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Streit um Höcke-Interview: Landesmedienanstalt fordert „Einordnungen“ von YouTuber Ben Berndt


In Kürze:

  • Die Landesmedienanstalt NRW fordert den YouTuber Ben Berndt auf, ein Interview mit Björn Höcke nachträglich zu ändern und weitere Inhalte auf journalistische Sorgfalt zu prüfen.
  • Berndt lehnt dies ab, da er darin einen Eingriff in die Pressefreiheit sowie eine Einschränkung unabhängiger Medien sieht.
  • Sein Anwalt Joachim Steinhöfel kündigt einen Musterprozess an, der die Befugnisse der Landesmedienanstalten klären soll.

 
Ein Schreiben der Landesmedienanstalt NRW an den YouTuber Ben Berndt könnte zur Grundlage eines Musterprozesses über die Rolle und Kompetenzen der Landesmedienanstalten werden. Das hat der Anwalt des YouTubers, Joachim Steinhöfel, in einem Gespräch mit WELT TV angekündigt.
Wie Berndt seinem Publikum mitteilte, hatte die Landesmedienanstalt seine Firma ungeskriptet media GmbH angeschrieben und zur Anpassung oder Ergänzung einer Sendung aufgefordert. Betroffen ist sein Gespräch vom 29. April 2026 im Rahmen seiner Reihe „ungeskriptet“ mit dem Thüringer AfD-Chef Björn Höcke.

Landesmedienanstalt fordert nachträgliche Prüfung aller 300 Interviews

Demnach soll Berndt der Rechtsabteilung der Landesmedienanstalt bis zum 30. Juni mitteilen, ob er den Inhalt auf den verschiedenen Plattformen entsprechend der Aufforderung geändert hat. Außerdem habe man ihn im Schreiben dazu aufgefordert, sein Angebot generell nachträglich auf die Einhaltung der journalistischen Sorgfaltspflicht zu prüfen. Dieses umfasst rund 300 mehrstündige Gespräche mit Persönlichkeiten aus unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Bereichen.
Grund für die Intervention ist eine Passage in dem Gespräch, in der Höcke über seine gerichtlichen Verurteilungen nach Paragraf 86a StGB sprach. Darin äußerte er Unmut darüber, dass er wegen der Verwendung der Parole „Alles für Deutschland“ verurteilt wurde. Höcke, der vor seinem Eintritt in die Politik Geschichtslehrer war, gab an, diese nicht als Parole der nationalsozialistischen Sturmabteilung (SA) gekannt zu haben. Das Gericht schenkte dieser Einlassung keinen Glauben.
Im Gespräch mit „ungeskriptet“ erläuterte Höcke, warum er das Urteil für absurd hält. Dabei äußerte er, die SA habe kein Motto gehabt. Tatsächlich fand sich die Parole unter anderem auf einem Dolch der nationalsozialistischen Kampforganisation. Weil Berndt im Interview nicht auf diese Aussage von Höcke intervenierte, soll er die bereits von mehr als 6 Millionen Nutzern gesehene Sendung nachträglich ändern.

Definierte Sorgfaltspflichten in Paragraf 19 MStV als Grundlage

Die Landesmedienanstalt beruft sich bei ihrem Vorgehen auf ihre Kompetenzen nach dem Medienstaatsvertrag (MStV) und dessen Paragraf 19. Dieser erstreckt sich auf dort definierte Formen von „Telemedien mit journalistisch-redaktionell gestalteten Angeboten“. Gemeinsamer Nenner ist, dass diese „regelmäßig Nachrichten oder politische Informationen enthalten“.
Ist das der Fall, sind diese Inhalte „vom Anbieter vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Inhalt, Herkunft und Wahrheit zu prüfen“. Da es sich bei Höckes Aussage über die SA um eine „Tatsachenbehauptung, die dem Beweis zugänglich ist“, handelt, sieht sich die Landesmedienanstalt zu ihrem Vorgehen legitimiert.
Ursprünglich kontrollierten die Landesmedienanstalten private Rundfunksender. Mittlerweile fallen auch Internetangebote und damit ebenso Podcasts darunter. Dass Ben Berndt selbst angibt, kein Journalist zu sein, und Gespräche „wie bei einem Kaffee“ zu führen, die er „roh, ungeschnitten und unzensiert“ veröffentlicht, ist aus Sicht der Landesmedienanstalt nicht relevant.

Landesmedienanstalt: „Journalistisches Angebot“ bemisst sich nach realer Tätigkeit

Justiziarin Laura Braam erklärte gegenüber „t-online“, ob ein journalistisches Angebot vorliege, ergebe sich aus der Tätigkeit des Betreibers. Dabei genüge es, wenn dieser „Themen auswählt, Gespräche führt, Rückfragen stellt, Inhalte aufbereitet und präsentiert“. Es sei nicht erforderlich, dass eine große Redaktion dahinterstehe.
Berndt hat sein Gespräch mit Höcke bislang an zwei Stellen verändert. Dies geschah aus rechtlichen Gründen, da er sich andernfalls dem Risiko einer rechtlichen Verfolgung ausgesetzt hätte. Offenbar ging es dabei um Äußerungen Höckes über die frühere AfD-Parteisprecherin Frauke Petry.
Braam erklärte zudem, bei dem Schreiben handele es sich lediglich um einen „Hinweis“, der auf mögliche Defizite aufmerksam machen und dem Anbieter Gelegenheit geben solle, diese einzuordnen oder zu korrigieren, bevor ein Verwaltungsverfahren eingeleitet werde.
Der Medienstaatsvertrag enthält in Paragraf 109 allerdings keine ausdrückliche Bußgeld- oder Strafvorschrift für Verstöße gegen Paragraf 19. Auch die Untersagung von Inhalten ist nicht zulässig, wenn „die Maßnahme außer Verhältnis zur Bedeutung des Angebots für den Anbieter und die Allgemeinheit steht“. Eine Sperrung ist ebenfalls nur unter den Voraussetzungen des Paragraf 97 Abs. 5 Satz 2 und des Paragraf 98 der Strafprozessordnung zulässig. Möglich bleiben jedoch aufsichtsrechtliche Maßnahmen wie Beanstandung, Rücknahme oder Widerruf.

Steinhöfel: Hoheitliche Eingriffsbefugnisse würden Pressefreiheit verletzen

Ben Berndt will keine weiteren Anpassungen des Gesprächs mehr vornehmen. Er sieht insbesondere die Aufforderung, sämtliche von ihm bislang veröffentlichten Gespräche erneut zu überprüfen, als Einschüchterungsmaßnahme. Gegenüber „t-online“ sagte er, es werde „die Büchse der Pandora geöffnet“, sollte er der Aufforderung nachkommen. Zudem würde er damit nach eigener Darstellung „deren Auffassung akzeptieren, dass ich ein journalistisches Angebot mache und eine Behörde das regulieren darf“.
Auch sein Anwalt Joachim Steinhöfel betonte, die Landesmedienanstalt NRW sei „keine staatliche Schlussredaktion für mediale Inhalte“. Der Staat habe keine Befugnis, seine Vorstellungen journalistischer Sorgfalt hoheitlich gegenüber unabhängigen Medien durchzusetzen. Eine Behörde, die einem Presseanbieter mitteile, welche Aussagen eines politischen Gesprächspartners zu kommentieren, richtigzustellen oder zu ergänzen seien, übernehme „die Funktion einer Zensurbehörde“. Dies stelle einen Eingriff in die verfassungsrechtlich geschützte Pressefreiheit dar.
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40 Grad: Was Hitze mit dem deutschen Stromsystem gemacht hat


In Kürze:

  • Die vergangenen Tage haben gezeigt: Hitze ist ein Problem für unsere Stromnetze.
  • Der Energieexperte Stefan Spiegelsperger verrät im Interview, warum das so ist.
  • Gründe sind etwa der höhere Strombedarf und der hinterherhinkende Netzausbau.
  • Laut Spiegelsperger müssen die Menschen mit mehr und längeren Stromausfällen rechnen.

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Das vergangene Wochenende, 27. und 28. Juni, brachte Temperaturen von teilweise rund 40 Grad Celsius mit sich. Eine seltene Belastung – nicht nur für die Menschen.
Auch unsere Strominfrastruktur geriet mancherorts an ihre Grenzen. Im Westen Deutschlands mussten nach Bränden an mehreren Trafostationen viele ohne Strom auskommen.
Für einen tieferen Einblick in die Geschehnisse und zur Frage der Hitzebeständigkeit unserer Netze stand der Energieexperte und YouTuber Stefan Spiegelsperger der Epoch Times Rede und Antwort.
Herr Spiegelsperger, welche nennenswerten Vorfälle gab es jetzt unter diesen heißen Bedingungen?
Es gab sehr viele Stromausfälle, über das ganze Land verteilt. Ich habe gerade die Deutschlandkarte vor mir, mit den Störungen der letzten 24 Stunden. Es kam auch zu Stromausfällen größerer Art, bei denen dann 20.000 oder 30.000 Haushalte betroffen sind, eben wegen Trafos.
In den meisten Fällen lag es daran, dass Stromleitungen kaputtgegangen sind, die in der Erde liegen. Der Grund war meistens eine Überlastung.
Ich nehme gerne das Beispiel Rüsselsheim. Dort gab es letztes Jahr genau um diese Zeit drei Stromausfälle in einer Woche. Jetzt war dort wieder ein Stromausfall, und zwar genau am Donnerstag zum Deutschlandspiel, was natürlich viele nicht sehr gefreut haben dürfte. Das Spiel war zwar nicht so gut, aber trotzdem.
Es ist dort wieder das Gleiche passiert. Mehrere Muffen sind gleichzeitig kaputtgegangen. Das ist die Verbindung von zwei Stromleitungen und das schwächste Glied in der Kette. Die Folge davon waren diese Stromausfälle.

Bildschirmfoto des Störmeldeportals störungsauskunft.de am 29. Juni 2026 um 09:52 Uhr mit den gemeldeten Stromausfällen der vergangenen 24 Stunden in Deutschland.

Foto: Bildschirmfoto störungsauskunft.de

Welche weiteren Orte waren betroffen?
Auf der Deutschlandkarte für die letzten 24 Stunden sehe ich jetzt hier bei Mönchengladbach einen Haufen Ausfälle. Ich sehe in Berlin einen Haufen Ausfälle. Ich sehe in Baden-Württemberg einen Haufen Ausfälle. Wir haben in Köln am Donnerstag einen Ausfall gehabt. Wir haben in Baden-Baden Ausfälle gehabt. Das ging durchs ganze Land.
Es betraf aber nicht nur Deutschland, sondern auch Wien und Zürich. Überall kam es zu diesen Ausfällen, weil die Sicherung eben flog, weil das Stromnetz überlastet war.
Wie kam es zu den Ausfällen?
Das kann man sich so vorstellen: Vielleicht laufen Klimaanlagen, am Donnerstagabend die Fernseher, so berichtet es der Stromversorger von Rüsselsheim. Wenn alle gleichzeitig fernsehen, kommt es doch zu höheren Lasten. Auch die Kühlschränke haben mehr Strom verbraucht als normalerweise. Und das überlastet das Netz.
Wenn das Netz ohnehin bereits am Limit läuft, genügt schon eine Kleinigkeit. Wenn die erste Leitung wegbricht, muss der Strom über die anderen Leitungen umgeleitet werden. Die sind aber vielleicht selbst schon kurz vor dem Limit. Fahren die über ihr Limit, fällt schon mal die Sicherung oder es brennt eine Leitung durch oder es kommt zu Trafobränden.
Unser Stromnetz ist nicht für das gebaut, was wir seit Jahren damit machen. In meiner Lehrzeit habe ich noch gelernt, dass der Staubsauger nicht 1.400 Watt haben darf, sondern nur 950 Watt, um das Stromnetz nicht zu überlasten. Das gleiche Stromnetz haben wir heute immer noch – mit leichten Verbesserungen.
Jetzt will man plötzlich E-Lader fürs E-Auto haben mit 11.000 Watt. Wir wollen eine Wärmepumpe haben, die 4.000 oder 5.000 Watt braucht – dauerhaft. Wir wollen Solaranlagen, wir wollen Windräder bauen. All das sind Dinge, die das Stromnetz vorher nicht kannte und für die das Stromnetz erst mal umgebaut werden müsste.
Nur unser Stromnetz wurde in 60 Jahren gebaut. Wenn ich das jetzt umbauen würde, müsste ich alle Straßen aufreißen. Um beim Beispiel Rüsselsheim zu bleiben, würde das bedeuten: Wir reißen jetzt 50 Straßen gleichzeitig auf und verlegen dort Leitungen. Dann ist das Geschrei groß, wenn die ganze Stadt dadurch im Verkehrschaos versinkt. Das ist nicht so einfach, wie sich viele das vorstellen. Das dauert mindestens 10 bis 15 Jahre, bis dieser Netzumbau dafür geeignet ist, für das, was wir jetzt damit machen.
Das heißt, mit der Energiewende sind die Ströme viel höher geworden als früher. Kann man das so verstehen?
Das ist eine sehr vereinfachte Zusammenfassung. Die stimmt aber genau. Dadurch werden natürlich die Netze mehr belastet. Ein Netz, das früher 40 Jahre hielt, hält jetzt nur noch 30 Jahre, aber turnusmäßig wird es erst nach 40 Jahren erneuert. Ein Problem entsteht, weil wir alle bestehenden Netzausbaukapazitäten nutzen. Einer will Photovoltaik angeschlossen haben, der nächste seinen E-Lader und der nächste die Wärmepumpe.
Für all das sind Kapazitäten nötig, und die fehlen, um das normale Stromnetz umzubauen. Das ist das große Problem, das wir derzeit in Deutschland haben: Unser Stromnetz hinkt mit dem ganzen Ausbau so zehn Jahre hinterher.
Wie kann man diese Netze nun hitzebeständiger machen? Gibt es dazu schon Pläne von den Behörden oder Energieunternehmen?
Man müsste mehr Leitungen verlegen, sodass diese nicht zu überlastet sind. Man müsste die Leitungen teilweise erneuern. Das kostet zum einen sehr viel Geld und zweitens fehlen uns dafür schlichtweg die Kapazitäten.
Das heißt, man müsste sofort jeden Zubau von Solar, von E-Auto-Ladern, von Wärmepumpen und so weiter stoppen, bis das Netz vor Ort richtig ausgebaut ist. Erst dann dürfte man wieder zubauen.
Ich nehme immer gerne ein Beispiel bei mir vor Ort: Wir haben hier vier Häuser, die gemeinsam eine Tiefgarage haben. Das heißt, das sind 24 Wohneinheiten. Und der Erste wollte jetzt für sein E-Auto einen E-Lader in diese Tiefgarage legen. Der Netzbetreiber hat aber gesagt, dass für die Tiefgarage maximal einer möglich ist. Mehr lässt die Leitung einfach nicht zu. Solche Fälle haben wir im ganzen Bundesgebiet, dass die Leitungen dafür nicht gebaut wurden.
Das heißt, wir müssten zuerst den Netzausbau machen und dann erst den Zubau. Das wäre eigentlich Schritt 1 und 2, aber wir machen erst den zweiten Schritt.
Wie wirkt sich die Hitze auf das Stromsystem aus?
Es geht darum, dass mehr Leistung bei dieser Hitze verbraucht wird. Der Kühlschrank hat an so einem Tag das Doppelte verbraucht wie normalerweise. Die Lüfter laufen, Wärmepumpen werden zu Klimaanlagen oder Klimaanlagen laufen zusätzlich.
Ich kenne das mit Klimaanlagen mehr aus dem südländischen Raum. Dort ist es ganz normal, dass das Netz zusammenbricht, weil zu viele Klimaanlagen angeschaltet sind. Aber scheinbar macht das jetzt in Deutschland bei dieser Rekordhitze langsam Schule.
Was bedeutet es für die Menschen, wenn bei Hitze der Strom ausfällt? Wie können sie sich darauf vorbereiten?
Als Erstes müssen wir uns daran gewöhnen, dass in Zukunft öfter mal der Strom für mehrere Stunden weg ist. Das ist mittlerweile fast das neue Normal.
Wir haben ohnehin 170.000 Stromausfälle pro Jahr in Deutschland. Ungefähr 100.000 davon sind geplant, 70.000 ungeplant. Das heißt, damit muss man ohnehin immer rechnen. Wenn bei dieser Hitze der Strom ausfällt, funktionieren der Kühlschrank und die Gefriertruhe nicht mehr. Die Sachen da drin musst du ja dann alle wegwerfen.
Hier wäre es sinnvoll, wenn man sich eine kleine Powerbank zulegt, ein kleines Notstromaggregat, damit ich den Kühlschrank über diese Zeit weiter betreiben kann oder bei der Hitze den Lüfter, dass ich nicht ganz zerfließe. Das wären ein paar Maßnahmen.
Ebenso kann man dafür sorgen, dass man immer Vorräte daheim hat, weil es ja auch mal länger dauern kann. Dann funktioniert kein Supermarkt, keine Tankstelle, nichts. Und was ich dann nicht daheim habe, das bekomme ich auch erst mal nicht.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Maurice Forgeng.
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Taiwans „Katzenkriegerin“: Vizepräsidentin Hsiao ohne Furcht vor Pekings „Wolfskriegern“

Taiwan steht seit Jahren im Zentrum eines geopolitischen Konflikts mit China. Das kommunistische China betrachtet die demokratisch regierte Insel als abtrünnige Provinz und versucht, sie international zu isolieren sowie politisch und militärisch unter Druck zu setzen. Gleichzeitig ist Taiwan wirtschaftlich hochentwickelt und spielt vor allem als weltweit führender Produzent von Halbleitern eine zentrale Rolle in der globalen Technologieversorgung.
Vor diesem Hintergrund steht die Vizepräsidentin Hsiao Bi-khim exemplarisch für einen neuen diplomatischen Ansatz Taiwans. Sie hat einen Stil entwickelt, der auf Beweglichkeit und klare Selbstbehauptung setzt und sich bewusst von der konfrontativen Rhetorik Chinas abgrenzt. In ihrer Darstellung kann Taiwan nach außen hin offen und kooperationsbereit auftreten, ohne dabei seine politische Eigenständigkeit und Handlungsfähigkeit aufzugeben.
Besonders in den Beziehungen zu den USA betont sie die Bedeutung breiter politischer Bündnisse und eines überparteilichen Konsenses. Das Ziel bestehe darin, gemeinsame Interessen zu bündeln und die Zusammenarbeit so zu gestalten, dass beide Seiten voneinander profitieren und sich in einem zunehmend angespannten geopolitischen Umfeld gegenseitig stärken.

Zwischen Diplomatie und Selbstbehauptung: Taiwans „Katzenkriegerin“ Hsiao Bi-khim

Als Hsiao Bi-khim vor sechs Jahren nach Washington aufbrach, benötigte die frisch ernannte taiwanische Gesandte zunächst eine Antwort auf Chinas konfrontative „Wolfskrieger“-Diplomatie. Sie entwickelte einen eigenen Stil, den einer „Katzenkriegerin“ – flink, anpassungsfähig, stets wachsam und vor allem geprägt von einem ausgeprägten Sinn für Unabhängigkeit.
Sechs Jahre später ist Hsiao die zweitmächtigste Person in Taiwan, und ihr Beiname hat sich offenbar bestätigt. „Katzen lassen sich nicht zwingen“, sagte sie. „Sie haben ihren eigenen Willen.“ Taiwan, so Hsiao, sei dem in gewisser Weise ähnlich. „Taiwan kann sanft, warmherzig und einladend sein“, erklärte die Vizepräsidentin in einem Interview mit der Epoch Times in der Sendung „American Thought Leaders“ im Präsidentenpalast in Taipeh. „Aber gleichzeitig ist es wichtig, unsere Krallen zu schärfen, um uns verteidigen zu können.“
Übertragen auf die Diplomatie bedeute dies laut Hsiao ein ständiges Austarieren und das Finden gemeinsamer Interessen, so Hsiao. Im Verhältnis zwischen den USA und Taiwan gehe es darum, einen Konsens über das gesamte politische Spektrum des US-Kongresses hinweg zu bilden.
Indem Taipeh und Washington ihre Stärken bündeln, würden sie sich gegenseitig stärken, sagte sie. „Darin liegt die Anziehungskraft, und deshalb sind Taiwan und die USA gemeinsam so viel stärker.“

Früher Einsatz gegen Chinas Organraub

Hsiao Bi-khim wurde in Japan als Tochter eines presbyterianischen Pfarrers aus Taiwan und einer Musiklehrerin aus North Carolina geboren. Sie erinnert sich daran, dass sie, sobald sie sprechen konnte, als Vermittlerin zwischen ihren Großmüttern fungierte, die unterschiedliche Sprachen sprachen, indem sie zwischen ihnen übersetzte.
Mit 24 Jahren begann sie ihre politische Laufbahn. Innerhalb von sechs Jahren gewann sie einen Sitz im Legislativ-Yuan, dem Parlament Taiwans, und gehörte damit zu den jüngsten Abgeordneten ihrer Zeit. Gemeinsam mit dem heutigen taiwanischen Präsidenten Lai Ching-te unterstützte Hsiao im Jahr 2006 eine Parlamentsresolution, die eine internationale Untersuchung des von Peking staatlich geförderten Organraubs in China forderte. Diese Enthüllungen waren zuvor von Epoch Times aufgedeckt worden.
Lai, der als erster Arzt Präsident Taiwans wurde, sei „diesen Grundrechten sehr verpflichtet“, sagte Hsiao.

Taiwans Vizepräsidentin Hsiao Bi-khim (Archivfoto). Angesichts der chinesischen „Wolfskrieger“ hat Hsiao ihren eigenen Diplomatiestil entwickelt.

Foto: 張永泰, gemeinfrei

Gelassenheit angesichts von Pekings Drohungen

Als Hsiao an politischem Einfluss gewann, bezeichnete Peking sie als „unbeugsame“ Separatistin. China warf ihr zudem vor, mit den Vereinigten Staaten „unter einer Decke zu stecken“, um die Unabhängigkeit Taiwans voranzutreiben. Das kommunistische Regime setzte sie außerdem zweimal auf seine schwarze Liste.
Hsiao wertete dies als Einschüchterungstaktiken.
„Wir werden nicht zulassen, dass die Kommunistische Partei Chinas definiert, wer wir sind“, sagte sie. Wie auch andere Betroffene auch, die vom chinesischen Regime ins Visier genommen wurden, nehme sie die Sanktionen nach eigener Darstellung gelassen hin.
Da Hsiao keine persönlichen geschäftlichen Interessen in China habe, seien die Maßnahmen aus ihrer Sicht rein symbolischer Natur. So sehr Peking es auch versuche, könne dies ihre Bemühungen zur Verteidigung Taiwans und der Werte, für die das Land stehe, nicht stoppen.
Drohungen seien ein regelmäßiger Bestandteil des Lebens in Taiwan und nähmen von Tag zu Tag zu, so die Vizepräsidentin.
Das chinesische Regime setzt die Insel nahezu täglich mit Militärflugzeugen unter Druck. Zudem blockiert Peking regelmäßig die Teilnahme Taipehs an internationalen Foren, wirbt mit finanziellen Anreizen und großzügigen Versprechen diplomatische Verbündete des Inselstaates ab und verfolgt damit das Ziel, Taiwan international weiter zu isolieren.
Ein Mirage-2000-Kampfjet der taiwanesischen Luftwaffe startet am 29. Dezember 2025 vom Luftwaffenstützpunkt Hsinchu. Die Wahrung der Sicherheit der Insel sei unerlässlich, um „unseren Worten Taten folgen zu lassen“, sagte Taiwans Vizepräsident Hsiao Bi-khim. Foto: Cheng Yu-chen / AFP via Getty Images

Ein Mirage-2000-Kampfjet der taiwanischen Luftwaffe startet am 29. Dezember 2025 vom Luftwaffenstützpunkt Hsinchu.

Foto: Cheng Yu-chen/AFP via Getty Images

Doch die Drohungen zeigen sich auch in anderen Formen.
Während Hsiaos dreitägiger Reise nach Prag im Jahr 2024 wurde sie eigenen Angaben zufolge von chinesischen Diplomaten und Agenten beschattet, Diese sollen sogar einen möglichen Autounfall geplant haben. Zu diesem Zeitpunkt stand Hsiao nur wenige Wochen vor ihrem Amtsantritt als Vizepräsidentin.
Im Januar verhafteten die tschechischen Behörden einen Korrespondenten chinesischer Staatsmedien, der versucht hatte, belastende Informationen über protaiwanische Politiker im Land zu sammeln.
China übe durch verdeckte Kriegstaktiken zunehmenden Druck auf Taiwan aus, so Hsiao. Gleichzeitig sehe Taiwan jedoch Wege und Mittel, um sich zu wehren und die eigene Identität zu behaupten, sagte sie.
Das Nationale Sicherheitsbüro Taiwans teilte mit, dass es angesichts strenger staatlicher Kontrolle und wirtschaftlicher Schwierigkeiten eine wachsende Unzufriedenheit in China beobachte. Vor diesem Hintergrund habe Taiwan kürzlich ein Onlineportal eingerichtet, über das chinesische Staatsbürger Geheimdienstinformationen übermitteln können.
(vlnr) Taiwans Wirtschaftsminister Kung Ming-hsin, Pan Men-an, der Generalsekretär des Präsidenten, Vizepräsidentin Hsiao Bi-khim, Präsident Lai Ching-te, Premierminister Cho Jung-tai, der Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrates Joseph Wu und Verteidigungsminister Wellington Koo geben am 26. November 2025 im Präsidentenpalast in Taipeh eine Pressekonferenz. Trotz einer Bevölkerung von nur etwas über 23 Millionen Menschen spielt Taiwan auf dem Weltmarkt eine überproportional große Rolle. Foto: I-Hwa Cheng / AFP via Getty Images

Taiwans Führung während einer Pressekonferenz in Taipeh am 26. November 2025.

Foto: I-Hwa Cheng / AFP via Getty Images

Taiwan: Klein, aber oho!

Trotz einer Bevölkerung von nur etwas mehr als 23 Millionen Menschen spielt Taiwan auf dem globalen Markt eine weit über seine Größe hinausgehende Rolle. Bekannt als die „Silizium-Insel“, produziert das Land fast zwei Drittel der weltweiten Mikrochips – darunter nahezu alle hoch entwickelten – und ist damit ein zentraler Bestandteil der modernen digitalen Wirtschaft.
Im vergangenen Jahr überholte Taiwan Deutschland als viertgrößten Handelspartner der Vereinigten Staaten.
Auch ohne formelles Bündnis haben die engen Beziehungen zwischen den USA und Taiwan über verschiedene Regierungswechsel hinweg Bestand. Dies trägt trotz der Spannungen mit China dazu bei, den Frieden in der Taiwanstraße – einer zentralen Handelsroute des Welthandels – zu sichern. Jährlich passieren Waren im Wert von einigen Billionen US-Dollar die nur rund 180 Kilometer breite Wasserstraße.
Hsiao bezeichnete diese Beziehung als „eine der folgenreichsten Partnerschaften der Welt“. „Es ist eine Partnerschaft, die es der Welt ermöglicht hat, zu florieren“, sagte sie.
Die Zusammenarbeit wurde zuletzt weiter ausgebaut. Im Januar kündigten Taipeh und Washington ein umfassendes Chipabkommen an, das bestehende Handelsbarrieren reduziert. Damit verbunden ist eine taiwanische Investition von 250 Milliarden US-Dollar in die Halbleiter- und Energieinfrastruktur der Vereinigten Staaten.
Taiwans Chefunterhändlerin für Handelsfragen, Yang Jen-ni (links), der taiwanesische Vizepremier Cheng Li-chiun (Mitte) und Taiwans oberster Vertreter in den Vereinigten Staaten, Alexander Yui (rechts), sprechen am 16. Januar 2026 auf einer Pressekonferenz im Wirtschafts- und Kulturbüro Taipehs in Washington. Taiwan produziert rund zwei Drittel aller Mikrochips weltweit und ist damit ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen digitalen Wirtschaft. Foto: Eva Fu/The Epoch Times

Taiwans Handelsdelegation auf einer Pressekonferenz in Washington, D.C. am 16. Januar 2026.

Foto: Eva Fu/The Epoch Times

Freiheit versus Kommunismus

Die Heritage Foundation, eine konservative Denkfabrik, stufte Taiwan im Februar als fünffreieste Volkswirtschaft der Welt ein. China belegte Platz 154 auf der Liste.
Das taiwanische Modell, wie Hsiao es beschreibt, steht damit im deutlichen Gegensatz zu den Strukturen auf der anderen Seite der Meerenge. Hsiao zufolge seien eine regelbasierte Ordnung, Rechtsstaatlichkeit, Grundrechte und Innovationsfreiheit zentrale Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum.
Es finde ein Wettbewerb statt, der sowohl wirtschaftlicher, politischer als auch ideologischer Natur sei. Sie habe keinen Zweifel daran, welches System langfristig bestehen werde. Während das kommunistische China „weiterhin seine Form des Sozialismus und Kommunismus propagiert“, sei Taiwan überzeugt, „dass die Demokratie funktioniert“. Die Fakten sprächen für sich selbst.
Über Jahrzehnte hinweg habe sich der Westen eng mit der chinesischen Wirtschaft verflochten – in der Erwartung, dass wirtschaftliche Integration und Wohlstand zu politischer Liberalisierung führen würden.
Dies sei jedoch nicht eingetreten, merkte Hsiao an. „Wir haben ein enormes Wirtschaftswachstum gesehen, aber nicht die politische Offenheit oder den Fortschritt, den viele erwartet hatten, sondern in einigen Bereichen sogar das Gegenteil“, sagte sie.
„Das ist eine Tatsache, die die meisten von uns berücksichtigen müssen, wenn wir nach den angemessensten Wegen suchen, mit ihr [der Volksrepublik China] umzugehen.“
Laut dem Internationalen Währungsfonds wird das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Taiwan im Jahr 2026 etwa dreimal so hoch sein wie auf dem chinesischen Festland.
Gleichzeitig arbeitet der Inselstaat daran, seine Verteidigungsfähigkeit auszubauen. Bis 2030 will Präsident Lai das Militärbudget von derzeit rund 3 Prozent auf 5 Prozent des BIP erhöhen. Anfang Juni testete Taiwan ein US-amerikanisches Raketensystem in Richtung Festland und simulierte damit die Abwehr einer möglichen Invasion durch China.
Taiwanische Soldaten tragen Artilleriegranaten für eine M109A2-Selbstfahrlafette während einer Schießübung in Taichung am 9. Juni 2026. Bis 2030 will Taiwans Präsident Lai Ching-te den Militärhaushalt des Landes von rund 3 Prozent auf 5 Prozent des BIP erhöhen. Foto: Cheng Yu-chen / AFP via Getty Images

Taiwanische Soldaten bei einer Schießübung in Taichung am 9. Juni 2026.

Foto: Cheng Yu-chen/AFP via Getty Images

Lais Regierung hat noch einige Hürden zu überwinden. Die Oppositionspartei, die Peking nähersteht, blockierte den Vorschlag für höhere Militärausgaben der Regierung mehrfach, bevor sie einem gekürzten Budgetgesetz zustimmte.
Hsiao bezeichnete den Fortschritt dennoch als Beleg für Taiwans Transparenz und Rechenschaftspflicht. Die Wahrung der nationalen Sicherheit bedeute im Kern, den eigenen Worten Taten folgen zu lassen, sagte sie. Ihre Partei werde die Bedeutung dieses Themas für die taiwanische Gesellschaft weiterhin betonen.
Weltweit habe sich Taiwan in „jede Ebene“ der Lieferketten für Künstliche Intelligenz und Technologie integriert, sagte Hsiao. Ihr Volk – die „Stabilisatoren“ und „Friedensstifter“ – leiste zudem auf anderen Wegen einen Beitrag auf der internationalen Bühne.
Dies sei ihre Vorstellung von „Katzendiplomatie“: Taiwan sei klein, aber dennoch eine ernstzunehmende Kraft. „Katzen sind klein, aber sie können das Zehnfache ihrer Körpergröße springen – oder mehr“, sagte sie und fügte hinzu: „Und sie haben neun Leben.“
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Taiwan’s Vice President Not Afraid to Take on Beijing“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
HINWEIS: Das vollständige Interview mit „American Thought Leaders“ wird am Dienstag, den 23. Juni, um 17 Uhr Ostküstenzeit auf EpochTV ausgestrahlt (MET 23 Uhr, 23. Juni).
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Inside Kuba: Die Tochter des Revolutionärs Fidel Castro (2)

Nach Jahren der Armut, Gewalt und politischen Unterdrückung unter Fidel Castros Regime entzündete sich ein Funke. Anfang April 1980 suchten Tausende Kubaner politisches Asyl in der peruanischen Botschaft in Havanna. Dies begann einen sechsmonatigen Massenexodus von etwa 125.000 Kubanern vom Hafen von Mariel aus nach Süd-Florida. Die Boote waren überfüllt. Man nannte die Leute „Mariel-Bootsflüchtlinge“.
Sie erkannten die Realitäten des Kommunismus früh im Leben. Wann begannen Sie das zu sehen und was hat Ihre Ansichten geprägt?
Mein Kindermädchen, das ich erwähnte, und meine Großmutter hassten Fidel Castro. Das mit der Hingabe und der Liebe zu vergleichen, die meine Mutter für ihn empfand, war für mich sehr aufschlussreich, weil ich die zwei Positionen und die zwei Arten sah, wie Menschen über ihn denken konnten. Ich hatte das zu Hause, und ich denke, das half mir, meine Augen für verschiedene Realitäten zu öffnen. Ich war geschockt.
Zum Beispiel sind sie Meister darin, Menschen mit Worten zu manipulieren. Wir leisteten also stundenlang freiwillige Arbeit, die verpflichtend war. Man konnte sich also nicht weigern. Und in Kuba ist alles so. Dinge werden so gesagt, dass sie etwas völlig anderes bedeuten oder eben das Gegenteil. Zu Beginn der Revolution etablierten sie die sogenannte „freiwillige Arbeit“, um die Revolution aufzubauen. Anstatt das Wochenende in der Kirche zu verbringen – was verboten war – oder an den Strand zu gehen, mussten die Leute auf dem Feld arbeiten.
Und Sie waren Teil davon?
Ich war Teil davon.
Wurden Sie bezahlt?
Nein, nein, nein. In Kuba sind deine Hingabe und dein Opfer umsonst. Du tust das aus ideologischen Gründen. Bis heute wird nichts bezahlt. Die Leute bekommen vielleicht ein Gehalt von 10, 12, 15 Dollar im Monat.

Bootsflüchtlinge und eine Dissidentin

Was war Ihre Erfahrung während der Mariel-Bootsflüchtlingswelle 1980?
Es war wirklich ein Skandal. Es war wirklich, wirklich ein Skandal. Nachdem sich zwei oder drei Tage lang das Gerücht verbreitet hatte, dass die Botschaft Leute aufnimmt, die das Land verlassen wollten, begannen Tausende von Menschen, sich um die Botschaft zu versammeln. Fidel war gezwungen, einen Deal zu machen. Die Menschen wurden hier in den USA von Jimmy Carter empfangen. Ich glaube, das hat ihn damals seine zweite Amtszeit gekostet.
Während der Mariel-Krise, als sich zeigte, dass Tausende Menschen öffentlich und offensichtlich das Land verlassen wollten, kamen sie auf die Idee des „Repudiation Acts“ (Verleugnungsgesetz). Sie mobilisierten sogar die Nachbarn, um diejenigen zu schlagen, die das Land verlassen wollten. Wenn du in Mariel das Land verlassen wolltest, musstest du öffentlich in deine Schule, an deinen Arbeitsplatz oder deine Universität gehen und vor allen erklären, dass du ein Verräter der Revolution geworden bist und das Land verlassen willst. Die Menschen wurden richtig, richtig gewalttätig.
Ich glaube, das hat mich wirklich zum Schreien und Weinen gebracht und zur Verzweiflung getrieben. Das war definitiv ein Wendepunkt für mich – die Mariel-Krise und die Art und Weise, wie sie die Leute behandelten: mit Eiern beworfen, sie schlugen, bedrohten, sie aus ihren Häusern vertrieben.
Sie wurden in den späten 1980er Jahren Dissidentin. Wie sah dieser Übergang persönlich und politisch für Sie aus?
Was passierte, war, dass man auf mich aufmerksam wurde, weil ich für ein Modehaus oder Ähnliches modelte. Und plötzlich tauchte ein Journalist auf und entdeckte, dass Fidel Castro eine Tochter hat, die Model ist. Das war eine Art Überraschung, irgendwie bizarr. Also fing ich an, Interviews zu geben, und ich sagte: „Okay, das ist der Deal. Ich werde sagen, was ich sagen will.“ Ich sollte über Mode sprechen, aber das tat ich nicht. Ich sprach über die kubanischen Realitäten. Und da wurde ich öffentlich zur Dissidentin. Das bedeutet nicht, dass ich es vorher nicht war. Es bedeutet nur, dass es niemand wusste, außer meinem Umfeld. Sagen wir also, dass ich zu dieser Zeit öffentlich Dissidentin wurde.
Fühlten Sie sich isoliert?
Als ich auf der Seite der Dissidenten anfing, fühlte ich mich sehr isoliert. Ich hatte Angst, ich konnte nicht schlafen. Es ist ein sehr repressives System. Und man hat Angst, so einfach ist das. Man kann ins Gefängnis kommen, nur weil man sagt, dass einem etwas nicht gefällt. Sie ermutigen die Leute in deiner Nachbarschaft, dich anzugehen und gegen dich zu protestieren, weil du ein Dissident bist. Du denkst nicht wie sie. Du bist kein Revolutionär, du bist ein Verräter oder ein „Wurm“.
Und wie hat das Ihr tägliches Leben, Ihre Sicherheit und Ihre Beziehung zu Ihrer Tochter beeinflusst?
Meine Tochter ist ein ganz besonderer Mensch, mit einer Sensibilität, die ich nicht beschreiben oder überhaupt begreifen kann. Sie hat mich immer verstanden, immer, und hat mich unterstützt. Sie ist bedingungslos loyal zu den Menschen, die sie liebt. Aber es hat sie natürlich beeinflusst. Ich war isoliert. Ich konnte nirgendwo arbeiten. Ich empfing nur Besucher, die sich über etwas beschweren wollten oder etwas brauchten. Es war also die Seite des Lebens, die man seinem Kind nicht zeigen will. Es ist die dunkle Seite des Lebens.
Und das hat wahrscheinlich großen Druck auf Sie ausgeübt.
Ja. Die Art und Weise, wie sie zur Jugendlichen heranwuchs und einfach miterlebte, was für ein Leben ich mir aufgebaut hatte, nachdem ich Dissidentin geworden war, hat mich wirklich dazu gebracht, überall nach einem Weg zu suchen, sie da herauszuholen – und zu entkommen.

Die Flucht aus Kuba

Alina Fernández plante ihre waghalsige Flucht über Monate. Sie beinhaltete eine Verkleidung und einen gefälschten Pass. Aber es gab einen Haken: Sie musste ihre Tochter zurücklassen, die damals etwa 16 Jahre alt war. Alina benutzte den gefälschten Pass, um nach Spanien zu fliegen, wo sie am 20. Dezember 1993 ankam. Sie beantragte sofort politisches Asyl bei der US-Botschaft, das ihr gewährt wurde. Am 21. Dezember 1993 landete sie in Atlanta, Georgia.
Ich hatte versucht, Kuba über viele, viele Jahre zu verlassen, und konnte es nicht. Aber in diesem Fall war es etwas, das von Freunden hier organisiert wurde, Menschen, die mit dem sympathisierten, was ich tat, und die wussten, dass sie Fidel Castro in gewisser Weise verletzen würden, wenn sie seiner Tochter halfen, herauszukommen. Es wäre eine beschämende Position für ihn gewesen. Und ich war sehr froh, dem zuzustimmen. Ich war 38, als ich das Land verlassen konnte, und ich musste meine Tochter zurücklassen, aber es war der einzige Weg. Es war der einzige Weg. Wir konnten nicht beide gleichzeitig entkommen. Und ich wusste, mit dem richtigen Druck könnte ich sie herausholen.
Meine Flucht wurde durch den Pass eines spanischen Mädchens möglich, das bereit war, mir zu helfen, ohne mich überhaupt zu kennen. Es ist ein Zeichen von Solidarität, wie ich es in meinem Leben nie wieder erlebt habe. Ich stieg mit ihrem Pass, mit meinem Bild an ihrer Stelle ins Flugzeug. Das war an einem Wochenende. Es war ein Wunder, weil wir Fotos für den Pass brauchten. Einige Frauen, die uns bereits geholfen hatten, hatten den Pass nach Mexiko gebracht und dort gefälscht. Es war eine sehr komplizierte Operation. Jedes Detail wurde berücksichtigt.
Erzählen Sie uns mehr darüber, wie Sie es geschafft haben, sich mit Ihrer Tochter wieder zu vereinen.
Als ich floh, geschah ein weiteres Wunder. Reverend Jesse Jackson flog nach Kuba, um Fidel Castro zu überzeugen, seine Enkelin freizugeben. Er stellte zwei Bedingungen: Meine Mutter und der Vater des Mädchens müssten ihr erlauben zu gehen… Ich bin sicher, er war überzeugt, dass einer von ihnen „Nein“ sagen würde. Aber beide sagten „Ja“. Beide sagten, dass meine Tochter bei ihrer Mutter sein müsse. Ich denke, es war göttliche Intervention, denn alles fügte sich zusammen, und ich konnte meine Tochter bereits wenige Tage später zu mir holen.
Wie fühlte sich Ihre Mutter bei Ihrer Flucht?
Ich glaube, tief in ihrem Inneren verstand meine Mutter, dass ich gehen musste. Und ich bin ihr wirklich dankbar, weil sie meiner Tochter erlaubte zu gehen. Sie hätte „Nein“ sagen können, weil sie meine Tochter natürlich liebte – ihr einziges Enkelkind.
Nach der Ankunft in Miami, was waren die größten Herausforderungen, denen Sie sich beim Einstieg in ein neues Leben stellen mussten?
Ich versuche nachzudenken, weil es natürlich anders war. Wissen Sie, als ich 1993 Kuba verließ, existierte das Internet nicht. Ich war also völlig ahnungslos. Es war, als würde man vom Mond auf der Erde landen. Ich wusste nicht, was es mit Geld auf sich hat. Ich wusste nicht, dass eine Kreditkarte existiert. Ich wusste nicht, wie man mit einem Bankkonto umgeht. Ich wusste nicht einmal, dass Konsequenzen drohen, wenn man seine Rechnungen nicht bezahlt. Wir wussten nicht, dass man sich ein Jahr im Voraus für die Universität bewerben muss. Wir wussten gar nichts. Und wir haben für diese Unwissenheit bezahlt, indem wir viele Fehler gemacht haben. Aber wir haben uns schließlich angepasst.
Wie haben Sie Englisch gelernt?
Miami ist das, was einer Heimat am nächsten kommt, das man in Amerika oder irgendwo sonst auf der Welt haben kann; und ich bin davon überzeugt, dass es gut für einen Menschen ist, nah an dem Ort zu sein, an dem die Nabelschnur durchtrennt wurde. Es ist eine andere Energie.
Erzählen Sie uns mehr über Ihren Aktivismus in Miami.
Ich war viele, viele Jahre als Rednerin unterwegs und habe über Kuba gesprochen, auf jedem Campus, zu dem ich eingeladen wurde. Ich bin nicht Aktivistin per se, weil ich damals immer in zwei oder drei Jobs arbeitete. Aber ich habe getan, was ich konnte – für Leute, die zuhören wollten –, ihnen die kubanische Realität zu erklären. Denn Kuba ist Gegenstand vieler, vieler Legenden. Aber niemand ist wirklich an der Wahrheit interessiert.
Es ist seit Jahren ein politisches Argument. Also wieder: „Du bist von der Linken, du bist von der Rechten.“ Wenn du von der Linken bist, unterstützt du Kuba. Es ist unbegreiflich, aber so ist es. Und in der Tat – den Alltag des kubanischen Lebens… niemand weiß davon. Ich glaube nicht, dass sie überhaupt ermessen können, wie es ist, in Kuba zu leben: kein Strom, kein Essen, nichts. Nichts von dem, was Sie als selbstverständlich ansehen – nicht das Recht, ein Haus zu besitzen, nicht das Recht, ein Auto zu besitzen, nicht das Recht, ein Geschäft zu besitzen.
Fortsetzung folgt…
 
Das Interview führte Epoch-Times-White-House-Korrespondentin Emel Akan. Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „Exclusive Interview: Fidel Castro’s Daughter“. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)
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Inside Kuba: Die Tochter des Revolutionärs Fidel Castro berichtet (1)

Kuba ist für ein so kleines Land bemerkenswert. Es hat die Herzen, Hoffnungen und Träume vieler Menschen geprägt. Am Vorabend von Fidel Castros kommunistischer Revolution 1959 war Kuba noch eine der fortschrittlichsten Volkswirtschaften Lateinamerikas. Havanna war ein kosmopolitisches Zentrum. Der Wohlstand verschwand und die Menschen lebten fortan in Armut. Seither haben die Menschen in Kuba viel gelitten. Darunter auch Fidel Castros eigene Tochter, Alina Fernández, eine Tochter, die er niemals öffentlich anerkannte. Epoch Times sprach exklusiv mit Alina Fernández und bekamen ganz spezielle Einblicke.
Alina, es ist uns eine große Freude, Sie heute bei uns zu haben. Vielen Dank, dass Sie gekommen sind.
Die Freude ist ganz meinerseits.

Das Geheimnis der haarigen Puppe

Können Sie sich an den allerersten Moment erinnern, als Sie Fidel Castro trafen?
Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich Fidel Castro traf. Ich muss etwa drei Jahre alt gewesen sein. Er gab mir eine Puppe, die aussah, wie er selbst. Das war irgendwie bizarr. Es war eine Babypuppe mit Haaren im Gesicht. Also fing ich an, sie herauszuziehen. Das ist meine erste Erinnerung an ihn. Seit Fidel Castro 1959 die Macht übernahm, sah alles aus wie Fidel Castro. Sogar die Gesellschaft, die er aufbaute. Castro war ständig im Fernsehen. Seine erste Rede beim Triumph der Revolution dauerte sieben Stunden und wurde „Siegesrede“ genannt. Und danach sprach er normalerweise zwei- oder dreimal pro Woche öffentlich. Und ich rede hier nicht von zwei Stunden. Ich rede von drei, vier oder fünf Stunden am Stück. Reden, reden, reden.
Dieses Regime hat die Fähigkeit, die dunkelsten Instinkte im Menschen zu erwecken. Als ich drei Jahre alt war, wurde ich Zeugin einer Hinrichtung im Fernsehen, so wie auch alle anderen. Freude schlug also sehr, sehr schnell in Gewalt um. Sehr schnell.
Als Sie aufwuchsen, lebten Sie bei Ihrer Mutter. Wie war Ihre Beziehung zu ihr?
Meine Mutter war besessen von der Revolution und dem Revolutionsprozess, sodass sie regelrecht geistesabwesend wurde. Sie nahm kaum wahr, was im Haus oder in meinem Leben passierte oder irgendetwas in der Art. Sie war wirklich besessen. Das war für mich unbegreiflich, denn sie wurde 89 Jahre alt und war immer noch in der gleichen Weise besessen. Es ist mir ein Rätsel – und ich fühle mich schuldig, weil ich ihr so gerne geholfen hätte, sie wenigsten verstanden hätte. Aber das ist eines der unfassbaren Dinge, die mir widerfahren sind.

Die „Würmer“ der Revolution

Und was war ihr Hintergrund vor der Revolution?
Vor der Revolution hatte meine Mutter in den Vereinigten Staaten studiert. Sie arbeitete für Esso Standard Oil. Sie spricht drei Sprachen. Sie war wunderschön. Sie sah für mich wie eine Fee aus. Sie war fast wie eine Fee, unnahbar, wissen Sie, mit einem Licht, das von innen heraus strahlte. Und dieses Licht war ihre Liebe zu Fidel. Meine Mutter war nie eine „Socialite“ (Mitglied der High Society). Sie war eine arbeitende Frau. Sie gehörte zur Mittelschicht. Sie war mit einem Arzt verheiratet. Aber die Mittelschicht in Kuba in den 50er Jahren blühte gerade erst auf. Sie hatten also ein wirklich gutes Leben, waren aber keine großen Stars der Gesellschaft oder Ähnliches.
Ich glaube, als Fidel Castro sich endgültig von meiner Mutter trennen wollte, schickte er uns nach Frankreich. Meine Mutter hatte dort eine Arbeit als eine Art Diplomatin, dritte Sekretärin der Botschaft oder so etwas. Ich war acht Jahre alt und verbrachte eineinhalb Jahre in Frankreich. Als wir dort ankamen, wusste ich nicht einmal, dass es Französisch überhaupt gab. Es war sehr bizarr für mich. Es war keine schöne Erfahrung. Ich wurde in ein Internat geschickt, ohne die Sprache zu beherrschen. Ich konnte nicht einmal nach Wasser fragen. Aber ich habe es sehr schnell gelernt.
Sie waren noch ein Kind, als Sie erfuhren, dass Fidel Castro Ihr leiblicher Vater war. Führen Sie uns durch diesen Moment.
Nun, meine Mutter war es, die mir sagte, dass Fidel Castro mein richtiger Vater sei. Ich war etwa zehn, zehneinhalb Jahre alt. Und es überraschte mich nicht sehr, denn er war eine sehr ständige Präsenz bei uns zu Hause – spät in der Nacht. Er war ein nächtlicher Besucher. Und es hat mich nicht sehr überrascht. Ich fühlte mich irgendwie erleichtert, weil ich meinen echten Vater verloren hatte, oder den Menschen, den ich für meinen echten Vater hielt, die Person, die mir meinen Nachnamen gab. Ich hatte ihn drei oder vier Jahren vorher verloren, wie auch meine Schwester.
Viele Menschen, die Kuba verließen, wurden als Verräter oder Würmer („Gusanos“) bezeichnet. Wie sind Sie mit diesem Stigma umgegangen?
Seit Beginn der Revolution werden die Leute, die das Land verließen, als Verräter eingestuft, als politische Verräter – oder mit etwas viel Abwertenderem, nämlich „Würmer“. Es war also ziemlich schmerzhaft für ein Kind, Verräter in der Familie zu haben. Dass dieser große Held mein Vater wurde, war also erst einmal eine gute Nachricht. Aber es änderte nichts. Der Enthusiasmus verflog sehr schnell.
Mein Vater, Orlando Fernández, der Mann, den ich als Vater betrachtete und als Vater liebte, verließ das Land, als ich etwa vier oder fünf Jahre alt war, zusammen mit meiner Halbschwester, also seiner Tochter und meiner Mutter. Sie nahmen ihm seine Klinik weg, eine kleine Klinik, die er zusammen mit anderen Ärzten betrieb. Natürlich verboten sie die Privatpraxis für Ärzte. Also musste auch die medizinische Einrichtung in unserem Haus schließen. Er war sehr, sehr enttäuscht. Er fühlte sich verraten und hatte große Angst um seine Tochter. Sie gingen in die Vereinigten Staaten.
Beide wurden als Verräter und Würmer bezeichnet. Und als Kind musste man damals, zumindest in meiner Generation, auf jedem offiziellen Formular, das man einreichte – etwa für die Schule oder bestimmte Kurse –, angeben, dass man Verräter in der Familie hatte, dass man „Gusanos“ in der Familie hatte. Das war für jeden sehr demütigend und auch schmerzhaft. Von Anfang an wurde der Hass und die Spaltung in der Familie etabliert, was die Familie in vielerlei Hinsicht zerriss.
Haben Sie sie wiedergesehen?
Ich habe meine Schwester einmal getroffen, aber es ist so viel Schmerz, wissen Sie? Sie fühlte sich von ihrer Mutter verlassen. Ich fühlte mich anfangs von meinem Vater verlassen, oder der Person, die ich als meinen Vater betrachtete. Es ist eine dieser typisch kubanischen Geschichten, die zu Beginn der Revolution sehr häufig vorkamen. Damals verließen etwa 500 kubanische Kinder das Land im Rahmen der Operation „Peter Pan“, unterstützt von der kubanischen und der amerikanischen Kirche. Weil ihre Eltern Angst hatten, sie in Kuba aufzuziehen, schickten sie sie in die USA.

Fidels ungelesene Briefe

Als Kind haben Sie Ihre Mutter angefleht: „Mami, Mami! Ruf ihn an! Sag ihm, er soll sofort kommen! Ich habe ihm so viele Dinge zu sagen.“ Was wollten Sie Fidel Castro sagen?
Ich wollte wissen, warum mein Kindermädchen, das mich aufgezogen hat und wie eine zweite Mutter für mich war, immer noch im Elend lebte. Uns wurde ständig gesagt, die Revolution sei für die Armen gemacht, um ihr Leben zu verbessern. Ich wollte wissen, warum wir kein Essen hatten. Sie musste stundenlang anstehen, um mit einer Rationierungskarte – 67 Jahre später gibt es diese immer noch – etwas zu essen zu bekommen. Ich wollte wissen, warum.
Insbesondere machte ich mir um mein Kindermädchen Sorgen. Sie war meine „Zimtstatue“ (liebevoller Kosename). Sie hatte bereits weißes Haar und hatte es so schwer, zur Arbeit zu kommen und wieder nach Hause zu gehen. Der öffentliche Nahverkehr brach zu Beginn fast zusammen. Also wollte ich wissen, was für sie getan werden kann. Dann hatte ich Leute in der Schule, die wussten, dass er das Haus besuchte. Also brachten sie mir Briefe mit, damit ich sie ihm gebe.
Man muss wirklich verzweifelt sein, wenn man einem Kind einen Brief gibt, damit dieses Kind der Bote für diese mächtige Person ist. Und der Inhalt dieser Briefe war wirklich, wirklich schrecklich. Angehörige von Leuten, die hingerichtet wurden, Menschen, die das Land verlassen wollten, Leute, denen alles weggenommen wurde, was sie besaßen, sie fragten nach dem „Warum“ – oder wollten im Grunde genommen das Land verlassen. Ich habe diese Briefe gelesen. Er hat sie übrigens nie mitgenommen.
Also merkte ich, dass es ihn nicht wirklich interessierte, schon als ich sehr klein war.
Sie waren eine Brücke zwischen den gewöhnlichen Kubanern und Ihrem Vater. Wie war diese emotionale Bürde?
Ich merkte sehr schnell, dass ihm meine Sorgen völlig egal waren. Ich konnte also mit den Briefen zu ihm kommen, ich konnte ihm eine Anekdote erzählen, von einer Ungerechtigkeit erzählen, die ich gesehen hatte, und es war ihm völlig egal. Die emotionale Belastung… Ich habe mich immer schuldig gefühlt. Und das ist ein Gefühl, das ich immer noch mit mir herumtrage. Ich fühle mich schuldig, nicht mehr getan zu haben oder es nicht besser gemacht zu haben oder nicht viel zu tun. Die ganze Zeit über.
Sie nennen Fidel Castro bei seinem Namen, statt ihn „Vater“ zu nennen. Warum?
Fidel Castro hat sich nie wie ein Vater verhalten. Er war in jeder Situation seines Lebens die gleiche Person. Sie wissen schon, dieser „Führer“. Er fing an zu glauben, er sei dieser Führer. Er inszenierte sich als der einsame Mann in Uniform, der 90 Meilen entfernt gegen den Imperialismus kämpft.
Als ich zehn Jahre alt war und mir gesagt wurde, dass Fidel Castro mein leiblicher Vater sei, dauerte es ein paar Jahre, bis er versuchte, ein Gesetz zu ändern, um mich anzuerkennen. Ich war aber unter dem Namen eines anderen Mannes geboren worden. Und man streicht das nicht einfach so weg. Aber als er mich anerkennen wollte, war ich bereits Jugendliche, und ich hatte jahrelang versucht, mich hinter „Fernández“ zu verstecken. Ich bin damit aufgewachsen und habe immer versucht, seinem Schatten zu entkommen. Es passte mir also nicht, plötzlich zur Schule zu gehen und eine neue Identität zu haben. Ich fand das beschämend. Ich wollte es nicht. Ausserdem war ich immer auf der Seite der Leute, die mit seiner Politik nicht einverstanden waren.
Meine Generation musste sich zum Beispiel stundenlange Reden anhören, und normales Fernsehen war kaum möglich. Wir durften nur eine halbe Stunde amerikanische Cartoons sehen, die dann plötzlich ins Russische wechselten – und selbst dann ging es weiter mit endlosen Ansprachen. Vor dem Fernseher hofften wir oft, dass er endlich aufhört, damit wir unsere Sendung zu Ende sehen können, doch das passierte selten. Als Kind war ich davon sehr genervt, und auch das gesamte Umfeld wirkte bedrückend und chaotisch – es fühlte sich zeitweise wie ein Leben im Ausnahmezustand an.
Fortsetzung folgt…
 
Das Interview führte Epoch-Times-White-House-Korrespondentin Emel Akan. Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „Exclusive Interview: Fidel Castro’s Daughter“. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)