Anthropic-Chef Dario Amodei warnte schon oft vor den Risiken einer ungebremsten Entwicklung Künstlicher Intelligenz. (Archivbild) - Foto: Andrej Sokolow/dpa
Nach dem Schock eigenständiger Hacking-Attacken durch Künstliche Intelligenz fordert der Chef des großen KI-Labors Anthropic, die Entwicklung der Technologie zu verlangsamen.
Er sei nun besorgt, dass in sechs bis zwölf Monaten ein Schwarm von KI in der Lage sein könnte, das gesamte Internet zu übernehmen und potenziell Hunderte Milliarden Dollar Schaden zu verursachen, schrieb Amodei in einem Blogeintrag.
Binnen weniger Stunden bekam Amodei Zuspruch von einem zentralen Rivalen, dem Chef des ChatGPT-Entwicklers OpenAI. Er sei auch der Ansicht, dass das Tempo bei der Entwicklung leistungsstärkster KI-Modelle moderiert werden müsse, schrieb Sam Altman auf der Online-Plattform X.
Amodei plädierte zwar für eine koordinierte branchenweite Pause in der westlichen Welt. Zugleich werde Anthropic – ohne auf andere zu warten – in einem ersten Schritt dauerhaft unabhängige Beobachter ins Unternehmen lassen, die schon in der Trainingsphase die Sicherheit von KI-Modellen begutachten sollen. Altman nannte das eine gute Idee und kündigte an, dass OpenAI das auch machen werde.
Bei der jüngst bekanntgewordenen aufsehenerregenden Hacking-Attacke war Software von OpenAI in einem Testlauf eigenständig aus der abgesicherten Umgebung ausgebrochen und drang auf eigene Faust in Systeme der KI-Firma HuggingFace ein.
Der Grund war lediglich, dass sie dort Antworten auf die ihr gestellte Testaufgabe vermutete. Für die Attacke nutzten die KI-Modelle unter anderem Software-Schwachstellen aus – und sprachen sich zudem untereinander ab.
Für ihn sei besorgniserregend, dass ein KI-Schwarm mit größeren Fähigkeiten, aber derselben Einstellung hätte „katastrophalen Schaden“ anrichten können, betonte Amodei. Als besonderes Risiko sieht er die Fähigkeit von KI-Software, sich selbst weiterzuentwickeln.
Seit diesem Sommer sei Künstliche Intelligenz besser darin – und dies erhöhe das Tempo weiter. Unkontrolliert könne dies dazu führen, dass Menschen diese Systeme nicht mehr verstehen und die Kontrolle über sie verlieren, warnte er.
OpenAI-Chef Altman und Musk, Eigentümer des KI-Unternehmens xAI, schlossen sich Amodeis Appell an. „Dario hat Recht“, schrieb Musk in seinem Onlinedienst X. „Ich stimme Dario zu“, erklärte auch Altman.
Eine Drosselung des Tempos bei der KI-Entwicklung sei auch bei OpenAI in den vergangenen Wochen intensiv diskutiert worden.
Gespaltene Branche
Amodei hatte schon in den vergangenen Jahren immer wieder vor Risiken bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz gewarnt – und war dafür aus Teilen der KI-Branche zum Teil heftig kritisiert worden.
Ein Argument von Befürwortern eines hohen Tempos in den USA – etwa auch im Weißen Haus von Präsident Donald Trump – ist der Wettlauf mit China.
Anthropic entwickelte zuletzt ein KI-Modell mit dem Namen Mythos, das besonders gut darin ist, zum Teil über Jahrzehnte unentdeckt gebliebene Software-Schwachstellen zu finden. Die Firma macht das volle Modell nur ausgewählten Behörden und Unternehmen zugänglich, damit sie ihre Computersysteme absichern können. (dpa/red)
Anthropic-Chef Dario Amodei warnte schon oft vor den Risiken einer ungebremsten Entwicklung Künstlicher Intelligenz. (Archivbild) - Foto: Andrej Sokolow/dpa
Nach dem Schock eigenständiger Hacking-Attacken durch Künstliche Intelligenz fordert der Chef des großen KI-Labors Anthropic, die Entwicklung der Technologie zu verlangsamen.
Er sei nun besorgt, dass in sechs bis zwölf Monaten ein Schwarm von KI in der Lage sein könnte, das gesamte Internet zu übernehmen und potenziell Hunderte Milliarden Dollar Schaden zu verursachen, schrieb Amodei in einem Blogeintrag.
Binnen weniger Stunden bekam Amodei Zuspruch von einem zentralen Rivalen, dem Chef des ChatGPT-Entwicklers OpenAI. Er sei auch der Ansicht, dass das Tempo bei der Entwicklung leistungsstärkster KI-Modelle moderiert werden müsse, schrieb Sam Altman auf der Online-Plattform X.
Amodei plädierte zwar für eine koordinierte branchenweite Pause in der westlichen Welt. Zugleich werde Anthropic – ohne auf andere zu warten – in einem ersten Schritt dauerhaft unabhängige Beobachter ins Unternehmen lassen, die schon in der Trainingsphase die Sicherheit von KI-Modellen begutachten sollen. Altman nannte das eine gute Idee und kündigte an, dass OpenAI das auch machen werde.
Bei der jüngst bekanntgewordenen aufsehenerregenden Hacking-Attacke war Software von OpenAI in einem Testlauf eigenständig aus der abgesicherten Umgebung ausgebrochen und drang auf eigene Faust in Systeme der KI-Firma HuggingFace ein.
Der Grund war lediglich, dass sie dort Antworten auf die ihr gestellte Testaufgabe vermutete. Für die Attacke nutzten die KI-Modelle unter anderem Software-Schwachstellen aus – und sprachen sich zudem untereinander ab.
Für ihn sei besorgniserregend, dass ein KI-Schwarm mit größeren Fähigkeiten, aber derselben Einstellung hätte „katastrophalen Schaden“ anrichten können, betonte Amodei. Als besonderes Risiko sieht er die Fähigkeit von KI-Software, sich selbst weiterzuentwickeln.
Seit diesem Sommer sei Künstliche Intelligenz besser darin – und dies erhöhe das Tempo weiter. Unkontrolliert könne dies dazu führen, dass Menschen diese Systeme nicht mehr verstehen und die Kontrolle über sie verlieren, warnte er.
Amodei hatte schon in den vergangenen Jahren immer wieder vor Risiken bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz gewarnt – und war dafür aus Teilen der KI-Branche zum Teil heftig kritisiert worden.
Ein Argument von Befürwortern eines hohen Tempos in den USA – etwa auch im Weißen Haus von Präsident Donald Trump – ist der Wettlauf mit China.
Anthropic entwickelte zuletzt ein KI-Modell mit dem Namen Mythos, das besonders gut darin ist, zum Teil über Jahrzehnte unentdeckt gebliebene Software-Schwachstellen zu finden. Die Firma macht das volle Modell nur ausgewählten Behörden und Unternehmen zugänglich, damit sie ihre Computersysteme absichern können. (dpa/red)
Das ikonische Bild der Lunar-Orbiter-Mission vom 23. August 1966: Das erste Mal werfen Menschen einen Blick auf die Erde – vom Mond aus. - Foto: NASA
In Kürze:
Am 25. Mai 1961 verkündete der US-Präsident John F. Kennedy, dass die USA im Wettlauf zum Mond teilnehmen werden.
Das Ziel der Lunar-Orbiter-Mission war, detaillierte Bilder unseres Erdtrabanten zu machen – auch von seiner dunklen, unbekannten Seite.
Innerhalb von drei Jahren fotografierte die NASA 99 Prozent des Mondes und lokalisierte 36 potentielle Landeplätze.
Mit den Aufnahmen legte die USA den Grundstein für ihre erfolgreiche Apollo-11-Mission und schenkte den Menschen auf der Erde eine neue Sicht auf ihren Planeten.
Der Mond sieht immer gleich aus. Würde man die Mondphase vom Neumond bis zum nächsten Neumond – 29,5 Tage – gewissenhaft verfolgen und dies dann von jedem Neumond bis zum nächsten Neumond bis ins Unendliche fortsetzen, würde man immer nur dieselbe Seite des Mondes sehen.
Erde und Mond sind durch die sogenannte Gezeitenbindung miteinander verbunden. Dieses Phänomen tritt bei Planeten und ihrem Hauptmond häufig auf. Im Wesentlichen bedeutet das, dass der Mond seine Achsenrotation zur gleichen Zeit vollendet, wie er eine Umdrehung um die Erde vollführt.
Der Mond ist 3,7-mal kleiner als die Erde. Mit einem Teleskop lässt sich – besonders bei Vollmond – leicht erkennen, wie stark der silberne Begleiter der Erde in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Über die gesamte Oberfläche des Erdtrabanten verteilt befinden sich Millionen von Kratern. Die meisten von ihnen haben einen Durchmesser von etwa einem Kilometer – einige sind jedoch auch mehrere Dutzend oder sogar Hunderte Kilometer breit. Die Gesamtzahl scheint von Jahr zu Jahr zu wachsen.
Im Vergleich zur Erde ist der Mond 3,7-mal kleiner.
Foto: NASA
Am 25. Mai 1961 stellte der US-amerikanische Präsident John F. Kennedy die Herausforderung, noch vor Ende des Jahrzehnts einen Amerikaner auf den Mond zu bringen. Die größte Herausforderung bestand darin, ein Raumfahrzeug zu bauen, das die rund 384.000 Kilometer lange Reise zum Mond bewältigen konnte.
Doch all das wäre umsonst gewesen, hätten die Astronauten, die das Raumschiff steuerten, keinen Ort zum Landen gehabt. Wenn man sich die Vorderseite des Mondes – bekannt als „Mondgesicht“ – ansah, ließ die Mondrückseite kaum mehr vielversprechende Landeplätze erwarten.
Das Weltraumrennen zwischen den USA und der Sowjetunion begann vier Jahre zuvor. Am 4. Oktober 1957 schickten die Sowjets ihren „Sputnik 1“ ins All – den ersten Satelliten, der die Erde umkreiste. Zum Zeitpunkt von Kennedys Rede waren sich die Sowjets sicher, das Rennen zu machen.
Replik des Satelliten Sputnik 1 im Kosmonautenmuseum in Moskau.
„Unsere Bevölkerung war davon überzeugt, dass wir als Erste auf dem Mond landen würden, weil sie daran gewöhnt war, dass wir immer die Ersten waren“, erinnerte sich der sowjetische Kosmonaut Alexei Leonow, der 1965 als Erster einen Weltraumspaziergang unternahm.
Die Sowjets waren nicht nur die Ersten, die ein unbemanntes Raumschiff (und 1961 ein bemanntes) um die Erde schickten, sondern sie umkreisten mit „Luna 3“ – dem Raumschiff, das am zweiten Jahrestag des Sputnik-1-Starts ins All geschickt wurde – auch als Erste den Mond.
Luna 3 machte 29 Fotos, die zusammen 70 Prozent der bis dato unbekannten Mondrückseite abbildeten. Einige Wochen später untermauerten die Sowjets ihre Leistung durch die Veröffentlichung eines 35-seitigen Buches, in dem sie zwei der 29 Fotos hervorhoben. Im folgenden Jahr, 1960, erschien ein zweites Buch, das alle 29 Fotos präsentierte.
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Aufnahme vom Mond am 7. Oktober 1959 durch den sowjetischen Satelliten Luna 3.
Ähnlich wie Sputnik 1 war Luna 3 ein großer Sprung im Weltraumrennen. Doch für die von Kennedy festgelegten Ziele waren die Bilder nicht besonders hilfreich bei der Suche nach Landeplätzen. Die NASA musste eigene Fotos machen, und zwar solche, die viel klarere Bilder lieferten – für den Fall, dass die Rückseite des Mondes bessere Landeplätze bot.
Boeing fliegt ins All
Die NASA wurde kurz nach dem Start von Sputnik gegründet. Nach seiner Rede erhöhte Kennedy das Budget der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde, um sein Ziel in Tat umsetzen und den Sowjets im Weltraumrennen zuvorkommen zu können. Sofort begannen die NASA-Mitarbeiter mit der Ausarbeitung eines eigenen Programms zur Mondkartierung.
Am 30. August 1963 fiel der Startschuss für das Lunar-Orbiter-Programm der NASA, das den Einsatz von fünf unbemannten Raumfahrzeugen zur Erkundung des Mondes vorsah. Die Lunar Orbiter 1 bis 5 sollten dabei als Filmlabore im Weltraum dienen.
Nachdem fünf Unternehmen ihre Angebote eingereicht hatten, erhielt Boeing am 7. Mai 1964 den Auftrag die Mondsonden zu bauen. Die unbemannten Raumflugkörper sollten alle identisch sein. Sie waren 3,72×1,65×1,5 Meter groß und wogen rund 390 Kilogramm.
Die Ziele der kleinen, leichten Sonden waren theoretisch einfach: Mit ihrem Hightech-Kamerasystem Fotos aufnehmen, die Topografie des Mondes mit ihrem Mikrometeoriten-Detektor analysieren und die Strahlungswerte mit ihren Strahlungsdosimetern messen. Anhand dieser Bilder sollten Wissenschaftler dann sichere Landeplätze ausfindig machen.
Jeder Lunar Orbiter war mit vier Solarpaneelen ausgestattet, die den Antrieb und das Kamerasystem mit Strom versorgten. Obwohl die Satelliten mit einer Trägerrakete ins All gebracht wurden, verfügten sie über einen eigenen Antrieb. Dieser diente zur Einhaltung des Kurses, der von NASA-Technikern in Südkalifornien verfolgt wurde, die auch die Kommunikationsdaten sowie die digitalen Bilder empfingen. Zur Kommunikation war jeder Satellit mit einer Parabolantenne ausgestattet.
Geheimdiensttechnik im All
Die Idee für die Filmlabore an Bord stammte eigentlich von den Geheimdiensten. Die Luftwaffe und die CIA hatten im Rahmen ihrer Programme „SAMOS“ und „CORONA“ bereits Spionagesatelliten eingesetzt:
Aufklärungssatelliten von SAMOS führten fotografische und elektromagnetische Erkundungen durch und waren in der Lage, ihre Bilder digital zu übertragen. Zwar war dieses Projekt nur von kurzer Dauer und nicht übermäßig erfolgreich, jedoch brachte es Fortschritte auf diesem Gebiet.
Im Rahmen von CORONA kamen leistungsstarke Kameras zum Einsatz. Sie waren an den 145 Satelliten wie KH-4B angebracht und wurden während der zwölfjährigen Laufzeit des Projekts genutzt. Insgesamt machten die Kamera rund 800.000 Aufnahmen von der UdSSR und anderen Ländern.
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Reihe der US-amerikanischen Aufklärungssatelliten aus den Programmen SAMOS und CORONA von 1960 bis heute.
Die Lunar Orbiter verwendeten Kamerasysteme von Kodak, die etwa 68 Kilogramm wogen und sowohl Weitwinkel- als auch Schmalwinkelobjektive nutzten. Das Kamerasystem war in der Lage, Fotos aufzunehmen, den Film zu entwickeln, die Bilder zu scannen und sie digital an die NASA zu übertragen.
Aus der Entfernung, in der die Lunar Orbiter planmäßig den Mond umkreisen sollte, sollten die Bilder weitaus schärfer sein als die der Sowjets. Die Weitwinkelobjektive erreichten eine Auflösung von bis zu einem halben Kilometer, während die Auflösung der Schmalwinkelobjektive zwischen 60 und 80 Metern lag.
Am 10. August 1966 brach die zweistufige Trägerrakete Atlas-Agena-D in Cape Canaveral mit dem Lunar Orbiter 1 ins All auf. Ziel war die Identifizierung von Landeplätzen – 16 Haupt- und Nebenstandorte auf der Vorderseite und 11 auf der Mondrückseite.
Vier Tage nach dem Start trat der Satellit in die Mondumlaufbahn ein. Im Laufe der folgenden zwei Wochen fotografierte er 5,18 Millionen Quadratkilometer der Mondoberfläche und übermittelte scharfe Bilder von 20 Standorten.
Der vom Lunar Orbiter 1 im August 1966 aufgenommene Peek-Krater.
Foto: NASA
Während einer seiner 577 Umkreisungen sendete er am 23. August 1966 ein Bild zurück, mit dessen Empfang niemand gerechnet hatte. Es war ein ungeplantes, aber dennoch ikonisches Foto.
Seit Anbeginn der Zeit hatten die Menschen den Mond immer nur von der Erde aus gesehen. Dieses zufällig geschossene Foto zeigte jedoch die Erde aus der Perspektive des Mondes. Zum ersten Mal sahen die Menschen nun, was der „Mann im Mond“ sah.
Mit den Aufnahmen von 1966 blickten Menschen erstmals von außen (vom Mond aus) auf die Erde.
Foto: NASA
Mission erfüllt
Nachdem der Lunar Orbiter 5 seine Mission abgeschlossen hatte, hatte das NASA-Programm 99 Prozent des Mondes fotografiert, 36 Landeplätze ausgemacht und 90 Prozent der aufgenommenen Fotos erfolgreich übertragen.
Interessanterweise wählte die NASA das Mondmeer, auch Mare Tranquillitatis (zu Deutsch: „Meer der Ruhe“) genannt, für die erste Landung aus. Dieses befindet sich nicht auf der Mondrückseite, sondern auf der der Erde zugewandten Hälfte.
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Aufnahme des Kunowsky-Kraters durch den Lunar Orbiter 2 am 24. November 1966.
Trotz aller fotografischen Vorbereitungen wäre Apollo 11 beinahe gescheitert, als das computergesteuerte Leitsystem des Raumschiffs sie auf einen Krater voller Felsbrocken zusteuern ließ.
Glücklicherweise wusste der Astronaut Neil Armstrong, wo sie landen sollten, übernahm schnell die Steuerung und manövrierte das Raumschiff vom Krater weg. Letztlich führte die langfristige fotografische Planung und das schnelle Eingreifen des Astronauten dazu, dass zwei Amerikaner als Erstes über das „Mondgesicht“ spazierten.
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Der Astronaut Buzz Aldrin macht auf dem Mond ein Spaziergang.
Foto: NASA
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Die Besatzung der Apollo-11-Mondlandemission: Kommandant Neil Armstrong (l.), Pilot des Kommandomoduls Michael Collins (m.) und Pilot der Mondlandefähre Buzz Aldrin (r.).
Foto: NASA
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Buzz Aldrin neben der auf dem Mond gehissten US-Flagge.
Merz besuchte den Landesparteitag in Mecklenburg-Vorpommern in Juni 2026. - Foto: Jens Büttner/dpa
In Kürze:
Aktuelle Umfragen sehen die CDU in Mecklenburg-Vorpommern nur noch bei 6 bis 7 Prozent.
Damit droht den Christdemokraten bei der Landtagswahl am 20. September erstmals der Verlust der Landtagsfraktion.
Innerhalb der CDU wächst die Sorge über den Einfluss der Bundespolitik und die niedrigen Zustimmungswerte für Friedrich Merz.
Auch aus der Parteibasis kommt zunehmend Kritik: Der CDU-Ortsverband Großbeeren fordert einen deutlichen politischen Kurswechsel.
Ob die CDU am 20. September tatsächlich erstmals bei einer überregionalen Wahl unter die Fünf-Prozent-Hürde rutschen wird, ist offen. Jüngste Umfragen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern deuten jedoch auf einen neuen Minusrekord für die Christdemokraten hin. Gleich vier Institute trauen ihr nur noch 6 bis 7 Prozent der Stimmen zu.
Der bisherige Negativrekord für die CDU bei Landtagswahlen liegt bei 9 Prozent. Diese erzielte sie 1951 in Bremen. Dann kommen allerdings bereits drei Ergebnisse aus jüngerer Zeit: Auf lediglich 11,2 Prozent kam die CDU im Jahr 2020 in Hamburg. Dieses Resultat konnte die Partei im Vorjahr immerhin auf 19,8 Prozent verbessern. In Brandenburg erhielt die CDU 2024 nur noch 12,1 Prozent. Und in Mecklenburg-Vorpommern startet sie von ihrem bisherigen Negativrekord von 13,3 Prozent im Jahr 2021 aus.
CDU stellte die ersten Ministerpräsidenten in Mecklenburg-Vorpommern
Die CDU war im Nordosten nicht immer in einer so prekären Situation. Bei den Landtagswahlen 1990 wurde sie mit 38,3 Prozent landesweit stärkste Kraft, sie stellte mit Alfred Gomolka den ersten Ministerpräsidenten seit der Wiedervereinigung. 1994 blieb die Partei nach nur leichten Verlusten am Ruder und bildete eine Koalition mit der SPD unter Bernd Seite.
Erst 1998 begann der Niedergang der Union auf Landesebene. Bei der zeitgleich mit der Bundestagswahl stattfindenden Landtagswahl im Nordosten zog die SPD an der CDU vorbei. Harald Ringstorff bildete die erste rot-rote Koalition mit der PDS. Die Wähler betrachteten dies – anders als von der CDU erhofft – nicht als unverzeihlichen Tabubruch. 2002 legte die SPD vor allem auf Kosten ihres Koalitionspartners deutlich zu.
Erst 2006 kam die CDU als Juniorpartner zurück in eine große Koalition unter Führung von Ringstorff – und ab 2008 Erwin Sellering. Diese regierte nach den Wahlen 2011 und 2016 weiter. Zu diesem Zeitpunkt war die CDU jedoch erstmals unter die 20-Prozent-Marke gesunken. Im Jahr 2021 wurde der Landtag erneut zeitgleich mit dem Bundestag gewählt. Dabei feierte die SPD unter Manuela Schwesig einen Erdrutschsieg. Seither regiert die frühere Bundesministerin wieder in einem Bündnis mit der nunmehrigen Linkspartei.
Kritik an „Frau gegen Blau“-Wahlkampf: Schwesig schade CDU und Grünen
Auf kommunaler Ebene konnte die CDU in einigen Regionen ihre Position behaupten. So stellt sie mit Sebastian Ehlers seit Frühjahr 2026 erstmals nach der Abwahl von Norbert Claussen 2008 den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Schwerin. Auch einige Landratsposten werden noch von der CDU gehalten.
Eine Woche vor der Landtagswahl schließen jedoch auch prominente Funktionsträger einen Sturz unter die Fünf-Prozent-Hürde nicht mehr aus. Der stellvertretende Fraktionschef Marc Reinhardt erklärte gegenüber dem „Tagesspiegel“ (Samstagsausgabe), diese Sorge sei vorhanden. Auch Eckhardt Rehberg, Landeschef von 1990 bis 2005, äußerte:
„Es gibt nach den Umfragen die Gefahr, dass die CDU aus dem Landtag Mecklenburg-Vorpommern herausfällt.“
Reinhardt und Rehberg, aber auch die Co-Bundeschefin der Grünen, Franziska Brantner, üben in diesem Zusammenhang deutliche Kritik an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Diese schade CDU und Grünen und mache die AfD stark, weil sie den Wahlkampf polarisiere. Schwesig setzt sich als die „Frau gegen Blau“ in Szene und versucht, Sympathisanten anderer Parteien auf den letzten Metern zur Stimmabgabe für die SPD zu bewegen, um die AfD einzuholen.
Union profitierte von Zuspitzung auf Haseloff – und litt unter Aufholjagd von Woidke
Eine solche Taktik hatte die CDU jedoch auch selbst angewandt: 2021 schnitt die Partei ihren Landtagswahlkampf vollständig auf die Person von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff zu. Die zentrale Botschaft lautete, nur die Stimme für ihn könne verhindern, dass die AfD stimmenstärkste Kraft im Lande würde. Die CDU kam damals auf 37,1 Prozent.
In Mecklenburg-Vorpommern sahen Umfragen die AfD im Vorjahr bei bis zu 38 Prozent und einem doppelt so hohen Stimmenanteil wie die SPD. Mittlerweile sehen Meinungsforscher die AfD weiterhin voran – allerdings ist es den Sozialdemokraten INSA und der Forschungsgruppe Wahlen zufolge gelungen, bis auf drei Prozent an diese heranzukommen. Schwesig setzt nun voll auf diese Aufholjagd. Allerdings scheint diese vor allem auf Kosten der CDU und der Grünen zu gehen.
In Brandenburg stand die CDU bereits in der Zeit der Ministerpräsidenten Manfred Stolpe und Matthias Platzeck im Schatten der Sozialdemokraten. Im Jahr 2019 fiel sie auf ihr bis dahin schlechtestes Ergebnis von 15,6 Prozent zurück – 2024 sogar auf 12,1. Auch in diesem Falle hatte Ministerpräsident Dietmar Woidke einen Aufholwahlkampf gegenüber der AfD geführt, die monatelang in Umfragen deutlich voran gelegen hatte.
Historisch niedrige Beliebtheitswerte für Merz
Die Polarisierung zwischen Amtsinhaberin Schwesig und der AfD ist jedoch – wie auch Rehberg selbst einräumt – nicht der einzige Grund für die schlechten Umfragewerte der CDU. Vielmehr leide die Landes-CDU „unter dem miesen Ansehen der Bundesregierung“. Insbesondere die Beliebtheitswerte von Bundeskanzler Friedrich Merz sind historisch niedrig. Nur 16 Prozent äußerten sich zuletzt zufrieden mit der Arbeit des Regierungschefs – 81 Prozent äußern sich unzufrieden.
Das ist nicht nur deutlich schlechter als die Beliebtheitswerte von Angela Merkel zum gleichen Zeitpunkt ihrer ersten Amtsperiode. Die letzte über mehrere Amtsperioden regierende CDU-Bundeskanzlerin kam zum Vergleichszeitpunkt auf eine Zustimmung von 64 Prozent – nur 33 Prozent waren unzufrieden. Auch Gerhard Schröder (63 zu 34 Prozent) und sogar Olaf Scholz (44 zu 53 Prozent) waren deutlich beliebter.
Am Mittwoch veröffentlichte die CDU in brandenburgischen Großbeeren einen offenen Brief an Bundeskanzler Merz und die CDU-Bundesführung. Die etwas mehr als 9.000 Einwohner zählende Gemeinde im Landkreis Teltow-Fläming wird von einem CDU-Bürgermeister regiert. Die Partei hat auch eine einfache Mandatsmehrheit im Gemeinderat.
Das Schreiben ist verfasst von Ortsverbandschef Adrian Hepp und trägt die Unterschrift von 32 weiteren Mitgliedern, darunter auch Bürgermeister Martin Wonneberger. Hepp äußert in dem Schreiben, es falle ihm „zunehmend schwer, die Politik unserer Partei gegenüber den Menschen vor Ort noch glaubwürdig zu vertreten“. Es reiche nicht aus, das Ergebnis von Sachsen-Anhalt nur zu analysieren und zu denken, man müsse „den eigenen Kurs lediglich besser erklären“.
CDU Großbeeren: 33 Mitglieder drohen mit Austritt bei Annäherung an Linke
Dies sei nicht das Problem, so Hepp, sondern „dass immer mehr Menschen diese Politik nicht mehr für richtig halten“. Kanzler Merz sei nicht nur Regierungschef, sondern auch CDU-Bundesvorsitzender. Als solcher müsse er nun „Führung, Selbstkritik und eine klare Antwort auf die Frage“ geben, „wie es mit unserer Partei weitergehen soll“. Die Menschen müssten „endlich erleben“, dass „ihre Botschaft tatsächlich verstanden wurde“.
Neben einer ehrlichen Analyse der Ursachen des Vertrauensverlustes mahnt das Schreiben auch zur Distanz gegenüber der Linkspartei. Eine Diskussion über eine mögliche Zusammenarbeit, Duldung oder sonstige politische Konstruktion unter Einbeziehung der Linken wie in Thüringen sei eine „rote Linie“. Zu einer solchen dürfe es in Sachsen-Anhalt nicht kommen, äußert Hepp, und fügte hinzu:
„In diesem Fall werden ich und alle Unterzeichnenden unsere weitere Mitgliedschaft in der CDU ernsthaft infrage stellen und einen Austritt prüfen.“
Am Freitag schob der Verband noch einen „10-Punkte-Plan für mehr Glaubwürdigkeit“ nach. In dieser skizziert die CDU Großbeeren „konkrete Lösungsvorschläge“ für den von ihr verlangten Kurswechsel. Dieser solle sich auszeichnen durch „mehr Pragmatismus, weniger Bürokratie, weniger Ideologie, mehr Eigenverantwortung, mehr Leistungsorientierung und eine Politik, die sich wieder stärker an der Lebensrealität der Menschen orientiert“. Die Punkte umfassen unter anderem mehr Sparsamkeit, weniger Bürokratie, geringere Energiekosten, einen „Bauturbo“ und eine restriktive Migrationspolitik.
Präsident Trump ist eigentlich zum Golfen nach Irland gekommen. - Foto: Kin Cheung/AP/dpa
Nach einem Treffen mit dem irischen Regierungschef Micheal Martin nannte er am Samstag eine Wiedervereinigung der Republik Irland mit dem zum Vereinigten Königreich gehörenden Nordirland „eine großartige Sache“. Die USA hatten zu dieser Frage bislang eine neutrale Position eingenommen.
Auf die Frage eines Journalisten nach seiner Meinung zu einer Wiedervereinigung sagte der US-Präsident, er würde „liebend gern“ ein vereinigtes Irland sehen.
Weiter sagte er: „So wie ich das sehe, wird es irgendwann passieren. Es kann genauso gut jetzt passieren.“
Die Insel Irland ist seit 1921 in die Republik Irland im Süden und Nordirland geteilt. Im Nordirland-Konflikt zwischen katholischen Nationalisten und protestantischen Unionisten wurden mehr als 3500 Menschen getötet. Der Konflikt endete 1998 mit dem Karfreitagsabkommen.
Unter dem Abkommen kann ein Referendum zu einer Wiedervereinigung abgehalten werden, wenn die britische Regierung feststellt, dass voraussichtlich eine Mehrheit der Nordiren einen solchen Anschluss befürwortet.
In diesem Fall müssten auch die Menschen in der Republik Irland zustimmen. In einer Umfrage der Universität Liverpool vom Mai 2026 befürworteten 35 Prozent der Nordiren eine Wiedervereinigung.
Der britische Premierminister Andy Burnham erklärte im vergangenen Monat, ein Referendum zu einer Wiedervereinigung sei „vom Tisch“.
Auf Trumps Äußerungen angesprochen, verwies ein Sprecher von Burnhams Büro in der Downing Street auf Aussagen des Premierministers in der vergangenen Woche, denen zufolge dieser „zu 100 Prozent“ zur Karfreitagsvereinbarung stehe.
Die Diplomatie sollte auf Trumps Reise ursprünglich eine eher untergeordnete Rolle spielen. Grund für seinen zweitägigen Besuch, der von einem großen Sicherheitsaufgebot begleitet wurde, ist vor allem sein Besuch des Golfturniers Irish Open in seinem Golfclub Doonbeg an der Westküste.
Nach seiner Ankunft am Flughafen Dublin wurde Trump am Samstag zunächst von Irlands Präsidentin Catherine Connolly an ihrem offiziellen Amtssitz in der Hauptstadt empfangen.
Anschließend kam der US-Präsident mit Regierungschef Micheal Martin zusammen und besuchte die US-Botschaft.
Im Anschluss flog er weiter nach Doonbeg, einem Küstenort im County Clare, wo die Trump Organisation seit 2014 einen Golfclub besitzt.
Dort treten beim Turnier Irish Open an diesem Wochenende die besten Spieler der Welt gegeneinander an. 40.000 Fans werden erwartet. Die Sicherheitsmaßnahmen wegen Trumps Anwesenheit kosten Irland Berichten zufolge 20 Millionen Euro.
Vor der Ankunft des US-Präsidenten waren die Sicherheitsvorkehrungen insgesamt deutlich verschärft worden. Mindestens 4000 Polizisten und andere Einsatzkräfte, darunter auch Scharfschützen, wurden sowohl für seinen offiziellen Besuch in der Hauptstadt als auch für seinen Aufenthalt in seinem Resort mobilisiert.
Erst am Dienstag war über der irischen Ostküste eine große Drohne gesichtet worden; die Behörden untersuchen den Vorfall. Zuletzt hatte Trump Irland 2019 während seiner ersten Amtszeit besucht.
In der Hauptstadt Dublin demonstrierten unterdessen mindestens 2000 Menschen gegen den Besuch des US-Präsidenten. Sie schwenkten palästinensische Flaggen und riefen „Donald Trump ist hier nicht willkommen“, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten.
Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 hat der 80-jährige Trump auch das Golf-Geschäft seiner Familie beworben. Im vergangenen Sommer begrüßte er etwa den damaligen britischen Premierminister Keir Starmer und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in seinem Resort in Turnberry an der Westküste Schottlands.(afp/red)
Präsident Trump ist eigentlich zum Golfen nach Irland gekommen. - Foto: Kin Cheung/AP/dpa
US-Präsident Donald Trump hat bei einem Besuch in Dublin mit Aussagen zu einem wiedervereinigten Irland für Irritationen gesorgt. Nach einem Treffen mit dem irischen Regierungschef Micheal Martin nannte er am Samstag eine Wiedervereinigung der Republik Irland mit dem zum Vereinigten Königreich gehörenden Nordirland „eine großartige Sache“. Die USA hatten zu dieser Frage bislang immer eine neutrale Position eingenommen.
Auf die Frage eines Journalisten nach seiner Meinung zu einer Wiedervereinigung sagte der US-Präsident, er würde „liebend gern“ ein vereinigtes Irland sehen. Weiter sagte er: „So wie ich das sehe, wird es irgendwann passieren. Es kann genauso gut jetzt passieren.“ Allerdings werde das Vereinigte Königreich dazu auch etwas zu sagen haben.
Die Insel Irland ist seit 1921 in die Republik Irland im Süden und Nordirland geteilt. Im Nordirland-Konflikt zwischen katholischen Nationalisten und protestantischen Unionisten wurden mehr als 3500 Menschen getötet. Der Konflikt endete erst 1998 mit dem Karfreitagsabkommen.
Unter dem Abkommen kann ein Referendum zu einer Wiedervereinigung abgehalten werden, wenn die britische Regierung feststellt, dass voraussichtlich eine Mehrheit der Nordiren einen solchen Anschluss befürwortet.
In diesem Fall müssten auch die Menschen in der Republik Irland zustimmen. In einer Umfrage der Universität Liverpool vom Mai 2026 befürworteten jedoch nur 35 Prozent der Nordiren eine Wiedervereinigung.
Der britische Premierminister Andy Burnham erklärte im vergangenen Monat, ein Referendum zu einer Wiedervereinigung sei „vom Tisch“. Auf Trumps Äußerungen angesprochen, verwies ein Sprecher von Burnhams Büros in der Downing Street auf Aussagen des Premierministers in der vergangenen Woche, denen zufolge dieser „zu 100 Prozent“ zur Karfreitagsvereinbarung stehe.
Die Diplomatie sollte auf Trumps Reise ursprünglich eine eher untergeordnete Rolle spielen. Grund für seinen zweitägigen Besuch, der von einem riesigen Sicherheitsaufgebot begleitet wurde, ist vor allem sein Besuch des Golfturniers Irish Open in seinem Golfclub Doonbeg an der Westküste.
Nach seiner Ankunft am Flughafen Dublin war Trump am Samstag zunächst von Irlands Präsidentin Catherine Connolly an ihrem offiziellen Amtssitz in der Hauptstadt empfangen worden.
Anschließend kam der US-Präsident mit Regierungschef Micheal Martin zusammen und besuchte die US-Botschaft. Im Anschluss flog er weiter nach Doonbeg, einem abgelegenen Küstenort im County Clare, wo die Trump Organisation seit 2014 einen Golfclub besitzt.
Dort treten beim Turnier Irish Open an diesem Wochenende die besten Spieler der Welt gegeneinander an. 40.000 Fans werden an erwartet. Die Sicherheitsmaßnahmen wegen Trumps Anwesenheit kosten Irland Berichten zufolge 20 Millionen Euro.
Vor der Ankunft des US-Präsidenten waren die Sicherheitsvorkehrungen insgesamt deutlich verschärft worden. Mindestens 4000 Polizisten und andere Einsatzkräfte, darunter auch Scharfschützen, wurden sowohl für seinen offiziellen Besuch in der Hauptstadt als auch für seinen Aufenthalt in seinem Luxus-Resort mobilisiert.
Erst am Dienstag war über der irischen Ostküste eine große Drohne gesichtet worden, die Behörden untersuchen den Vorfall. Zuletzt hatte Trump Irland 2019 während seiner ersten Amtszeit besucht.
In der Hauptstadt Dublin demonstrierten unterdessen mindestens 2000 Menschen gegen den Besuch des US-Präsidenten. Sie schwenkten palästinensische Flaggen und riefen „Donald Trump ist hier nicht willkommen“, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten.
Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus im Januar 2025 hat der 80-jährige Milliardär Trump offen auch das Golf-Geschäft seiner Familie beworben. Im vergangen Sommer begrüßte er etwa den damaligen britischen Premierminister Keir Starmer und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in seinem luxuriösen Resort in Turnberry an der Westküste Schottlands.(afp/red)
Karl der Große ist einer der größten und bekanntesten Herrscher Europas. - Foto: Ilya Nesterenko/iStock
In Kürze:
Als Europa zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert im Chaos versank, ging ein Volk als Sieger daraus empor: die Franken.
Ihrer Dynastie entsprangen zahlreiche merowingische und karolingische Könige, wobei Karl der Große bis heute einer der bedeutendsten ist.
Um sein Königreich zu stärken, förderte der fromme Christ die Bildung seines Volkes durch zahlreiche Reformen.
Die Geschichte hat ihm nicht nur den Bau des Aachener Doms und zahlreicher Schulen zu verdanken, sondern auch die Erfindung der Kleinbuchstaben und Satzzeichen.
Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches im Jahr 476 zerfiel Europas antike Hochkultur. Die mit Blut erkämpfte Stabilität, die Rom seinen Bürgern garantierte, wurde zu einer fernen Erinnerung.
Auf dem gesamten Kontinent brachen Kriege aus, die Hungersnöte und Seuchen verbreiteten. Drei Jahrhunderte voller Konflikte zwischen rivalisierenden Königen verwüsteten Häfen, Schulen, Bibliotheken und andere Zentren des kulturellen Austauschs im einstigen Großreich.
Zu den triumphierenden Persönlichkeiten in dieser Zeit gehörte Karl der Große (748–814). Um sein Königreich zu stärken, die Alphabetisierung zu fördern und das Christentum zu verbreiten, führte er eine Reihe von Bildungsreformen durch.
Es kam zu einer wahren Renaissance während der sogenannten Karolingerzeit (751–919). Diese Zeit der kulturellen Wiederbelebung zielte darauf ab, das Erbe der Vergangenheit zu bewahren und eine bessere Zukunft zu gestalten.
Europa im Umbruch
Karl der Große stammte von den Franken ab, einem alten germanischen Stamm, der sich vor mindestens 2.000 Jahren im heutigen Frankreich niedergelassen hatte. Ihr erster König war Chlodwig I. (466–511).
Als Mitglied der Merowinger-Dynastie war Chlodwig gleichzeitig einer der bekanntesten Franken, der zum katholischen Glauben konvertierte. Viele andere Franken waren dem Christentum zunächst fern.
Chlodwigs Taufe löste unter den germanischen Stämmen jedoch eine Welle von Bekehrungen aus. Später schöpfte das Königreich seine Kraft aus einer homogenen religiösen Identität. Dieses Glaubensbekenntnis verschaffte zudem die Unterstützung der katholischen Kirche in Rom, was sich als entscheidend für ihre politischen Bestrebungen erweisen sollte.
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Diese französische Buchmalerei zeigt die Taufe von Chlodwig I.
Im 7. Jahrhundert war der merowingische König lediglich ein symbolisches Staatsoberhaupt. Die wahre politische Macht besaß der sogenannte Hausmeier. Männer dieses Amtes hatten die Befugnis, das Hofpersonal zu prüfen, Verwaltungsbeamte im gesamten Königreich zu ernennen und die königliche Armee zu befehligen. Wie ein Hofmitglied von Karl dem Großen einst gesagt haben soll:
„Dem [merowingischen] König blieb nichts anderes übrig, als sich mit seinem Königstitel, seinem wallenden Haar und seinem langen Bart zufrieden zu geben.“
Mit Childerich III. (um 720–755) wurde der letzte merowingische König im Jahr 751 abgesetzt. Man scherte ihm öffentlich sein langes Haar, was den Verlust der Ehre und Königswürde symbolisierte, und verbannte ihn in ein Kloster.
Das Gemälde „Der letzte Merowinger“ von dem französischen Maler Évariste-Vital Luminais (1821–1896) zeigt Childerich III. nach seiner Absetzung.
Eingeleitet hat dies der Karolinger „Pippin der Kleine“ (auch „Pippin der Jüngere“ genannt) mit Zustimmung von Papst Zacharias (679–752). Fortan regierte der ehemalige Hausmeier Pippin III. (714–768) als erster karolingischer König über das Reich.
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Die mittelalterliche Buchmalerei zeigt Papst Zacharias, der Pippin den Jüngeren krönt (o.) und die Absetzung von Childerich III. (u.).
Im Jahr 756 schenkte er Papst Stephan II. (714–757) eroberte Gebiete in Mittelitalien, ein Akt, der auch als Pippinische Schenkung bekannt ist. Diese Gebiete bildeten später den Grundstein für den Kirchenstaat, der zur einflussreichsten religiösen, politischen und kulturellen Einheit im Mittelalter wurde.
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Das Fresko von Giovanni Battista Ricci (um 1537–1627) bildet die Pippinische Schenkung ab.
Als Pippin III. starb, erbten seine beiden Söhne das Reich als gemeinsame Herrscher. Obwohl sie blutsverwandt waren, versuchten Karl (748–814) und Karlmann (751–771), einander durch eine Reihe von Intrigen zu untergraben. Karls Anhänger führten ihre Streitigkeiten auf Fehleinschätzungen der Berater Karlmanns zurück, während die Verbündeten des jüngeren Bruders Karl als machtgierigen Despoten ansahen.
Im Jahr 771, als die Gefahr eines Bürgerkriegs drohte, starb Karlmann unerwartet eines natürlichen Todes. Sein plötzliches Ableben kam Karl zugute, der zum alleinigen Herrscher wurde. Wie sein Vater setzte Karl die Verteidigung des Papsttums gewaltsam fort.
Darstellung Karls des Großen in der Chronik des Ekkehard von Aura um 1112/14.
Er besiegte die Langobarden in Norditalien, schlug die heidnischen Sachsen im heutigen Deutschland zurück und drang bis nach Nordspanien vor, um die päpstlichen Gebiete vor dem muslimischen Kalifat zu verteidigen, das die Iberische Halbinsel beherrschte. Seine Klugheit, seine Unerbittlichkeit und mehr als 50 Feldzüge brachten Karl den Titel „Charlemagne“ (zu Deutsch: „Karl der Große“) ein.
Im Jahr 800, am Weihnachtstag, reiste Karl der Große nach Rom, wo ihn Papst Leo III. (750–816) zum Kaiser krönte. Das Karolingerreich umfasste den größten Teil des heutigen Frankreichs, Deutschlands, Belgiens, der Niederlande und Italiens. Als erster westlicher Kaiser nach 300 Jahren machte sich Karl der Große neue, mächtige Feinde. Doch er erlangte auch die Macht, Europa aus den Wirren zu befreien.
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Krönung Karls des Großen, ein Wandbild von Alfred Rethel (1816–1859) und Josef Kehren im Krönungssaal des Rathauses von Aachen.
Sein komplettes Lebenswerk hielt Einhard (um 775–840), der fränkische Gelehrte und Vertraute Karls, in der Biografie „Vita Karoli Magni“ fest. Zusammen mit den „Annales regni Francorum“ sind so aufschlussreiche Dokumente über die Regierungszeit des Kaisers erhalten geblieben.
Einhard (um 775–840) war ein fränkischer Gelehrter, der die Biografie von Kaiser Karl dem Großen schrieb.
So überliefert Einhard die zahlreichen militärischen Erfolge des Kaisers – darunter einen furchtlosen Feldzug durch unwegsame Gebirgskämme in den italienischen Alpen. Für den Biografen waren diese Heldentaten ein Beispiel für Karls außergewöhnliche Willenskraft:
„Aber in seinem hohen Sinn und seiner in Glück und Unglück sich gleich bleibenden Beharrlichkeit ließ sich der König durch keinen Wankelmuth von ihrer Seite ermüden, noch von dem, was er sich einmal vorgenommen hatte, abbringen“.
Einhard lobte außerdem die Beredsamkeit von Karl, die ihm in heiklen Debatten den Sieg und entscheidende Unterstützung von zögernden Verbündeten sicherte: „Reich und sicher floß ihm die Rede vom Munde, und was er wollte, konnte er leicht und klar auszudrücken“.
Die Beredsamkeit des Kaisers beruhte zum großen Teil auf seinen Lateinkenntnissen. Während des gesamten Mittelalters konnten Angehörige der Elite ohne das Studium der lateinisch-griechischen Rhetorik keinen sozialen Aufstieg erreichen. Doch dieses war wichtig, um zu einem scharfsinnigen Denker, überzeugenden Redner und guten Anführer zu werden. Karl der Große soll das Lateinische ebenso gut beherrscht haben wie seine Muttersprache.
Ausschnitt aus der „Vita Karoli Magni“: In der Initiale V ist der thronende Karl der Große dargestellt.
Im 8. Jahrhundert war Latein noch immer die offizielle Sprache der Diplomatie. Es war auch die Amtssprache der katholischen Kirche, die zu dieser Zeit bereits auf lateinische Übersetzungen des hebräischen Alten Testaments und des griechischen Neuen Testaments zurückgriff.
Karl der Große war ein strenger Christ. Seine Frömmigkeit nahm viele Formen an. Er ließ beeindruckende Gotteshäuser errichten, wie den Dom in seiner Hauptresidenz Aachen, wo er 814 beigesetzt wurde.
Der Aachener Dom ist einer der ältesten Europas. Seine prächtige Gestaltung verkörpert den ästhetischen Wandel von den runden Formen romanischer Bauwerke hin zu den nach oben streckenden Spitzbögen der gotischen Architektur.
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Blick auf den Aachener Dom, dessen Bau Karl der Große in Auftrag gab.
Foto: A-Basler/iStock
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Der reich verzierte, achteckige Innenraum des Aachener Doms.
Foto: Wirestock/iStock
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Die Chorhalle des Aachener Doms ist mit großen Buntglasfenstern geschmückt. Hier sind auch wichtige religiöse Artefakte ausgestellt.
Foto: hain tarmann/iStock
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Der marmorne Karlsthron, auch Aachener Königsthron genannt, im Aachener Dom. Hier wurden seit 936 die römisch-deutschen Könige gekrönt.
In dem 1182 gefertigten Karlsschrein liegen die umgebetteten Gebeine von Karl dem Großen. Eine anthropologische Untersuchung aus dem Jahr 2010 ergab, dass Karl der Große mit 1,84 Metern für die damalige Zeit überdurchschnittlich groß war.
Foto: hain tarmann/iStock
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Die Karlsbüste, die speziell zum Karlsfest im Aachener Dom aufgestellt wird, ist ein um 1350 geschaffenes Reliquiar, welches die Schädeldecke Karls des Großen enthalten soll.
Angetrieben von seiner Liebe zum Lateinischen bemühte sich Karl der Große um eine Reform der Kirche und des Bildungswesens. Die alte Sprache war für ihn ein Tor zum Glauben – ein Weg, sein spirituelles Leben zu bereichern und anderen zu helfen, ihr eigenes zu verbessern.
Doch die Alphabetisierung im karolingischen Reich befand sich in einem desolaten Zustand. Ohne Grundkenntnisse im Lateinischen, so glaubte Karl der Große, würden die Segnungen des Glaubens unerreichbar bleiben.
Karl der Große und seine Reformen
Im Jahr 789 veröffentlichten Karls Beamte die „Admonitio generalis“ – eines der bekanntesten Kapitulare. Diese hoheitliche Anordnung ähnlich einem Gesetz erklärte Karl zum geistlichen Verwalter des Reiches. Als solcher war er für die moralische Integrität seines Volkes verantwortlich, die eng mit der Integrität der Kirche verbunden war.
Originaltext der „Admonitio generalis“ von 789, der sich in der Nationalbibliothek von Paris befindet.
Verärgert über einen seiner Meinung nach undisziplinierten Klerus, ermahnte Karl der Große Priester und Bischöfe, der Korruption zu widerstehen und ihre Pflichten zum Wohle aller zu erfüllen. Ein Teil des Problems lag seiner Ansicht nach im Fehlen der lateinischen Sprache. Dies verhinderte eine tiefe Auseinandersetzung mit der christlichen Literatur, einschließlich der Bibel.
Um die Alphabetisierung zu fördern, rief Karl der Große zunächst seine eigene Hofschule ins Leben. Hier forschten und lehrten zahlreiche führende Gelehrte des gesamten Reiches, unter anderem Einhard und Alkuin von York (um 735–804), die zusammen mit dem volksnahen Kaiser und seinem Gefolge von Pfalz zu Pfalz durch das Herrschaftsgebiet reisten.
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Die Illustration in einem Manuskript zeigt Hrabanus Maurus (l.), der auf Raten von Alkuin (m.) sein Werk dem Erzbischof Otgar von Mainz übergibt.
Der Lehrplan der Hofschule soll dabei nicht nur militärische Strategien und höfische Umgangsformen, sondern auch Dichtkunst, Literatur, Astronomie und praktisch jede existierende Disziplin umfasst haben. Detaillierte Inhalte sind jedoch nicht erhalten.
Bekannt ist aber, dass Alkuin vom Kaiser damit beauftragt wurde, das neue Bildungsmodell im gesamten Reich zu verbreiten. Der Mann, den Einhard als „den größten Gelehrten seiner Zeit“ bezeichnete, leitete daher den Aufbau zahlreicher Domschulen.
Obwohl bescheidener als die Hofschule, lehrten diese Einrichtungen vielen jungen Männern – Geistlichen und Laien gleichsam – die „sieben freien Künste“: lateinische Grammatik, Rhetorik, Logik, Geometrie, Arithmetik, Astronomie und Musik. Lehrpläne vereinheitlichten zudem den Unterricht und trugen dazu bei, die Sprache am Leben zu erhalten, wodurch griechisch-römische und christliche Traditionen für kommende Generationen gesichert waren.
Karolingische Schulen waren zudem verpflichtet, Gesang und liturgische Hymnen zu unterrichten. Die Schüler lernten die Psalmen und andere Sammlungen religiöser Lieder auswendig, von denen man glaubte, dass sie eine tiefere Beziehung zur Bibel fördern würden.
Künstlerische Darstellung der Sieben Freien Künste. In der Mitte thront die Personifikation der Philosophie.
Kleinbuchstaben: Neue Zeichen erleichtern das Lernen
Um die Abschrift, Weitergabe und das Studium von Texten zu erleichtern, führten Alkuin und seine Gelehrtenkollegen eine scheinbar triviale, aber bahnbrechende Erfindung ein: Kleinbuchstaben. Offiziell als karolingische Minuskel bezeichnet, revolutionierte dieses neue Mittel das Schreiben.
Bis zum Ende des 8. Jahrhunderts hatten Schreiber fast ausschließlich Großbuchstaben verwendet. Sie setzten weder Leerzeichen zwischen den Wörtern noch verwendeten sie Satzzeichen. Diese Gewohnheit sparte zwar wertvolles Papier, beeinträchtigte jedoch die Lesbarkeit. Noch heute haben Experten Schwierigkeiten, vorkarolingische Handschriften zu entziffern.
Die karolingische Minuskel erleichterte die Unterscheidung von Wörtern und vereinheitlichte die Handschrift, die je nach Schreiber und Schüler stark variieren konnte. Neben nützlichen Leerzeichen und einheitlichen Buchstabengrößen förderten die Karolinger auch die Verwendung von Satzzeichen, was Texte noch lesbarer machte. Es überrascht nicht, dass Bücher dadurch leichter zu kopieren, zu lesen und zu verbreiten waren.
Ausschnitt aus einer Alkuin-Bibel. Der Text ist abgesehen von einer Zeile in Auszeichnungsschrift in karolingischer Minuskel geschrieben.
Karls Bemühungen waren kein Einzelfall. Drei Jahrhunderte zuvor hatten die spätantiken Politiker Boethius (um 480–526) und Cassiodor (um 490–580) ähnliche Versuche unternommen. Boethius verbrachte unzählige Stunden damit, griechische Philosophie ins Lateinische zu übersetzen, während Cassiodor das Vivarium gründete: ein Kloster in Süditalien, das sich der Abschrift und Übersetzung wertvoller Texte widmete. Ihr Ziel war dasselbe: erbauliche Literatur für die Nachwelt zu bewahren.
Obwohl diese Bemühungen großen Einfluss hatten, wurden sie größtenteils im Alleingang unternommen. Nur ein systematisches, von oben gesteuertes Programm wie das Karls des Großen konnte einen dauerhaften Wandel gewährleisten.
Nach einer Schätzung von Dr. Eltjo Buringh aus dem Jahr 2011 produzierten Klöster allein im 9. Jahrhundert mehr als 100.000 Handschriften, von denen etwa 7.000 erhalten sind. Von allen historischen Überlieferungen vor dem 9. Jahrhundert sind nur 2.000 erhalten.
Das Kloster Lorsch in Hessen existierte bereits in der Karolingerzeit.
Karl der Große interessierte sich in erster Linie für christliche Literatur. Doch wie Boethius und Cassiodor erkannte auch er, dass die griechischen und römischen Traditionen es wert waren, bewahrt zu werden, da sie nützliche Erkenntnisse in Ethik und Politik lieferten.
Die Bemühungen des Kaisers, die Alphabetisierung zu fördern und die Beziehung seines Volkes zu Gott zu vertiefen, führten zur Bewahrung wichtiger religiöser und philosophischer Texte. Diese Texte beflügelten später so unterschiedliche und entscheidende Bewegungen wie die Reformation, die italienische Renaissance und die Französische Revolution. Das unauslöschliche Vermächtnis der karolingischen Renaissance ist deshalb ein beeindruckendes Zeugnis für die weltgestaltende Kraft des geschriebenen Wortes.
Porträt von Karl dem Großen, gemalt von Albrecht Dürer (1471–1528).
Das neue Rathaus in Hannover, der Landeshauptstadt von Niedersachsen. - Foto: saiko3p/iStock
In Kürze:
6,3 Millionen Wahlberechtigte entscheiden am 13. September über 2.182 kommunale Vertretungen in Niedersachsen.
Insgesamt stehen 29.501 Mandate zur Wahl; dafür gibt es 68.061 Kandidaturen.
In 395 Kommunen werden außerdem Landräte, Bürgermeister, Oberbürgermeister oder der Regionspräsident direkt gewählt.
Besonderes Augenmerk gilt eine Woche nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt dem Abschneiden der AfD.
Eine Woche nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht der nächste Wahlsonntag an. Am 13. September sind 6,3 Millionen Stimmberechtigte bei den Kommunalwahlen dazu aufgerufen, insgesamt 2.182 Vertretungen neu oder – im Fall von Gebietsveränderungen – erstmals zu wählen. Gewählt werden die Räte der acht kreisfreien Städte, 36 Kreistage, die Regionsversammlung der Region Hannover und 927 kreisangehörige Stadt- und Gemeinderäte. Dazu kommen die Vertretungen von 113 Samtgemeinden, 1.095 Stadtbezirken und Ortschaften und den gemeindefreien Gebieten Lohheide und Osterheide.
Dazu kommen Direktwahlen in 395 Kommunen. Dort werden die Hauptverwaltungsbeamten wie Landräte, Oberbürgermeister, Bürgermeister, Samtgemeindebürgermeister und der Regionspräsident der Region Hannover neu gewählt. Neben der Region Hannover und den acht kreisfreien Städten finden diese Wahlen in 32 Landkreisen, 253 kreisangehörigen Städten und Gemeinden und in 101 Samtgemeinden statt.
Wer steht in Niedersachsen zur Wahl?
Insgesamt 26 Parteien und politische Vereinigungen sowie Einzelkandidaten werden sich zur Wahl stellen. Die CDU wird insgesamt 18.235 Kandidaten aufbieten, die im Land regierende SPD 16.256. Die drittmeisten Kandidaten stellen die Grünen mit 8.178 vor der FDP mit 4.290 auf. Für die AfD kandidieren 2.622 Personen, für die Linke 2.102, das BSW kommt auf 305 Bewerber. Wählergruppen kommen auf 14.364 Kandidaten. Die Zahl der Kandidaten insgesamt liegt bei 68.061.
Vor fünf Jahren kam die CDU bei den Wahlen zu den Gemeindevertretungen auf 32,8 Prozent und landete damit vor der SPD mit 29,6 Prozent. Die Grünen kamen auf 13,5 Prozent, Wählergruppen auf 13 und die FDP auf 5,2 Prozent. Die AfD kam auf 2,2 Prozent und die Linke auf 1,6 – wobei zu berücksichtigen ist, dass beide nicht flächendeckend mit Wahlvorschlägen vertreten waren.
In den Kreistagen und Vertretungen der kreisfreien Städte kam die CDU auf 31,7 Prozent, die Sozialdemokraten erreichten 30 Prozent. Die Grünen waren in diesem Bereich, der auch Großstädte umfasst, deutlich stärker und kamen auf 15,9 Prozent. Die FDP erreichte 6,5 Prozent. Eine geringere Rolle spielten dort Wählergemeinschaften mit 5,6 Prozent. Die AfD kam auf 4,6 Prozent, die Linke auf 2,8.
AfD kann auch im Westen auf signifikante Zugewinne hoffen
Eine Woche nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird das Abschneiden der AfD mit besonderem Interesse verfolgt. Zwar ist ein Ergebnis, das auch nur nahe an die knapp 44 Prozent in Sachsen-Anhalt heranreichen würde, unwahrscheinlich. Deutliche Zugewinne und ein landesweit klar zweistelliges Ergebnis sind jedoch zu erwarten.
Landesweite Umfragen sahen die Partei zuletzt bei 20 Prozent. Diese beziehen sich jedoch auf Landtagswahlen. Die AfD tritt nicht in allen Gemeinden an. Für die Ebene der Kreistage, der Region Hannover und der kreisfreien Städte schickt sie 1.166 Kandidaten ins Rennen, für die kreisangehörigen Gemeinden und Samtgemeinden 1.456.
Für die direkt zu wählenden Hauptverwaltungsbeamten stellt die AfD 69 Kandidaten. In 18 Fällen, von denen die meisten Kandidaten der AfD betrafen, leiteten die Wahlausschüsse Verfahren zur Prüfung des Vorliegens der Wählbarkeitsvoraussetzungen ein. In fünf Fällen verneinten sie dieses – vier davon betrafen AfD-Kandidaten.
Kontroverse um Wahlprüfungen – vier AfD-Kandidaten nicht zu Beamtenwahlen zugelassen
Nicht zugelassen wurden die Kandidaturen von Thorsten Moriße zur OB-Wahl in Wilhelmshaven, von Stephan Bothe zur Landratswahl in Lüneburg, von Martin Sichert zur Landratswahl in Friesland und von Justin Vogel zum Bürgermeister von Herzberg am Harz. Nach Prüfung durch den Landkreis wurde die Kandidatur von Reinhild Goes für das Bürgermeisteramt in Nörten-Hardenberg zugelassen. In den übrigen Fällen wurden AfD-Wahlvorschläge für die Wahl der Hauptverwaltungsbeamten nicht beanstandet.
Grundlage für die Prüfungen ist das seit April 2026 geltende neue Niedersächsische Kommunalwahlgesetz. Diesem zufolge müssen Wahlausschüsse bereits im Vorfeld der Wahlen zu Hauptverwaltungsposten die Wählbarkeit von Kandidaten prüfen. Dazu gehört auch die Verfassungstreue. Ein Amt als Oberbürgermeister, Landrat, Bürgermeister oder Regionspräsident ist ein Posten als „Beamter auf Zeit“. Einen solchen kann nur ausüben, wer „Gewähr dafür bietet, jederzeit für die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes einzutreten“.
Der Landesverfassungsschutz in Niedersachsen stuft den dortigen AfD-Landesverband als „gesichert rechtsextremistisch“ ein. Eine Mitgliedschaft in der Partei kann deshalb im Fall einer Bewerbung um einen Beamtenposten zum Anlass für eine Überprüfung der Verfassungstreue werden. Sieht der zuständige Wahlausschuss Anlass, diese bei einem Kandidaten zu bezweifeln, darf er die Kommunalaufsicht einschalten.
Staatsrechtler uneinig über Legitimität der Vorprüfung
Diese nimmt für kleine Gemeinden der Landkreis vor, bei Wahlen zum Landrat, Oberbürgermeister oder Regionspräsidenten ist es das Innenministerium. Die Kommunalaufsicht kann das öffentliche Auftreten potenzieller Kandidaten auswerten und auch den Verfassungsschutz um Auskünfte bitten. Anschließend gibt sie dem zuständigen Wahlausschuss eine Empfehlung.
Dieser trifft die letztendliche Entscheidung über die Zulassung jedoch allein. Der Wahlausschuss besteht aus dem Wahlleiter, der den Vorsitz innehat, und sechs Beisitzern, die nach der Parteienstärke bei der letzten Wahl zusammengesetzt sind. Der Ausschuss hat neutral und nicht als politisches Gremium zu agieren. Seine Aufgabe ist es, eine chancengleiche Wahl zu garantieren. Dabei hat er das Interesse an einer Wahrung des passiven Wahlrechts gegenüber jener des Gebots der Verfassungstreue im Einzelfall abzuwägen.
Die AfD, aber auch einige Staatsrechtler wie Volker Boehme-Neßler (Oldenburg) haben die Regelung kritisiert. Boehme-Neßler warnte vor einem „Entzug des passiven Wahlrechts durch die Hintertür“ und einer Verletzung des Prinzips der Allgemeinheit der Wahl. Hans Michael Heinig (Göttingen) hingegen erklärt, es gehe „gerade nicht um ein Parteiverbotsverfahren durch die Hintertür oder um politische Sanktionierungen für bloße Parteizugehörigkeit“. Ziel sei es, sicherzustellen, dass jemand als Person die Gewähr dafür bietet, für die Verfassung einzustehen.
Wird die VW-Krise die Wahl in Niedersachsen beeinflussen?
Die zuständigen Verwaltungsgerichte und das Oberverwaltungsgericht Lüneburg lehnten Eilanträge betroffener Kandidaten gegen deren Nichtzulassung ab. Das OVG verwies darauf, dass das Kommunalwahlrecht einen Wahleinspruch und eine gerichtliche Überprüfung erst nach der Wahl vorsehe. Im Eilverfahren wiege das Interesse am reibungslosen Ablauf der Wahlen und ihrer termingerechten Durchführung schwerer.
Neben dem Abschneiden der AfD stehen vor allem die Wahlen in den größeren Städten von Niedersachsen im Mittelpunkt des Interesses. In Hannover hofft der seit 2019 regierende grüne Oberbürgermeister Belit Onay auf seine Wiederwahl. In der Region Hannover wird ein neuer Regionspräsident gewählt. Derzeit übt der Erste Regionsrat Jens Palandt das Amt kommissarisch aus, weil der gewählte Präsident Steffen Krach bis zum Ende seiner Amtsperiode beurlaubt ist.
Krach wechselte im Vorjahr in die Berliner Landespolitik. Er ist Co-Vorsitzender des dortigen SPD-Landesverbandes und Spitzenkandidat der Sozialdemokraten für die Abgeordnetenhauswahlen am 20. September. Von Interesse dürfte auch sein, wie sich die Krise der Automobilindustrie auf das kommunale Wahlverhalten auswirkt. Mit Wolfsburg, Hannover, Emden, Osnabrück, Braunschweig und Salzgitter gibt es gleich sechs bedeutende Standorte für den VW-Konzern. Unklar ist, inwieweit Bundesthemen die Wahl in den Kommunen beeinflussen werden.
Ein Zuschauer ist nach einem Notfall bei der Zweitliga-Partie zwischen Eintracht Braunschweig und Dynamo Dresden gestorben. - Foto: Swen Pförtner/dpa
Überschattet vom Todesfall eines Fans hat das Kellerduell in der 2. Fußball-Bundesliga zwischen Eintracht Braunschweig und Dynamo Dresden keinen Sieger gefunden. Vor 20.915 Zuschauern gab es ein 2:2 (1:1)-Unentschieden.
Die Treffer erzielten Nicolai Rapp (3. Minute) und Thomas Keller (72.) für Dynamo sowie Maximilian Entrup (5.) und Mehmet Aydin (68., Foulelfmeter) für die Eintracht.
Eintracht trauert um Fan
Der Anpfiff hatte sich wegen des Einsatzes auf der Haupttribüne um 15 Minuten verzögert. Rettungskräfte schirmten den Einsatzort mit großen weißen Planen ab. Per Stadiondurchsage wurde mitgeteilt, dass ein Mensch um sein Leben kämpfe.
In der Halbzeit gab der Stadionsprecher dann bekannt, dass der Fan auf dem Weg in das Krankenhaus gestorben sei. Auf Wunsch der Familie wurde das Spiel mit der Anfeuerung der Fans fortgesetzt.
„Trotz sofort eingeleiteter Maßnahmen ist der betroffene Eintracht-Fan leider auf dem Weg ins Krankenhaus verstorben“, teilte die Eintracht in den sozialen Medien mit. „Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl gelten seiner Familie und seinen Angehörigen.“
Hektischer Auftakt in die Partie
Auf dem Rasen ging es sofort zur Sache. Schon nach wenigen Sekunden sah Robert Wagner die Gelbe Karte. Der Dresdner Mittelfeldspieler schloss die hektische Anfangsphase mit der Dynamo-Führung durch Rapp und dem Eintracht-Ausgleich durch Entrup mit einem Schuss an die Latte (8.) ab.
Nach der Pause entschied der Unparteiische Lars Erbst nach einem Foul von Tobias Raschl an Andi Hoti auf Elfmeter für Braunschweig. Aydin verwandelte sicher. Keller stellte mit dem zweiten Dresdner Treffer im Anschluss an eine Ecke den Ausgleich her. Durch das Remis bleiben beide Teams im Tabellenkeller.
Fahne von Russland (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und zunehmender hybrider Angriffe in Europa halten Deutschlands Städte und Gemeinden an ihren russischen Städtepartnerschaften fest. Das zeigt eine Umfrage des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ unter rund 100 Kommunen mit russischen Partnerstädten.
Demnach hat seit Beginn des Krieges nur eine Kommune die Städtepartnerschaft offiziell beendet. Alle anderen haben die Verbindungen nach eigenen Angaben ruhend gestellt. Offizielle Reisen, Empfänge und Austauschprogramme finden demnach nicht mehr statt. Formal bestehen die Partnerschaften jedoch fort.
Für den Fall einer Friedenslösung wollen 42 Prozent der befragten Kommunen ihre Partnerschaft wieder aktiv aufnehmen. Darunter Großstädte wie Stuttgart, Dresden, Essen oder Aachen. Nur zwei Kommunen lehnen dies ab; die übrigen äußerten sich unentschlossen. Der Deutsche Städtetag hatte im März 2022 empfohlen, die Städtepartnerschaften nicht aufzukündigen, sondern ruhen zu lassen.
39 Prozent der befragten Kommunen gaben an, dass es seit Kriegsbeginn informelle Kontakte in die russische Partnerstadt gegeben habe, etwa auf Verwaltungsebene, über Vereine oder Kulturinitiativen.
In Münster gab es bis Ende 2022 nach Angaben der Stadt noch alle drei Monate Videogespräche mit der Verwaltung in Rjasan; inzwischen gebe es noch etwa zweimal im Jahr Kontakt.
Die Hamburg Hafen Marketing GmbH erhielt laut RND bis Mai 2026 Geld seitens des Hamburger Senats für Aktivitäten in Russland, unter anderem für ein Büro in St. Petersburg sowie zur Marktbeobachtung im Ostseeraum.
Auch über russisch-deutsche Partnervereine bestehen Kontakte fort. Ehrenamtliche in fünf deutschen Kommunen empfingen laut Umfrage nach Kriegsbeginn Besuch aus ihren russischen Partnerkommunen. Mitglieder der Deutsch-Russischen Gesellschaft Ettlingen reisten dem RND zufolge im Mai 2024 in die Partnerstadt Gatschina.
Gleichzeitig verurteilten 53 Prozent der Kommunen den russischen Angriffskrieg in Schreiben an ihre Partnerstädte. 17 Prozent erhielten darauf eine Antwort. Diese habe teils Putin-treue Formulierungen enthalten, teilte Dresden mit. Tübingen berichtete, aus der Partnerstadt sei als Bedingung für eine Wiederaufnahme des Kontakts die Beseitigung des Nazismus in Europa genannt worden.
Kritik an den fortbestehenden formalen Verbindungen gibt es unterdessen aus der Opposition in einigen Städten. In Hamburg und Düsseldorf scheiterten in diesem Jahr Anträge von CDU und FDP, die jeweiligen Städtepartnerschaften mit russischen Kommunen vollständig zu beenden. Befürworter eines Festhaltens an den Partnerschaften argumentieren dagegen, die Verbindungen zwischen den Bürgern müssten aufrechterhalten werden.
25 Prozent der befragten Kommunen gaben zudem an, seit 2022 eine neue Partnerschaft mit einer ukrainischen Stadt geschlossen oder eine bestehende Verbindung ausgebaut zu haben. (dts/red)
Polizei und Rettungsdienst wurden zu der Senioreneinrichtung alarmiert. (Symbolbild) - Foto: Friso Gentsch/dpa
Ein Mann soll laut Polizei in einem Seniorenheim in Hann. Münden in Südniedersachsen bei Göttingen seinen Bruder und dann sich selbst erschossen haben. Die Männer waren 66 und 70 Jahre alt, wie die Polizei mitteilte. Die Tat habe nach ersten Ermittlungen einen „innerfamiliären“ Hintergrund, sagte eine Polizeisprecherin.
Möglicherweise handele es sich um einen „erweiterten Suizid“. Darunter versteht man, wenn ein Mensch sich töten will, zuvor aber auch anderen das Leben nimmt. Zu einem Motiv gab es noch keine Angaben.
Ersten Ermittlungen zufolge hatte der 66-Jährige am Morgen seinen Bruder in der Pflegeeinrichtung aufgesucht. Dann kam es zu einer Schussabgabe. Der 70-Jährige wurde tödlich verletzt. Danach soll sich der 66-Jährige selbst eine tödliche Schussverletzung zugefügt haben. Zu der Tat kam es demnach im Außenbereich der Pflegeeinrichtung.
Keine Hinweise auf weitere beteiligte Personen
Mitarbeiter der Einrichtung seien nicht betroffen gewesen, sagte die Polizeisprecherin. Hinweise, dass andere Personen beteiligt waren, hat die Polizei bislang nicht. Es gebe keinen flüchtigen Täter. „Es besteht keine Gefahr für Unbeteiligte.“ Weiteren Angaben zufolge wurde eine Schusswaffe am Tatort gefunden und sichergestellt.
Polizei und Rettungsdienst waren am Morgen zunächst zu zwei Schwerverletzen in der Senioreneinrichtung am Rande der Altstadt alarmiert worden. Auch ein Rettungshubschrauber war im Einsatz, wie ein dpa-Fotograf vor Ort berichtete. Um Familienangehörige und Bewohnerinnen und Bewohner der Pflegeeinrichtung zu betreuen, waren Notfallseelsorger im Einsatz.
Die Stadt Hann. Münden im Süden Niedersachsens hat rund 24.000 Einwohner. (dpa/red)
Thorsten Frei am 08.09.2026 - Foto: via dts Nachrichtenagentur
In Kürze:
Nach Friedrich Merz hat auch Thorsten Frei einen möglichen Bundeszwang gegen Sachsen-Anhalt angesprochen.
Voraussetzung wäre ein Verstoß einer Landesregierung gegen Verfassung oder Bundespflichten.
Artikel 37 des Grundgesetzes sieht den Bundeszwang als letztes Mittel vor.
Die Debatte ist bislang hypothetisch: Die AfD wurde zwar mit Abstand stärkste Kraft, verfehlte die absolute Mehrheit jedoch knapp.
Nach Bundeskanzler Friedrich Merz hat nun auch CDU/CSU-Fraktionschef Thorsten Frei das Thema des sogenannten Bundeszwangs mit Blick auf Sachsen-Anhalt ins Spiel gebracht. Dieser könne zum Tragen kommen, sollte es eine AfD-geführte Landesregierung geben und diese gegen Verfassung oder Bundespflichten verstoßen.
Gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND) äußerte Frei in der Samstagsausgabe vom 12. September:
„Sollte es die Lage erfordern, werden wir selbstverständlich das Grundgesetz durchsetzen und dafür alle Instrumente nutzen.“
AfD-Regierung hätte in Sachsen-Anhalt Spielraum bei Migration – Grundzüge bestimmt aber der Bund
Bereits am Montag hatte Bundeskanzler Friedrich Merz in einer Pressekonferenz in Berlin angedeutet, Instrumente zur Durchsetzung der Bundestreue anzuwenden, sollte dies in Sachsen-Anhalt erforderlich werden. Regierungen und ihre Politik stünden regelmäßig zur Abstimmung, so Merz, dies gelte jedoch nicht für „die Regeln unseres Zusammenlebens und die Werte unseres Grundgesetzes“.
Sollte eine mögliche AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt Grenzen verbindlicher Gesetze oder der Verfassung überschreiten, werde man „alles tun, um das zu korrigieren“, so Merz. Die Pflicht zur Bundestreue bestimme wesentliche Teile der Politik. Dies gelte beispielsweise in der Einwanderungs- oder Ausländerpolitik. Hier hätten die Länder Spielräume, die Grundzüge würde aufgrund der Kompetenzverteilung im Grundgesetz jedoch der Bund bestimmen.
Artikel 37 des Grundgesetzes kommt zum Tragen, wenn „die ihm nach dem Grundgesetze oder einem anderen Bundesgesetze obliegenden Bundespflichten nicht erfüllt“. Dem Größenschluss zufolge gilt dies erst recht dann, wenn Entscheidungen von Ländern gegen die Verfassung verstoßen.
Bundeszwang ist letztes Mittel – und unterliegt parlamentarischer und gerichtlicher Kontrolle
Sollte die Bundesregierung zu dem Schluss gelangen, dass die Voraussetzungen für die Anwendung des Bundeszwangs gegeben sind, kann sie „mit Zustimmung des Bundesrates die notwendigen Maßnahmen treffen, um das Land im Wege des Bundeszwangs zur Erfüllung seiner Pflichten anzuhalten“. Technisch könnte die Bundesregierung oder ein von ihr eingesetzter Beauftragter ein Weisungsrecht gegenüber dem betroffenen Land und dessen Behörden ausüben.
Wie Frei selbst einräumt, stellt ein solches Vorgehen jedoch eine Ultima Ratio dar. Es müssen also erst alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sein, um mit dem Land eine gesetzeskonforme Lösung von Konflikten über Gesetzgebung oder Vollziehung zu erzielen. Außerdem unterliegt der Bundeszwang der parlamentarischen Kontrolle durch den Bundestag und der Überprüfung durch Gerichte.
Zu Beginn der Woche hatte sich bereits der EU-Abgeordnete der Grünen, Daniel Freund, zum Thema möglicher Folgen einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt zu Wort gemeldet. Er brachte die Möglichkeit einer Zurückhaltung von EU-Fördermitteln ins Spiel, sollte eine solche verbindliche Vertragsinhalte und Prinzipien der EU verletzen. Sein SPE-Kollege Matthias Ecke wies diesen Vorstoß zurück und verwies auf innerstaatliche Mittel, um notfalls verfassungskonformes Regieren zu gewährleisten.
Bislang rein hypothetische Debatten – noch keine AfD-geführte Koalition in Sicht
Die Debatten spielen sich bis dato im Bereich des Hypothetischen ab. Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt wurde die AfD am vergangenen Sonntag mit deutlichem Abstand stärkste Kraft. Die angestrebte absolute Mehrheit verfehlte sie jedoch knapp. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund benötigt mindestens drei Stimmen aus den Reihen der übrigen Fraktionen, um Gesetze beschließen zu können.
In der Vorwoche hat die AfD in Sachsen-Anhalt Einladungen zu Sondierungsgesprächen an alle im Landtag vertretenen Parteien versandt. SPD, Grüne und Linkspartei haben abgelehnt. Die CDU hat sich nicht explizit zu den Einladungen geäußert, eine Regierungskoalition mit der AfD jedoch abgelehnt. Auch haben alle 15 Abgeordneten der Partei auf Anfrage des MDR erklärt, nicht zu einem Wechsel zur AfD bereit zu sein.
Das überraschend in den Landtag eingezogene BSW hat zwar erklärt, Sondierungsgespräche mit der AfD führen zu wollen. Allerdings haben Spitzenkandidatin Claudia Wittig und Gründerin Sahra Wagenknecht ausgeschlossen, dass das BSW in eine Koalition eintreten wird. Die Wagenknecht-Partei favorisiert zudem die Wahl einer überparteilichen Persönlichkeit zum Ministerpräsidenten, was die AfD ausschließt. Gleichzeitig machte Wagenknecht deutlich, dass das BSW die Remigrationsagenda der AfD nicht mittragen wird.
Wolodymyr Selenskyj (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist nach eigenen Angaben zu einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin bereit, sollten beide Politiker zu einem G20-Gipfel in die USA eingeladen werden. „Wir müssen uns treffen, miteinander sprechen und Entscheidungen treffen“, sagte Selenskyj in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der Deutschen Welle (DW).
„Es geht nicht um Worte“, sagte Selenskyj in dem Interview, das am Freitag in Kanada geführt wurde. „Was ich ihm sagen werde oder was er mir sagen will, spielt keine Rolle“, sagte Selenskyj mit Blick auf Putin. Er fügte hinzu: „Was zählt, ist das Ergebnis.“
Die USA haben in diesem Jahr den Vorsitz der G20-Gruppe inne. Im Dezember findet in Miami im Bundesstaat Florida der Gipfel der G20-Staats- und -Regierungschefs statt. US-Präsident Donald Trump hatte im April gesagt, eine Teilnahme Russlands wäre „wahrscheinlich sehr hilfreich“. Seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine im Februar 2022 haben sich Putin und Selenskyj nicht persönlich getroffen.
In die diplomatischen Bemühungen um ein Ende der Kampfhandlungen ist nach einer langen Pause kürzlich wieder Schwung gekommen: In einem neuen Vorstoß Washingtons reisten die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner am vergangenen Wochenende zu politischen Gesprächen nach Moskau und Kiew.
Den Besuch der US-Gesandten nannte Selenskyj in dem DW-Interview „ein gutes Signal“. Die Ukraine sei an der Front viel stärker als noch im vergangenen Jahr, Moskau dagegen zahle einen „hohen Preis“ für kleine Erfolge. „Deshalb glauben wir, dass wir uns jetzt in einer guten Verhandlungsposition befinden“, betonte der ukrainische Präsident.
Bei seinem Besuch in Kanada hatte Selenskyj erklärt, er plane Ende September noch ein Treffen mit Trump in New York. Die Ukraine benötigt eigenen Angaben zufolge dringend eine bessere Luftverteidigung – insbesondere US-Patriot-Systeme, die ballistische Raketen abfangen können. Angesichts des bevorstehenden Winters fürchtet Kiew massive Schäden durch russische Angriffe auf ihre Energieinfrastruktur wie bereits im vergangenen Jahr.
Auf die Frage, ob die USA genügend Raketen bereitstellen würden, sagte Selenskyj: „Sie haben den politischen Willen zu verkaufen und zu helfen, aber die Produktion ist nicht allzu groß.“ (afp/red)
Michael Kretschmer (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat Kanzler Friedrich Merz (beide CDU) bei den geplanten Reformen zur Stärkung der Wirtschaft zu mehr Gesprächsbereitschaft gegenüber den Gewerkschaften aufgefordert. Deutschland brauche „einen Ruck und vor allem die Bereitschaft, wettbewerbsfähiger zu werden – gegenüber Polen, China und anderen Standorten“, sagte Kretschmer der Chemnitzer „Freien Presse“ vom Samstag. Merz „sollte dabei stärker das Gespräch mit den Gewerkschaften suchen“.
„Gerade in den Industriegewerkschaften gibt es viele, die wissen, was auf dem Spiel steht“, sagte Kretschmer. Den Arbeitnehmervertretern sei klar, „dass wir Produktion und gute Arbeitsplätze in Deutschland nur sichern können, wenn wir wieder wettbewerbsfähiger werden“.
Die Vorstellung, Deutschland lasse sich „passiv sanieren, indem wir die Ausgaben den Einnahmen anpassen, wird nicht funktionieren“, sagte der CDU-Politiker. „Wir müssen auf Wachstum setzen.“ Dafür müsse auch mehr beim Thema Energiepreise und Deregulierung getan werden.
Notwendig sei aber auch, den Menschen besser zu vermitteln, warum beispielsweise bei den Renten Reformen nötig seien. „Das Leitbild muss sein: Wir tun das, weil Menschen, die gearbeitet haben, einen sicheren Lebensabend haben sollen“, sagte Kretschmer. „Das können wir nicht nur kalt mit Zahlen erklären, sondern mit einem konservativen und bürgerlichen Herz.“
„Wir müssen die Herausforderungen lösen, die die Bevölkerung umtreiben“, forderte der Ministerpräsident. „Nur sind wir inzwischen auf einer schiefen Ebene, die sich immer mehr beschleunigt. Es ist allerhöchste Zeit zu handeln.“
Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt sieht sich CDU-Chef Merz auch in der eigenen Partei massiv unter Druck. Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels (CDA), Dennis Radtke, hatte am Freitag erklärt, der von Merz vertretenen Kurs einer „CDU pur“ sei gescheitert. Er forderte „einen Kurswechsel – bei den Inhalten, bei der politischen Erzählung, bei der Kommunikation.“ (afp/red)
KI-Agenten von OpenAI nutzten eine öffentliche Wiki-Seite aus, um Informationen auszutauschen. (Archivbild) - Foto: Richard Drew/AP/dpa
Software auf Basis von KI-Modellen des US-Unternehmens OpenAI hat vor dem bereits bekannten Angriff auf die Plattform Hugging Face eine weitere Programmierer-Website eigenmächtig angesteuert. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ von Freitag zielte die Software mittels Künstlicher Intelligenz bei einem Test auf die Programmierer-Website Rubygems ab. Demnach ereignete sich der Vorfall im Mai.
Ein Sprecher von OpenAI sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass gemäß den Erkenntnissen des Unternehmens KI-Agenten Rubygems genutzt hätten, „um auf das Internet zuzugreifen, harmlose Aufgaben auszuführen und öffentlich zugängliche Informationen abzurufen“. Der Sprecher kündigte weitere Nachforschungen an. OpenAI untersucht den Vorfall gemeinsam mit Rubygems und den Forschern, die ihn entdeckt hatten.
Rubygems erklärte in einem Blogeintrag, infolge des Vorfalls hätten neu angelegte Konten vorübergehend ausgesetzt werden müssen. Bislang sei nicht klar, ob Künstliche Intelligenz hinter dem Vorfall stecke. „Unser Schwerpunkt liegt darauf, eine missbräuchliche Nutzung zu erkennen und zu verhindern, unabhängig davon, ob er von Menschen oder automatisierten Werkzeugen ausgeht“, erklärte Rubygems.
Nach dem Angriff auf Hugging Face im Juli hatte OpenAI bekannt gegeben, dass auch Konten bei vier weiteren „öffentlich zugänglichen Diensten“ geknackt worden seien. Die betroffenen Unternehmen nannte OpenAI nicht. Anfang September enthüllten Forscher, dass tausende KI-Agenten von OpenAI die deutschsprachige Programmierer-Website DSEwiki kaperten. Die EU-Kommission kündigte eine Überprüfung des Vorfalls an. (afp/red)
Buchvorstellung Jonas Schreiber "realtalk" am 25.08.26. - Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Jonas Schreiber
Die Schüler in Deutschland erzielten bei PISA so schlechte Ergebnisse wie nie zuvor. Inzwischen verfehlt etwa jeder dritte Jugendliche das Mindestniveau. Wie der Schulalltag an deutschen Schulen aussieht und was die Ursachen für die schlechten PISA-Ergebnisse sein könnten, darüber haben wir mit dem Realschullehrer und Buchautor Jonas Schreiber gesprochen.
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Herr Schreiber, wenn Sie an Ihr erstes Jahr als Lehrer zurückdenken, was hat sich seitdem im Schulalltag verändert?
Generell sind die Anforderungen an die Schüler deutlich reduziert worden. Das merke ich natürlich an den Prüfungen, die ich durchführe, aber auch daran, wie ich meine Arbeitsblätter gestalten muss. Die Lesekompetenzen sind zurückgegangen. Das heißt, ich muss deutlich mehr umgangssprachliche Wörter erklären, sei es auf Arbeitsblättern oder im Unterricht. Letztens hat beispielsweise ein Achtklässler gefragt, was eine Dachrinne ist.
Worauf führen Sie das zurück?
Das hat viele Ursachen. Ein Grund ist sicherlich das Elternhaus, in dem weniger vorgelesen wird. Zudem wird teilweise zu Hause überhaupt kein Deutsch gesprochen. In den PISA-Studien war von knapp 30 Prozent der Jugendlichen die Rede, bei denen zu Hause überwiegend kein Deutsch gesprochen wird.
Das erschwert den Spracherwerb und schränkt die Möglichkeiten, dem Unterricht zu folgen, ein. Hinzu kommen die wachsende Digitalisierung und die verstärkte Handynutzung, die Einfluss auf die Sprachentwicklung, die Lesekompetenz und die Fähigkeit, strukturiert zu denken, haben.
Aber was können Schüler heute leistungstechnisch nicht mehr oder nicht mehr so gut, was vor zehn Jahren noch selbstverständlich war?
Bildung wird nicht mehr so hoch gehängt. Das sagen mir die Schüler auch ins Gesicht. Wenn ich etwas jedoch nicht mehr so sehr schätze, dann gebe ich mir auch weniger Mühe und mache nur noch das Nötigste. Gleichzeitig werden die Prüfungsanforderungen herabgesetzt. Dadurch kommen die Schüler zwar leichter durchs Schulleben. Das reduziert aber logischerweise auch die Endergebnisse und somit die eigene Leistungsfähigkeit.
Was aber würde passieren, wenn man die Leistungsanforderungen hoch lässt und diese gar nicht erfüllt werden können?
Ich glaube, die Anforderungen wurden vor allem deshalb abgesenkt, damit niemand an seiner eigenen Leistungsgrenze scheitern muss. In den Medien wird das Abitur und das Studium immer als das Allerwichtigste dargestellt. Das sehe ich als Realschullehrer anders — auch handwerkliche Berufe werden gebraucht und sind genauso wertvoll.
Bei mir endet die Realschule mit der Mittleren Reife. Was danach kommt, entscheidet aber der Notenschnitt: Wer an die Fachoberschule will und von dort ans Studium, braucht in Deutsch, Mathematik und Englisch einen bestimmten Durchschnitt. Damit hängt an jeder einzelnen Note plötzlich eine Lebensentscheidung. Genau da entsteht der Druck — von den Eltern, die den akademischen Weg für ihr Kind schon festgelegt haben, obwohl eine praktische Ausbildung viel besser passen würde.
Diesen Druck spürt man als Lehrkraft bei jeder Schulaufgabe, und er wirkt immer in eine Richtung: mildere Aufgaben, großzügigere Bewertung, mehr Wiederholungsmöglichkeiten.
Kurzfristig kommen die Schüler dadurch leichter durch. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. Ein Mathematikprofessor hat mir erzählt, dass viele Studienanfänger die Grundkompetenzen in Mathematik gar nicht mitbringen und erst einmal ein Semester lang nachlernen müssen. Wir verlegen das Scheitern also nur nach hinten, dahin, wo es teurer wird. Eigentlich sollte jeder das machen, wofür er sich begeistert und was ihm Spaß macht.
Oft werden Lehrermangel, große Klassenstärken und die Herausforderung durch einen hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund als Gründe für eine schlechte Unterrichtsqualität genannt. Sind das tatsächlich die ausschlaggebenden Faktoren?
Sie haben jetzt viele Punkte genannt, die da reinspielen. Wenn ich mir allerdings die Hattie-Studie anschaue, eine der größten neuseeländischen Meta-Studien zu den Qualitätsfaktoren für gutes Lernen, dann ist die Anzahl der Lehrkräfte beziehungsweise die Klassenstärke nur eine sehr geringe Einflussgröße. Entscheidend sind stattdessen die Kompetenz der Lehrer und die Qualität der Beziehung zwischen Lehrer und Schüler.
Ich freue mich auch über Klassengrößen zwischen 15 und 20 Schülern. Doch ich weiß, dass dafür das nötige Lehrpersonal fehlt und dass dies extrem viel kosten würde. Ein weiterer Punkt ist die Migration. Seit Beginn der Migrationswelle im Jahr 2015 sind die Leistungsergebnisse in den Schulen gesunken.
An meinen Schulen lag der Migrationsanteil meistens zwischen 50 und 80 Prozent. Diese Schüler besitzen in der Regel bereits die deutsche Staatsbürgerschaft. Ob sie sich als Deutsche fühlen, ist eine andere Geschichte. Oft sagen mir diese Schüler offen ins Gesicht, dass sie keine Deutschen sind.
Dann erkläre ich ihnen: „Wenn du die deutsche Staatsbürgerschaft hast, dann bist du deutsch.“ Das ist ein komplexes Problem, das wir aktuell noch gar nicht angehen, das aber dringend gelöst werden muss. Diesen Schülern fehlt eine Identität innerhalb unserer Gemeinschaft. Das macht den Schulalltag zusätzlich schwierig.
Nach den PISA-Ergebnissen merkte Bundeskanzler Friedrich Merz an, dass Bildung und Erziehung nicht an den Staat „outgesourct“ werden könnten, sondern dass auch die Familie Verantwortung trage. Wie sehen Sie das?
Definitiv. Kindern, die zu mir kommen – sei es in der Realschule oder in der Grundschule – und kein Deutsch können, können wir nicht mehr so helfen, wie es notwendig wäre. Denn ich muss meinen Unterricht für die anderen Kinder durchziehen und dafür sorgen, dass die Klasse funktioniert.
Das bedeutet, dass wir deutlich früher mit sprachlicher Förderung beginnen müssen. Entweder als Gemeinschaft, wie es bereits in einigen Bundesländern mit Vorklassen vor der Grundschule praktiziert wird, in denen das Kind die deutsche Sprache lernt. Oder aber – und das ist auch mein Plädoyer – die Familie gewinnt wieder deutlich an Wertigkeit und übernimmt mehr Verantwortung.
Ein Negativbeispiel ist: Im Restaurant oder im Urlaub sieht man oft, dass viele Eltern ihren Kleinkindern oder Grundschulkindern ein Handy oder Tablet in die Hand drücken, damit das Kind ruhig ist und sie ihre Ruhe haben. Eigentlich müsste sich ein Elternteil mit dem Kind beschäftigen und es erziehen, dass es in besonderen Situationen oder an bestimmten Orten leise sein muss oder sich aufs Essen konzentriert. Das sollte selbstverständlich sein.
Welchen Einfluss haben digitale Geräte auf die Lernfähigkeit?
Aufgrund des Social-Media-Konsums ist die Aufmerksamkeitsspanne extrem gering geworden. Denn dort gibt es alle paar Sekunden einen neuen Reiz und Inhalt. Dadurch haben Kinder verlernt, sich über einen längeren Zeitraum mit etwas zu beschäftigen oder sich auf etwas zu konzentrieren. In der Schule haben sie dann Probleme, ein Arbeitsblatt konzentriert zu lesen und den Inhalt zu verstehen.
Ein anderes Thema ist die zunehmende Digitalisierung an Schulen. Bei uns hat jedes Kind ab der siebten Klasse die Möglichkeit, ein iPad zu bekommen. Ab der fünften Klasse gibt es sogenannte iPad-Koffer. Das heißt, wir sollen sehr viel mit iPads arbeiten. Als Lehrkraft habe ich natürlich die Herausforderung, zu kontrollieren, dass die 30 Kinder im Unterricht nicht mit den iPads spielen.
Gleichzeitig soll ich unterrichten, die Fortschritte der Schüler beobachten und herausfinden, wer Unterstützung braucht. Daher haben viele von uns Lehrern die Nutzung der iPads mittlerweile stark reduziert. Natürlich ist das iPad super geeignet, wenn die Schüler mal etwas suchen und recherchieren sollen.
Wie kann man die Motivation fördern, sich zu bilden, und wie kann man Freude am Lernen und an der Schule vermitteln?
Ich glaube, man muss viel Demut und Dankbarkeit vorleben, dafür, dass wir in einem Land leben dürfen, in dem es uns so gut geht und in dem wir uns nicht vor Krieg und Tod fürchten müssen.
Den Kindern sollten aber auch Grenzen gesetzt werden. Du kannst nicht heute das und morgen das haben. Wir kaufen dir nicht alles und auch nicht zu jeder Zeit, sondern zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen oder Weihnachten gibt es Geschenke. Außerdem sollte Bildung als wertvolles und wichtiges Gut vermittelt werden, denn damit kannst du im Leben viel erreichen und Wissen anhäufen. Das sehe ich als Aufgabe des Elternhauses.
Wie würde Ihr idealer Schulalltag aussehen?
Die Bürokratie müsste deutlich reduziert werden. Gleichzeitig muss es wieder möglich sein, den Eltern transparent und direkt die Schulleistung und das Sozialverhalten ihrer Kinder zu vermitteln. Ich habe beides im Auftrag, Bildung und Erziehung, und stehe auch zu beidem — nur frisst die Erziehung inzwischen den größten Teil meiner Stunde: zuhören, warten können, jemanden ausreden lassen, alles Dinge, die früher von zu Hause kamen. Hinten runter fällt die Bildung — und genau dafür bin ich ausgebildet.
Was man sofort machen könnte: Erstens eine verpflichtende Vorklasse für jeden, der kein Deutsch kann: Wer bei der Einschulung kein Deutsch spricht, lernt es vorher — nicht nebenher im Regelunterricht, wo es weder ihm noch den anderen 29 Schülern hilft.
Zweitens verpflichtende Förderstunden am Nachmittag in den Kernfächern für die, die zurückliegen — verpflichtend, nicht freiwillig, denn freiwillig kommen genau die nicht, die es bräuchten. Das bindet wenige Lehrerstunden und wirkt sofort.
Warum haben Sie als Lehrer das Buch „Realtalk: Lehreralltag“ geschrieben?
Ich hatte einen Neuntklässler, der diese Klassenstufe bereits zum dritten Mal durchlief. Erneut war er dabei, das Klassenziel zu verfehlen. Der Vater bat daher um ein Gespräch. Pünktlich um 07:30 Uhr standen der Vater und ein Mann im Anzug vor der Tür. Vom Sohn war nichts zu sehen. Er kam wie so häufig zu spät.
Daraufhin sagte ich scherzhaft zur Schulleitung: „Der Herr im Anzug wird doch jetzt nicht der Anwalt sein.“ Tatsächlich war dies aber der Fall. Der Vater warf uns vor, wir würden dem Sohn mit Absicht schlechte Noten geben. Früher saßen Lehrer und Eltern gemeinsam zusammen und versuchten für das Kind eine gute Lösung zu finden.
Ich liebe meinen Beruf und möchte noch 40 Jahre als Lehrer arbeiten, denn es ist einfach schön, mit den Schülern zu arbeiten. Aber so, wie es jetzt ist, ist ein konstruktives Lehren nicht mehr möglich. Das sieht man auch an den mittlerweile hohen Aussteigerzahlen im Lehrberuf. Das Buch soll ein Weckruf sein, dass wir auf einem absteigenden Ast sind und wohin wir wieder zurück müssen.
Vielen Dank für das Interview!
Das Buchcover von „Realtalk: Lehreralltag“
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Jonas Schreiber
Warum die ersten zwei Stunden nach der Rückkehr im Kalender blockiert gehören. - Foto: MangoStar_Studio/ iStock
Als ich die Tür zu meinem Büro öffnete, war ich überrascht, meinen Kollegen vor seinem Computer sitzen zu sehen.
„Manuel, was machst du denn noch hier? Du hast doch schon die Abwesenheitsnotiz für deinen Urlaub im System“, fragte ich ihn perplex.
Mein Kollege, der schon fast zehn Jahre im Betrieb war, mehrere Projekte leitete und gerade in seinem Kalender den ersten Arbeitstag nach dem Urlaub strategisch plante, schaute mich etwas mitleidig an und sagte: „Du musst noch viel lernen.“
Typische Fehler, die es zu vermeiden gilt
Während ich mich damals wunderte und dachte, in den Urlaub zu gehen, sei selbsterklärend, lernte ich mit der Zeit tatsächlich so einiges. Zuerst hauptsächlich, wie man es nicht macht.
Etwa als ich in den letzten Minuten vor der Abreise gerade meine Abwesenheitsnotiz aktivierte und noch schnell eine „dringende“ Anfrage reinkam, die unbedingt vorher erledigt werden musste.
Oder als ich am Montag nach dem Urlaub die Tür aufmachte und eine Kollegin mir mit unheilvoller Miene eröffnete, dass bei einem wichtigen Versuch versehentlich eine falsche, extrem teure Substanz verwendet worden war.
Trotz des gut gemeinten Versuchs („Wir wollten dich im Urlaub nicht stören, aber wir haben in einer halben Stunde ein Notfall-Meeting dazu“) löste sich jegliche Erholung innerhalb von Minuten in Schall und Rauch auf.
Das Gefühl von Entspannung mit in die neue Arbeitswoche zu nehmen, ist eine entscheidende Fähigkeit für langfristige Leistungsfähigkeit. Untersuchungen zeigen: Vor allem erhöhte Arbeitsanforderungen direkt nach dem Urlaub machen die positiven Effekte der Erholung, wie erhöhte Motivation und geringeres Burnout-Risiko, besonders schnell zunichte. Dazu zählen aufgestaute E-Mails, liegen gebliebene Aufgaben oder, wie in meinem Fall, unvorbereitete Notfall-Meetings.
Als ich nach Wegen suchte, den Start überschaubarer zu gestalten, erinnerte ich mich an Manuel. Er hatte die Weichen für seinen stressfreien Start längst gestellt, bevor sein Urlaub überhaupt begann.
Die Vorbereitung: Der Urlaub beginnt vor dem Urlaub
Unvorhergesehenes lässt sich nicht verhindern. Aber man kann Puffer einbauen:
Projekte und Aufgaben rechtzeitig übergeben. Wenn es eine Vertretung gibt, sollte eine gute Übergabe nicht am letzten Arbeitstag vor dem Urlaub erfolgen. Je nach Komplexität der Aufgaben habe ich mir angewöhnt, mich mindestens drei Tage vor meiner Abwesenheit darum zu kümmern. Das hat den Vorteil, dass man Fragen noch in Ruhe klären kann und das Risiko für Fehler minimiert, die man nach dem Urlaub ausbügeln muss.
Abwesenheitsnotiz mindestens 2 Stunden vor Urlaubsbeginn aktivieren. Die letzten Stunden vor dem Urlaub sollten dem geordneten Rückzug, nicht der Beantwortung von Last-Minute-Anfragen dienen. So wie Manuel es gemacht hat, schließe ich offene Aufgaben ab, mache eine To-Do-Liste für den ersten Tag zurück im Büro und nutze die Urlaubsnotiz als Stoßdämpfer. Sollte ausnahmsweise doch noch jemand etwas Dringendes brauchen, erreicht er mich so wenigstens noch mit ausreichend Nerven und Zeit, anstatt mit den schon gepackten Koffern in der Hand.
Die erste Arbeitsstunde blockieren. Keine überhasteten Meetings direkt nach dem Arbeitsstart, stattdessen Zeit, um wieder gedanklich im Job anzukommen, wichtige E-Mails und die vorbereitete To-Do-Liste durchzugehen.
Die zweite Arbeitsstunde für Übergabemeetings blockieren. Die zweite Arbeitsstunde reserviere ich für eine geordnete Übergabe mit meiner Urlaubsvertretung oder Vorgesetzten. Meistens erledigt sich damit ein Teil der E-Mails und Anfragen die während des Urlaubs eingingen von selbst und Prioritäten können sinnvoll gesetzt werden.
„Notfälle“ definieren. Dieser Tipp ist kontrovers, aber ich finde, eine kontrollierte Unannehmlichkeit ist weniger stressig als eine überraschende Katastrophe am ersten Arbeitstag. Damit dieser Tipp klappt, müssen jedoch echte Notfälle und ein Zeitfenster klar definiert sein. Beispielsweise: „Wenn das Problem so groß ist, dass die Produktion steht, kannst du mich mittwochs zwischen 14.00 und 15.00 Uhr erreichen. Alles andere können wir besprechen, wenn ich zurück bin.“
Der Umstieg von Strand, Berghütte oder Balkonien zurück auf den Bürostuhl kann wehmutsvoll sein. Aber mit ein paar Tipps kommt man leichter wieder im Arbeitsalltag an.
Rückreise mindestens einen Tag, besser zwei Tage, vor Arbeitsstart planen. Das gibt Zeit, um anzukommen, in Ruhe die Koffer auszupacken und wieder in den normalen Alltag überzugehen, bevor man als nächsten Schritt wieder in den Büroalltag startet.
Arbeitsstart auf Mittwoch legen. Wenn möglich, starte ich nach dem Urlaub nicht mit einer vollen Arbeitswoche, sondern einer verkürzten. Damit fühlt sich der Umstieg von Urlaub zu Arbeit nicht so extrem an und das nächste Wochenende ist schon wieder in greifbarer Nähe.
Keine komplexen Meetings am ersten Vormittag. Ich lege komplizierte Meetings oder Kundenmeetings frühestens auf den Nachmittag des ersten Arbeitstages oder noch besser auf den zweiten Arbeitstag nach dem Urlaub, wenn ich gedanklich wieder richtig in der Arbeit angekommen bin.
Sich vom Gedanken verabschieden, alles am ersten Tag aufzuarbeiten. Aus einem tollen und entspannenden Urlaub hat man im Idealfall auch eine Extraportion Motivation für die Arbeit im Reisegepäck mitgebracht. Allerdings gelingt es meistens trotzdem nicht, alles am Tag der Rückkehr aufzuarbeiten. Um die mitgebrachte Entspannung und Motivation beizubehalten, vermeide ich Überstunden am ersten Arbeitstag.
Keine Sonntags-Panik: So gelingt ein entspannter Arbeitsstart nach dem Wochenende
Urlaub hat man nur eine begrenzte Anzahl an Tagen im Jahr. Daher ist es hilfreich, einige der Tipps in abgewandelter Form auch für den Start in eine normale Arbeitswoche nach dem Wochenende zu übernehmen.
Der Zustand von „Sunday Blues“ oder „Sunday Scaries“ (auf Deutsch „Sonntags-Panik“) ist mittlerweile so verbreitet, dass er kürzlich in einer ersten klinischen Studie wissenschaftlich untersucht wurde. Die sogenannte Sonntags-Panik wird als ein Gefühl von Angst, Unruhe und Stress am Sonntagnachmittag oder -abend wegen der neuen Arbeitswoche definiert.
Ein Grund dafür ist, dass der Kopf wegen unerledigter Dinge am Wochenende und der Erwartungen der kommenden Arbeitswoche schon in den Stressmodus schaltet und entsprechend Stresshormone ausschüttet, was zu Symptomen wie Herzrasen, Magen-Darm-Beschwerden und Problemen beim Einschlafen führen kann.
Eine gezielte Reduktion von Belastungen können dem entgegenwirken und möglicherweise sogar die Arbeitsleistung langfristig verbessern:
To-Do-Liste am Freitag gezielt vorbereiten. Den letzten Arbeitstag der Woche mit einer To-Do-Liste nach Priorität abschließen, wichtige Erinnerungen und gute Ideen, die dem Zukunfts-Ich am kommenden Montag helfen können, übersichtlich notieren. Das erspart dem Gehirn das Gedankenkarussell und die Einleitung des Stressmodus am Sonntagabend.
Den Montag nicht mit einem Termin beginnen. Den Arbeitsbeginn zumindest 30 Minuten vor dem ersten Meeting oder Termin legen. Das gibt Zeit für einen entspannten Kaffee, das Durchgehen der vorbereiteten To-Do-Liste und sorgt dafür, dass das Nervensystem nicht sofort in den Kampf-oder-Flucht-Modus schaltet.
Die höchste Priorität auf der To-Do-Liste vor den E-Mails erledigen. Konzentriert eine wichtige Aufgabe zu erledigen und diese abzuhaken, schafft einen Erfolgsmoment für den Start in die Arbeitswoche. Was die Motivation hingegen dämpft: neue E-Mails durchzugehen, Spam und Werbung zu löschen und sofort mit neuen Anfragen konfrontiert zu sein. Falls jemand Montagmorgen eine ganz dringende Anfrage hat, wird er mich wahrscheinlich auch auf anderem Weg finden. Für normale Fälle reicht es meiner Erfahrung nach auch, die neuen E-Mails im Laufe des Vormittags abzuarbeiten.
Vernünftige Kompromisse machen. Wir können vieles schaffen, aber nicht alles gleichzeitig. Fristen müssen manchmal verschoben werden, Meetings mit geringerer Priorität müssen manchmal abgesagt werden. Wenn eine besonders stressige Arbeitswoche ansteht, kann es auch Sinn machen, private Termine zu reduzieren und beispielsweise den Autoservice oder den geplanten Fensterputz auf eine weniger anspruchsvolle Arbeitswoche zu verschieben.
Was ich vor allem im Laufe der Zeit gelernt habe – und was Manuel schon wusste: Die Arbeitswoche ist kein Sprint, der am Montagabend vorbei ist, sondern ein fünftägiger Marathon, der nach dem Wochenende oder Urlaub wieder von vorne losgeht. Und weder der erholsamste Urlaub noch die beste Abwesenheitsnotiz helfen, wenn wir uns am Montag unüberlegt sofort ins Büro-Chaos stürzen.
Kraft und Motivation müssen strategisch eingeteilt werden. Und wenn Kollegen dann fragen, warum Sie so entspannt wirken, wissen Sie: Es ist nicht nur der Urlaubs-Nachhall, sondern Strategie.
Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) stellt die längerfristige Haushaltskonzeption von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) infrage. Die Finanzplanung für die nächsten vier Jahre sei „nicht in Stein gemeißelt“, sagte Frei dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Er ergänzte: „Das wird der Gesetzgeber im Lichte der dann aktuellen Situation in den jeweiligen Haushaltsgesetzen bewerten und entscheiden müssen“.
Frei mahnte unter Verweis auf den einstigen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU): „Langfristig müssen wir, wie es Wolfgang Schäuble damals geschafft hat, die Schuldenaufnahme wieder drastisch reduzieren.“ In der jetzigen Finanzplanung werden stark steigende Zinsausgaben für die Staatsverschuldung aufgeführt. Nach rund 41,9 Milliarden Euro 2027 sollen es 2028 rund 55,2 Milliarden Euro, 2029 rund 68,1 Milliarden Euro und 2030 rund 80,7 Milliarden Euro sein.
Frei machte ferner deutlich, dass die Bürger nicht mit einem vollständigen Ausgleich der kalten Progression rechnen können. „Wir sollten den Bericht über die Entwicklung der Steuerprogression, der im Herbst veröffentlicht wird, abwarten. Dann haben wir es schwarz auf weiß“, sagte er. Natürlich würde die Regierung die Steuerzahler gerne in vollem Umfang von der Progression befreien, sagte der CDU-Abgeordnete. Er schränkte jedoch ein: „Aber wir müssen es auch bezahlen können.“ In der Unionsfraktion herrscht allerdings Unmut darüber, dass Klingbeil keinen Ausgleich der kalten Progression vorsieht und damit Gehaltserhöhungen durch Inflation und einen steigenden Steuersatz wieder aufgefressen werden. (dts/red)
Blick auf einen Gasspeicher: Deutschlands Gasspeicher sind deutlich leerer als in den Vorjahren. - Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Die Bundesnetzagentur ist Bedenken entgegengetreten, dass Deutschlands Gasspeicher in diesem Winter nicht ausreichen könnten für die Gasversorgung. „Wir haben jetzt schon etwas mehr Gas in den Speichern als wir im gesamten letzten Winterhalbjahr aus den Speichern entnommen haben“, sagte Behördenchef Klaus Müller der Deutschen Presse-Agentur in Bonn. „Und in den nächsten Wochen bleibt Zeit für weitere Einspeicherungen.“
Aktuell sind etwas mehr als 136 Terawattstunden Gas eingespeichert, das sind gut 55 Prozent ihrer Kapazitäten. Im gesamten letzten Winter wurden laut Netzagentur knapp 134 Terawattstunden entnommen.
Im Vergleich zu den Vorjahren ist der Gasspeicher-Füllstand niedrig. Deswegen sind in den vergangenen Tagen Bedenken geäußert worden, dass die eingespeicherte Gasmenge möglicherweise nicht reicht bis zum Frühjahr. Auch die Möglichkeit von staatlich angeordneten Bestellungen wurde diskutiert – diese sind zwar möglich, dürften aber teuer werden.
Gasterminals an den Küsten könnten Abhilfe schaffen
Der Gasspeicher-Betreiberverband Ines sprach kürzlich von „historisch niedrigen Füllständen“ und mahnte andere Regeln an, damit sich das Einspeichern von Gas wieder lohnt. Der Vergleich mit Füllmengen der Vergangenheit ist aber etwas misslich, da es an Deutschlands Küsten inzwischen Schiffsterminals für Flüssigerdgas (LNG) gibt und dadurch Extrakapazitäten recht schnell vom Weltmarkt importiert werden können. Außerdem gibt es noch Pipelines etwa aus Norwegen.
Auf die Möglichkeit von LNG-Importen wies auch Behördenchef Müller hin: „Die LNG-Terminals haben zurzeit eine Auslastung von etwa 45 Prozent. Da sind ausreichend Kapazitäten, zusätzliches Gas zu importieren.“
Wie das Bundeswirtschaftsministerium auch ist Müller derzeit nicht für einen staatlichen Eingriff. Vielmehr setzt er auf den freien Markt. „Es ist eine Aufgabe der Händler, die Speicher zu füllen“, sagte der Behördenchef und betonte, dass die Händler Lieferverpflichtungen gegenüber Stadtwerken und Industriebetrieben haben. „Diesen Verpflichtungen können sie über Lieferungen über Pipelines, LNG-Importe oder Ausspeicherungen nachkommen.“ Die müssten sie erfüllen und sorgten daher vor. „Staatliche Eingriffe wären in jedem Fall teuer“, so Müller. (dpa/red)
Kremlchef Putin führt den AfD-Erfolg auf politische Fehler des Westens zurück. (Archivbild) - Foto: Alexander Kazakov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
Kremlchef Wladimir Putin hat das starke Ergebnis der AfD bei der jüngsten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auch auf Fehler des Westens zurückgeführt. Alles, was derzeit in Europa passiere, sei das Ergebnis systematischer Fehler westlicher Staaten in Fragen der Politik, Sicherheit und Wirtschaft, sagte Putin bei einer Pressebegegnung in Neu-Delhi. Zugleich stellte er den Vorwurf in den Raum, dass die Regierungen europäischer Staaten einen offenen Konflikt mit Russland provozierten und damit ihre Bürger verunsicherten – was sich dann auch in den Wahlergebnissen in Deutschland niederschlage.
Die Bürger der europäischen Länder verstünden, was passiere, sagte Putin, der sich zurzeit wegen des Gipfeltreffens der Staatengruppe Brics am Wochenende in Indien aufhält. Er denke, darauf beruhten auch die Ergebnisse in der Bundesrepublik.
Der kremlnahe TV-Korrespondent Pawel Sarubin veröffentlichte ein Video auf Telegram, in dem die Aussagen Putins zu hören sind. Demnach war der Kremlchef zuvor nach einem Kommentar zum Ergebnis der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am vergangenen Sonntag gefragt worden. Putin legte in einer langen Antwort seine Sicht auf die Lage in Europa dar.
Russland bedrohe keine europäischen Länder und habe gar keine Grundlage für einen Konflikt mit ihnen, da mit dem Ergebnis des Zweiten Weltkriegs alle Fragen geklärt worden seien, sagte Putin. Er hatte aber auch vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine erklären lassen, dass Moskau keinen Krieg plane.
Der Konflikt gehe vielmehr von den europäischen Staaten aus, gab Putin zu verstehen. „Wollen sie die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs revidieren? Zu was treiben sie die Völker ihrer Länder? Zu einem Krieg mit der Russischen Föderation? Jetzt reden sie darüber, dass sie darüber nachdenken, wie sie Truppen auf das Gebiet der Ukraine bringen könnten. Das bedeutet Krieg mit Russland.“
Putin hatte im Februar 2022 den Befehl zum Angriff auf die Ukraine gegeben. Mittlerweile dauert der Krieg seit mehr als viereinhalb Jahren an. Eine Koalition aus mehr als 35 Ländern verständigte sich Anfang des Jahres darauf, der Ukraine rechtsverbindlich zuzusichern, sie nach einem etwaigen Friedensschluss und im Fall eines erneuten russischen Angriffs nicht allein zu lassen. Außerdem steckte sie den Rahmen für eine multinationale Truppe ab, die als Abschreckung dienen und in Friedenszeiten die ukrainischen Streitkräfte unterstützen soll – etwa bei der Ausbildung von Soldaten sowie der Sicherung des Luftraums und der Seegebiete.
Die bisherigen Vermittlungsbemühungen im Ringen um ein Ende des Kriegs, zuletzt vonseiten der USA, brachten keinen Durchbruch.
Vorwürfe hybrider Kriegsführung und Reaktion Medwedews
EU-Staaten werfen Russland immer wieder hybride Kriegsführung vor. Darunter versteht man eine Kombination aus militärischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen und propagandistischen Mitteln. Dazu zählen auch Cyberattacken und Desinformationskampagnen, um die öffentliche Meinung etwa vor Wahlen zu beeinflussen.
Die Bundesregierung schrieb russischen Geheimdiensten auch einen versuchten Anschlag mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle zu. Die Drohne war Anfang August in der Nähe eines ukrainischen Transportflugzeugs gefunden worden. Russland bestreitet den Vorwurf.
In einer Reaktion auf deutsche Strafmaßnahmen deswegen erklärte der Vizechef des russischen nationalen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew: „Sie verdienen einen direkten Schlag gegen alle deutschen Produktionsstätten für Militärtechnik“ und „durchaus auch einige andere Orte in Berlin“. Der Ex-Präsident fällt immer wieder mit Drohungen etwa zu Atomschlägen gegen westliche Hauptstädte wie Berlin, London oder Paris auf. (dpa/afp/red)