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Studie: Junge Menschen zweifeln zunehmend an ihren Aufstiegschancen

Jugendliche und junge Erwachsene sehen die eigenen Aufstiegschancen immer pessimistischer.
Wie der Jugendfinanzmonitor 2026 der Wirtschaftsauskunftei Schufa Holding ergab, über den die „Frankfurter Rundschau“ von Ippen Media berichtet, glauben nur noch 40 Prozent der 16- bis 25-Jährigen in Deutschland, künftig einen gleich hohen oder gar höheren Lebensstandard erreichen zu können als die Generation vor ihnen. 2018 waren es noch 72 Prozent in dieser Altersgruppe.
Für die Umfrage befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Schufa im Juni und Juli 1.010 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren.

Auch berufliche Perspektiven skeptisch gesehen

Die junge Generation ist den Ergebnissen zufolge auch mit Blick auf ihre beruflichen Perspektiven pessimistisch: Nur 52 Prozent glauben, auch in Zukunft wie frühere Generationen die Chance auf eine gute und sichere Beschäftigung zu haben. 2018 lag dieser Wert noch bei 71 Prozent.

Eigene finanzielle Lage überwiegend positiv

Die aktuelle eigene finanzielle Situation bewertet die junge Generation laut Schufa-Monitor hingegen überwiegend positiv. 68 Prozent sind mit ihrer finanziellen Situation zufrieden oder sehr zufrieden, 82 Prozent kommen nach eigener Einschätzung gut oder sehr gut mit ihrem Geld aus.
39 Prozent der 16- bis 17-Jährigen haben weniger als 100 Euro im Monat zur Verfügung. Erwerbstätige junge Menschen verfügen laut der Befragung im Durchschnitt über 1.332 Euro.

Wunsch nach mehr Finanzbildung

Das Thema Geld wird im Schulunterricht derweil präsenter, wie die Befragung zeigt. Fast die Hälfte der 16- bis 17-Jährigen (46 Prozent) hat bereits mit Finanzthemen im Unterricht zu tun gehabt – neun Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Bei den 18- bis 21-Jährigen kennen 29 Prozent Finanzthemen aus dem Schulunterricht, bei den 22- bis 25-Jährigen sind es 28 Prozent.
92 Prozent der jungen Generation zwischen 16 und 25 Jahren wünschen sich, dass Themen rund um Finanzen und wirtschaftliche Zusammenhänge ausführlich in der Schule vermittelt werden.
„Finanzkompetenz ist ein wichtiger Schlüssel zur Teilhabe. Dass immer mehr jungen Menschen Finanzthemen bereits im Unterricht begegnen, ist eine wichtige und ermutigende Entwicklung“, sagte Tanja Birkholz, Vorstandsvorsitzende der Schufa, der „Frankfurter Rundschau“.

Deutschland hinkt international hinterher

An den Lehrplänen habe sich in den vergangenen Jahren aber kaum etwas geändert, sagte Carmela Aprea, Wirtschaftspädagogin und Mitglied des Schufa-Verbraucherbeirats: „Gleichzeitig ist das Bewusstsein für die Bedeutung der finanziellen Bildung größer geworden, auch im Bewusstsein von Lehrkräften, die vorhandene Freiräume der Lehrpläne nutzen.“
Deutschland hinkt beim Thema im internationalen Vergleich hinterher. 2023 hatten Finanzministerium und Bildungsministerium den Startschuss für eine entsprechende Bildungsinitiative gegeben – als letztes der G20-Länder.
Umgesetzt sind die Planungen für eine nationale Finanzbildungsstrategie allerdings bislang nicht. (dts/red)
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„Tramprennen“ nach Rumänien – „Schneller als die Bahn“

Daumen raus und los geht’s per Anhalter ins Abenteuer – etwa 67 Teilnehmer starten aus Weiden in der Oberpfalz und Lüneburg das „Tramprennen“ nach Rumänien. In Grüppchen zu zweit oder dritt geht es auf mehrere Etappen, wer zuerst ankommt, schaut sich nach Übernachtungsmöglichkeiten um.
„Wir sind in Teams unterwegs, allein in ein Auto steigen führt zur Disqualifikation. So sind unsere Regeln“, erzählt Tessa Brancalion von der Organisation über den Wettkampf. Sie startet mit 36 Mitstreitern und Mitstreiterinnen in Lüneburg.

Trampen populärer machen

Geplant ist außer der Reservierung des Campingplatzes am Zielort Pui nicht viel. Alle haben Outdoor-Ausrüstung inklusive Zelt dabei. „Wir sind eine Gruppe von 19 bis 56 Jahren und unser Ziel ist es, dass Trampen populärer wird“, erzählt die 33-Jährige. „Deutschland ist zum Trampen ein einfaches Land, ich bin deutlich schneller als die Deutsche Bahn“, sagt die Studentin.
Seit 2018 gibt es das jährliche Gemeinschaftserlebnis, zuerst ging es nach Spanien, auch Estland und Griechenland waren Zielländer – nur wegen Corona wurde zwei Jahre pausiert. Der Wettkampf führt über mehrere Etappen, die einzeln gewertet werden, erklärt Mitorganisatorin Brancalion.
Philipp Weckesser startet mit seiner Freundin in der Oberpfalz. Er reist seit elf Jahren per Autostopp und wartet im Inland nach eigenen Angaben längstens eine Stunde auf eine Mitfahrgelegenheit. „Es ist ein Hobby, wir machen es gern, weil man immer mit Menschen in Kontakt kommt, die sich vor Ort auskennen“, erzählt der 35-Jährige.
Antonina Eliseeva (l.) freut sich darauf, neue Länder zu entdecken.

Antonina Eliseeva (l.) freut sich darauf, neue Länder zu entdecken.

Foto: Kai Morschlatt/dpa

Trampen so (un-)gefährlich wie Disco-Besuch

Einmal habe er eine schlechte Erfahrung gemacht, als ein Autofahrer sexuell übergriffig werden wollte. Aber generell, findet Weckesser, sei das kostenlose Mitreisen nicht gefährlich.
Der Student der Sozialen Arbeit schrieb seine Bachelorarbeit zum Thema Sicherheit beim Trampen und fasst seine Erkenntnisse zusammen: „Es ist vergleichsweise so wie in eine Disco zu gehen. Jeder kann auch beim Trampen entscheiden, ob er einsteigt.“
Viele Frauen stiegen nie bei einzelnen Männern ein, auch er werde manches Mal nicht von Autofahrerinnen mitgenommen. „Von der Sicherheit ist es eigentlich tiefenentspannt“, sagt Weckesser, der nach der Ankunft in Pui zu einer dreijährigen Weltreise aufbrechen will, in Etappen immer wieder auch per Anhalter.

Neue Länder entdecken mit Tipps aus erster Hand

Mitorganisatorin Tessa Brancalion sieht den Reiz im Trampen unter anderem darin, von Ortskundigen Informationen zu den bereisten Ländern sowie zu Sehenswürdigkeiten und Kulinarik zu erhalten.
Wenn man lange auf eine Mitfahrgelegenheit warten müsse, könne es aber auch mal anstrengend werden. „Wichtig ist, dass man freundlich bleibt.“ Zwar gehöre zum Trampen auch ein kleines bisschen Können, „vor allem ist es aber Glück.“
Teilnehmerin Antonina Eliseeva ist zum vierten Mal dabei. Bepackt mit einem dicken Rucksack, Isomatten und einem Campingkocher macht sie sich auf die Reise. Sie freue sich „sehr darauf, aus dem Alltag herauszukommen“ und neue Länder zu entdecken, sagt sie.

Freizeitforscher: Sicherheit geht vor Abenteuer

Ältere erinnern sich wehmütig an viele Anhalter-Abenteuer – junge Leute reisen immer weniger per Autostopp. „Empirisch kann man das nicht nachweisen, aber die These der Zukunftsforschung ist, dass die Sehnsucht nach Sicherheit größer wird als der Durst nach Freiheit“, sagt der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski der Deutschen Presse-Agentur.
Fast könne man sagen, Sicherheit sei für manche die neue Freiheit. „Die große Kunst ist es, sicher zu sein, ohne die Freiheit aufzugeben“, sagt der 85-Jährige. „Und Trampen ist ein Sicherheitsrisikofaktor im Privatleben.“
Seit der Coronakrise breitet sich nach seiner Einschätzung eine pessimistische Grundstimmung in Deutschland aus. „Wir leben in unsicheren Zeiten, da ist kein Ende abzusehen“, sagt Opaschowski, der seit vielen Jahrzehnten die Stimmung mit repräsentativen Umfragen ermittelt.

Junge Leute sind mobiler als früher

Die junge Generation wachse damit auf und müsse sich arrangieren. „Die wilden Touren nach Sri Lanka werden weniger“, sagt er, „die Sehnsucht bleibt, aber vielen ist so etwas zu unsicher“. Work and Travel in sicheren Staaten wie Australien sei relativ risikoarm.
Den besonderen, teuren Auszeiten wie Junggesellenabschieden in fernen Städten wie Palma de Mallorca oder Mailand hat Opaschowski den Titel „Luxese“ gegeben, die Mischung aus Luxus und Askese davor oder danach, um die Extravaganzen zu finanzieren.
Autostopp auf kleineren Strecken sei auch deswegen aus der Mode, weil viele Menschen mobiler geworden seien, sagt Opaschowski. Auch die Bahn-Tarife seien für junge Leute interessanter: „Viele nehmen dann in Kauf, mal zwei Stunden auf dem Bahnsteig auf einer Bank zu schlafen.“ Zudem seien die öffentlichen Verkehrsmittel viel besser ausgebaut worden, führt Tramper Weckesser an. (dpa/red)
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Mit „Milf“-Kette in den Stadtrat? Debatte um CDU-Kandidatin

Mit einem kontroversen Schmuckstück sorgt eine CDU-Kandidatin im niedersächsischen Kommunalwahlkampf bundesweit für Aufsehen. Teil des goldenen Accessoires ist der Schriftzug „Milf“. Die englische Abkürzung steht laut Duden für „mom I’d like to fuck“ und beschreibt eine „sexuell attraktive reifere, erfahrene Frau“. Die Kette ist auf den Wahlplakaten mit dem Porträtfoto von Corinna Jodeit deutlich sichtbar. Die 38-Jährige bewirbt sich um einen Platz im Stadtrat von Wildeshausen südwestlich von Bremen. Kommunalwahl in Niedersachsen ist am 13. September.
Dem „Medienhaus Kreiszeitung“ in Syke sagte Jodeit: „Es ist doch nur ein Schmuckstück und hat mit Kompetenz nichts zu tun.“ Zwar sei die Kette „natürlich provokant“. Für sie drücke das zehn Jahre alte Accessoire aber vor allem Selbstständigkeit und Stärke aus. „Ich bin gerne eine Mutti. Aber nicht nur das“, sagte die Handwerksunternehmerin der Zeitung.
Die Kette für das Wahlplakat abzulegen, habe sie für nicht authentisch gehalten. Auf einigen Wahlwerbefotos ist sie allerdings auch ohne die Kette abgelichtet.
Auch verschiedene überregionale Medien berichten über den Fall. Unter einem Beitrag der „Wildeshauser Zeitung“ auf Instagram beschreiben Nutzer Jodeits Auftreten unter anderem als „peinlich“ oder unpassend für eine seriöse Politikerin. Mehrere Kommentare beleidigen sie auch mit sexuellen Sprüchen. Zahlreiche Nutzer stellen sich aber auch auf die Seite der Kandidatin.
Die Kritik, die sie für die Kette erhalte, gehe „nicht spurlos an mir vorbei“, sagte die 38-Jährige. Von ihrer Kandidatur abrücken wolle sie aber nicht. Von ihrer Partei erfahre sie viel Rückhalt und auch unter ihren eigenen Beiträgen in sozialen Netzwerken findet sich hauptsächlich Zuspruch. Jodeit ist für den Stadtrat von Wildeshausen auf Listenplatz drei nominiert.

Als die „Schlandkette“ viral ging

Vor 13 Jahren hatte schon einmal die Kette einer CDU-Politikerin für Schlagzeilen gesorgt. Vor der Bundestagswahl 2013 war es die „Schlandkette“, die Angela Merkel in einem TV-Duell trug. Das schwarz-rot-goldene Accessoire gehörte anschließend zu den am meisten verbreiteten Begriffen in den sozialen Netzwerken während des TV-Duells vor der Bundestagswahl 2013. (dpa/red)
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„Sexuelle Identität“ – Hubig will nach CSD-Anschlag Gesetze nachschärfen

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) will nach dem Terroranschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) mehrere Gesetze nachschärfen und das Grundgesetz ändern.
„Ich bin dafür, dass wir Artikel 3 Absatz 3 Grundgesetz ergänzen um ein Verbot der Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität“, sagte sie der „Rheinischen Post“ (Samstagsausgabe). Das Grundgesetz verbiete bereits heute ausdrücklich Ungleichbehandlungen aufgrund von Geschlecht, Religion oder Herkunft. Es sei nur logisch, auch Ungleichbehandlungen aufgrund der sexuellen Identität in der Verfassung zu verbieten.
Man müsse dazu in der Regierung noch Gespräche führen, so Hubig. Es sei bekannt, dass es in der Union Vorbehalte gebe. Allerdings sehe sie auch ermutigende Signale, sagte die SPD-Politikerin und verwies auf unionsgeführte Landesregierungen. „Und der Kanzler hat sich nach dem CSD-Anschlag persönlich an die queere Community gewandt und bekräftigt, dass der Staat sich für ihren Schutz einsetzen wird. Eine Ergänzung des Grundgesetzes würde diese Ankündigung mit Leben füllen“, so die Bundesjustizministerin.

Im Gespräch mit Dobrindt

Hubig will zudem den Informationsaustausch zwischen Sicherheitsbehörden und Justiz verbessern. „Der Täter war kein Unbekannter. Die Sicherheitsbehörden hatten ihn als gefährlichen Islamisten identifiziert. Und noch im Mai stand er in Berlin vor Gericht, weil er sich dem Islamischen Staat anschließen wollte. Trotzdem ist es nicht gelungen, die Tat zu verhindern“, sagte Hubig. Man müsse daraus Konsequenzen ziehen. Der Innenminister und sie führten dazu Gespräche.
Die Sicherheitsbehörden hätten oft wichtige Informationen dazu, ob von einer Person, etwa einem Islamisten, eine Gefahr ausgehe, sagte die SPD-Politikerin. Man müsse sicherstellen, dass die Strafjustiz diese Erkenntnisse heranziehen könne, wo es nötig sei. Das sei besonders wichtig, wenn ein Gericht entscheide, ob eine Strafe zur Bewährung ausgesetzt werde. Denn Bewährung komme nur in Betracht, wenn zu erwarten sei, dass der Täter keine Straftaten mehr begehen werde. Für solche Prognosen könnten Informationen der Sicherheitsbehörden extrem relevant sein, so Hubig.

Hubig lehnt Verschärfung des Jugendstrafrechts ab

„Gleiches gilt für Entscheidungen über eine Vorbewährung, wie sie das Berliner Gericht im Falle von Abdul B. getroffen hat“, so Hubig. Die Vorbewährung gebe es nur im Jugendstrafrecht. Das Gericht könne sich die Entwicklung eines Straftäters zunächst noch einige Monate ansehen – und erst dann entscheiden, ob die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werde.
Fachleute würden die Vorbewährung für ein sinnvolles Instrument halten, diese Einschätzung teile sie. Man sollte sie also beibehalten, so Hubig. Aber sie könne sich vorstellen, dass man hier etwas nachschärfen müsse. Es müsse auch im Gesetz klar sein: Eine Vorbewährung dürfe nur ausgesprochen werden, wenn das mit Blick auf die Sicherheitsinteressen der Allgemeinheit vertretbar sei.
Zugleich lehnte sie eine grundsätzliche Bestrafung von extremistischen Jugendlichen oder Gefährdern nach Erwachsenenstrafrecht ab und verteidigte die Anwendung von Jugendstrafrecht. Es gehe darum, junge Straftäter zurück auf den richtigen Weg zu bringen, erklärte die SPD-Politikerin. Das sollte weiterhin das Ziel sein, auch im Umgang mit jungen Menschen, die sich radikalisiert hätten. Denn sie seien oft noch formbar. Wenn man sie pauschal nach Erwachsenenstrafrecht verurteilen würde, könne das sogar den falschen Effekt haben und ihre Radikalisierung befördern. (dts/red)
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Warum Großeltern für die Familien wichtiger sind denn je

Wenn Sie eine glückliche Familie sein wollen, sollten Sie die Rolle der Großfamilie nicht vernachlässigen, sagen Experten.
„Das Konzept einer unabhängigen, in sich geschlossenen Kernfamilie wird weder von den Sozialwissenschaften noch von der jüdisch-christlichen Tradition gestützt“, schreibt der amerikanische Professor und Kulturforscher Anthony B. Bradley. Er argumentiert, dass Netzwerke aus Mitgliedern der erweiterten Familie, insbesondere Großeltern, einen entscheidenden Rückhalt für die Familie und die Kindererziehung bieten.
Dieses Zitat stammt aus einem aktuellen Artikel auf seinem Substack-Account, in dem Bradley die zahlreichen und überraschenden Vorteile für Familien skizziert, die in der Nähe der Großmutter mütterlicherseits wohnen. Bradley stützt seine Schlussfolgerung auf zahlreiche wissenschaftliche Studien und erklärt, dass er die Nähe zur Großmutter mütterlicherseits für den Erfolg einer Familie sogar als wichtiger ansieht als eine hoch bezahlte Karriere.
„Eine der besten Möglichkeiten, wie ein Mann für seine Familie sorgen kann, besteht darin, alles Notwendige zu tun, um sicherzustellen, dass seine Frau in derselben Stadt wie ihre Mutter lebt – vorausgesetzt, sie haben ein gutes Verhältnis zueinander“, bemerkt er.
Neben dem Vater, so argumentiert Bradley, ist die Großmutter mütterlicherseits das wichtigste Familienmitglied für das Gedeihen von Mutter und Kind.
„Ich habe zwar bereits zuvor über die Bedeutung von Vätern geschrieben, doch die andere wesentliche familiäre Rolle für gedeihende Familien ist die der Großmutter, und es ist von entscheidender Bedeutung, dass Kinder im selben lokalen Umfeld wie ihre Großmutter mütterlicherseits aufwachsen, wenn wir wollen, dass Mütter und Kinder sich gut entwickeln“, sagt er.
Großeltern helfen Kindern, ihre Wurzeln zu entdecken und ermutigen sie für die Zukunft. Foto: Halfpoint/iStock

Großeltern helfen Kindern, ihre Wurzeln zu entdecken, und ermutigen sie für die Zukunft.

Foto: Halfpoint/iStock

Was die Forschung sagt

Hier sind nur einige der Forschungsergebnisse, die Bradley zur Untermauerung seiner Schlussfolgerung anführt:
  • Es hat sich gezeigt, dass Großmütter mütterlicherseits jungen Müttern während der Schwangerschaft und nach der Geburt entscheidende Unterstützung bieten.
  • Die Anwesenheit der Großmutter mütterlicherseits verringert emotionale und verhaltensbezogene Probleme bei Enkelkindern, die belastende Ereignisse erlebt haben, erheblich.
  • In einer Übersicht von 45 Studien aus allen Kontinenten wurde festgestellt, dass die Einbindung der Großmutter mütterlicherseits in 69 Prozent der Studien die Überlebenschancen der Kinder verbesserte.
  • In einer im Süden Äthiopiens durchgeführten Studie waren Kinder, deren Großmutter mütterlicherseits für sie erreichbar war, für ihr Alter größer und hatten eine um 25 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, das dritte Lebensjahr zu überleben.
  • Töchter, deren Mütter in der Nähe wohnen, bekommen früher Kinder, in kürzeren Abständen, und mehr ihrer Kinder erreichen das Erwachsenenalter.

Hinter den Daten

Auch wenn die Großmutter mütterlicherseits offenbar eine besondere Rolle spielt, können alle Großeltern einen starken positiven Einfluss auf wachsende Familien ausüben.
Großeltern verfügen über Weisheit, die sie durch die Mühen langer Jahre und die wechselhaften Erfahrungen im Hin und Her von Erfolg und Misserfolg erworben haben und die sie an ihre Kinder und Enkelkinder weitergeben können. Sie leisten wichtige Beiträge zur Entwicklung der nachfolgenden Generationen.
„Großeltern spielen im Familienleben vielfältige und wichtige Rollen: Aufpasser, Geschichtenerzähler, Familienchronisten, sie haben ein offenes Ohr und vieles mehr. Großeltern können eine Verbindung zur Vergangenheit und einen Wegweiser in die Zukunft darstellen“, schreiben Sean Brotherson, Brenda Langerud und Divya Saxena von der North Dakota State University.
Auch wenn sie in der Regel nicht direkt an der Erziehung kleiner Kinder beteiligt sind (obwohl dies sicherlich auch vorkommt), bieten Großeltern zumindest eine Art stabiles Umfeld – ein Bollwerk aus Erinnerung, Erfahrung, Freundlichkeit, stiller Führung und manchmal sogar finanzieller Unterstützung. Dies schützt und stützt junge Familien ungemein.

Großeltern sind nicht gleich Großeltern

Natürlich gibt es so viele Arten von Großeltern, wie es Menschen gibt, und nicht alle Großeltern werden diese Rollen auf dieselbe Weise oder im gleichen Maße ausfüllen. Brotherson, Langerud und Saxena skizzieren fünf Typen oder Stile der Großelternschaft, die in der Forschung auftauchen. Jeder hat seine eigenen Vorteile:
  • „Formeller“ Großelternteil – Dieser Typ von Großelternteil erfüllt die Rolle des Familienältesten und vertritt feststehende Vorstellungen, Erwartungen und Traditionen.
  • Der „Spaß suchende“ Großelternteil – Dieser Großelternteil ist weniger formell und eher verspielt.
  • Der „Ersatzelternteil“ – Dieser Großelternteil übernimmt die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung und die Erziehung des Kindes.
  • Der „zurückhaltende“ Großelternteil – Dieser Großelternteil hält eher Abstand und interagiert mit der Familie vorwiegend bei großen Familienanlässen wie Hochzeiten.
  • Der „weise“ Großelternteil – Dieser Großelternteil erteilt Ratschläge, stellt Ressourcen zur Verfügung und bietet Beratung an.
Natürlich werden manche Großeltern mehrere der oben beschriebenen Stile oder Rollen miteinander verbinden. So werden sie ihren Kindern und Enkelkindern eine noch reichhaltigere Dimension des Lebens in der erweiterten Familie bieten.

Immer weniger Kinder im Trend

In der zeitgenössischen Kultur wird der Familie immer weniger Wert beigemessen. Die amerikanische Gesellschaft steht vor einer drohenden Geburtenkrise. Auch Deutschland erlebt die niedrigsten Geburtenraten der Nachkriegszeit. Umso mehr werden heute Großeltern und ihre Unterstützung gebraucht. Durch Kinderbetreuung, Ermutigung und andere Formen der Unterstützung können Großeltern eine entscheidende Rolle dabei spielen, junge Paare zu ermutigen, mehr Kinder zu bekommen und diese in gesunden Familien großzuziehen.
Und natürlich haben Großeltern über diese rein praktischen Vorteile hinaus die Möglichkeit, ihren Enkelkindern eine besondere Beziehung zu schenken, die einen besonderen Wert in sich trägt. In einem Artikel für das Dr. James Dobson Family Institute schrieb Dobson:
„Ein Weiser bemerkte einmal, dass ältere Menschen langsamer werden und sich bücken, damit sie die Dinge wieder mit den Augen eines Kindes sehen können, damit sie die Hände von Kindern halten können, die auf unerfahrenen Füßen dahin stapfen. Der Käfer auf dem Bürgersteig, die Schnecke unter dem Kohlblatt, das Rotkehlchen, das den Wurm aus der regennassen Erde zieht – das sind die Dinge, die kleine Kinder und ihre Großeltern wahrnehmen.“
Dies ist eine wunderschöne Zusammenfassung der einzigartigen Rolle, die Großeltern im Leben ihrer Enkelkinder spielen können – sich ihrem Tempo anzupassen, sich mit ihnen zu bücken, um die Welt mit neuen Augen zu sehen, und sie gleichzeitig zu unterstützen, während sie in die Zukunft hineinwachsen, zu der sie berufen sind.
Viele westliche Länder erleben dramatische Geburtenrückgänge. Doch die Zukunft einer Nation erwächst aus ihren Kindern ab. Foto: peppi18/iStock

Viele westliche Länder erleben dramatische Geburtenrückgänge. Doch die Zukunft einer Nation erwächst aus ihren Kindern.

Foto: peppi18/iStock

Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Why Grandparents Matter More Than Ever“. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)
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Studie: Abneigung zwischen Parteilagern wächst – vor allem zwischen Union und Grünen

Die gegenseitige Abneigung zwischen den Anhängern der deutschen Parteien hat seit 2020 deutlich zugenommen. Das zeigt eine am Donnerstag veröffentlichte Auswertung der Dresdner Niederlassung des ifo-Instituts.
Die gegenseitige Abneigung wachse vor allem zwischen den Anhängern der etablierten Parteien, insbesondere zwischen Union und Grünen, sagte ifo-Forscherin Klara Lehmann.
„Anders als häufig vermutet, geht der Anstieg jedoch nicht direkt auf die AfD zurück.“ In Ostdeutschland ist der Anstieg der Abneigung zwischen den Parteilagern ähnlich ausgeprägt wie im Westen.

Abneigung zwischen Union und Grünen

Rund die Hälfte der stärkeren Abneigung seit 2020 entfällt der Analyse zufolge auf das Verhältnis zwischen Union und Grünen, ein weiteres Fünftel auf die Abkühlung zwischen Union und SPD.
Was den Anstieg nach 2020 ausgelöst habe, ließe sich nicht abschließend klären. Es fielen mehrere Entwicklungen zeitlich zusammen, darunter die Covid-19-Pandemie, der Ukrainekrieg und der Bruch der Ampelkoalition, so Lehmann.
Die Auswertung untersucht, wie stark Anhänger die eigene Partei bevorzugen und andere Parteien ablehnen, unabhängig davon, wie weit ihre Sachpositionen auseinanderliegen.

Tatsächliche Zunahme in West und Ost gleich

Die Autoren schreiben einen etablierten Polarisierungsindex auf Basis des GESIS-Politbarometers bis 2024 fort. Die Erhebungen umfassen die Sympathiebewertungen für Parteien auf einer Skala von 0 bis 10 und die jeweils angegebene Wahlabsicht.
Rund 65 Prozent des Anstiegs seit 2013 entfallen auf eine echte Verschärfung der Abneigung (Animositätseffekt), nur 35 Prozent auf veränderte Stimmengewichte (Gewichtungseffekt).
Im Osten steigt der Index etwas stärker, das ist allerdings vor allem ein rechnerischer Effekt aufgrund der dort anderen Parteienlandschaft. Die tatsächliche Zunahme der gegenseitigen Ablehnung ist in Ost und West gleich groß. (dts/red)
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Frauen machen häufiger höhere Schulabschlüsse

Bei schulischer und beruflicher Bildung schneiden junge Frauen oft besser ab als junge Männer. Dieser „Gender Education Gap“ zeigt sich unter anderem bei Schulabschlüssen und bei Abschlussquoten an Hochschulen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.
Im Abgangsjahr 2024 waren unter den 258.300 Absolventen mit Allgemeiner Hochschulreife an allgemeinbildenden Schulen 55 Prozent Frauen und 45 Prozent Männer.
Je geringer der formale Schulabschluss, desto stärker kehrt sich das Geschlechterverhältnis um: Unter den 133.100 Absolventen mit Erstem Schulabschluss waren 59 Prozent Männer und 41 Prozent Frauen. Der Erste Schulabschluss ist ein allgemeinbildender Abschluss der Sekundarstufe I, der üblicherweise am Ende der 9. Klasse erworben werden kann.
Einen Mittleren Schulabschluss machten 344.200 Absolventen allgemeinbildender Schulen, darunter 51 Prozent Männer und 49 Prozent Frauen. Dieser Abschluss wird üblicherweise am Ende der 10. Klasse in der Sekundarstufe I erworben.

Junge Männer gehen eher von der Schule ab

Auch bei den Wiederholern zeigt sich ein Unterschied zwischen den Geschlechtern. Im Schuljahr 2024/2025 wiederholten 148.100 Schüler eine Klassenstufe, 56 Prozent davon waren männlich und 44 Prozent weiblich.
Junge Männer neigen eher dazu, vergleichsweise früh von der Schule abzugehen und auch im Anschluss nicht in eine Aus- oder Weiterbildung zu starten.
Im Jahr 2025 hatten 15 Prozent der Männer im Alter von 18 bis 24 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung maximal einen Ersten oder Mittleren Schulabschluss und waren nicht in Aus- oder Weiterbildung. Unter Frauen im selben Alter traf dies auf elf Prozent zu.

Mehr ausländische Jugendliche

Die Diskrepanz zwischen den Geschlechtern ist in den letzten Jahren größer geworden: Zehn Jahre zuvor hatte der Anteil unter Frauen und Männern bei je zehn Prozent gelegen. Diese Entwicklung lässt sich teilweise auf den gestiegenen Anteil der ausländischen Bevölkerung in dieser Altersgruppe zurückführen, der von zwölf Prozent auf 17 Prozent angestiegen ist.
Junge Menschen dieser Bevölkerungsgruppe sind häufiger nicht in Schul-, Aus- oder Weiterbildung. Im Jahr 2025 hatte gut ein Drittel (34 Prozent) der ausländischen jungen Männer keine abgeschlossene Berufsausbildung, maximal einen Ersten oder Mittleren Schulabschluss und befand sich nicht in Aus- oder Weiterbildung.
Zehn Jahre zuvor traf dies noch auf knapp ein Viertel (24 Prozent) zu. Unter den ausländischen Frauen in der Altersgruppe ist der Anteil niedriger und im selben Zeitraum moderater gestiegen: von 22 Prozent auf 26 Prozent.

Studentinnen erfolgreicher im Zeitplan

Studentinnen schließen ihr Bachelorstudium häufiger erfolgreich innerhalb von acht Semestern ab als Studenten. Gut ein Drittel (34 Prozent) der Studienanfängerinnen mit Beginn des Studiums im Jahr 2020 schlossen ihr Bachelorstudium nach acht Semestern ab. Bei Männern lag die Abschlussquote bei einem Viertel (25 Prozent).
Auch bei den Masterstudiengängen lag die Abschlussquote der Studienanfängerinnen von 2020 mit 53 Prozent nach sechs Semestern über der ihrer männlichen Kommilitonen (48 Prozent), der Abstand zwischen Frauen und Männern war aber geringer als bei den Bachelorstudiengängen.
Bei Studiengängen mit Staatsexamen war die Abschlussquote unter Frauen ebenfalls höher als bei Männern. Aufgrund der längeren Regelstudienzeit werden hier erfolgreiche Abschlüsse nach zwölf Semestern betrachtet.
35 Prozent der Studentinnen, die 2018 ihr Studium begannen, erlangten innerhalb von zwölf Semestern ihr Staatsexamen. Bei Männern waren es 24 Prozent. (dts/red)
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Auf der Suche nach dem Glück im Zeitalter der Leere

In den USA werden mehr Selbsthilfebücher veröffentlicht als in irgend einem anderen Land der Welt. Bücher wie Stephen Coveys „Die 7 Wege zur Effektivität“ (Originaltitel: „The 7 Habits of Highly Effective People“) und Dale Carnegies „Wie man Freunde gewinnt“ (Originaltitel: „How to Win Friends and Influence People“) sind zu Klassikern geworden.
Auch beim Thema Selbsthilfe-Podcasts – sei es zu Themen wie Motivation, persönliches Wachstum oder mentale Gesundheit – sind die USA weltweit führend. Grund genug, einmal über den großen Teich zu schauen und nach entscheidenden Gemeinsamkeiten zu suchen.
Von der Kolonialzeit bis heute haben Amerikaner nach Wegen gesucht, sich selbst zu verbessern – nach Tipps und Lebenshacks, um große und kleine Probleme zu lösen, schlechte Gewohnheiten abzulegen und gute zu entwickeln – und natürlich auch, um mehr Güter, Geld, Selbstvertrauen, inneren Frieden und mehr zu erlangen. Hinter all dem steckt ein großes Menschenziel: glücklicher zu werden.
Aber was, wenn uns in der heutigen Zeit genau ein entscheidender Baustein zum Glück fehlt – manche würden sogar sagen: der entscheidende? Es lohnt sich, hier einmal genauer hinzuschauen.

Professor Brooks Lebensrätsel

Arthur C. Brooks, Autor, Podcaster und Harvard-Professor, hat jahrelang das Glück erforscht – was es bedeutet und wie Menschen es erlangen. Er unterrichtet Studierende zum Thema Glück, hat Bücher darüber geschrieben und das Thema so gründlich erforscht, dass er sich selbst „der Glücksprofessor“ nennt.
Im Juni 2026 sprach Brooks auf der Konferenz der Alliance for Responsible Citizenship in London. Der offizielle Titel seiner Rede lautete: „Der Sinn Ihres Lebens: Unsere Menschlichkeit im Zeitalter der Leere wiederentdecken.“
Laut seiner Vorstellung und gemäß seines Lebenswerks sagt Brooks: „Lassen Sie mich Glück definieren. Glück selbst ist eine Kombination aus der Freude am eigenen Leben, der Zufriedenheit mit den eigenen Errungenschaften, aber vor allem dem Wissen um den Sinn der eigenen Existenz – dem ‚Warum‘ des Lebens.“
Er berichtete, dass er seinen Studierenden seit Jahren ein kleines Rätsel aufgibt. Damit will er prüfen, ob sie den Sinn ihres Lebens kennen. Es ist ein Zwei-Fragen-Test, den man – wie er sagt – besteht, wenn man Antworten hat, und den man nicht besteht, wenn man antwortet: „Über diese Fragen habe ich noch nie nachgedacht“ oder „Diese Fragen haben keine Antworten.“ Hier sind Professor Brooks Fragen:

„Warum leben Sie?“

„Wofür würden Sie Ihr Leben geben?“

Brooks erklärt: „Wenn Sie Antworten auf diese Fragen haben, ist das gut. Wenn nicht, ist das ein Problem, denn dann sind Sie orientierungslos. Sie kennen den Sinn Ihres Lebens nicht. Sie werden unglücklich sein.“

Was die Daten und die Wissenschaft sagen

Anschließend zeigt Brooks seinem Londoner Publikum eine Grafik mit dem Anteil junger Erwachsener, die in einer Umfrage Folgendes erklärten: „Mein Leben fühlt sich sinnlos an.“ Die Zahlen haben sich zwischen 1990 und 2020 praktisch verdoppelt – auf 30 Prozent bei jungen Frauen und 20 Prozent bei Männern.
In einem früheren Online-Artikel, „Warum sich Ihr ‚perfektes‘ Leben so leer anfühlt“, verwies Brooks auf entsprechende Ergebnisse einer aktuellen Glücksumfrage. Er wies zudem darauf hin, dass sich die Symptome schwerer Depressionen von 2005 bis 2019 nahezu verdreifacht hätten. Nach COVID-19, so Brooks, hätten sich die Probleme nur noch verschärft.
Starke soziale Beziehungen zählen beständig zu den wichtigsten Faktoren für langfristiges Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit. Foto: Jose Calsina

Starke soziale Beziehungen zählen beständig zu den wichtigsten Faktoren für langfristiges Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit.

Foto: Jose Calsina

Nicht nur das: Ein erheblicher Anteil derjenigen, die ihr Leben als sinnlos bezeichneten, gehörte zu den Strebsamen, zu einigen der klügsten und begabtesten ihrer Generation. Sie jagten Erfolg und Anerkennung nach – ohne wirklich zu wissen, worin der eigentliche Sinn dieses Wettlaufs bestand.

Dinge lieben, Menschen benutzen, sich selbst anbeten

In seiner Rede erklärt Brooks die komplexe Beziehung zwischen der linken und der rechten Gehirnhälfte: Erstere kümmert sich um das „Wie“ und „Was“ des Lebens, letztere um einfache Fragen mit komplexen Antworten wie Liebe, Sinn und Mysterium.
Brooks argumentiert dann, dass unsere Handys und Bildschirme die linke Gehirnhälfte ansprechen, wodurch die rechte weitgehend vernachlässigt wird. Darin sieht er einen Grund, warum heute so viele Menschen – besonders jene, die mit dem Handy aufgewachsen sind – die Orientierung verloren haben. Vertieft in ihre Bildschirme haben sie die Impulse der rechten Gehirnhälfte zugunsten der linken zurückgedrängt.
Brooks schließt mit dem, was die Gesellschaft mit ihrem technologischen Ballast als Erfolgsformel ansieht: Dinge lieben, Menschen benutzen, sich selbst anbeten. Dies, so sagt er, sei die gefälschte Formel. Anders ausgedrückt: Die Maschinen, die wir benutzen, machen uns selbst zu einer Art Maschine.
Die richtige Formel für ein sinnerfülltes und glückliches Leben, so Brooks, kehrt diese Schlussfolgerungen radikal um: Dinge benutzen, Menschen lieben, das Göttliche anbeten.

Das Geheimnis der zwei Fragen

Betrachtet man Brooks‘ erste Frage genau, erkennt man, dass sie eingegrenzt ist. Sie fragt nicht nach dem Sinn des Lebens im Allgemeinen, sondern nach dem Sinn des eigenen Lebens.
Brooks erzählt die Geschichte seines Sohnes Carlos, der während der Highschool orientierungslos war und täglich stundenlang auf seinem Handy scrollte. Ermutigt von seinem Vater, verzichtete Carlos aufs College und arbeitete stattdessen monatelang auf einer Farm, bevor er zum Marine Corps ging.
Mit 23 Jahren war er verheiratet, hatte einen Sohn und einen stärkeren Glauben sowie die Überzeugung entwickelt, dass er dazu bestimmt sei, anderen zu dienen – angefangen bei seiner Familie.
Wer Schwierigkeiten hat, die Frage „Warum leben Sie?“ zu beantworten, dem könnte es helfen, zunächst die zweite Frage anzugehen: „Wofür würden Sie Ihr Leben geben?“ Ein Ehemann oder eine Ehefrau würde – wie Brooks es formuliert – bereitwillig und sogar glücklich für den Ehepartner sterben. Die meisten Eltern würden für ihr Kind sterben. Soldaten haben im Laufe der Geschichte ihr Leben für ihre Kameraden gegeben. Wir lesen Geschichten von Menschen, die ihr Leben riskierten oder verloren, um Fremde vor Feuer oder Ertrinken zu retten.
Finden wir heraus, für wen oder was wir sterben würden, haben wir einen wichtigen ersten Schritt getan, um zu bekräftigen, wofür wir leben.
Viele Menschen finden einen tieferen Sinn im Leben, indem sie sich um Familienmitglieder kümmern und in zukünftige Generationen investieren. Foto: Halfpoint/iStock

Viele Menschen finden einen tieferen Sinn im Leben, indem sie sich um Familienmitglieder kümmern und in zukünftige Generationen investieren.

Foto: Halfpoint/iStock

Klopfe an, und eine Tür wird sich öffnen

In seinem Vortrag sagt Brooks seinem Publikum, dass es in unserem Zeitalter der Leere und der Bildschirme junge Menschen tiefgreifend beeinflussen kann, diese beiden Fragen zu stellen und bewusst nach Antworten zu suchen.
Dieser konstruktive Zusammenstoß drängt den Suchenden dazu, sich wieder mit der rechten Gehirnhälfte zu beschäftigen und in ihr Reich des Staunens und Mysteriums einzutreten – das Wesen von Philosophie, Poesie und Glauben. Die Fragen zu stellen, insbesondere die erste, ist für ein sinnerfülltes und wirklich glückliches Leben fast ebenso wichtig wie sie zu beantworten.
Als ich einer befreundeten Autorin, die weniger als halb so alt ist wie ich, von dem Zwei-Fragen-Quiz erzählte, kam sie sofort zu demselben Schluss. „Ich habe viele Freunde, die sich diese Fragen nie stellen“, sagte sie. „Sie fragen nie, was sie hier tun oder was der Sinn ist. Sie gleiten einfach durch ihre Tage, ohne nach dem Warum zu fragen.“
In seiner Arbeit als Professor sieht Brooks täglich den Schaden, den selbst kluge junge Menschen erleiden – die Depression, die Angst, die Leere –, weil sie nie über ihren letztendlichen Lebenszweck nachgedacht haben. Für sie, wie auch für den Rest von uns, können die Fragen wie eine Lesebrille wirken – nicht für gedruckten Text, sondern um uns selbst und die Menschen und Ereignisse um uns herum besser zu verstehen.

Brooks auf dem Jakobsweg

Diese Suche kann folglich unser Leben bereichern. In seinem neu erschienenen Buch „The Meaning of Your Life: Finding Purpose in an Age of Emptiness“ (dt. etwa: Der Sinn deines Lebens: Wie man in einer Zeit der Leere Bestimmung findet) spricht Brooks davon, wie er beim Wandern auf dem Jakobsweg in Spanien nach dem Sinn seines eigenen Lebens suchte. Jenem uralten Netz von Pfaden und Wegen folgten im Laufe der Jahrhunderte unzählige Pilger zum Schrein des Heiligen Jakobus. Auch heute noch ist dieser Pilgerweg außerordentlich beliebt.
Über diese Wanderung schreibt Brooks sinngemäß: Wer den Sinn seines Lebens finden wolle, müsse das Leben wie den Jakobsweg behandeln – als eine Pilgerreise, die Geist und Herz öffnet. Lebe man auf diese Weise, gewinne das eigene Leben an Offenheit und Verletzlichkeit. Dann finde einen der eigene Lebenssinn.
Sucht nach dem Sinn, und ihr werdet wahres Glück finden.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „2 Questions That Could Change the Way You Live“. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)
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Grünen-Chef räumt Mitschuld am AfD-Aufstieg ein

Der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak hat eine Mitschuld seiner Partei am Aufstieg der AfD eingeräumt.
Keine demokratische Partei könne sich von dieser Verantwortung freisprechen, sagte Banaszak der „BILD“. Auch die Grünen seien Teil eines Kulturkampfes gewesen, der das Land weiter gespalten habe.
Mit Blick auf die AfD warnte Banaszak zugleich vor Übertreibungen. Auf die Frage, ob AfD-Politiker Ulrich Siegmund der „gefährlichste Mann Deutschlands“ sei, sagte er: „Ich glaube, wenn man in so eine Art Grusel-Porno geht und sagt: `Oh Gott, mal gucken, was da passiert`, dann spielt man am Ende im Zweifel den Falschen in die Hände.“

Banaszak: Hauptverantwortung liegt bei Merz

Stattdessen müssten die Menschen in Sachsen-Anhalt entscheiden, ob sie von einer Partei regiert werden wollten, die ihr Verhältnis zum staatlichen Gewaltmonopol nicht klar habe.
Die Hauptverantwortung für die aktuelle Stärke der AfD sieht der Grünen-Chef bei Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Dieser habe versprochen, die AfD zu halbieren.
„Mittlerweile ist das genau umgekehrt der Fall“, sagte Banaszak. Merz habe seinen Wahlkampf mit den gegenteiligen Versprechen davon geführt, was er jetzt mache. Er habe sich entschieden, den Deutschen Unwahrheiten zu erzählen. (dts/red)
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Cicero: Fünf Schritte zu einem guten Gespräch

Wir alle kennen das: Wir treffen uns mit Freunden, unterhalten uns nach dem Gottesdienst oder nehmen an einer Netzwerkveranstaltung teil, doch trotz aller Bemühungen verläuft das Gespräch im Sande. Dafür kann es viele Gründe geben, aber im Allgemeinen liegt es entweder daran, dass unsere Gesprächspartner ins Stocken geraten, oder daran, dass uns selbst nichts einfällt, worüber wir reden könnten.
Solche Erfahrungen können entmutigend sein – vor allem für Menschen, die wissen, wie sehr ein gutes Gespräch das Leben verändern kann. Schließlich kann eine simple Unterhaltung jemanden ermutigen oder zu einem Umdenken bewegen, aber leider auch das Ansehen einer Person ruinieren.
Wie können wir gute Gesprächspartner sein, die mit ihren Worten etwas Positives bewirken? Der römische Philosoph und Staatsmann Marcus Tullius Cicero hat sich in seinem Werk „Von den Pflichten“ („De officiis“) mit einer ähnlichen Frage auseinandergesetzt und die folgenden fünf Tipps gegeben, die wir in unsere verbalen Interaktionen mit anderen einfließen lassen sollten:
„Der junge Cicero beim Lesen“ von Vincenzo Foppa (Fresko, 1464), heute in der Wallace Collection in London. Foto: Vincenzo Foppa, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

„Der junge Cicero beim Lesen“ von Vincenzo Foppa, Fresko, 1464, heute in der Wallace Collection in London.

Foto: gemeinfrei

Zuerst an andere denken

Es passiert unglaublich leicht, dass man im Gespräch in Selbstbezogenheit verfällt, sich auf Themen konzentriert, die einen selbst interessieren, oder – oft auf umständliche Weise – von den eigenen jüngsten Aktivitäten berichtet. Cicero riet jedoch dazu, langatmige und wortreiche Reden zu vermeiden, und betonte die Notwendigkeit von Höflichkeit im Gespräch. Das bedeutet, „andere nicht um ihr Wort zu bringen, als hätte man das alleinige Recht, gehört zu werden; sondern, wie in allen anderen Dingen auch […] den Wortwechsel nicht als ungerecht anzusehen.“
Wenn Sie also das nächste Mal in einem Gespräch sind, hören Sie sich selbst zu. Beurteilen Sie, ob Sie nur vor sich hin plappern oder ob Sie sich tatsächlich Zeit nehmen, Ihrem Gesprächspartner Fragen zu stellen und echtes Interesse an dem zeigen, was er zu sagen hat.

Klatsch und Tratsch vermeiden

Aus irgendeinem Grund neigen Gespräche oft dazu, in Gerede über andere abzugleiten. Eine solche Praxis ist in Ordnung, solange die Diskussion über andere lobenswert ist. Aber Gespräche, die andere herabsetzen, müssen laut Cicero um jeden Preis vermieden werden. Dies geschieht sowohl zum Wohl der anderen als auch um unseres eigenen Rufes willen. Menschen, die andere hinter deren Rücken verleumden oder diffamieren, so Cicero, „zeigen einen Mangel an moralischem Charakter“.

Themen mit Bedacht wählen

Wenn es tabu sein sollte, schlecht über andere zu reden, welche Themen sind dann erlaubt? Cicero schlug die Themen „private Angelegenheiten, Politik oder die Theorie und Praxis der Künste“ vor. Anders ausgedrückt: Wenn wir – selbstverständlich mit Bedacht – etwas über uns selbst preisgeben, sind aktuelle Nachrichten oder Filme, Sport, Bücher, Theaterstücke und andere Formen der Unterhaltung allesamt würdige Gesprächsthemen.
„Man muss jedoch Rücksicht auf die anwesenden Personen nehmen“, mahnte Cicero, „denn wir interessieren uns nicht alle zu jeder Zeit und in gleichem Maße für dieselben Dinge.“ Mit anderen Worten: Schätzen Sie Ihren Gesprächspartner ein und langweilen Sie ihn nicht mit Informationen, die ihn nicht interessieren.
Gutes Zuhören, das Vermeiden von Klatsch, die Wahl bedeutungsvoller Themen und das Wissen, wie man ein Gespräch beendet, können alltägliche Begegnungen in dauerhafte Verbindungen verwandeln. Foto: deepblue4you/iStock

Gutes Zuhören, das Vermeiden von Klatsch, die Wahl bedeutungsvoller Themen und das Wissen, wann ein Gespräch zu beenden ist, können aus alltäglichen Begegnungen dauerhafte Verbindungen machen.

Foto: deepblue4you/iStock

Das Gesprächsende nicht verpassen

Manche von uns sind Experten des „langen Abschieds“ – eine nette Umschreibung dafür, dass wir nie wissen, wie wir ein Gespräch beenden und taktvoll und würdevoll gehen sollen. Cicero ermahnte uns: „Beachtet stets […] die Dauer, über die sich die Freude am Gespräch erstreckt, und so wie es einen Grund für den Beginn gab, so soll es auch eine Grenze geben, an der ein Ende gesetzt wird.“ Das bedeutet, dass wir die Körpersprache unserer Gesprächspartner beobachten müssen. Wenn sie desinteressiert wirken oder es eilig haben, lassen Sie sie bereitwillig mit anderen sprechen, indem Sie sich verabschieden und jemanden anderen suchen, mit dem Sie sich unterhalten können.

Emotionen im Zaum halten

Auch wenn wir im Gespräch schnell erkennen, dass andere desinteressiert sind, sollten wir darauf achten, solches Desinteresse nicht in unserer eigenen Körpersprache preiszugeben. Cicero rät uns zudem, im Gespräch „übermäßige Emotionalität zu meiden“ – vor allem Emotionen wie Zorn. Denn, so Cicero, „mit Zorn lässt sich nichts richtig tun und nichts besonnen“.
Ciceros Schriften werden oft als Einflussquelle der amerikanischen Gründerväter angesehen, die neue Wege beschritten und eine Nation voller Würde, Respekt und Weisheit ins Leben riefen. Angesichts der derzeitigen Tendenz unserer Gesellschaft, gegeneinander zu wettern und sich nur auf sich selbst zu konzentrieren – sei es in Onlinedebatten oder in persönlichen Gesprächen –, scheinen seine Ratschläge für die Amerikaner von heute ebenso nützlich zu sein. Wir müssten uns nur die Zeit nehmen, sie zu studieren und uns zu Herzen zu nehmen.
Dieser Artikel erschien im Original auf „1819 News“  und theepochtimes.com unter dem Titel „Cicero’s 5 Steps to a Good Conversation“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Bonhoeffer-Großneffe Korenke nimmt AfD-Gesprächsangebot an

Tobias Korenke, Großneffe der von den Nationalsozialisten ermordeten Widerstandskämpfer Dietrich und Klaus Bonhoeffer, nimmt nach dem Eklat bei einer Gedenkfeier für Widerstandskämpfer die Einladung der AfD-Bundestagsfraktion an – und kündigt dabei eine klare Konfrontation an.
„Ich nehme diese Einladung hiermit gerne an, um die Motivation für mein Handeln zu erklären“, sagte Korenke dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ und der „Frankfurter Rundschau“. „Ich finde, es spricht nie etwas gegen einen Austausch auch mit politischen Gegnern. Ich werde offen in das Gespräch gehen.“
Die AfD-Bundestagsfraktion hatte Korenke öffentlich zu einem Gespräch über Programm und Ziele der Partei eingeladen, nachdem er bei der Gedenkfeier der Bundesregierung zum Widerstand gegen das NS-Regime vom 20. Juli im Berliner Bendlerblock versucht hatte, den Kranz der AfD-Fraktion zu entfernen. Die Aktion löste bundesweit ein großes Echo aus.

Gesprächsthemen

Korenke macht deutlich, welche Themen er in dem Gespräch ansprechen will: „Ich werde ganz sicher kritisieren, wie die AfD mit dem Erbe der beiden deutschen Diktaturen umgeht und wie sie die Verbrechen des Nationalsozialismus relativiert.“
Er werde auch sagen, was er davon halte, dass die AfD einen sogenannten „Schuldkult“ beklage. „Angeblich behindert dieser `Schuldkult` – übrigens ein rechtsextremistischer Kampfbegriff – die Identitätsbildung in unserem Land.“
Ob er allein oder gemeinsam mit anderen Mitgliedern der „Stiftung 20. Juli 1944“ an dem Treffen teilnehmen werde, sei noch offen. „Jetzt warte ich erst mal auf die konkrete Einladung der AfD, und dann werden wir das entscheiden“, sagte Korenke.
Seinen Protest bei der Gedenkfeier beschreibt er rückblickend als spontane Reaktion: „Meine Aktion war ja Ausdruck einer Übelkeit, die mich überfiel, als ich den AfD-Kranz bei dieser Feier plötzlich sah.“ Er könne es nicht ertragen, dass die AfD die Widerstandskämpfer für ihre Zwecke instrumentalisiere. (dts/red)
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Emotionaler Trauerzug durch Mumbles: Fans ehren Bonnie Tyler

Mit Tränen, Applaus und Blumen haben Hunderte Fans und Freunde Abschied von der britischen Sängerin Bonnie Tyler genommen. Am Samstag wurde der mit einer walisischen Flagge bedeckte Sarg der Sängerin, begleitet von einem gerahmten Porträt, durch die Straßen der Stadt Mumbles in Swansea zu ihrem Haus gefahren.
Bonnie Tyler starb im Juli im Alter von 75 Jahren in einem Krankenhaus in Portugal nach schwerer Krankheit. Zuvor war sie nach einer Operation am Darm in ein künstliches Koma versetzt worden.
Als der Sarg der Sängerin mit der unverkennbar rauchigen Stimme durch die Newton Road gefahren wurde, brach die Menge der Nachrichtenagentur PA zufolge unter Tränen in Gesang und Applaus aus. Hunderte stimmten bei dem Trauerzug den weltberühmten Song „Total Eclipse of the Heart“ an.
Hunderte Fans nahmen Abschied von Bonnie Tyler.

Hunderte Fans nahmen Abschied von Bonnie Tyler.

Foto: Alastair Grant/AP/dpa

Auch Fans aus Deutschland

Große Powerballaden und ihre unverkennbare Stimme machten Bonnie Tyler weltberühmt. Mit „Total Eclipse of the Heart“ und „Holding Out for a Hero“ sang sie zwei unvergessliche Pophymnen.
Mit der Single „Lost in France“ gelang ihr 1976 der erste Erfolg. Ein Jahr später machte „It’s a Heartache“ sie weltbekannt. Geboren wurde Bonnie Tyler als Gaynor Hopkins 1951 im walisischen Skewen.
Laut PA versammelten sich am Wochenende Fans aus mehreren Ländern in Swansea, auch aus Deutschland und Österreich. Viele Einheimische kannten Tyler persönlich.
In einem Leichenwagen wurde ihr Sarg durch Mumbles gefahren.

In einem Leichenwagen wurde ihr Sarg durch Mumbles gefahren.

Foto: Alastair Grant/AP/dpa

In Mumbles war sie demnach etwa für ihre Weihnachtsfeiern bekannt, an denen nicht nur Prominente, sondern auch Einheimische teilnahmen. Eine Anwohnerin aus Swansea beschrieb Tyler laut PA als „einen ganz normalen Menschen, der eben zufällig berühmt war“.
Am Montag findet in der Kirche Swansea Minster eine Gedenkfeier für Tyler statt. Anschließend wird der Sarg der Sängerin ein letztes Mal durch ihren Geburtsort Skewen gefahren. Sie wird im Familien- und Freundeskreis  beigesetzt.
Tyler wuchs in einem walisischen Bergarbeiterdorf nahe Swansea gemeinsam mit fünf Geschwistern auf. In den vergangenen Jahren lebte sie mit ihrem Mann abwechselnd an der portugiesischen Algarveküste und in ihrem Haus in Wales. (dpa/afp/red)
 
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Warum Narzissten im Beruf oft Karriere machen


In Kürze

  • Leichter Narzissmus bei Führungskräften geht einher mit Zufriedenheit des Teams.
  • Zu viel Narzissmus führt zu Rivalität und Unzufriedenheit der Mitarbeiter.
  • Narzisstische CEOs berufen tendenziell weitere Narzissten in den Vorstand.
  • Studie rät die Auswahlverfahren für Führungskräfte zu überprüfen und neu zu bewerten.

 
Ein bisschen Narzissmus kann in einer leistungsorientierten Arbeits- und Wirtschaftswelt vorteilhaft sein. Das zeigt eine Studie, geleitet von Professor Gerhard Blickle, Professor für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Bonn.
In dieser wurden aus einer breiten Schicht vom produzierenden Gewerbe über den öffentlichen Dienst bis zu Handel und Logistik untersucht, wie sich verschiedene Dosierungen von Narzissmus auf die Beschäftigten auswirken.
Blickles Überlegungen hierzu: „Es gibt auch in diesem Phänomen Aspekte, die funktional sein können. Etwa, wer wirkliche Probleme lösen will, der braucht Selbstbewusstsein, das Gefühl einer Berufung ‚Ich kanns‘ und die Bereitschaft, etwas durchzufechten“.
Insgesamt beteiligten sich 1259 direkt unterstellte an der Umfrage. Die Studie zeigt, dass ein weniger stark ausgeprägter Narzissmus bei Führungskräften mit einer guten Zufriedenheit des Teams einhergeht.
Dagegen führt ein Zuviel an Narzissmus zu aggressiver Rivalitätsneigung und Unzufriedenheit der Mitarbeiter.

Museums-Direktorin Ortrud Westheider vor dem Caravaggio-Gemälde «Narziss».

Foto: Jörg Carstensen/dpa

Laut dem umfassenden medizinischen Nachschlagewerk „MSD-Manual, zeichnet sich die narzisstische Persönlichkeitsstörung durch ein anhaltendes Gefühl der eigenen Wichtigkeit (Grandiosität) gepaart mit einem extremen Bedürfnis nach Bewunderung und einen eklatanten Mangel an Empathie aus.

Die Ursachen des Narzissmus

Der Begriff und Name Narziss stammt aus der griechischen Mythologie. Er bezeichnet einen schönen Jüngling, der sich in sein eigenes Spiegelbild im Wasser verliebte, vor Sehnsucht starb und in eine Narzisse verwandelt wurde.
In einer großen niederländischen Studie heißt es:
„Narzisstische Menschen fühlen sich anderen gegenüber überlegen, schwelgen in Fantasien über persönliche Erfolge und sind der Überzeugung, dass ihnen eine Sonderbehandlung zusteht. Wenn sie sich gedemütigt fühlen, reagieren sie oft aggressiv oder sogar gewalttätig.“
Die Wurzeln des Narzissmus sind vielfältig und komplex. Genetische Veranlagung trifft dabei auf prägende frühkindliche Erlebnisse. Doch laut den Studienautoren, entwickeln Kinder vor allem dann narzisstische Züge, wenn sie von ihren Eltern vergöttert und auf ein Podest gehoben werden.

Die Formen des Narzissmus

Unter Narzissmus wird demnach zumeist dessen grandiose Form verstanden, welche mit den bekannten Verhaltensweisen wie Selbstidealisierung, Anspruch Haltung, Arroganz und Dominanz einhergeht.
Weniger bekannt hingegen, ist die vulnerable Form des Narzissmus. Er zeichnet sich aus durch Verhaltensweisen wie Introvertiertheit und eine hohe Ausprägung neurotizistischer Eigenschaften wie Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Depressivität, Gefühlslabilität, Impulsivität und Empfindlichkeit gegenüber Stress. Menschen mit dieser Prägung zeigen sich im Verhalten wegen ihrer leichten Beschämbarkeit und Ängsten eher zurückhaltend und defensiv.
Professor Dr. Claas-Hinrich Lammers, der zwei Bücher über narzisstische Störungen und den Umgang damit geschrieben hat, erklärt:
„Erst wenn die narzisstischen Eigenschaften mit einem ausgeprägten vulnerablen Selbst einhergehen und die betreffenden Personen zu Aggressivität und Abwertung neigen, muss man von einer maladaptiven bzw. krankhaften Form des Narzissmus sprechen.“

Der narzisstische Führungsstil

In klassischen Bewerbungsverfahren können narzisstische Persönlichkeiten durch exzellente Selbstdarstellung herausragen. Sie nutzen mitunter strategische Manipulation und umgehen damit häufig Hierarchien.
Nilüfer Aydin, Professorin für Sozialpsychologie an der Alpen-Adria Universität, verdeutlicht die Wechselwirkungen von Neid, kontraproduktivem Arbeitsverhalten und narzisstischen Führungskräften. Sie assoziiert „ideale Vorgesetzte“ mit wertschätzendem, gerechtem Verhalten gegenüber Mitarbeitern. Das Aussprechen von Lob und Anerkennung gehört dazu.
Der narzisstische Führungsstil kennzeichnet sich hingegen „durch eher ausgrenzendes, nicht mitarbeiterorientiertes Führungsverhalten. Narzisstische Führungskräfte verbuchen gerne Erfolge oder Ideen anderer als ihre eigenen und interessieren sich kaum für die Wünsche und Interessen anderer. Machtstreben, Selbstzentriertheit und eine gewisse Rücksichtslosigkeit prägen ihr Verhalten“.

Der Gleich- und Gleich-Effekt

Ein Forschungsteam um Professor Lorenz Graf Vlachy von der technischen Universität Dortmund fand heraus: Narzisstische CEOs berufen tendenziell weitere Narzissten in den Vorstand. Für die Analyse untersuchten die Wissenschaftler tausende LinkedIn-Profile von US-amerikanischen Top-Managern. Die Studie ist 2024 in der Fachzeitschrift Journal of Management veröffentlicht worden.
Die Untersuchung offenbart für die Forscher eine erstaunliche Tendenz: „CEOs mit einem höheren Maß an Narzissmus berufen Mitglieder in ihr Vorstandsteam, die ihre eigenen Charaktereigenschaften widerspiegeln – also ebenfalls narzisstische Züge zeigen.“ Die Forscher zeigten, ein höherer Grad an Narzissmus des CEO ist mit einem um 18 Prozent stärker ausgeprägten Narzissmus jeder neu eingestellten Führungskraft verbunden.

Folgen für Unternehmen

Studienleiter Graf Vlachy erklärt, dass Vorstandsteams mit narzisstischen Managern eine deutlich höhere Fluktuation aufweisen, was zu erheblichen Kosten für ein Unternehmen führen kann. Weiterhin wirke sich diese Problematik auf die Dynamik und Stabilität des Teams aus.
Narzisstische Persönlichkeiten agierten in der Interaktion untereinander mit Dominanzverhalten. Dies könne weiterhin zu Konflikten und einer hohen Fluktuation in den Vorständen führen.
Studienleiter Graf Vlachy resümiert, dass ein Verständnis der Dynamiken in den Vorstandsteams wesentlich sei und CEOs sowie Aufsichtsräte das Auswahlverfahren für Führungskräfte mit einer entsprechenden Überprüfung neu bewerten sollten.

Unterstützung und Rückhalt für Beschäftigte

Die sogenannte „Workplace Victimization Theory“ (Theorie der Viktimisierung am Arbeitsplatz) postuliert, dass manche Beschäftigte ein höheres Risiko haben, Opfer destruktiver Führung zu werden. Die Psychologinnen Theresa Fehn und Astrid Schütz schreiben:
„Zum einen werden besonders zurückhaltende, unterwürfige Personen als ‚einfache Opfer‘ für Aggression und Abwertung wahrgenommen. Andererseits nehmen Führungskräfte mit hoher narzisstischer Rivalität dominantes oder provokatives Verhalten von Beschäftigten leicht als Angriff auf ihre vermeintliche Überlegenheit und ihren Status wahr und reagieren mit destruktivem Führungsverhalten, um ihr angekratztes Selbstbild wieder herzustellen. “
Die Psychologinnen raten zu proaktiver Stressbewältigung (Coping) oder Resilienztrainings, um mit destruktivem Führungsverhalten klarzukommen.
  • Emotionales Coping: Hier liegt der Fokus auf dem Reduzieren oder Regulieren der eigenen emotionalen Reaktionen.
  • Kognitives Coping: Beinhaltet, die eigenen Gedanken und Denkmuster über den Stressor zu verändern.
  • Problemorientiertes Coping: Eine Strategie, die den aktiven Umgang mit dem Stressor aufzeigt.

Psychologe Hinterhuber: Narzissten sind schlicht ein „Risiko“

Für Psychologe und Professor Dr. Hans Hinterhuber bedeutet Führen, „den Mitarbeitern zu helfen, das Beste aus dem zu machen, was sie am besten können“.
Hinterhuber und Kollegen haben im Buch „Persönlichkeit und Führungsverantwortung“ zahlreiche Bilder narzisstischer Führung unterschiedlichster Ausprägungen skizziert. Für den Professor sind Narzissten schlicht ein „Risiko“.
Die Dimension des Narzissmus reicht von der äußerst negativen über unterschiedlichste Zwischenschattierungen bis zur leicht ausgeprägten positiven Variante. Je nach Gewichtung mit entsprechend hohen oder geringem Risiko für das Unternehmen.
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Fall Jason Arday: Trauer nach Tod von Cambridge-Professor

Nach dem Tod des früheren Professors der renommierten Universität Cambridge, Jason Arday, herrscht in Großbritannien Bestürzung und Trauer. Der 41-Jährige war zuletzt im Zuge von Plagiatsvorwürfen von seinem Posten an der weltbekannten Universität zurückgetreten.
Der britische Premierminister Andy Burnham sprach der Nachrichtenagentur PA zufolge bei einem Besuch in Cornwall von einer „Tragödie auf so vielen Ebenen, vor allem aber für alle, die Jason kannten“. Jetzt sei nicht die Zeit für „voreilige Urteile“. „Es ist ein Moment der Reflexion“, sagte er, „wir alle denken heute an Jason, sein Wirken und an seine Familie und seine Freunde“.
Bildungsministerin Lucy Powell sprach auf der Plattform X von einer „schockierenden“ Nachricht, Cambridge-Leiterin Deborah Prentice von einer „unglaublich schweren Zeit“. Indes wurden auch kritische Stimmen am öffentlichen Umgang mit den gegen Arday erhobenen Vorwürfen laut, darunter etwa von Londons Bürgermeister Sadiq Khan.
Arday wurde am Freitag leblos in London aufgefunden. Die Metropolitan Police teilte mit, ein 41 Jahre alter Mann sei am Einsatzort im Südwesten der britischen Hauptstadt für tot erklärt worden. Zum jetzigen Zeitpunkt werde sein Tod als unerwartet eingestuft, es gebe jedoch keinen Grund zu der Annahme, dass ein Verbrechen vorliege, zitierte die Nachrichtenagentur PA die Polizei, die in Großbritannien grundsätzlich keine Namen nennt. Der Fall werde untersucht. Zur Todesursache gibt es bisher keine offiziellen Angaben.

Was Jason Arday vorgeworfen wurde

2023 war Arday im Alter von 37 Jahren zum jüngsten schwarzen Professor in der langen Geschichte der weltweit renommierten Universität Cambridge geworden. Seine Ernennung wurde als progressiver Meilenstein gefeiert, seine Lebensgeschichte bestaunt. Arday wuchs in einfachen Verhältnissen in London auf. Als Kind wurde er eigenen Angaben zufolge mit einer Form von Autismus diagnostiziert. Laut der Cambridge-Universität war er an mehreren Universitäten im Bereich der Soziologie tätig.
Doch in den vergangenen Wochen bekam das Image des oft als Star seines Fachs bezeichneten Akademikers Risse. Zahlreiche Medien berichteten ausführlich über Plagiatsvorwürfe mit Blick auf die Doktorarbeit des Professors an der Liverpool John Moores Universität. Auch in anderen wissenschaftlichen Veröffentlichungen solle er plagiiert haben, lauteten die Vorwürfe. Eine frühere Untersuchung der Uni in Liverpool stellte laut PA allerdings kein wissenschaftliches Fehlverhalten fest.
Schließlich wurde auch an der Glaubwürdigkeit von Teilen seiner Lebensgeschichte gezweifelt. Infrage gestellt wurden unter anderem Angaben zu Millionenspenden für wohltätige Zwecke sowie zu sportlichen Leistungen.

Schwere Kritik an Elite-Uni

Vergangene Woche trat der 41-Jährige schließlich von seiner Cambridge-Professur zurück. Zuvor hatte die Uni eine Untersuchung zu seiner Ernennung und Tätigkeit angekündigt. Nach Angaben von BBC und PA sagte Arday zuletzt mehrere Veranstaltungen ab.
In einem Rücktrittschreiben wies er die gegen ihn erhobenen Plagiatsvorwürfe zurück. Sein Rücktritt sei „der einzige Weg, dieses Kapitel zu beenden“, heißt es in dem Schreiben. Dieser solle nicht als „Zustimmung zu den Darstellungen verstanden werden“. „Kritik ist zwar ein unvermeidlicher Bestandteil des akademischen Lebens, doch was ich erlebt habe, geht weit über wissenschaftliche Meinungsverschiedenheiten hinaus.“
Durch den Fall war auch die Universität Cambridge massiv in die Kritik geraten. Leiterin Deborah Prentice hatte zuletzt mitgeteilt, eine Untersuchung rund um Arday werde „unabhängig durch hochrangige Wissenschaftler aus Cambridge und von außerhalb“ durchgeführt.
„Ich weiß, dass es im Zusammenhang mit diesem belastenden und schwierigen Fall Wut und Besorgnis gibt“, sagte sie. Den Fall bezeichnete sie als Ausnahme und betonte, dass dieser nicht dazu genutzt werden sollte, die Legitimität der wissenschaftlichen Arbeit nicht-weißer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter infrage zu stellen.
Auch die Universitäten Durham und Glasgow, an denen Arday tätig war, kündigten Untersuchungen an. Eine Professorin der Universität Cambridge bezeichnete den Fall zuletzt laut PA als „Geschenk“ für alle, die gegen Vielfalt an Hochschulen vorgehen würden.

Kritik an Umgang mit Vorwürfen

Wenige Stunden nachdem britische Medien am Freitagabend zahlreiche Eilmeldungen zu dem Tod von Arday verschickt hatten, äußerte sich auch die Angehörigen der Nachrichtenagentur PA zufolge.
Seit seiner Professur an der Universität Cambridge sei Arday „einer anhaltenden Hetzkampagne“ ausgesetzt gewesen, heißt es demnach in dem von seinem Verlag Simon & Schuster UK verschickten Statement der Familie. Auch von einer „Kampagne der Falschinformationen“ ist die Rede. Arday sei ein „sanftmütiger Mann“ gewesen, der „immer das Beste in jedem sehen wollte“.
Kritik am öffentlichen Umgang mit den Vorwürfen kam auch von Londons Bürgermeister Sadiq Khan. Arday sei öffentlich bloßgestellt worden und einer „Welle von Beschimpfungen“ ausgesetzt gewesen, behauptete der Labour-Politiker in einem X-Beitrag. Die Labour-Abgeordnete für den Londoner Wahlkreis Clapham und Brixton Hill, Bell Ribeiro-Addy, sprach beim Sender Sky von einer medialen „Hexenjagd“.
Ende August sollen die Memoiren von Arday in Großbritannien erscheinen. Der Verlag Simon & Schuster UK bezeichnete „Great and Unfortunate Things“ als ein Buch über „Widerstandsfähigkeit und Liebe“. (dpa/red)
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Ruhr-Kommunen fordern härteres Vorgehen gegen Sozialleistungsmissbrauch

Kommunalpolitiker aus dem Ruhrgebiet fordern vom Bund mehr Tempo im Kampf gegen Sozialmissbrauch. Die Bundesagentur für Arbeit hat im Juli mit dem Aufbau eines zentralen Kompetenzzentrums Leistungsmissbrauch und fünf regionaler Außenstellen begonnen, um systematisch Daten zusammenzuführen und zu analysieren.
Diesen Schritt bezeichnet der Oberbürgermeister von Hagen, Dennis Rehbein (CDU), in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) als wichtig und längst überfällig. Ein Durchbruch sei es aber nicht. Auch Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Andrea Henze (SPD) sieht das so.
Es gelte, Leistungsmissbrauch „energisch und systematisch“ zu bekämpfen, sagte Henze. Dafür brauche es nicht noch mehr Zuständigkeiten auf dem Papier, sondern konkrete, durchsetzungsfähige Strukturen vor Ort und eine Gesamtstrategie von Bund, Ländern und Kommunen. Rehbein zeigte sich enttäuscht, dass ein von der Bundesregierung eigentlich für Juli angekündigter Aktionsplan immer noch nicht vorliegt.

Aktionsplan der Bundesregierung lässt auf sich warten

Der Plan soll sich mit der Bekämpfung von Ausbeutung und Sozialleistungsmissbrauch, insbesondere im Zusammenhang mit EU-Zuwanderung, befassen und wird gerade mit dem Bundesinnenministerium erarbeitet, wie eine Sprecherin von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) der FAS mitteilte. Die Bekämpfung von Sozialleistungsmissbrauch sei ein zentrales Thema für diese Legislaturperiode, sagte die Sprecherin.
Er schade der Gesellschaft und schwäche das Vertrauen in den Sozialstaat. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, groß angelegten Sozialleistungsmissbrauch im Inland sowie durch im Ausland lebende Menschen zu beenden, den Datenaustausch der Behörden zu verbessern und Anreize, in die Sozialsysteme einzuwandern, deutlich zu reduzieren.
Wann die Bundesregierung ihren Aktionsplan gegen Sozialmissbrauch vorlegt, sagte das Arbeitsministerium auf Anfrage der FAS nicht. Rehbein reagierte verärgert darauf. Beim Kampf gegen Sozialmissbrauch dürfe keine Zeit verloren werden, sagte er. Die Kommunen bräuchten jetzt klare gesetzliche Verbesserungen und wirksame Instrumente statt weiterer Verzögerungen.

Kommunen fordern bessere Zusammenarbeit

Viele Kommunen im Ruhrgebiet haben mit den Folgen der Armutsmigration aus Südosteuropa zu kämpfen. Henze sagte der FAS, die Bürger ihrer Stadt hätten mittlerweile ein starkes Gefühl von Ungerechtigkeit, weil Menschen einfach durch eine Wohnortwahl Sozialsysteme ausnutzten, in die sie zuvor nicht eingezahlt hätten.
Der Staat dürfe nicht zulassen, dass Menschen aus dem Ausland nach Deutschland gelockt, in menschenunwürdigen Unterkünften untergebracht und gleichzeitig von kriminellen Strukturen ausgebeutet würden, sagte sie. Schon Anfang des Jahres hieß es in einem Bericht der Gelsenkirchener Verwaltung, die soziale Segregation im Stadtgefüge nehme massiv zu, der soziale Friede in vielen Stadtteilen sei gefährdet.
Eine große Hürde im Kampf gegen Sozialmissbrauch stellt nach übereinstimmender Einschätzung der betroffenen Kommunen der Datenschutz dar. Die betroffenen Städte bräuchten dringend die praxisgerechte Lockerung von Datenschutzbestimmungen an einigen Schnittstellen, sagte der Sozialdezernent von Essen, Peter Renzel, der FAS.
Aus Duisburg heißt es, der Datenschutz erschwere oft die wirksame Kontrolle, weshalb Betrug oft nur schwer nachgewiesen werden könne. Henze sagte: „Natürlich müssen Persönlichkeitsrechte geschützt werden, aber der Staat muss gleichzeitig in der Lage sein, Betrug und Missbrauch wirksam aufzudecken. Datenschutz darf nicht zum Schutzschild für Sozialleistungsmissbrauch werden.“ (dts/red)
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Streit mit den Eltern, kaum Zeit für Freunde: Macht Ihr soziales Leben Sie schleichend krank?

Wer gute Freundschaften pflegt und enge soziale Bindungen hat, dem geht es einer aktuellen Studie zufolge sowohl körperlich als auch psychisch besser. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende der Kütahya Health Sciences University in der Türkei. Der Einfluss guter familiärer Beziehungen in der Kindheit auf das Wohlbefinden falle dagegen schwächer aus, schreibt das Team um Veli Durmus im Fachjournal „Journal of Mental Health“.
Für die Untersuchung wurden die Angaben von 204.907 Menschen ab 18 Jahren ausgewertet. Die Daten stammen aus der ersten Phase der sogenannten Global Flourishing Study (GFS), für die Menschen aus 22 Ländern in Europa, Amerika, Asien, Ozeanien, dem Nahen Osten und Afrika zu Faktoren für ein gelingendes Leben befragt wurden.
Am zufriedensten mit ihren Freundschaften und Beziehungen scheinen laut der Studie die Menschen in Indonesien zu sein, in Japan hingegen wurden die niedrigsten Werte ermittelt. Die Teilnehmenden bewerteten selbst, wie zufrieden sie mit ihren Freundschaften, ihren Beziehungen und ihrer psychischen sowie körperlichen Gesundheit sind. Die Forschenden berücksichtigten daneben auch das Einkommen und den Bildungsstand der Befragten.

Soziales Umfeld verändert sich im Lauf des Lebens

Diejenigen, die am zufriedensten mit ihren Freundschaften und Beziehungen waren, berichteten auch am häufigsten von einer insgesamt besseren psychischen und körperlichen Gesundheit. Wer die Beziehungen zu seinen Eltern in der Kindheit als positiv erinnert, zeigte ähnliche Ergebnisse, jedoch schwächer ausgeprägt. Der Einfluss von Beziehungen in der Kindheit sei nicht unveränderlich, betont Durmus. Freundschaften, Partnerschaften und andere soziale Kontakte könnten die Wirkung früherer Erfahrungen im weiteren Leben verstärken oder abschwächen.
Durmus zieht daraus den Schluss, „dass Beziehungen in der Kindheit zwar eine Rolle spielen, jedoch kein vollständiges Bild wiedergeben“. Das soziale Umfeld eines Menschen verändere sich im Laufe des Lebens ständig und Freundschaften, Partnerschaften und andere Beziehungen könnten den Einfluss früherer Erfahrungen verstärken oder abmildern, erklärte der Wissenschaftler. Er fordert die Politik auf, den Einfluss dieser emotionalen und sozialen Bindungen auf die psychische und körperliche Gesundheit zu berücksichtigen, wenn Strategien für die Gesundheitspolitik entwickelt werden.
Gute soziale Beziehungen seien eine „universelle Säule“ des Wohlbefindens, resümiert die Studie. Die Aussagekraft der Ergebnisse ist jedoch begrenzt, weil die Daten lediglich auf Selbstauskünften beruhen. Sie spiegeln damit die subjektive Einschätzung der Befragten wider. (dpa/red)
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Tausende öffentliche Auspeitschungen in Afghanistan dokumentiert

Fünf Jahre nach der erneuten Machtübernahme der Taliban haben afghanische Menschenrechtler Tausende Fälle öffentlicher Auspeitschungen in Afghanistan dokumentiert.
Zwischen dem 22. Februar 2022 und dem 21. April 2026 seien mindestens 2.745 Menschen bei 634 dokumentierten Ereignissen ausgepeitscht worden.
Das belegt einer Auswertung der im Exil arbeitenden Afghanistan Human Rights and Democracy Organization (AHRDO), über die die Zeitungen des „RedaktionsNetzwerks Deutschland“ berichten.
Das englische Original spricht von „flogging“, einer Körperstrafe durch Hiebe, ohne das verwendete Instrument näher zu bestimmen. Im Deutschen wird hierfür meist der Begriff „Auspeitschung“ verwendet.

1.700 Männer und 420 Frauen betroffen

Betroffen waren demnach 422 Frauen, 1.761 Männer sowie 562 Menschen, deren Geschlecht nicht erfasst ist. Für 2025 dokumentierte AHRDO 1.073 Betroffene, bis zum 21. April 2026 waren es in diesem Jahr 535.
Die Organisation weist allerdings darauf hin, dass insbesondere die Daten aus den ersten Jahren lückenhaft sein dürften und Vergleiche deshalb nur eingeschränkt möglich seien.
Bei 66,6 Prozent der dokumentierten Ereignisse ging es um angebliche Sexual- oder Moralvergehen. Gewaltdelikte wie Mord, Vergewaltigung, Entführung oder Körperverletzung spielten bei 4,4 Prozent eine Rolle.
Auspeitschungen wurden in allen 34 Provinzen dokumentiert. Von den 422 erfassten Frauen wurden 399 (knapp 95 Prozent) wegen eines angeblichen Sexual- oder Moralvergehens ausgepeitscht. (dts/red)
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SED-Opferbeauftragte fordert dauerhafte Hilfe für Zwangsdoping-Opfer

Die SED-Opferbeauftragte des Bundestags, Evelyn Zupke, fordert eine dauerhafte finanzielle Unterstützung für Opfer des DDR-Zwangsdopings. Sie sagte, „es wäre gut, wenn dazu noch dieses Jahr ein Gesetzentwurf vorgelegt würde.“
„Dabei geht es um Menschen, die als Minderjährige vom Staat für den Leistungssport missbraucht wurden und bis heute unter schweren gesundheitlichen Folgen leiden. Aus meiner Sicht braucht es für sie endlich eine klare gesetzliche Regelung und eine dauerhafte monatliche Unterstützung“, sagte Zupke der „Rheinischen Post“ anlässlich des 65. Jahrestags des Mauerbaus.

Unrecht nicht in Vergessenheit geraten lassen

Zudem forderte Zupke mehr Beachtung für Gruppen, „die bislang nur wenig Aufmerksamkeit erhalten und die mehr Unterstützung bekommen sollten“.
Zu ihnen zählt Zupke Menschen, die in der DDR „über den sogenannten Asozialen-Paragrafen verfolgt wurden, oder Frauen und Mädchen, die unter dem Vorwand gynäkologischer Behandlungen weggesperrt und misshandelt wurden“.
Es müsse darum gehen, das „erlittene Unrecht genauer aufzuarbeiten und zu klären, wie betroffenen Menschen heute besser geholfen werden kann“.
Neben dem Gesetzgeber sieht Zupke auch Unternehmen in der Pflicht, die von der Zwangsarbeit politischer Gefangener in der DDR profitierten.
„Manche erzählen von gesundheitsgefährdenden Tätigkeiten unter unmenschlichen Bedingungen“, sagte Zupke mit Blick auf die Opfer.
„Ich finde deshalb, dass sich gerade große Konzerne diesem Teil ihrer Geschichte stellen sollten. Sie könnten dazu beitragen, dass dieses Unrecht nicht in Vergessenheit gerät“, so die SED-Opferbeauftragte. Derzeit sei sie mit dem Unternehmen Otto im Gespräch. „Das Kapitel ist noch nicht abgeschlossen“, sagte Zupke. (dts/red)
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Göring-Eckardt: Verharmlosung der DDR ist gefährlich

Die ehemalige Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion und spätere Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt sieht in den fortbestehenden materiellen Ost-West-Unterschieden und einer Verharmlosung der DDR eine Gefahr für die Demokratie.
„Mit dem Mauerbau-Jubiläum verbindet sich mehr als nur Geschichte“, sagte die aus Thüringen stammende Grünen-Politikerin dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ zum 65. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer. „Denn auf verschiedenen Karten von heute kann man anhand von sozio-ökonomischen Daten immer noch den alten Mauerverlauf erkennen.“

Unterschiede von Ost und West

So habe Westdeutschland weiterhin ein enormes Übergewicht beim Eigentum, bei Löhnen und Gehältern, bei Erbschaften oder auch bei Stiftungsgeldern. „Zugleich bestehen die Verharmlosung und Romantisierung der DDR fort. Das ist gefährlich.“
Überdies sei die Mauer 1989 zwar „zum Einsturz gebracht worden“, so Göring-Eckardt. „Wir erleben aber, dass diese Selbstbefreiung in der öffentlichen Debatte kaum eine Rolle spielt. Deshalb kann die AfD behaupten, dass es in der DDR doch eigentlich ganz schön war – und heute eine Diktatur herrsche, in der man nicht mehr sagen kann, was man will.“
Sie mahnte deshalb: „Wir müssen uns mit der Diktaturgeschichte auseinandersetzen – und uns klarmachen, dass die strukturellen Unterschiede fortbestehen und sich politisch auswirken.“
Allerdings dürfe man AfD-Wähler „auch nicht in Schutz nehmen. Denn sie können wissen, was Diktatur bedeutet und wie sich Faschismus für jeden Einzelnen und am Ende für sie selbst auswirkt.“

Operbeauftragte des Bundes: „Schmerzhafte Erfahrungen“

Auch die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke warnt vor einer zunehmenden Verklärung der DDR. „Einigen erscheint die DDR zunehmend schöner, je länger sie zurückliegt“, sagte Zupke der „Rheinischen Post“. „Dabei wird ausgeblendet, wie das Leben in der DDR tatsächlich war.“
In der DDR hätten Menschen, „die Widerspruch geäußert oder sich nicht angepasst haben“, sehr gelitten, sagte Zupke. „Bei den Opfern wirken diese Erfahrungen bis heute nach.“
Der Opferbeauftragten des Bundestages zufolge wurde die Übergangszeit nach der Wiedervereinigung für einige frühere DDR-Bürger von „schmerzhaften Erfahrungen“ überlagert. „Diesen Erfahrungen wurde oft nicht genug Raum gegeben. Und vieles davon wird bis heute über Generationen weitergegeben.“
„Wenn dann kein Korrektiv dazukommt – etwa durch Schule oder Begegnungen mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen – bleibt oft nur eine einseitige und nostalgische Erzählung hängen, während die Realität der Diktatur verschwimmt“, warnte Zupke.
Mit dem Bau der Berliner Mauer war am 13. August 1961 begonnen worden. Das Bauwerk und weitere Sperranlagen entlang der innerdeutschen Grenze trennten die Bundesrepublik Deutschland und die DDR 28 Jahre lang. Am 9. November 1989 fiel die Mauer, ein knappes Jahr später folgte die Wiedervereinigung. (dts/afp/red)
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Bei gesellschaftlichen Events: Vom Überleben zum Aufblühen

Abschlussfeiern, Hochzeiten, Straßenfeste, Festivals, Familientreffen. Der Sommer bringt bekanntlich mehr soziale Termine im Kalender mit sich als alle anderen Jahreszeiten. Nicht für jeden ist das angenehm.
Insbesondere Introvertierte und Menschen mit sozialen Ängsten empfinden dahingehend einen intensiven Druck. Ein Ereignis, das ein Extrovertierter als fantastische Party betrachtet, lässt bei einem introvertierten Menschen die Hors d’oeuvres im Magen umdrehen, während er oder sie sich nervös in der Menge umschaut, um ein bekanntes Gesicht zu finden.

Angst vor gesellschaftlichen Anlässen verringern

„Große Menschenmengen sind normalerweise laut, was nicht mein Vibe ist“, erklärt Lori Downs gegenüber Epoch Times. Die Autorin, Ingenieurin und selbsternannte „Introvertierte mit einem Hauch von Angst“ sagt: „Ich mache mir auch Sorgen, dass ich Aufmerksamkeit auf mich ziehe, wenn ich am Ende alleine herumstehe und mit niemandem interagiere. Ich fühle mich genauso, wenn ich mit jemandem gekommen bin oder andere dort kenne.“
Introvertierte kämpfen sich auf Partys aus vielen Gründen ab, unter anderem wegen des Bombardements der vielen gleichzeitig stattfindenden Gespräche und des Drucks, Smalltalk machen zu müssen. Introvertierte fühlen sich auch unwohl bei dem Gedanken, dass (möglicherweise) viele Augen auf sie gerichtet sind, weil sie es nicht mögen, so „aufzutreten“, wie es Extrovertierte tun.
Sie empfinden es als ermüdend und zehrend, ein Lächeln auf dem Gesicht zu behalten, sich wiederholt vorzustellen, sich Sorgen darüber zu machen, wie sie aussehen oder ob sie etwas Falsches gesagt haben. Sie mögen es auch nicht, sich mit Smalltalkthemen zu beschäftigen, die sie nicht besonders interessant finden.
Nicht jeder fühlt sich bei gesellschaftlichen Anlässen wohl in seiner Haut. Doch dieser Zustand lässt sich durchbrechen. Foto: nullplus/iStock

Nicht jeder fühlt sich bei gesellschaftlichen Anlässen wohl in seiner Haut. Doch dieser Zustand lässt sich durchbrechen.

Foto: nullplus/iStock

Diese Angst vor gesellschaftlichen Anlässen lässt sich jedoch verringern. Dazu bedarf es eines klaren Planes, bevor man sich in die soziale Situation begibt. Zunächst sollte man die Angelegenheit in überschaubare soziale Ziele unterteilen und sich mögliche Fragen und Antworten im Voraus überlegen. Dabei sollte man die Erwartungen an sich selbst auf ein realistisches und erreichbares Maß beschränken.
„Ein Großteil davon spielt sich in unseren Köpfen ab“, sagt Downs. „Spiele es, wenn nötig, um in Gang zu kommen. Sei nicht unecht, aber wenn du dich selbst aufpuschst, dich von den anfänglichen Schwierigkeiten des Kennenlernens distanzierst oder deine schauspielerischen Fähigkeiten einsetzt, kannst du leichter in den natürlichen Fluss der Dinge kommen, sobald es läuft.“

Früh ankommen und sich Mikroziele setzen

Viele Experten raten dazu, eine einschüchternde soziale Interaktion in kleinere, besser handhabbare Stücke zu zerlegen. Der Psychologe und klinische Leiter Rod Mitchell gab im Gespräch mit Epoch Times ein paar Tipps für Introvertierte.
Er rät, zu Beginn der Party zu erscheinen, innerhalb der ersten 20 bis 30 Minuten. Zu dieser Zeit bilden sich noch kleine Gruppen von zwei oder drei Personen. Es ist weniger einschüchternd, ein Gespräch mit nur wenigen anderen zu beginnen, anstatt mit einer größeren Gruppe.
Dies ist eine Möglichkeit, es „aufzuteilen“. Mitchell schlägt außerdem vor, dass sich Introvertierte kleine Aufgaben stellen, wie etwa ein Wasserglas nachzufüllen. So haben sie einen vorgefertigten Einstieg und vermeiden unangenehmes Herumstehen.
Frühzeitiges Erscheinen kann gesellschaftliche Veranstaltungen weniger einschüchternd wirken lassen , da Gespräche meist in kleinen Gruppen beginnen, bevor die Gruppe größer wird. Foto: Deagreez/iStock

Frühzeitiges Erscheinen kann gesellschaftliche Veranstaltungen weniger einschüchternd wirken lassen. Gespräche beginnen meist in kleinen Gruppen, noch bevor die Gruppe größer wird.

Foto: Deagreez/iStock

Ein Teil der Partynervosität bei Introvertierten entsteht aus dem Gefühl, in einem Raum voller fremder Leute zu sein. Mit denen müsse man dann auch noch irgendwie interagieren. Wenn man dies jedoch in erreichbarere Ziele unterteilt, kann die Angst reduziert werden. „Lass es langsam angehen“, rät der Psychiater Dr. Vinay Saranga von der Saranga Comprehensive Psychiatry in einem Interview mit Epoch Times.
„Es gibt keinen Grund, zum Mittelpunkt der Party werden zu wollen. Und du musst auch nicht jeden im Raum treffen. Setze dir ein kleines Ziel, ein Gespräch mit zwei oder drei Personen zu beginnen, anstatt mit jedem auf der Party.“
Das Festlegen dieses realistischeren Ziels nimmt viel Druck weg – und das Erreichen eines Ziels kann es erleichtern, mehr zu erreichen.
„Die andere Sache, an die man sich erinnern sollte, ist, dass mit jedem Erfolg deine Angst nachlässt“, sagt Saranga.

Feste folgen in der Regel einem räumlichen Schema

In ähnlicher Weise ermutigt Diane Brandon Moody, eine Datingtrainerin für Frauen über 50, Introvertierte, ihr anfängliches Unbehagen zu überwinden.
„Das Erlernen einer neuen Fähigkeit verursacht ein gewisses Unbehagen, egal ob du lernst, wie man auf andere zugeht, oder ob du versuchst, Surfen oder Schlittschuhlaufen zu lernen“, erläutert Moody.
Auch hier erleichtert das Aufteilen des Prozesses in kleinere Häppchen und das Festlegen von Zwischenzielen den Prozess. Sie empfiehlt, eine Mindestzeit festzulegen, die man auf einer Party bleibt, beispielsweise 1 Stunde. Natürlich, wenn man Spaß hat, kann die Stunde auch verlängert werden. Wenn man sich aber die Erlaubnis gibt, nach 1 Stunde zu gehen, nimmt das den Druck weg.
Schon eine kurze Vorbereitung kann vieles erleichtern. Wer sich vorab Gedanken über mögliche Gespräche und sogar über die räumliche Situation macht, kann seine Anspannung deutlich verringern.
Partys – ob Grillfeste im Sommer oder ein Silvestertanz – folgen im Allgemeinen einem gleichen räumlichen Schema. Vanessa Van Edwards hat ein wissenschaftlich fundiertes System zur Entwicklung von zwischenmenschlichen Fähigkeiten entwickelt. Sie identifizierte drei Zonen bei diesen Arten von Veranstaltungen: die Startzone, die Sozialzone und die Nebenzone.
Die Startzone ist der Bereich am Eingang, in dem Menschen dazu neigen, am nervösesten zu sein, während sie sich auf die Situation einstellen. Die Sozialzone befindet sich in der Nähe von Essen und Trinken, denn dort fühlen sich Menschen tendenziell wohler. Die Nebenzone umfasst alle Bereiche, in denen Gäste ins Abseits geraten und es versäumen, neue Leute kennenzulernen.
Van Edwards empfiehlt einen Platz am Ende der Essensschlange oder an der Bar – dort, wo die anderen hinströmen werden, wenn sie sich einen Martini oder ein Stück Bruschetta geholt haben. Partygänger sind eher entspannt und bereit für ein Gespräch, sobald sie ein Getränk in der Hand haben.
Im Gegensatz dazu sollten Introvertierte vermeiden, die ganze Nacht direkt beim Essen zu bleiben oder in der Nähe des Badezimmers herumzuhängen. Beide sind klassische Nebenzonen. Eine weitere zu vermeidende Nebenzonenfalle – und vielleicht die hinterlistigste von allen – ist es, nur mit Leuten zu sprechen, die man bereits kennt.
Kleinere Gruppen fördern oft längere Gespräche und ermöglichen es den Teilnehmern , Erfahrungen ausführlicher auszutauschen. Foto: monkeybusinessimages/iStock

Kleinere Gruppen fördern oft längere Gespräche und ermöglichen es den Teilnehmern, sich ausführlicher über Erfahrungen auszutauschen.

Foto: monkeybusinessimages/iStock

Es ist wichtig, sich schnell aus der Startzone herauszubewegen. Introvertierte könnten durch im Voraus überlegte Gesprächsstrategien die potenzielle Unbeholfenheit der ersten Sekunden beim Eintreten vermeiden, dann, wenn man von einer (scheinbar) feindseligen Ansammlung von Gesichtern umgeben ist.

Skripte deinen Gesprächseinstieg

Die Vorbereitung einiger Einstiegsvarianten in Gespräche und entsprechende Folgefragen können die Unbeholfenheit am Anfang und die Kluft zu einem substanzielleren Gespräch überbrücken.
Viele Introvertierte mögen keinen Smalltalk, weil sie tiefere Verbindungen suchen und es als erschöpfend empfinden, thematisch ständig an der Oberfläche zu kratzen. Während der Introvertierte eher eine ruhige Ecke und einen einzelnen Gesprächspartner sucht, mit dem er sich intensiver über Werte, Philosophie oder persönliche Geschichten austauschen kann, entstehen auf vielen Partys vor allem größere Gesprächsgruppen, die über oberflächlichere Themen reden.
Der klinische Psychologe Matthew „Dr. Matt“ Zakreski von The Neurodiversity Collective hat ein Mittel gegen diese Art von Frustration. Er schlägt vor, sich daran zu erinnern, dass Smalltalk nur ein Schritt zum größeren Ziel ist, nämlich tiefere Freundschaften und Nähe aufzubauen.
„Für einen introvertierten Menschen gehört es zum Umgang mit sozialen Kontakten im Sommer, zu verstehen, dass Smalltalk ein Mittel zum Zweck für tiefere soziale Verbindung ist. Wir versuchen, dabei eine Regel zu befolgen: die des kleinsten gemeinsamen Nenners“, sagt Zakreski.
Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten, über Smalltalk hinauszugehen und in anregendere Gesprächsbereiche einzutauchen.
„Wenn du den Smalltalk hinter dir lassen und zu den tiefgehenderen Themen kommen willst, empfehle ich, dem Gesprächspartner eine etwas größere Frage zu stellen“, rät der Psychologe Rod Mitchell. „Man kann die Frage auch selbst beantworten. ‚Was hat dich in letzter Zeit am meisten beschäftigt?‘ ist eine gute Frage, die man ausprobieren kann. Eine solche tiefgründige Frage lädt zu einer echten Antwort ein.“
Andere gewichtige Fragen, die man stellen kann, sind: „Was war das Highlight deines Tages?“ und „An welchem persönlichen Projekt arbeitest du?“ Weitere Beispiele von Fragen, mit deren Hilfe man tiefgründigere Gespräche anregen kann, findest du hier.

Stell dich deiner sozialen Paranoia

Manchmal aber brauchen Introvertierte einfach einen Realitätscheck, um sich zu beruhigen.
Da sie dazu neigen, in sich zu gehen, verschwenden Introvertierte viel Energie damit, sich Gedanken darüber zu machen, was andere von ihnen denken könnten und ob sie einen guten Eindruck hinterlassen oder nicht. Die Wahrheit ist laut Psychiater Saranga, dass der Introvertierte wahrscheinlich mehr über sich selbst nachdenkt als jeder andere.
„Eine der größten Sorgen von Introvertierten auf Partys oder in großen Gruppen ist, dass sie denken, dass die Leute jede ihrer Bewegungen und Worte beurteilen würden“, erklärt er.
„Erinnere dich daran, dass das einfach nicht stimmt.“
Saranga ergänzt zudem, dass er Introvertierte dazu auffordere, von sich selbst keine perfekte soziale Kompetenz zu erwarten.
„Sei realistisch mit dir selbst. Was ist schon dabei, wenn du über deine Worte stolperst? Was ist schon dabei, wenn dich jemand nicht mag? Lass den Druck los und erkenne, dass es in Ordnung ist, nicht immer perfekt zu sein. Und du musst auch nicht immer jeden beeindrucken, den du triffst“, sagt er.
Soziales Selbstvertrauen entwickelt sich durch wiederholtes Üben; man muss nicht warten, bis man sich vollkommen wohlfühlt. Foto: nicoletaionescu/iStock

Soziales Selbstvertrauen entwickelt sich durch wiederholtes Üben. Man muss nicht warten, bis man sich vollkommen wohlfühlt.

Foto: nicoletaionescu/iStock

Soziale Unvollkommenheit zu akzeptieren, kann tatsächlich zum Vorteil des Introvertierten werden – eine Art sozialer Judotrick: Der Introvertierte kann sich durch soziale Fehltritte daran erinnern lassen, er selbst zu sein, was letztendlich der reibungsloseste Weg zu sozialem Selbstvertrauen und Verbundenheit ist. Es geht natürlich nicht darum, soziale Signale zu ignorieren, Manieren aufzugeben oder ungesittete Gewohnheiten auszuleben. Vielmehr geht es um Authentizität.
„Echte Beziehungen entstehen daraus, dass man der ist, der man ist“, sagt Saranga.
Also ist manchmal der effektivste Weg, soziale Angst zu bekämpfen, sie anzuerkennen. Rod Mitchell bringt ein konkretes Beispiel: „Einer meiner Klienten erzählt mir gern, dass er sich auf Partys unwohl fühlt. Solche kleinen, aber verletzlichen Offenbarungen helfen anderen, sich wohler zu fühlen und selbst offener ihre Verletzlichkeit zu zeigen“, sagt er.

Nutze deine natürlichen Stärken

Ein Teil des Drucks für Introvertierte, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, stammt aus den kulturellen Verschiebungen der letzten Jahrhunderte, die extrovertierte Geselligkeit höher bewerten als ruhige Reflexion. Extrovertiertheit wird heute gesellschaftlich erwartet. Und das kann Introvertierte verängstigen.
Das Erreichen dieser Art von Verletzlichkeit erfordert ein gewisses Maß an Selbstakzeptanz, was wiederum ein gewisses Maß an Selbstverständnis voraussetzt. Sowohl Introvertierte als auch Extrovertierte können von einem besseren Verständnis dieser beiden Persönlichkeitsarchetypen in sozialen Situationen profitieren.
C. G. Jung führte 1921 die Begriffe „Introvertierter“ und „Extrovertierter“ ein. Er beobachtete, dass Introvertierte von einer inneren Welt des Denkens, der Reflexion und der Emotion angezogen werden, während Extrovertierte nach externer Stimulation dürsten. Heute wird dies oft damit beschrieben, wie man sich „auflädt“. Introvertierte „laden ihre Batterien“ in der Abgeschiedenheit auf, während Extrovertierte Energie aus dem Umgang mit Menschen und Gruppen schöpfen.
Extrovertiertheit hat in den letzten Jahrzehnten mehr Anerkennung gefunden – schließlich ziehen Extrovertierte fast per Definition mehr Aufmerksamkeit auf sich. Allerdings gibt es in letzter Zeit auch Kritik an dieser Betonung des Nach-außen-gerichtet-Seins.
Die gesellschaftliche Bewunderung für Extrovertiertheit mag mit einem kulturellen Wandel um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert zusammenhängen.
Der Kulturhistoriker Warren Susman argumentierte, dass ein Übergang von einer „Kultur des Charakters“ zu einer „Kultur der Persönlichkeit“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts stattfand – parallel zum Wandel von der Agrar- zur Industrie- und Städtegesellschaft.
Vor einem Jahrhundert, als die Menschen von beschaulichen Bauernhöfen in überfüllte Städte zogen, verschoben sich auch die Qualitäten, die die Gesellschaft schätzte. Anstatt Menschen dafür zu loben, ruhig, ernst und fleißig zu sein (Charakter), belohnte die Kultur diejenigen, die laut, charmant und geschickt im Selbstmarketing waren (Persönlichkeit). Deshalb wirkt die moderne Gesellschaft oft wie geschaffen für Extrovertierte.
Natürlich haben beide Temperamentsarchetypen ihren Wert und ihre Bedeutung, ebenso wie ihre Fehler und Schwächen. Introvertierte können ein größeres Selbstvertrauen aufbauen, indem sie verstehen, wie sie ticken, und dies akzeptieren, während sie gleichzeitig daran arbeiten, ihre Schwächen wie etwa eine übermäßige Schüchternheit zu überwinden.
Laut Saranga lohnt sich die Mühe durchaus.
„Wenn sich Introvertierte wirklich bemühen, ihre natürliche Schüchternheit zu überwinden, warten oft viele wunderbare Dinge auf der anderen Seite, wie Freundschaften, Romantik, berufliche Möglichkeiten und – vielleicht am wichtigsten – gesteigertes Selbstvertrauen“, führt er aus.
Introvertiertheit muss nicht bedeuten, ungesellig und schüchtern zu sein. Ängste zu überwinden und echte menschliche Beziehungen aufzubauen – etwas, das Introvertierte in der Regel sehr schätzen –, ist durchaus möglich.
Indem man den Prozess in überschaubare Schritte unterteilt, im Voraus ein paar einfache Pläne schmiedet und realistische Erwartungen formuliert, kann man die Freude an den diesjährigen Sommerpartys und Geselligkeiten rundum genießen.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „An Introvert’s Guide to Surviving and Thriving at Social Gatherings“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)