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Warum das Waschen neuer Kleidung wichtiger ist, als man denkt


In Kürze:

  • Neue Kleidung hat einen langen Weg hinter sich und kann Schmutz, Bakterien, Staub oder Schimmel angesammelt haben.
  • Doch auch bei der Herstellung kommen Kleidungsstücke mit vielen verschiedenen Chemikalien in Berührung, die in den Fasern verbleiben.
  • Wer nach einem Kleiderkauf einen unerklärten Dermatitisschub erlebt, sollte seine Neuware immer waschen.
  • Bei empfindlicher Haut eignet sich ein parfüm- und farbstofffreies Waschmittel ohne Konservierungsstoffe am besten.

 
Brandneue Kleidung fühlt sich frisch und sauber an. Doch das Tragen von Kleidungsstücken direkt vom Bügel kann unsere Haut stark belasten.
Der Grund dafür ist, dass Bekleidung – einschließlich Online-Bestellungen und Secondhand-Kleidung – ein Minenfeld für riskante Reizstoffe sein kann, die sich in aller Öffentlichkeit verstecken.

Ihre neue Kleidung hat eine Vorgeschichte

Man kenne die Geschichte eines Kleidungsstücks nicht: Weder dessen Herkunft, Behandlung oder Verpackung, noch wer es angefasst habe, sagte Dr. Shilpi Khetarpal, Dermatologin an der Cleveland Clinic, gegenüber Epoch Times.
Die lange Lieferkette, insbesondere bei Artikeln aus Übersee, führe dazu, dass Kleidung durch viele Hände geht, bevor sie überhaupt in den Verkauf gelangt, sagte Karen Leonas, Professorin für Textilwissenschaften an der North Carolina State University, dazu. 
Fast alle Kleidungsstücke werden in einem Hinterzimmer, einem überfüllten Lager oder einer Produktionsstätte gelagert. Dort sammeln sie Schmutz, Bakterien, Staub oder Schimmel an, so die Professorin für Textilwissenschaften gegenüber Epoch Times. 
Kleidung in einem Geschäft wurde möglicherweise anprobiert, auf den Boden einer Umkleidekabine geworfen, mit Füßen getreten und wieder an einen Kleiderständer gehängt – oder sogar getragen und zurückgegeben. Jeder, der die Kleidung beim Einkaufen berührt oder zu irgendeinem Zeitpunkt zwischen der Herstellung und dem Verkauf mit ihr umgeht, übertrage Mikroben auf den Stoff, meinte Leonas.

Die „chemische Suppe“ beim Weben und Färben

Zudem kommen die Kleidungsfasern während der gesamten Produktion mit einer Reihe von Chemikalien in Berührung. Das beginne bereits beim Reinigungsprozess, so Leonas weiter. Organische Produkte wie Wolle und Baumwolle enthalten Schmutz und Schweiß, die man entfernen müsse.
„Sie durchlaufen einen ziemlich aggressiven chemischen Prozess. Und dann werden sie während der Garn- und Stoffherstellung gebleicht und mit Tensiden gewaschen.“
Tenside senken die Oberflächenspannung von Wasser, wodurch das Wasser besser an den Schmutz kommt und ihn leichter entfernen kann. Besonders aggressive Tenside können allerdings die Haut austrocknen und reizen.
Auch Natriumhypochlorit und Wasserstoffperoxid in Bleichmitteln können bei sehr empfindlichen Personen die Hautbarriere zerstören. Und Duftstoffe in Waschmitteln können reizend wirken.
Chemikalien, die Kleidung veredeln, enthalten jedoch die aggressivsten Reizstoffe. Das Kleidungsmaterial wird oft gefärbt und auch chemisch behandelt, um es wasserabweisend, flammhemmend, antimikrobiell, steif, knitterfrei oder weich zu machen. Einige Chemikalien werden ausgewaschen; andere sollen auf dem Stoff bleiben, um weiter zu wirken.
Es sei nicht ungewöhnlich, dass überschüssige Chemikalien auf dem Stoff verbleiben, so Leonas. „Oft werden sie nicht richtig ausgespült“, erklärte die Textilwissenschaftlerin.

Die Probleme unserer ersten Schutzbarriere

Bestimmte Personengruppen sind laut Untersuchungen einem höheren Risiko für unerwünschte Reaktionen ausgesetzt. Dazu gehören unter anderem Säuglinge, Kleinkinder, Menschen, die das ganze Jahr über in rauen Klimazonen leben, sowie alle, die zu Hautausschlägen und allergischen Reaktionen neigen.
Chemikalien in neuer Kleidung können vor allem eine Dermatitis verursachen, eine Entzündung mit starkem Juckreiz, Rötungen, Schwellungen und trockener Haut. Ekzeme – verursacht durch eine Kombination aus Genetik, einem überaktiven Immunsystem und einer geschwächten Hautbarriere – sind eine Form der Dermatitis.
„Manchmal ist [den Menschen] nicht klar, warum sie einen Schub haben oder warum sich der Zustand verschlimmert“, meinte die Dermatologin Khetarpal. Ihr zufolge ziehen Personen, die ohnehin zu Hautproblemen neigen, selten neue Kleidung als ersten Verdächtigen bei Hautbeschwerden in Betracht.
Ferner kann das Tragen neuer Kleidung ohne vorheriges Waschen auch für Personen ohne Hautveränderungen mit der Zeit problematisch werden. Der Grund dafür sei, dass die Haut gegenüber bestimmten Reizen empfindlicher werden kann, als sie es zuvor war, so Khetarpal.
„Unsere Haut verändert sich im Laufe der Zeit. Mit zunehmendem Alter produzieren wir weniger Talg“, erklärte sie. Talg ist eine wachsartige, ölige Schutzschicht, die die Haut umhüllt. Er fungiert als natürliche Schutzbarriere, die Feuchtigkeit in der Haut bindet und schädliche Bakterien sowie reizende Chemikalien abhält.
Kälteres Wetter und kühlere Klimazonen können die Talgproduktion ebenfalls verlangsamen, wodurch die Haut das ganze Jahr über weniger natürlichen Schutz hat.

Kleidung vor dem Tragen sinnvoll waschen

Die Lösung ist einfach: Waschen Sie alles, bevor Sie es tragen – neue Kleidung, Bettwäsche und Handtücher gleichermaßen, empfiehlt Dermatologin Khetarpal. Das spüle einen großen Teil chemischer Rückstände aus, während die im Gewebe gebundenen Stoffe ihre langfristige Funktion weiterhin erfüllen können.
Kaltes Wasser helfe am besten, die Kleidung zu erhalten und wirke in Kombination mit Waschmittel besser gegen Chemikalien als heißes Wasser allein. Zudem verhindere kaltes Wasser, dass leuchtende Farben ausbluten und der Stoff sich vorzeitig zersetzt, sagte sie.
Die Wahl des Waschmittels sei wichtiger als die meisten Menschen denken. Khetarpal rät, auf Duftstoffe zu verzichten. Diese seien dafür bekannt, der Haut Feuchtigkeit zu entziehen und die Hautbarriere anfälliger für Reaktionen zu machen, so die Dermatologin.
„Wir empfehlen immer ein parfümfreies oder Sensitiv-Waschmittel, da man der Haut keine Duft- und andere Reizstoffe zuführen sollte“, sagte sie. Wer einen Trockner hat und Trockentücher benutzt, sollte ebenfalls zur Sensitiv-Variante greifen.
Kleidungsstücke wie Mäntel, über der Kleidung getragene Pullover und andere Oberbekleidung bergen im Allgemeinen ein geringeres Risiko, da sie nicht direkt auf der Haut aufliegen. In vielen Fällen kann man das Waschen direkt nach dem Kauf hinauszögern oder ganz auslassen.

Das chemische Dilemma und das Immunsystem

Der Anstieg von Hautreaktionen auf Kleidungsstücke könnte die schiere Menge an Chemikalien widerspiegeln, die branchenübergreifend verwendet werden. Das werde kombiniert mit einem Immunsystem, das keiner gesunden Menge an Bakterien ausgesetzt war, so Khetarpal.
Ein gesundes Hautmikrobiom sei die erste Verteidigungslinie gegen Hautreaktionen, meinte die Dermatologin. Man könne es schützen, indem man: 
  • Seife und Wasser anstelle von Bleichmitteln oder antimikrobiellen Produkten verwendet, die neben schädlichen auch gesunde Mikroben entfernen können.
  • ein vielfältiges Darmmikrobiom mit nützlichen Bakterien hat. 
Eine gesunde Ernährung, die reich an buntem Obst und Gemüse ist, sowie das Vermeiden von unnötigen Antibiotikagaben, insbesondere in jungen Jahren, können die Anfälligkeit für eine Dermatitis verringern, fügte Khetarpal hinzu.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Why Washing New Clothes Matters More Than You Think“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Immer mehr Medikamente – Aber werden wir auch gesünder?


In Kürze:

  • Noch nie wurden so viele Medikamente verschrieben wie heute. Versicherte der Techniker Krankenkasse erhielten 2025 im Schnitt 292 Tagesdosen.
  • Zahlreiche Arzneimittel lindern gezielt Beschwerden oder verhindern Komplikationen – und schaffen durch Wechselwirkungen untereinander neue.
  • 2021 hat fast jeder zweite gesetzlich Versicherte ab 65 Jahren mindestens ein potenziell ungeeignetes Arzneimittel erhalten.
  • Das Bundesgesundheitsministerium ging im April 2026 von jährlich rund 250.000 Krankenhauseinweisungen infolge von Medikationsfehlern aus.
  • Veränderung ist möglich aber unbequem: Sie verlangt täglich neue Entscheidungen, zeigt sich oft aber erst nach Wochen oder Monaten.

 
Die Techniker Krankenkasse (kurz TK) meldete Anfang August einen neuen Höchstwert. Im Jahr 2025 bekamen die bei ihr versicherten Erwerbspersonen rund 34,3 Millionen Arzneimittelpräparate verschrieben. Insgesamt waren das 2,036 Milliarden Tagesdosen. Durchschnittlich entfielen damit 292 Tagesdosen auf jeden Versicherten.
Diese Auswertung betrifft wohlgemerkt Menschen im Erwerbsleben. Bewohner von Pflegeheimen und ein großer Teil der hochbetagten Patienten sind darin nicht enthalten. Gegenüber dem Vorjahr stieg das Verordnungsvolumen erneut um 2,6 Prozent. Bei den Herz-Kreislauf-Medikamenten hat sich die Zahl der Tagesdosen seit dem Jahr 2000 sogar um 129 Prozent erhöht.
Die TK nennt das einen Verordnungsrekord. Man kann dies als eine umfassende moderne medizinische Versorgung verkaufen. Schließlich gibt es heute für viele Erkrankungen wirksame Arzneimittel, die Beschwerden lindern, Komplikationen verhindern und Leben retten. Eine Frage bleibt trotzdem offen: Werden die Menschen dadurch gesünder?
Ein gesenkter Blutdruck gilt als Behandlungserfolg. Das gilt ebenso für einen besser eingestellten Blutzucker oder eine „beherrschte Entzündung“. Doch ein günstigerer Messwert beweist noch nicht, dass die Ursache einer Erkrankung beseitigt wurde. Der Patient kann laut Laborbericht gut eingestellt sein und sich dennoch keinen einzigen Tag gesund fühlen.

Polypharmazie und ihre Nebenwirkung

Hinzu kommt das Problem der Polypharmazie. Üblicherweise wird davon gesprochen, wenn ein Patient dauerhaft fünf oder mehr Medikamente einnimmt. Bei älteren und chronisch kranken Menschen sind acht, zehn oder noch mehr Präparate längst keine Seltenheit.
Wie ernst dieses Problem genommen werden muss, zeigt etwa die PRISCUS-Liste. Sie erfasst Arzneimittel, die bei Menschen ab 65 Jahren als potenziell ungeeignet gelten. Die aktuelle Fassung PRISCUS 2.0 enthält 177 Wirkstoffe und Wirkstoffklassen. Dazu gehören bestimmte Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antidepressiva, Schmerzmittel, Muskelrelaxantien und weitere häufig eingesetzte Präparate.
Teilweise werden auch eine zu hohe Dosis oder eine zu lange Einnahmedauer problematisch. Protonenpumpenhemmer gelten beispielsweise bei einer Behandlungsdauer von mehr als acht Wochen als potenziell inadäquat.
Die PRISCUS-Liste ist keine Verbotsliste. Ein dort aufgeführtes Medikament kann im Einzelfall notwendig und sinnvoll sein. Es sollte jedoch besonders sorgfältig geprüft werden, ob Nutzen, Dosierung und Behandlungsdauer noch stimmen und ob eine verträglichere Alternative infrage kommt.
Die Verordnungswirklichkeit ist indes ernüchternd. Nach einer Auswertung von Abrechnungsdaten hatte 2021 fast jeder zweite gesetzlich Versicherte ab 65 Jahren mindestens ein potenziell ungeeignetes Arzneimittel erhalten. Polypharmazie bedeutet deshalb mehr, als „nur“ eine lange Liste auf dem Medikamentenplan. Sie kann zu einem eigenständigen Gesundheitsrisiko werden.

Patienten in der Medikamente-Wechselwirkung-Spirale

Wie sieht es denn in der Praxis aus? Der Internist behandelt die Herzerkrankung. Der Diabetologe kümmert sich um den Blutzucker. Der Orthopäde verordnet etwas gegen die Schmerzen. Der Psychiater behandelt Depressionen. Beim Hausarzt laufen die verschiedenen Verordnungen schließlich zusammen – sollten sie zumindest. Er soll den Überblick behalten, obwohl sein Wartezimmer voll ist und für den einzelnen Patienten nur begrenzt Zeit zur Verfügung steht.
Mit jedem zusätzlichen Präparat steigt die Zahl möglicher Wechselwirkungen. Auch die Gefahr einer Verordnungskaskade wächst. Dabei wird die Nebenwirkung eines Arzneimittels als neues Krankheitszeichen gedeutet und mit einem weiteren Mittel behandelt.
Beispiel: ein Medikament verursacht Schwindel, Wassereinlagerungen, Verstopfung, Müdigkeit oder Schlafprobleme. Statt die bestehende Medikation zu überprüfen, kommt eine neue Diagnose hinzu. Darauf folgt das nächste Rezept. Auf diese Weise wächst ein Medikamentenplan über Jahre, ohne dass dabei jemand leichtfertig oder mit böser Absicht gehandelt haben muss.

58.000 arzneimittelbedingte Todesfälle

Dass diese Risiken keineswegs theoretisch sind, zeigte bereits der Pharmakologe Professor Jürgen C. Frölich. Im Jahr 2003 errechnete er gemeinsam mit einem Kollegen auf Grundlage einer norwegischen Krankenhausstudie für Deutschland bis zu 58.000 Todesfälle durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen im stationären internistischen Bereich.
Die Zahl war eine Hochrechnung und wurde damals kontrovers diskutiert. Beunruhigend war vor allem der Befund, dass ungefähr die Hälfte dieser Todesfälle als potenziell vermeidbar galt. Nur etwa sechs Prozent der arzneimittelbedingten Todesfälle waren von den behandelnden Ärzten als solche erkannt worden.
Mehr als zwei Jahrzehnte später ist das Problem genauso aktuell. Das Bundesgesundheitsministerium ging im April 2026 von schätzungsweise 250.000 Krankenhauseinweisungen jährlich infolge von Medikationsfehlern aus. Viele dieser Fälle seien vermeidbar.
Die Bundesregierung beschloss dann einen neuen Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit. Aktionspläne sind immer gut und signalisieren „man ist bemüht“. Eine Frage bleibt aber: Warum lässt sich ein so offensichtliches Problem so schwer lösen?

Dilemma der Ärzte

Zur Rettung der Ärzteschaft muss man sagen: Ihnen sind in vieler Hinsicht die Hände gebunden. Eine sorgfältige Überprüfung eines umfangreichen Medikamentenplans benötigt Zeit. Sämtliche Präparate müssen erfasst, Dosierungen kontrolliert und mögliche Wechselwirkungen geprüft werden. Alter, Gewicht, Nierenfunktion, Leberleistung und weitere Erkrankungen sind ebenfalls zu berücksichtigen.
Eine solche Prüfung lässt sich bei einem multimorbiden Patienten kaum zwischen Tür und Angel erledigen. Genau das verlangt der Praxisalltag jedoch häufig. Patienten müssen versorgt, Befunde dokumentiert, Anträge bearbeitet und zahlreiche gesetzliche Vorgaben erfüllt werden.
Dazu kommen dann die medizinischen Leitlinien. Formal sind Leitlinien keine Gesetze. In der Praxis beschreiben sie jedoch den anerkannten Behandlungsstandard. Ein Arzt, der von ihnen abweicht, sollte dafür gute Gründe haben und diese dokumentieren können. Wer die „Leitlinien-Therapie“ verordnet, befindet sich fachlich und rechtlich meist auf sichererem Boden.
Daraus entsteht ein merkwürdiges Leitlinienparadox. Jede einzelne Erkrankung wird korrekt nach ihrer jeweiligen Leitlinie behandelt. Der Patient mit fünf Krankheiten erhält am Ende fünf „korrekte“ Behandlungen, die aber zusammen ein kaum noch beherrschbares Problem bilden können.

Was Sie tun können

Auch die Patienten tragen ihren Teil zur Entwicklung bei. Das ist keine moralische Anklage. Wer krank ist, sucht einen Fachmann auf und erwartet Hilfe. Wenn ich mein Auto in die Werkstatt bringe, möchte ich es repariert zurückbekommen. Ich möchte vorher keinen Grundkurs in Fahrzeugelektrik absolvieren. Ähnlich ergeht es dem Patienten. Er geht zum Arzt, weil dieser Medizin studiert hat. Kaum jemand hat neben Beruf und Familie die Zeit, sich durch Leitlinien, Beipackzettel, Fachartikel und Wechselwirkungsdatenbanken zu arbeiten.
Der Vergleich hat allerdings eine Grenze. Das Auto fährt nach der Reparatur „allein“ weiter. Der menschliche Körper hängt auch nach dem Arztbesuch davon ab, wie sein Besitzer lebt und ob die Ursachen überhaupt abgestellt wurden, die zur Erkrankung oder den Schmerzen geführt haben.
Die Grundregeln – nicht nur der Naturheilkunde – dürften hinlänglich bekannt sein: ausreichende Bewegung, vernünftige Ernährung, guter Schlaf, weniger (besser gar kein) Alkohol, kein Nikotin, ein gesundes Körpergewicht und ein angemessener Umgang mit Stress. Das alles könnte bei zahlreichen chronischen Erkrankungen einen erheblichen Unterschied machen.
Die Umsetzung ist allerdings unbequem. Eine Tablette einzunehmen, dauert wenige Sekunden. Das eigene Verhalten zu verändern, verlangt täglich neue Entscheidungen. Und der Nutzen zeigt sich oft erst nach Wochen oder Monaten.

Bequeme Medikamente statt Arbeit

Vielleicht sehen wir deshalb im Fernsehen so viele medizinische Jubelgeschichten über neue Medikamente, Operationsroboter und spektakuläre Eingriffe. Solche Berichte liefern eindrucksvolle Bilder. Ein schwer kranker Mensch wird behandelt und kann wenige Tage später die Klinik verlassen.
Evidenzbasierte Naturheilkunde ist weniger fernsehtauglich. Regelmäßiges Krafttraining, Gewichtsreduktion, Schlafverbesserung, eine sinnvoll zusammengestellte Ernährung, gezielt eingesetzte Heilpflanzen oder die Korrektur eines nachgewiesenen Vitalstoffmangels ergeben keine dramatischen Fernsehbilder. Außerdem verlangen sie Mitarbeit.
Vielleicht wollen viele Menschen solche Sendungen gar nicht sehen. Die Botschaft könnte lauten, dass Gesundheit auch etwas mit der eigenen Lebensführung zu tun hat. Das klingt erheblich anstrengender als die Aussicht auf ein neues Präparat.

Wer profitiert am Ende?

Und dann wäre da noch die Industrie. An einer dauerhaft eingenommenen Tablette lässt sich mehr verdienen als an einem täglichen Spaziergang. Das klingt schnell nach Verschwörung und der „bösen Pharmaindustrie“. Dafür benötigt es jedoch keine Verschwörung.
Pharmaunternehmen sind Wirtschaftsunternehmen, stehen unter Renditedruck und sind auch den Erwartungen ihrer Aktionäre verpflichtet. Prävention und die Vermeidung unnötiger Dauerverordnungen berühren bestehende Märkte und wirtschaftliche Interessen. Wer daran etwas ändern möchte, muss mit Gegenwind rechnen.
Ein sinnvolles Gesundheitssystem müsste seinen Erfolg daher anders messen. Entscheidend wäre nicht allein, wie viele Menschen behandelt werden. Interessanter wäre, wie viele nach einigen Jahren weniger Medikamente benötigen, belastbarer geworden sind und ihre Stoffwechsellage verbessert haben. Die 292 Tagesdosen je erwerbstätigem Versicherten erzählen nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte betrifft jeden von uns.

Fazit: Eine Frage kann helfen

Wie wollen Sie es künftig halten? Reicht es Ihnen, wenn Ihre Werte mit immer mehr Medikamenten einigermaßen stimmen? Oder möchten Sie wissen, weshalb Ihr Körper diese Unterstützung überhaupt benötigt und was Sie selbst verändern können?
Medikamente sollten niemals eigenmächtig abgesetzt werden. Fragen darf man trotzdem. Vielleicht wäre die wichtigste beim nächsten Arztbesuch: Benötige ich dieses Mittel noch? Und was kann ich tun, damit ich es eines Tages nicht mehr benötige?
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Dürre in der Landwirtschaft – Knappheit in den Regalen?

Auf den ausgetrockneten Wiesen wächst kaum noch Gras nach; regional fallen der dritte und vierte Grasschnitt komplett aus. Auch der für die Winterfütterung wichtige Silomais liefert wegen mangelnder Kolbenbildung kaum Erträge. Dies hat zur Folge, dass den landwirtschaftlichen Betrieben 30 bis 40 Prozent weniger Grundfutter zur Verfügung steht als im langjährigen Durchschnitt. Das teilte der Landesbauernverband Baden-Württemberg (LBV) mit.

Wirtschaftliche Notverkäufe und die Folgen für den Fleischmarkt

Viele Landwirte sind gezwungen, Teile ihrer Herden vorzeitig abzugeben. Grund dafür sind die stark gestiegenen Preise für Heu und Stroh auf dem freien Markt, deren Zukauf sich für viele Betriebe wirtschaftlich kaum noch rentiert.
Laut Landwirt Lenz Berger aus Rieden haben sich die Siloballen im Vergleich zum letzen Jahr von durchschnittlich 40 auf 55 Euro erhöht. Dies ist nicht nur auf die Dürre zurückzuführen, sondern auch auf die gestiegenen Betriebskosten.
Gleichzeitig müssen die Landwirte bereits jetzt für die Futterversorgung im kommenden Winter und Frühjahr vorsorgen. Die Vorräte müssen ausreichen, um die verbleibenden Tiere sicher durch die kalte Jahreszeit zu bringen. “Es werden zur Schlachtbank als erstes Rinder geführt, welche in der unteren Kategorie der Milcherzeugung sind. Danach erfolgen die nächsthöhere Kategorie der Tiere für die Schlachtung.” so Berger.

Kapazitätsgrenzen an den Schlachthöfen und rechtliche Ausnahmen

Die Abgabewelle von Rindern führt in einzelnen Regionen Süddeutschlands zu Wartelisten bei Schlachthöfen, die sich kurzfristig am Limit ihrer Kapazitäten befinden.
Um die betroffenen Betriebe in der Krise bürokratisch zu entlasten, hat die EU-Kommission verschiedene Sonderregelungen genehmigt. Unter anderem dürfen ökologisch wirtschaftende Bio-Höfe aufgrund der extremen Futterknappheit ausnahmsweise konventionell erzeugtes Grundfutter zukaufen, um das Überleben ihrer Tiere zu sichern.

Neben der Dürre treiben auch höhere Betriebskosten die Futterpreise in die Höhe.

Foto: Ina FASSBENDER / AFP via Getty Images

Kommt der Preisschock für Verbraucher?

Ein überdurchschnittlicher möglicher Preisanstieg von Lebensmitteln im Jahr 2027 ist möglich. Unter anderem könnte der rückläufige Nutztierbestand zu einem geringeren Angebot an Fleisch und Milch führen. Auch die im kommenden Jahr zu erwartenden Kälbergeburten werden den Bestandsrückgang voraussichtlich nicht kurzfristig ausgleichen können. Eine vollständige Erholung des Viehbestands dürfte daher erst in den darauffolgenden Jahren erfolgen.
Zusätzlichen Druck auf das Angebot könnte der beschlossene Einfuhrstopp für brasilianisches Rindfleisch sowie weitere tierische Produkte wie Geflügel, Eier und Honig ausüben, der ab dem 3. September gilt.
Hintergrund sind unter anderem in Brasilien eingesetzte Wachstumshormone, die in der Europäischen Union nicht zugelassen sind. Nach derzeitiger Einschätzung könnte der Einfuhrstopp bis zu zwei Jahre andauern – also etwa so lange, bis eine neue Generation der derzeitigen Jungtiere herangewachsen und schlachtreif ist.
Eine Entlastung durch Importe aus europäischen Nachbarländern ist nicht zu erwarten. Denn auch dort hat die anhaltende Dürre zu Engpässen in der heimischen Landwirtschaft und damit teilweise zu Einschränkungen in der Lebensmittelproduktion geführt.

Die historische Dimension der Trockenheit

Solche Dürren, wie sie Kontinentaleuropa derzeit erlebt, traten in der Geschichte immer wieder auf, wenn auch in den vergangenen Jahrhunderten deutlich seltener. Als historische Referenzpunkte gelten die verheerenden Megadürren von 1540 sowie die Trockenphase zwischen 1471 und 1477.
Im Jahr 1540 fiel europaweit über elf Monate hinweg fast kein Niederschlag; Rhein und Main führten zeitweise nur noch 10 bis 15 Prozent ihrer üblichen Wassermenge. Die Flussbetten konnten vielerorts zu Fuß durchquert werden.

Politische Debatte: Flächenkonkurrenz im neuen Energiegesetz

Wie die Landwirtschaft künftig widerstandsfähiger gegen Extremwetter werden kann, wird derzeit von Politik und Umweltverbänden diskutiert. Im Fokus steht die Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2027).
Verbraucherschützer und Organisationen wie Foodwatch fordern, Agrarflächen für den Nahrungsmittel- und Futteranbau freizugeben, statt sie durch geförderten „Energie-Mais“ für Biogasanlagen zu blockieren. Rund ein Sechstel der nationalen Ackerflächen wird derzeit rein energetisch in der Landwirtschaft genutzt.
Der Entwurf für das EEG 2027 sieht daher eine deutliche Kürzung der Ausschreibungsmengen für Biogas vor. Die staatliche Förderung könnte um bis zu 70 Prozent sinken – für die Branche bedeutet das einen tiefgreifenden Strukturwandel.
Während der Fachverband Biogas vor dem Verlust verlässlicher und krisenfester Einkommen für landwirtschaftliche Betriebe warnt, setzt die Politik auf einen Kompromiss: Subventionen für den flächenintensiven Energie-Mais werden zwar gestrichen. Dafür soll die Biogasgewinnung aus landwirtschaftlichen Reststoffen wie Gülle und Mist gezielt gefördert werden.
Dies hat Vor- und Nachteile: Gülle und Mist liefern deutlich weniger Energie als Mais, sodass die Energiegewinnung der Biogasanlagen insgesamt sinken wird. Der Vorteil ist hingegen, dass dadurch weniger landwirtschaftliche Fläche für die Energieerzeugung benötigt wird.
Denn Gülle und Mist fallen ohnehin als Nebenprodukte der Tierhaltung an und können anschließend weiterhin als Dünger genutzt werden. Die bisher für den Energie-Mais benötigten Flächen stünden damit theoretisch vollständig für den Anbau von Nahrungs- und Futtermitteln zur Verfügung.

Photovoltaik: Der Vorrang der Agri-PV

Auch im Bereich der solaren Freiflächennutzung hat die Regierung auf den zunehmenden Flächendruck reagiert. Um zu verhindern, dass fruchtbare Agrarböden durch großflächige, bodennahe Solarparks für die Lebensmittel- und Futterproduktion verloren gehen, wurden die Förderrichtlinien deutlich verschärft. Klassische, bodennahe Freiflächen-Photovoltaikanlagen sind auf ertragreichen Ackerflächen baurechtlich kaum noch durchsetzbar und weitgehend von der staatlichen EEG-Vergütung ausgeschlossen.

Agri-PV ermöglicht eine doppelte Nutzung landwirtschaftlicher Flächen.

Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

Stattdessen konzentriert sich die staatliche Förderung auf die sogenannte Agri-Photovoltaik (Agri-PV).  Durch hochgeständerte1 oder vertikal2 installierte Modulsysteme wird eine doppelte Nutzung der Flächen ermöglicht. Durch die erhöhte Installation der Photovoltaikanlagen können die darunterliegenden Agrarflächen weiterhin mit landwirtschaftlichen Maschinen bearbeitet werden. Allerdings schränken die Stützen und die Konstruktion der Agri-PV-Anlagen die Bewegungsfreiheit der Landwirte und die Bearbeitung der Agrarflächen mit Maschinen teilweise ein.
Die besondere Bauweise der Agri-PV-Anlagen soll zudem sicherstellen, dass weiterhin ausreichend Sonnenlicht und Regen auf den Boden gelangen. Mindestens 85 Prozent der Projektfläche müssen für den Anbau von Nutzpflanzen oder als Weideland für die Tierhaltung erhalten bleiben. Diese Vorgabe soll sicherstellen, dass die Erzeugung von grünem Strom nicht länger zulasten der landwirtschaftlichen Produktion und damit der Futter- und Ernährungssicherheit geht.
 
1 Hochgeständerte Systeme: Die Solarmodule müssen so hoch gebaut werden (oft 2,5 bis 5 Meter hoch), dass darunter Traktoren, Mähdrescher und Feldspritzen problemlos durchfahren können. Auf diesen Flächen wächst weiterhin Getreide, Gemüse oder Futtermais.
2 Vertikale Solarmodule: Die Module werden wie Zäune senkrecht in Reihen aufgestellt. Zwischen den Reihen (Abstand oft 10 bis 12 Meter) kann der Bauer den Boden als Weidefläche für Rinder nutzen oder Gras für den Grasschnitt ernten. Die Stromerzeugung läuft quasi „nebenbei“ als Sicht- und Windschutz.
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Riechen Sie sich stark – mit dem Geruch von dunkler Schokolade

Laut einer neuen Studie kann das Einatmen des Schokoladendufts vor dem Krafttraining dazu beitragen, mehr Wiederholungen zu schaffen – sogar auf nüchternen Magen.
Die Ergebnisse, die kürzlich in der Fachzeitschrift „Frontiers in Physiology“ veröffentlicht wurden, untermauern die wachsende Erkenntnis, dass das Gehirn – und nicht nur Muskeln und Stoffwechsel – eine wichtige Rolle bei der sportlichen Leistung spielt.

Der Duft von Schokolade erleichtert das Training

Das Einatmen von Schokoladendüften unmittelbar vor und zwischen den Sätzen „erhöhte das gesamte Trainingsvolumen der Teilnehmer deutlich“, sagte der leitende Studienautor Mohamed Nashrudin bin Naharudin in einer Erklärung. 
Zudem habe sich das Training für die Probanden weniger anstrengend angefühlt, so der Assistenzprofessor an der Fakultät für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Malaya in Kuala Lumpur, Malaysia.
Die Forscher rekrutierten 23 mäßig trainierte, gesunde Männer im Alter von Anfang bis Mitte 20 und teilten sie in drei Gruppen ein, die verschiedenen Düften ausgesetzt wurden: 
  1. dunkler Schokolade,
  2. Milchschokolade, 
  3. Wasser (bei einer Kontrollgruppe).
Alle Teilnehmer fasteten mindestens 10 Stunden, bevor sie einige Sätze mit Übungen zum Beinstrecken absolvierten.
Die Teilnehmer, die dunkle Schokolade mit 90 Prozent Kakaoanteil rochen, führten etwa 18 zusätzliche Wiederholungen bei den Übungen durch. Sie gaben zudem an, weniger Hunger zu verspüren. 
Probanden, die den Duft von Milchschokolade mit 60 Prozent Kakaoanteil wahrnahmen, steigerten ihre Wiederholungszahl um rund neun. Sie berichteten jedoch nicht über Veränderungen hinsichtlich Hunger oder Sättigungsgefühl.

Dunkle Schokolade hatte die stärkere Wirkung

Das Riechen von Lebensmitteln kann die Erwartung wecken, diese zu essen. „Das Gehirn assoziiert den Geruch von dunkler Schokolade mit einem sättigenden Lebensmittel. Das Riechen kann dann dazu führen, dass man sich weniger hungrig fühlt“, erklärte Nashrudin bin Naharudin. 
Umgekehrt könnte der süßere Geruch von Milchschokolade als wohltuende Belohnung wirken. Das macht das Trainingsumfeld angenehmer und regt die Menschen dazu an, mehr Wiederholungen zu absolvieren, ohne dass der Hunger direkt gesenkt wird. 
Da sie im Rahmen der Studie weder Hormone noch die Gehirnaktivität maßen, sind laut den Studienautoren weitere Untersuchungen erforderlich, um den Mechanismus genau zu ergründen.
Schokolade ist eine starke und weithin anerkannte Belohnung. Allerdings glauben die Forscher, dass andere vertraute Lebensmittel, die mit Sättigung in Verbindung stehen, ähnliche Effekte haben könnten. Sie betonten, dass der Geruch vertraut und ansprechend sein muss, um die psychologischen und physiologischen Reaktionen auszulösen, die die Leistung fördern.

Die psychologische Wirkung von Düften

Die beobachteten Effekte hängen höchstwahrscheinlich eher mit psychologischen Faktoren wie Motivation oder Stimmung zusammen als mit direkten physiologischen Veränderungen, sagte Denise Chakoian gegenüber der Epoch Times. Sie ist eine zertifizierte Fitnesstrainerin und Inhaberin von Core Cycle Fitness LaGree in den USA und war nicht an der Studie beteiligt.
„Der Geruchssinn steht in direkter Verbindung zu den Bereichen des Gehirns, die für Emotionen, Gedächtnis und Motivation zuständig sind“, sagte sie. „Ein vertrauter Duft wie Schokolade kann jemanden in eine positivere Stimmung versetzen, noch bevor er überhaupt mit dem Training beginnt.“
Allein diese Veränderung könne Menschen dabei helfen, noch ein paar zusätzliche Wiederholungen zu schaffen, fügte sie hinzu.
„In dieser Studie gaben die Teilnehmer nicht an, dass ihnen das Training schwerer fiel. Das deutet darauf hin, dass die Wahrnehmung eine wichtige Rolle spielte“, so die Fitnesstrainerin. Dies bedeute aber nicht, dass es keine physiologischen Veränderungen gegeben habe, sondern dass der psychologische Effekt möglicherweise der größere Antrieb gewesen sei.
„Das ist eine gute Erinnerung daran, dass unser Gehirn die körperliche Leistungsfähigkeit stärker beeinflusst, als uns oft bewusst ist“, merkte sie an.
Duftbasierte Tricks seien allerdings kein Ersatz für eine gute Ernährung, Schlaf oder Bewegung. Sie könnten aber ein nützliches zusätzliches Hilfsmittel sein, insbesondere an Tagen mit wenig Energie, an denen geistige Erschöpfung das Training eher vorzeitig beenden lässt, fügte Chakoian hinzu.

Teil eines umfassenderen Musters

Es ist nicht das erste Mal, dass Forscher einen Zusammenhang zwischen Duft und Leistung hergestellt haben. Eine systematische Übersicht aus dem Jahr 2024 untersuchte, wie Düfte verschiedene Arten körperlicher Aktivität beeinflussten. Die erwähnten Gerüche umfassen unter anderem Pfefferminze, Lavendel und Zitrusfrüchte und ein spezielles Ammoniak-Riechsalz.
  • Pfefferminze steht mit erhöhter Aufmerksamkeit und Ausdauer in Verbindung.
  • Lavendel fördert die Entspannung.
  • Zitrusdüfte werden mit einer verbesserten Stimmung und Motivation assoziiert.
  • Ammoniak steht mit einem gesteigerten Fokus bei hochintensiven Sportarten in Verbindung.
 
Zwei Studien aus der Übersichtsarbeit zeigten positive Auswirkungen auf die Präzision. Eine davon ergab, dass der Duft von Jasmin die Bowling-Ergebnisse der untersuchten Teilnehmer um 26,5 Prozent verbesserte. Laut einer weiteren Studie ließ Pfefferminze Dartspieler konstanter spielen. Eine andere Studie stellte sogar fest, dass der Duft von Lavendel das Gleichgewicht der Teilnehmer verbessern konnte.
Chakoian zufolge deuten diese Ergebnisse auf eine mögliche Rolle von duftbasierten „Tricks“ hin, um Menschen dabei zu helfen, mentale Barrieren oder Schlappheit während des Trainings zu überwinden. Es sei aber weitere Forschung erforderlich, bevor allgemeine Empfehlungen ausgesprochen werden können.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Could Smelling Chocolate Boost Your Workout?“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Warum immer mehr Amerikaner ihre Lebensmittel direkt beim Bauern kaufen

Joel Salatin möchte die Amerikaner durch den Handel mit Lebensmitteln von Nachbar zu Nachbar von übermäßiger Regulierung befreien. Salatin betreibt die „Polyface Farm“ in den Hügeln des Shenandoah-Tals in Virginia. Er wirbt für das Konzept einer „Erklärung zur Lebensmittelbefreiung“.
Es wäre eine Erklärung auf Bundesebene. Sie würde mündigen Erwachsenen gestatten, selbst hergestellte und bäuerlich erzeugte Lebensmittel direkt zu kaufen und zu verkaufen. Dabei würde man die kostspielige kommerzielle Infrastruktur und die derzeit geltenden schwerfälligen staatlichen Vorschriften umgehen.
Salatins Mission spiegelt das Bestreben von Selbstversorgern und unabhängigen Landwirten wider, lokale Lebensmittelnetzwerke aufzubauen. Es sollen Lebensmittel ohne Chemikalien angebaut und gezüchtet und Verbrauchern ein transparenter Einblick in die Produktionsweise geboten werden.

Anstehende Veränderungen

Im Kern geht es bei der Lebensmittelbefreiung und lokalen Lebensmittelnetzwerken darum, dass Nachbarn Nachbarn versorgen und so ein System umgehen, dem viele nicht mehr vertrauen.
Salatin erklärte gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times, dass sich das amerikanische Ernährungssystem an einem historischen Wendepunkt befinde. Er verweist auf alternde Landwirte; der durchschnittliche amerikanische Landwirt ist mittlerweile etwa 60 Jahre alt.
Etwa die Hälfte des landwirtschaftlichen Vermögens in den USA werde voraussichtlich in den nächsten 15 Jahren den Besitzer wechseln. „Das ist ein historisch beispielloser friedlicher Übergang in der modernen Geschichte“, sagte er.

Mehr Einkommen für die Landwirtschaft

Im Jahr 2025 gaben die Amerikaner 56,3 Prozent ihrer Lebensmittelkosten in Restaurants, bei Fast-Food-Ketten oder Lieferdiensten aus. Insgesamt erreichten die Ausgaben für Außer-Haus-Verpflegung einen Rekordwert von 1,41 Billionen US-Dollar. Landesweit lagen die Lebensmittelausgaben bei insgesamt 2,51 Billionen US-Dollar (rund 2,18 Billionen Euro), so das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) .
Menschen stehen am 12. März 2026 bei „Raising Cane’s Chicken Fingers“ in Washington Schlange. Im Jahr 2025 gaben die Amerikaner rund 55 Prozent ihrer Ausgaben für Lebensmittel für Speisen aus, die sie außer Haus in Restaurants und Fast-Food-Ketten aßen oder über Lieferdienste bezogen. Foto: Madalina Kilroy/Epoch Times

Menschen stehen am 12. März 2026 bei „Raising Cane’s Chicken Fingers“ in Washington Schlange. Im Jahr 2025 gaben die Amerikaner rund 55 Prozent ihrer Ausgaben für Lebensmittel für Speisen aus, die sie außer Haus in Restaurants und Fast-Food-Ketten aßen oder über Lieferdienste bezogen.

Foto: Madalina Kilroy/Epoch Times

Unterdessen ist der Anteil der Landwirte am Lebensmittel-Dollar im Einzelhandel nach Abzug der Produktionskosten laut USDA heute auf etwa 5,8 Cent gesunken. Mitte des 20. Jahrhunderts lag dieser Wert noch bei 40 Cent. Die Idee der „Lebensmittelbefreiung“ ist einfach: Kleine Erzeuger sollen legal und frei direkt an die Menschen verkaufen dürfen, die ihre Lebensmittel kaufen möchten. Salatin merkt an, dass das eigentliche Hindernis für junge Menschen, in die Landwirtschaft einzusteigen, nicht allein der Zugang zu Land ist, sondern die Unmöglichkeit, unter den bestehenden Vorschriften mit einer kleinräumigen, wertschöpfenden Lebensmittelproduktion Gewinne zu erzielen.
Er veranschaulicht diese Kluft mit einer einfachen Rechnung.
Auf ein paar Hektar könnte ein Landwirt 1.200 Freilandhühner aufziehen und diese als ganze Tiere oder zerlegt zu einem Durchschnittspreis von etwa 30 Dollar (ca. 26 Euro) pro Tier verkaufen, was ein Bruttoeinkommen von 36.000 Dollar (ca. 31.300 Euro) einbringen würde, sagte er. Könnte derselbe Landwirt diese Hühner legal zu hausgemachten Hühnerpasteten verarbeiten – frei von Farbstoffen, Saatöl und industriellen Zusatzstoffen – und sie als hochwertige Fertiggerichte vermarkten, könnte der durchschnittliche Wert pro Tier auf rund 200 Dollar (ca. 175 Euro) steigen, wodurch dieselbe Herde auf derselben Fläche einen Umsatz von 240.000 Dollar (ca. 208.500 Euro) erzielen würde.
Sobald jedoch ein Landwirt von Rohzutaten auf Fertiggerichte umsteigt, steigen die regulatorischen Anforderungen deutlich an – von einer privaten Küche mit vorhandener Ausstattung hin zu dem, was er als „eine halbe Million Dollar, die man aufbringen muss, um eine Hühnerpastete zu verkaufen“ beschrieb.
Joel Salatin, Inhaber der „Polyface Farm“, setzt sich vehement für eine naturnahe Landwirtschaft ein. Foto: Mit freundlicher Genehmigung der „Polyface Farm“

Joel Salatin, Inhaber der „Polyface Farm“, setzt sich vehement für eine naturnahe Landwirtschaft ein.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung der „Polyface Farm“

Rettung des Familienbetriebs

Der Milchbauer Edwin Shank aus Pennsylvania berichtete der Epoch Times, dass seine Familie beinahe einen seit vier Generationen bestehenden Betrieb verloren hätte, nachdem sie auf Anraten der Universität, die Quantität über alles gestellt und ihre Herde von 40 auf 300 Kühe vergrößert hatte.
Obwohl sie alle zwei Tage einen Sattelzug mit Milch füllten, standen die Shanks kurz vor dem Bankrott.
Die Milchschecks kamen einmal im Monat – je nachdem, wie viel der Verarbeiter gerade zahlen wollte. Sein Bankberater warnte, dass der Hof verloren sei, wenn sich in drei bis vier Monaten nichts ändere.
Ein Familienporträt aus dieser Zeit, so sagte er, wirke idyllisch – Blumen, sechs Kinder, ein gepflegter Hof – doch hinter dem Lächeln „verloren sie gerade den Hof“.
Edwin Shank, Inhaber von „Family Cow“, und seine Familie auf diesem Archivfoto. Das Unternehmen aus Chambersburg, Pennsylvania, liefert Weidefleisch vom Rind, Schweine- und Geflügelfleisch aus Freilandhaltung, Rohmilchprodukte und andere regenerative Produkte an Tausende von Haushalte. Mit freundlicher Genehmigung von „Family Cow“.

Edwin Shank, Inhaber von „Family Cow“, und seine Familie auf diesem Archivfoto. Das Unternehmen aus Chambersburg, Pennsylvania, liefert Weidefleisch vom Rind, Schweine- und Geflügelfleisch aus Freilandhaltung, Rohmilchprodukte und andere regenerative Produkte an Tausende von Haushalten. Mit freundlicher Genehmigung von „Family Cow“.

„Innerhalb des Zauns liegt die Hoffnung auf die Welt außerhalb des Zauns“, sagte er und zitierte damit einen konventionellen Milchbauern, der die Situation als „schwere Zeiten für Landwirte heutzutage“ beschrieb.
Die Antwort der Shanks bestand darin, den Zaun zu öffnen.
Sie stellten ihren Betrieb auf zertifizierten Bio-Anbau um; dann begannen sie mit geliehenem Geld und wenig Eigenkapital, Rohmilch direkt vom Hof im Rahmen des Genehmigungssystems von Pennsylvania zu verkaufen. Da sie sich keine moderne Verarbeitungsanlage leisten konnten, kauften sie gebrauchte Kühl-Sattelauflieger – sogenannte „Reefer“ – für jeweils ein paar tausend Dollar und verbanden sie zu einem provisorischen Kühlkomplex.
Das Geschäft begann zu florieren, nachdem ein Anruf aus dem Nachbarstaat New Jersey eingegangen war. Eine Mutter aus Trenton fragte, ob Shank Rohmilch über die Staatsgrenze hinweg liefern könne. Rechtlich gesehen war das nicht erlaubt, aber er nahm sich Salatin als Beispiel.
„Ich sagte ihr: ‚Ich kann nicht nur für Sie allein liefern, aber wenn Sie genug Freunde haben, kann ich Sie an der Staatsgrenze treffen’“, erinnerte sich Shank. Die Kundin organisierte fünf Familien. Das reichte Shank, um seinen Minivan zu beladen und die dreistündige Fahrt anzutreten.
Er fuhr auf der I-95-Autobahn – der großen Nord-Süd-Lebensader der Ostküste – nordwärts und erreichte die Ausfahrt zu dem kleinen Grenzort New Hope.„Genau in diesem Moment ging es mir durch und durch“, sagte er. „Gott, willst du mir damit etwas sagen?“
Aus dieser ersten Abholstelle entwickelte sich ein Netzwerk von 55 Lieferorten. Shanks Unternehmen, „The Family Cow“, liefert an fünf Tagen in der Woche Rohmilchprodukte, grasgefüttertes Rindfleisch, Schweinefleisch und Geflügel aus Weidehaltung sowie weitere Produkte aus regenerativer Landwirtschaft an Tausende Haushalte.

„Das Überleben der Kooperierenden“

Etwa 90 Prozent des Geschäfts laufen mittlerweile online, erklärte Shank, während etwa zehn Prozent über einen neuen Hofladen und ein Café verkauft werden. Dort gibt es auch Sauerteig-Sandwichs, noch mit echter Butter bestrichen und deftig belegt mit Bio-Fleisch aus Weidehaltung.
Shank gab die Vorstellung auf, dass sein Hof alles selbst produzieren müsse, was er verkauft. Er entschied sich dafür, das zu entwickeln, was er „Überleben der Kooperierenden“ nennt.
Mehrere Familienbetriebe teilen sich die Produktion.
Zwei Milchviehbetriebe liefern Rohmilch, sieben Familien produzieren Eier aus Freilandhaltung und elf Familien ziehen Rinder in Weidehaltung auf. Andere Familien haben sich auf Schweinefleisch aus Freilandhaltung, Puten und Ferkel spezialisiert.
„The Family Cow“ holte drei junge Familien mit ins Boot, um Geflügel aus Freilandhaltung zu züchten. Der Hof stellte den Markt, die Schlachtung und das Marketing-Know-how zur Verfügung, während die Familien die Arbeitskraft und das Land beisteuerten. Im ersten Jahr produzierte die Gruppe 10.000 Hühner.
Shank ist offen für Vorschläge von Unternehmern. Eine Mutter und ihre Tochter kamen auf ihn zu und boten Wasserkefir zum Preis von fünf Dollar pro Einmachglas an. Shank räumte ein, dass er anfangs bezweifelte, dass die Kunden diesen Preis zahlen würden.
Innerhalb von sechs Monaten verkauften sie 10.000 Gläser über das Netzwerk von „The Family Cow“.
Joel Salatin, Inhaber der „Polyface Farm“, hält im Juni 2024 auf dem „Food Independence Summit“ in Walnut Creek, Ohio, einen Kurs zum Thema Hühnerschlachtung ab. Foto: Everitt Townsend

Joel Salatin, Inhaber der „Polyface Farm“, hält im Juni 2024 auf dem „Food Independence Summit“ in Walnut Creek, Ohio, einen Kurs zum Thema Hühnerschlachtung ab.

Foto: Everitt Townsend

Gesund durch Rückzug aus dem industriellen Lebensmittelsystem

Max Kane, ein Rohmilch-Aktivist und Landwirt aus Wisconsin, hat durch eine Ernährungsumstellung eine lebensbedrohliche Krankheit überwunden und sich zu einer führenden Stimme im Kampf für Ernährungssouveränität, den Zugang zu Rohmilch und lokale, auf landwirtschaftlichen Betrieben basierende Wirtschaftssysteme entwickelt. Mit 11 Jahren wurde bei ihm eine degenerative Form von Morbus Crohn diagnostiziert; mehr als ein Jahrzehnt lang durchlief er einen Kreislauf aus Operationen, Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten, ohne dass sich sein Zustand nennenswert verbesserte.
Kane lehnte den konventionellen medizinischen Weg ab und stellte auf eine ausschließlich unverarbeitete Ernährung um, die er direkt von lokalen Erzeugern bezog. Seinen Angaben zufolge stellte die Ernährungsumstellung seine Gesundheit wieder her. Sie habe ihm ermöglicht, die staatliche Erwerbsunfähigkeitshilfe aufzugeben und Mitte 20 wieder zu dem zu werden, was er als „ein funktionsfähiges, beitragendes Mitglied der Gesellschaft“ bezeichnet. Heute betreibt Kane einen rund 85 Hektar großen Bauernhof im Südwesten von Wisconsin und einen Rohmilch-Einkaufsclub, der seit rund zwei Jahrzehnten Familien im Großraum seiner Geburtsstadt Chicago versorgt.
Im Jahr 2009, so berichtete er, versuchten das US-Landwirtschaftsministerium (USDA), die Food and Drug Administration (FDA) und staatliche Behörden, ihn wegen seiner Rohmilchlieferungen nach Chicago für 18 Monate ins Gefängnis zu bringen. Diese Erfahrung beflügelte sein Engagement für die Legalisierung von Rohmilch und bestärkte ihn in seiner Ansicht, dass Amerikaner die Freiheit haben müssen, sich aus dem industriellen Lebensmittelsystem zurückzuziehen und private Lebensmittelnetzwerke zwischen Landwirten und Verbrauchern zu bilden.
Er gründete „Farm Match“, einen Online-Marktplatz, den er als „Etsy für lokale Lebensmittel“ bezeichnete. Die Plattform verbindet Verbraucher direkt mit geprüften Bauernhöfen und Einkaufsgemeinschaften.
„Selbstversorgung in jeglicher Form – sei es auf vollständigen ländlichen Gehöften, in Balkongärten in städtischen Hochhäusern oder in Vorstadtgärten – nimmt aufgrund der Versäumnisse des derzeitigen industriellen Lebensmittelsystems zu, das durch hochverarbeitete Lebensmittel und unberechenbare Lieferketten gekennzeichnet ist,“ erklärte Kane gegenüber der Epoch Times. Industriellen Lieferketten mangelt es an echter Transparenz und Rückverfolgbarkeit, was es ermöglicht, Inhaltsstoffe legal auf Etiketten zu verbergen, und es den Verbrauchern erschwert, zu verstehen, was sie essen, oder die Quelle einer Kontamination zurückzuverfolgen, wenn etwas schiefgeht, merkte Kane an.
Wirtschaftlich gesehen „entzieht dies der lokalen Wirtschaft Geld und leitet es weit weg, was ländliche Gemeinden und kleine Erzeuger untergräbt“, sagte er. „Einfach ausgedrückt: Die Lebensmittel, die Menschen zu sich nehmen, sind der wichtigste Einzelfaktor für ihre Lebensfähigkeit, ganz gleich, womit sie ihren Lebensunterhalt verdienen“, sagte Kane. „Wenn Bürger nicht legal private Ernährungssysteme aufbauen können, die Körper und Geist nähren, laufen sie Gefahr, dauerhaft von einer Infrastruktur abhängig zu werden, die sie krank, machtlos und wirtschaftlich an den Rand drängt.“

Basis-Strategie zur Umgehung der Konzern-Lieferketten

Sally Fallon Morell stimmt dem zu. Die Gründungspräsidentin der Weston A. Price Foundation – einer gemeinnützigen Organisation, die traditionelle Ernährungsweisen, Vollwertkost und den Verzehr von tierischen Fetten fördert – stellte in ihrem Gespräch mit der Epoch Times eine einfache Basisstrategie vor, die die Lieferketten der Konzerne umgeht und kleine, auf Weidehaltung setzende Erzeuger stärkt.
„Wenn wir die Menschen dazu auffordern würden, die Hälfte ihres Lebensmittelbudgets für Direktkäufe bei Bauernhöfen auszugeben, würde das alles verändern, und wir würden zu der Art der Landwirtschaft zurückkehren, die wir fördern wollen“, sagte Fallon Morell. Zu ihrer Vision gehört es, Rohmilch, Eier und Fleisch direkt von regenerativ wirtschaftenden Landwirten zu kaufen und lokale Handwerker sowie Kleinproduzenten von Sauerteigbrot, Sauerkraut und anderen traditionell zubereiteten Lebensmitteln zu unterstützen.
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Dies fördere gegenseitige Unterstützung und lokale Netzwerke, fügte sie hinzu.
„Das Ziel ist ein widerstandsfähiges lokales Netzwerk aus Erzeugern und Verbrauchern, nicht ein von der Außenwelt abgeschnittener Selbstversorgerhof“, sagte sie.
Im Rahmen ihrer „Campaign for Real Milk“ setzt sich die Weston A. Price Foundation für einen universellen Zugang zu zertifizierter, roher, unverarbeiteter Milch ein.
Fallon Morell ist außerdem Autorin des Ernährungs-Kochbuchs „Nourishing Traditions“. Sie plädiert für eine Rückkehr zu nährstoffreicher Ernährung, die tierische Fette, Knochenbrühen, Innereien, milchsauer vergorene Lebensmittel und Rohmilch umfasst.
Die Stiftung unterhält rund 500 lokale Ortsgruppen, die über aktuelle Listen lokaler Lebensmittelanbieter verfügen.
„Nehmen wir an, Sie sind nach Akron, Ohio, gezogen und möchten Rohmilch, Hähnchen und Eier finden. Dann rufen Sie einfach Ihren Ortsverband an, und der weiß, wo es all das gibt“, sagte sie.

Investition in die Ernährung

Ruth Ann Zimmerman und ihr Ehemann Elvin leben auf einem Gehöft von rund 8,5 Hektar im Nordosten von Iowa. Als Autorin mehrerer Bücher zum Thema Selbstversorgung, darunter „The Heart of the Homestead“, wuchs sie in einer Kultur auf, in der die Familie mit der Pferdekutsche in die Stadt fuhr und ihre Lebensmittel noch selbst anbaute.
Später verließen die Zimmermans die mennonitische Gemeinschaft und nahmen moderne Annehmlichkeiten wie Auto, Fernsehen und Fertiggerichte an.
Als ihre 5-jährige Tochter krank wurde und der Arzt eine Mandelentfernung empfahl, stellte die Familie ihre Ernährung komplett um und verzichtete auf Fertiggerichte zugunsten dessen, was sie als „echte Lebensmittel“ bezeichnet.
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Nach Angaben der Familie verbesserte sich der Gesundheitszustand des Kindes. Seitdem haben sich die Zimmermans gesunder Ernährung und der Selbstversorgung verschrieben.
„Unser Bauernhof dient nicht dem Gewinn, sondern der Ernährung“, erklärte Zimmerman gegenüber der Epoch Times. „Nichts verlässt den Hof, bevor es nicht zuerst die Familie ernährt hat.“
Die Lebensprinzipien der Zimmermans drehen sich darum, „saisonal und regional zu essen, Zeit statt Geld für die Beschaffung von Nährstoffen aufzuwenden und teure Nahrungsergänzungsmittel durch traditionelle Lebensmittel zu ersetzen“.
„Unsere Hauptnahrungsquelle, der Großteil unserer Mahlzeiten, stammt vom Hof, ebenso wie unsere Vitamine und Mineralstoffe, die im Laden viel kosten würden“, sagte Zimmerman.
Selbst eingelegtes Sauerkraut und fermentierte Gurken ersetzen teure probiotische Nahrungsergänzungsmittel, fügte sie hinzu. Geschmorte Hühnerfüße und Knochenbrühe ersetzen Kollagenpeptide. Anstatt Proteinpulver zu bestellen, gewinnt die Familie Molke aus Käse und Joghurt.
Eine Auswahl an Käse und Wurstwaren in der Metzgerei „Main Street Meats“ in Chattanooga, Tennessee. Das Geschäft bezieht seine Produkte von lokalen Bauernhöfen. Das Foto entstand am 23. Juni 2017. Foto: Crystal Shi/Epoch Times

Eine Auswahl an Käse und Wurstwaren in der Metzgerei „Main Street Meats“ in Chattanooga, Tennessee. Das Geschäft bezieht seine Produkte von lokalen Bauernhöfen. Das Foto entstand am 23. Juni 2017.

Foto: Crystal Shi/Epoch Times

Eine Kuh als „Lehrer“ des Lebens

Die Kinder der Zimmermans lernen durch das Vorbild und entwickeln eine Mentalität der Selbstversorgung.
Zum Beispiel hält die Familie zwei Milchkühe, vor allem damit die Söhne früh aufstehen und Verantwortung übernehmen.
„Wenn wir nur eine Milchkuh hätten, würde ich sie melken“, sagte Zimmerman. „Die andere Kuh dient einfach dem Zweck, aus unseren Jungen Männer zu machen.“
Neue Selbstversorger seien oft irgendwann mit Burnout konfrontiert, so Zimmerman, weil sie versuchten, zu viel anzubauen. Sie forderte Familien dazu auf, ihre Ernährung zu vereinfachen und weniger auf Fertigprodukte zurückzugreifen.
„Wenn ich in Versuchung gerate, das Unkrautjäten zu überspringen oder fertige Nudelsauce im Laden zu kaufen, schalte ich in den ‚Kein-Plan-B‘-Modus um und stelle mir vor, es gäbe keinen Rückgriff auf den Supermarkt. Mich nicht um den Garten zu kümmern, bedeutet, meiner Familie mit Herbiziden behandelte Kartoffeln und hochverarbeitete Saucen zu servieren“, sagte sie.
„Was wäre, wenn ein Gehalt nicht immer ausreicht, um eine Familie zu ernähren? Was wäre, wenn wir für gesunde Familien die Fähigkeit brauchen, unsere eigenen Lebensmittel anzubauen, mehr noch als die Fähigkeit, ein Gehalt zu verdienen?“
Eine Frau kauft am 7. Januar 2024 in einem Lebensmittelgeschäft in Columbia, Maryland, ein. Die Expertin für Selbstversorgung, Ruth Ann Zimmerman, ermutigt Supermarktkunden, zu fragen: „Wo ist das gewachsen, wer hat es angebaut und wie wurde es angebaut?“ Foto: Madalina Kilroy/Epoch Times

Eine Frau kauft am 7. Januar 2024 in einem Lebensmittelgeschäft in Columbia, Maryland, ein. Die Expertin für Selbstversorgung, Ruth Ann Zimmerman, ermutigt Supermarktkunden, zu fragen: „Wo ist das gewachsen, wer hat es angebaut und wie wurde es angebaut?“

Foto: Madalina Kilroy/Epoch Times

Zimmerman ermutigt Verbraucher im Supermarkt, zu fragen: „Wo ist das gewachsen, wer hat es angebaut und wie wurde es angebaut?“, und jeden Einkauf nicht als Routinekauf im Supermarkt, sondern als Investition in die Ernährung zu betrachten.
Geld, so schlug sie vor, sollte als „Kauf von Ernährung“ betrachtet werden und nicht als „gedankenloses Auf-den-Tisch-Bringen von Essen“. Dieser Mentalitätswandel kann Familien dazu inspirieren, ihre Abhängigkeit von Lieferketten zu minimieren und auf den Anbau sowie die lokale Beschaffung von Lebensmitteln umzusteigen.
„Es ist wichtig zu wissen, wie man seine eigenen Lebensmittel anbaut, und es ist ebenso wichtig, Beziehungen zu lokalen Landwirten und Selbstversorgern aufzubauen, damit man gesunde Lebensmittel bekommt, die man nicht selbst anbaut“, sagte sie.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Behind America’s Growing ‘Food Freedom’ Movement“. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)
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Kann Alzheimer im Frühstadium rückgängig gemacht werden? Ein Neurologe gibt Tipps


In Kürze:

  • Alzheimer ist eine vielschichtige Erkrankung, die zurzeit als unheilbar gilt.
  • Der Neurologe Dr. Dale Bredesen ist der Ansicht, dass die Erkrankung im Frühstadium umkehrbar ist.
  • Mithilfe seiner Methode, des ReCODE-Ansatzes, konnte er die Alzheimer-Symptome bei Patienten signifikant verbessern.
  • In der Präzisionsmedizin wird die Behandlung für jede Person maßgeschneidert und umfasst vor allem Veränderungen des Lebensstils.

 
Viele Menschen glauben, dass die Alzheimer-Krankheit lediglich eine Frage schlechter Gene, von Pech oder eine unvermeidliche Folge des Alterns ist – und dass man kaum etwas tun kann, sobald der Verfall einmal eingesetzt hat. Diese Ansicht sei überholt, meinte Dr. Dale Bredesen, ein Neurologe mit dem Spezialgebiet neurodegenerative Erkrankungen.
„Ich wünschte, mehr Menschen würden verstehen, dass die Alzheimer-Krankheit weitaus häufiger auftritt, als es sein müsste“, sagte Bredesen zu Epoch Times. Er ist der Ansicht, dass Präzisionsmedizin der richtige Ansatz zur Behandlung der Erkrankung sei.

Eine vielschichtige Erkrankung

Bredesen beschrieb einen biologischen Schalter. Dieser schalte das Gehirn von einem sogenannten „Verbindungsmodus“ zu einem „Schutzmodus“ und zurück.
Befindet sich das Gehirn im Verbindungsmodus, könne es lernen, sich anpassen und Erinnerungen bilden, so der Neurologe. Alzheimer entwickle sich, wenn das Gehirn in den Schutzmodus wechselt – ein Wechsel, der durch viele verschiedene Faktoren ausgelöst werden kann. Dazu gehören unter anderem:
  • Insulinresistenz,
  • Schlafapnoe,
  • schlechte Energieproduktion,
  • Bewegungsmangel,
  • chronische Entzündungen,
  • Infektionen,
  • die Belastung durch Giftstoffe wie Luftverschmutzung, Schwermetalle und Mikroplastik.
Bei einer Behandlung verändere man mit seiner Methode mehrere Dinge, damit sie zusammenwirken, so Bredesen weiter. Auf diese Weise bleibe der Körper nicht länger im Schutzmodus und könne in den Verbindungsmodus zurückkehren.
„Ein Grund, warum die Behandlung der Alzheimer-Krankheit bisher nicht besonders erfolgreich war, ist, dass wir Alzheimer in der Vergangenheit zu eng gefasst und zu spät angegangen sind“, so die Einschätzung von Dr. Margarita Mikhaylova, Fachärztin für Neurologie und funktionelle Medizin, gegenüber Epoch Times. 
Der Fokus müsse sich über Eiweißablagerungen hinaus auf eine Vielzahl von Faktoren verlagern, von Insulinresistenz bis hin zu Nährstoffmangel, fügte sie hinzu. „Das sind keine Fragen der Alternativmedizin, sondern gängige Risikofaktoren für Demenz.“

Personalisierte Behandlung von Alzheimer

Die wachsende Erkenntnis, dass Alzheimer eine multifaktorielle Erkrankung ist, führte zu einem personalisierten Behandlungsansatz. Ärzte berücksichtigen die Faktoren, die die Gehirngesundheit einer Person beeinträchtigen könnten und stellen dann einen Plan zusammen, der auf die individuellen Bedürfnisse der Person zugeschnitten ist.
In einer Studie nutzten Forscher einen personalisierten Ansatz bei Menschen mit Alzheimer-Krankheit oder leichter kognitiver Beeinträchtigung. Die Teilnehmer erhielten dabei einen maßgeschneiderten Behandlungsplan. Dieser umfasste Änderungen in den Bereichen Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stressbewältigung, Nahrungsergänzungsmittel und in einigen Fällen auch Medikamente. 
Bei den meisten Teilnehmern verbesserten sich im Verlauf der Studie die kognitiven Funktionen oder blieben auf dem gleichen Niveau ohne weitere Verschlechterungen. Zudem gab es Verbesserungen bei mehreren Alzheimer-bezogenen Risikofaktoren.

Bredesen und die Ergebnisse seiner Studien

Auch Bredesen ist der Ansicht, dass Alzheimer einen personalisierten Ansatz zur Behandlung erfordert. Zu diesem Zweck entwickelte er seine eigene maßgeschneiderte Methode, den ReCODE-Ansatz (Reversal of Cognitive Decline, „Kognitiven Verfall umkehren“).
In Versuchen aus dem Jahr 2022, die im „Journal of Alzheimer’s Disease“ erschienen, testete er seinen Präzisionsmedizin-Ansatz in einer klinischen Untersuchung an 25 Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder Demenz. In seiner jüngsten randomisierten Kontrollstudie, die derzeit noch auf die Begutachtung durch Fachkollegen wartet, verglich er den ReCODE-Ansatz mit der Standardbehandlung bei 73 Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder früher Demenz.
Die Teilnehmer, die einen personalisierten Plan befolgten, zeigten laut den Studienautoren signifikante Verbesserungen der allgemeinen kognitiven Funktion, des Gedächtnisses und des Schweregrads der Alzheimer-Symptome. Auch verbesserten sich ihr Blutdruck, Body-Mass-Index, Blutzucker, Gesamtcholesterin und andere Marker.
Mit diesen Untersuchungen verbesserte Bredesen einige Punkte in der Studiendurchführung, die an älteren Veröffentlichungen von anderen Forschern kritisiert wurden. Zu den Verbesserungen zählen die Verwendung standardisierter kognitiver Tests, MRT-Bilder und genauere Dokumentation.
Andere Bedenken konnten nicht gelöst werden. Dazu zählt beispielsweise, dass es keine Kontrollgruppe gibt und bei dem umfassenden Ansatz der Präzisionstherapie keine Verblindung möglich war.
Da es keine Kontrollgruppe gibt und die Behandlung für jede Person individuell angepasst wurde, kann die Studie nur individuell vergleichen, wie es den gleichen Patienten vor und nach der Behandlung ging. Allgemeine Vergleiche mit einer Placebogruppe, wie es in vielen klinischen Studien üblich ist, können auf diese Weise nicht gezogen werden.
Mikhaylova zufolge ist die Präzisionsmedizin bei der Alzheimer-Krankheit ein Gebiet, das aufstrebend, aber noch in der Entwicklung ist. Bredesens Arbeit biete einen wichtigen Wandel im Verständnis der Krankheit und stelle die Vorstellung in Frage, dass Alzheimer eine Erkrankung mit einem einzigen Krankheitsweg sei.
„Ein mehrdimensionaler Ansatz, der Lebensstil und Stoffwechsel umfasst, kann höchstwahrscheinlich in einem früheren Stadium des Krankheitsverlaufs helfen, wenn noch genügend neuronale Netzwerkfunktionen vorhanden sind, die erhalten oder verbessert werden können“, sagte sie. 
„Bei fortgeschrittener Demenz können wir zwar immer noch die Lebensqualität, den Schlaf, die Gewohnheiten und die Belastung der Pflegepersonen verbessern, sollten aber bei der Erwartung einer kognitiven Umkehrung wesentlich vorsichtiger sein.“

Was ist der ReCODE-Ansatz?

Das Ziel des Ansatzes besteht darin, so viele potenzielle Faktoren für den kognitiven Verfall wie möglich zu ermitteln und diese dann anzugehen. Es ist anspruchsvoll – Bredesen empfiehlt, es als Teilzeitjob zu betrachten –, etwa zwei Stunden pro Tag.

Ernährung

Im Mittelpunkt steht die Ernährung, die pflanzenreich, leicht ketogen und ballaststoffreich sein sollte. Vermieden werden sollten verarbeitete und glutenhaltige Lebensmittel, raffinierte Kohlenhydrate, künstliche Süßstoffe, Milchprodukte und Alkohol. 
Die Betroffenen werden dazu angehalten, über Nacht 12 bis 16 Stunden zu fasten. Dieser Ansatz unterstützt die Darmgesundheit, die Insulinsensitivität, die Stoffwechselflexibilität und die Ketonproduktion.
„Um zu funktionieren, benötigt das Gehirn viel Energie“, so Bredesen. Es könne Glukose oder Ketone verwerten, doch viele Menschen könnten nicht auf diese zugreifen, da sie insulinresistent seien. Ihre Körper würden laut Bredesens Einschätzung Glukose nicht effizient nutzen; und der erhöhte Insulinspiegel hindere die Leber daran, Ketone zu bilden.
Wie jeder andere Aspekt des ReCODE-Ansatzes müsse auch die Ernährung individuell angepasst werden, so Bredesen. Ihm zufolge können Fasten und Ketose für übergewichtige Menschen einfacher sein, da ihr Körper auf Fettreserven zurückgreifen kann, um Ketone zu bilden. Für gebrechliche Menschen sei derselbe Ansatz jedoch möglicherweise nicht geeignet.

Sport

Bewegung ist eine weitere zentrale Komponente. Der Ansatz umfasst Ausdauertraining, Krafttraining, Gleichgewichtsübungen und Dehnübungen für mindestens 45 Minuten pro Tag an sechs Tagen pro Woche.
Jede Art von Bewegung wirkt sich auf unterschiedliche Weise positiv auf das Gehirn aus. Aerobes Training verbessert die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung, während Krafttraining die Insulinsensitivität erhöht. Zweimal pro Woche wird hochintensives Intervalltraining empfohlen.

Schlaf, Stress und Hormone

Der Neurologe empfiehlt 7 bis 8 Stunden guten Schlaf, mit ausreichend REM-Schlaf und Tiefschlaf.
Was den Hormonspiegel und Nährstoffstatus betrifft, so sollen diese untersucht und bei Bedarf verbessert werden. Unter anderem die Vitamine D und B, Mineralstoffe, Omega-3-Fettsäuren, die Schilddrüsenfunktion und die Sexualhormone.
Auch Stressbewältigung durch Biofeedback, also das bewusste Wahrnehmen der körperlichen Prozesse, ist Teil des Programms, genauso wie das Training der Herzratenvariabilität. Das ist ein Indikator, der angibt, wie sich das Herz an körperliche und mentale Anforderungen anpasst.
Erst wenn das Gehirn besser versorgt ist, stimuliert man es. „Das Letzte, was man tun sollte, ist, mit Gewichten zu trainieren, wenn man unterernährt ist. Das Gleiche gilt für das Gehirn“, erklärte Bredesen.

Ein Schwachpunkt des Ansatzes

Der Ansatz von Bredesen braucht viel Zeit, deshalb gibt es Fragen zur praktischen Umsetzbarkeit.
Der Ansatz sei „hinsichtlich des Trainingsaufwands so intensiv, dass sich nur sehr wenige Menschen die damit verbundene Zeit oder die Kosten leisten können“. Das meinte Paul Ehren, Fachmann für funktionelle Ernährung und Master Personal Trainer, zu Epoch Times.
Bredesen räumt dies ein. Man müsse nicht alles perfekt machen, sagte er dazu. „Es gibt eine Schwelle, die bei jedem Menschen anders liegt. Das zu tun, was man kann, und sich kontinuierlich zu verbessern, führt in der Regel zu guten Ergebnissen.“
Derzeit gibt es keine anerkannte Heilung für Alzheimer. Laut Bredesens Einschätzung befindet sich die Alzheimerforschung jedoch gerade an einem Wendepunkt.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „How a Neurologist Uses Precision Lifestyle Medicine to Reverse Early Alzheimer’s“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Sardinen: Nährstoffbomben, die die Gesundheit von Herz und Knochen fördern

Sowohl preiswert als auch gesund – das sind die typischen Eigenschaften von Sardinen. Tatsächlich zählen diese kleinen Fische zu den nährstoffreichsten Lebensmitteln überhaupt.
„Sardinen sind eine vollständige Proteinquelle, vergleichbar mit Lebensmitteln wie Eiern, Milchprodukten und Fleisch. Sie enthalten alle 20 Aminosäuren und sind reich an Omega-3-Fettsäuren.“ Das schrieb Helen Tieu, staatlich geprüfte Ernährungsberaterin und zertifizierte Diabetologin, in einer E-Mail an Epoch Times.
Neben Eiweiß und Omega-3-Fettsäuren sind Sardinen auch reich an:
  • Vitamin D: Eine Dose Sardinen liefert in der Regel etwa 150 bis 200 Internationale Einheiten (IE) Vitamin D. Zum Vergleich: Ein Eigelb enthält 20 IE. Die empfohlene tägliche Menge liegt bei 800 IE.
  • Calcium: 100 Gramm Sardinen (die Menge in einer Standarddose) liefern 382 Milligramm Calcium. Das ist mehr als die Menge in eineinhalb Tassen Milch. Calcium ist für starke Knochen unerlässlich.
  • Vitamin B12: Eine Dose Sardinen deckt laut Tieu bereits etwa das Drei- bis Vierfache des Bedarfs eines Erwachsenen.

Gut für Herz, Knochen und Gehirn

Neben diesen Nährstoffen sind Sardinen zudem eine kostengünstige und natürliche Quelle für Eisen, Kalium, Magnesium, Zink und Taurin. Diese wirken zusammen, um die Herz-Kreislauf-Funktion zu unterstützen.
Darüber hinaus haben Sardinen einen hohen Phosphorgehalt, der in Kombination mit Vitamin D dem Körper hilft, Calcium effektiver aufzunehmen. Dadurch würden die kleinen Fische helfen, Osteoporose vorzubeugen und zu behandeln, so Tieu.
Außerdem steht ein erhöhter Fischverzehr mit einem langsameren kognitiven Verfall bei älteren Erwachsenen in Verbindung, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2017. Dies betrifft insbesondere jene Hirnregionen, die für das Gedächtnis zuständig sind. Diese positiven Effekte wurden unabhängig von einem genetischen Risiko für Alzheimer beobachtet. Die deutlichsten Effekte zeigten sich bei vier oder mehr Portionen Fisch pro Woche.

Weitere Vorteile

Depressionen: Eine höhere Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren, wie sie durch den Verzehr von Sardinen erreicht werden kann, unterstützt das Gehirn und reguliert Entzündungen. Das kann dazu beitragen, das Risiko für depressive Episoden zu senken.
Immunabwehr: Neben Omega-3-Fettsäuren liefern Sardinen auch Selen und Zink. Diese Spurenelemente regulieren ebenfalls Entzündungen und unterstützen das Immunsystem.
Entzündungen und ihre Folgen: Der regelmäßige Verzehr von Sardinen kann dazu beitragen, chronische, leichtgradige Entzündungen zu reduzieren. Diese stehen mit vielen Gesundheitsproblemen in Verbindung, darunter Autoimmunerkrankungen, Arthritis und entzündliche Darmerkrankungen.
Hormonproduktion: Sardinen enthalten Jod, das zusammen mit Selen und Vitamin D die Hormonproduktion und die Schilddrüsenfunktion unterstützt. 
Gesunde Haut: Omega-3-Fettsäuren fördern zudem die Kollagenbildung, die Elastizität und die Feuchtigkeitsversorgung.

So holen Sie das Beste aus Sardinen heraus

Vitamin D und die Omega-3-Fettsäuren in Sardinen sind fettlöslich, das heißt, sie lösen sich in Fett auf. Daher kann die Kombination von Sardinen mit einem gesunden Fett dem Körper dabei helfen, die nützlichen Fettsäuren effektiver aufzunehmen.
Magnesiumreiche Lebensmittel  können die Aufnahme von Vitamin D zusätzlich fördern. Vitamin-C-reiche Lebensmittel können hingegen dazu beitragen, die Calciumwirkung von Sardinen zu maximieren.
Vitamin B12, Folsäure und Eisen wirken zusammen, um den Energiestoffwechsel und die Bildung roter Blutkörperchen zu unterstützen. Der Verzehr von Sardinen zusammen mit Blattgemüse oder anderem Gemüse kann deren Wirksamkeit verbessern.
Empfohlene Lebensmittel in Kombination mit Sardinen:
  • Fett: Olivenöl, Avocado
  • Magnesium: Blattgemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte
  • Vitamin C: Tomaten, Zitronen, Paprika
Ferner kann das Garen bei hohen Temperaturen Omega-3-Fettsäuren zerstören. Sanftere Zubereitungsmethoden wie Backen bei moderaten Temperaturen, Dämpfen oder kurzes Anbraten können dazu beitragen, mehr von den wertvollen Fetten zu erhalten.

Profi-Tipps

„Ich sage den Leuten immer wieder: Lasst euch Sardinen nicht entgehen“, erklärte Kenny Minor, Koch und Kochbuchautor, gegenüber Epoch Times.
Er gibt einige Empfehlungen, um den Sardinen mehr Pep zu verleihen:
  • Die Sardinen mit Avocado, Zitronenschale, Chili und Kräutern pürieren und die Paste aufs Brot schmieren.
  • Jede Sardine von Kopf bis Schwanz auf einen Spieß stecken, mit thailändischer süßer Chilisauce bestreichen und so lange grillen, bis sie leicht knusprig ist.
  • Sardinen unter warme Getreideprodukte wie Quinoa oder Nudeln mischen, um eine einfache, schmackhafte Mahlzeit zuzubereiten.
Frische Sardinen kann man mit etwas Olivenöl beträufeln, mit Mineralsalz bestreuen und je nach Größe 25 bis 30 Minuten bei 150 bis 180 Grad Celsius backen. Dies empfiehlt Ana Bueno, zertifizierte Ernährungsberaterin und ehemalige Chefköchin, gegenüber Epoch Times.

Vorsichtsmaßnahmen

Es ist empfehlenswert, in Olivenöl oder Wasser eingelegte Sardinen zu kaufen. Das kann helfen, ein gesundes Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren aufrechtzuerhalten. Denn Sardinen in Soja- oder Sonnenblumenöl haben einen hohen Gehalt an Omega-6-Fettsäuren. Zu große Mengen an Omega-6-Fettsäuren können laut Untersuchungen Entzündungen im Körper begünstigen.
Wer an einer Fischallergie leidet, sollte Sardinen meiden.
Wer große Mengen an Sardinen verzehrt, sollte zudem Vorsicht walten lassen. Laut der Diabetologin Tieu sind die kleinen Fische reich an Purinen. Diese könnten den Harnsäurespiegel erhöhen und möglicherweise Gichtanfälle auslösen oder zur Bildung von Harnsäure-Nierensteinen beitragen.
Zudem haben Konserven oft einen hohen Salzgehalt. Wer unter Bluthochdruck leidet, sollte auf Dosen mit niedrigem Salzgehalt zurückgreifen oder die Sardinen vor dem Verzehr abspülen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Sardines: Nutrient Powerhouses That Boost Cardiometabolic and Bone Health“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Orcas zerfetzen tote Mondfische – Spielerei oder ernst?

Orcas rammen bei einer gemeinsamen Aktion tote Mondfische und zerfetzen sie in viele kleine Teile. Das haben Biologen mit Videoaufnahmen gezeigt. „Wir haben dokumentiert, wie ein Orca einen Mondfisch festhält und ihn loslässt, kurz bevor ihn ein anderer Orca mit hoher Geschwindigkeit rammt, wodurch das Gewebe in Tausende Stücke zerrissen wird“, sagt Erstautorin Kathryn Ayres von der Meeresschutz-Organisation Beneath The Waves.
„Wir vermuten, dass dies jüngeren Orcas die Nahrungsaufnahme erleichtert oder einfach nur dem Spiel dient. Orcas sind dafür bekannt, mit ihrer Beute zu spielen“, ergänzt die Wissenschaftlerin.
Mondfische bewegen sich in verschiedenen Wassertiefen und kommen auch zur Oberfläche. Im Golf von Kalifornien wurden Orcas schon häufiger dabei beobachtet, wie sie Mondfischen Wunden zufügten und durch diese fettreiche innere Organe entfernten. Die Studie im Journal „Frontiers in Ethology“ zeigt nun ein weiteres Verhalten – dokumentiert vor der Südküste Mexikos.

Was war passiert?

Im Jahr 2024 beobachtete die Meeresbiologin Ayres dort, wie ein Orca-Weibchen einen toten Spitzschwanz-Mondfisch (Masturus lanceolatus) an dessen großer Schwanzflosse festhielt. Wunden wiesen darauf hin, dass dessen Eingeweide bereits fehlten.
Ein Männchen beschleunigte sein Schwimmen und hielt auf den Mondfisch zu. Kurz vor dem Aufprall ließ das Weibchen den Fisch los. Der Zusammenstoß von Orca und totem Mondfisch zerfetzte das Gewebe des Mondfischs.
Ein Jungtier der Gruppe begann daraufhin, die Fetzen des Fisches zu fressen. Die erwachsenen Tiere fraßen die Überreste des Körpers, ließen die kleineren Fragmente aber unberührt. 2025 ist laut Studie ein ähnliches Ereignis vor der Isla Cerralvo im Golf von Kalifornien, Mexiko, gefilmt worden.

Warum machen Orcas das?

Da die gerammten Mondfische bereits tot und ihre Eingeweide entfernt waren, sei das Verhalten keine Tötungsstrategie, schreibt das Team. Es nennt verschiedene Interpretationen: Es könne aus elterlicher Fürsorge geschehen sein, weil die Jungtiere so effizienter fressen können. Möglicherweise sei es auch eine Art Spielerei, die soziale Funktionen habe, und letztlich könnte es eine Schulung für Jungtiere sein.
Orcas, auch Schwertwale oder Killerwale genannt, fressen nach Studienangaben etwa 200 Tierarten. Dabei jagen sie häufig gemeinsam – manchmal auch Tiere, die größer sind als sie selbst.
Die kooperative Jagd geschehe auch auf Walhaie, heißt es in der Studie. Dabei hielten gleich mehrere Tiere die Beute fest, während ein weiteres Tier sie ramme. Außerdem blockieren Orcas die Fluchtwege von Weißen Haien oder erzeugen gemeinsam Wellen, um Robben und Pinguine von treibenden Eisschollen zu spülen. (dpa/red)
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Warum Knochen- und Muskelschwund nicht nur eine Folge des Alterns sind


In Kürze:

  • Osteoporose und Sarkopenie – also Knochen- und Muskelschwund – nehmen bereits in jüngeren Jahren ihren Anfang.
  • Knochen und Muskeln wachsen durch Belastung. Fehlt diese, verkümmern sie.
  • Auch die Biochemie von Knochen und Muskeln bestimmt, ob sie schwinden oder wachsen.
  • Doch gesunde Knochen und Muskeln brauchen nicht nur Sport und eine gute Ernährung, sondern auch Energie in den Zellen.

 
Der Abbau von Knochen, Muskeln und Kraft gehört zu den folgenschwersten Aspekten des Alterns. Denn Gebrechlichkeit ist einer der stärksten Prädiktoren für Pflegebedürftigkeit und Tod nach dem 65. Lebensjahr. 
Doch glücklicherweise kann man diesem Abbau sehr gut entgegenwirken und ihn sogar umkehren. Personen, die ihre muskuloskelettale Kraft erhalten, sind laut Studien weitaus besser in der Lage, auch vieles andere länger zu bewahren: Unabhängigkeit, Gleichgewicht, Stoffwechsel und sogar die kognitive Widerstandsfähigkeit, die sich aus körperlicher Leistungsfähigkeit ergibt.
Um diesen Verfall umzukehren, bedarf es einer umfassenderen Perspektive. In meiner Praxis prüfe ich jeden Patienten anhand des ACES-Modells für Gesundheit und Medizin. Dieses Modell beschreibt vier Dimensionen, die beeinflussen, wie der Körper im Laufe der Zeit seine Struktur bewahrt oder verliert – Anatomie, Chemie, Energie und Seele.
Knochen- und Muskelschwund ist selten auf ein Versagen in nur einer dieser Dimensionen zurückzuführen. Die Behandlung von nur einer oder zwei Dimensionen – hier ein Rezept, dort ein Nahrungsergänzungsmittel – kann oftmals nicht verhindern, dass viele ältere Patienten immer wieder stürzen und Belastungen des Alltags nicht mehr gewachsen sind.

Anatomie: Der Körper wird durch das geformt, was man von ihm verlangt

Knochen und Muskeln sind lebendes Gewebe und reagieren direkt auf Belastung: Widerstand, Stöße und Gewicht, die das Gewebe wirklich herausfordern.
Nimmt man das weg, erhalten die Osteoblasten – die Zellen, die Knochen aufbauen – einfach keinen Befehl mehr, zu arbeiten.
Für die Muskeln gilt dieselbe Regel, mit einer gravierenden Ergänzung: Der Körper baut aktiv Gewebe ab, das er als entbehrlich einstuft. Ab etwa dem 40. Lebensjahr werden die Muskeln zunehmend unempfänglich für die Signale, die sie einst aufgebaut haben, wie etwa Bewegung oder Protein aus der Nahrung. Dieses Phänomen wird in der Fachsprache als anabole Resistenz beschrieben. 
Das bedeutet vereinfacht, dass dasselbe Protein und Training, die mit 30 noch zum Muskelaufbau führten, mit 60 nicht mehr ausreichen. Wer den Reiz nicht verstärkt, verliert jedes Jahr ein wenig mehr an Muskelmasse.
Das moderne Leben beschleunigt all diese physiologischen Veränderungen. Der durchschnittliche Erwachsene sitzt heute ungefähr zehn Stunden pro Tag. Die Hüftbeuger verkürzen sich, die Gesäßmuskeln werden inaktiv, der obere Rücken rundet sich nach vorne und die hintere Muskelkette, also die gesamte Muskulatur der Körperrückseite – das strukturelle Rückgrat der menschlichen Bewegung sozusagen –, verkümmert.

Tipps, was Sie tun können

Geben Sie Ihrem Skelett und Ihren Muskeln einen Anreiz, zu bleiben. Für die meisten Erwachsenen heißt das: Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche. Das bedeutet,  große Muskelgruppen mit einem sinnvollen Gewicht, gepaart mit einer leichten Stoßbelastung, zu trainieren. Selbst etwas so Einfaches wie auf den Zehenspitzen oder Fersen stehen, kann den Knochen dazu anregt, sich zu erneuern. 
Sie müssen die Belastung im Laufe der Zeit steigern, denn Muskeln und Knochen passen sich an den Reiz an, nicht an Wiederholungen. Wenn Sie noch keine Erfahrung mit Krafttraining haben, beginnen Sie unter Anleitung eines Trainers oder Physiotherapeuten, der Ihnen sichere Übungen empfehlen kann.

Chemie: Was Ihr Blut Ihnen verrät

Die Biochemie von Knochen und Muskeln wird selten eingehend untersucht – da sie normalerweise über die Standard-Laboruntersuchungen hinausgeht.

Vitamin D

Der optimale Serumspiegel von Vitamin D liegt zwischen 30 und 50 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml). Unterhalb dieses Wertes stockt die Kalziumaufnahme. Um die Funktion des Bewegungsapparats aufrechtzuerhalten, empfehle ich allerdings 50 bis 80 ng/ml.
Schnell zuckende Fasern brauchen Vitamin D. Mit ihm sind sie schnell und stark genug, um uns aufzufangen, wenn wir stolpern. Deshalb äußert sich ein Vitamin-D-Mangel nicht nur in Knochenschwund, sondern auch in echter Muskelschwäche und -unsicherheit, was zu einem deutlich höheren Sturzrisiko führt.

Vitamin K2 

Vitamin K2 leitet Kalzium in die Knochen und weg von den Blutgefäßen. Ein Patient, der Kalzium und Vitamin D ohne K2 einnimmt, baut möglicherweise schwache Knochen auf und lässt gleichzeitig seine Arterien verkalken.

Magnesium

Der Körper benötigt Magnesium, um Vitamin D zu aktivieren und Muskeln anzuspannen. Gleichzeitig hilft Magnesium, den Spiegel des Hormons Parathormon zu regulieren, der den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel steuert. 
Ein subtiler Mangel äußert sich in Krämpfen, unruhigem Schlaf und unerklärlicher Müdigkeit.

Protein

Protein brauchen wir, um die Muskelmasse zu erhalten. Erwachsene über 40 benötigen etwa 1,2 bis 1,5 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Dabei ist nicht nur die Gesamtzufuhr wichtig, sondern auch, dass wir das Protein über den Tag verteilt und nicht in einer großen Mahlzeit aufnehmen.

Hormone

Hormone sind für den Erhalt von Knochen und Muskeln unerlässlich, nehmen aber im mittleren Alter ab. Dazu gehören unter anderem IGF-1 (insulinähnlicher Wachstumsfaktor 1), Wachstumshormon, DHEA (Baustein für die Produktion wichtiger männlicher und weiblicher Sexualhormone, darunter Testosteron und Östrogen) sowie Schilddrüsenhormone.
Den Hormonhaushalt zu bestimmen und – sofern klinisch angebracht – wiederherzustellen, kann zu Ergebnissen führen, die kein Trainingsprogramm allein erreichen kann.

Tipps, was Sie tun können

Bitten Sie Ihren Arzt um eine Untersuchung, die über das Wesentliche hinausgeht: Vitamin D, Magnesium (idealerweise Magnesium in den roten Blutkörperchen) und, je nach Ihrer Krankengeschichte, die relevanten Hormone. 
Beziehen Sie den Großteil Ihres Proteins aus proteinreichen Vollwertnahrungsmitteln. Eine gute Quelle sind unter anderem
  • Eier,
  • Geflügel, 
  • Rinderfleisch, 
  • frischer oder konservierter Thunfisch oder Lachs,
  • griechischer Joghurt. 
Essen Sie bei jeder Mahlzeit proteinreiche Lebensmittel und versuchen Sie nicht, die benötigte tägliche Proteinmenge nur bei einer Mahlzeit zu sich zu nehmen.
Betrachten Sie Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin D und K2 sowie Magnesium als gezielte Korrektur gemessener Mangelzustände und nicht als wahlloses Einnehmen von Tabletten. Gehen Sie eine Hormontherapie als eine sorgfältige Entscheidung an, die Sie gemeinsam mit einem sachkundigen Arzt treffen.

Energie: Die Kraft zum Wiederaufbau

Selbst ein makelloses Training und eine perfekte Ernährung können scheitern, wenn dem Körper die zelluläre Energie fehlt, um darauf zu reagieren. Der Aufbau von Knochen und Muskeln ist stoffwechseltechnisch aufwendig und hängt von gesunden Mitochondrien ab – den Kraftwerken unserer Zellen.
Personen mit chronischer Müdigkeit, anhaltenden postviralen Syndromen oder erheblicher toxischer Belastung verlieren laut Untersuchungen schneller an Muskel- und Knochenmasse. Das kommt dadurch, dass die zelluläre Energie für deren Wiederaufbau beeinträchtigt ist.
Der Wiederaufbau findet im Schlaf statt, denn der Körper schüttet Wachstumshormone vor allem im Tiefschlaf aus. Genau während dieser Zeit baut der Körper Muskelproteine auf, baut altes Knochengewebe ab und ersetzt es durch neues.
Sechs Stunden Schlaf können nicht das leisten, was acht Stunden ermöglichen, ganz gleich, wie diszipliniert Ihr Training auch sein mag.

Tipps, was Sie tun können

Stellen Sie sicher, dass sie ausreichend schlafen: 
  • Halten Sie regelmäßige Schlafenszeiten ein, 
  • sorgen Sie für ein dunkles und kühles Schlafzimmer,
  • verzichten Sie spätabends auf Bildschirme und auf Alkohol, da beides den Tiefschlaf beeinträchtigt. 
Wenn Ihre Müdigkeit in keinem Verhältnis zu Ihrem Leben zu stehen scheint, nehmen Sie sie ernst, anstatt sie einfach zu ignorieren. Fragen Sie Ihren Arzt zusätzlich nach Schilddrüsen-, Eisen- und B12-Werten sowie – sofern Ihre Vorgeschichte dies nahelegt – nach umweltbedingten und stoffwechselbedingten Faktoren.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Why Bone and Muscle Loss Is More Than Just Aging“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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7 Tipps bei Hitze: Fit und gesund durch den Sommer


In Kürze:

  • Hitze erzeugt immer wieder Schlagzeilen und belastet unseren Körper. Panik ist jedoch nicht hilfreich.
  • Verschiedene Personengruppen bedürfen tatsächlich des Schutzes. Für viele andere genügt ein gesunder Menschenverstand.
  • Der Körper ist kein Gerät, das man nur kühlen muss. Er ist ein Regulationssystem.
  • Dieses System kann man überfordern durch zu viel Sonne, unangepasste Ernährung, falsche Medikamenteneinstellung, Alkohol oder Bewegungsmangel.
  • Man kann es aber auch unterstützen, und zwar durch Flüssigkeit, Mineralstoffe, Schatten, Schlaf, leichte Kost und Wasseranwendungen.

 
Kaum steigen in Deutschland die Temperaturen, beginnt ein merkwürdiges Schauspiel. Der Wetterbericht klingt zumindest in weiten Teilen plötzlich wie eine Katastrophenschutzübung, Nachrichtensendungen arbeiten mit dramatischer Kulisse und aus einem heißen Sommertag wird in kürzester Zeit ein gesellschaftlicher Belastungstest.
Man darf sich schon wundern: Dieselben Menschen, die bei 35 Grad in Deutschland den Ausnahmezustand ausrufen, fliegen zwei Wochen später nach Spanien, Griechenland oder in die Türkei, setzen sich mit Sonnenhut und Sangria an den Pool und nennen es Erholung. Dieselbe Hitze, die am Mittelmeer Urlaub heißt, wird hierzulande zur Vorstufe des Jüngsten Gerichts erklärt.
Natürlich: Hitze ist kein Spaß. 35 oder 40 Grad sind für den Organismus eine Herausforderung. Wer draußen arbeitet, alt, krank oder pflegebedürftig ist, braucht Schutz, Aufmerksamkeit und praktische Hilfe. Aber genau hier beginnt das Problem. Zwischen berechtigter Vorsicht und öffentlicher Hitzedramaturgie liegt inzwischen ein erheblicher Unterschied.

Beim Umgang mit Sonnenschein gilt schlicht „gesunder Menschenverstand“, auch im Urlaub.

Foto: Viktor_Gladkov/iStock

Wer wirklich gefährdet ist

Hitze kann gefährlich werden, vor allem für ältere Menschen. Mit zunehmendem Alter lässt das Durstgefühl nach. Die Nieren arbeiten nicht mehr so belastbar wie früher. Viele Ältere trinken ohnehin zu wenig. Dazu kommen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Übergewicht, Atemwegserkrankungen oder eine eingeschränkte Mobilität.
Das Ergebnis sieht man dann nicht in Schlagzeilen, sondern in Praxen, in Pflegeheimen und in Notaufnahmen: Schwindel, Schwäche, Verwirrtheit, Kreislaufentgleisungen, Verstopfung, Harnwegsprobleme, Nierenbelastung und Stürze. Bei längeren Hitzewellen kann es auch zu einer Übersterblichkeit kommen.
Das betrifft nicht den gesunden 30-Jährigen, der sich über den heißen Asphalt beschwert, sondern den 82-Jährigen im schlecht gelüfteten Dachgeschoss, der kaum Durst verspürt und „nicht dauernd zur Toilette laufen“ möchte. Gerade deshalb benötigen wir weniger Panik und mehr konkrete Gesundheitskompetenz.

Medikamente und Hitze: Ein unterschätztes Thema

Ein besonders wichtiger Punkt sind Medikamente. Vor allem wer dauerhaft Arzneimittel einnimmt, sollte an heißen Tagen nicht einfach weitermachen wie immer. Besonders beachtet werden sollten Entwässerungsmittel, in der Fachsprache Diuretika genannt. Sie können bei Hitze den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust verstärken. Wer ohnehin zu wenig trinkt, kann dadurch schneller in eine Kreislauf- oder Nierenbelastung geraten.
Auch Blutdruckmedikamente können bei hohen Temperaturen anders wirken. Wärme erweitert die Gefäße, um den Wärmetransport zu maximieren. Der Blutdruck kann dadurch zusätzlich absinken. Dann kommt es leichter zu Schwindel, Schwäche, Benommenheit oder auch zu Stürzen.
Wichtig sind zudem Medikamente mit anticholinerger Wirkung. Dazu zählen manche Mittel gegen Blasenbeschwerden, bestimmte Psychopharmaka, ältere Allergiemittel, Schlafmittel und einige Präparate gegen Übelkeit. Diese können das Schwitzen vermindern oder auch die Temperaturregulation stören.
Unser Körper verfügt über verschiedenen Methoden, die Temperatur zu regulieren.

Unser Körper verfügt über verschiedenen Methoden, die Temperatur zu regulieren.

Foto: ts/Epoch Times nach ttsz/iStock

Und auch Beruhigungsmittel, starke Schmerzmittel, Opioide und manche Parkinsonmedikamente oder Psychopharmaka können bei Hitze problematisch werden, weil sie Wachheit, Kreislauf und Reaktionsfähigkeit beeinflussen.
Diabetiker sollten zusätzlich bedenken, dass Insulin und manche Teststreifen hitzeempfindlich sind. Auch der Blutzucker kann bei Hitze unberechenbarer reagieren, besonders wenn weniger gegessen, mehr geschwitzt oder unregelmäßig getrunken wird.
Die einfache Regel lautet: Wer Medikamente nimmt und bei Hitze ungewöhnlich müde, verwirrt, wackelig, kurzatmig, benommen oder auffällig schwach wird, sollte das nicht als „normalen Sommertag“ abtun – also Vorsicht.

Trinken, aber richtig

Der wichtigste Hitzeschutz ist ziemlich banal: trinken, bevor der Durst kommt. Gerade ältere Menschen können sich auf ihr Durstgefühl nicht immer verlassen. Sinnvoll ist es, morgens eine Trinkmenge sichtbar bereitzustellen. Geeignet sind Wasser, Mineralwasser, verdünnte Säfte oder ungesüßte Kräutertees.
Wer stark schwitzt, benötigt nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Mineralstoffe. Eine Brühe, mineralstoffreiches Wasser, leicht gesalzene Speisen oder eine Prise Salz in der Mahlzeit sind sinnvoll.
Aber auch hier gilt: nicht blind nach Schema. Wer an schwerer Herz- oder Nierenerkrankung leidet, sollte die Trinkmenge individuell abklären. Zu wenig ist schlecht, aber zu viel kann in bestimmten Fällen ebenfalls problematisch werden.
Alkohol ist bei Hitze dagegen keine gute Idee. Das Glas Bier „gegen den Durst“ gehört zu den alten Klassikern, ist aber nicht sinnvoll. Alkohol fördert letztlich den Flüssigkeitsverlust, belastet Kreislauf und Schlaf und macht den Körper bei Hitze nicht gerade widerstandsfähiger.
Bei Hitze sollte ausreichend Wasser getrunken werden

Besonders Ältere sollten im Sommer darauf achten, dass sie genug Wasser trinken, auch wenn sie nicht durstig sind.

Foto: Photodjo/iStock

Leicht essen, klug lüften, Bewegung dosieren

Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Große, schwere Mahlzeiten zwingen den Körper zur Verdauungsarbeit, während er eigentlich mit Temperaturregulation beschäftigt ist. Besser sind leichte, wasserreiche Lebensmittel: Gurken, Melonen, Beeren, Salate, gedünstetes Gemüse, Suppen, leichte Eiweißquellen.
Auch die Wohnung sollte man nicht gegen den gesunden Menschenverstand behandeln, sondern morgens und spät abends lüften und tagsüber Fenster, Vorhänge und Rollläden schließen. Das klingt banal, wird aber erstaunlich oft falsch gemacht. Wer mittags die heiße Luft hereinlässt, darf sich abends nicht wundern, wenn das Schlafzimmer zur Backstube wird.
Bewegung bleibt wichtig. Der Körper braucht Muskelarbeit, Durchblutung und Kreislaufreize. Aber die Mittagshitze ist nicht der Zeitpunkt für Heldentaten. Spaziergänge früh morgens oder abends, leichte Gymnastik, kurze Wege im Schatten – das reicht oftmals. Gerade ältere Menschen bauen bei längerer Inaktivität schnell ab. Kreislauf, Muskulatur, Stoffwechsel und Stimmung hängen enger zusammen, als viele glauben.

Kneipp im Schnellverfahren: Das kalte Armbad

Und dann gibt es die alten Naturheilverfahren. Ein Klassiker ist das kalte Armbad nach Kneipp. Dafür lässt man kaltes Wasser ins Waschbecken laufen und taucht beide Unterarme ein, von den Händen bis etwa zu den Ellenbogen – so lange, bis es deutlich kalt wird, aber nicht schmerzhaft. Danach die Arme nicht abtrocknen, sondern das Wasser nur abstreifen. Die Hände dürfen abgetrocknet werden.
Wer es noch einfacher möchte, nimmt einen Eiswürfel und reibt damit im Wechsel beide Unterarme ab: von der Hand Richtung Ellenbogen und wieder zurück. Ein Eiswürfel reicht. Danach das Wasser ebenfalls nur abstreifen.
Warum nicht trockenrubbeln? Weil der Kältereiz weiterwirken soll. Der kurze Reiz zieht die Gefäße zunächst zusammen. Danach folgt eine reaktive Durchblutung. Der Körper antwortet. Er reguliert. Genau darum geht es bei Kneipp: nicht unterdrücken, sondern Reaktionsfähigkeit trainieren.
Besonders hilfreich ist das bei schwerem Kopf, müden Augen, innerer Unruhe, geistiger Überhitzung, leichter Kreislaufträgheit oder nach langer Bildschirmarbeit. In der Naturheilkunde spricht man hier auch von Ableitung. Wenn „alles oben sitzt“ – Druck, Gedanken, Hitzegefühl et cetera –, kann der Reiz an den Unterarmen helfen, dies abzuleiten.

Ein Eiswürfel über den Unterarm gerieben hilft, Wärme abzuleiten.

Foto: Tatiana/iStock

Der Reiz muss zum Menschen passen

Heute ist das Eisbaden nach Wim Hof modern. Für manche ist das durchaus reizvoll. Für viele ist es schlicht zu viel. Ein untrainierter Organismus benötigt keinen Kälteschock, sondern einen passenden Reiz. Alles andere ist so, als würde man einem Menschen ohne Lauferfahrung empfehlen, morgen einen Marathon zu laufen.
Kneipp war da klüger. Er wusste, dass man den Patienten nicht mit Härte gewinnt, sondern mit einem Reiz, den der Körper beantworten kann. Man beginnt mild, beobachtet die Reaktion und steigert nur dann, wenn der Organismus gut reagiert.
Das ist überhaupt der entscheidende Punkt beim Thema Hitze: Der Körper ist kein defektes Gerät, das man nur kühlen muss. Er ist ein Regulationssystem. Und dieses System kann man überfordern durch zu viel Sonne, zu wenig Flüssigkeit, falsche Medikamenteneinstellung, Alkohol, schlechte Nächte oder Bewegungsmangel. Man kann es aber auch unterstützen durch Flüssigkeit, Mineralstoffe, Schatten, Schlaf, leichte Kost und Wasseranwendungen.

Fazit

Was wir nicht benötigen, ist betreutes Denken im Halbstundentakt, verbunden mit „Hitzepanik“. Ich erlebe derzeit Menschen, die bereits 26 Grad als Hitze empfinden. Klar: Hitze kann gefährlich sein – aber 26 Grad? Der Körper kann mit Hitze umgehen. Man sollte ihn dabei unterstützen und ihm nicht schon morgens einreden, dass der Tag kaum zu überleben ist.
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Stickstoffmonoxid: Warum Bluthochdruck auch im Mund beginnt


In Kürze:

  • Stickstoffmonoxid spielt im Körper eine größere Rolle, als viele annehmen: Es hilft Blutgefäßen, sich zu entspannen und zu weiten.
  • Die Mundflora arbeitet in diesem Zusammenhang offenbar an einem System mit, das Blutdruck und Durchblutung beeinflusst.
  • Unser Gesundheitssystem ist in einzelne Bereiche unterteilt, doch unser Organismus arbeitet als großes Ganzes.
  • 7 Tipps – von Ernährung über Zahnpasta bis Schnarchen – helfen den Gefäßen.

 
Nach fast 30 Jahren in der Naturheilkunde passiert mir das immer noch: Ich stoße auf einen Zusammenhang und denke erst einmal, das könne doch nicht ernsthaft so einfach sein? Beim Thema Stickstoffmonoxid (abgekürzt NO), passierte mir aber genau das.
Bevor Sie jetzt denken: „Stickstoffmonoxid? Brauche ich nicht …“, halten Sie kurz inne. Es geht nämlich um Blutdruck, Durchblutung, Gefäßelastizität und die Sauerstoffversorgung von Herz, Gehirn und Muskulatur. Also um Themen, die spätestens ab der Lebensmitte nicht mehr ganz nebensächlich sind.
Einige Kraftsportler, Ausdauerathleten und Trainer kennen NO bereits seit Jahren. Es geht bei diesem Thema um bessere Durchblutung, mehr Sauerstoff in der Muskulatur und bessere Leistungsfähigkeit. Arginin, Citrullin und Rote-Bete-Konzentrate werden in diesem Bereich schon lange verwendet. Rote Bete färbt bei manchen Menschen sogar den Urin rötlich, weshalb im Sport allerlei Anekdoten kursieren.
Die 10 gesunden Vorteile von Rote Bete

Rote Bete wird von Profisportlern für die Förderung der Durchblutung geschätzt.

Foto: dianazh/iStock

Ob bei großen Wettkämpfen wie den Olympischen Spielen tatsächlich reihenweise rot-violette Urinproben auftauchten, sei dahingestellt. Dass Rote Bete im Leistungssport wegen der Nitrate aber genutzt wird, ist jedoch kein Geheimnis.
Der Punkt ist aber folgender: Was im Sportbereich zur Leistungssteigerung verwendet wird, spielt für die allgemeine Gesundheit sehr wahrscheinlich eine viel größere Rolle, als bisher gedacht.

Wenn die Gefäße enger werden

Stickstoffmonoxid ist ein kleines, kurzlebiges Molekül mit großer Wirkung. Es hilft Blutgefäßen, sich zu entspannen und zu weiten. Verbessert die Mikrozirkulation und damit die Durchblutung der kleinen Gefäße. Und beeinflusst auch den Blutdruck, Sauerstoffversorgung, Mitochondrien und sogar immunologische Prozesse.
Wenn die NO-Bildung nachlässt, wird der Körper im übertragenen Sinn enger: Die Gefäße verlieren an Elastizität, die Durchblutung wird schlechter, der Blutdruck steigt leichter. Letzteres ist Physik. Damit  eine bestimmte Menge Flüssigkeit durch einen kleineren Querschnitt fließen kann, muss die Fließgeschwindigkeit steigen, dafür ist höherer Druck nötig.

Der Unterschied zwischen gesunden und ungesunden Blutdruck schematisch dargestellt.

Foto: blueringmedia/iStock

Lange dachte man bei NO vor allem an die Aminosäure Arginin. Aus ihr kann der Körper über bestimmte Enzyme Stickstoffmonoxid bilden. Deshalb steckt Arginin in vielen Sportpräparaten.
Später kam Citrullin hinzu, weil es im Körper zu Arginin umgebaut wird und etwas zuverlässiger wirkt. Das ist alles schon ziemlich interessant, aber noch nicht der spannendste Teil. Denn es gibt einen zweiten Weg: den Nitrat-Nitrit-NO Weg – und dieser beginnt im Mund.

Die Mundflora als Gefäßhelfer

Nitrat aus der Nahrung, vor allem aus Gemüse, wird im Speichel konzentriert. Bestimmte Bakterien im Mundraum, besonders auf der Zunge, wandeln dieses Nitrat in Nitrit um. Aus Nitrit kann der Körper wiederum Stickstoffmonoxid bilden. Anders gesagt: Die Mundflora ist an der Gefäßregulation beteiligt.
Die Bakterien im Mund sind nicht nur „Keime“, die man möglichst entschlossen beseitigt, damit der Atem nach Minze riecht. Ein Teil dieser Bakterien arbeitet offenbar an einem System mit, das Blutdruck, Gefäßweite und Durchblutung beeinflusst.
Die Bedeutung der Darmflora hat sich inzwischen herumgesprochen. Was wir Naturheilkundler in den 1990er-Jahren noch erklären mussten, ist heute fast Allgemeinwissen. Bei der Mundflora stehen wir an einem ähnlichen Punkt. Nur, dass es dieses Mal nicht um Verdauung geht, sondern um die Gefäße.
Besonders nitratreiche Lebensmittel sind Rucola, Rote Bete, Spinat, Mangold, Feldsalat, Radieschen, Staudensellerie, Kohlrabi, Petersilie und grüne Blattgemüse. In Kurzform sieht der Zusammenhang wie folgt aus: Nitrat aus Gemüse, Mundflora, Nitrit, Stickstoffmonoxid, Gefäßerweiterung, bessere Durchblutung. So einfach kann Biochemie manchmal sein. Und so schnell kann man sie stören.

Nitratreiche Lebensmittel wie Rucola, Spinat, Mangold, Petersilie und grünes Blattgemüse helfen den Blutgefäßen.

Foto: Svetl/iStock

Mundspülung: Hygiene oder Dauerangriff?

Wenn bestimmte Mundbakterien für diesen Weg wichtig sind, stellt sich sofort die Frage, was mit Menschen passiert, die ihre Mundflora täglich mit aggressiven Mundspülungen bearbeiten? Viele Mundspülungen werden als moderne Hygiene verkauft: frischer Atem, weniger Keime. Das klingt logisch und überzeugend. Aber was geschieht, wenn dabei genau jene Bakterien reduziert werden, die Nitrat in Nitrit umwandeln?
Vor allem stark antiseptische Mundspülungen mit Chlorhexidin können die Mundflora massiv verändern. Nach bestimmten zahnärztlichen Eingriffen kann dies zeitlich begrenzt sinnvoll sein. Als tägliche Dauerlösung halte ich es für extrem fragwürdig. Wer seine Mundflora „chemisch niedermäht“, greift möglicherweise auch in seine körpereigene NO-Regulation ein.
Und es lohnt sich auch ein Blick auf die Zahnpasta. Viele Produkte sind geradezu kleine Chemiebaukästen: Schaumbildner, aggressive Tenside, künstliche Aromen, Süßstoffe, Titandioxid, Mikroplastik, Fluoride und weitere Zusätze.
Nicht jede Zahnpasta ist ein Problem, aber die Vorstellung, man könne zweimal täglich einen industriellen Cocktail in den Mundraum bringen und das habe mit dem restlichen Körper nichts zu tun, halte ich für ziemlich naiv.

Die falsche Mundspülung oder Zahnpasta kann die guten Bakterien im Mund töten und könnte Bluthochdruck begünstigen.

Foto: Inna Dodor/iStock

Die Sache mit den Zahnherden

Noch wichtiger wird der Mundraum beim Thema Parodontitis, Zahnherde, wurzelbehandelte Zähne und chronische Entzündungen. Aus naturheilkundlicher Sicht können solche Herde systemisch wirken. Nicht bei jedem und nicht immer. Ich weiß auch, dass viele Zahnärzte dieses Thema sehr kontrovers betrachten.
Klar ist jedoch, dass chronische Entzündungen oxidativen Stress fördern. Oxidativer Stress kann Stickstoffmonoxid abfangen und dessen Bioverfügbarkeit verschlechtern. Wer Blutdruck, Mikrozirkulation und Mitochondrien verbessern möchte, sollte deshalb auch den Mundraum beachten.
Damit wären wir beim hohen Blutdruck. Meist wird in diesem Zusammen über Salz, Stress, Cholesterin, Übergewicht oder Medikamente gesprochen. Das ist nicht falsch, aber unvollständig.
Wenn Gefäße sich nicht mehr ausreichend entspannen, steigt der Druck leichter. Wenn die Gefäßinnenwand (das Endothel), schlechter arbeitet, wird die Regulation träger. Kommen Bewegungsmangel, Insulinresistenz, schlechter Schlaf, Entzündungen und oxidativer Stress hinzu, wird aus einem Messwert schließlich ein Regulationsproblem.

Schnarchen ist kein Eheproblem

Ein weiterer, oft übersehener Punkt ist die Nasenatmung. Auch in den Nasennebenhöhlen wird anscheinend Stickstoffmonoxid gebildet. Dauerhafte Mundatmung ist deshalb ungünstig. Wer ständig durch den Mund atmet, chronisch verstopfte Nasenwege hat oder nachts schnarcht, sollte aufhorchen.
Schnarchen gilt vielen als akustisches Eheproblem. Der eine sägt, der andere zieht genervt ins Gästezimmer. Leider kann dahinter zusätzlich eine Schlafapnoe stecken, also nächtliche Atemaussetzer.
Dabei fällt der Sauerstoff ab, der Körper schlägt Alarm, Stresshormone steigen, Herz und Gefäße geraten unter Druck. Schlafapnoe wird mit Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Schlaganfall, Insulinresistenz, Diabetes Typ 2, Fettleber, Tagesmüdigkeit und erhöhtem Unfallrisiko in Verbindung gebracht.
Schnarchen raubt nicht nur den Schlaf – sondern auch die Gesundheit

Schätzungen zufolge schnarchen mehr als 60 Prozent der über 50-jährigen Männer.

Foto: monkeybusinessimages/iStock

Was Sie tun können

Was folgt daraus praktisch?
  1. Essen Sie regelmäßig nitratreiches Gemüse wie Rucola, Rote Bete, Spinat, Mangold, Feldsalat, Staudensellerie, Radieschen, Petersilie.
  2. Seien Sie zurückhaltend mit antiseptischen Mundspülungen.
  3. Prüfen Sie Ihre Zahnpasta. Nicht alles, was schäumt und nach Minze riecht, dient automatisch dem Milieu im Mund.
  4. Denken Sie bei Bluthochdruck auch an den Mundraum: Zahnfleisch, Zahnherde, wurzelbehandelte Zähne, Kieferentzündungen.
  5. Nehmen Sie Nasenatmung und Schnarchen ernst. Wer nachts schlecht atmet, stresst Herz, Gehirn, Gefäße und Stoffwechsel.
  6. Bewegen Sie sich. Bewegung erzeugt Scherkräfte an der Gefäßwand. Diese Reize fördern die NO Bildung im Endothel. Dreimal täglich zehn Minuten Gehen wären für viele bereits ein guter Anfang.
  7. Senken Sie oxidativen Stress und verbessern Sie Ihren Blutzucker. Polyphenole aus Beeren, Granatapfel, grünem Tee, Kräutern, Olivenöl und Gemüse können helfen, NO indirekt zu schützen. Insulinresistenz und chronisch erhöhte Blutzuckerwerte dagegen schädigen das Endothel.

Lebensmittel, die oxidativen Stress senken können, sind Beeren, Granatapfel, grüner Tee, Kräuter, Olivenöl und Gemüse.

Foto: YelenaYemchuk/iStock

Der Körper denkt nicht in Fachabteilungen

Für mich zeigt dieses Thema wieder einmal, warum der Körper nicht in Fachabteilungen denkt. Zahnmedizin hier, Kardiologie dort, Schlafmedizin in der nächsten Tür – so organisieren wir das Gesundheitssystem. Der Organismus arbeitet aber anders. Er verbindet Mundflora, Nasennebenhöhlen, Gefäße, Bakterien, Sauerstoff, Entzündung, Bewegung und Stoffwechsel zu einem großen Ganzen.
Stickstoffmonoxid ist dabei nicht der einzige Schlüssel, aber ein bemerkenswerter. Gute Durchblutung beginnt nicht erst beim Medikament und auch nicht im Supplementregal. Sie beginnt im Mund, auf dem Teller, in der Nase, in der Bewegung und in der Frage, ob wir den Körper noch als zusammenhängendes System begreifen. Genau dort beginnt aus meiner Sicht wirkliche Naturheilkunde.
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Warum wir wieder lernen müssen, richtig in die Sonne zu gehen


In Kürze:

  • Zwischen April und September steht die Sonne in unseren Breiten hoch genug, damit der Körper Vitamin D bilden kann.
  • Ausgiebiges Sonnenbaden und regelmäßiger Sonnenbrand erhöhen das Risiko für Hautalterung und Hautkrebs.
  • Vor allem Menschen mit sensibler Haut – Kinder und helle Hauttypen – benötigen mehr Sonnenschutz.
  • Der älteste Sonnenschutz der Welt hat den Vorteil, dass er nicht über die Haut aufgenommen wird.
  • Wer jedoch in der Sonne schnell errötet, sollte vielleicht nicht nur über Cremes nachdenken.

 
Die amerikanische Arzneibehörde FDA hat einen neuen Sonnenschutzfilter zugelassen. Bemotrizinol heißt der Stoff. Er schützt gegen UVA und UVB, gilt als fotostabil und wird in Europa und Asien schon länger verwendet. In den USA ist das tatsächlich eine kleine Sensation, weil dort seit vielen Jahren kaum neue UV-Filter für frei verkäufliche Sonnenschutzmittel dazukamen. Man kann das begrüßen. Besser ein guter Filter als ein schlechter.
Nur löst dieser Fortschritt nicht unser eigentliches Problem. Viele Menschen haben nicht zu wenig Sonnencreme, sondern zu wenig „Sonnenverstand“. Manche sagen auch: Die meisten haben in Physik einfach nicht aufgepasst.
Ich beobachte jedenfalls inzwischen Menschen, die sich bereits eincremen, bevor sie überhaupt vor die Tür gehen, gerade so, als sei die Sonne eine meldepflichtige Gefahrstoffwolke. Kinder werden mit Lichtschutzfaktor 50 behandelt, bevor die Haut einen einzigen vernünftigen Lichtreiz bekommen hat.

Viele Menschen cremen sich aus Angst vor Sonnenbrand bereits früh am Morgen ein.

Foto: Tverdohlib/iStock

Erwachsene verbringen elf Monate im Kunstlicht, sitzen vor flimmernden Bildschirmen, schlafen schlecht, haben niedrige Vitamin-D-Werte und bekommen zu alledem im Sommer plötzlich Angst vor der Sonne? Das muss man erst einmal hinbekommen.
Dabei war Sonne früher nicht der Feind. In Sanatorien wurden Patienten bewusst an Luft und Licht gebracht. Krankenhäuser hatten zum Teil Sonnendächer, „Liegehallen“ und Balkone. Man fuhr Kranke nach draußen, weil man beobachtete, dass Licht, Luft, Ruhe und Ernährung den Menschen verändern können. Die Sonne war in erster Linie ein Heilreiz.
Heute hat sich das völlig verkehrt. Heilreiz, Licht, Natur, Dosis, Anpassung – solche Begriffe passen nicht mehr gut in eine Welt, in der „Gesundheit“ über Warnhinweise und Grenzwerte verwaltet wird. Dabei ist die Sache biologisch eigentlich ziemlich einfach – und dennoch anspruchsvoll. Denn die Sonne ist weder harmlos noch böse. Sie ist einfach nur Reiz. Und jeder Reiz benötigt das richtige Maß.

Sonnenbrand ist kein Gesundheitsprogramm

Damit kein Missverständnis entsteht: Sonnenbrand ist kein „Training“ und keine Abhärtung. Wer seine Haut regelmäßig verbrennt, erhöht sein Risiko für Hautalterung und Hautkrebs. Die Haut vergisst nicht.
Besonders Kinderhaut sollte man schützen, denn schwere Sonnenbrände in jungen Jahren zählen quasi doppelt. Diese Tatsachen verkehren zahlreiche Experten derart, sodass wir heute bei vielen Menschen geradezu eine Sonnenpanik haben.
Die Sonne kann auch viel mehr als bräunen oder verbrennen. Über UVB-Strahlung bildet die Haut Vitamin D. Licht beeinflusst den Tag-Nacht-Rhythmus, die Stimmung, die Gefäßregulation und wahrscheinlich noch weitere Vorgänge, die wir längst nicht vollständig verstanden haben. Wir sind auf die Sonne und das Licht angewiesen.

Wann bildet die Haut überhaupt Vitamin D?

Beim Vitamin D zählt nicht einfach Sonne, sondern die UVB-Strahlung. Und die erreicht die Haut nur dann in ausreichender Menge, wenn die Sonne hoch genug steht. In unseren Breiten ist das grob gesagt zwischen April und September der Fall. Im Winter wird praktisch kein Vitamin D über die Haut gebildet, auch wenn der Spaziergang in der tief stehenden Sonne natürlich trotzdem wertvoll ist, und zwar für den Kopf, den Rhythmus, die Stimmung und das Nervensystem.
Eine einfache Faustregel ist der Schattentest. Ist Ihr Schatten kürzer als Sie selbst, steht die Sonne hoch genug, damit Vitamin-D-Bildung möglich wird. Wer es noch anschaulicher möchte, nimmt einen Bleistift, stellt sich senkrecht hin und sieht den Schatten an. Ist der Schatten kürzer als der Stift, passt der Sonnenstand. Ist er länger, bekommen Sie Licht, aber kaum den UVB-Anteil, den die Haut für Vitamin D benötigt.
Damit ist nicht gemeint, sich mittags braten zu lassen. Für viele hellhäutige Menschen reichen im Sommer wenige Minuten bis vielleicht 15 oder 20 Minuten auf Armen und Beinen. Dunklere Hauttypen benötigen etwas länger. Entscheidend ist, vor der Rötung aus der Sonne zu gehen.
Beim Vitamin D zählt nicht einfach „Sonne“, sondern die UVB Strahlung

In unseren Breiten können wir nur zwischen April und September Vitamin D über die Haut bilden.

Foto: anyaberkut/iStock

Kleidung schlägt Creme

Nach der kurzen Aufladung von Vitamin D geht man am besten aus der prallen Sonne. Der älteste Sonnenschutz der Welt hat dabei den kleinen Vorteil, dass er nicht über die Haut aufgenommen wird. Wer das nicht kann, zieht sich etwas an.
Ein Hemd muss nicht fotostabil sein. Ein Hut benötigt keine INCI-Liste. Schatten kommt ohne Konservierungsstoffe aus. Vielleicht ist das der Grund, warum diese Dinge in der Werbung für Sonnenschutz eher selten die Hauptrolle spielen.
Ich habe nichts gegen Sonnencreme. Bei Kindern, sehr heller Haut, am Meer, in den Bergen oder bei längeren Aufenthalten in der Sonne kann sie sinnvoll sein. Nur sollte sie nicht der erste Reflex sein. Erst kommt die Dosis, dann Kleidung und Schatten. Und wenn das nicht reicht, Creme.

Welche Sonnencreme?

Jetzt stellt sich die Frage: Welche Sonnencreme? Einige chemische UV-Filter stehen seit Jahren in der Kritik, darunter Octocrylen, Homosalat, Benzophenone 3 und Ethylhexyl Methoxycinnamate. Wer solche Stoffe meiden will, liest die INCI-Liste.
Bei ÖKO-TEST schnitten zuletzt zum Beispiel Sun D’Or Sonnenmilch LSF 50 von Edeka und Sundance Sonnenmilch LSF 50 von dm sehr gut ab. Bei Kinderprodukten wurden unter anderem Lacura Sun Kids, Lavozon Kids und Sundance Kids gut bewertet. Das gilt natürlich immer für die getestete Rezeptur. Hersteller ändern Formeln schneller, als manche Menschen ihre Meinung. Deshalb bleibt ein Blick auf den aktuellen Test sinnvoll.

Bei Kindern, sehr heller Haut, am Meer, in den Bergen oder bei längeren Aufenthalten in der Sonne kann Sonnencreme sinnvoll sein. Nur sollte sie nicht der erste Reflex sein.

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Mineralische Filter wie Zinkoxid oder Titandioxid sind für viele eine Alternative. Sprays und Öle sehe ich deutlich kritischer. Feine Partikel (Spray) gehören nicht in die Lunge, auch wenn sie vorher in einer hübschen Verpackung waren.
Und noch etwas: Lichtschutzfaktor 50 ist kein Tagespass für die Sonne. Viele tragen zu wenig auf, cremen zu selten nach und wundern sich später über rote Schultern. Das ist so, als würde man sich den Sicherheitsgurt anlegen und anschließend mit geschlossenen Augen fahren.

Freie Radikale – wie der Bösewicht im Märchen

Der wichtigste Sonnenschutz beginnt jedoch nicht erst auf der Haut, sondern im Stoffwechsel. UV-Licht erzeugt freie Radikale. Und damit sind wir bei einem jener Begriffe, die in Gesundheitsartikeln meist auftreten wie der Bösewicht im Märchen.
Freie Radikale können zwar Schaden anrichten, gewiss, sie sind aber auch Signale, anhand derer der Körper lernt, seine Schutzsysteme hochzufahren. Der Reiz ist also nicht das Problem. Das Problem beginnt, wenn der Reiz größer ist als die Reserve. Dann wird aus einer möglichen Anpassung eine Verletzung, aus einem UV-Reiz wird Zellstress und aus Sonne wird Sonnenbrand.
Genau hier sehe ich in der Praxis viele Menschen, die auffallend schnell verbrennen. Natürlich gibt es verschiedene Hauttypen. Ein hellhäutiger Mensch mit rötlichem Haar wird nie reagieren wie jemand mit dunklerer Haut. Aber wenn jemand nach kürzester Zeit regelrecht „explodiert“, denke ich nicht nur an den Hauttyp. Ich denke vor allem an erschöpfte antioxidative Kapazitäten.

Je nach Hauttyp sind Menschen gegenüber Sonneneinstrahlung mehr oder weniger empfindlich, was natur-geografische Gründe hat.

Foto: IRYNA NASKOVA/iStock

Die Sache mit dem „inneren Lichtschutz“

Für diese Kapazitäten benötigt der Körper Eiweiß, gute Fette, Vitamin C, Zink, Selen, sekundäre Pflanzenstoffe, Carotinoide und eine Ernährung, die nicht hauptsächlich aus Weißmehl, Zucker, Sonnenblumenöl und Industrieprodukten besteht. Das ist zwar weniger aufregend als ein neuer UV-Filter, hat aber den Vorteil, dass der Körper damit arbeiten kann.
Astaxanthin ist hier aus meiner Sicht eines der interessantesten Mittel. Dieses Carotinoid stammt aus Algen und wirkt stark antioxidativ. Ich setze es gern einige Wochen vor intensiver Sonnenzeit ein, meist 4 bis 8 Milligramm täglich zu einer fetthaltigen Mahlzeit, bei sehr empfindlicher Haut eher am oberen Ende dieser Spanne. Es ist keine Sonnencreme zum Schlucken. Wer das glaubt, hat wieder nur die Tube gegen die Kapsel ausgetauscht.
Auch Selen spielt eine Rolle, weil selenabhängige Enzyme an der Kontrolle oxidativer Prozesse beteiligt sind. In der Praxis setze ich dazu Selenomethionin ein, kein Natriumselenit. Natriumselenit ist kein Bonbon. Bei falscher Anwendung kann Selen problematisch werden, und pauschale Hochdosen gehören nicht in die Selbstmedikation. Für die allgemeine Anwendung denke ich eher an moderate Dosierungen im Bereich von 50 bis 100 Mikrogramm Selen täglich, je nach Ernährung, Laborwerten und Gesamtsituation.

Fazit: Die Sonne ist kein Feind

Die Sache ist eigentlich relativ einfach. Die Sonne ist kein Feind, vor dem man sich von April bis Oktober chemisch versiegeln muss. Sie ist aber auch kein harmloses Spielzeug, bei dem man stundenlang beweisen will, wie naturverbunden man ist. Beides ist Unsinn, nur in unterschiedlicher Verpackung.
Vernünftiger Umgang mit Sonne heißt: kurz genug, um keinen Sonnenbrand zu bekommen, lang genug, um dem Körper einen echten Lichtreiz zu geben. Wenn der Schatten kürzer ist als der Körper, kann Vitamin D gebildet werden. Danach kommen Hemd, Hut und Schatten. Und wenn das nicht reicht, verwendet man eine gute Sonnencreme ohne problematische Filter und Zusätze.
Wer extrem schnell verbrennt, sollte die Sonne nicht herausfordern. Er sollte sich aber auch fragen, warum seine Haut so wenig Reserve hat. Sie ist lebendiges Gewebe, abhängig von Ernährung, Mikronährstoffen, antioxidativer Kapazität und dem Zustand des gesamten Stoffwechsels.
Wer Sonne gezielt nutzt, kann seiner Gesundheit gutes tun

Wer die Sonne gezielt nutzt, kann seiner Gesundheit Gutes tun.

Foto: David Petrus Ibars/iStock

Vielleicht wäre das die eigentliche kleine Revolution im Sonnenschutz, nämlich weniger Angst vor der Sonne, weniger blindes Vertrauen in die Tube, mehr Verständnis für Dosis, Hauttyp, Jahreszeit und vor allem für den eigenen Stoffwechsel zu haben.
Naturheilkunde kann so betrachtet wieder einmal glänzen: mit einem Blick auf den eigenen Schatten, Respekt vor der Dosis und dem alten Gedanken, dass der Körper nicht nur geschützt, sondern auch befähigt werden sollte. Die Cremehersteller und Apotheken dürfen trotzdem weiter verkaufen. Nur sollten sie in dieser Frage nicht als die alleinigen Hohepriester des Lichts gelten.
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Forscher entdecken Zusammenhang: Fehlender Blinddarm könnte Alzheimer begünstigen

Der Blinddarm wurde lange Zeit als weitgehend rudimentäres Organ abgetan, doch tatsächlich könnte er eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Gehirngesundheit und beim Schutz vor kognitivem Verfall spielen.
Bei einer Analyse von Daten von fast 10.000 Personen stellten die Forscher fest, dass die Antworten auf grundlegende Gesundheitsfragebögen es ermöglichten, Menschen mit Alzheimer mit relativ hoher Genauigkeit von denen ohne Alzheimer zu unterscheiden.
Die Forscher nutzten dabei maschinelles Lernen, um 120 verschiedene Variablen zu analysieren, darunter Ernährung, Schlaf, Vitaminaufnahme, Krankengeschichte und allgemeine Lebensstilfaktoren.
Einige der stärksten Signale im Modell kamen aus unerwarteten Richtungen.
Die Blinddarmoperation stach dabei als stärkster einzelner Risikofaktor hervor – noch vor Lebensstil und Krankengeschichte.

Blinddarm – ein unterschätztes Organ?

Die Forscher vermuten, dass der Blinddarm als Reservoir für nützliche Darmbakterien dient und dem Mikrobiom hilft, sich nach Krankheiten, Infektionen oder der Einnahme von Antibiotika zu erholen.
„Wenn er entfernt wird, verliert das Mikrobiom einen wichtigen Regenerationsmechanismus, nämlich seine Fähigkeit, gesunde mikrobielle Gemeinschaften nach einer Krankheit, einer Infektion oder der Einnahme von Antibiotika wiederherzustellen“, sagte Kaveh Khalilpour, Co-Leiter der Studie und außerordentlicher Professor an der University of Technology Sydney, in einer Erklärung.

Welche Gesundheitsfaktoren noch hervorstachen

Die in der Fachzeitschrift „Alzheimer’s & Dementia: Diagnosis, Assessment & Disease Monitoring“ veröffentlichte Studie ergab, dass alltägliche Gesundheitsinformationen, insbesondere Ernährung und Krankengeschichte, dabei helfen könnten, Muster zu identifizieren, die mit dem Alzheimer-Risiko in Verbindung stehen.
Abgesehen von dem überraschenden Risikofaktor Blinddarmoperation erwiesen sich die Krankengeschichte und die Ernährung als die stärksten Risikoprädiktoren. Häufige chronische Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Depressionen gehörten zu den stärksten Indikatoren.
Beim Faktor Ernährung zeigte sich: Es war nicht ein einzelnes Lebensmittel oder ein Nährstoff, die die Ergebnisse bestimmten, sondern langfristige Ernährungsgewohnheiten waren am wichtigsten, wobei Milchprodukte und andere Laktosequellen eine besonders schützende Wirkung zu haben schienen.
Eine Ernährung, die reich an Vollwertkost, pflanzlichem Eiweiß und Omega-3-Fettsäuren war, stand ebenfalls mit einem geringeren Alzheimer-Risiko in Verbindung, während verarbeitete Lebensmittel, raffinierter Zucker und gesättigte Fette mit einem höheren Risiko assoziiert wurden.
Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass das Alzheimer-Risiko das Ergebnis einer Anhäufung vieler kleiner Faktoren im Laufe der Zeit ist, so Karimi.
„Unsere Studie untermauert die wachsenden Hinweise darauf, dass die Pflege der Darmgesundheit durch gesunde Ernährung, die Behandlung chronischer Erkrankungen und die Verringerung von Entzündungen ein wichtiger Teil der Senkung des langfristigen Risikos sein könnte“, sagte Khalilpour.

Die Darm-Hirn-Verbindung

Die Forscher untersuchten zudem die Darm-Hirn-Achse – ein bidirektionales Kommunikationssystem, das das Verdauungs- und das Immunsystem mit dem Gehirn verbindet.
„Wenn wir darmbezogene Muster beobachten, die mit dem Alzheimer-Risiko in Verbindung stehen, glauben wir, dass diese möglicherweise als Frühwarnsignal fungieren und uns zeigen, wie sich allgemeine Gesundheits- und Lebensstilfaktoren im Laufe der Zeit auf das Gehirn auswirken“, sagte Khalilpour.
In einer kleineren explorativen Analyse von Darmmikrobiomdaten aus etwa 2.000 Proben zeigten Menschen, die unter Alzheimer litten, Anzeichen, die mit einer Dysbiose, also einem Ungleichgewicht der Darmbakterien, übereinstimmten.
Dazu gehörten eine geringere mikrobielle Vielfalt und deutlich reduzierte Konzentrationen nützlicher Bakterien wie Roseburia und Faecalibacterium – Bakteriengattungen, die kurzkettige Fettsäuren produzieren, Substanzen, die helfen, Entzündungen im Körper zu kontrollieren.
„Die mikrobielle Vielfalt war verringert und es hatte sich ein entzündungsförderndes mikrobielles Milieu etabliert, das offenbar in der Lage ist, über die Darm-Hirn-Achse schädliche Signale an das Gehirn zu senden“, sagte Karimi.
Wenn er gut funktioniert, unterstützt ein gesunder Darm das Immunsystem und hält Entzündungen im Gehirn in Schach.
„Der Darm hilft bei der Regulierung von Entzündungen, unterstützt das Immunsystem und produziert wichtige Chemikalien, die die Funktionsweise des Gehirns beeinflussen“, sagte Khalilpour.
Diese Signale existierten nicht isoliert, merkte er an. Die Darmgesundheit spiegele viele Aspekte des täglichen Lebens wider, die im Laufe der Zeit zusammenwirkten.

Ausblick: Ein neuer Weg für das Screening

Sollten sich die Ergebnisse in zukünftigen Studien bestätigen, könnten sie zu einfacheren und kostengünstigeren Methoden, das Alzheimer-Risiko früher zu erkennen, beitragen.
„Im Gegensatz zu genetischen Risikofaktoren liegen diese auf einer Zeitachse, in die eingegriffen werden kann“, so Faezeh Karimi, Dozentin an der University of Technology Sydney, gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times per E-Mail. Das mache sie potenziell umsetzbar. Mit der Zeit, so sagte sie, könne es möglich werden, Risiken nicht nur früher zu erkennen, sondern auch einzugreifen, bevor sich Krankheitsprozesse vollständig etabliert hätten.
Die Forscherin wies darauf hin, dass, obwohl das Modell kein diagnostisches Instrument sei, es auf eine Zukunft hindeute, in der einfache Gesundheitsfragebögen dazu beitragen könnten, Risikomuster früher und kostengünstiger zu erkennen.
Khalilpour sagte: „Das Ziel ist nicht nur, intelligentere Vorhersageinstrumente zu entwickeln, sondern auch, bessere öffentliche Gesundheitssysteme aufzubauen, die Risiken früher erkennen, Präventionsstrategien lenken und ein gesünderes Altern auf Bevölkerungsebene unterstützen können.“

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Removing the Appendix Linked to Higher Alzheimer’s Risks“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Europaabgeordneter: Europa riskiert seine Ernährungssicherheit


In Kürze:

  • Hohe Preise für Düngemittel bringen Landwirte in der EU in Schwierigkeiten.
  • Europa ist zu abhängig von Importen geworden.
  • EU muss die Zukunft von Familienbetrieben sichern.
  • Es gibt große Unterschiede zwischen den Standards für Landwirte innerhalb und außerhalb der EU.

 
Europäische Landwirte protestieren regelmäßig gegen steigende Kosten und viele von ihnen haben das Vertrauen in die Entscheidungen aus Brüssel verloren.
Laut dem irischen Europaabgeordneten Ciaran Mullooly von der Fraktion Renew Europe haben die europäischen Institutionen den Druck, der auf den Landwirten lastet, unterschätzt.
In einem Interview mit der slowakischen Ausgabe der Epoch Times erläutert er, warum die Europäische Kommission unverzüglich in die Düngemittelpreise eingreifen sollte, warum er das Abkommen mit Mercosur als problematisch betrachtet und weshalb er der Meinung ist, dass die Europäische Union ihre eigene Ernährungssicherheit gefährdet.
In einer Sitzung des Europäischen Parlaments im Mai argumentierten Sie, dass die größte Herausforderung für Landwirte nicht die langfristige Planung, sondern die kommende Anbausaison sei. Welche konkreten Maßnahmen sollte die Europäische Kommission vor dem Winter 2026/2027 ergreifen, um Landwirten, die mit hohen Düngemittelkosten konfrontiert sind, sofortige Unterstützung zu bieten? 
Die größte Herausforderung für viele Landwirte ist heute nicht die Zukunft in zehn Jahren, sondern die kommende Anbausaison. Die Düngemittelpreise sind aufgrund der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten um 30 bis 70 Prozent gestiegen. Die meisten Branchen können die gestiegenen Kosten an die Kunden weitergeben. Landwirte haben diese Möglichkeit nicht – kurzfristig sind sie Preisnehmer, nicht Preisgestalter.
Die Europäische Kommission muss daher unverzüglich handeln. Wir sollten unnötige Zölle und Abgaben auf Düngemittelimporte aussetzen, Landwirte, die mit außerordentlichen Produktionskosten konfrontiert sind, gezielt unterstützen und den Mitgliedstaaten mehr Flexibilität bei der Umsetzung von Soforthilfeprogrammen einräumen. Dies ist nicht nur ein Problem der Landwirtschaft, sondern auch ein Problem der Ernährungssicherheit. Wenn Düngemittel nicht mehr verfügbar sind, wird die Produktion sinken. Europa kann es sich nicht leisten, dieses Risiko einzugehen. Landwirte benötigen jetzt Planungssicherheit, damit sie weiterhin mit Zuversicht Lebensmittel produzieren können.
Sie haben die Senkung oder Aussetzung von Zöllen und anderen Abgaben auf Düngemittelimporte gefordert. Wie sehen Sie das Gleichgewicht zwischen kurzfristiger Unterstützung der Landwirte und der Sicherstellung der langfristigen strategischen Unabhängigkeit der EU in der Düngemittelproduktion?
Ich empfinde es als erstaunlich, dass die EU in Zeiten der Düngemittelkrise die Kosten für Landwirte durch zusätzliche Gebühren und Abgaben erhöht. Die Senkung ihrer Ausgaben muss oberste Priorität haben. Sollte die Kommission Maßnahmen wie den Klimazoll (CBAM) umsetzen, [welcher zu höheren Kosten für Düngemittel führen könnte,] müssen die erzielten Einnahmen direkt an die Landwirte zurückfließen.
Gleichzeitig müssen wir aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre lernen. Europa ist zu abhängig von externen Lieferanten geworden. Langfristig müssen wir die Düngemittelproduktion in Europa ausbauen und die Lieferketten diversifizieren. Das ist kein Widerspruch. Wir benötigen sowohl kurzfristige Entlastung für die Landwirte als auch langfristige strategische Unabhängigkeit. Tatsächlich benötigen wir beides.
Immer mehr Landwirte in der EU argumentieren, dass die Klima- und Umweltpolitik die europäische Landwirtschaft im Vergleich zu Erzeugern außerhalb der Union weniger wettbewerbsfähig macht. Sehen Sie darin ein Ungleichgewicht zwischen den Umwelt- und Klimazielen einerseits und der Lebensmittelproduktion andererseits? Wenn nicht, warum haben dann so viele Landwirte das Gefühl, unverhältnismäßig viel Last tragen zu müssen? 
Ja, ich denke, dass die Balance zwischen Umweltzielen und landwirtschaftlicher Produktion in einigen Bereichen nicht mehr stimmt. Landwirten liegt die Umwelt sehr am Herzen. Sie leben und arbeiten jeden Tag in ihr. Doch Umweltziele müssen mit der wirtschaftlichen Realität in Einklang gebracht werden. Allzu oft werden Vorschriften eingeführt, ohne dass deren Auswirkungen auf das Einkommen der Landwirte, die Lebensmittelproduktion und die Wettbewerbsfähigkeit umfassend geprüft werden. Infolgedessen haben viele Landwirte das Gefühl, eine unverhältnismäßig hohe Last zu tragen.
Der jüngste Draghi-Report hat dies deutlich gemacht. Europa hat die höchsten Energiekosten und gleichzeitig die anspruchsvollsten Umweltziele. Es ist kein Zufall, dass dies zu einem Verlust unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit führt.
Die Preise für viele Agrarprodukte sind derzeit unter Druck. (Archivbild)

Ein Landwirt bewirtschaftet sein Feld. (Symbolbild)

Foto: Jan Woitas/dpa

Meine Ansicht ist einfach: Jeder bedeutende Umweltvorschlag sollte an einer grundlegenden Frage gemessen werden: Können Landwirte weiterhin rentabel Lebensmittel produzieren und gleichzeitig diese Anforderungen erfüllen? Falls die Antwort „Nein“ lautet, muss die Politik überdacht werden.
Der Krieg in der Ukraine hat Schwachstellen in der Ernährungssicherheit offengelegt. Welche Lehren sollte die EU aus den vergangenen Jahren ziehen? Welche Schritte sollten unternommen werden, um die europäische Landwirtschaft widerstandsfähiger gegen künftige geopolitische Krisen zu machen?
Die wichtigste Lehre aus dem Ukrainekonflikt ist, dass Europa zu abhängig von externen Lieferanten wichtiger landwirtschaftlicher Betriebsmittel geworden ist. Vor dem Krieg stammten über 30 Prozent des europäischen Düngemittelbedarfs aus Russland. Das mag effizient gewesen sein, doch mit den veränderten geopolitischen Gegebenheiten gerieten wir in eine verwundbare Lage.
Europa muss seine Strategie zur Sicherung der Grundversorgung mit Nahrungsmitteln künftig überdenken. Wir sollten unsere Bezugsquellen diversifizieren und auf politisch stabilere Regionen zurückgreifen. Die Düngemittelproduktion in Europa muss gesteigert und strategische Düngemittelreserven müssen angelegt werden. Länder wie Finnland haben bereits Schritte in diese Richtung unternommen. Ich bin überzeugt, dass jeder Mitgliedstaat über Notfallreserven verfügen sollte. Die Lebensmittelsicherheit ist zu wichtig, als dass sie geopolitischen Spannungen ausgesetzt sein dürfte.
Mit Blick auf die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2027: Welche Reform wäre Ihrer Meinung nach am wichtigsten, um Familienbetriebe und kleine landwirtschaftliche Erzeuger besser zu unterstützen?
Die wichtigste Reform besteht darin, sicherzustellen, dass Familienbetriebe ein existenzsicherndes Einkommen erzielen können. Sie sind das Rückgrat der europäischen Landwirtschaft. Sie unterstützen ländliche Gemeinschaften, nutzen die Natur, schützen die Umwelt und gewährleisten die Ernährungssicherheit. Verschwinden die Familienbetriebe, verliert Europa weit mehr als nur die Nahrungsmittelproduktion. Die bisherigen Ergebnisse sind ein vernichtendes Urteil über die EU-Politik: Allein zwischen 2010 und 2020 verschwanden über 3 Millionen Familienbetriebe.
Die künftige GAP muss das landwirtschaftliche Einkommen in den Mittelpunkt stellen. Landwirte sollten für Umweltmaßnahmen angemessen belohnt werden. Doch dürfen wir nie aus den Augen verlieren, dass die Nahrungsmittelproduktion ihre Hauptaufgabe bleibt. Eine erfolgreiche GAP sichert den Fortbestand der Familienbetriebe und gibt der nächsten Generation das Vertrauen, die Landwirtschaft in ihren Gemeinden fortzuführen.
Europäische Landwirte müssen einige der weltweit strengsten Umwelt-, Tierschutz- und Produktionsstandards erfüllen, während die EU weiterhin Lebensmittel aus Ländern importiert, die oft unter ganz anderen Regeln operieren. Führt das nicht zu ungleichen Wettbewerbsbedingungen? Sollte die EU Importe beschränken, die nicht denselben Standards wie europäische Erzeuger entsprechen, auch wenn dies zu Handelsstreitigkeiten oder höheren Verbraucherpreisen führt?
Definitiv. Das Prinzip sollte ganz einfach sein: eine Regel für alle, die gleich angewendet wird. Europäische Landwirte müssen einige der weltweit höchsten Standards erfüllen, um die EU-Bürger mit Lebensmitteln zu versorgen. Wir importieren jedoch weiterhin Lebensmittel aus Ländern, in denen diese Standards nicht gelten. Das schafft einen klaren Wettbewerbsnachteil für die europäischen Landwirte und untergräbt das Vertrauen in die Fairness des Systems.
Meine Position ist klar: Wenn ein Produkt nicht den von europäischen Landwirten geforderten Standards entspricht, sollte es keinen Zugang zum europäischen Markt haben. Wir können von unseren Landwirten nicht verlangen, mit niedrigeren Standards zu konkurrieren, und gleichzeitig von ihnen erwarten, dass sie die höheren EU-Standards einhalten.
In den vergangenen zwei Jahren kam es in mehreren EU-Mitgliedstaaten zu flächendeckenden Protesten von Landwirten. Glauben Sie, dass die europäischen Politiker den wirtschaftlichen Druck, der auf den Landwirten lastet, unterschätzt haben? Welche Fehler hat Brüssel in seiner Agrarpolitik begangen?
Ja, ich denke, Politiker haben den Druck, dem Landwirte ausgesetzt sind, unterschätzt und sind in manchen Fällen realitätsfern, was die Bedürfnisse der Landwirtschaft betrifft. Wenn Landwirte nach Brüssel oder Straßburg fahren, um zu protestieren, tun sie das nicht leichtfertig. Es ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die Politik immer weiter von der Realität entfernt. Das Mercosur-Abkommen ist ein Beispiel dafür. Viele Landwirte sind überzeugt, dass Politiker ihre berechtigten Anliegen ignoriert haben.
Die geplanten Kürzungen des EU-Agrarhaushalts sind ein weiteres Beispiel. Lebensmittelsicherheit, ländliche Gemeinschaften und landwirtschaftliche Produktion sind [für die EU] politische Prioritäten. Die Politik [der EU] muss diese Realität widerspiegeln.
Die Lehre aus den Protesten ist eindeutig: Politiker müssen den Landwirten mehr zuhören, bevor sie Entscheidungen treffen, die deren Lebensgrundlagen gefährden. Zuerst zuhören und verstehen, dann Politik mit entsprechenden Konsequenzen gestalten.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Ladislav Hribik.
Dieser Artikel erschien im Original auf epochtimes.sk unter dem Titel „Írsky europoslanec Mullooly pre Epoch Times: Dôveru si treba zaslúžiť. EÚ ju u poľnohospodárov narušila (Rozhovor)“. (deutsche Bearbeitung: os)
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Die 2.500-jährige Geschichte von Eis


In Kürze:

  • Das älteste Eis entstand vor 2.500 Jahren zusammen mit großen, bienenkorbförmigen Kühlhäusern in Persien.
  • Die Süßspeise, wie wir sie heute kennen, entstand im 17. Jahrhundert: entweder in Frankreich oder in Italien.
  • Rekordkonsumenten weltweit sind die Neuseeländer mit über 28 Litern Eis pro Jahr – Deutschland schafft hingegen nur rund 3,5 Kilogramm pro Person pro Jahr.

 
Wir alle sehnen uns nach Eis, besonders wenn die Temperaturen im Sommer steigen. Schon die alten Zivilisationen hatten das gleiche Verlangen nach einer erfrischenden, süßen Leckerei, um cool zu bleiben.
Es gibt zahlreiche Anwärter auf die Erfindung des ersten gefrorenen Desserts, darunter Italien und Frankreich im 17. Jahrhundert und sogar China im 1. Jahrhundert. Doch bevor man Eiscreme herstellen kann, benötigt man eine zuverlässige Quelle für Eis. Die Technologie zur Herstellung und Lagerung dessen wurde bereits um 550 v. Chr. in Persien entwickelt.

Eis in der Antike

Die alten Perser errichteten große, bienenkorbförmige Bauten aus Stein oder Lehm, die „Yach-tschāl“ (zu Deutsch: „Eisgrube“) hießen. Meist in der Wüste gebaut, verfügten diese über bis zu 15 Meter tiefe Speicherräume. Mit ihnen war es möglich, Eis das ganze Jahr über unterirdisch zu lagern.
Hohe Kuppeln leiteten heiße Luft nach oben und durch ein Loch nach außen, während Windfänger kühlere Luft zuführten. Doch ein persischer Yach-tschāl war nicht nur ein antikes Kühlhaus, sondern auch eine Eismaschine.
Im Winter füllten Kanäle flache, vor der Sonne geschützte Teiche mit frischem Wasser. Nachts sanken die Temperaturen und in der trockenen Wüstenluft kühlte das Wasser durch Verdunstung ab.
Einige dieser Yach-tschāls haben Jahrhunderte der Wüstenerosion überstanden und sind fast im gesamten Iran zu finden. Für den perfekten Standort gibt es praktisch nur zwei Bedingungen:
  • Es muss im Winter kalt genug sein, um dort Eis zu produzieren,
  • oder in der Nähe von Bergen liegen, wo Eis gewonnen werden kann.
Forscher schätzen die jährliche Produktion eines 400 Jahre alten Yach-tschāls in Meybod auf 50 Kubikmeter, was rund 3 Millionen Eiswürfeln entspricht.
50 Kubikmeter Eis konnten in einem Yach-tschāl in Meybod hergestellt werden

In dem Yach-tschāl in Meybod können jährlich rund 50 Kubikmeter Eis oder rund 3 Millionen Eiswürfel produziert werden.

Foto: erenmotion/iStock

Frühe gefrorene Desserts

Das gelagerte Eis wurde zur Herstellung von mit Honigsirup gesüßten kalten Desserts wie Fruchtsorbets, Scharbat und Faloodeh verwendet. Scharbat ist ein traditionelles gefrorenes Fruchtgetränk, während Faloodeh eine aus dünnen Nudeln hergestellte Süßspeise ist.
Nach der arabischen Eroberung Persiens um 650 n. Chr. verbreitete sich die persische Methode zur Eisgewinnung und -lagerung im gesamten Nahen Osten. Dadurch entstanden in der Folgezeit zahlreiche neue Kreationen.
So nutzten die Syrer beispielsweise die neue Technologie, um Eiscreme wie Booza und Bastani Sonati herzustellen. Als Zutaten fanden Milch, Zucker, Salep (Mehl aus pulverisierten Orchideenwurzeln) und Mastix (getrockneter Saft eines immergrünen Strauchs) Verwendung.
Etwa zeitgleich entstand in China während der Tang-Dynastie (618–907) ein gefrorenes Dessert namens Sushan (wörtlich „knuspriger Berg“). Hierzu wurde Ziegenmilchquark geschmolzen, gesiebt und in metallene Formen gegossen. Der Dichter Wang Lingran beschrieb die endgültige Konsistenz als etwas zwischen flüssig und fest, das im Mund schmilzt.

Die Wissenschaft des Gefrierens entdecken

Die Techniken des Gefrierens änderten sich im Jahr 1558, als der italienische Universalgelehrte Giambattista della Porta (1535–1615) in Neapel ein populäres Buch über Naturmagie veröffentlichte. Mit Naturmagie war alles von den Naturwissenschaften bis hin zur Astrologie und Alchemie gemeint. In seinem Buch „Magia Naturalis“ beschrieb della Porta unter anderem, wie Salpeter (Kaliumnitrat) und Eis im Sommer zum schnellen Kühlen von Wein verwendet wurden.
„Gießt Wein in eine Flasche und gebt ein wenig Wasser hinzu, damit er schneller zu Eis wird. Dann schüttet Schnee in ein Holzgefäß und streut pulverisierten Salpeter […] hinein. Stellt die Flasche in den Schnee, und der Wein wird nach und nach gefrieren.“
Giambattista della Porta (1535–1615) erklärte wie Wein im Sommer mittels Salpeter und Eis schneller gekühlt werden konnte.

In seinem Buch „Magia Naturalis“ (zu Deutsch: Naturmagie) beschrieb der italienische Universalgelehrte Giambattista della Porta (1535–1615) wie Wein im Sommer mittels Salpeter und Schnee schneller gekühlt werden konnte.

Dadurch war das Einfrieren von Flüssigkeiten erheblich leichter, denn chemisch betrachtet entzieht das in Wasser gelöste Kaliumnitrat seiner Umgebung Wärme. Experimente im 17. Jahrhundert zeigten, dass eine ähnliche Reaktion bei einer Mischung aus gewöhnlichem Salz, Wasser und Eis auftritt. Nun konnten kleinere Mengen an gelagertem Eis verwendet werden, um Mischungen einzufrieren und zu kühlen oder auf Wunsch gefrorene Desserts herzustellen.
Kombiniert und verbessert wurde diese Technologie durch die einheimische Produktion von Zucker. Dieser ist ein wichtiger Bestandteil von gefrorenen Desserts, da er verhindert, dass die Mischungen zu undurchdringlichen Eisblöcken gefrieren.

Frankreich und Italien im Streit um das erste Eis

In den 1690er-Jahren tauchten in Frankreich und Italien fast zeitgleich die „ersten“ Rezepte für Eiscreme auf. Frühere Süßspeisen waren oft körnig und matschig. Das Eis, wie wir es heute kennen, führte ein Mann ein, der im Dienste adeliger Gönner stand.
Alberto Latini arbeitete für Kardinal Barberini, den Neffen von Papst Urban VIII., und hatte somit Zugang zu teuren und neuartigen Zutaten wie Schokolade und Tomaten. Sein Rezept für ein „Milchsorbet“, das den modernsten Zubereitungsmethoden seiner Zeit entsprach, ist in seinem 1964 erschienenen Buch „Lo Scalco alla Moderna“ von 1694 überliefert. Demnach verwendete Latini neben Milch und Zucker auch Wasser und kandierte Früchte. Damit gilt das Latini-Eis als Vorläufer des italienischen Gelato.
Ein Eis in Italien genießen

Heute ist das italienische Gelato weltberühmt, doch es könnte auch ein Franzose der Erfinder des ersten Eises gewesen sein.

Foto: maroznc/iStock

Ein weiterer Anwärter auf den Titel des Erfinders des Eises ist Nicolas Audiger. Er arbeitete für Jean-Baptiste Colbert, den Finanzminister von König Ludwig XIV., und half bei der Vorbereitung von Festessen in Versailles. In seinem 1692 veröffentlichten „Handbuch zur Führung adeliger Haushalte“ („La maison réglée“) notierte er zahlreiche Rezepte für Fruchtsorbets und für ein mit Zucker gesüßtes und mit Orangenblütenwasser aromatisiertes Eis.
Obwohl beide Behauptungen ihre Berechtigung haben, enthält Audigers Rezept detaillierte Beschreibungen der Techniken zum Rühren und Schaben. Diese gewährleisten eine bessere Konsistenz und eine gleichmäßige Verteilung des Zuckers in der Masse. Audiger verfasste sein Werk jedoch, nachdem er 18 Monate in Italien verbracht hatte. Es ist also wahrscheinlich, dass er auf seiner Reise italienische Techniken erlernt hat. Vielleicht verfeinerte er diese, was zu der cremigen Köstlichkeit führte, die wir heute genießen.

Das Eiscreme-Paradoxon?

Doch welche Nation isst das meiste Eis? Man könnte meinen, dass Menschen in wärmeren Klimazonen mehr von den kühlenden Süßspeisen essen. Doch das ist nicht ganz richtig. Weltweit betrachtet wird der höchste Pro-Kopf-Verbrauch in Neuseeland verzeichnet (28,4 Liter), gefolgt von den USA (20,8 Liter) und Australien (18,0 Liter).
Rekordverbraucher in Europa sind dagegen die Polen, die pro Person und Jahr 15,92 Kilogramm Eis essen (Stand: 2021). Auf den weiteren Plätzen liegen Schweden (10,87 Kilogramm), Spanien (9,65 Kilogramm), Dänemark (8,31 Kilogramm) und Finnland (7,22 Kilogramm). Deutschland liegt mit 3,44 Kilogramm Eis pro Person und Jahr auf Platz 9.
Zumindest im europäischen Vergleich sind die „kalten“ Länder damit markant vertreten. Vielleicht liegt die Antwort auf dieses scheinbare Paradoxon darin, dass man bei Hitze Eis benötigt, um sich abzukühlen, und im Winter, wenn man friert, um sich aufzumuntern.
Dieser Artikel erschien im Original auf theconversation.com unter dem Titel „Inside scoop: the 2,500‑year history of ice‑cream“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)The Conversation
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Wie Vitamin D das Diabetesrisiko senken kann

Prädiabetes, die noch beschwerdefreie Vorstufe des Diabetes, betrifft in Deutschland etwa jeden fünften Erwachsenen.
Eine im Fachmagazin „JAMA Network Open“ veröffentlichte Studie zeigt nun, dass ein kostengünstiges Nahrungsergänzungsmittel diesen Weg aufhalten kann. Ob die Therapie anschlägt, entscheidet allerdings die genetische Veranlagung.

Der genetische Schlüssel zum Erfolg

Die Untersuchung basiert auf der Studie „Vitamin D and Type 2 Diabetes“, bei der mehr als 2.000 Erwachsene mit Prädiabetes über dreieinhalb Jahre täglich entweder 4.000 Internationale Einheiten Vitamin D oder ein Scheinmedikament einnahmen. Zum Vergleich: Die normale Empfehlung für gesunde Erwachsene liegt bei fehlender körpereigener Bildung durch Sonnenlicht bei lediglich 800 Einheiten.
Während die Auswertung aller Teilnehmer zunächst keinen klaren Unterschied zeigte, brachte die Analyse der DNA den Durchbruch. Patienten mit spezifischen genetischen Varianten des Vitamin-D-Rezeptors, nämlich den Genvarianten „AC“ und „CC“ im sogenannten ApaI-Gen, sprachen stark auf das Vitamin an. Ihr Risiko, an Diabetes zu erkranken, sank um 19 Prozent. Rund 70 Prozent der Menschen tragen dieses Merkmal in sich. Die restlichen 30 Prozent mit der Variante „AA“ zeigten dagegen keinerlei Nutzen von der Einnahme in Bezug auf ihr Diabetesrisiko.
„Diabetes hat so viele schwerwiegende Komplikationen, die sich über Jahre hinweg langsam entwickeln“, sagte die Studienleiterin Bess Dawson-Hughes in einer Stellungnahme. „Wenn wir die Zeit, die eine Person mit Diabetes lebt, hinauszögern können, können wir einige dieser schädlichen Nebenwirkungen verringern oder deren Schweregrad mindern.“

Richtwerte und Risiken

Vor einer Einnahme sollte der Vitamin-D-Spiegel im Blut bestimmt werden, rät die Ernährungsberaterin Diana Cusa, die nicht an der Studie beteiligt war. Liegt ein Mangel vor, kann ein gezielter Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln, kombiniert mit einer Anpassung der Ernährung und mehr Aufenthalt im Freien, sinnvoll sein.
Höhere Dosen als 800 Einheiten sind normalerweise therapeutischen Zwecken vorbehalten. Eine unkontrollierte Überdosierung durch hoch dosierte Präparate kann laut Untersuchungen eine Hyperkalzämie auslösen und zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Dehydrierung, Verstopfung oder in schweren Fällen zu Nierensteinen oder Herzrhythmusstörungen führen. Langfristig hoch dosiertes Vitamin D wurde zudem bei älteren Menschen mit einem erhöhten Risiko für Stürze und Knochenbrüche in Verbindung gebracht.
Über das Sonnenlicht kann man sich zwar nicht überdosieren, dennoch ist für positive Effekte auf die Gesundheit eine moderate Sonnenexposition empfohlen und aufgrund des Hautkrebsrisikos Vorsicht vor zu langen Sonnenbädern und vor Sonnenbränden geboten.
Auf natürlichem Weg lässt sich der Vitamin-D-Haushalt zudem über die Ernährung unterstützen. Fetter Fisch wie Lachs, Thunfisch oder Makrele sowie Rinderleber, Pilze und Eigelb sind gute Quellen. Da diese Lebensmittel reich an Proteinen und gesunden Fetten sind, tragen sie bei moderatem Verzehr ganz nebenbei zu einem stabilen Blutzuckerspiegel bei.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „High-Dose Vitamin D Lowers Diabetes Risk in Some People“. (deutsche Bearbeitung: kr)
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ausland

EU-Sanktionen könnten Fischstäbchen teurer machen

Das nächste EU-Sanktionspaket gegen Russland könnte erhebliche Konsequenzen für deutsche Produzenten und Konsumenten von Fischstäbchen, Schlemmerfilets und anderen Tiefkühl-Fischgerichten haben.
Nach Recherchen der Nachrichtenagentur dpa sehen die Pläne der EU-Kommission vor, dass die Einfuhr von Alaska-Seelachs aus Russland in die EU innerhalb von zwei Jahren um die Hälfte reduziert werden muss. Angesichts des begrenzten Angebots könnte dies zu Produktionseinschränkungen und höheren Preisen zu führen.
Konkret ist den Plänen zufolge vorgesehen, die Importmenge sofort nach Inkrafttreten des neuen Sanktionspakets auf den Durchschnittswert der Jahre 2023 bis 2025 zu begrenzen. Nach einem Jahr sollen dann nur noch 75 Prozent der Menge und nach zwei Jahren nur noch 50 Prozent importiert werden dürfen.

Sanktionen sollen Russland die Kriegsführung erschweren

Die Strafmaßnahme hat zum Ziel, die Einnahmen der Exportwirtschaft Russlands weiter zu reduzieren, um dem Land die Kriegsführung gegen die Ukraine zu erschweren. Zeitweise war auch ein komplettes Einfuhrverbot diskutiert worden. Diese Idee wurde allerdings wegen der Möglichkeit von erheblichen negativen Folgen für europäische Unternehmen und Bürger vorerst wieder verworfen.
Nach Angaben des Thünen-Instituts, das zum Geschäftsbereich des Bundeslandwirtschaftsministeriums zählt, ist Russland der viertgrößte Produzent von Meeresfisch weltweit und Deutschland in der EU der größte Abnehmer für Alaska-Seelachs-Filet aus Russland.
Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge wurden allein im vergangenen Jahr 93.500 Tonnen gefrorene Filets im Wert von rund 228 Millionen Euro in die Bundesrepublik importiert.
Von 2020 bis 2024 sei der Anteil Russlands an Alaska-Seelachsfilet-Importen von 15 auf 45 Prozent gestiegen, schreibt das Thünen-Institut in einem Dossier. In Deutschland stünden die größten Fischstäbchenfabriken der Welt.

Vollständiger Ausgleich nicht möglich

Das Institut warnt deswegen, dass die jetzt geplanten Maßnahmen erhebliche Auswirkungen auf das Angebot und die Preise der Produkte sowie auf die Arbeitsplätze in der deutschen fischverarbeitenden Industrie nach sich ziehen könnten.
In dem Dossier des Bundesforschungsinstituts heißt es, in der Industrie gebe es Überlegungen, die Fehlmenge durch andere Fischarten auszugleichen – etwa durch Süßwasserfische aus Aquakultur wie den Pangasius. Ein vollständiger Ausgleich werde jedoch nicht möglich sein, weder nach Menge noch nach Darbietungsform oder Preis.
Alaska-Seelachs wird nach Angaben des Instituts vor allem im Golf von Alaska, dem Ochotskischen Meer zwischen Russland und Japan und in der Beringsee gefangen und dann auf den Verarbeitungsschiffen meist als Filet, aber auch als ausgenommener Fisch tiefgefroren.

Russischer Fisch könnte nach China gehen

Neben Russland produzieren nach Angaben des Thünen-Instituts nur die US-amerikanischen Fischereien vergleichbare Mengen. Diese seien jedoch durch langfristige Lieferverträge gebunden und könnten einen Ausfall russischer Lieferungen nicht substituieren, heißt es.
Das Institut erwartet zudem, dass der von der EU nicht mehr gekaufte Fisch aus russischen Quellen dann in andere Weltregionen geliefert wird, weil es jetzt schon mehr Nachfrage als Angebot für günstigen Alaska-Seelachs gibt.
„In der Summe würde die deutsche Fischindustrie und damit auch die Versorgung des europäischen Marktes mit günstigen Fischprodukten unwiderruflich Schaden nehmen“, heißt es in dem Dossier „Droht eine Fischstäbchenkrise?“. Selbst nach einem Ende des Ukraine-Krieges würden Fischstäbchen dann aus Fernost kommen und nicht aus heimischer Produktion.

Deutsche Hersteller schweigen bislang

In Deutschland ansässige Produzenten wie Iglo oder Frosta äußerten sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zunächst nicht zu den geplanten EU-Sanktionen und den möglichen Folgen. Der Bundesverband der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels teilte mit, als Branchenverband prüfe er aktuell den Vorschlag der Europäischen Kommission zum 21. Sanktionspaket.
Dieses soll nach Angaben von Diplomaten spätestens im Juli beschlossen werden und neben den Einfuhrbeschränkungen für Alaska-Seelachs unter anderem auch ein komplettes Importverbot für russischen Kabeljau ab 2028 umfassen.
Bereits in der Vergangenheit hat die EU etwa die Einfuhr von Öl und Gas aus Russland weitgehend eingeschränkt und Importverbote für Güter wie Zement, Holz, Diamanten und Gold erlassen. (dpa/red)
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meinung vital

Warum der Blutzucker mehr steuert als nur Diabetes


In Kürze:

  • Der Blutzucker ist mehr als ein weiterer Wert, den „man halt beobachten muss“ – aber auch nicht allsagend.
  • Er beeinflusst unter anderem Gefäße, Nerven, Augen, Nieren, Leber, Gehirn, Haut, Muskelmasse und den Energiehaushalt.
  • Müdigkeit nach dem Essen, Konzentrationstiefs, unruhiger Schlaf und das Gefühl, ständig etwas essen zu müssen, können erste Hinweise liefern.
  • Nüchternblutzuckerwerte zwischen 100 und 125 mg/dl gelten bereits als auffällig. Wer wissen möchte, wo er steht, sollte auch andere Werte beachten.
  • Der erste Hebel liegt nicht im Verzicht, sondern in Kombination und Reihenfolge. Das wussten schon unsere Ahnen.

 
Ich erschrecke in der Praxis immer wieder, wie gelassen viele Menschen mit ihrem Blutzucker umgehen. Selbst manche Diabetiker nehmen erhöhte Werte eher hin wie schlechtes Wetter: nicht schön, aber offenbar auch nicht weiter zu ändern.
Beim Cholesterin ist das jedoch ganz anders. Da werden Zahlen diskutiert, Grenzwerte verglichen und Beipackzettel der Medikamente gelesen. Der Blutzucker hingegen läuft bei vielen unter „Muss man halt beobachten“.
Aus meiner Sicht ist das ein gefährlicher Irrtum. Ein dauerhaft gestörter Zuckerstoffwechsel ist kein harmloses Laborproblem. Er wirkt auf Gefäße, Nerven, Augen, Nieren, Leber, Gehirn, Haut, Muskelmasse und den Energiehaushalt.
Er entscheidet mit darüber, ob jemand nach dem Essen wach bleibt oder in ein Loch fällt oder ob der Heißhunger den Abend regiert. Oder ob Bauchfett wächst, oder die Leber verfettet, oder ob der Körper „entzündlicher“ wird.

Stark verarbeitete und süße Lebensmittel, aber auch Obst lassen die Blutzuckerwerte steigen. Deshalb sind Reihenfolge, Menge und Essenszeiten wichtig.

Foto: Julia_Sudnitskaya/iStock

Und es geht nicht (nur) um Diabetes. Sehr lange bevor diese Diagnose auf dem Papier steht, kann der Blutzucker den Alltag bereits prägen: Müdigkeit nach dem Essen, Konzentrationstiefs, unruhiger Schlaf und dieses merkwürdige Gefühl, ständig etwas essen zu müssen, obwohl der Körper eigentlich genügend Energie gespeichert hätte.
Was ist das Problem? Und wie geht man dieses an?

Wenn das Essen müde macht

Nach einer Mahlzeit steigt der Blutzuckerspiegel an – das ist normal. Kohlenhydrate aus Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Obst oder Süßigkeiten werden im Verdauungstrakt zu Glukose abgebaut und gelangen ins Blut. Der Körper reagiert mit Insulin. Dieses Hormon sorgt dafür, dass Zucker aus dem Blut in die Zellen geschleust wird.
Problematisch wird es, wenn dieser Ablauf ständig überfordert wird. Ein „süßes Frühstück“, zwischendurch ein Keks, mittags Pasta, nachmittags Kaffee und Kuchen: Erst fühlt man sich wach, dann kommt das Loch. Nicht selten wird dann wieder genau das gegessen, was die nächste Schwankung auslöst.
So entsteht ein Kreislauf aus Zuckeranstieg, Insulinausschüttung, Energietief und erneutem Appetit. Viele halten das für Willensschwäche, aber in Wahrheit ist es meist Biochemie. Der Körper wirkt dann wie ein Ofen, in den ständig Papier geworfen wird. Es brennt kurz hell, aber es hält nicht lange.

Warum Bauchfett mehr ist als ein optisches Problem

Besonders wichtig ist der Zusammenhang zwischen Blutzucker, Insulin und Bauchfett. Das Fett am Bauch ist kein stilles Depot, das nur auf bessere Zeiten wartet. Vor allem das innere Bauchfett ist stoffwechselaktiv. Es beeinflusst Entzündungsprozesse, Hormone, Leberstoffwechsel und die Insulinempfindlichkeit.
Wenn die Zellen schlechter auf Insulin reagieren, spricht man von Insulinresistenz. Der Körper muss dann mehr Insulin ausschütten, um den gleichen Effekt zu erzielen. Das kann über Jahre unbemerkt bleiben.
Der Nüchternblutzucker ist vielleicht noch unauffällig, aber nach dem Essen entstehen bereits hohe Spitzen. Gleichzeitig lagert der Körper leichter Fett ein, besonders in der Leber und am Bauch. Und irgendwann wird aus Energieüberschuss ein Speicherproblem.

Der Blutzucker entscheidet, ob das Bauchfett wächst oder nicht.

Foto: Ljupco/iStock

Die Verzuckerung des Körpers

Ein wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang lautet Glykierung. Gemeint ist eine Reaktion von Zucker mit Eiweißen, Fetten und anderen Körperstrukturen. Dabei entstehen sogenannte Advanced Glycation Endproducts, abgekürzt AGEs. Das Problem: Diese Glykierung kann das Gewebe verändern.
Man kann sich das grob wie eine Art „innere Verzuckerung“ vorstellen. Wenn das über Jahre läuft, verlieren Gefäße an Elastizität. Nerven, Augen, Nieren und Bindegewebe können in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch die Haut altert unter diesem Einfluss schneller. Falten sieht man früher als Gefäßschäden, aber biochemisch gehören beide zur gleichen Geschichte.
Das heißt nicht, dass jeder Teller Kartoffeln ein Problem ist. Es geht nicht um Angst vor normalen Lebensmitteln. Entscheidend ist die Dauerbelastung – nämlich ständig hohe Blutzuckerspitzen, zu wenig Bewegung, zu wenig Muskelmasse, schlechter Schlaf, Dauerstress sowie ein Darm und eine Leber, die gar keine Ruhe mehr bekommen.

Der erste Hebel liegt nicht im Verzicht

Viele Menschen glauben, sie müssten beim Blutzucker alles streichen: keinen Zucker, kein Brot, keine Nudeln – keine Freude mehr. Viele empfinden das als Verlust von Lebensqualität. Und so etwas hält selten lange.
Sinnvoller ist es, mit einfachen Ordnungsprinzipien zu beginnen, so wie Sebastian Kneipp es vor über 100 Jahren bereits formulierte. Der wichtigste Satz lautet: Kohlenhydrate nicht nackt essen.
Wer Brot, Reis, Nudeln, Kartoffeln oder Obst allein isst, bekommt meist eine stärkere Blutzuckerantwort als bei einer Mahlzeit mit Eiweiß, Fett und Ballaststoffen. Ein Apfel mit ein paar Mandeln wirkt anders als ein Apfel allein. Ein Brot mit Ei, Avocado oder Hüttenkäse wirkt anders als ein Marmeladenbrot.
Auch die Reihenfolge spielt eine Rolle. Wer zuerst Gemüse oder Salat isst, dann Eiweiß und Fett und erst danach Reis, Brot, Nudeln oder Kartoffeln, kann die Blutzuckerantwort günstiger beeinflussen. Das klingt einfach – ist es auch, wird aber unterschätzt. Essen Sie ihren Salat also vor dem Hauptgericht. Sie essen doch Salat – oder?
Welches Öl für Küche, Herz und Haut wirklich gut ist

Fett allein ist selten der Übeltäter – entscheidend ist, womit es auf den Teller kommt.

Foto: MarianVejcik/iStock

Der Essig im Salat ist kein alter Aberglaube

Apropos Salat. Auch der Essig verdient in diesem Zusammenhang eine kleine Ehrenrettung. Ein Salat mit Essig-Öl-Dressing vor einer kohlenhydratreichen Mahlzeit kann die Blutzuckerantwort abmildern.
Das bedeutet nicht, dass man nun morgens Apfelessig als Mutprobe trinken muss. Wer einen empfindlichen Magen, Reflux oder Probleme mit dem Zahnschmelz hat, sollte solche Experimente ohnehin lassen.
Aber als einfacher Küchentrick ist Essig interessant. Der gute alte Salat vor dem Essen war also vielleicht nicht nur Sitte, sondern auch Stoffwechselklugheit. Und der Trick mit dem Apfelessig in etwas Wasser vor den großen Mahlzeiten funktioniert ebenfalls.

Bewegung nach dem Essen: der einfachste Zuckerfilter

Einer der wirksamsten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Hebel ist die Bewegung nach dem Essen. Ich habe das selbst lange unterschätzt, bis ich mit einem Trainer von Olympia-Athleten sprach, der seine durchtrainierten Athleten exakt diesen „Trick“ durchführen ließ. Mittlerweile ist völlig klar: Zehn Minuten Gehen nach einer Mahlzeit helfen, den Zuckeranstieg günstiger zu beeinflussen.
Der Grund ist einfach: Muskeln ziehen Glukose aus dem Blut, sobald sie arbeiten. Wer sich nach dem Essen bewegt, hilft dem Körper, den Zucker dorthin zu bringen, wo er benötigt wird: in die Muskulatur.
Besonders nach dem Abendessen ist das interessant. Statt direkt auf das Sofa zu sinken, kann ein kurzer Gang um den Block mehr bewirken als die nächste komplizierte Diätregel. Also gehen Sie diese 10 Minuten.

Ob am Strand, im Wald oder in der Stadt: Nach dem Essen 10 Minuten spazierenzugehen, wirkt Wunder beim Blutzuckerhaushalt des Körpers.

Foto: dmbaker/iStock

Im zweiten Schritt lohnt sich dann der Blick auf ein Krafttraining. Muskeln sind ein wichtiges Speicher- und Verbrauchsorgan für Glukose. Wer Muskelmasse verliert, verliert auch Zuckeraufnahmekapazität. Gerade ab 50 wird das relevant.
Bei Schmerzpatienten kommt allerdings zuerst die Schmerzfreiheit beziehungsweise eine bessere Beweglichkeit. Ein schmerzender Rücken, ein gereiztes Knie oder eine blockierte Hüfte werden nicht besser, nur weil man sie mit Trainingsplänen überfährt. Erst die Bewegung wieder möglich machen, dann Kraft aufbauen: Das ist in der Praxis meist der vernünftigere Weg.

Schlaf, Stress und die Leber

Blutzucker ist nicht nur eine Frage des Essens. Schlechter Schlaf kann die Insulinempfindlichkeit verschlechtern. Dauerstress bringt den Körper über Cortisol in eine Alarmstellung. Die Leber gibt dann mehr Zucker ins Blut ab, obwohl von außen gar kein Zucker kommt.
Das erklärt, warum manche Menschen ratlos vor ihren Werten sitzen: „Ich esse doch gar nicht so viel, warum ist mein Blutzucker trotzdem schlecht?“ Der Körper ist kein Kalorienzähler mit Puls. Er reagiert auf Schlafmangel, Bewegungsmangel, Stress, späte Mahlzeiten, Alkohol, Medikamente, Bauchfett und die Zusammensetzung der Ernährung.
Besonders späte, kohlenhydratreiche Mahlzeiten sind für viele ungünstig. Der Körper soll nachts reparieren, regulieren und entgiften. Wenn er stattdessen noch Pizza, Wein und Dessert verarbeiten muss, braucht man sich über unruhigen Schlaf und einen zähen Morgen nicht zu wundern.

Welche Werte interessant sind

Wer wissen möchte, wo er steht, sollte nicht nur auf den Nüchternblutzucker schauen. Dieser Wert ist wichtig, aber er erzählt nicht die ganze Geschichte. Interessant sind auch HbA1c, also der Langzeitblutzucker, der Bauchumfang, die Triglyceride, die Leberwerte und in manchen Fällen auch das Nüchterninsulin.
Aus Nüchternblutzucker und Nüchterninsulin lässt sich der sogenannte HOMA-Index berechnen. Er kann Hinweise auf eine beginnende Insulinresistenz geben, oft früher als der reine Blutzucker. Das ist zwar kein allwissendes Orakel, aber wer nach dem Essen regelmäßig müde ist, Bauchfett aufbaut, Heißhunger entwickelt und trotzdem „normale“ Standardwerte hat, sollte genauer hinschauen.
Nüchternblutzuckerwerte zwischen 100 und 125 mg/dl gelten bereits als auffällig im Sinne eines Prädiabetes. Das ist zwar noch kein Diabetes, aber auch kein grüner Bereich, den man achselzuckend abheften sollte.

Fazit

Der Blutzucker ist mehr als ein Laborwert. Er zeigt, wie gut der Körper mit unserem modernen Alltag zurechtkommt: mit zu viel Sitzen, zu viel Stress, zu spätem Essen, zu wenig Muskelarbeit und mit Lebensmitteln, die oft schneller ins Blut gehen, als der Stoffwechsel sie verarbeiten kann.
Genau hier beginnt die Naturheilkunde. Nicht als „Ich nehme eine Heilpflanze und lebe weiter wie bisher“, sondern als Ordnungstherapie: den Essrhythmus verbessern, die Leber entlasten, den Darm stärken, Muskeln trainieren und erhalten, Schlaf ernst nehmen, nach dem Essen gehen sowie Bitterstoffe und Ballaststoffe wieder auf den Teller bringen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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vital

Gesund altern: Fünf weniger bekannte Biomarker können dabei helfen


In Kürze:

  • Starke Hände sind ein Prädikator für eine gute Immunabwehr sowie ein gesundes Herz und Gehirn.
  • Auch der Ruhepuls und Cortisolspiegel sind wichtige Messwerte bei Gesundheit und Langlebigkeit.
  • Zudem lassen uns ein gutes Verhältnis von Taille zu Körpergröße und ausreichend Nährstoffe langsamer altern und verlängern unser Leben.
  • Es gibt verschiedene Möglichkeiten, alle Indikatoren zu messen und zu verbessern.

 
Wussten Sie, dass bestimmte Biomarker bereits Jahre vor dem Auftreten von Symptomen auf eine Erkrankung hinweisen können? Doch schon kleine, messbare Veränderungen dieser Werte können sowohl die Lebenserwartung als auch die Lebensqualität entscheidend verbessern.
Hier sind fünf Werte, die es sich zu beobachten lohnt – und was Sie tun können, um sie in die richtige Richtung zu lenken.

1. Griffkraft

Die Griffkraft ist die Kraft, die Muskeln in Hand und Unterarm ausüben, wenn wir etwas festhalten.
Studien zufolge ist diese Kraft ein wichtiger Biomarker, der eine Vielzahl von Faktoren widerspiegelt. Dazu gehören der allgemeine Gesundheitszustand, kognitive Beeinträchtigungen und die Gesamtmortalität.
Laut einer Studie aus dem Jahr 2015 steigt mit jedem Rückgang der Griffkraft um 5 Kilogramm
  • das allgemeine Sterberisiko um 16 Prozent,
  • das Risiko für einen kardiovaskulären Tod um 17 Prozent,
  • das Risiko für einen nicht-kardiovaskulären Tod um 17 Prozent.
Demnach erweist sich die Griffkraft als stärkerer Prädiktor für die kardiovaskuläre Mortalität als der Blutdruck.
Der Zusammenhang ist umgekehrt proportional und konsistent: Mit nachlassender Griffkraft steigt das Risiko. Eine stärkere Griffkraft ist hingegen mit einer besseren Immunfunktion, Herz-Kreislauf-Gesundheit und kognitiver Leistungsfähigkeit sowie niedrigerer Gesamtsterblichkeit verbunden.

Praktische Tipps für mehr Griffkraft

Die Griffkraft lässt sich verbessern, und zwar ganz praktisch mit passivem Hängen, im Sportjargon auch Dead Hang genannt. Dabei hängt man, solange es geht, mit gestreckten Armen und entspannten Schultern mit dem ganzen Körpergewicht an einer Stange. Das ist schwieriger, als es klingt.
Deswegen langsam anfangen, ein paar Sekunden reichen schon. Die Dauer mit der Zeit auf zwei Minuten steigern. Wie lange man hängen kann, hängt von Alter, Geschlecht und Fitnessniveau ab.
Andere Übungen, um verschiedene Griffarten und die damit verbundenen Muskeln zu trainieren, sind:
  • schwere Gegenstände beim Gehen tragen, wie zum Beispiel alle Einkaufstüten auf einmal,
  • einen Ball drücken,
  • Handmuskeltrainer verwenden,
  • Klettern,
  • Armdrücken.

2. Ruhepuls

Der Ruhepuls ist ein weiterer Messwert, der einen signifikanten Prädiktor für Gesundheit und Langlebigkeit darstellt. Er umfasst die Anzahl der Herzschläge pro Minute im Ruhezustand.
Mehrere großangelegte Langzeitstudien haben gezeigt, dass ein höherer Ruhepuls ein unabhängiger Risikofaktor für die Sterblichkeit ist, da er aus verschiedenen Gründen erhöht sein kann. Diese Gründe umfassen unter anderem Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen und viele andere chronische Erkrankungen.
„Er kann auch ein Indikator nicht nur für körperlichen, sondern auch für psychischen Stress sein“, sagte Studienautor Dr. Magnus T. Jensen gegenüber Epoch Times. Jensen ist ein dänischer Kardiologe und Professor und beschäftigt sich in seiner Forschung unter anderem mit dem Ruhepuls.
In einer Studie aus dem Jahr 2013 stellten Jensen und seine Kollegen fest, dass Männer mit einem Puls von über 90 Schlägen pro Minute im Vergleich zu Männern mit sehr niedrigem Puls – unter 50 Schlägen pro Minute – ein etwa dreimal so hohes Sterberisiko hatten. Letztlich fanden sie heraus, dass das Sterberisiko mit jedem Anstieg des Ruhepulses um 10 Schläge pro Minute um etwa 16 Prozent zunahm.
Als die Autoren die Ergebnisse um Fitness, körperliche Aktivität und andere Risikofaktoren bereinigten, blieb der Zusammenhang bestehen: Selbst unter Menschen mit dem gleichen Fitnesslevel hatten Personen mit einem höheren Ruhepuls ein höheres Risiko für einen vorzeitigen Tod.
Bei Erwachsenen liege der Ruhepuls normalerweise zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute, könne aber sehr individuell sein, so Jensen.
„Sie sind Ihr eigener Maßstab“, sagte er. „Wenn Sie also wissen, dass Ihr Ruhepuls bei 60 liegt und Ihr Puls erhöht ist, dann wissen Sie: OK, hier stimmt etwas nicht, oder?“

Leicht zugänglicher Indikator

Der Ruhepuls sei zudem ein nützlicher Indikator für Gesundheit und Langlebigkeit, da er von jedem leicht gemessen werden könne, so der Kardiologe weiter.
„Man kann ihn am Handgelenk, am Hals oder mit einem tragbaren Gerät messen – er ist also sehr leicht zugänglich“, meinte er.
Wie kann man den Ruhepuls am wirksamsten senken? „Durch Bewegung“ ist Jensens Antwort. Auch andere Lebensstilfaktoren würden eine Rolle spielen, wie Rauchen, Alkoholkonsum und Stress – sowohl körperlicher als auch psychischer Art, fügte er hinzu.

3. Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße

Jahrzehntelang war der Body-Mass-Index (BMI) in der Medizin der Standardmaßstab für die Körperzusammensetzung. Der BMI hat jedoch ein grundlegendes Manko: Er kann nicht zwischen Muskeln und Fett unterscheiden und sagt nichts darüber aus, wo sich das Fett befindet.
Diese Unterscheidung ist enorm wichtig, denn viszerales Fett – das Bauchfett, das sich um unsere inneren Organe ansammelt – ist weitaus gefährlicher als das Fett, das der Körper an anderen Stellen speichert. Es steht in engem Zusammenhang mit Entzündungen, Insulinresistenz, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Funktionsverlust und vorzeitigem Tod.
Laut einer Studie aus dem Jahr 2025 besteht ein Zusammenhang zwischen dem Verhältnis von Taille zu Körpergröße und körperlicher Leistungsfähigkeit. Demnach funktionierten die körperlichen Systeme bei Personen mit höheren Werten tendenziell schlechter.
Es zeigte sich auch, dass das Verhältnis von Taille zu Körpergröße bei Männern, Frauen, allen ethnischen Gruppen und Kindern über 5 Jahren ein besserer Prädiktor für die Sterblichkeit ist als der BMI. Das ist das Forschungsergebnis der Ernährungswissenschaftlerin Margaret Ashwell, die dazu beitrug, das Verhältnis von Taille zu Körpergröße zu einem weltweit anerkannten Indikator für Gesundheit und Langlebigkeit zu machen.

Das Maßband herausholen

Um diesen Biomarker zu messen, braucht es nur ein Maßband. Dazu den Taillenumfang unterhalb der Rippen und oberhalb der Hüftknochen in Zentimetern messen und die Zahl durch die Körpergröße in Zentimetern teilen.
Idealerweise sollte der Bauchumfang weniger als die Hälfte der Körpergröße betragen. Optimal sei ein Wert zwischen 0,4 und 0,5, so Ashwell zu Epoch Times.
Wer außerhalb dieses Bereichs liege oder seinen Bauchumfang um ein paar Zentimeter reduzieren möchte, sollte genauso vorgehen wie beim Abbau jeder anderen Art von Fett, so die Ernährungswissenschaftlerin weiter.

4. Cortisol

Cortisol ist ein Steroidhormon, das der Körper als Reaktion auf körperlichen und emotionalen Stress ausschüttet. In kurzen Schüben ist es gesund und notwendig, da es die Konzentration schärft und Energie liefert, wenn wir sie am dringendsten brauchen. Wenn der Cortisolspiegel jedoch chronisch hoch oder schlecht reguliert ist, kann dies langfristig den Körper „abnutzen“ – ein Prozess, der als allostatische Belastung bezeichnet wird.
Die nachgelagerten Auswirkungen können schwerwiegend sein: Ein ständig erhöhter Cortisolspiegel kann
  • die Telomere (die Schutzkappen an den Enden unserer DNA) verkürzen und die Zellalterung beschleunigen,
  • chronische Entzündungen begünstigen,
  • die Immunfunktion unterdrücken,
  • Muskeln abbauen,
  • den Blutzucker erhöhen,
  • das viszerale Fett vermehren,
  • die Alterung des Gehirns beschleunigen, wodurch wir anfälliger für neurodegenerative Erkrankungen werden.
Neben den Cortisolspitzen sind auch die Cortisolschwankungen im Laufe des Tages wichtig. Bei einem gesunden Verlauf erreicht der Cortisolspiegel morgens seinen Höchstwert, sinkt dann allmählich ab, und erreicht gegen Mitternacht seinen Tiefpunkt. Ungesunde Cortisolwerte sind auch solche, die den ganzen Tag über niedrig bleiben oder nachts ansteigen.

Die üblichen Verdächtigen

Regulierungsstörungen treten oft schon Jahre vor einer klinischen Diagnose auf. Der Cortisolspiegel lässt sich allerdings durch Änderungen des Lebensstils beeinflussen. Wichtig dafür sind
  • Stressbewältigung,
  • ausreichend Schlaf,
  • eine gesunde Ernährung,
  • regelmäßige Bewegung,
  • positive Beziehungen,
  • ausreichend Flüssigkeit, da Flüssigkeitsmangel den Spiegel vorübergehend erhöhen kann.
Normalerweise kann ein Arzt den Cortisolspiegel über Blut, Urin oder Speichel messen lassen. Doch es gibt auch Cortisoltests für zu Hause, wobei in der Regel Speichel über den Tag verteilt entnommen wird, um den Spiegel zu verfolgen. Diese Tests können dabei helfen, einen Überblick über den Cortisolspiegel zu bekommen und zu zeigen, wann man sich an einen Arzt wenden sollte.

5. Nährstoffmangel

Ein Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen – darunter Vitamine, Mineralstoffe und essenzielle Fettsäuren – kann uns anfälliger für Krankheiten machen und vorzeitig altern lassen.
Dabei sollte man zwischen Mangel und Unterversorgung unterscheiden, meinte Matt Kaeberlein, Langlebigkeitsforscher und Professor für Pathologie, zu Epoch Times.
Ein echter Mangel führe zu klinisch erkennbaren Funktionsstörungen. Eine Unterversorgung hingegen – also suboptimale, aber nicht kritisch niedrige Werte – könne die Gesundheit über Jahre oder Jahrzehnte hinweg unbemerkt beeinträchtigen, ohne eine offensichtliche Diagnose auszulösen.
Ihm zufolge gebe es einige Nährstoffe, auf die wir achten sollten, sowohl wegen ihrer Auswirkungen auf die Langlebigkeit als auch weil viele von uns nicht genug davon zu sich nehmen. Dazu gehören Vitamin D, Omega-3 und Magnesium.
  • Ein Mangel an Vitamin D kann die Telomere verkürzen und altersbedingte DNA-Schäden verstärken. Außerdem erhöht er das Risiko für altersbedingte Krankheiten und einen vorzeitigen Tod.
  • Omega-3-Fettsäuren können die Langlebigkeit fördern, indem sie den biologischen Alterungsprozess verlangsamen, chronische Entzündungen senken und die kardiovaskuläre sowie kognitive Gesundheit verbessern.
  • Magnesium ist unerlässlich für die DNA-Replikation und -Reparatur. Zudem senkt es Entzündungen, unterstützt die Mitochondrienfunktion, stärkt das Herz-Kreislauf-System und fördert die Stoffwechselgesundheit, was es für ein langes, gesundes Leben entscheidend macht.

Ernährung vor Ergänzung

„Das Ziel sollte eine wohlüberlegte Nahrungsergänzung sein, die auf der Ernährung, den Risikofaktoren und – sofern möglich – geeigneten Biomarker-Tests basiert“, sagte Kaeberlein dazu.
Er empfiehlt eine abwechslungsreiche, hochwertige Ernährung. Diese reiche bei den meisten Menschen aus, um den Bedarf an den meisten Vitaminen und Mineralstoffen zu decken. „Generell sollte die Ernährung an erster Stelle stehen“, so der Langlebigkeitsforscher.
Manche Personen bedürfen einer Nahrungsergänzung. Es sei allerdings am besten, diese erst nach einer Untersuchung durchzuführen, fügte er hinzu.

Fazit

Die meisten dieser Messgrößen erfordern weder ein Labor noch teure Tests und können zu Hause erfasst werden. Sie alle reagieren auf dieselben grundlegenden Maßnahmen: regelmäßige Bewegung, guten Schlaf, eine nährstoffreiche Ernährung, Stressbewältigung und die konsequente Beobachtung, wie sich der Körper im Laufe der Zeit verändert.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „5 Lesser-Known Health Metrics That Can Help Predict Longevity“. (redaktionelle Bearbeitung: as)
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vital wissen

Papageikuchen: Süßer, bunter Blickfang nicht nur zum Kindertag

Ameisenkuchen, Leopardenkuchen, Kalter Hund … auf der Suche nach Namen für ihre süßen Kreationen haben Bäcker auch vor der Tierwelt nicht Halt gemacht. Einer der farbenfrohsten ist jedoch der Papageikuchen.
Wie bei den anderen Süßspeisen sorgten zum Glück nicht die Zutaten, sondern das Aussehen für die Namensgebung. Erzeugt werden die Farben des Papageikuchens durch verschiedenfarbige Grütze in Pulverform. Der praktische Nebeneffekt: Die Grütze bringt nicht nur Farbe, sondern gleichzeitig auch unterschiedliche Geschmacksrichtungen mit sich.
Besonders für Kinder ist der bunte Kuchen bestens geeignet – auch ich war in meiner Kindheit verrückt danach. Noch heute ist der tierisch leckere Kuchen bei mir mit zahlreichen Familienfesten und kulinarischen Erinnerungen an die DDR verbunden. Letzteres spiegelt sich in seinen wenigen Zutaten und der einfachen, schnellen Zubereitung wider.

Zutaten

Für eine Gugelhupfform benötigen Sie:
  • 300 g Mehl
  • 300 g Zucker
  • 250 g Butter
  • 4 Eier
  • 400 ml saure Sahne
  • 1 Päckchen Backpulver
  • 2 EL Kakao
  • 1 Päckchen Vanillepuddingpulver
  • 1 Päckchen Rote-Grütze-Pulver (Geschmack Kirsche oder Himbeere)
  • 1 Päckchen Grüne-Grütze-Pulver (Geschmacksrichtung Apfel)
  • 1 Päckchen Blaue-Grütze-Pulver (Geschmack Blaubeere)

Zubereitung

  1. Butter auf niedrigster Stufe in einem Topf schmelzen.
  2. Mehl, Zucker und Backpulver in einer Schüssel mischen. Anschließend Eier, flüssige Butter und saure Sahne zugeben und alles miteinander verrühren, bis ein glatter Teig entsteht.
  3. Den Grundteig in fünf gleichgroße Portionen teilen. In je eine Schüssel den Kakao, den Vanillepudding und die drei verschiedenen Grützen unterrühren.
  4. Backform fetten und die verschiedenfarbigen Teige klecksweise in die Form geben.
  5. Im vorgeheizten Ofen bei 160 Grad Celsius Ober-/Unterhitze 45 Minuten lang backen. Stäbchenprobe machen.
  6. Den noch heißen Kuchen mit etwas Butter bestreichen. Danach vollständig abkühlen lassen und aus der Form nehmen.
Guten Appetit!