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Warum Knochen- und Muskelschwund nicht nur eine Folge des Alterns sind


In Kürze:

  • Osteoporose und Sarkopenie – also Knochen- und Muskelschwund – nehmen bereits in jüngeren Jahren ihren Anfang.
  • Knochen und Muskeln wachsen durch Belastung. Fehlt diese, verkümmern sie.
  • Auch die Biochemie von Knochen und Muskeln bestimmt, ob sie schwinden oder wachsen.
  • Doch gesunde Knochen und Muskeln brauchen nicht nur Sport und eine gute Ernährung, sondern auch Energie in den Zellen.

 
Der Abbau von Knochen, Muskeln und Kraft gehört zu den folgenschwersten Aspekten des Alterns. Denn Gebrechlichkeit ist einer der stärksten Prädiktoren für Pflegebedürftigkeit und Tod nach dem 65. Lebensjahr. 
Doch glücklicherweise kann man diesem Abbau sehr gut entgegenwirken und ihn sogar umkehren. Personen, die ihre muskuloskelettale Kraft erhalten, sind laut Studien weitaus besser in der Lage, auch vieles andere länger zu bewahren: Unabhängigkeit, Gleichgewicht, Stoffwechsel und sogar die kognitive Widerstandsfähigkeit, die sich aus körperlicher Leistungsfähigkeit ergibt.
Um diesen Verfall umzukehren, bedarf es einer umfassenderen Perspektive. In meiner Praxis prüfe ich jeden Patienten anhand des ACES-Modells für Gesundheit und Medizin. Dieses Modell beschreibt vier Dimensionen, die beeinflussen, wie der Körper im Laufe der Zeit seine Struktur bewahrt oder verliert – Anatomie, Chemie, Energie und Seele.
Knochen- und Muskelschwund ist selten auf ein Versagen in nur einer dieser Dimensionen zurückzuführen. Die Behandlung von nur einer oder zwei Dimensionen – hier ein Rezept, dort ein Nahrungsergänzungsmittel – kann oftmals nicht verhindern, dass viele ältere Patienten immer wieder stürzen und Belastungen des Alltags nicht mehr gewachsen sind.

Anatomie: Der Körper wird durch das geformt, was man von ihm verlangt

Knochen und Muskeln sind lebendes Gewebe und reagieren direkt auf Belastung: Widerstand, Stöße und Gewicht, die das Gewebe wirklich herausfordern.
Nimmt man das weg, erhalten die Osteoblasten – die Zellen, die Knochen aufbauen – einfach keinen Befehl mehr, zu arbeiten.
Für die Muskeln gilt dieselbe Regel, mit einer gravierenden Ergänzung: Der Körper baut aktiv Gewebe ab, das er als entbehrlich einstuft. Ab etwa dem 40. Lebensjahr werden die Muskeln zunehmend unempfänglich für die Signale, die sie einst aufgebaut haben, wie etwa Bewegung oder Protein aus der Nahrung. Dieses Phänomen wird in der Fachsprache als anabole Resistenz beschrieben. 
Das bedeutet vereinfacht, dass dasselbe Protein und Training, die mit 30 noch zum Muskelaufbau führten, mit 60 nicht mehr ausreichen. Wer den Reiz nicht verstärkt, verliert jedes Jahr ein wenig mehr an Muskelmasse.
Das moderne Leben beschleunigt all diese physiologischen Veränderungen. Der durchschnittliche Erwachsene sitzt heute ungefähr zehn Stunden pro Tag. Die Hüftbeuger verkürzen sich, die Gesäßmuskeln werden inaktiv, der obere Rücken rundet sich nach vorne und die hintere Muskelkette, also die gesamte Muskulatur der Körperrückseite – das strukturelle Rückgrat der menschlichen Bewegung sozusagen –, verkümmert.

Tipps, was Sie tun können

Geben Sie Ihrem Skelett und Ihren Muskeln einen Anreiz, zu bleiben. Für die meisten Erwachsenen heißt das: Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche. Das bedeutet,  große Muskelgruppen mit einem sinnvollen Gewicht, gepaart mit einer leichten Stoßbelastung, zu trainieren. Selbst etwas so Einfaches wie auf den Zehenspitzen oder Fersen stehen, kann den Knochen dazu anregt, sich zu erneuern. 
Sie müssen die Belastung im Laufe der Zeit steigern, denn Muskeln und Knochen passen sich an den Reiz an, nicht an Wiederholungen. Wenn Sie noch keine Erfahrung mit Krafttraining haben, beginnen Sie unter Anleitung eines Trainers oder Physiotherapeuten, der Ihnen sichere Übungen empfehlen kann.

Chemie: Was Ihr Blut Ihnen verrät

Die Biochemie von Knochen und Muskeln wird selten eingehend untersucht – da sie normalerweise über die Standard-Laboruntersuchungen hinausgeht.

Vitamin D

Der optimale Serumspiegel von Vitamin D liegt zwischen 30 und 50 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml). Unterhalb dieses Wertes stockt die Kalziumaufnahme. Um die Funktion des Bewegungsapparats aufrechtzuerhalten, empfehle ich allerdings 50 bis 80 ng/ml.
Schnell zuckende Fasern brauchen Vitamin D. Mit ihm sind sie schnell und stark genug, um uns aufzufangen, wenn wir stolpern. Deshalb äußert sich ein Vitamin-D-Mangel nicht nur in Knochenschwund, sondern auch in echter Muskelschwäche und -unsicherheit, was zu einem deutlich höheren Sturzrisiko führt.

Vitamin K2 

Vitamin K2 leitet Kalzium in die Knochen und weg von den Blutgefäßen. Ein Patient, der Kalzium und Vitamin D ohne K2 einnimmt, baut möglicherweise schwache Knochen auf und lässt gleichzeitig seine Arterien verkalken.

Magnesium

Der Körper benötigt Magnesium, um Vitamin D zu aktivieren und Muskeln anzuspannen. Gleichzeitig hilft Magnesium, den Spiegel des Hormons Parathormon zu regulieren, der den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel steuert. 
Ein subtiler Mangel äußert sich in Krämpfen, unruhigem Schlaf und unerklärlicher Müdigkeit.

Protein

Protein brauchen wir, um die Muskelmasse zu erhalten. Erwachsene über 40 benötigen etwa 1,2 bis 1,5 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Dabei ist nicht nur die Gesamtzufuhr wichtig, sondern auch, dass wir das Protein über den Tag verteilt und nicht in einer großen Mahlzeit aufnehmen.

Hormone

Hormone sind für den Erhalt von Knochen und Muskeln unerlässlich, nehmen aber im mittleren Alter ab. Dazu gehören unter anderem IGF-1 (insulinähnlicher Wachstumsfaktor 1), Wachstumshormon, DHEA (Baustein für die Produktion wichtiger männlicher und weiblicher Sexualhormone, darunter Testosteron und Östrogen) sowie Schilddrüsenhormone.
Den Hormonhaushalt zu bestimmen und – sofern klinisch angebracht – wiederherzustellen, kann zu Ergebnissen führen, die kein Trainingsprogramm allein erreichen kann.

Tipps, was Sie tun können

Bitten Sie Ihren Arzt um eine Untersuchung, die über das Wesentliche hinausgeht: Vitamin D, Magnesium (idealerweise Magnesium in den roten Blutkörperchen) und, je nach Ihrer Krankengeschichte, die relevanten Hormone. 
Beziehen Sie den Großteil Ihres Proteins aus proteinreichen Vollwertnahrungsmitteln. Eine gute Quelle sind unter anderem
  • Eier,
  • Geflügel, 
  • Rinderfleisch, 
  • frischer oder konservierter Thunfisch oder Lachs,
  • griechischer Joghurt. 
Essen Sie bei jeder Mahlzeit proteinreiche Lebensmittel und versuchen Sie nicht, die benötigte tägliche Proteinmenge nur bei einer Mahlzeit zu sich zu nehmen.
Betrachten Sie Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin D und K2 sowie Magnesium als gezielte Korrektur gemessener Mangelzustände und nicht als wahlloses Einnehmen von Tabletten. Gehen Sie eine Hormontherapie als eine sorgfältige Entscheidung an, die Sie gemeinsam mit einem sachkundigen Arzt treffen.

Energie: Die Kraft zum Wiederaufbau

Selbst ein makelloses Training und eine perfekte Ernährung können scheitern, wenn dem Körper die zelluläre Energie fehlt, um darauf zu reagieren. Der Aufbau von Knochen und Muskeln ist stoffwechseltechnisch aufwendig und hängt von gesunden Mitochondrien ab – den Kraftwerken unserer Zellen.
Personen mit chronischer Müdigkeit, anhaltenden postviralen Syndromen oder erheblicher toxischer Belastung verlieren laut Untersuchungen schneller an Muskel- und Knochenmasse. Das kommt dadurch, dass die zelluläre Energie für deren Wiederaufbau beeinträchtigt ist.
Der Wiederaufbau findet im Schlaf statt, denn der Körper schüttet Wachstumshormone vor allem im Tiefschlaf aus. Genau während dieser Zeit baut der Körper Muskelproteine auf, baut altes Knochengewebe ab und ersetzt es durch neues.
Sechs Stunden Schlaf können nicht das leisten, was acht Stunden ermöglichen, ganz gleich, wie diszipliniert Ihr Training auch sein mag.

Tipps, was Sie tun können

Stellen Sie sicher, dass sie ausreichend schlafen: 
  • Halten Sie regelmäßige Schlafenszeiten ein, 
  • sorgen Sie für ein dunkles und kühles Schlafzimmer,
  • verzichten Sie spätabends auf Bildschirme und auf Alkohol, da beides den Tiefschlaf beeinträchtigt. 
Wenn Ihre Müdigkeit in keinem Verhältnis zu Ihrem Leben zu stehen scheint, nehmen Sie sie ernst, anstatt sie einfach zu ignorieren. Fragen Sie Ihren Arzt zusätzlich nach Schilddrüsen-, Eisen- und B12-Werten sowie – sofern Ihre Vorgeschichte dies nahelegt – nach umweltbedingten und stoffwechselbedingten Faktoren.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Why Bone and Muscle Loss Is More Than Just Aging“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Geheimnisse des Lebens: Was wir gewinnen, wenn wir älter werden

Seit einigen Jahren schneide ich meine Haare kürzer, da sie mit der Zeit dünner geworden sind. Eines Tages, in nicht allzu ferner Zukunft, werde ich sie wohl komplett rasieren müssen. Als Teenager hatte ich noch dichte, dunkle Locken. Diese Zeit kommt mir vor, als wäre sie gestern gewesen. Allerdings ist schon ein Jahrzehnt vergangen.
Der Verlust meiner Haare hat mich überrascht. Ich dachte, ich müsste mir erst in meinen Vierzigern oder Fünfzigern darüber Sorgen machen. So viel Glück hatte ich dann wohl doch nicht. Und doch bin ich in gewisser Weise – zumindest in guten Momenten – dankbar dafür. Dadurch wurde mir bewusst: Das Leben vergeht sehr schnell und ich sollte jeden Moment wertschätzen. Jedes Mal, wenn ich jetzt in den Spiegel schaue, werde ich an meine Sterblichkeit erinnert – mein persönliches Memento mori.
Natürlich bin ich keineswegs alt. Aber das erste Kapitel meines Lebens ist bereits abgeschlossen und es ist viel schneller vergangen, als ich erwartet habe. Ältere und Weisere sagen mir, dass es im ganzen Leben so ist – es vergeht schneller, als wir uns vorstellen können.
Doch was fangen wir mit dieser Erkenntnis an?
Mir scheint, das Altern erfordert eine ständige Anpassung der Perspektive, denn wir alle altern permanent. Nachdem ich das frühe Erwachsenenalter hinter mir gelassen habe, muss ich über meine derzeitige Rolle im Leben nachdenken. Mit zwei kleinen Töchtern spüre ich, dass sich meine Aufmerksamkeit zunehmend auf sie verlagern muss.
Im Teenageralter oder den frühen Zwanzigern fühlt man sich noch wie der Held in der eigenen Geschichte. Jetzt erkenne ich jedoch, dass ich mich als Vater darauf konzentrieren muss, die Geschichte von jemand anderem zu fördern. Und darin liegt wohl eine tiefere Freude als in der Selbstbezogenheit der Jugend. Wenn Geben erfüllender ist als Nehmen, dann sollte ich umso erfüllter sein, je älter ich bin und je mehr Weisheit und Ressourcen ich an andere weitergeben kann.

Was die moderne Kultur über das Altern sagt

Mit zunehmendem Alter und Weisheit erwachsen viele Segnungen und Vorteile. Nur sind es nicht jene, die wir typischerweise in der Populärkultur lobpreisen. Unsere Kultur schätzt das Altern nicht besonders. Entlehnen wir unsere Orientierung von der Mainstream-Musik und den meisten Filmen, glauben wir, dass es darauf ankomme, so lange wie möglich jung, attraktiv und vorzugsweise wohlhabend zu sein – und das am besten für immer. An der Spitze der Billboard-Charts stehen Lieder, die größtenteils Themen behandeln, die mit der Jugend verknüpft sind: Partys feiern, trinken, sich verlieben, sich trennen.
In dieser Welt der Popmusik scheint sich alles Interessante im Alter zwischen 15 und 35 Jahren abzuspielen. Wenn in einem Lied der Körper einer Person erwähnt wird, dann geht es selten um Falten. Es gibt nur wenige Lieder über friedliche und erfüllte Ehen oder über Paare, die gemeinsam das mittlere oder hohe Alter erkunden, statt sich ständig neu zu verlieben, sich gerade zu trennen oder sich jedes Wochenende zu betrinken.
Dieses in der Popmusik vermittelte Bild der Jugend ist nicht ganz zutreffend. Abgesehen von ein paar Jahren im Studium können die meisten von uns kein immerwährendes Partyleben führen oder ständig leidenschaftliche Romanzen erleben. Doch selbst wenn dieses Bild tatsächlich auf die Jugend zuträfe, wäre es nur eine Momentaufnahme eines ziemlich kurzen Lebensabschnitts. Das hieße, der Höhepunkt der menschlichen Erfahrung läge im Alter von etwa 20 Jahren und alles Weitere wäre nur eine enttäuschende Nachspielzeit. Ein großer Teil der Popkultur existiert in einer Welt wie „Nimmerland“, in der niemand jemals älter wird oder sich Gedanken über die Bedeutung des Alterns macht.

Die Transformation der Jahre

Natürlich existiert „Nimmerland“ nicht und Gevatter Zeit ist unbesiegbar. Niemand bleibt ewig jung. „Alle Feuer erlöschen früher oder später“, schreibt die norwegische Literaturnobelpreisträgerin Sigrid Undset gegen Ende von „Kristin Lavransdatter“. Ihre historische Romantrilogie erzählt von den Konsequenzen jugendlicher Leidenschaft und davon, wie diese unweigerlich in Bitterkeit und Bedauern umschlägt oder sich in etwas völlig anderes, Transzendenteres verwandelt.
Am Anfang von Platons „Staat“ diskutieren Sokrates und ein alter Mann namens Kephalos über das Alter. Da Sokrates ein weiser Mann ist und Respekt vor den Alten hat, sagt er: „Wirklich, Kephalos, antwortete ich, unterhalte ich mich gern mit besonders alten Männern; denn ich meine, man muß sich bei ihnen erkundigen als Vorgängern auf einem Pfade, den auch wir vielleicht werden gehen müssen, wie derselbe beschaffen ist, ob rauh und beschwerlich oder leicht und bequem. Und so möchte ich auch dich fragen, was du davon hältst, da du bereits die Jahre erreicht hast, welche die Dichter als ‚Schwelle des Alters‘ bezeichnen, ob für einen beschwerlichen Teil des Lebens, oder was du sonst darüber aussagst?“
Kephalos hat eine unerwartete Perspektive. Er antwortet, dass er im Alter eine neu gefundene Freiheit entdeckt habe, da die Begierden und Leidenschaften, die ihn in der Jugend gequält hätten, abgeklungen seien. Im Alter habe man „in diesen Beziehungen vollkommenen Frieden und Freiheit. Wenn nämlich die Anspannung durch die Begierden aufgehört hat und sie nachgelassen haben, so wird allerdings das Wort des Sophokles wahr: von sehr zahlreichen tollen Gebietern kommt man los“.

Wunderschöne Geschichten, wunderschöne Seelen

Dieser Frieden geht Hand in Hand mit der Verringerung der körperlichen Kräfte. Während wir altern, schwindet die Anmut aus dem Körper wie ein sterbendes Abendglühen. Dies ist kein leichter Verlust. Es wird immer etwas Schauderhaftes am Altern geben, es wird immer den Hauch des Grabes mit sich bringen. Es ist herzzerreißend, das Prinzip des Verfalls in unseren eigenen Körpern und den Körpern derer, die wir lieben, am Werk zu sehen.
Und doch besteht eine umgekehrte Beziehung zwischen dem Niedergang des Körpers und dem Wachstum der Seele. Und darin liegt eine Hoffnung, die den Verfall vielleicht überwinden kann. Die Anmut des Körpers verblasst, ja. Aber die Schönheit ist nicht verschwunden. Sie zieht sich lediglich nach innen zurück, wie der Keim des Lebens im Winter, verborgen in der Erde. Wenn ein Mensch gut gelebt hat, verinnerlicht er seine äußere Schönheit und vervollkommnet sein Herz.
Es ist allerdings auch nicht völlig wahr, dass ein alter Körper keine Schönheit besitzt. Zugegebenermaßen ist es eine andere Art von Schönheit. Die Linien des Gesichts, die Beugung des Rückens, die Flecken auf der Haut – was sind all diese Dinge, wenn nicht das Zeugnis eines erfüllten Lebens, geschrieben auf den Körper? Der ältere Körper trägt die Zeichen all der getragenen Lasten, durchstandenen Leiden, erlittenen Verluste und angenommenen Freuden. In einem erfüllten Leben ist das eine schöne Sache.
Mein 2010er Toyota Corolla hat mehrere Hageldellen auf der Motorhaube und dem Dach. Ich werde sie niemals reparieren lassen und werde dieses Auto auch niemals verkaufen. Sie entstanden, als ein ungewöhnlicher Sturm von den Ebenen im westlichen South Dakota aufzog. Meine Frau und ich waren in unseren Flitterwochen. Diese Spuren haben eine Bedeutung. Sie sind Teil unserer Vergangenheit, ein einzigartiges Zeichen, das kein anderes Fahrzeug hat oder haben könnte. Sie sind wie die Falten oder das dünner werdende Haar – wenn wir sie an uns selbst oder unseren Geliebten sehen, werden sie zu Objekten der Liebe statt des Hasses, die wir gemeinsam erlebt haben. Diese Zeichen sind wie kleine Webknoten im großen Wandteppich des Lebens, der auf dem Webstuhl der Zeit entsteht.
Alte Häuser haben schiefe Linien, verwitterte Farbe, schräge Böden und vermackte Holzteile – wir nennen das „Charakter“. Das Haus ist nicht so glatt und makellos wie ein Neubau, aber es hat etwas, das das neue Haus nicht hat: Erinnerungen, Geschichte, Durchhaltevermögen und Bedeutung sind in seine blanken Oberflächen eingraviert. Jeder Makel macht das Haus einzigartig. Dies ist ebenso auf den älteren Menschen zutreffend. Ein erfülltes Leben gipfelt – so ist zu hoffen – in einem alten Mann oder einer alten Frau mit Charakter. Er oder sie besitzt tiefe Brunnen, gefüllt mit Erfahrung, Weisheit und Tugend, die in der Jugend noch nicht vorhanden waren.

Die Welt erwacht zum Leben

Es gibt die Veränderungen des Körpers und es gibt die Veränderungen des Geistes  – letztere sind leichter in einem positiven Licht zu sehen. Hierbei handelt es sich natürlich um das sprichwörtliche Wachstum an Weisheit. Aber es gibt noch mehr als das, zumindest laut G. K. Chesterton. Es entsteht eine Verschiebung der Perspektive: Die Welt erwacht noch stärker zum Leben, während man altert. In seinem Werk „On the Pleasures of No Longer Being Very Young“ [Über die Freuden, nicht mehr sehr jung zu sein] schrieb er:
„Ein Genuss des Älterwerdens ist, dass vieles jünger zu werden scheint; frischer und lebendiger, als wir es einst annahmen. […] Es ist etwas Besonderes, in einer Welt voller lebendiger und bedeutungsvoller Dinge zu leben, anstatt in einer Welt toter und bedeutungsloser Dinge. Und es ist die rebellische Jugend, selbst die gerechte, die ihre Umgebung als tot und bedeutungslos wahrnimmt. Es ist das Alter, ja sogar die zweite Kindheit, die erkennt, dass alles einen Sinn hat und dass das Leben selbst niemals gestorben ist.“
Dies erinnert mich an meinen Großvater, der in seiner Jugend und im mittleren Alter ein geschäftiger, hochproduktiver Mann war. Dafür habe ich großen Respekt. Jetzt findet er Freude daran, die Vögel von seiner Terrasse aus zu beobachten. Ich vermute, in seiner Jugend hätte er kein großes Interesse daran gehabt. Vielleicht erkennt er jetzt aber selbst in den kleinsten Dingen einen tieferen Sinn.

Zwei Seelen, die schon viel miteinander erlebt haben.

Foto: jacoblund/iStock

Die Hoffnung wächst

Ich möchte schließen, indem ich das Thema der Hoffnung anspreche. Verblasst die Hoffnung mit dem Alter? Tatsächlich ist es laut Chesterton das Gegenteil. Er schrieb:
„Man sagt gewöhnlich, die Hoffnung gehöre der Jugend und verleihe ihr die Flügel eines Schmetterlings; doch ich neige zu der Ansicht, dass die Hoffnung die letzte Gabe ist, die dem Menschen zuteilwird – und die einzige, die der Jugend nicht gegeben ist. Die Jugend ist vor allem jene Zeit, in der der Mensch lyrisch, fanatisch und poetisch sein kann; doch sie ist zugleich die Zeit, in der er verzweifeln kann. Das Ende jeder Episode erscheint ihr wie das Ende der Welt. Die Fähigkeit jedoch, über alles hinweg zu hoffen, das Wissen, dass die Seele ihre Abenteuer überlebt, diese große Inspiration kommt erst im mittleren Alter. Gott hat diesen guten Wein bis zuletzt aufgehoben. Erst von den Rücken der älteren Herren sollten die Flügel des Schmetterlings hervorbrechen.“
Platon stimmt zu. Gegen Ende des oben zitierten Gesprächs sagt Kephalos zu Sokrates: „[…] dem aber, der sich keines Unrechts bewußt ist, dem steht immer frohe Hoffnung zur Seite, und die gute Alterspflegerin, wie Pindar sich ausdrückt. Denn anmutig, Sokrates, sagt er, wer gerecht und heilig das Leben verbringe, von solchem weicht nie des Herzens Labsal, die freudvolle Alterspflegerin, Hoffnung, die am allermeisten der Erdensöhn’ unstäten Sinn lenkt.“
Und welche größere Quelle der Hoffnung gibt es als treue Liebe? Es ist immer noch wahr – was auch immer die Trennungslieder andeuten mögen –, dass es eines der romantischsten Dinge ist, die man zu jemandem sagen kann: „Ich möchte mit dir alt werden.“ Und eines der romantischsten Dinge, die man vollbringen kann, ist, es tatsächlich zu tun. Hier werden wahre Liebe und Hoffnung auf die Probe gestellt – nicht im hellen Aufblühen des Frühlings des Lebens, sondern im bernsteinfarbenen Herbst des Lebens, seinem langen Sonnenuntergang, der geduldig ertragen wird, Seite an Seite, bis in die Dämmerung.
So wie es in einem Lieblingslied aus meinen Teenagerjahren heißt: „Auch wenn sich Gesichter verändern – mein Herz bleibt dasselbe.“
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What We Gain as We Grow Older“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Das Ei-Dilemma: Was passiert, wenn Sie jeden Tag ein Ei essen – und der fatale Irrtum übers Cholesterin


In Kürze:

  • Wer regelmäßig Eier isst, unterstützt viele Körperfunktionen wie etwa die Knochengesundheit.
  • Eier sind eine Protein- und Nährstoffbombe, die unter anderem Kalzium, Eisen, Magnesium und viele Vitamine enthalten.
  • Empfehlenswert sind Eier aus Freilandhaltung, die nicht zu wenig und nicht zu lange gekocht werden.
  • Bestimmte Personen sollten mit dem Eierverzehr vorsichtig sein oder ihn ganz pausieren.

 
Eier sind voller Nährstoffe. Ein mittelgroßes Ei liefert 60 Kalorien, etwa 10 Prozent des täglichen Proteinbedarfs und ein ganzes Spektrum an Mikronährstoffen.
Die Liste ist lang: 
  • Kalzium, 
  • Kalium, 
  • Phosphor,
  • Selen,
  • Zink,
  • Kupfer,
  • Magnesium,
  • Eisen,
  • die Vitamine A, E, D und B.
Bei regelmäßigem Verzehr unterstützen Eier viele Körperfunktionen. Nachfolgend sind fünf davon aufgeführt.

1. Eier versorgen den Körper effizient mit Energie

Wie oben erwähnt, liefern Eier viele Nährstoffe, die unser Körper benötigt, um gesund zu bleiben.
„Sie gehören zu den nährstoffreichsten und effizientesten Vollwertnahrungsmitteln, die wir haben. Sie sind reich an hochwertigem Protein, essentiellen Fetten, Cholin und fettlöslichen Vitaminen, die alles von der Gehirnfunktion bis zum Hormonhaushalt unterstützen“, sagte Laurie White, Naturheilpraktikerin und Spezialistin für funktionelle Medizin und funktionelle Ernährungstherapie, gegenüber Epoch Times.

2. Eier unterstützen Muskelregeneration und -wachstum

Eier sind eine hervorragende Quelle für hochwertiges Protein. Dieses ermöglicht es dem Körper, Gewebe wie Knochen, Muskeln, Haare und Haut aufzubauen und zu reparieren. Sie enthalten alle neun essentiellen Aminosäuren, die unser Körper nicht selbst produzieren kann. Das macht sie zu einer vollständigen Proteinquelle.
„Wenn Sie Eier essen, nehmen Sie nicht nur Protein zu sich – Sie lösen auch hormonelle Kaskaden aus, die dabei helfen, Muskeln und Knochen zu erhalten und aufzubauen sowie den Appetit zu regulieren“, meinte Dr. Christine Najjar zu Epoch Times. Sie ist Ernährungswissenschaftlerin und Inhaberin einer auf Ernährung spezialisierten Praxis.
Zudem weise das Protein in Eiern eine hohe Bioverfügbarkeit auf, sodass der Körper es leicht aufnehmen und verwerten könne.
Studien zufolge hat Eiprotein eine Absorptionsrate von 97 Prozent – höher als bei Milchprodukten mit 95 Prozent und Fleisch mit 94 Prozent. Pflanzliche Proteine werden nur zu 45 bis 80 Prozent resorbiert, was Eier zu einer der besten natürlichen Proteinquellen macht. Das Kochen erhöht die Bioverfügbarkeit von Eiprotein zusätzlich, indem es dieses teilweise aufspaltet. Dadurch kann der Körper es leichter aufnehmen und verdauen.
Daher unterstützt der regelmäßige Verzehr von ganzen Eiern – Eiweiß und Eigelb – die Muskulaturgesundheit. Protein hilft uns beim Aufbau und Erhalt von Muskeln, steigert die Kraft und kann Sarkopenie vorbeugen, dem allmählichen Rückgang von Muskelmasse, Kraft und Funktion, der mit dem Altern einhergeht.

3. Eier stärken die Augengesundheit

Zusätzlich zu den oben genannten Nährstoffen enthalten Eier auch Lutein und Zeaxanthin. Das sind starke Antioxidantien, die sich in der Netzhaut anreichern und unsere Augen schützen. Sie helfen dabei, blaues Licht zu filtern, die Sehkraft zu verbessern und reaktive Sauerstoffspezies abzufangen.
Zudem steht der Verzehr von Eiern mit einem verringerten Risiko für altersbedingte Makuladegeneration, eine unheilbare Netzhauterkrankung, und Grauen Star in Verbindung. 
Der größte Teil der Nährstoffe eines Eies befindet sich im Eigelb – einer reichhaltigen, bioverfügbaren Quelle für Lutein und Zeaxanthin, mit natürlichen Fetten, die deren Aufnahme verbessern.
Laut Studien erhöht der tägliche Verzehr eines Eies den Lutein- und Zeaxanthin-Spiegel deutlich. Ferner steigert regelmäßiger Eierkonsum die Dichte des Makulapigments im Auge. Dies steht mit einer verbesserten Sehkraft und einem verringerten Risiko für Sehverlust in Zusammenhang.

4. Eier helfen, Appetit und Blutzucker zu regulieren

Eier sorgen für ein Sättigungsgefühl, sodass wir insgesamt weniger essen. Das habe mit der Kombination aus Eiweiß und gesunden Fetten zu tun, die in Eiern zu finden sind, meinte White. 
„Den Tag mit Eiern zu beginnen, kann helfen, den Blutzucker zu stabilisieren, Heißhunger zu senken und eine gleichmäßigere Energieversorgung zu fördern. Das macht es einfacher, ein gesundes Gewicht zu halten, ohne auf Willenskraft angewiesen zu sein“, so die Naturheilpraktikerin.
Das Nährstoffprofil von Eiern unterstütze außerdem wichtige Stoffwechselprozesse, darunter die Leberfunktion und den Fettstoffwechsel. Diese seien entscheidend, um ein gesundes Gewicht aufrechtzuerhalten, sagte sie.

5. Eier unterstützen die Gehirnfunktion und das Gedächtnis

Eier sind eine der reichhaltigsten Nahrungsquellen für Cholin, das fast ausschließlich im Eigelb vorkommt.
Cholin ist notwendig, um Acetylcholin zu bilden – einen wichtigen Neurotransmitter für Gedächtnis und Konzentration. Ferner ist es unerlässlich für den Aufbau von Zellmembranen, für die Gehirnentwicklung bei Babys sowie für die Leberfunktion und den Fettstoffwechsel.
„Interessanterweise zeigen Untersuchungen, dass die Mehrheit der Menschen ihren täglichen Cholinbedarf nicht deckt. Der regelmäßige Verzehr von Eiern ist eine der wirksamsten Möglichkeiten, diese Lücke zu schließen. Studien brachten zudem eine höhere Cholinaufnahme mit einer verbesserten kognitiven Funktion und einem besseren Gedächtnis in Verbindung“, erklärte White.
Eine höhere Cholinaufnahme steht auch mit einer besseren kognitiven Leistungsfähigkeit und einem verringerten Risiko für Alzheimer in Verbindung.

Wie viele Eier sollten wir essen?

Frühere Ernährungsrichtlinien empfahlen, die Cholesterinaufnahme über die Nahrung zu begrenzen – wobei Eier als Hauptverursacher galten. Das Argument war einfach: Cholesterin aus der Nahrung erhöht den Cholesterinspiegel im Blut, was wiederum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigert. 
Aktuelle Studien haben diese Behauptungen jedoch nicht bestätigt. Ihnen zufolge sind Eier ein sicheres, nachhaltiges Lebensmittel, das Energie und lebenswichtige Nährstoffe liefert.
Was die Frage angeht, wie viele Eier wir bedenkenlos essen können, sind sich Dr. Najjar und White einig. Ihnen zufolge müssen die meisten gesunden Menschen ihren Eierverzehr nicht einschränken.
„Eier sind seit jeher Teil der traditionellen menschlichen Ernährung. Historisch gesehen aßen die Menschen sie je nach Verfügbarkeit und Appetit, nicht nach festgelegten Grenzen“, so Dr. Najjar. „Im Allgemeinen rate ich den Menschen, sich beim Verzehr von ihrem Appetit leiten zu lassen“, fügte sie hinzu.

Eierqualität, Sicherheit und Zubereitungsmethoden

Wer regelmäßig Eier isst, sollte auf ihre Qualität achten. Naturheilpraktikerin White empfiehlt Eier aus Freilandhaltung – idealerweise von einem lokalen Bauern.
Dr. Najjar rät dazu, sich zum einen von seinem Budget leiten zu lassen. Doch wer seine Mikronährstoffversorgung optimieren möchte, sollte ihr zufolge auch Eier von lokalen Hühnern beziehen.
White merkte an, dass es auch Situationen gebe, in denen man vorübergehend den Eierkonsum einschränken oder vollständig pausieren sollte, wie zum Beispiel bei
  • einer echten Eiallergie, 
  • einer aktiven Darmentzündung oder erhöhter Durchlässigkeit,
  • Autoimmunerkrankungen,
  • einer Histaminempfindlichkeit.
Sobald das zugrunde liegende Ungleichgewicht behoben sei, könnten Eier in den meisten Fällen wieder in den Speiseplan aufgenommen werden, fügte sie hinzu.
Was die Zubereitung von Eiern angeht, sollte man laut Dr. Najjar Extreme vermeiden. „Ein leicht gekochtes Ei mit weichem oder flüssigem Eigelb ist oft ein guter Mittelweg. Es bewahrt Nährstoffe und ist dennoch sicher zu verzehren“, so die Ernährungswissenschaftlerin.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Happens to Your Body When You Eat Eggs Regularly“. (redaktionelle Bearbeitung: as)
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37 Proteine gegen das Altern: Haben Sie den Langlebigkeits-Schlüssel im Blut?

Mit dem Alter verlieren wichtige Proteine unserer Zellen meist ihre Kraft, doch bei Hundertjährigen bleiben 37 entscheidende Proteine jugendlich fit. Eine neue Schweizer Studie zeigt: Dies könnte ein wesentlicher Faktor für ein langes, gesundes Leben sein.

Die Biologie des Alterns – warum sie variiert

Das Altern wirkt sich auf jeden Menschen unterschiedlich aus. Während viele ältere Erwachsene mit chronischen Krankheiten und Gebrechlichkeit zu kämpfen haben, bleiben einige bis weit über 100 Jahre hinaus bemerkenswert gesund.
Wissenschaftler vermuten seit Langem, dass dies vor allem den Genen zu verdanken ist. Neue Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass die Antwort spezifischer und umsetzbarer ist als bisher angenommen.
Die in „Aging Cell“ veröffentlichte Studie analysierte das Blut von Hundertjährigen und verglich deren Immun- und kardiometabolische Proteinprofile mit denen gesunder Erwachsener im Alter von 30 bis 60 Jahren sowie mit denen hospitalisierter älterer Erwachsener im Alter von 80 bis 90 Jahren.
Mithilfe der Proteomik, einer Technik, die Hunderte Proteine gleichzeitig misst, untersuchte das Team, wie sich die Proteinkonzentrationen im Laufe des Lebens verändern, um Signalwege zu identifizieren, die die außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit im hohen Alter erklären könnten.
Bei den Hundertjährigen wurden 583 Proteine in anderen Konzentrationen exprimiert als bei den beiden anderen Gruppen.
Unter diesen Proteinen stachen 37 hervor, deren Konzentrationen eher denen jüngerer Erwachsener als denen typischer älterer Erwachsener entsprachen.
Dies ist ein Muster, das mit den Ergebnissen anderer groß angelegter Studien an Hundertjährigen und etablierten Alterungsbiomarkern übereinstimmt.
„Diese Studie untermauert ein zentrales Prinzip der Langlebigkeitsforschung: Außergewöhnliches Altern bedeutet nicht, dem biologischen Verfall zu entkommen, sondern selektiv wichtige Regulationsmechanismen zu bewahren“, sagte Sou Ahdjoudj Orlando, Langlebigkeitsforscher und Gründer von AION Life, der nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber The Epoch Times.

Die biologischen Systeme, die sich dem Altern widersetzen

Die 37 Proteine gruppierten sich um fünf zentrale biologische Prozesse:

1. Zellbeseitigung

Sechs der Proteine gruppierten sich um die Apoptose, den Prozess, der beschädigte Zellen beseitigt. Eine effiziente Entfernung dysfunktionaler „Zombie“-Zellen könnte dabei helfen, chronische Entzündungen zu verhindern und das Krebsrisiko zu senken.

2. Oxidativer Stress

Fünf Proteine, die mit oxidativem Stress in Verbindung stehen, wurden bei Hundertjährigen in geringeren Mengen exprimiert – ein zunächst kontraintuitiv erscheinender Befund.
Niedrigere Konzentrationen an antioxidativen Proteinen deuten wahrscheinlich darauf hin, dass die Zellen von vornherein weniger Stress ausgesetzt sind, und nicht darauf, dass ihre Abwehrmechanismen versagen, sagte Orlando und bezeichnete dies als „ein Zeichen von Resilienz statt von Resistenz“.
Dr. Gabriel Alizaidy, Experte für Langlebigkeit und Präzisionsmedizin, stellte fest, dass vier der 37 Proteine – SOD1, PRDX3, HMOX1 und GLRX – auf den Schutz der Mitochondrien hindeuten.
Mitochondrien erzeugen Energie, produzieren aber auch reaktive Sauerstoffspezies, die sich ansammeln und die Zellen im Laufe der Zeit schädigen.
Wenn sie effizient arbeiten, liefern sie konstante Energie und produzieren dabei weniger schädliche Moleküle. Das trägt dazu bei, Zellschäden zu begrenzen, insbesondere in energieintensiven Geweben wie den Gehirnzellen.
„Diese vier Proteine beseitigen diese durch verschiedene Mechanismen. Die Tatsache, dass alle vier bei Hundertjährigen gemeinsam auf einem jugendlichen Niveau gehalten wurden, zeigt, dass die Widerstandsfähigkeit der Mitochondrien kein Nebenaspekt des außergewöhnlichen Alterns ist, sondern ein zentrales und durchgängiges Thema“, sagte Alizaidy.

3. Gewebeintegrität und Glukosekontrolle

Proteine, die Zellen stützen und dabei helfen, sie an ihrem Platz zu halten, bildeten eine weitere Gruppe, die potenziell zur strukturellen Gewebeintegrität und möglicherweise zur Krebsabwehr beiträgt.
Innerhalb dieser Gruppe war DPP4, ein Enzym, das GLP-1 abbaut – ein Hormon, das die Insulinfreisetzung stimuliert –, bei Hundertjährigen gut erhalten geblieben.
Obwohl dies auf den ersten Blick kontraintuitiv wirkt – schließlich senkt Insulin den Blutzuckerspiegel –, vermuten die Autoren, dass Hundertjährige möglicherweise ihr Glukosegleichgewicht ohne übermäßige Insulinsignale aufrechterhalten können. Dies deutet auf einen fein abgestimmten statt überaktiven Stoffwechsel hin.

4. Energieregulierung

Eine weitere Gruppe umfasste die Stoffwechselregulation, einschließlich Proteinen, die bei der Steuerung des Energiehaushalts und der Glukosekontrolle helfen.
Eines davon, die Adenylatkinase 1 (AK1), reguliert AMPK, einen zellulären Energiesensor, der bei niedrigem Energiehaushalt aktiviert wird und den Zellen hilft, Ressourcen zu sparen.
„Wenn man schon einmal von Metformin, Berberin oder den metabolischen Vorteilen von Bewegung und Kalorienrestriktion gehört hat, dann kennt man Beispiele, die teilweise über die AMPK-Aktivierung wirken“, sagte Alizaidy.

5. Gesundheit von Gehirn und Immunsystem

Andere Cluster standen im Zusammenhang mit neurotropischer Signalübertragung – Signalwegen, die das Überleben von Nervenzellen und die Gehirnfunktion unterstützen – sowie mit der Immunregulation.
Dies untermauert die Vorstellung, dass außergewöhnliche Langlebigkeit davon abhängen könnte, das Gleichgewicht über mehrere biologische Systeme hinweg gleichzeitig aufrechtzuerhalten.
Alizaidy merkte an, dass es sich um eine kleine Beobachtungsstudie handelte, was bedeutet, dass sie keinen kausalen Zusammenhang nachweisen kann. Die Proteinprofile beschränkten sich zudem auf Entzündungen und den kardiometabolischen Bereich.
„Wir wissen nicht, ob diese Proteine eine außergewöhnliche Langlebigkeit bewirken oder lediglich ein biologisches System widerspiegeln, das aus anderen Gründen bereits gut funktionierte“, sagte er.
Doch die Richtung der Ergebnisse stimmt mit anderen unabhängigen Datensätzen zu Hundertjährigen überein.

Der Lebensstil spielt nach wie vor eine Rolle

Auch wenn die genetische Veranlagung die Weichen stellen mag, ist die Art und Weise, wie Menschen über Jahrzehnte hinweg leben, nach wie vor ein entscheidender Faktor.
„Die Hundertjährigen in dieser Studie waren das Ergebnis eines jahrzehntelang überdurchschnittlich gut funktionierenden Systems“, sagte Alizaidy, „und das hängt größtenteils davon ab, wie sie gelebt haben.“
Orlando identifizierte drei biologische Prinzipien, die sich direkt auf die bei den Hundertjährigen festgestellten erhaltenen biologischen Muster übertragen lassen:
Stoffwechselstabilität: Krafttraining, tägliche Bewegung, eine ausreichende Proteinzufuhr und die Vermeidung chronischer Überernährung tragen dazu bei, eine stabile Blutzuckerkontrolle und ein hormonelles Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Reduzierte Entzündungslast: Erholsamer Schlaf, eine gesunde Körperzusammensetzung und eine ballaststoffreiche, nährstoffdichte Ernährung tragen dazu bei, die systemische Entzündungslast im Laufe der Zeit zu verringern.
Mitochondriale Gesundheit: Regelmäßige körperliche Aktivität, Stressbewältigung sowie der Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum unterstützen eine Verringerung des oxidativen Stresses und die zelluläre Widerstandsfähigkeit.
„Einige von der FDA zugelassene Therapien wirken bereits auf Signalwege, die mit der Widerstandsfähigkeit in Verbindung stehen“, fügte Alizaidy hinzu.
Er verwies auf das Peptid SS-31, ein Prüfpräparat, das die Mitochondrienfunktion unterstützt, sowie auf niedrig dosierte GLP-1-Agonisten.
Diese sind von der FDA für Diabetes und Gewichtsmanagement zugelassen und können dazu beitragen, das Stoffwechselgleichgewicht aufrechtzuerhalten, wobei Verbesserungen bei den Blutfettwerten, dem Blutzucker und Entzündungen zu beobachten sind – auch ohne Gewichtsverlust.
Orlando merkte an, dass die Ergebnisse einer größeren, langfristigen Validierung bedürfen, aber zu den wachsenden Hinweisen beitragen, dass Langlebigkeit davon abhängt, wichtige biologische Systeme über die Zeit hinweg zu erhalten.
„Langlebigkeit hängt letztlich vielleicht weniger davon ab, das Altern zu beseitigen, als vielmehr davon, die biologischen Systeme zu identifizieren und zu erhalten, die langsamer altern.“

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Makes Some People Live to 100? Scientists Find Clues in Their Blood“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Das energetische Geheimnis eines gesünderen Lebens – Medizinerin erklärt

Dr. Molly Maloof ist Ärztin, Pädagogin, Dozentin und Unternehmerin in den USA. Sie betreibt eine Praxis für Präzisionsmedizin, auch personalisierte Medizin genannt, und betreut Klienten in der Bay Area, Los Angeles, Atlanta und Jackson.
Auf ihrer Website erklärt die Präzisionsmedizinerin, seit 2012 mit über 50 Unternehmen in den Bereichen digitale Gesundheit, Biotech und Consumer-Wellness zusammengearbeitet zu haben. Ziel sei es gewesen, „eine Brücke zwischen innovativer Wissenschaft und praktischer Anwendung im Alltag“ zu bauen.
Die ehemalige Dozentin zum Thema „Live Better Longer: Enhancing Healthspan for Longer Lifespan“ (Länger besser leben: Die Gesundheitsspanne verlängern für ein längeres Leben) an der amerikanischen Eliteuniversität Stanford lud zu einem Kurs über Selbstmanagement ein.
Ihr Anliegen dabei ist es, den Teilnehmern Tipps und Praktiken zur Verbesserung ihrer Anpassungsfähigkeit zu geben sowie ihnen Möglichkeiten vorzustellen, wie sie mit schwierigen Situationen umgehen können. Durch die Anwendung bestimmter Ideen und Praktiken soll es ermöglicht werden, die krankheitsfreie Lebensphase eines Menschen zu verlängern. Sie erklärt:
„Ihre Transformation beginnt, wenn Sie aufhören, sich mit einem kranken, suboptimalen oder durchschnittlichen Gesundheitszustand zufriedenzugeben, und anfangen, nach Optimalität zu streben.“
EpochTV sprach in der Sendung „The Upgrade“ mit Dr. Molly Maloof. Hier eine gekürzte Version des Interviews.

Die Turbinen des Lebens

Dr. Molly Maloof, es freut mich, Sie bei uns begrüßen zu dürfen. Ich bin sehr neugierig auf Ihre Definition von Energie. Inwieweit bestimmt Energie die Gesundheit grundlegend?
Ohne Energiefluss in jeder einzelnen Zelle sind Sie nicht am Leben. Das ist der Unterschied zwischen einer lebenden und einer toten Person. Wenn wir Luft atmen, Wasser trinken und Nahrung essen, zerlegen wir die Nahrung durch Verdauung in Substrate.
Diese Substrate werden durch das gespeist, was man Elektronentransportkette nennt, was uns im Grunde hilft, Energie zu produzieren. Die Elektronentransportkette transportiert Elektronen in den Mitochondrien, um eine ATP-Turbine [ATP steht für Adenosintriphosphat] anzutreiben. Diese Turbine erzeugt die Energiewährung der Zelle, und das erzeugt einen elektrochemischen Gradienten.
Wenn also ein elektrochemischer Gradient erzeugt wird, erhalten Sie eine Batterie. Sie erhalten auch einen Kondensator, wenn Sie einen Ladungsunterschied zwischen zwei Platten haben. Ohne Batterien und Kondensatoren sind wir also grundlegend nicht am Leben. Das ist der Unterschied zwischen jemandem, der aufblüht, und jemandem, der sich abmüht.

Lebensstil hat mehr Einfluss als Genetik

Wir dachten früher, alles drehe sich um unsere Gene, und unsere Gene bestimmten unser Schicksal. Aber wir lernen gerade, dass unsere Gene wahrscheinlich nicht für mehr als 10 bis 30 Prozent unserer zukünftigen Gesundheit verantwortlich sind.
Es ist größtenteils der epigenetische Ausdruck unserer Gene, der unsere Gesundheit bestimmt. Und vieles davon basiert auf unserem Lebensstil. Unsere Mitochondrien sind diese Minisupercomputer in jeder Zelle.
Sie sind nicht nur Teil unseres Stoffwechsels. Sie spüren und integrieren die Umwelt und bestimmen, wohin die Energie fließt: Sind wir sicher? Sind wir unsicher? Produzieren wir Stresshormone, um der Gefahr zu entkommen, oder produzieren wir Sexualhormone, um uns fortzupflanzen? Sie sind also ein zentraler Regulator der Gesundheit und des Lebens.
Wenn man mehr Energie haben will, muss man also an seiner Batterie arbeiten. Wie können wir das angehen, sowohl körperlich als auch mental?
Sehr wichtig ist es, sicherzustellen, dass man mehr gute Dinge, die Energie liefern, zu sich nimmt und die schlechten Dinge, die die mitochondriale Funktion schädigen, entfernt.
Wie die Leute bereits wissen, ist unsere Umwelt sehr toxisch. Trinken Sie also reines, sauberes Wasser. Und ich spreche nicht von Flaschenwasser. In Flaschenwasser ist viel Mikroplastik. Man kann sich ein eigenes Wasserfiltersystem zulegen, sich Luftfiltersysteme anschaffen, sogar die Kleidung und Lebensmittel überprüfen und versuchen, Giftquellen aus dem Leben zu entfernen, wie Pestizide in Obst und Gemüse.
Das sind Kleinigkeiten, die man tun kann, um zu vermeiden, dass Toxine die Mitochondrienfunktion beeinträchtigen. Man kann sich sogar auf Schwermetalle testen lassen.
Aber darüber hinaus muss man auch sicherstellen, dass die Verdauung ordnungsgemäß funktioniert. Denn wenn die Verdauung nicht richtig funktioniert und man keine Nährstoffe aufnimmt, können die Mitochondrien nicht richtig arbeiten, da sie B-Vitamine und eine Vielzahl anderer Mineralien benötigen, wie Elektrolyte zum Beispiel.
Wir brauchen Natriumchlorid und Kalium, um richtig zu funktionieren. Und dann ist Bewegung entscheidend. Jeder weiß bereits, dass wir uns bewegen sollten. Aber sie wissen nicht immer, warum.

Signale, Gedanken und Botschaften

Mitochondrien reagieren auf Signale, die sie erhalten, und sind quasi Vorhersagemaschinen. Sie wollen herausfinden: Was muss ich heute tun, um sicherzustellen, dass ich morgen gesund bin und morgen die Energie habe, die ich brauche, um das zu tun, was ich tue?
Und das sind die Botschaften, die die Mitochondrien durch Bewegung erhalten. Sagen Sie den Mitochondrien, dass Sie für morgen mehr Energie brauchen. Jedes Mal, wenn Sie sich bewegen, senden Sie ein Signal, dass sich Ihr Körper an den Bedarf anpasst, indem er Ihre Energiespeicher erhöht.
Davon abgesehen brauchen wir alle auch Erholung. Man kann eine Maschine nicht 24/7 betreiben und erwarten, dass sie gut funktioniert. Wenn Menschen nicht richtig schlafen, erhalten sie nicht die reparativen Funktionen, die notwendig sind, damit ihr Körper ordnungsgemäß funktioniert. Und während des Schlafs findet so viel epigenetische Aktivität statt. Man muss die Maschine also ab und zu ausschalten, richtig?
Darüber hinaus würde ich sagen, dass die Botschaften, die wir uns selbst durch unsere Gedanken senden, für die Gesundheit entscheidend sind.
Wenn wir Botschaften senden, dass wir krank sind, dass wir uns unwohl fühlen, dass wir nicht aufblühen, dass wir uns abmühen, dass wir schwach sind, werden unsere Zellen darauf reagieren, indem sie das glauben und entsprechend handeln.
Unsere Gedanken spielen also eine wirklich wichtige Rolle, ebenso wie die Menschen, mit denen wir uns umgeben. Wir sind elektrochemische, elektromagnetische Wesen, also können wir die Energie anderer Menschen spüren.
Wir können das EEG spüren, wir können das EKG spüren. Das sind elektromagnetische Felder, die von der Verdrahtung unseres Körpers ausgehen. Wir können tatsächlich die Emotionen anderer Menschen spüren. Sich mit wütenden oder schwierigen Menschen zu umgeben, wird also nicht die Bedingungen schaffen, unter denen Ihr Körper gesund bleibt, und Sie werden buchstäblich den emotionalen Zustand von jemand anderem absorbieren.

Natur, Beziehungen, Nahrung – unterschätzte Heilmittel

Ich denke, das Wichtigste für ein langes Leben sind unsere Beziehungen, unsere Bewegungsgewohnheiten, unser Schlaf und unsere Ernährung. Gerade die einfachsten Grundlagen sind entscheidend. Die meisten Menschen brauchen etwas mehr Eiweiß und deutlich mehr Gemüse. Und ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist so einfach und wird doch so oft vernachlässigt.
Die Natur ist ein oft unterschätztes Heilmittel, das fast jeder Arzt seinen Patienten empfehlen sollte. Denn sie reduziert Stress direkt und ist eines der besten Mittel, um das Nervensystem zu regulieren. Denn unsere Umgebung bietet viele subtile, aber nicht immer aktive Reize sie wirkt auf subtile Weise.
Beziehungen und menschliche Berührung sind sehr wichtig und werden so oft übersehen.
Das Interview führte Makai Allbert. Es erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Actually Makes You Live Longer: Dr. Molly Maloof“. Die vorliegende Version ist gekürzt. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)