Ein Mann sammelt Regenwasser vor einer Häuserreihe, die bis zum zweiten Stock überflutet wurde, als am 9. Juli 2026 in der Nähe von Gantang in der südwestchinesischen Region Guangxi ein Stausee brach. - Foto: Greg Baker / AFP via Getty Images
Sintflutartige Regenfälle haben in der südchinesischen Region Guangxi verheerende Überschwemmungen ausgelöst. Neben zerstörten Straßen, Stromausfällen und blockierten Versorgungsketten, spitzt sich die Lage in der Region nun durch einen ungewöhnlichen Vorfall dramatisch zu: Nach der Zerstörung einer Schlangenfarm sind Hunderte giftige Schlangen entkommen.
Seit dem 4. Juli leidet die Region unter historisch außergewöhnlich starken Niederschlägen, die auf den Taifun „Maysak“ zurückzuführen sind.
Mehrere Stauseen liefen über oder erlitten Dammbrüche. Besonders kritisch war die Lage am Liulan-Stausee in der Nähe der Stadt Hengzhou. Die dortigen Dammbrüche führten zu einer großflächigen Überflutung der flussabwärts gelegenen Dörfer.
Aufgrund der Überschwemmungen wurde am 6. Juli eine Schlangenfarm im Dorf Dengwei in der Gemeinde Yunbiao komplett von den Fluten zerstört.
Laut der ersten Schätzungen der lokalen Dorfverwaltung sind dabei etwa 800 bis 900 giftige Schlangen entkommen und wurden durch das Hochwasser in die umliegenden Wohngebiete gespült. Zudem droht in einer weiteren nahe gelegenen Zuchtanlage der Ausbruch von rund 1.000 Kobras, was zu einer Warnung der Behörden geführt hat, und die Sorgen unter den Einwohnern verstärkt hat.
Schlangen dringen in Wohnhäuser ein
In den sozialen Netzwerken kursieren virale Videos und Fotos, die das Ausmaß der Bedrohung zeigen. Einige zeigen, wie Schlangen im Hochwasser treiben. Andere zeigen, wie Bewohner versuchen, Schlangen mit Keschern oder ihren bloßen Händen zu fangen.
📌 Hengzhou, #China 🇨🇳 July 6 /2026 After days of heavy rain 🌧️ and flooding across China, around 900 snakes 🐍 escaped from a breeding farm in Hengzhou. Reports say the reptiles included venomous cobras, with villagers attempting to catch them in the floodwaters. pic.twitter.com/cTcgAZ4nZd
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Ein besonders dramatisches Video zeigt, wie Bewohner im ersten Stock ihres Hauses festsitzen, während eine Kobra versucht, über die halb unter Wasser stehende Treppe in die Wohnräume zu gelangen.
Die Angst der Menschen ist begründet, da es bereits zu schweren Vorfällen kam. Am Abend des 6. Juli wurde eine Frau mittleren Alters in der Gemeinde Yunbiao von einer Schlange gebissen.
🚨A massive flood struck Guangxi, China. A snake farm was completely destroyed by the raging waters. Nearly 900 snakes, including highly venomous cobras, have escaped, slithering everywhere through the flooded area😱#ChinaFlood#NaturalDisasterpic.twitter.com/IMHhACoghg
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Da die Straßen durch Schlamm und Geröll blockiert und die Kommunikationsnetze zusammengebrochen waren, gestaltete sich der Transport ins Krankenhaus äußerst schwierig. Trotz mehrerer Rettungsversuche verstarb die Frau schließlich in der Klinik.
Ein weiterer Dorfbewohner wurde am Folgetag beim Aufräumen von Treibgut in den rechten Zeigefinger gebissen. Er beschrieb das Tier als „schwarz mit flachem Kopf“, was auf eine Kobra hindeutet.
Aus Angst vor dem Gift versuchte der Mann zunächst, die Wunde selbst auszusaugen. Er konnte später von Rettungskräften evakuiert werden und erhielt im Krankenhaus ein Antiserum.
Eine Frau steht vor ihrem Haus in Gantang, nachdem dieses überflutet wurde, als am 9. Juli 2026 in der Region Guangxi im Südwesten Chinas ein nahe gelegener Stausee brach.
Foto: Greg Baker / AFP via Getty Images
Eine Frau trägt im Rahmen einer Aufräumaktion in Gantang Stühle entlang einer Straße, nachdem die Ortschaft am 9. Juli 2026 durch den Dammbruch eines nahe gelegenen Stausees in der Region Guangxi im Südwesten Chinas überflutet worden war.
Foto: Greg Baker/ AFP via Getty Images
Ein Vater beobachtet, wie Kinder vor einem Haus in Gantang bei Kerzenschein zu Abend essen, nachdem am 9. Juli 2026 durch Hochwasser aus einem gebrochenen Stausee in der Region Guangxi im Südwesten Chinas die Stromversorgung unterbrochen worden war.
Guangxi ist eine Region im Süden Chinas, die an Vietnam grenzt. Aufgrund seines subtropischen Klimas hat sich die Region seit den 1980er-Jahren zum weltweit größten Zentrum für die kommerzielle Schlangenzucht entwickelt.
Mit einem Bestand von über 30 Millionen Schlangen kontrolliert die Region rund 80 Prozent des chinesischen Marktes. Die Tiere werden dort im großen Stil als Rohstofflieferanten für die traditionelle Medizin, die Lederindustrie und die Gastronomie gezüchtet.
Ministerin Nina Warken (CDU) warb für das Spargesetz. - Foto: Elisa Schu/dpa
Der Bundestag hat das umstrittene Sparpaket der schwarz-roten Koalition für stabile Krankenkassenbeiträge beschlossen. Für das Gesetz stimmten 319 Abgeordnete, es gab 286 Nein-Stimmen und vier Enthaltungen. Nun soll im Laufe des Tages auch der Bundesrat abschließend über die Reform befinden, die angesichts von Milliardendefiziten massive Einschnitte bei den Kassenleistungen sowie zusätzliche Kosten für Versicherte vorsieht.
Das Paket sieht Milliarden-Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken, Apotheken und Pharmabranche vor – aber auch höhere Zuzahlungen und Einschnitte für Versicherte. Dies soll die gesetzlichen Krankenkassen im kommenden Jahr in Milliardenhöhe entlasten und neue Erhöhungen der Zusatzbeiträge verhindern.
Parallel zum Bundestag fand am Freitagvormittag bereits die Debatte im Bundesrat über die Reform statt. Die Länder hatten zuvor einer nötigen Fristverkürzung zugestimmt, damit das Gesetz noch am Freitag endgültig im parlamentarischen Verfahren verabschiedet werden kann.
Mehrere Länder übten in der Debatte Kritik an der Reform. Das Saarland, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen kündigten dabei an, den Vermittlungsausschuss anzurufen. Schließen sich nicht noch deutlich mehr Länder an, würde dies aber scheitern und das Gesetz könnte angenommen werden.
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte zuvor in der Debatte: „Wir wollen künftig mit dem Geld auskommen, das wir haben, und nur noch das bezahlen, was nutzt.“ Ohne die Reform drohe 2027 eine Beitragserhöhung von einem Prozentpunkt.
Von der Opposition kam Kritik. Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann sagte, das mit heißer Nadel gestrickte Gesetz schone die eigentlichen Kostentreiber. „Es wird keine Beitragsstabilität geben, sondern Krankenhausinsolvenzen, überlastete Hausärzte und verratene Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.“ Linke-Fraktionschefin Heidi Reichinnek sagte: „Sie gefährden mit diesem Gesetz Menschenleben.“ Nicole Hess (AfD) sagte: „Das ist keine Reform, das ist eine Einladung zum Rückzug aus der Versorgung.“
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) begrüßte den Beschluss als „gute Nachricht für unsere 75 Millionen Versicherten“. Zwar enthalte das Gesetz „viele Härten“, es lege aber die Grundlage für stabile Kassenbeiträge, erklärte der Vorstandsvorsitzende Oliver Blatt. Es sei gut, dass die Koalition „hier Handlungsfähigkeit bewiesen“ habe. Blatt kritisierte, einige Gegner der Reform seien in den vergangenen Monaten „mit haltlosen Schreckensszenarien und Angstmacherei übers Ziel hinausgeschossen“.
Warken hatte das Sparziel für 2027 angesichts zuletzt rasanter steigender Ausgaben noch auf 18,8 Milliarden Euro heraufgesetzt. Die neue Lücke werde mit dem nun vorliegenden Entwurf geschlossen, sagte sie. Inwiefern auch noch ein etwas größerer Puffer für Unwägbarkeiten geschaffen wird, war zunächst unklar.
Der Entwurf war zuletzt in mehreren Punkten verändert worden. Dabei wurden Belastungen für Versicherte teils abgemildert. So werden die Zuzahlungen von mindestens 5 und höchstens 10 Euro für Medikamente auf 7,50 bis 15 Euro angehoben. Gestrichen wurde aber, dass die Zuzahlungen danach auch jährlich angepasst werden sollen. Die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern wird eingeschränkt, nun aber mit weiter gefassten Ausnahmen. Erhalten bleiben soll sie etwa für Eltern von Kindern unter zwölf Jahren statt unter sieben Jahren.
Für künftig nicht mehr frei mitversicherte Partner sollen Kassenmitglieder ab 2028 einen Beitragszuschlag von 2,5 Prozent zahlen. Entschieden wurde auch, mehr Steuergeld bereitzustellen als zunächst vorgesehen. So soll der reguläre Bundeszuschuss von 14,5 Milliarden Euro 2027 noch um 1,35 Milliarden sinken statt um zwei Milliarden Euro. Die Zahlungen des Bundes für die Krankenkosten von Grundsicherungsbeziehern werden 2027 um eine Milliarde Euro erhöht. Änderungen gab es auch bei geplanten Preisabschlägen für Pharmahersteller.
Generell zielt das Gesetz darauf, Anstiege der Vergütungen bei allen Erbringern von Leistungen wie Ärzten und Kliniken zu begrenzen. Gestrichen werden sollen etwa auch homöopathische Leistungen auf Kassenkosten. Gegen Einschnitte gibt es seit Wochen heftige Proteste und Warnungen vor Verschlechterungen der Versorgung aus dem gesamten Gesundheitswesen. Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte deutlich gemacht, dass das Paket den Auftakt für eine Reihe großer Reformen der schwarz-roten Koalition in diesem Jahr bilden soll. (dpa/afp)
Die Ringbahnbrücke in Berlin trug täglich sehr viel Verkehr. (Archivbild) - Foto: Christoph Soeder/dpa
Ob die Bonner Nordbrücke, die Rahmede-Talbrücke der A45 oder die Ringbahnbrücke in Berlin: Immer wieder wurden zuletzt zentrale Verkehrsbrücken plötzlich gesperrt – oder stürzten im Fall der Carolabrücke in Dresden sogar ein. Deutschland kümmere sich zu wenig um die Instandhaltung von Brücken, kritisierte Steffen Marx von der Technischen Universität Dresden.
„Die Pflege von Brücken ist vergleichbar mit dem Zähneputzen: Wenn ich einen Tag meine Zähne nicht putze, ist das nicht so schlimm.“ Eine Brücke halte es gut aus, wenn sie ein Jahr lang nicht gepflegt werde. „Wenn ich mich aber 30 Jahre lang nicht um die Instandhaltung kümmere – wie in Deutschland geschehen – dann beschleunigt sich der Schadensfortschritt.“
Aufsehen erregte etwa die Ringbahnbrücke der Berliner Stadtautobahn. Wegen Schäden im Tragwerk wurde sie im Frühjahr 2025 kurzfristig gesperrt und abgerissen. Der millionenschwere Neubau soll in der ersten Jahreshälfte 2027 fertig sein. Aktuell werden dafür Stahlüberbauten eingehoben.
Reparatur viel teurer als Pflege
Verglichen mit den Kosten für die Pflege müsse man das Vielfache investieren, um eine Brücke zu reparieren oder neu zu bauen, sagte Marx, Direktor am Institut für Massivbau der TU. Ein defekter Abfluss zum Beispiel sei leicht auszubessern. Passiere das aber nicht, durchfeuchte die Brücke, der Stahl roste, und es werde viel aufwendiger und teurer, den Schaden zu beseitigen.
Meist erfolgt eine Vollsperrung dann plötzlich, weil erhebliche Schäden entdeckt werden und Experten Einsturzgefahr bescheinigen. Fahrbahn, Fuß- und Radwege der Bonner Nordbrücke dürfen seit Anfang Juni nicht mehr genutzt werden.
2025 traf es die Ringbahnbrücke in Berlin, 2024 die Elbbrücke in Bad Schandau, 2021 die Rahmede-Talbrücke im Sauerland. Mit der Carolabrücke stürzte vor etwa zwei Jahren gar eine Brücke im laufenden Betrieb ein.
„Der Zustand vieler vielbefahrener Brücken in Deutschland ist kritisch“, sagte Martin Claßen von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH). Das gelte insbesondere im Autobahnnetz. „Die aktuelle Situation ist kein plötzliches Problem, sondern das Ergebnis einer langfristigen Entwicklung.“
Strategie „build and forget“
Viele Brücken seien nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut worden und auf eine Nutzungsdauer von 80 Jahren ausgelegt, sagte Marx. Oft seien sie für eine andere Belastung geplant gewesen. „Wir haben heute viel mehr Schwerlastverkehr und Verkehr insgesamt als in der Zeit, zu der viele Brücken geplant und gebaut wurden.“
Danach sei auf eine Erhaltungsstrategie gesetzt worden, die man „build and forget“ („bau es und vergiss es“) nennen könne, meinte Marx. „Die Brücken werden gebaut, aber dann nicht gepflegt.“ Es fänden lediglich die gesetzlich vorgeschriebenen Inspektionen alle sechs Jahre statt. „Deshalb kommt nun eine große Welle von Brücken in schlechtem Zustand auf uns zu.“
Bei so vielen Brücken in sehr schlechtem Zustand wiederum gebe es zwangsläufig einige, die in noch schlechterem Zustand seien als ohnehin angenommen – Einstürze seien irgendwann nahezu unvermeidbar.
Die Carolabrücke sei seit dem Zweiten Weltkrieg aber die erste Brücke, die im laufenden Betrieb eingestürzt sei. Ursache seien versteckte Drahtbrüche im Inneren gewesen – bei den Inspektionen habe man sie nicht sehen können.
Das Verkehrsministerium hatte unter der Ampel-Regierung von SPD, Grünen und FDP 4.000 Brücken von Autobahnen erfasst, die für den Verkehr besonders wichtig, aber modernisierungsbedürftig sind. Sie sollen binnen weniger Jahre saniert oder erneuert werden – ein Ziel, an dem auch die aktuelle Bundesregierung festhält.
Neubau wäre oft gar nicht nötig
Unter Modernisierung verstehe die Regierung allerdings größtenteils den Abriss und Neubau, meinte Marx. Dabei könne etwa die Hälfte der Brücken, die abgerissen würden, saniert werden – was erheblich Kosten spare.
„Die relevanten Teile müssen repariert werden, aber die Brücke muss nicht nagelneu aussehen.“ Auch Claßen ist überzeugt, dass nicht jede Brücke sofort ersetzt werden muss. „Bei vielen Bauwerken kann eine intelligente Zustandsbewertung helfen, Maßnahmen effizient zu staffeln.“
Beim Ersatz von Brücken wiederum liege die größte Herausforderung oft bei Planung, Genehmigung und Vergabe. Ein wichtiger Hebel seien sogenannte funktionale Ausschreibungen: „Statt Projekte bis ins letzte Detail vorzudefinieren, sollte stärker beschrieben werden, welche Funktion ein Bauwerk erfüllen muss. Das schafft Raum für innovative und effizientere Lösungen.“
Zudem brauche es mehr Standardisierung und Modularisierung. „Viele Brücken werden noch immer als Einzelprojekte behandelt“, sagte Claßen. Dabei gebe es technisch ausgereifte Schnellbauansätze, mit denen Bauzeiten – und damit auch Sperrzeiten – drastisch reduziert werden könnten.
Wichtig sei zudem, die bestehenden Überwachungsstrategien für Brücken zu verbessern, sagte Claßen. Und: trotz aller Mängel und Verbesserungsmöglichkeiten: „Das Risiko eines unerwarteten Einsturzes bleibt in Deutschland insgesamt gering.“ (dpa/red)
Bei VW in Wolfsburg wird über neue Sparpläne gestritten. (Archivbild) - Foto: Moritz Frankenberg/dpa
In Kürze:
Volkswagen will seine Modellpalette bis 2030 um bis zu 50 Prozent verkleinern und Produktionskapazitäten reduzieren.
Berichte über bis zu 100.000 wegfallende Arbeitsplätze und vier gefährdete Werke sind bislang nicht offiziell bestätigt.
Betriebsrat, IG Metall und das Land Niedersachsen lehnen mögliche Werksschließungen ab und verlangen mehr Transparenz.
Der sogenannte Zukunftsplan des Volkswagen-Konzerns sorgt weiterhin für Spekulationen und Unsicherheit in der Belegschaft und Politik. Am Donnerstag, 9. Juli, hat VW ein Strategiepapier „Zielbild 2030“ vorgestellt. Dieses skizziert, wie der Konzern in einem härter werdenden globalen Umfeld seine Wettbewerbsfähigkeit sichern und seine Technologieführerschaft bewahren will.
Der Automobil-Weltkonzern will deutlich schlanker, effizienter und wettbewerbsfähiger werden. Man will zentrale Technologiefelder harmonisieren, Synergien verstärken und Parallelstrukturen abbauen. Die Rede ist auch von einer Anpassung der Produktionskapazitäten an die veränderte Marktlage und dem verstärkten Wettbewerb.
Konzernchef Oliver Blume sprach von der „umfassendsten Neuausrichtung der Konzerngeschichte“. Der Vorstand übernehme damit „Verantwortung für die nachhaltige Zukunft des Unternehmens – in einer Zeit, in der die Automobilindustrie weltweit stark unter Druck steht“, so Blume weiter. „Wir begrenzen Risiken, erschließen neue Chancen aus eigener Stärke und setzen ein klares Zeichen für Aufbruch am Wirtschaftsstandort Deutschland.“
Volkswagen will die Produktpalette deutlich verschlanken
Der Kern der Umbaupläne ist eine drastische Vereinfachung. Die VW-Führung will die Modellpalette um bis zu 50 Prozent reduzieren. Die Breite des Angebots an Varianten und Ausstattung soll sogar um bis zu 75 Prozent sinken. Statt wie ursprünglich bei rund 12 Millionen soll die Produktionskapazität künftig auf 9 Millionen Fahrzeuge pro Jahr sinken.
Der Konzern plant weiter eine Zusammenführung von Plattformen, Software und Elektronikarchitekturen. Außerdem soll eine Straffung des Beteiligungsportfolios und der Führungsstrukturen erfolgen.
VW verweist auf dauerhaft hohe Kosten, eine schwächere Nachfrage und einen zunehmenden Wettbewerb – insbesondere aus China. Dazu kommen Zollkonflikte und geopolitische Unsicherheiten, die für ein deutlich verändertes Marktumfeld sorgen. Das bisherige Geschäftsmodell ist nach Überzeugung des Vorstandes in dieser Form nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Produkte von Volkswagen seien zwar gefragt. Allerdings verdient man damit nicht ausreichend Geld.
Gewerkschaft geht bei Jobabbau von bis zu 50.000 Stellen aus – doch nun ist von mehr die Rede
Bislang hat Vorstandschef Oliver Blume viel vom Abbau von Überkapazitäten gesprochen. Allerdings hielt er sich mit Blick auf mögliche Werksschließungen oder einen zusätzlichen Stellenabbau bedeckt. Solche Fragen wolle man erst nach der Sommerpause erörtern. Schon jetzt zeichnet sich jedoch ab, dass die Planungen auf der Grundlage von 50.000 Arbeitsplätzen weniger erfolgen.
Bis 2030 soll es gemäß der Vereinbarung mit den Gewerkschaften von Ende 2024 einen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und eine Schließung deutscher Standorte geben. Ausnahme ist demnach lediglich Osnabrück, wo ein Ende der Produktion für 2027 geplant ist. Mittlerweile seien jedoch, so berichtet der NDR, noch deutlich weitreichendere Sparmaßnahmen im Gespräch.
Diese könnten weltweit bis zu 100.000 der derzeit 657.000 Arbeitsplätze betreffen – und vier Werke in Deutschland. Als besonders gefährdet gelten die Standorte Hannover, Emden, Zwickau und das von Audi betriebene Werk in Neckarsulm. Eine offizielle Bestätigung möglicher Schließungen gibt es jedoch bislang nicht.
Betriebsrat fordert von VW-Vorstand klare Aussagen
Ebenfalls Gegenstand von Spekulationen ist die Frage nach einer möglichen organisatorischen Neuordnung der Kernmarke Volkswagen. Der BR deutet eine mögliche Ausgliederung von Teilen der Komponentenfertigung aus der bestehenden Konzernstruktur an. Diese könnte die Konzernführung in eigenständige Gesellschaften überführen – und damit potenziell Mitbestimmungsrechte und die Sperrminorität des Landes Niedersachsen unterlaufen.
Eine wie auch immer geartete Bestätigung hinsichtlich solcher Überlegungen gibt es vonseiten des Konzerns nicht. Der Betriebsrat spricht jedoch schon jetzt von „mangelnder Transparenz“. Dessen Vorsitzende Daniela Cavallo wirft dem Vorstand einen „respektlosen Umgang“ mit der Belegschaft vor. Sollte der VW-Vorstand keine klaren Aussagen zu den unbestätigten Meldungen treffen, werde es nach der Sommerpause konzernweite außerordentliche Betriebsversammlungen geben.
Die IG Metall kündigt ebenfalls umfassenden Widerstand gegen mögliche Werksschließungen und eine Ausweitung des Stellenabbaus an. Bereits jetzt gibt es an mehreren VW-Standorten Proteste der Metallarbeitergewerkschaft. Thorsten Gröger, Verhandlungsführer für den Haustarifvertrag und Bezirksleiter der IG Metall für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, betonte, es gebe „klügere Lösungen als Werksschließungen“.
Ministerpräsident für Volkswagen-Umbau ohne Werksschließungen
Die Gewerkschaft stehe hinter den Vorstellungen des Vorstandes über innovative Produkte, Qualitätsziele, weniger Bürokratie und Synergien. Auch am Abbau unnötiger Doppelstrukturen sei man interessiert. Insofern trage man das „Zielbild 2030“ mit. Allerdings beharre man auf die „kluge Nutzung die gemeinsamen Stärke“ und der Einhaltung von Investitionszusagen. Gröger äußerte in einer Erklärung zu jüngsten Protesten:
„Das Signal des heutigen Tages ist klar: Wir werden uns mit aller Kraft gegen jeden Angriff auf die Mitbestimmung, die Belegschaften des Volkswagen-Konzerns und unsere Werke wehren.“
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies wandte sich ebenfalls gegen Werksschließungen. Diese seien „keine Zukunftsstrategie“, äußerte er im Anschluss an die Aufsichtsratssitzung. Volkswagen müsse durch wettbewerbsfähige Produkte, Innovationen und eine konsequente Nutzung von Synergien eine Stärkung erfahren. Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent der Stimmrechte und verfügt zusammen mit den Arbeitnehmervertretern über einen weitreichenden Einfluss im Aufsichtsrat.
Bei einem Ryanair-Flug brach unterwegs eine Scheibe, Passagieren zufolge geriet ein Passagier in Not. (Archivbild) - Foto: Jörg Carstensen/dpa
Eine Ryanair-Maschine auf dem Weg von Thessaloniki nach München ist nach einem Zwischenfall kurz nach dem Start zum Flughafen zurückgekehrt. Während des Fluges sei ein Knall zu hören gewesen, dann sei eine Fensterscheibe zerbrochen, sagte eine Passagierin der Deutschen Presse-Agentur. Mitreisende hätten den neben der beschädigten Scheibe sitzenden Passagier festgehalten.
„Sein Kopf und seine Schultern ragten aus dem zerbrochenen Fenster heraus“, sagte eine weitere Augenzeugin im griechischen Rundfunk ERT. Andere Passagiere hätten den Mann zurückziehen können. In der Kabine fielen Sauerstoffmasken herab, wie auf Fotos und Videos in sozialen Netzwerk zu sehen ist.
Der Pilot habe daraufhin den Flug abgebrochen und sei zum Flughafen Thessaloniki zurückgekehrt, berichtete die Passagierin. Der Rückflug habe nach dem Zwischenfall noch etwa 20 Minuten gedauert.
Der Passagier, der neben der beschädigten Scheibe gesessen haben soll, sei vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus in Thessaloniki gebracht worden, berichtete der griechische Rundfunk. Den Informationen zufolge stammt der Mann aus Serbien.
Eine offizielle Stellungnahme von Ryanair oder den zuständigen Behörden zu dem Vorfall lag zunächst nicht vor. Ermittlungen seien aufgenommen worden, berichtete ERT. (dpa/red)
Saarlands Ministerpräsidentin Anke Rehlinger. (Archivbild) - Foto: Oliver Dietze/dpa
Das Saarland und Mecklenburg-Vorpommern wollen am Freitag im Bundesrat vorschlagen, flexible Höchstpreise für Benzin, Diesel und Heizöl staatlich festzulegen.
Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger sagte dem Sender Welt TV zu der Initiative, sie sei „sehr dafür“, sich dieses Luxemburger Modell noch mal genau anzugucken. „Das, was dort gut funktioniert, das kann ja für uns auch ein gutes Modell sein.“
Vorbild Luxemburg
In Luxemburg legt das zuständige Ministerium nach Angaben des Bundesrates mehrmals pro Woche einheitliche Höchstpreise für die Kraftstoffarten und Tankstellen fest.
Unternehmen, die gegen die Vorgaben verstoßen, müssen mit Sanktionen rechnen.
Kritik am Tankrabatt
Rehlinger sagte Welt TV mit Blick auf den Ende Juni ausgelaufenen Tankrabatt: „Mit dem guten Steuergeld einfach nur die Gewinne der Mineralölkonzerne ein bisschen zu erhalten und für die Verbraucherinnen und Verbraucher runterzusubventionieren, kann ja nicht dauerhaft die Lösung sein.“
Der Staat müsse vorher ansetzen. „Es darf erst gar nicht dazu kommen.“
Sie halte das Luxemburger Modell für „vertretbar“. Luxemburg „ist ja auch nicht wegen seiner sozialistischen Umtriebe bekannt“, sagte Rehlinger.
Mit dem Tankrabatt hatte die Bundesregierung im Mai und Juni die Steuern auf Kraftstoffe um rund 17 Cent pro Liter gesenkt. Das kostete den Staat geschätzt rund 1,6 Milliarden Euro. (afp/red)
Die Hintergründe des mutmaßlichen Tötungsdelikts sind bislang offen. - Foto: Sascha Ditscher/dpa
Im mittelhessischen Hünfelden soll ein Mann nach Polizeiangaben seine 76-jährige Mutter im Rahmen eines Streites angegriffen und angezündet haben. Die Frau sei noch vor Ort an ihren Verletzungen gestorben, teilte die Polizei mit.
Der 45-jährige Tatverdächtige sei zunächst vom Tatort geflüchtet. Im Rahmen einer Fahndung, bei der auch ein Polizeihubschrauber, Polizeihunde sowie eine Einheit des hessischen Polizeipräsidiums zum Einsatz kamen, sei der Mann am Abend gefunden und festgenommen worden.
103-jährige Großmutter muss schwer verletzt ins Krankenhaus
Den Angaben zufolge waren die Beamten zunächst am frühen Abend zu einem Brand in einem Wohnhaus im Hünfeldener Ortsteil Kirberg gerufen worden. Vor Ort sei die leblose 76-jährige Frau aufgefunden worden.
Die 103 Jahre alte Großmutter des Mannes, die sich ebenfalls vor Ort aufhielt, sei zudem mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden. Sie soll bei dem mutmaßlichen Tötungsdelikt auch anwesend gewesen sein.
Die Umstände und Hintergründe der Tat seien noch offen und Gegenstand der Ermittlungen, erklärte die Polizei. Weitere Auskünfte können zum jetzigen Zeitpunkt nicht gegeben werden. So blieb zunächst offen, welcher Art die Verletzungen der 103-Jährigen waren.
Vor Ort waren am Abend zahlreiche Beamte im Einsatz. Sie sperrten unter anderem eine Straße ab, an dem Wohnhaus wurden Spuren gesichert. Die Gemeinde Kirberg hat rund 2.400 Einwohner und liegt im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg. (dpa/red)
Die Magnesiumfalle: Wer dauerhaft unter Stress steht, verliert das wichtige Schutzmineral des Körpers im Eiltempo. - Foto: Jacob Wackerhausen/iStock
Acht Stunden Schlaf, ein gesundes Frühstück – und trotzdem fühlt sich der Kopf schon mittags an wie Watte? Bevor Sie den Griff zur dritten Tasse Kaffee mit dem Alter oder dem stressigen Job entschuldigen, lohnt es sich, einen Blick auf die unsichtbare Chemie unseres Körpers zu werfen.
Mineralstoffe sind die heimlichen Motoren unseres Körpers. Sie kurbeln jene Enzyme an, die Nahrung überhaupt erst in Energie umwandeln. Sie regulieren die Kommunikation zwischen den Zellen, wirken an der Steuerung der Genexpression – also der Aktivierung unserer Erbanlagen – mit und halten Stresshormone in Schach. Doch was passiert eigentlich, wenn unseren Zellen dieser Treibstoff ausgeht?
Um das zu verstehen, müssen wir tief in unsere Biologie eintauchen – genauer gesagt in die Mitochondrien. Diese winzigen Kraftwerke der Zellen wandeln Nährstoffe in ATP (Adenosintriphosphat) um, die universelle Energiewährung unseres Körpers.
Fehlen Mineralstoffe, gerät dieser Prozess ins Stocken. Das Tückische daran: Ein solcher Mangel äußert sich selten in einem einzigen, dramatischen Symptom. Er zeigt sich schleichend in verschiedenen Bereichen, was zu mehreren diffusen Beschwerden führt:
Anhaltende Müdigkeit, die auch durch langes Ausschlafen nicht verschwindet
Der berüchtigte „Brain Fog“ (Benommenheit und Konzentrationsschwäche)
Schlechter Schlaf trotz tiefer Erschöpfung
Ein träges Immunsystem, das jeden Infekt mitnimmt
Muskelkrämpfe, Stimmungsschwankungen und eine niedrige Stresstoleranz
In der klassischen Schulmedizin werden diese Symptome meist einzeln betrachtet. Mediziner aus der funktionellen Medizin – ein Ansatz, der die Ursachen chronischer Beschwerden ganzheitlich ergründet – erkennen darin jedoch häufig ein klassisches Muster für eine unzureichende Nährstoffversorgung.
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 im Fachmagazin „Nutrients“ bestätigt, dass Mitochondrien weit mehr sind als stumpfe Energieproduzenten: Sie steuern die gesamte zelluläre Kommunikation. Dafür sind sie zwingend auf das Zusammenspiel von Vitaminen und Mineralstoffen angewiesen.
Wer sich primär von hochverarbeiteten Lebensmitteln ernährt und frische Vollwertkost links liegen lässt, manövriert sich schnell in einen Teufelskreis: Genau dann, wenn der Körper unter Stress nach Nährstoffen schreit, bekommt er nur „leere“ Kalorien geliefert.
Die üblichen Verdächtigen: Wo es am häufigsten hakt
Zwar ist jeder Körper anders, doch in den Praxen zeigt sich eine klare Tendenz. „Wenn ich die drei oder vier wichtigsten Baustellen nennen müsste, wären das Eisen, Magnesium, Zink und Kupfer“, sagt Dr. Aaron Erez, Spezialist für funktionelle Medizin.
Besonders beim Magnesium zeigt sich in der Bevölkerung eine chronische Unterversorgung. Auch wenn ein akut lebensbedrohlicher Mangel selten ist, erreichen viele Menschen nicht die optimalen Werte. Das Problem: Unser moderner, chronischer Stress frisst Magnesium regelrecht auf. Akuter Stress bringt die Nieren über Adrenalin dazu, Magnesium vermehrt auszuscheiden, während dauerhaft erhöhtes Cortisol dafür sorgt, dass die internen Speicher chronisch erschöpft werden.
Auch die anderen Mitspieler sind essenziell: Zink hält die Immunabwehr aufrecht, während Kupfer für den Eisenstoffwechsel und die zelluläre Energiegewinnung unentbehrlich ist. Fehlt es hier an Balance, läuft der gesamte Organismus im Notbetrieb.
Der Weg aus der Müdigkeitsfalle
Wer den Verdacht hat, dass die eigenen Batterien leer sind, sollte allerdings nicht blind zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen.
„Ich kann den Menschen nur ans Herz legen, ihren Nährstoffstatus genau analysieren zu lassen, um echte Daten zu haben“, rät Dr. Erez. Ein umfassendes, spezielles Blutbild beim Arzt ist der sicherste Weg, um die Milligrammdefizite gezielt auszugleichen und den inneren Motor wieder zum Laufen zu bringen.
So kann die Lücke geschlossen werden
Bei der ausreichenden Versorgung mit Mineralstoffen geht es nicht nur darum, was man isst. Der Körper muss sie auch aufnehmen und verwerten können. Da Mineralstoffe in Synergie zusammenwirken, bietet eine vielfältige Auswahl an vollwertigen Nahrungsmitteln das beste Spektrum.
Auch bei mineralstoffreicher Ernährung nützt es wenig, wenn der Darm die Nährstoffe nicht aufnehmen kann. Magensäure, Entzündungen im Darm und Medikamente wie PPI spielen dabei eine große Rolle.
Foto: IMG visuals characters/iStock
Ernährung
Bryan Quoc Le, der in Lebensmittelwissenschaft und -technologie promoviert hat und als Lebensmittelwissenschaftler und Berater tätig ist, empfiehlt, mehr Obst und Gemüse zu essen – „den Regenbogen zu essen“ – und vorrangig auf regionale, saisonale Produkte zu setzen. Regionale Produkte, die gerade Saison haben, werden oft erst dann geerntet, wenn sie ihren optimalen Reifegrad erreicht haben, merkte Le an. „Das ist der ideale Zeitpunkt, an dem Obst und Gemüse ihren Mineralstoffgehalt maximieren“, sagte er.
Le wies außerdem darauf hin, dass auch die Art der Zubereitung Einfluss darauf hat, wie gut die Nährstoffe für den Körper verfügbar sind.
Der Verzehr fermentierter Lebensmittel ist eine zu selten genutzte Möglichkeit, Mineralstoffe besser verfügbar zu machen. Der Fermentationsprozess hilft dabei, die pflanzlichen Strukturen aufzubrechen, die es dem Körper sonst erschweren, auf die Mineralstoffe zuzugreifen.
„Der menschliche Körper ist eigentlich recht schlecht darin, rohe pflanzliche Strukturen aufzubrechen und die darin gebundenen Mineralstoffe aufzunehmen“, sagte Le und fügte hinzu: „Aber Fermentationsprozesse sind in der Lage, diese aufzuspalten. Wenn wir diese Lebensmittel dann konsumieren, nimmt unser Körper die freigesetzten Stoffe viel leichter auf. So schließt sich der Kreislauf.“
Eine weitere, oft übersehene Mineralstoffquelle sind die Schalen und Häute von Obst und Gemüse, in denen sich die Mikronährstoffe tendenziell anreichern. „Die Schale einer Kartoffel ist beispielsweise sehr reich an Kalium“, sagte Le. Er empfiehlt, Schalen nach Möglichkeit mitzuessen – idealerweise von Bio-Produkten, da sich synthetische Pestizide ebenfalls vor allem in den äußeren Schichten anlagern.
Aufnahme
Es spielt keine Rolle, wie viele Mineralstoffe in der Nahrung enthalten sind, wenn der Darm sie nicht resorbieren kann. Dabei spielt die Magensäure eine entscheidende Rolle. Sie aktiviert die Verdauungsenzyme, die die Nahrung aufspalten und Mineralstoffe zur Aufnahme erst freisetzen.
Bei einem langfristig zu niedrigen Säuregehalt wird dieser Prozess ineffektiv. Dies gilt insbesondere für Menschen, die Protonenpumpenhemmer (PPI) einnehmen, eine weit verbreitete Klasse säurereduzierender Medikamente.
„PPI senken den Säuregehalt tatsächlich so stark, dass man jene Mineralstoffe nicht mehr richtig aufspaltet und aufnimmt, die man eigentlich bräuchte“, sagte Erez.
Er wies außerdem darauf hin, dass die Magensäureproduktion mit zunehmendem Alter auf natürliche Weise abnimmt, was teilweise erklärt, warum Mineralstoffmängel bei älteren Erwachsenen häufiger auftreten.
Ein weiterer wichtiger Faktor, der die Mineralstoffaufnahme massiv beeinträchtigen kann, sind Entzündungen im Verdauungstrakt, wie Untersuchungen zeigen. „Es ist erstaunlich, wie stark dies die Aufnahme von Mineralstoffen beeinflusst“, sagte Le.
Wenn das Darmgewebe entzündet ist, räumt der Körper der Geweberegeneration Vorrang vor der Nährstoffaufnahme ein. „Wenn Ihre Darmzellen und Ihr Darmgewebe geschwächt oder gestresst sind, haben sie kein Interesse daran, weitere Stoffe einzuschleusen“, erklärte er.
Le rät dazu, entzündungsfördernde Lebensmittel wie hochverarbeitete Produkte sowie Alkohol strikt zu reduzieren. „Alkohol verträgt sich überhaupt nicht mit der Mineralstoffaufnahme“, sagte er. „Wenn man Alkohol trinkt, werden viele Mineralstoffe beschleunigt ausgeschieden.
Es ist für Leber und Magen eine enorme Belastung, diese toxische Belastung und die Nährstoffverarbeitung gleichzeitig zu bewältigen.“ Auch Lebensstilfaktoren wie Stressbewältigung und Schlafhygiene tragen dazu bei, Entzündungen im Körper in Schach zu halten.
Ein weiterer wichtiger Faktor: Manchmal kann der Körper einen bestimmten Nährstoff nur eingeschränkt aufnehmen, wenn gleichzeitig große Mengen eines anderen Elements vorhanden sind, da diese um dieselben Transportwege im Darm konkurrieren.
Das ist selten ein Problem, wenn man seine Mineralstoffe über eine ausgewogene Vollwertkost zu sich nimmt, kann aber bei unbedacht hochdosierten Einzelpräparaten zu einem Ungleichgewicht führen.
Nahrungsergänzung
Einfach hochdosierte Mineralstoffe oder andere Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen, ohne das eigene Blutbild zu kennen, kann schnell neue Probleme schaffen. Manchmal ist das für den Regelkreis des Körpers genauso ungünstig wie der ursprüngliche Mangel selbst.
Eine Kategorie, die in diesem Bereich zunehmend Beachtung findet, sind Fulvosäuren und Huminstoffe – Verbindungen, die aus zersetzter organischer Substanz im Boden stammen.
Da sie über die moderne Nahrung nur schwer in nennenswerten Mengen aufgenommen werden können, werden sie in der Regel in Form von Tropfen, Pulver oder Kapseln angeboten.
Forschungsergebnisse, die 2025 in der Fachzeitschrift „Antioxidants“ veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass Huminstoffe die Nährstoffaufnahme bei Pflanzen signifikant verbessern können. Doch die Belege für die Wirksamkeit und Sicherheit beim Menschen sind nach wie vor begrenzt.
Vorerst ist es am besten, auf eine solide Ernährungsgrundlage zu achten, die Darmgesundheit zu unterstützen und die Lebensstilfaktoren zu optimieren. Nahrungsergänzungsmittel sollten idealerweise nur bei nachgewiesenem Bedarf oder auf gezielte Anweisung eines Arztes eingenommen werden.
Der Schlüssel zur Zellgesundheit liegt nach wie vor in dem, was wir auf unseren Teller legen. Wenn Mineralstoffe der Motor unseres Körpers sind, dann sind nährstoffreiche Lebensmittel der Kraftstoff erster Wahl.
Wie Le es treffend formulierte: „Ein Einkauf auf dem Bauernmarkt ist ein hervorragender erster Schritt.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Sicherer Kauf in einem Geschäft für Klimaanlagen. Auf dem Onlinemarkt tummeln sich viele dubiose Angebote. - Foto: Chanakarn Laosarakham/AFP via Getty Images
In Kürze:
Billigwaren werden oft als Qualitätsprodukte beworben.
Preise können mehr als zehnmal so hoch sein.
Käufer können anhand klarer Merkmale dubiose Produkte, aber auch seriöse Händler erkennen.
Wer schon einen Fehlkauf getätigt hat, kann unter anderem das Widerrufsrecht nutzen.
Ende Juni erlebte Deutschland eine Hitzewelle mit mancherorts rund 40 Grad Celsius. Mit der Temperatur ist gleichermaßen die Nachfrage nach Kühlung deutlich angestiegen. Auch in den kommenden Tagen und Wochen sind wieder hochsommerliche Temperaturen möglich.
Viele Menschen suchen daher dieser Tage im Internet nach einem passenden Klimagerät.
Warnung vor überteuerten Billigprodukten
Doch hier ist Vorsicht geboten. In vielen Onlineshops tummelt sich eine Flut von Händlern, von denen einige die Gunst der Stunde – und das Bedürfnis der Verbraucher – ausnutzen. Mit überteuerten Produkten wollen sie schnelles Geld verdienen. Gerade wenn die Klimaanlagen der seriösen Händler ausverkauft sind, rücken plötzlich fragwürdige Angebote weiter in den Mittelpunkt.
Die Verbraucherzentrale warnt vor deutlich zu teuren Klimageräten. Billigwaren erwecken durch ihr Auftreten auf seriösen Online-Marktplätzen den Anschein, Qualitätsprodukte zu sein.
Für Klimageräte, die chinesische Händler teils für wenige Euro anbieten, verlangen manche Händler auf seriösen Online-Marktplätzen teilweise Preise im Bereich von 60 bis 70 Euro. Ebenso hat die Verbraucherzentrale ein Klimagerät entdeckt, das im Großhandel für rund 12 Euro zu erwerben ist, im Onlineshop aber knapp 138 Euro kostet.
Bei manchen Angeboten gelangt man auf eine eigens für den Vertrieb des Gerätes eingerichtete Webseite. Oftmals klingt die Webseiten-Adresse ähnlich wie die eines seriösen Herstellers, hat mit diesem aber nichts zu tun.
In manchen Fällen enthält der Link bestimmte sogenannte Affiliate- und Tracking-Parameter. Dazu zählen unter anderem Sequenzen wie „?Affid“, „s1–s5“ oder „_ef_transaction_id“. Diese deuten auf möglicherweise aggressive Marketingmethoden oder unter Umständen auch Betrug hin.
Dubiose Werbung für überteuerte Klimageräte ist derzeit häufig im Internet zu sehen.
Besonders verdächtig wird es, wenn die Webseite unrealistische Versprechen wie „minutenschnelle“ Kühlung mitteilt, oder dass „absolut keine Installation“ nötig wäre. Weitere Argumente können ebenso ein vergleichsweise geringerer Strombedarf oder ein äußerst leiser Geräuschpegel sein.
Manche dieser Portale stellen zudem eine emotionale Geschichte des Entwicklers des Wundergerätes dar, um die Verbraucher zum Kauf zu motivieren. Zudem sind einige Top-Rezensionen zum Produkt von angeblichen Kunden aufgelistet. Die vielen Vorteile klingen zu gut, um wahr zu sein.
Die Anbieter haben sogar oft einen Schritt weiter gedacht, um skeptische Verbraucher doch noch zu überzeugen, die das Produkt auf einem Vergleichsportal suchen. So werden die Klimaanlagen auf scheinbaren Verbraucherseiten und über KI-generierte Videos ebenfalls positiv beworben.
Wer sich weiterhin unsicher ist, ob ein Onlineshop seriös ist, dem bietet die Verbraucherzentrale den sogenannten Fake-Shop-Finder an.
Auf dieser Webseite kann der Verbraucher die kopierte Webadresse (URL) in das mittig positionierte Feld einfügen. Anschließend muss man nur noch auf „Shop-URL prüfen“ klicken. Kurz darauf erscheint die Einschätzung der Verbraucherzentrale in Form einer Ampel.
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Der sogenannte Fake-Shop-Finder der Verbraucherzentrale soll Verbrauchern helfen, unseriöse Verkaufsportale im Internet leichter zu erkennen. Die Ampel steht hier auf rot.
Manche Geräte, die ein Hersteller als Klimaanlage oder Luftkühler bewirbt, sind in Wirklichkeit nur einfache, aber oftmals teure Ventilatoren. Sie saugen lediglich die Raumluft an und geben sie ungekühlt wieder ab.
Was tun, wenn Sie kürzlich ein Fake-Produkt bestellt haben?
Wer inzwischen in diesen Tagen ein Klimagerät erhalten hat, das die Werbeversprechen nicht erfüllen konnte, sollte schnell handeln. Der Käufer kann hierbei vom gesetzlichen Widerrufsrecht Gebrauch machen. Das bedeutet, dass der Käufer bis 14 Tage nach Erhalt der Ware das Recht hat, von seiner Bestellung zurückzutreten – ohne Angabe von Gründen.
Dabei muss der Käufer dies dem Händler aktiv mitteilen. Ausreichend ist schon die Kontaktaufnahme per E-Mail. Ebenso kann der Käufer auch das vom Händler mitgelieferte Widerrufsformular nutzen.
Bei bereits getätigter Zahlung sollte der Käufer versuchen, die Zahlung rückgängig zu machen. Im Falle einer Zahlung mit Kreditkarte ist ein sogenanntes Chargeback-Verfahren, also eine Rücküberweisung, möglich.
Woran man ein seriöses Angebot erkennt
Ein seriöses Angebot kann man als Verbraucher an realistischen Angaben erkennen, wenn der Anbieter technische Daten angibt. Dazu zählen unter anderem die Kühlleistung in Kilowatt (kW), die Energieeffizienzklasse – möglichst A+ oder besser –, oder der Schallpegel in Dezibel (dB).
Positiv sind zudem die Angabe der für die Anlage geeigneten Raumgröße sowie der SEER-Wert. Dieser beschreibt das Energieeffizienzverhältnis und gibt an, wie effizient eine Klimaanlage im Kühlbetrieb arbeitet. Hat eine Klimaanlage auch eine Heizfunktion, ist die Angabe des sogenannten SCOP-Wertes seriös. Dieser steht für die Effizienz der Klimaanlage im Heizbetrieb.
Neben den Angaben zum Produkt sollte auch der Onlineshop seriös auftreten. Hierzu gehört zunächst ein vollständiges Impressum mit deutscher Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse.
Sind auf der Webseite Kundenrezensionen aufgeführt, sollten nicht alle das Produkt überschwänglich loben. Manche sollten auch schlicht sein oder eine kritische Betrachtungsweise beinhalten. Ebenso wirkt ein direkter Verweis auf eine allgemein bekannte Bewertungsplattform wie Trustpilot seriös.
Die Preise sollten transparent sein und keine versteckten Gebühren enthalten. Bei der Zahlungsart sollte Vorkasse per Überweisung vermieden werden. Sichere Zahlungen erfolgen per Rechnung, PayPal, Kreditkarte oder einer Ratenzahlung mit Käuferschutz.
Was ist beim Fachbetrieb zu beachten?
Wenn die Installation der Klimaanlage aufwendiger ist und dies ein Fachbetrieb übernimmt, sollte dieser eine zulässige Zertifizierung besitzen. Das gibt gleichzeitig die Sicherheit, dass die Anlage optimal funktioniert.
Ebenso hat man jemanden an der Hand, wenn die Klimaanlage im Laufe der Jahre mal streikt. Der Betrieb sollte sich jedoch in der nahen Umgebung befinden. Manche Fachbetriebe bieten gleich einen Wartungsvertrag an. Das kann die Lebensdauer der Anlage deutlich erhöhen.
Ein Waldbrand nie gekannten Ausmaßes wütet derzeit in der Gemeinde Los Gallardos in der südspanischen Provinz Almería. (Archivbild). - Foto: Álex Zea/EUROPA PRESS/dpa
Bei einem schweren Waldbrand im südspanischen Andalusien sind mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen. Wie die Regionalregierung am Freitagmorgen mitteilte, brach das Feuer am Donnerstagnachmittag in der Nähe von Almería aus.
Einige der Opfer wurden tot in ihren Autos entdeckt. Zudem wurden mehrere Menschen verletzt. Ursache des Brandes war womöglich eine abgerissene Stromleitung, die in völlig ausgetrocknete Vegetation fiel.
150 Notrufe eingegangen
Die Rettungskräfte erhielten nach eigenen Angaben „mehr als 150 Anrufe von Bürgern, die den Brand meldeten“. In diesen ersten Schilderungen „gaben Zeugen an, dass ein herabgefallenes Kabel den Brand ausgelöst habe“.
Das Unglück habe sich an einer Fernstraße ereignet, die Flammen hätten sich „rasch auf das Waldgebiet nahe der Straße ausgebreitet“. Bestätigt werden konnten diese Berichte der Anrufer nach Behördenangaben zunächst nicht.
„Beispiellose Tragödie“
Der regionale Katastrophenschutzchef Antonio Sanz sprach von einer „beispiellosen Tragödie“. Die ganze Nacht kämpften rund 150 Feuerwehrleute gegen die Flammen an.
Dutzende Menschen mussten den Angaben zufolge evakuiert werden. Rund 50 von ihnen fanden Schutz in einem zur Notunterkunft umfunktionierten Kulturzentrum.
Die Regionalbehörden lösten Notfallalarm aus und kündigten an, dass auch eine auf derartige Krisensituationen trainierte Spezialeinheit der Armee „in den kommenden Stunden“ vor Ort sein werde.
Mehrere Straßen rund um den besonders betroffenen Ort Bédar wurden gesperrt.
Sánchez: „Tiefe Trauer“
„Tiefe Trauer und Bestürzung über die verheerenden Folgen des Brandes in der Provinz Almería“, erklärte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez. Im Onlinedienst X rief er die Bevölkerung in der Region zugleich zu „großer Vorsicht“ auf.
Nach Angaben des Europäischen Waldbrandinformationssystems fielen 2025 in Spanien mehr als 393.000 Hektar Land den Flammen zum Opfer. Das waren die schwersten Brände in der jüngeren Geschichte des Landes.
Bei den mehr als 8000 Bränden im vergangenen Jahr kamen nach Angaben des Innenministeriums acht Menschen ums Leben – nun sind es in nur einem Brand mindestens zwölf Todesopfer. (afp/red)
Anlässlich der Markteinführung „U1“ von UWORLD, einer Marke von UBTECH Robotics, wurden am 30. Juni 2026 in der südchinesischen Stadt humanoide Roboter vorgestellt. - Foto: ADEK BERRY / AFP via Getty Images
Ein lebensechter Roboter, der zuhört, spricht und Augenkontakt hält, als Lösung für einsame und depressive Menschen? In China ist das angeblich keine Science-Fiction mehr.
Ende Juni stellte UBTECH, Chinas führender Hersteller von humanoiden Robotern, seine neue Produktlinie UWORLD U1 vor. Das Unternehmen präsentierte auf einer Pressekonferenz in der südchinesischen Metropole Shenzhen eine Reihe von bionischen Robotern in realistischer Menschenform, die für den Verbrauchermarkt in Massenproduktion hergestellt werden sollen.
Begleitroboter mit emotionaler KI
Diese Roboter sind als emotionale Begleiter für den privaten täglichen Gebrauch konzipiert und ausschließlich für Erwachsene bestimmt. Dafür seien die Roboter mit emotional getriebenen Large Language Models (LLM) ausgestattet.
Auf der Pressekonferenz wurden mehr als 50 Modelle bionischer humanoider Roboter mit unterschiedlichem Aussehen präsentiert.
Die „männliche“ Variante heißt „Ling Ye“. Sie ist 183 Zentimeter groß und wiegt 42 Kilogramm. Das weibliche Modell heißt „Xiao You“, ist 168 Zentimeter groß und wiegt 35,2 Kilogramm.
Laut UBTECH sollen für die Haut ein lebensechtes Material aus Silikon und Ton verwendet werden. Nach mehr als zehn Präzisionsfärbungen sind nicht nur Poren, Fingerabdrücke und Kapillaren deutlich zu erkennen, sondern die Haut soll sich geschmeidig und elastisch anfühlen.
Die Firma verspricht, dass die Roboter, auch lebenden oder verstorbenen Personen, was Aussehen, Stimme und Charakter angeht, nachempfunden werden können. Das könnten Prominente, ein verschiedenes Familienmitglied oder sogar der Kunde selbst sein.
Seit der Bekanntgabe der Produktlinie Anfang Juni wurden laut dem Unternehmen über alle Vertriebskanäle bis zur Pressekonferenz am 30. Juni 13.361 Einheiten vorbestellt.
James Zhou, der CEO von UBTECH, erklärte, dass sein Unternehmen im vergangenen Jahr insgesamt 1.079 humanoide Roboter in voller Größe ausgeliefert habe. Mit der Einführung der U1-Serie werde dieses Volumen innerhalb eines Monats um das Zehnfache übertroffen.
Eine Frau (links) interagiert mit dem humanoiden Roboter U1 von UWORLD, einer Marke von UBTECH Robotics, während dieser am 30. Juni 2026 in Shenzhen, China, vorgestellt wird.
Foto: ADEK BERRY / AFP via Getty Images
Bis zu 130.000 Euro pro Roboter
Die Preise für die Roboter der U1-Serie haben es in sich.
Das Einstiegsmodell U1 Lite ist ein reiner Oberkörper und für den Einsatz als Tischbegleitung oder am Empfang gedacht. Der Verkaufspreis beträgt 119.800 Yuan (circa 15.500 Euro).
Das Vollkörpermodell U1 Pro soll rund 169.800 Yuan (circa 22.000 Euro) kosten. Mit 88 Freiheitsgraden soll es 90 Prozent der grundlegenden menschlichen Bewegungen nachahmen können.
Das hochdynamische Modell U1 Ultra ist am teuersten: Die Damenversion kostet 880.000 Yuan (circa 113.600 Euro) und die Herrenversion sogar 990.000 Yuan (circa 127.900 Euro).
Laut UBTECH soll die Ultraversion sogar anspruchsvolle Tanzbewegungen nachahmen können. Zudem verfüge es über eine LMM-Technologie für emotionale Langzeitbegleitung, die mehr als 20 subtile menschliche Gefühlszustände mit einer Genauigkeit von über 90 Prozent erkennen und im Laufe der Zeit die Vorlieben ihres Besitzers lernen könne.
Ein Begleiter mit einer Ladezeit von 4 Stunden
Der Roboter soll über eine bionische Halswirbelsäule mit permanenter Selbstarretierung verfügen. Das bedeutet, dass der Kopf nicht plötzlich nach unten fällt, wenn er entladen ist, sondern in aufrechter Haltung verharrt.
Warum wurde diese Funktion entwickelt? Weil der U1-Roboter mit einer Akkuladung nur 2 bis 4 Stunden durchhält. Wenn dieser sich plötzlich nicht mehr bewegt, kann sich der Kunde zumindest damit trösten, dass der Roboter selbst mit leerer Batterie noch relativ menschlich aussieht.
Die kurze Lebensdauer der U1-Roboter hat eine Diskussion in den chinesischen sozialen Medien hervorgerufen. Daraufhin erklärte UBTECH am 6. Juli in chinesischen Medien, dass dies bei humanoiden Robotern branchenweit üblich ist. Außerdem seien die Roboter als emotionale Begleiter vorgesehen und „nicht als Freund, Freundin oder Partner“.
Zudem verfügt der U1 weder über Fähigkeiten als Haushaltshilfe, noch ist er in der Lage, Treppen zu steigen. Das heißt, dass man einen über 40 Kilogramm schweren KI-Begleiter selbst die Treppe hinauftragen muss, wenn man in einer Wohnung ohne Aufzug wohnt.
UBTECH betont, bei U1 eine dreistufige Datenschutzarchitektur eingerichtet zu haben. Demnach werden Daten lokal verschlüsselt und gespeichert und nicht in die Cloud hochgeladen.
Einige chinesische Kommentatoren machen sich jedoch darüber lustig: Wer kann unter Chinas weit verbreitetem Überwachungssystem garantieren, dass die Roboterbegleiter nicht heimlich die Beschwerden ihres Besitzers über das Regime an die Behörden weiterleiten?
Laut dem Jahresabschluss 2025 von UBTECH belief sich der Gesamtumsatz des Unternehmens auf 2 Milliarden Yuan (rund 260 Millionen Euro). Dies entspricht einem Anstieg von 53 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig belief sich der Nettoverlust für das Jahr auf 790 Millionen Yuan (rund 102 Millionen Euro).
Mit der U1-Serie scheint das im Jahr 2012 gegründete Unternehmen sein Glück auf dem Markt der emotionalen und psychologischen Begleitung zu versuchen. Eine Studie der chinesischen Branchenplattform China IRN zeigte, dass das Marktvolumen für KI-basierte emotionale Begleitung in China im Jahr 2028 voraussichtlich 59,5 Milliarden Yuan (circa 7,7 Milliarden Euro) überschreiten wird.
In China boomt der Einsatz von Robotern in verschiedenen Branchen.
In mehreren chinesischen Städten wie Changsha, Shenzhen und Hangzhou wurden in den vergangenen Monaten „Verkehrsroboter” eingesetzt, die helfen sollen, den Verkehr zu lenken. Dies wurde als Fortschritt der „intelligenten Verkehrssteuerung“ gefeiert. Videos zeigen jedoch, dass die Roboter oft von mehreren Mitarbeitern begleitet werden, die sie steuern, stützen oder im Falle einer Panne wegtragen müssen. Einige betrachten die Roboter bisher als teure Propaganda statt echter Innovation.
Der Roboterhersteller Pudu Robotics aus Shenzhen hat angekündigt, 2027 das erste „Hotel mit umfassendem Roboterservice“ in China zu eröffnen. In diesem sollen Roboter in allen Bereichen des Gasterlebnisses zum Einsatz kommen: von der Rezeption über den Zimmerservice und die Reinigung bis hin zur Zubereitung von Speisen und der Gästebetreuung. Ob die Roboter dort von echten Mitarbeitern begleitet werden, ist unbekannt.
Protest vor dem VW-Werk: Beschäftigte von Volkswagen beteiligen sich an einer Aktion der IG Metall. - Foto: Jan Woitas/dpa
HEUTE6:48 Uhr
Zwölf Tote bei Waldbrand in Andalusien
Bei einem schweren Waldbrand in der südspanischen Region Andalusien sind mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen. Mehrere Opfer wurden tot in ihren Autos gefunden. Als mögliche Ursache gilt eine abgerissene Stromleitung, die trockene Vegetation in Brand setzte.
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HEUTE6:33 Uhr
Berlin droht Bund mit Kürzung des Polizeischutzes
Berlins Innensenatorin Iris Spranger fordert vom Bund deutlich mehr Geld für Sicherheitsaufgaben in der Hauptstadt. Andernfalls müsse geprüft werden, in welchem Umfang die Berliner Polizei Bundesobjekte künftig noch schützen könne.
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HEUTE6:15 Uhr
Nach VW-Aufsichtsratssitzung weiter keine Klarheit
In Wolfsburg sind die Beratungen des Volkswagen-Aufsichtsrats über die Sparpläne beendet worden. Der Konzern teilte nach der Sitzung mit, der Vorstand habe ein umfangreiches Maßnahmenpaket vorgestellt. Zu einem weiteren Stellenabbau und möglichen Werksschließungen, über die zuvor Medien berichtet hatten, äußerte sich der Konzern nicht.
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HEUTE5:56 Uhr
Frankreich verbietet Shein Verkauf von Produkten mit Krokodil-Logo
Die französische Justiz hat Shein vorläufig verboten, Produkte mit dem Krokodil-Logo von Lacoste in der gesamten EU zu verkaufen. Ein Gericht in Paris begründete die Entscheidung mit dem Risiko einer Verwechslung durch Imitation. Shein gilt als Paradebeispiel für extrem günstige Mode aus China.
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HEUTE5:24 Uhr
Merz telefoniert mit Netanjahu
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu vor Schritten hin zu einer faktischen Teilannexion des Westjordanlands gewarnt. Das teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius nach einem Telefonat am 9. Juli mit. Merz betonte, solche Schritte dürfe es nicht geben. Die beiden sprachen auch über die Lage im Libanon und im Iran. Merz unterstrich die Bedeutung des Rahmenabkommens zwischen Washington und Teheran.
Eine Person in einem Sensenmannkostüm steht vor dem Werkseingang, während VW-Mitarbeiter am 9. Juli 2026 an einer von IG Metall organisierten Kundgebung teilnehmen, um gegen Umstrukturierungsmaßnahmen und Pläne für einen massiven Stellenabbau im VW-Werk in Zwickau zu protestieren. - Foto: Jens Schlüter/AFP via Getty Images
„Der Umgang des Vorstands mit der Belegschaft ist an Respektlosigkeit nicht mehr zu überbieten“, erklärte die Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo am Donnerstag Abend mit. Es sei „unverantwortlich, die Belegschaft im Unklaren zu lassen und so in den Urlaub zu schicken“.
Komme der Konzernchef der Aufforderung nicht nach, werde es nach der Sommerpause „VW-weit und zeitgleich außerordentliche Betriebsversammlungen“ geben, „um die Vorstände dort ans Mikrophon zu zitieren“, erklärte der Betriebsrat. Cavallo betonte, dass es keine Werksschließungen geben dürfe und Stellenabbau nur auf freiwilliger Basis und sozialverträglich ablaufen dürfe.
Der Konzernvorstand teilte am Abend nach der Aufsichtsratssitzung mit, die „strategische Neuausrichtung“ des Unternehmens werde fortgesetzt. Die Modellpalette werde auf die „attraktivsten Marktsegmente konzentriert“ und schrittweise um bis zu 50 Prozent „gestrafft“. Die Angebotskomplexität – zum Beispiel die Anzahl möglicher Ausstattungsoptionen – werde um bis zu 75 Prozent reduziert. Die Produktionskapazitäten würden auf neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr angepasst. Angaben zu Stellenstreichungen und Werksschließungen machte der Konzern nicht.
Medienberichten zufolge sollen bei Volkswagen bis zu 100.000 der rund 657.000 Arbeitsplätze weltweit gestrichen werden. Zudem erwägt Konzernchef Blume demnach, die Kernmarke Volkswagen und Teile der Komponentenfertigung aus der bestehenden Konzernstruktur der Volkswagen AG herauszubrechen und in eigenständige Gesellschaften zu überführen, um die besonderen Mitbestimmungsrechte und die Sperrminorität des Landes Niedersachsen zu unterlaufen, die im VW-Gesetz verankert sind. (afp/red)
Die ältere „Air Force One“ des US-Präsidenten vor dem Abflug aus der Türkei am 8. Juli 2026. - Foto: Saul Loeb/AFP via Getty Images
Der israelische Geheimdienst hat laut US-Medienberichten Washington über einen neuen „konkreten“ Plan des Irans zur Ermordung von US-Präsident Donald Trump informiert.
Die US-Regierung habe zwar schon länger fortlaufende Geheimdiensthinweise auf mögliche Attentatspläne gegen Trump bekommen, berichtete am Donnerstag der Fernsehsender CNN. „Doch die Warnung aus Israel war neu und bezog sich auf ein konkretes Komplott.“
Die Warnung aus Israel sei in dieser Woche eingegangen, berichtete CNN. Der Sender berief sich auf nicht namentlich genannte Quellen, die mit dem Vorgang vertraut seien.
Auch das „Wall Street Journal“ berichtete von aus Israel an Washington übermittelten Geheimdienstinformationen. Diese hätten ein „neues“ Komplott Teherans gegen Trump beschrieben.
Die Berichte kommen zu einem Zeitpunkt, da erneute Angriffe zwischen den USA und dem Iran Befürchtungen vor einer neuen Eskalation ausgelöst haben.
Trump wechselt überraschend Flugzeug
Zudem war Trump nach dem NATO-Gipfel in Ankara am Mittwoch überraschend mit einem alten Präsidenten-Flugzeug aus der Türkei abgereist – und nicht mit seiner neuen Maschine, die ihm Katar geschenkt hatte. Laut US-Medien waren Sicherheitsbedenken des Personenschutzes von Trump die Ursache für den Flugzeugwechsel.
Trump selbst hatte am Rande des NATO-Gipfels gesagt, der Iran trachte ihm nach dem Leben. „Ich bin Nummer eins auf der Todesliste“, sagte er. Die Frage von Journalisten, ob er wegen Drohungen aus Teheran die Maschine für den Abflug aus Ankara wechselte, ließ er unbeantwortet.
Die alte Air Force One brachte den US-Präsidenten am Mittwoch bis nach Großbritannien, dort stieg er in die neue Maschine aus Katar um. (afp/red)
Bundestag stimmt zu: Neue Gaskraftwerke für Deutschland - Foto: Patrick Pleul/dpa
Der Bundestag hat den Plan zum Bau zahlreicher neuer Gaskraftwerke in den nächsten fünf Jahren gebilligt. Die neuen Anlagen sollen den Kohleausstieg und den Ausbau von Ökostrom flankieren und befürchtete Lücken in der Stromversorgung vermeiden.
Auf Verbraucher kommen damit ab 2031 zusätzliche Kosten für eine neue Umlage zu, mit der die Förderung in Milliardenhöhe für die Betreiber finanziert werden soll.
Im Parlament stimmten Union und SPD für die Pläne von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Die Opposition lehnte den Gesetzentwurf ab. In der Debatte warnte die AfD vor Milliardenkosten und erneuerte die Forderung nach Rückkehr zur Atomkraft.
Grüne und Linke kritisierten, dass sich Deutschland noch abhängiger von Gasimporten mache und die Kosten unübersichtlich seien. Union und SPD verteidigten das Vorhaben, das nun in den Bundesrat geht.
Noch in diesem Jahr sollen Ausschreibungen für insgesamt 11 Gigawatt neuer Kapazitäten beginnen, die spätestens Ende 2031 am Netz sein sollen. Die neuen Anlagen sollen zunächst Erdgas verbrennen, was mit dem Ausstoß schädlicher Klimagase verbunden ist.
Spätestens 2045 sollen die Gaskraftwerke dann „klimaneutral“ mit Wasserstoff laufen. Das heißt, sie müssen jetzt schon so geplant werden, dass ein Umstieg möglich ist – der Fachbegriff heißt „H2-ready“.
Der Ausbau an Ökostrom soll weitergehen – schon 2030 sollen mindestens 80 Prozent des Stroms aus Wind, Sonne und anderen erneuerbaren Energien kommen. Auch das Ziel des Kohleausstiegs bis 2038 bekräftigt die Regierung.
Die neuen Kraftwerke halten Union und SPD aus zwei Gründen für nötig: Zum einen drohe andernfalls ab 2031 eine „Versorgungslücke“; zum anderen sollen die Gaskraftwerke bei „Dunkelflauten“ einspringen, wenn zu wenig Wind- und Solarenergie erzeugt wird.
Dafür soll ab 2032 ein sogenannter Kapazitätsmarkt entstehen. Das heißt, Kraftwerksbetreiber werden dafür bezahlt, dass sie Kapazitäten vorhalten, die gerade nicht gebraucht werden.
In der Schlussdebatte bezeichnete Unionsfraktionsvize Sepp Müller (CDU) das Kraftwerksgesetz als „Sicherheitsgurt“ für die deutsche Stromversorgung. Die SPD-Energiepolitikerin Nina Scheer sagte, man dürfe nicht den Fehler machen, zu viel Kapazität an Gaskraftwerken aufzubauen. Aber es dürfe auch keine Lücke entstehen.
Milliardenkosten erwartet
Die Förderkosten sollen ab 2031 auf die Stromkunden umgelegt werden. In ihrem ursprünglichen Entwurf ging die Bundesregierung von 1 bis 3 Milliarden Euro im Jahr 2031 und danach von jährlichen Kosten von 0,9 bis 2,3 Milliarden Euro aus. Im parlamentarischen Verfahren wurden allerdings einige Änderungen vorgenommen, die aus Sicht von Kritikern die Kosten hochtreiben könnten.
Wie die Deutsche Umwelthilfe vorrechnet, wurden Gebotshöchstgrenzen bei der Auktion der neuen Kraftwerkskapazitäten von 173.000 auf 244.000 Euro je Megawatt hochgesetzt.
Damit könnten die auf die Stromkunden umgelegten Kosten 2031 nach Angaben des Verbands auf mehr als 4 Milliarden Euro steigen. Die Umwelthilfe moniert zudem, dass Batteriespeicher als Alternative zu neuen Kraftwerken benachteiligt würden.
Energiebranche zufrieden
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft lobt die neuen Regelungen hingegen als tragfähigen Kompromiss. „Wir brauchen den Zubau an gesicherter Leistung, es ist daher ein guter Tag für den Industrie- und Wirtschaftsstandort Deutschland“, erklärte BDEW-Chefin Kerstin Andreae. Sie begrüßte die Anhebung des Höchstgebotswertes, weil damit Wettbewerb in den Ausschreibungen und ausreichend Gebote gesichert würden.
Auch der Energiekonzern RWE äußerte sich erfreut. „Entscheidend ist jetzt, dass die EU-Kommission die beihilferechtliche Genehmigung zügig erteilt und die Auktionen im Herbst starten können“, erklärte RWE-Chef Markus Krebber.
„Erste Anlagen könnten dann um 2030 in Betrieb gehen.“ Das Unternehmen will drei wasserstofffähige Gaskraftwerke mit rund drei Gigawatt Leistung an eigenen Kraftwerksstandorten in Nordrhein-Westfalen bauen.
Abschied vom Südbonus
Im Gesetz geändert wurde – nach Protest aus dem Norden und dem Osten – der ursprüngliche Plan eines „Südbonus“: Vorgesehen war zunächst, dass bis zu zwei Drittel der ausgeschriebenen Kraftwerkskapazitäten vorrangig in den „netztechnischen Süden“ gehen. Dies umfasst die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland.
Nun soll der Südbonus erst greifen, wenn ein Drittel der Zuschläge in den Norden und Osten gegangen ist. Zugute kommt dies Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. (dpa/red)
Spannung vor Frankreich-Marokko: Aufruf zu friedlichem Feiern
Vor dem WM-Viertelfinalspiel zwischen Frankreich und Marokko am Donnerstagabend haben die französischen Behörden die Fußballfans zu friedlichem Verhalten aufgerufen.
Sportministerin Marina Ferrari appellierte: „Es muss ein Fest bleiben.“ Innenminister Laurent Nuñez erklärte, dass keinerlei Fehlverhalten toleriert werde, und versetzte die Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft.
In der Vergangenheit kam es am Rande von Spielen der beiden Mannschaften wiederholt zu Ausschreitungen. Das Viertelfinale wird in Foxborough nahe Boston ausgetragen.
Spielbaum der WM 2026 (Stand 9.7.). Insgesamt spielen noch sechs europäische Mannschaften um den Titel und den Pokal.
Foto: ts/Epoch Times mit Material von iStock
HEUTE8:27 Uhr
Marokko ohne Saibari
Marokko muss das heutige Viertelfinale der Fußball-WM ohne den künftigen Bayern-Profi Ismael Saibari bestreiten. „Abgesehen von Saibari stehen alle zur Verfügung“, sagte Trainer Mohamed Ouahbi vor der Partie gegen Frankreich (22:00 Uhr) in Foxborough. Für den angeschlagenen Offensivmann komme das Spiel noch zu früh. Er hoffe aber, dass Saibari nicht für den Rest des Turniers ausfalle, erklärte Ouahbi.
Saibari war beim 3:0 der Marokkaner im Achtelfinale gegen Mitgastgeber Kanada früh angeschlagen ausgewechselt worden. Medien berichteten zuletzt, dass der 25-Jährige nur eine leichte Muskelzerrung erlitten habe und auf ein schnelles Comeback hoffe. Saibari hat bei dieser WM bereits drei Tore erzielt und wird zur neuen Saison von der PSV Eindhoven zum FC Bayern München wechseln.
Ismael Saibari (#11, l.) spielt verletzungsbedingt nicht gegen Frankreich.
Blick auf die Münchner Konzernzentrale von Telefónica Deutschland. - Foto: Sven Hoppe/dpa
Der Handynetz-Betreiber O2 Telefónica möchte deutlich Stellen abbauen. Die Deutschlandtochter des spanischen Telefónica-Konzerns teilte auf Anfrage mit, dass sie sich in einer umfassenden Transformation befinde, mit der sie ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern wolle.
„Im Rahmen dieses Prozesses prüfen und beraten wir gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretungen verschiedene Maßnahmen.“ Weiter wolle man sich nicht äußern.
Informierten Kreisen zufolge sollen mehr als 1.000 Stellen wegfallen. Damit würde etwa jede sechste bis siebte Stelle gestrichen.
Im Januar hatte Telefónica Deutschland 6.820 Stellen. In den ersten Konzernbereichen wurden bereits Vereinbarungen geschlossen, damit Beschäftigte freiwillig gehen und eine Abfindung bekommen. Zuvor hatte „teltarif.de“ berichtet.
Die deutsche Telekommunikationsfirma hatte vor einiger Zeit ihren größten Kunden verloren: Jahrelang hatte sich Wettbewerber 1&1 bei O2 Telefónica eingemietet und dafür Geld gezahlt, die 1&1-Kunden wurden mit dem O2-Netz verbunden.
Doch 2024 wechselte 1&1 überraschend zum Wettbewerber Vodafone, bis Ende 2025 wurden rund 12 Millionen Handykunden vom O2-Netz auf das Vodafone-Netz umgebucht. Dadurch bekam O2 weniger Geld in die Kasse und der Betriebsgewinn sackte ab.
O2 hat rund 18 Millionen Mobilfunk-Vertragskunden, hinzu kommen noch Prepaid-Karten und Partnergeschäfte.
Wegen des 1&1-Abgangs fielen die Jahreszahlen für 2025 mies aus, der Umsatz von O2 Telefónica sank um 3,8 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) sackte sogar um 8,8 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro ab. Das erste Quartal brachte keine Besserung.
O2 verkauft nicht nur Mobilfunk-Verträge, sondern auch Verträge für Festnetz-Internet. Dieses Geschäft spielt bei der Münchner Firma aber nur eine Nebenrolle, da sie keine eigenen Festnetz-Kabel hat. Vielmehr nutzt sie Anschlüsse der Konkurrenz und zahlt dafür Miete.
Spanische Eigentümer setzten einen Chefwechsel durch
Den Gegenwind am Mobilfunk-Markt bekam der langjährige O2-Chef Markus Haas zu spüren, er musste Ende 2025 seinen Posten räumen. Sein Nachfolger, der Deutsch-Spanier Santiago Argelich Hesse, soll den Laden auf Vordermann bringen und auch das schwache Firmenkundengeschäft ausbauen.
Unlängst gab O2 zudem bekannt, dass der Vorstand von sieben auf sechs Posten verkleinert wird. Das wurde als eine Sparmaßnahme verstanden. Nun trifft eine Kostensenkungsmaßnahme einen großen Teil der Belegschaft.
Die Schwierigkeiten, die O2 gerade durchmacht, hat Konkurrent Vodafone hinter sich: Die Deutschlandtochter des britischen Vodafone-Konzerns sah sich in den vergangenen Jahren ebenfalls gezwungen zu sparen. Innerhalb von drei Jahren baute Vodafone in Deutschland rund 3.000 Stellen ab und liegt inzwischen bei gut 13.000.
Keine echte Wachstumsperspektive am deutschen Markt
Deutschlands Mobilfunk-Markt gilt als gesättigt, es wird also kein wesentliches Wachstum mehr erwartet. Die Menschen haben genug Handys und deutliche Preissteigerungen bei Monatstarifen sind kaum durchsetzbar.
Tatsächlich wird das Preis-Leistungs-Niveau immer besser: Viele Anbieter teilen ihren Kunden ein immer größeres Datenvolumen zu, ohne an der Preisschraube zu drehen.
Den Mobilfunk-Anbietern fällt es zudem immer schwerer, sich vom Wettbewerber zu unterscheiden. Denn ein gutes Netz ist für viele Kunden inzwischen kein Grund zur Freude, sondern zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Der Ausbau samt Netzverbesserung kostete Milliarden, jetzt gestaltet sich die Monetarisierung der Investitionen als schwierig.
Laut Bundesnetzagentur erreichte O2 Telefónica im Dezember 88,6 Prozent der Fläche Deutschlands mit seinem 4G-Netz und 76,2 Prozent der Fläche mit 5G.
Der Abstand zur Telekom, deren Flächenabdeckung den Zahlen zufolge besser ist, hat sich damit deutlich verringert – die liegt bei 92,5 Prozent (4G) und 87,9 Prozent (5G). Vodafone kommt auf 91,7 Prozent bei 4G und 75,7 Prozent bei 5G.
Noch vor einigen Jahren war O2 mit großem Abstand auf dem letzten Platz in diesem Dreier-Ranking, inzwischen hat die Firma deutlich aufgeholt.
Gegen sein schlechtes Image, das mancher Verbraucher noch im Kopf haben dürfte, setzte O2 eine humorvolle Werbekampagne, um auf die erzielten Fortschritte hinzuweisen. Einer der Werbesprüche zum „Besser-als-du-denkst-Netz“ lautete: „Das miese O2 Netz ist auch nicht mehr das, was es mal war.“ (dpa/red)
Bald ein seltenes Bild in deutschen Kliniken? Ein neugeborenes Baby in einem Kreißsaal. (Symbolfoto) - Foto: Daniel Karmann/Illustration/dpa
In Kürze:
Die Zahl der Krankenhäuser mit Geburtsstationen hat sich in Deutschland seit 1991 mehr als halbiert.
Fast 40 Prozent aller Kliniken mit Hebammenbelegsystemen könnten ihre Geburtshilfe bald schließen.
66 Prozent der Krankenhäuser machen Verluste.
Unrentable Bereiche schließen vielerorts: hauptsächlich Gynäkologie, Geburtshilfe und Gefäßchirurgie.
Julia Jansen, Sprecherin des Heinsberger Hebammenteams, betont:
„
„Wir stehen am Anfang des Lebens.“
Damit unterstreichen sie und ihr Team die fundamentale Bedeutung ihrer Arbeit für die Gesellschaft. Doch bald werden im Städtischen Krankenhaus Heinsberg keine Kinder mehr geboren.
Trotz einer kürzlich abgeschlossenen aufwendigen Modernisierung der gynäkologischen Station ist das endgültige Aus der Geburtshilfe per 30. September 2026 nun beschlossene Sache.
Laut einer schriftlichen Stellungnahme der Klinikleitung ist die anhaltende finanzielle Defizitsituation der Station vor allem strukturell bedingt. Aufgrund ihrer geringen Fallzahlen konnten kleinere Geburtshilfen bereits in der Vergangenheit nur schwer kostendeckend arbeiten. Im aktuellen Vergütungssystem können diese auch nicht auskömmlich refinanziert werden.
Das Krankenhaus hatte bisher einen Teil der Verluste aus der Geburtshilfe mit anderen gewinnbringenden Bereichen ausgeglichen. So konnten etwa chirurgische Behandlungen mehr abwerfen als ihre Kosten. Dieser Überschuss half, andere Bereiche mitzufinanzieren.
Das funktioniert jetzt nicht mehr. Der Landesgesundheitsplan von Nordrhein-Westfalen hat festgelegt, welche medizinischen Leistungen das Krankenhaus genau anbieten darf und welche nicht. Einige dieser Ausgleichsmittel fallen jetzt weg.
Dazu kommt neuer Druck durch ein neues Bundesgesetz, das Krankenkassenbeiträge stabilisieren soll (GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz). Anke Thelen und Vanessa Busch, die beiden Geschäftsführerinnen des Krankenhauses Heinsberg, sehen dadurch zusätzliche Mehrkosten im einstelligen Millionenbereich auf Kliniken zukommen.
Das Städtische Krankenhaus Heinsberg muss sich neu orientieren. Auftraggeber war das Land NRW, das die Entwicklung eines gemeinsamen Zukunftskonzepts für alle Krankenhäuser anordnete. Ergebnis: Das Haus soll sich auf medizinische Kernkompetenzen konzentrieren und damit die Versorgung in der Region sicherstellen.
Abteilungen mit hohen Kosten und wenigen Patientenfällen werden gestrichen, da sie wirtschaftlich nicht tragbar sind. Geschlossen werden damit Gefäßchirurgie, Gynäkologie, Geburtshilfe und die HNO-Belegabteilung. Hebamme Julia Jansen drückt es so aus:
„
„Alles wird nur noch an Zahlen gemessen und nicht an der Qualität.“
Stattdessen soll der Bereich Innere Medizin ausgebaut werden, inklusive weiterer Palliativmedizin und einer neuen geriatrischen Abteilung vor Ort. Ob es in Heinsberg tatsächlich eine Ausweitung der Altersmedizin geben wird, ist bislang nicht klar. Geriater, Physiotherapeuten, Krankengymnasten und Pflegekräfte werden mit Hochdruck gesucht.
Bürgermeister Kai Louis (CDU) hat bis zum Redaktionsschluss keine Stellungnahme abgegeben.
Im Städtischen Krankenhaus Heinsberg kommen bald keine Kinder mehr auf die Welt.
Foto: Bildschirmfoto Website des Krankenhauses
In 40 Pkw-Minuten zum Kreißsaal
Die Klinik Heinsberg hat erklärt, dass die stationäre geburtshilfliche Versorgung im Kreis Heinsberg auch nach der Schließung der Geburtsstation sichergestellt bleibt. Das Hermann-Josef-Krankenhaus in Erkelenz verfügt demnach über ausreichende Kapazitäten zur Aufnahme zusätzlicher Geburten und zur Behandlung gynäkologischer Patientinnen.
Nach Vorgaben des Landes muss jede Frau in Nordrhein-Westfalen innerhalb von 40 Pkw-Minuten einen Kreißsaal erreichen können. Doch schon jetzt dürften Frauen mit Risikofaktoren wie Mehrlingsgeburten und Schwangerschaftsdiabetes oder ältere Risikoschwangere weder in Heinsberg noch in Erkelenz aufgenommen werden.
Bereits im Status quo müssen diese zur Geburt nach Aachen oder Rheydt fahren. Von Selfkant, der westlichsten Gemeinde Deutschlands an der niederländischen Grenze, ist der Weg zu einem Kreißsaal innerhalb von 40 Minuten gerade noch machbar – bei Normalverkehr auf der A 46.
Zukunft für Hebammenpraxen?
Die Hebammen im Krankenhaus Heinsberg arbeiten schon jetzt als selbstständige Beleghebammen; sie sind also nicht angestellt. Die Sprecherin des Teams, Julia Jansen, erklärt, die Hebammen richteten sich jetzt positiv neu aus.
Viele von ihnen betreiben bereits eigene Hebammenpraxen und ambulante Geburtshäuser oder überlegen, diese zu gründen. Eine weitere gangbare Lösung sieht Jansen in einem Begleithebammensystem. Bei diesem „bucht“ die Schwangere eine Hebamme aus einem festen Pool und beide gehen dann gemeinsam zur Geburt ins Krankenhaus, beispielsweise nach Erkelenz.
Die Geschäftsführung betont, dass keine der angestellten Pflegekräfte und Medizinischen Fachangestellten gehen müssen. Neue Einsatzbereiche in der geplanten Geriatrie, auf anderen Stationen und in verschiedenen Funktionsbereichen seien möglich. Hingegen sind betriebsbedingte Kündigungen ausschließlich an Ärztinnen und Ärzte der Gynäkologie erfolgt, da für sie im Haus keine weitere Beschäftigungsmöglichkeit mehr besteht.
Die Gewerkschaft ver.di beklagt das scheibchenweise Schließen von Teilbereichen in Krankenhäusern. Sie bezeichnet dieses Vorgehen als Salamitaktik. Auf dem Branchenportal myDRG beklagen darüber hinaus auch Lokalpolitiker diese Methodik.
Der jährlich erscheinende Krankenhaus Rating Report, herausgegeben vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, spricht zwar offiziell nicht von einer Salamitaktik, beschreibt allerdings genau den betriebswirtschaftlichen Mechanismus dahinter: ein „Verlustgeschäft“.
Krankenhäuser sind aufgrund massiver Unterfinanzierung gezwungen, unproduktive Ressourcen abzubauen, Investitionen aufzuschieben oder Abteilungen zu schließen. Damit sichern sie kurzfristig ihre Liquidität und vermeiden somit eine Überschuldung in der Bilanz. Abteilungen, die im starren linearen System der Fallpauschalen – feste Geldbeträge, die ein Krankenhaus für die Behandlung bestimmter Krankheiten erhält – keine Gewinne abwerfen, werden abgestoßen.
Die Streichliste wird angeführt von der Gynäkologie und Geburtshilfe, gefolgt von der zeitintensiven Gefäßchirurgie und nicht selten auch von der Geriatrie. Da eine Geburt keinem zeitlich getakteten Zeitfenster folgt und eine teure permanente Rufbereitschaft erfordert, gilt sie in der betriebswirtschaftlichen Logik der Kliniken als Verlustgeschäft.
Zahlen belegen, dass dieses Vorgehen System hat. Eine repräsentative Erhebung des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) im Auftrag des Deutschen Hebammenverbandes zeigt, dass fast 40 Prozent aller Kliniken mit Belegsystemen mit einer baldigen Schließung ihrer Geburtshilfe rechnen.
Der Wegfall wichtiger Fachbereiche führt zu einem Dominoeffekt. Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) hat dazu schon vor drei Jahren eine viel beachtete öffentliche Kampagne gestartet.
Die NKG warnt, dass der Wegfall von Abteilungen wie der Geburtshilfe oder Notfallversorgung eine Kettenreaktion auslöst. Der Wegfall einer Abteilung könnte die umliegenden Kliniken überlasten. Zeitgleich können Fachkräfte verloren gehen, mahnt Dr. Hans-Heinrich Aldag, Geschäftsführer der NKG:
„Wir befürchten, dass ein großer Teil dieser Mitarbeitenden sich eine andere Beschäftigung suchen oder in den Vorruhestand gehen wird. Die Belegschaft eines Krankenhauses ist kein Wanderzirkus, der einfach weiterzieht, wenn ein Standort geschlossen wird.“
Geburtshilfe seit 1991 halbiert
Die Gesamtsituation auf Bundesebene offenbart das Ausmaß dieser systemischen Krise. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat sich in Deutschland die Zahl der Krankenhäuser mit Entbindungsstationen seit 1991 mehr als halbiert. Gab es damals bundesweit noch 1.186 Standorte, blickt das Land heute auf einen historischen Tiefstand von unter 580 Kliniken.
Gleichzeitig brennt es an allen Ecken des gesamten Kliniksektors. Das Niveau der Klinikinsolvenzen verharrt ebenfalls auf einem historischen Rekordhoch.
Das Krankenhausbarometer des DKI ist die wichtigste jährliche Erhebung des Instituts. In der aktuellen Auswertung zeigt sich die gegenwärtige wirtschaftliche Situation. Demnach schreiben 66 Prozent der Krankenhäuser Verluste. Für die Folgezeit erwarten sogar 71 Prozent der Kliniken ein negatives Jahresergebnis.
Die Gewerkschaft ver.di warnt in ihren Analysen davor, dass Interessen privater Investoren das Gesundheitssystem deutlich verändern. Der Gedanke und die Ausrichtung der Kliniken auf eine soziale Daseinsfürsorge gehen dabei verloren. Ziel dieser Investoren ist es, durch sogenannte Asset Deals an Lizenzen für lukrative ambulante Praxen und Medizinische Versorgungszentren zu gelangen, um hohe Renditen zu erzielen.
Unrentable Abteilungen wie die Notfallmedizin oder die Geburtshilfe werden aus dem Programm gestrichen, da sie hohe Vorhaltekosten verursachen.
Personalabbau mit Folgen
Um die Gewinne schnell zu steigern, wird beim Personal der Rotstift angesetzt. Der britische Ärzteverband schlug dazu im Fachmagazin „BMJ“ Alarm und gab an, dass die Versorgungsqualität nach Investorenübernahmen systematisch sinkt.
Eine groß angelegte Studie im Journal „JAMA“ der American Medical Association untermauerte dies. Nach dem Einstieg von Private-Equity-Investoren – Kapitalgebern, die sich außerbörslich an Unternehmen beteiligen – stieg die Anzahl der im Krankenhaus erworbenen Komplikationen bei Patienten um 25,4 Prozent. Die Reduzierung des Personals führte zu einer Zunahme von Stürzen der Patienten um 27,3 Prozent. Schwere Blutbahninfektionen (Blutvergiftung/Sepsis) mehrten sich um 37,7 Prozent.
Personalmangel kostet Leben. Das zeigt zudem eine deutsche Analyse des Zentrums für Europäische Wirtschaftsförderung. Die Studie belegt, dass der Mangel an Pflegepersonal in deutschen Krankenhäusern zu einer höheren Patientensterblichkeit führt, insbesondere bei Notfällen wie Herzinfarkt und Sepsis.
Investoren planen in den meisten Fällen nicht für Jahrzehnte. Ihr Ziel ist es vornehmlich, Krankenhäuser nach wenigen Jahren mit Gewinn weiterzuverkaufen. Werden die Renditeziele nicht erreicht, beginnt das Filetieren. Wertvolle Immobilien wie das Klinikgelände werden separat verkauft und die Klinik muss fortan kostspielige Mieten an die Investoren zahlen. Folgt die Schließung, ist die medizinische Infrastruktur für immer verloren.
Am Beispiel Heinsberg zeigt sich, welche Hürden auch zukünftig noch zu nehmen sind, auch für ein Krankenhaus in kommunaler Trägerschaft. Denn alleinige Gesellschafterin ist die Stadt Heinsberg. Die Zukunft wird zeigen, ob der eingeschlagene Weg zum Erfolg und damit zum Erhalt des Krankenhauses führen wird.
Eine Person in einem Sensenmannkostüm steht vor dem Werkseingang, während VW-Mitarbeiter am 9. Juli 2026 an einer von IG Metall organisierten Kundgebung teilnehmen, um gegen Umstrukturierungsmaßnahmen und Pläne für einen massiven Stellenabbau im VW-Werk in Zwickau zu protestieren. - Foto: Jens Schlüter/AFP via Getty Images
In Kürze:
Der Bundestag debattiert auf Antrag von CDU/CSU und SPD über die Zukunftder deutschen Autoindustrie.
Die Bundesregierung sieht hohe Standortkosten als zentrales Problem und fordert mehr Technologieoffenheit.
Die Opposition streitet über die Ursachen der Krise – von Energiewende bis Transformation zur Elektromobilität.
Einigkeit besteht darin, dass die Branche vor tiefgreifenden wirtschaftlichen Herausforderungen steht.
Am Donnerstag, 9. Juli, hat der Bundestag in einer Aktuellen Stunde über die Situation der deutschen Autoindustrie debattiert. Die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD hatten diese beantragt. Das Thema lautete „Zukunft deutscher Automobilindustrie gestalten – erfolgreiche Reformschritte für Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und Innovation“ und die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Gitta Connemann (CDU), eröffnete die Aussprache.
Autoindustrie investiert dreistellige Milliardensummen in Forschung und Standorte
Connemann machte deutlich, dass Deutschland ein „Autoland“ sei. Die Branche sichere Arbeitsplätze und sei ungebrochen innovationsstark. Deutsche Autokonzerne und Zulieferer hätten eine immense Zahl an Patentanmeldungen zu verzeichnen.
Bis 2029 werde die Autoindustrie weltweit etwa 320 Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung investieren und weitere 220 Milliarden in neue Werke und moderne Produktion. Deutschland sei bei der Elektromobilität inzwischen der weltweit zweitgrößte Standort.
Allerdings drohten viele der Investitionen ins Ausland abzuwandern. Hohe Energiepreise, Steuern, Abgaben und Bürokratie belasteten den Standort. Die Krise der Automobilindustrie sei deshalb vorwiegend eine Standortkrise. Angesichts drohender Werksschließungen gehe es nicht nur um die Unternehmen selbst, sondern auch um die Schicksale vieler Beschäftigter und ihrer Familien.
Connemann, die auch Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung der CDU ist, forderte vor diesem Hintergrund einen politischen Kurswechsel. Deutschland brauche offene Märkte – auch, wenn China inzwischen der weltweit größte Automarkt sei und Fahrzeuge teilweise unter Dumpingbedingungen exportiere. Unternehmen müssten ihre Kosten senken, zugleich müsse der Staat seine „Hausaufgaben“ erledigen.
Gitta Connemann (CDU), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium. (Archiv)
Foto: via dts Nachrichtenagentur
AfD: Energiewende ist „Standortpolitik für China“
Der von der Bundesregierung beschlossene Abbau von Berichts- und Dokumentationspflichten sei ein Schritt in die richtige Richtung, betonte die Staatssekretärin weiter. Zudem müsse die deutsche Bundesregierung auch auf EU-Ebene die Technologieoffenheit gegen ideologische Vorgaben verteidigen. Ein striktes Verbrennerverbot sei deshalb abzulehnen. Der Plug-in-Hybrid müsse eine Zukunft haben.
Die Mittelstandspolitikerin bezeichnete den Industriestrompreis und die Strompreiskompensation als richtige Schritte. Auch neue Gaskraftwerke und der Ausbau der Stromnetze müssten dafür sorgen, dass die Autoindustrie auf ausreichende und günstige Energie zählen könne.
Für die AfD erklärte Raimond Scheirich, der Stellenabbau bei VW und Insolvenzen zahlreicher Zulieferer seien Folgen einer nachteiligen Wettbewerbssituation, mit der die Branche zu kämpfen habe. Warnungen habe man lange ignoriert.
Scheirich machte die Mobilitätswende und die Energiewende für die Schwächung des Standorts verantwortlich. Diese seien eine „Standortpolitik für China“.
Der Fokus auf die E-Mobilität schaffe eine neue Abhängigkeit – von Seltenen Erden. Der AfD-Politiker forderte eine „180-Grad-Wende“, ein Ende der Energiewende sowie die Abschaffung der EU-Flottenregulierung, welche vorschreibt, wie viel CO₂, die von einem Autokonzern verkauften Pkw ausstoßen dürfen.
SPD für „maßvolle“ Anpassung der EU-Flottenregeln – Grüne: „Verbrenner hat keine Bedeutung mehr“
Der SPD-Abgeordnete Sebastian Roloff verwies auf aktuelle Herausforderungen wie Gewinnwarnungen bei BMW, Krisengespräche bei Volkswagen, die Absatzschwäche in China und Belastungen durch US-Zölle.
Er betonte, es seien hohe Investitionen erforderlich, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Roloff hob Maßnahmen der Bundesregierung hervor, die der deutschen Autoindustrie Luft verschaffen sollten.
Dazu gehörten ein steuerliches Investitionssofortprogramm vom Sommer 2025, genannt Wachstumsbooster, die neuen Kaufanreize für E-Autos sowie die Mautbefreiung für E-Lkw. Auf EU-Ebene sprach sich Roloff für maßvolle Anpassungen der CO₂-Flottenregeln und der ab 2035 geltenden EU-Vorgaben aus, ab wann nur noch emissionsfreie Neuwagen erlaubt sind. Neben der Politik seien aber auch die Unternehmensleitungen gefordert, nicht an Zukunftsinvestitionen zu sparen, betonte der SPD-Politiker. Standortreformen seien auch ohne Entlassungen möglich.
Sandra Detzer von Bündnis 90/Die Grünen warb für eine „sachliche Analyse der Herausforderungen“. Die langjährigen Exporterfolge deutscher Autobauer in China hätten bestehende Schwächen der Autoindustrie verdeckt. Das Auto bleibe ein „Kulturgut“, es müssten jedoch die „Fahrzeuge der Zukunft“ in Deutschland entwickelt und produziert werden.
Dunkle Wolken über Wolfsburg. Der VW-Konzen hat 2025 einen drastischen Gewinneinbruch erlitten.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Linke für Ausbau der Landesbeteiligung an VW
Detzer wies dabei die Darstellung zurück, der Verbrennermotor werde weiterhin eine Rolle spielen. Der elektrische Antrieb sei der „Megatrend“. Dies belegten auch die deutlich gestiegenen Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen in Deutschland und Europa insgesamt. Es sei jetzt an der Zeit, den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu forcieren. Außerdem sei es erforderlich, Förderprogramme für in Europa produzierte Fahrzeuge sowie einen wirksamen Handelsschutz auf EU-Ebene zu gewährleisten.
Für die Linksfraktion sprach der frühere VW-Mitarbeiter Cem Ince. Er betonte, die Beschäftigten der Automobilindustrie hätten bereits nach dem Dieselskandal und dem Chipmangel erhebliche Lasten für Managementfehler getragen. Nun seien sie erneut mit der Gefahr von Werksschließungen und dem Abbau von rund 100.000 Arbeitsplätzen bei Volkswagen konfrontiert.
Die Unternehmensführung habe versagt, während die Konzerne weiterhin Gewinne erwirtschafteten, so Ince. Deshalb sprach sich der Linkspolitiker gegen Änderungen am VW-Gesetz aus und regte notfalls einen Ausbau der Beteiligung des Landes Niedersachsen an. Öffentliche Fördergelder müssten zudem künftig stärker an Beschäftigungs- und Standortgarantien geknüpft werden.
Union will Technologieoffenheit für Autoindustrie bewahren
Tilman Kuban von der Unionsfraktion betonte die lange Tradition des deutschen Automobilbaus. Er kündigte an, die Koalition werde alles dafür tun, dass Deutschland auch künftig ein führender Automobilstandort bleibe. Angesichts nachlassender Exportmärkte müsse man neue Absatzmärkte erschließen und die Produktionskosten senken. Zugleich sei es nötig, den europäischen Automarkt wieder zu stärken und Regulierungen zurückzufahren.
Elektromobilität werde eine wichtige Rolle spielen, so der Unionspolitiker, dürfe jedoch nicht politisch erzwungen werden. Stattdessen plädierte Kuban für einen technologieoffenen Antriebsmix.
Da Verbrennermodelle weiterhin höhere Gewinnmargen erzielten, müssten unterschiedliche Antriebstechnologien parallel bestehen können. Entscheidend sei ein gemeinsames Vorgehen von Unternehmen und Gewerkschaften.
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