Die Auseinandersetzung mit der Natur, stille Besinnung und bedeutungsvolle persönliche Begegnungen tragen alle zu einem erfüllten Leben bei. - Foto: anatoliy_gleb/iStock
In den USA werden mehr Selbsthilfebücher veröffentlicht als in irgend einem anderen Land der Welt. Bücher wie Stephen Coveys „Die 7 Wege zur Effektivität“ (Originaltitel: „The 7 Habits of Highly Effective People“) und Dale Carnegies „Wie man Freunde gewinnt“ (Originaltitel: „How to Win Friends and Influence People“) sind zu Klassikern geworden.
Auch beim Thema Selbsthilfe-Podcasts – sei es zu Themen wie Motivation, persönliches Wachstum oder mentale Gesundheit – sind die USA weltweit führend. Grund genug, einmal über den großen Teich zu schauen und nach entscheidenden Gemeinsamkeiten zu suchen.
Von der Kolonialzeit bis heute haben Amerikaner nach Wegen gesucht, sich selbst zu verbessern – nach Tipps und Lebenshacks, um große und kleine Probleme zu lösen, schlechte Gewohnheiten abzulegen und gute zu entwickeln – und natürlich auch, um mehr Güter, Geld, Selbstvertrauen, inneren Frieden und mehr zu erlangen. Hinter all dem steckt ein großes Menschenziel: glücklicher zu werden.
Aber was, wenn uns in der heutigen Zeit genau ein entscheidender Baustein zum Glück fehlt – manche würden sogar sagen: der entscheidende? Es lohnt sich, hier einmal genauer hinzuschauen.
Professor Brooks Lebensrätsel
Arthur C. Brooks, Autor, Podcaster und Harvard-Professor, hat jahrelang das Glück erforscht – was es bedeutet und wie Menschen es erlangen. Er unterrichtet Studierende zum Thema Glück, hat Bücher darüber geschrieben und das Thema so gründlich erforscht, dass er sich selbst „der Glücksprofessor“ nennt.
Laut seiner Vorstellung und gemäß seines Lebenswerks sagt Brooks: „Lassen Sie mich Glück definieren. Glück selbst ist eine Kombination aus der Freude am eigenen Leben, der Zufriedenheit mit den eigenen Errungenschaften, aber vor allem dem Wissen um den Sinn der eigenen Existenz – dem ‚Warum‘ des Lebens.“
Er berichtete, dass er seinen Studierenden seit Jahren ein kleines Rätsel aufgibt. Damit will er prüfen, ob sie den Sinn ihres Lebens kennen. Es ist ein Zwei-Fragen-Test, den man – wie er sagt – besteht, wenn man Antworten hat, und den man nicht besteht, wenn man antwortet: „Über diese Fragen habe ich noch nie nachgedacht“ oder „Diese Fragen haben keine Antworten.“ Hier sind Professor Brooks Fragen:
„Warum leben Sie?“
„Wofür würden Sie Ihr Leben geben?“
Brooks erklärt: „Wenn Sie Antworten auf diese Fragen haben, ist das gut. Wenn nicht, ist das ein Problem, denn dann sind Sie orientierungslos. Sie kennen den Sinn Ihres Lebens nicht. Sie werden unglücklich sein.“
Was die Daten und die Wissenschaft sagen
Anschließend zeigt Brooks seinem Londoner Publikum eine Grafik mit dem Anteil junger Erwachsener, die in einer Umfrage Folgendes erklärten: „Mein Leben fühlt sich sinnlos an.“ Die Zahlen haben sich zwischen 1990 und 2020 praktisch verdoppelt – auf 30 Prozent bei jungen Frauen und 20 Prozent bei Männern.
In einem früheren Online-Artikel, „Warum sich Ihr ‚perfektes‘ Leben so leer anfühlt“, verwies Brooks auf entsprechende Ergebnisse einer aktuellen Glücksumfrage. Er wies zudem darauf hin, dass sich die Symptome schwerer Depressionen von 2005 bis 2019 nahezu verdreifacht hätten. Nach COVID-19, so Brooks, hätten sich die Probleme nur noch verschärft.
Starke soziale Beziehungen zählen beständig zu den wichtigsten Faktoren für langfristiges Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit.
Foto: Jose Calsina
Nicht nur das: Ein erheblicher Anteil derjenigen, die ihr Leben als sinnlos bezeichneten, gehörte zu den Strebsamen, zu einigen der klügsten und begabtesten ihrer Generation. Sie jagten Erfolg und Anerkennung nach – ohne wirklich zu wissen, worin der eigentliche Sinn dieses Wettlaufs bestand.
Dinge lieben, Menschen benutzen, sich selbst anbeten
In seiner Rede erklärt Brooks die komplexe Beziehung zwischen der linken und der rechten Gehirnhälfte: Erstere kümmert sich um das „Wie“ und „Was“ des Lebens, letztere um einfache Fragen mit komplexen Antworten wie Liebe, Sinn und Mysterium.
Brooks argumentiert dann, dass unsere Handys und Bildschirme die linke Gehirnhälfte ansprechen, wodurch die rechte weitgehend vernachlässigt wird. Darin sieht er einen Grund, warum heute so viele Menschen – besonders jene, die mit dem Handy aufgewachsen sind – die Orientierung verloren haben. Vertieft in ihre Bildschirme haben sie die Impulse der rechten Gehirnhälfte zugunsten der linken zurückgedrängt.
Brooks schließt mit dem, was die Gesellschaft mit ihrem technologischen Ballast als Erfolgsformel ansieht: Dinge lieben, Menschen benutzen, sich selbst anbeten. Dies, so sagt er, sei die gefälschte Formel. Anders ausgedrückt: Die Maschinen, die wir benutzen, machen uns selbst zu einer Art Maschine.
Die richtige Formel für ein sinnerfülltes und glückliches Leben, so Brooks, kehrt diese Schlussfolgerungen radikal um: Dinge benutzen, Menschen lieben, das Göttliche anbeten.
Das Geheimnis der zwei Fragen
Betrachtet man Brooks‘ erste Frage genau, erkennt man, dass sie eingegrenzt ist. Sie fragt nicht nach dem Sinn des Lebens im Allgemeinen, sondern nach dem Sinn des eigenen Lebens.
Brooks erzählt die Geschichte seines Sohnes Carlos, der während der Highschool orientierungslos war und täglich stundenlang auf seinem Handy scrollte. Ermutigt von seinem Vater, verzichtete Carlos aufs College und arbeitete stattdessen monatelang auf einer Farm, bevor er zum Marine Corps ging.
Mit 23 Jahren war er verheiratet, hatte einen Sohn und einen stärkeren Glauben sowie die Überzeugung entwickelt, dass er dazu bestimmt sei, anderen zu dienen – angefangen bei seiner Familie.
Wer Schwierigkeiten hat, die Frage „Warum leben Sie?“ zu beantworten, dem könnte es helfen, zunächst die zweite Frage anzugehen: „Wofür würden Sie Ihr Leben geben?“ Ein Ehemann oder eine Ehefrau würde – wie Brooks es formuliert – bereitwillig und sogar glücklich für den Ehepartner sterben. Die meisten Eltern würden für ihr Kind sterben. Soldaten haben im Laufe der Geschichte ihr Leben für ihre Kameraden gegeben. Wir lesen Geschichten von Menschen, die ihr Leben riskierten oder verloren, um Fremde vor Feuer oder Ertrinken zu retten.
Finden wir heraus, für wen oder was wir sterben würden, haben wir einen wichtigen ersten Schritt getan, um zu bekräftigen, wofür wir leben.
Viele Menschen finden einen tieferen Sinn im Leben, indem sie sich um Familienmitglieder kümmern und in zukünftige Generationen investieren.
Foto: Halfpoint/iStock
Klopfe an, und eine Tür wird sich öffnen
In seinem Vortrag sagt Brooks seinem Publikum, dass es in unserem Zeitalter der Leere und der Bildschirme junge Menschen tiefgreifend beeinflussen kann, diese beiden Fragen zu stellen und bewusst nach Antworten zu suchen.
Dieser konstruktive Zusammenstoß drängt den Suchenden dazu, sich wieder mit der rechten Gehirnhälfte zu beschäftigen und in ihr Reich des Staunens und Mysteriums einzutreten – das Wesen von Philosophie, Poesie und Glauben. Die Fragen zu stellen, insbesondere die erste, ist für ein sinnerfülltes und wirklich glückliches Leben fast ebenso wichtig wie sie zu beantworten.
Als ich einer befreundeten Autorin, die weniger als halb so alt ist wie ich, von dem Zwei-Fragen-Quiz erzählte, kam sie sofort zu demselben Schluss. „Ich habe viele Freunde, die sich diese Fragen nie stellen“, sagte sie. „Sie fragen nie, was sie hier tun oder was der Sinn ist. Sie gleiten einfach durch ihre Tage, ohne nach dem Warum zu fragen.“
In seiner Arbeit als Professor sieht Brooks täglich den Schaden, den selbst kluge junge Menschen erleiden – die Depression, die Angst, die Leere –, weil sie nie über ihren letztendlichen Lebenszweck nachgedacht haben. Für sie, wie auch für den Rest von uns, können die Fragen wie eine Lesebrille wirken – nicht für gedruckten Text, sondern um uns selbst und die Menschen und Ereignisse um uns herum besser zu verstehen.
Brooks auf dem Jakobsweg
Diese Suche kann folglich unser Leben bereichern. In seinem neu erschienenen Buch „The Meaning of Your Life: Finding Purpose in an Age of Emptiness“ (dt. etwa: Der Sinn deines Lebens: Wie man in einer Zeit der Leere Bestimmung findet) spricht Brooks davon, wie er beim Wandern auf dem Jakobsweg in Spanien nach dem Sinn seines eigenen Lebens suchte. Jenem uralten Netz von Pfaden und Wegen folgten im Laufe der Jahrhunderte unzählige Pilger zum Schrein des Heiligen Jakobus. Auch heute noch ist dieser Pilgerweg außerordentlich beliebt.
Über diese Wanderung schreibt Brooks sinngemäß: Wer den Sinn seines Lebens finden wolle, müsse das Leben wie den Jakobsweg behandeln – als eine Pilgerreise, die Geist und Herz öffnet. Lebe man auf diese Weise, gewinne das eigene Leben an Offenheit und Verletzlichkeit. Dann finde einen der eigene Lebenssinn.
Sucht nach dem Sinn, und ihr werdet wahres Glück finden.
Tiefer Einklang mit Körper und Geist: Meditieren fördert den Optimismus sowie das Gefühl für Sinn und Zweck. - Foto: Illustriert von Ran/The Epoch Times
In Kürze:
Meditation hilft nicht nur beiStress, sondern hat auch positive Wirkungen auf den ganzen Körper.
Das Gehirn profitiert davon, wobei sich unter anderem Konzentration, Gedächtnis und emotionale Regulation verbessern.
Ähnlich wie Beten erfüllt Meditation einen Menschen mit einem Gefühl der Ehrfurcht und Demut, was eine positive Einstellung zum Leben fördert.
Es gibt einige Tipps, die Anfängern helfen können, sich die heilende Wirkung der Meditation leichter zunutze zu machen.
Ob Sokrates oder Laotse: Seit Jahrtausenden praktizieren Menschen Meditation, um geistige Klarheit zu erlangen.
Die Forschung bestätigt diese Praxis. Täglich ein paar Minuten in Meditation zu sitzen, hilft beim Stressabbau. Doch es gibt noch mehr Vorteile, die auch die moderne Forschung Schritt für Schritt entschlüsselt.
Meditation aktiviert die Kommandozentrale des Gehirns: den Frontallappen, insbesondere den präfrontalen Kortex. Ist dieser Bereich aktiver, verbessern sich unsere Aufmerksamkeit, emotionale Regulierung und Selbstwahrnehmung.
Darüber hinaus führt regelmäßige Meditation zu strukturellen Veränderungen im Gehirn und steht in Zusammenhang mit einem verlangsamten Verfall von Nervenzellen. So war die Hirnrinde bei Personen im Alter von 40 bis 50 Jahren, die regelmäßig meditierten, laut einer Studie aus dem Jahr 2005 ähnlich dick wie die von Nicht-Meditierenden, die 20 Jahre jünger waren. Diese zusätzliche Dicke könnte laut den Forschern als eine Form der kognitiven Reserve dienen.
In einer anderen kleinen Studie mit Personen, die zuvor noch nie meditiert hatten, zeigte sich bereits nach acht Wochen Meditation eine Zunahme der grauen Substanz im Gehirn. Ihr Volumen nimmt normalerweise mit zunehmendem Alter ab. Die graue Substanz nahm insbesondere in Gehirnregionen zu, die fürs Lernen und Gedächtnis sowie für die Selbstwahrnehmung und Empathie zuständig sind.
Ferner wirkt Meditation auf die Neuroplastizität des Gehirns, also seine Fähigkeit, zu wachsen und sich zu verändern, sagte Dr. Andrew Newberg gegenüber Epoch Times. Je mehr man sich der Meditation widme, desto „größer sei die Wirkung“, so Newberg, ein Pionier der spirituellen Neurowissenschaften und Forschungsdirektor am Marcus Institute of Integrative Health am Thomas Jefferson University Hospital in Philadelphia.
Zudem schütte das Gehirn während einer Meditation „Glückshormone“ aus, fügte der Neurologe hinzu. So setzt ein Teil des Belohnungs- und Motivationszentrums im Gehirn bei der tiefen Meditation 65 Prozent mehr Dopamin frei. Bei langjährigen Meditierenden kann der Serotoninspiegel im Blut laut Untersuchungen um etwa 26 Prozent höher sein.
Mit Antidepressiva vergleichbar
Meditation kann außerdem ähnlich wie Medikamente wirken. Das zeigte beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 2022 zum Thema Angstzustände. Dabei verglichen die Forscher eine auf Achtsamkeit basierende Behandlung zur Stressreduktion mit dem Medikament Escitalopram, einem Mittel gegen Angstzustände und Depressionen. Demnach war Achtsamkeit bei der Behandlung von Angstzuständen „Escitalopram nicht unterlegen“, hieß es in der Untersuchung.
Das zeige, dass meditative Praktiken eine „Alternative mit weniger Nebenwirkungen“ bei Angststörungen darstellen, sagte Dr. Elizabeth A. Hoge zu Epoch Times. Hoge ist Fachärztin für Psychiatrie und Leiterin des Forschungsprogramms für Angststörungen am Georgetown University Medical Center.
Beruhigt das Herz und lindert Schmerzen
Meditation beruhigt den Körper zusätzlich, indem sie die Herzfrequenz verlangsamt und Schmerzen lindert.
Da Meditation Stresshormone und Entzündungen senke sowie Ruhe und Erholung im Körper fördere, mindere sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sagte Dr. V. S. Prakash gegenüber Epoch Times. Prakash ist leitender interventioneller Kardiologe und Herz-Elektrophysiologe am Manipal Hospital in Bengaluru, Indien.
Eine höhere Herzratenvariabilität verbessert Ihre Reaktion auf Stress, da sie die Fähigkeit unterstützt, von einer Stresssituation schneller wieder den Ruhemodus zu erreichen.
Die beruhigende Wirkung der Meditation auf Körper und Geist lindert zudem Schmerzen. Wie eine Studie aus dem Jahr 2025 ergab, ist Achtsamkeitsmeditation bei starken chronischen Rückenschmerzen mit der kognitiven Verhaltenstherapie vergleichbar.
Achtsamkeit bringe den Menschen bei, innezuhalten und körperliche Empfindungen wahrzunehmen, meinte Dr. Aleksandra Zgierska zu Epoch Times. Achtsamkeit helfe den Menschen zu erkennen, dass Schmerzen oft schwanken und bewältigt werden können – eine Einsicht, die das Leiden verringern könne, so die Hauptautorin der Studie und stellvertretende Vorsitzende für Forschung am Fachbereich Familien- und Gemeindemedizin am Penn State College of Medicine.
„Menschen verfallen oft in eine sogenannte ‚Schmerzkatastrophisierung‘. Sie erwarten, dass sich der Schmerz verschlimmert und vermeiden deshalb bestimmte Aktivitäten“, sagte sie. „Dies kann einen Teufelskreis auslösen. Achtsamkeit hilft, diesen Kreislauf zu durchbrechen.“
Personen, die beten, weisen ähnliche neurophysiologische Mechanismen auf wie Personen, die meditieren. Das zeigten bildgebende Hirnuntersuchungen des Neurologen Newberg.
Sowohl Meditation als auch Gebet steigern die Aufmerksamkeit und Konzentration im Gehirn, während sie gleichzeitig die Aktivität im Parietallappen verringern. Der Parietallappen ist daran beteiligt, uns ein räumliches Selbstbewusstsein zu vermitteln. Ist er weniger aktiv, führt es dazu, dass Menschen, die regelmäßig meditieren oder beten, „ihr Selbstgefühl verlieren oder eine tiefe Verbundenheit mit dem Universum oder Gott empfinden“, so Newberg.
Er fügte hinzu: „Meditieren oder Beten erfüllt einen Menschen zudem mit einem Gefühl der Ehrfurcht und Demut, das mit jeder solchen Erfahrung stärker wird.“
Sich im tiefen Einklang mit dem Universum zu fühlen, führe zu einem tiefen Gefühl innerer Geborgenheit, sagte Margaret Trey, eine Forscherin mit einem Doktortitel in Psychotherapie. Es sei „wohltuend und heilend“, sagte sie zu Epoch Times.
Dies steigere letztendlich den Optimismus sowie das Gefühl für Sinn und Zweck.
Wie können wir die heilende Wirkung der Meditation nutzen? Erst einmal beinhaltet Meditation traditionell
kontrolliertes Atmen,
das schrittweise Ausblenden abschweifender Gedanken,
das Erreichen eines ruhigen, klaren Geisteszustands.
„Meditation ist keine Darbietung – sie ist Übung“, sagte dazu die Psychotherapeutin Trey. Für Meditationsanfänger empfiehlt sie, täglich fünf Minuten lang still zu sitzen und die Dauer schrittweise zu verlängern.
Man sollte sich nicht zwingen, seinen Geist von Anfang an zu leeren. Stattdessen damit beginnen, seine Gedanken wahrzunehmen. Wenn ein negativer oder ängstlicher Gedanke auftauche, könne man ihn beobachten und vorbeiziehen lassen, anstatt sich in ihm zu verstricken.
Wenn der Geist abschweift, könne man ihn einfach zurückbringen – man sitze genau hier, so Trey, die seit mehr als 20 Jahren Forschung zu den Vorteilen der Meditationspraxis Falun Gong betreibt und drei Bücher verfasst hat. Ihr zufolge hat Falun Gong ihr geholfen, das ständige „innere Geschwätz“ ihres Geistes zu beruhigen.
Ihrer Meinung nach werden wir in unserem Alltag von Emotionen getrieben. Emotionen würden oft wie ein Feuer ausbrennen und einen erschöpften Körper und Geist zurücklassen. Im Gegensatz dazu „kann geistige Stille zutiefst erholsam sein“, sagte sie.
„Der ruhende Geist ist ein Geist, der endlich frei ist, das zu empfangen, was das Denken allein niemals erreichen könnte.“
Die Mitochondrien brauchen Vitamin B12, um genug Energie für unsere Zellen zu produzieren. - Foto: Artur Plawgo/iStock
In Kürze:
Ob Muskeln, Knochen oder Nervenzellen – Vitamin B12 ist für uns lebensnotwendig.
Sein Mangel sorgt für Beschwerden wie Gehirnnebel, Gleichgewichtsstörungen oder Muskelschwäche.
Da auch das Altern solche Symptomeverursachen kann, verstärkt ein Mangel die Beschwerden zusätzlich, wie kürzlich in ersten Tierstudien nachgewiesen wurde.
Gezielte Ernährung, Supplementierung und ein Blick auf die eingenommenen Medikamente können einem Mangel entgegenwirken.
Allgemeine Müdigkeit, Kribbeln in Händen und Füßen und vieles mehr – oft sehen wir das als die typischen Symptome des Älterwerdens. Es besteht allerdings eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der eigentliche Übeltäter ein Vitamin ist, das Sie möglicherweise nicht ausreichend aufnehmen: Vitamin B12.
Mangelerscheinungen können den Anzeichen des normalen Alterungsprozesses ähneln – und daher leicht übersehen werden.
Normalerweise nimmt die Funktion der Mitochondrien – der Energiefabriken in unseren Zellen – mit zunehmendem Alter ab. Gleichzeitig besteht die Aufgabe von Vitamin B12 darin, sowohl die Mitochondrien als auch die Energieproduktion am Laufen zu halten. Zwei aktuelle präklinische Studien an Mäusen helfen, den Zusammenhang zwischen B12 und dem Alterungsprozess zu erklären.
In der ersten Studie, die im „Journal of Nutrition“ erschien, verabreichten Forscher ihren Mäusen nur wenig Vitamin B12 und untersuchten die Skelettmuskeln, die einen hohen Energiebedarf haben. Die Mitochondrien arbeiteten weniger effizient, produzierten weniger Energie und zeigten bei niedrigem B12-Spiegel Anzeichen einer Schädigung ihrer DNA.
Der Zusammenhang mit den Muskeln ist besonders wichtig für ältere Erwachsene. Mit zunehmendem Alter nimmt die Aufnahmefähigkeit für Vitamin B12 ab und ein Mangel tritt häufiger auf. Gleichzeitig steigt auch das Risiko einer Sarkopenie, also des Verlusts von Muskelmasse und -kraft, die die Selbstständigkeit und Lebensqualität beeinträchtigt.
„Wir haben gewissermaßen gezeigt, dass ein Vitamin-B12-Mangel oder eine -Unterversorgung eine Art zweiter Schlag für denselben Gewebetyp in dieser ohnehin schon gefährdeten Bevölkerungsgruppe darstellt“, sagte Martha Field, Mitautorin der Studie und Associate Professor an der Cornell University mit einem Doktortitel in Biochemie, gegenüber Epoch Times.
Die zweite Studie, veröffentlicht in „GeroScience“, untersuchte, ob eine Vitamin-B12-Supplementierung die Schäden rückgängig machen könnte. Zu diesem Zweck verabreichten die Forscher älteren Mäusen Vitamin B12, um zu prüfen, ob dadurch die Mitochondrienfunktion wiederhergestellt werden könnte. Und tatsächlich ging ein verbesserter Vitamin-B12-Status mit einer besseren Mitochondrienfunktion in den Muskeln einher.
„Wir wissen, dass die Vitamin-B12-Aufnahme mit zunehmendem Alter sinkt und dass eine Mitochondrienfunktionsstörung ein Kennzeichen des Alterns ist“, erklärte Studienautorin Anna Thalacker-Mercer in einer E-Mail an Epoch Times. „Wenn es einen Zusammenhang zwischen der B12-Verfügbarkeit und den Mitochondrien bei älteren Erwachsenen gibt, gingen wir davon aus, dass eine Supplementierung den Rückgang umkehren könnte. Wir waren überrascht, wie deutlich das Ergebnis ausfiel“, so die außerordentliche Professorin für Zell-, Entwicklungs- und integrative Biologie.
Beide Forscherinnen wiesen darauf hin, dass es sich hierbei um Tierstudien handelt, die keinen Nachweis für eine Wirkung beim Menschen liefern. Das Team von Thalacker-Mercer führt derzeit randomisierte Kontrollstudien am Menschen durch. Mit ihnen wollen die Studienautoren untersuchen, ob eine Vitamin-B12-Supplementierung tatsächlich die Mitochondrienfunktion oder die Muskelgesundheit bei alternden Menschen verbessert.
Warum wir einen Vitamin-B12-Mangel leicht übersehen
Vitamin B12, das auch Cobalamin heißt, wird von Mikroorganismen gebildet. Es gelangt dann über die Nahrungskette hinauf zu uns, wobei Fleisch, Eier und Milchprodukte die besten natürlichen Quellen für das Vitamin sind. Der Mensch produziert es nicht selbst und muss es über die Nahrung sowie angereicherte Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel aufnehmen.
B12 wird in der Leber gespeichert, die einen Vorrat für mehrere Jahre bereithalten kann. Dies ist einer der Gründe, warum sich ein Mangel langsam entwickeln und lange Zeit unbemerkt bleiben kann.
Eine ausreichende Versorgung hängt nicht nur davon ab, wie viel Vitamin B12 unsere Nahrung enthält. Wichtig ist auch, ob wir es aufspalten und aufnehmen können.
Unsere Fähigkeit, Nährstoffe effektiv aufzunehmen, nimmt mit zunehmendem Alter tendenziell ab. Genauso verhält es sich mit der nötigen Menge an Magensäure. Diese hilft, B12 aus der Nahrung freizusetzen, damit unser Körper es aufnehmen und verwerten kann.
Ferner kommen bei älteren Menschen häufig Medikamente zum Einsatz, die die Aufnahme beeinträchtigen. Dazu gehören Metformin bei Typ-2-Diabetes und Protonenpumpenhemmer, auch Säureblocker genannt, die dafür sorgen, dass der Körper weniger Magensäure bildet.
Die gute Nachricht ist, dass wir nur winzige Mengen an B12 benötigen, nämlich etwa 4 Mikrogramm (μg) täglich für Erwachsene. Der Bedarf steigt bei schwangeren und stillenden Frauen auf 4,5 μg beziehungsweise 5,5 μg. Um das in Relation zu setzen: Ein Sandkorn wiegt etwa 175 μg. Das bedeutet, dass die täglich benötigte Vitamin-B12-Menge für Erwachsene etwa 1/44 eines einzelnen Sandkorns beträgt.
In der Praxis lässt sich der tägliche Vitamin-B12-Bedarf durch den Verzehr von vier bis fünf Eiern, 200 Gramm Thunfisch, 100 Gramm Rindfleisch oder 100 Gramm Sardinen decken. Wer hochkonzentrierte Optionen bevorzugt: Bereits eine einzige gedämpfte Muschel oder ein Bissen Rinderleber reicht aus. Wer nach pflanzlichen Quellen sucht: Zwei Esslöffel angereicherte Nährhefe liefern 39 μg – fast das Zehnfache des täglichen B12-Bedarfs, sodass bereits eine kleine Prise ausreicht.
Laut dem Biochemiker Martin Warren ähneln viele der Symptome eines B12-Mangels oder einer -Unterversorgung denen anderer Mikronährstoffmängel sowie den Symptomen des Alterns.
Die Symptome entwickeln sich langsam, was ihre Ursache unklarer macht. Viele Menschen würden sie möglicherweise auf normale Zeichen des Alterns zurückführen, so der Professor an der University of Kent, der sich auf B12-Forschung spezialisiert hat, in einer E-Mail an Epoch Times.
Ein Mangel an Vitamin B12 kann körperliche, neurologische und psychische Beschwerden verursachen. Die häufigsten sind:
Diese Beschwerden können auf eine Vielzahl von Ursachen zurückzuführen sein, die über einen Vitamin-B12-Mangel hinausgehen. Wer unter ihnen leidet, sollte sich an seinen Arzt wenden, um die Ursache zu ermitteln.
Systemsprenger, sind Kinder und Teenager, die „durch keine pädagogische oder therapeutische Maßnahme erreichbar erscheinen“. - Foto: klebercordeiro/stock
Fünf vor sechs müssen sie aufstehen. Dann gibt es erst mal Frühsport. In erster Linie Liegestützen und Kniebeugen. Die Rede ist von Kindern und Jugendlichen im sogenannten „Trainingscamp“ im hessischen Diemelstadt.
Die Pädagogen dieser stationären Jugendhilfeeinrichtung sagen über die jungen Menschen, die zu ihnen kommen: Sie reagieren „auf Einmischungen von Eltern, Lehrern oder Erziehern misstrauisch, verängstigt, aggressiv und ablehnend“. Sie hätten „eine Richtung eingeschlagen, die sie selbst und andere in große Schwierigkeiten gebracht haben“. Dazu zählen Raubüberfälle, Drogen, Alkoholdelikte, Lügen, Erpressung von Mitschülern, Schule schwänzen und teils schwere Körperverletzungen an anderen.
Wenn alle Versuche scheitern
Für diese Gruppe Kinder und Jugendliche hat sich der Begriff „Systemsprenger“ eingebürgert. Inspiriert hat ihn der Erziehungswissenschaftler Menno Baumann, Professor für Intensivpädagogik an der Fliedner Fachhochschule Düsseldorf, der im Jahr 2010 das Buch „Kinder, die Systeme sprengen“ veröffentlichte. Der Untertitel des Buches sagt schon alles über den Inhalt aus: „Wenn Jugendliche und Erziehungshilfe aneinander scheitern“.
Es geht um Kinder und Teenager, die „durch keine pädagogische oder therapeutische Maßnahme erreichbar erscheinen“ und die somit das therapeutische System „sprengen“.
Nicht immer richtet sich der Zorn und die Frustration der Jugendlichen gegen andere, sondern auch gegen sich selbst. Baumann schildert in seiner Studie einen besonders extremen Fall der Selbstverletzung, den ihm eine Gruppenleiterin einer Kinder- und Jugendwohngruppe berichtet hat.
Ein Junge hatte sich das Bein gebrochen. „Eines Tages stand er – wir haben da hinten einen Anbau mit einem Flachdach – und da stand er oben auf dem Dach. Und dann haben wir gesagt: ‚Komm runter‘, ne, ‚wir stellen dir jetzt ne Leiter wieder ran, und ich möchte, dass du hier wieder runter kommst,‘ und dann ist er mit einem Doppelsalto mit dem gebrochenen Bein im Gips vom Dach gesprungen. So nach dem Motto: ‚Ihr könnt mir gar nichts!‘“
Foto: mactrunk/iStock
Angststörungen, Depression, Überaktivität
„Puzzle Inklusion“, ein privater pädagogischer Dienstleister in Hannover für Kinder, junge Erwachsene und deren Eltern, erklärt das Phänomen folgendermaßen: „Systemsprenger“ hätten „oft tiefe Bindungsprobleme, geringe Frustrationstoleranz und zeigen Ablehnung gegenüber Autoritäten.“
Als mögliche Gründe und Hintergründe für deren Verhalten führen die Pädagogen an: familiäre Belastungen wie häusliche Gewalt, Vernachlässigung oder Suchterkrankungen. Hinzu kämen Missbrauch, Trennung von Bezugspersonen, ADHS, Depressionen, geringe Kontakte zu anderen und fehlende Freizeitangebote.
Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) berichtet in einem Faktenpapier aus dem Jahr 2020 zu „Psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen“ davon, dass in dieser Altersgruppe am häufigsten Angststörungen, Depression, Überaktivität sowie dauerhaft aufsässiges und aggressives Verhalten auftrete.
Die BPtK verweist zudem auf eine nicht näher genannte deutsche Studie mit 2.500 Befragten. Diese habe ergeben, dass „fast die Hälfte der Jugendlichen über 14 Jahre ein belastendes Kindheitserlebnis“ gehabt hätten, „zum Beispiel die Scheidung der Eltern oder Alkoholkonsum und Drogenmissbrauch in der Familie“. Etwa 10 Prozent der Befragten hätten „von mehr als vier belastenden Erfahrungen in der Kindheit“ berichtet.
Jungen vor dem 15. Lebensjahr seien häufiger psychisch krank als Mädchen. Sie erkrankten „viereinhalbmal so häufig an ADHS, sie neigen stärker zu aggressivem und oppositionellem Verhalten, sie schwänzen häufiger die Schule oder laufen von zu Hause weg. Sie sind auch häufiger suchtkrank“, so die Psychotherapeutenkammer.
Billy the Kid in den Jahren 1879–80.
Foto: Gemeinfrei
„Billy the Kid“ und „Schinderhannes”
Systemsprenger sind keine Erscheinung der Neuzeit. Sie hat es offenbar schon immer gegeben. Die bekanntesten Beispiele dafür sind die Wildwest-Banditen „Bill the Kid“ und „Sundance Kid“ aus dem 19. Jahrhundert. Alleine der Zusatz „Kid“ verweist schon darauf, dass es sich bei diesen Gesetzlosen um Jugendliche gehandelt hat.
„Billy the Kid“ wurde nach zahlreichen Raubüberfällen und Morden mit rund 21 Jahren aus einem Hinterhalt erschossen. „Sundance Kid“ wurde zwar etwa 40 Jahre alt, verbüßte seine erste Haftstrafe aber bereits mit 20 Jahren.
Als deutsches Beispiel kann Johannes Bückler, besser bekannt unter dem Beinamen „Schinderhannes“, angeführt werden. Er wurde 1803 mit rund 24 Jahren hingerichtet, nachdem er zuvor im Hunsrück mindestens 211 Straftaten – von Diebstählen, Erpressungen bis zu mörderischen Raubüberfällen – begangen hatte. Er wurde mit etwa 16 Jahren erstmals wegen Diebstahls verhaftet.
Zurück in die Gegenwart. Baumann zufolge stellt die Altersgruppe der 13- bis 16-Jährigen „den mit Abstand größten Block“ unter den Systemsprengern. Er habe aber bereits für seine 2010-Studie mit 11- bis 13-jährigen Jugendlichen zu tun gehabt.
Für den Professor sei der Begriff „Systemsprenger“ keine Bezeichnung für ein Kind oder einen Jugendlichen mit bestimmten Eigenschaften. Sondern es ginge vielmehr um das „Prozessgeschehen“.
„Der Kinder- und Jugendhilfe gelingt es nicht, mit einem jungen Menschen ein Angebotsformat zu finden, das von allen Beteiligten als hilfreich angesehen wird“, so Baumann.
Wenn das System aber das Problem sein soll, was muss sich dann nach Meinung des Experten ändern?
Überraschenderweise nennt Baumann im Gespräch mit LOOP Kinderhilfe nicht an erster Stelle die Betroffenen, sondern die Pädagogen:
„Wir müssen in der Jugendhilfe viel, viel mehr in Mitarbeitersicherung, in emotionalen und psychologischen Support unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen investieren. Das muss der wesentliche Schwerpunkt sein“, so der Pädagoge. Die Fachberatung und das Coaching müssten „anders werden“, damit die Betreuer „in ihrer psychischen Gesundheit und ihrer Belastbarkeit“ erhalten werden.
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Kein „Export“ von Problemfällen
Und es bedürfe Baumanns Aussage nach einer „stärkeren Regionalisierung“. Er kritisiert, dass etwa im Jahr 2022 in Schleswig-Holstein für 6.500 Heimplätze 5.500 Kinder aus anderen Bundesländern zugewiesen wurden.
Er sagt: „Lasst uns den Import-/Export-Wahnsinn beenden und lasst uns stärker in die Regionalisierung gehen, zumindest in der Verantwortung. Es kann Sinn machen, ein Kind auch mal weiter weg unterzubringen, aber die Verantwortlichkeit muss in der Region bleiben“, so der Wissenschaftler. Dafür brauche es bessere Strukturen bei Jugendämtern und Jugendhilfeträgern.
Individuelle Betreuung oder Gemeinschaft?
Und er fügt hinzu: „Wir brauchen nicht mehr Spezialangebote, die bestimmte Phänomene bearbeiten.“ Vielmehr würden Pädagogen gebraucht, die bereit seien, „sich auf diesen einen Menschen einzulassen, der da vor ihnen steht. Wir brauchen mehr Individualität für den einzelnen Menschen“, fordert Baumann.
Das privat betriebene „Trainingscamp“ Diemelstadt verfolgt laut ihrer Website einen einzigartigen Ansatz mit jenen Jugendlichen, die oft nur noch die Wahl haben: Gefängnis oder Diemelstadt. Die Einrichtung in Nordhessen befindet sich abseits von größeren Ortschaften und ist umgeben von Wald und landwirtschaftlichen Flächen. „Diese Lage entlastet von vielen negativen Versuchungen und Gelegenheiten größere Städte“, beschreiben die Betreiber ihr Bootcamp.
Zwanzig Therapieplätze gibt es dort, ausschließlich für männliche Jugendliche, die für sechs Monate an dem Trainingsprogramm teilnehmen. Unterricht gibt es nicht, aber ein straffes Sportprogramm, Arbeitsprojekte, Gemeinschaftsleben sowie „Rituale“, mit denen Grenzen gesetzt werden.
So sollen etwa mittels Boxen und Mannschaftssportarten Disziplin und Fair Play vermittelt werden. Die „aggressiven Impulse“ der Jugendlichen sollen dadurch abgebaut werden. Als weiteres Ziel wird angegeben, „lernen Regeln einzuhalten, diszipliniert zu trainieren“ und sportliche Gegner zu respektieren.
Und dann? Viele der Jugendlichen hätten am Ende der Zeit im Trainingscamp „das Gefühl, fit und leistungsfähig zu sein. Sie sind motiviert, sich weiteren Herausforderungen zu stellen, ihre Schule wieder aufzunehmen, eine Ausbildung zu machen, die Situation in der Familie wieder zu verbessern“, beschreiben die Betreiber ihre Arbeit.
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„Erfolg ist eine Treppe, keine Tür“
Und dennoch werden laut einem Bericht von „RTL Hessen“ 50 Prozent rückfällig, wenn sie das Camp verlassen haben. Aber eine Rückfallquote von 50 Prozent ließe sich unterschiedlich bewerten: als Erfolg angesichts der Schwere der Fälle, mit denen die Einrichtung arbeitet, oder als Hinweis auf die Grenzen des Ansatzes.
Und in keiner Gesellschaft dieser Welt gelingt es, alle „verhaltensauffälligen“ Kinder und Teenager entsprechend ihren Bedürfnissen erfolgreich zu betreuen oder zu therapieren. Weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart oder in der Zukunft.
Wie mit dieser offenbar unlösbaren Situation umgegangen werden kann, dazu hatte etwa die 2007 verstorbene amerikanische Motivationstrainerin Dottie Walters eine klare Meinung: „Erfolg ist eine Treppe, keine Tür.“
Kummertelefon für Eltern:
Unter 0800 111 0550 erhalten Eltern kostenlose Beratung bei Erziehungsfragen.
Kummertelefon für Kinder und Jugendliche:
Unter 116 111 finden Kinder und Jugendliche ein offenes Ohr, wenn sie zu Hause Gewalt erleben oder andere Sorgen haben. Kostenlos und anonym.
Treffpunkt ist eine belebte Kreuzung mitten in Berlin-Wedding. Zwischen Verkehrslärm, vorbeieilenden Passanten und dem typischen Mix aus Einheimischen und Touristen entsteht ein Bild, das so nur dieser Stadtteil zeichnen kann: laut, vielfältig, unruhig – und doch geordnet in seinem eigenen Rhythmus. Rund 15 Interessierte haben sich hier versammelt.
Gemeinsam wollen wir einen der ursprünglich 16 Berliner Atomschutzbunker besichtigen, die während des Kalten Krieges errichtet wurden. Die Zivilschutz-Mehrzweckanlage befindet sich unter der Pankstraße, direkt am gleichnamigen U-Bahnhof der Linie U8. Geführt wird die Gruppe von Christian, unserem Bunkerführer vom Verein „Berliner Unterwelten“.
Im Falle eines nuklearen Angriffs auf die Hauptstadt hätte der Bunker bis zu 3.339 Menschen für zwei Wochen Schutz bieten sollen. Erst danach wäre die Strahlung voraussichtlich so weit gesunken, dass ein kurzzeitiger Aufenthalt im Freien zur Evakuierung ins Umland möglich gewesen wäre.
Errichtet wurde die Anlage in den 1970er-Jahren gemeinsam mit dem U-Bahnhof und im Jahr 2010 schließlich unter Denkmalschutz gestellt. Hinter massiven Betonwänden verbirgt sich ein vollständig autarkes System, ausgelegt auf den Ernstfall.
Ein eigenes Wasserwerk, gespeist aus einer rund 80 Meter tiefen Quelle, gehörte ebenso dazu wie riesige, hermetisch verschließbare Stahltore. Ergänzt wurde die Anlage durch ein komplexes Belüftungssystem mit Schutz vor ABC-Kampfstoffen sowie eine unabhängige Notstromversorgung – ein in sich geschlossenes System, gedacht für das Überleben im Ausnahmezustand.
„Willkommenstüten“ und grüne Adidas-Sportanzüge
Das Besondere an dieser Mehrzweckanlage war, dass sie in Friedenszeiten als ganz normaler U-Bahnhof fungierte.
Jahrelang lebte ich nur zwei U-Bahn-Stationen entfernt. Doch so wie mir ging es vermutlich vielen Berlinern, aber auch Touristen, die die Linie U8 nutzen: Keinem war bewusst, dass er sich kurzzeitig im Inneren eines Atomschutzbunkers aufgehalten hatte.
Denn im Ernstfall hätten zwei zwölf Tonnen schwere Tore die U-Bahnschächte beidseitig nach dem Einfahren der letzten U-Bahnen hermetisch abgeriegelt. Der Bahnsteig und auch die eingeschlossenen U-Bahnzüge hätten dann als Schlaf- und Aufenthaltsräume unter meterdicken Betonwänden gedient.
Gleichzeitig wären die oberirdischen Zugänge zum U-Bahnhof abgeriegelt worden und es wäre nur noch ein Zugang über eine „Personendosieranlage“ möglich gewesen. Damit ist eine erste Schleuse gemeint, die immer nur von einer Person passiert werden konnte.
Auf diese Weise sollten Tote durch eine Massenpanik sowie ein Überschreiten der maximalen Kapazität des Bunkers verhindert werden.
Nach der ersten Schleuse folgte ein zweiter Schleusenraum für rund 40 Personen, in dem die Dekontamination stattgefunden hätte. Dabei wären durch das Abduschen mit warmem Wasser gezielt radioaktive Verunreinigungen von Körper und Kleidung entfernt worden.
Anschließend wäre es in einheitlichen grünen Sportanzügen und weißen Sportschuhen von Adidas in den eigentlichen Bunker gegangen.
An der Krankenstation hätte jeder eine „Willkommenstüte“ erhalten mit Besteck, Zahn- und Körperbürste, Seife, Handtuch, Bettzeug sowie Hygieneartikeln für Frauen oder Windeln für Kinder.
Diese Krankenstation heute selbst abzulaufen, wirkt für mich befremdlich. Die Gruppe zeigt sich interessiert, zugleich aber spürbar ernst. Denn allen ist bewusst, was dieser Ort im Ernstfall bedeutet hätte: Tausende Menschen, die hier während eines Atomangriffs Schutz gesucht hätten – Alte und Junge, Kinder und Babys, alle eingeschlossen in eine Situation völliger Ungewissheit, was sie beim Zurückkehren an die Oberfläche erwarten würde.
„Rund 2.000 Medikamente gab es hier in der Krankenabteilung, so ziemlich alles, was man braucht, um hier ein paar Wochen auszuhalten“, erzählt Christian, unser Bunkerführer.
Aspirin, Jod, Blutdruckmittel und Insulin für Diabetiker zählt der ausgebildete Schauspieler auf, der mit den Führungen seinen Nebenverdienst bestreitet.
Radiomusik gegen Depression und Angst
Trotz der gelb gestrichenen Decken und der mintgrünen Betonwände mag sich kein behagliches Gefühl bei mir und den anderen Teilnehmern einstellen.
Die technisch aufwendige Ausstattung entspricht den 70er-Jahren und erzeugt bei mir den Eindruck, ich hätte einen Zeitsprung in die Vergangenheit gemacht.
Auch mit der vielen Technik wirkt der Bunker schlicht, kühl und funktional.
Das Einspielen von hoffnungsvollen Botschaften und den damaligen Radiocharts über die Lautsprecheranlage im Bunker sollte dem Gefühl der Verzweiflung vorbeugen, erfahren wir von Christian.
Die Kommunikationsanlage und die Schalttechnik stammten aus dem U-Bootbau. Und so fühlt man sich auch – nur in diesem Fall eingesperrt hinter dicken Stahltüren und Beton.
Einer der Notausstiege aus dem Atomschutzbunker Pankstraße in Berlin.
Foto: Erik Rusch/Epoch Times
Durchsichtige Leichensäcke und fehlende Babybetten
Schnell wird deutlich: Unser Bunkerführer Christian schaut mit gemischten Gefühlen auf die Anlage. Denn obwohl vieles durchdacht und logisch erscheint, gibt es für ihn zahlreiche Ungereimtheiten.
Dazu gehören insbesondere die luftdichten, aber durchsichtigen Leichensäcke, die auch als Müllsäcke dienen sollten.
Fragwürdig erscheinen ihm auch die geringe Anzahl an Babybetten, die fehlende Lagerfläche für Verstorbene und die Nähe der oberirdischen Ansaugöffnung für Frischluft zum Abgasrohr des Notstromaggregats.
Mehrfach stellt unser Bunkerführer eine Verbindung zum Ukrainekrieg her. Er erklärt, dass sich die Mehrzwecknutzung von U-Bahnhöfen als Zivilschutzeinrichtung in der Ukraine bewährt habe.
Auch hier in Deutschland habe sich mit der Bedrohung durch Russland ein Umdenken im Bereich Zivil- und Katastrophenschutz eingestellt, so Christian.
Doch viele Schutzanlagen seien nach ihrer Entwidmung im Jahr 2007 durch den Bund für immer verloren gegangen. Die Gründe seien vielfältig – Verkauf, Abriss, Umbau oder Wassereinbruch mit Schimmelbildung.
Der Verein hat diese und andere Bunkeranlagen gemietet, um sie zu erhalten und Besucherrundgänge zu ermöglichen. Darin begründet sich auch der gute Zustand der Anlage.
60 Personen auf 25 Quadratmetern
Besonders bedrückend wirken die Schlafsäle auf unsere Gruppe. Sie sollten denen einen Platz bieten, die in den U-Bahn-Abteilen oder auf dem Bahnsteig keinen Platz gefunden hatten.
Auf 25 Quadratmetern sollten hier 60 Personen in vierstöckigen Betten aus Stahl und Lkw-Planen schlafen – eng beieinander, wie in einer Sardinenbüchse.
Aufgrund der hohen Belegzahlen hätte sich die Anlage rasch in eine „Saunalandschaft mit 27 Grad Celsius“ und hoher Luftfeuchtigkeit verwandelt, ist Christian überzeugt.
Wegen dieser schwierigen Bedingungen und des Fehlens jeglicher Möglichkeit, Freizeitaktivitäten nachzugehen, hält Christian die Anlage für wenig praxistauglich.
Er verweist auch auf Widersprüche in den nach Geschlechtern getrennten Wasch- und Toilettenräumen. An den Waschbecken, die frei einsehbar waren, sollten sich die über 3.000 Menschen waschen.
Die Toilettenkabinen waren nur mit Vorhängen vom Waschbereich abgetrennt. Die an den hochhängenden Spülkästen angebrachten Kettenzüge hatten Sollbruchstellen, die bei zu hoher Zugbelastung nachgaben.
Dies sollte Suizide verhindern. Niemand sollte sich unbeobachtet fühlen. Denn Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg hatten gezeigt, dass bei längeren Aufenthalten in Bunkeranlagen Selbstmordversuche zunahmen, berichtet uns Christian.
„Aber warum dann Spiegel aus Glas über den Waschbecken?“, fragt Christian kopfschüttelnd. „Mit den Scherben hätte man sich leicht verletzen können.“
Bunkeranlage nur ein Modell?
In der Küche fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt. Alte Kochplatten der Firma AEG und Lautsprecher von Telefunken. Gegessen werden sollte von buntem Plastikgeschirr in Rot, Gelb und Orange. Hauptsächlich hätte es dann Erbsen- und Bohnensuppe gegeben.
Ob Hülsenfrüchte trotz ihrer Nahrhaftigkeit in Bezug auf mögliche Blähungen so eine gute Idee gewesen wären? Auch Christian hat da so seine Zweifel. Die Gruppe lacht, was die ganze Stimmung auflockert.
Was das Konzept jedoch für unseren Bunkerführer besonders fragwürdig erscheinen lässt, ist, dass der Betrieb der Anlage sieben Techniker vorsah.
Von der einstigen deutschen Hauptstadt Ostpreußens, Königsberg, dem heutigen russischen Kaliningrad, hätten die dort in den 1970er-Jahren stationierten sowjetischen Atomraketen in nur sieben Minuten Flugzeit Berlin erreicht.
Die Westberliner Bevölkerung hätte man über die stadtweit verteilten ABC-Sirenen über einen anstehenden Atomschlag informieren können. Doch wie hätten sich in so kurzer Zeit die sieben Techniker in dem Atomschutzbunker einfinden sollen?, fragt Christian in die Runde.
Das Technische Hilfswerk (THW), als Bundesbehörde zuständig für den Zivilschutz, habe Schulungsräume in dieser Mehrzweckanlage eingerichtet, so Christian.
Dort habe man wahrscheinlich vorgeführt, wie der Zivilschutz im Ernstfall aussehen sollte, mutmaßt der Schauspieler.
„Wir gehen mittlerweile davon aus, dass der Atomschutzbunker eher ein Mustermodell gewesen ist als ein tatsächlicher Zufluchtsort“, fasst Christian seinen Eindruck zusammen.
Bunker noch nutzbar?
Und ist der Bunker noch funktionstüchtig?, wollen wir von Christian wissen. Aus seiner Sicht nur für Kurzaufenthalte ohne atomare Bedrohung. Denn große Teile der Lüftungsanlage seien im Rahmen von Umbaumaßnahmen am U-Bahnhof entfernt worden, berichtet er. Eine Reaktivierung wäre nur mit hohem finanziellen Aufwand möglich.
Und so plötzlich, wie wir uns zu Beginn der Führung in einer Schleuse eines Atomschutzbunkers wiederfanden, stehen wir über eine Tür wieder mitten auf dem belebten U-Bahnsteig und sind zurück im Jahr 2026 – Gott sei Dank!
Symptome im Blick: Die traditionelle Diagnostik stützt sich primär auf klinische Merkmale wie anhaltende Traurigkeit und Schlafstörungen. - Foto: TatyanaGl/iStock
In Kürze:
Da Standardtherapien bei Depressionen oft unzureichend wirken, setzt die Medizin zunehmend auf die Suche nach den individuellen biologischen Ursachen der Erkrankung.
Die universitäre Forschung fokussiert sich dabei auf genetische Merkmale (Pharmakogenetik) und Entzündungsmarker im Blut (Immunpsychiatrie).
Die funktionelle Medizin nutzt dagegen maßgeschneiderte Nährstofftherapien, um biochemische Ungleichgewichte wie Methylierungsstörungen oder Spurenelement-Verschiebungen auszugleichen.
Depressionen werden in der Praxis meist anhand standardisierter Symptome behandelt.
In der medizinischen Forschung kristallisiert sich jedoch immer mehr heraus, dass hinter gleichen Symptomen sehr unterschiedliche biologische Ursachen liegen können.
Während die universitäre Schulmedizin dabei primär nach genetischen und immunologischen Biomarkern sucht, setzt die funktionelle Nährstofftherapie auf die Korrektur biochemischer Ungleichgewichte.
Das Problem der Einheitstherapie
Die Diagnose einer Depression erfolgt traditionell über klinische Symptome wie anhaltend gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen.
Dieser symptomorientierte Ansatz stößt in der Praxis jedoch immer wieder an Grenzen. Während einige Patienten gut auf Standard-Antidepressiva ansprechen, bleibt bei anderen die gewünschte Wirkung laut Untersuchungen aus.
In der modernen Medizin kristallisiert sich daher immer klarer die Erkenntnis heraus, dass Depressionen ein komplexes Krankheitsbild mit verschiedenen biologischen Subtypen darstellen, die individuell adressiert werden müssen.
Biochemische Ansätze: Die fünf Muster nach Walsh
Ein Erklärungsmodell, das insbesondere in der funktionellen Medizin und der umweltmedizinischen Praxis Anwendung findet, stammt von dem US-Forscher William J. Walsh.
Er geht davon aus, dass dauerhafte biochemische Ungleichgewichte im Körper maßgeblich zu psychischen Erkrankungen beitragen.
Regulationsstörungen der Methylierung: Abweichungen in diesem fundamentalen Zellprozess – sowohl Unter- als auch Übermethylierung –, welche die Synthese und Aktivität von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin beeinflussen.
Verschiebungen im Spurenelementhaushalt: Insbesondere ein verändertes Verhältnis von Kupfer zu Zink, welches die Aktivität der Botenstoffe im Gehirn modifizieren kann.
Stoffwechselstörungen und Umweltbelastungen: Hierzu zählen Konzepte wie die Pyrolurie, ein physiologischer Zustand, der mit erhöhtem Vitalstoffverlust einhergehen soll, sowie der Einfluss von oxidativem Stress durch Umweltfaktoren.
Der therapeutische Ansatz von Walsh basiert auf der gezielten, individuell abgestimmten Gabe von Mikronährstoffen, um das biochemische Gleichgewicht zu stabilisieren.
Die Berichte über hohe Erfolgsquoten stützen sich bislang vor allem auf die klinischen Beobachtungsdaten seiner Stiftung. Groß angelegte, unabhängige Doppelblindstudien nach universitärem Standard stehen noch aus.
Wo die universitäre Forschung ansetzt
Der Trend zur Personalisierung ist gleichermaßen das zentrale Zukunftsthema in der universitären Psychiatrie. Hier konzentrieren sich die Konzepte der evidenzbasierten Präzisionsmedizin aktuell auf zwei große Kernbereiche:
Pharmakogenetik: Deutsche Institute untersuchen, wie die individuelle genetische Ausstattung eines Patienten den Abbau von Psychopharmaka in der Leber beeinflusst.
Das Ziel besteht darin, mittels Labortests (z. B. der CYP-Enzyme) im Voraus zu bestimmen, welches Medikament eine optimale Wirksamkeit bei minimalen Nebenwirkungen verspricht.
Immunpsychiatrie: Der Fokus in diesem Ansatz liegt auf der Erforschung von Entzündungsmarkern im Blut, da chronische Entzündungsprozesse im Körper im Verdacht stehen, die Gehirnchemie negativ zu beeinflussen und depressive Symptome mitzuverursachen.
Fazit: Die Frage nach dem „Warum“
Die moderne Psychiatrie bewegt sich weg von der reinen Symptombekämpfung hin zu den zugrundeliegenden biologischen Faktoren.
Ob der primäre therapeutische Schlüssel in der Genetik, im Immunsystem oder im gezielten Nährstoffhaushalt liegt, ist Gegenstand anhaltender wissenschaftlicher Forschung und Praxis.
Für Betroffene eröffnet dieser Wandel die Perspektive auf treffsicherere, maßgeschneiderte Therapieverfahren.
Da hoch dosierte Nährstoffgaben jedoch biologisch hochwirksam sind, empfehlen Experten auch in der komplementärmedizinischen Praxis, entsprechende Therapien nur unter laborgestützter ärztlicher oder therapeutischer Aufsicht durchzuführen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Früher lernten Mädchen schon in jungen Jahren, was sie für das Muttersein brauchten – und die Familie unterstützte sie dabei. - Foto: Lumi Liu/The Epoch Times
Nachdem sie Mutter geworden war, weinte Maggie Gordon-Walker jeden Tag, hielt es aber verborgen. Sie fühlte sich nicht unwohl, aber sie fühlte sich auch nicht wie sie selbst.
Ein anspruchsvolles Baby, schlaflose Nächte, Momente des Zweifels – all das lässt sich leichter bewältigen, wenn man es mit anderen teilen kann. Doch Gordon-Walker hatte niemanden, der ihr half, den lebensverändernden Übergang zum Muttersein zu verstehen.
Während des größten Teils der Menschheitsgeschichte war das Muttersein nichts, was Frauen auf eigene Faust lernten. Die Kinderbetreuung wurde innerhalb von Familien und Gemeinschaften aufgeteilt. Großmütter, Tanten, Geschwister und Nachbarn spielten eine aktive Rolle und schufen ein System, in dem Wissen im Alltag weitergegeben wurde. Mütter lernten, indem sie Teil der Gemeinschaft waren.
Eine Großmutter schaut sich in den 1940er-Jahren mit ihrer kleinen Enkelin ein Bilderbuch an.
„Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen“, heißt es dazu im Volksmund. Frauen lernten die Grundlagen des Mutterseins, indem sie sich in diesem Umfeld bewegten.
Gebären, Stillen, das Beruhigen eines weinenden Babys oder die Führung eines Haushalts mit mehreren Kindern – all das waren keine separaten Lektionen, sondern Teil des täglichen Lebens. In größeren Familien, die die Norm waren, gab es immer viele helfende Hände.
Ältere Schwestern lernten, Babys auf der Hüfte zu tragen, während sie sich um die Kleinkinder kümmerten. Jüngere Kinder erhielten kleine, altersgerechte Aufgaben. Kochen, Putzen und die Organisation des Haushalts wurden nach Alter, Geschlecht und Fähigkeiten aufgeteilt. Alle halfen mit.
Depression und Einsamkeit
Heutzutage ist im Westen ein dörfliches Umfeld selten. Familien leben heute über Städte, Bundesländer und Länder verstreut. Viele Frauen müssen ihre Kinder weit entfernt von dem Ort großziehen, an dem sie selbst aufgewachsen sind. Wissen über Kindererziehung wird heute eher durch Artikel, Bücher, Experten und Online-Ratschläge vermittelt als durch den jahrelangen engen Kontakt zu älteren Generationen.
Da die Unterstützung durch mehrere Generationen nicht mehr in der Familienstruktur verankert ist, lastet ein Großteil der Mühen des Mutterseins auf einer einzigen Person.
Das hat seine Folgen: Die Rate der Wochenbettdepressionen hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.
Das erste Jahr aus nächster Nähe
„Das Leben als junge Mutter wird in unserer Gesellschaft oft romantisiert“, sagte Dr. Susan Hatters-Friedman, eine Psychiaterin für perinatale psychische Erkrankungen (PPE), gegenüber Epoch Times. „Von Müttern wird erwartet, dass sie glücklich sind.“
Die Realität sieht jedoch so aus, dass ein Neugeborenes meist alle paar Stunden oder öfters etwas braucht. Der Schlaf ist unterbrochen und der Körper der Frau erholt sich noch. Die Gefühle können von einem Moment zum nächsten schnell umschlagen. Das erste Jahr ist ein Kreislauf aus Füttern, Beruhigen und dem Herausfinden, wie es weitergeht – oft ohne viel Zeit, um das alles zu verarbeiten.
„Es finden gleichzeitig biologische, psychologische und soziale Veränderungen statt“, meinte Anne Welsh, eine auf die psychische Gesundheit von Müttern spezialisierte klinische Psychologin, zu Epoch Times. Eine Frau erlerne die Babypflege und gewöhne sich parallel dazu an eine neue Version ihrer selbst.
Sei eine Frau mit anderen Müttern in Kontakt, würde sich diese Erfahrung in Gesprächen und einem gemeinsamen Verständnis widerspiegeln.
„Wenn niemand da ist, der diese Erfahrung widerspiegelt, kann man sich unglaublich einsam fühlen“, sagte Welsh. „Nach außen hin kann alles sehr kompetent und gefasst wirken. Im Inneren herrscht oft Erschöpfung und das Gefühl, damit ganz allein zu sein.“
Einsamkeit hat eine klinische Bedeutung. So steigt das Risiko für postpartale Depressionen und Angstzustände, wenn beständige Unterstützung fehlt. Das Fehlen zwingt viele Frauen dazu, über ihre Gefühle zu schweigen.
So ging es auch Gordon-Walker. Nach außen hin gab sie vor, dass alles in Ordnung sei, doch innerlich brach sie zusammen.
Gordon-Walker gründete schließlich „Mothers Uncovered“, eine von Gleichgesinnten geleitete Müttergruppe.
Was Müttergruppen bieten, ähnelt der ursprünglichen Form des Dorfes. Es finden Gespräche in Echtzeit zwischen Frauen statt, die sich in derselben Situation befinden. Sie besprechen, was funktioniert und was nicht, sowie die Fragen, die neue Eltern nachts wachhalten.
Gordon-Walker ist nicht die Einzige mit einem Bedarf an Gemeinschaft. „Mütter kommen immer wieder, weil sie sich gesehen, unterstützt, gefeiert und wirklich geschätzt fühlen“, sagte Cindy Utterback der Epoch Times. Sie ist Vorsitzende der Muttergruppe „Posh Mama Club“ in Kalifornien.
Vertrautheit schaffe Struktur. Die Frauen würden sich austauschen, in Kontakt bleiben und sich daran erinnern, was in der Woche zuvor besprochen wurde. Obwohl die Gespräche kurz seien, könnten die Frauen eine Verbindung zu anderen Müttern aufbauen, die sich verlässlich anfühlt.
„Diese Geborgenheit hilft ihnen, aus sich herauszukommen, stärker und selbstbewusster zu werden. Einige von ihnen übernahmen sogar Führungsrollen in unserer Gemeinschaft“, sagte sie.
Warum gegenseitige Unterstützung funktioniert – und wo ihre Grenzen liegen
Studien zufolge verringert beständige gegenseitige Unterstützung das Risiko psychischer Probleme und stärkt das Selbstvertrauen einer Mutter in den ersten Monaten nach der Geburt.
Insbesondere wenn Frauen im letzten Schwangerschaftsdrittel und in den ersten sechs Monaten nach der Geburt über ein starkes Unterstützungsnetzwerk verfügen, bringt es viele Vorteile. Sie
erleben weniger Stress und Ängste,
bewältigen die alltäglichen Anforderungen des Mutterseins konsequenter
und fühlen sich in ihrer neuen Rolle stabiler.
Es ändert nichts daran, wie sie ihr Baby pflegen. Wenn sich eine Mutter allerdings auf eine größere Gemeinschaft verlassen kann, beeinflusst es ihr Selbstbild und die Wahrnehmung ihrer Situation positiv.
Psychologin Welsh beschreibt die Unterstützung durch Gleichgesinnte als eine Form der Spiegelung: Die eigenen Erfahrungen in anderen Menschen widergespiegelt zu sehen, helfe dabei, das zu normalisieren, was sich sonst wie ein persönliches Versagen anfühlen könnte. In schwierigen Momenten frage eine Mutter nicht mehr: „Was mache ich falsch?“, sondern beginne zu erkennen, dass vieles, was sie erlebe, Teil des Prozesses sei.
Moderne Müttergruppen haben jedoch ihre Grenzen. Sie erfordern insbesondere Aufwand. Unterstützung muss gesucht, geplant und aufrechterhalten werden – und das in einer Phase, in der Zeit und Energie ohnehin schon knapp sind. Diese zusätzlichen Schritte könnten es erschweren, Kontinuität aufrechtzuerhalten.
Kontinuität sei aber genau das, was Unterstützung sinnvoll mache, meinte die PPE-Psychiaterin Hatters-Friedman dazu. Eine sporadische Beziehung habe nicht denselben schützenden Effekt wie die beständige, allgegenwärtige Präsenz, die früher entstand, als man nahe der Familie lebte.
Es gibt auch eine Generationskluft, die Gruppen nicht ohne Weiteres überbrücken könnten. Als Familien noch größer und stärker in Gemeinschaften eingebettet waren, nahmen Kinder Wissen über Jahre hinweg langsam auf, indem sie den Älteren zuschauten – eine informelle Lehre, die heute nicht mehr stattfindet.
„Dörfer“ wieder aufbauen
Neben Müttergruppen denken Mütter über verschiedene Wege nach, ihre eigenen „Dörfer“ wieder aufzubauen.
Für manche Frauen beginnt das mit formellen Gruppen wie kirchlichen Treffen, Spielgruppen in der Nachbarschaft und strukturierten Organisationen.
Für andere ist es weniger formell: eine kleine Gruppe von Frauen, die sich regelmäßig trifft, oder ein paar Freundinnen, die sich verpflichten, sich gegenseitig nach dem Befinden zu erkundigen.
Ein wöchentlicher Spaziergang oder sogar ein kurzer Anruf können dazu beitragen, die nötige Beständigkeit aufzubauen, damit Mütter Wege finden, mit ihrer neuen Lebenssituation besser zurechtzukommen.