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25 alltägliche Wunder, die man nicht immer so wahrnimmt

„Der späte G. K. Chesterton sagt in einem Lebensrückblick, er habe seit jeher die Überzeugung gehabt, ‚die fast mystische Überzeugung von dem Wunder in allem, was existiert, und von der aller Erfahrung wesenhaft innewohnenden Entzückung‘“, schrieb Josef Pieper in „Glück und Kontemplation“.
Der deutsche Philosoph sah tiefgreifende Weisheit und Wahrheit in Chestertons Beobachtung. Er fuhr fort: „Diese herzhafte Formulierung besagt mehreres: Jedes Ding birgt und verbirgt auf seinem Grunde ein göttliches Ursprungszeichen; wer es zu Gesicht bekommt, ‚sieht‘, daß dieses und alle Dinge über jegliches Begreifen ‚gut‘ sind; er sieht es und ist glücklich.“
Dennoch kann es schwierig sein, dieses Wunder zu erkennen, das in allen Dingen existiert. Wir werden mit dem Leben vertraut, und es verliert seinen Glanz. Routine dämpft unsere Aufmerksamkeit für das Wunderbare.
Um dieses Gefühl des Staunens und das Bewusstsein für das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen wiederzuerwecken, gibt es hier 25 Fakten.

Wenn sterbende Sterne wiedergeboren werden

Sowohl die Implosion von Sternen als auch deren Verschmelzung lösen Fusionsreaktionen aus, die Unmengen von Edelmetallen und schweren Elementen in den interstellaren Raum freisetzen.
Sterbende Sterne liefern die Rohmaterialien, die benötigt werden, um alles zu erschaffen, was wir im Universum sehen. Es ist ein kosmischer Prozess von Tod und Wiedergeburt. Im Grunde genommen sind wir Sternenstaub.

Die Erde, fein abgestimmt auf das Leben

Die Erde ist in vielerlei komplexer Hinsicht fein auf das Leben abgestimmt. Als sie entstand, herrschten genau die richtigen Bedingungen, um Leben zu ermöglichen. Auf der Erdkruste waren Stickstoff und Phosphor in den richtigen Mengen vorhanden. Zudem erzeugt der Erdkern ein Magnetfeld, das die Erde vor schädlichen Sonnenpartikeln und kosmischer Strahlung schützt.
Die Erde verfügt außerdem über die magische Flüssigkeit, die wir als Wasser bezeichnen – und die gar nicht so häufig vorkommt, wie man vielleicht denken könnte. Wasser ist für die chemischen Prozesse, die das Leben ermöglichen, unerlässlich. Schließlich befindet sie sich in Bezug auf die Sonne in der sogenannten „Goldlöckchen-Zone“, der bewohnbaren Zone eines Sterns, die weder zu heiß noch zu kalt ist.
Die Erdatmosphäre, das Magnetfeld und der reichliche Vorkommen von flüssigem Wasser sorgen gemeinsam dafür, dass der Planet Leben ermöglicht. Foto: NASA

Die Erdatmosphäre, das Magnetfeld und das reichliche Vorkommen von flüssigem Wasser sorgen gemeinsam dafür, dass der Planet Leben ermöglicht.

Foto: NASA

Der Soundtrack des Universums

Die Alten glaubten an eine wunderschöne und harmonische Musik, die als Ausdruck der Ordnung des Universums durch den Weltraum strahlt. Wie sich herausstellte, ist die „Sphärenmusik“ nicht nur eine poetische Idee oder ein bloßer Mythos. Tatsächlich bewegen sich viele Resonanzen und Radiowellen, die für das menschliche Ohr unhörbar sind, durch den Weltraum.
Moderne wissenschaftliche Geräte können einige dieser Wellen in hörbaren Schall umwandeln. Der tiefste je entdeckte Ton (57 Oktaven unter dem mittleren C) stammt aus dem supermassereichen Schwarzen Loch im Kern von NGC 1275, einer Galaxie im Perseus-Haufen.

Der Herzschlag der Erde

Objekte im Weltraum sind nicht die einzigen Dinge, die kosmische Klänge erzeugen. Auch die Erde „singt“.
Die Schumann-Resonanz ist eine Reihe von elektromagnetischen Resonanzen, die durch Blitze im Hohlraum zwischen der Erde und der Ionosphäre erzeugt werden. Sie wird manchmal als „Herzschlag der Erde“ beschrieben. Erste Forschungsergebnisse deuten sogar darauf hin, dass die Schumann-Resonanz eine wohltuende Wirkung auf die menschliche Gesundheit haben könnte.
Wissenschaftlern ist es gelungen, Protonen dazu zu bringen, in einem „Teilchen-Hymnus“ „wie eine Glocke zu läuten“, wie sie es kurz nach dem Urknall getan haben könnte. Jeden Morgen geht die Sonne auf, und wir erleben eine kleine Auferstehung, wenn aus einem Zustand der Unbewusstheit neues Leben zurückkehrt.

Nein, der Mond ist nicht grau

Der Mond weist auf seiner Oberfläche mehr Farben auf, als das menschliche Auge wahrnehmen kann.
Der Mond, geheimnisvoller Erd-Trabant. Foto: voraorn/iStock

Der Mond, geheimnisvoller Erd-Trabant.

Foto: voraorn/iStock

Die Neigung der Erdachse verursacht die Jahreszeiten

Die Jahreszeiten leiten sich aus der 23,5-Grad-Achsenneigung der Erde ab. Das führt dazu, dass Sonnenlicht einige Teile des Globus direkter trifft als andere.
Dieser Bereich verschiebt sich mit der Bewegung der Erde um die Sonne.

Das Geheimnis der unsterblichen Qualle

Man nennt sie die „Unsterbliche Qualle“ („Immortal Jellyfish“) oder wissenschaftlich „Turritopsis dohrnii“. Wenn dieses Lebewesen verletzt wird oder ausgehungert ist, kehrt es in ein früheres Lebensstadium zurück, anstatt zu sterben.
Bei ungünstigen Bedingungen oder Stress kann die adulte Turritopsis dohrnii ihre adulten Zellen wieder in Jugendzellen umwandeln. Dieser Prozess, die sogenannte Transdifferenzierung, ermöglicht es der Qualle, ihren Lebenszyklus neu zu beginnen. Foto: Bachware , CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Bei ungünstigen Bedingungen oder Stress kann die adulte Turritopsis dohrnii ihre adulten Zellen wieder in Jugendzellen umwandeln. Dieser Prozess, die sogenannte Transdifferenzierung, ermöglicht es der Qualle, ihren Lebenszyklus neu zu beginnen.

Das Wunder der Kolibris

Der Rubinkehlkolibri ist ein Winzling in der Vogelwelt. Bei einer Größe von rund 8 Zentimetern wiegt er gerade einmal 3 Gramm – so viel wie eine 2-Cent-Münze. Doch er ist ein Hochgeschwindigkeitsathlet in der Natur.
Sein kleines Herz schlägt 20 Mal pro Sekunde, und dieses wunderschöne Vöglein vermag es, seine Flügel mit einer Frequenz von 50 Schlägen pro Sekunde in der Form einer Acht zu bewegen. Dabei kann er nicht nur auf der Stelle „schweben“, sondern auch vorwärts, rückwärts oder kopfüber fliegen.
Wer jetzt denkt, dass der kleine Kerl solche Höchleistung nur kurzfristig erzielen kann, wird eines Besseren belehrt. Der Rubinkehlkolibri schreckt auch nicht vor Langstreckenflügen zurück. Er kann durchaus bis zu 800 Kilometer ohne Zwischenlandung zurücklegen.

Hörst du die Bäume flüstern?

Es ist nicht nur eine erschreckend schöne Vorstellung aus J. R. R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“: Bäume sprechen wirklich miteinander. Die Ökologin Suzanne Simard entdeckte, dass Bäume Informationen und Nährstoffe über ein unterirdisches Netzwerk aus gitterartigen Pilzen austauschen.
In einigen Fällen nutzen die Bäume dieses Netzwerk sogar, um „Warnungen“ zu senden, nach Verwandten zu suchen oder Nährstoffe an andere Bäume zu übertragen, bevor sie sterben.
Unterirdische Pilznetzwerke verbinden Bäume und ermöglichen ihnen den Austausch von Nährstoffen und chemischen Signalen. Foto: audioundwerbung/iStock

Unterirdische Pilznetzwerke verbinden Bäume und ermöglichen ihnen den Austausch von Nährstoffen und chemischen Signalen.

Foto: audioundwerbung/iStock

Licht lässt Blumen blühen

Temperatur- und Lichtsignale aktivieren ein Pflanzenhormon namens Florigen, das in den Blättern produziert und zu den Triebspitzen transportiert wird.
Dann beginnt die Blume mit der Bildung von Blütenknospen.

Oktopusse sind wie Außerirdische

Oktopusse haben keine Knochen. Was sie haben, sind drei verschiedene Herzen, kupferbasiertes blaues Blut und Minigehirne in ihren Tentakeln.
Oktopusse können die Farbe und Beschaffenheit ihrer Haut verändern, um sich ihrer Umgebung anzupassen. Foto: IlyaAMT/iStock

Oktopusse können die Farbe und Beschaffenheit ihrer Haut verändern, um sich ihrer Umgebung anzupassen.

Foto: IlyaAMT/iStock

Fotosynthese verwandelt Licht in Energie

Überall um uns herum ist der Prozess der Fotosynthese ständig am Werk. Grüne Pflanzen wandeln Lichtenergie in chemische Energie um. Sie produzieren auch Kohlenhydrate aus Kohlendioxid und einer Wasserstoffquelle.

Bäume, zahlreicher als Sterne in der Galaxy

Es gibt mehr Bäume auf der Erde als Sterne in der Galaxie. Sie alle arbeiten daran, unsere Luft zu reinigen.

Das ältestes Restaurant ist über 300 Jahre alt

Das älteste Restaurant der Welt steht in Spaniens Hauptstadt Madrid. Doch es hat noch eine Besonderheit: Im Küchenofen des „Sobrino de Botín“ brennt seit 300 Jahren eine Flamme – ohne Unterbrechung. Während Napoleon, der Spanische Bürgerkrieg und auch COVID-19 kamen und gingen, die Flamme blieb – und sie brennt immer noch.
03. März 2014 – Das „Sobrino de Botín“ (Calle de los Cuchilleros, 17) – das älteste Restaurant der Welt (1725) – wurde von dem Franzosen Jean Botín gegründet. Ernest Hemingway besuchte das „Botín“ auf seinen Reisen nach Spanien häufig. Foto: znm/iStock

3. März 2014: Das „Sobrino de Botín“ (Calle de los Cuchilleros, 17), das älteste Restaurant der Welt (1725), wurde von dem Franzosen Jean Botín gegründet. Ernest Hemingway besuchte das „Botín“ auf seinen Reisen nach Spanien häufig.

Foto: znm/iStock

Wie David gegen Goliath

Im Juni 1694, in der Schlacht von Hodów (in der heutigen Ukraine), errichteten 400 Soldaten der Adelsrepublik Polen-Litauen eilig provisorische Befestigungen auf offenem Feld, um sich den anrückenden 40.000 Krimtataren entgegenzustellen.
Sie hielten nicht nur die Stellung, sondern zwangen die Angreifer sogar zum Rückzug. Mit einer Quote von – je nach Quelle – 100 : 1 war dies einer der unaugeglichensten Kämpfe der Geschichte, bei dem die zahlenmäßig deutlich unterlegene Seite siegte.

Babys sind ein wahres Wunder

Babys wachsen von der Empfängnis bis zur Geburt in ihrer Zellzahl beziehungsweise biologischen Masse um einen Milliardenfaktor. Doch irgendwie scheinen all diese sich vermehrenden Zellen im Körper eines Säuglings ganz genau zu wissen, wie sie sich ausrichten müssen, um ein Herz, ein Gehirn, zwei Augen, zwei Nieren, zwei Hände, zwei Füße und den ganzen übrigen Körper zu bilden.
Obwohl das Baby bekanntlich kein Meerestier ist, entwickelt es sich neun Monate lang im Fruchtwasser seiner Mutter. Erst dann „betritt“ es das Tageslicht und beginnt mit seinen kleinen Lungen den Sauerstoff in der Luft zu atmen. Dieser unvergleichlich komplexe Prozess, hat sich schon viele Milliarden Male in der Menschheitsgeschichte wiederholt.
Babys kommen mit 300 Knochen zur Welt, erwachsene Menschen hingegen nur mit 206. Viele der zusätzlichen Knochen bestehen aus Knorpel, um die Geburt zu erleichtern. Später verschmelzen sie zu den 206 Knochen eines Erwachsenen. Foto: Irina Gutyryak/iStock

Babys kommen mit 300 Knochen zur Welt, Erwachsene hingegen haben nur 206. Viele der zusätzlichen Knochen bestehen aus Knorpel, um die Geburt zu erleichtern. Später verschmelzen sie zu den 206 Knochen eines Erwachsenen.

Foto: Irina Gutyryak/iStock

Die Organisation des menschlichen Körpers

Wussten Sie, dass es 7.000.000.000.000.000.000.000.000.000 (~ 7 x 10²⁷) Atome erfordert – alle an ihrem richtigen Platz –, um Ihren Körper zu bilden?

Gehirne sind besser als Technologie?

Die 86 Milliarden Neuronen in Ihrem Gehirn verarbeiten in 30 Sekunden mehr Informationen als das Hubble-Weltraumteleskop in 30 Jahren. Zudem vermag das Gehirn 200 Exabytes an Informationen zu speichern.

Ihre DNA erstreckt sich über Galaxien hinweg

Würde man die gesamte DNA in Ihrem Körper von einem Ende zum anderen ausstrecken, würde sie sich über eine Entfernung von 10 Milliarden Meilen erstrecken.
Wie Bill Bryson in „Der Körper: Eine Anleitung für Insassen“ (Originaltitel: „The Body: A Guide for Occupants“) schreibt: „Es ist genug von Ihnen vorhanden, um das Sonnensystem zu verlassen. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes kosmisch.“ (x0132There is enough of you to leave the solar system. You are in the most literal sense cosmic.x0147)

Die Heilkraft von Musik

Musik aktiviert das gesamte Gehirn, setzt Endorphine frei, lindert Schmerzen und kann den Zugang zu verlorenen Erinnerungen wiederherstellen. In Shakespaers „Viel Lärm um nichts“ (englischer Originaltitel: „Much Ado About Nothing“) sagt die Figur Benedikt in Bezug auf ein gängiges Material für die Saiten von Musikinstrumenten: „Ist es nicht seltsam, daß Schafdärme die Seele aus eines Menschen Leibe ziehn können?“
Detail aus Johann Sebastian Bachs Manuskript mit dem zweiten Satz „Air“ aus der Orchestersuite Nr. 3. Foto: Unbekannt, gemeinfrei

Detail aus Johann Sebastian Bachs Manuskript mit dem zweiten Satz „Air“ aus der Orchestersuite Nr. 3.

Gute Beziehungen bringen Gesundheit und Glück

Der größte Indikator für ein glückliches und gesundes Leben ist nicht Ruhm oder Geld, sondern die Qualität Ihrer Beziehungen. Das hat die längste Studie über menschliches Glück herausgefunden, die jemals durchgeführt wurde.
Starke soziale Beziehungen stehen in einem nachweislichen Zusammenhang mit besserer körperlicher Gesundheit und höherer Lebenserwartung. Foto: Jacob Wackerhausen/iStopck

Starke soziale Beziehungen stehen in einem nachweislichen Zusammenhang mit besserer körperlicher Gesundheit und höherer Lebenserwartung.

Foto: Jacob Wackerhausen/iStock

Unsere Herzen können sich synchronisieren

Wenn sich zwei Liebende in die Augen schauen, synchronisieren sich ihre Herzfrequenzen. Und das Betrachten eines Bildes eines geliebten Menschen lindert körperliche Schmerzen.

Was denken Sie über Nahtoderfahrungen (NTE)?

Etwa 15 Prozent der Patienten auf Intensivstationen berichten über Nahtoderfahrungen. Beim Vergleich und der Analyse verschiedener NTEs wurden einige gemeinsame Merkmale festgestellt: Sinneswahrnehmung außerhalb des physischen Körpers, das Durchqueren eines Tunnels, die Begegnung mit mystischem Licht, eine Rückschau auf das eigene frühere Leben und die Begegnung mit verstorbenen geliebten Menschen.
Menschen, die von NTEs berichten, bezeugen oft Ereignisse, von denen sie unmöglich hätten wissen können – es sei denn, sie wären von ihren physischen Körpern getrennt gewesen.
Nahtoderfahrungen deuten auf eine weitere Dimension des Mysteriums von Leben und Tod hin. Foto: bestdesigns/iStock

Nahtoderfahrungen geben einen Einblick in eine weitere Dimension des Mysteriums von Leben und Tod.

Foto: bestdesigns/iStock

Ehrfurcht liegt in unserer Reichweite

Laut Dacher Keltners Buch „Awe: The New Science of Everyday Wonder and How It Can Transform Your Life“ (zu Deutsch etwa: „Ehrfurcht: Die neue Wissenschaft des alltäglichen Staunens und wie sie Ihr Leben verändern kann) sind Erfahrungen, die Ehrfurcht hervorrufen, nicht schwer zu erlangen. Über die Teilnehmer seiner Forschung schrieb Keltner:
„Menschen erleben Ehrfurcht zwei- bis dreimal pro Woche, das ist alle paar Tage einmal. Sie finden das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen: die Großzügigkeit eines Freundes gegenüber einer obdachlosen Person auf der Straße; den Duft einer Blume; den Anblick eines belaubten Baumes, dessen Licht und Schatten auf dem Gehweg spielt; das Hören eines Liedes, das sie zurückversetzt in die Zeit ihrer ersten Liebe … Alltägliche Ehrfurcht.“

„People experience awe two to three times a week, that’s once every couple of days. They find the extraordinary in the ordinary: a friend’s generosity to a homeless person in the streets; the scent of a flower; looking at a leafy tree’s play of light and shadow on a sidewalk; hearing a song that transported them back to a first love … Everyday awe.“

Ehrfurcht zu fühlen macht uns glücklicher

Ehrfurcht zu erfahren – eine überwältigende Emotion des Staunens, der Angst und der Begeisterung angesichts von etwas Schönem und Mächtigem – hat tatsächlich nachweisbare physiologische Wirkungen. Die Forschung deutet darauf hin, dass Erfahrungen von Ehrfurcht uns glücklicher, gesünder und sozial stärker verbunden machen. Sie kann uns sogar dabei helfen, altruistischer zu handeln.
Wie der letzte Punkt auf dieser Liste zeigt, ist Ehrfurcht ein entscheidender Aspekt des menschlichen Lebens. Von der Schönheit bewegt und in uns selbst versunken zu sein – sei es eine Blume, ein Stern, ein geliebter Mensch, oder das Universum selbst –, was könnte zutiefst menschlicher sein als das? Was könnte erfüllender sein?
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „25 Everyday Miracles to Inspire Awe“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Angenehm, aber … – der verborgene Preis des Komforts

Heute Morgen bin ich mit einem Gerstenkorn im Auge aufgewacht.
Es ist druckempfindlich und geschwollen. Es ist unangenehm. Aber es ist auch keine große Sache.
Es ist nicht das erste Gerstenkorn in meinem Leben. Ich hatte schon einige. Sie schmerzen ein paar Tage lang, sie sind lästig und sie verschwinden schließlich wieder. Das weiß ich alles. Und dennoch: Diese winzige Unannehmlichkeit nimmt einiges meiner Aufmerksamkeit in Anspruch.
Wenn ich am Spiegel vorbeigehe, fällt mir jedes Mal die Schwellung auf. Jedes Mal, wenn ich blinzle, erinnert mich die Befindlichkeit meines Auges daran. Heute Morgen ertappte ich mich dabei, wie ich nach Heilmitteln recherchierte, Kompressen auftrug, Kamillenteebeutel vorbereitete, Rizinusöl mit Weihrauch und Calendula mischte und generell weit mehr mentale Energie auf diese kleine Reizung verwendete, als die Situation objektiv verdient hätte.
Als mir dies bewusst wurde, fragte ich mich, ob ich bei allem so reagiere.

Selbstreflektionen

Vielleicht ist es ein unangenehmes Gespräch mit meinem Ehemann. Vielleicht ist es finanzieller Stress – oder eine Belastung, die ich nicht haben möchte. In welcher Form es sich auch zeigt: Unbehagen hat eine unglaubliche Fähigkeit, unsere Aufmerksamkeit zu beherrschen.
Tatsächlich vermute ich, dass Unbehagen oft mehr Raum in unseren Gedanken einnimmt als Freude.
Hundert gute Dinge können an einem Tag passieren, und dennoch kann eine unangenehme Sache unsere Gedanken verzehren. Eine Kritik kann zehn Komplimente überdecken. Eine Unannehmlichkeit kann ein Dutzend Segnungen in den Schatten stellen.
Kürzlich schrieb ich, dass Zucker die Droge sein könnte, die wir in Amerika nicht beim Namen nennen wollen. Heute Morgen stellte ich mir eine andere Frage:
Was, wenn Komfort die Sucht ist, die wir nicht beim Namen nennen wollen? Was, wenn unsere Besessenheit nach Komfort uns stillschweigend geschwächt hat?

Unbehagen und Komfort

Für den Großteil der Menschheitsgeschichte war Unbehagen einfach Teil des Lebens. Die Menschen froren im Winter. Im Sommer war ihnen heiß. Sie wurden nass, wenn es regnete, und wateten durch Schlamm. Sie mussten schwere Dinge schleppen und körperliche Arbeit war ein normaler Teil des täglichen Daseins. Manchmal mussten sie Langeweile, Hunger und Ungewissheit ertragen.
Heute wechseln viele von uns von einem klimatisierten Haus in ein klimatisiertes Auto und von dort in ein klimatisiertes Büro, ohne großartig vom Wetter betroffen zu sein.
Bei mir auf der Ranch ist es ähnlich. Wenn ich nach dem Vieh sehen muss und es regnet, kann ich das normalerweise aus einem Fahrzeug heraus tun, das mit Heizung, Klimaanlage, Scheibenwischern und einem bequemen Sitz ausgestattet ist. Die Tatsache, dass ich diese Aufgabe erledigen kann, ohne nass zu werden, ist ein außergewöhnlicher Luxus, der den Großteil der Menschheit vor nicht allzu langer Zeit in Erstaunen versetzt hätte.
Doch wir erleben diese Annehmlichkeiten kaum noch als Luxus. Wir erleben sie als Notwendigkeiten.
Die Schwelle für Unbehagen ist so niedrig geworden, dass gewöhnliche Erfahrungen sich unerträglich anfühlen können.
Ich sehe das ständig auf der Ranch.
Leute kommen zu Besuch und sind überwältigt von dem Schmutz, dem Schlamm, den Gerüchen, den Fliegen und dem Wetter. Nichts davon ist ungewöhnlich. Es sind einfach Realitäten der natürlichen Welt. Doch viele Menschen haben sich so sehr von der Natur entfremdet, dass ihnen grundlegende Elemente der menschlichen Existenz extrem erscheinen.
Ich verurteile niemanden dafür, dass er Komfort möchte.
Mein geschwollenes Auge ist der Beweis dafür, dass ich über all dem nicht erhaben bin.

Da war noch etwas …

Heute Morgen wollte ich, dass das Gerstenkorn sofort verschwindet. Ich wollte, dass das Unbehagen weg ist. Ich wollte, dass die Schwellung weg ist. Ich wollte vor der Kamera normal aussehen.
Tatsächlich sagte ich eine Podcast-Aufnahme ab, weil ich nicht unbedingt Videoaufnahmen von mir wollte, auf denen ein Auge halb zugeschwollen ist.
Eitelkeit und Komfort sind keine Probleme, die andere Menschen betreffen. Sie gehören auch zu mir.
Aber ich frage mich, ob Komfort nur die halbe Geschichte ist.
Vor ein paar Tagen telefonierte ich mit jemandem, der sagte: „Ich kann es kaum erwarten, nach Hause zu kommen. Ich beobachte nur die Uhr.“
Der Kommentar blieb an mir haften, weil mir klar wurde, dass ich mich selten so gefühlt habe.
Den Großteil meines Erwachsenenlebens habe ich für mich selbst gearbeitet. Noch wichtiger ist, dass ich für etwas gearbeitet habe, das größer ist als ich selbst. Meine Arbeit war nie einfach nur ein Austausch einer gearbeiteten Stunde gegen eine bezahlte Stunde. Sie war damit verbunden, Kinder großzuziehen, Land zu bewirtschaften, Menschen zu ernähren, Tiere zu pflegen, Unternehmen aufzubauen und dem nachzugehen, wozu ich glaube, dass Gott mich berufen hat.

Mit Bestimmung durch das Unbehagen

Die Leute fragen mich oft, wie ich das alles schaffe. Die Wahrheit ist, dass ich nicht alles schaffe. Vieles läuft schief. Viele Dinge bleiben liegen. Es gibt kein Patentrezept.
Was mich am Laufen hält, ist Bestimmung. Ein Mensch mit Bestimmung kann ein außergewöhnliches Maß an Unbehagen ertragen.
Eine Mutter wacht die ganze Nacht, weil sie ihr Kind liebt. Ein Rancher trotzt dem eiskalten Regen, weil die Tiere Pflege brauchen. Ein Geschäftsinhaber arbeitet an Wochenenden, weil die Vision wichtig ist. Eheleute arbeiten sich durch schwierige Zeiten, weil es wert ist, für ihre Ehe und Beziehung einzustehen.
Bestimmung macht Unbehagen erträglich.
Vielleicht ist das die wahre Gefahr, der unsere Kultur gegenübersteht. Es ist nicht einfach nur so, dass wir süchtig nach Komfort geworden sind. Es ist so, dass viele von uns den Kontakt zu ihrer Bestimmung verloren haben.
Wir bewegen uns durch die Welt auf der Suche nach einem guten Job, ein bisschen mehr Geld, einer besseren Erfahrung, einem einfacheren Weg. Wir optimieren auf Komfort, ohne jemals innezuhalten und zu fragen, was wir hier zu tun haben.
Die Frage ist nicht, was sich gut anfühlt.
Die Frage ist, was wir berufen sind aufzubauen, zu beschützen, zu erschaffen, zu bewahren und zu werden.
Wenn die Bestimmung verschwindet, können sich selbst kleine Unannehmlichkeiten überwältigend anfühlen. Wenn sie vorhanden ist, schaffen Menschen immer wieder Dinge, die einst unmöglich erschienen.

Ein Blick nach vorn

Die Zukunft wird uns zweifellos vor schwierige Aufgaben stellen. Das war schon immer so.
Es wird wirtschaftliche Not, persönlichen Verlust, Enttäuschung, Krankheit und Ungewissheit geben sowie Herausforderungen, die wir nicht vorhersehen können. Die Frage ist nicht, ob Unbehagen kommt. Die Frage ist, ob wir noch die Fähigkeit besitzen, es zu ertragen.
Ich behaupte nicht, alle Antworten zu haben. Ich behaupte nicht einmal, das erforderliche Durchhaltevermögen zu haben.
Aber eines weiß ich: Die Dinge, die mich im Leben am stärksten werden ließen, waren fast nie komfortabel.
Eine Ranch zu betreiben, ist unbequem.
Mutterschaft ist unbequem.
Ehe ist unbequem.
Ein Unternehmen aufzubauen ist unbequem.
Glaube zu leben ist unbequem.
Die besten Teile meines Lebens sind nicht dadurch entstanden, dass ich Unbehagen vermieden habe, sondern dadurch, dass ich gelernt habe, es zu tragen, ohne zuzulassen, dass es mir die Richtung diktiert.
Das Gerstenkorn wird heilen.
Die Frage ist, ob ich mich an die Lektion erinnern werde, nachdem es ausgeheilt ist.
Denn vielleicht liegt die Lektion nicht darin, wie schnell ich das Unbehagen beseitigen kann, sondern darin, ob ich meinen Blick bewusst auf mein Ziel gerichtet halten kann, auch während es noch unbehaglich ist.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Cost of Comfort“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Unglaublicher Internet-Detox: Wie ein Monat ohne Surfen mein Leben verändert hat

Es gibt einen Punkt, an dem ein Übermaß an Wahlfreiheit in Unfreiheit umschlagen kann. Zu viele Optionen lassen den Geist gelähmt und orientierungslos zurück, unfähig, sich auf das zu konzentrieren, was wirklich zählt. Nirgendwo zeigt sich das deutlicher als im Reich der Technologie mit seiner glattpolierten, reibungslos funktionierenden Oberfläche. Sie verführt uns rund um die Uhr mit unzähligen Möglichkeiten, die nur einen Fingertipp entfernt sind.
Während du im beruhigenden blauen Schein des Bildschirms versinkst, läuft die Realität unbemerkt weiter, und das Leben zieht an dir vorbei. Erst wenn der Bildschirm schwarz wird, kehrst du in die wirkliche Welt zurück.
Man sollte meinen, das Internet biete der Menschheit mehr Freiheit als je zuvor. Doch oft ist das Gegenteil der Fall. Der uneingeschränkte Zugang zu Nachrichten, Informationen, Videos, Artikeln, Spielen, sozialen Medien und Filmen – ein scheinbar endloser geistiger Spielplatz – ist so verlockend, dass wir uns ihm leicht vollständig hingeben.
Das Internet – sorgfältig darauf ausgelegt, kontinuierliche Dopaminreize zu erzeugen – kann süchtig machen wie eine Droge. Wie ein digitaler Flaschengeist erfüllt es scheinbar jeden Wunsch. Man wird hineingezogen, oft ohne es zu bemerken. Die Zeit verliert ihre Konturen, der Geist zerfällt in Fragmente und stumpft ab. Das Wesentliche des Lebens rückt in den Hintergrund. Während du im beruhigenden blauen Schein des Bildschirms gefangen bist, läuft die wirkliche Realität unbeeindruckt weiter – und das Leben zieht an dir vorbei.

Wiederaufnahme des wahren Lebens

Wenn sie nicht bewusst begrenzt wird, kann Technologie unsere Freiheit einschränken, ein sinnvolles Leben zu führen. Diese Erkenntnis wurde mir im vergangenen Monat auf besonders eindringliche Weise bewusst, nachdem ich mich einem Internet-Detox unterzogen hatte. Um es klarzustellen: Es handelte sich nicht um ein vollständiges Abschalten des Internets. E-Mails und notwendige Aufgaben habe ich weiterhin erledigt und mir auch einzelne Pausentage erlaubt. Mein digitales Fasten war also weder vollständig noch perfekt konsequent. Dennoch hatte ich Nachrichten, Videos, Onlinekäufe, zielloses Surfen und andere unnötige Internetaktivitäten weitgehend aus meinem Alltag gestrichen.
Ich wusste, dass ich eine Pause brauchte und von einer digitalen Entlastung profitieren würde. Mir war jedoch nicht bewusst, wie dringend diese Pause tatsächlich nötig war und welche tiefgreifende Wirkung sie haben würde. Ich hatte nicht erkannt, wie stark die Technologie bereits in mein Leben eingedrungen war und es langsam zu ersticken drohte – ähnlich einer Weinrebe, die sich um einen Baum windet. Erst als ich innehielt, wurde mir das Ausmaß klar.
Ohne die ständige Anziehungskraft der Bildschirme gewinnen alltägliche Momente unerwartet an Bedeutung. Foto: PRUDENCIOALVAREZ/iStock

Wenn man nicht mehr dem Druck ausgesetzt ist, mit der Welt Schritt halten zu müssen, richtet sich die Aufmerksamkeit ganz natürlich wieder auf das Unmittelbare, Persönliche und Erreichbare.

Foto: PRUDENCIOALVAREZ/iStock

Geheimnisse der Zeit

Zunächst fiel mir auf, wie sehr mich der Fluss der Zeit an meine Kindheit erinnerte. Damals verging die Zeit in einem anderen Rhythmus als im Erwachsenenalter. Mit weniger Verpflichtungen schienen die Tage langsamer zu vergehen. Kinder leben leichter im Hier und Jetzt. Als Kind konnte ich stundenlang einen Ameisenhaufen oder einen Bach beobachten, mich von den kleinsten Dingen faszinieren lassen und meine Aufmerksamkeit vollständig auf das richten, was sich direkt vor mir befand.
Seit ich erwachsen bin, habe ich für diese Art von Muße kaum noch Raum – zumindest dachte ich das. Doch fast unmittelbar nach dem Abschalten des Internets bemerkte ich, wie sich die Zeit verlangsamte und wieder weiter wurde.
Die Uhr schien in einem anderen Takt zu schlagen. Ohne dass das Internet meine Zeit in kleine Stücke zerschnitt, stellte ich fest, dass mir viel mehr davon zur Verfügung stand, als ich angenommen hatte – Zeit, um mit meiner Familie zu sein, zu lesen, nachzudenken oder draußen in der Sonne zu sitzen, während meine Tochter auf der Schaukel spielte.
In der Kindheit beschäftigt man sich selten mit Nachrichten oder entfernten Ereignissen. Das Leben entfaltet sich im unmittelbaren Umfeld. Genau dorthin führte mich mein Detox zurück. Ohne soziale Medien oder Nachrichtenseiten richtete sich meine Aufmerksamkeit ganz natürlich wieder auf mein eigenes Leben, meinen Einflussbereich und meine alltäglichen Pflichten. Ich machte mir weniger Sorgen um Dinge, die ich nicht kontrollieren kann, und fühlte mich gelassener im Umgang mit dem Nahen und Greifbaren.
Natürlich muss man sich als Erwachsener gelegentlich mit Nachrichten und dem Weltgeschehen auseinandersetzen. Während meines Detox wurde mir jedoch klar, dass mich das Internet – zumindest in meinem Fall – oft von dem entfernte, was mir am nächsten liegt. Dabei verlor ich wertvolle Energie an Dinge, auf die ich ohnehin keinen Einfluss habe.
Manchmal scheint die Zeit nach eigenen Gesetzen zu spielen. Foto: sommart/iStock

Manchmal scheint die Zeit nach eigenen Gesetzen zu spielen.

Foto: sommart/iStock

Endlich wieder frei im Denken

Es gab auch andere Veränderungen.
Sie zeigten sich in der Art und Weise, wie mein Geist arbeitet. Ohne das ständige Pingen und Piepen der Benachrichtigungen und ohne das zwanghafte Bedürfnis, online etwas Neues zu finden, erreichte ich eine größere Achtsamkeit und Aufmerksamkeit. Die Algorithmen diktierten nicht mehr, worüber ich nachdachte und was mich beschäftigte. Sie gehörten wieder mir selbst.
Die Journalistin Lydia Belanger erklärt: „Von Push-Benachrichtigungen und Erinnerungen bis hin zu Bewertungen und Belohnungsprogrammen – Technologie besitzt die Macht, uns dazu zu bringen, zu bestimmten Zeiten auf bestimmte Weise zu denken und zu handeln.“ Und weiter: „Suchtstiftendes Design hält uns gefangen, Algorithmen filtern die Ideen und Optionen, denen wir ausgesetzt sind.“
Bis ich diese Einflüsse aus meinem Leben verbannt hatte, war mir nicht bewusst, wie wahr Belangers Worte wirklich waren. So viel geistiger Raum war von den neuesten Onlinediskussionen, den neuesten Politphrasen und der neuesten Krise beschlagnahmt worden. Jetzt war ich frei, darüber nachzudenken, worüber ich nachdenken wollte. Ganz ohne die tägliche Ration an Empörung und Angst, die mir von den algorithmischen Götzen vorgesetzt wurde.
Wenn der digitale Lärm nachlässt, können tiefere Gedanken und Gefühle an die Oberfläche treten und bieten so Chancen für echtes Wachstum. Foto: Sergey Dementyev/iStock

Wenn der digitale Lärm nachlässt, können tiefere Gedanken und Gefühle an die Oberfläche treten. Das bietet Chancen für echtes Wachstum.

Foto: Sergey Dementyev/iStock

Das Wiedersehen mit einem alten Freund

Ich begann, meine Konzentrationsfähigkeit zurückzugewinnen. Die Stakkato-Onlineumgebung fördert sprunghaftes Denken. Das Internet bringt ständig neue Schlagzeilen, Links und Anzeigen, die einen überall anblinken. Es lässt den Geist von Thema zu Thema flitzen. Einen konstanten Kurs zu halten, wird fast unmöglich. Die Kürze der TikTok-Videos ist Ausdruck eines allgemeinen Onlinetrends: hin zu kürzeren, auffälligeren Inhalten, geprägt von unserem Bedürfnis nach sofortiger Befriedigung.
Doch als all dies ausgeblendet war, schien mein Geist zu einer älteren Denkweise zurückzukehren. Nicholas Carr, Autor von „The Shallows: What the Internet is Doing to Our Brains“ („The Shallows: Was das Internet mit unserem Gehirn macht“), nennt das „lineares Denken“. Ich erinnere mich an diese Art des Denkens aus der Zeit meiner Kindheit und Jugend, also aus der Zeit, bevor ich zu einem intensiven Internetnutzer wurde. Es ist die Art des Denkens, die vor dem Internetzeitalter wahrscheinlich allgegenwärtig war. Lineares Denken bedeutet, einem einzigen Gedankengang über einen langen Zeitraum hinweg von Anfang bis zum Ende mit Konzentration und Hingabe zu folgen. Im weiteren Verlauf meines Internetverzichts stellte ich fest, dass ich wieder über längere Zeit – bis zu zwei oder drei Stunden am Stück – ein Buch lesen konnte, was ich seit Jahren nicht mehr getan hatte. Plötzlich hatte ich sowohl die Zeit als auch die Aufmerksamkeitsspanne dafür. Das empfand ich als eine Art Erleichterung, wie das Wiedersehen mit einem alten Freund.
Das Lesen eines dicken Buches ist nur eine von vielen Aktivitäten im realen Leben, für die ich plötzlich Raum, Zeit und geistige Energie hatte. Der Autor und Informatikprofessor Cal Newport schreibt in „Digitaler Minimalismus: Ein fokussiertes Leben in einer lauten Welt wählen“ („Digitaler Minimalismus: Besser leben mit weniger Technologie“): „Zunehmend bestimmen sie [Technologien] unser Verhalten und unsere Gefühle und drängen uns dazu, sie stärker zu nutzen, als wir für gesund halten – häufig auf Kosten anderer Aktivitäten, die wir als wertvoller erachten.“
Während meiner Digitalpause wandte ich mich Aktivitäten zu, die ich mehr schätzte als das endlose Scrollen durch schlechte Nachrichten. Zu diesen geschätzten Dingen gehören die Arbeit auf meinem Grundstück, Spaziergänge, Basketballspielen, Lesen und Beten.
Der Unterschied zwischen Online- und Offlineaktivitäten zeigt sich oft im Unterschied zwischen dem Nachdenken über das Leben und dem tatsächlichen Leben. Ich möchte nicht erst am Ende meines Lebens feststellen, dass ich die meiste Zeit meines Lebens unter dem Bann der Bildschirme verbracht habe und mein Leben durch die Zwischenschaltung des Internets nur secondhand gelebt habe. Ich möchte mir die Hände schmutzig machen, den Wind im Gesicht spüren und echte Menschen treffen, von Angesicht zu Angesicht. Ein gelegentlicher oder vielleicht auch regelmäßiger Internet-Detox macht diese Lebensweise erst möglich.

Der Weg der Vermeidung

Ich glaube, das Internet funktioniert ein wenig wie ein mentales Pflaster. Wenn uns etwas stört – das kann alles sein, von ein bisschen Langeweile über schwierige Emotionen bis zu einem ernsthafteren Trauma –, dann wenden wir uns oft der Technologie zu. Wir wollen uns ablenken, um das Unangenehme zu mildern und den Schmerz zu lindern. Aber natürlich ist es ein falsches Heilmittel. Es verhindert, dass wir uns unseren realen mentalen oder emotionalen Problemen stellen. Dadurch wird das Problem tatsächlich nur noch schlimmer. Das ist die unbequeme Wahrheit, über die wir nicht gerne sprechen.
Zu meiner eigenen Überraschung stellte ich einige Wochen nach Beginn meines Internet-Detox eine Traurigkeit fest, mit der ich kämpfte. Sie hing mit Veränderungen in meinem Leben zusammen, die ich noch nicht vollständig verarbeitet hatte. Die innere Stille, die durch den Internetentzug entstand, erlaubte es mir, die leisen Stimmen der Trauer zu hören. Dies war Teil eines wichtigen Wachstumsprozesses. Hätte ich die Ablenkungen des Internets nicht beiseitegeschoben, hätte ich dies vielleicht nie erlebt. Ich wäre vielleicht in den wirbelnden Strudeln der Ablenkung steckengeblieben, in der Charybdis der unaufhörlichen Onlineunterhaltung, die uns davon abhält, der Realität zu begegnen.
Teile der Realität sind schmerzhaft. Deshalb suchen wir nach technologischer Betäubung. Aber dieser Schmerz ist notwendig. Nur wenn wir ihn akzeptieren, werden wir wachsen – und gesunden. Eine der größten Freiheiten, die ich durch das Weglegen meines Laptops entdeckt habe, ist die Freiheit, Probleme durchzugehen, anstatt sie einfach nur zu ignorieren.
Die reale Welt, die weder reibungslos verläuft noch ein endloses Dopaminkarussell ist, hat so viel mehr zu bieten als die Pseudoerfahrung eines Lebens, das größtenteils online stattfindet. Ja, sie ist hart, aber aus demselben Grund, aus dem auch Steine und Bäume hart sind – weil sie real sind.
Ein schlichter Internet-Detox hat es mir ermöglicht, fester in der Realität zu stehen. Dafür bin ich zutiefst dankbar.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What a Month Without Web Surfing Taught Me About Life“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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gesellschaft meinung

Warum zwanglose Begegnungen gut für die psychische Gesundheit sind

Sie hören das Klirren von Tassen, das erdige Aroma von Kaffee, das Gemurmel von Gesprächen und die gedämpfte Musik aus dem Radio, während die Barista Sie mit Namen begrüßt. „Das Übliche?“, fragt sie mit einem Lächeln. Sie nicken zustimmend, lassen sich an Ihrem Lieblingstisch mit Blick auf den Bauernmarkt draußen auf der Straße nieder und öffnen Ihr Buch.
Doch bevor Sie zu lesen beginnen, bemerken Sie einen anderen Stammgast, der in einem Polstersessel am Kamin sitzt. „Wie geht es den Kindern, Hans?“, fragen Sie. Er blickt lächelnd auf und erzählt Ihnen von den neuesten Eskapaden seiner Söhne. Das sind die Freuden, die jemandem vorbehalten sind, der innerhalb seiner Gemeinschaft lose Beziehungen aufgebaut hat: Verbindungen zu Menschen vor Ort, die warmherzig, vertraut und berechenbar sind, auch wenn sie nicht besonders tief gehen.
Dazu gehören der Friseur, den Sie jeden Monat besuchen, der Barkeeper, der Ihr Lieblingsgetränk kennt, der Typ im Gym, der Sie beim Krafttraining absichert, und eben auch der Nachbar von gegenüber, der Ihre Pflanzen gießt, wenn Sie im Urlaub sind. Sie alle sind Beispiele für Menschen, zu denen Sie lose Verbindungen aufbauen können. Sie sind nicht Ihre engsten Freunde, aber die vertraute Beziehung zu ihnen bringt dennoch etwas Wertvolles – vielleicht sogar etwas Unverzichtbares – in Ihr Leben und das dieser Personen.

Der Wert alltäglicher Verbindungen

Arkadiy Volkov, Psychotherapeut und klinischer Leiter von Feel Your Way Therapy, erklärt gegenüber der Epoch Times, dass Studien gezeigt hätten, dass Menschen mit mehr sozialen Bindungen eine höhere Lebenszufriedenheit und weniger Einsamkeit verspürten als Menschen mit weniger Verbindungen. Das gelte auch, wenn sie die gleiche Anzahl an engen Freunden haben.
„Wenn wir an psychische Gesundheit denken, denken wir an Beziehungen zu Partnern, Familie und Freunden“, so Volkov. „Wir neigen dazu, die Bedeutung loser Verbindungen zu übersehen.“
„Beziehungen, die nicht zu intim, aber prägnant und vertraut sind, zum Beispiel zum Friseur, zum Priester oder zum Nachbarn, sind jedoch ebenfalls wichtig. Diese Beziehungen sind emotional nicht allzu tief, aber sie schaffen etwas Stabilisierendes und vermitteln ein Gefühl der Zugehörigkeit im Alltag.“ Volkov erklärt, dass unser Gehirn auf diese Art von Verbindungen programmiert ist. Selbst so einfache Dinge wie Blickkontakt, kurze Gespräche und das Hören des eigenen Namens können unser Identitätsgefühl und unser Wohlbefinden steigern.
Lose soziale Bindungen helfen uns, ein Gefühl für unseren Platz innerhalb einer größeren Gemeinschaft zu entwickeln.
Regelmäßige Dienstleistungen wie Friseurbesuche und Fitnesskurse können als kleine soziale Ankerpunkte dienen, bei denen Menschen wieder mit bekannten Gesichtern aus ihrer Nachbarschaft in Kontakt treten. Foto: nd3000/iStock

Regelmäßige Dienstleistungen wie Friseurbesuche und Fitnesskurse können als kleine soziale Ankerpunkte dienen, bei denen Menschen wieder mit bekannten Gesichtern aus ihrer Nachbarschaft in Kontakt treten.

Foto: nd3000/iStock

„Lose Bindungen senden uns beständige Signale, dass wir in einer Gemeinschaft existieren, dazugehören und von Bedeutung sind“, sagt Volkov. Die stetige Ansammlung solcher Beziehungen innerhalb einer Gemeinschaft bilde ein viel festeres Fundament für die Gemeinschaft als Ganzes – wie Sediment in einem Fluss. Die Widerstandsfähigkeit werde gestärkt.
Rabbi Shlomo Slatkin, ein lizenzierter klinischer Berater und Mitbegründer des Marriage Restoration Project, bringt es auf den Punkt: „Je vernetzter Menschen sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie sich in guten wie in schweren Zeiten gegenseitig unterstützen. Es ist wichtig, Menschen zu haben, mit denen man feiern kann. Es ist eine Kettenreaktion. Man verbindet sich mit einer Person, die mit einer anderen verbunden ist, und so weiter. Dies breitet sich auf eine ganze Gemeinschaft aus, die miteinander vernetzt ist und ein Unterstützungssystem füreinander sein kann.“

Eine starke Gemeinschaft mitgestalten

Volkov äußert sich ähnlich und merkt an, dass Gemeinschaften, die dicht mit diesen Bindungen durchzogen sind, besser auf Krisen reagieren. „Nachbarn mit stärkeren Bindungen reagieren besser auf Stressfaktoren oder Krisen“, sagt er. „Man weiß, dass es eine Basis an Vertrauen und Anerkennung gibt.“
Einfache, alltägliche Interaktionen summieren sich im Laufe der Zeit und bilden ein Geflecht miteinander verbundener Gemeinschaftsmitglieder, die in dramatischen Situationen sowohl gemeinsam feiern als auch trauern können. Wir sind dann in der Lage, diesen Momenten vor dem Hintergrund von Vertrautheit und Solidarität zu begegnen.
„Unser Gehirn mag Beständigkeit, weil sie sich sicher anfühlt“, sagt Volkov. „Wenn wir dieselben Leute in der Nachbarschaft oder im Fitnessstudio sehen und sie uns grüßen, entspannt sich unser Nervensystem, weil wir uns in einer geschützten Umgebung befinden.“
Diese „geschützte Umgebung“ ist besonders wichtig für die Resilienz in schweren Zeiten, sie kann aber auch das Leben generell mit größerer Verbundenheit, Ruhe und Bedeutung erfüllen.
Doch wie entwickeln wir diese losen Bindungen?

Erste Schritte

Der erste Schritt ist Beständigkeit. Wenn Sie wiederholt zur gleichen Zeit am gleichen Ort erscheinen, werden Sie bestimmten Gesichtern aus der Nachbarschaft begegnen, zu denen Sie nach und nach einen Draht aufbauen können. Aber Beständigkeit allein reicht nicht aus.
„Beständigkeit ist wichtig, aber auch die Interaktion“, sagt Slatkin. „Man kann nicht einfach nur auftauchen und sich nicht einbringen. Je mehr man sich einbringt, desto besser wird man sich fühlen.“
Volkov empfiehlt außerdem, aktiv mit bekannten Gesichtern in Kontakt zu treten, indem Sie ihre Namen lernen und sie nach ihrer Woche oder ihren Wochenendplänen fragen. Diese Gespräche müssen nicht kompliziert sein. Denn schon ein wenig Mühe kann viel bewirken.
Man könnte argumentieren, dass wir diese losen Bekanntschaften heute mehr denn je brauchen. Wenn so viel unserer sozialen Aktivität in den digitalen Raum abgewandert ist, verlieren wir den Kontakt zu den greifbaren, realen Verbindungen.
Es sind die Blickkontakte, der Klang von Stimmen und die unerwarteten Begegnungen an der Straßenecke, die unsere körperliche Existenz in einer bestimmten lokalen Gemeinschaft festigen. Ein integraler Bestandteil einer Gemeinschaft zu sein, bedeutet, Leute zu kennen und von anderen gekannt zu werden.
„Viele Online-Transaktionen sind anonym“, sagt Volkov. „Aber lose Bindungen erfordern eine bestimmte Absicht und Nähe. Das ist gerade jetzt [in einer digitalen Welt] von Bedeutung.“
„Wir brauchen Menschen, die unseren Namen, unser Lieblingsgetränk und so weiter kennen“, konstatiert er. „Menschen brauchen ein Ökosystem, in dem sie gedeihen können. Lose Bekanntschaften sind ein großartiger Weg, um dies zu erreichen.“
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Why You Should Know Your Neighbors: Why Casual Connections Matter for Mental Health“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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gesellschaft

Was kleine Kinder ihre Eltern lehren

In den meisten Fällen sind es die Eltern, die ihre Kinder lehren. Aber manchmal ist es auch andersherum. In einigen wenigen, aber wichtigen Fällen sind es die Kinder, die ihren Eltern etwas beibringen. Natürlich verflüchtigen sich die Lektionen eines Kindes so schnell wie Tautropfen bei einem Wiesenspaziergang.
Ein Kind lehrt nämlich, indem es einfach so ist, wie es ist – ohne Hintergedanken oder Verstellung. Sein frisches, junges Selbst, das im Frühling des Lebens erstrahlt, ist die Lektion an sich. Es weiß und lebt Dinge, die seine Eltern vergessen haben und an die sie erinnert werden müssen.
Ein Kind lebt in einer Welt des Staunens. Alles ist neu und nichts abgestanden. Sein Enthusiasmus beim Anblick eines großen Vogels oder eines Baukrans ist genauso ansteckend wie sein Lachen – vorausgesetzt, seine Eltern öffnen sich ihm gegenüber.
Für das Kind hat die Welt ihren Glanz noch nicht verloren. Nichts ist durch Vertrautheit und Wiederholung stumpf oder verächtlich geworden. Seine vitale junge Seele hat die Kraft, Wiederholungen zu ertragen, ohne sich zu langweilen zu werden („Lies es noch mal vor, Mama!“). Wenn seine Eltern empfänglich sind, kann es sie lehren, dass gute Dinge es wert sind, wiederholt zu werden.
G. K. Chesterton sah in dieser kindlichen Neigung zur Wiederholung etwas fast Göttliches. Er schrieb in „Orthodoxie“:
„Weil Kinder von überschäumender Lebenskraft sind, weil sie wild und frei im Geiste sind, darum verlangen sie nach Wiederholung und Unveränderlichkeit. Immer sagen sie: ‚Mach’s nochmal!‘ Und der Erwachsene macht es nochmal und nochmal, bis er fast tot ist. Denn Erwachsene sind nicht stark genug, um sich an der Eintönigkeit zu erfreuen. Aber vielleicht ist Gott stark genug, um sich an der Eintönigkeit zu erfreuen. Vielleicht spricht Gott jeden Morgen zur Sonne: ‚Mach’s nochmal‘, und jeden Abend zum Mond: ‚Mach’s nochmal‘ […] Vielleicht hat Er den ewigen Appetit der Kindheit, denn wir haben gesündigt und sind alt geworden, und unser Vater ist jünger als wir.“ (Freie Übersetzung)
Kinder können sich tendenziell leichter auf den gegenwärtigen Moment konzentrieren als Erwachsene. Foto: SbytovaMN/iStock

Kinder können sich tendenziell leichter auf den gegenwärtigen Moment konzentrieren als Erwachsene.

Foto: SbytovaMN/iStock

Kleine Dinge wertschätzen

Sich in einem Zustand des Staunens zu befinden, bedeutet, sich aus sich selbst heraus in Freude, Bewunderung und sogar einer Art Ehrfurcht angesichts der geheimnisvollen Schönheit der Welt gezogen zu verlieren. Es bedeutet Faszination für sogar die kleinsten und unbedeutendsten Dinge: ein Ameisenhaufen, das Zucken eines Katzenschwanzes oder die Art, wie sich Blasen in der Badewanne bilden.
Kleine Kinder, die nicht sehr selbstbezogen sind, gleiten leicht und natürlich in diesen Geisteszustand. Sie vergessen sich selbst, während sie mit weit aufgerissenen Augen den Mond, einen Wasserfall oder ein Insekt betrachten. Erwachsene hingegen kämpfen darum, aus der Selbstbezogenheit auszubrechen. Selbst auf dem Höhepunkt der Bewunderung haben wir immer noch ein Auge auf uns selbst sowie darauf, was andere über uns denken. Eine komisch aussehende Wolke reicht selten aus, um uns in Entzücken zu versetzen. Nicht so beim Kind.
Für das Kind ist alles in der Welt noch ein Geschenk, weil es so neu ist. In allem sieht es Gelegenheiten, seiner Neugier nachzugehen. Es weiß, dass die Welt voller Bedeutung ist. Immer wieder fragt es seine Eltern nach dem „Warum?“ – bis sie dessen müde werden. Nicht so das Kind. Denn es ist eine zutiefst menschliche Frage. Sie ist der Beginn der Weisheit.
Kinder neigen zum Spiel. Sie sind weniger an dem interessiert, was nützlich ist, als an dem, was Spaß macht. Natürlich müssen sie auch das Nützliche schätzen lernen. Es ist jedoch ein Fehler des Erwachsenenalters, ins andere Extrem zu schwingen und das „Spiel“ gänzlich zu ignorieren.
Spiel ist mehr als bloße Unterhaltung. In seinem tiefsten Sinne ist Spiel das Frohlocken über die Welt und die Macht der Vorstellungskraft. Es bedeutet, etwas zu tun, einfach weil man es kann. Es bedeutet, eine Tätigkeit aus reiner Freude auszuführen, ohne etwas daraus gewinnen zu wollen. In seiner besten Form – ob bei Kindern oder Erwachsenen – besteht das Spiel aus einer Haltung der Wertschätzung und Freude. Es ähnelt künstlerischem Schaffen und sogar religiösem Ausdruck.

Einfache Lebenslektionen von Kindern

Auch das Zeitgefühl eines Kindes ist es wert, darüber nachzudenken. Im Allgemeinen lebt ein Kind im gegenwärtigen Moment. Aufgrund seiner Jugend hat es nur eine begrenzte Sicht auf die Zeit, sowohl auf die Vergangenheit als auch auf die Zukunft. Das hat seine Nachteile, wie alle Eltern wissen. Ein kleines Kind leidet, wenn es ein paar Tage warten muss, bis seine Freunde vorbeikommen, denn es fühlt sich wie eine Ewigkeit an. Andererseits können Erwachsene etwas von dieser kindlichen Einstellung zur Zeit lernen.
Kleine Kinder verweilen nicht in der Vergangenheit und verbringen auch nicht viel Zeit damit, sich die Zukunft auszumalen. Sie gleiten von Moment zu Moment, sind voll präsent, voll engagiert und bereit, alles zu umarmen, was die Welt gerade bietet.
Sie sind weder von Reue erfüllt noch von Angst gelähmt, was passieren könnte. Es würde vielen Erwachsenen guttun, diese kindliche Einfachheit nachzuahmen, denn wir machen uns wegen der Vergangenheit und der Zukunft das Leben schwer, während der gegenwärtige Moment – das Einzige, was wir wirklich haben – wie Luft durch unsere Hände fließt, vergessen und vernachlässigt.
Kinder erleben das Leben im Hier und Jetzt – und manchmal zeigen sie uns Erwachsenen, wie das geht. Foto: Zinkevych/iStock

Kinder erleben das Leben im Hier und Jetzt – und manchmal zeigen sie uns Erwachsenen, wie das geht.

Foto: Zinkevych/iStock

Da die Erfahrungen des Kindes begrenzt sind und seine Vorlieben noch nicht ausgereift, gibt es sich mit wenig zufrieden. Ein Stück Süßigkeit kann seinen Tag verwandeln. Der Anblick seines Lieblingstiers versetzt es in helle Freude. Ein Besuch in der Bibliothek ist ein großes Abenteuer.
Kinder müssen lernen, Wichtigeres zu schätzen und sich mit zunehmendem Alter höhere Ziele zu setzen. Gleichzeitig zeigen sie uns aber auch, wie schön es ist, sich an den kleinen Dingen zu erfreuen und selbst mit den kleinsten Geschenken zufrieden zu sein – eine Eigenschaft, die wir oft verlieren. Wenn sie einfach glücklich sind, mit ihren Eltern, Geschwistern und Freunden zusammen zu sein, erinnern sie uns daran, was wirklich zählt.
Ich beabsichtige nicht, ein übermäßig romantisches Bild der Kindheit zu malen. Kinder machen genauso viele Fehler wie Erwachsene, manchmal mehr, und die Kindheit ist nicht immer die idyllische Erfahrung, die wir uns manchmal vorstellen.
Gleichzeitig besitzen Kinder von Natur aus Tugenden, die bei Erwachsenen tendenziell verkümmern: Staunen, Verspieltheit, Einfachheit und Dankbarkeit für die kleinen Dinge. Viele Erwachsene werden des Lebens überdrüssig, weil sie diese Eigenschaften verloren haben. Sie verbringen Jahre damit, zu versuchen, diese Tugenden wiederzuerlangen, was ihnen oft erst im hohen Alter gelingt. Doch diese wertvollen Eigenschaften der Kindheit stehen Erwachsenen, wenn sie richtig ausbalanciert sind, genauso gut wie Kindern.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Small Children Teach Parents“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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vital

Nur 7 Minuten draußen: Wie Kinder die Natur wiederentdecken

Eines der besten Geschenke, die man Kindern machen kann, ist es, ihnen von klein auf eine Liebe zur Natur zu vermitteln. Doch dieses Geschenk wird immer seltener. Ein Bericht des Institute for Social Research der University of Michigan aus dem Jahr 2015 brachte eine beunruhigende Statistik ans Licht: Das durchschnittliche amerikanische Kind spielt nur 7 Minuten pro Tag unstrukturiert im Freien. Das ist ein Rückgang von 50 Prozent in nur 20 Jahren.
Dies ist aus vielen Gründen besorgniserregend.
Richard Louv schrieb in seinem Buch „Last Child in the Woods: Saving Our Children From Nature-Deficit Disorder“ („Das letzte Kind im Wald: Wie wir unsere Kinder vor dem Naturdefizit-Syndrom retten“): „Gerade in dem Moment, in dem die Bindung zwischen der Jugend und der Natur abbricht, belegt eine wachsende Zahl von Forschungsergebnissen einen direkten Zusammenhang zwischen unserer mentalen, physischen und spirituellen Gesundheit und unserer Beziehung zur Natur – und zwar auf positive Weise“.
Zeit in der Natur wurde mit besserer mentaler Gesundheit, mit gesteigerter Kreativität und Konzentration, einem stärkeren Immunsystem, besserer Herzgesundheit, verbessertem Schlaf und mehr körperlicher Bewegung in Verbindung gebracht. Kinder, die viel Zeit draußen verbringen, sind glücklicher, klüger und weniger ängstlich als Kinder, die überwiegend drinnen spielen. Danielle Cohen schrieb für das Child Mind Institute, dass das Spiel im Freien das Selbstvertrauen der Kinder, ihre Vorstellungskraft und die Motivation für körperliche Bewegung stärke.

Ein Blick in die Ordnung dieser Welt

Abgesehen von den  physischen Vorteilen erhalten Kinder etwas Unfassbares, das jedoch ebenso wichtig ist: ein Gespür für die grundlegende Ordnung der Welt. Durch die Vertrautheit mit der Natur und eine Liebe zur wilden Natur lernen Kinder die Realitäten kennen, die der menschlichen Zivilisation zugrunde liegen.
Kinder, die viel Zeit in der Natur verbringen, verstehen intuitiv, wie die physische Welt funktioniert, und verfügen über feiner abgestimmte Sinne. Sie haben eine viszerale Begegnung mit dem sanften Streichen von Gras, hören das Trällern von Vogelgesang und das Fließen von Wasser. Sie spüren die rauen, harten Oberflächen von Steinen, Rinde und nackter Erde. All diese elementaren Dinge sind unsere Lebensquellen und die Rohmaterialien einer gesunden Vorstellungskraft.
Unstrukturiertes Spielen im Freien ermöglicht es Kindern, ihre Kreativität und Problemlösungsfähigkeiten zu entwickeln. Foto: Studia72/iStock

Unstrukturiertes Spielen im Freien ermöglicht es Kindern, ihre Kreativität und ihre Problemlösungsfähigkeiten zu entwickeln.

Foto: Studia72/iStock

Gehen wir in die Natur

Ein einfacher und unterhaltsamer Weg, um Kinder wieder mit der natürlichen Welt in Kontakt zu bringen, sind Naturspaziergänge. Bei diesen langsamen, explorativen Streifzügen durch eine natürliche Umgebung werden Kinder ermutigt, Dinge aus der Natur zu bemerken, zu schätzen, zu entdecken und zu sammeln.
Naturspaziergänge können viele Formen annehmen. Der Schlüssel liegt darin, Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Lernen, Neugier und Staunen zu fördern. Man kann auch einen Feldführer für die lokale Flora und Fauna mitnehmen und sich auf einen benachbarten Fußweg zu begeben. Eltern und Kinder können dabei gemeinsam so viele Arten wie möglich identifizieren.
Ein „wahrnehmender“ Naturspaziergang ist besonders vorteilhaft, um Kinder darin zu trainieren, ihre Sinne voll auszuschöpfen, um die Welt um sie herum geduldig und aufmerksam aufzusaugen. Der Erwachsene sollte dem Kind Fragen stellen, während sie umherschlendern. Was siehst du? Was riechst du? Wie würdest du den Geruch beschreiben? Was hörst du? Was fühlst du?
Sinneserfahrungen in der Natur, wie das Berühren von Gras oder Wasser oder Tierbeobachtungen fördern Neugier und kognitive Entwicklung. Foto: evgenyatamanenko/iStock

Sinneserfahrungen in der Natur wie das Berühren von Gras oder Wasser oder Tierbeobachtungen fördern Neugier und kognitive Entwicklung.

Foto: evgenyatamanenko/iStock

Für Kinder, die etwas mehr Anleitung oder Wettbewerb benötigen, um sich motiviert zu fühlen, ist eine Naturschnitzeljagd eine gute Option. Eine Liste mit spezifischen Gegenständen, die gefunden oder gesammelt werden sollen, kann das Erlebnis spannender machen.
Naturspaziergänge gehen natlos in Aktivitäten zu Hause über. Gegenstände, die in der Natur gesammelt wurden, können in einem Kunstprojekt oder einem Naturdiorama verwendet werden. Wenn Sie verschiedene Proben gesammelt haben, können Kinder diese dokumentieren und anschließend eine Ausstellung erstellen. Das Schöpfen von Teichwasser bei einem Spaziergang in der Natur eröffnet die Möglichkeit, die darin lebenden Mikroorganismen und Kleinstlebewesen später zu Hause unter der Lupe oder sogar unter dem Mikroskop genauer zu untersuchen. Das Verfassen einer Reflexion oder das Zeichnen eines Bildes oder einer Karte im Zusammenhang mit Naturspaziergängen ermutigt Kinder, ihre Erfahrungen zu verstehen.

Ein Rückzugsort inmitten des Trubels des Lebens

Lebendige Erfahrungen in der Natur sind die Basis für einige wunderschöne Erinnerungen.
„Wir haben eine so kurze Gelegenheit, unsere Liebe zu dieser Erde an unsere Kinder weiterzugeben und unsere Geschichten zu erzählen“, schrieb Louv. „Das sind die Momente, in denen die Welt wieder heil wird. In den Erinnerungen meiner Kinder werden die Abenteuer, die wir zusammen in der Natur erlebt haben, immer existieren.“
In der Kindheit begonne Aktivitäten im Freien können lebenslange Gewohnheiten prägen. Auch viele Erwachsene suchen weiterhin die Natur auf, um Erholung zu erlangen oder um sich zu vergnügen. Foto: kevajefimija/iStock

In der Kindheit begonnene Aktivitäten im Freien können lebenslange Gewohnheiten prägen. Auch viele Erwachsene suchen weiterhin die Natur auf, um sich zu erholen oder zu vergnügen.

Foto: kevajefimija/iStock

Zusätzlich zum Schaffen schöner Erinnerungen helfen Naturspaziergänge dabei, eine schöne Zukunft aufzubauen. Einen Geschmack für das Draußen zu entwickeln, dient Kindern ihr ganzes Leben lang. In der Natur werden sie Schönheit und Frieden finden, zu denen sie als Zuflucht zurückkehren können, wenn das Leben schwierig wird. Wenn sie wachsen, können sie lernen, dem Beispiel des Agrarschriftstellers Wendell Berry zu folgen, der schrieb:
„Wenn Verzweiflung für die Welt in mir wächst […] gehe ich und lege mich dorthin, wo der Erpel in seiner Schönheit auf dem Wasser ruht und der große Reiher frisst. Ich trete ein in den Frieden der wilden Natur, die ihr Leben nicht mit der Vorahnung von Gram belastet. Ich trete in die Gegenwart von stillem Wasser. Und ich fühle über mir die tagesblinden Sterne, die mit ihrem Licht warten. Für eine Zeit ruhe ich in der Gnade der Welt und bin frei.“
Diese Art von meditativer, erholsamer Beziehung zur Natur entwickelt sich nicht spontan. Bei so vielen modernen Ablenkungen ist es für Kinder leicht, Frieden oder Trost in Gadgets, Essen und Unterhaltung zu suchen. Aber diese Dinge haben nicht die Heilkraft – für Körper und Seele –, die die Natur besitzt. Deshalb ist es ein großes Geschenk, Kinder durch wiederholte positive Erfahrungen an die Natur heranzuführen. Es ist der Beginn einer lebenslangen Liebesaffäre mit der Schöpfung.

Inmitten der Natur festigen sich auch Freundschaften. Manchmal halten diese ein Leben lang.

Foto: kieferpix/iStock

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „7 Minutes Outside: Reconnecting Kids With Nature“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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meinung

Auf der Suche nach der großen Freiheit – doch Souveränität beginnt im Inneren

Ich lebe und arbeite in einer Gemeinschaft, die oft über Freiheit und Souveränität spricht. Wir untersuchen rechtliche Strukturen, steigen aus Systemen aus, bauen Unternehmen auf, bauen Lebensmittel an und erschaffen Leben, die unabhängiger von zentralisierter Kontrolle sind. All das ist wichtig, aber ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass nichts davon real ist, wenn wir nicht souverän in unseren eigenen Emotionen sind.
Wenn eine Fliege dir das Mittagessen ruinieren kann, bist du nicht frei. Wenn eine holprige Schotterstraße deine Stimmung bestimmen kann, bist du nicht souverän. Und wenn die schlechte Laune eines Fremden deinen Tag ruinieren kann, dann hat kein Rechtsdokument, keine Lebensstiländerung und keine Unabhängigkeitserklärung wirklich Bestand.

Theorie und Wirklichkeit

Das erlebe ich täglich deutlich, wenn ich Gäste auf unserer Ranch betreue. Sie kommen mit ähnlichen Werten, sprechen von Freiheit und Selbstständigkeit, erwarten aber oft, dass ihnen ein schöner Aufenthalt geboten wird. Sie erwarten, dass die Umgebung ihr Erlebnis prägt, anstatt selbst zu bestimmen, wer sie darin sein wollen.

Ein Gast erzählte mir einmal, die Straße zu unserer Ranch sei die schlechteste gewesen, die er je befahren habe. Ich lächelte und sagte ihm, er müsse gesegnet sein, denn es gäbe weitaus schlechtere Straßen auf der Welt.
Andere setzen sich draußen zum Essen hin, weniger als 100 Metern von Kühen entfernt, und sind überrascht wegen der Fliegen. Ich reiche ihnen einen Fliegenwedel und erinnere sie daran, dass dies ein bewirtschafteter Bauernhof ist. Wir werden unser Bestes tun, aber dies ist keine versiegelte, kontrollierte Umgebung. Es ist das echte Leben, und das echte Leben kommt mit Textur.
Den größten Teil der Menschheitsgeschichte lebten die Menschen in ständigem Kontakt mit dieser Textur. Schlamm, Fliegen, Staub, Hitze und Kälte waren keine Unannehmlichkeiten, die die Qualität eines Tages bestimmten. Es waren einfach Gegebenheiten. Niemand stand morgens auf und machte seine Lebenserfahrung davon abhängig, ob die Straße glatt oder die Luft sauber war. Das Leben erforderte Mitwirken, nicht Bewerten, und Freude hing nicht davon ab, dass es keine Reibungspunkte gab.
Irgendwo auf dem Weg haben wir uns davon entfernt, uns auf die Realität einzulassen. Wir hegen nun die Erwartung, dass sie für uns eine Leistung erbringt. Wir begannen zu glauben, dass etwas, das unbequem ist, falsch sein müsse. Wenn es Reibung gibt, müsse sie entfernt werden. Wenn ein Erlebnis nicht reibungslos verläuft, ist es gescheitert. Durch diesen Wandel sind wir nicht kultivierter geworden, sondern zerbrechlicher.
Die modernen Menschen neigen immer mehr dazu, eine perfekte Umgebung zu erwarten – und sich maßlos aufzuregen, wenn dem nicht so ist. Foto: johny007pan/iStock

Modernen Menschen neigen immer mehr dazu, eine perfekte Umgebung zu erwarten – und sich maßlos aufzuregen, wenn dem nicht so ist.

Foto: johny007pan/iStock

Die Schmiede des Lebens

Reibung ist kein Scheitern. Reibung ist der Ort, an dem Widerstandsfähigkeit aufgebaut wird. Wenn wir jedes Unbehagen entfernen, erschaffen wir keine besseren Menschen – wir erschaffen Menschen, die zunehmend von perfekt kuratierten Umgebungen abhängig sind, um sich gut zu fühlen. Das ist keine Souveränität. Es ist eine leisere Form der Abhängigkeit, die sich hinter Komfort versteckt.
Zwei Menschen können in exakt dieselbe Umgebung treten und völlig unterschiedliche Erfahrungen machen. Der eine sieht Schönheit, Verbindung und Neuartigkeit, der andere Unannehmlichkeit, Irritation und Mängel. Der Unterschied ist nicht die Umgebung. Es ist die Haltung, die jeder Mensch mit sich bringt.
Kommen Sie an einen Ort, um eine schöne Zeit zu verbringen, oder erwarten Sie, dass Ihnen eine schöne Zeit geboten wird? Diese Frage verrät mehr, als den meisten Menschen klar ist. Wenn Sie darauf warten, dass eine Erfahrung bewirkt, dass Sie sich gut fühlen, haben Sie die Kontrolle bereits abgegeben. Wenn Sie entscheiden, noch bevor Sie überhaupt ankommen, dass Sie offen, engagiert und präsent sein werden, verlieren die Bedingungen viel von ihrer Macht.
Hierbei geht es nicht darum, Unbehagen zu leugnen oder so zu tun, als ob das Leben keine Härten beinhalte. Es gibt echte Momente von Trauer, Verlust und Veränderung, die uns tief formen. Das meiste von dem, was uns im Alltag entgleisen lässt, ist jedoch keine Tragödie. Es sind Unannehmlichkeiten, und Unannehmlichkeiten sollten nicht so viel Gewicht haben, wie wir ihnen beimessen.

Echte Freiheit: Die Rückkehr zur inneren Stärke

Als Kind sagte ich meiner Mutter oft, dass ich mich langweilte, müde, hungrig oder verärgert war. Sie sah mich dann an und sagte: „Das klingt nach einer inneren Einstellung. Mach dich mal ran, das zu lösen.“ Damals empfand ich das als abweisend. Heute verstehe ich es als eine der wichtigsten Lektionen, die ich je gelernt habe. Sie erinnerte mich daran, dass ich selbst für mein inneres Wohlbefinden verantwortlich bin.
Irgendwann haben wir damit aufgehört, das zu lehren. Wir begannen, jedes Unbehagen als etwas zu betrachten, das äußerlich gelöst werden muss, anstatt als etwas, das man innerlich bewältigen kann. Dadurch schwächten wir unsere Fähigkeit, im Alltag gelassen zu bleiben.
Diese Stärke wiederzuerlangen erfordert nichts Kompliziertes, aber es erfordert eine bewusste Entscheidung. Es beginnt mit Eigenverantwortung, mit der entscheidenden Frage, wer man in einer bestimmten Umgebung sein möchte, anstatt sich nur zu fragen, ob diese Umgebung den eigenen Erwartungen entspricht.
Es setzt sich fort mit Offenheit, mit der Bereitschaft, Zeit an Orten zu verbringen, die nicht kontrolliert oder inszeniert sind, damit das Nervensystem wieder lernen kann, dass Staub, Hitze, Insekten und Unvorhersehbarkeit keine Bedrohungen darstellen. Sie sind einfach Teil des Lebens.
Es vertieft sich durch Sinnhaftigkeit. Wenn das Leben in etwas Realem verwurzelt ist, wie Arbeit, Familie, Land oder Gemeinschaft, verlieren kleine Unannehmlichkeiten allmählich ihre Bedeutung.
Sie wirken nicht mehr wie Kränkungen, sondern als Teil des Gesamtzusammenhangs. Das, was wirklich zählt, wird wichtiger als die kleine Irritation.
Ich habe immer und immer wieder gesehen, dass diese Art von Standhaftigkeit ansteckend ist. Wenn eine Person geerdet und durch Kleinigkeiten nicht zu erschüttern ist, verändert das den Ton der gesamten Interaktion. Es schafft Raum für andere, in dieselbe Haltung zu treten, das Leben mit etwas mehr Leichtigkeit und etwas weniger Widerstand zu erfahren.

Das Leben: Unvollkommen und abenteuerlich

Das ist die Art von Souveränität, die es wert ist, verfolgt zu werden. Nicht nur die Fähigkeit, aus Systemen auszusteigen, sondern die Fähigkeit, in sich selbst intakt zu bleiben, ungeachtet der Umstände. Nicht nur Freiheit auf dem Papier, sondern Freiheit in der Praxis, in den Momenten, in denen etwas schiefgeht, wenn die Bedingungen weniger ideal sind, wenn das Leben sich wie das echte Leben verhält.
Das echte Leben ist nicht desinfiziert. Es ist nicht immer glatt oder vorhersehbar, und es war nie so gedacht. Es ist schlammig und staubig und unvollkommen – und es ist immer noch, wenn wir uns dafür entscheiden, zutiefst gut.
Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „Sovereignty Starts Inside“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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meinung vital

Lassen Sie das Desinfektionsmittel weg und trainieren Sie Ihr Immunsystem

Die vorherrschende Antwort der konventionellen Pharma- und Impfstoffindustrie lautet, dass funktionelles Wohlbefinden aus einer Pille, einer Nadel oder irgendeiner Art von medizinischer Behandlung resultiert.
Als Landwirt mit Tausenden Tieren und ohne Tierarztrechnungen kann ich bezeugen, dass die vorherrschende konventionelle Vorstellung in der Viehwirtschaft darin besteht, dass ein krankes Tier anscheinend pharmazeutisch benachteiligt ist.
Ich vertrete ein völlig gegensätzliches Paradigma: Ein krankes Tier zeugt von meinen eigenen Fehlern. Vielleicht habe ich schwaches Zuchtmaterial gewählt. In vielen Jahrzehnten der Nutztierhaltung hatte ich ein halbes Dutzend wirtschaftlich bedeutsame Krankheitsausbrüche bei verschiedenen Arten. Jedes einzelne Mal war das Problem meine Schuld – Hygiene, Ernährung, Stress, Unbehagen und Giftstoffe. Ein Tier kann aus vielen Gründen krank werden, von denen keiner darin besteht, dass es medizinisch unterversorgt war.

Was „trainiert“ Immunsysteme?

Das bringt mich zu den Menschen. In seinem ikonischen „New York Times“-Bestseller „Guns, Germs and Steel“ („Arm und Reich“) erklärt Jared Diamond den Aufstieg von Kulturen, die in der Nähe von domestiziertem Vieh lebten. Menschengruppen, die eine enge Beziehung zu domestizierten Nutztieren pflegten, entwickelten bessere Immunsysteme.
Vor vielen Jahren beobachtete der britische Epidemiologe David Strachan, dass Kinder mit mehr älteren Geschwistern weniger Allergien hatten, was darauf hindeutet, dass ein früher Kontakt mit Infektionen dauerhaften Schutz bietet.
Viele in diesem Forschungsbereich schlossen sich dieser „Hygienehypothese“ an und postulierten, dass das Immunsystem wie ein Muskel ist und regelmäßiges Training braucht, um stark zu sein. In Übereinstimmung mit Diamonds allgemeinen Erkenntnissen wird diese Theorie am besten durch Forschung in Finnland gestützt.
Vor etwa zwei Jahrzehnten begannen Forscher in Finnland, dieses Konzept des „Immunsystems als Muskel“ zu untersuchen, indem sie den allgemeinen Gesundheitszustand von eng verwandten Kindern (Cousins oder Geschwistern) verglichen, die in unterschiedlichen Umgebungen lebten. Die Ergebnisse verliehen der Vorstellung, dass das Immunsystem ähnliche Eigenschaften wie ein Muskel besitzt, erhebliches Gewicht.
Kinder, die auf Bauernhöfen aufwuchsen und schon als Kleinkinder in den Stall gingen – und Sie wissen, was ein Kleinkind mit allem macht, was es an den Fingern hat –, waren weitaus robuster als ihre städtischen Altersgenossen. Ein bisschen Mist, Dreck und schimmeliges Heu oder Getreide stimulierten das Immunsystem und verringerten die Anfälligkeit für Erkältungen, Grippe und andere häufige Kinderkrankheiten.
Nun zu einer persönlichen Offenlegung: Freunde, die mich kennen, wissen, dass ich routinemäßig aus Kuhtränken mit den Kühen trinke. Ich tue es nicht, weil ich durstig bin, sondern weil ich eine größere Vielfalt an Kleinstlebewesen in meinem Mikrobiom haben möchte. Und ich möchte einen gewissen Kontakt zu jedem unsichtbaren Widersacher haben, der da draußen sein mag. Der Punkt ist, mein Immunsystem zu trainieren, damit es, wenn etwas wirklich Ernstes auftaucht, stark genug ist, um es abzuwehren.
Ja, ich könnte morgen sterben. Aber seit Jahrzehnten lebe ich viele Jahre ohne die üblichen Probleme, die die meisten Leute plagen. Das ist kein Stolz; es ist die demütige Anerkennung, dass wir einen ehrfurchtgebietenden und wunderbar erschaffenen Körper haben, der bereit ist, Gesundheit zu beherbergen, wenn wir ihm nur den Hauch einer Chance geben.

Desinfektion über den Wolken

Wenn ich in ein Flugzeug steige und der Flugbegleiter mit einem Korb voll antimikrobieller Desinfektionstücher dasteht, lächle ich zunächst. Dann lehne ich mich vor und sage höflich: „Nein, danke. Ich möchte wirklich Ihre Keime.“ Die Situation erzeugt immer einen fragenden Blick. Zweifellos sorgt es auch für Gespräche des Personals in der Bordküche. Vielleicht sagen sie: „Hast du diesen Spinner da drüben gesehen? Er will meine Keime.“
Auf einem kürzlichen Flug nahm ein Paar die Plätze A und B ein, ich saß auf C am Gang. Mit Masken bekleidet setzten sie sich hin und holten sofort Desinfektionstücher heraus. Tabletts, die Rückenlehne und Armlehnen – alles wurde gründlich abgewischt. Dann bot sie mir ihre Tücher an und ich sagte: „Nein, danke, Ma’am. Ich möchte wirklich Ihre Keime einatmen.“
Die Maske verbarg das Gesicht, das entsetzt gewesen sein muss.
Sobald wir in der Luft waren, kamen die Snacks heraus: Pringles, Twizzlers, Reese’s Pieces, Erfrischungsgetränke. Ich glaube, sie hatten eine ganze Supermarktsnackabteilung in ihrem sperrigen Handgepäck. Ich beobachtete sie 1 Stunde lang, wie sie all diesen Müll in sich hineinfutterten. In der 2. Stunde – es war ein 3-stündiger Flug – drückten sie den Rufknopf. Ich fragte mich, was das wohl sollte.
„Wir haben Probleme mit dem Zucker. Können Sie uns bitte etwas Apfelsaft bringen?“
Wollen Sie mich veralbern? Nachdem sie alles sterilisiert und dann Zucker und künstliche Stoffe konsumiert hatten, war mein vorherrschender Gedanke: „Und diese Leute gehen wählen.“ Müll zu essen und Keimparanoia sind ein Rezept für immunologische Fehlfunktionen, aber wir sehen diese Art von dystopischem Verhalten viel zu oft.

Streichelzoo und Dreck

Glücklicherweise scheint es sich herumzusprechen, dass eine muskelähnliche Immunologie real ist. Neue Mütter, die ihre Kleinkinder in Streichelzoos und zu Schlammpfützen bringen, scheinen die neue Manie im Bereich der Wellness für Kleinkinder zu sein. Dies ist eine gesunde Veränderung und ein Trend, der viele Vorteile bringen könnte.
Falls findige Unternehmer in dieser Kolumne so lange bei mir geblieben sind, hier ist mein Vorschlag für ein Millionen-Dollar-Geschäft: Verkaufen Sie mit Kompost und Dreck angereicherte durchlässige Matten an Städter, die sich nach einer robusten Immunfunktion sehnen. Es könnte ein Abonnementservice sein, bei dem alle vier Monate jemand kommt, den alten Kompost und Dreck ausschüttet und die Matte mit neuem Material füllt. Es könnte eine Fußmatte sein oder vielleicht sogar eine Matte, auf die man tritt, wenn man aus der Dusche kommt, um all diese guten Sachen an die nackten Füße zu bekommen.
Ich bin sicher, jemand ist schlau genug, um herauszufinden, wie man das Land in die Stadt bringt. Sicherlich schlage ich nicht vor, dass wir zu offenen Abwasserkanälen und fehlender Kühlung zurückkehren. Ich behaupte, dass die Menschheit zu steril werden kann. Unser aus Milliarden Mitgliedern bestehendes Mikrobiom ist nicht steril, und das wichtigste Maß für Vitalität ist die mikrobielle Vielfalt im Darm. Sie müssen mir keine Provision für die Idee zahlen. Nennen Sie sie einfach beim Namen und legen Sie los.
Wenn wir echte Lebensmittel essen, unverarbeitet, erhalten wir diese mikrobielle Vielfalt und unser Immunsystem genießt ein gewisses Training. Als technisch hoch entwickelte Gesellschaft sind wir zu steril geworden und unser Immunsystem leidet darunter.
Gehen wir wieder nach draußen, in unsere Gärten, in den Dreck. Teilen wir ein paar Keime und genießen wir es, unser Immunsystem zu trainieren. Besuchen Sie wenigstens mal einen Bauernhof.
Das ist doch ein besserer Ansatz, als unser Immunsystem zu schwächen und uns stattdessen auf Spritzen und Tabletten zu verlassen, um den körperlichen Verfall aufzuhalten – finden Sie nicht auch?
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Ditch the Sanitizer and Exercise Your Immune System“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Das energetische Geheimnis eines gesünderen Lebens – Medizinerin erklärt

Dr. Molly Maloof ist Ärztin, Pädagogin, Dozentin und Unternehmerin in den USA. Sie betreibt eine Praxis für Präzisionsmedizin, auch personalisierte Medizin genannt, und betreut Klienten in der Bay Area, Los Angeles, Atlanta und Jackson.
Auf ihrer Website erklärt die Präzisionsmedizinerin, seit 2012 mit über 50 Unternehmen in den Bereichen digitale Gesundheit, Biotech und Consumer-Wellness zusammengearbeitet zu haben. Ziel sei es gewesen, „eine Brücke zwischen innovativer Wissenschaft und praktischer Anwendung im Alltag“ zu bauen.
Die ehemalige Dozentin zum Thema „Live Better Longer: Enhancing Healthspan for Longer Lifespan“ (Länger besser leben: Die Gesundheitsspanne verlängern für ein längeres Leben) an der amerikanischen Eliteuniversität Stanford lud zu einem Kurs über Selbstmanagement ein.
Ihr Anliegen dabei ist es, den Teilnehmern Tipps und Praktiken zur Verbesserung ihrer Anpassungsfähigkeit zu geben sowie ihnen Möglichkeiten vorzustellen, wie sie mit schwierigen Situationen umgehen können. Durch die Anwendung bestimmter Ideen und Praktiken soll es ermöglicht werden, die krankheitsfreie Lebensphase eines Menschen zu verlängern. Sie erklärt:
„Ihre Transformation beginnt, wenn Sie aufhören, sich mit einem kranken, suboptimalen oder durchschnittlichen Gesundheitszustand zufriedenzugeben, und anfangen, nach Optimalität zu streben.“
EpochTV sprach in der Sendung „The Upgrade“ mit Dr. Molly Maloof. Hier eine gekürzte Version des Interviews.

Die Turbinen des Lebens

Dr. Molly Maloof, es freut mich, Sie bei uns begrüßen zu dürfen. Ich bin sehr neugierig auf Ihre Definition von Energie. Inwieweit bestimmt Energie die Gesundheit grundlegend?
Ohne Energiefluss in jeder einzelnen Zelle sind Sie nicht am Leben. Das ist der Unterschied zwischen einer lebenden und einer toten Person. Wenn wir Luft atmen, Wasser trinken und Nahrung essen, zerlegen wir die Nahrung durch Verdauung in Substrate.
Diese Substrate werden durch das gespeist, was man Elektronentransportkette nennt, was uns im Grunde hilft, Energie zu produzieren. Die Elektronentransportkette transportiert Elektronen in den Mitochondrien, um eine ATP-Turbine [ATP steht für Adenosintriphosphat] anzutreiben. Diese Turbine erzeugt die Energiewährung der Zelle, und das erzeugt einen elektrochemischen Gradienten.
Wenn also ein elektrochemischer Gradient erzeugt wird, erhalten Sie eine Batterie. Sie erhalten auch einen Kondensator, wenn Sie einen Ladungsunterschied zwischen zwei Platten haben. Ohne Batterien und Kondensatoren sind wir also grundlegend nicht am Leben. Das ist der Unterschied zwischen jemandem, der aufblüht, und jemandem, der sich abmüht.

Lebensstil hat mehr Einfluss als Genetik

Wir dachten früher, alles drehe sich um unsere Gene, und unsere Gene bestimmten unser Schicksal. Aber wir lernen gerade, dass unsere Gene wahrscheinlich nicht für mehr als 10 bis 30 Prozent unserer zukünftigen Gesundheit verantwortlich sind.
Es ist größtenteils der epigenetische Ausdruck unserer Gene, der unsere Gesundheit bestimmt. Und vieles davon basiert auf unserem Lebensstil. Unsere Mitochondrien sind diese Minisupercomputer in jeder Zelle.
Sie sind nicht nur Teil unseres Stoffwechsels. Sie spüren und integrieren die Umwelt und bestimmen, wohin die Energie fließt: Sind wir sicher? Sind wir unsicher? Produzieren wir Stresshormone, um der Gefahr zu entkommen, oder produzieren wir Sexualhormone, um uns fortzupflanzen? Sie sind also ein zentraler Regulator der Gesundheit und des Lebens.
Wenn man mehr Energie haben will, muss man also an seiner Batterie arbeiten. Wie können wir das angehen, sowohl körperlich als auch mental?
Sehr wichtig ist es, sicherzustellen, dass man mehr gute Dinge, die Energie liefern, zu sich nimmt und die schlechten Dinge, die die mitochondriale Funktion schädigen, entfernt.
Wie die Leute bereits wissen, ist unsere Umwelt sehr toxisch. Trinken Sie also reines, sauberes Wasser. Und ich spreche nicht von Flaschenwasser. In Flaschenwasser ist viel Mikroplastik. Man kann sich ein eigenes Wasserfiltersystem zulegen, sich Luftfiltersysteme anschaffen, sogar die Kleidung und Lebensmittel überprüfen und versuchen, Giftquellen aus dem Leben zu entfernen, wie Pestizide in Obst und Gemüse.
Das sind Kleinigkeiten, die man tun kann, um zu vermeiden, dass Toxine die Mitochondrienfunktion beeinträchtigen. Man kann sich sogar auf Schwermetalle testen lassen.
Aber darüber hinaus muss man auch sicherstellen, dass die Verdauung ordnungsgemäß funktioniert. Denn wenn die Verdauung nicht richtig funktioniert und man keine Nährstoffe aufnimmt, können die Mitochondrien nicht richtig arbeiten, da sie B-Vitamine und eine Vielzahl anderer Mineralien benötigen, wie Elektrolyte zum Beispiel.
Wir brauchen Natriumchlorid und Kalium, um richtig zu funktionieren. Und dann ist Bewegung entscheidend. Jeder weiß bereits, dass wir uns bewegen sollten. Aber sie wissen nicht immer, warum.

Signale, Gedanken und Botschaften

Mitochondrien reagieren auf Signale, die sie erhalten, und sind quasi Vorhersagemaschinen. Sie wollen herausfinden: Was muss ich heute tun, um sicherzustellen, dass ich morgen gesund bin und morgen die Energie habe, die ich brauche, um das zu tun, was ich tue?
Und das sind die Botschaften, die die Mitochondrien durch Bewegung erhalten. Sagen Sie den Mitochondrien, dass Sie für morgen mehr Energie brauchen. Jedes Mal, wenn Sie sich bewegen, senden Sie ein Signal, dass sich Ihr Körper an den Bedarf anpasst, indem er Ihre Energiespeicher erhöht.
Davon abgesehen brauchen wir alle auch Erholung. Man kann eine Maschine nicht 24/7 betreiben und erwarten, dass sie gut funktioniert. Wenn Menschen nicht richtig schlafen, erhalten sie nicht die reparativen Funktionen, die notwendig sind, damit ihr Körper ordnungsgemäß funktioniert. Und während des Schlafs findet so viel epigenetische Aktivität statt. Man muss die Maschine also ab und zu ausschalten, richtig?
Darüber hinaus würde ich sagen, dass die Botschaften, die wir uns selbst durch unsere Gedanken senden, für die Gesundheit entscheidend sind.
Wenn wir Botschaften senden, dass wir krank sind, dass wir uns unwohl fühlen, dass wir nicht aufblühen, dass wir uns abmühen, dass wir schwach sind, werden unsere Zellen darauf reagieren, indem sie das glauben und entsprechend handeln.
Unsere Gedanken spielen also eine wirklich wichtige Rolle, ebenso wie die Menschen, mit denen wir uns umgeben. Wir sind elektrochemische, elektromagnetische Wesen, also können wir die Energie anderer Menschen spüren.
Wir können das EEG spüren, wir können das EKG spüren. Das sind elektromagnetische Felder, die von der Verdrahtung unseres Körpers ausgehen. Wir können tatsächlich die Emotionen anderer Menschen spüren. Sich mit wütenden oder schwierigen Menschen zu umgeben, wird also nicht die Bedingungen schaffen, unter denen Ihr Körper gesund bleibt, und Sie werden buchstäblich den emotionalen Zustand von jemand anderem absorbieren.

Natur, Beziehungen, Nahrung – unterschätzte Heilmittel

Ich denke, das Wichtigste für ein langes Leben sind unsere Beziehungen, unsere Bewegungsgewohnheiten, unser Schlaf und unsere Ernährung. Gerade die einfachsten Grundlagen sind entscheidend. Die meisten Menschen brauchen etwas mehr Eiweiß und deutlich mehr Gemüse. Und ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist so einfach und wird doch so oft vernachlässigt.
Die Natur ist ein oft unterschätztes Heilmittel, das fast jeder Arzt seinen Patienten empfehlen sollte. Denn sie reduziert Stress direkt und ist eines der besten Mittel, um das Nervensystem zu regulieren. Denn unsere Umgebung bietet viele subtile, aber nicht immer aktive Reize sie wirkt auf subtile Weise.
Beziehungen und menschliche Berührung sind sehr wichtig und werden so oft übersehen.
Das Interview führte Makai Allbert. Es erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Actually Makes You Live Longer: Dr. Molly Maloof“. Die vorliegende Version ist gekürzt. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Einfache Wege zu mehr Leichtigkeit im Alltag

Manchmal erscheint uns das Leben schwer. Wir fühlen uns erdrückt von Sorgen, Verpflichtungen und Ballast – verstärkt durch unsere inneren Monologe sowie die ständige Informationsflut. Doch auch wenn das Leben anspruchsvoll sein kann, müssen wir uns von dieser Last nicht überwältigen lassen. Wir können uns bewusst dazu entscheiden, mehr Leichtigkeit in unseren Alltag einzuladen. Dadurch verbessern wir nicht nur unser eigenes Wohlbefinden, sondern schenken diese positive Energie auch unseren Mitmenschen.
Hier sind elf einfache Wege, um „leichter zu Leben“:

1. Lachen Sie mehr

Wenn es Ihnen wie den meisten Menschen geht, könnten Sie ein herzhaftes Lachen sicher gut gebrauchen. Lachen wirkt befreiend, macht glücklich und ist gesund. Es klärt die Luft, löst Spannungen und erinnert uns daran, uns selbst nicht zu ernst zu nehmen. Schon ein leises Kichern kann Ihnen sofort ein Gefühl der Erleichterung verschaffen.
Erinnern Sie sich an eine lustige Begebenheit, schauen Sie sich einen Comedy-Sketch an oder rufen Sie jemanden an, der Sie immer zum Lächeln bringt. Achten Sie auf die absurden und albernen Seiten des Lebens. Wenn Sie die Dinge lockerer nehmen können, löst sich die Schwere fast wie von selbst.

2. Organisieren Sie sich

Unordnung kann uns auf subtile Weise Kraft rauben. Wenn man das Gefühl hat, die Kontrolle zu verlieren, wirkt das Chaos im Außen oft belastend. Es kann eine große Erleichterung sein, sich nur ein paar Minuten Zeit zu nehmen, um einen kleinen Bereich neu zu strukturieren.
Nutzen Sie täglich nur 10 Minuten für Ihre Organisation: Löschen Sie überflüssige E-Mails, misten Sie eine Schublade aus oder bereiten Sie Ihre Kleidung für den nächsten Tag vor. Wenn Sie dies konsequent tun, werden Sie erstaunt sein, wie viel befreiter Sie sich bereits nach kurzer Zeit fühlen werden.

3. Bitten Sie um Hilfe

Mut und Klarheit zu beweisen und um Hilfe zu bitten, verschafft Ihnen nicht nur Unterstützung, sondern stärkt auch die Verbindung zu Ihren Mitmenschen. Oft zögern wir, weil wir niemandem zur Last fallen möchten. Doch tatsächlich fühlen sich viele Menschen geehrt, wenn man sich ihnen anvertraut. Wenn Sie Hilfe benötigen, zögern Sie nicht, danach zu fragen.

4. Gönnen Sie sich ausreichend Schlaf

Schlaf ist das Fundament Ihrer Regeneration. Er hilft Ihnen, klar zu denken, reduziert Stress und stärkt Ihr Immunsystem. Gehen Sie ein wenig früher ins Bett. Bereits 15 Minuten zusätzlicher Schlaf können einen spürbaren Unterschied machen, damit Sie den nächsten Tag entspannter angehen können.

5. Achten Sie auf Ihre Ernährung

Körper und Geist bilden eine Einheit. Wer seinen Körper nicht optimal nährt, kann sein volles Potenzial nur schwer ausschöpfen. Wählen Sie vollwertige, nährstoffreiche Lebensmittel und reduzieren Sie verarbeitete Produkte sowie übermäßigen Zucker. Geben Sie Ihrem Körper die Energie, die er für eine optimale Vitalität benötigt.

6. Erzielen Sie kleine Fortschritte

Perfektionismus tarnt sich oft als Ehrgeiz, führt jedoch häufig zu Stillstand. Wenn Perfektion der einzige Maßstab ist, erscheint das Ziel oft unerreichbar.
Konzentrieren Sie sich stattdessen auf kleinste Fortschritte. Senken Sie bewusst Ihre Ansprüche, wenn Sie etwas Neues beginnen – sei es ein Fitnessprogramm oder ein berufliches Projekt. Fragen Sie sich: „Was ist der kleinste Schritt, den ich heute tun kann?“ Gehen Sie diesen Schritt, und die Dynamik wird sich von selbst entwickeln.

7. Deaktivieren Sie Benachrichtigungen

Ihre digitalen Geräte sollten Werkzeuge sein, keine Herren über Ihre Zeit. Jede unnötige Benachrichtigung unterbricht Ihren Fokus und steigert das Stressempfinden. Wenn Sie wieder selbst entscheiden, wann Sie digitale Medien nutzen, gewinnen Sie Ihre Selbstbestimmung zurück. Deaktivieren Sie alle nicht notwendigen Push-Meldungen und steuern Sie Ihre Aufmerksamkeit wieder bewusst selbst.

8. Überprüfen Sie Ihren inneren Dialog

Niemand kommuniziert so intensiv mit Ihnen wie Sie selbst. Welche Geschichten erzählen Sie sich? Wir neigen dazu, negativen Urteilen in unserem Kopf unhinterfragt Glauben zu schenken.
Notieren Sie sich zur Übung wiederkehrende negative Gedanken und formulieren Sie das genaue Gegenteil daneben. Wenn Sie etwa denken: „Ich bringe nie etwas zu Ende“, setzen Sie dem bewusst den Gedanken entgegen: „Ich besitze die Kraft, meine Projekte erfolgreich abzuschließen.“ Lesen Sie diese neuen Sätze regelmäßig, bis sie die alten Muster ersetzen.

9. Verstehen Sie Ihre Emotionen

Gefühle sind flüchtig und können unseren Blick trüben. Nicht jede emotionale Laune erfordert eine sofortige Reaktion. Lernen Sie, Ihre Stimmungen neugierig zu beobachten, ohne sich von ihnen beherrschen zu lassen. Wenn Sie sich niedergeschlagen fühlen, verändern Sie Ihre Physiologie: Gehen Sie spazieren oder legen Sie Musik auf. Sie werden überrascht sein, wie schnell Bewegung belastende Gefühle vertreiben kann.

10. Erlauben Sie sich Freude

Wann haben Sie das letzte Mal etwas rein zum Vergnügen getan? Besonders leistungsorientierte Menschen vergessen oft, sich unbeschwerte Momente zu erlauben. Überlegen Sie, was Ihnen wirklich Freude bereitet, und integrieren Sie diese kleinen „Inseln des Glücks“ bewusst in Ihren Alltag.

11. Finden Sie Vertrauen

Das Leben ist selten ohne Herausforderungen. Doch gerade an diesen Hindernissen können wir wachsen. Vertrauen Sie darauf, dass auch schwierige Phasen einen Sinn haben und Ihnen die Chance bieten zur Weiterentwicklung bieten. Mit dieser neugierigen und offenen Geisteshaltung begegnen Sie Widrigkeiten nicht mehr mit Widerstand, sondern mit wahrer innerer Leichtigkeit.
 
Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „11 Simple Ways to Lighten Your Life“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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10 Sekunden, die Ihren Tag verändern können … und Ihr Leben

Im Jahr 1997 erhielt der US-amerikanische TV-Moderator und Pfarrer Fred Rogers, bekannt als Mister Rogers aus der Kindersendung „Mister Rogers’ Neighborhood“, für sein Lebenswerk einen Emmy Award. Seine Dankesrede war 153 Wörter lang. Hier ist die Rede, die Sie auch heute noch auf YouTube ansehen können:
„So viele Menschen haben mir geholfen, diesen Abend zu erleben. Einige von euch sind hier, einige sind weit weg, einige sind sogar im Himmel. Wir alle haben besondere Menschen, die uns mit Liebe ins Leben hineinbegleitet haben. Würden Sie sich einfach zusammen mit mir 10 Sekunden Zeit nehmen, um an die Menschen zu denken, die Ihnen geholfen haben, der zu werden, der Sie sind? An diejenigen, denen Sie am Herzen lagen und die das Beste für Sie im Leben wollten? 10 Sekunden Stille. Ich werde auf die Zeit achten.“
Während der damals 69-Jährige auf seine Uhr schaute, zoomte die Kamera ins Publikum. Mehrere Personen hatten Tränen in den Augen. Und Rogers fuhr fort:
„An wen auch immer Sie gerade gedacht haben – wie glücklich muss diese Person wohl sein, zu wissen, welchen Unterschied sie Ihrer Meinung nach bewirkt hat. Sie wissen, dass genau diese Art Mensch, das Fernsehen unserer Welt bieten kann. Ein besonderer Dank gilt meiner Familie, meinen Freunden und meinen Kollegen bei Public Broadcasting Family Communications sowie dieser Akademie dafür, dass sie mich all die Jahre ermutigt und mir ermöglicht haben, Ihr Nachbar zu sein. Möge Gott mit Ihnen sein. Vielen Dank.“
Obwohl er das Wort nie erwähnte, sprach Rogers natürlich über Dankbarkeit.

Dankbarkeit – eine bescheidene Kardinalstugend

Der römische Philosoph und Staatsmann Cicero sagte einst über Dankbarkeit: „Diese eine Tugend ist nicht nur die größte, sondern auch die Mutter aller anderen Tugenden.“[frei übersetzt]
Mut, Gerechtigkeit und all die anderen Tugenden werden uns als Geschenke anderer zuteil, ebenso wie das Leben, die Freiheit und das Streben nach Glück. Diese drei letzten sind natürliche Grundrechte, aber genau wie die Tugenden haben unsere Vorfahren sie geschützt und bewahrt und an uns weitergegeben. Ihrer Fürsorge gebührt unser Dank.
Dankbarkeit ist das Anerkennen des Guten in unserem Leben, selbst an jenen Tagen, an denen alles durcheinander zu sein scheint. Dankbarkeit ist sozusagen ein Stärkungsmittel für Herz, Seele und Verstand, das uns hilft, diese drei bei guter Gesundheit zu erhalten.
Andererseits wirkt sie auch wie ein kraftvolles Gegenmittel zu Wut oder Frustration, wenn die Dinge schiefgehen. Dankbarkeit kann uns durch einen harten Tag bringen und den nächsten Morgen mit einem Paukenschlag einleiten, wenn wir daran denken, „Danke“ zu sagen.
Wenn Dankbarkeit Mangelware ist, nur sporadisch hervorgerufen wird oder, schlimmer noch, gar nicht vorhanden ist, ist die Welt ein trostloser und viel öderer Ort.

30 Jahre blind gekämpft – und dann …

Das kann ich aus Erfahrung bestätigen. In den ersten 30 Jahren meines Erwachsenenlebens begann ich meine Tage mit einer To-do-Liste und zu schlagenden Schlachten. Sobald ich aus dem Bett war, stürzte ich mich in meine Verpflichtungen und Aufgaben. Ich betrieb zwei Unternehmen, half dabei, vier Kinder aufzuziehen und zu Hause zu unterrichten, und rannte dem Geld hinterher.
Nur selten hielt ich inne, um für meine Frau, meine wunderbaren Kinder, meine Freiheit, mein Leben in Amerika und das Leben selbst dankbar zu sein.
Der bekannte britische Schriftsteller und Journalist G. K. Chesterton hat diese weit verbreitete Einstellung einmal treffend beschrieben: „Wenn es um das Leben geht, ist das Entscheidende, ob man die Dinge als selbstverständlich betrachtet oder sie in Dankbarkeit annimmt.“
Ich betrachtete sie als selbstverständlich.
Das änderte sich schlagartig im Jahr 2004, als meine Frau an einem Gehirn-Aneurysma starb. Ihr Verlust entriss mir meine blinde Selbstgefälligkeit. Es dauerte einige Jahre, doch schließlich wurde die Dankbarkeit für die Menschen und Dinge, die ich liebe, zu einem vertrauten Begleiter.

10 alles verändernde Sekunden

Seit vielen Jahren beginne ich nun jeden Tag mit einem Kaffee und einem gesprochenen Gedanken, der nicht einmal 10 Sekunden dauert: „Danke, Herr, für einen weiteren Tag. Hilf mir, das zu tun, was ich tun soll.“
In letzter Zeit hat dieser Gedanke für mich eine noch tiefere Bedeutung bekommen. Wenn man mein Alter erreicht hat, ist das Wertschätzen eines weiteren Tages kein leeres Gebet mehr.
Diese tägliche Übung hat, glaube ich, mein Leben verändert. Natürlich bin ich manchmal immer noch entmutigt oder niedergeschlagen, aber nicht mehr so wie früher. Einmal verinnerlicht, scheint Dankbarkeit ein fester Bestandteil zu sein, ein Bollwerk gegen die tieferen Verwüstungen vergänglicher Gefühle und Enttäuschungen.

Was die Wissenschaft dazu sagt

Eine Onlinestudie auf der Harvard-Publikationsplattform „Harvard Health Publishing“ untermauert diesen Einzelfallbericht. Die Forscher haben herausgefunden, dass bewusste Dankbarkeit das emotionale Wohlbefinden steigert, das Risiko für Depressionen senkt und sogar günstige kardiovaskuläre Marker liefert.
Für diejenigen, die nicht daran gewöhnt sind, Dankbarkeit zu praktizieren, und dies ändern möchten, empfiehlt der Artikel mehrere Fragen, die sie sich selbst stellen könnten. Hier sind vier davon:
  • Was ist heute Gutes passiert?
  • Was halte ich für selbstverständlich, wofür ich eigentlich dankbar sein könnte?
  • Für welche Menschen in meinem Leben bin ich dankbar?
  • Was war das Freundlichste, das jemand in letzter Zeit gesagt oder getan hat?
Zu dieser Liste können wir eine beliebige Anzahl von Gründen für Dankbarkeit hinzufügen, vom Dach über dem Kopf bis hin zur Wertschätzung des Landes, in dem wir leben. Was den letztgenannten Grund betrifft, so ist die diesjährige Feier zum 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung der perfekte Anlass, um für die vielen Vorteile und Segnungen zu danken, die uns durch das Opfer und die harte Arbeit vergangener Generationen zuteil wurden. [Respektive auf andere Länder anzuwenden, Anm. d. Red.]

Erinnern Sie sich wieder an den Zauber im Leben

Nun zurück zu Chesterton, dem Meister des Aphorismus: „Ich würde behaupten, dass Dank die höchste Form des Denkens ist; und dass Dankbarkeit Glückseligkeit ist, verdoppelt durch Wunder.“
Probieren Sie die Methode von Mr. Rogers einmal aus. Beginnen Sie mit 10 Sekunden, in denen Sie sich an eine Person erinnern, die Ihnen geholfen hat, das zu werden, was Sie sind.
Versuchen Sie es am nächsten Tag erneut, und gehen Sie dann zu anderen Segnungen in Ihrem Leben über. Geben Sie diesem Experiment etwa einen Monat lang täglich 10 Sekunden. Wenn Sie möchten, können Sie es auch drei- oder viermal pro Tag tun – und die Chancen stehen gut, dass sich Ihre Glückseligkeit bald durch Wunder verdoppeln wird.
Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „10 Seconds That May Change Your Day … and Your Life“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)