Categories
ticker wirtschaft

Neue Gebühr: EU verteuert kleine Päckchen aus dem Ausland

Päckchen aus vielen Ländern außerhalb der Europäischen Union werden ab Sonntag noch einmal teurer: Die EU führt zum 1. November eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro pro unterschiedlichem Artikel in einem Paket ein. Für jede Sendung werden also mindestens zwei Euro mehr fällig – zusätzlich zu den Zöllen auf kleine Päckchen, die es schon seit Juli gibt.
Wie wird die Gebühr berechnet?
Sie liegt bei zwei Euro pro Produktkategorie. Für ein Päckchen mit einem T-Shirt und einer Haarspange würden also vier Euro fällig. Enthält ein Päckchen ein, zwei, drei oder zehn T-Shirts, bleibt die Gebühr hingegen bei zwei Euro.
Die Gebühr wird genauso berechnet wie ein Zusatzzoll auf kleine Päckchen, den die EU im Juli eingeführt hat. Er liegt bei drei Euro pro Produktkategorie. Unterm Strich sind die Päckchen ab November also mindestens fünf Euro teurer als vor den Reformen.
Für welche Länder gilt sie?
Für alle Länder außerhalb der EU. Anders als beim Zoll gibt es keine Ausnahmen für Staaten wie Norwegen, die Schweiz oder die Türkei, mit denen die EU die Zölle abgeschafft hat.
Warum noch eine Gebühr?
Die Einnahmen sollen die Kosten in den Zollbehörden decken, die wegen einer Paketflut in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind. 2025 gelangten knapp 5,9 Milliarden Päckchen in die EU, das sind mehr als 180 Sendungen pro Sekunde. Rund 93 Prozent davon kamen aus China, vor allem über Onlinehändler wie Aliexpress, Shein und Temu.
Die EU bemängelt zudem, dass zahlreiche Produkte nicht den europäischen Sicherheitsauflagen entsprechen, zum Beispiel wegen verschluckbarer Kleinteile, unsicherer Stromkabel und Chemikalien in Kinderspielzeug. Europäische Hersteller sprechen wegen der billigen Preise von unfairer Konkurrenz. Zoll und Gebühr sollen dafür sorgen, dass die Produkte weniger bestellt werden.
Wer zahlt?
Die Firma, die ihre Waren in die EU schickt. Die Händler dürfen die Gebühr aber auf ihre Kunden abwälzen, zum Beispiel durch einen Aufschlag bei der Bestellung oder indem sie die Preise erhöhen.
Mehrere Onlinehändler haben als Reaktion auf die EU-Reformen angekündigt, neue Lagerhallen und Verteilzentren in der EU zu bauen. Sie könnten ihre Ware dann zuerst gesammelt dorthin liefern, die Gebühr würde für beispielsweise zweihundert T-Shirts nur einmal anfallen.
Wer bekommt die Einnahmen?
Die Gebühr wird von den Zollbehörden in den 27 EU-Staaten wie ein regulärer Zoll einkassiert. Sie fließt aber nicht in den allgemeinen Haushalt, sondern ist zweckgebunden und soll die Kosten der Zollbehörden für Kontrollen, Sicherheitschecks und Abwicklung decken.
Wie lange soll es die Gebühr geben?
Die Gebühr ist dauerhaft, die Kommission soll aber alle zwei Jahre neu bewerten, ob sie noch den Kosten in den Zollbehörden entspricht. Der Drei-Euro-Zoll läuft hingegen im Juli 2028 aus, stattdessen werden dann auf alle Bestellungen reguläre Zölle fällig. Vor der Reform waren Päckchen mit einem Warenwert von weniger als 150 Euro zollfrei.
(afp/red)
Categories
deutschland etplus ticker

Handlungsbedarf bei Deutschlandticket und Kfz-Versicherung: Das ändert sich im November


  • Deutschlandticket: Der Preis steigt 2027 auf 66,80 Euro. Bahn-Kunden müssen bis 30. November zustimmen, sonst endet ihr Abo zum Jahresende.
  • Kfz-Versicherung: Die meisten Verträge lassen sich bis 30. November kündigen.
  • Ratenkäufe: Ab 20. November gibt es auch bei Kleinkrediten und „Buy Now, Pay Later“ eine Bonitätsprüfung.

 
Viele Autofahrer können ihre Kfz-Versicherung noch bis Ende November kündigen, außerdem gelten neue Regeln für Kleinkredite. Wer sein Deutschlandticket über die Deutsche Bahn auch nach der Preiserhöhung im kommenden Jahr weiter beziehen will, muss aktiv werden. Was sich im November ändert:

Preisänderung beim Deutschlandticket zustimmen – oder kündigen

Ab 2027 erhöht sich der Preis des Deutschlandtickets von monatlich 63 auf 66,80 Euro. Je nach Anbieter müssen die Nutzer nun aktiv werden: Die Deutsche Bahn etwa bittet ihre Kundschaft bis zum 30. November mitzuteilen, ob sie das Ticketabo zum neuen Preis behalten oder kündigen wollen.
Wer sich nicht fristgerecht zurückmelde, dessen Abo werde zum 31. Dezember gekündigt, erklärt die Bahn. Möglich ist eine Zustimmung zu den neuen Bedingungen im Kunden-Account auf bahn.de oder in der App DB Navigator.

Das Familienticket kommt zurück

Es gibt noch weitere Änderungen bei der Bahn. Das Staatsunternehmen warb im Sommer mit einem Familienticket um Kunden. Zum Pauschalpreis von 99,99 Euro konnten Familien mit bis zu fünf Personen quer durch Deutschland hin- und zurückreisen, eine einfache Fahrt kostete 59,99 Euro. Dieses Angebot kommt nun zurück – und soll dauerhaft im Angebot bleiben.
Wie die Bahn mitteilte, gilt das Familienticket für Reisen ab dem 1. November, buchbar sind Fahrkarten bereits seit dem 26. Oktober. Wer das Angebot nutzen will, muss allerdings auch einige Regeln beachten. So muss mindestens ein Kind mitreisen. Auch dürfen höchstens zwei Reisende 15 Jahre oder älter sein.
Die Stiftung Warentest weist darauf hin, dass das Familienticket nur für Fernzüge (ICs und ICEs) gilt. Wählt eine Familie Verbindungen, bei denen sie auch Nahverkehrszüge nutzen muss, wird die Reise teurer.
Für eine einfache Strecke muss sie dann 81,99 Euro bezahlen, Hin- und Rückfahrt kostet pauschal 143,99 Euro. Nicht enthalten in dem Familienpreis ist außerdem das City-Ticket für den Abfahrts- und Ankunftsbahnhof.

Angebote vergleichen

Zwar gebe es laut Deutscher Bahn keine Kontingente für das Familienticket. Doch könne es sein, dass diese Fahrkarte auf Strecken mit großer Nachfrage nicht mehr angeboten wird. Für Spontanbucher bedeute dies, dass möglicherweise nicht mehr die komplette Auswahl an Verbindungen zur Verfügung steht.
Die Stiftung Warentest hat sich eigenen Angaben zufolge intensiv mit dem Familienticket beschäftigt und es auf vier Strecken getestet. Sie rät, das Angebot trotzdem mit den Spar- und Supersparpreisen zu vergleichen.
So könne ein anderes Ticket billiger sein, wenn man etwa die Reservierungen nicht zwingend benötigt, weil die Kinder bis einschließlich 14 Jahre nicht unbedingt nebeneinander sitzen müssen.
Günstiger kann ein anderer Fahrschein auch für Kunden sein, die kein Deutschlandticket besitzen und die ihre Reise sowohl mit Fern- als auch mit Nahverkehrszügen bewältigen.
Wer einige Monate vor der Reise bucht, für den lohnt sich ein Vergleich der Preise innerhalb der Deutschen Bahn oder auch mit dem Konkurrenten Flixtrain, schreibt die Stiftung Warentest.

Stichtag für Kündigung vieler Kfz-Versicherungen

Die meisten Kfz-Versicherungen haben eine Laufzeit bis Ende Dezember und können mit einer Frist von einem Monat zum Vertragsende gekündigt werden – also bis zum 30. November.
Weil dieser Stichtag für so viele Autofahrer gilt, senken viele Unternehmen laut der Verbraucherorganisation Finanztip im Herbst ihre Beiträge, um Neukunden zu gewinnen. Verbraucher könnten so von günstigen Angeboten profitieren.
Die Kündigungsfrist 30. November gilt allerdings nicht für alle Versicherungsverträge. Darauf weist die HUK-Coburg hin. Für Verträge mit unterjähriger Laufzeit, deren Versicherungsjahr also nicht am 1. Januar beginnt, gelten andere Stichtage. Läuft der Vertrag zum Beispiel am 14. Juni aus, ist der 13. Mai der persönliche Stichtag für die Kündigung.
Finanztip rät, beim Versicherungswechsel in der richtigen Reihenfolge vorzugehen: erst einen neuen Vertrag suchen, dann den alten kündigen. Bei einer Kündigung zum 1. Januar sollten Autobesitzer also noch im November nach einem günstigeren Versicherer Ausschau halten.
Dabei empfiehlt Finanztip einen doppelten Vergleich: zunächst über Vergleichsportale wie Verivox oder Check24, danach bei einem Direktversicherer.

Neue Regeln für Ratenkäufe

Ab dem 20. November gelten in Deutschland neue EU-Regeln für Verbraucherkredite. Ab diesem Datum dürfen auch Kleinkredite unter 200 Euro sowie „Buy Now, Pay Later“-Angebote nur nach einer Prüfung der Kreditwürdigkeit vergeben werden. Bislang war das nicht der Fall.
Wer künftig ein solches Angebot nutze, etwa einen Ratenkauf oder eine Null-Prozent-Finanzierung, müsse zudem „ausführlich über Kosten, Laufzeit und Risiken des jeweiligen Kredits informiert werden, auch bei kleinsten Beträgen und kurzen Zahlungsaufschüben“, erklärt die Stiftung Warentest.
Auch wird die Frist für den Widerruf bei fehlerhaften Informationen auf maximal zwölf Monate und 14 Tage begrenzt, heißt es auf der Website der Bundesregierung zur rechtlichen Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie.
Eine Ausnahme gibt es, schreibt der Verein „Für soziales Leben“ in seinem Online-Magazin „Bürger & Geld“. Demnach sind Debitkarten mit Zahlungsaufschub nicht von der Neuregelung betroffen. Bei der Bonitätsprüfung berücksichtigen die Anbieter nicht nur die getätigte Bestellung, sondern auch die bestehenden Verbindlichkeiten des Käufers.
Bei „Buy Now, Pay Later“ müssen daher bereits laufende Ratenzahlungen einbezogen werden. Hat ein Kunde bei mehreren Anbietern gleichzeitig offene Raten, kann sich dies negativ auf seine Bonitätsbewertung auswirken. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine weitere Zahlungsanfrage abgelehnt wird.
Eine Pflicht zur Begründung ist ebenfalls neu. Auch wenn die Entscheidung automatisiert getroffen wird, müssen Unternehmen in der Lage sein, offenzulegen, aus welchen Gründen jemand einen Kredit erhält oder nicht. Dazu ist eine Dokumentation der Daten erforderlich.
Angepasst wurde in diesem Zusammenhang auch das Bundesdatenschutzgesetz. Die neuen Regeln zur Bewertung der Kreditwürdigkeit (Scoring) gelten ebenfalls ab dem 20. November 2026.

Lohnsteuerfreibetrag sichern

Wer viel Geld etwa für berufliche Fortbildungen und Fahrten ausgibt, kann noch bis zum 30. November einen Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung für 2026 stellen. Geld sparen Verbraucher damit zwar nicht – aber sie holen sich das Geld vom Staat sofort, was sie „sonst erst im folgenden Jahr mit der Steuererklärung erhalten“ würden, erläutert Finanztip.
Auch müssen die Ausgaben eine Grenze von 600 Euro überschreiten. Werbungskosten zählen nur mit, wenn sie den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 Euro übersteigen. Wem der Lohnsteuerfreibetrag gewährt wird, der muss in der Regel eine Steuererklärung abgeben. (afp/red)
Categories
deutschland ticker

Länder fordern Tempo bei Stromsteuer und Spritpreisdeckel

Die Bundesländer fordern den Bund zur raschen Umsetzung von Entlastungen für Bürger auf. Die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) mahnte in Berlin eine schnelle Senkung der Stromsteuer für alle an und verlangte einen zeitigen Vorschlag für den angekündigten Spritpreisdeckel.
Im MPK-Beschluss zur Stromsteuer heißt es, die Energiepreise seien trotz aller Entlastungsmaßnahmen im internationalen Vergleich weiterhin zu hoch. Weitere Maßnahmen seien notwendig.

Finanzieller Spielraum oder nicht?

Zu den Forderungen der Länderchefs gehört es, „schnellstmöglich finanzielle Spielräume im Haushalt für eine Senkung der Stromsteuer für alle zu nutzen“.
„Wir sind der Auffassung, dass der Bund diese Spielräume hat“, sagte der MPK-Vorsitzende und rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU).
„Wir haben den Menschen versprochen, dass Energie bezahlbarer wird, insbesondere dass Strom für alle günstiger wird. Dieses Versprechen müssen wir halten.“
Der Co-Vorsitzende Olaf Lies betonte, jetzt sei Verlässlichkeit nötig. „Wir brauchen auch das Signal, dass man sich auf solche Botschaften und Entscheidungen auch verlassen kann“, sagte er mit Blick auf den Koalitionsvertrag von Union und SPD.
Die Einnahmen aus der Stromsteuer fließen allein dem Bund zu. Wenn sie gesenkt wird, belastet dies also die Länderhaushalte nicht. Es handele sich um eine „Bundesangelegenheit“, sagte Schnieder.

Klingbeil: Steuerplus reicht nicht für Stromsteuer-Senkung

Die Bundesregierung hatte in ihrem Koalitionsvertrag eine Senkung für alle auf das europäische Mindestmaß angekündigt.
Diese Zusage wurde noch nicht umgesetzt. Die Stromsteuer wurde nur für die Industrie, das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft gesenkt – nicht aber für private Haushalte und alle anderen Unternehmen.
Auch Kanzler Friedrich Merz (CDU) plädiert dafür, Spielräume im Haushalt zu nutzen, um das Versprechen aus dem Koalitionsvertrag voll umzusetzen. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) zweifelt an der Finanzierbarkeit.
„Wer jetzt Vorschläge macht wie etwa die Senkung der Stromsteuer, sollte gleichzeitig auch Vorschläge mitbringen, wie man das Ganze finanziert“, sagte Klingbeil bei der Vorlage der Ergebnisse der Steuerschätzung.
Das leichte Plus bei den Einnahmen lässt Klingbeil zufolge kaum Spielraum für Zusatzausgaben.

Länderchefs sprechen von enormer Belastung

Vor dem MPK-Treffen hatte vor allem Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst auf die Stromsteuersenkung gedrängt.
„Die Energiekosten sind für viele inzwischen zu einer enormen Belastung geworden“, sagte der CDU-Politiker.
„Wir brauchen jetzt die Stromsteuersenkung für alle – und zwar möglichst schnell.“ Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) nannte die Senkung „dringend notwendig“.
Trotz des Beschlusses der MPK teilen andere Länder Klingbeils Bedenken hinsichtlich der Finanzierbarkeit.
Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte (SPD) sagte, grundsätzlich halte er die Stromsteuersenkung für richtig. „Aber logischerweise hat das finanzielle Konsequenzen. Und welche Spielräume da drin sind, das muss man sich genau angucken.“

Frage der Gerechtigkeit an der Tankstelle

Die Deckelung der Spritpreise soll Lies zufolge genutzt werden, um den Menschen die Sicherheit zu geben, „dass es eine Form von Gerechtigkeit gibt, dass sie nicht an der Tankstelle für Unternehmen zahlen, die damit ihre Gewinne erhöhen.“
Diese Aufgabe müsse der Bund nicht erst am 1. Januar lösen, sondern jetzt, „damit sicher ist, wie es nach dem 1.1.2027 weitergeht“. Das Leben müsse bezahlbar sein. Die Entwicklung der Tankkosten und der Energiekosten spiele dafür eine große Rolle im Alltag.
Die Bundesregierung hatte im September angekündigt, mit der Mineralölwirtschaft über einen Spritpreisdeckel zu sprechen. Ziel sei, den Deckel bis spätestens zum 1. Januar einzuführen.
Ähnliche staatliche Vorgaben gibt es schon in Luxemburg und Belgien. Der seit Anfang Oktober an deutschen Tankstellen geltende Tankrabatt von 16,7 Cent pro Liter Sprit ist befristet bis Jahresende.

Vorschlag zur Bekämpfung von Terror-Finanzierung

Abseits der Lebenshaltungskosten wollten sich die Menschen zu Hause und in ihrem Umfeld auch sicher fühlen, sagte Lies weiter. Die Länderchefs brachten in einem weiteren Beschluss für den Kampf gegen Terrorismus und dessen Finanzierung eine Gesetzesänderung ins Spiel.
„Wir schlagen auch dafür einen neuen Straftatbestand vor für Spendensammler terroristischer Organisationen und eine erleichterte Abschöpfung entsprechender Gelder.“ Die Durchsetzung des Rechtsstaates müsse mit aller Konsequenz ermöglicht werden.

Schnieder deutsch-französischer Kulturbevollmächtigter

Entschieden wurde bei der MPK in Berlin auch, dass Schnieder 2027 Bevollmächtigter für die deutsch-französischen Bildungs- und Kulturbeziehungen wird. Er löst Saarlands Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) ab. Die Amtszeit beträgt vier Jahre und endet Ende 2030.
Schnieder will insbesondere „junge Menschen dafür zu begeistern, die Sprache, Kultur und Lebensweise unseres jeweiligen Nachbarlandes kennenzulernen und die deutsch-französische Freundschaft selbst zu erleben“.

Gelegenheits-Deutschlandticket nicht auf der Tagesordnung

Die von Nordrhein-Westfalen und Hamburg vorgetragene Idee eines Deutschlandtickets für Gelegenheitsfahrer hat im Kreis der Länderverkehrsminister keinen großen Anklang gefunden.
Bei der Verkehrsministertagung stand das Thema letztlich nicht auf der Tagesordnung. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) will das Vorhaben dennoch weiterverfolgen.
Krischer verwies auf ein bereits existierendes Angebot in seinem Bundesland: „Wir haben einen solchen digitalen Gelegenheitstarif in Nordrhein-Westfalen, ein Land mit 18 Millionen Einwohnern, wo der hervorragend funktioniert und auch landesweit breit akzeptiert und genutzt wird“, sagte er im Anschluss an das Treffen.
„Wir finden es eine sinnvolle Maßnahme, das auch deutschlandweit zu machen.“
NRW und Hamburg hatten einen smartphonebasierten „In/Out-Tarif“ vorgeschlagen: Fahrgäste checken per Handy ein und wieder aus – zu einem bundesweit einheitlichen Tarif.
„Das ist nicht nur bequemer für die Fahrgäste, das hilft auch Kostensparen“, sagte Krischer. „Das ist kein Thema wie beim Deutschlandticket, dass hier zusätzliche Kosten entstehen.“
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) sagte, das Problem des Vorschlags sei eine Deckelung auf den Preis des Deutschlandtickets. „Wir wollen bundesweit natürlich keinen Preisdeckel“, entgegnete Krischer dem.
„Das würde das Deutschlandticket konterkarieren. Und deshalb werden wir, auch wenn das jetzt hier nicht auf die Tagesordnung genommen wurde, mehrheitlich an dem Thema natürlich weiter arbeiten.“ (dpa/afp/red)
Categories
deutschland ticker

Fehler im Finanzministerium: Tabaksteuer-Gesetz zu früh in Kraft getreten

Nach einem Fehler des Bundesfinanzministeriums ist eine gesetzliche Regelung, die zu deutlich höheren Zigarettenpreisen führen wird, aus Versehen bereits in Kraft getreten. Im Bundesgesetzblatt war das Tabaksteuer-Gesetz am Dienstag veröffentlicht worden mit dem Hinweis, dass es am Folgetag in Kraft tritt – also am Mittwoch.
Auf dpa-Nachfrage räumte das Bundesfinanzministerium allerdings ein, dass die höheren Steuersätze eigentlich erst zum 1. Januar 2027 in Kraft treten sollten: „Es ist ein technischer Fehler in Bezug auf das Datum des Inkrafttretens in den Unterlagen passiert.“ Man habe eine Berichtigung angestoßen.

Steuerzeichen fehlen

Laut dem nun in Kraft getretenen Gesetz müssen Tabakhersteller in Deutschland weit mehr Steuern zahlen als zuvor. Das können sie jedoch nicht, weil die dafür nötigen Steuerzeichen nicht vorhanden sind.
Vertreter der Tabakbranche äußern Kritik. „Die Bundesregierung muss jetzt sehr schnell Rechtssicherheit für die Fortführung der Produktion herstellen“, sagt Jan Mücke vom Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE). Die schon jetzt in den Geschäften befindlichen Zigaretten könnten zwar noch abverkauft werden, diese Bestände wären aber in wenigen Wochen aufgebraucht.
Nach Lesart der Tabakbranche sind Steuersätze fällig, die der Gesetzgeber eigentlich erst ab dem Jahr 2030 vorgesehen hat. Dabei sollte es erst ab 2027 schrittweise bis 2030 nach oben gehen. Das Bundesfinanzministerium bekräftigte das Vorhaben, die Steuern erst ab Januar anheben zu wollen. Darüber sei auch die Generalzolldirektion, die die Steuer verwaltet, entsprechend informiert worden, so ein Ministeriumssprecher.
„Solche Worte sind zwar schön und gut, aber das jetzt gültige Gesetz besagt etwas anderes“, sagt Mücke. Es sei eine Gesetzesänderung nötig, die der Bundesrat frühestens in einem Monat abschließen und mit der er den Fehler beheben könne. „Wir begeben uns als Tabakbranche wochenlang in eine Grauzone, die von den Behörden toleriert werden soll.“
Mücke sagt zwar, dass die Tabakfirmen wohl weiterproduzieren würden. „Nur weil das Ministerium bei der Gesetzgebung gepatzt hat, befinden wir uns in einer unzumutbaren Lage.“

Kritik am Gesetzgebungsverfahren

Das Gesetzgebungsverfahren zur Tabaksteuer ist aus Sicht von Mücke von Beginn an problematisch gewesen. So habe das Finanzministerium der Branche im Juni zu wenig Zeit gelassen, um auf den Gesetzentwurf zu reagieren und Stellung nehmen zu können.
„Später haben das Finanzministerium und Gesundheitsministerium den Gesetzesentwurf in einer Art Hinterzimmerpolitik noch verschärft“, sagt der frühere FDP-Bundespolitiker Mücke. „Dieses Gesetzgebungsverfahren ist rechtlich angreifbar und einer parlamentarischen Demokratie wirklich unwürdig.“
Auch andere Branchenvertreter üben Kritik. Maximilian van Ackeren vom Verband der deutschen Rauchtabakindustrie (VdR) kritisiert den nach seinen Worten „Dilettantismus“ des Ministeriums.

Zigaretten werden teurer

Als Folge des Tabaksteuer-Gesetzes werden Zigaretten in den kommenden Jahren deutlich teurer. Kostet eine 20er-Packung Zigaretten derzeit im Schnitt noch rund acht Euro, so dürften es 2030 knapp zwölf Euro sein. Das soll dem Bund zusätzliche Milliardeneinnahmen bringen und den Gesundheitsschutz stärken.
In Deutschland rauchen Millionen Menschen. Der Mikrozensus 2025 kam auf einen Raucheranteil von 19 Prozent unter den Menschen ab 15 Jahren: 14 Prozent rauchen nach eigenen Angaben regelmäßig, 5 Prozent gelegentlich. (dpa/red)
Categories
gesellschaft ticker

Wann man in Deutschland reich oder arm ist

Die Frage stellen sich vermutlich viele Menschen in Deutschland: Wie wohlhabend bin ich im Vergleich zu anderen? Antworten bietet eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Anhand eines Einkommensrechners können Verbraucher die eigene Position ermitteln und herausfinden, wie viel Prozent der Gesamtbevölkerung ärmer und reicher sind. Ein Überblick:

Single-Haushalt

Mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1.450 Euro ist ein Single laut IW relativ arm. Zwischen 1.450 und 1.940 Euro liegt die untere Mittelschicht, bis 3.630 Euro die Mittelschicht im engeren Sinne, bis 6.050 Euro die obere Mittelschicht. Wer mehr verdient, ist verhältnismäßig reich.

Alleinerziehende mit einem Kind unter 14 Jahren

Als „arm“ gelten Alleinerziehende mit einem Kind unter 14 Jahren mit bis zu 1.890 Euro netto im Monat. Die untere Mitte endet bei 2.520 Euro, die Mittelschicht im engeren Sinne bei 4.720 Euro. Wer auf bis zu 7.860 Euro kommt, zählt zur oberen Mitte. Darüber gilt man als relativ reich.

Paarhaushalt ohne Kinder

Verhältnismäßig arm ist ein kinderloses Paar mit einem Nettoeinkommen mit bis zu 2.180 Euro im Monat. Bis 2.900 Euro wird man der unteren Mittelschicht zugeordnet, bis 5.440 Euro zur Mittelschicht im engeren Sinne und bis 9.070 Euro zur oberen Mittelschicht. Relativ reich sind alle, bei denen es noch mehr ist.

Paarhaushalt mit einem Kind unter 14 Jahren

Wenn Kinder im Spiel sind, liegen die Schwellen höher. Mit einem Netto-Haushaltseinkommen von weniger als 2.610 Euro im Monat ist ein Haushalt mit einem Kind unter 14 Jahren laut IW eher arm. Wer höher und unter 3.480 Euro liegt, darf sich zur unteren Mitte zählen. Die Mittelschicht im engeren Sinne reicht bis 6.530 Euro, die obere Mitte bis 10.890 Euro. Darüber ist ein Haushalt verhältnismäßig reich.

Paarhaushalt mit zwei Kindern unter 14 Jahren

Mit einem gemeinsamen Nettoeinkommen von monatlich bis zu 3.050 Euro ist eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren relativ arm. Bis 4.060 Euro zählt sie zur unteren Mittelschicht, bis 7.620 Euro zur Mittelschicht im engeren Sinne und bis 12.700 Euro zur oberen Mittelschicht. Eher reich ist, wer mehr hat.

Median-Einkommen bei 2.419 Euro

Grundlage der IW-Auswertung sind Daten der Europäischen Union von 2024, die seit Juli verfügbar sind. Die Schwellenwerte wurden anhand des Median-Nettoeinkommens berechnet, das für einen Alleinstehenden bei 2.419 Euro im Monat lag. Mit 60 Prozent davon oder weniger gilt man demnach als relativ arm, mit mindestens 250 Prozent als vergleichsweise reich. Aspekte wie Vermögen, Wohneigentum oder regionale Preisunterschiede wurden nicht berücksichtigt.
„Reich sind vor allem die anderen – dieser Eindruck ist nachvollziehbar, kann aber täuschen“, sagt IW-Ökonomin und Studienautorin Judith Niehues. Viele Menschen unterschätzten, wie hoch ihr Einkommen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung liege. Untersuchungen zufolge verorteten sich nur wenige an den Rändern der Einkommensverteilung, so Niehues. Die meisten sähen sich in der Mittelschicht.

Reallöhne weiter gestiegen

Die Löhne in Deutschland sind zuletzt weiter gestiegen und das schneller als die Verbraucherpreise. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hatten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im zweiten Quartal dieses Jahres 1,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor zur Verfügung. Im ersten Quartal waren die Reallöhne um 1,8 Prozent gestiegen.
Fraglich ist, ob sich dieser Trend fortsetzt. Getrieben von hohen Energiepreisen nahm die Inflation zuletzt wieder Fahrt auf und stieg erstmals seit Ende 2023 wieder über drei Prozent. (dpa/red)
Categories
deutschland ticker

Stromsteuer soll sinken – so viel können Haushalte sparen


In Kürze:

  • Bundeskanzler Friedrich Merz hat erneut die geplante Senkung der Stromsteuer erwähnt.
  • Bei einer Senkung auf das europäische Mindestmaß würde sich die Stromrechnung privater Haushalte laut Verivox um rund 7 Prozent reduzieren – insgesamt um rund 3 Milliarden Euro pro Jahr.
  • Knackpunkt ist, ob im Bundeshaushalt ausreichend Spielraum vorhanden ist.

 
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat in den vergangenen Tagen erneut eine Senkung der Stromsteuer angesprochen. Diese Maßnahme ist auch im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD niedergeschrieben.
Der Kanzler teilte mit, die Stromsteuer auf das europäische Minimum senken zu wollen. Aktuell liegt sie für private Verbraucher seit 2003 unverändert bei 2,05 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Der Gesetzentwurf, den der Bundestag am 9. Oktober 2025 erstmals beraten hat, betraf jedoch nur das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft – private Haushalte waren darin nicht vorgesehen.
Das europäische Mindestmaß der Stromsteuer für private Stromkunden beträgt 0,1 Cent pro kWh. Für gewerbliche Kunden ist es mit 0,05 Cent pro kWh nur halb so hoch. Das Einsparpotenzial bei der Stromsteuer liegt für Privatkunden somit bei 95,1 Prozent, bei übrigen Gewerbekunden wie Handel und Dienstleistern bei 97,6 Prozent.
Eine solche Senkung führt zu Mindereinnahmen für den Staat. Laut Merz könne die Regierung dafür „finanzielle Spielräume im Haushalt“ nutzen, die sich durch das erwartete Wirtschaftswachstum ergeben sollen.

So ist der Strompreis zusammengesetzt

Unabhängig davon, ob Stromkunden einen günstigen Stromtarif mit 25 Cent pro kWh oder einen teureren mit mehr als 40 Cent haben: Die Stromsteuer ist ein fester Betrag von 2,05 Cent pro kWh. Sie zählt zu den sonstigen Abgaben.
Laut dem Portal Strom-Report fließt – Stand: Januar 2026 – der größte Anteil bei einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh für Privatkunden mit gut 41 Prozent in die Stromerzeugung. Die Netzentgelte beanspruchen knapp 25 Prozent. Auf alle Preisbestandteile fällt letztlich die Mehrwertsteuer an, die 16 Prozent des gesamten Strompreises ausmacht.

Die Zusammensetzung des Strompreises in Deutschland 2026.

Was Verbraucher mit der Steuersenkung sparen könnten

Eine neue Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt: Wenn die Stromsteuer hierzulande nun, wie von Merz gefordert, auf das europäische Mindestmaß sinkt, reduziert sich die gesamte Stromrechnung privater Haushalte um rund 7 Prozent.
Verivox legte für die Berechnung den durchschnittlichen Strompreis für Privathaushalte im Oktober zugrunde, der laut dem Vergleichsportal bei rund 34,36 Cent pro kWh lag. Ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh bezahlt damit rund 1.375 Euro pro Jahr.
Die Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß würde den Strompreis für private Haushalte um rund 2,3 Cent auf 32,04 Cent pro kWh reduzieren. Sinkt die Stromsteuer, sinkt gleichzeitig der darauf entfallende Mehrwertsteuerbetrag. Die jährlichen Stromkosten würden dann um rund 7 Prozent auf rund 1.282 Euro sinken. Das entspräche einer Entlastung von 93 Euro pro Jahr.

3 Milliarden Euro Entlastung möglich

Ein Zwei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2.800 kWh könnte mit einer Entlastung von 65 Euro rechnen. Bei einem Singlehaushalt mit 1.500 kWh wären es 35 Euro. Der durchschnittliche Strompreis für Privathaushalte würde ebenfalls um rund 7 Prozent sinken.
Insgesamt verbrauchen die Privathaushalte in Deutschland laut Verivox jährlich etwas mehr als 130 Milliarden kWh Strom. Die Gesamtentlastung für private Stromkunden beliefe sich demnach auf rund 3 Milliarden Euro pro Jahr.
„Die Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß […] wäre ein konkreter Schritt, um private Haushalte bei den Stromkosten zu entlasten“, sagte Thorsten Storck, Energie-Experte bei Verivox. „Entscheidend ist jetzt, dass aus der politischen Forderung auch eine konkrete Umsetzung wird. Für Verbraucher zählt am Ende, ob die Entlastung tatsächlich auf ihrer Stromrechnung ankommt.“

Finanzierung bleibt der Knackpunkt

Ob es letztlich wirklich zu dieser Steuerentlastung kommt, bleibt jedoch abzuwarten. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, dämpfte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) die Hoffnung auf eine baldige Änderung der Stromsteuer. Demnach teilte er mit, dass er keinen Einwand gegen diese Forderung habe, jedoch müsse sie finanzierbar sein.
Der Vizekanzler erklärte: „Wir freuen uns, dass das Wachstum zurück ist. Aber die Annahme, dass sich daraus dauerhaft eine Stromsteuersenkung finanzieren ließe, die kann ich heute nicht bestätigen.“
Categories
gesellschaft ticker vital

Bis zu 170 schwere Pilzvergiftungen pro Jahr

Beim Pilzesammeln im Wald ein giftiges Exemplar erwischen und kurz danach im Krankenhaus landen? Das kann vorkommen – doch die bekannten Zahlen solcher Fälle bewegen sich in Deutschland mit rund 83 Millionen Einwohnern auf eher niedrigem Niveau.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung verweist auf die Gesundheits-Berichterstattung des Bundes, der zufolge es in den vergangenen zehn Jahren pro Jahr etwa 280 bis 680 stationäre Behandlungen im Krankenhaus gab, weil sich Menschen an Pilzen vergiftet hatten.
Zum Tod führt der Griff zum falschen Pilz deutlich seltener: Todesfälle mit dieser Diagnose gab es demnach pro Jahr zwischen null und sieben.

Bis zu 170 schwere Vergiftungsfälle pro Jahr

Weitere Hinweise geben die Giftinformationszentren, von denen es in Deutschland sieben gibt. Das Giftinformationszentrum Nord (GIZ Nord) in Göttingen zählte in den Jahren 2022 bis 2025 jeweils 10 bis 24 schwere Fälle von Pilzvergiftungen und bis zu zwei Todesfälle.
Dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge gehen beim GIZ Nord etwa ein Siebtel der insgesamt in den deutschen Giftinformationszentren eingehenden Anfragen ein.
Rechnet man die Zahlen auf Gesamtdeutschland hoch, ergäben sich somit 70 bis knapp 170 schwere Fälle von Pilzvergiftungen pro Jahr, welche als Anfragen in den Zentren beraten werden – und bis zu 14 Todesfälle.
Das wären etwas höhere Todeszahlen, als die Gesundheits-Berichterstattung des Bundes zeigt.
Pilzesammeln erfreut sich als Beschäftigung im Herbst großer Beliebtheit: Mittlerweile gibt es sogar selbst ernannte Pilz-Influencer.

Pilzesammeln erfreut sich als Beschäftigung im Herbst großer Beliebtheit: Mittlerweile gibt es sogar selbst ernannte Pilz-Influencer.

Foto: Patrick Pleul/dpa

In guten Pilzjahren auch höheres Risiko

Das Bundesinstitut für Risikobewertung verweist darauf, dass die Zahlen jährlich stark schwanken und regionale Unterschiede eine Rolle spielen könnten. So hätten verschiedene giftige Pilze unterschiedliche Standortanforderungen. Außerdem erhöhe sich in Pilzjahren, in denen gute Wetterbedingungen für das Wachstum herrschen, auch die Wahrscheinlichkeit von Pilzvergiftungen.
Zudem dürfte es eine Dunkelziffer geben. Denn nicht jeder Mensch mit einer Vergiftung landet im Krankenhaus oder wird an den entsprechenden Zentren beraten.
Um im Rahmen des Möglichen einen besseren bundesweiten Überblick zu bekommen, ist das Bundesinstitut für Risikobewertung dabei, ein zentrales Vergiftungsregister aufbauen.

Experten warnen vor Verwechslungen

„In Deutschland gibt es sehr giftige Pilze, die essbaren Pilzen zum Verwechseln ähnlich sehen. Das kann auch für erfahrene Sammlerinnen und Sammler gefährlich werden“, sagt Yuri Bruinen de Bruin, Leiter des Nationalen Vergiftungsregisters am Bundesinstitut für Risikobewertung.
Beliebte Speisepilze seien etwa der Wiesenchampignon oder der Frauentäubling. Immer wieder verwechselten Sammler diese Pilze mit dem hochgiftigen Grünen Knollenblätterpilz. Die darin enthaltenen Giftstoffe könnten zu Leberversagen führen, so dass schon der Verzehr geringer Mengen tödlich sein kann.
Kinder und ältere Menschen sind nach Angaben der Behörde besonders gefährdet. Bei ihnen können schon kleine Mengen giftiger Pilze schwere gesundheitliche Schäden verursachen. Zu den Symptomen zählen Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen. (dpa/red)
Der Grüne Knollenblätterpilz ist extrem giftig - und ähnelt harmlosen Champignons. (Archivbild)

Der Grüne Knollenblätterpilz ist extrem giftig – und ähnelt harmlosen Champignons. (Archivbild)

Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Categories
deutschland ticker

Tabaksteuer: Bundestag beschließt Erhöhung – Zigaretten werden teurer

Zigaretten dürften in den kommenden Jahren in Deutschland deutlich teurer werden. Der Bundestag stimmte in der Nacht zu Freitag mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen aus Union und SPD für eine Gesetzesnovelle, mit der die Tabaksteuer schrittweise angehoben wird.
Da die Steueranhebung an die Kunden weitergegeben wird, steigt der Preis von derzeit durchschnittlich gut acht Euro pro 20er-Zigarettenpackung auf voraussichtlich knapp zwölf Euro im Jahr 2030. Markenzigaretten könnten dann bis zu 14 Euro kosten. Auch Feinschnitt – also Tabak zum Selbstdrehen – wird durch die Gesetzesnovelle deutlich teurer als derzeit. Die Steuersätze auf Zigarren, Zigarillos, Shisha-Tabak und Flüssigkeiten für E-Zigaretten werden ebenfalls angehoben.

Mehreinnahmen in Milliardenhöhe eingeplant

Der Bund hofft auf zusätzliche Steuereinnahmen von rund zwölf Milliarden Euro binnen vier Jahren – 2027 sollen es 1,5 Milliarden Euro zusätzlich sein, 2030 schließlich 4,5 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr nahm der Bund über die Tabaksteuer 17,6 Milliarden Euro ein.
An den prognostizierten Steuereinnahmen hat die Tabakbranche Zweifel. Sie befürchtet, dass Raucher auf den Schwarzmarkt ausweichen und legale Händler Einbußen erleiden. Mit dieser Argumentation stießen Branchenvertreter bei einigen Unionsabgeordneten auf Verständnis.
So plädierte der CDU-Abgeordnete Carsten Brodesser für moderate Steueranhebungen, damit die Konsumenten nicht auf Zigaretten aus dem EU-Ausland oder vom Schwarzmarkt umsteigen. „Im Endeffekt erreicht man weder das gewünschte fiskalische Ergebnis noch die Stabilisierung des legalen Tabakmarktes“, warnte Brodesser im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens.
Mit dieser Haltung konnte sich der CDU-Politiker nicht durchsetzen. Am späten Donnerstagabend passierte die Gesetzesnovelle mit den Stimmen von Union und SPD den Bundestag. Zwei Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion stimmten dagegen.

SPD sieht tragfähigen Kompromiss

In der Debatte im Bundestag sagte der SPD-Abgeordnete Ingo Vogel, das Gesetz diene zwar auch der Haushaltskonsolidierung. Aber: „Gleichzeitig wollen wir Preissignale setzen, die dem Gesundheitsschutz dienen, indem der Einstieg in den Nikotinkonsum weniger attraktiv gemacht wird.“
Gut sei zudem, dass die Steuern auf Zigarren und Zigarillos nicht so stark steigen würden wie zwischenzeitlich geplant, sagte Vogel. Bei Liquids für E-Zigaretten habe man hingegen etwas stärker nachgesteuert als ursprünglich vorgesehen. „Gerade günstige Produkte sollen nicht zum einfachen Einstieg in den Nikotinkonsum werden, und deshalb erhöhen wir hier die Preisschwelle.“ Alles in allem handele es sich um einen tragfähigen Kompromiss.
Kritische Äußerungen des Zolls und der Zollgewerkschaft, die vor einer Zunahme des Schwarzmarktes warnen, nehme man „sehr, sehr ernst“, sagte Vogel. Sollte die Nachfrage in illegale Kanäle ausweichen, dann „verlieren wir nicht nur fiskalisch, sondern dann müssen wir uns mehr um kriminelle Strukturen kümmern“, sagte Vogel, der Polizeibeamter ist.

AfD: „Stopfen von Haushaltslöchern“

Widerspruch kam von der AfD. Einerseits begründe die Koalition die Steueranhebung mit Gesundheitsschutz, andererseits rechne sie mit steigenden Steuereinnahmen – das passe nicht zusammen, sagte der AfD-Abgeordnete Christian Douglas. „Das bedeutet, Sie rechnen ja gar nicht damit, dass die Menschen weniger rauchen – und Sie wollen es auch gar nicht.“
Die Gesetzesnovelle diene „einzig und allein dem Stopfen von Haushaltslöchern“. Douglas warnte ebenfalls vor einer Stärkung illegaler Kanäle. „Die erhofften Milliarden bleiben aus, weil die Bürger auf den Schwarzmarkt ausweichen.“

Grüne kritisieren Steuer auf Feinschnitt

Die Grünen sind grundsätzlich für die Anhebung der Tabaksteuer. Das sende „gesundheitspolitische Preissignale“, sagte der Abgeordnete Sascha Müller. Aus seiner Sicht fielen diese aber zu schwach aus. So kritisierte Müller, dass der Steueraufschlag bei Feinschnitt zu gering ausfalle.
Es sei unverständlich, dass dieser Tabak weiterhin deutlich niedriger besteuert werde als die Fabrikzigarette. Damit eigne sich der ebenso gesundheitsschädliche Feinschnitt als Ausweichprodukt. Mit Blick auf den Schwarzmarkt appellierte Müller an die Bundesregierung, dem Zoll die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Neben den Grünen und der AfD stimmte auch Die Linke gegen die Reform.

Fast jeder Fünfte raucht

In Deutschland rauchen Millionen Menschen. Der Mikrozensus 2025 ergab einen Raucheranteil von 19 Prozent unter den Menschen ab 15 Jahren: 14 Prozent rauchen nach eigenen Angaben regelmäßig, 5 Prozent gelegentlich. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum starben im Jahr 2023 rund 131.000 Menschen in Deutschland an den Folgen tabakbedingter Erkrankungen.
Das Gesetzgebungsverfahren endet am Freitag im Bundesrat. Die Länderkammer kann Einspruch gegen die Gesetzesnovelle einlegen, dies deutet sich bisher aber nicht an. Es wird daher damit gerechnet, dass der Bundesrat das Vorhaben billigt. (dpa/red)
Categories
deutschland ticker

Digitale Brieftasche ab 2027: Bundestag ermöglicht Smartphone als Ausweis

Der Bundestag hat den Weg für die Einführung der digitalen Brieftasche freigemacht, die Bürger künftig den Nachweis ihrer Identität per Smartphone ermöglichen soll – etwa um ihr Alter zu belegen oder einen Vertrag abzuschließen.
Ab 2027 solle das Smartphone „zum sicheren und bequemen Ausweis für den Alltag“ werden, erklärte Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU). Eine Herausforderung bleibe allerdings die bislang noch geringe Bekanntheit des Projekts.
Im Bundestag stimmte am Donnerstag die Parlamentsmehrheit von Union und SPD für den Entwurf der Bundesregierung zum sogenannten Digitale Identitätengesetz. Die Fraktionen von AfD, Grünen und Linken votierten dagegen.

Identitätsnachweis per Smartphone

Ziel des Gesetzes ist, dass Bürger künftig ihre Identität per Smartphone nachweisen können, wobei die Nutzung freiwillig bleibt. Außerdem sollen auch die Verwaltung digitaler Dokumente und elektronische Signaturen möglich sein.
Startschuss für die digitale Brieftasche, die in der EU länderübergreifend EUDI-Wallet heißt und in Deutschland auch den Namen d-you trägt, soll der Januar 2027 sein.
Der Handelsverband HDE begrüßte den Bundestagsbeschluss als „wichtigen Schritt“. Entscheidend für den Erfolg der digitalen Brieftasche werde jedoch sein, „dass sie im Alltag einen echten Mehrwert bietet und von möglichst vielen Menschen genutzt werden kann“.

Bitkom: Mehrheit offen für Nutzung

Laut einer vom Digitalverband Bitkom am Donnerstag veröffentlichten Umfrage sind die Deutschen mehrheitlich offen für die Nutzung der digitalen Brieftasche.
Demnach geben insgesamt 53 Prozent der Befragten an, die EUDI-Wallet „auf jeden Fall“ oder „eher schon“ nutzen zu wollen. Jeweils 21 Prozent wollen dies demnach „auf keinen Fall“ oder „eher nicht“ tun; die restlichen fünf Prozent machten keine konkreten Angaben.

Projekt wenig bekannt

Eine Hürde für die Nutzung bleibt laut Bitkom aber die weiterhin geringe Bekanntheit des Projekts: Mit 46 Prozent der Befragten habe fast die Hälfte der Deutschen noch nie von der EUDI-Wallet gehört, erklärte der Digitalverband.
Zu Jahresbeginn waren es demnach 52 Prozent. Für die aktuelle Umfrage wurden im August und September insgesamt 1004 Menschen ab 18 Jahren telefonisch befragt.
Nötig ist nach Auffassung des Digitalverbands daher eine bessere Aufklärung: „Bund, Länder und vor allem die Ämter und Behörden vor Ort müssen rasch und deutlich kommunizieren, welche konkreten Vorteile die Wallet-Nutzung den Menschen bringt“, forderte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.
Digitalminister Wildberger bezeichnete es nach dem Bundestagsbeschluss als großen Vertrauensvorschuss, dass laut der Bitkom-Umfrage schon jetzt mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland die digitale Brieftasche nutzen wolle.
„Wir wollen aber auch diejenigen überzeugen, die das Projekt noch nicht kennen“, fügte er hinzu. „Dafür machen wir den Einstieg so einfach wie möglich“, erklärte Wildberger. „Wir haben den kostenlosen PIN-Rücksetzdienst für den Personalausweis wieder auf den Weg gebracht: Niemand soll mehr aufs Amt müssen, nur um seine Wallet zu aktivieren.“
Der Dienst richtet sich an diejenigen, die den bei der Ausweisbeantragung ausgehändigten PIN-Brief nicht mehr auffinden oder eine selbst gewählte, sechsstellige PIN für den Online-Ausweis vergessen haben. Sie können nun online wieder einen PIN-Rücksetzbrief bestellen, ohne dafür zum Bürgeramt zu müssen. (afp/red)
Categories
ticker wirtschaft

Zwei Wochen Tankrabatt – Kritik an Weitergabe

Der Tankrabatt kommt zwei Wochen nach seinem Start nach Einschätzung von Wirtschaftswissenschaftlern nicht vollständig bei den Verbrauchern an.
Berechnungen von Ifo und DIW sehen teils deutliche Lücken. Auch das Bundeskartellamt sieht keine ganz vollständige Weitergabe. Die Mineralölbranche widerspricht.
Tomaso Duso vom DIW kommt zum Schluss, dass nur rund zwei Drittel der Steuersenkung von 16,7 Cent bei den Verbrauchern angekommen sind. „Seit dem 1. Oktober sind die Preise in Deutschland im Durchschnitt um 10 bis 11 Cent je Liter stärker gesunken als in Frankreich, wo es keinen Rabatt gibt“, sagt er.
Zudem habe die Weitergabe inzwischen nachgelassen: Seit dem 8. Oktober liege sie im Schnitt nur noch bei 9 Cent. Allerdings schränkt Duso ein, dass es für die Frage, wie gut der Rabatt weitergegeben wird, auch auf den Vergleichstag ankomme. Nehme man nicht den 30. September, sondern den 27. September, liege die Weitergabe bei über 80 Prozent.
Das Ifo kommt auf etwas höhere Weitergaben – in der Zeitspanne von 7. bis 13. Oktober bei Superbenzin der Sorte E10 13 Cent, bei E5 14,7 Cent und bei Diesel 13,5 Cent. Auch hier bleibt aber eine Lücke zu den 16,7 Cent Steuersenkung. Insbesondere am vergangenen Wochenende stellten die Münchner Wirtschaftsforscher geringe Weitergaben fest.
Der ADAC beobachtet, wie Duso, eine unvollständige und schrumpfende Weitergabe. Der Verein fordert daher, die Steuersenkung vollständig an die Verbraucher weiterzugeben.

Defizite schon auf Ebene der Raffinerien

Auch das Bundeskartellamt sieht Defizite. „Die bisherigen Auswertungen deuten darauf hin, dass die Weitergabe der Steuersenkung schon auf Ebene der Raffinerien und des Großhandels zwar weitgehend, aber nicht ganz vollständig erfolgt ist“, sagt Präsident Andreas Mundt.
„Bei Benzin ist die Lücke etwas größer als bei Diesel.“ Für eine umfassende Bewertung sei es aber noch zu früh.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) widerspricht: „Auch nach vierzehn Tagen „Tankrabatt 2“ gilt: Die Steuersenkung wird von unseren Mitgliedsunternehmen, den Markentankstellen, in vollem Umfang weitergegeben“, sagt ein Sprecher.
„Was beim Blick auf den reinen Tankstellenpreis oft unbeachtet bleibt: Die Weltmarktpreise für Kraftstoffe sind permanent in Bewegung. So ist der internationale Produktpreis für Benzin Super E10 seit dem 30. September um rund 5 Cent je Liter gestiegen.
Das heißt, der Einkauf hat sich entsprechend verteuert.“ Das spiegle sich auch in den Verbraucherpreisen wider. „Diese sind weiterhin zu jedem Zeitpunkt rund 17 Cent günstiger als ohne den Tankrabatt.“
Aktuell ist Super E10 gut drei Cent teuer als am ersten Tag des Tankrabatts. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Mittwochs kostete ein Liter laut ADAC 2,146 Euro. Diesel ist minimal billiger als am ersten Tag des Tankrabatts – am Mittwoch wurden pro Liter 2,255 Euro fällig.
Beide Preise haben sich in den letzten Tagen nur relativ schwach bewegt. Am Donnerstag zeigten Daten des Spritpreisportals Tankerkönig eine gegenläufige Entwicklung: Erste Werte bis zum Mittag deuteten auf einen Anstieg bei Diesel aber sinkende Preise für Benzin hin.

Im europäischen Vergleich auch mit Rabatt teuer

Im europäischen Vergleich sind Kraftstoffe in Deutschland nach wie vor eher teuer, wie aus Daten der EU-Kommission mit Stand Montag hervorgeht.
Auch mit Tankrabatt war der Durchschnittspreis für E10 der vierthöchste in der EU – deutlich hinter Dänemark, den Niederlanden und Finnland und knapp vor Frankreich. Der deutsche Dieselpreis war der sechsthöchste – deutlich hinter Finnland, Dänemark und den Niederlanden und einige Cent hinter Belgien und Frankreich.
Der Rabatt macht sich allerdings durchaus bemerkbar: Ende September hatte Deutschland bei E10 noch auf Platz drei der teuersten Länder gelegen, bei Diesel auf Rang vier. (dpa/red)
Categories
gesellschaft ticker

Kontobetrug: Banken müssen Geld erst einmal erstatten

Banken müssen Opfern von Kontobetrug das Geld zunächst sofort erstatten, selbst wenn sie ihnen grobe Fahrlässigkeit vorwerfen.
Das stellte der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) in einem Urteil klar. Der Zahlungsdienstleister könne danach die Verluste von Kunden zurückfordern, die auf deren grobe Fahrlässigkeit zurückzuführen seien, hieß es in einer Mitteilung des Gerichtshofs in Luxemburg.

Phishing-Fall aus Polen

Hintergrund war ein Fall aus Polen, bei dem eine Bankkundin Opfer eines Betrugs durch Phishing wurde.
Die Frau hatte einen Artikel auf einer Online-Verkaufsplattform angeboten. Ein Betrüger gab sich als Kaufinteressent aus und schickte ihr einen Link, der angeblich von der Plattform stammte und den Verkauf bestätigen sollte.
Die Frau folgte dem Link und landete auf einer Website, die wie die ihrer Bank aussah. Dort gab sie ihre Zugangsdaten für das Online-Banking ein. Tatsächlich gelangte der Täter so an ihre Daten und überwies rund 700 Euro auf ein eigenes Konto.
Die Kundin meldete den Vorgang am nächsten Tag ihrer Bank. Das Institut lehnte eine Erstattung aber ab: Die Frau habe den Betrug durch grobe Fahrlässigkeit ermöglicht. Die Kundin zog vor ein polnisches Gericht, das dem EuGH den Fall zur Klärung vorlegte.

Verbraucherschützer: In Deutschland ähnliche Praxis von Banken

Einer Expertin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zufolge lässt sich in Deutschland eine ähnliche Praxis beobachten wie in dem polnischen Fall.
Das führe für Verbraucher dazu, dass sie viel Aufwand in die Auseinandersetzung mit ihren Zahlungsdienstleistern investieren müssen, aufgeben oder ungünstige Vergleichsangebote annehmen. Außerdem scheuen die Menschen aufgrund des Prozesskostenrisikos den Rechtsweg, um eine Rückerstattung zu erreichen.
Die Luxemburger Richter stellten klar: Banken müssen Beträge aus solchen Vorgängen sofort erstatten, wenn Kunden sie rechtzeitig informieren.
Nach EU-Recht gebe es nur eine Ausnahme: Wenn es Gründe für den Verdacht gibt, dass Betroffene selbst betrügen, und die Bank dies der zuständigen nationalen Behörde schriftlich mitteilt.
Der Gerichtshof verwies auf das Ziel, ein hohes Maß an Verbraucherschutz zu gewährleisten. (dpa/red)
Categories
gesellschaft ticker

Was eine Zuckersteuer für die Limo-Preise bedeuten könnte

Limonaden, Eistees und andere zuckergesüßte Getränke könnten bald teurer werden. Grund ist eine neue Steuer, die die schwarz-rote Bundesregierung nach längerer Verhandlung jetzt auf den Weg gebracht hat. Als Nächstes wird sie im Bundestag debattiert. Geht es nach Finanzminister Lars Klingbeil (SPD), soll sie schon nächsten Sommer greifen.

Auf welche Produkte soll die Zuckersteuer anfallen?

Besteuert werden gezuckerte Getränke mit einem Gesamtzuckergehalt von mindestens fünf Gramm pro 100 Milliliter. Das geht aus dem Vorschlag hervor, den die Bundesregierung jetzt in den Bundestag gibt. Demnach sind zum Beispiel Limonaden, Eistees, Energydrinks und Fruchtsaftgetränke mit Zuckerzusatz betroffen. Keine zusätzliche Steuer gibt es für Getränke mit Alkohol – sie würden ja ohnehin schon höher besteuert, wird argumentiert. Auch alkoholfreie Biere, Weine oder Cocktails sind ausgenommen.
Reine Frucht- und Gemüsesäfte oder ungesüßte Schorlen werden ebenfalls nicht zusätzlich besteuert, weil hier ja kein Zucker zugesetzt, sondern natürlich vorhanden ist. Anders als zwischenzeitlich von Beamten des Finanzministeriums erwogen, wird die Steuer auch nicht auf Zero-Getränke erhoben, die mit Süßungsmitteln gesüßt werden und dadurch kaum oder keine Kalorien enthalten.

Wie viel teurer könnten die Getränke werden?

Das hängt davon ab, ob die Hersteller die neue Steuer eins zu eins auf die Verbraucher umlegen. Denn erst einmal zahlen sie die Steuer – abhängig davon, wie viel Zucker sie in ihre Produkte mischen. Die Hersteller müssen dann abwägen, ob sie die Mehrkosten selbst tragen, sie ihre Rezepte ändern und weniger Zucker nutzen oder ob sie die Kosten über höhere Preise an die Bürger weitergeben.
Generell sind zwei Stufen vorgesehen. Bei einem Zuckergehalt zwischen 5 und 8 Gramm pro 100 Milliliter sollen je Liter 26 Cent, der Steuersatz für Getränke mit einem Zuckergehalt ab 8 Gramm pro 100 Milliliter soll 32 Cent betragen.
Ausnahmen soll es für kleine, unabhängige Hersteller geben. Allerdings sind hier genaue Grenzen noch offen. Die Bundesregierung möchte alle Betriebe von der Steuer befreien, die bis zu einer Million Liter im Jahr produzieren. Das muss aber von der EU-Kommission erlaubt werden. Sollte die Kommission ein Veto einlegen, soll es zumindest Ausnahmen für Betriebe mit jährlicher Produktionsmenge bis zu 70.000 Liter geben.

Warum das alles?

Die Steuer wird aus zwei Gründen eingeführt. Einerseits soll sie Getränkeherstellern einen Anreiz geben, bei ihren Produkten weniger Zucker zu verwenden. Damit solle die Gesundheit vor allem von Kindern und Jugendlichen geschützt werden, erklärte das Finanzministerium. Übermäßiger Zuckerkonsum führe zu einem erhöhten Risiko für Adipositas (Fettleibigkeit), Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Karies. Das Gesundheitssystem habe dadurch jährlich Kosten von rund 2,1 Milliarden Euro.
Gleichzeitig aber sollen die Einnahmen aus der Steuer den Bundeshaushalt entlasten. Denn Finanzminister Klingbeil muss ohnehin jeden Cent zusammenkratzen, gleichzeitig drohen höhere Beiträge zum Beispiel für die Krankenversicherung. Das wollen Union und SPD verhindern, die Steuereinnahmen sollten deshalb „dazu verwendet werden, die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung stabil zu halten“, erklärte das Ministerium.

Um wie viel Geld geht es?

Der Bund rechnet mit Einnahmen von etwas unter einer Milliarde Euro im Jahr. Konkret sollen im kommenden Jahr 690 Millionen in die Kasse fließen – weil die Steuer ja erst zur Jahresmitte gelten soll. Im Jahr 2028 werden Einnahmen von 925 Millionen erwartet. Danach, so denkt man, könnte sich der Markt anpassen und weniger Zucker verwenden. Deshalb sinken perspektivisch auch die Einnahmen. Für die Folgejahre rechnet das Finanzministerium mit 875 bis 890 Millionen Euro jährlich.

Ist damit alles klar oder gibt es noch Streit?

Während die SPD die Zuckersteuer unterstützt, gibt es vor allem in der Union Gegner. Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) bezeichnete sie in einem Interview vor der Koalitionseinigung als „Teuer-Steuer“. Steigende Lebenshaltungskosten seien eines der größten Probleme in Deutschland, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Eine Zuckersteuer halte ich deshalb für ein falsches Signal, zumal es dabei nicht darum geht, die Gesundheit zu fördern, sondern Bürger wieder zur Kasse zu bitten für die Haushaltslöcher des Bundes.“ Zudem gefährde die Steuer Arbeitsplätze in der meist mittelständisch geprägten Getränkeindustrie.
Die CSU trägt die Steuer im Grundsatz zwar mit, wünscht sich aber einen späteren Starttermin. „Unser Wunschtermin ist der 1. Januar 2028. Dann hätten die Unternehmen Zeit, die Rezepturen umzustellen“, sagte der Chef der CSU-Bundestagsabgeordneten, Alexander Hoffmann, im Frühstart von RTL und ntv. Den bislang vorgesehenen Start zum 1. Juli 2027 sehe die CSU weiterhin „sehr, sehr kritisch“.
Hauptziel sei die Gesundheit von Kindern, deshalb müsse man den Unternehmen Zeit geben, ihre Rezepturen umzustellen. Der Bundeshaushalt sei zwar „auf Kante genäht“, es gebe aber Spielräume, um auf die Einnahmen für 2027 zu verzichten und eine Verschiebung möglich zu machen. Im Bundestag dürften Union und SPD darüber in den nächsten Wochen noch debattieren. (dpa/red)
Categories
deutschland ticker

Steigende Tabaksteuer: Was Raucher künftig für Zigaretten zahlen

Deutschlands Raucher müssen sich auf wesentlich höhere Preise für Zigaretten einstellen. Das liegt an einer Gesetzesnovelle, die steigende Tabaksteuern vorsieht. Hierüber stimmt der Finanzausschuss des Bundestags am Mittwoch ab, die Zustimmung gilt als sehr wahrscheinlich. Am Donnerstag soll das Plenum der Volksvertretung grünes Licht geben. Der Bundesrat könnte am Freitag Einspruch einlegen, das aber gilt als so gut wie ausgeschlossen.

Wie stark die Preise steigen werden

Ab 2027 werden die Steuern und damit auch die Preise dem Vorhaben zufolge schrittweise nach oben gehen, 2030 könnte eine Packung Zigaretten rund vier Euro mehr kosten als derzeit. Der durchschnittliche Packungspreis betrug im Sommer 8,05 Euro. Auf Basis des Gesetzesvorhabens wird für das kommende Jahr ein Durchschnittspreis von 9,10 Euro für eine 20er-Packung prognostiziert.
2028 werden es nach einer weiteren Steueranhebung 9,91 Euro sein, 2029 10,81 Euro und 2030 schließlich 11,78 Euro. Markenzigaretten könnten bis zu 14 Euro kosten, derzeit liegt ihr Preis unter 10 Euro.
Deutlich teurer wird es für Nutzer von Feinschnitt, also selbstgedrehten Zigaretten. „Wenn klassische Zigarettenpackungen teurer werden, weichen viele Raucher auf Feinschnitt aus, um ihren Geldbeutel zu schonen“, sagt Michael von Foerster vom Verband der deutschen Rauchtabakindustrie (VdR).
Nun werde Feinschnitt aber viel teurer und der Preisabstand zu Zigarettenpackungen geringer. Aktuell ist eine 30-Gramm-Packung Feinschnitt für 6 bis 8 Euro zu haben, sie enthält etwa doppelt so viel Tabak wie in einer vorgefertigten 20er-Zigarettenpackung.
Einer Statistik zufolge könnte der gewichtete durchschnittliche Kleinverkaufspreis nach gut acht Euro im kommenden Jahr auf mehr als 12 Euro im Jahr 2030 ansteigen.
Teurer werden auch Zigarren, Zigarillos und Wasserpfeifen-Tabak – bei diesen Produkten geht es aber nicht so steil nach oben wie in dem Gesetzgebungsverfahren zwischenzeitlich erwogen wurde.

Wie viele Extra-Milliarden der Fiskus erwartet

Die Bundesregierung begründet das Vorhaben mit knappen Kassen – das sei ein notwendiger Schritt zur Konsolidierung des Haushalts. Außerdem diene es dem Schutz der öffentlichen Gesundheit. Im vergangenen Jahr nahm der Fiskus 17,6 Milliarden Euro an Tabaksteuern ein. 2027 werde die Steueranhebung 1,5 Milliarden Euro mehr in die Kassen spülen als ohne die Anhebung, heißt es vom Bundesfinanzministerium. Die Steuermehreinnahmen werden der Prognose zufolge Jahr für Jahr steigen, 2030 sollen sie bei 4,5 Milliarden Euro liegen.
Viele Verbraucher werden in den Schwarzmarkt abwandern und sich illegale Zigaretten in Hinterhöfen besorgen oder im EU-Ausland einkaufen, sagt Jan Mücke vom Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE). Er verweist auf eine Studie des Beratungsunternehmens DIW Econ, das ähnliche Steueranhebungen in anderen EU-Staaten analysiert und geschlussfolgert hatte, dass auch in Deutschland Schwarzmarkt-Effekte drohen.
Das Bundesfinanzministerium wiederum argumentiert, dass es zum Ausweichen auf den illegalen Markt keine unabhängigen empirischen Daten gebe. Zudem betont die Behörde, dass der Zoll derartigen illegalen Aktivitäten mit Kontrollen entgegentrete.

Bringt der Preissprung Menschen zum Rauchstopp?

Krebsforscher sind für die Steueranhebung – sie hoffen auf eine abschreckende Wirkung hoher Preise und einen Ausstieg von Rauchern aus ihrem Zigarettenkonsum. „Eine Tabaksteuererhöhung ist die wirksamste einzelne Maßnahme, um Menschen zum Nichtrauchen zu motivieren“, sagt Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).
Die Steueranhebung bedeute nicht zwangsläufig, dass illegaler Handel steige. Die Lieferketten sollten kontrolliert und der Zoll gestärkt werden, sagt Schaller. „Wenn man das mehr unterstützt, sollte das beherrschbar sein mit dem Schwarzmarkt.“

Rauchen ist ein Massenphänomen

Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum starben im Jahr 2023 rund 131.000 Menschen in Deutschland an den Folgen tabakbedingter Erkrankungen.
In Deutschland greifen Millionen Menschen zur Kippe. Der Mikrozensus 2025 kam auf einen Raucheranteil von 19 Prozent der Ab-15-Jährigen: 14 Prozent rauchen eigenen Angaben zufolge regelmäßig und fünf Prozent gelegentlich. (dpa/red)
Categories
ticker wirtschaft

Plus 20 Prozent: Porto kann so stark steigen wie noch nie

Der Briefversand wird sich in Deutschland aller Voraussicht nach so stark verteuern wie noch nie. Die Bundesnetzagentur veröffentlichte in Bonn ihren Plan, dem zufolge das Briefporto zum Januar 2027 um 20,35 Prozent steigen kann. Es geht um den „Preis-Erhöhungsspielraum“ – um diesen Wert soll die Deutsche Post die für die Jahre 2027 und 2028 prognostizierte Gesamtmenge aller Briefe und Postkarten verteuern dürfen.
2022 hatte der durchschnittliche Preisaufschlag 4,6 Prozent betragen; 2025 war mit 10,48 Prozent der bisherige Höchstwert erreicht worden, der sich mit dem neuen Vorhaben nun fast verdoppelt. Die eingeräumten Spielräume für Preiserhöhungen hat die Post bislang immer voll genutzt, das dürfte sie auch dieses Mal tun. Auch Pakete sollen spürbar teurer werden.

Porto für Standardbrief könnte auf 1,14 Euro steigen

Welche Briefart wie teuer wird, steht bislang nicht fest. Das entscheidet die Post später selbst. Sollte sie den Erhöhungsspielraum auf jede Briefart gleich anwenden, würde der Inlandsversand eines Standardbriefs ab Januar 1,14 Euro kosten. Möglicherweise geht die Post aber auch in 5-Cent-Schritten vor, dann werden es also 1,10 oder 1,15 Euro – und in einer anderen Briefart dann etwas mehr oder etwas weniger als der Durchschnittswert es ermöglicht. Bislang werden für einen bis zu 20 Gramm schweren Standardbrief 95 Cent fällig.
Seit 2012 hätte sich das Porto eines Standardbriefs damit in etwa verdoppelt, damals waren es 55 Cent. Neben dem Standardbrief gibt es noch den Maxibrief, Großbrief, Postkarten und weitere Briefarten.
Im Vergleich zu europäischen Nachbarstaaten ist der Briefversand noch relativ günstig. In Österreich liegt das Porto für einen Standardbrief bei einem Euro und in den Niederlanden bei 1,40 Euro. In Frankreich sind es 1,52 Euro – dort steht schon fest, dass das Porto für einen Standardbrief zum Jahreswechsel auf 1,67 Euro steigt.

Es werden immer weniger Briefe verschickt

Im Digitalzeitalter sinkt die Briefmenge seit langem, da die Firmen und Verbraucher immer stärker auf E-Mails und Chatnachrichten setzen. Wurden im Jahr 2005 in Deutschland noch 16,9 Milliarden Briefsendungen verschickt, so waren es 2025 nur noch knapp 9,4 Milliarden. Tendenz weiter sinkend. Die Kosten für die Post steigen hingegen, sie muss recht viele Briefkästen, Filialen und Postboten haben.
In anderen EU-Staaten ist der Wandel noch deutlicher, die Niederländische Post berichtet von einem Rückgang der Briefmenge um 70 Prozent binnen 20 Jahren. In Deutschland fiel der Strukturwandel der Postbranche zunächst vergleichsweise moderat aus, das ändert sich aber allmählich – immer mehr Post von Behörden und Firmen wird auf digitale Kanäle umgestellt.
„Wenn die Kosten unter anderem aufgrund der zunehmenden Digitalisierung auf weniger Briefe zu verteilen sind, steigen die Preise“, sagt der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller. Nach seiner Darstellung wollte die Post einen noch kräftigeren Preisaufschlag genehmigt bekommen: Müller wies darauf hin, dass die Regulierungsbehörde unter den von der Post geforderten Anpassungen geblieben sei und diverse Positionen, die der Bonner Konzern geltend gemacht hat, nicht berücksichtigt habe.

 Neues Porto gilt für zwei Jahre

Die Deutsche Post darf das Porto nicht selbst festlegen, sondern sie ist auf die Zustimmung der Bundesnetzagentur angewiesen. Dies geschieht in einem mehrstufigen „Price-Cap-Maßgrößenverfahren“: Nach dem nun publizierten Entwurf des Erhöhungsspielraums wird die Branche konsultiert, nach den Wortmeldungen der Logistiker legt die Regulierungsbehörde die Vorgabe fest. Danach entscheidet die Post, welche Briefart im Rahmen dieses Erhöhungsspielraums wie teuer wird. Das wiederum prüft die Bundesnetzagentur und gibt dann das Porto für 2027 frei.
Neben den Briefen geht es bei den geplanten Preiserhöhungen auch um Porti für Pakete und für Geschäftskunden-Sendungen, also Post von Firmen und Behörden. Diese sollen ebenfalls steigen – bei Paketen um 10,72 Prozent und damit ebenfalls deutlich höher als vor zwei Jahren, als es 7,21 Prozent gewesen waren. Bei der Geschäftskunden-Post schlägt die Bundesnetzagentur einen Erhöhungsspielraum von ebenfalls 20,35 Prozent vor – es ist der gleiche Wert wie bei Privatkunden. Die neuen Porti gelten für die Jahre 2027 und 2028.

Deutsche Post und DHL sind Marktführer

Die Deutsche Post ist hierzulande mit großem Abstand Marktführer bei Briefen und Paketen. Zu den kleineren Brief-Konkurrenten gehören die Citipost aus Hannover, die Pin Mail GmbH aus Berlin und die BWPost aus Stuttgart – keiner von ihnen ist bundesweit tätig, vielmehr sind sie bei der bundesweiten Zustellung auf den Konkurrenten Deutsche Post angewiesen und zahlen dafür Geld. Zu den Paketkonkurrenten gehören Hermes, DPD, GLS und UPS.
All diese Wettbewerber des Bonner DHL-Konzerns, dessen deutsches Stammgeschäft Deutsche Post AG heißt, sind nicht an die Portovorgaben der Bundesnetzagentur gebunden, da sie kein Universaldienstleister sind – sie haben sich also nicht verpflichtet, überall in Deutschland Sendungen auszutragen und ein engmaschiges Netz an Infrastruktur zu betreiben.
Die Deutsche Post macht circa 85 Prozent ihres Briefgeschäfts mit Firmen- und Behördenkunden und 15 Prozent mit Privatkunden. Unter dem Begriff Privatkunden sind die Briefe gemeint, die in Briefkästen eingeworfen oder in Filialen abgegeben werden – es geht also auch um Sendungen von Steuerberatern, Anwälten, Vereinen und anderen kleinen Firmen, die ihre Briefe selbst frankieren und selbst zum Briefkasten oder in die Filiale bringen.
Bei der Beförderung und Zustellung von Briefen hat die Post einen gewissen Zeitdruck. 95 Prozent der heute eingeworfenen Sendungen müssen nach drei Werktagen beim Empfänger sein und 99 Prozent nach vier Werktagen. Diese staatliche Vorschrift gilt seit Anfang 2025, vorher war der Zeitdruck höher. (dpa/red)
Categories
deutschland ticker

Bericht: Koalition einigt sich offenbar auf Zuckersteuer

Im monatelangen Streit über die Einführung einer Zuckersteuer hat sich die Regierungskoalition offenbar auf einen Kompromiss geeinigt.
Laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung vom Freitag soll die Abgabe zum 1. Juli 2027 in Kraft treten und damit ein halbes Jahr später als ursprünglich geplant. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) lenkte demnach zudem bei den umstrittenen Steuersätzen ein und verwarf Pläne für eine zusätzliche Steuerstufe.

Freigrenze für kleine Hersteller

Um kleinere Hersteller vor bürokratischer Überlastung zu schützen, sieht die Einigung dem Bericht zufolge eine Freigrenze vor: Die Steuer fällt demnach erst ab einer Produktionsmenge von mehr als 70.000 Litern pro Jahr an.
Eine Ausweitung dieser Grenze auf bis zu eine Million Liter jährlich solle zudem europarechtlich bei der EU-Kommission geprüft werden. Während Handwerks- und Familienbetriebe somit entlastet würden, seien Großkonzerne wie Coca-Cola oder Pepsi voll betroffen. Verbraucher müssten sich bei deren Produkten auf spürbare Preiserhöhungen einstellen.

Zwei Steuerstufen vorgesehen

Auch bei der konkreten Ausgestaltung der Tarife gab das Finanzministerium laut „Bild“ nach erheblichem Druck der Union nach. Klingbeil verzichtet demnach auf die Einführung einer dritten, verschärften Steuerstufe.
Es bleibe damit bei dem zweistufigen Modell, das bereits von der zuständigen Kommission für die Reform der gesetzlichen Krankenkassen empfohlen worden war. Die Union hatte ihre Zustimmung zur Reform zuvor ausdrücklich an die Einhaltung dieser Expertenempfehlung gekoppelt.
Die schwarz-rote Koalition hatte sich im Rahmen der Verhandlungen über das Sparpaket für die gesetzlichen Krankenversicherungen auf eine Zuckersteuer geeinigt, wobei sich die Höhe der Abgabe nach dem Zuckergehalt der Getränke richten soll.
Nach dem Bekanntwerden eines Entwurfs aus dem Haus von Bundesfinanzminister Klingbeil hatte das Bundeskanzleramt den Entwurf Anfang Oktober gestoppt. Zuletzt hatte es von Seiten der Regierung geheißen, dass die betroffenen Ministerien bei dem Thema „in guten Gesprächen“ seien und rasch eine Einigung angestrebt werde.
Für eine Zuckersteuer machen sich unter anderem Verbraucherorganisationen und Ärzteverbände stark – vor allem mit Blick auf ernährungsbedingte Krankheiten. International gibt es in zahlreichen Ländern bereits eine derartige Abgabe. (afp/red)
Categories
deutschland ticker

Bilger: Führerschein könnte 1.000 Euro günstiger werden

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat erstmals mögliche Einsparungen durch die geplante Führerscheinreform beziffert. Fahrschüler könnten demnach mehrere hundert Euro, im besten Fall sogar bis zu 1.000 Euro sparen, sagte Bilger im Gespräch mit der „Welt“.
„Mit mehr digitalem Unterricht und einer Bürokratieentlastung wollen wir die Kosten senken“, sagte Bilger. Der Minister verwies zugleich auf „große regionale Unterschiede“ und darauf, dass manche Fahrschüler mehr Fahrstunden benötigten als andere.
Die Kosten für den Führerschein der Klasse B liegen nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums derzeit im Schnitt bei rund 3.400 Euro.
Die geplante Reform soll den Erwerb unter anderem durch mehr digitalen Theorieunterricht, weniger Bürokratie und Änderungen bei der praktischen und theoretischen Prüfung günstiger machen.

Zustimmung und Kritik

Der Sozialverband Deutschland begrüßte Bilgers Ankündigung. Die Kostenexplosion beim Führerschein stelle vor allem junge Leute vor Probleme, die sich häufig verschuldeten, sagte die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier.
„Keinen Führerschein zu haben, kann später auch ein echter Wettbewerbsnachteil am Arbeitsmarkt sein.“ Wichtige Berufe wie Rettungssanitäter, Busfahrer, Behindertenfahrdienste oder auch mobile Pflegekräfte seien aufs Autofahren aber angewiesen.
Bei Fahrlehrern stößt die Reform aber auf breite Ablehnung. Sie warnen, dass das Sicherheitsniveau sinken könnte. Fahrschüler müssten einen Teil der Theoriestunden weiter in Präsenz besuchen müssen, fordern sie. Kritisiert wird auch eine geplante Laienausbildung.
Die Reform muss noch vom Bundestag verabschiedet werden; auch der Bundesrat muss zustimmen. Nach den bisherigen Plänen sollen die neuen Regeln möglichst Anfang 2027 greifen. (dpa/red)
Categories
ticker wirtschaft

„Bürokratiemonster“: Getränkeindustrie fordert kompletten Stopp der Zuckersteuer

Die deutsche Getränkewirtschaft läuft weiter Sturm gegen die geplante Zuckersteuer und fordert einen kompletten Stopp des Vorhabens. Es drohe ein neues „Bürokratiemonster“, warnten Verbände der Branche am Donnerstag.
Zudem treibe die Steuer dem jüngsten Gesetzesentwurf zufolge die Preise weiter nach oben: „Für den klassischen Kasten Limonade oder Cola bedeutet das Mehrkosten von über fünf Euro.“

Starttermin „nicht verantwortbar“

Besonders problematisch ist aus Sicht der Hersteller auch der geplante Start bereits zum 1. Juli 2027.
Weder den betroffenen Unternehmen noch der Zollverwaltung bleibe so ausreichend Zeit zur Vorbereitung. Die Unternehmen müssten unter anderem tausende Produkte steuerlich prüfen und klassifizieren und IT-Systeme umprogrammieren – aber auch Anpassungen an Preislisten, Etiketten, Verträgen oder Sortimentsplanungen vornehmen.
Ein Start zum 1. Juli sei deshalb „nicht verantwortbar“, kritisierten die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke, der Verband Deutscher Mineralbrunnen, der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie, der Deutsche Brauer-Bund und der Verband Private Brauereien Deutschland.
„Wenn der Gesetzgeber wirklich an dem Vorhaben festhält, sind angemessene Übergangsfristen zwingend erforderlich und müssen im parlamentarischen Verfahren nachgebessert werden“, forderten sie.

Belastung für die Wirtschaft

Grundsätzlich dringen die Verbände aber darauf, dass die Steuer ganz fallengelassen wird: „Bundesregierung und Bundestag müssen jetzt die Reißleine ziehen“, erklärten sie.
„Eine Zuckersteuer würde Getränke spürbar verteuern, Unternehmen in einer ohnehin angespannten wirtschaftlichen Lage zusätzlich belasten und einen gewaltigen Bürokratieapparat schaffen.“
Die schwarz-rote Koalition hatte sich im Rahmen der Verhandlungen über das Sparpaket für die gesetzlichen Krankenversicherungen auf eine Zuckersteuer geeinigt, wobei sich die Höhe der Abgabe nach dem Zuckergehalt der Getränke richten soll.
Nach dem Bekanntwerden eines Entwurfs aus dem Haus von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) war das Bundeskanzleramt Anfang Oktober allerdings auf die Bremse getreten und hatte den Entwurf gestoppt. Zuletzt hatte es von Seiten der Regierung geheißen, dass die betroffenen Ministerien bei dem Thema „in guten Gesprächen“ seien und rasch eine Einigung angestrebt werde.
Für eine Zuckersteuer machen sich unter anderem Verbraucherorganisationen und Ärzteverbände stark – vor allem mit Blick auf ernährungsbedingte Krankheiten. International gibt es in zahlreichen Ländern bereits eine derartige Abgabe. (afp/red)
Categories
deutschland ticker

Ifo: Tankrabatt bisher nur teilweise weitergegeben

Der Tankrabatt wird laut Ifo-Institut und ADAC bisher nur teilweise an die Verbraucher weitergegeben. „Beim Diesel haben die Tankstellen in den ersten fünf Tagen von den 17 Cent Steuersenkung je Liter durchschnittlich 15 Cent weitergegeben. Beim Superbenzin E5 waren es durchschnittlich gut 16 Cent und bei Super E10 15 Cent“, sagt Ifo-Experte Florian Neumeier.
Auch der ADAC sieht – vor allem bei E10 noch eine „deutlichere Lücke gegenüber dem rechnerisch möglichen Preisrückgang von rund 17 Cent je Liter“. Bei Diesel komme die steuerliche Entlastung dagegen „zu einem großen Teil bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern an“, heißt es vom Verkehrsclub. Er sieht aber weiter Spielraum für niedrigere Preise.
Wie sehr der Rabatt weitergegeben wird, schwankt laut Ifo von Tag zu Tag: „Am ersten Oktober wurde der Rabatt vollständig weitergegeben, während die Weitergabe am Wochenende unvollständig blieb“, sagt Neumeier. Insbesondere bei Superbenzin der günstigsten Sorte E10 gib es dabei viel Bewegung. Die errechnete Weitergabe sinkt dort von Donnerstag bis Sonntag um rund 7 Cent. Am Montag – die aktuelle Untersuchung geht bis dahin – zeigt sich dann wieder eine weitgehende Weitergabe von mehr als 15 Cent. Bei Diesel verläuft die Kurve ähnlich – wenn auch mit geringeren Ausschlägen nach unten und oben.

Spritpreise geben nach

Zuletzt haben die Spritpreise nach Daten des ADAC nachgegeben. Demnach kostete ein Liter E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Dienstags 2,126 Euro. Das waren 0,6 Cent weniger als am Montag – aber immer noch mehr als ersten Tag des Tankrabatts. Diesel kostete am Dienstag 2,233 Euro pro Liter. Das waren 1,2 Cent weniger als am Montag – und auch weniger als am ersten Tag des Tankrabatts.
Auch am Mittwoch könnte es etwas weiter nach unten gehen. Darauf deuteten zumindest Zahlen des Portals Tankerkönig vom Vormittag hin.

Vergleich mit Frankreich

Die Einschätzungen von ADAC und Ifo sind nicht ganz deckungsgleich. Das liegt daran, dass sie einerseits nicht ganz gleiche Zeiträume vergleichen – beim ADAC wird auch der Dienstag noch einbezogen, zum anderen an der Methodik.
So betrachtet der ADAC die Entwicklung der Preise in Deutschland unter den aktuellen Marktbedingungen. Basis der vom Ifo berechneten Weitergabe ist dagegen ein Vergleich der Preise in Deutschland mit Preisen in Frankreich. Dadurch sollen die üblichen allgemeinen Schwankungen der Spritpreise – unter anderem durch den Ölpreis – ausgeglichen werden. Der Grundgedanke dabei ist, dass die Preisentwicklung in Frankreich abbildet, was unter normalen Umständen auch in Deutschland passiert wäre.
Der Tankrabatt gilt seit dem 1. Oktober. Der Bund verzichtet dabei auf Energie- und Mehrwertsteuer in Höhe von 16,7 Cent pro Liter. Neumeier sieht die Maßnahme – wie viele Wirtschaftswissenschaftler – kritisch. Unter anderem, weil der dämpfende Effekt hoher Preise auch den Verbrauch reduziert. Zudem verzerre der Rabatt Kaufentscheidungen: Wer einen Benziner kaufe, mache sich von der Golfregion abhängig. Das solle der Preis auch zeigen.

„Wenig zielgenau“

„Der Tankrabatt ist außerdem wenig zielgenau“, betont sein Ifo-Kollege Christian Gréus. „Haushalte mit geringem Einkommen, kleinen Autos und geringer Kilometerleistung profitieren kaum von diesem Entlastungspaket.“
Das Ifo will – wie beim ersten Tankrabatt wieder einen Tracker für die Weitergabe online stellen. Im Mai und Juni waren die Wirtschaftsforscher zum Ergebnis gekommen, dass der Rabatt nicht vollständig weitergegeben wurde.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) hat dem stets widersprochen. Am Montag hieß es von dort: „Ohne den Tankrabatt wären die Tankstellenpreise seit Anfang Oktober an ihren Stationen zu jedem Zeitpunkt 17 Cent je Liter höher.“ Man könne allerdings keine Aussage zum deutschen Gesamtmarkt von rund 14.000 Tankstellen treffen. Die en2x-Mitglieder vertreten etwa die Hälfte davon. (dpa/red)
Categories
deutschland ticker

Steuerfreier Diesel: So reagiert Trump auf die hohen Preise

Angesichts der massiv gestiegenen Treibstoffpreise in den USA hat Präsident Donald Trump gut einen Monat vor den Kongress-Zwischenwahlen den Zugang zu steuerfreiem Diesel ausgeweitet. Trump unterzeichnete am Montag ein Dekret, das es allen Bürgern erlaubt, diese Diesel-Art zu kaufen. Bislang ist der Treibstoff landwirtschaftlichen Maschinen und anderen Fahrzeugen vorbehalten, die nicht für den Straßenverkehr bestimmt sind.

Steuerfreier Diesel für alle

Regulärer Diesel kommt in den USA vor allem in Lkw und weiteren Nutzfahrzeugen zum Einsatz. Dazu gibt es auch rot eingefärbten Diesel, der steuerlich begünstigt wird.
Die Anordnung werde „die Beschränkung auf den Geländeeinsatz offiziell aufheben und es jedem ermöglichen, steuerfreien, rot gefärbten Diesel für beliebige Zwecke zu erwerben“, sagte Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Nebraska.
Vielmehr weist der Erlass Finanzminister Scott Bessent an, die auf gefärbten Diesel fällige Steuer, wenn dieser im Straßenverkehr eingesetzt wird, bis zum Jahresende ohne Zinsen oder Strafen auszusetzen. Zudem soll nach Möglichkeiten gesucht werden, die Abgabe gänzlich zu erlassen. Das Weiße Haus erklärte, dass Bundesbehörden und Gouverneure der Bundesstaaten nach eigenem Ermessen Kontrollen aussetzen und auf die Steuerpflicht verzichten könnten, der die Fahrer ansonsten unterliegen würden.

Russland-Ukraine anstelle Iran als Ursache

In dem Informationsblatt wurde der Iran mit keinem Wort erwähnt. Stattdessen wurde der Preisanstieg auf den Krieg zwischen Russland und der Ukraine sowie auf eine weltweite Knappheit an Kapazitäten bei Ölraffinerien zurückgeführt. Zudem wurden die von den Demokraten geführten Bundesstaaten beschuldigt, Raffinerien im Namen einer umweltfreundlichen Energiepolitik geschlossen zu haben.
In den vergangenen Wochen hatte der Dieselpreis erstmals die Marke von sechs Dollar je Gallone (knapp 3,8 Liter) überschritten. Dies hatte Befürchtungen geweckt, ein Anstieg der Transportkosten könnte auch die Lebenshaltungskosten der Verbraucherinnen und Verbraucher weiter in die Höhe treiben. Für die Demokraten sind die Verbraucherpreise das zentrale Wahlkampfthema vor den Zwischenwahlen.
(afp/red)
Categories
deutschland ticker

Warentest und ADAC warnen vor zwei Autokindersitzen: „Lebensgefährliche Mängel“

Die Stiftung Warentest und der ADAC warnen vor dem Kauf von zwei Autokindersitzen – für Kinder in diesen Sitzen bestehe im Ernstfall Lebensgefahr. Beim Britax Römer Baby-Safe Pro mit der Isofix-Basis Vario Base 5Z brach in der Liegeposition beim Frontalcrash das Gurtschloss, beim Axkid Minikid Core gab der Stützfuß so stark nach, dass in der Liegeposition das Gurtschloss samt Schrittgurt herausriss.
„Das Versagen von Gurtschloss oder Stützfuß beim Crash ist inakzeptabel“, erklärte am Dienstag Warentest-Testleiterin Sarah Vasconi. Eltern müssten sich darauf verlassen können, dass ein Kindersitz bei einem Unfall das Kind schütze.
Der Hersteller Britax Römer erklärte gegenüber den Testern, derzeit werde untersucht, wie es zu dem Versagen kommen konnte, eine abschließende Bewertung stehe noch aus. Anbieter Axkid erklärte, der Verkauf des Minikid Core sei eingestellt, ein freiwilliger Rückruf eingeleitet. Betroffene Kunden könnten den Sitz kostenlos austauschen.
Wer den Britax Römer Baby-Safe Pro mit der Isofix-Basis Vario Base 5Z nutze, sollte nur noch die aufrechte Position wählen oder auf den Fahrzeuggurt umsteigen, riet Vasconi. Mit dem Autosicherheitsgurt angeschnallt bestand die Babyschale in aufrechter als auch liegender Position den Crashtest.
Stiftung Warentest und der ADAC prüfen regelmäßig Autokindersitze. Die vollständigen Testergebnisse erscheinen am 20. Oktober.
(afp/red)