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VW-Sparpläne: Emden fürchtet um tausende Arbeitsplätze


In Kürze:

  • VW-Beschäftigte und Unterstützer demonstrierten in Emden gegen die Sparpläne des Konzerns.
  • Oberbürgermeister Tim Kruithoff warnt vor massiven wirtschaftlichen Folgen einer möglichen Werksschließung.
  • Als möglicher Wachstumsmotor gilt künftig auch die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.

 
In Emden ist die Verunsicherung aufgrund der Sparpläne bei VW groß. Am Donnerstag der Vorwoche, 9. Juli, gingen auch in der ostfriesischen Stadt 1.500 Beschäftigte, ihre Angehörigen und Unterstützer für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze auf die Straße. Die IG Metall hatte bundesweit zu einem Aktionstag angesichts der Sparpläne beim Volkswagen-Konzern aufgerufen.
Nach Medienberichten der vergangenen Wochen geht im Konzern die Angst vor einer Streichung von mehr als 100.000 Stellen um. Mindestens vier Standorte in Deutschland seien in Gefahr, darunter auch Emden.
Konzernchef Oliver Blume hatte am Wochenende zwar Erfolge bei Kostensenkungen gewürdigt und erklärt, es gebe „intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen“. Der Vorstand drängt dennoch weiterhin auf drastische Schritte bei VW.

Mögliche Schließung des VW-Werks als Worst-Case-Szenario für Emden

Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff hat im Podcast von „BILD“-Vize-Chefredakteur Paul Ronzheimer Kritik an Politik und Standortbedingungen geübt. Die Produktionsbedingungen in Deutschland, so der OB, seien „alles andere als optimal“. Die Strompreise seien zu hoch, die Förderprogramme zu kompliziert und die Genehmigungsverfahren zu lang.
Im Herbst 2024 hatte der damalige Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) persönlich das Werk in Emden besucht. Man habe, so Kruithoff, damals viele Ideen zur Stärkung der Elektromobilität entwickelt. Allerdings wurde der wenig später abgehaltene Autogipfel zu einem der „enttäuschendsten Termine, die ich in sieben Jahren als Oberbürgermeister erlebt habe“. Keinen der Impulse habe die Regierung umgesetzt.
Gegenüber dem ZDF hatte Kruithoff am Tag der Kundgebung erklärt, das Szenario einer Schließung des dortigen Werkes sei eines, „das wir uns gar nicht ausmalen mögen“. Als VW vor 60 Jahren in die Region gekommen sei, habe das Unternehmen „den Wohlstand nach Ostfriesland gebracht“. Ohne den Wolfsburger Konzern wäre er in der gesamten Region bedroht.

Rückläufige Entwicklung des Absatzes seit Corona

Sollte VW sein Werk schließen, wäre es nicht möglich, die entstehende Lücke vollständig zu füllen, auch, wenn man bereits seit Längerem versuche, weitere Standbeine zu schaffen. Es seien zwar im Laufe der vergangenen Jahre „neue, innovative Arbeitsplätze“ im Bereich der erneuerbaren Energien entstanden. Kruithoff gab jedoch auch zu bedenken:
„Aber den Hochlauf dieser Arbeitsplätze bekommt man gar nicht so schnell hin, wie hier Arbeitsplätze unter Druck stehen.“
Der OB betont, als gelernter Betriebswirt Verständnis für die Situation der Konzernführung angesichts der rückläufigen Absatzzahlen seit Corona zu haben. Allerdings seien die Beschäftigten durch Zugeständnisse in Vorleistung gegangen, um die Fabrikkosten zu senken. Jetzt sei es auch betriebswirtschaftlich gesehen ein logischer Schritt, die Auslastung wieder zu verbessern.
Sollte VW das Werk schließen, wären die Wirkungen auf die gesamte Region verheerend, so Kruithoff gegenüber Ronzheimer. Schon im Vorjahr habe die Debatte über eine mögliche Schließung eine enorme Kaufzurückhaltung in der Bevölkerung bewirkt. Selbst der Weihnachtsmarkt habe deutliche Umsatzrückgänge erlebt.
Kruithoff warnt vor anhaltender Unsicherheit: „Kein Mensch kauft sich dann mehr ein Grundstück, eine neue Küche oder ein Auto.“

Pistorius in Emden – OB wirbt um Marinehafen

Das T&E-Magazin schreibt auf X, nicht die Elektromobilität, die auch in den deutschen VW-Werken zuletzt eine große Rolle gespielt habe, und auch bedrohte Werke wie Emden und Zwickau produzieren ausschließlich E-Autos, sei das Problem.
Während VW, Audi oder BMW über rigide Sparkonzepte sprächen, baue Tesla in Grünheide seinen Standort aus und stelle 1.000 neue Mitarbeiter ein. Und das, obwohl dessen Produkte hochpreisig seien und die Kosten für Produktion und Energie ähnlich hoch.
Aus den Erklärungen von VW klinge durch, dass dessen Struktur „zu komplex und zu langsam“ sei. Tesla hingegen habe keine Verbrenner-Altlasten, keine gewachsenen Parallelstrukturen, und keine komplexen Modellpaletten. Man habe die Plattform so ausgerichtet, dass man bei steigender Nachfrage kurzfristig einstellen und die Produktion hochfahren könne.
VWs Gewinne in China hätten die Ineffizienz in der heimischen Produktionsstruktur kaschiert.
In Emden arbeitet man unterdessen bereits an einem Plan B. Diese waren Vertreter der Dirks Group und Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in der Stadt. OB Kruithoff deutete an, dass man künftig möglicherweise auch Chancen, die sich im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ergeben, nutzen könnte. So warb der Oberbürgermeister beim Minister für Emden als Standort eines neuen Marinehafens.
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Bundestag debattiert über Zukunft der deutschen Autoindustrie


In Kürze:

  • Der Bundestag debattiert auf Antrag von CDU/CSU und SPD über die Zukunft der deutschen Autoindustrie.
  • Die Bundesregierung sieht hohe Standortkosten als zentrales Problem und fordert mehr Technologieoffenheit.
  • Die Opposition streitet über die Ursachen der Krise – von Energiewende bis Transformation zur Elektromobilität.
  • Einigkeit besteht darin, dass die Branche vor tiefgreifenden wirtschaftlichen Herausforderungen steht.

 
Am Donnerstag, 9. Juli, hat der Bundestag in einer Aktuellen Stunde über die Situation der deutschen Autoindustrie debattiert. Die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD hatten diese beantragt. Das Thema lautete „Zukunft deutscher Automobilindustrie gestalten – erfolgreiche Reformschritte für Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und Innovation“ und die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Gitta Connemann (CDU), eröffnete die Aussprache.

Autoindustrie investiert dreistellige Milliardensummen in Forschung und Standorte

Connemann machte deutlich, dass Deutschland ein „Autoland“ sei. Die Branche sichere Arbeitsplätze und sei ungebrochen innovationsstark. Deutsche Autokonzerne und Zulieferer hätten eine immense Zahl an Patentanmeldungen zu verzeichnen.
Bis 2029 werde die Autoindustrie weltweit etwa 320 Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung investieren und weitere 220 Milliarden in neue Werke und moderne Produktion. Deutschland sei bei der Elektromobilität inzwischen der weltweit zweitgrößte Standort.
Allerdings drohten viele der Investitionen ins Ausland abzuwandern. Hohe Energiepreise, Steuern, Abgaben und Bürokratie belasteten den Standort. Die Krise der Automobilindustrie sei deshalb vorwiegend eine Standortkrise. Angesichts drohender Werksschließungen gehe es nicht nur um die Unternehmen selbst, sondern auch um die Schicksale vieler Beschäftigter und ihrer Familien.
Connemann, die auch Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung der CDU ist, forderte vor diesem Hintergrund einen politischen Kurswechsel. Deutschland brauche offene Märkte – auch, wenn China inzwischen der weltweit größte Automarkt sei und Fahrzeuge teilweise unter Dumpingbedingungen exportiere. Unternehmen müssten ihre Kosten senken, zugleich müsse der Staat seine „Hausaufgaben“ erledigen.

Gitta Connemann (CDU), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium. (Archiv)

Foto: via dts Nachrichtenagentur

AfD: Energiewende ist „Standortpolitik für China“

Der von der Bundesregierung beschlossene Abbau von Berichts- und Dokumentationspflichten sei ein Schritt in die richtige Richtung, betonte die Staatssekretärin weiter. Zudem müsse die deutsche Bundesregierung auch auf EU-Ebene die Technologieoffenheit gegen ideologische Vorgaben verteidigen. Ein striktes Verbrennerverbot sei deshalb abzulehnen. Der Plug-in-Hybrid müsse eine Zukunft haben.
Die Mittelstandspolitikerin bezeichnete den Industriestrompreis und die Strompreiskompensation als richtige Schritte. Auch neue Gaskraftwerke und der Ausbau der Stromnetze müssten dafür sorgen, dass die Autoindustrie auf ausreichende und günstige Energie zählen könne.
Für die AfD erklärte Raimond Scheirich, der Stellenabbau bei VW und Insolvenzen zahlreicher Zulieferer seien Folgen einer nachteiligen Wettbewerbssituation, mit der die Branche zu kämpfen habe. Warnungen habe man lange ignoriert.
Scheirich machte die Mobilitätswende und die Energiewende für die Schwächung des Standorts verantwortlich. Diese seien eine „Standortpolitik für China“.
Der Fokus auf die E-Mobilität schaffe eine neue Abhängigkeit – von Seltenen Erden. Der AfD-Politiker forderte eine „180-Grad-Wende“, ein Ende der Energiewende sowie die Abschaffung der EU-Flottenregulierung, welche vorschreibt, wie viel CO₂, die von einem Autokonzern verkauften Pkw ausstoßen dürfen.

SPD für „maßvolle“ Anpassung der EU-Flottenregeln – Grüne: „Verbrenner hat keine Bedeutung mehr“

Der SPD-Abgeordnete Sebastian Roloff verwies auf aktuelle Herausforderungen wie Gewinnwarnungen bei BMW, Krisengespräche bei Volkswagen, die Absatzschwäche in China und Belastungen durch US-Zölle.
Er betonte, es seien hohe Investitionen erforderlich, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Roloff hob Maßnahmen der Bundesregierung hervor, die der deutschen Autoindustrie Luft verschaffen sollten.
Dazu gehörten ein steuerliches Investitionssofortprogramm vom Sommer 2025, genannt Wachstumsbooster, die neuen Kaufanreize für E-Autos sowie die Mautbefreiung für E-Lkw. Auf EU-Ebene sprach sich Roloff für maßvolle Anpassungen der CO₂-Flottenregeln und der ab 2035 geltenden EU-Vorgaben aus, ab wann nur noch emissionsfreie Neuwagen erlaubt sind. Neben der Politik seien aber auch die Unternehmensleitungen gefordert, nicht an Zukunftsinvestitionen zu sparen, betonte der SPD-Politiker. Standortreformen seien auch ohne Entlassungen möglich.
Sandra Detzer von Bündnis 90/Die Grünen warb für eine „sachliche Analyse der Herausforderungen“. Die langjährigen Exporterfolge deutscher Autobauer in China hätten bestehende Schwächen der Autoindustrie verdeckt. Das Auto bleibe ein „Kulturgut“, es müssten jedoch die „Fahrzeuge der Zukunft“ in Deutschland entwickelt und produziert werden.
Dunkle Wolken über Wolfsburg: Der VW-Konzen hat 2025 einen drastischen Gewinneinbruch erlitten.

Dunkle Wolken über Wolfsburg. Der VW-Konzen hat 2025 einen drastischen Gewinneinbruch erlitten.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Linke für Ausbau der Landesbeteiligung an VW

Detzer wies dabei die Darstellung zurück, der Verbrennermotor werde weiterhin eine Rolle spielen. Der elektrische Antrieb sei der „Megatrend“. Dies belegten auch die deutlich gestiegenen Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen in Deutschland und Europa insgesamt. Es sei jetzt an der Zeit, den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu forcieren. Außerdem sei es erforderlich, Förderprogramme für in Europa produzierte Fahrzeuge sowie einen wirksamen Handelsschutz auf EU-Ebene zu gewährleisten.
Für die Linksfraktion sprach der frühere VW-Mitarbeiter Cem Ince. Er betonte, die Beschäftigten der Automobilindustrie hätten bereits nach dem Dieselskandal und dem Chipmangel erhebliche Lasten für Managementfehler getragen. Nun seien sie erneut mit der Gefahr von Werksschließungen und dem Abbau von rund 100.000 Arbeitsplätzen bei Volkswagen konfrontiert.
Die Unternehmensführung habe versagt, während die Konzerne weiterhin Gewinne erwirtschafteten, so Ince. Deshalb sprach sich der Linkspolitiker gegen Änderungen am VW-Gesetz aus und regte notfalls einen Ausbau der Beteiligung des Landes Niedersachsen an. Öffentliche Fördergelder müssten zudem künftig stärker an Beschäftigungs- und Standortgarantien geknüpft werden.

Union will Technologieoffenheit für Autoindustrie bewahren

Tilman Kuban von der Unionsfraktion betonte die lange Tradition des deutschen Automobilbaus. Er kündigte an, die Koalition werde alles dafür tun, dass Deutschland auch künftig ein führender Automobilstandort bleibe. Angesichts nachlassender Exportmärkte müsse man neue Absatzmärkte erschließen und die Produktionskosten senken. Zugleich sei es nötig, den europäischen Automarkt wieder zu stärken und Regulierungen zurückzufahren.
Elektromobilität werde eine wichtige Rolle spielen, so der Unionspolitiker, dürfe jedoch nicht politisch erzwungen werden. Stattdessen plädierte Kuban für einen technologieoffenen Antriebsmix.
Da Verbrennermodelle weiterhin höhere Gewinnmargen erzielten, müssten unterschiedliche Antriebstechnologien parallel bestehen können. Entscheidend sei ein gemeinsames Vorgehen von Unternehmen und Gewerkschaften.
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Ex-BMW Kommunikationschef Gaul: „Ich würde heute kein Autowerk mehr in Deutschland bauen“


In Kürze:

  • Deutsche Autobauer stehen unter Druck, sind laut dem Ex-Kommunikationschef von BMW aber weiterhin wettbewerbsfähig.
  • Richard Gaul: China ist weniger Bedrohung als oft dargestellt; entscheidend sind Kosten, Märkte und Strukturen.
  • Gaul: Die Branche muss lokaler denken, flexibler produzieren und Technologieoffenheit bewahren.

 
Die deutsche Automobilindustrie steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Schwache Absatzmärkte, wachsende Konkurrenz aus China, hohe Kosten und der schwierige Übergang zur Elektromobilität setzen die Hersteller unter Druck. Dennoch sieht Richard Gaul, ehemaliger Kommunikationschef von BMW und seit rund 50 Jahren Kenner der Branche, die Zukunft der deutschen Autobauer keineswegs düster. Im Interview mit Epoch Times erklärt er, warum die deutschen Hersteller besser aufgestellt sind, als vielfach behauptet, welche Fehler Politik und Manager gemacht haben und weshalb sich die Automobilindustrie grundlegend verändern muss, um im globalen Wettbewerb zu bestehen.
Herr Gaul, wie ernst ist die Lage der deutschen Automobilindustrie? Erleben wir lediglich eine schwierige Phase oder verändert sich die Branche grundlegend?
Die Antwort liegt dazwischen. Die gegenwärtige Situation ist schwieriger als viele Krisen der Vergangenheit, auch wenn es schon damals gewaltige Herausforderungen gab. Heute haben wir es allerdings nicht mit einer einzelnen Belastung zu tun, sondern mit einer Vielzahl von Problemen gleichzeitig: Steuern, Energiepreise, die Stimmung rund um das Auto und vor allem die Debatten über Zölle.
Die deutsche Automobilindustrie galt über Jahrzehnte hinweg als eine der erfolgreichsten Branchen des Landes. Was ist von diesem Erfolgsmodell geblieben?
Die Frage ist mir zu negativ gestellt. Die deutsche Automobilindustrie ist nach wie vor eine der wichtigsten Branchen des Landes. Sie wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch diese Krise bewältigen. Ob alle Marken langfristig weltweit bestehen bleiben, ist eine andere Frage.
Grundsätzlich verfügt die deutsche Automobilindustrie weiterhin über einen erheblichen Standortvorteil: Forschung und Entwicklung in Deutschland. Wenn die Sonne scheint, holt man bekanntlich keinen Regenmantel heraus. Die gegenwärtigen Belastungen führen nun dazu, dass notwendige Veränderungen beschleunigt werden. Volkswagen beispielsweise hatte schon lange zu viele Beschäftigte. Aufgrund der Aktionärsstruktur und des Einflusses des Landes Niedersachsen wurde dieses Problem jedoch nie grundlegend gelöst. Jetzt findet offenbar eine tiefgreifende Restrukturierung statt. Am Ende wird Volkswagen wahrscheinlich besser dastehen als zuvor.
Lange Zeit war China der wichtigste Wachstumsmarkt der deutschen Hersteller. Heute kommen von dort einige ihrer stärksten Konkurrenten. Haben die deutschen Autobauer diese Entwicklung unterschätzt?
Man hat vor allem nicht damit gerechnet, dass China selbst so schnell in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten würde. Das Land befindet sich in einer schweren Krise, insbesondere die Immobilienprobleme halten seit Jahren an.
Vor etwa zehn Jahren erzielten die deutschen Hersteller noch große Gewinne in China und den Vereinigten Staaten. Heute fällt China als bedeutender Gewinnbringer weitgehend aus. Wenn die Menschen wirtschaftliche Probleme haben, kaufen sie sich keinen teuren Sportwagen aus Deutschland. Der Ergebnisbeitrag aus China ist deshalb dramatisch geschrumpft. In den Vereinigten Staaten sehen wir eine ähnliche Entwicklung, wenn auch nicht in derselben Schärfe. Die beiden wichtigsten Ertragsmärkte bringen weniger Geld als früher. Dabei darf man eines nicht vergessen: Die deutschen Automobilhersteller machen nach wie vor Gewinne.
Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller auf den europäischen Markt. Was machen sie besser als ihre deutschen Konkurrenten?
Besser machen sie zunächst einmal nichts. Ihre Produkte sind vor allem billiger. Ich bin seit rund 50 Jahren in der Automobilindustrie tätig. Vor 40 Jahren kamen die Japaner, vor 20 Jahren die Koreaner. Jetzt kommen die Chinesen. So ist der Lauf der Welt: Neue Wettbewerber treten auf.
Allerdings tun sich die chinesischen Hersteller in Deutschland schwerer, als es die öffentliche Wahrnehmung vermuten lässt. Wenn in den Medien Bilder von großen BYD-Frachtern gezeigt werden, entsteht schnell der Eindruck, der Markt werde geradezu überrollt. Tatsächlich kommen die chinesischen Hersteller Schritt für Schritt.
Woran liegt das?
Unter anderem am deutschen Vertriebssystem. Die Bedeutung eines funktionierenden Händlernetzes war vielen Newcomern aus China offenbar nicht in vollem Umfang bewusst. Sie müssen nun mühsam eigene Strukturen aufbauen und Händler finden, die ihre Marken vertreten. Das dauert.
Kann die deutsche Automobilindustrie verlorene Marktanteile in China zurückgewinnen?
Die Situation vor zehn Jahren war außergewöhnlich. Vor allem der Volkswagen-Konzern hatte mit seinen Marken einen absurd hohen Marktanteil. Dass solche Marktanteile nicht dauerhaft zu halten sein würden, sobald chinesische Hersteller wettbewerbsfähige Fahrzeuge anbieten, war abzusehen. Volkswagen hat so lange wie möglich von den bestehenden Strukturen profitiert. Jetzt muss sich der Konzern anpassen.
Ich würde es so zusammenfassen: Ich mache mir keine Sorgen um die deutsche Automobilindustrie. Ich mache mir Sorgen um die Automobilindustrie in Deutschland.
Was ist der Unterschied?
Angesichts der strukturellen Belastungen werden die deutschen Hersteller ihre Produktion in Deutschland zumindest nicht ausbauen. Stattdessen werden sie ihre Produktion an anderen Standorten verstärken. Das muss nicht unbedingt China sein. Das größte Einzelwerk von BMW befindet sich beispielsweise inzwischen in den Vereinigten Staaten. Auch Ungarn wird als Produktionsstandort wichtiger. Dort liegen die Energie- und Personalkosten erheblich niedriger. Natürlich werden Automobilhersteller solche Standorte nutzen. Genau deshalb mache ich mir Sorgen um die Automobilproduktion in Deutschland.
Deutschland wollte bei der Elektromobilität einmal Vorreiter sein. Heute entsteht häufig der Eindruck, dass chinesische Hersteller und Tesla das Tempo bestimmen. Was ist schiefgelaufen?
Bis vor wenigen Jahren hat weltweit kaum ein Hersteller mit Elektroautos Geld verdient. Die deutschen Hersteller waren deshalb bei der Markteinführung zurückhaltend. Warum sollte man Autos in großen Stückzahlen verkaufen, mit denen sich kein Gewinn erzielen lässt?
Inzwischen hat sich die Situation geändert. Auch die deutschen Hersteller verfügen inzwischen über ein breites Angebot an Elektroautos. Technologisch führende Fahrzeuge kommen heute durchaus aus Deutschland. Mercedes und BMW bieten große Reichweiten und moderne Batterietechnologie. Die Technologieführerschaft liegt keineswegs grundsätzlich in China. Man muss auch berücksichtigen, dass viele chinesische Hersteller bislang vor allem in günstigeren Marktsegmenten stark sind.
Dennoch stehen gerade deutsche Hersteller bei der Elektromobilität unter erheblichem Druck.
Interessanterweise haben diejenigen Unternehmen die größten Probleme beziehungsweise Gewinneinbrüche, die besonders stark auf Elektromobilität gesetzt haben. Volkswagen hat ganze Werke für Elektroautos umgebaut. Heute gibt es dort teilweise Kurzarbeit, weil die Nachfrage hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Wurde der Verbrennungsmotor politisch und strategisch zu früh abgeschrieben? Oder halten die deutschen Hersteller zu lange an dieser Technologie fest?
Schon die politische Fragestellung „entweder oder“ ist falsch. Es geht um ein Sowohl-als-auch. Unter den deutschen Herstellern ist BMW besonders erfolgreich, und BMW bietet alle Antriebsarten an. In denselben Werken und teilweise auf denselben Produktionslinien entstehen Elektroautos, Diesel-, Benzin- und Hybridfahrzeuge sowie teilweise sogar Wasserstofffahrzeuge.
Der Kunde entscheidet, was er kaufen möchte. Der Fehler der Politik bestand darin, zu glauben, man könne diese Entscheidung vorschreiben. Und der Fehler mancher Manager bestand darin, den politischen Vorgaben zu sehr zu vertrauen.
Ich selbst fahre seit drei Jahren ein Elektroauto. Dass dem Elektroauto die Zukunft gehört, steht für mich außer Frage. Ob der entscheidende Durchbruch nun 2030, 2033, 2035 oder 2037 erfolgt, ist letztlich nicht entscheidend. Elektroautos werden sich mittelfristig durchsetzen, während Benzin- und Dieselfahrzeuge an Bedeutung verlieren werden. Aber es wird große Regionen auf der Welt geben, in denen die notwendige Ladeinfrastruktur auf absehbare Zeit fehlen wird. Dort werden Verbrennungsmotoren noch lange eine Rolle spielen.
Bei Verbrennungsmotoren hatten die deutschen Hersteller einen technologischen Vorsprung. Beginnt der Wettbewerb mit dem Elektroauto wieder bei null?
Im Wesentlichen ja. Bei Verbrennungsmotoren hatten die Deutschen einen erheblichen technologischen Vorsprung. Beim Elektroauto wurden die Karten neu gemischt. Aber auch dort sind die deutschen Hersteller keineswegs schlecht aufgestellt. Mein derzeitiges Elektroauto hat eine Reichweite von rund 550 Kilometern. Das Nachfolgemodell kommt auf etwa 850 Kilometer. Eine solche Entwicklung zeigt, wie schnell die Technologie voranschreitet.
Lange hieß es, das Auto der Zukunft werde zum „Smartphone auf Rädern“.
Das ist ein schöner Satz, aber inhaltlich Unsinn. Ein Auto hat vier etwa handtellergroße Flächen, die über Leben und Tod entscheiden: die Kontaktflächen der Reifen mit der Straße. Wer die grundlegenden Anforderungen des Automobilbaus nicht beherrscht, wird langfristig am Markt keine Chance haben oder zumindest sehr viel Lehrgeld bezahlen müssen.
Angenommen, Sie müssten heute über den Bau eines neuen Werkes entscheiden. Würden Sie es in Deutschland errichten?
Nein.
Warum nicht?
Deutschland ist zu teuer. Ich würde das Werk in Europa bauen, möglichst in räumlicher Nähe zum Forschungs- und Entwicklungsstandort. Bei BMW wäre das München, bei Audi Ingolstadt, bei Mercedes Stuttgart und bei Volkswagen Wolfsburg. Ein Produktionsstandort sollte so gelegen sein, dass das Management ihn bei Bedarf schnell erreichen kann.
Aber ich würde nicht in Deutschland bauen. Die Energiepreise sind zu hoch. Hinzu kommt das demografische Problem. Zwar haben wir genügend Ingenieure, die Autos entwickeln können, aber zunehmend zu wenige Menschen, die sie bauen.
China unterstützt seine Industrie strategisch, die Vereinigten Staaten schützen ihren Markt. Deutschland und Europa setzen stark auf Regulierung. Ist die Politik im globalen Wettbewerb zu naiv?
Die Automobilhersteller sind nicht naiv. Die Politik ist häufig zu langsam. Die Automobilindustrie ist seit Jahrzehnten eine globale Industrie. Die Unternehmen sind international aufgestellt und beschäftigen Menschen aus allen wichtigen Märkten. Wer China verstehen will, muss die Chinesen fragen, die für das eigene Unternehmen arbeiten.
Um zu verstehen, was in einzelnen Ländern und Märkten geschieht, muss man Menschen aus diesen Regionen in die Unternehmen holen und ihnen zuhören. Der Staat als Regulierer ist dagegen fast immer zu spät.
Welchen Anteil haben die Manager der deutschen Autokonzerne selbst an der heutigen Situation?
Natürlich haben sie Fehler gemacht. Wer den Vorgaben der Politik blind gefolgt ist, hat heute größere Probleme als diejenigen, die gesagt haben: Die Politik mag ihre Ziele formulieren, aber wir müssen unsere Entscheidungen aufgrund unserer eigenen Marktkenntnisse treffen.
Volkswagen beispielsweise hat sehr stark auf Elektromobilität gesetzt und die Produktion teilweise zu schnell umgestellt. BMW verfolgt einen anderen Ansatz und baut unterschiedliche Antriebsarten auf denselben Linien. Trotzdem ist das Unternehmen bei Elektroautos sehr erfolgreich.
Volkswagen hat zudem zeitweise darauf gesetzt, dass ein Elektroauto anders aussehen müsse als ein Benziner oder Diesel. Die Nachfrage nach diesen Fahrzeugen ist nicht so stark gestiegen wie erwartet. Nun muss der Konzern umsteuern und wieder mehr Verbrenner produzieren. In drei oder fünf Jahren kann die Situation schon wieder anders aussehen und die Nachfrage nach Elektroautos deutlich steigen.
Wird es Unternehmen wie BMW, Mercedes und Volkswagen in 20 Jahren noch geben?
Nicht in ihrer heutigen Form. Sie sehen heute schließlich auch völlig anders aus als vor 20 Jahren und vor 20 Jahren sahen sie anders aus als vor 50 Jahren. Unternehmen müssen sich ständig verändern.
Ich glaube, dass Forschung und Produktion künftig räumlich stärker voneinander getrennt sein werden. Schauen Sie sich Apple an. Das Unternehmen entwickelt seine Produkte in den Vereinigten Staaten, dort sitzen Forschung, Marketing und Design. Produziert wird dagegen weitgehend in Asien.
Eine ähnliche Entwicklung wird es in der Automobilindustrie geben. Forschungs- und Entwicklungsstandorte müssen nicht mehr zwangsläufig dort liegen, wo der Großteil der Fahrzeuge produziert wird. Produktionswerke in unmittelbarer Nähe der Entwicklungszentren wird es weiterhin geben. Aber ein wachsender Anteil der Produktion dürfte dort stattfinden, wo kostengünstiger produziert werden kann.
Gleichzeitig müssen die Hersteller ihre Fahrzeuge stärker an einzelne Märkte anpassen. Ist die Idee vom „Weltauto“ damit gescheitert?
Ja, die Vorstellung, ein einziges Auto für die ganze Welt zu bauen, ist vorbei. Die deutschen Hersteller passen ihre Werke und Produkte schon heute stark an die jeweiligen lokalen Gegebenheiten an. Ein Beispiel ist China: Käufer großer und teurer Limousinen sitzen dort häufig auf der Rückbank, während deutsche Kunden eher selbst fahren. Deshalb gibt es für den chinesischen Markt Modelle mit deutlich verlängertem Radstand.
Solche Unterschiede werden künftig noch wichtiger. Fahrzeuge müssen an die lokale Nachfrage angepasst werden – dazu gehört auch der Preis. Deshalb brauchen internationale Unternehmen Mitarbeiter aus den jeweiligen Regionen. Entscheidend ist allerdings, dass ihnen auch zugehört wird. Es reicht nicht aus, wenn ein lokaler Manager seinen Markt versteht, seine Erkenntnisse aber in der Konzernzentrale nicht ankommen. Die Wünsche der Kunden müssen bis in die Bereiche Forschung und Entwicklung vordringen.
Die Automobilindustrie muss also lokaler und zugleich globaler werden?
Genau. Sie muss lokal denken, aber global produzieren und managen. Und dazu sind die deutschen Hersteller grundsätzlich in der Lage.
Müssen wir uns dann um die Zukunft der deutschen Automobilindustrie keine Sorgen machen?
Nein, um die deutsche Automobilindustrie mache ich mir keine grundsätzlichen Sorgen. Die Zukunft der Automobilproduktion in Deutschland ist allerdings eine andere Frage. Die Rahmenbedingungen müssen sich dramatisch verändern und verbessern, damit die industrielle Automobilproduktion hierzulande langfristig eine Zukunft hat.
Vielen Dank für das Gespräch!
Das Gespräch führte Patrick Langendorf.
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Porsche holt Cayenne-Produktion von Bratislava nach Leipzig

Porsche will die Produktion des wichtigen SUV-Modells Cayenne offenbar mit allen drei Antriebsvarianten von Bratislava nach Leipzig verlagern. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf Arbeitnehmerkreise. Der Sportwagenhersteller wolle so die Auslastung des Werks in Sachsen langfristig absichern.
Voraussetzung sei allerdings, dass die Arbeitnehmerseite sich auf eine spürbare Absenkung der Löhne einlasse, weil die Entgelthöhen in der Slowakei deutlich unter dem Niveau der deutschen Porsche-Mitarbeiter lägen.
Dass Porsche-Chef Leiters die gesamte Produktion des Cayenne trotzdem aus der Slowakei abziehen wolle, gründe auf den Überkapazitäten in Deutschland. Porsche habe das Problem, dass weder das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen, in dem die Sportwagen vom Band laufen, noch die SUV-Fabrik in Leipzig ansatzweise ausgelastet sei.

Verhandlungen über Löhne laufen

Das Unternehmen selbst wollte sich auf Anfrage der FAZ nicht zu dem Plan äußern. Ein Sprecher bestätigte aber laufende Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite. Auch der Gesamtbetriebsrat bestätigte die Gespräche.
„Allerdings sind noch einige Themen offen, über die es zu diskutieren gilt“, ließ der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats Ibrahim Aslan mitteilen. „Im Sinne der Belegschaft und des Unternehmens ist es unser Anliegen, zügig voranzukommen. Wann und wie das der Fall sein wird, hängt von den nächsten Wochen ab.“
Klar sei aber, dass vor allem das Werk in Leipzig eine Durststrecke überstehen müsse. Bis die neuen Modelle kämen, dauere es noch, und die Verlagerung der Cayenne-Produktion sei ebenfalls keine kurzfristige Lösung.

Weitere Stellenstreichungen geplant

Nachdem Porsche in den vergangenen Monaten bereits die Verträge von mehreren 100 Zeitarbeitern nicht verlängert habe, wolle das Unternehmen bis August 200 Arbeitsplätze mit freiwilligen Aufhebungsverträgen und Abfindungsangeboten abbauen. Zudem sollten bis zu 400 Mitarbeiter mit einer sogenannten „Drehscheibe“ zeitweise nach Wolfsburg abgeordnet werden.
Die Maßnahmen seien alle Teil einer umfassenden Neuausrichtung, die Leiters in allen Einzelheiten auf einem Kapitalmarkttag im Oktober vorstellen wolle.
Der Porsche-Chef wolle die Zahl der verschiedenen Modellvarianten reduzieren, die Entwicklung des Herstellers umbauen und Synergien mit der Muttergesellschaft VW nutzen. Vor allem aber plane er einen weiteren Stellenabbau.
Am Stammsitz in Zuffenhausen und im Entwicklungszentrum in Weissach stehen nach Informationen der FAZ aus Unternehmenskreisen Stellen in niedriger vierstelliger Höhe zur Disposition. (dts/red)
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Pistorius sieht weiterhin keinen Bedarf für Wehrpflicht

Trotz erkennbarer Personalengpässe sieht Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) derzeit keinen Bedarf für eine allgemeine Wehrpflicht. Die Truppe wachse und man behalte die Entwicklung im Auge, sagte Pistorius der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstagsausgabe).
Natürlich stehe die Frage im Raum, was sei, wenn man in ein paar Jahren mehr freie Plätze als geeignete Bewerber habe. Es sei von Anfang an in der Koalition vereinbart gewesen, dass man dann gegensteuern müsse, erklärte er.
Das werde aber nicht mit einer allgemeinen Wehrpflicht geschehen, „denn dafür hätten wir auf absehbare Zeit weder genügend Ausbilder noch die Infrastruktur“, so Pistorius. „Sondern nur mit einer Bedarfswehrpflicht.“ Aber auch diese Frage stelle sich derzeit nicht. „Insofern bleibt Freiwilligkeit das Gebot der nächsten Jahre.“
Der Verteidigungsminister sprach sich dafür aus, die Erfahrungen und Kompetenzen der Autobauer stärker auch für die Rüstungsindustrie zu nutzen.
Dafür sei ein Runder Tisch ins Leben gerufen worden. „Die Vertreter dieser unterschiedlichen Branchen tauschen sich aus – auch mit Zulieferern, Start-ups und relevanten Playern des Finanzsektors“, sagte Pistorius.
Gemeinsam könne man zum Beispiel für sichere, robuste Lieferketten sorgen oder Lieferengpässe abfedern. Militärische Überlegenheit sei zudem heute nicht mehr nur durch Hochtechnologie zu erreichen, sondern etwa „auch durch den Einsatz von massenhaften, kostengünstigen Drohnen“. Es brauche beides, erklärte der Minister. „Am Ende macht es also die Mischung aus Masse und Klasse.“
Zum Scheitern des Fregattenprojekts F126 für die Marine erläuterte Pistorius, die Prüfungen in seinem Haus hätten ergeben, dass die Gesamtkosten auf mehr als 18 Milliarden Euro ansteigen würden. „Wir reden also von einem Plus in Höhe von sage und schreibe acht Milliarden Euro. Das geht nicht.“
Was gemeinsame Rüstungsprojekte und die Zukunft der Beziehungen angeht, so bekannte sich Pistorius nach dem Scheitern von FCAS zur deutsch-französischen Zusammenarbeit und Freundschaft: „Ja, ganz klar: Vive l`amitié franco-allemande.“
Zu seinen eigenen politischen Ambitionen, etwa als Kanzlerkandidat der SPD, sagte Pistorius, er habe gelernt – auch aufgrund ganz persönlicher Erfahrungen – dass man sein Leben und seine Karriere nicht durchplanen könne. „Ich bin sehr gern Verteidigungsminister und mit dieser Aufgabe auch noch lange nicht fertig.“
Natürlich schmerzten ihn die schlechten Umfragewerte und die jüngsten Wahlergebnisse. „Die können wir aber nicht einzelnen wenigen Personen anlasten. Alle, die in Verantwortung sind, sind gefordert, aus dem Tief herauszukommen“, erklärte Pistorius. Er habe, so der derzeit beliebteste Politiker seiner Partei, „großes Vertrauen in Lars Klingbeil und in Bärbel Bas“. (dts/red)
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Bericht: EU bereitet Zölle auf chinesische Hybridautos vor

Die EU-Kommission will Ausgleichszölle gegen chinesische Hybridautos verhängen. Das berichtet das „Handelsblatt“ (Freitagausgabe) unter Berufung auf hochrangige EU-Beamte und Industriekreise.
Die Untersuchung sei bereits vorbereitet, sagten drei Beteiligte dem Blatt. Daher könne die EU-Kommission rasch Zölle verhängen, sobald eine Mehrheit der EU-Staaten zustimmt. Ziel seien zusätzliche Ausgleichszölle auf Fahrzeuge chinesischer Hersteller wie BYD, Chery und SAIC.

Hersteller weichen auf Hybridmodelle aus

Die EU erhebt seit Mitte 2024 Ausgleichszölle gegen subventionierte chinesische E-Autos. Seitdem seien viele chinesische Hersteller dazu übergegangen, Hybridautos in die EU zu exportieren, um so die Zölle zu vermeiden, hieß es.
Auch die europäische Industrie sieht Handlungsbedarf. „Die Chinesen waren da sehr agil, die haben schnell das Schlupfloch gesehen und ausgenutzt“, sagte ein Industriemanager. Es sei eine offene Flanke. Die EU müsse sie schließen. (dts/red)
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Autohändler: E-Auto-Prämie fließt vor allem nach China

Die milliardenschwere neue E-Auto-Prämie der Bundesregierung fließt bisher offenbar fast ausschließlich an ausländische Autohersteller, besonders aus China. Das sagte der Präsident des Verbands der Automobilhändler Deutschlands (VAD), Burkhard Weller, dem Nachrichtenmagazin Politico.
Wenn der Verband seine Autohäuser frage, welche Autos mit der Prämie gekauft werden, sei die Antwort unisono „die Klasse zwischen 20.000 und 30.000 Euro“ gewesen, sagte Weller. „Und was haben wir da? Chinesische Autos.“

Chinesische Hersteller profitieren

In den 42 Autohäusern seiner eigenen Weller-Gruppe habe sich der Absatz preiswerter Autos aus China im Mai mehr als verdoppelt. „Bei BYD waren es 235 Prozent“, sagte der Verbandspräsident.
Deutsche Autos fehlten noch in dieser Preisklasse. Der ID.Polo von VW soll erst im September kommen. Aus der EU gebe es „ein bisschen Renault und Peugeot, etwas Seat und Cupra. Dann wird es dünn“, sagte Weller.
Die Wirkung der deutschen Auto-Prämie ist auch deshalb heikel, weil die EU die Industrie gegen Konkurrenz aus China schützen will. Der „Industrial Accelerator Act“ etwa sieht Made-in-EU-Vorgaben für staatliche Förderungen vor.
Die Prämie kann für alle E-Autos beantragt werden, die seit dem 1. Januar 2026 zugelassen wurden. Sie gilt nur für Neuwagen und beträgt abhängig von Auto, Einkommen und Kinderzahl bis zu 6.000 Euro. Im Fördertopf liegen 3,5 Milliarden Euro.

Händler bezweifeln Lenkungswirkung

Weller widersprach Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), der die neue Förderung gelobt hatte. Bisher sei vor allem der Rückstau geplanter Käufe eingereicht worden, sagte Weller. Die Prämie wurde Anfang Dezember 2025 angekündigt, aber noch ohne Details.
„Das hat zur Kaufzurückhaltung beigetragen“, die sich nun auflöse. Hinzu kämen Mitnahmeeffekte von Kunden, die ohnehin ein E-Auto kaufen wollten. Auf die Frage, wie die Prämie am Ende wirklich wirke, sagte Weller: „Stand heute ist meine Prognose null (…). Wegen der Prämie tauscht keiner sein Auto auf Elektro.“
Wenn schon eine Förderung, dann hätten auch Gebrauchtwagen einbezogen werden sollen. Noch wichtiger seien aber mehr Lademöglichkeiten, niedrigere Strompreise und besonders Preistransparenz an den Ladesäulen.
Sein Vorschlag: „Machen wir an Ladesäulen endlich wie beim Telefon-Roaming. Man schließt zuhause einen Tarif ab, und diesen Preis hat man über das Roaming dann an jeder Säule.“ (dts/red)
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E-Autos: VW will Fünf-Minuten-Laden ab 2030 im Massenmarkt anbieten

Volkswagen rechnet damit, Elektroautos mit extrem kurzen Ladezeiten für den Massenmarkt Anfang der 2030er-Jahre anbieten zu können. Das sagte VW-Vertriebschef Martin Sander dem Podcast „Vorangedacht“ des Nachrichtenportals „T-Online“.
„Im Labor können wir das heute schon“, sagte Sander. „Zu einem sehr hohen Preis für eine sehr exklusive Anzahl an Kunden werden wir das sehr bald können.“

Fünf-Minuten-Laden ab 2030

Volkswagen wolle jedoch Fahrzeuge anbieten, die für viele Kunden interessant und erschwinglich seien. Da werde das Thema „Fünf Minuten von 10 auf 80 Prozent“ möglicherweise noch ein bisschen dauern.
Auf die Frage nach einem konkreten Zeitraum sagte Sander: „So Richtung Anfang des nächsten Jahrzehnts, wenn ich mich jetzt festlegen soll.“
Der chinesische Hersteller BYD hatte kürzlich mit der „Flash-Charging-Revolution in Europa“ Schlagzeilen gemacht.
Demnach lassen sich die Akkus der E-Autos mit neuen, megawattstarken Ladestationen binnen fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent laden. In neun Minuten soll es von 10 auf 97 Prozent funktionieren.
VW-Manager Sander sieht den Wendepunkt bei der Nachfrage nach Elektroautos jetzt gekommen. „Wir sind fast ein bisschen überrascht von der sehr starken Nachfrage nach Elektrofahrzeugen“, die das Unternehmen derzeit vor allem in Deutschland beobachte, sagte er.

Kein Zurück zum Verbrenner

Neben der Kaufprämie spiele dabei das Signal der Bundesregierung eine Rolle, dass Elektromobilität wichtig sei.
Zudem erreiche die Technologie nun den „Tipping Point“. Immer mehr Menschen machten positive Erfahrungen mit Elektroautos und trügen diese weiter.
„Kaum jemand, der mal in einem Elektroauto gefahren ist, will wieder zurück zu einem Verbrenner“, sagte Sander. (dts/red)
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EU will Autos aus drei weiteren Ländern wie „Made in EU“ behandeln

Die EU will ihre „Buy European“-Regeln für Dienstwagen und E-Autos für Großbritannien, Japan und Südkorea öffnen. Künftig sollen auch Autos dieser drei Länder als „Trusted Partners“ von den strikten Vorgaben für Dienstwagen und Unternehmensflotten profitieren, berichtet das „Handelsblatt“.
Die Ausnahme soll das Nissan-Werk im britischen Sunderland retten. Der japanische Autobauer hatte davor gewarnt, wegen der geplanten EU-Regeln seine Fabrik in Großbritannien schließen zu müssen. Fast die Hälfte aller in Großbritannien produzierten Fahrzeuge, etwa 45 Prozent, werden in die EU verkauft. Mit den „Made in EU“-Regeln drohte Großbritannien, seinen Standortvorteil zu verlieren.

Bislang keine Ausnahmen

Die neuen „Buy European“-Vorgaben im sogenannten „Industrial Accelerator Act“ (IAA) sehen vor, dass staatliche Beihilfen grundsätzlich nur noch für Fahrzeuge „Made in EU“ fließen.
Dies soll vermeiden, dass Importe aus dem Ausland weiterhin mit europäischem Steuergeld gefördert werden. Besonders streng sind die Vorgaben für Dienstwagen und Unternehmensflotten. Ausnahmen für Partnerländer waren hier bisher nicht vorgesehen.
Der japanische Autohersteller Nissan hatte den britischen Premier Keir Starmer davor gewarnt, dass er aufgrund der „Buy European“-Regeln die Fabrik in Sunderland schließen müsse. Starmer und seine Kollegen hätten Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und ihre Kommissare nun davon überzeugt, dass es im Interesse der EU sei, die integrierten Lieferketten zwischen Korea, Japan und Großbritannien zu bewahren, hieß es. (dts/red)
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wirtschaft

Kaufprämie sorgt für kräftigen Anstieg bei E-Auto-Neuzulassungen

Die hohen Spritpreise und die staatliche Kaufprämie haben für einen kräftigen Anstieg der Neuzulassungen von Elektroautos im Mai gesorgt: Sie legten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 39,3 Prozent auf knapp 60.000 zu, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg am Mittwoch, 3. Juni, mitteilte.
Insgesamt blieben die Neuzulassungen demnach stabil – es waren 239.448 und damit 0,1 Prozent mehr.

Förderprämie erhöht Nachfrage

„Die E-Mobilität gewinnt an Fahrt“, erklärte der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), das Autohäuser und Meisterbetriebe vertritt.
Er registriert ein „spürbar steigendes Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher“, die angesichts der seit Wochen hohen Kraftstoffpreise ihre Mobilitätskosten neu bewerten. Gleichzeitig wachse das Angebot an bezahlbaren E-Fahrzeugen.
Der E-Auto-Anteil an den Neuzulassungen stieg auf 25 Prozent – im Mai 2025 waren es noch 18 Prozent gewesen.
„Besonders bemerkenswert“ sei die Entwicklung vor dem Hintergrund, dass der Mai 2026 zwei Arbeitstage weniger aufwies als der Vorjahresmonat, erklärte der ZDK.
Mehr gekauft wurden laut KBA-Daten vor allem Autos der Marke Tesla (plus 322 Prozent) oder der chinesischen Marken BYD (plus 232 Prozent) und Leapmotor (plus 139 Prozent).
Die neue staatliche E-Auto-Förderung kann seit zwei Wochen beantragt werden, gilt aber rückwirkend für seit 1. Januar zugelassene Autos.
Die Förderung richtet sich vor allem an Menschen mit mittlerem und geringem Einkommen und kann je nach Automodell, Haushaltsgröße und Einkommen 1500 bis 6000 Euro betragen.

Experte: Kein Wachstum aus eigener Kraft

EY-Autoexperte Constantin Gall sieht die Prämie kritisch: Sie schiebe den Absatz von Elektroautos zwar kräftig an. Aber das sei kein Wachstum aus eigener Kraft, erklärte er.
Abgesehen vom Elektrosegment schrumpften die Neuzulassungen. „Uns muss klar sein: Der Staat und damit die Steuerzahler geben mehrere Milliarden Euro für die Ankurbelung des E-Auto-Absatzes aus, das Ergebnis ist – wie schon bei früheren Förderprogrammen – ein starkes Absatzwachstum bei E-Autos, das genau so lang anhalten wird, wie die Prämie zur Verfügung steht.“
Die negativen Auswirkungen des Iran-Kriegs wögen zudem schwerer: Die Inflation steige, der Arbeitsmarkt schwächele, die Menschen hätten weniger Geld zur Verfügung. (afp/red)
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wirtschaft

Ludwigsfelde: Rüstungskonzern KNDS prüft Übernahme von Mercedes-Werk

Der deutsch-französische Panzerbauer KNDS verhandelt offenbar mit Mercedes-Benz über eine Übernahme des Werks in Ludwigsfelde südlich von Berlin. Das berichtet der „Spiegel“. Während die deutsche Autobranche in der Krise steckt, boomt die Rüstungsindustrie. Nun verdichten sich die Anzeichen, dass beide Seiten miteinander ins Geschäft kommen könnten.
Der Rüstungskonzern, hervorgegangen aus einer Fusion zwischen Krauss-Maffei Wegmann und der französischen Nexter, will in den kommenden Jahren eine Milliarde Euro in neue Kapazitäten investieren.
Damit will KNDS die Nachfrage europäischer Armeen nach Panzern und Militärfahrzeugen bedienen können. Im vergangenen Jahr hatte KNDS das von der Schließung bedrohte Alstom-Werk in Görlitz übernommen.

Fertigung in Ludwigsfelde: Fahrgestelle für Transporter wie den Sprinter

Für die kommenden Monate soll unter anderem eine Bestellung der Bundeswehr von bis zu 3.000 Exemplaren des Radpanzers Boxer im Raum stehen, den KNDS und Rheinmetall in verschiedenen Ausführungen produzieren.
Zwar hat KNDS seine Produktion in München ausgeweitet, sodass dort bis zu zehn Boxer pro Monat gefertigt werden können. Das reicht jedoch für den erwarteten Großauftrag nicht aus.
Mercedes-Benz produziert in Ludwigsfelde seine sogenannten offenen Baumuster, insbesondere Fahrgestelle, für den Transporter Sprinter. Allerdings soll der Sprinter voraussichtlich von 2030 an im polnischen Jawor hergestellt werden. Damit liefe die Fertigung in Ludwigsfelde aus.

Militärfahrzeuge parallel herstellen

Mit KNDS soll Mercedes nun darüber sprechen, das Werk sowie einen Teil der rund 2.000 Mitarbeiter zu übernehmen.
Im Gespräch ist offenbar auch, vor einer Komplettübernahme zunächst einen Teil des Werks zu mieten und Militärfahrzeuge von KNDS sowie Vans von Mercedes parallel zu produzieren. Eine Entscheidung über die Zukunft des Standorts ist jedoch noch nicht gefallen.
KNDS prüft auch parallel eine Übernahme des VW-Werks in Osnabrück, das die Wolfsburger mangels Auslastung gern in andere Hände übergeben würden. Rheinmetall war interessiert, hat aber mittlerweile abgewinkt.
Mercedes wollte sich zu den Gesprächen mit KNDS nicht äußern, VW erklärte, man prüfe „tragfähige Perspektiven“ für Osnabrück nach dem Auslauf der aktuellen Fertigung im Jahr 2027 und stehe „mit unterschiedlichen Marktakteuren zu verschiedenen Optionen im Austausch“. KNDS bestätigte, man spreche mit mehreren Unternehmen über die Übernahme von Kapazitäten. (dts/red)
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deutschland

13. Mai: Neues Heizungsgesetz | 1.000-Euro-Prämie vom Tisch | Fast eine Viertel Million Jobs gefährdet

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Neues Heizungsgesetz

Das Bundeskabinett hat heute das neue Heizungsgesetz beschlossen. Es soll am 1. Juli 2026 in Kraft treten. Hauseigentümer können damit wieder frei über die Art ihrer Heizungsanlage entscheiden. Doch bei neuen fossilen Heizanlagen müssen Vermieter tiefer in die Tasche greifen. Öl- und Gasheizungen sollen zunehmend mit alternativen Brennstoffen betrieben werden.

1.000-Euro-Prämie vom Tisch

Union und SPD haben gestern sechs Stunden über Energiepreise und Reformen beraten. Vereinbart wurde ein Fahrplan für die Projekte, weitere Entscheidungen sollen Anfang Juni fallen. Die geplante 1.000-Euro-Prämie wird nach dem Aus im Bundesrat nicht weiter verfolgt. Der Preis für CO2 soll im kommenden Jahr wieder zwischen 55 und 65 Euro liegen.

Fast eine Viertel Million Jobs gefährdet

Die deutsche Autoindustrie steckt in einer anhaltenden Standortkrise – verursacht durch hohe Energiepreise, Bürokratie und Steuern. Viele große Unternehmen haben mit Sparprogrammen begonnen. Der Verband der Automobilindustrie warnt vor einer neuen Eskalationsstufe, auch durch den Umstieg auf E-Mobilität. Bis 2035 könnten bis zu 225.000 Arbeitsplätze wegfallen.

Trump erreicht Peking

US-Präsident Donald Trump ist heute Abend Ortszeit zu seinem China-Besuch in Peking angekommen. Begleitet wird Trump von 16 Spitzenmanagern großer US-Konzerne – darunter Tech-Milliardär Elon Musk und Nvidia-Chef Jensen Huang. Morgen Vormittag ist das offizielle Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping geplant. Im Mittelpunkt der Gespräche stehen die Themen Iran und Handel.

Versteckte Preiserhöhung

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat ihre Klage gegen den Milka-Hersteller Mondelez gewonnen. Das Landgericht Bremen wertete die Reduzierung bei einer Tafel Schokolade von 100 auf 90 Gramm bei gleichbleibender Verpackung als „relative Mogelpackung“. Mondelez hätte vier Monate lang deutlich auf die geringere Füllmenge hinweisen müssen.
 
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wirtschaft

Standortkrise für deutsche Autoindustrie: Bis zu 225.000 Jobs bedroht


In Kürze:

  • VDA erhöht Prognose auf bis zu 225.000 gefährdete Arbeitsplätze bis 2035
  • Bereits rund 100.000 Jobs seit 2019 verloren gegangen
  • Zulieferer durch E-Mobilität unter Druck
  • Hohe Energiepreise, Bürokratie und Steuern belasten Standort Deutschland
  • China-Konkurrenz und US-Zölle verschärfen die Krise zusätzlich
  • Mercedes verkauft weitere Niederlassungen im Zuge des Konzernumbaus

 
Der Strukturwandel in der deutschen Automobilindustrie steht möglicherweise vor einer neuen Eskalationsstufe. Besonders betroffen davon sind klassische Industriearbeitsplätze in Produktion, Zulieferung und Vertrieb. Laut Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), hat sich die Lage gemessen an den bisherigen Prognosen zuletzt sogar noch zugespitzt.

Pessimistische Prognosen für die Autoindustrie möglicherweise übertroffen

Bislang ging der Verband davon aus, dass bis 2035 etwa 190.000 Arbeitsplätze in der Autoindustrie und bei Zulieferern verloren gehen würden. Damit war der VDA noch pessimistischer als der Automobilexperte Stefan Bratzel, der Anfang 2024 prognostiziert hatte, dass durch die Transformation zur Elektromobilität bis zu 160.000 Jobs wegfallen könnten.
Müller wies jedoch in einem Gespräch mit dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ darauf hin, dass bereits zwischen 2019 und 2025 etwa 100.000 Arbeitsplätze verloren gegangen seien. Der Prozess sei jedoch weit davon entfernt, abgeschlossen zu sein, und krisenhafte externe Effekte verschärften die Situation noch weiter. Mittlerweile hat der VDA seine Prognose um weitere 35.000 potenziell Betroffene hochgeschraubt und spricht nun von bis zu 225.000 Arbeitsplätzen weniger.
Die Verbandspräsidentin sieht dabei vorrangig drei Aspekte als entscheidend an. Zum einen reduziert der zunehmende Wechsel vom Verbrennungsmotor zum Elektroauto den Bedarf an klassischen Komponenten. Dies setzt insbesondere die Zulieferer unter Druck. Elektromotoren kommen mit weniger Teilen und damit weniger Fertigungsschritten aus. Mittelständische Zulieferer geraten dadurch unter Kostendruck.

Zu hausgemachten Belastungen stoßen externe Krisenfaktoren

Dazu kommen hohe Energiepreise, hohe Steuern, Bürokratie und steigende Lohnkosten. Diese Faktoren führen zu dem, was Müller als „gravierende und anhaltende Standortkrise“ bezeichnet, die Deutschland und Europa insgesamt umfasst.
Zu diesen weitgehend hausgemachten Faktoren kommen nun auch zunehmend externe hinzu, die die krisenhaften Entwicklungen noch verstärken. Dazu gehört etwa ein noch stärkerer internationaler Wettbewerbsdruck, der sich im Bereich der E-Mobilität besonders drastisch zeigt. Während China auf dem Verbrennermarkt in Europa kaum eine Rolle gespielt hat, streben chinesische Elektroautos auf den hiesigen Markt – mit preiswerten Angeboten.
Die offensive Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump und der eskalierende Handelskonflikt setzen den heimischen Markt zusätzlich unter Druck. Trump lockt europäische Anbieter zudem mit optimierten Standortbedingungen in den USA – und viele machen von dieser Option auch Gebrauch. Neben der Verlagerung der Produktion sorgen auch noch Digitalisierung und Automatisierung für Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt.

Neben der Autoindustrie sind auch Zulieferer betroffen

VDA-Präsidentin Müller verbindet ihre Warnungen ausdrücklich mit Kritik an den Regulierungsbestrebungen der EU. Würde diese auf Technologieoffenheit setzen, könnte Müller zufolge der Arbeitsplatzverlust bis 2035 auf etwa 75.000 Stellen begrenzt werden. Dies setze jedoch voraus, dass Plug-in-Hybride, Range Extender, moderne Verbrenner sowie synthetische und erneuerbare Kraftstoffe künftig eine größere Rolle spielen.
Schaffte man es, Klimaneutralität nicht auf Kosten industrieller Beschäftigung zu verfolgen, könnten rund 50.000 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Etwa diese Anzahl an Arbeitsplätzen ist jedoch allein im Vorjahr verloren gegangen.
Auch für das Jahr 2026 gehen Experten wie Ferdinand Dudenhöffer davon aus, dass weitere 20.000 bis 50.000 Stellen durch Zölle, Insolvenzen und Offshoring wegfallen. Insgesamt könne die Beschäftigtenzahl in der Autoindustrie auf unter 700.000 sinken, schreibt Dudenhöffer in seiner Marktprognose vom Dezember.
VW-Chef Oliver Blume hatte jüngst in einem Brief an Aktionäre einen Abbau von 50.000 Stellen in Deutschland bis 2030 angekündigt. Zudem stehen Medienberichten zufolge auch Werksschließungen im Raum.
Sparprogramme, die auch einen Wegfall von Stellen beinhalten, betreffen auch mehrere Zulieferer. So sollen bei der ZF Friedrichshafen bis zu 14.000 Stellen wegfallen, bei Bosch rund 13.000, wie „FOCUS“ berichtete.

Stellenabbau und Sparprogramme auch in anderen Industrien

Insgesamt laufen derzeit bei zahlreichen großen deutschen Unternehmen Sparprogramme. Neben der Autoindustrie sind auch andere Branchen von Stellenabbau betroffen. Die Bandbreite reicht dabei von Deutsche Bahn (8.250 Stellen) und Deutsche Post (8.000) über Lufthansa (4.000), Commerzbank (3.000) und BioNTech (1.900) bis zu ALDI (1.250), wie „FOCUS“ berichtete.
Demgegenüber stehen aber auch zwei Expansionsprogramme: Waffenhersteller HENSOLDT kündigte an, 1.600 zusätzliche Stellen zu schaffen. Beim Laborzulieferer Sartorius sollen 350 Personen neu eingestellt werden.
Nicht alle der Sparprogramme führen automatisch zu Massenentlassungen. In vielen Fällen werden auch Stellen nach freiwilligem Wechsel oder Eintritt in den Ruhestand nicht mehr nachbesetzt.

Kanadische Unternehmensgruppe übernimmt Berliner Autohäuser von Mercedes-Benz

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte jüngst auch der geplante Verkauf mehrerer Niederlassungen von Mercedes-Benz. Aktuelle Berichte sprechen von einem Verkauf der Autohäuser in Berlin und Brandenburg mit zusammen sieben Standorten an die kanadische Unternehmensgruppe Global Auto Holdings.
Zwischenzeitlich kursierten sogar Berichte über einen möglichen Verkauf aller Mercedes-Niederlassungen in Deutschland. Diese Darstellung wurde später teilweise relativiert.
Der Stuttgarter Autobauer erklärte, dass die „schrittweise“ Veräußerung von Niederlassungen sich bisher „als großer Erfolg“ erwiesen habe und am Markt auf „sehr breites Interesse“ stoße.
Bereits 2025 hatte der Konzern demnach die Niederlassungen in Koblenz, Neu-Ulm, Mainz, Dortmund und Lübeck veräußert. Anfang 2026 seien zudem Verträge zum Verkauf der Autohäuser in Aachen, Kassel, Würzburg, Wuppertal, Reutlingen und Hannover unterzeichnet worden, erklärte Mercedes-Benz. Auch hier solle der Vollzug noch im laufenden Geschäftsjahr 2026 erfolgen.
Hintergrund der Veräußerungen ist eine strategische Neuausrichtung des Konzerns. Man beabsichtigt, sich auf das Luxussegment und die Fahrzeugentwicklung zu konzentrieren. Dazu kommt der Ausbau digitaler Vertriebskanäle, während man eine geringere Kapitalbindung im stationären Handel anstrebt.
(Mit Material der Nachrichtenagenturen)
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Ifo: Automobilindustrie erheblich pessimistischer

Das Ifo-Geschäftsklima in der Automobilindustrie hat sich im April verschlechtert.
Der Indikator fiel auf -23,8 Punkte, von -19,0 Punkten im März, teilte das Ifo-Institut am Montag mit. Die Unternehmen bewerteten zwar ihre aktuelle Geschäftslage besser als im Vormonat, blicken aber erheblich pessimistischer auf die kommenden Monate.
Die Geschäftserwartungen fielen auf -30,7 Punkte, von -15,3 Punkten im März. „Die Iran-Krise belastet die ohnehin geschwächte Autoindustrie zusätzlich“, sagte Ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl.

Materialknappheit angestiegen

In der Autoindustrie machen sich erste Anzeichen von Materialknappheit bemerkbar. Bei 9,3 Prozent der Unternehmen fehlten im April wichtige Vorprodukte, im März waren es noch knapp ein Prozent.
„Die Iran-Krise beeinträchtigt etwa die Produktion und Lieferung von Helium“, sagte Wölfl, „einem Edelgas, das direkt und indirekt für die Automobilproduktion wichtig ist.“
Helium wird zum Beispiel in der Chipproduktion, für Airbags, bei der Metallbearbeitung und der Leckortung von Batterien verwendet. Die EU bezieht mit etwa 40 Prozent einen bedeutenden Anteil ihres Heliumbedarfs aus Katar, so die Deutsche Rohstoffagentur; alternative Importquellen sind rar.
Hinzu kommen indirekte Wirkungen aus der Iran-Krise, die sich in den gesunkenen Geschäftserwartungen niederschlagen: Die generelle Unsicherheit bei Unternehmen und Haushalten steigt. Zusammen mit den hohen Energiepreisen könnte dies für Kaufzurückhaltung beim Kauf von Neuwagen sorgen. (dts/red)