Merlin im Trikot der mexikanischen Nationalelf am 16. Juni 2026 in Mexiko-Stadt. - Foto: Carl Recine/Getty Images
Ob auf Rolltreppen oder an Statuen, in Stadien oder sogar im Parlament – die Fußballfans aus aller Welt hinterlassen deutliche Spuren bei der diesjährigen Weltmeisterschaft in Nordamerika. Eine garantiert unvollständige Übersicht der Fan-Momente aus der WM-Vorrunde haben wir für Sie zusammengestellt.
„Ohne Schottland keine Party“ – Fangemeinde feiert in Boston
28 Jahre mussten schottische Fans darauf warten, ihre Mannschaft bei einer Weltmeisterschaft anzufeuern. Die Freude der Fans ist groß. Sie machen daraus eine riesige Party. In Boston zog die „Tartan Army“ ein, die Fangemeinde der schottischen Fußballnationalmannschaft, benannt nach den von vielen Anhängern getragenen Kilts mit dem berühmten Tartanmuster.
Zehntausende Mitglieder reisten mit Dudelsäcken und (Verkehrs-)Kegel nach Massachusetts, wobei ihre Anzahl in den Medien von 20.000 bis zu 50.000 reichte. Plus mindestens eine Ente. Bei einer Fan-Parade der „Tartan Army“ am 18. Juni 2026 in der Innenstadt von Providence, USA, watschelte Ente Donny vor den Dudelsackspielern her.
„Wir sind seit über 30 Jahren hier und haben so etwas noch nie erlebt“, sagte Noelle Somers, Geschäftsführerin der Hennessy´Bar im Zentrum von Boston, gegenüber dem „Boston Globe“. Die Fans hatten die Biervorräte leergetrunken. Der Umsatz vom St. Patrick´s Day – dem größten irisch-amerikanischen Volksfest der Stadt – sei verdreifacht worden. Das Trinkgeld nach stundenlangem Gelage sei großzügig und die Stimmung energiegeladen gewesen. „Sie haben den Spaß zurückgebracht, der verloren gegangen war“, so Somers.
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Schottland-Fans posieren für Fotos vor dem Fußballspiel Haiti gegen Schottland im Boston Stadium in Foxborough am 13. Juni 2026.
Foto: Franck Fife/AFP via Getty Images
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Mitglieder der „Tartan Army“ auf dem Weg zum Südbahnhof von Boston, um zum Stadion etwas außerhalb der Stadt zu gelangen.
Foto: Joseph Prezioso/AFP via Getty Images
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In der Heimat feierten die restlichen Mitgleider der „Tartan Army“. Auch beim Public Viewing in Glasgow zum Spiel gegen Marokko sind Verkehrskegel und Schottenröcke an der Tagesordnung.
Foto: Jeff J Mitchell/Getty Images
Doch die Schotten beschränkten sich weder auf Boston noch ließen sie sich von Wasserwegen abhalten. Lautstark machten sie auch in Miami und von Ausflugsbooten auf sich aufmerksam.
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Entlang ihres Weges krönten die Fans gemäß ihrer schottischen Art diverse Statuen symbolisch mit einem Verkehrskegel, als Zeichen: „Du bist jetzt einer von uns“. Von dieser außergewöhnlichen Geste blieb auch die Statue von Georg Washington in der Nähe des Fenway-Parks, Baseballstadion und Heimspielstätte der Boston Red Sox, nicht verschont.
Big News this morning : The George Washington statue near Fenway Park in Boston has been given the Highest Honour By the 🏴 Scottish Fans. Someone has got up there God knows how and placed a traffic cone □on his heed. 😅🤣😂😂. This is a proud moment for 🏴 Scotland. 👍🏻 pic.twitter.com/4yNTf61fZK
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Selbst die brasilianische Mannschaft zollte der fröhlichen Stimmung der „Tartan Army“, die trotz Niederlage ihrer Mannschaft am 25. Juni im Miami-Stadion ungebrochen war, ihren Respekt. Nach dem 3:0-Sieg applaudierten die Spieler für die schottischen Fans.
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Dankbarkeit der Schotten
Aus Dank für die Gastfreundschaft richtete sich Martin Riddell, der Vorsitzende der schottischen Fangemeinde, mit einer einseitigen Anzeige im „The Herald“ an die Stadt Boston. Darin hieß es:
Liebes Boston,
vielen Dank, dass ihr uns mit offenen Armen, offenen Bars und offenem Geist empfangen habt. Wo immer wir hinkommen, haben wir Tartan, Dudelsäcke, Farbe, Verkehrskegel und eine Party im Gepäck. Eure Einwohner, Barkeeper, Baseballstadien, Ordnungskräfte und alle anderen waren von unserer Ankunft bis zum Abschied so freundlich zu uns. Boston, du hast uns aufgenommen wie längst verlorene Cousins, die unangekündigt auftauchten, dein ganzes Bier tranken, deine Statuen dekorierten und trotzdem willkommen sind.
Ihr seid alle herzlich zu uns eingeladen, um diese Party fortzusetzen. Wir haben gern gemeinsam Erinnerungen geschaffen. Die Geschichten werden in Boston und Schottland über Generationen hinweg weitergegeben werden. Bis zum nächsten Mal, Boston.
Ohne Schottland keine Party.
Tartan Army
Ruder-Kult aus Norwegen greift um sich
Legendär für diese Fußball-WM ist auch das Trockenrudern der norwegischen Fans – egal, ob auf den Rängen im Stadion, auf der Straße oder der Rolltreppe.
Norwegische Fans feuern ihre Mannschaft beim Spiel gegen Frankreich im Boston Stadium am 26. Juni 2026 an.
Foto: Buda Mendes/Getty Images
Nach dem Sieg gegen Senegal setzt sich der gesamte Kader auf den Rasen und rudert mit den Fans im Stadion.
Norway 3 2 Senegal → early qualification! And the team celebrated Norwegian style: a synchronized „Viking row“ to thank their supporters. pic.twitter.com/kNCwu3Bh3v
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Auch heftiger Regen kann sie nicht abhalten:
Norway 3 2 Senegal → early qualification! And the team celebrated Norwegian style: a synchronized „Viking row“ to thank their supporters. pic.twitter.com/kNCwu3Bh3v
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Die Geste greift um sich und wird auch anderenorts praktiziert:
Auf der Rolltreppe:
🚨 WATCH: Norway fans perform their famous Viking Row in the pouring rain in New Jersey ahead of the clash with Senegal. 🇳🇴⛈️ pic.twitter.com/b3bDKfZkCW
— Sports on Predict (@predictdotsport) June 22, 2026
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In der U-Bahn
🇳🇴 Norway fans just turned a Boston escalator into a Viking longship
Synchronized “Viking Row” on the way to the World Cup.
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Im Pflegeheim in Norwegen
World Cup fever inspired Norwegian nursing home residents to join together for a spirited “Viking row” to cheer on Norway ahead of its World Cup match against Senegal. ⚽️❤️🇳🇴 pic.twitter.com/rOedGVTBDa
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World Cup fever inspired Norwegian nursing home residents to join together for a spirited “Viking row” to cheer on Norway ahead of its World Cup match against Senegal. ⚽️❤️🇳🇴 pic.twitter.com/rOedGVTBDa
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World Cup fever inspired Norwegian nursing home residents to join together for a spirited “Viking row” to cheer on Norway ahead of its World Cup match against Senegal. ⚽️❤️🇳🇴 pic.twitter.com/rOedGVTBDa
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Im Kindergarten
World Cup fever inspired Norwegian nursing home residents to join together for a spirited “Viking row” to cheer on Norway ahead of its World Cup match against Senegal. ⚽️❤️🇳🇴 pic.twitter.com/rOedGVTBDa
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In der Politik
Mitglieder des norwegischen Parlaments vollführen die „Wikinger-Ruderbewegung“ im Storting in Oslo am 18. Juni 2026.
Foto: Håkon Mosvold Larsen/NTB/AFP via Getty Images
Während eines Kulturaustauschs in Boston bringt ein Norweger einem Polizisten und einem England-Fan das Rudern bei.
World Cup fever inspired Norwegian nursing home residents to join together for a spirited “Viking row” to cheer on Norway ahead of its World Cup match against Senegal. ⚽️❤️🇳🇴 pic.twitter.com/rOedGVTBDa
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Tierische Momente
Aber nicht nur die Ente Donny der Schotten wurde während der Fußball-WM berühmt. In Mexiko dreht sich alles um die Peking-Ente Merlin, genauer gesagt den Peking-Erpel. Er ist das inoffizielle Maskottchen der Nationalmannschaft und wurde sogar von Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum zur morgendlichen Pressekonferenz in den Nationalpalast eingeladen.
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Merlin im Trikot der mexikanischen Nationalelf am 16. Juni 2026 in Mexiko-Stadt.
Foto: Carl Recine/Getty Images
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Der Peking-Erpel wurde von den Fans zum inoffiziellen Maskottchen der mexikanischen Nationalmannschaft erklärt. Entsprechend groß ist das Interesse, wo immer Merlin auftaucht.
Foto: Carl Recine/Getty Images
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Der zweijährige Merlin gewann die Herzen der Fans, als er im Trikot der Nationalmannschaft durch die Straßen von Mexiko-Stadt watschelte.
Foto: Alfredo Estrella/AFP via Getty Images
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Sein Herrchen, Cristian Gomez, ist Straßenverkäufer in Mexiko-Stadt. Zusammen mit Fanliebling Merlin wurde er von Mexikos Präsidentin in den Nationalpalast eingeladen: Merlin trug weiterhin sein Nationaltrikot, Gomez und seine Familie waren dafür etwas formeller gekleidet.
Foto: Carl Recine/Getty Images
Eine saubere Sache
Die japanischen Fans hingegen haben sich indes des Rufs als Saubermacher verdient gemacht – und inzwischen andere damit angesteckt. Für die Japaner ist es indes kein Novum: Schon bei der WM 2018 griffen sie zum blauen Sack.
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Japanische Fans helfen am 25. Juni 2026 im Dallas Stadium in Arlington nach dem Spiel gegen Schweden beim Aufräumen auf der Tribüne.
Foto: Aric Becker/AFP via Getty Images
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Auch dieser japanische Fan räumt nach dem Spiel gegen Tunesien am 20. Juni 2026 in Monterrey, Mexiko, auf – und bekommt Unterstützung von einem mexikanischen Fan.
Foto: Carl Recine/Getty Images
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Für die Japaner ist das Aufräumen übrigens kein neuer Trend. Schon bei der WM 2018 fassten sie tatkräftig mit an. Hier nach dem Spiel Japan-Senegal am 24. Juni in Ekaterinburg, Russland.
Foto: Anne-Christine Poujoulat/AFP via Getty Images
Die Mannschaftskapitäne Gustavo Gomez (#15, Paraguay) und Joshua Kimmich (#6, Deutschland) sind im bisherigen Turnierverlauf torlos, aber relevant auf dem Rasen. Fotos (l/r): Stu Forster/Christian Kaspar-Bartke via Getty Images
In Kürze:
Für Deutschland geht es am Montagabend um 22:30 Uhr deutscher Zeit in Boston gegen Paraguay. Das ZDF überträgt live.
Erstmals findet im Rahmen einer Fußball-WM ein Sechzehntelfinale statt. Dadurch umfasst die K.-o.-Phase maximal 5 statt 4 Spiele.
Die DFB-Elf kommt mit 6 Punkten als Gruppenerster aus der Vorrunde, schwächelte jedoch zuletzt gegen Ecuador. (1:2).
Paraguay schloss die Gruppe D mit 4 Punkten aus je einem Sieg, einem Unentschieden und einer Niederlage als Gruppendritter ab.
Laut Rudi Völler „müssen [wir] uns keine Sorgen machen“. Andere Fußballexperten warnen vor den „Weiß-Roten“ aus Südamerika.
82.500 Zuschauer fasst das für Fußball umgebaute Stadion der NFL-„Boston Gunners“ in Foxborough, einem Vorort von Boston im US-Bundesstaat Massachusetts. Damit ist es genauso groß wie das Westfalenstadion in Dortmund. Hier treffen am Montag um 22:30 Uhr deutscher Zeit – das ist 16:30 Uhr Ortszeit – Paraguay und Deutschland aufeinander.
Spielbaum der WM 2026 nach Ende der Gruppenphase: Gewinnt Deutschland gegen Paraguay, kommt der nächste Gegner aus einem Nachbarland.
Foto: ts/Epoch Times mit Material von iStock
Um es gleich vorwegzusagen: „La Albirroja“ – die Nationalelf von Paraguay – ist keine Top-Mannschaft und gilt als chancenlos für den Titel der Fußball-WM. Für ihre Verhältnisse sind die „Weiß-Roten“ genannten Nationalspieler des kleinen südamerikanischen Landes mit dem Einzug ins Sechzehntelfinale schon weit gekommen.
Wenn dennoch namhafte deutsche Fußballreporter und Fußballexperten vor diesem Team warnen, dann sagt das mehr über den Zustand der deutschen Mannschaft aus als über die Südamerikaner.
Harte Erinnerung, zarte Gegenwart
Dass die DFB-Elf Probleme hat, zeigt sich in Aussagen, die man so gar nicht über eine deutsche Nationalmannschaft kennt. So berichtete etwa die BILD, „Ein Großteil der Mannschaft habe große Probleme, gegen physisch starke Spieler in den Zweikämpfen zu bestehen“.
Doch auch international treibt die Spielweise von Kimmich und Co. ungewohnte Blüten: Die Deutsche Nationalelf wird in anderen Sprachen auch „Panzer“ – auf Deutsch – genannt, in Anlehnung an die stumpfe Wirksamkeit eines Panzers, der stur geradeaus über ein Schlachtfeld fährt, ohne sich unterwegs aufhalten zu lassen. Damit sind wir namenstechnisch nicht weit entfernt von der schottischen „Tartan Army“, der haitianischen „Grenadiere“ und den „Blauen Samurai“ aus Japan. Anders als in diesen Ländern kennt hierzulande jedoch kaum einer den Spitznamen, geschweige denn verwendet ihn.
Auf den Fußball übertragen heißt dies: Die deutschen Spieler haben generell den Ruf, mit überlegener Kraft, technischer Effizienz und hoher Disziplin auch überlegene Gegner bezwingen zu können.
Unvergessen in der Fußballgeschichte bleibt die Szene, in der Bastian „Schweini“ Schweinsteiger im WM-Finale 2014 eine blutende Platzwunde unter dem rechten Auge erlitt, am Spielfeldrand notdürftig genäht wurde, auf das Feld zurückkehrte und Deutschland zum Weltmeistertitel führte. „Schweinis“ unermüdlicher Kampfgeist mit dem blutenden Gesicht im Finale gilt bis heute als symbolisch für die Stärke deutscher Nationalmannschaften schlechthin.
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Bastian Schweinsteiger blutet unter dem rechten Auge nach einem Zusammenstoß mit Argentiniens Stürmer Sergio Aguero (nicht im Bild) im WM-Finale 2014 …
Foto: Odd Andersen/AFP via Getty Images
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… Nachdem die Wunde am Feldrand notdürftig genäht wurde, ging es für Schweini wieder aufs Feld …
Foto: Fabrice Coffrini/AFP via Getty Images
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… Und für Deutschland zum Weltmeistertitel. Der verletzte Schweinsteiger prägte das internationle Bild der Deutschen Nationalmannschaft maßgeblich.
Foto: Robert Michael/AFP via Getty Images
Und jetzt? Der Bundestrainer Julian Nagelsmann jammerte nach dem verlorenen Gruppenspiel gegen Ecuador: „Körperlichkeit ist schwer zu trainieren. Wir müssen den Ball früher spielen, um Zweikämpfen aus dem Weg zu gehen.“ Ungeachtet der Vieldeutigkeit von „Körperlichkeit“ meint Nagelsmann damit wohl: Die Jungs sind nicht fit genug und physisch anderen Mannschaften unterlegen. Die Zahlen unterstützen dies. Laut dem Fußballportal „90min“ hatten gegen Ecuador sieben Feldspieler eine negative Zweikampfbilanz.
„Kinder-Fußball“ statt unbändiger Siegeswille gegen Ecuador
Woran mangelt es – etwa im Vergleich zur Mannschaft von 2014? Toni Kroos, einer der Helden von damals, bemängelt: „Es muss eklig sein, gegen uns zu spielen, dass wir in der Lage sind, gut und eklig zu verteidigen. Das machen wir noch nicht.“ Und weiter: „Wir brauchen [Stürmer Jamal] Musiala und [Mittelfeldspieler Florian] Wirtz in Topform – Das haben wir nicht.“ Wenn sich nicht beides ändere, gehe es nicht mehr lange gut, ist Kroos überzeugt, der Kraft und Kampfgeist vermisst.
Der langjährige Bundesliga-Reporter Carlos Ubina stellte in einem Beitrag „Schwächen in allen Mannschaftsteilen“ fest. „Torwart, Abwehr, Mittelfeld, Angriff – überall haperte es.“ Und er ist mit dieser Einschätzung nicht allein:
Nationalspieler Deniz Undav, Profispieler beim VfB-Stuttgart, gab nach dem verlorenen Spiel gegen Ecuador zu, dass die deutsche Mannschaft auch ein mentales Problem habe: „Ich hatte das Gefühl, dass sie [die Ecuadorianer] es mehr wollten als wir, die waren griffiger. Bei denen ging es noch um alles. Und ja, daraus müssen wir lernen“, wird Undav von der Stuttgarter Zeitung zitiert.
Deniz Undav (#26) traf gegen die Elfenbeinküste doppelt. Nach der Niederlage gegen Ecuador sprach der Stürmer des VfB Stuttgart von einem mentalen Problem in der Mannschaft.
Foto: Cole Burston/AFP via Getty Images
Markus Babbel, ehemaliger deutscher Nationalspieler, geht sogar so weit, der aktuellen DFB-Elf vorzuhalten: „Das ist so ein bisschen Kinder-Fußball.“ Seine Begründung: „Wir können als Mannschaft nicht verteidigen. Das liegt aber nicht an den Abwehrspielern, sondern am Kollektiv. Uns fehlt leider die Spielkontrolle und ein besseres Defensivverhalten. Wenn du jedes Mal ein, zwei Gegentore bekommst, dann hast du keine Chance, weit zu kommen.“
Paraguay für Deutschland schon immer ein starker Gegner
Nur etwa 7 Millionen Menschen wohnen in Paraguay. Kein Wunder, dass der Dschungel- und Steppenstaat eher selten an Fußballweltmeisterschaften teilnimmt. Das letzte Mal war im Jahr 2010, als die damalige Mannschaft in Südafrika den Einzug ins Viertelfinale schaffte. Nun spielt Paraguay wieder auf der großen Fußballweltbühne mit.
Als es noch kein Sechzehntelfinale gab, und das Achtelfinale direkt auf die Gruppenspiele folgte, traten Deutschland und Paraguay schon einmal bei einer WM gegeneinander an: 2002 in Südkorea. Erst zwei Minuten vor Spielende gelang damals Oliver Neuville der Siegtreffer zum 1:0. In einem Freundschaftsspiel im Jahr 2013 in Kaiserslautern lag die deutsche Mannschaft sogar früh mit 0:2 zurück. Mit Müh und Not schaffte sie es am Ende 3:3.
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Die Deutschen Nationalmannschaft spielte im WM-Achtelfinale 2002 gegen Paraguay.
Foto: Sandra Behne/Bongarts/Getty Images
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Roberto Acuna sah nach einer Aktion gegen Ballack die Rote Karte vom guatemalischen Unparteiischen Carlos Batres.
Foto: Gary M. Prior/Getty Images
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Oliver Neuville erzielte 2 Minuten vor Schluss den Siegtreffer in Südkorea.
Foto: Sandra Behne/Bongarts/Getty Images
DFB-Elf „klar favorisiert“
Dennoch gibt sich die ARD-Sportschau überzeugt, dass das deutsche Team dieses Mal „klar favorisiert“ sei, „zumal die Südamerikaner mit personellen Problemen zu kämpfen haben“. Aber haben wir das nicht auch?
Richtig ist, dass sich der als Profi in England unter Vertrag stehende Verteidiger Omar Alderete gegen Australien eine Verletzung zugezogen hat. Ob er am Montag antreten kann, ist noch unklar. Der 1,90 Meter große Alderete ist einer der wenigen seiner Mannschaft, der die Deutschen kennt. Von Oktober 2020 bis August 2022 stand er bei Hertha BSC unter Vertrag und trat für 17 Spiele in der Bundesliga an.
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Omar Alderete (#3, Paraguay), hier im Zweikampf mit Jordan Bos (#5, Australien) verletzte sich im Spiel gegen Australien.
Foto: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images
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Alderete (#14) spielte 2020-2022 bei Hertha BSC in der Bundesliga.
Foto: Boris Streubel/Getty Images
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Auch Mittelfeldspieler Ramon Sosa (#7, Paraguay, dunkles Trikot) verletzte sich im Spiel gegen die USA. Hier zu sehen im Zweikampf mit Giovanni Reyna (#7, USA).
Foto: Frederic J. Brown/AFP via Getty Images
Auch der Einsatz von Ramón Sosa, der in England für Nottingham Forest unter Vertrag steht, ist noch unklar. Er hatte sich bereits in den ersten Minuten beim Auftaktspiel gegen die USA eine Knöchelverletzung zugezogen. Seine aktuelle körperliche Verfassung liege derzeit bei sechzig Prozent, berichtete die größte paraguayische Tageszeitung „ABC Color“.
Paraguay geschwächt aber optimistisch
Und dann noch ein „erzwungener“ Ausfall: Das Glanzlicht der „Albirroja“ ist der Mittelfeldspieler Diego Gómez. Er hat jeweils gegen die USA und gegen Australien eine Gelbe Karte kassiert. Da das Spiel gegen Australien das letzte Gruppenspiel war, bedeutet dies für Gómez laut Regeln der Internationalen Fußballorganisation FIFA, dass er für das nächste Spiel – und das ist gegen Deutschland – gesperrt ist.
Zwei andere paraguayische Spieler mit Gelber Karte wurden für das Spiel gegen Deutschland wieder freigegeben. Grund: Beide erhielten in den ersten beiden Gruppenspielen eine Gelbe Karte und waren deshalb für das letzte Gruppenspiel gegen Australien gesperrt. Nach einem gesperrten Spiel werden die Gelben Karten gelöscht.
Paraguays Spieler posieren für ein Mannschaftsfoto vor dem Gruppenspiel gegen die USA.
Foto: Patrick T. Fallon/AFP via Getty Images
Insgesamt war die Vorrunde für die Mannschaft von der Südhalbkugel nicht sonderlich erfolgreich. Paraguay schaffte es als siebtbester Drittplatzierter nur knapp, sich zu qualifizieren.
In seinen Gruppenspielen patzte es mit 1:4 gegen die mittelmäßige US-Mannschaft. Gegen das stärkere Team aus Australien, das sich Platz zwei der Gruppe D erspielte, gelang ein glanzloses 0:0-Unentschieden. Lediglich gegen die ebenbürtige Türkei setzte sich Paraguay mit einem 1:0-Sieg durch.
Die USA sicherten sich als eine der ersten Nationen den Einzug ins Sechzehntelfinale. Australien belegt dank des besseren Torverhältnisses Rang 2 der Gruppe D. Auch Paraguay ist weiter und trifft im 3. Spiel der K.-o.-Phase auf Deutschland.
Foto: ts/Epoch Times
„ABC Color“ gibt sich dennoch optimistisch vor dem Spiel gegen Deutschland: „Auch wenn der europäische Gigant mit seinen Toren Angst und Schrecken verbreitet, ist er nach der Niederlage gegen Ecuador angeschlagen und hat damit gezeigt, dass er nicht unbesiegbar ist.“
Rudi Völler: „Müssen uns keine Sorgen machen“
Angesprochen auf die körperliche Verfassung der deutschen Nationalelf sagte der ehemalige Nationalspieler und DFB-Sportdirektor Rudi Völler am 27. Juni in den USA vor der Presse: „Ich glaube nicht, dass wir uns darüber Sorgen machen müssen.“
Am Montag werde das Spiel gegen Paraguay „ganz anders sein“ als gegen Ecuador. „Da geht es um alles. Wir wissen auch, dass es gegen eine Mannschaft geht, die tief steht und sehr körperlich agiert. Aber wir haben auch Spieler im Kader, die das absolut gewohnt sind, wie zum Beispiel Flo[rian Wirtz] oder Kai [Havertz], die werden richtig gut dagegenhalten“, ist sich Völler sicher.
Rudi Völler wurde mit der deutschen Nationalelf 1990 Weltmeister bei der WM in Italien. Gehen wir also davon aus, dass sein Optimismus für Montag fundiert ist.