Categories
ticker vital

Wie das Smartphone die Bindung zwischen Eltern und Kindern beeinflusst


In Kürze:

  • Ein Handy fesselt die Aufmerksamkeit seiner Benutzer und kann langfristig die Eltern-Kind-Bindung stören.
  • Verbringen die Eltern viel Zeit am Smartphone und fühlen sich Kinder häufig ignoriert, kann dies zu unsicheren Bindungsmustern führen, welche die mentale Gesundheit langfristig belasten.
  • Oft merken Eltern nicht, dass sie die Kommunikationsversuche ihrer Kinder nicht wahrnehmen. Einige Tipps können dem abhelfen.

 
Wenn Eltern viel Zeit am Bildschirm verbringen, hat das negative Folgen für die Psyche ihrer Kinder – auch im Teenageralter.
Laut einer aktuellen Studie, die in der Fachzeitschrift „Frontiers in Psychology“ erschien, steht die Gerätenutzung der Eltern im Zusammenhang mit dem Bindungsstil ihrer Heranwachsenden.
Jugendliche, die von einer stärkeren Beeinträchtigung durch die Gerätenutzung einer Bezugsperson berichteten, wiesen mit höherer Wahrscheinlichkeit ängstliche und vermeidende Bindungsstile auf. 
Personen mit ängstlichem Bindungsstil haben beispielsweise oft Angst vor Ablehnung und suchen häufig Bestätigung bei anderen. Personen mit vermeidendem Bindungsstil empfinden hingegen emotionale Nähe oft als unangenehm und halten andere auf Distanz.

Die Kosten der Ablenkung durch das Handy

Kinder lernen bereits in ihren frühesten Interaktionen mit den Eltern, wie Beziehungen aussehen sollen. Der Bindungstheorie zufolge entwickeln Kinder ein Gefühl der Sicherheit, wenn Eltern stets verfügbar sind und auf ihre Bedürfnisse eingehen. Sind Eltern häufig durch ihre Geräte abgelenkt, nimmt ihr Nachwuchs sie möglicherweise als emotional weniger verfügbar wahr. 
Im Laufe der Zeit können wiederholte Erfahrungen, sich ignoriert, ungehört oder unwichtig zu fühlen, die Sichtweise von Kindern auf Beziehungen prägen und zu unsicheren Bindungsmustern beitragen.
Eltern sei es möglicherweise nicht bewusst, wie ihre Kinder ihre Handynutzung erleben, sagte Don Grant, Medienpsychologe, Suchtberater und Erstautor der Studie. Wie er in einem Gespräch mit Epoch Times berichtete, kommt es häufig vor, dass Eltern glauben, aufmerksam zu sein, dann aber erfahren, dass sich ihre Kinder übersehen fühlen.
„Bindung wird vollständig vom Kind entwickelt“, so Grant. „Es geht darum, wie ein Kind das Verhalten der Eltern wahrnimmt und sieht, sowie wie aufmerksam und beständig diese auf die Aufmerksamkeitssignale und Bedürfnisse des Kindes reagieren.“

Eine „neue Form der sozialen Vernachlässigung“

Auch wenn Jugendliche in der Pubertät zunehmend unabhängig und autonom werden, sind sie nach wie vor auf ihre Eltern angewiesen, um Orientierung, Bestätigung und Unterstützung zu erhalten. Das bedeutet, dass die Eltern-Kind-Bindung auch in dieser Phase für eine gesunde Entwicklung entscheidend bleibt. 
Viele Faktoren können die Bindungssicherheit beeinträchtigen, darunter elterliche Vernachlässigung, Drogenmissbrauch, psychische Probleme, chronische Konflikte, Arbeitssucht, körperliche Misshandlung und in jüngerer Zeit auch technologiebedingte Ablenkungen.
Forscher verwenden die Begriffe „Technoferenz“ (aus dem Englischen: „technological interference“, technologische Störung) und „Phubbing“ (aus dem Englischen: „phone snubbing“, jemanden wegen des Handys ignorieren), um Situationen zu beschreiben, in denen die Handynutzung Gespräche und andere Formen der Verbindung unterbricht. Einige Wissenschaftler gehen sogar so weit, elterliches Phubbing als eine „neue Form sozialer Vernachlässigung“ zu bezeichnen.
Beispielsweise brachte eine Studie aus dem Jahr 2020 elterliches Phubbing mit einer ungesunden Bildschirmzeit des Kindes in Verbindung. Eine andere Untersuchung zeigte einen Zusammenhang zwischen Phubbing und einer geringen Lebenszufriedenheit bei Jugendlichen.
Laut einer weiteren Studie zum Eltern-Kind-Spiel führen Ablenkungen – sei es durch einen Bildschirm oder durch Papier – dazu, dass Eltern weniger auf die Signale und Kommunikationsversuche ihrer Kinder eingehen. Die Kinder wiederum zeigen weniger soziales Engagement, weniger Aufmerksamkeit, weniger positive Emotionen und weniger Kommunikationsversuche.

Die langfristigen Auswirkungen unsicherer Bindung

Eine unsichere Bindung kann weit mehr beeinflussen als nur die Beziehung eines Kindes zu seinen Eltern. In einer Untersuchung mit fast 1.700 Kindern hatten Kinder, die ihre Eltern im Alter von 11 Jahren als emotional vernachlässigend empfanden, im Alter von 15 Jahren mit höherer Wahrscheinlichkeit psychiatrische Störungen.
Diese Wahrnehmung des elterlichen Verhaltens stand zudem mit einem erhöhten Auftreten von Angstzuständen, Depressionen und anderen emotionalen Schwierigkeiten in Verbindung. Eine mögliche Erklärung ist, dass eine unsichere Bindung negative Erwartungen an Beziehungen prägen kann. Dadurch haben Personen eher Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation und fühlen sich bedroht. Auch haben sie eher Probleme damit, jemanden um Hilfe zu bitten.
Bindung ist allerdings nicht in Stein gemeißelt, sondern relativ fließend. Positive und negative Erfahrungen können sie während der gesamten Jugend und im Erwachsenenalter weiterhin prägen.
„Umstände, Situationen und Lebensereignisse können eine sichere Bindung in eine unsichere verwandeln, selbst im Teenageralter“, sagte Grant. „Es kann aber auch umgekehrt sein.“

Tipps, um die Eltern-Kind-Bindung zu stärken

Bindung kann sowohl gestärkt als auch geschwächt werden. Konsequente Reaktionsbereitschaft, Aufmerksamkeit und emotionale Verfügbarkeit können dabei helfen, sichere Beziehungen im Laufe der Zeit wieder aufzubauen und aufrechtzuerhalten.
Eltern können damit beginnen, Muster in ihrem eigenen Verhalten zu erkennen. Die folgenden Fragen können dabei helfen:
  • Überprüfe ich bei Gesprächen häufig meine Benachrichtigungen?
  • Greife ich in Momenten der Langeweile oder Stille zum Handy?
  • Höre ich nur halb zu, wenn mein Kind etwas erzählen möchte?
Wenn Eltern handyfreie Zeiten schaffen – beispielsweise während der Mahlzeiten, Autofahrten oder Gespräche vor dem Schlafengehen –, kann es ihnen helfen, präsenter zu sein und die alltägliche Bindung zu stärken.
Grant schlägt einige gesunde Gewohnheiten im Umgang mit Geräten vor: 
  • Grenzen für die Gerätenutzung setzen, insbesondere für Eltern, die von zu Hause aus arbeiten.
  • Handyfreie Zeiten schaffen – während der Mahlzeiten, bei Familienaktivitäten und auf Autofahrten.
  • Bei Aktivitäten mit dem eigenen Kind unnötige Unterbrechungen durch das Handy beschränken.
Geräte komplett zu meiden, sei unrealistisch, fügte der Suchtberater hinzu. Viele Eltern arbeiten von zu Hause aus, sind für die berufliche Kommunikation auf Smartphones angewiesen oder müssen den ganzen Tag über mehrere Aufgaben unter einen Hut bringen.

Ehrliche Kommunikation entscheidend

Kinder erwarten ihm zufolge nicht unbedingt ständige Aufmerksamkeit. Sie wollen einfach nur wissen, dass ihre Eltern sie sehen und hören.
„Wenn sie um Aufmerksamkeit bitten oder ein Bedürfnis äußern, nehmen Sie das einfach zur Kenntnis. Lassen Sie sie wissen, dass Sie sie sehen, hören und wertschätzen“, meinte Grant.
Sollte es nicht möglich sein, sofort aufzuhören, sollten Eltern ihre Kinder wissen lassen, dass sie auf sie eingehen werden, sobald sie dazu in der Lage sind. Und sie sollten ihr Wort halten, so der Medienpsychologe.
Vor allem aber ermutigt Grant Eltern, offen mit ihren Kindern darüber zu sprechen, wie sich die eigene Gerätenutzung auf sie auswirkt. Er schlägt vor, Kinder direkt zu fragen, ob sie sich durch die Bildschirmzeit der Eltern jemals ignoriert, übergangen oder unwichtig gefühlt hätten.
Eltern können dann gemeinsam mit ihren Kindern gesündere Gewohnheiten im Umgang mit Geräten entwickeln und ihnen die Erlaubnis geben, sich zu Wort zu melden, wenn ein Handy zur Ablenkung wird.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „More Parents Are Distracted by Phones. Here’s How Kids Are Affected“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
Categories
ticker vital

Kinder: Wie analoges Spielzeug digitale Medien spielend schlägt


In Kürze:

  • Analoges Spielzeug beflügelt die Fantasie und lässt Kinder mit der Welt interagieren.
  • Es trainiert nicht nur räumliches Denken, sondern auch erzählerische Fähigkeiten.
  • Traditionelles Spielzeug fördert auch die sogenannte innerlich gelenkte Aufmerksamkeit – ein Hilfsmittel, um Selbstbestimmung zu entwickeln – und die Impulskontrolle.
  • Um diese Vorteile zu nutzen, braucht es nur wenig Spielzeug – Hauptsache, es ist einfach und ermöglicht freies Spielen.

 
Puppen, Bauklötze und Rätsel – dieses Spielzeug gab es immer wieder über Kulturen und Generationen hinweg. Das ist kein Zufall, denn sie vermitteln viele Lektionen für das spätere Leben.
Traditionelles Spielzeug hat heute einen starken Konkurrenten: den Bildschirm. Und damit kommt die Sorge auf, welche Fähigkeiten sich Kinder nicht aneignen können, wenn Bildschirme das praktische Spiel mit Spielzeug verdrängen. 

Jedes Spielzeug fördert etwas anderes

Die besten Spielzeuge erfordern den Einsatz des Kindes: Bauklötze ohne Bauplan oder ein Stofftier ohne Namen oder Hintergrundgeschichte, bis ein Kind ihm einen gibt.
Diese offenen Möglichkeiten seien es, die Spielzeug ihre Kraft verleihen, sagte Roberta Golinkoff gegenüber Epoch Times. Sie ist Professorin für Psychologie an der University of Delaware und Leiterin der Forschungseinrichtung Child’s Play, Learning, and Development Lab.
„Spielzeug beflügelt die Fantasie. Gibt man Kindern konkrete Gegenstände, mit denen sie hantieren und sich Szenarien ausdenken können, werden sie ihre Fantasie einsetzen“, so die Psychologin.
Unterschiedliches Spielzeug regt unterschiedliche Arten von Denken an.

Räumliches Denken lernen

Spielzeug

Foto: galina-kovalenko/iStock

Die ersten Herausforderungen, die Spielzeug mit sich bringt, sind physischer Art. Eine Eisenbahnanlage beispielsweise fordert Kinder dazu auf, räumlich zu denken. Ein Kind muss vorhersagen, wie die Teile zusammenpassen, sich vorstellen, wohin die Schienen führen, und Probleme lösen, wenn der Aufbau nicht funktioniert.
„Wie muss man die Schienen verlegen, damit sie sich nicht um sich selbst drehen?“, fragte Kathy Hirsh-Pasek. „Das ist ziemlich schwierig, aber es ist ein räumliches Problem“, so die Professorin für Psychologie an der Temple University in Philadelphia, USA, zu Epoch Times.
Auch das Bauen mit Bauklötzen und das Zusammensetzen von Puzzles erfordern von Kindern, dass sie Objekte gedanklich drehen, Entfernungen einschätzen und verstehen, wie einzelne Teile mit einem größeren Ganzen zusammenhängen.

Die Welt beschreiben lernen

Foto: FamVeld/iStock

Spielzeug gibt Kindern einen Anlass, ihre Gedanken in Worte zu fassen. Wenn Kinder mit Bausteinen bauen oder Fantasiewelten erschaffen, beginnen sie ganz natürlich, Sprache zu nutzen. Mit ihr erklären sie, wie Dinge im Raum zueinander stehen.
Diese Wörter beschreiben nicht nur, wo sich Objekte befinden. Sie helfen Kindern, Ideen zu ordnen, Pläne zu kommunizieren und Zusammenhänge zu verstehen.
„Wenn man über ‚neben‘, ‚in‘, ‚um‘, ‚durch‘ spricht“, sagte Hirsh-Pasek, „lernt man einen Wortschatz, der sich für spätere schulische Fähigkeiten als wirklich wichtig erweist.“

Welten erschaffen lernen

Foto: romrodinka/iStock

Eine Puppe, ein Stofftier oder eine Figur kommt ohne Drehbuch daher. Kinder entscheiden selbst, wer die Figuren sind, was sie wollen, mit welchen Problemen sie konfrontiert sind und wie die Geschichte endet.
„Man ist der Drehbuchautor“, sagte Hirsh-Pasek. „Man bestimmt das Tempo und den Handlungsverlauf.“
Diese Freiheit macht die Kraft des Rollenspiels aus. Das Spielzeug liefert den Ausgangspunkt, aber das Kind gibt ihm Bedeutung. Indem sie diese Geschichten erfinden, üben Kinder, wie Geschichten funktionieren – wie sich Ereignisse entwickeln, wie sich Figuren verändern und wie die Handlungen einer Person eine andere beeinflussen.

Die Aufmerksamkeit lenken lernen

Das Spielen mit Spielzeug fordert Kinder dazu auf, eine der wichtigsten Fähigkeiten der Kindheit zu üben: zu entscheiden, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richten.
„Es gibt zwei Möglichkeiten, die Aufmerksamkeit zu steuern“, sagt Angeline Lillard gegenüber Epoch Times. Sie ist Professorin für Psychologie an der University of Virginia.
  1. Man kann sie von innen steuern, zum Beispiel wenn ein Kind selbst entscheidet, was es in die Hand nimmt und erkundet.
  2. Sie kann von außen gesteuert werden – etwas blinkt, piept oder bewegt sich, und die Aufmerksamkeit des Kindes wandert automatisch dorthin.
Diese Unterscheidung sei wichtig, denn Aufmerksamkeit sei nicht einfach nur die Fähigkeit, sich zu konzentrieren. Es sei die Fähigkeit zu entscheiden, was Aufmerksamkeit verdient, so die Psychologin.
Ihr zufolge sollte bei Kindern die Aufmerksamkeit gefördert werden, die von innen heraus entsteht. „So entwickelt sich Selbstbestimmung“, meinte Lillard.
Freies Spielzeug wie Bauklötze bietet Kindern die Möglichkeit, innerlich gelenkte Aufmerksamkeit zu üben. Ein Kind, das entscheidet, was aus einem Bauklotzturm werden soll, trifft ständig Entscheidungen. Nicht das Spielzeug bestimmt den nächsten Schritt, sondern das Kind.

Impulse kontrollieren lernen

Wenn mehrere Kinder am Spiel beteiligt sind, beginnt eine andere Art des Denkens, bei der es auch zusätzlich um den sozialen Aspekt geht. Kinder verhandeln, wechseln sich ab, lösen Meinungsverschiedenheiten und beginnen, Situationen aus der Perspektive anderer zu betrachten.
Außerdem müssen sie ihre eigenen Impulse und Emotionen im Zaum halten, wenn das Spiel nicht nach ihrem Willen verläuft. Diese kleinen Konflikte üben Kinder darin, mit anderen kontinuierlich zu interagieren, auch wenn es frustrierend ist.
Dies steht in krassem Gegensatz zu Bildschirmen. Wie eine Studie aus dem Jahr 2023 mit mehr als 7.000 Kindern ergab, hatten Kinder, die im Alter von 1 Jahr mehr Zeit vor dem Bildschirm verbrachten, im Alter von 2 und 4 Jahren mit höherer Wahrscheinlichkeit Entwicklungsverzögerungen in den Bereichen Kommunikation, Feinmotorik, Problemlösung und persönlich-soziale Kompetenzen.

Mittels des Körpers denken

Die physische Welt ist nicht nur der Schauplatz des Lernens, sie ist auch ein Lehrmeister. „Die physische Welt gegen ein iPad auszutauschen und anzunehmen, dass dies die Gehirnentwicklung nicht tiefgreifend beeinflusst, ist ein Fehler“, so Lillards Einschätzung.
Der Grund dafür hängt mit dem zusammen, was Forscher als „verkörperte Kognition“ bezeichnen. Das ist die Vorstellung, dass das Denken durch die Wechselbeziehung des Körpers mit der physischen Welt geprägt wird. Das Betrachten von Bildschirmen kann, egal wie interaktiv das Spiel auch gestaltet sein mag, das Spielen mit einem physischen Objekt nicht ersetzen.
Laut Lillard verstehen Kinder die Größe, das Gewicht oder die Form eines Objekts nicht vollständig, indem sie es nur betrachten. Sie lernen, indem sie es in die Hand nehmen, es drehen, es in ein anderes Objekt einpassen und entdecken, was als Nächstes passiert.
Die Hände der Kinder sind nicht von ihrem Denken getrennt. „Indem sie mit Objekten interagieren, lernen Kinder etwas über die Welt“, erklärte die Psychologin.
Ein Bauklotz, der sich unerwartet schwer anfühlt, oder ein Spielzeugauto, das auf der einen Rampe schneller rollt als auf der anderen, vermittelt Lektionen, die niemand erklären muss. Diese kleinen Überraschungen werden zu Informationen, die Kindern helfen, ein intuitives Verständnis aufzubauen.

Weniger ist mehr

Wenn Eltern das Spielen mit analogem Spielzeug fördern möchten, müssen sie nicht unbedingt mehr Spielzeug kaufen. Entwicklungspsychologen zufolge gehört einfaches, offenes Spielzeug zu den wirkungsvollsten.
„Schon mit wenigen Dingen lässt sich die Fantasie von Kindern anregen“, meinte Psychologin Golinkoff dazu. Oft gilt: Je weniger ein Spielzeug vorgibt, desto mehr muss ein Kind entscheiden, gestalten und sich ausdenken.
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass dies auch für die Anzahl der verfügbaren Spielzeuge gilt. In einer Studie erhielten Kleinkinder in einem Raum entweder 4 oder 16 Spielzeuge zum Spielen. Bekamen sie weniger Spielzeuge, spielten die Kinder mit jedem einzelnen etwa doppelt so lange und auf abwechslungsreichere, fantasievollere Weise. 
„Man braucht nicht viel“, sagte Sandra Whitehouse, stellvertretende Direktorin und leitende Psychologin am Zentrum für Angststörungen des Child Mind Institute in Manhattan. Selbst ältere Jugendliche in Therapie tendieren zu einfachen Spielen.
Die Spiele selbst sind nichts Außergewöhnliches – aber sie sorgen nicht nur für Spaß und Fantasie, sondern auch für Verbundenheit, da sich zwei Menschen auf dasselbe Ziel konzentrieren.
„Egal, wie alt man ist“, so die Psychologin, „es gibt für jeden die Möglichkeit, wieder eine Verbindung herzustellen und zu spielen.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Benefits Toys Can Give Children That Screens Never Will“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
Categories
etplus meinung ticker vital

Warum Knochen- und Muskelschwund nicht nur eine Folge des Alterns sind


In Kürze:

  • Osteoporose und Sarkopenie – also Knochen- und Muskelschwund – nehmen bereits in jüngeren Jahren ihren Anfang.
  • Knochen und Muskeln wachsen durch Belastung. Fehlt diese, verkümmern sie.
  • Auch die Biochemie von Knochen und Muskeln bestimmt, ob sie schwinden oder wachsen.
  • Doch gesunde Knochen und Muskeln brauchen nicht nur Sport und eine gute Ernährung, sondern auch Energie in den Zellen.

 
Der Abbau von Knochen, Muskeln und Kraft gehört zu den folgenschwersten Aspekten des Alterns. Denn Gebrechlichkeit ist einer der stärksten Prädiktoren für Pflegebedürftigkeit und Tod nach dem 65. Lebensjahr. 
Doch glücklicherweise kann man diesem Abbau sehr gut entgegenwirken und ihn sogar umkehren. Personen, die ihre muskuloskelettale Kraft erhalten, sind laut Studien weitaus besser in der Lage, auch vieles andere länger zu bewahren: Unabhängigkeit, Gleichgewicht, Stoffwechsel und sogar die kognitive Widerstandsfähigkeit, die sich aus körperlicher Leistungsfähigkeit ergibt.
Um diesen Verfall umzukehren, bedarf es einer umfassenderen Perspektive. In meiner Praxis prüfe ich jeden Patienten anhand des ACES-Modells für Gesundheit und Medizin. Dieses Modell beschreibt vier Dimensionen, die beeinflussen, wie der Körper im Laufe der Zeit seine Struktur bewahrt oder verliert – Anatomie, Chemie, Energie und Seele.
Knochen- und Muskelschwund ist selten auf ein Versagen in nur einer dieser Dimensionen zurückzuführen. Die Behandlung von nur einer oder zwei Dimensionen – hier ein Rezept, dort ein Nahrungsergänzungsmittel – kann oftmals nicht verhindern, dass viele ältere Patienten immer wieder stürzen und Belastungen des Alltags nicht mehr gewachsen sind.

Anatomie: Der Körper wird durch das geformt, was man von ihm verlangt

Knochen und Muskeln sind lebendes Gewebe und reagieren direkt auf Belastung: Widerstand, Stöße und Gewicht, die das Gewebe wirklich herausfordern.
Nimmt man das weg, erhalten die Osteoblasten – die Zellen, die Knochen aufbauen – einfach keinen Befehl mehr, zu arbeiten.
Für die Muskeln gilt dieselbe Regel, mit einer gravierenden Ergänzung: Der Körper baut aktiv Gewebe ab, das er als entbehrlich einstuft. Ab etwa dem 40. Lebensjahr werden die Muskeln zunehmend unempfänglich für die Signale, die sie einst aufgebaut haben, wie etwa Bewegung oder Protein aus der Nahrung. Dieses Phänomen wird in der Fachsprache als anabole Resistenz beschrieben. 
Das bedeutet vereinfacht, dass dasselbe Protein und Training, die mit 30 noch zum Muskelaufbau führten, mit 60 nicht mehr ausreichen. Wer den Reiz nicht verstärkt, verliert jedes Jahr ein wenig mehr an Muskelmasse.
Das moderne Leben beschleunigt all diese physiologischen Veränderungen. Der durchschnittliche Erwachsene sitzt heute ungefähr zehn Stunden pro Tag. Die Hüftbeuger verkürzen sich, die Gesäßmuskeln werden inaktiv, der obere Rücken rundet sich nach vorne und die hintere Muskelkette, also die gesamte Muskulatur der Körperrückseite – das strukturelle Rückgrat der menschlichen Bewegung sozusagen –, verkümmert.

Tipps, was Sie tun können

Geben Sie Ihrem Skelett und Ihren Muskeln einen Anreiz, zu bleiben. Für die meisten Erwachsenen heißt das: Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche. Das bedeutet,  große Muskelgruppen mit einem sinnvollen Gewicht, gepaart mit einer leichten Stoßbelastung, zu trainieren. Selbst etwas so Einfaches wie auf den Zehenspitzen oder Fersen stehen, kann den Knochen dazu anregt, sich zu erneuern. 
Sie müssen die Belastung im Laufe der Zeit steigern, denn Muskeln und Knochen passen sich an den Reiz an, nicht an Wiederholungen. Wenn Sie noch keine Erfahrung mit Krafttraining haben, beginnen Sie unter Anleitung eines Trainers oder Physiotherapeuten, der Ihnen sichere Übungen empfehlen kann.

Chemie: Was Ihr Blut Ihnen verrät

Die Biochemie von Knochen und Muskeln wird selten eingehend untersucht – da sie normalerweise über die Standard-Laboruntersuchungen hinausgeht.

Vitamin D

Der optimale Serumspiegel von Vitamin D liegt zwischen 30 und 50 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml). Unterhalb dieses Wertes stockt die Kalziumaufnahme. Um die Funktion des Bewegungsapparats aufrechtzuerhalten, empfehle ich allerdings 50 bis 80 ng/ml.
Schnell zuckende Fasern brauchen Vitamin D. Mit ihm sind sie schnell und stark genug, um uns aufzufangen, wenn wir stolpern. Deshalb äußert sich ein Vitamin-D-Mangel nicht nur in Knochenschwund, sondern auch in echter Muskelschwäche und -unsicherheit, was zu einem deutlich höheren Sturzrisiko führt.

Vitamin K2 

Vitamin K2 leitet Kalzium in die Knochen und weg von den Blutgefäßen. Ein Patient, der Kalzium und Vitamin D ohne K2 einnimmt, baut möglicherweise schwache Knochen auf und lässt gleichzeitig seine Arterien verkalken.

Magnesium

Der Körper benötigt Magnesium, um Vitamin D zu aktivieren und Muskeln anzuspannen. Gleichzeitig hilft Magnesium, den Spiegel des Hormons Parathormon zu regulieren, der den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel steuert. 
Ein subtiler Mangel äußert sich in Krämpfen, unruhigem Schlaf und unerklärlicher Müdigkeit.

Protein

Protein brauchen wir, um die Muskelmasse zu erhalten. Erwachsene über 40 benötigen etwa 1,2 bis 1,5 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Dabei ist nicht nur die Gesamtzufuhr wichtig, sondern auch, dass wir das Protein über den Tag verteilt und nicht in einer großen Mahlzeit aufnehmen.

Hormone

Hormone sind für den Erhalt von Knochen und Muskeln unerlässlich, nehmen aber im mittleren Alter ab. Dazu gehören unter anderem IGF-1 (insulinähnlicher Wachstumsfaktor 1), Wachstumshormon, DHEA (Baustein für die Produktion wichtiger männlicher und weiblicher Sexualhormone, darunter Testosteron und Östrogen) sowie Schilddrüsenhormone.
Den Hormonhaushalt zu bestimmen und – sofern klinisch angebracht – wiederherzustellen, kann zu Ergebnissen führen, die kein Trainingsprogramm allein erreichen kann.

Tipps, was Sie tun können

Bitten Sie Ihren Arzt um eine Untersuchung, die über das Wesentliche hinausgeht: Vitamin D, Magnesium (idealerweise Magnesium in den roten Blutkörperchen) und, je nach Ihrer Krankengeschichte, die relevanten Hormone. 
Beziehen Sie den Großteil Ihres Proteins aus proteinreichen Vollwertnahrungsmitteln. Eine gute Quelle sind unter anderem
  • Eier,
  • Geflügel, 
  • Rinderfleisch, 
  • frischer oder konservierter Thunfisch oder Lachs,
  • griechischer Joghurt. 
Essen Sie bei jeder Mahlzeit proteinreiche Lebensmittel und versuchen Sie nicht, die benötigte tägliche Proteinmenge nur bei einer Mahlzeit zu sich zu nehmen.
Betrachten Sie Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin D und K2 sowie Magnesium als gezielte Korrektur gemessener Mangelzustände und nicht als wahlloses Einnehmen von Tabletten. Gehen Sie eine Hormontherapie als eine sorgfältige Entscheidung an, die Sie gemeinsam mit einem sachkundigen Arzt treffen.

Energie: Die Kraft zum Wiederaufbau

Selbst ein makelloses Training und eine perfekte Ernährung können scheitern, wenn dem Körper die zelluläre Energie fehlt, um darauf zu reagieren. Der Aufbau von Knochen und Muskeln ist stoffwechseltechnisch aufwendig und hängt von gesunden Mitochondrien ab – den Kraftwerken unserer Zellen.
Personen mit chronischer Müdigkeit, anhaltenden postviralen Syndromen oder erheblicher toxischer Belastung verlieren laut Untersuchungen schneller an Muskel- und Knochenmasse. Das kommt dadurch, dass die zelluläre Energie für deren Wiederaufbau beeinträchtigt ist.
Der Wiederaufbau findet im Schlaf statt, denn der Körper schüttet Wachstumshormone vor allem im Tiefschlaf aus. Genau während dieser Zeit baut der Körper Muskelproteine auf, baut altes Knochengewebe ab und ersetzt es durch neues.
Sechs Stunden Schlaf können nicht das leisten, was acht Stunden ermöglichen, ganz gleich, wie diszipliniert Ihr Training auch sein mag.

Tipps, was Sie tun können

Stellen Sie sicher, dass sie ausreichend schlafen: 
  • Halten Sie regelmäßige Schlafenszeiten ein, 
  • sorgen Sie für ein dunkles und kühles Schlafzimmer,
  • verzichten Sie spätabends auf Bildschirme und auf Alkohol, da beides den Tiefschlaf beeinträchtigt. 
Wenn Ihre Müdigkeit in keinem Verhältnis zu Ihrem Leben zu stehen scheint, nehmen Sie sie ernst, anstatt sie einfach zu ignorieren. Fragen Sie Ihren Arzt zusätzlich nach Schilddrüsen-, Eisen- und B12-Werten sowie – sofern Ihre Vorgeschichte dies nahelegt – nach umweltbedingten und stoffwechselbedingten Faktoren.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Why Bone and Muscle Loss Is More Than Just Aging“ (redaktionelle Bearbeitung: as)