  /energy-charts.info/Fraunhofer ISE

Aufgrund eines drohenden Strommangels hat das Land für den gesamten August den Notstand ausgerufen. Es laufen bereits Verhandlungen mit ​einigen Nachbarländern wie der Ukraine, Bulgarien, aber auch mit dem etwas weiter entfernten Griechenland, um bei Bedarf zusätzlichen Strom zu importieren.
Eine Komplettabschaltung des rumänischen KKW über rund drei Wochen erlebte die Anlage in Cernavoda in diesem Jahr bereits im Mai. Aufgrund einer technischen Störung wurde der Reaktor 2 am 4. Mai automatisch vom Netz getrennt. Der Reaktor 1 fuhr hingegen für eine planmäßige Wartung am 10. Mai auf null herunter. Die übrigen Stromquellen sowie Kraftwerke aus anderen Ländern hielten das rumänische Stromnetz am Laufen.

Rückgang auch in Frankreich

Das EU-Land mit den meisten Kernreaktoren, Frankreich, kann die meisten seiner Anlagen weiterhin betreiben. Von den 57 vorhandenen Reaktoren sind aktuell 18 außer Betrieb (Stand: 2. August 2026). Manche wurden aufgrund planmäßiger Wartung heruntergefahren, andere wegen der hohen Temperaturen.
Eine hitzebedingte Abschaltung traf das Kernkraftwerk Golfech. Beide Reaktoren stehen still. Die Temperatur des kühlenden Flusses Garonne ist inzwischen auf 28 Grad angestiegen.
Während die Leistung aller französischen KKW am Wochenbeginn noch bei bis zu 45 GW lag, sank sie bis Sonntag auf nur noch rund 37 GW ab. Das sind 17,8 Prozent weniger.
Um die Stromversorgung weiterhin sicherzustellen, müssen die Netzbetreiber vielerorts flexible Kraftwerke hochfahren. Dazu zählen Gas- und Kohlekraftwerke. Stand Sonntagmittag haben die fossilen Kraftwerke in der EU in dieser Woche (KW 31) bereits mehr Strom produziert als in der Woche zuvor.
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Säuberungswelle in Chinas Finanzsektor: Wackelt die Neue Seidenstraße?


In Kürze:

  • Der chinesische Bankensektor erlebt seit einem Jahr eine Säuberungswelle im Namen der Antikorruption.
  • Der jüngste Fall betrifft den ehemaligen Präsidenten der China Development Bank, Ouyang Weimin.
  • Laut Experten könnte die „Neue Seidenstraße” Pekings dadurch ins Wanken geraten.

 
Gegen den ehemaligen Präsidenten der China Development Bank (CDB), Ouyang Weimin, wurde eine Untersuchung eingeleitet. Er ist der jüngste Fall eines Bankfunktionärs in China, der im Zuge der einjährigen Antikorruptionskampagne ins Visier genommen wurde.
Laut Experten könnte ein zunehmendes Vorgehen gegen Korruption bei chinesischen Staatsbanken Pekings „Neue Seidenstraßen“-Projekt zum Scheitern bringen. Das würde die ohnehin schon trüben wirtschaftlichen Aussichten des Landes weiter verschärfen.
Die Zentrale Disziplinarkommission der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) und die Nationale Aufsichtskommission Chinas gaben am 19. Juli bekannt, dass gegen Ouyang ermittelt wird.
Ihm werden „schwerwiegende disziplinarische und rechtliche Verstöße“ vorgeworfen, teilten die beiden wichtigsten Antikorruptionsbehörden Pekings mit. Sie gaben keine Einzelheiten zu seinen mutmaßlichen Straftaten bekannt.
Laut dem offiziellen Sprachrohr der KPCh, „People’s Daily Online“, arbeitete Ouyang von 1991 bis 2011 bei Chinas Zentralbank. Danach wurde er Vizegouverneur der südchinesischen Provinz Guangdong, bevor er 2019 zur CDB wechselte, wo er als Präsident und stellvertretender Parteisekretär tätig war. Diese Ämter bekleidete er bis 2023.
Laut der chinesischen Nachrichtenagentur „Xinhua“ ist die CDB ein zentraler Finanzier der Neuen Seidenstraße, auch Belt and Road Initiative (BRI) genannt, die im Wesentlichen ein Infrastruktur- und Investitionsbündnis ist, um die wirtschaftliche Dominanz des Westens herauszufordern.
Analysten wie die vom US-Thinktank Jamestown Foundation sehen die BRI jedoch als „Schuldenfalle“ für die teilnehmenden Länder.
Im vergangenen Jahr gerieten mehrere Führungskräfte der CDB ins Visier der Ermittler, darunter Wang Xuedong, ein ehemaliger leitender Experte, gegen den im Oktober ermittelt wurde, sowie Qin Mengzheng, ein ehemaliges Mitglied des Exekutivkomitees und leitender Experte, der im November aus der Partei ausgeschlossen wurde.

Finanzsektor in China: „Hochrisikobranche“ 

Wang Guo-chen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Chung-Hua-Institut für Wirtschaftsforschung in Taiwan, sagte gegenüber Epoch Times, die umfassende Säuberungswelle unter den Führungskräften der CDB offenbare eine massive Krise im chinesischen Finanzsektor.
„Die Zahlungsausfälle bei Konsumkrediten in China haben Rekordhöhen erreicht und spiegeln das enorme Ausmaß der faulen Kredite des Landes wider“, so Wang.
„Pekings Vorgehen gegen Finanzbeamte scheint darauf abzuzielen, diese Zahlungsausfälle zu beheben, doch dieser Ansatz könnte weitere Instabilität auslösen.“
Wang zufolge zwingt die chinesische Führung Bankiers dazu, scheiternde Unternehmen über Wasser zu halten, nimmt sie aber ins Visier, wenn diese vorgeschriebenen Kredite unweigerlich ausfallen.
„Diese widersprüchlichen Anforderungen machen den chinesischen Finanzsektor zu einer Hochrisikobranche“, sagte er. „Politische Rivalen können diese Kreditunterlagen jederzeit als Waffe einsetzen, um Gegner auszuschalten.“

Thailändische Rettungskräfte während der Rettungsarbeiten am eingestürzten Gebäude des neuen thailändischen Rechnungshofs am 31. März 2025 in Bangkok.

Foto: Lauren DeCicca/Getty Images

Die Krise der Neuen Seidenstraße verschärft sich 

Wang sagte, die mangelhafte Bauausführung im Rahmen der „Neuen Seidenstraße“ habe umfassendere Untersuchungen ausgelöst, in die letztlich auch Führungskräfte der CDB verwickelt wurden.
Ein Mangel, der durch das Erdbeben in Burma im Jahr 2025 unterstrichen wurde, als ein 30 Stockwerke hohes Gebäude als einziges Gebäude in Bangkok einstürzte, sei dadurch offenkundig geworden. „Peking hat vermutlich schwere Korruption aufgedeckt, was die laufenden Ermittlungen zu Auslandsinvestitionen und -projekten ausgelöst hat“, so Wang.
Das harte Vorgehen stehe laut Wang im Zusammenhang mit dem desolaten Zustand der chinesischen Wirtschaft und dem Versuch des Regimes, illegale Einkünfte zu beschlagnahmen.
„China kann es sich nicht länger leisten, Projekte zu finanzieren, die lediglich korrupte Funktionäre bereichern. Deshalb prüft es diese Vorhaben genau, um das Geld zurückzuholen, die Verluste einzudämmen und die Schäden zu begrenzen“, sagte er.
Das chinesische Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal nach offiziellen Angaben um 4,3 Prozent und blieb damit unter dem unteren Ende des von Peking für das Gesamtjahr angestrebten Ziels von 4,5 bis 5 Prozent. Dieses Ziel stellt bereits das schwächste seit Jahrzehnten dar.
Antonio Graceffo, Epoch-Times-Kolumnist und Autor von „Beyond the Belt and Road: China’s Global Economic Expansion“ (etwa auf Deutsch: Jenseits des Neuen Seidenstraßen-Projekts: Chinas globale wirtschaftliche Expansion), sagte der Epoch Times, dass die laufenden Antikorruptionskampagnen angesichts der bereits bestehenden Probleme mit den BRI-Krediten den Zusammenbruch des globalen Projekts nur beschleunigen würden.
„50 bis 70 Prozent der BRI-Projekte haben nie Einnahmen generiert, sodass die Kreditnehmer nicht in der Lage sind, sie zurückzuzahlen“, sagte Graceffo.
Ein hartes Durchgreifen verschärfe die Situation nur noch, sodass am Ende ein Land mit einer halbfertigen Autobahn oder einem halbfertigen Staudamm zurückbleibe.
Laut Graceffo werde das harte Vorgehen die bestehenden Probleme langfristig nur verschärfen. Die BRI werde weit hinter den von Peking behaupteten Erfolgen zurückbleiben und letztlich scheitern.
„Die BRI wird niemals in vernünftiger Weise realisiert werden“, sagte er. „China kann jederzeit Erfolge für sich beanspruchen, aber in Wirklichkeit ist das Geld im Grunde verschwendet.“

Die Belt and Road Initiative der KP Chinas: China in Rot, die Mitglieder der Asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank in Orange. Die vorgeschlagenen Korridore in schwarz (Seidenstraße zu Lande) und blau (Seidenstraße zu Wasser).

Foto: CC BY-SA 4.0

Lahmende Wirtschaft 

Laut Graceffo haben die zunehmenden Ermittlungen eine starke abschreckende Wirkung auf chinesische Finanzmanager und führen zu zusätzlicher politischer Unsicherheit, die letztendlich ausländisches Kapital aus China vertreibt.
„Wenn ausländische Investoren das Risiko in China bewerten, müssen sie nun wirklich berücksichtigen, dass dies ein weiteres Risiko darstellt“, so Graceffo.
„Es werden Kredite vergeben, die aber nicht zurückgefordert werden können, oder der Kreditnehmer wird verhaftet.“
Laut Angaben des chinesischen Handelsministeriums sanken die ausländischen Direktinvestitionen in China von Januar bis Mai 2026 im Vergleich zum gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr um 8,6 Prozent auf 327,29 Milliarden Yuan (42,15 Milliarden Euro).

„Bankmanager als Sündenböcke“

Wang sagte, die anhaltenden Entlassungen würden die staatlichen Finanzverantwortlichen dazu veranlassen, Risiken zu vermeiden. Dies werde die Rolle des Bankensektors bei der Stützung des Wachstums weiter einschränken.
„Bankmanager dienen seit Langem als Sündenböcke für die staatlich verordnete Kreditvergabe – ein seit Jahren bestehendes Problem“, sagte er.
„Unter diesen Umständen werden die chinesischen Finanzinstitute die Forderungen Pekings nur minimal erfüllen, was zu einer düsteren Finanzlage führen wird.“
Wang fügte hinzu, dass der chinesische Staatschef Xi Jinping voraussichtlich auch nach dem für Ende 2027 geplanten 21. Parteitag Chinas an der Macht bleiben werde. Auf diesem Führungstreffen werden voraussichtlich wichtige Personalentscheidungen getroffen. Das sei ein schlechtes Omen für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.
„Da Xi voraussichtlich keinen Nachfolger benennen wird, bleiben die Aufstiegschancen für wichtige Bankmanager weiterhin gering, sodass sie wenig Anreiz haben, eine stärkere Fiskalpolitik voranzutreiben“, sagte Wang.
„Da diese Führungskräfte die Einhaltung der Vorschriften nur vortäuschen, wird die Wirksamkeit der chinesischen Konjunkturmaßnahmen untergraben.“
Die zunehmenden Forderungen des Regimes an die Banken würden laut Wang die allgemeinen wirtschaftlichen Aussichten des Landes beeinträchtigen.
„Dieser Teufelskreis wird akute Probleme in Chinas Geldpolitik, der Finanzlage und der gesamten Wirtschaft auslösen.“
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „China’s Bank Purges Deepen Economic Woes, Accelerate BRI Collapse: Analysts“. (deutsche Bearbeitung xy)
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KI-Inhalte überschwemmen das Internet: So verändern sie schon heute unser Denken


In Kürze:

  • Soziale Medien, Fachtexte und Nachrichten haben sich durch KI-generierte Inhalte in jüngster Zeit massiv und rasant verändert.
  • Da generierte Texte auf Wahrscheinlichkeiten statt auf Verständnis beruhen, wiederholen viele Beiträge ähnliche Strukturen, ähnliche Ratschläge und ähnliche Formulierungen.
  • Die Fülle an KI-Inhalten bewirkt zweierlei: Die Ergebnisse sind schön, aber unvollständig und die Trainingsdaten werden immer schlechter.
  • In der Folge verlieren Menschen und Maschine gleichermaßen den Bezug zur Realität.
  • Können Sie unterscheiden, was echt oder generiert ist? Probieren Sie es aus, in unserem kleinen Quiz am Ende des Artikels.

 
Eine nie endende Flut von mit Künstlicher Intelligenz generierten Inhalten verändert derzeit das Internet. Nicht nur beeinflusst dies auch die Art und Weise, wie Menschen mit Informationen interagieren, sondern es passiert schneller als jemals zuvor.
Egal, ob Zusammenfassungen, Nachrichten, Beiträge in sozialen Netzwerken oder wissenschaftliche Arbeiten: Wissenschaftler bringen die schiere Menge an maschinell erstellten Materialien mit einem Anstieg der „kognitiven Auslagerung“ in Verbindung. Bei diesem Phänomen überlassen Menschen kritisches Denken und Überprüfungen automatisierten Systemen.
Eine Analyse aus dem Jahr 2024 beschäftigte sich mit dem Einfluss von KI-Tools auf genau diese geistige Auslagerung. Sie ergab eine „signifikant negative Korrelation“ zwischen der häufigen Nutzung von KI-Tools und der Fähigkeit zu kritischem Denken bei Menschen aller Altersgruppen und Bildungshintergründen. Michael Gerlich von der Swiss Business School (SBS) in London kommt darin zu dem Schluss, dass gerade jüngere Altersgruppen eine höhere Abhängigkeit von KI-Modellen aufwiesen – und zugleich niedrigere Werte beim kritischen Denken erzielten.

Menge mit Glaubwürdigkeit verwechselt

Möglicherweise noch beunruhigender ist eine neue Studie vom Mai 2026 im Auftrag der internationalen PR- und Kommunikationsagentur Pangram. Die vom Marktforschungsinstitut YouGov durchgeführte Studie zeigte, dass lediglich 55 Prozent der Generation Z (18 bis 28 Jahre) irreführendes KI-Material identifizieren konnten. In den älteren Altersgruppen war diese Zahl noch niedriger.
Das Problem liegt indes nicht im Erkennen einzelner falscher Inhalte, sondern in deren Fülle. Javi Pérez, Herausgeber von KI-gestützten Websites zur Verbraucheraufklärung,  sagte dazu gegenüber Epoch Times:
„KI-generierte Beiträge und Kommentare können die öffentliche Wahrnehmung verzerrt darstellen, insbesondere wenn Volumen mit Glaubwürdigkeit verwechselt wird.“
„Wenn ein Nutzer Dutzende ähnlicher Beiträge über ein Produkt, einen Trend, eine politische Behauptung, ein Gesundheitsthema oder ein Finanzthema sieht, geht er möglicherweise davon aus, dass breite Übereinstimmung herrscht“, so Pérez weiter.

„Selbstbewusste Gleichförmigkeit“

Pérez warnt insbesondere davor, dass KI-Inhalte das Volumen dessen erhöhen würden, was er als „selbstbewusste Gleichförmigkeit“ im Internet bezeichnet.
„Viele Artikel und Beiträge wiederholen mittlerweile ähnliche Strukturen, ähnliche Ratschläge und ähnliche Formulierungen. Bei Lesern kann dies den Eindruck erwecken, dass bei einem Thema mehr Konsens oder Gewissheit besteht, als es tatsächlich der Fall ist, denn sie sehen dieselben Ideen immer wieder wiederholt in vielen Quellen“, sagte Pérez.
„Das Risiko besteht darin, dass die Menschen nicht mehr wissen, welche Inhalte überprüft wurden.“
„In Bereichen wie Finanzen, Gesundheit, Recht, Bildung oder Nachrichten müssen Leser wissen, ob Behauptungen anhand von Primärquellen überprüft, kürzlich aktualisiert und von jemandem bearbeitet wurden, der rechenschaftspflichtig ist“, so Pérez weiter.
Die Epoch Times sprach auch mit KI-Strategieberater Armand Cucciniello III. Dieser erklärte, dass KI-generierte Inhalte nicht nur verändern, wie wir Informationen konsumieren. Er sagte auch, dass diese ändern, wie schnell wir sie verarbeiten und ihnen vertrauen.
„Wir bewegen uns weg vom bewussten Lesen hin zu einem schnellen Überfliegen von geschliffenen Zusammenfassungen, Kommentaren, Kurzvideos und KI-gestützten Inhalten, die auf Geschwindigkeit und Interaktion ausgelegt sind“, sagte er.
Als jemand, der im „U.S.-amerikanischen nationalen Sicherheitsumfeld“ gearbeitet habe, sagte Cucciniello, sei eine seiner größten Sorgen, dass KI-Systeme „unbeabsichtigt große Mengen ungenauer oder bewusst manipulierter Inhalte einfach durch Wiederholung und Skalierung verstärken können“.
Er sagte auch, er glaube, dass das große Volumen an KI-generierten Inhalten einen realen Druck auf das öffentliche Vertrauen ausübe.
„Wenn Leser in mehreren Quellen auf fast identische Formulierungen oder Interpretationen stoßen, ist es nur natürlich zu hinterfragen, ob die Informationen unabhängig berichtet oder einfach neu verpackt wurden“, sagte er.

Zwischen Herausforderung und Ermüdung

Carl Stroud, ein PR-Experte bei der Agentur Smoking Gun, sagte, er habe ebenfalls miterlebt, wie KI-Inhalte einen Tribut von der Öffentlichkeit fordern.
„Das grundlegende Bedürfnis des Publikums hat sich nicht verändert: Die Menschen wollen dem vertrauen, was sie lesen“, sagte Stroud der Epoch Times. Und weiter:
„Was sich geändert hat, ist, wie viel schwieriger dieses Urteil geworden ist.
„KI-generierte Inhalte, Zusammenfassungen und minderwertiger ‚Slop‘ (Inhaltsmüll) haben das Informationsumfeld lauter, flacher und verwirrender gemacht, sodass das Publikum jetzt versucht herauszufinden, ob es eine Originalberichterstattung liest, aufgewärmte Inhalte oder etwas, das niemals hätte veröffentlicht werden dürfen.“
Abgesehen von sozialen Medien und der akademischen Welt wurden nur wenige Branchen so hart von KI-generierter Fehlinformation getroffen wie die Nachrichten. Stroud, der zwei Jahrzehnte in britischen Medienkreisen, in Redaktionen und im Journalismus verbracht hat, sagte, er sehe, dass KI-Inhalte zu einer Ermüdung bei Lesern führen, die nach präzisen Informationen suchen.
„Ermüdung ist gefährlich, denn wenn Menschen sich überfordert fühlen, klinken sie sich entweder aus oder lassen sich leichter in die Irre führen“, sagte er.

Bezug zur Realität verloren

Ashutosh Khulbe, Gründer von RawPickAI, testet KI-Werkzeuge beruflich – etwa drei bis vier neue pro Woche.
„Was mir in meiner Ecke des Internets am meisten auffällt, ist, dass sich mittlerweile alles gleich anhört. Wirklich unheimlich gleich“, sagte er der Epoch Times. „Ich würde schätzen, dass zu diesem Zeitpunkt 70 bis 80 [Prozent] der Artikel über die ‚besten KI-Werkzeuge‘ KI-generiert sind.“
„Es entsteht diese seltsame Rückkopplungsschleife, in der KI Rezensionen auf der Grundlage dessen schreibt, was andere KIs bereits geschrieben haben, Leser davon ausgehen, dass ein Konsens besteht, und die tatsächliche Erfahrung bei der Nutzung dieser Werkzeuge begraben wird.“
Als Beispiel führt er seinen Test eines Schreibprogramms an, das Hunderte von positiven Bewertungen im Internet hatte, in der kostenlosen Version jedoch unbrauchbar war.
„Man konnte nicht einmal einen Absatz beenden, bevor man ans Limit stieß“, sagte er. „Aber viel Glück dabei, diese Information in einer Google-Suche zu finden.“
Besonders besorgt sei er jedoch darüber, wie sich die Informationsverzerrung auf die Öffentlichkeit auswirke:
„KI-Inhalte sind durchweg positiv gefärbt, weil sie mit Marketingseiten und Affiliate-Bewertungen trainiert wurden. Niemand trainiert Modelle mit ‚Ich habe das zwei Wochen lang ausprobiert, und es war beschissen‘. Das negative Signal verschwindet also einfach aus dem Internet.“
Die Auswirkungen des Booms von KI-Inhalten lassen sich mittlerweile in dem beobachten, was manche als „KI-Psychose“ oder eine Trennung von der Realität bezeichnen.
Obwohl es sich nicht um eine klinische Diagnose handelt, ist der Begriff zu einer populären Sammelbezeichnung geworden, um zu beschreiben, wenn KI eine ungewöhnliche, fixe oder sogar wahnhafte Wahrnehmung von etwas in der realen Welt verstärkt.
 

„KI-Psychose“ und unrealistische Erwartungen

Menschen mit psychischen Erkrankungen könnten anfällig dafür sein, eine „KI-Psychose“ zu entwickeln, aber es ist nicht auf diese Bevölkerungsgruppe beschränkt, so Dr. Ragy Girgis, Professor für Klinische Psychiatrie an der Columbia University und dem New York State Psychiatric Institute.
„Das Phänomen der KI-Psychose ist quantitativ neu und könnte sehr gefährlich sein, aber qualitativ ist es dem sehr ähnlich, was seit Jahrzehnten, seit dem Aufkommen des Internets, passiert“, sagte Prof. Girgis im März während eines Interviews mit der National Academy of Medicine.
Während das Versinken in Online-Themen durch Link-Hopping kein neues Phänomen sei, würden KI und große Sprachmodelle dieses Problem extrem verstärken, warnt Prof. Girgis. Das enge Nachahmen menschlicher Intelligenz durch moderne KI-Modelle mache es für Menschen leichter, deren Inhalte zu verinnerlichen.
Und die Beweise zeigen sich in fast jeder Ecke des täglichen Lebens, manchmal in Form von unrealistischen Erwartungen.
„Eine der größten Veränderungen, die ich durch die Sättigung mit KI-Inhalten gesehen habe, ist das Aufkommen von ‚synthetischen Erwartungen‘, insbesondere in der Schönheitsbranche“, sagte Justin Killingsworth, Gründer von The Color Bar, gegenüber Epoch Times.
„Als jemand, der mit Salons und kundenorientierten Beautymarken arbeitet, sehe ich immer mehr Kunden, die KI-generierte Inspirationsfotos mitbringen, die nicht widerspiegeln, was bei einem echten Menschen realistisch machbar ist.“
„Stylisten müssen zunehmend nicht nur als Künstler, sondern auch als Aufklärer und emotionale Übersetzer agieren, indem sie ihren Kunden helfen, zu verstehen, was realistisch machbar ist, während sie gleichzeitig deren Selbstvertrauen und Vertrauen wahren.“

KI oder nicht KI – das ist (k)eine Frage

Letztes Jahr zeigte eine Analyse des Microsoft AI for Good Lab, dass Menschen ein KI-generiertes Bild in 62 Prozent der Fälle korrekt identifizieren konnten. Das liegt in etwa in der Größenordnung vergleichbarer Umfragen und zeigt, wie leicht wir uns überlisten lassen.
Für Cucciniello liegt die Gefahr vor allem darin, „hochgradig effizient zu werden, Informationen schnell zu konsumieren, während man weniger Zeit damit verbringt, sich mit Mehrdeutigkeiten, Nuancen oder konkurrierenden Standpunkten auseinanderzusetzen.“
Pérez stimmte dem zu.
„Langfristig besteht die Gefahr, dass die Menschen entweder zu vertrauensselig oder zu zynisch werden“, sagte er.
Er erklärte: „Einige werden alles glauben, was wie geleckt aussieht. Andere werden davon ausgehen, dass alles im Internet künstlich ist – und aufhören, auch legitimen Informationen zu vertrauen. Beide Ergebnisse schwächen das kritische Denken.“
Und wie sieht es mit Ihnen aus? Können Sie erkennen, welche Fotos echt sind und welche von KI erstellt wurden? Testen Sie Ihr Gespür. Die Auflösung nach jedem Bild gibt Gewissheit.
 
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „AI Content Is Swamping the Internet. Here’s How It’s Changing the Way We Think“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm, ts)
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Vor sechs Monaten verschwunden: US-Polizei veröffentlicht mysteriöse Briefe im Fall Nancy Guthrie


In Kürze:

  • Die Polizei veröffentlicht zwei mutmaßliche Erpresserbriefe im Fall der verschwundenen Nancy Guthrie.
  • Die Täter forderten vier Millionen US-Dollar in Bitcoin und drohten mit der Tötung der 84-Jährigen.
  • Die Ermittler suchen anhand von Ausdrucksweise, Videos und DNA-Spuren nach den Verantwortlichen.

 
Im Fall der vor sechs Monaten verschwundenen Mutter von US-Starmoderatorin Savannah Guthrie hat die Polizei neue Details veröffentlicht und zwei mutmaßliche Erpresserschreiben veröffentlicht. Die Suche nach der 84-jährigen Nancy Guthrie dauere weiter an, teilte das Sheriffbüro von Pima County im US-Bundesstaat Arizona mit. Die Ermittler bitten die Öffentlichkeit um Mithilfe bei der Identifizierung der mutmaßlichen Täter.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen zwei Nachrichten, die nach Angaben der Behörden über das Online-Hinweisformular des lokalen Fernsehsenders KOLD in Tucson eingingen. Die Schreiben könnten nach Einschätzung der Ermittler wichtige Hinweise liefern, da sie eine auffällige Wortwahl, Satzstruktur und einen individuellen Schreibstil aufweisen.

Catalina Ochoa besucht am 3. März 2026 eine Gedenkstätte für Nancy Guthrie vor dem KVOA-Nachrichtensender in Tucson, Arizona.

Foto: Justin Sullivan / Getty Images

Millionenforderung in Bitcoin

Die erste Nachricht wurde am 2. Februar verschickt und enthielt eine Lösegeldforderung. Der Verfasser verlangte vier Millionen US-Dollar in Bitcoin bis zu einer bestimmten Frist und drohte mit der Tötung Nancy Guthries, falls die Zahlung nicht erfolgen sollte.
Die Familie sollte das Geld an eine angegebene Kryptowährungsadresse überweisen. Nach Eingang der Zahlung werde die 84-Jährige innerhalb von zwölf Stunden an einem sicheren Ort in Tucson freigelassen, hieß es in dem Schreiben.
Ein zweites Schreiben ging laut Ermittlern am 6. Februar ein. Darin wandten sich die mutmaßlichen Entführer an die „Guthrie-Familie“ und erklärten, Nancy Guthrie sei „kurz nach ihrer Entführung gestorben“.
Die Verfasser zeigten sich überrascht über den Tod der 84-Jährigen. „Wir haben den Ernst ihres körperlichen Zustands nicht voll erfasst“, hieß es in der Nachricht. Weiter erklärten sie: „Wir hatten nie die Absicht, ihr zu schaden.“
Die Täter behaupteten, Nancy Guthrie sei „nun in der Natur begraben“. Die Familie habe nichts tun können, um den Ausgang zu verändern.

Polizei sucht Hinweise

Die Ermittler hoffen, dass die besondere Ausdrucksweise in den Schreiben jemanden aus dem Umfeld des Verfassers auf die Spur bringen könnte.
„Diese Mitteilungen zeigen besondere Muster bei Wortwahl, Satzbau und Ausdrucksweise“, erklärte das Sheriffbüro. Die Nachrichten könnten Hinweise auf die Persönlichkeit, Motive und die Entwicklung der Haltung des Verfassers geben.
Warum die Behörden die Schreiben erst jetzt veröffentlichten, wurde bislang nicht erklärt.

Kerzen und Blumen liegen am 3. März 2026 an einer Gedenkstätte für Nancy Guthrie vor dem Nachrichtensender KVOA in Tucson, Arizona.

Foto: Justin Sullivan / Getty Images

Maskierter Mann auf Überwachungsvideo

Nancy Guthrie war nach Angaben der Polizei in den frühen Morgenstunden des 1. Februars aus ihrem Haus im Raum Tucson im US-Bundesstaat Arizona verschwunden. Eine Überwachungskamera zeichnete einen maskierten und bewaffneten Mann auf, der vor dem Haus an der Türkamera hantierte.
Nach Angaben des FBI trug der Unbekannte eine Skimaske, Handschuhe und einen Rucksack. Die Aufnahmen deuteten darauf hin, dass der Mann sich auf die Tat vorbereitet habe.
Die Ermittler untersuchen zudem DNA-Spuren, die im Haus gefunden wurden. „Wir haben eine große Menge DNA sichergestellt, und alles wird weiterhin analysiert“, erklärte Sheriff Chris Nanos.

Fall sorgt wegen Savannah Guthrie für Aufmerksamkeit

Der Fall erregte große Aufmerksamkeit, weil Nancy Guthrie die Mutter von Savannah Guthrie ist, der bekannten Co-Moderatorin der NBC-Morgensendung „Today“.
Zum sechsmonatigen Jahrestag des Verschwindens veröffentlichte Savannah Guthrie ein Video und appellierte an die mutmaßlichen Täter: „Treffen Sie die richtige Entscheidung. Helfen Sie uns, sie zu finden.“
Mit Material der Nachrichtenagenturen
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Nancy Guthrie Case Update: Sheriff Releases Ransom Notes, New Details“. (deutsche Bearbeitung: zk)
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Ceuta nach Massenansturm: Tausende kehren nach Marokko zurück – doch die Grenze bleibt offen


In Kürze

  • Über 50.000 Menschen sollen die Grenze nach Ceuta überquert haben, viele kehrten inzwischen nach Marokko zurück.
  • Trotz Rückführungen setzen einzelne Gruppen die Überquerung der Seegrenze fort.
  • Spanien verschärft die Maßnahmen, während EU-Staaten über Grenzkontrollen und Migration diskutieren.

 
Am Freitag führte der Weg zum Grenzübergang Tarajal für viele Migranten nicht mehr nach Europa, sondern zurück nach Marokko. Kilometerlange Kolonnen junger Männer bewegten sich durch die Sommerhitze der spanischen Exklave Ceuta in Richtung Grenze, vorbei an Soldaten und gepanzerten Fahrzeugen. Viele kehrten damit auf derselben Route zurück, auf der sie nur wenige Stunden zuvor schwimmend nach Ceuta gelangt waren.
Nach Angaben des spanischen Innenministeriums überquerten seit Donnerstagmorgen rund 50.000 Menschen die Grenze. Etwa 48.300 von ihnen sollen bis Freitagabend um 18 Uhr wieder nach Marokko zurückgekehrt sein.
Trotz der Rückkehr vieler Migranten blieb die Lage in Ceuta angespannt. Reporter der englischsprachigen Ausgabe Epoch Times beobachteten weiterhin größere Gruppen, überwiegend junge Männer, die sich auf einer Strecke von rund drei Kilometern entlang der Avenida Martínez Catena in Richtung Grenzübergang Tarajal bewegten.
Gleichzeitig versuchten weiterhin kleinere Gruppen, die Seegrenze nach Ceuta zu überwinden. Andere blieben im Grenzgebiet und schienen vorerst nicht bereit zu sein, das spanisches Staatsgebiet wieder zu verlassen.
Das Ausmaß der Krise gilt in Spanien als beispiellos. Migranten umschwammen die Grenzanlagen über das Meer, überquerten die Grenze zu Fuß und kletterten über die Zäune eines angrenzenden Industriegebiets. In der Stadt mit rund 80.000 Einwohnern entsprechen die Ankünfte – die Regionalregierung spricht von bis zu 60.000 Menschen – mehr als der Hälfte der gesamten Bevölkerung.
Ceuta und die Schwesterexklave Melilla sind die einzigen Landgrenzen der Europäischen Union zu Afrika und seit Jahren Brennpunkte der Migration. Doch selbst die schwere Grenzkrise im Mai 2021 wurde durch den aktuellen Ansturm deutlich übertroffen. Damals hatten innerhalb weniger Tage mehr als 10.000 Menschen die Grenze nach Ceuta passiert.

Ceuta macht dicht: Leere Straßen und geschlossene Geschäfte

Bis Freitag war es im Stadtzentrum von Ceuta auffallend ruhig geworden. In Straßen, die während der Hauptsaison normalerweise voller Leben sind, blieben die meisten Geschäfte hinter heruntergelassenen Metallrollläden verschlossen. Die wenigen geöffneten Läden ließen Kunden nur einzeln oder in kleinen Gruppen eintreten.
Gleichzeitig blieben Gruppen von Migranten im gesamten Stadtgebiet sichtbar – auf Plätzen, an Kreisverkehren und entlang der Strandpromenade.

Marokkanische Migranten gehen am 31. Juli 2026 um 21:34 Uhr Ortszeit entlang der Avenida Martínez Catena in Ceuta in Richtung Grenzgebiet.

Foto: Etienne Fauchaire / The Epoch Times

Marokkanische Migranten schwimmen am 31. Juli 2026 um 20:42 Uhr Ortszeit nahe der Avenida Martínez Catena über die Seegrenze nach Ceuta.

Foto: Etienne Fauchaire / The Epoch Times

Die Ruhe folgte einer chaotischen Nacht: Aus den Stadtteilen El Príncipe und Loma Colmenar wurden Wohnungseinbrüche gemeldet, zudem registrierte die Polizei rund 40 Einsätze wegen Schlägereien.

Marokkanische Migranten ruhen sich nach ihrer Ankunft aus Marokko an einer Hauswand auf einem Gehweg in Ceuta am 31. Juli 2026 aus.

Foto: Etienne Fauhaire / The Epoch Times

Am Freitagmorgen sicherten Polizeibeamte eine Schlange von mehreren Hundert Menschen vor einem Supermarkt, während sich Einwohner mit Wasser und Lebensmitteln eindeckten. Einige Bewohner erklärten gegenüber der Epoch Times, sie seien Opfer von Straftaten geworden, die mutmaßlich von Migranten begangen worden seien.
In einem Wohnviertel nahe der Avenida Martínez Catena errichteten Anwohner provisorische Barrieren aus großen Müllcontainern und Absperrgittern, um den Zugang zu ihren Straßen zu begrenzen.

Müllcontainer stehen am 31. Juli 2026 als provisorische Barrieren auf einer Wohnstraße in Ceuta, um den Zugang zu einem Wohnviertel einzuschränken.

Foto: Etienne Fauchaire / The Epoch Times

Der Traum vom Leben in Europa

Unter den Migranten, die weiterhin in Ceuta verblieben waren, erklärten mehrere gegenüber der Epoch Times, sie seien auf der Suche nach besseren wirtschaftlichen Perspektiven nach Europa gekommen.
Der 21-jährige Mohammed sagte, er habe die Seegrenze in weniger als 30 Minuten schwimmend überwunden. Sein Ziel sei es, durch Spanien weiter nach Frankreich zu gelangen – „um MMA-Kämpfer zu werden“ (MMA: Abkürzung für „Gemischte Kampfkünste“).
Der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez reiste am Freitagmorgen gemeinsam mit Innenminister Fernando Grande-Marlaska nach Ceuta, um sich am Grenzübergang Tarajal ein Bild von der Lage zu machen. Dort wurde er von einer Menschenmenge empfangen, die seinen Rücktritt forderte.
In einer kurzen Erklärung bezeichnete Sánchez den Massenzustrom als „Angriff auf die territoriale Integrität Spaniens“. Er machte Schleusernetzwerke für die Situation verantwortlich und versprach die volle Unterstützung des Staates. Einen nationalen Notstand wollte er jedoch nicht ausrufen.

Erinnerungen an die Krise von 2021

Einwohner, die mit der Epoch Times sprachen, äußerten vor allem Frustration und weniger Überraschung über die erneute Eskalation. Mehrere machten Ministerpräsident Sánchez persönlich für die Krise verantwortlich.
Fast alle verwiesen auf denselben Vergleich: Mai 2021, als Ceuta die bislang schwerste Grenzkrise Spaniens erlebte. Dass sich ein solcher Massenzustrom nun erneut in dieser Größenordnung wiederholen konnte, werteten viele Bewohner als Zeichen dafür, dass das grundlegende Problem nie gelöst worden sei.

Ein afrikanischer Migrant überwindet am 31. Juli 2026 eine Straßenbarriere, während er in Richtung der Stadt Ceuta läuft.

Foto: Etienne Fauchaire / The Epoch Times

Im Mai 2021 überquerten innerhalb von kaum zwei Tagen mehr als 10.000 Menschen die Grenze nach Ceuta, nachdem Marokko seine Grenzkontrollen gelockert hatte. Auslöser war der Streit zwischen Rabat und Madrid über Spaniens Entscheidung, einen führenden Vertreter der Westsahara-Unabhängigkeitsbewegung medizinisch behandeln zu lassen.
Die meisten Grenzüberquerer waren marokkanische Staatsbürger. Laut einer Resolution des Europäischen Parlaments befanden sich darunter mindestens 1.200 unbegleitete Minderjährige. Spanien setzte damals wie heute das Militär zur Sicherung der Grenze ein. Ministerpräsident Sánchez bezeichnete den Zustrom damals als „eine schwere Krise für Spanien und Europa“.
Madrid erreichte anschließend eine Beruhigung der Lage – allerdings um einen politischen Preis. Im März 2022 gab Sánchez die jahrzehntelange Neutralität Spaniens im Westsahara-Konflikt auf und stellte sich hinter Marokkos Autonomieplan für das umstrittene Gebiet. Dies begründete er mit einer verbesserten Zusammenarbeit bei der Migrationskontrolle.
Vier Jahre später kehrten die Menschenmassen nach Ceuta zurück.

Der lange Rückweg

Am Freitagnachmittag prägte vor allem die Rückkehrbewegung das Bild in Ceuta. Angehörige des spanischen Militärs, die nahe der Grenze stationiert waren, berichteten gegenüber der Epoch Times, sie hätten bereits „große Zahlen von Migranten bei der Rückkehr nach Marokko“ beobachtet.
Nach Einschätzung der Soldaten hätten viele derjenigen, die die Grenze überquert hatten, erkannt, dass sie auf der anderen Seite keine unmittelbaren Möglichkeiten erwarteten.
Die Migranten selbst nannten jedoch andere Gründe für ihre Rückkehr. Mehrere Personen, die in Richtung Grenzübergang gingen, erklärten gegenüber der Epoch Times, sie hätten seit ihrer Ankunft in der Stadt weder Nahrung noch Wasser erhalten und würden deshalb nach Marokko zurückkehren.

Spanische Armeefahrzeuge stehen am 31. Juli 2026 im Rahmen der Reaktion auf den Migrantenansturm in Ceuta entlang der Küstenstraße nahe der Grenze.

Foto: Etienne Fauchaire / The Epoch Times

Eine weitere Gruppe von Migranten erklärte, sie kehre zurück, und warf Spaniern „Rassismus“ vor.
Die politischen Auswirkungen der Krise dürften jedoch deutlich länger anhalten. Italien kündigte an, die Schengen-Regelungen zum freien Personenverkehr gegenüber Spanien vorübergehend auszusetzen und für einen Monat wieder Kontrollen bei Ankünften aus Spanien einzuführen. Finnland und Dänemark unterstützten diesen Schritt, während Frankreich ankündigte, die Kontrollen an der spanischen Grenze zu verfünffachen.
Bis in den Freitagabend hinein zog sich die Kolonne auf der Avenida Martínez Catena weiter in Richtung Grenzübergang. Gleichzeitig setzte im Wasser neben der Grenze ein kleiner werdender Strom von Schwimmern seine Überquerung nach Ceuta fort.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Spain: Migrants Stream Back to Morocco, but Crossings Into Ceuta Haven’t Stopped“. (deutsche Bearbeitung: zk)
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Brummton als Störfaktor: Investor baut Windkraftanlage wieder ab


In Kürze:

  • Anwohner der Gemeinde Oberwiera beklagen den Brummton einer Windkraftanlage.
  • Ein Getriebewechsel sowie nächtliche Abschaltungen brachten keine echten Erfolge.
  • Der ortsansässige Investor wies nun den Rückbau der Anlage an.
  • Solch einen Fall gab es vorher noch nie in Deutschland.

 
Bis vor Kurzem war sie die größte Windkraftanlage in Sachsen. Mit der 250 Meter hohen Anlage wollte die Gemeinde Oberwiera rechnerisch für rund 5.000 Haushalte grünen Strom bereitstellen.
Ebenso sollte das 10 Millionen Euro teure Windrad die Gemeindekasse aufbessern. Einnahmen von mindestens 15.000 Euro pro Jahr waren einkalkuliert.

Anwohner: Wie ein herumkreisendes Flugzeug

Doch die seit Ende 2023 laufende 6-Megawatt-Anlage hat sich zunehmend als Störfaktor für die Anwohner erwiesen. Es gab Beschwerden über eine zu hohe Geräuschentwicklung. Selbst bei geschlossenen Fenstern hätten Anwohner, deren Wohnhäuser sich rund 800 Meter vom Windrad befanden, noch einen tiefen, konstanten Brummton wahrgenommen.

Das Riesenwindrad der gemeinde Oberwiera stand bis vor Kurzem noch an der B180. Das nächste Wohngebiet war nur rund 75o Meter davon entfernt.

Foto: Bildschirmfoto Google Maps

„Das hörte sich an, als wenn ein Flugzeug hier herumkreist“, teilte ein Anwohner dem MDR mit.
Zunächst sahen die zuständigen Behörden jedoch keinen Handlungsbedarf. Die Geräuschpegel befanden sich noch innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte.
Das Wohnhaus eines Ehepaares ist gut 1.000 Meter vom Windradstandort entfernt. „Ich bin keine Windrad-Gegnerin“, sagte die Frau der „Ostdeutschen Allgemeine“. „Doch die Geräusche haben einen wahnsinnig gemacht“.
Nach anhaltenden Beschwerden hat der Hersteller Vestas an der Anlage das Getriebe getauscht, in der Hoffnung, das Problem so lösen zu können. Auch nächtliche Abschaltungen waren eine Maßnahme. Allerdings brachte das den Anwohnern keine dauerhafte Verbesserung.

Investor wies Rückbau an

Inzwischen befindet sich die Anlage nach einer Betriebszeit von nur gut 2,5 Jahren im Rückbau – zur Erleichterung der Anwohner. Die drei 81 Meter langen Rotorblätter sind bereits demontiert. Auch die Gondel mit dem Generator sollten bereits demontiert sein. Letzterer soll für das Störgeräusch verantwortlich sein.
Die Entscheidung zum Abbau traf der ortsansässige Investor, der auch Mitglied im Gemeinderat ist. Bürgermeister Holger Quellmalz (CDU) teilte dazu mit:
„Das Wichtige und Entscheidende war, dass der Investor hier aus dem Ort, aus der Gemeinde kommt, hier verwurzelt ist und hier auch die Verantwortung übernommen hat und sich am Ende mit dem Anlagenhersteller, der Firma Vestas, auf den Abriss geeinigt hat. Weil sie wohl andere Möglichkeiten nicht mehr gesehen haben.“
Als das Riesenwindrad noch in Betrieb war, habe Quellmalz eines Nachts selbst überprüft, wie laut die Anlage wirklich ist. „Es klingt, wie wenn man aus einem Flugzeug steigt und die Turbine läuft noch“, bestätigte er gegenüber lokalen Medien.

Erster Fall in Deutschland

Inzwischen befinden sich hierzulande mehr als 29.200 Windräder an Land. Dabei rücken sie immer öfter auch in die Nähe von Wohngebieten. Entsprechend beschwerten sich in der jüngeren Vergangenheit Anwohner an verschiedenen Orten über die Geräuschkulisse der Turbinen.
Dass nun tatsächlich eine Windkraftanlage aufgrund von Störgeräuschen wieder abgebaut wird, ist bundesweit eine Premiere. Nach Medienangaben sind auch dem Bundesverband Windenergie keine Fälle bekannt, bei denen Lärmbelästigung zum Abbau einer Windkraftanlage geführt hat.
Lautstarke Kritik über einen Brummton äußern bereits seit Monaten Anwohner von zwei Windkraftanlagen im baden-württembergischen Kreis Göppingen. Ein bereits erfolgter Getriebewechsel brachte auch dort keine Besserung. Ein Gutachten des Prüfinstituts DEKRA im Auftrag der Stadt brachte inzwischen Gewissheit. Tatsächlich seien die Anlagen bei nahezu allen Windgeschwindigkeiten „tonhaltig“.
Hier ist die Aussicht auf einen Abbau der Anlagen nicht so groß wie in Oberwiera. Die Betreiberfirma Uhl Windkraft ist mit den DEKRA-Messungen nicht einverstanden und stellt sich gegen die Forderungen einiger Anwohner und der Bürgerinitiative Pro Schurwald.
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Hausarztpflicht kostet Millionen und spart trotzdem?


In Kürze:

  • Die sogenannte Hausarztpflicht soll die Kosten im Gesundheitssystem senken. Andere Untersuchung kommen auf Mehrkosten im Millionenbereich.
  • Der Widerspruch ist offensichtlich – und dennoch bedeutungslos.
  • Nicht nur die Grundlagen beider Berechnungen sind unterschiedlich, auch was überhaupt untersucht wird, ist verschieden.
  • Die Berichterstattung über beide Werte lässt das wichtigste außen vor.

 
Im Juli sorgten zwei Zahlen für Verwirrung in der Diskussion um die Zukunft der hausärztlichen Versorgung: 160 Millionen Euro Mehrkosten und 169 Euro Ersparnis pro Person – im Rahmen ein und der selben Reform.
Die erste Zahl stammt von der Techniker Krankenkasse : So viel koste sie das Programm „Hausarztzentrierte Versorgung“ jährlich zusätzlich – ohne erkennbaren Nutzen. Die zweite Zahl stammt vom Hausärzteverband Baden-Württemberg und besagt, dass dasselbe Programm pro Versichertem und Jahr 169 Euro einspare.
Mit anderen Worten: Die eine Zahl sagt, die Hausarztzentrierte Versorgung lohnt sich nicht, die andere sagt, sie lohnt sich sehr wohl. Was stimmt denn nun?

Hausarztpflicht – Worum es geht

Bislang können gesetzlich Versicherte weitgehend frei entscheiden, welche Praxis sie aufsuchen. Die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) nach § 73b SGB V ist ein freiwilliges Gegenmodell: Wer sich dafür entscheidet, bindet sich für mindestens ein Jahr an eine Hausarztpraxis, die die Behandlung koordiniert, bei Bedarf an eine Facharztpraxis überweist und dafür besser vergütet wird. Bereits über zehn Millionen Menschen nehmen daran teil.
Dieses Prinzip möchte die Bundesregierung mit dem geplanten Primärarztsystem verbindlich machen. Beschlossen ist diese Hausarztpflicht noch nicht, wohl aber das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 10. Juli, das laut Hausärzteverband eine „Versorgungsbremse“ für ebenjene HZV enthält. Das Programm soll also gleichzeitig Vorbild und Sparposten sein. Der Streit über seine Wirkung scheint daher vorprogrammiert.

Zwei Zahlen, zwei verschiedene Verträge

Die Rechnung über 160 Millionen Euro Mehrkosten stammt aus einer Untersuchung der Verträge der Techniker Krankenkasse in 13 Bundesländern durch das Hamburg Center for Health Economics (HCHE). Diese Verträge honorieren die Hausarztpraxis besser, lassen den Versicherten aber den direkten Weg zum Facharzt offen.
Die zweite Zahl – eine Ersparnis von 169 Euro pro Versicherten und Jahr – stammt aus der Evaluation des baden-württembergischen AOK-Vertrags für HZV durch die Universitäten Heidelberg und Frankfurt. Im Unterschied zum TK-Vertrag bindet der AOK-Vertrag 13 Facharztrichtungen seit 2010 fest ein.
In den beiden Evaluationsstudien wird somit gar nicht die Wirksamkeit desselben Instruments verglichen, sondern zwei unterschiedliche Versorgungsmodelle unter identischem Namen.

Wie die Zahlen wirklich entstehen

Aufschlussreicher ist jedoch die Frage, wie die jeweiligen Zahlen entstehen. In den Rohdaten der AOK-Evaluation kosteten HZV-Versicherte im Jahr 2021 im Schnitt 4.038 Euro, die Vergleichsgruppe hingegen nur 3.975 Euro. Die Hausarztzentrierte Versorgung war also 63 Euro pro Kopf teurer.
Die Ersparnis von 169 Euro erscheint erst nach einer statistischen Bereinigung. Denn HZV-Versicherte sind im Schnitt kränker. Berechnet werden daher reine Modellkosten, oder anders gesagt: Was würden HZV-Versicherte kosten, wenn sie so gesund wären wie die Vergleichsgruppe?
Ähnliches gilt für die 160 Millionen Euro Mehrkosten in der HCHE-Studie der Techniker Krankenkasse. Auch dies ist ein Modellwert, der jedoch auf einem anderen Verfahren zur Konstruktion der Vergleichsgruppe basiert.
Beide Verfahren sind in der Versorgungsforschung etabliert. Das Heidelberger Verfahren vergleicht Niveaus und bereinigt um das, was in den Abrechnungsdaten der AOK beobachtbar ist. Das Hamburger Verfahren vergleicht Veränderungen vor und nach dem Eintritt in eine HZV mit zeitgleichen Veränderungen in der Kontrollgruppe und bereinigt um unbeobachtete, gleichbleibende Unterschiede zwischen den Gruppen. Annahmen und Grenzen diskutiert der Bericht transparent.

Interessant ist, was nicht gesagt wird

Auffallend ist die Wahl des Vergleichsjahres in der AOK-Analyse. Die Kostentabelle bezieht sich auf das Pandemiejahr 2021, in dem sich das Ausgabenmuster „besonders deutlich“ gezeigt habe. Die meistzitierte Kennzahl des Berichts stammt damit aus dem Jahr, in dem der Effekt am deutlichsten ausfiel; neuere Ergebnisse werden nicht berichtet.
Eine zweite offene Frage ergibt sich aus dem zentralen Erfolgsindikator der AOK-Evaluation, den Facharztbesuchen ohne Überweisung. In der Vergleichsgruppe steigen sie zwischen 2012 und 2013 erheblich an, während die HZV-Gruppe fast unverändert bleibt. Der Vorsprung der Hausarztpflicht wächst dadurch schlagartig von 10 auf 36 Prozent. Dafür sind mehrere Erklärungen denkbar; etwa wurde zum 1. Januar 2013 die Praxisgebühr abgeschafft. Der größte Teil des Vorsprungs entstand jedenfalls nicht dadurch, dass die HZV besser wurde, sondern dass sich die Vergleichsgruppe veränderte.
Aufschlussreich ist schließlich eine Zahl, die es in keine Schlagzeile geschafft hat. Der TK-Bericht – jener der in Summe Millionen Mehrkosten ausweist – findet für Versicherte ab 80 Jahren eine bessere Versorgung bei geringeren Kosten. Entsprechend empfiehlt er am Ende nicht, die HZV abzuschaffen, sondern sie „auf chronisch erkrankte und ältere Versicherte zuzuschneiden“. In der Pressemitteilung der Kasse, die den Bericht bezahlt hat, steht davon allerdings kein Wort.

Fazit – Mehr Äpfel als Birnen

Zwei Zahlen, die sich zu widersprechen scheinen, messen nicht nur verschiedene Verträge, sondern auch in verschiedenen Regionen und mit verschiedenen statistischen Verfahren. Bei Studien verbindet, dass sie von Akteuren des Gesundheitssystems im Rahmen ihrer jeweiligen Versorgungskontexte beauftragt wurden. Zudem sind beide Ergebnisse von Rechenmodellen, deren Annahmen und Grenzen man kennen muss.
Wer wissen will, ob sich die Hausarztpflicht oder ein flächendeckendes Primärarztsystem ökonomisch lohnt, erfährt es aus keinem der beiden Berichte – bestenfalls erhält man Hinweise darauf, unter welchen Bedingungen es sich lohnen könnte. Das ist weniger griffig als „160 Millionen Euro“, aber es ist die differenzierte Information, auf die es bei der anstehenden Reform ankommt.
Über die Autoren
Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer, die STAT-UP-Gründerin Katharina Schüller und RWI-Vizepräsident Thomas K. Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Unstatistik-Autorin Katharina Schüller ist zudem Mit-Initiatorin der „Data Literacy Charta“, die sich für eine umfassende Vermittlung von Datenkompetenzen einsetzt.
Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de. Dieser Artikel erschien im Original unter dem Titel: „Unstatistik des Monats zum Hausarztmodell: Welchen Wert hat die Reform?“. (redaktionelle Bearbeitung ts)
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Bundesnetzagentur richtet geheimen Notfallplan Strom ein


In Kürze:

  • Die „Sicherheitsplattform Strom“ der Bundesnetzagentur dient dem Krisenmanagement bei einer Strommangellage.
  • Betroffen sind Großkunden mit einem Jahresstromverbrauch von mindestens 8 Gigawattstunden.
  • Möglich sind verpflichtende Drosselungen für Tage oder Wochen.

 
Mit der Energiewende hat sich insbesondere in den Wintermonaten die sogenannte Dunkelflaute etabliert. Sie sorgt für Strommangel im deutschen Netz, wenn aufgrund von wenig Wind und Sonnenlicht unsere Hauptenergiequellen Windkraft und Photovoltaik kaum Strom bereitstellen.
Um künftig besser auf Engpässe im Stromsystem reagieren zu können, hat die Bundesnetzagentur nun im Hintergrund die „Sicherheitsplattform Strom“ aufgebaut. Aus dem Bereich der Gasversorgung sind bereits die „Sicherheitsplattform Gas“ sowie der „Notfallplan Gas“ bekannt.

Noch nicht öffentlich kommuniziert

Mit dieser zentralen Kommandostruktur plant die Energiebehörde, künftig bei Bedarf den Stromverbrauch speziell von energieintensiven Unternehmen zu drosseln. Das geht aus Unterlagen einer Informationsveranstaltung der Bundesnetzagentur vom 3. Juni 2026 hervor, die dem Portal „Apollo News“ vorliegen. Die Bundesnetzagentur bestätigte dies auf Nachfrage anderer Medien.
Die Sicherheitsplattform Strom ist bisher nicht auf der Website der dem Bundeswirtschaftsministerium unterstellten Behörde auffindbar. Auch anderweitig hat sie diese Pläne bisher nicht mit der Öffentlichkeit kommuniziert. Dabei sollen diese schon seit rund zwei Jahren bestehen.
Die Bundesnetzagentur habe die Geheimhaltung auf der Informationsveranstaltung damit begründet, „Verunsicherungen“ in der Bevölkerung aufgrund der sensiblen Thematik vermeiden zu wollen.

Was das für Unternehmen bedeutet

Das Konzept der Sicherheitsplattform Strom soll ähnlich ablaufen wie das der Sicherheitsplattform Gas. Demnach erfasse die Energiebehörde bei einer absehbaren Strommangellage die aktuellen Verbrauchsdaten und mögliche Einsparpotenziale von zuvor registrierten Großverbrauchern in Industrie und Gewerbe erfassen.
Betroffen sind bundesweit alle Stromkunden mit einem Jahresverbrauch von mindestens 8 Gigawattstunden. Konkret betrifft das alle energieintensiven Unternehmen, aber auch mittelgroße Industriebetriebe oder größere Gewerbebetriebe.
Im nächsten Schritt komme es zu einem Abgleich zwischen absehbarem Stromangebot und -nachfrage. Entsprechend der Differenz würde die Behörde den Unternehmen eine temporäre Verbrauchsgrenze vorschreiben. Dadurch beabsichtige sie, eine größere krisenhafte Situation wie einen Blackout, also einen unkontrollierten flächendeckenden Stromausfall, zu vermeiden.
Für die betroffenen Unternehmen bedeutet dies womöglich eine Drosselung der Produktion. Fällt die freigegebene Strommenge unter den Mindeststrombedarf des Betriebs, kann dies auch schon zum kompletten Stillstand führen.
Sollte ein Betrieb der Anweisung der Behörde nicht Folge leisten, kann die Bundesnetzagentur diesen Betrieb durch den lokalen Netzbetreiber vom Netz trennen lassen.

Wochenlange Strommangellage?

Im Stromsystem müssen sich Stromverbrauch und -erzeugung in jeder Sekunde die Waage halten, damit die Netzfrequenz konstant bei möglichst 50 Hertz (Hz) bleibt. Wenn die Stromerzeugung geringer ist als der Verbrauch, sinkt die Frequenz. Bereits bei einer Frequenz von 49,8 Hz müssen die Netzbetreiber Leistungsreserve, also Kraftwerke, die nur im Notfall zum Einsatz kommen, aktivieren.
Sinkt die Frequenz weiter auf 49 Hz, helfen nur noch Lastabwürfe, das sind die sogenannten Brownouts – kontrollierte Abschaltungen ganzer Regionen.
Eine auf der Informationsveranstaltung gezeigte Präsentationsfolie der Bundesnetzagentur soll dabei aufzeigen, wie lange eine mögliche Strommangellage andauern könnte. Die Rede sei hier von einer Dauer von „mehreren Tagen bis Wochen“.

Fehlen uns die Kraftwerke?

Dem Energieexperten Stefan Spiegelsperger fiel ein massiver Abbau der flexiblen Kraftwerksleistung in Deutschland über die vergangenen Jahre auf. Am 26. Juni dieses Jahres lag die gesamte installierte Leistung ohne Windkraft, Solar, Pump- und Stromspeicher bei 89,8 Gigawatt (GW), einschließlich Netzreserve. Laut seiner Kraftwerksliste waren es im Jahr 2016 noch 22,8 GW mehr.
„Nur zum Vergleich: Alle Haushalte verbrauchen nur 18 bis 20 Gigawatt. Das heißt, wir haben Kraftwerke abgeschaltet, die alle Haushalte sicher mit Strom versorgen könnten“, sagte er auf seinem YouTube-Kanal. Die Abschaltungen beinhalten auch die der letzten Kernkraftwerke sowie vieler Kohlekraftwerke, um den bis spätestens 2038 angestrebten Kohleausstieg umzusetzen.
Noch ist diese Kraftwerksleistung aber ausreichend. In der Spitze hat die Bundesrepublik in diesem Jahr am 3. Februar mit 83,2 GW am meisten verbraucht. An diesem Tag stand zudem viel Windkraft zur Verfügung.
Mit weiterer Stilllegung grundlastfähiger Kohlekraftwerke und möglicherweise steigendem Strombedarf durch die Elektrifizierung unserer Gesellschaft, immer mehr Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge und Rechenzentren wird jedoch ein Engpass nicht unwahrscheinlicher.
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Die Letzten ihrer Art? Bauern zwischen Krisen und Beständigkeit

Der Mähdrescher ist 4 Meter hoch und mit montiertem Schneidwerk 12 Meter breit. Julius Nettelbeck sitzt hoch oben in der Fahrerkabine und blickt über ein Feld mit Wintergerste. Die Ernte fällt in diesem Jahr besonders gut aus. Rechts neben ihm leuchtet ein Bildschirm, auf dem er die Arbeit der Maschine überwacht.

Nettelbeck setzt den Mähdrescher in Bewegung. In der Kabine ist nur ein gleichmäßiges Brummen zu hören. Draußen arbeitet sich die Maschine mit beträchtlichem Lärm durch die dicht gewachsene Gerste. Die Halme verschwinden im Schneidwerk. Im Inneren des Mähdreschers werden die Körner vom Rest der Pflanze getrennt.

Wenig später nähert sich ein Transportwagen und fährt neben dem Mähdrescher her. Nettelbeck klappt das lange Abtankrohr aus. Ein Strom von Gerstenkörnern ergießt sich in den Anhänger. Beide Fahrzeuge fahren dabei Meter für Meter über das Feld.

Plötzlich hält Nettelbeck an. Er setzt den Mähdrescher ein Stück zurück und greift zum Funkgerät. Im dichten Getreide hat er ein Reh entdeckt. Er bittet seinen Mitarbeiter, das Tier aus dem Feld zu scheuchen.

Doch noch während die beiden miteinander sprechen, springt das Reh auf und läuft davon.

Das komme immer wieder vor, erzählt Nettelbeck. „Manchmal sind es auch Hasen.“ Bei der Ernte müsse man auf die Tiere achten.

Neben Rehen und Hasen halten sich auch häufig Störche auf den Getreidefeldern auf.

Foto: Lynn Wu/Epoch Times

Drei Menschen für 900 Hektar

Seit rund fünf Jahren führt der 30-Jährige den Familienbetrieb gemeinsam mit seinem Vater Joachim. Unterstützt werden sie von einer weiteren Vollzeitkraft. Während der Ernte kommen gelegentlich Saisonarbeitskräfte hinzu.

Gemeinsam bewirtschaften sie rund 900 Hektar Ackerland in Brandenburg. Neben Gerste bauen sie Roggen, Weizen, Raps und seit Kurzem auch Sonnenblumen an.

Die Arbeit ist deshalb bis ins Detail organisiert. „Pro Stunde schaffen wir etwa 50.000 Kilogramm Gerste“, sagt Nettelbeck, während er den Mähdrescher wieder in Bewegung setzt.

Innerhalb von fünf oder sechs Tagen müsse die gesamte Gerste geerntet sein. „Danach wird das Feld neu bearbeitet und es kommt Winterroggen rein.“

Das trockene Wetter spielt ihm in diesen Tagen in die Karten – bei der Ernte ebenso wie bei der anschließenden Lagerung. Wenn Nettelbeck von der diesjährigen Gerste spricht, klingt er erleichtert und ein wenig stolz.

Mit sichtbarem Stolz sitzt Julius Nettelbeck in der Fahrerkabine seines 4 Meter hohen Mähdreschers.

Foto: Lynn Wu/Epoch Times

„Mit 25 Hektar kann keiner mehr leben“

Wo heute Julius Nettelbeck seine Wintergerste erntet, prägen Getreidefelder das Landschaftsbild. Brandenburg zählt zu den wichtigsten Ackerbauregionen Deutschlands.

Seit 1871 bewirtschaftet die Familie Nettelbeck ihren Hof. Lange Zeit umfasste der Betrieb rund 20 Hektar Land.

„Im alten Kuhstall hatten wir zehn Kühe und im Pferdestall drei Pferde. Da war auch ein Schweinestall. Dann hatten wir noch Hühner, Enten und Gänse“, erzählt Vater Joachim. Zur Zeit seines Großvaters wurde noch mit Pferden geackert.

Während er spricht, zeigt er auf den renovierten Hof. Der frühere Kuhstall ist noch heute deutlich zu erkennen.

Während der DDR-Zeit arbeitete die Familie zunächst als Halbselbstständige. „Ab 1970 waren wir dann alle in der LPG.“

Während der Ernte ergießt sich ein goldener Strom aus Gerstenkörnern aus dem Mähdrescher in den Anhänger.

Foto: Lynn Wu/Epoch Times

Erst nach der Wiedervereinigung bekamen sie ihr Land zurück. „Mein Vater war Rentner und ich hatte dann die Regie“, erinnert sich Joachim Nettelbeck.

„Wir haben Glück gehabt. Vom Nachbarn konnten wir Flächen dazupachten. Lange Zeit hatten wir dann 200 Hektar. Und dann hat sich der Betrieb über die Jahre immer weiterentwickelt.“

Im Dorf selbst sind inzwischen nur noch wenige Bauern übrig geblieben. „Wir sind 50 Häuser. Früher waren hier vielleicht 25 Bauern. Die haben alle von der Landwirtschaft gelebt, mit 25 bis 40 Hektar, manche auch nur mit 7. Heute sind wir nur noch drei.“

Den Grund nennt Joachim Nettelbeck ganz nüchtern: „Na ja, mit 25 Hektar kann keiner mehr leben.“

Einst gab es im Dorf 25 Bauern, heute nur noch drei.

Foto: Lynn Wu/Epoch Times

65 Helfer zur Erdbeerzeit

Zur gleichen Zeit wird rund 600 Kilometer westlich von Brandenburg ebenfalls geerntet, allerdings keine Gerste, sondern vor allem Erdbeeren. Nordrhein-Westfalen ist nach Niedersachsen das zweitgrößte Erdbeeranbaugebiet Deutschlands.

Auf dem Benrader Obsthof in Krefeld arbeiten in diesen Wochen rund 65 Menschen.

Während die saisonalen Arbeitskräfte Erdbeeren und Himbeeren ernten, rodet eine weitere Gruppe bereits abgeerntete Erdbeerfelder und bereitet sie für die nächste Saison vor. Andere lichten Äpfel aus oder pflücken Johannisbeeren.

Mit dem Traktor ist Norbert Boekels gerade vom Erdbeerfeld zurückgekehrt. Der Obstbaumeister baut auf seinem Hof unter anderem 20 Apfelsorten, zehn Birnensorten, vier Erdbeersorten und zwei Himbeersorten an.

Vor rund 50 Jahren hat er den elterlichen Betrieb übernommen. Nun bereitet er die Übergabe an seinen Sohn vor.

Gerade ist der Obstbauer mit dem Traktor vom Erdbeerfeld zum Hofladen zurückgekehrt.

Foto: Lynn Wu/Epoch Times

„Meine Eltern haben etwa 1950 hier in der Nähe angefangen. Damals gab es nur eine kleine Fläche an einem alten Bauernhaus und einen Obstgarten, wie ihn damals fast jeder Bauernhof hatte – mit hohen Bäumen, unter denen die Kühe liefen“, erzählt Boekels und schmunzelt.

Später übernahm die Familie Flächen von anderen Obstbauern in der Umgebung und baute den Betrieb Schritt für Schritt aus. Angefangen habe alles mit viereinhalb Hektar.

Heute bewirtschaftet der Hof etwas mehr als 30 Hektar, überwiegend Pachtflächen. „Wenn ein anderer Betrieb aufhört, dann pachtet man die Fläche mit an.“

Die Direktvermarktung bewahrte den Betrieb vor den Folgen der Preiskrisen.

Foto: Lynn Wu/Epoch Times

„Eigentlich ist das gar nicht groß“, sagt Boekels. „Aber wir sind in Krefeld ziemlich der einzige Obstbaubetrieb.“

Viele Obstbaubetriebe gerieten wirtschaftlich unter Druck, wenn sie ihre Produkte ausschließlich über den Handel vermarkteten. „Da sind ganz viele schon ganz schlecht dran.“

Der Hofladen wurde überlebenswichtig

Im Handel müsse man sich nämlich mit Konkurrenten messen, gegen die ein einzelner Familienbetrieb kaum ankomme. Bei Himbeeren zum Beispiel belieferten weltweit agierende Unternehmen große Handelsketten mit Ware aus Marokko, Portugal oder Spanien, „und natürlich zu billigsten Konditionen“.

„Im Grunde gibt es nur fünf große Abnehmer in Deutschland“, sagt Boekels. Sie bestimmten den Markt und damit auch den Preis.

Besonders deutlich werde das jedes Frühjahr bei den Erdbeeren. Obwohl die heimische Ernte beginne, blieben günstige spanische Erdbeeren weiter im Regal. „Dann wird unser Preis gedrückt.“

Heute werden Äpfel, Birnen und ein Großteil der übrigen Früchte gezielt für die eigenen Hofläden und Verkaufsstände angebaut.

Foto: Lynn Wu/Epoch Times

Deshalb hat der Obstbauer sein Geschäftsmodell verändert. Früher produzierte der Betrieb große Mengen für den Großhandel. Heute werden Äpfel, Birnen und ein Großteil der übrigen Früchte gezielt für die eigenen Hofläden und Verkaufsstände angebaut. Der Handel dient nur dazu, Überschüsse abzusetzen.

Umso froher ist Boekels, dass seine Familie schon früh auf Direktvermarktung gesetzt hat. Bereits seine Eltern verkauften Obst aus eigener Ernte auf einem einfachen Tisch vor dem Wohnhaus.

Als er und seine Frau übernahmen, legten sie ein neues Betriebsgebäude mit einem rund 120 Quadratmeter großen Hofladen an. Dort werden neben Obst aus eigenem Anbau auch Produkte regionaler Landwirte und Erzeuger angeboten.

Hinzu kommen unter dem Namen Benrader Obsthof ein weiterer Hofladen in Krefeld sowie acht saisonale Verkaufsstände in Krefeld und Duisburg.

Für ihn ist dies der entscheidende Grund dafür, dass der Betrieb in der Preiskrise überlebt hat.

„Tiefer können die Preise kaum noch fallen“

Zurück nach Brandenburg. Bei der Preisfrage schaut sich Joachim Nettelbeck regelmäßig die Notierungen an der Pariser Warenterminbörse Matif an. Dort wird der Preis gemacht, an dem sich auch ihr Getreide orientiert.

Gerade weil die diesjährige Ernte gut ausfällt, stellen sich die Fragen: „Verkaufen wir jetzt oder lagern wir lieber? Steigt der Preis noch oder fällt er wieder? Man kann das nicht wissen. Das sind immer schwierige Entscheidungen“, sagt der Getreidebauer.

„Deutschland ist viel zu klein“, sagt er. Selbst wenn hierzulande eine Missernte eingefahren werde, blieben die Preise niedrig, solange weltweit genügend Getreide vorhanden sei. Derzeit seien die Lager gut gefüllt, die Ernteaussichten weltweit positiv. „Tiefer können die Preise kaum noch fallen.“

Ein neuer Mähdrescher würde rund 700.000 Euro kosten. Auch wenn die Nettelbecks ihn gebraucht gekauft haben, war die Anschaffung eine große Investition.

Foto: Lynn Wu/Epoch Times

Für den Familienbetrieb sind die Erlöse doch gerade wichtig. „Wir haben jetzt die letzten drei Jahre in drei große neue Maschinen investiert. Die letzten beiden Ernten waren nicht so berauschend. Da haben wir im Moment ganz schön mit der Liquidität zu kämpfen.“

Auflagen, die praxisfern sind

„Wir sind in Deutschland nicht mehr in allen Bereichen Selbstversorger. Das liegt aber nicht an den aktuellen Krisen, sondern an der Politik“, sagt Joachim Nettelbeck.

Die Landwirtschaft habe in Europa und besonders in Deutschland sehr hohe Auflagen, die viel Geld kosteten. Gleichzeitig würden Produkte aus Drittstaaten importiert, die nicht denselben Standards entsprächen.

Für Unkräuter und Schädlinge gebe es kaum noch wirksame Mittel, sagt der Landwirt. Viele Wirkstoffe seien in den vergangenen Jahren verboten worden.

Weil nur noch wenige zugelassen seien, müssten immer dieselben eingesetzt werden. „Und irgendwann bilden sich Resistenzen. Dann sind auch die Mittel wirkungslos, die uns noch geblieben sind.“

„Jeder Landwirt weiß eigentlich selbst am besten, was auf seinem Boden sinnvoll ist“, sagt Vater Joachim Nettelbeck (r.).

Foto: Lynn Wu/Epoch Times

Die Nettelbecks bauen inzwischen auch Leguminosen wie Erbsen, Lupinen oder Winterwicken an. Eine vielfältige Fruchtfolge sei ausdrücklich gewünscht. Gleichzeitig werde der Anbau aber immer schwieriger.

Als Beispiel nennt er den Erbsenanbau. Die Kultur sei für eine vielfältige Fruchtfolge sinnvoll. Doch inzwischen fehlten zugelassene Mittel, um die Bestände vor der Ernte gleichmäßig abreifen zu lassen.

„Dann muss man genau den richtigen Zeitpunkt erwischen.“ Schlage das Wetter jedoch um, könne die Ernte auf dem Acker verderben.

Auch viele Vorgaben aus Brüssel sieht Nettelbeck kritisch. Brandenburg habe sehr unterschiedliche Böden und Witterungsbedingungen. Trotzdem würden viele Regeln europaweit einheitlich festgelegt. Nettelbeck sagt:

„

„Jeder Landwirt weiß eigentlich selbst am besten, was auf seinem Boden sinnvoll ist.“

Mit wachsender Bürokratie kämpft auch Obstbauer Norbert Boekels. „Ich bin da reingewachsen und habe den Beruf immer gern gemacht“, sagt er.

„Was mich heute unwahrscheinlich stört, ist der Bürokratieaufwand. Der ist manchmal so groß, dass ich zu meiner eigentlichen Arbeit gar nicht mehr komme.“

Im Hofladen werden neben Obst aus eigenem Anbau auch Produkte regionaler Landwirte und Erzeuger verkauft.

Foto: Lynn Wu/Epoch Times

60 Prozent der Produktionskosten für Erdbeeren sind Lohnkosten

Noch größere Sorgen bereitet Boekels die saisonale Erntearbeit. „Das größte Problem sind die Lohnfragen“, sagt der Obstbauer.

Früher hätten die Erntehelfer im Akkord gearbeitet. Wer schnell gewesen sei, habe deutlich mehr verdient als jemand, der langsamer gearbeitet habe. Dieses Leistungsprinzip sei mit der Einführung des Mindestlohns ausgehebelt worden.

Seitdem lohne sich höhere Leistung weniger, sagt Boekels. „Wir sind mindestens 20 Prozent langsamer geworden.“

Um konkurrenzfähig zu bleiben, bleibe oft nur, langsame Arbeitskräfte wieder nach Hause zu schicken. „Das ist nicht gut, aber anders können wir uns nicht wehren.“

Inzwischen stellt Norbert Boekels einen Teil seines Erdbeeranbaus vom Freiland auf Tischkultur um.

Foto: Lynn Wu/Epoch Times

Dabei machten die Lohnkosten rund 60 Prozent der Produktionskosten seiner Erdbeeren aus.

Inzwischen stellt der Obstbauer einen Teil seines Erdbeeranbaus vom Freiland auf Tischkultur um. Die Pflanzen wachsen auf Gestellen statt im Boden. Das erleichtert die Ernte und senkt die Arbeitskosten.

Die aktuelle Diskussion über Minijobs betreffe seinen Betrieb kaum:

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„Bei der Ernte haben wir keine Minijobs. Die sind für uns einfach zu teuer.“

Geopolitische Krisen beeinflussen die Planung

Auch die geopolitischen Krisen spüren beide Landwirte beim Einkauf von Düngemitteln. „Die Kosten steigen überall“, sagt Norbert Boekels. Im Obstbau falle der Bedarf zwar geringer aus als im Ackerbau, dennoch schlügen die höheren Preise zu Buche.

Für Getreidebauer Joachim Nettelbeck reichen die bereits im vergangenen Jahr eingekauften Düngemittel noch für den aktuellen Bedarf.

Früher habe der Betrieb Dünger häufig günstig nachgekauft und eingelagert. In diesem Jahr sei die Planung für die nächste Ernte jedoch deutlich schwieriger geworden. Niemand wisse, wie sich die Preise entwickeln würden. Sie hingen von geopolitischen Krisen ab – von Russland und Belarus bis hin zur Straße von Hormus.

Ob Diesel oder Düngemittel, die Preise hängen zunehmend von der geopolitischen Lage ab.

Foto: Lynn Wu/Epoch Times

Inzwischen überlegen Vater und Sohn, bei weiter steigenden Düngemittelpreisen auf die Düngung schlechter Böden zu verzichten und nur noch 60 oder 70 Prozent ihrer Flächen zu düngen.

„Bei so vielen Hektar, so wenigen Leuten, wie effektiv wir sind – und trotzdem bleibt kaum etwas übrig“, sagt der Getreidebauer. „Das ist schwierig.“

Bauern als Klimasünder?

Was Joachim Nettelbeck besonders ärgert, ist das Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit. „Wenn man die Medien verfolgt, könnte man denken, die Bauern sind die Schlimmsten und machen das Klima kaputt“, sagt der Getreidebauer.

Als Beispiel nennt er die Diskussion über Kühe, die weniger Methan ausstoßen sollen. „Das ist für mich der größte Schwachsinn.“

Viele Vorwürfe beruhten aus seiner Sicht auf mangelndem Wissen. Moderne Landmaschinen belasteten den Boden nicht zwangsläufig stärker.

Auch die Kritik an der Nitratbelastung hält Nettelbeck für überzogen. Die Messstellen seien aus seiner Sicht nicht repräsentativ. „Der Landwirtschaft wird vieles angelastet“, sagt er. „Dabei müsste man die Zusammenhänge viel genauer erklären.“

Der Stolz auf das Bauersein

Für Joachim Nettelbeck ist das Bauersein bis heute etwas, auf das man stolz sein kann. „Ich sage immer nicht: Ich bin Landwirt, sondern: Ich bin Bauer. Und darauf bin ich stolz.“

Mit dem Bild vom kleinen Bauernhof seiner Kindheit habe der Beruf allerdings wenig zu tun.

„

„Wir sind heute hoch technisiert und hoch industrialisiert. Das ist keine Streichelzoolandwirtschaft.“

Was sich für ihn nicht verändert hat, ist der Blick auf die nächste Generation. „Es wird viel von Nachhaltigkeit gesprochen. Für mich ist Nachhaltigkeit Beständigkeit“, sagt Nettelbeck.

„Man weiß, die nächste Generation will von diesem Ackerland auch noch leben. Deshalb muss man die Bodenfruchtbarkeit erhalten. Das ist für mich nachhaltiges Wirtschaften – nicht das, was die Politik darunter versteht.“

„Das Bauersein ist wirklich etwas, auf das man stolz sein kann“, bekräftigt Nettelbeck. Hinter ihm ist der frühere Kuhstall noch deutlich zu erkennen.

Foto: Lynn Wu/Epoch Times

Über Jahre habe der Betrieb den Boden nicht nur erhalten, sondern verbessert. In den 1980er-Jahren seien im Durchschnitt 45 Doppelzentner Getreide pro Hektar geerntet worden. Heute seien es 60 bis 65, obwohl nicht mehr Stickstoff eingesetzt werde.

„Wir sind viel effektiver und gleichzeitig bodenschonender geworden“, bekräftigt der Getreidebauer. Dafür solle die Politik sie mit ihren Auflagen in Ruhe lassen. „Wir sind die ausgebildeten Fachkräfte und wissen am besten, was wir auf unserem Boden machen.“

Und er ist sich sicher, dass sein Großvater stolz wäre, „wenn er sehen würde, wie seine Enkel und Urenkel die Tradition weiterführen“.

„Nachhaltigkeit, die wirklich in der Familie weitergeht, ist die Beständigkeit“

Genau diese Familientradition wird in beiden Familienbetrieben fortgeführt. Denn beide Höfe haben etwas, das heute längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist, nämlich eine Nachfolge.

Auf dem Obsthof am Niederrhein steht der Generationenwechsel bereits bevor. Norbert Boekels zieht sich Schritt für Schritt zurück; sein Sohn übernimmt den Betrieb.

„Ich habe ihm nie gesagt: Du musst das machen“, erzählt Boekels. „Er ist von selbst darauf gekommen. Er hat Spaß daran.“

Nach Jahrzehnten auf dem Hof will sich der Senior künftig etwas mehr Freiraum gönnen. Ganz loslassen werde er wohl trotzdem nicht. „Mein Beruf war immer mein Hobby.“

Beide Höfe haben etwas, das heute längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist: eine Nachfolge.

Foto: Lynn Wu/Epoch Times

Auch bei den Nettelbecks stand früh fest, wer den Hof einmal weiterführen würde. Julius habe nie einen anderen Beruf im Kopf gehabt, erzählt sein Vater Joachim.

„

„Wenn er aus der Schule kam, ist er mit dem Fahrrad direkt aufs Feld gefahren. Es war immer sein Traum, Bauer zu sein.“

Heute arbeiten Vater und Sohn Seite an Seite. Vieles entscheiden sie gemeinsam, manches macht Julius inzwischen anders als sein Vater. „Und das ist gut so“, sagt Joachim.

Neue Sorten, andere Strategien bei Düngung und Pflanzenschutz – vieles probiert die jüngere Generation aus. „Ich mache den Plan noch auf Papier“, sagt Joachim und lacht. „Mein Sohn macht das inzwischen mit dem Computer.“

Die Arbeit bleibt jedoch hart. Während der Ernte beginnt der Tag für Julius Nettelbeck morgens um 6 Uhr mit dem Reinigen des Mähdreschers.

Danach geht es aufs Feld. Ist das Getreide eingefahren, folgt schon die Vorbereitung der nächsten Aussaat. Erst wenn im Herbst die Felder bestellt sind, kehrt etwas Ruhe ein.

Draußen zieht der Mähdrescher weiter seine Bahnen durch das Gerstenfeld. Julius Nettelbeck blickt auf den Monitor in der Kabine, prüft Ertrag und Feuchtigkeit, wendet die Maschine am Feldrand und fährt die nächste Spur.

Die Ernte dieses Jahres ist noch nicht eingefahren. Und doch arbeitet er längst an der nächsten.

„Das Wichtigste ist, dass es uns gelungen ist, die Familientradition weiterzuführen“, sagt Joachim Nettelbeck. „Nachhaltigkeit, die wirklich in der Familie weitergeht, ist die Beständigkeit.“

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COVID-Anhörung: Fauci betonte über 100 Mal, sich nicht selbst belasten zu müssen

Dr. Anthony Fauci hat am 29. Juli die Beantwortung von Fragen eines US-Senatsausschusses verweigert. Anlass der Anhörung war die Veröffentlichung eines Tagebuchs, das er während seiner Zeit in der US-Regierung geführt hatte.
„Obwohl mir diese Entscheidung schwerfällt, werde ich aus Respekt vor der Legislative und nach jahrzehntelanger Zusammenarbeit mit dem Kongress auf Anraten meiner Anwälte von meinem Recht aus dem Fünften Verfassungszusatz Gebrauch machen und Ihre Fragen nicht beantworten“, erklärte der 85-Jährige in seiner Eröffnungsrede.
Fauci leitete von 1984 bis 2022 das Nationale Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) der National Institutes of Health.
Im Verlauf der Anhörung berief er sich mehr als 100 Mal auf den Fünften Verfassungszusatz und verweigerte jede Aussage.
Der fünfte Verfassungszusatz besagt, dass niemand „in einem Strafverfahren gezwungen werden darf, gegen sich selbst auszusagen“. Fauci erhielt 2025 eine präventive Begnadigung.

Abstimmung kommende Woche

Nach Bundesrecht ist es strafbar, wenn eine vom Kongress vorgeladene Person „die Beantwortung von Fragen verweigert, die für die Untersuchung relevant sind“, und in bestimmten Fällen Informationen vor dem Kongress zurückhält. Fauci, der aufgrund einer Vorladung des Senatsausschusses für Innere Sicherheit und Regierungsangelegenheiten erschien, könnte wegen eines Vergehens oder Verbrechens angeklagt werden.
Der Vorsitzende des Ausschusses, Senator Rand Paul (Republikaner aus Kentucky), teilte Reportern nach der Anhörung mit, dass der Ausschuss nächste Woche darüber abstimmen werde, ob er eine Anklage gegen Fauci wegen Missachtung des Kongresses empfehlen solle.

Senator Raul: Schutz greift möglicherweise nicht bei Begnadigung

Ausschussvorsitzender Senator Rand Paul (Republikaner aus Kentucky) kündigte nach der Anhörung an, dass der Ausschuss in der kommenden Woche darüber abstimmen werde. „Wir glauben, dass er sich angesichts seiner möglichen Haftung und seiner Begnadigung nicht auf den Fünften Verfassungszusatz hätte berufen müssen. Möglicherweise greift dieser Schutz bei einer Begnadigung gar nicht“, sagte Paul.
Die Vorladung sei rechtmäßig gewesen, und die Fragen hätten Faucis Entscheidungen als NIAID-Direktor und als Chefberater des Präsidenten betroffen.
David Schertler, der Anwalt von Fauci, wurde aus der Anhörung entfernt, weil er versucht hatte, mit Senatoren zu sprechen. Schertler reagierte nicht umgehend auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme.
Die Anhörung fand statt, nachdem Paul ein Tagebuch veröffentlicht hatte , das Fauci während seiner Zeit als Leiter der Regierungsmaßnahmen gegen COVID-19 geführt hatte. Die Tagebucheinträge widerlegten einige von Faucis öffentlichen Äußerungen, darunter seine Behauptung, er sei nie an der Schließung von Schulen beteiligt gewesen.
In einem Eintrag vom März 2020 schilderte Fauci ein Gespräch mit dem damaligen New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio und schrieb: „Ich habe ihn aufgrund meiner öffentlichen Äußerungen und unseres heutigen Gesprächs davon überzeugt, die Schulen in NYC zu schließen.“
Dann sagte er, er habe mit dem Stabschef des kalifornischen Gouverneurs Gavin Newsom gesprochen.
„[Der Stabschef] sagte, dass der Gouverneur aufgrund meiner heutigen und gestrigen Fernsehauftritte beschlossen habe, die Schulen in Kalifornien sowie die Bars und Restaurants zu schließen“, schrieb er.
Fauci schilderte auch ein Gespräch, das er kurz nach dem Auftreten von COVID-19 in Wuhan, China, mit Wissenschaftlern geführt hatte. Neun von elf Wissenschaftlern hielten es für möglich, dass Menschen eine Struktur des Virus, die sogenannte Furin-Spaltstelle, eingefügt hätten. Ein später veröffentlichter Forschungsantrag beschrieb Experimente, bei denen eine Furin-Spaltstelle in ein Fledermaus-Coronavirus eingefügt werden sollte. Die Arbeiten sollten möglicherweise in China stattfinden.
„Das war entweder ein außergewöhnlicher Zufall oder ein eindeutiger Beweis“, sagte Paul am 29. Juli.
Fauci sagte wiederholt öffentlich, dass COVID-19 wahrscheinlich natürlichen Ursprungs sei und nicht aus einem Labor stamme, und er sagte, dass seine Behörde niemals Gain-of-Function-Experimente finanziert habe.

Trump: Fauci versuchte, China zu schützen

Präsident Donald Trump schrieb am 29. Juli auf Truth Social, dass er von Anfang an gesagt habe, COVID-19 stamme aus einem Labor in Wuhan.
„Fauci war entschieden anderer Meinung und versuchte stets, China zu schützen“, schrieb Trump. Ein Generalinspektor stellte fest , dass das NIAID riskante Experimente in einem Labor in Wuhan finanziert hatte und dass keine angemessene Überwachung der Experimente durchgeführt wurde.
„Ihr Hauptanliegen war es, die Tatsache zu verbergen, dass Sie die Finanzierung dieser gefährlichen Forschung genehmigt haben“, sagte Paul während der Anhörung zu Fauci.
Senator Gary Peters, der ranghöchste Demokrat im Ausschuss, sagte, dass Pauls Untersuchung über die Ursprünge von COVID-19 darauf abzielte, zu einem vorbestimmten Ergebnis zu gelangen und voreingenommen sei.
Er sagte außerdem, die Regierung müsse daran arbeiten, die Bemühungen zur Vorbereitung auf künftige Gesundheitskrisen zu verbessern und die von der Trump-Regierung in Bezug auf Impfstoffe und andere Gesundheitsfragen ergriffenen Maßnahmen überwachen.
„Ich könnte noch viele weitere Themen ansprechen, mit denen wir uns künftig befassen müssen, um dieses Land zu schützen“, sagte Peters. „Das tun wir in diesem Ausschuss nicht. Genau dafür wurde dieser Ausschuss geschaffen; genau das hat er in der Vergangenheit getan. Wir sollten uns wieder darauf konzentrieren.“

Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Fauci Invokes 5th Amendment More Than 100 Times During Senate COVID Hearing“. (redaktionelle Bearbeitung il)

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Kann Alzheimer im Frühstadium rückgängig gemacht werden? Ein Neurologe gibt Tipps


In Kürze:

  • Alzheimer ist eine vielschichtige Erkrankung, die zurzeit als unheilbar gilt.
  • Der Neurologe Dr. Dale Bredesen ist der Ansicht, dass die Erkrankung im Frühstadium umkehrbar ist.
  • Mithilfe seiner Methode, des ReCODE-Ansatzes, konnte er die Alzheimer-Symptome bei Patienten signifikant verbessern.
  • In der Präzisionsmedizin wird die Behandlung für jede Person maßgeschneidert und umfasst vor allem Veränderungen des Lebensstils.

 
Viele Menschen glauben, dass die Alzheimer-Krankheit lediglich eine Frage schlechter Gene, von Pech oder eine unvermeidliche Folge des Alterns ist – und dass man kaum etwas tun kann, sobald der Verfall einmal eingesetzt hat. Diese Ansicht sei überholt, meinte Dr. Dale Bredesen, ein Neurologe mit dem Spezialgebiet neurodegenerative Erkrankungen.
„Ich wünschte, mehr Menschen würden verstehen, dass die Alzheimer-Krankheit weitaus häufiger auftritt, als es sein müsste“, sagte Bredesen zu Epoch Times. Er ist der Ansicht, dass Präzisionsmedizin der richtige Ansatz zur Behandlung der Erkrankung sei.

Eine vielschichtige Erkrankung

Bredesen beschrieb einen biologischen Schalter. Dieser schalte das Gehirn von einem sogenannten „Verbindungsmodus“ zu einem „Schutzmodus“ und zurück.
Befindet sich das Gehirn im Verbindungsmodus, könne es lernen, sich anpassen und Erinnerungen bilden, so der Neurologe. Alzheimer entwickle sich, wenn das Gehirn in den Schutzmodus wechselt – ein Wechsel, der durch viele verschiedene Faktoren ausgelöst werden kann. Dazu gehören unter anderem:
  • Insulinresistenz,
  • Schlafapnoe,
  • schlechte Energieproduktion,
  • Bewegungsmangel,
  • chronische Entzündungen,
  • Infektionen,
  • die Belastung durch Giftstoffe wie Luftverschmutzung, Schwermetalle und Mikroplastik.
Bei einer Behandlung verändere man mit seiner Methode mehrere Dinge, damit sie zusammenwirken, so Bredesen weiter. Auf diese Weise bleibe der Körper nicht länger im Schutzmodus und könne in den Verbindungsmodus zurückkehren.
„Ein Grund, warum die Behandlung der Alzheimer-Krankheit bisher nicht besonders erfolgreich war, ist, dass wir Alzheimer in der Vergangenheit zu eng gefasst und zu spät angegangen sind“, so die Einschätzung von Dr. Margarita Mikhaylova, Fachärztin für Neurologie und funktionelle Medizin, gegenüber Epoch Times. 
Der Fokus müsse sich über Eiweißablagerungen hinaus auf eine Vielzahl von Faktoren verlagern, von Insulinresistenz bis hin zu Nährstoffmangel, fügte sie hinzu. „Das sind keine Fragen der Alternativmedizin, sondern gängige Risikofaktoren für Demenz.“

Personalisierte Behandlung von Alzheimer

Die wachsende Erkenntnis, dass Alzheimer eine multifaktorielle Erkrankung ist, führte zu einem personalisierten Behandlungsansatz. Ärzte berücksichtigen die Faktoren, die die Gehirngesundheit einer Person beeinträchtigen könnten und stellen dann einen Plan zusammen, der auf die individuellen Bedürfnisse der Person zugeschnitten ist.
In einer Studie nutzten Forscher einen personalisierten Ansatz bei Menschen mit Alzheimer-Krankheit oder leichter kognitiver Beeinträchtigung. Die Teilnehmer erhielten dabei einen maßgeschneiderten Behandlungsplan. Dieser umfasste Änderungen in den Bereichen Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stressbewältigung, Nahrungsergänzungsmittel und in einigen Fällen auch Medikamente. 
Bei den meisten Teilnehmern verbesserten sich im Verlauf der Studie die kognitiven Funktionen oder blieben auf dem gleichen Niveau ohne weitere Verschlechterungen. Zudem gab es Verbesserungen bei mehreren Alzheimer-bezogenen Risikofaktoren.

Bredesen und die Ergebnisse seiner Studien

Auch Bredesen ist der Ansicht, dass Alzheimer einen personalisierten Ansatz zur Behandlung erfordert. Zu diesem Zweck entwickelte er seine eigene maßgeschneiderte Methode, den ReCODE-Ansatz (Reversal of Cognitive Decline, „Kognitiven Verfall umkehren“).
In Versuchen aus dem Jahr 2022, die im „Journal of Alzheimer’s Disease“ erschienen, testete er seinen Präzisionsmedizin-Ansatz in einer klinischen Untersuchung an 25 Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder Demenz. In seiner jüngsten randomisierten Kontrollstudie, die derzeit noch auf die Begutachtung durch Fachkollegen wartet, verglich er den ReCODE-Ansatz mit der Standardbehandlung bei 73 Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder früher Demenz.
Die Teilnehmer, die einen personalisierten Plan befolgten, zeigten laut den Studienautoren signifikante Verbesserungen der allgemeinen kognitiven Funktion, des Gedächtnisses und des Schweregrads der Alzheimer-Symptome. Auch verbesserten sich ihr Blutdruck, Body-Mass-Index, Blutzucker, Gesamtcholesterin und andere Marker.
Mit diesen Untersuchungen verbesserte Bredesen einige Punkte in der Studiendurchführung, die an älteren Veröffentlichungen von anderen Forschern kritisiert wurden. Zu den Verbesserungen zählen die Verwendung standardisierter kognitiver Tests, MRT-Bilder und genauere Dokumentation.
Andere Bedenken konnten nicht gelöst werden. Dazu zählt beispielsweise, dass es keine Kontrollgruppe gibt und bei dem umfassenden Ansatz der Präzisionstherapie keine Verblindung möglich war.
Da es keine Kontrollgruppe gibt und die Behandlung für jede Person individuell angepasst wurde, kann die Studie nur individuell vergleichen, wie es den gleichen Patienten vor und nach der Behandlung ging. Allgemeine Vergleiche mit einer Placebogruppe, wie es in vielen klinischen Studien üblich ist, können auf diese Weise nicht gezogen werden.
Mikhaylova zufolge ist die Präzisionsmedizin bei der Alzheimer-Krankheit ein Gebiet, das aufstrebend, aber noch in der Entwicklung ist. Bredesens Arbeit biete einen wichtigen Wandel im Verständnis der Krankheit und stelle die Vorstellung in Frage, dass Alzheimer eine Erkrankung mit einem einzigen Krankheitsweg sei.
„Ein mehrdimensionaler Ansatz, der Lebensstil und Stoffwechsel umfasst, kann höchstwahrscheinlich in einem früheren Stadium des Krankheitsverlaufs helfen, wenn noch genügend neuronale Netzwerkfunktionen vorhanden sind, die erhalten oder verbessert werden können“, sagte sie. 
„Bei fortgeschrittener Demenz können wir zwar immer noch die Lebensqualität, den Schlaf, die Gewohnheiten und die Belastung der Pflegepersonen verbessern, sollten aber bei der Erwartung einer kognitiven Umkehrung wesentlich vorsichtiger sein.“

Was ist der ReCODE-Ansatz?

Das Ziel des Ansatzes besteht darin, so viele potenzielle Faktoren für den kognitiven Verfall wie möglich zu ermitteln und diese dann anzugehen. Es ist anspruchsvoll – Bredesen empfiehlt, es als Teilzeitjob zu betrachten –, etwa zwei Stunden pro Tag.

Ernährung

Im Mittelpunkt steht die Ernährung, die pflanzenreich, leicht ketogen und ballaststoffreich sein sollte. Vermieden werden sollten verarbeitete und glutenhaltige Lebensmittel, raffinierte Kohlenhydrate, künstliche Süßstoffe, Milchprodukte und Alkohol. 
Die Betroffenen werden dazu angehalten, über Nacht 12 bis 16 Stunden zu fasten. Dieser Ansatz unterstützt die Darmgesundheit, die Insulinsensitivität, die Stoffwechselflexibilität und die Ketonproduktion.
„Um zu funktionieren, benötigt das Gehirn viel Energie“, so Bredesen. Es könne Glukose oder Ketone verwerten, doch viele Menschen könnten nicht auf diese zugreifen, da sie insulinresistent seien. Ihre Körper würden laut Bredesens Einschätzung Glukose nicht effizient nutzen; und der erhöhte Insulinspiegel hindere die Leber daran, Ketone zu bilden.
Wie jeder andere Aspekt des ReCODE-Ansatzes müsse auch die Ernährung individuell angepasst werden, so Bredesen. Ihm zufolge können Fasten und Ketose für übergewichtige Menschen einfacher sein, da ihr Körper auf Fettreserven zurückgreifen kann, um Ketone zu bilden. Für gebrechliche Menschen sei derselbe Ansatz jedoch möglicherweise nicht geeignet.

Sport

Bewegung ist eine weitere zentrale Komponente. Der Ansatz umfasst Ausdauertraining, Krafttraining, Gleichgewichtsübungen und Dehnübungen für mindestens 45 Minuten pro Tag an sechs Tagen pro Woche.
Jede Art von Bewegung wirkt sich auf unterschiedliche Weise positiv auf das Gehirn aus. Aerobes Training verbessert die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung, während Krafttraining die Insulinsensitivität erhöht. Zweimal pro Woche wird hochintensives Intervalltraining empfohlen.

Schlaf, Stress und Hormone

Der Neurologe empfiehlt 7 bis 8 Stunden guten Schlaf, mit ausreichend REM-Schlaf und Tiefschlaf.
Was den Hormonspiegel und Nährstoffstatus betrifft, so sollen diese untersucht und bei Bedarf verbessert werden. Unter anderem die Vitamine D und B, Mineralstoffe, Omega-3-Fettsäuren, die Schilddrüsenfunktion und die Sexualhormone.
Auch Stressbewältigung durch Biofeedback, also das bewusste Wahrnehmen der körperlichen Prozesse, ist Teil des Programms, genauso wie das Training der Herzratenvariabilität. Das ist ein Indikator, der angibt, wie sich das Herz an körperliche und mentale Anforderungen anpasst.
Erst wenn das Gehirn besser versorgt ist, stimuliert man es. „Das Letzte, was man tun sollte, ist, mit Gewichten zu trainieren, wenn man unterernährt ist. Das Gleiche gilt für das Gehirn“, erklärte Bredesen.

Ein Schwachpunkt des Ansatzes

Der Ansatz von Bredesen braucht viel Zeit, deshalb gibt es Fragen zur praktischen Umsetzbarkeit.
Der Ansatz sei „hinsichtlich des Trainingsaufwands so intensiv, dass sich nur sehr wenige Menschen die damit verbundene Zeit oder die Kosten leisten können“. Das meinte Paul Ehren, Fachmann für funktionelle Ernährung und Master Personal Trainer, zu Epoch Times.
Bredesen räumt dies ein. Man müsse nicht alles perfekt machen, sagte er dazu. „Es gibt eine Schwelle, die bei jedem Menschen anders liegt. Das zu tun, was man kann, und sich kontinuierlich zu verbessern, führt in der Regel zu guten Ergebnissen.“
Derzeit gibt es keine anerkannte Heilung für Alzheimer. Laut Bredesens Einschätzung befindet sich die Alzheimerforschung jedoch gerade an einem Wendepunkt.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „How a Neurologist Uses Precision Lifestyle Medicine to Reverse Early Alzheimer’s“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Warum manche Gehirne um bis zu 13 Jahre jünger erscheinen

Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, haben möglicherweise eine Gehirnstruktur, die deutlich jünger erscheint, als es ihrem Alter entspricht. Laut einer neuen Studie weisen sie Merkmale auf, die typischerweise bei bis zu 13 Jahren jüngeren Menschen zu finden sind.
Die Ergebnisse, die kürzlich auf dem Forum 2026 der Federation of European Neuroscience Societies vorgestellt wurden, deuten darauf hin, dass das Gehirn umso jünger wirkt, je mehr Sprachen man spricht.
Die neu vorgestellten Daten bauen auf einer im letzten Jahr veröffentlichten Studie des Forscherteams auf, die Menschen aus 27 europäischen Ländern untersuchte und einen Zusammenhang zwischen Mehrsprachigkeit und gesünderem Altern zeigte.

Wie das Erlernen von Sprachen das alternde Gehirn prägt

Je mehr Sprachen man spricht, desto langsamer altert das Gehirn. Laut der Studienautorin Lucia Amoruso kommt es dabei aber auch darauf an, wie gut man die Sprachen beherrscht und wann man sie gelernt hat.
Diejenigen, die zwei Sprachen sprachen, hatten Gehirne, die mittels KI-basierter Modellrechnungen etwa sechs Jahre jünger eingeschätzt wurden als ihr tatsächliches Alter. Diejenigen, die drei Sprachen sprachen, hatten Gehirne, die etwa sieben Jahre jünger erschienen, und Teilnehmer, die vier Sprachen fließend beherrschten, hatten Gehirne, die etwa 13 Jahre jünger geschätzt wurden.
Diese Ergebnisse stimmen mit einer wachsenden Zahl neurowissenschaftlicher Untersuchungen überein, die darauf hindeuten, dass lebenslange Mehrsprachigkeit mit einer größeren kognitiven Reserve verbunden ist und dem Gehirn helfen könnte, im Alter widerstandsfähiger zu bleiben, sagte Dr. Paul E. Bendheim, klinischer Professor für Neurologie am College of Medicine der University of Arizona, der nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der Epoch Times.

Das Erlernen von Sprachen trainiert das Gehirn in besonderem Maße

Zwar hält jede Denkaufgabe das Gehirn fit, aber Sprachenlernen ist ein besonderes Kompletttraining: Es fordert Hören, Denken, Sprechen und Gefühle gleichzeitig. Das Gehirn muss dabei ununterbrochen zwischen den Sprachen wechseln, erklärt Neurowissenschaftler Christopher U. Missling.
Es muss aber nicht immer Sprachenlernen sein: Auch Tanzen, Musik machen, Sport oder Meditation können positive Auswirkungen auf das Gehirn haben. Der Neurowissenschaftler betont, dass vor allem die Mischung aus Bewegung, neuen Reizen und dem Kontakt zu anderen Menschen entscheidend ist.
Laut Missling stärken Meditation und Achtsamkeit die Aufmerksamkeit. Sport wie Kraft- und Ausdauertraining regt dagegen die Durchblutung an, was die Bildung neuer Verbindungen zwischen Nervenzellen im Gehirn fördert.
Selbst im fortgeschrittenen Alter, so sagte er, könne das Erlernen neuer Fähigkeiten, wie das Spielen eines Instruments oder die Ausübung einer neuen Sportart, eine vorteilhafte synaptische Umstrukturierung auslösen.
„Das Gehirn bleibt während des gesamten Erwachsenenalters plastisch; es ist nie zu spät, es mit neuen, herausfordernden Erfahrungen zu stimulieren“, sagte er.
Mit Blick auf die Zukunft planen Amoruso und ihr Team zu untersuchen, ob ähnliche Effekte bei Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer auftreten und ob der Umgang mit eng verwandten Sprachen, der möglicherweise mehr mentale Kontrolle erfordert, einen noch größeren Einfluss hat.
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6.000 Jahre Sedimente zeigen: Europas Sommer werden länger


In Kürze:

  • Die Sommer in Europa werden länger und wärmer. Die Gründe dieser Klimaveränderung sind nicht abschließend geklärt.
  • Bereits vor 6.000 Jahren ereignete sich eine ähnliche Veränderung und die Bedingungen waren mit heute vergleichbar.
  • Forscher erwarten bis zum Ende des Jahrhunderts eine weitere Verlängerung des Sommers um bis zu 42 Tage.
  • Dabei verwenden sie eine Definition, die nur zwei Jahreszeiten kennt: Meere wärmer als Land und Land wärmer als Meere.

 
Bis zum Jahr 2100 könnte Europa mehr als einen zusätzlichen Monat an Sommertagen erhalten. Das zeigt eine Studie britischer Forscher, die sich auf Klimadaten aus den letzten Jahrtausenden stützt. Zwar ist allgemein bekannt, dass die Sommer in den vergangenen Jahrzehnten immer wärmer und länger geworden sind, wobei jedoch unterschiedliche Ursachen genannt werden.
Die neue Studie belegt diesen Trend und zeigt, dass es ähnliche Bedingungen bereits vor 6.000 Jahren in ganz Europa gab. Damals führte eine natürliche Erwärmung der Arktis zu einer Ausdehnung der warmen Jahreszeit auf durchschnittlich 195 Tage im Jahr. Diese Dauer ist mit heutigen Daten vergleichbar, denn die Forscher verwenden eine für viele unübliche Definition von Sommer.

Daten aus uraltem Seeschlamm

Um aufzudecken, ob die heutigen Veränderungen normal oder ungewöhnlich sind, analysierten die Forscher Daten eines Archivs der etwas anderen Art: uralte Schlammschichten, die am Grund europäischer Seen ruhen. Diese saisonal geschichteten Sedimente dokumentieren wie eine Art Kalender, wie sich Sommer und Winter in den letzten 10.000 Jahren verändert haben.
Im Mittelpunkt der Forschung steht ein zentraler Aspekt der Atmosphärenphysik, der sogenannte „breitengradabhängige Temperaturgradient“. Dabei handelt es sich um den Temperaturunterschied zwischen der Arktis und dem Äquator. Dieser Gradient trägt dazu bei, die starken Winde vom Atlantik nach Europa zu treiben, welche wiederum die Wettersysteme über den Kontinent lenken.
Da sich die Arktis bis zu viermal schneller erwärmt als der globale Durchschnitt, schwächt sich dieser Temperaturunterschied ab. Dies führt laut dem bisherigen Verständnis dazu, dass die Luftströmungen langsamer werden und mäandrieren. Die Folge sind beständigere Wetterlagen und länger anhaltend hohe Temperaturen. Pro Grad Celsius, um das die Temperaturdifferenz sinkt, verlängert sich der Sommer um sechs Tage.
Wenn die Forscher von Sommer sprechen, meinen sie allerdings nicht die kalendarische Definition von Juni bis August auf der Nordhalbkugel, was drei Monaten entspricht. Stattdessen definieren sie den Sommer anhand der Temperaturunterschiede zwischen Kontinent und Ozean. Genauer gesagt: Sommer ist, wenn die Temperaturen des Meeres niedriger sind und das Wasser einen kühlenden Effekt auf das Land hat. In Warnemünde wäre nach dieser Definition von März bis einschließlich Dezember Sommer.

Ein wiederkehrendes Merkmal

Wenn sich der Temperaturkontrast zwischen der Arktis und den mittleren Breiten abschwächt, verlängert sich der Sommer in Europa effektiv. Laut der aktuellen Studie scheint dies jedoch kein modernes Phänomen zu sein, sondern ein wiederkehrendes Merkmal des irdischen Klimas.
„Was sich heute jedoch unterscheidet, sind die Geschwindigkeit, die Ursache und die Intensität des Wandels“, sagte Dr. Laura Boyall, eine der Autorinnen der Studie und ehemalige Doktorandin am Royal Holloway, einem College der Universität London.
Als Grund für die zusätzlichen Sommertage sehen Klimaforscher derzeit nicht nur natürliche, sondern auch menschliche Einflüsse. In der Studie heißt es: „Die Ursachen für den aktuellen dekadischen Trend zu längeren und extremeren Sommern in Europa werden intensiv diskutiert.“ Und weiter:
„Dies wird auf Veränderungen in der sommerlichen atmosphärischen Zirkulation in den mittleren Breiten als Reaktion auf die arktische Verstärkung und die Abschwächung der Breitengrad-Temperaturgradienten sowie auf den Rückgang der Aerosolemissionen über Europa seit den 1980er Jahren zurückgeführt. Die kausalen Zusammenhänge bleiben jedoch ungewiss […]“.

Unsere Sommer werden länger – seit Jahrtausenden

Allein aufgrund der natürlichen Klimaveränderung erhält Europa derzeit also zusätzliche Sommertage, wie es sie bereits vor 6.000 Jahren gab. Laut den Forschern kämen bis zu 42 weitere Sommertage hinzu, wenn sich die globalen Temperaturen wie in den Klimamodellen SSP1-2.6, SSP2-4.5 und SSP5-8.5 erhöhen würden.
Letzteres ist auch als „Katastrophenszenario“ und vermeintliches „Weiter wie bisher“-Szenario bekannt und wurde von den IPCC-Autoren kürzlich selbst als unrealistisch eingestuft. Epoch Times berichtete.
„Wir wissen seit vielen Jahren, dass die Sommer in ganz Europa länger und heißer werden. Aber es herrscht große Unsicherheit über das Wie oder Warum“, sagte die leitende Forscherin Dr. Celia Martin-Puertas. „Unsere Forschung hat gezeigt, dass die Jahreszeiten in Europa über Jahrtausende hinweg vom Temperaturgradienten bestimmt wurden.“
Die Studie erschien am 19. November 2026 in der Fachzeitschrift „Nature Communications“.

Zweite Untersuchung, noch mehr Sommer

Der Trend zu längeren Sommern wird durch eine zweite Studie von Forschern der University of British Columbia, USA, bestätigt. Unabhängig von den Daten der britischen Forscher kommen Hauptautor Ted Scott und sein Team ebenfalls auf sechs Tage mehr Sommer – allerdings seit 1990 und pro Jahrzehnt. Dies gehe aus einer Analyse von Temperaturdaten aus den Jahren 1961 bis 2023 von Land- und Küstengebieten hervor. Im Vergleich zu 1990 gebe es heute im Schnitt somit etwa 21 Tage mehr Sommer. Dies ist mit der von Boyall und Kollegen erwarteten Entwicklung vergleichbar.
Allerdings zeige sich dies laut Scott am auffälligsten anhand von Temperaturdaten aus Großstädten.
Demnach verlängerte sich der Sommer in Sydney, Australien, um 50 Tage: Im Jahr 2023 gab es etwa 130 Sommertage, während es im Jahr 1990 nur etwa 80 waren. Damit der Durchschnitt bei 21 Tagen liegt, muss sich der Sommer an anderer Stelle erheblich weniger ausgedehnt haben.
Demnach verlängerte sich der Sommer in Sydney, Australien, um 50 Tage – im Jahr 2023 seien es etwa 130 Sommertage gewesen, gegenüber 80 Tagen im Jahr 1990. Damit daraus ein Durchschnitt von 21 Tagen wird, muss sich der Sommer an anderer Stelle erheblich weniger ausgedehnt haben.
Unabhängig davon ergab die Studie, dass der Wechsel der Jahreszeiten immer abrupter werde. Welche Rolle dabei der Städteausbau und die -struktur sowie die Versiegelung von Oberflächen spielen, bleibt unerwähnt.
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Rätselhafte Relikte der Geschichte im Überblick

Nach derzeitigen Theorien leben die modernen Menschen seit etwa 200.000 Jahren auf der Erde. Ein Großteil unseres technischen Erfindungsreichtums sei jedoch erst mit der industriellen Revolution dazugewonnen. Doch auch vor mehreren tausend Jahren gab es hoch entwickelte Zivilisationen, die vermeintlich moderne Erfindungen und rätselhafte Relikte erschaffen haben.
Genau diese sind in der Wissenschaft auch als „Out-of-place-Artefakte“ bekannt. Damit werden prähistorische Objekte bezeichnet, die heute weltweit gefunden werden und ein Maß an technologischer Raffinesse aufweisen, was mit unserem heutigen Weltbild unvereinbar scheint.
Viele Wissenschaftler sehen in ihnen lediglich Naturphänomene oder moderne Fälschungen. Für andere wiederum sind es fragwürdige Interpretationen oder falsch datierte Objekte. Am interessantesten ist aber vielleicht eine dritte Deutung: Es seien Hinterlassenschaften einer oder mehrerer prähistorischer Zivilisationen, deren fortgeschrittenes Wissen im Laufe der Zeit verloren ging und erst wiederentdeckt werden muss.
Wir wenden uns an dieser Stelle mysteriösen Objekten zu, stellen Fakten und Theorien rund um die rätselhaften Relikte vor und werden den folgenden Überblick mit der Zeit erweitern.

Die wahre Suche nach dem Heiligen Gral

Für die einen gilt der Heilige Gral als Gegenstand einer Legende, für andere als Verbindung zu Jesus. Dass Letzteres möglicherweise greifbarer ist, als viele glauben, zeigt ein besonderer Kelch in der Kathedrale von Valencia.

Voynich-Manuskript: Ein Blick in das geheimnisvollste Buch der Welt

38.000 Wörter auf 232 Seiten beschäftigen die Menschen seit über 400 Jahren. Eine scheinbar unentzifferbare Schrift in fremder Sprache umfließt Zeichnungen von badenden Frauen und unbekannten Pflanzen. Doch was wollen uns das titellose Buch und sein Autor sagen?

30.000 Jahre vor Gizeh: Liegt die älteste Pyramide der Welt in Europa?

Zwischen Tunnelgängen, Energiefeldern und wissenschaftlicher Kritik hat sich das bosnische Visoko zu einem Ort entwickelt, an dem Glaube, Geschäft und Geschichte ineinanderfließen. Hier soll die älteste von Menschenhand erbaute Pyramide der Welt stehen. Epoch Times hat sich vor Ort ein Bild gemacht.

Fluch der Mumie – Wahrheit oder Fiktion?

Ein mutiger Entdecker, eine geheimnisvolle Kammer, eine gefräßige Kobra und eine mysteriöse Fluchtafel: Zusammen bilden sie den Mythos vom Fluch des Pharao. Bis heute konnten große Teile des Fluches erklärt werden, und doch bleiben Fragen offen.

Gewebe des Mysteriums: Das Turiner Grabtuch

Ein Stück Leinen trägt das mysteriöse „fotografische“ Bild eines Mannes, der offenbar die Wunden einer Kreuzigung erlitten hat. Handelt es sich dabei um Jesus Christus? Seit Jahrhunderten wird dieser heilige Gegenstand, auch als Grabtuch von Turin bekannt, intensiv erforscht, abgelehnt und verehrt.

Wurde die Schwerkraft schon 200 Jahre vor Newton entschlüsselt?

Isaac Newton gilt als Entdecker der Schwerkraft. Doch vielleicht war er nur der Erste, der sie in Worte fasste. Leonardo da Vinci, ein anderes Universalgenie, war ihm Jahre voraus und seine Ergebnisse waren erstaunlich nah an dem später berechneten Wert.

Menschen, Dinosaurier, Medizin: Die mysteriösen Ica-Steine

Sie sind zahlreich, hart und widersprüchlich: 11.000 Steine aus dem Süden Perus zeigen Motive, die die Wissenschaft nicht erklären kann – Dinge, die es damals noch nicht gegeben haben dürfte. Die Frage nach der Echtheit der Steine bleibt, auch weil die örtlichen Gesetze Fälschern in die Hände spielen.

Außerirdische Erscheinung: Die mysteriösen Turmschädel

Aliens, Götter oder Schönheitsideal der Reichen und Mächtigen? Um die Entdeckung von Turmschädeln auf der ganzen Welt ranken sich zahlreiche Mythen. Auch Deutschland nimmt im europäischen Fundkontext eine besondere Rolle ein, wenngleich die berühmtesten Turmschädel aus Südamerika stammen.
 
Dieser Artikel dient als Überblick über die Artikel der Reihe „Rätselhafte Relikte“ und wird fortwährend um spannende Themen ergänzt. Neue Artikel werden oben eingefügt.
Kennen Sie weitere mysteriöse Funde aus der Geschichte, über die Sie bei uns mehr lesen wollen? Dann hinterlassen Sie uns gern eine Nachricht.
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Die abweichende Meinung ist das neue Gold

Es gibt in diesem Land einen Satz, den täglich Tausende beginnen und den kaum jemand zu Ende bringt. Er lautet: „Ich weiß ja nicht, ob man das heute noch sagen darf.“
Und dann geschieht etwas, das man einmal in Ruhe beobachtet haben muss: Der Sprecher sieht sich um. Nicht panisch, eher beiläufig, so wie man prüft, ob man den Schirm dabei hat. Er taxiert den Tisch, die Gesichter, die Runde. Was er dabei wahrnimmt, ist kein Risiko für Leib und Leben. Es ist etwas Feineres: der Preis für Sympathie. Was kostet mich dieser Satz an Wärme, an Zugehörigkeit, an der stillen Versicherung, noch dazuzugehören? Er wird ihn nicht sagen, wenn dieser Preis zu hoch erscheint. Oder er sagt ihn halb, in jener weichgespülten Fassung, die niemanden verletzt, weil diese Fassung nichts mehr behauptet.
Um diesen Halbsatz soll es gehen.
Denn eine Gesellschaft geht nicht dadurch zugrunde, dass man ihr das Reden verbietet. Sie geht zugrunde, weil sie sich das Reden abgewöhnt: freiwillig, höflich, aus lauter Rücksicht, und mit dem angenehmen Gefühl, sich anständig zu verhalten. Politisch korrekt. PC eben.

Konsens aus Bequemlichkeit

Wer im Konsens aber eine Verschwörung vermutet, unterschätzt seine eigentliche Macht. Denn der Konsens braucht weder einen Plan noch einen Befehl. Er entsteht von selbst aus der Gewohnheit, aus der Anpassung und aus dem verständlichen Wunsch, nicht bei jeder Frage von vorn beginnen zu müssen.
Vielleicht liegt gerade darin seine Stärke. Er nimmt uns Entscheidungen ab und bewahrt uns vor der Zumutung, ständig selbst prüfen zu müssen, was richtig sein könnte. Das ist verdammt bequem, und Bequemlichkeit gehört zu den wirksamsten Kräften, die uns Menschen lenken.
Wie weit diese Kraft reicht, zeigte der Psychologe Solomon Asch bereits in den 1950er-Jahren. In seinen Versuchen sollten Menschen beurteilen, welche von mehreren Linien der Länge einer vorgegebenen Vergleichslinie entspricht. Die richtige Antwort war ohne Mühe zu erkennen. Äußerten jedoch mehrere eingeweihte Teilnehmer zuvor geschlossen eine offensichtlich falsche Einschätzung, schloss sich ein beträchtlicher Teil der Versuchspersonen diesem Urteil an. Sie passten sich an.
Nicht, weil diese Menschen plötzlich schlechter sahen. Sondern weil es schwer ist, der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen, sobald alle anderen etwas anderes zu sehen behaupten. Der Konsens stiftet Gemeinschaft. Er gibt wohlige Sicherheit – und genau darin liegt auch seine bindende Kraft.

Die vermeintlich guten Gründe

Die Geschichte ist voll von Menschen, die den Raum verlassen haben, in dem alle einer Meinung waren.
Galileis Fall wird dabei allerdings gern falsch erzählt, als Licht gegen Finsternis. In Wahrheit hatten die Gelehrten seiner Zeit ein ausgezeichnetes Argument: Zöge die Erde tatsächlich ihre gewaltige Bahn um die Sonne, müssten sich die Fixsterne im Jahreslauf verschieben. Man sah nichts dergleichen. Der Einwand war korrekt, die Sterne waren nur unvorstellbar viel weiter entfernt, als irgendjemand ahnte. Die Lehre daraus: Der gefährlichste Konsens ist nicht der dumme. Es ist der, der vermeintlich gute Gründe hat!
Ignaz Semmelweis bemerkte 1847 in Wien, dass in der von Ärzten geführten Abteilung der Geburtsklinik weit mehr Frauen am Kindbettfieber starben als bei den Hebammen. Er zog den einzig möglichen Schluss und ordnete die Händedesinfektion an.
Die Sterblichkeit an Kindbettfieber brach von rund 18 auf 1 bis 2 Prozent ein. Man dankte es ihm nicht; man empfand seine Beobachtung als Beleidigung des Standes. Semmelweis starb 1865 in einer Anstalt – 17 Jahre, bevor die Bakteriologie ihm recht gab. Die Zahlen hatten von Anfang an gestimmt. Es hatte nur niemand Lust, sie zu lesen.

Unterschied zwischen Mehrheit und Beweis

Als 1931 eine Streitschrift zur Widerlegung der Relativitätstheorie mit dem Titel „Hundert Autoren gegen Einstein“ erschien, soll Einstein trocken bemerkt haben: Wäre er im Unrecht, hätte ein Einziger genügt.
Dieser Satz beschreibt den logischen Unterschied zwischen einer Mehrheit und einem Beweis. Eine Meinung wird nicht dadurch richtig, dass viele sie teilen. Sie wird dadurch nur teuer, ihr zu widersprechen.
Am 11. September 1933 erklärte Ernest Rutherford, der Entdecker des Atomkerns, wer aus der Umwandlung von Atomen Energie zu gewinnen hoffe, rede Unsinn.
Am nächsten Morgen las Leó Szilárd den Bericht, ging spazieren und begriff an einer Londoner Ampel, wie eine nukleare Kettenreaktion funktionieren müsste. Zwischen dem Urteil des bis dahin größten Fachmanns der Welt und seiner Widerlegung lagen ein Tag und ein Fußgängerübergang.
Die Kunst ist kein besserer Ort: Als Dave Brubecks Quartett ein Album ausschließlich mit ungeraden Taktarten vorlegte, hielt die Plattenfirma das für ein Experiment ohne Publikum. Tanzen könne man dazu nicht und was man nicht tanzen könne, kaufe niemand. Dann erschien „Take Five“, im Fünfvierteltakt geschrieben von Paul Desmond, und wurde die meistverkaufte Jazz-Single der Geschichte.
Nun die nüchterne Wahrheit, die das hohe Lied erst glaubwürdig macht: Die meisten, die dem Schwarm widersprechen, irren. Für jeden Semmelweis gibt es tausend Erfinder des Perpetuum mobile. Aber niemand, kein Gremium und kein Ministerium kann vorher wissen, welcher der tausend Sonderlinge der eine ist.

Die Meinung, auf die es ankommt

John Stuart Mill hat daraus 1859 die einzige haltbare Folgerung gezogen: Wir schützen die abweichende Meinung nicht, weil sie recht hat, sondern weil sie recht haben könnte. Wir müssen sie schützen, weil sie selbst im Irrtum meist ein Körnchen enthält, das der herrschenden Ansicht fehlt; und weil eine Wahrheit, die nie mehr bestritten wird, zu einem Bekenntnis erstarrt, das man nachplappert, ohne zu wissen, warum.
Wer den Preis des Widersprechens auch nur ein wenig erhöht, bekommt nicht weniger falsche Meinungen. Er bekommt einfach weniger Meinungen. Und unter denen, die dann fehlen, ist statistisch zwingend die eine, auf die es angekommen wäre.
Schlagen Sie Stellenanzeigen aus den Jahren um 2010 auf. Dort stand: „Wir suchen Querdenker.“ Es war das höchste Lob der Wirtschaft. Der Querdenker war der, der im Meeting die Frage stellte, die alle für erledigt hielten. Man stellte ihn ein, obwohl er unbequem war, und beförderte ihn, gerade weil er es war. Wer quer dachte, war teuer. So wurden oft auch Stars geboren. Innerhalb weniger Jahre wurde aus diesem Ehrentitel ein Vorwurf, aus dem Kreativen der Querulant.
Wer heute in einer Konferenz quer denkt, denkt einen Moment lang mit daran, wie das aussieht. Und so gilt in der Politik: Wer die Bedeutung eines Wortes beherrscht, beherrscht, was ohne Kosten gedacht werden kann. Das ist die billigste Form der Macht, und sie kommt ohne einen einzigen Paragrafen aus.

Gefangen in der Schweigespirale

Die Folgen werden aktuell gemessen: Kann man in Deutschland seine politische Meinung frei sagen, oder ist es besser, vorsichtig zu sein? Anfang der 1990er-Jahre antworteten fast vier von fünf Bürgern: „frei“.
Im Herbst 2025 waren es nach Allensbach noch 46 Prozent; 44 Prozent rieten zur Vorsicht. Die Mehrheit dieses Landes zählt sich also nicht mehr zu denen, die frei sprechen.
Elisabeth Noelle-Neumann hat den Mechanismus „die Schweigespirale“ genannt: Menschen spüren mit feinem Sinn, welche Meinung im Fallen ist, und verstummen, lange bevor sie in der Minderheit sind. Ihr Schweigen wird als Zustimmung gelesen, was das Schweigen verstärkt. Die Spirale dreht sich, ohne dass jemand sie drehen müsste.
Darum, ohne Zögern und ohne Angst: Die abweichende Meinung ist das Gold unserer Tage. Nicht, weil sie schöner glänzte, sondern weil sie selten ist, und weil das, worauf es später einmal ankommt, immer in ihr steckte und in keinem Konsens je gefunden wurde.
Man muss dieses Gold nicht anbeten. Man muss es aushalten, auch wenn es in einer Hand liegt, die man nicht schätzt.
Man muss die Menschen ehren, die es wagen, und den Mut haben, den es kostet. Und man muss, wenn es so weit ist, am Tisch sitzenbleiben, den Blick nicht senken und den Satz zu Ende sprechen.
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Elon Musk kontaktierte ihn: Uwe Boll über Citizen Vigilante, Zensur und Selbstjustiz

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Kaum ein deutscher Regisseur polarisiert seit Jahrzehnten so stark wie Uwe Boll. Seine Filme werden von Kritikern oft scharf abgelehnt, gleichzeitig haben viele Produktionen eine treue Fangemeinde gefunden.
Mit seinem neuen Spielfilm Citizen Vigilante greift Boll erneut ein gesellschaftlich kontroverses Thema auf: Kriminalität, staatliches Versagen und die Frage, wie weit ein Einzelner gehen darf, wenn das Vertrauen in den Rechtsstaat schwindet. Internationale Aufmerksamkeit erhielt der Film zusätzlich, als Elon Musk ihn zwei Tage lang weltweit kostenlos auf seiner Plattform X veröffentlichte.
Im Exklusivinterview mit Epoch Times, spricht Boll über die Hintergründe seiner Filme, politische Überzeugungen und persönliche Erfahrungen. Er erklärt auch, weshalb er bewusst kontroverse Themen aufgreift und den Vorwurf der Gewaltverherrlichung zurückweist.

Provokation als Teil seines Filmschaffens

Dass sein Name regelmäßig Kontroversen auslöst, nimmt Boll bewusst in Kauf. Schon früh habe er Filme gedreht, die aktuelle Konflikte aufgriffen und starke Reaktionen hervorriefen.
„Als unabhängiger Filmemacher mache ich manchmal Filme, die bewusst Kontroversen auslösen. Das war schon bei Postal, Rampage oder Assault on Wall Street so. Citizen Vigilante ist für mich nichts Neues – ich rühre gern im Wespennest.“
Provokation sei für ihn jedoch kein Selbstzweck. „Ich möchte beim Publikum Emotionen auslösen. Ich will nicht, dass die Leute sich langweilen oder sagen: ,So etwas habe ich schon 150.000 Mal gesehen.‘ Ich versuche Filme zu machen, die man nicht vergisst – im Guten wie im Schlechten.“

„Citizen Vigilante“ als gesellschaftlicher Spiegel

Der Vorwurf, sein neuer Film verherrliche Selbstjustiz, begleitet Boll seit der Veröffentlichung. Dies weist er entschieden zurück. Nach seiner Auffassung soll Citizen Vigilante keine Anleitung zur Gewalt sein, sondern ein Spielfilm, der eine gesellschaftliche Stimmung widerspiegelt.
„Ich wünsche mir, dass die Probleme vom Staat, von der Regierung und den zuständigen Behörden gelöst werden. Der Film trifft einen Nerv, weil die Menschen die Probleme sehen und gleichzeitig erleben, dass die Politiker sie nicht lösen“, sagte Boll.
Nach eigenen Angaben hätten ihn tausende Zuschriften erreicht. Zuschauer hätten geschrieben:
„Endlich zeigt jemand, was wirklich passiert.“
„Endlich konnte ich sehen, wie jemand gegen diese Gangster vorgeht.“
Gleichzeitig betont Boll, dass seine Hauptfigur keineswegs als Held dargestellt werde. Sanders sei ein einsamer ehemaliger Militärangehöriger, dessen Gewaltanwendung bewusst Grenzen überschreite.
„Er geht mit seiner Gewalt bewusst zu weit“, erklärte Boll. „Das habe ich absichtlich so gezeigt, um deutlich zu machen: Genau das wollen wir eigentlich nicht. Das Publikum soll sich selbst die Frage stellen: Geht er zu weit? Überschreitet er eine Grenze?“
Für Boll liegt genau darin die Stärke des Spielfilms: Er könne gesellschaftliche Konflikte zuspitzen und moralische Fragen stellen, ohne einfache Antworten vorzugeben. Als Beispiel nennt er Stanley Kubricks A Clockwork Orange, der ebenfalls bewusst provoziere und den Zuschauer mit ethischen Fragen konfrontiere.

Elon Musk machte den Film weltweit bekannt

Eine entscheidende Rolle für den internationalen Erfolg spielte nach Bolls Darstellung Elon Musk. Dieser habe den Trailer auf X entdeckt und sich anschließend von sich aus gemeldet. „Nicht wir haben ihn kontaktiert, sondern er meldete sich bei uns und fragte: ,Kann ich den Film pushen? Kann ich ihn veröffentlichen?’“
Obwohl der Film zwei Tage lang kostenlos verfügbar war, habe dies den späteren Verkauf nicht geschadet. Im Gegenteil: Anschließend habe Citizen Vigilante Spitzenplätze bei Amazon, Apple und anderen Plattformen erreicht. Boll sieht darin auch einen Beleg für die Loyalität vieler Zuschauer.
Über Musk selbst sagt der Regisseur: „Ich glaube, er ist der einzige Milliardär, dem es egal ist, ob seine politischen Ansichten seinem eigenen Vermögen schaden. Er sagt einfach, was er denkt.“
Persönlich begegnet seien sich beide nie; der Kontakt habe ausschließlich über Direktnachrichten auf X stattgefunden.

Boll würde den Film seinen Kindern nicht empfehlen

Ausführlich spricht Boll auch über die Grenzen künstlerischer Freiheit. Grundsätzlich lehnt er staatliche Verbote von Filmen ab. Erwachsene müssten selbst entscheiden können, was sie sehen möchten. „Wenn man 18 Jahre alt ist, sollte man selbst entscheiden können, was man sehen möchte.“
Gleichzeitig betont er, dass persönliche moralische Grenzen dennoch bestehen. So würde er niemals einem Tier für einen Film Schaden zufügen und auch Citizen Vigilante nicht seinen eigenen Kindern empfehlen.

Migration, Medien und die Rolle des Films

Im weiteren Verlauf des Gesprächs weitet Uwe Boll den Blick über seinen Film hinaus und spricht über Themen wie Migration, öffentliche Sicherheit, Medienberichterstattung und soziale Netzwerke. Er macht dabei deutlich, dass es sich um seine persönliche Einschätzung gesellschaftlicher Entwicklungen handelt.
Nach seiner Auffassung habe sich das Sicherheitsgefühl in Europa in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Als Beispiel nennt er die heute deutlich stärkeren Sicherheitsmaßnahmen auf Weihnachtsmärkten und bei öffentlichen Veranstaltungen.
„Als wir aufgewachsen sind, gab es auf Weihnachtsmärkten oder überhaupt in den Innenstädten keinerlei Sicherheitskontrollen. Heute stehen dort überall schwer bewaffnete Sicherheitskräfte.“
Boll führt diese Entwicklung auf die Zuwanderung aus islamisch geprägten Ländern zurück und kritisiert, dass Politik und Medien seiner Ansicht nach bestimmte Probleme nicht offen genug ansprechen würden. Er betont zugleich, dass sich seine Kritik gegen radikale Strömungen richte und nicht gegen Muslime insgesamt.

Gewalt im Alltag statt nur im Kino

Auch die zunehmende Gewaltdarstellung in Film und Fernsehen sieht Boll kritisch. Während Serien seiner Jugend vergleichsweise zurückhaltend gewesen seien, gehörten heute explizite Gewaltszenen fast zum Standard.
„Das allgemeine Gewaltniveau ist drastisch gestiegen.“
Noch problematischer als Spielfilme seien für Boll jedoch soziale Medien. Kinder und Jugendliche würden dort täglich mit echten Gewaltvideos und schockierenden Bildern konfrontiert.
„Kinder sehen heute ununterbrochen echte Unfälle und Gewaltszenen im Internet. Das stumpft sie ab. Ich finde das schrecklich.“

Selbstkritik statt Selbstinszenierung

Rückblickend räumt Boll ein, dass einige seiner frühen Videospielverfilmungen von stärkeren Drehbüchern profitiert hätten. „Ich habe nie behauptet, dass jeder meiner Filme perfekt ist.“
Gleichzeitig verweist er darauf, dass Filme wie Darfur, Tunnel Rats oder Assault on Wall Street häufig besser gewesen seien, als viele Kritiker ihnen zugestanden hätten. Nach seiner Wahrnehmung sei sein Name für manche Rezensenten bereits zum Vorurteil geworden.

Zwischen Rechtsstaat und Selbstjustiz

Auf die Frage, was gefährlicher sei – ein Staat, der seine Bürger nicht ausreichend schütze, oder Bürger, die das Recht selbst in die Hand nähmen –, lehnt Boll Selbstjustiz ausdrücklich ab. Gleichzeitig warnt er davor, dass das Vertrauen in Polizei und Justiz verloren gehe.
„Natürlich bin ich dagegen, dass Menschen das Gesetz selbst in die Hand nehmen. Aber wenn die Menschen das Gefühl haben, vom Staat keine Gerechtigkeit mehr zu bekommen, ist das genauso problematisch.“
Als Auslöser für Citizen Vigilante nennt Boll einen Hamburger Vergewaltigungsfall und die öffentliche Reaktion darauf. Diese Ereignisse hätten ihn schließlich dazu bewegt, das Drehbuch zu schreiben. „Ich lebe in der Realität“, sagte er.
Zum Ende des Gesprächs wird der Regisseur persönlich. Er wünsche sich, dass selbst seine schärfsten Kritiker seine Filme nicht nur über sein Image beurteilen, sondern über die Themen, die sie behandeln.
„Ich bin kein Filmemacher, der einfach provozieren oder schockieren will. Ich lebe in der Realität – und genau dort entstehen auch meine Filme.“
Jeder seiner Stoffe gehe auf ein konkretes gesellschaftliches Ereignis oder eine persönliche Beobachtung zurück.
„Ich setze mich nicht einfach hin und schreibe irgendeinen Krimi zur Unterhaltung. Hinter jeder Geschichte steht etwas, von dem ich glaube, dass es erzählt werden muss.“
Ob man Uwe Bolls Einschätzungen teilt oder ihnen entschieden widerspricht: Für Boll selbst sollen Filme Diskussionen auslösen, gesellschaftliche Entwicklungen spiegeln und Fragen stellen, auf die es oft keine einfachen Antworten gibt. Mit Citizen Vigilante setzt Boll diesen Weg fort und nimmt dabei bewusst in Kauf, erneut zu polarisieren.
 
Anm. d. Red.: Christian Peschken ist Journalist und Filmemacher mit über 40 Jahren Erfahrung. Uwe Boll kennt er persönlich aus der gemeinsamen Zeit in Hollywood seit den 1990er Jahren.
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Prof. Patzelt: Merz hat den Instinkt verloren, wie erfolgreiche Politik funktioniert

Der Kanzler hatte vor, den Rücktritt von Jens Spahn zu nutzen, um ein personelles Aufbruchssignal für die Koalition zu setzen. Stattdessen braut sich Unmut in der Union über Merz’ Vorgehen zusammen. Was das für die CDU und die Zukunft der Regierung bedeuten könnte, fragte Epoch Times den Politikwissenschaftler Prof. Dr. Werner J. Patzelt.
Herr Patzelt, worauf genau ist der Unmut an der CDU-Basis zurückzuführen? Inzwischen soll es daher auch erste Parteiaustritte geben. Was könnte sich daraus noch entwickeln?
Der Unmut in der Partei ist nicht allein, doch eben auch darauf zurückzuführen, dass personelle Entscheidungen nicht mit der notwendigen politischen Kommunikation begleitet worden sind. Dass der Kanzler sich um einen neuen Fraktionsvorsitzenden kümmern muss, wenn der alte zurücktreten musste, hat jeder eingesehen. Aber nicht jeder hat eingesehen, warum der Verkehrsminister aus dem Amt abgesetzt werden musste.
All das muss der Öffentlichkeit erläutert werden. Doch damit hat der Kanzler immer wieder seine Probleme.
Obendrein traf der Unmut über die Personalentscheidungen des Kanzlers auf den schon vorhandenen Unmut über dessen Kurs in Bezug auf die Brandmauer zur AfD. Dieser Kurs wird zu weiteren Wahlniederlagen der CDU führen, gerade in den neuen Bundesländern.
Der Kanzler hingegen tut so, als sei die Fortsetzung des bisherigen Kurses alternativlos richtig. Das verunsichert viele in der Partei, die viel Lebenszeit in ihre politischen Karrieren verwendet haben und nun ihre politische Zukunft schwinden sehen – und das ausgerechnet unter der Führung eines Kanzlers, der als Hoffnungsträger aufgetreten ist.
Hinzu kommt, dass eine misslungene Kommunikation ein Klima der Orientierungslosigkeit schafft, das seinerseits Vorbehalte gegenüber den getroffenen Entscheidungen weckt.
Und das Verfahren, das Merz gegenüber dem scheidenden Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder gewählt hat, untergräbt zudem das Vertrauen in einen seinerseits menschlich verlässlichen Umgang. Das werden künftig viele bedenken, wenn sie der Kanzler um etwas bittet. Wie sehr ihm das anhängen wird, zeigt die eigentlich unerhörte Ausladung, die Merz vom rheinland-pfälzischen Landesverband der CDU widerfuhr.
Wenn es so weit gekommen ist, dass persönliche Vorbehalte gegenüber den Unzulänglichkeiten eines Kanzlers auch noch zum Affront gegenüber dem eigenen Regierungschef führen, dann ist eine Krise schon ziemlich weit fortgeschritten.

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Welcher Wunsch könnte dahinter stehen, dass der Kanzler so schnell eine neue Personalie präsentieren wollte?
Das war wohl die Absicht, in einer kritischen Lage nicht zu zaudern und zu zögern, sondern eine Krise durch schnelle Entscheidungen zu bewältigen. Das ist grundsätzlich lobenswert. Es sollte dann aber schon auch ein Plan dahinter stehen, der außerdem gemäß den Kriterien des politischen Spiels kompetent umgesetzt wird. Vermutlich hat der Kanzler sich über einen solchen Plan und ein angemessenes Verfahren nicht ausreichend mit seinen Beratern abgestimmt.
Wie viel Risiko und wie viel Chance sehen Sie in den Veränderungen für Partei, Fraktion und Kabinett? Kann sich die Personalrochade am Ende positiv auf die Umfragewerte der CDU auswirken?
Die Rochade selbst wohl nicht. Doch wenn das Ansehen der Union nach den Landtagswahlen im Herbst ganz im Keller ist, wenn sich gar die Union zu spalten anfängt über die Frage, ob sie in Anti-AfD-Koalitionen mit der Linken gehen soll oder nicht, wird es wohl die Chance auf eine grundlegende strategische Diskussion innerhalb der Union geben. Dann gibt es endlich auch die Chance, dass Fehler der Vergangenheit klar benannt und die Weichen für eine hoffentlich bessere Zukunft sowohl der CDU als auch des Landes gestellt werden.
Allerdings hat Merz mit der Versetzung von Carsten Linnemann vom Amt des CDU-Generalsekretärs in das des Gesundheitsministers, das dann auch der Kabinettsdisziplin unterliegt, wohl den letzten Mann verloren, der von außen her als Integrations- und Antreiberfigur der Union hätte wirken können. Nun aber sitzt Linnemann auf einem Ministerposten, von dem er vor einiger Zeit noch selbst sagte, dass er dort nicht glänzen könne. Diese ganze Personalpolitik ist unschlüssig und wird sich wahrscheinlich nicht wie eine neue Raketenstufe für das „Raumschiff Bundesregierung“ auswirken.
Der CDU-Finanzpolitiker Fritz Güntzler zog seine Zusage für den Posten des Verkehrsministers mit der Begründung zurück, dass ihm die nötige Expertise fehle. Ist das heute noch wirklich entscheidend, was man an fachlicher Qualifikation mitbringt?
Zwar muss ein Finanzminister keine Steuererklärung ausfüllen, ein Verteidigungsminister keinen Panzer fahren und ein Gesundheitsminister keinen Blinddarm operieren können. Doch ein Grundverständnis der Regelungsmaterien eines Ministeriums und ihrer Komplexität ist natürlich erforderlich. Manches davon kann man sich im Laufe der Zeit durchaus neu aneignen. Die Kernkompetenz in ministerieller Führungstätigkeit ist ohnehin das Zusammenführen von unterschiedlichen Menschen, die ihre eigenen Kompetenzen haben; dazu kommen das frühzeitige Erkennen von Problemen, das Einbinden von Konkurrenten und Andersdenkenden, die Kommunikation mit Journalisten und das verständliche Erklären gegenüber der Öffentlichkeit darüber, warum was gemacht oder unterlassen wird.
In zweiter Linie kommt dann aber sofort das Fachliche. Also muss man es sich unbedingt rasch aneignen. Mir scheint freilich, dass der Rückzug des kurzfristig designierten Verkehrsministers nicht wirklich aus fachlichen Gründen erfolgt ist. Güntzler bemerkte offensichtlich, dass er auf ein Minenfeld geschickt werde. Trotzdem ist es ein Ärgernis, wenn jemand dem Kanzler erst eine Zusage gibt und sie dann nach einigen Stunden wieder zurückzieht. Das zeugt von fehlender Ernsthaftigkeit beim Umgang mit einem Karriereangebot.
Allerdings war es auch keine gute Idee des Kanzlers, jemanden eilends aus dem Urlaub ins Bundeskanzleramt zu holen und ihn mit einem Angebot zu konfrontieren, das durchaus einige Bedenkzeit braucht, bei dem in der gegebenen Situation eine sofortige abschlägige Antwort aber schwer möglich ist. Und so kam es dazu, dass der Kanzler einem Minister seine Entlassung bereits angekündigt hatte, dann aber nicht sofort einen Nachfolger präsentieren konnte. Da ist beiderseits vieles falsch gelaufen.
Laut Medienberichten soll Merz am Montag in der CDU-Bundesvorstandssitzung vom Bremer Landesvorstand hart angegangen worden sein, mit dem Verweis darauf, dass man die Partei nicht wie ein Unternehmen führen könne. Wie verstehen Sie diese Kritik?
Sie trifft den Kern der Sache. In der Spitzenpolitik gibt es keine Angestellten, die einfach um eines guten Gehalts willen arbeiten. Vielmehr ist in der Politik die Identifikation mit der eigenen Partei und jenem Teil des Machtapparates sehr wichtig, in dem man tätig ist. Bei alledem verfolgt ein jeder eigene Karriereziele und steht in der Dialektik von Konkurrenz und Loyalität, von Opportunitätsentscheidungen und grundsätzlichen Erwägungen. Das alles macht das Politikgeschäft ziemlich einzigartig und zweifellos reizvoll.
In diesem Geschäft zählen erlebte Verlässlichkeit, Vertrautheit und Kameradschaft aus gemeinsamen Lebensabschnitten, doch auch Erfahrungen von Treulosigkeit und Hintergangenwerden. Weil das alles noch mehr als finanzieller Geschäftserfolg zählt, darf man eine Partei oder Regierung nicht führen wie ein Unternehmen, wenn man mittel- und längerfristig Erfolg haben will. Kanzler Merz war anscheinend zu lange in der Privatwirtschaft tätig und hat den Instinkt dafür verloren, wie man in der politischen Spitze und der dortigen dünnen Luft erfolgreich Politik macht.
Die SPD äußert sich weitgehend nicht zum Regierungs- und Parteiumbau der CDU. Welche Ursachen könnte das haben? Und wird der Umbau zu einer konstruktiveren Arbeit in der Regierung und zu schnelleren Reformen führen?
Wenn ausgerechnet die ausgeschiedenen CDU-Politiker die größten Hindernisse für die Zusammenarbeit in der Koalition gewesen wären, dann könnte man hoffen, dass dieser Umbau bei der CDU die Koalition voranbringt. Doch eher waren es die SPD-Minister, welche einstige Hoffnungen auf einen Politikwechsel haben zerstieben lassen.
Und weil nun einmal gilt „mitgefangen, mitgehangen“, sind eben beide Parteien im Sinkflug. Jedenfalls hat auch die SPD gemerkt, dass sie bei den Landtagswahlen in diesem und im kommenden Jahr nur dann einen weiteren Niedergang vermeiden kann, wenn es dem Land insgesamt besser geht und sie nachweislich einen konstruktiven Beitrag dazu leistet.
Vor allem deshalb scheint sie die jetzige Schwächeposition des Kanzlers und der Union nicht auszunutzen. Vermutlich weiß sie auch, wie wirkungsvoll die Union jene SPD-Minister kritisieren könnte, die an wichtigen Stellen im Kabinett für die Verteilung und Verausgabung der durch Staatsverschuldung üppig verfügbar gemachten Finanzmittel große Verantwortung tragen.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Erik Rusch.