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Wie sich Kunst auf unsere DNA auswirken kann

Einmal pro Woche eine Kunstgalerie zu besuchen oder zum Pinsel zu greifen, steht laut einer neuen Studie mit einem langsameren biologischen Alterungsprozess in Zusammenhang.
„Diese Ergebnisse belegen die gesundheitlichen Auswirkungen der Künste auf biologischer Ebene“, so die Hauptautorin Daisy Fancourt vom Institut für Epidemiologie und Gesundheitswesen des University College London in einer Stellungnahme.
Forscher befragten im Rahmen der kürzlich in der Fachzeitschrift „Innovation in Aging“ veröffentlichten Studie 3.556 Erwachsene im Vereinigten Königreich, wie oft und in welcher Weise sie sich mit Kunst beschäftigen, und führten umfassende Blutanalysen durch. Bei denjenigen, die sich regelmäßig künstlerisch und kulturell betätigten, wurden DNA-Veränderungen festgestellt, die darauf hindeuten, dass ihre Zellen und inneren Systeme langsamer altern.

Genetische Veränderungen, die den Alterungsprozess verlangsamen

Die Forscher verwendeten sieben verschiedene Tests zur Untersuchung der DNA-Methylierung, jener chemischen Markierungen an der DNA, deren Muster sich mit zunehmendem Alter verändern und als Indikatoren für das biologische Alter dienen.
Das biologische Alter wird daran gemessen, wie leistungsfähig die Zellen und inneren Systeme funktionieren, während das chronologische Alter die tatsächliche Zeit angibt, die der Mensch gelebt hat.
Menschen, die häufiger an verschiedenen künstlerischen Aktivitäten teilnahmen oder sich damit beschäftigten, zeigten Merkmale, die auf einen etwa 4 Prozent langsameren Alterungsprozess hinwiesen, im Vergleich zu denen, die dies selten taten, eine Rate, die laut den Forschern mit den Auswirkungen regelmäßiger körperlicher Betätigung vergleichbar ist.
Selbst eine Teilnahme dreimal im Jahr war mit einem um etwa 2 bis 4 Prozent langsameren Altersprozess verbunden.
Menschen, die wöchentlich künstlerischen und kulturellen Aktivitäten nachgingen, erschienen laut den Studiendaten biologisch gesehen etwa ein Jahr jünger als diejenigen, die dies selten taten. Im Vergleich dazu war die mindestens einmal wöchentliche Ausübung körperlicher Betätigung damit verbunden, biologisch etwa sechs Monate jünger zu sein als das chronologische Alter.
„Dies baut auf einer wachsenden Zahl von Belegen für die gesundheitlichen Auswirkungen der Künste auf, wobei sich gezeigt hat, dass künstlerische Aktivitäten Stress reduzieren, Entzündungen lindern und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Genau wie es auch von körperlicher Betätigung bekannt ist“, sagte die leitende Autorin Feifei Bu vom UCL Institute of Epidemiology & Health Care in der Erklärung.
Die Effekte waren bei Erwachsenen ab 40 Jahren stärker ausgeprägt und blieben auch nach Berücksichtigung von Faktoren wie Körpergewicht, Rauchen, Bildungsstand und Einkommen bestehen.
Zu den von den Teilnehmern genannten künstlerischen Aktivitäten zählten bildende Kunst (Malen, Zeichnen, Fotografie, Basteln), Musik (Singen, Instrumentalspiel, Musikhören) und Bewegungskunst (Tanzen).
Die Ergebnisse bauen auf vorherigen wissenschaftlichen Untersuchungen auf, die bereits zeigten, dass das Beschäftigen mit Kunst und Kultur den biologischen Alterungsprozess verlangsamen kann, indem es chronischen Stress und Entzündungen verringert, die bestimmte chemische Marker auf unserer DNA direkt verändern.
„Die Autoren selbst verweisen ausdrücklich auf die Verringerung psychosozialen Stresses, positive Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit und eine Senkung des kardiovaskulären Risikos durch eine gesunde Lebensweise, die damit Hand in Hand geht“, erklärte Dr. Carolyn Lam, stellvertretende Chefredakteurin des „Journal of the American College of Cardiology“ (JACC) und Co-Moderatorin des wöchentlichen Podcasts „JACC This Week“, die nicht an der Studie beteiligt war, gegenüber der englischsprachigen Epoch Times.

Kunst und körperliche Betätigung sind jedoch nicht austauschbar

Künstlerische Betätigung und körperliche Bewegung seien jedoch nicht austauschbar, sondern ergänzten sich, so Lam.
„Regelmäßige körperliche Aktivität erhält Skelettmuskulatur und Knochen, stärkt die kardiorespiratorische Fitness [und] erhöht die maximale Sauerstoffaufnahme“, was in der Kardiologie zu den stärksten Prädiktoren für die Lebenserwartung zählt, ein Merkmal, das „durch den Besuch einer Kunstausstellung nicht gesteigert werden kann“, so Lam.
Die Forscher wiesen darauf hin, dass weitere Studien erforderlich sind, um festzustellen, ob der Beginn künstlerischer Aktivitäten im späteren Leben ebenfalls den Alterungsprozess verlangsamen kann und wie oft Menschen daran teilnehmen müssen, um einen tatsächlichen Nutzen zu erzielen.
Sie merkte außerdem an, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handele, die an einer britischen Kohorte (Studiengruppe) mit überwiegend weißer europäischer Abstammung durchgeführt wurde und lediglich einen Zusammenhang zwischen verlangsamtem Altern und künstlerischem Engagement zeige, keinen kausalen Zusammenhang.
Dennoch sieht Lam einen echten Wert in den Ergebnissen, insbesondere für Menschen, denen herkömmliche körperliche Betätigung schwerfällt.
„Für ältere, gebrechliche Menschen oder solche mit mehreren Begleiterkrankungen, denen intensive körperliche Betätigung schwerfällt“, merkte sie an, „könnten die Künste einen parallelen und zugänglichen Weg zu einigen der gleichen biologischen Vorteile bieten.“
„Die Botschaft, die ich meinen Patienten vermitteln möchte, lautet nicht ‚entweder/oder‘, sondern ‚auf jeden Fall/und‘“, sagte Lam. „Bewegen Sie Ihren Körper und nähren Sie Ihre Seele – beides ist wichtig, und nach den Erkenntnissen dieser Studie scheinen beide positive Auswirkungen auf die epigenetischen Uhren zu haben.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Seeing and Doing Art Does to Your DNA“. (deutsche Bearbeitung cs)
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Hallervorden wirbt für CDU in Sachsen-Anhalt – Kampagne gegen AfD

Der Schauspieler Dieter „Didi“ Hallervorden sorgt mit einem Kabarettauftritt bei Wahlkampfveranstaltungen von Sachsen-Anhalts CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze für Wirbel.
Nach Veranstaltungen in Halle und Magdeburg in den vergangenen Tagen gehe es wie geplant nächste Woche in Dessau und Naumburg weiter, sagte der Generalsekretär des CDU-Landesverbands, Mario Karschunke, dpa.
Die Veranstaltungen seien sehr gut gebucht. Für Dessau am Montag gebe es rund 600 Anmeldungen.

Gemeinsam auf einer Bühne: Ministerpräsident und Schauspieler

Bei dem Gesprächsformat mit dem Titel „Kultur braucht Freiheit“ stehen der Schauspieler und der Ministerpräsident gemeinsam mit einer Moderatorin auf der Bühne.
Es geht um den persönlichen Begriff von Freiheit, was eine lebendige Demokratie braucht und welche Rolle Kunst, Meinungsfreiheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt spielen.
Schauspieler Dieter Hallervorden unterstützt die CDU in Sachsen-Anhalt, kritisiert sie aber auch.

Schauspieler Dieter Hallervorden unterstützt die CDU in Sachsen-Anhalt, kritisiert sie aber auch.

Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Hallervorden bringt musikalische Beiträge mit und legt den Fokus stark auf Frieden. Die aktuelle Verteidigungs- und Rüstungspolitik lehnt der 90-Jährige ab. Auch auf die von ihm bereits früher kritisierte Israel-Politik nimmt er Bezug: In einem Hintergrundvideo zu einer Gesangseinlage von ihm ist kurz ein Foto einer Demonstration mit dem Schriftzug „Stoppt den Völkermord in Gaza“ zu sehen.
CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann sagte dazu der „Bild“: „Für die CDU Deutschlands ganz klar: Es gibt keinen Völkermord in Gaza, wir stehen an der Seite Israels und der Ukraine im Kampf gegen den Terror und Aggression.“
Sie sagte weiter: „Wir stehen für Freiheit und wollen uns verteidigen können, damit wir es nicht müssen. Daran wird sich nichts ändern. Wir stehen zur Meinungs- und Kunstfreiheit, doch auch hier gibt es Grenzen – mindestens aber muss die Kunst mit deutlichem Widerspruch leben.“

Schulze: „Ich möchte auch Gegenrede haben“

Sven Schulze hatte schon in der Magdeburger Veranstaltung am Mittwoch auf der Bühne mit Blick auf sich selbst rhetorisch gefragt: „Kann der denn eine Veranstaltung machen, wo der Dieter Hallervorden denn so ein Lied singt? Ich sage ja, weil das ist eigentlich das, was ich mir vorstelle. Ich möchte kein Land haben und kein Land regieren als Ministerpräsident, wo ich das Gefühl habe, hoffentlich sprechen sie alle das, was ich sage. Sondern ich möchte schon auch Gegenrede haben.“
Der CDU-Landesverband erklärt: „Die Veranstaltung war bewusst als Gesprächsformat angelegt. Sie sollte zeigen, dass Menschen trotz unterschiedlicher Auffassungen respektvoll miteinander im Gespräch bleiben können.“
Und: „Wir dürfen das Streiten nicht verlernen – unterschiedliche Auffassungen müssen nebeneinanderstehen können, ohne dass der Respekt füreinander verloren geht.“ Das bedeute nicht, dass sich Schulze oder die CDU Sachsen-Anhalt jede dort geäußerte Meinung zu eigen machten.

Sven Schulze am 20.07.2026.

Foto: via dts Nachrichtenagentur

CDU: Hallervorden bot Schulze Unterstützung an

Laut CDU kam Hallervorden mit dem Wunsch auf Schulze zu, ihn im Wahlkampf zu unterstützen. „Dabei war von Anfang an klar, dass Herr Hallervorden als Künstler – in Sachsen-Anhalt geboren – seine eigenen Texte und Inhalte verantwortet und sich diese nicht vorgeben lässt.“
Der Landesverband macht klar: „Die politischen Positionen der CDU Sachsen-Anhalt ergeben sich aus ihren Beschlüssen und den Aussagen ihrer Verantwortungsträger und nicht aus künstlerischen Beiträgen von Gästen einer Veranstaltung.“

Hallervorden will die absolute Mehrheit der AfD verhindern

Hallervorden mischt im Wahlkampf mit, um eine AfD-Regierung zu verhindern. „Wenn SPD, Grüne und FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, kann die AfD bereits mit 40 Prozent die absolute Mehrheit erreichen. Das möchte ich unbedingt verhindern“, hatte er Anfang der Woche dpa gesagt.
Fünf Wochen vor der Wahl führt die Partei dort laut Umfragen deutlich vor der derzeit regierenden CDU und den anderen Parteien.

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt. Die AfD liegt derzeit in den Umfragen vor den Landtagswahlen im September mit großem Vorsprung in Führung.

Foto: Jens Schlueter/Getty Images

Kampagne mit anderen Kulturschaffenden

Gemeinsam mit anderen Kulturschaffenden, wie Tatort-Schauspieler Axel Prahl und Komiker Oliver Kalkofe, hat der 1935 in Dessau geborene Hallervorden eine Kampagne ins Leben gerufen. Sie empfiehlt Wählern, ihr Kreuz bei CDU, SPD, FDP, Grünen oder Linken zu setzen.
In seinem bei der CDU-Veranstaltung vorgetragenen Lied wendet sich Hallervorden an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD): „Wenn ihr glaubt, dass Krieg sich lohnt, kämpft doch dort, wo keiner wohnt. Kämpft gefälligst auf dem Mond!“, heißt es im Song.
Beim Auftritt in Halle erklärte der Künstler dem Publikum: „Ich würde, wenn das hier Bundesebene wäre, für Friedrich Merz keine Reklame machen, das ist hier bei Sven anders.“ (dpa/red)
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Amazonas-Theater in Brasilien wird Weltkulturerbe

Die Kulisse des Filmklassikers „Fitzcarraldo“ von Werner Herzog zählt ab sofort zum Weltkulturerbe. Die Unesco nahm das Amazonas-Theater in der brasilianischen Stadt Manaus am Montag in ihre Liste auf. Auch das Teatro da Paz in der Hafenstadt Belém gehört nun zu den Weltkulturerbestätten.

Erinnerung an den Kautschukboom

Beide Theater wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut und erinnern an die Zeit des sogenannten Kautschukbooms im brasilianischen Amazonasgebiet. Sie seien „Symbole politischen Ehrgeizes“, begründete die Unesco ihre Entscheidung. Die weltweite Nachfrage nach Kautschuk brachte der Amazonasregion damals wirtschaftlichen Gewinn, die indigene Bevölkerung wurde jedoch ausgebeutet und vertrieben.

Blick in das Innere des Amazonas-Theaters in Manaus, Brasilien, am 10. Dezember 2013. (Archivbild)

Foto: Christophe Simon /AFP via Getty Images

Drehort von Herzogs Filmklassiker

Der deutsche Regisseur drehte seinen Film „Fitzcarraldo“ im 1896 eröffneten Amazonas-Theater mit seiner rosafarbenen Fassade. Klaus Kinski spielt in dem 1982 erschienenen Film einen Mann, der im Amazonas ein Opernhaus bauen will. Nach Einschätzung der Unesco steht das Theater für „den Reichtum und das Prestige“ der Stadt Manaus zur Zeit des Kautschukbooms. (afp/red)
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Verlorene Geschichten: Goldenes Zeitalter kannte Zehntausende Sprachen


In Kürze:

  • Heute existieren rund 7.500 gesprochene oder gebärdete Sprachen. Vor rund 12.000 Jahren könnten es 4.500 bis 6.200 Sprachen gewesen sein.
  • Dazwischen steig die Sprachenvielfalt möglicherweise sogar auf mehrere Zehntausend Sprachen vor 1.000 bis 3.000 Jahren.
  • Der Rückgang der sprachlichen Vielfalt setzte offenbar mit der Ausbreitung großer Staaten und Imperien ein – lange vor dem Kolonialismus Europas.
  • Heutige Sprachen stellen eine kleine, historisch verzerrte Auswahl und Relikte der früheren Sprachenvielfalt dar.

 
Ein internationales Forschungsteam aus Spanien, den USA und Deutschland hat plausible Entwicklungsverläufe der globalen Sprachenvielfalt über die vergangenen 12.000 Jahre rekonstruiert. Die nun veröffentlichte Studie legt nahe, dass die sprachliche Vielfalt während eines Großteils des Holozäns zunahm, vor etwa 1.000 bis 3.000 Jahren einen bemerkenswerten Höhepunkt erreichte und anschließend rasch zurückging.
Weltweit sprechen oder gebärden Menschen heute rund 7.500 Sprachen. Dies ist jedoch nur eine Momentaufnahme in einer Geschichte ständigen Wandels. Wie viele Sprachen gab es vor den ersten schriftlichen Zeugnissen? Verringerte die Einführung der Landwirtschaft die sprachliche Vielfalt, weil expandierende Bauernpopulationen kleinere Jäger- und Sammlergruppen verdrängten? Oder führte das Bevölkerungswachstum zunächst zu mehr Möglichkeiten für die Entstehung neuer Sprachen?
Bislang wurden diese Fragen „nicht aus Mangel an theoretischem Interesse, sondern aufgrund der außergewöhnlichen Schwierigkeit, die relevanten Dynamiken empirisch zu erforschen, nur begrenzt nachgegangen“, erklärte Studienautor Marcus Hamilton von der University of Texas at San Antonio. „In dieser Arbeit wird ein innovativer Ansatz vorgestellt, um die Dynamiken menschlicher kultureller Vielfalt in der Vergangenheit besser zu verstehen. Damit widmet sie sich einer der zentralen und zugleich schwierigsten Fragen der Humanwissenschaften.“

Geschichte ohne schriftliche Zeugnisse rekonstruieren

Für die Zeit vor dem Schriftgebrauch vor rund 6.000 Jahren fehlen direkte Hinweise auf die Zahl der Sprachen nahezu vollständig und bleiben bis in die jüngere Vergangenheit lückenhaft. Die Forscher kombinierten daher ethnografische Informationen, Schätzungen zur prähistorischen Bevölkerungsgröße sowie statistische und soziokomputationale Modelle. Dabei handelt es sich um computergestützte Simulationen, die menschliches Verhalten und soziale Interaktionen nachbilden.
Ausgangspunkt waren ethnografische Daten von 171 Jäger-, Sammler- und Fischergesellschaften, deren traditionelle Subsistenzwirtschaft und Mobilität durch den Kontakt mit Nahrungsmittel produzierenden Populationen noch nicht nachhaltig verändert worden waren. Mithilfe dieser Daten schätzten die Forscher die wahrscheinliche Größenverteilung ethnolinguistischer Gruppen zu Beginn des Holozäns.
Diese Schätzungen kombinierten sie mit Rekonstruktionen, denen zufolge die Weltbevölkerung vor 12.000 Jahren zwischen 4,4 und sieben Millionen Menschen umfasste. Wenn man davon ausgeht, dass ethnolinguistische Gruppen damals in der Regel jeweils eine eigene Sprache hatten, ergaben die Modelle für das frühe Holozän einen Schätzwert von rund 4.500 bis 6.200 Sprachen. Weiter gefasste, ebenfalls plausible Schätzungen reichten von etwa 3.300 bis 7.800 Sprachen.
„Eine erste Überraschung war, dass es unmittelbar vor der Einführung der Landwirtschaft weltweit vermutlich keinen außergewöhnlich großen Sprachreichtum gab“, so sagt Russell Gray.
Gray ist Direktor der Abteilung für Sprach- und Kulturevolution am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Weiter sagte er, „Höchstwahrscheinlich gab es sogar weniger Sprachen als heute. Die sprachliche Vielfalt nahm dann über Jahrtausende hinweg zusammen mit der wachsenden menschlichen Bevölkerung zu.“

Zehntausende Sprachen

Landwirtschaft, technologische Innovationen und eine stabilere Nahrungsmittelproduktion ermöglichten ein starkes Wachstum der Weltbevölkerung. Gleichzeitig wurden Gesellschaften größer – und immer mehr Menschen konnten sich dieselbe Sprache teilen.
Um diese gegenläufigen Prozesse abzubilden, modellierten die Forscher Tausende möglicher Entwicklungsverläufe, die Schätzungen für den Beginn des Holozäns mit der Gegenwart verbinden. Die Modelle erlaubten eine Zunahme der Anzahl von Menschen pro Sprache im Laufe der Zeit und berücksichtigten zugleich unabhängige Rekonstruktionen des globalen Bevölkerungswachstums.
Auch wenn der genaue Verlauf unsicher bleibt, ergaben die Modelle durchweg ein auffälliges Grundmuster: Die sprachliche Vielfalt nahm während des größten Teils des Holozäns zu und erreichte vor 1.000 bis 3.000 Jahren ihren Höhepunkt. Viele Modellverläufe deuten auf eine Zunahme um den Faktor zehn im Vergleich zum frühen Holozän hin – die Anzahl der Sprachen dürfte auf ihrem Höhepunkt also bei mehreren Zehntausend gelegen haben.
„Das überraschendste Ergebnis ist, dass dieser Höhepunkt offenbar erst sehr spät erreicht wurde. Die größte sprachliche Vielfalt könnte demnach nicht in der Altsteinzeit, sondern erst in Zeiten expandierender Staaten und früher Imperien bestanden haben“, ergänzte Claire Bowern von der Yale University.
Die Autoren bezeichnen diese Phase als sprachliches „Goldenes Zeitalter“. Bisherige Debatten ignorierten diese Epoche weitgehend – unter anderem, weil die meisten historischen Quellen von jenen expandierenden Gesellschaften stammen, deren Sprachen sich schließlich durchsetzten.
Heute existierende Sprachen und ihr Gefährdungsstatus (erstellt auf Basis einer Kartenvorlage von „Natural Earth“ unter Verwendung von Daten aus Glottolog 5.3 und Informationen aus GlottoScope). In der Grafik sind Sprachen, die nur wenige oder keine Sprechenden mehr haben, rot bzw. orange gekennzeichnet. Nicht gefährdete Sprachen sind gelb, Sprachen, deren Sprechende zu einer dominanteren Sprache überwechseln, hellgrün und bedrohte Sprachen grün. Foto: Grafik von © Claire Bowern

Heute existierende Sprachen und ihr Gefährdungsstatus (erstellt auf Basis einer Kartenvorlage von „Natural Earth“ unter Verwendung von Daten aus Glottolog 5.3 und Informationen aus GlottoScope). In der Grafik sind Sprachen, die nur wenige oder keine Sprecher mehr haben, rot bzw. orange gekennzeichnet. Nicht gefährdete Sprachen sind gelb; Sprachen, deren Sprechende zu einer dominanteren Sprache überwechseln, hellgrün und bedrohte Sprachen grün.

Foto: Claire Bowern/Yale University via Max-Plank-Gesellschaft

Sprachenverlust vor Beginn des modernen Kolonialismus

Auf das goldene Zeitalter der Sprachen folgte ein rascher Rückgang, insbesondere in den letzten zwei Jahrtausenden. Die Ergebnisse dieser Studie stellen somit die gängige Vorstellung infrage, nach der die Bedrohung von Sprachen vom Aussterben erst mit der europäischen Kolonialexpansion vor rund 500 Jahren begonnen habe.
Zweifellos hat der europäische Kolonialismus die Verdrängung von Sprachen enorm verstärkt. Die neuen Modelle legen jedoch nahe, dass dieser Prozess tiefere Wurzeln hat: in der Expansion früherer Vielvölkerstaaten und Imperien. Diese brachten einst getrenntlebende Bevölkerungsgruppen in dauerhaften Kontakt miteinander und verbreiteten gemeinsam mit politischen Institutionen, Technologien, kulturellen Praktiken und Krankheitserregern auch dominante Sprachen.
Das Modell identifiziert nicht, welche konkreten Imperien, Regionen oder historischen Ereignisse den globalen Rückgang der sprachlichen Vielfalt verursacht haben. Es zeigt jedoch, dass bereits vor der heutigen Zeit eine sehr starke Verringerung der sprachlichen Vielfalt stattgefunden haben muss.

Heutige Sprachen haben einen Flaschenhals durchlaufen

Dieser Verlust bedeutet, dass die heute gesprochenen Sprachen keine repräsentative Stichprobe all der Sprachen sind, die einst existierten. Während die Sprachen jener Populationen, die expandierten, eine überproportional hohe Überlebenschance hatten, verschwanden die Sprachen jener Populationen, die aufgenommen wurden, verdrängt wurden oder schrumpften.
Dieser historische Flaschenhals könnte auch die weltweite Verbreitung grammatischer Strukturen, Laute und anderer sprachlicher Merkmale beeinflusst haben. Forscher erklären weit verbreitete Merkmale oft damit, dass sie besonders leicht zu erlernen sind, die Kommunikation effizienter machen oder gut an die menschliche Kognition angepasst sind. Die neue Studie legt jedoch nahe, dass auch demografische Expansion und Aussterben berücksichtigt werden müssen.
„Die Sprachen, die wir heute sehen, sind die Überlebenden eines massiven und hochgradig selektiven historischen Flaschenhalses. Ein sprachliches Merkmal ist nicht deshalb häufig, weil es von Natur aus überlegen ist, sondern weil es zufällig von Bevölkerungen getragen wurde, die expandierten. Aussterbeprozesse könnten die sprachliche Vielfalt viel stärker geprägt haben, als uns bisher bewusst war“, sagt Erstautor Damian Blasi der unter anderem an der Harvard University forscht.
Da Sprachen häufig im Zusammenhang mit religiösen Praktiken, Verwandtschaftssystemen, sozialen Institutionen und anderen Formen kulturellen Wissens weitergegeben werden, nehmen die Autoren an, dass dieser Flaschenhals auch andere Bereiche umfasste. Viele kulturelle Traditionen könnten ebenfalls verschwunden sein, ohne direkte historische Spuren zu hinterlassen.

Ein Modell, keine prähistorische Volkszählung

Die Forscher betonen, dass es sich bei der Studie um eine grobe globale Rekonstruktion handelt und nicht um eine direkte Zählung prähistorischer Sprachen. Die Schätzungen basieren auf Annahmen über die Größe früher ethnolinguistischer Gruppen und den langfristigen Zusammenhang zwischen Population und Sprachenanzahl.
Zweifellos verliefen regionale Entwicklungen unterschiedlich, und kurzfristige Einbrüche infolge von Krieg, Krankheiten oder Umweltveränderungen lassen sich mit dem Modell nicht einzeln rekonstruieren. Dennoch blieb über eine große Bandbreite von Modellbedingungen und alternativen Prämissen hinweg stets dasselbe zentrale Muster bestehen.
Laut den Ergebnissen war die Geschichte der Sprachenvielfalt also kein einfacher, kontinuierlicher Rückgang ausgehend von einer hohen Diversität in der Altsteinzeit. Vielmehr nahm die Sprachenvielfalt mit dem Anstieg der Weltbevölkerung zunächst zu, erreichte einen außergewöhnlichen, jedoch nur kurzlebigen Höhepunkt und ging anschließend weltweit stark zurück. (sm/ts)
Mit Material der Max-Planck-Gesellschaft
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Wucherpreise für Tickets? Künstler und Fans schlagen Alarm

Die Lieblingsband hat gerade neue Tourdaten bekanntgegeben und schwups: Alle Tickets sind direkt vergriffen. Vielen Musikfans dürfte das bekannt vorkommen.
Wer Restkarten ergattern will, landet nicht selten auf teils dubiosen Webseiten, die sich anfühlen wie ein Computerspiel: Gewinnen kann nur, wer schnell viel Geld ausgibt. Schließlich drängen sich in der virtuellen Warteschlange angeblich Tausende weitere Fans, die ebenfalls eines der heiß begehrten Tickets haben wollen – jetzt und hier, koste es, was es wolle.
Viagogo, Ticketbande, Ticombo, StubHub oder Vivid Seats heißen einige der großen Player auf dem längst etablierten Ticketzweitmarkt. Er setzt die Musikbranche mittlerweile derartig unter Druck, dass sie Alarm geschlagen hat: Mit klaren Forderungen wandte sich die Interessenvertretung Pro Musik im Mai mit einem offenen Brief an die Bundesregierung.

Lea, Kafvka, Kraftklub, Nina Chuba und Co. wehren sich

„Gegen Wucher und Betrug – Tickets dürfen keine Spekulationsobjekte sein“: Unter diesem Motto stellten sich rund 200 Künstler, Veranstalter, Schauspieler, Produzenten und Crew-Mitglieder hinter den Brief. Unter anderem Nina Chuba, Die Toten Hosen, Die Ärzte, Max Giesinger, Lea, Johannes Oerding, AnnenMayKantereit und Kraftklub haben ihn unterzeichnet.
Sie alle befürchten, dass die Kulturszene in Verruf gerät. „Ticketpreise von bis zu 5.500 Euro sind auf den einschlägigen Seiten zu finden“, heißt es in dem Brief.
Der Frust der Fans kann dann letztlich bei den Künstlern landen. „Wenn sie eine Karte kaufen für 400 Euro, die Karte geschickt bekommen und dann sehen: 30 Euro Originalpreis“ – das ärgere viele Menschen extrem, sagt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg.
Bei Künstlern, Crews und Veranstaltern komme dieses Geld nicht an, wie die Unterzeichner des Briefes betonen: „Es landet in den Taschen von Zwischenhändlern, die zur Kultur nichts beitragen als Abzocke.“

Fans haben gegen Bots keine Chance

Mit automatisierten Computerprogrammen, sogenannten Bots, kaufen gewerbliche Verkäufer ganze Ticketkontingente in kurzer Zeit auf. „Während ein normaler Fan möglicherweise noch seine Zahlungsdaten eingibt, haben Bots bereits Hunderte oder sogar Tausende Kaufvorgänge durchgeführt“, erklärt die Juristin und Expertin für Ticketvertrieb, Sylle Schreyer-Bestmann.
Wenige Sekunden nach dem offiziellen Verkaufsstart tauchen die Tickets dann auf dem Zweitmarkt wieder auf – zu einem Vielfachen des Originalpreises. „Für Künstler ist das besonders problematisch, weil sie bewusst Ticketpreise kalkulieren, die für ihre Fan-Base erreichbar bleiben sollen“, sagt die Juristin.
Laut Johannes Everke, dem Geschäftsführer des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, werden auf dem Ticketzweitmarkt rund 70 Prozent der Tickets durch kommerzielle Händler verkauft. Weil diese den Fans technisch überlegen seien, können sie „massiv in den Handel eingreifen“.
Tückisch dabei: Weil die kommerziellen Plattformen bei der Websuche per Google und Co. häufig „auf den allerersten Plätzen“ erschienen, merkten viele Fans oft gar nicht, dass sie sich auf dem Zweitmarkt befinden.

Fans werden durch Tricks zum Kauf gedrängt

Der schnelle Ausverkauf der Tickets auf den offiziellen Seiten erzeuge bei Fans das Gefühl, die Nachfrage sei riesig, sagt Juristin Schreyer-Bestmann. Mit sogenannten Dark Patterns auf den Zweitplattformen würden sie dann zusätzlich unter Druck gesetzt: Ein Countdown läuft, Extra-Leistungen liegen schon im Warenkorb oder müssen aktiv weggeklickt werden. Die Folge seien überstürzte Kaufentscheidungen.
Viele Veranstalter versuchen, den kommerziellen Ticketzweitmarkt durch ihre AGB einzugrenzen. Darin ist auch klar geregelt, wer Tickets weiterverkaufen darf. Fans, die am Konzertabend mit Grippe im Bett liegen etwa. Gewerbliche Händler sind dagegen zum Verkauf nicht autorisiert.
Weil der Wiederverkauf nach deutschem Recht nicht grundsätzlich verboten sei, müssten alle unautorisierten Angebote einzeln identifiziert, dokumentiert und den Plattformen gemeldet werden, sagt Schreyer-Bestmann. Oftmals würden die Angebote trotzdem nicht entfernt oder kurz darauf wieder auftauchen. Zudem seien viele Anbieter anonym und aus dem Ausland tätig.

Viagogo verteidigt seine Rolle

Weil die Tickets so schnell ausverkauft seien, wolle Viagogo den Fans „eine sichere und legitime Möglichkeit“ bieten, doch noch eine Karte zu ergattern, sagt ein Viagogo-Sprecher. „Genau für diese Realität gibt es uns“, sagt er. Preise fernab vom Originalpreis würden zwar aufgerufen, fänden aber „wie bei jeder anderen Ware auch“ nur selten Abnehmer.
2025 lagen nach Viagogo-Angaben mehr als 70 Prozent der Ticketpreise im Durchschnitt unter 116 Euro. Weil Verkäufer ihren Erlös erst erhielten, wenn der Fan mit dem Ticket eingelassen werde, gebe es auch keinen Anreiz für Betrug.
Viagogo hält die dynamische Preisgestaltung, den Missbrauch durch Bots und frustrierende Vorverkaufsprozesse für den Kern des Problems. Das Unternehmen fungiert nach eigenen Angaben selbst nur als Marktplatz, der zwischen Fans und Verkäufern vermittelt.

Klare Regeln gefordert – Wiederverkäufer immer professioneller

Der Frust bei Fans, Künstlern und Veranstaltern ist mittlerweile auf die Agenda der Politik gerückt. Es geht im Kern „um Verbraucherschutz, um die Finanzierung kultureller Leistungen, um faire Marktbedingungen und um den Zugang zu Kulturveranstaltungen“, wie Juristin Schreyer-Bestmann sagt.
Die Branche fordert gesetzliche Regelungen gegen gewerblichen, nicht autorisierten Ticketweiterverkauf, Transparenzpflichten für Plattformen, ein Verbot von Leerverkäufen, eine Deckelung von 25 Prozent beim Aufpreis auf die Originaltickets sowie wirksame Verpflichtungen zur Identifizierung gewerblicher Verkäufer.
Dafür sei nun höchste Zeit, denn der Vertrauensverlust sei längst Realität, sagt Everke. „Diesen Sommer erleben wir, dass der spekulative Ticketzweitmarkt eine neue Dimension erreicht hat. Professionelle Wiederverkäufer gehen immer technischer und organisierter vor und auch der Ticketbetrug auf den Plattformen nimmt weiter zu.“ (dpa/red)
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Mit 14 nach Amerika: Junge deutsche Tänzerin lässt sich nicht von Peking einschüchtern

Der klassische chinesische Tanz ist ihre Leidenschaft. Wenn Tara McDonnell aus Meißen die internationale Bühne betritt, ist alle Anspannung verflogen, selbst wenn wenige Stunden vorher Polizisten wegen einer Bombendrohung mit ihren Spürhunden das Theater oder ihre Garderobe durchsucht haben. „Das ist inzwischen zur Routine geworden“, sagt sie.
Die 21-Jährige gehört zu einer der acht Tanzgruppen von Shen Yun. Das aus New York stammende Künstlerensemble, das seinem Publikum die 5.000 Jahre alte traditionelle Kultur Chinas präsentiert, muss ständig mit Sabotage rechnen. Ob Bombendrohungen oder zerstochene Tourbusreifen – die grenzüberschreitende Bedrohung durch die Kommunistische Partei Chinas (KPCh), die seit ihrer Machtübernahme traditionelle und spirituelle Werte unterdrückt, ist für die Künstler allgegenwärtig.
Seit 2021 gehört Tara aus Meißen dem Ensemble an. Auch wenn sie in Deutschland aufgewachsen ist, so ist ihr die traditionelle chinesische Kultur nicht fremd. Angefangen hat alles damit, dass ihre Eltern Falun Gong, auch Falun Dafa genannt, praktizierten – eine tief in der traditionellen chinesischen Kultur verwurzelte Kultivierungsmethode, die auf den Werten Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht basiert.
In China wird Falun Gong hingegen seit 27 Jahren brutal verfolgt. Und das wird auch in den Tanzstücken von Shen Yun thematisiert – ebenso wie historische Heldengeschichten, ethnische Tänze und lustige Szenen. Jedes Jahr touren die Gruppen des 2006 gegründeten Ensembles mit einem völlig neuen Programm um die Welt und erreichen ein Millionenpublikum. Einst saß auch Tara unter den Zuschauern.
„Schon als Kind habe ich Shen-Yun-Aufführungen gesehen. Ich mochte sie wirklich sehr. Es war schon immer mein Traum, bei Shen Yun mitzumachen“, sagt sie im Gespräch mit Epoch Times.

Ein Traum wird wahr

Mit 14 Jahren war es dann endlich so weit: Die aus Sachsen stammende Schülerin wurde an der Fei-Tian-Kunstakademie in New York aufgenommen. Zwei Jahre später ging sie als Praktikantin zum ersten Mal mit Shen Yun auf Tournee. Mittlerweile verfügt sie über fünf Jahre Tourneeerfahrung.
Dabei gestaltete sich ihr Einstieg in den klassischen chinesischen Tanz alles andere als einfach. „Ich habe quasi bei null angefangen. Zuerst musste ich meinen Körper dehnen und alle Grundbewegungen beherrschen, bevor ich wirklich mit dem Tanzen beginnen konnte“, schildert sie.
Während dieser Zeit habe sie wirklich viel gelernt, darunter Ausdauer und Selbstdisziplin – Eigenschaften, die für eine Tänzerin unentbehrlich sind, um das Weltklasseniveau zu erreichen, für das Shen Yun vom Publikum hochgelobt wird.
Da der Tanzunterricht ausschließlich in chinesischer Sprache stattfindet, hat Tara während ihrer Ausbildung „ganz selbstverständlich“ Chinesisch gelernt. Über die Jahre hat sich ihr Verständnis für die traditionelle chinesische Kultur, die ebenfalls Teil der Ausbildung ist, immer weiter vertieft.
„Je mehr ich über die traditionelle chinesische Kultur erfuhr, desto beeindruckender fand ich sie“, sagt die junge Tänzerin. Sie sei derart tiefgründig, dass es immer wieder Neues zu entdecken gebe.

Doku „Unbroken“ zeigt Hintergründe

Wie es auf dem Campus aussieht und zugeht, zeigt der Dokumentarfilm „Unbroken – The Untold Story of Shen Yun“ („Unbeugsam – Die unerzählte Geschichte von Shen Yun“), der derzeit an ausgewählten Standorten in Deutschland zu sehen ist. Bei der Filmpremiere in ihrer Heimatstadt Meißen am 26. Mai war auch Tara mit dabei.
Im Mittelpunkt des Films steht die Familie Browde. Die beiden Brüder Jesse und Lucas absolvierten wie Tara an der Fei-Tian-Akademie für klassischen chinesischen Tanz ihre professionelle Ausbildung. Auf den weltweit führenden Bühnen werden sie mit Einschüchterungsversuchen durch das kommunistische Regime Chinas konfrontiert, die in den vergangenen Jahren immer weiter eskalierten – von der Sabotage der Tourbusse über Druck auf Theater und inszenierte Bombendrohungen bis hin zu einer länderübergreifenden „Fake News“-Kampagne, wonach den Künstlern von Shen Yun Arztbesuche verwehrt blieben und keine angemessene Gage gezahlt würde.
Wie der Film zeigt, steht der Vater der beiden Brüder, Levi Browde, zwischen dem Schutz seiner Kinder und der Aufdeckung der Wahrheit unter enormem Druck.
Die Doku zeigt den unmittelbaren Kampf zwischen Glauben, Freiheit und dem Totalitarismus anhand der Entwicklungsgeschichte der jungen Menschen, die während ihrer Ausbildung zu Künstlern heranwachsen und trotz der von der KPCh verübten langjährigen Unterdrückung schließlich zu „unbeugsamen“ Menschen werden.

Spürhunde, Bombendrohungen und Evakuierung

Auch für Tara gehören die Einschüchterungsversuche und Bombendrohungen „fast schon zum Alltag“. An ihre erste Bombendrohung kann sie sich noch lebhaft erinnern:
„Das war bei einer Aufführung in Puerto Rico. Damals klopfte die Polizei an die Tür unserer Garderobe und drehte mit ihren Hunden eine kurze Runde“, schildert sie gegenüber Epoch Times. „Das war schon ein sehr krasses Erlebnis.“
Vor zwei Jahren im Kennedy Center in Washington, D.C. spitzte sich die Situation zu. Damals wurde nicht nur das Theater, sondern der gesamte Gebäudekomplex evakuiert. Sogar im Fernsehen wurde darüber berichtet.
„Wir mussten bis 15 Uhr im Hotel bleiben“, schildert Tara, obwohl der Aufbau bereits am Vormittag vonstattengehen sollte. Zuerst habe es so ausgesehen, als würde die Bombendrohung den gewünschten Erfolg erzielen. Das Theater wollte die Vorstellung schon absagen. Nachdem aber keine Hinweise auf Sicherheitsrisiken gefunden werden konnten, durften die Künstler das Gebäude schließlich betreten.
Trotz großer Verspätung gelang es dem Team von Shen Yun, die Proben und Aufbauarbeiten innerhalb weniger Stunden abzuschließen. Die Vorstellung konnte wie geplant stattfinden.
Vor allem im vergangenen Jahr habe sie oft Spürhunde gesehen. „2 Stunden vor Beginn der Vorstellung kommt die Polizei mit Polizeihunden und durchsucht Reihe für Reihe den gesamten Zuschauerraum. Ehrlich gesagt haben wir uns schon so daran gewöhnt, dass wir es gar nicht mehr beachten. Es ist einfach dieses Gefühl von: ‚Oh, da sind sie schon wieder.‘“

Kunst, die verbindet

Tara und ihre Kollegen sehen in derartigen Vorfällen „eher einen Ansporn“: „Wenn so etwas passiert, müssen wir weitermachen. Wir müssen die Dinge klarstellen“, sagt Tara. „Aber wir wissen auch, dass viele Zuschauer dadurch möglicherweise nicht mehr wiederkommen wollen oder sich nicht trauen, die Vorstellung zu besuchen“, was sie sehr bedauert.
Sie hofft, dass sich Theater – wie auch in Deutschland in der Vergangenheit geschehen – nicht länger von den Agenten der KPCh beeinflussen lassen und ihrem Publikum Shen Yun präsentieren. Denn „Kunst ist universell und überwindet alle sprachlichen oder ähnlichen Grenzen und Barrieren“.
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WM verbindet Fans aus aller Welt: Fans von Gastfreundschaft begeistert


In Kürze:

  • Spielerisch sind die USA im Achtelfinale ausgeschieden. Als WM-Gastgeber spielen sie aber weiter an der Weltspitze.
  • Über eine Million Fans erleben ein vielseitiges Land mit großen Stadien, Städten und Events – und teils hohen Preisen.
  • Essen, Gastfreundschaft und regionale Besonderheiten sorgen für vielfach bleibende Eindrücke bei Gästen und Einheimischen
  • Die Weltmeisterschaft stärkt kulturelle Verbindungen zwischen Fußballfans aus aller Welt.

 
Von Hummerbrötchen und Barbecue bis zu beeindruckenden Skylines und riesigen Stadien: Fußballfans aus aller Welt entdecken die besondere Atmosphäre in den USA. In der „Stadt der brüderlichen Liebe“ – Philadelphia – trafen Anhänger der größten und leidenschaftlichsten Rivalitäten des Weltfußballs in einer FIFA-Fanzone zusammen, um gemeinsam ein Bier zu trinken, zu feiern und bei einem lockeren Fußballspiel neue Freundschaften zu schließen.
Rory Prenter aus Belfast in Nordirland trug stolz ein US-Trikot, als er bei einem WM-Fan-Fest gemeinsam mit seinem Vater Paul, seinen Brüdern Patrick und Oliver sowie neu gewonnenen internationalen Freunden an einem Mini-Fußballspiel teilnahm. „Es ist unglaublich“, sagte Rory, der zusammen mit seinem Bruder Oliver im Nachwuchsbereich für Nordirland spielt. „Ich liebe es hier.“
Obwohl sich Nordirland nicht für das Turnier qualifizieren konnte, genießen die Prenters die WM-Atmosphäre in den USA. Vater Paul zeigte sich besonders beeindruckt davon, wie eine Metropole mit riesigen Wolkenkratzern und beeindruckender Größe gleichzeitig so herzlich und persönlich wirken könne.
„Clare und ich haben unseren Kindern vor Jahren versprochen, dass wir eines Tages für eine Weltmeisterschaft irgendwohin reisen würden“, sagte er gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times. „Ich bin froh, dass wir uns für diese entschieden haben.“
Am 30. Juni verbrachte die Familie im Philadelphia FIFA-Fan-Festival im Lemon Hill Park einen unvergesslichen Tag. Die kostenlose Veranstaltung bot zahlreiche Fußballspiele, interaktive Simulatoren, Live-Unterhaltung und Übertragungen der WM-Partien auf großen Bildschirmen – ein Treffpunkt für Fans aus aller Welt.

(V. l. n. r.) Paul, Clare, Patrick, Oliver und Rory Prenter berichten nach einem Kleinfeld-Fußballspiel beim FIFA Fan Festival in Philadelphia am 30. Juni 2026 von ihren Erlebnissen während ihrer USA-Reise. Rory und Oliver spielen im Nachwuchsbereich für ihre Heimat Nordirland.

Foto: Aaron Gifford/The Epoch Times

Die Prenters gehören zu den Millionen Besuchern, die anlässlich der WM-Spiele und der zahlreichen Veranstaltungen in die Vereinigten Staaten reisen. Ihre Geschichte steht stellvertretend für unzählige Erlebnisse von Reisenden aus aller Welt, die von ihren Entdeckungen in Amerika berichten – und davon, wie sehr sie ganze Städte und deren besondere Atmosphäre schätzen und teilweise regelrecht ins Herz schließen.
In den sozialen Medien verbreiten sich zahlreiche Beiträge ausländischer Fans, die von typisch amerikanischen Erlebnissen begeistert sind: vom texanischen Barbecue, über die gigantischen Reisezentren von Buc-ee’s und riesige Einkaufswelten bis hin zu außergewöhnlich großen Essensportionen – samt Ranch-Dressing – und beeindruckenden Stadien.

Nicht nur die USA: Auch Fans hinterlassen bleibenden Eindruck

Halvor Francke und drei seiner Söhne waren in ihren norwegischen Nationaltrikots unterwegs, als sie in Philadelphia einen Touristenbus bestiegen. Für umgerechnet 4,40 Euro konnten Fahrgäste den ganzen Tag unbegrenzt mitfahren. Zum Vergleich: In Berlin kostet ein Tagesticket das Doppelte. Zuvor hatte die Familie bereits New York City und Boston besucht, wo sie das Spiel Norwegen gegen Frankreich verfolgte. Ihr letzter Stopp führte sie nach Washington, um dort die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli mitzuerleben.
„Boston kann man hervorragend zu Fuß erkunden und die Stadt hat tatsächlich ein eher europäisches Flair“, sagte Francke gegenüber der Epoch Times. „Außerdem gibt es dort wirklich sehr freundliche Menschen.“
Boston entwickelte sich auch für eine andere Fangruppe zur Lieblingsstadt in den USA: die schottische Tartan Army. Zwar schieden die Schotten bereits in der Gruppenphase aus, doch ihre Fans verwandelten „Beantown“ mit Dudelsäcken, Kilts und ausgelassener Stimmung in eine große Fußballparty. Pubs wie der Sam Adams Taproom waren erfüllt von Gesängen und feiernden Fans unterschiedlicher Nationen. Zahlreiche Statuen wurden mit Verkehrshütchen geschmückt, während Straßen spontan zu Fanmeilen und Paraderouten wurden. Die Stadt schloss ihre Besucher schließlich ins Herz – und Bostons Bürgermeisterin Michelle Wu ernannte Glasgow zur neuen Partnerstadt, was die Schotten ihrerseits unterstützen.
Zurück in Philadelphia zeigte sich Francke begeistert vom sonnigen Wetter und den warmen Temperaturen. Auch der Regen während des Spiels konnte seine Stimmung nicht trüben. Die amerikanischen Stadien seien deutlich größer als alles, was er aus Norwegen und England kenne, und auch die gesamte Show rund um die Spiele sei etwas, an das man sich erst gewöhnen müsse, sagte er.
„In Europa sorgen die Fans selbst für die Unterhaltung – hier braucht es keine Unterstützung“, erklärte er. Dort würden Anhänger Gesänge anstimmen und Vereinslieder singen, die teilweise seit mehr als hundert Jahren bestehen. „Hier ist es etwas stärker inszeniert. Auf der großen Anzeigetafel erscheint zum Beispiel eine Aufforderung wie: ‚Macht Lärm.‘“
Auch ihre norwegischen Landsleute ließen sich nicht lange bitten und sorgten selbst für Unterhaltung. Die reisende nordische Fangruppe wurde weltweit bekannt, indem sie an verschiedenen Orten in den Gastgeberstädten auftauchte – unter anderem am Times Square in New York City – und dort ihren inzwischen legendären „Ro!“-Rudergesang aufführte.
„Es ist anders hier, aber wirklich schön“, sagte Francke. „Amerika war großartig.“
Auch Besucher Alejandro Barrantes sammelte in New York City und Miami unvergessliche Eindrücke. Zusätzlich wird er die WM-Austragungsorte Philadelphia und Dallas besuchen.
Barrantes stammt aus Kolumbien und lebt in Mexiko. Er sagte, dass er sich vorstellen könne, eines Tages in den Vereinigten Staaten zu leben und zu arbeiten. Viele Menschen in Lateinamerika, erklärte er, sähen die USA als ein Land voller Möglichkeiten.
„Man kann alles erreichen, was man möchte, und man spürt diese Energie, dass man tatsächlich dazu fähig ist“, sagte er gegenüber der Epoch Times während seines Aufenthalts in New York City. „Genau das ist die größte Magie dieser Stadt.“

Fußball und Kulinarik

Die Möglichkeit, Amerika zu besuchen und Teil des globalen Turniers zu sein, lockte auch Besucher an, die nicht ihrer eigenen Nationalmannschaft folgten.
David Ozga, professioneller Trainer und ehemaliger Spieler des polnischen Vereins Górnik Zabrze, reiste gemeinsam mit seiner Frau Patricia aus Polen in die Region Philadelphia, um mit amerikanischen Verwandten die Weltmeisterschaft zu feiern. Sie unterstützten Frankreich, nachdem Polen an der Qualifikation für das Turnier gescheitert ist.
Die Familie nutzte die Gelegenheit, die historische erste Hauptstadt der Vereinigten Staaten kennenzulernen. Dazu gehörte auch ein Besuch der berühmten 72 steinernen „Rocky Steps“ am Philadelphia Museum of Art sowie die erste Kostprobe eines klassischen Philly Cheesesteaks.
„Fettig“, sagte Patricia Ozga gegenüber der Epoch Times, „aber gut.“
David Ozga freute sich außerdem über die Nachricht, dass Robert Lewandowski, der als einer der größten polnischen Fußballspieler aller Zeiten gilt, zu Chicago Fire in die Major League Soccer wechseln könnte. Dies stärke die Verbindung vieler Polen zu den Vereinigten Staaten, sagte er – besonders in einer Stadt mit einer großen polnischstämmigen Gemeinschaft.
„Ich habe es hier geliebt“, sagte er. „Alles daran.“

Die Familie Ozga aus Zabrze in Polen feiert gemeinsam mit Verwandten aus New Jersey die Weltmeisterschaft beim FIFA Fan Festival in Philadelphia am 30. Juni 2026. David Ozga ist professioneller Trainer und ehemaliger Spieler des polnischen Fußballvereins Górnik Zabrze.

Foto: Aaron Gifford/The Epoch Times

Francke wiederum erklärte, Boston sei bislang seine Lieblingsstadt in den USA gewesen. Besonders die Hummerbrötchen hätten für ihn zu den besten kulinarischen Entdeckungen der Reise gehört.
Cheesesteaks und Hummerbrötchen dabei stehen stellvertretend für eine weitere große Überraschung vieler europäischer Besucher: die amerikanische Küche. Ob Waffle House, Chick-fil-A oder ein typisch amerikanischer Barbecue-Stand – zahlreiche Touristen schwärmten in sozialen Medien von Speisen, die für viele Amerikaner zum Alltag gehören. Besonders beeindruckt zeigten sie sich von den großen Portionen, den intensiven Geschmäckern und der Qualität der Gerichte.
Als die Gruppenphase endete und viele Fans die Heimreise antraten, wollten sie ein Stück amerikanische Esskultur mit nach Hause nehmen. Die US-Transportsicherheitsbehörde TSA veröffentlichte sogar Hinweise dazu, wie ausländische Reisende Ranch-Dressing sicher durch die Flughafenkontrolle bringen können. Gleichzeitig zeigten Videos in sozialen Medien britische Besucher, die in ihren heimischen Gärten mit Gewürzmischungen grillten, die sie aus Texas mitgebracht hatten. – Ein Geheimtipp der Amerikaner: Ranch-Dressing kann man selbst machen.

Positiv überrascht

Frankreichs 3:0-Sieg gegen Schweden am 30. Juni konnte Axel Insulanders Begeisterung für seine WM-Reise nicht schmälern. Der einzige Kritikpunkt des Schweden war der öffentliche Nahverkehr zu den Spielstätten, der deutlich teurer sei und längere Fußwege erfordere als in Europa. Überrascht zeigte er sich auch über die hohen Kosten in den großen amerikanischen Städten, die er besucht hatte – insbesondere für Hotels, Essen und Transport. Und er ist nicht der Einzige.
Nicolás Martinez, ein kolumbianischer Staatsbürger und früherer USA-Besucher, stellte ebenfalls fest, dass die Preise seit seiner letzten Reise deutlich gestiegen seien, vor allem bei Bier. Im Stadion Santa Clara nahe San Francisco kostete der halbe Liter Gerstensaft umgerechnet knapp 20 Euro.
Dennoch sei es beeindruckend, so viel Begeisterung, Fankultur und internationale Vielfalt in Restaurants und auf öffentlichen Plätzen zu erleben, sagte Martinez.
Insulander betonte wiederum, dass die Menschen in allen drei Städten äußerst freundlich gewesen seien. Besonders Boston und Philadelphia hätten ihn positiv überrascht.
„Boston fühlte sich anders an. Es war ruhiger, würde ich sagen – zumindest im Vergleich zu New York“, sagte Insulander gegenüber der Epoch Times. „Philadelphia war ebenfalls eine schöne Überraschung. Ich dachte, es würde vielleicht mehr Armut geben und eine ganz andere Atmosphäre haben.“

Das Beste daraus machen

Auch negative Erlebnisse konnten die Begeisterung mancher Besucher nicht trüben. Tara, ein kambodschanischer Reisender, der nur seinen Vornamen nannte, fiel auf einen gefälschten Online-Ticketanbieter herein, der Karten für das Spiel Portugal gegen Usbekistan anbot. Trotzdem machten er und seine Familie das Beste aus ihrer Reise durch die USA und besuchten Texas, Washington und New York City.
Besonders beeindruckt zeigten sie sich von der Sicherheit und der umfangreichen Organisation, die oft unbemerkt bleibe. Während der gesamten Reise hätten sie sich sicher, willkommen und gut aufgehoben gefühlt.
„Ich liebe das Essen hier“, sagte Taras Sohn Drago gegenüber der Epoch Times in New York City.

Zuschauer versammeln sich vor dem MetLife Stadium in East Rutherford, New Jersey, vor dem FIFA-WM-Spiel zwischen Frankreich und Schweden am 30. Juni 2026. Frankreich besiegte Schweden mit 3:0.

Foto: Samira Bouaou/The Epoch Times

Nicht nur die großen Metropolen zogen internationale Besucher an. Freundschaftsspiele vor dem Turnier führten Fans auch in weniger bekannte Regionen wie Oxford in Mississippi und Auburn in Alabama.
11 der 16 Austragungsorte verteilten sich über die 48 zusammenhängenden US-Bundesstaaten. Daher entschieden sich viele Besucher, für mehrere Wochen Autos zu mieten. Zwischen den Spielen erkundeten sie Nationalparks, Strände, historische Sehenswürdigkeiten und die Einkaufstempel.
Ein australischer Besucher schrieb in sozialen Medien, dass ein Strand in Florida, den er besucht hatte, mit den schönsten Stränden seines Heimatlandes mithalten könne.
Als die Tartan Army Boston verlassen musste, um Brasilien in Miami zu unterstützen, dokumentierten die schottischen Fans ihren Roadtrip entlang der Ostküste. Sie hielten fest, wann sie die Mason-Dixon-Linie – eine historische Grenze zwischen den Nord- und Südstaaten der USA – überquerten und besuchten Sehenswürdigkeiten wie die historische Festung Fort Sumter bevor sie schließlich South Beach und Little Havana in Miami mit derselben ausgelassenen Stimmung eroberten, die sie zuvor in Boston verbreitet hatten.

Mehr als nur Fußball: Die Gastgeberrolle der Städte

Auch wenn die Vereinigten Staaten nicht über dieselbe jahrhundertealte Geschichte und traditionelle Prachtentfaltung wie viele andere Nationen verfügen, hätten sie es geschafft, eine eigene Identität für ein besonderes und komfortables Weltmeisterschaftserlebnis zu entwickeln, so die Besucher. Entscheidend sei dabei, wie stark sich amerikanische Städte von europäischen und lateinamerikanischen Metropolen unterscheiden, sagte Maurice Smith, ein in Atlanta ansässiger Experte für Reise- und Gastgewerbestrategien, gegenüber Epoch Times.
Als Beispiel nannte er seine Heimatstadt Atlanta.
Die außerhalb der WM unter dem Namen Mercedes-Benz-Stadion bekannte Spielstätte etwa biete ein außergewöhnliches Zusammenspiel aus Architektur, moderner Technologie und vielfältigen gastronomischen Angeboten, das weltweit seinesgleichen suche, erklärte Smith gegenüber der Epoch Times.
„Das Stadion kann selbst Teil des Erlebnisses werden – nicht nur der Ort, an dem das Spiel stattfindet“, sagte er.
Die Verkehrsplaner in Atlanta und den anderen Gastgeberstädten seien sich bewusst gewesen, dass internationale Fans auf zuverlässige und einfach verständliche Bus- und Bahnverbindungen angewiesen sind. Deshalb sei frühzeitig dafür gesorgt worden, möglichst viele Kräfte zu bündeln. Zusätzlich hätten zahlreiche amerikanische Fahrdienstanbieter geholfen, mögliche Lücken im Verkehrssystem zu schließen.
Auch Polizei und Sicherheitskräfte hätten eine wichtige Rolle gespielt. Sie seien präsent gewesen, ohne einschüchternd zu wirken, und hätten gemeinsam mit Verkehrspersonal und Mitarbeitern aus dem Gastgewerbe als freundliche Ansprechpartner und Botschafter der Städte fungiert, sagte Smith.
„Für Besucher aus anderen Ländern kann sichtbare Unterstützung während eines Großereignisses entscheidend sein, damit eine Stadt leichter verständlich und zugänglich wirkt. Es geht nicht nur um Sicherheit – es geht auch um Orientierung“, erklärte er.
„Meine wichtigste Erkenntnis ist, dass WM-Besucher nicht nur das Spiel bewerten, sondern das gesamte Erlebnis einer Stadt. Stadien sorgen für den ersten Wow-Effekt, aber Essen, Verkehr, Sicherheit, Service und lokale Kultur entscheiden darüber, ob Menschen mit einem positiven Eindruck nach Hause zurückkehren.“
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „How America Won the Hearts of World Cup Soccer Fans“. (Deutsche Bearbeitung: zk,ts)
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Chinas neues Gesetz sorgt für heftige Kritik – Auswärtiges Amt: „Risiko für transnationale Repressionen“


In Kürze

  • Neues Gesetz in China stärkt laut Kritikern Han-zentrierte Identitätspolitik
  • UNO und Auswärtiges Amt äußern Menschenrechts- und Repressionssorgen
  • USA diskutieren parteiübergreifend mögliche Gegenmaßnahmen

 
In China ist ein neues Gesetz in Kraft getreten, das die „ethnische Einheit“ im Land stärken soll und international für deutliche Kritik sorgt. Besonders in den USA und in Europa wächst die Sorge, dass dadurch Minderheitenrechte eingeschränkt werden könnten. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk fordert bereits eine Rücknahme der Regelung.

55 anerkannte Minderheiten betroffen

Das Gesetz wurde im März vom Nationalen Volkskongress verabschiedet und trat nun in Kraft. Es soll eine „gemeinsame“ chinesische nationale Identität schaffen und den „Zusammenhalt“ stärken.
Vorgeschrieben ist unter anderem, dass Mandarin – die Sprache der Han-Chinesen – als „gemeinsame Landessprache“ im Bildungswesen, im öffentlichen Dienst und an öffentlichen Orten gilt.
In China leben 55 offiziell anerkannte ethnische Minderheiten mit Hunderten Sprachen und Dialekten. In Tibet und bei den Uiguren ist Mandarin bereits länger Pflicht in Schulen und Kindergärten.

Auswärtiges Amt: „Risiko für transnationale Repressionen“

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, das Gesetz schaffe „eine erweiterte gesetzliche Grundlage für die bestehende Minderheitenpolitik“ Pekings. Es berge „ein großes Risiko, Bildung in Minderheitensprachen sowie Rechte wie Religionsfreiheit“ weiter zu schwächen.
Zudem könnten „explizit auch Personen und Organisationen außerhalb Chinas rechtlich verfolgt werden“, sagte der Sprecher.
„Die Bestimmungen sind aus unserer Sicht ebenfalls weit auslegbar und stellen damit ein Risiko für transnationale Repressionen dar.“
Chinas Vize-Justizminister Hu Weilie verteidigte eine mögliche Anwendung im Ausland dagegen als „legitim“, „rechtmäßig“ und „notwendig“.

NGO: Es geht um die „Auslöschung ihrer Kultur und Identität“

In Deutschland haben mehrere NGOs vor der chinesischen Botschaft gegen das Gesetz protestiert. Mit dabei waren die Gesellschaft für bedrohte Völker, die Tibet Initiative Deutschland e.V., der Weltkongress der Uiguren sowie Freiheit für Hongkong e.V.
„Sie sollen in eine einzige, staatlich verordnete Identität gepresst werden“, sagte Mirjam Kobold, Asien-Referentin bei der Gesellschaft für bedrohte Völker. Die „erzwungene Assimilation kultureller Vielfalt“ bedeute für Betroffene „die Auslöschung ihrer Kultur und Identität“.
Mit dem Gesetz würde zu geltendem Recht werden, was die Kommunistische Partei Chinas nach Angaben von Kritikern bereits gegenüber Tibetern, Uiguren, Mongolen, Hui und weiteren Gemeinschaften praktiziere. Sprache, Religion, Bildung und Familie müssten sich dem „han-chinesischen Einheitsverständnis“ unterordnen.
Kobold verwies darauf, dass Peking dabei mit harter Repression vorgehe:

„Sie nutzt Umerziehungslager, Zwangsarbeit, willkürliche Haftstrafen und Verfolgung im Exil, um ethnische und religiöse Gruppen zu unterdrücken und einzuschüchtern.“

Die NGO Freedom House mit Sitz in Washington erklärte am 30. Juni auf X, das neue Gesetz berge die Gefahr, die transnationalen Repressionsmaßnahmen gegen Angehörige ethnischer und religiöser Minderheiten „weiter auszuweiten“. Laut Freedom House zählt die KPCh seit 2014 zu den weltweit aktivsten Akteuren im Bereich transnationaler Repression.
Das Falun-Dafa-Informationszentrum verweist in seinem jüngsten Bericht auf Hunderte derartige Fälle zwischen 2020 und 2025 in den USA.

Gemeinsame Warnung von Republikanern und Demokraten

In den USA haben Abgeordnete des Repräsentantenhauses am 30. Juni eine parteiübergreifende Resolution eingebracht, in der sie Chinas neues Gesetz verurteilen.
Die Initiative stammt vom republikanischen Abgeordneten Chris Smith sowie dem demokratischen Abgeordneten Jim McGovern. Die Resolution liegt Epoch Times vor. Zudem brachten mehrere Senatoren beider Parteien in der vergangenen Woche im Senat einen ähnlichen Gesetzentwurf ein.

Smith: „Gehorcht der Partei – auch im Ausland“

Chris Smith macht speziell auf eine Klausel aufmerksam, die es den chinesischen Behörden erlaubt, Menschen und Organisationen im Ausland strafrechtlich zu verfolgen.
Smith sagte der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times: „Die Botschaft Pekings ist erschreckend: Gebt euren Glauben auf, vergesst eure Sprache, gehorcht der Partei – oder rechnet mit Strafen, auch im Ausland.“ Er fügte an: „Das ist keine Einheit. Es ist Tyrannei – und sie macht die Auslöschung von Kultur und Sprache zur offiziellen Politik.“
Das Gesetz verherrliche die Ideologie der Kommunistischen Partei Chinas.
Taiwanische Regierungsvertreter warnten, dass Peking das Gesetz anwenden könnte, um diejenigen zu verfolgen, die sich zur taiwanischen Identität und Geschichte äußern oder den offiziellen Darstellungen Chinas zu Taiwan widersprechen.

Trump zu Sanktionen und Zusammenarbeit mit EU, Kanada und Australien aufgefordert

Die US-Resolution fordert Präsident Donald Trump auf, Sanktionen oder Visabeschränkungen gegen Personen zu verhängen, die für die Durchsetzung des Gesetzes sowie für weitere Maßnahmen der Zwangsassimilation verantwortlich sind.
Zudem appellieren die Abgeordneten an Außenminister Marco Rubio, mit Verbündeten wie der Europäischen Union, Kanada und Australien zusammenzuarbeiten, um die Umsetzung des neuen chinesischen Gesetzes zu überwachen und dessen Auswirkungen zu bewerten.
Mit Material der Nachrichtenagenturen und The Epoch Times
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Vatikan restauriert Raffaels Meisterwerk

Ein Meisterwerk der Renaissance im Vatikan wird aufwendig restauriert: Die Arbeiten an den Fresken der Raffael-Loggia im Herzen des Apostolischen Palastes sollen fünf Jahre dauern, mit moderner Laser-Technik ausgeführt werden und etwa 20 Fachleute beschäftigten, wie die Vatikanischen Museen bei der Präsentation des Vorhabens am Mittwoch, 24. Juni, mitteilten.
Damit bei der Restaurierung die Fresken und der Stuck nicht beschädigt werden, sollen sie „trocken“ gereinigt werden.
Der 65 Meter lange und vier Meter breite Säulengang befindet sich im zweiten Stock des Palastes und wurde zwischen 1517 und 1519 von dem Meistermaler Raffael für Papst Leo X. ausgestaltet.
Für das Publikum ist sie nicht zugänglich, hohe Besucher des Papstes werden hier durchgeführt. Die letzte Teilrestaurierung liegt etwa 50 Jahre zurück.

Verschmutzungen verdecken Originalfarben

Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge sind die Fresken und der Stuck stark verschmutzt. Die Schichten aus tierischem Leim, Wachsen und Fixiermitteln, die über die Jahrhunderte aufgetragen wurden, sind vergilbt und haben Ablagerungen eingeschlossen, die zarten Pastelltöne des ursprünglicher Werkes sind überdeckt.
Laut Chef-Restaurator Paolo Violini zeigte die Untersuchung der Oberfläche, dass es notwendig sei, eine „trockene Reinigungsmethode“ anzuwenden, um die empfindlichen Original-Schichten zu erhalten, die sehr empfindlich auf chemische Vorgänge reagierten.
Deshalb sei die Laser-Technologie „die einzige Möglichkeit“, um die gewünschte Präzision bei der Reinigung zu erzielen und die Oberflächen trocken zu lassen, sagte Violini vor Journalisten.
Die Direktorin der Vatikanischen Museen, Barbara Jatta, sprach von einem „entscheidenden Moment sowohl für die Geschichte der Restaurierung als auch für die der italienischen Renaissance“.
Die im April begonnenen Arbeiten umfassen etwa 1300 Quadratmeter Fläche. Die Kosten werden in Höhe von 5,5 Millionen Dollar (rund 4,8 Millionen Euro) von internationalen Gebern der Nichtregierungsorganisation World Monuments Fund unterstützt, die sich der Erhaltung außergewöhnlicher Werke des Welterbes widmet. (afp/red)
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Trumps Name von Kennedy Center entfernt

Nach einer richterlichen Entscheidung entfernten Bauarbeiter am 13. Juni den Namen von US-Präsident Donald Trump von der Fassade des Kennedy Centers.
Die Kultureinrichtung habe der Gerichtsentscheidung Folge geleistet und „sämtliche physische Beschilderung am Kennedy Center“ entfernt, auf der der Name des US-Präsidenten stand, teilte der Geschäftsführer des Kennedy Centers, Matt Floca, am Samstag in einem Gerichtsdokument mit.
Ein US-Bundesrichter hatte zuvor den Antrag des Verwaltungsrats des Kennedy Centers sowie des Justizministeriums zurückgewiesen, die Rückbenennung zu stoppen. Eine weiße Plane verdeckte am Mittag (Ortszeit) noch einen großen Teil der Schrift an der Außenseite des Kulturzentrums, sodass die Entfernung von Trumps Namen zunächst nicht erkennbar war.
Das Kennedy Center informiert in Gerichtsdokumenten darüber, dass Trumps Name von seiner Fassade entfernt worden ist.

Das Kennedy Center informiert in Gerichtsdokumenten darüber, dass Trumps Name von seiner Fassade entfernt worden ist.

Foto: Rahmat Gul/FR172204 AP/AP/dpa

Den Namen binnen zwei Wochen entfernen

Bundesrichter Christopher Cooper hatte am 29. Mai entschieden, dass die von Trump vorgenommene Hinzufügung seines Namens rechtswidrig sei. Allein der US-Kongress habe das Recht zur Umbenennung. Er ordnete an, dass Trump seinen Namen binnen zwei Wochen von der Marmorfassade des Kulturzentrums entfernen lassen müsse. Von der Website war Trumps Name bereits Anfang der Woche verschwunden.
„Die Gründungsurkunde des Kennedy Centers macht unmissverständlich klar, dass das Center nach Präsident Kennedy benannt ist und keinen anderen offiziellen Namen oder kein öffentliches Denkmal tragen darf, das auf der einseitigen Entscheidung des Verwaltungsrats beruht“, sagte Cooper.
Die Trump-Regierung legte am 11. Juni beim Berufungsgericht des District of Columbia Circuit Berufung ein, die am folgenden Tag mit einem nicht unterzeichneten Beschluss zurückgewiesen wurde.
Er blockierte zudem die geplante Schließung des Gebäudes, die nach dem 4. Juli hätte beginnen sollen, um eine zweijährige Renovierung zu ermöglichen.
Mit Blick auf den Ablauf der Frist bauten die Arbeiter am Freitagvormittag am Gebäude ein Gerüst. Kurz vor dem Fristende um Mitternacht beantragte das Kulturzentrum eine Verlängerung der Frist um zwölf Stunden, wie US-Medien berichteten.
Die Arbeiten verzögerten sich durch „Gewitter, die Sicherheitsrisiken für die Arbeiter“ darstellen, teilte Geschäftsführer Floca mit. Am Freitagabend versammelten sich zahlreiche Menschen vor dem Kulturzentrum, um zuzuschauen.

Kuratorium wollte die Namensänderung – Trump hatte nicht darum gebeten

Das Kuratorium des Kulturzentrums und das Justizministerium hatten Cooper am 11. Juni aufgefordert, das Urteil auszusetzen.
Der Richter wies den Antrag mit der Begründung zurück, dem öffentlichen Interesse sei „selten gedient durch die ‚Fortführung‘ von ‚rechtswidrigem‘ staatlichen Handeln“. Der Verwaltungsrat und das Justizministerium legten daraufhin bei einem höheren Gericht Berufung ein.
Der derzeitige Vorstand, bestehend aus prominenten Persönlichkeiten und Regierungsbeamten, darunter die Ehefrau von Vizepräsident JD Vance, Usha Vance, und die Fox-Business-Moderatorin Maria Bartiromo, beschloss im Dezember 2025 einstimmig, die Einrichtung in „Donald J. Trump and the John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts“ umzubenennen. Trump begrüßte die Namensänderung, merkte jedoch an, dass er nicht darum gebeten habe.
Nachdem die zweijährige Schließung der Einrichtung und ihre Umbenennung gerichtlich verhindert worden waren, erklärte Trump, er wolle den Betrieb an den Kongress übertragen.
Nach der Ermordung von Präsident Kennedy 1963 war das Kulturzentrum zu seinen Ehren in Washington errichtet und 1971 eröffnet worden. Trump hatte es nach seiner Wiederwahl als linke, „woke“ Institution bezeichnet und ein „patriotisches“ Kulturprogramm angekündigt.
 
Mit Material von AFP und der amerikanischen Epoch Times
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china

Vom mächtigen Abt zum Verurteilten: Der tiefe Fall des „CEO-Mönchs“

Der sagenumwobene Shaolin-Tempel in China, der als die Geburtsstätte des Kung-Fu und des Zen-Buddhismus gilt, sieht sich einem handfesten Skandal gegenüber und im Zentrum steht der ehemalige Abt des Klosters.
Laut der staatlichen chinesischen Zeitung „People’s Daily“ befand ein Gericht in der Stadt Xinxiang in der Provinz Henan Shi Yongxin am 29. Mai wegen Unterschlagung, Veruntreuung von Geldern und Bestechung für schuldig.
Das Gericht stellte fest, dass er seine Ämter als Abt und als Vorsitzender der Shaolin-Wohltätigkeitsstiftung ausgenutzt habe, um zwischen 2003 und 2025 Vermögenswerte des Tempels im Wert von mehr als 131 Millionen Yuan (etwa 17 Millionen Euro) zu veruntreuen.
Zudem habe er seit 2006 für Bauprojekte am Tempel illegal Bestechungsgelder im Gesamtwert von mehr als 11,63 Millionen Yuan (1,5 Millionen Euro) entgegen genommen.
Da er nach seiner Festnahme „seine Straftaten wahrheitsgemäß gestanden […] und Reue gezeigt hat“, wurde er zu einer Freiheitsstrafe von 24 Jahren und einer Geldstrafe von 3,5 Millionen Yuan (circa 450.000 Euro) verurteilt.
Laut offiziellen Angaben erklärte Shi, der unter dem bürgerlichen Namen Liu Yingcheng geboren wurde, vor Gericht, dass er das Urteil akzeptiere und keine Berufung einlegen werde.

Schwere Vorwürfe gegen den „CEO-Mönch“

Shi war für 25 Jahre Abt des berühmten Shaolin-Tempels, der in der Nähe der zentralchinesischen Stadt Zhengzhou in der Provinz Henan liegt. Weithin war Shi jedoch als „CEO-Mönch“ bekannt, denn er war maßgeblich an der Kommerzialisierung der „Marke“ Shaolin und der Gründung internationaler Shaolin-Zentren beteiligt.
Vor knapp einem Jahr wurden die Ermittlungen gegen Shi eingeleitet, die zu seiner Verurteilung führten. Wie die englischsprachige Ausgabe der Epoch Times berichtete, teilte dies die Tempelleitung in einer Erklärung am 27. Juli 2025 mit. Dem 60-Jährigen wurde damals auch vorgeworfen, gegen die buddhistischen Gebote verstoßen zu haben, indem er „über einen langen Zeitraum hinweg unangemessene Beziehungen zu mehreren Frauen unterhielt“ – und mindestens ein uneheliches Kind gezeugt habe.
Noch am 23. Juli veröffentlichte er auf seinem Weibo-Account, Chinas Version von X, mit 880.000 Abonnenten, seine Interpretation der buddhistischen Lehre.

8. November 2009 im Shaolin-Tempel in der Provinz Henan – Abt Shi Yongxin im Gespräch mit AFP. Der Shaolin-Tempel, bekannt als Geburtsort des Zen-Buddhismus und weltberühmt für sein Kung-Fu, ist ein Ort, der im Westen Ehrfurcht und Mystik hervorruft, in China jedoch wegen seiner zügellosen Kommerzialisierung umstritten ist.

Foto: Peter Parks/AFP via Getty Images

Shi darf nicht mehr Mönch sein

Auch die Buddhistische Vereinigung Chinas, eine staatlich kontrollierte Körperschaft unter Aufsicht der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), gab eine offizielle Erklärung zu dem Fall ab.
Am 28. Juli erklärte die Vereinigung, in der Shi seit 1998 als deren stellvertretender Präsident fungierte, dass man der Entscheidung zur Aufhebung seiner Ordination als Mönch zugestimmt habe.
„Die Taten von Shi Yongxin sind äußerst verwerflich und beschädigen den Ruf des Buddhismus sowie das Ansehen der Mönche zutiefst“, erklärte die oberste buddhistische Behörde des Landes.
Neu waren die Anschuldigungen gegen Shi nicht. Im vergangenen Jahrzehnt war der Abt in mehrere Skandale verwickelt – Vorwürfe reichten von Unterschlagung bis zu unerlaubten sexuellen Aktivitäten.

6. April 2005 – „Shaolin-CEO“ Shi Yongxin, der Abt des Shaolin-Tempels, auf dem Weg zum Frühstück.

Foto: Cancan Chu/Getty Images

Am 8. August 2015 reiste Shaolin-Cheftrainer Shi Yanlu mit fünf Begleitern nach Peking, um bei der Staatlichen Verwaltung für religiöse Angelegenheiten der KPCh eine formelle Beschwerde einzureichen, in der sie Shi „zehn Verbrechen“ vorwarfen.
Eine Untersuchung der Behörden gegen den Abt wurde jedoch im selben Jahr aus „Mangel an Beweisen“ eingestellt.
Laut der chinesischsprachigen Epoch Times genoss Shi weiterhin das Vertrauen der Behörden und war häufig und in prominenter Weise bei wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Veranstaltungen im In- und Ausland zu sehen.

19. Januar 2014 im Grand Theatre in Dakar, Senegal – ein Auftritt einer Show-Truppe aus dem Shaolin-Kloster.

Foto: Seyllou/AFP via Getty Images

Die guten Beziehungen des Abtes

Die chinesische Wirtschaftszeitschrift „Caixin“ veröffentlichte im Jahr 2015 einen Bericht, wonach der Abt enge Beziehungen zu höchsten Parteikreisen pflegte, darunter zum ehemaligen Staats- und Parteichef Jiang Zemin. Dieser war es auch, der ihn zu seiner Amtszeit 1998 in den Nationalen Volkskongress berief – ein von der Partei kontrolliertes Scheinparlament. Shi, der auch Parteimitglied ist, hatte diese Position zwanzig Jahre lang inne.
Auch zum damaligen Parteichef der Provinz Henan, Li Changchun, pflegte der „CEO-Mönch“ gute Beziehungen. Dieser war zudem in der Zeit von 2002 bis 2012 Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros der KPCh und dort für Ideologie zuständig, was die Frage des Buddhismus einschließt.
Shi war ein wichtiger Akteur in der Soft-Power-Strategie der KPCh, die unter anderem durch Shaolin-Kulturzentren und Konfuzius-Institute in die Welt gebracht wurde und wird.
Der Shaolin-Abt pflegte auch enge Beziehungen zum Militär, und die von ihm geleiteten Shaolin-Mönche haben zahlreiche Kampfkunstschulen gegründet, die als wichtige Rekrutierungsquellen für die Spezialeinheiten der Volksbefreiungsarmee dienen.
Ob Shi selbst Kung-Fu praktizierte, ist nicht bekannt.
Zum Urteil des Shaolin-CEOs schrieb der chinesische Kommentator David Tsai auf X: „Shis Aussage vor Gericht, er werde ‚das Urteil ohne Berufung akzeptieren‘, ist vielsagend. Denn oft bedeutet der Verzicht auf Berufung nicht vollständige Reue – es bedeutet vielmehr, dass der Angeklagte weiß, dass sein Schutzschild weg ist und eine Berufung sinnlos wäre.“

Von „es war einmal“ bis heute

Einst war der Shaolin-Tempel ein Hort spiritueller Disziplin und Entwicklung. Auch heute gilt die religiöse Glaubensstätte als eines der renommiertesten buddhistischen Klöster des Landes und der Welt.
Allerdings erfuhr der ab etwa 500 n. Chr. errichtete historische Tempel unter der Herrschaft der KPCh erhebliche Veränderungen. Nach der Gründung des kommunistischen Chinas im Jahr 1949 wurden Religionen argwöhnisch beobachtet und unter strenge staatliche Kontrolle gestellt.
Parteichef Mao Zedong sah die Loyalität von Menschen gegenüber einer höheren Macht als Hindernis für die Entfaltung der kommunistischen Ideologie, welche die Partei an die Spitze von allem stellt.
Aus der anfänglichen Duldung wurde spätestens zur Zeit der Kulturrevolution (1966 bis 1976) eine brutale Unterdrückung, die mit der Zerstörung zahlreicher Tempel, Klöster und anderer Glaubensstätten und unzähliger Schriften, Statuen und Kulturschätze einherging. Viele Mönche wurden verhaftet und zur Zwangsarbeit geschickt, gefoltert und ermordet.
Das buddhistische Shaolin-Kloster nahm erstmals in 1.500 Jahren unter Shis Führung einen politischen Standpunkt ein, indem es im August 2018 die rote Nationalflagge der KP hisste.
Heute ist der Tempel ein globaler Konzern mit zahlreichen Unternehmenseinheiten. Es gibt eine Film- und Fernsehgesellschaft, eine Akademie für Malerei, ein Verlagshaus und eine Truppe für darstellende Künste sowie rund 200 „Kulturzentren“ in mehreren Ländern.
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Die Ausgrenzung der AfD im rheinland-pfälzischen Landtag


In Kürze:

  • CDU, SPD und Grüne verhindern die Leitung von Fachausschüssen durch AfD-Vertreter im Landtag RLP
  • AfD-Gegner hatten Nichtwahl im Vorfeld angekündigt
  • AfD hätte drei Vorsitze und vier Stellvertreterpositionen bekommen sollen
  • Bundesverfassungsgericht hält Bruch mit parlamentarischer Tradition für rechtens

 
Bei der Konstituierung der 14 parlamentarischen Fachausschüsse im Landtag Rheinland-Pfalz am 2. Juni 2026 ist erstmals kein einziger Abgeordneter der AfD in eine leitende Position gewählt worden. Obwohl der stärksten Oppositionsfraktion im Mainzer Landtag zumindest der jeweilige Vorsitz in drei der 14 Ausschüsse zugestanden hätte, verweigerten die MdLs aus den Reihen der übrigen Fraktionen den AfD-Kandidaten erwartungsgemäß die Stimmen für die jeweils erforderliche, einfache Mehrheit.
Nach Informationen des SWR hatten Vertreter der Fraktionen von CDU, SPD und der Grünen die Nichtwahl im Vorfeld angekündigt. Die Gegner der AfD folgten damit einer Praxis, die seit Jahren unter anderem im Bundestag Anwendung findet. AfD-Kandidaten werden entgegen jahrzehntelanger parlamentarischer Gepflogenheiten schlicht nicht für Leitungsaufgaben gewählt, ganz gleich, ob es um Fachausschüsse oder um eine Parlamentspräsidentschaft geht.
Das Bundesverfassungsgericht hat ein solches Gebaren am 18. September 2024 für rechtmäßig erklärt. Demnach dürfen Parlamentarier die Entscheidung über ihre Vorsitzenden selbst in freier Wahl treffen und sind nicht verpflichtet, einem Kandidatenvorschlag zu folgen.

Keine Vorsitzwahl in den Ausschüssen für Bildung, Kultur und Wirtschaft

Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Landtags hatte der von Landtagspräsident Matthias Lammert und seiner Vizepräsidentin Marion Schneid (beide CDU) geleitete Ältestenrat zuvor festgelegt, dass die Vorsitze in den Fachausschüssen für Bildung, für Kultur sowie für Wirtschaft, Tourismus, Energie und Klima grundsätzlich der AfD zustehen. In vier weiteren Ausschüssen, nämlich jenen für Umwelt, Verkehr, Haushalt und Gesundheit, hätte die AfD zudem offiziell die stellvertretende Leitung übernehmen dürfen. In allen Fällen wurde nichts daraus.
Die drei Ausschüsse für Bildung, Kultur und Wirtschaft werden damit bis auf Weiteres kommissarisch von den gewählten Stellvertretern geleitet. Diese stammen ausschließlich aus den Reihen der Regierungsparteien CDU (Matthias Reuber, Michael Wagner) und SPD (Anna Köbberling).
Nach Angaben der AfD-Fraktion waren Joachim Paul (Bildung), Albert Breiniger (Kultur) und Ralf Schönborn (Wirtschaft) vonseiten der AfD ins Rennen geschickt worden. Ersatzkandidaten für einen neuen Wahlanlauf wurden bislang nicht vorgeschlagen. Dies wäre während der gesamten Legislaturperiode möglich.

Grüne erhalten zwei Ausschüsse

Die Stellvertreterposten in den Fachausschüssen für Umwelt, Verkehr, Haushalt und Gesundheit, die nach dem Zugriffsverfahren des Ältestenrats eigentlich für AfD-Abgeordnete reserviert waren und sind, bleiben mangels Zustimmung durch CDU-, SPD- und Grünenvertreter ebenfalls bis auf Weiteres unbesetzt.
Der kleineren Oppositionspartei der Grünen wurde ihr parlamentarisches Recht auf einen Ausschussvorsitz und eine Stellvertreterposition hingegen einstimmig gewährt. Lisett Stuppy wird die Sitzungen des Ausschusses für Gleichstellung und Frauen leiten und Josef Winkler soll die Stellvertretung im Petitionsausschuss übernehmen.

Lohr vermisst „Respekt vor dem Wählerwillen“

Nach Informationen von „n-tv“ stimmten die AfD-Vertreter diesen Personalien wie auch sämtlichen anderen Wahlvorschlägen ihrer Konkurrenten zu. Genau das hatte Damian Lohr, der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag, vorab per Pressemitteilung angekündigt. Nach dem Scheitern sämtlicher AfD-Kandidaten wiederholte Lohr im SWR sein Argument, dass es bei der Wahl von Ausschussvorsitzenden und ihrer Stellvertreter letztlich nicht um Sympathien, sondern um „Respekt vor dem Wählerwillen“ gehe.
SPD-Fraktionschef und Ex-Ministerpräsident Alexander Schweitzer verwies im SWR dagegen auf die „permanente Radikalisierung“ der AfD. Seine Fraktion vertrete ebenso wie jene der SPD und der Grünen „jeweils für sich und gemeinsam“ die Auffassung, dass sie sich „von Menschen, die für die AfD“ stünden, „nicht repräsentiert fühlen“ könnten. Katrin Eder, die Fraktionsvorsitzende der Grünen, begründete die Nichtwahl der AfD-Kollegen damit, dass diese aus ihrer Sicht „nicht zum demokratischen Spektrum“ gehörten.

AfD im Plenum mehr als doppelt so stark wie die Grünen

Jeder der 14 Fachausschüsse des rheinland-pfälzischen Landtags besteht aus zehn ordentlichen und zehn weiteren, stellvertretenden Mitgliedern. In grober Entsprechung zur Fraktionsstärke im Parlament gehen in jedem dieser Ausschüsse jeweils vier Sitze an die CDU, drei an die SPD, zwei an die AfD und ein Sitz an die Grünen.
Die jüngste Landtagswahl vom 22. März 2026 hatte folgendes Zweitstimmenergebnis erbracht:
  • CDU: 31,0 Prozent / 39 Sitze im Plenum
  • SPD: 25,9 Prozent / 32 Sitze
  • AfD: 19,5 Prozent / 24 Sitze
  • Grüne: 7,9 Prozent / 10 Sitze
35 Jahre nach der Abwahl von Carl-Ludwig Wagner (CDU) wurde mit Gordon Schnieder erstmals wieder ein Christdemokrat zum Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz gewählt. Er entschied sich für ein Regierungsbündnis mit der nunmehr zweitstärksten Kraft, der SPD. Der bisherige SPD-Ministerpräsident Alexander Schweitzer übernahm den Fraktionsvorsitz seiner Partei.

Verfassungsänderung erschwert U-Ausschüsse

Erst vor knapp einem Monat, am 6. Mai, hat der eigentlich bereits abgewählte, alte Landtag in einer Sondersitzung eine Änderung von Artikel 91 der Landesverfassung beschlossen. Das zur Einsetzung eines Untersuchungsausschusses notwendige Quorum wurde von 20 auf 25 Prozent erhöht. Bei aktuell 105 Abgeordneten sind damit nun 27 Stimmen für einen U-Ausschuss notwendig.
Vor der Änderung hätten 21 Stimmen genügt. Die auf 24 Mitglieder erstarkte AfD-Fraktion hätte damit im Alleingang Untersuchungsausschüsse auf den Weg bringen können. Das ist nun nicht mehr möglich.

Rheinland-Pfalz kontra AfD

Bereits im Juli 2025 hatte das damals noch von Michael Ebling geleitete Landesinnenministerium eine schärfere Gangart gegenüber AfD-Anhängern signalisiert. Zunächst hatte Ebling angekündigt, dass AfD-Mitglieder in Rheinland-Pfalz nicht mehr in den Staatsdienst eingestellt werden sollten. Immerhin beobachte der Landesverfassungsschutz die Partei als „extremistische Bestrebung“. Als daraufhin Kritik von Verfassungsrechtlern laut wurde, ruderte das Innenministerium teilweise zurück: Man werde künftig jeden Einzelfall prüfen.
Auch der Fall des AfD-Landtagsabgeordneten Joachim Paul hatte im vergangenen Jahr für bundesweite Debatten gesorgt. Jutta Steinruck, die damalige Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen und zugleich Leiterin des städtischen Wahlausschusses, hatte erfolgreich angeregt, den Lehrer nicht zur OB-Wahl am 21. September zuzulassen. Sie begründete ihren Vorstoß damit, dass Paul „möglicherweise nicht die Voraussetzungen der Verfassungstreue“ erfülle. Paul wehrte sich monatelang erfolglos auf juristischem Wege gegen seine Ausgrenzung.
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kultur

Vermeers geheimnisvolles Mädchen mit dem Perlenohrring

Von allen jungen Frauen auf den Gemälden dieser Welt hat nur eine einzige den Anstoß zu einem Roman, einem Film sowie zu einer Ausstellung gegeben, die 650.000 Besucher anzog: „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“. Ihre Identität bleibt jedoch ein Geheimnis. Als das Gemälde im Jahr 1696 erstmals versteigert wurde, lautete sein Titel schlicht „Een Tronie in Antique Klederen, ongemeen konstig“, übersetzt „Ein Tronie in antikem Gewand, ungewöhnlich kunstvoll“.
Der Begriff „Tronie“ stammt aus dem Goldenen Zeitalter der Niederlande. Er bezeichnet im Gegensatz zu einem Porträt eines bestimmten Modells oder Auftraggebers ein Gemälde einer fiktiven Figur. Obwohl viele Tronies nach lebendigen Vorbildern gemalt wurden, bestand die künstlerische Absicht darin, ein hypothetisches, idealisiertes Motiv zu erschaffen, ohne es einer bestimmten Person zuzuordnen. Und genau darin liegt das unwiderstehliche Geheimnis des Gemäldes.
Der im niederländischen Delft ansässige Maler Johannes Vermeer, der das Werk um 1665 erschuf, führte kein Luxusleben. Er hatte elf Kinder zu versorgen, hohe Schulden zu bedienen und konnte sich kein professionelles Modell leisten. Für seine Gemälde posierten oft seine eigenen Kinder, Bedienstete oder wer auch immer gerade verfügbar und bereit war, kostenlos Modell zu stehen. Aber wer stand für das Mädchen mit dem Perlenohrring Modell?

Ein Donnerschlag des Schicksals

Bis zum Herbst 1654 hatte das Goldene Zeitalter der Niederlande die Art und Weise, wie Kunstwerke erschaffen, gekauft und verkauft wurden, grundlegend verändert. In einer Republik ohne Monarchie, in der sich eine florierende Kaufmannsschicht die Verschönerung ihrer Häuser leisten konnte, wich der Bedarf an großformatigen, komplexen Gemälden mit historischen und mythologischen Szenen. Stattdessen stieg die Nachfrage nach Darstellungen aus dem Alltagsleben, auch als „Genrebilder“ bezeichnet.
In der Stadt Delft, etwas außerhalb von Den Haag, lebte der prominenteste Künstler, der diesen kulturellen Wandel meisterte: einer von Rembrandts begabtesten Schülern, Carel Fabritius. Seine künstlerische Entwicklung zeigt eine deutliche Abkehr von Bildnissen mit Lazarus, Johannes dem Täufer, Hera und Merkur hin zu Werken wie „Junger Mann mit Pelzmütze“ und „Der Distelfink“.
Leider fand sein Leben ein tragisches Ende, als bei einem routinemäßigen Rundgang ein Pulverlager mit etwa 30 bis 40 Tonnen Schwarzpulver explodierte. Die als „Delfter Donnerschlag“ bekannte Explosion war noch in 150 Kilometern Entfernung zu hören. Dabei wurde ein großer Teil der Stadt zerstört. Unter den Todesopfern war Carel Fabritius.
Vermeer hingegen überlebte. In den Folgejahren fand sein Talent Anerkennung und er wurde zum Vorsitzenden der Delfter Lukasgilde gewählt. Seine künstlerische Karriere begann mit einigen Historienbildern, gefolgt von zwei Landschaften, mehr als zwei Dutzend Genrebildern und einigen Tronies.

„Ansicht von Delft“, um 1660–1661, von Johannes Vermeer. Öl auf Leinwand, 96,5 × 115,5 cm. Mauritshuis, Den Haag.

Leider war die Anerkennung von Vermeers Genialität während seines kurzen, nur 43 Jahre währenden Lebens ganz auf seine Heimatregion beschränkt. Da er keine Schüler hatte, die seine unglaublich präzise Beherrschung von Perspektive und Licht weiterführten, und er zudem nur etwa 37 vollendete Gemälde hinterließ, findet sein Vermächtnis in der niederländischen Kunstgeschichte nur als Fußnote Erwähnung.
Wer das Gemälde bei jener Auktion im Jahr 1696 erwarb, ist nicht überliefert. Das Werk verschwand knapp zwei Jahrhunderte in der Versenkung. Erst 1881 kam es wieder zum Vorschein und wurde erneut im Amsterdamer „Venduehuis“, dem heute ältesten noch existierenden Auktionshaus der Niederlande, versteigert.
Der ursprünglich grüne Hintergrund war vollständig zu Schwarz verblasst. Das Gemälde war derart verschmutzt, dass Vermeers Signatur vollständig verschwunden war. In der Auktionsbeschreibung hieß es, das Gemälde befinde sich in einem „schrecklichen Zustand der Verwahrlosung“ und der Künstler sei unbekannt.
Seine heutige Berühmtheit verdankt das Gemälde zum großen Teil der Anwesenheit von Victor de Stuers, einem Kunsthistoriker und Denkmalpfleger. Er erkannte die mögliche Urheberschaft Vermeers und überzeugte seinen Freund und Nachbarn Arnoldus Andries des Tombe, ein Gebot für das Gemälde abzugeben. Das Meisterwerk wurde für einen Betrag verkauft, der heute rund 30 Euro entsprechen würde.
„Die Milchmagd“, um 1658, von Johannes Vermeer. Öl auf Leinwand; 45,2 cm × 40,6 cm. Mauritshuis, Den Haag. Foto: gemeinfrei

„Die Milchmagd“, um 1658, von Johannes Vermeer. Öl auf Leinwand, 45,2 × 40,6 cm. Mauritshuis, Den Haag.

Das Rätsel um die Unbekannte

150 Jahre und mehrere umfangreiche Restaurierungen später sind die Gesichtszüge des Mädchens mit dem Perlenohrring deutlicher und strahlender, doch ihre Identität bleibt nach wie vor ein Rätsel. Es wurden verschiedene Theorien aufgestellt, um die Besonderheiten ihres Aussehens zu erklären.
Bis zu seiner Umbenennung im Jahr 1995 durch das Mauritshuis, das berühmte Museum in Den Haag, war das Gemälde unter dem Titel „Das Mädchen mit dem Turban“ bekannt. Ihre Kleidung wurde oft als türkisch beschrieben, wobei im Europa des 17. Jahrhunderts alles, was aus dem Osmanischen Reich stammte, als türkisch bezeichnet werden konnte.

„Das Mädchen mit dem Perlenohrring“, etwa 1665.

Foto: gemeinfrei

Die junge Frau auf dem Gemälde wirft einen Blick über ihre Schulter in Richtung des Betrachters. Ihre Augen und Lippen wirken feucht. Ihr Mund ist leicht geöffnet, was Überraschung oder eine andere Art Empfindung ausdrückt. Die Kombination so vieler Merkmale, die für ein formelles Porträt jener Zeit untypisch sind, erklärt die ursprüngliche Einstufung als Tronie, liefert jedoch keinen eindeutigen Grund für den Anlass dieses Gemäldes.
Im gleichnamigen Roman von Tracy Chevalier und der folgenden Verfilmung heißt es, dass Vermeer sein Dienstmädchen gemalt und damit eine romantische Verbindung zwischen den beiden entfacht habe. Diese These wird durch den Umstand gestützt, dass mehrere seiner Gemälde den Alltag von Dienstmädchen zeigten und das Gemälde kurz nach seiner Fertigstellung in den Besitz des Antagonisten des Romans, Vermeers häufigstem Mäzen Pieter van Ruijven, überging.
Chevaliers Erzählung liefert nicht nur eine Erklärung für den bemerkenswert intimen Ausdruck des Mädchens auf dem Gemälde, sondern auch einen fesselnden Dialog zwischen dem Künstler und seiner Muse, der Einblicke in das Genie hinter seinem Schaffensprozess gewährt. Was ihr Konzept jedoch außer Acht lässt, ist die weniger romantische Option, dass es sich bei dem Mädchen auch um die Tochter von Pieter van Ruijvens handeln könnte.
Neue Forschungen deuten darauf hin, dass die meisten der erhaltenen Gemälde Vermeers nicht in erster Linie von Pieter van Ruijven, sondern von dessen Frau Maria de Knuijt in Auftrag gegeben wurden. Beide waren Anhänger der Remonstrantischen Kirche. Die bemerkenswerte Verehrung des Paares für Maria Magdalena spiegelt sich auch im Namen ihrer Tochter wider: Magdalena. Im Jahr 1665 überließ de Knuijt dem Maler eine Summe von 500 Gulden (heute 30.000–38.000 Euro). Zum Zeitpunkt der Entstehung des Gemäldes dürfte das Mädchen alt genug gewesen sein, um konfirmiert zu werden.

„Straße in Delft“, um 1658, von Johannes Vermeer. Öl auf Leinwand, 54,3 × 43,5 cm. Rijksmuseum, Amsterdam.

Nach der Theorie des britischen Kunsthistorikers Andrew Graham-Dixon verkörpert das Mädchen in Vermeers berühmtem Gemälde Maria Magdalena im Moment der Auferstehung, als sie sich vom leeren Grab abwendet und den auferstandenen Jesus erkennt, der sie fragt: „Frau, warum weinst du?“ Sollte diese stimmen, so läge darin eine dramatische Rückkehr von Vermeers häufigeren Genrebildern hin zu einem sakralen Motiv.
Kuratoren und Historiker haben zu dieser Theorie noch keinen Konsens gefunden. Unbestritten ist jedoch, dass vor dem Verschwinden des Gemäldes nach der Auktion von 1696 sein letzter bekannter Besitzer Jacob Abrahamsz Dissius, der Ehemann von Magdalena van Ruijven, war.
Da Vermeer keine Tagebücher, Skizzen oder Widmungen hinterließ, wird die Identität des Mädchens möglicherweise für immer ein Rätsel bleiben. Aus erhaltenen Aufzeichnungen von 1696 geht jedoch auch hervor, dass noch immer bis zu neun vollendete Vermeer-Gemälde verschollen sind. Möglicherweise ergeben sich aus ihnen weitere Beweise, die belegen, ob es sich bei der Muse und der Besitzerin des Gemäldes einst um ein und dasselbe Mädchen handelte.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Vermeer’s Elusive Pearl Earring“. (redaktionelle Bearbeitung: sua)
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Gericht stoppt „Trump Kennedy Center“ – Streit um Umbenennung und Renovierung eskaliert

Im Konflikt um das Kennedy Center in Washington hat ein Gericht die Umbenennung der Kulturinstitution in „Trump Kennedy Center“ vorläufig gestoppt und die Entfernung von Donald Trumps Namen von der Fassade angeordnet. Nach Auffassung des Gerichts ist der US-Kongress für die Benennung der Einrichtung zuständig, da dieser auch den ursprünglichen Namen festgelegt hatte.
Kennedy Center steht damit erneut im Zentrum einer politischen und juristischen Auseinandersetzung um Einfluss und Zuständigkeiten bei einer der wichtigsten Kulturinstitutionen der USA.
Die Kultureinrichtung soll für einen Umbau rund zwei Jahre lang geschlossen bleiben. (Archivbild)

Die Kultureinrichtung soll für einen Umbau rund zwei Jahre lang geschlossen bleiben. (Archivbild)

Foto: Andrej Sokolow/dpa

Schließungspläne vorerst ausgesetzt

Auch die geplante vorübergehende Schließung des Hauses für umfangreiche Renovierungsarbeiten wurde gestoppt. Das Gericht begründete dies damit, dass keine ausreichende und ergebnisoffene Prüfung der Entscheidung vorgelegen habe.
Die laufenden Instandsetzungsarbeiten dürfen jedoch weitergeführt werden. Eine Schließung bleibt grundsätzlich möglich, sofern sie rechtlich korrekt begründet und beschlossen wird.

Reaktion von Donald Trump

Präsident Trump reagierte deutlich auf die Entscheidung und kritisierte die Justiz in einem Beitrag in sozialen Medien. Er erklärte, er sei im Vergleich zu früheren Präsidenten besonders ungerecht behandelt worden.
Gleichzeitig kündigte er an, sich nicht weiter aktiv an der geplanten Renovierung des Kennedy Centers zu beteiligen und die Verantwortung vollständig an den Kongress abzugeben. Ob er seine Funktion im Leitungsgremium der Einrichtung weiter wahrnimmt, blieb zunächst offen.
Trump erwägt Truppenreduzierung in Deutschland.

US-Präsident Donald Trump im Wießen Haus.

Foto: Matt Rourke/AP/dpa

Politische Vorgeschichte der Umbauten

Die aktuellen Entwicklungen stehen im Zusammenhang mit einer umfassenden Neuausrichtung der Institution nach Trumps Amtsantritt 2025. Dabei wurden Teile der Leitung neu besetzt und die kulturpolitische Ausrichtung verändert.
Eine zentrale Rolle spielte dabei auch Richard Grenell, der zeitweise mit der organisatorischen Umgestaltung betraut war.
Im Dezember wurde das Kennedy Center zwischenzeitlich in „Trump Kennedy Center“ umbenannt, was in der Kulturszene auf deutlichen Widerstand stieß und zu einzelnen Absagen von Veranstaltungen führte.
Das Kennedy Center ist eines der zentralen Kulturhäuser der Vereinigten Staaten und präsentiert regelmäßig Aufführungen aus Theater, Tanz und Musik. Benannt ist es nach dem früheren US-Präsidenten John F. Kennedy.

Politische und kulturelle Debatte

In Washington wird der Streit unterschiedlich bewertet. Befürworter der Umbauten verweisen auf Modernisierung und strukturelle Erneuerung. Kritiker sehen dagegen eine starke politische Einflussnahme auf eine kulturell unabhängige Institution und verweisen auf eine zunehmende Personalisierung staatlicher Projekte.
Die Entscheidung des Gerichts könnte weitere politische und juristische Schritte nach sich ziehen. Auch eine erneute Befassung des Parlaments mit der Namensfrage gilt als möglich. (dpa/red)
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wissen

Fünf antike Bibliotheken die die Welt veränderten


In Kürze:

  • Früher wie heute gibt es zahlreiche Bibliotheken, in denen kluge Köpfe Texte studieren, Entdeckungen machen und Neuheiten entwickeln.
  • In der Antike gab es neben der Bibliothek von Alexandria vier weitere große Einrichtungen, die zu Geburtsstätten für Neuerungen wurden.
  • Ihre Geschichten blieben erhalten, weil bestimmte Menschen die Vergangenheit vor der Vernichtung bewahren wollten.

 
Wenn wir an Griechenland, Rom oder andere antike Hochkulturen denken, kommen uns meist Tempel, Denkmäler und Marmorstatuen in den Sinn. Aber denken wir dabei jemals an Bibliotheken?
Nach der Erfindung der Schrift wurden Bibliotheken zum pulsierenden Herzstück menschlicher Gesellschaften. Sie bewahrten Rechtsdokumente auf, schützten weltbewegende Literatur und fungierten als Bildungszentren im Dienste des Gemeinwohls.

Das königliche Archiv der Hethiter

Zu den ältesten Historikern der Welt gehören unter anderem die Hethiter, deren Überlieferungen in Keilschrift verfasst sind. Sie lebten um 2000 v. Chr. in Kleinasien und entwickelten sich zu geschickten Schmieden und kriegslustigen Wagenlenkern. Außerdem besaßen sie ein ausgeklügeltes Rechtssystem, das sie in zahlreichen Schriften festhielten.
Das hethitische Königreich erhielt seinen Namen von der Hauptstadt Ḫattuša. Hier begannen Archäologen in den frühen 1900er-Jahren mit Ausgrabungen und fanden Tempel, kolossale Steintore und andere bemerkenswerte Relikte. Dazu gehört eine riesige königliche Schriftensammlung, die heute als „Boğazköy-Archiv“ bekannt ist.
Insgesamt besteht das Archiv aus über 25.000 Tontafeln in acht Sprachen und umfasst Jahrbücher, Gesetze, Kodexe, diplomatische Korrespondenzen und Gebete sowie Aufzeichnungen über Feste und Mythen. Sie alle sind wertvolle Quellen, um die Geschichte einer längst vergangenen Kultur zu verstehen.
So stammt aus Ḫattuša etwa der älteste internationale Friedensvertrag der Geschichte. Dieses Dokument verkündete einen dauerhaften Waffenstillstand zwischen den Hethitern und den Ägyptern, die einen zwei Jahrhunderte andauernden Krieg gegeneinander führten. Laut dem Vertrag sollen Pharao Ramses II. und Großkönig Ḫattušili III. letztlich Freunde und durch ein unzerstörbares Band miteinander verbundene „Brüder“ geworden sein.
Einem von Hunderten versöhnlichen Briefen zwischen Ramses II. und der hethitischen Königin Puduhepa zufolge sei der Waffenstillstand aus religiösen Gründen erfolgt. Mit den Worten des Pharaos: „Der Sonnengott und der Sturmgott werden uns Brüderlichkeit und Frieden schenken, auch in dieser guten Beziehung, in der wir uns für immer befinden. Und unsere Boten werden für immer ununterbrochen zwischen uns hin- und herreisen und Brüderlichkeit und Frieden fördern.“
Fünf antike Bibliotheken die die Welt veränderten: das königliche Archiv der Hethiter

Fragmente der Tontafel, auf der der Ägyptisch-Hethitische Friedensvertrag geschrieben steht.

Die königliche Sammlung von Assurbanipal

Eine ähnliche Sammlung von Tontafeln wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in der alten assyrischen Hauptstadt Ninive im heutigen Irak gefunden. Im 7. Jahrhundert v. Chr. drangen kriegerische Stämme in die Gebiete des Assyrischen Reiches ein. Die prekäre geopolitische Lage könnte Assurbanipal, den letzten großen assyrischen König (circa 669–631/627 v. Chr.), dazu motiviert haben, zahlreiche Texte zu sammeln.
Ähnlich wie das Archiv der Hethiter umfassen die rund 30.000 Tontafeln Gesetzestexte, Gerichtsverfahren, Korrespondenzen und Finanzberichte. Das Archiv enthält zudem eine ungewöhnlich große Anzahl von Texten über die Weissagung. In turbulenten Zeiten verließen sich Priester und Könige häufig auf die alte Praxis des Zeichendeutens, um Einblicke in die Zukunft zu gewinnen.
Assurbanipal sandte Botschaften quer durch Mesopotamien und forderte die Städte auf, ihm Kopien ihrer lokalen Dokumente zu schicken. Zusätzlich beauftragte der König einige Schreiber damit, Duplikate der Tontafeln aus Ninive anzufertigen. Ähnlich wie sein Interesse an der Wahrsagerei lässt sich das Sammeln und Kopieren von Dokumenten mit dem Erhalt von Wissen für die Nachwelt erklären. Vielleicht war es sein Wunsch, dass künftige Generationen das Alte würdigen.

Assyrisches Relief des Banketts von Assurbanipal aus Ninive.

Der englische Schriftsteller H. G. Wells (1866–1946) bezeichnete Assurbanipals Archiv als „die wertvollste Quelle für historisches Material weltweit“. Zu den darin enthaltenen Werken gehört unter anderem eine Fassung des sogenannten Gilgamesch-Epos. Diese Geschichte handelt von Gilgamesch und Enkidu, zwei Feinden, die zu Freunden wurden. Gemeinsam besiegten sie übernatürliche Wesen, um ihre Tapferkeit und Stärke unter Beweis zu stellen.
Doch wegen ihrer Überheblichkeit bestraften die Götter die beiden Freunde, indem sich Enkidu mit einer tödlichen Krankheit infizierte. Sein bevorstehender Tod spornt Gilgamesch dazu an, sich auf eine beschwerliche Reise zu begeben, um das Geheimnis des ewigen Lebens zu suchen. Und wer weiß: Wenn ein assyrischer König seine zerfallende Welt nicht hätte bewahren wollen, wäre diese Geschichte vielleicht auf ewig verloren gegangen.

Tafel mit dem Gilgamesch-Epos.

Die Bibliothek von Alexandria

Auch Homer wäre heute vielleicht ein Niemand, wenn fleißige Gelehrte nicht unzählige Stunden damit verbracht hätten, seine und andere Werke aus der berühmten Bibliothek von Alexandria zu studieren, zu kopieren und in die Welt zu tragen.
Die Bibliothek von Alexandria hatte nichts mit den privaten Archiven der Hethiter und Assyrer gemein. Sie wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. erbaut – wahrscheinlich von Ptolemäus II., König von Ägypten. Nach dem Tod Alexanders des Großen im Jahr 323 v. Chr. wurden die Ptolemäer zu einer der mächtigsten Königsdynastien im Mittelmeerraum.
Um die Pracht seines Reiches zu demonstrieren, investierte Ptolemäus II. stark in intellektuelle Projekte. Im Zentrum dessen standen die Bibliothek von Alexandria und das benachbarte Mouseion, ein Tempel für die Musen. Hier hielten nicht nur Gläubige ihre Gebete ab, sondern Gelehrte betrieben auch ihre Studien. Einer Legende zufolge soll der antike Ingenieur Archimedes seine revolutionäre Wasserpumpe während einer Forschungsreise in Alexandria erfunden haben.
Die Bibliothek ähnelte damit vermutlich heutigen Universitäten mit einem gemeinsamen Speisesaal sowie Lese- und Besprechungsräumen. Lehrer und Schüler saßen in Gärten und Hörsälen zusammen und diskutierten über Ideen oder studierten die große Sammlung von Papyrusrollen.
Fünf antike Bibliotheken die die Welt veränderten: die Bibliothek von Alexandria

Künstlerische Darstellung der großen Bibliothek von Alexandria.

Im Jahr 48 v. Chr. soll laut antiken Schriftquellen dann die Katastrophe eingetreten sein: Ein Brand vernichtete rund 40.000 Papyrusrollen. Wie viele Werke unversehrt blieben, ist nicht bekannt. Zu den wertvollsten Werken der Bibliothek zählten einige der frühesten Fassungen von Homers Epen.
Die Bibliothek selbst bestand mehrere Jahrhunderte lang, bis Krieg und Vernachlässigung gleichermaßen zu ihrem Untergang führten. Das Gebäude stürzte wahrscheinlich um 300 n. Chr. ein. Was blieb, waren die dort zu Gast gewesenen Gelehrten, die den Grundstein für die westliche Literatur legten – ein Einfluss, der weit über die Stadt hinausreichte.

Pergamon und Pergament

Um 300 v. Chr. ließen sich griechische Kolonisten an der türkischen Westküste nieder, wo sie Pergamon gründeten. In weniger als einem Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem kulturellen Zentrum. Ihr Höhepunkt war erreicht, als Pergamons Herrscher Eumenes II. (um 221–158 v. Chr.) beschloss, eine beeindruckende Bibliothek zu errichten. Damit wollte er unter anderem die Überlegenheit seiner Stadt gegenüber Alexandria demonstrieren.
Pergamon erreichte wahrscheinlich nie die Größe der Sammlungen Alexandrias. Doch der Wettbewerbsgeist seiner Bibliothekare könnte zu einem Durchbruch in der Buchtechnologie geführt haben, der schließlich eine Brücke zwischen der antiken und der modernen Welt schlug.
Fünf antike Bibliotheken die die Welt veränderten: Pergamon

Blick auf die Überreste der Bibliothek von Pergamon im heutigen Bergama in der Türkei.

Foto: resulmuslu/iStock

Der in Alexandria verwendete Papyrus war billiger und benutzerfreundlicher als die zerbrechlichen Tontafeln. Doch Papyrus hatte einige Nachteile: Bei schlechter Qualität und Lagerung konnten die Schriftrollen binnen weniger hundert Jahre zerfallen.
Um die Mängel zu beheben, sollen die Bibliothekare von Pergamon angefangen haben, mit „Vellum“, den behandelten Häuten von Kalb, Schaf oder Ziege, zu experimentieren. Dieses Material ist heute als „Pergament“ bekannt. Der Begriff leitet sich über das Lateinische („pergamenum“) und das Französische („parchemin“) vom Namen der Stadt ab.
Pergament ermöglichte schließlich den Übergang von zerbrechlichen Schriftrollen zu haltbaren, gebundenen Papierstapeln, den Kodexen. Auch wenn der Begriff „Kodex“ heute vor allem für mittelalterliche Handschriften verwendet wird, folgt doch jedes Buch diesem Format. Hinzu kommt, dass Mönche im Mittelalter zahlreiche antike Schriften kopierten und so das Wissen bewahrten.

Rom und die erste öffentliche Bibliothek

Im Jahr 39 v. Chr. soll der Staatsmann Gaius Asinius Pollio eine heruntergekommene Bibliothek im Herzen Roms renoviert haben – finanziert aus Kriegsbeute. Das renovierte Gebäude nahe dem Marktplatz Forum Romanum trug den Namen „Atrium libertatis“ (zu Deutsch: „Haus der Freiheit“).
Die Bibliothek mit ihren Bürgerlisten und wertvollen Karten war ebenso wie der Garten und eine angrenzende Kunstgalerie uneingeschränkt für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Ort war zweifellos für jene Römer geschaffen, die gebildet waren und lesen konnten – was vom sozialen Status abhing. Aber im Prinzip konnte jeder eintreten.
Fünf antike Bibliotheken die die Welt veränderten: die Bibliothek von Gaius Asinius Pollio

Die Bibliothek von Gaius Asinius Pollio musste im 2. Jh. n. Chr. dem Trajansforum weichen, dessen bauliche Überreste noch heute in Rom zu sehen sind.

Foto: ABBPhoto

Auf dem Weg zur Bibliothek gingen die Besucher an unter freiem Himmel aufgestellten Statuen vorbei. Wie der römische Historiker Plinius der Ältere (circa 23–79 n. Chr.) schrieb, regten diese Statuen die Besucher dazu an, über das Leben und Wirken von Gelehrten nachzudenken. Plinius lobte Pollio dafür, eine Bibliothek gegründet zu haben, die die Werke großer Männer zum Eigentum der Öffentlichkeit machte.
Des Weiteren soll Pollio die römischen Bürger dazu bewogen haben, an Dichterlesungen und anderen interaktiven Veranstaltungen teilzunehmen. Als Förderer einiger der vielversprechendsten Künstler seiner Zeit soll Pollio sogar eine öffentliche Lesung von Vergil, dem Verfasser der berühmten „Aeneis“, initiiert haben. Das Publikum zeigte sich fasziniert, und Vergils Karriere als einer der größten Dichter der römischen Geschichte soll ins Rollen gekommen sein.

Die Bewahrung der Vergangenheit

Während die hethitischen und assyrischen Archive zusammengestellt wurden, um komplexe Rechtssysteme zu dokumentieren oder das Vermächtnis eines Monarchen in chaotischen Zeiten zu bewahren, wandten sich die Bibliotheken von Alexandria und Pergamon aktiver dem intellektuellen Nutzen zu. Dies brachte nützliche Erfindungen und zeitlose Ideen hervor.
Mit Pollios öffentlichem Gebäude übernahm die Bibliothek schließlich eine Funktion, die sie bis heute erfüllt: Sie wurde zu einem freien Raum, in dem gewöhnliche Menschen großartige Literatur lesen, Kunst genießen und ihren Geist kultivieren konnten.
Diese fünf Stätten sind heute alle zerstört und von dem, was sie einst beherbergten, ist nur ein kleiner Bruchteil erhalten. Doch ihre Relikte vermitteln eine wichtige Lektion: Die Vergangenheit kann so zerbrechlich sein wie Ton oder Papier. Sie ist stets den zerstörerischen Kräften ausgesetzt, die schon Bibliothekare auf ihren edlen Missionen zur Bewahrung des Erbes plagten.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „5 Ancient Libraries That Changed the World“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)
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kultur

Tränen, Applaus und viel Anerkennung: Warum Shen Yun weltweit für Aufsehen sorgt

Mitte Mai beendete Shen Yun, das weltberühmte in New York ansässige Ensemble für klassischen chinesischen Tanz und Musik, seine Saison 2026. Diese außergewöhnliche Tanzproduktion sorgt mit ihren Auftritten in über hundert Städten in den Vereinigten Staaten, Lateinamerika, Europa und Ostasien für große Aufmerksamkeit. Dabei zog das Ensemble mit seinen abwechslungsreichen Tanzgeschichten selbst Generäle, Politiker, Künstler, katholische Priester und protestantische Pastoren in seinen Bann. Schon jetzt freuen sich viele Zuschauer darauf, wenn Shen Yun Ende des Jahres mit seinem neuen Programm auf die nächste Welttournee geht.
Für einen emotionalen Höhepunkt der 20. Jubiläumssaison sorgte am 16. April Doug Mastriano, Senator des US-Bundesstaates Pennsylvania. Er überreichte acht Shen-Yun-Künstlern – vier Tänzern und vier Musikern – im Miller Theater in Philadelphia die „Pennsylvania-Freiheitsmedaille“, eine von vielen Auszeichnungen, die dem Ensemble in dieser Saison übergeben wurden. Jeder von ihnen ist entweder selbst direktes Opfer religiöser Verfolgung in China oder hat Angehörige, denen dieses Schicksal widerfahren ist.
„Danke, dass ihr dort ein Licht in der Dunkelheit seid“, so der Senator zu den Künstlern.

Vier-Sterne-General verurteilt Verfolgung

Am 17. Januar besuchte Charles Flynn, ein pensionierter Vier-Sterne-General der US-Armee, die Aufführung von Shen Yun im Opernhaus des Trump-Kennedy-Centers in Washington, D.C. – und sorgte damit für den ersten Höhepunkt der Spielsaison.
„Die Farben, die Geschichten sowie die Qualität des Tanzes und der Musik waren einfach wunderschön“, so sein Fazit.
Besondere Bedeutung maß er dem Teil der Tanzgeschichten bei, dessen Tragweite sich vielen Zuschauern vielleicht nicht bewusst seien: die anhaltende Verfolgung von Falun-Dafa-Praktizierenden durch die KPCh im heutigen China.
„Außerhalb Chinas werden nicht genügend Informationen darüber verbreitet, was dort geschieht“, sagte Flynn.

Charles Flynn, ein pensionierter Vier-Sterne-General der US-Armee, genoss am Nachmittag des 17. Januar 2026 eine Shen-Yun-Aufführung im Kennedy Center Opera House in Washington.

Foto: Frank Liang/The Epoch Times

Am 11. April besuchte Tony Lyons, Gründer und Präsident von Skyhorse Publishing, im David H. Koch Theater in Manhattan eine Aufführung von Shen Yun. Wie er schilderte, wusste er bis zu diesem Abend nicht, dass es sich um ein amerikanisches Ensemble handelt, das im Bundesstaat New York von Künstlern gegründet und ausgebildet wurde, die vor religiöser Verfolgung geflohen waren. Die Bemühungen von Shen Yun entsprächen genau der Arbeit, die er in seinem eigenen Fachgebiet zu leisten versuche, sagte er – nämlich etwas Wirkungsvolles in einer Kultur aufzubauen, deren Traditionen zunehmend in Vergessenheit geraten. „Das war wirklich authentisch“, sagte Lyons.
Jim Beckwith, ein pensionierter Rechtsprofessor aus North Carolina und ehemaliger Herausgeber der Wirtschaftsrechtszeitschrift der Anwaltskammer des Bundesstaates, besuchte Shen Yun am 8. März in Raleigh. „Ich bin hierhergekommen, weil es eine moralische Frage ist“, äußerte er. Die Bewahrung einer alten Kultur sei die Grundlage jeder Zivilisation. Das sei etwas, das die marxistische Ideologie nicht hervorbringen könne.
Auf anderen Kontinenten war die Resonanz auch so groß, obwohl Peking oft direkten Druck auf lokale Politiker ausübte, damit sie nicht die Vorstellungen besuchten. In Buenos Aires kam der Provinzabgeordnete Juan José Esper am 9. April zur Premiere von Shen Yun im Teatro Ópera und bedankte sich persönlich beim künstlerischen Leiter des Ensembles: „Ich danke Ihnen, dass Sie sich auch für Argentinien entschieden haben.“

Juan José Esper, Provinzvertreter von Buenos Aires, besucht am 9. April 2026 eine Aufführung von Shen Yun Performing Arts im Teatro Ópera in Buenos Aires, Argentinien.

Foto: NTD

Im selben Theater saß am nächsten Abend der renommierte argentinische Dramatiker und Regisseur Pepe Cibrián – eine führende Persönlichkeit der Musicalszene seines Landes. Für ihn war es ein sehr emotionaler Besuch, da er hier selbst so oft aufgetreten war. Sein Fazit nach der Aufführung: „Sie sollten kommen, denn die Aufführung ist einzigartig“ – eine solche Gelegenheit biete sich nicht alle Tage.

Italienischer Senator wirbt für Shen Yun

In der italienischen Stadt Avellino zog es am 20. Februar Senator Sergio Rastrelli zu Shen Yun. Er outete sich als großer Fan. Für ihn ist die Produktion eine Hommage an die chinesische Kultur, die schon vor der Zeit der Kommunistischen Partei existierte. Italien sieht er in der Verantwortung, diese Kultur weiterhin zu präsentieren.
„Es ist eine prächtige, großartige und bewegende Aufführung“, sagte er.
Die Theater dürften dem Druck durch die chinesische Regierung nicht nachgeben, sondern sollten Shen Yun zeigen.
Bereits vor der Premiere waren alle 64.000 Eintrittskarten für die Tournee in Italien ausverkauft.

Besinnung auf das Göttliche

Auch die Zuschauer, die als Künstler tätig sind, brachten Shen Yun großen Respekt für die technische Leistung entgegen. Einige waren zu Tränen gerührt. Am 14. März genoss der international bekannte irisch-amerikanische Sänger und Komponist John Kelly mit seiner Frau, der spanischen Sopranistin Maite Itoiz, die Nachmittagsvorstellung in Logroño, Spanien. Kelly, bekannt durch die mit Platin ausgezeichneten „The Kelly Family“, fand schon allein das Live-Orchester von unschätzbarem Wert. Der Tanz habe ihn auf eine Weise berührt, die er nicht für möglich gehalten hätte.
„Es geht um etwas Höheres als uns selbst, nämlich, wie ich sagen würde, eine göttliche Kraft“, sagte Kelly.
Seiner Frau ging es ähnlich. „Sobald sich der Vorhang öffnete und ich die himmlische Welt sah, hatte ich Tränen in den Augen. Ja, es war wirklich wunderschön“, schilderte sie. Die Eröffnungsszene, in der himmlische Gestalten auf die Erde gesandt wurden, weckte in ihr eine Art tief vergrabene Erinnerung: das Gefühl, dass alle Menschen von einem Ort kommen, den sie ihr Zuhause nennen könnten, und immer noch darauf hoffen, dorthin zurückzukehren.

John Kelly, international renommierter irisch-amerikanischer Sänger, Musiker und Komponist, mit seiner Frau, der Sopranistin Maite Itoiz.

Foto: Bartolomé Suau/Epoch Times

Derartige Reaktionen waren in dieser Saison nichts Ungewöhnliches. Auf allen Kontinenten, auf denen Shen Yun auftrat, gab es ähnliche Stimmen aus dem Publikum. Der in Rom tätige römisch-katholische Priester Evilázio Cavalcante besuchte am 15. Februar eine Shen-Yun-Aufführung im Auditorium della Conciliazione, einem Konzertsaal nur wenige Schritte vom Vatikan entfernt. Durch die Vorstellung habe das Publikum die wahren Werte der chinesischen Kultur erleben können, sagte er: Güte und Freundlichkeit. Aus seiner Sicht seien die Zuschauer in eine Art der Besinnung eingetaucht.
„Die Aufführung ist wirklich wunderschön und voller Farben“, sagte er.

Pastor legt nach Bombendrohung 700 Kilometer zurück

Am 8. April flog Pastor Brandon Pringle aus Calgary mit seiner Frau Karina fast 700 Kilometer quer durch Westkanada nach Vancouver, um sich Shen Yun anzusehen. Als einen der Gründe, diesen weiten Weg auf sich zu nehmen, führten die beiden die Bombendrohungen an, die zur Absage der Aufführungen in Toronto Ende März und Anfang April geführt hatten. Sprengstoffe konnte die kanadische Polizei bei den Untersuchungen nach eigenen Angaben nicht finden. Die Drahtzieher hinter den Drohungen stehen laut Ermittlern mit Peking in Verbindung.
Aufgrund des anhaltenden Drucks wurden die Shen-Yun-Vorstellungen seitens des Veranstalters auf den 25. bis 28. Juni verschoben. Sie sollen dann unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. „Wir fühlten uns wirklich gesegnet, als uns unsere Eintrittskarten bestätigt wurden“, schilderte der Pastor.

Shen Yun sorgt für Dominoeffekt

Bei manchen Zuschauern spielt Shen Yun eine derart große Rolle, dass sie ihren Alltag danach ausgerichtet oder Gruppenfahrten organisiert haben. Am 13. Mai, dem Abschlussabend der Japan-Tournee von Shen Yun in Tokio, besuchte ein begeisterter Fan namens Masuo Nobuhisa seine 21. Shen-Yun-Vorstellung in diesem Jahr! Damit erhöhte sich die Anzahl der von ihm gesehenen Aufführungen auf rund 50. Viele Chinesen flogen extra nach Japan, nur um eine Vorstellung von Shen Yun zu sehen, da dies in ihrer Heimat nicht möglich ist.
In Kalifornien brachte ein Professor für Bildende Kunst aus Sacramento, der Shen Yun im Vorjahr gesehen hatte, in diesem Frühjahr 55 seiner Studenten im Rahmen eines Klassenausflugs mit.
In Brasilien machte es die Inhaberin eines Reisebüros am 26. April einer Gruppe von 24 Personen möglich, Shen Yun zu besuchen. Gemeinsam reisten sie aus dem rund 650 Kilometer entfernten Florianópolis an, um die Nachmittagsvorstellung in Curitiba zu sehen. Für die Unternehmerin war es das erste Mal mit einer Gruppe, nachdem sie Shen Yun im Jahr 2024 allein gesehen hatte.
Auch in Frankreich haben lokale Reisebüros damit begonnen, Ausflugspakete rund um die Shen-Yun-Tournee anzubieten. Am 14. März hielten mehr als ein Dutzend Reisebusse an einem einzigen Veranstaltungsort.
In der japanischen Stadt Kamakura kam am 18. April Shoji Tōko, eine Lehrerin für Teezeremonie, zur Aufführung von Shen Yun, was in ihr eine tiefe Trauer erweckte. Warum? Der Weg des Tees, so merkte sie an, habe vor Jahrhunderten von China nach Japan geführt. Beim Anblick der Vorführung habe sich die Lehrerin unentwegt fragen müssen, wie diese Kultur China aus den Händen entgleiten konnte, die es einst der Welt geschenkt hatte.
„Warum haben sie solch großartige chinesische Philosophien und Traditionen einfach aufgegeben?“ Das sei ihr ein Rätsel.
Am 9. Mai war die Krankenschwester Ana Lúcia Chagas Silva zusammen mit ihrem Mann, einem erfahrenen brasilianischen Manager, in Porto Alegre, Brasilien, zu Gast bei Shen Yun. „Vor allem die Schlussszene, in der das Göttliche erscheint, strahlte eine enorme Energie aus“, sagte sie. Sie beschrieb das gelbe Licht, das über die Bühne strömte, als eine Art Brücke: eine Verbindung, die, bereits in jedem Menschen vorhanden sei – man müsse sich nur noch dafür öffnen.
Shen Yun hat die Spielsaison 2026 bereits beendet. Weitere Informationen und Ankündigungen finden Sie auf der offiziellen Website von Shen Yun: de.shenyun.com.
Epoch Times ist langjähriger Medienpartner von Shen Yun Performing Arts und berichtet seit der Gründung von Shen Yun im Jahr 2006 über die Veranstaltungen und Reaktionen des Publikums.
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Chinas transnationale Repression nimmt Kanzleramt ins Visier

Der Zug rollte gerade in den Berliner Hauptbahnhof ein, als das Handy von Chan Wai Man* vibrierte. Nummer: unbekannt. Er nahm ab. Eine weibliche Stimme meldete sich am anderen Ende der Leitung – erst auf Englisch, dann auf Chinesisch, gleichmäßig, maschinenartig, als kämen die Worte von einem Tonband: „Es liegt ein wichtiges Dokument in der chinesischen Botschaft in Berlin für Sie bereit. Kommen Sie es abholen.“
Chan verstand sofort, dass dies keine freundliche Einladung war. Es war vielmehr eine Erinnerung: Man weiß, wo er sich aufhält. Chan informierte umgehend die Polizei.
„Ich bin auf der schwarzen Liste der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh)“, erklärte der chinesische Dissident in einem Gespräch mit Epoch Times. Seit über 20 Jahren lebt Chan in Deutschland unter ständiger Bedrohung durch die KPCh. Gegen ihn soll ein Kopfgeld ausgesetzt worden sein.
Was Chan erlebt, ist kein Einzelfall.

Transnationale Repression folgt einem System

Eine Analyse der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung des in Deutschland lebenden oppositionellen Aktivisten Ray Wong Toi-yeung aus Hongkong zeigt: Chinas transnationale Repression in Deutschland folgt einem strategischen System. Hinter den Übergriffen steht ein komplexes Zusammenspiel staatlicher und nicht staatlicher Akteure. Chinesische Dissidenten würden demnach innerhalb Deutschlands systematisch eingeschüchtert, bestraft und zum Schweigen gebracht.
Die Organisation Freedom House mit Sitz in Washington, D.C. dokumentiert hierzu eine Bandbreite an illegalen Praktiken: von Morddrohungen über Entführungen bis hin zu illegalen Rückführungen.
Darüber hinaus nutzt die KPCh ihren wirtschaftlichen und politischen Einfluss, um Regierungen dazu zu bewegen, Zielpersonen festzunehmen, Aufenthaltsrechte zu entziehen oder Auslieferungen zu ermöglichen.
Häufig werden auch Angehörige in China unter Druck gesetzt. Hinzu kommen physische Gewalt und Einschüchterungen durch verdeckte Akteure im Ausland.

Eine Frage des Machterhalts

Doch warum betreibt die KPCh diesen Aufwand, um Kritiker im Ausland zu verfolgen?
Der Hongkong-Aktivist Wong sieht darin vor allem ein Ziel: den Machterhalt. Die transnationale Repression diene dem chinesischen Regime, die Kontrolle über den politischen Diskurs zu sichern – weltweit.
„Die KP Chinas sieht abweichende Meinungen, egal ob sie in China oder im Ausland geäußert werden, als einen direkten Angriff auf ihre Legitimität und politischen Ambitionen an“, schreibt Wong.
Solche „abweichenden Meinungen“ können auch den persönlichen Glauben betreffen, wie im Fall von Chan. Der Hongkonger praktiziert Falun Gong, auch Falun Dafa genannt – eine traditionelle, buddhistisch geprägte spirituelle Disziplin.
In den 1990er-Jahren war Falun Gong in China sehr beliebt. Schätzungen zufolge praktizierten es bis zu 100 Millionen Menschen. Der damalige Parteichef Jiang Zemin sah in der Popularität der spirituellen Bewegung eine Bedrohung für seine Autorität und ordnete 1999 ihre Ausrottung an. Diese bis heute andauernde Verfolgung schließt Verhaftungen, Folter bis hin zu Tötungen ein.

Ein „großer Irrtum“ der KPCh

Chan engagiert sich in Europa seither gegen diese anhaltende Verfolgung in China. „Die KPCh glaubt, wenn sie mich beseitigt, könnte sie Falun Gong ein Stück weit beseitigen“, erklärte er. Dies sei ein „großer Irrtum“. Die KPCh habe nicht verstanden, was Falun Gong eigentlich ist.
Menschen, die Falun Gong praktizieren, beschreiben die Disziplin als einen Weg der Selbstkultivierung. Dieser basiert auf meditativen Übungen sowie auf den Grundsätzen Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht. Ziel sei es, sich diesen universellen Werten im eigenen Leben anzunähern – für viele ein persönlicher Glaubensweg.

Deutsche Theater im Visier

Die Repression der KPCh im Ausland trifft längst nicht mehr nur einzelne Dissidenten. Auch kulturelle Veranstaltungen in Deutschland geraten ins Visier, wie mehrere Vorfälle zeigen. Dahinter steht der Versuch, Einfluss darauf zu nehmen, was Menschen in Deutschland sehen können und was nicht.
Seit 2025 berichten mehrere Theater in Deutschland von Drohbotschaften im Zusammenhang mit Gastspielen von Shen Yun Performing Arts. Das New Yorker Tanzensemble wurde 2006 von Falun-Gong-Praktizierenden gegründet.
Die Künstler bringen mit Tanz und Musik die traditionelle chinesische Kultur auf die Bühne – ein „China vor dem Kommunismus“. Gleichzeitig machen die Aufführungen auf die Verfolgung von Falun Gong aufmerksam.

E-Mails bedrohen auch Bundeskanzleramt

Vor den geplanten Aufführungen Anfang 2026 erhielten deutsche Theater E-Mails mit offenen Drohungen. In einer davon hieß es auf Deutsch:
„Das Bundeskanzleramt und der Konzertsaal an der Spree im Bezirk Mitte wurden mit Sprengstoff und improvisierten Zündern präpariert. Um eine Explosion zu verhindern, stellen Sie bitte umgehend die Aufführungen von Shen Yun ein und kündigen Sie sämtliche Verträge und Kooperationen mit Shen Yun Performing Arts.“

In einer Drohmail wird das Bundeskanzleramt als angeblicher Anschlagsort genannt, um die Absage von Shen-Yun-Aufführungen zu erzwingen. Bildschirmfoto.

Foto: Deutscher Falun Dafa Verein

In einer weiteren Nachricht auf Englisch wurden auch Mitarbeiter des Theaters bedroht:
„Sollten die Shen-Yun-Aufführungen stattfinden, wären die Mitarbeiter des Theaters, einschließlich ihrer Familien, in Gefahr; sie könnten entführt oder in Autounfälle verwickelt werden! Natürlich würden Frauen mit Sicherheit vergewaltigt und ermordet werden! Bitte überlegen Sie sich das gut.“

Auch die Theatermitarbeiter und ihre Familien wurden bedroht. Bildschirmfoto.

Foto: Deutscher Falun Dafa Verein

Auch im vergangenen Jahr kam es in Deutschland zu vergleichbaren Drohungen gegen Theater:
„Ich schwöre auf Jesus! Eine große Menge Sprengstoff wurde im Theater deponiert. Wenn Shen Yun Art Troupe auftritt, werden die Bomben explodieren!“

Mehrere Theatermitarbeiter erhielten 2025 Drohmails in schwedischer Sprache. Bildschirmfoto.

Foto: Deutscher Falun Dafa Verein

In allen bislang untersuchten Fällen kam die deutsche Polizei zu dem Ergebnis, dass sich die Drohungen nicht als konkrete Gefährdung bestätigten.

Welttournee im Schatten anhaltender Bedrohungen

Nach Angaben des Falun Dafa Information Center war Shen Yun seit 2006 weltweit von fast 350 Vorfällen betroffen – teilweise täglich.
Dies umfasst unter anderem Drohungen mit angeblichen Massenschießereien, Vergewaltigungen von Tänzerinnen, Brandstiftung sowie Gewaltdrohungen gegen Kinder der Künstler.
Zusätzlich gab es Dutzende falsche Bombendrohungen, die wiederholt zu Evakuierungen von Theatern geführt haben – unter anderem in den USA, Kanada, Frankreich, Australien, Großbritannien und weiteren Ländern.

Deutschland verschärft Strafrecht

Die Bundesregierung räumte in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage Anfang des Monats ein, dass die Bedrohung Deutschlands durch Aktivitäten chinesischer Nachrichtendienste in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen habe.
Wie konkret diese Bedrohung ist, zeigt ein jüngster Fall: Jian G., ein deutscher Staatsbürger mit chinesischer Herkunft, wurde Ende September 2025 zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Das Dresdner Gericht sah es als erwiesen an, dass er für einen chinesischen Geheimdienst gearbeitet und gezielt Oppositionelle in Deutschland ausgespäht hatte.
Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung kürzlich eine Gesetzesverschärfung auf den Weg gebracht. Wer im Auftrag einer fremden Macht eine „vorsätzliche rechtswidrige Tat“ begeht, muss seit Anfang April mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe rechnen.
Darüber hinaus soll auch die Erfassung und Auswertung entsprechender Vorfälle verbessert werden. Dazu zählen Anpassungen im polizeilichen Meldesystem sowie der Ausbau systematischer Lagebilder, um das bislang lückenhafte Gesamtbild zu transnationaler Repression schrittweise zu vervollständigen.
Für Chan bleibt das Thema Sicherheit derweil Teil seines Alltags, weshalb er zusätzliche Schutzmaßnahmen treffen muss. Gleichzeitig erinnert er sich an einen Satz seiner Großmutter: „Wenn man nichts Böses tut, braucht man keine Angst zu haben, auch wenn jemand nachts an die Tür klopft.“
 
*Anm. d. Red.: Da die Kommunistische Partei Chinas Falun-Gong-Praktizierende bis heute auch außerhalb Chinas verfolgt, wurde der Name der betroffenen Person zum Schutz anonymisiert.
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Pekings Einfluss in Ungarn: Einheitsfront, Investitionen und stille Machtpolitik %


In Kürze:

  • Ungarns strategische Partnerschaft mit China wird durch Investitionen, Kredite und große Industrieprojekte gestärkt.
  • Die wachsende chinesische Präsenz wirft Fragen zu politischem Einfluss, möglicher Überwachung und diplomatischem Druck auf – und stellt damit eine zunehmende Herausforderung für Ungarn und Europa dar.

 
Im 28. Stock des höchsten Gebäudes Budapests, in einem Restaurant mit Rundum-Panoramablick, empfing der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán mit seiner Frau Anikó Lévai den chinesischen Staatschef Xi Jinping und dessen Gattin Peng Liyuan. Am Mittagstisch begingen sie die Unterzeichnung der gerade vollzogenen 18 strategischen Abkommen zwischen den beiden Ländern.
Während des Essens im Mai 2024 sprachen sie möglicherweise über ihr erstes Treffen im Jahr 2009. Damals reiste Orbán als Oppositionsführer nach Peking und Xi war noch Chinas Vize. Das Treffen vor über 16 Jahren legte den Grundstein für ein „Goldenes Zeitalter“ zwischen Peking und Budapest.
Chinesische Unternehmen zählen bereits jetzt – nach den deutschen – zur zweitgrößten Investorengruppe im Land. Im November 2025 gab die ungarische Regierung bekannt, dass „im vergangenen Jahr 31 Prozent der chinesischen Investitionen in Europa in unser Land geflossen sind“. Laut dem ungarischen Außenminister gingen gleichzeitig 20 Prozent der chinesischen Investitionen in Europa nach Frankreich, Deutschland und das Vereinigte Königreich.
Die ungarische Regierung gibt sich überzeugt, dass es möglich ist, unabhängig von Ideologie und Prinzipien mit China Geschäfte zu machen. Kritische Stimmen warnen jedoch vor dem wachsenden Einfluss Pekings und den damit verbundenen Gefahren. Welchen Preis haben diese Beziehungen tatsächlich?

Der chinesische Rettungsanker

Im Jahr 2011, anlässlich des Besuchs des damaligen chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao in Budapest, sagte Orbán: „Wir haben historische Hilfe von China erhalten, und wir benötigen diese, um den Weg der wirtschaftlichen Umstrukturierung fortsetzen zu können.“ Es bedeute eine „enorme Sicherheit“, wenn China Staatsanleihen kaufe, fügte er hinzu.
Hinter dieser Formulierung verbarg sich mehr als eine diplomatische Floskel. Denn Jiabao kündigte damals an, dass China „eine bestimmte Menge“ ungarischer Staatsanleihen kaufen werde. Zusätzlich stellte Peking einen Kredit in Höhe von 1 Milliarde Euro in Aussicht.
Seitdem greift Ungarn regelmäßig auf chinesisches Kapital zurück. Über sogenannte Panda-Anleihen erhalten Investoren aus China Zugang zu ungarischen Staatsanleihen – meist in Tranchen von mehreren hundert Millionen Euro, mit Laufzeiten zwischen drei und fünf Jahren.
Eine mögliche wirtschaftliche Abhängigkeit Ungarns von China ist nun messbar. Ein Blick in die offiziellen Daten des ungarischen Zentrums für Staatsschuldenmanagement zeigt: Die beiden größten Einzelkredite Budapests stammen aus China. Zusammen belaufen sie sich auf rund 2,3 Milliarden Euro – mehr als ein Viertel aller ausländischen Kredite.
Parallel dazu nehmen auch die chinesischen Großprojekte in Ungarn Gestalt an. Dieses Jahr soll die Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke Budapest–Belgrad in Betrieb gehen. Das umstrittene Projekt im Umfang von über 2 Milliarden Euro wurde zu 85 Prozent aus chinesischen Krediten finanziert.
Zudem planen zwei Schlüsselakteure der chinesischen Industrie – der Batteriehersteller CATL und der E-Autobauer BYD – dieses Frühjahr ihre Produktion in ungarischen Werken zu starten.
Die Baustelle für ein Werk des chinesischen Batterieherstellers CATL in der Nähe von Debrecen, der zweitgrößten Stadt Ungarns. Das Foto wurde am 5. Mai 2024 aufgenommen. Das Unternehmen errichtet mit Unterstützung der ungarischen Regierung sein zweites Werk in Europa. Foto: Attila Kisbenedek / AFP via Getty Images

Die Baustelle für ein Werk des chinesischen Batterieherstellers CATL in der Nähe von Debrecen, der zweitgrößten Stadt Ungarns, am 5. Mai 2024. Das Unternehmen errichtete mit Unterstützung der ungarischen Regierung sein zweites Werk in Europa.

Foto: Attila Kisbenedek / AFP via Getty Images

Auch im digitalen Bereich ist die Präsenz Chinas sichtbar. Zwei der drei ungarischen Mobilfunkanbieter haben ihre 5G-Netze mit chinesischer Technologie aufgebaut – mit ZTE und Huawei. Das Unternehmen Huawei, das in vielen westlichen Ländern als sicherheitskritisch eingestuft wird, hat 2013 in Budapest sein größtes Logistikzentrum außerhalb Chinas eröffnet.
Was als wirtschaftlicher Rettungsanker begann, hat sich längst zu einer strategischen Verflechtung entwickelt.

Chinesen in Ungarn und Pekings Strategie

Die ungarische Regierung hat zudem das Wachstum der chinesischen Bevölkerung im Land unterstützt.
Budapest hat kein Chinatown – und doch ist China längst da. Die Anzahl der in Ungarn lebenden Chinesen hat sich im vergangenen Jahrzehnt mehr als verdoppelt. Die chinesische Gemeinschaft in Ungarn gilt daher als die größte chinesische Minderheit Mitteleuropas.
Offiziell sind es laut Volkszählung aus dem Jahr 2022 18.154 Menschen. Inoffiziell dürften es deutlich mehr sein. Besonders in der Hauptstadt ist ihre Präsenz unübersehbar – nicht in einem eigenen Viertel, sondern konzentriert um asiatische Märkte und chinesische Geschäfte.
Eine Recherche des Nachrichtenportals „Index“ unterscheidet drei Generationen. Die ersten chinesischen Arbeiter kamen Ende der 1980er-Jahre, als Ungarn ein Visaerleichterungsabkommen mit China abschloss. Seitdem ist die zweite Generation herangewachsen. Dazu kommen neue Ankömmlinge. Viele von ihnen kommen über sogenannte Ansiedlungsanleihen – ein staatliches Programm, bei dem Investoren durch den Kauf von Staatsanleihen ein Aufenthaltsrecht erwerben konnten.
Was als Migration von Gastarbeitern begann, hat sich längst gewandelt. Heute kommen aus China vermehrt wohlhabende Unternehmer und gut ausgebildete Akademiker – manche auf der Flucht vor politischer Verfolgung, andere auf der Suche nach besseren Perspektiven. Für viele ist Ungarn jedoch kein Ziel, sondern eine Zwischenstation. Ein Sprungbrett für ihre Kinder in den Westen.
Drachentänzer im inoffiziellen chinesischen Viertel von Budapest. Foto: Zoltan Tarlacz / iStock

Drachentänzer beim chinesischen Neujahrsfest in Budapest.

Foto: Zoltan Tarlacz/iStock

Parallel dazu wächst auch die institutionelle Präsenz Chinas im Land: Inzwischen existieren chinesische Schulen, Organisationen und auch sechs Konfuzius-Institute. Dazu kommen chinesischsprachige Medien, kulturelle Programme und staatlich unterstützte Veranstaltungen während der chinesischen Feiertage.
Im Jahr 2024 strahlte das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Ungarn von der Propagandaabteilung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas produzierte Dokumentarfilme aus. Dazu gehörte auch die Sendung „Xi Jinpings Gedanken mit klassischen Zitaten – internationale Version“.
Der frühere Botschafter in Peking, Sándor Kusai, erklärte in einem Interview mit dem ungarischen investigativen Rechercheportal „Direkt36“, welche Strategie Peking im Hintergrund dabei verfolge. Peking hoffe, durch Kontakte zur ungarischen Elite „die kulturelle Expansion voranzutreiben“, um ein positives Klima für solche Projekte wie die Neue Seidenstraße in Ungarn zu erreichen.
„Sie gehen dabei klug vor, denn sie wissen, dass die Eroberung des [europäischen] Hinterlandes die halbe Miete ist.“

Ein unsichtbarer Gast

Mit chinesischen Investoren, Unternehmern, Studenten und Arbeitskräften kommen aber nicht nur Kapital und Arbeitskraft nach Ungarn.
Ein Blick in Chinas Nationales Geheimdienstgesetz von 2017 zeigt:
„Alle Organisationen und Bürger [Chinas] sind verpflichtet, die nationale Geheimdienstarbeit gemäß dem Gesetz zu unterstützen und mit ihr zusammenzuarbeiten sowie über die ihnen bekannten Geheimnisse Stillschweigen zu bewahren.“
Was vielleicht zuerst abstrakt klingt, kann konkrete Folgen haben.
Der ehemalige ungarische Geheimdienstmitarbeiter Ferenc Katrein beschreibt die Existenz eines in Ungarn weitverzweigten Spionagenetzwerks gegenüber „Direkt36“. Zahlreiche chinesische Studenten und Geschäftsleute im Westen würden Informationen liefern – „viele Zehntausende“, oft scheinbar belanglose Details. Erst in Peking, so seine Einschätzung, werden diese Fragmente zusammengeführt – zu einem Gesamtbild mit strategischem Wert.
Ferenc Katrein, ehemaliger ungarischer Geheimdienstmitarbeiter, erklärt gegenüber dem ungarischen „Direkt36“: Zahlreiche im Westen lebende chinesische Studenten und Geschäftsleute liefern Informationen an Peking – „Zehntausende“, oft scheinbar unbedeutende Details. (Symbolbild). Foto: Moshe Einhorn / iStock

Laut einem ehemaligen ungarischen Geheimdienstmitarbeiter liefern im Westen lebende chinesische Studenten und Geschäftsleute Informationen an Peking. (Symbolbild)

Foto: Moshe Einhorn/iStock

Der ungarische China-Experte Tamás Matura geht noch weiter. Im Rahmen des Rechercheprojekts MapInfluenCE (früher ChinfluenCE) beschreibt er das Phänomen wie folgt:
„Die chinesische Regierung dringt in alle Beziehungen ein – ob auf staatlicher, gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher Ebene“, so Matura.
Das Regime in Peking betreibt seit mehr als acht Jahrzehnten ein wirksames Instrument, seine Interessen im Inland sowie weltweit durchzusetzen: die Einheitsfront. Das ist die sogenannte chinesische „Wunderwaffe“, wie sie nach Mao auch später Xi im Zusammenhang mit Pekings Einfluss im Ausland bezeichnet.
Die Einheitsfront dient der politischen Einflussnahme und Unterdrückung, oft über angebliche Organisationen der Zivilgesellschaft. Die Partei nutzt sie unter anderem, um abweichende Meinungen zu unterdrücken, unerwünschte politische, weltanschauliche oder religiöse Gruppen zu marginalisieren und die öffentliche Wahrnehmung Chinas gezielt zu formen.

Einheitsfront-Gruppen in Ungarn

Xi kündigte im Jahr 2022 auf dem 20. Parteitag der Kommunistischen Partei an, dass eine „umfassende Einheitsfront“ aufgebaut werden solle, um „große Einigkeit und Solidarität zu schmieden“. Er sagte, dass „alle Söhne und Töchter der chinesischen Nation“ dazu ermutigt werden sollen, sich der „Verwirklichung des chinesischen Traums von der nationalen Erneuerung“ zu widmen.
Recherchen von „Direkt36“ zufolge wurden in Ungarn mindestens 56 Personen und 26 Organisationen identifiziert, die mit der Einheitsfront direkt in Verbindung stehen.
Der China-Analyst Peter Mattis vom US-Thinktank Jamestown Foundation beschreibt ihre Funktion gegenüber „Radio Free Asia“ mit den Worten: „Einheitsfront-Gruppen werden ganz konkret als Deckmantel für das Ministerium für Staatssicherheit genutzt […] Ich stelle mir die Einheitsfront wie hohes Gras vor, das absichtlich angebaut wird, um darin Schlangen verstecken zu können.“
Im Zusammenhang mit der Tätigkeit der Einheitsfront in Ungarn sorgte in den vergangenen Jahren vor allem der Betrieb von zwei illegalen chinesischen Polizeistationen in Budapest für großes Aufsehen.
Obwohl die chinesische Botschaft deren Existenz bestritt und auch das ungarische Innenministerium sagte, nichts von solchen Polizeistationen zu wissen, war auf den Gebäuden – in der Golgota Straße und der Cserkesz Straße in Budapest – noch lange Zeit das Wappen der Polizei des Landkreises Qingtian, Zhejiang Provinz, zu sehen. Diese wurden erst nach dem Bekanntwerden der Stationen entfernt.

Ausschnitt aus einem Video, das der ungarische Oppositionsabgeordnete Márton Tompos aufgenommen hat, als er eine illegale chinesische Polizeistation in Budapest besuchte. An dem Gebäude ist das Wappen der Polizei eines südchinesischen Landkreises zu sehen.

Foto: Screenshot/Video von Márton Tompos

Die ungarischen Organisationen der Einheitsfront organisierten auch Aktionen anlässlich des Besuchs des chinesischen Staatschefs in Ungarn im Mai 2024. Während des Aufenthalts von Xi tauchten plötzlich Hunderte Chinesen mit roten Mützen in Budapest auf.
Befürworter des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in der Budaer Burg in der Nähe der Route seines Autokorsos am 9. Mai 2024 in Budapest, Ungarn. Foto: Attila Kisbenedek/AFP via Getty Images

Unterstützer des chinesischen Staatschefs Xi Jinping am 9. Mai 2024 in Budapest.

Foto: Attila Kisbenedek/AFP via Getty Images

Während des Besuchs des chinesischen Staatschefs Xi Jinping in Budapest im Mai 2024 wurde die Flagge von Mitgliedern der tibetischen Gemeinschaft von Peking-Sympathisanten zerrissen. Eine Demonstrantin beklagte, dass die Polizei nicht dagegen vorgegangen sei.

Foto: Bildschirmaufnahme/Radio Free Asia

Neben der öffentlichen Zurschaustellung von Sympathie schien die Aufgabe dieser Chinesen auch darin zu bestehen, andere Gruppen einzuschüchtern. So kam es in einigen Fällen zu Drohungen und gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Mitgliedern der lokalen tibetischen Gemeinschaft. Einige Chinesen aus der Gruppe drohten ungarischen Politikern, die während des Besuchs mit EU-Flaggen durch die Straßen von Budapest zogen.

Peking entgegenkommen

Die Zusammenarbeit von Budapest mit dem Regime in Peking wird immer enger. Die Orbán-Regierung vertritt dabei eine „ideologiefreie Außenpolitik“. (Siehe erster Teil.) Dies wirft moralische, prinzipielle, rechtliche und ideologische Fragen auf.
So sorgte etwa die Ankündigung der ungarischen Regierung aus dem Jahr 2024 für Aufsehen in den Medien, wonach im Rahmen einer polizeilichen Zusammenarbeit chinesische Polizisten gemeinsam mit ihren ungarischen Kollegen auf den Straßen patrouillieren könnten.
Zu sensiblen Themen bezieht Budapest oft keine Stellung. Dazu zählen Menschenrechtsverletzungen, Fälle von illegaler Überwachung oder konkrete diplomatische Vorfälle zwischen den beiden Ländern.
Ein Beispiel für Letzteres ist der Fall des kanadisch-ungarischen Doppelstaatsbürgers Michael Kovrig, der fast drei Jahre von Peking in Untersuchungshaft gehalten wurde. Der ehemalige kanadische Diplomat galt weithin als Opfer von chinesischer Geiseldiplomatie. Im Gegensatz zu 26 anderen Ländern entschied sich Budapest, sich während seines Prozesses in der Öffentlichkeit nicht zu der Inhaftierung von Kovrig zu äußern.
Auch im Hinblick auf die Verfolgung von Falun Gong sowie der Uiguren in China hat die Orbán-Regierung bisher öffentlich keine Stellung bezogen.
Wenn chinesische Delegationen Ungarn besuchen, lehnt die Polizei oft Gegendemonstrationen entlang der Routen ab. In einzelnen Fällen wurden Personen, die der tibetischen Minderheit oder der ebenfalls in China verfolgten Falun-Gong-Bewegung angehören, während solcher Besuche zur Einwanderungsbehörde vorgeladen. Ziel dürfte es sein, ihre Teilnahme an Protestaktionen zu verhindern.
Gerichte gewähren zudem nur in Ausnahmefällen politisches Asyl für Flüchtlinge, die dieses mit Verfolgung durch das chinesische Regime begründen. So ist es der Falun-Gong-Praktizierenden Zhang Xiaoping in Jahrzehnten nicht gelungen, einen Flüchtlingsstatus von den ungarischen Behörden gewährt zu bekommen.
Dies, obwohl zahlreiche Stellungnahmen der Europäischen Union und des US-Kongresses inzwischen bestätigt haben, dass Falun-Gong-Praktizierende in China einer lebensgefährlichen Verfolgung ausgesetzt sind. Besonders betroffen sind diejenigen, die wie sie aktiv regelmäßig an Protesten vor der chinesischen Botschaft teilnehmen.

Falun-Gong-Praktizierende protestieren vor der chinesischen Botschaft in Budapest gegen die anhaltende Verfolgung in China.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung der Freunde von Falun Gong in Ungarn

Ungarns Regierung will China nicht „belehren“

Der ungarische Außenminister äußerte sich im Jahr 2016 anlässlich eines Treffens der EU-Staats- und Regierungschefs mit chinesischen Vertretern beim ASEM-Treffen in der Mongolei wie folgt: Europa könne die Schwierigkeiten nur dann überwinden, wenn es „anstelle von politischem Druck und Belehrung die Zusammenarbeit mit jenen asiatischen Ländern anstrebt, die ein außerordentlich schnelles Wirtschaftswachstum vorweisen können“. Die ungarische Regierung habe daher nicht vor, China zu „belehren“.
Warum die Souveränität Ungarns durch die enge Beziehung mit China grundsätzlich nicht beeinträchtigt werde, erklärte Orbán im Jahr 2024 nach seinem Treffen mit Xi gegenüber der Presse.
Der chinesische Präsident Xi Jinping und Ministerpräsident Viktor Orbán am 9. Mai 2024 in der Budaer Burg in Budapest, Ungarn. Foto: Vivien Cher Benko/POOL/AFP via Getty Images

Der chinesische Staatschef Xi Jinping und Ministerpräsident Viktor Orbán am 9. Mai 2024 in der Budaer Burg in Budapest.

Foto: Vivien Cher Benko/Pool/AFP via Getty Images

Laut Orbán verfüge Ungarn über ein striktes Sicherheitsprotokoll, das das Land vor sämtlichen Akteuren schütze, also bei Bedarf auch vor China. Er begründet auch, warum das Recht von Demonstranten, während des Besuchs des chinesischen Staatschefs zu protestieren, eingeschränkt werde. „Im eigenen Land herrscht Meinungsfreiheit, aber den hierher kommenden Gästen steht das Gastrecht zu. Diese beiden Rechte müssen in Einklang gebracht werden“, so Orbán.
Er fügte hinzu: Man werde nicht zulassen, dass der Wert des Besuchs der nach Ungarn kommenden Gäste untergraben werde, deshalb würden die Demonstranten räumlich von der Begrüßung des Gastes getrennt.

Erfahrungen mit Pekings Druck

Die Erklärungen der ungarischen Regierung stoßen bei Experten wie Matura und direkt Betroffenen oft auf Skepsis.
Fest steht: Peking hat mehrfach deutlich gemacht, dass Kritik oder Schritte Ungarns, die Peking missfallen, die Zusammenarbeit ernsthaft gefährden könnten. Öffentlich dokumentiert wird das selten – doch konkrete Beispiele gibt es.
Erste Erfahrungen mit Pekings Druck machten ungarische Politiker Ende der 1980er-Jahre. Nach dem Systemwechsel organisierte der ungarische Milliardär Sándor Demján eine Wirtschaftsmesse in Taiwan und unterzeichnete als inoffizieller Vertreter Ungarns ein Memorandum.
Über einen rasch einsetzenden und intensiven Druck aus Peking auf die ungarische Regierung berichtete der ungarische Sinologe und Historiker Péter Vámos in seinem Buch „Ungarisch-chinesische Beziehungen 1949–1989“. Peking lehnte es schon damals strikt ab, dass andere Länder offizielle oder bedeutende wirtschaftliche Beziehungen zu Taiwan unterhielten, da es Taiwan als Teil seines Staatsgebiets betrachtet.
Es ist nicht bekannt, zu welchem Grad Ungarns Souveränität unter Pekings Einfluss leidet und welchen Preis das Land dafür zahlt. Dabei gilt es auch zu beachten, dass die ungarische Regierung auch unter Druck von westlichen Interessen steht.
(Fortsetzung in Teil 3.)
(Den ersten Teil finden Sie hier.)