selbst moderne Behandlungsmöglichkeiten wirken bei bis zu 40 Prozent der Menschen mit Morbus Crohn nicht ausreichend. Bei einem Teil der Patienten, die zunächst auf die Therapie ansprechen, lässt die Wirkung mit der Zeit nach.
Forscher suchen deshalb nach ergänzenden Ansätzen – und richten den Blick dabei auch auf eine einfache Maßnahme: verlängerte Fastenphasen über Nacht. Dafür konzentrierten sie sich auf Patienten mit Morbus Crohn und einem Body-Mass-Index (BMI) über 25. Ab einem BMI von 25 gilt man laut Definition der WHO als übergewichtig, ab einem BMI von 30 als adipös.
Eine in der Fachzeitschrift „Gastroenterology“ veröffentlichte randomisierte, kontrollierte Studie untersuchte erstmals anhand einer kleinen Gruppe übergewichter Morbus-Crohn-Patienten, ob zeitlich begrenztes Essen einen Einfluss auf die Beschwerden haben kann. Die Teilnehmer aßen innerhalb eines achtstündigen Zeitfensters und fasteten an sechs Tagen pro Woche jeweils 16 Stunden.
Dabei zeigte diese Ernährungsweise deutliche Verbesserungen: Die Bauchschmerzen gingen um 50 Prozent zurück, die Stuhlfrequenz verringerte sich um 40 Prozent im Vergleich zum Beginn der Studie.
Zudem zeigten die Teilnehmer niedrigere Werte für systemische Entzündungen und verloren eine geringe, aber klinisch relevante Menge an Körperfett.
„Die Teilnehmer der Fastengruppe zeigten eine stärkere Verbesserung ihrer [gastrointestinalen] Symptome im Zusammenhang mit Morbus Crohn, wodurch sich ihr klinischer Remissionsstatus vertiefte“, sagte Dr. Maitreyi Raman, Gastroenterologin und außerordentliche Professorin für Medizin an der Universität von Calgary sowie leitende Autorin der Studie, gegenüber der englischsprachigen Epoch Times.

Fasten führte in einer ersten Studie zu besserer Symptomkontrolle bei Morbus Crohn (Dr. Maitreyi Raman).
Foto: Lacheev/iStock
Die Studie im Detail
Insgesamt nahmen 35 Menschen mit Morbus Crohn und einem BMI zwischen 25 und 35 an der Studie teil. Sie wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt:
Eine Gruppe von 20 Teilnehmern verlängerte ihre nächtliche Fastenphase, indem sie die letzte Mahlzeit des Tages früher einnahm. Die Kontrollgruppe – bestehend aus 15 Personen – setzte ihre bisherigen Essgewohnheiten fort.
Die Forscher untersuchten unter anderem den BMI sowie Blut- und Stuhlproben der Teilnehmer. In der Fastengruppe sank der BMI der Teilnehmer im Durchschnitt um einen Punkt – ein Wert, der als klinisch bedeutsamer Gewichtsverlust gilt.
Gleichzeitig nahm auch das viszerale Fett, also das Fettgewebe im Bauchraum, das die inneren Organe umgibt, ab.
Auch die Beschwerden wurden erfasst. Mithilfe des Harvey-Bradshaw-Index, der unter anderem die Stuhlfrequenz, Bauchschmerzen und das allgemeine Wohlbefinden bewertet, stellten die Forscher eine deutliche Verbesserung der Symptome fest.
Es geht nicht darum, weniger zu essen
Bemerkenswert war, dass sich die Fastengruppe und die Kontrollgruppe während der gesamten Studie hinsichtlich der aufgenommenen Kalorienmenge und der Zusammensetzung ihrer Nahrung kaum unterschieden.
Dennoch fanden die Forscher Unterschiede bei mehreren Entzündungsbotenstoffen, die vom Fettgewebe gebildet werden. Dazu zählten Leptin, Plasminogenaktivator-Inhibitor-1 und Adipsin.
Diese sogenannten Adipokine spielen eine Rolle bei der Steuerung von Immunreaktionen und Entzündungsprozessen im Körper.
„Wir kommen daher zu dem Schluss, dass die Vorteile des Gewichtsverlusts nicht ausschließlich mit einer Energieeinschränkung oder -reduktion zusammenhängen, sondern vielmehr mit den zirkadianen Rhythmen und dem Zeitpunkt der Mahlzeiten“, sagte Raman.
Matthew Breit, Postdoktorand und staatlich geprüfter Ernährungsberater am Anschutz Medical Campus der University of Colorado, erklärte der englischsprachigen Epoch Times gegenüber, dass Fasten möglicherweise verschiedene Stoffwechselprozesse beeinflussen kann.
Dazu gehören eine bessere Insulinempfindlichkeit, eine verbesserte metabolische Flexibilität – also die Fähigkeit des Körpers, zwischen der Energiegewinnung aus Glukose und Fett zu wechseln – sowie eine mögliche Regulierung der Immunaktivität. Breit war nicht an der Studie beteiligt.
Die Ergebnisse müssen jedoch mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden. Die Forscher erfassten die Energieaufnahme der Teilnehmer anhand von Selbstauskünften.
Daher lässt sich nicht vollständig ausschließen, dass einige der beobachteten Effekte auch durch nicht erfasste Veränderungen der Kalorienzufuhr entstanden sein könnten.
Die innere Uhr des Darms
Auch im Darmmikrobiom zeigten sich bei der Fastengruppe positive Veränderungen. Die Forscher stellten unter anderem eine Zunahme von Bakterien fest, die kurzkettige Fettsäuren bilden.
Diese Bakterien kommen bei Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) und Stoffwechselstörungen häufig in geringerer Menge vor. Sie können eine wichtige Rolle für die Funktion der Darmbarriere und die Regulierung des Immunsystems spielen.
Bei Teilnehmern, die stärker abnahmen, fanden die Forscher außerdem weniger Bakterienarten, die mit Darmentzündungen und Schüben von entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) in Verbindung gebracht werden.
Dazu gehörten Bacteroides ovatus (eine Bakterienart, die natürlicherweise im menschlichen Darm vorkommt) sowie verschiedene Arten aus den Gruppen Escherichia (eine Gattung stäbchenförmiger, gramnegativer Bakterien, die natürlicher Bestandteil der menschlichen Darmflora sind) und Shigella (Bakterien, die schwere Magen-Darm-Infektionen auslösen können).
Viele Abläufe im Darm, darunter Stoffwechsel- und Immunprozesse, folgen einer inneren Uhr. Nach Einschätzung von Breit können längere Essensphasen diesen natürlichen Rhythmus beeinflussen.
„Fasten könnte helfen, diese peripheren Uhren wieder zu synchronisieren“, sagte er.
Dabei ist der Zeitpunkt der Mahlzeiten entscheidend, denn Essen wirkt als wichtiger Taktgeber für die sogenannten peripheren Uhren des Körpers. Diese zirkadianen Rhythmen steuern zahlreiche Prozesse in Organen und Geweben außerhalb des Gehirns, in dem sich die zentrale innere Uhr befindet.
Regelmäßige Essenszeiten könnten deshalb dazu beitragen, das Zusammenspiel zwischen Darmbakterien, Immunzellen und Stoffwechselprozessen wieder besser aufeinander abzustimmen.
Risiko durch viszerales Fett bei Morbus Crohn
Die Studie ergänzt eine wachsende Zahl von Forschungsergebnissen, die darauf hindeuten, dass überschüssiges Körperfett – insbesondere viszerales Fett im Bauchraum – den Verlauf von Morbus Crohn negativ beeinflussen und die Behandlung erschweren kann.
Ein höherer Anteil an viszeralem Fett wird mit häufigeren Krankenhausaufenthalten, erneuten Klinikaufnahmen und Operationen sowie einem schlechteren Ansprechen auf biologische Therapien in Verbindung gebracht.
Laut Raman könnte Gewichtsmanagement einschließlich Fasten in Kombination mit den üblichen Medikamenten dazu beitragen, „eine dauerhafte Remission zu erreichen“.
Sie wies außerdem darauf hin, dass intermittierendes Fasten möglicherweise auch für Menschen mit Normalgewicht interessant sein könnte, da auch sie trotz schlanker Figur erhöhte Mengen an viszeralem Fett aufweisen können. Allerdings sind Studien an Morbus-Crohn-Patienten mit Normalgewicht noch ausständig und es ist derzeit unklar, ob ein weiterer Gewichtsverlust für sie ähnliche Vorteile bringen könnte, wie sie in der Studie bei übergewichtigen Patienten beobachtet wurden.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Overnight Fasting Cut Crohn’s Symptoms by Half in New Trial“. (deutsche Bearbeitung: vm)



