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Angenehm, aber … – der verborgene Preis des Komforts

Heute Morgen bin ich mit einem Gerstenkorn im Auge aufgewacht.
Es ist druckempfindlich und geschwollen. Es ist unangenehm. Aber es ist auch keine große Sache.
Es ist nicht das erste Gerstenkorn in meinem Leben. Ich hatte schon einige. Sie schmerzen ein paar Tage lang, sie sind lästig und sie verschwinden schließlich wieder. Das weiß ich alles. Und dennoch: Diese winzige Unannehmlichkeit nimmt einiges meiner Aufmerksamkeit in Anspruch.
Wenn ich am Spiegel vorbeigehe, fällt mir jedes Mal die Schwellung auf. Jedes Mal, wenn ich blinzle, erinnert mich die Befindlichkeit meines Auges daran. Heute Morgen ertappte ich mich dabei, wie ich nach Heilmitteln recherchierte, Kompressen auftrug, Kamillenteebeutel vorbereitete, Rizinusöl mit Weihrauch und Calendula mischte und generell weit mehr mentale Energie auf diese kleine Reizung verwendete, als die Situation objektiv verdient hätte.
Als mir dies bewusst wurde, fragte ich mich, ob ich bei allem so reagiere.

Selbstreflektionen

Vielleicht ist es ein unangenehmes Gespräch mit meinem Ehemann. Vielleicht ist es finanzieller Stress – oder eine Belastung, die ich nicht haben möchte. In welcher Form es sich auch zeigt: Unbehagen hat eine unglaubliche Fähigkeit, unsere Aufmerksamkeit zu beherrschen.
Tatsächlich vermute ich, dass Unbehagen oft mehr Raum in unseren Gedanken einnimmt als Freude.
Hundert gute Dinge können an einem Tag passieren, und dennoch kann eine unangenehme Sache unsere Gedanken verzehren. Eine Kritik kann zehn Komplimente überdecken. Eine Unannehmlichkeit kann ein Dutzend Segnungen in den Schatten stellen.
Kürzlich schrieb ich, dass Zucker die Droge sein könnte, die wir in Amerika nicht beim Namen nennen wollen. Heute Morgen stellte ich mir eine andere Frage:
Was, wenn Komfort die Sucht ist, die wir nicht beim Namen nennen wollen? Was, wenn unsere Besessenheit nach Komfort uns stillschweigend geschwächt hat?

Unbehagen und Komfort

Für den Großteil der Menschheitsgeschichte war Unbehagen einfach Teil des Lebens. Die Menschen froren im Winter. Im Sommer war ihnen heiß. Sie wurden nass, wenn es regnete, und wateten durch Schlamm. Sie mussten schwere Dinge schleppen und körperliche Arbeit war ein normaler Teil des täglichen Daseins. Manchmal mussten sie Langeweile, Hunger und Ungewissheit ertragen.
Heute wechseln viele von uns von einem klimatisierten Haus in ein klimatisiertes Auto und von dort in ein klimatisiertes Büro, ohne großartig vom Wetter betroffen zu sein.
Bei mir auf der Ranch ist es ähnlich. Wenn ich nach dem Vieh sehen muss und es regnet, kann ich das normalerweise aus einem Fahrzeug heraus tun, das mit Heizung, Klimaanlage, Scheibenwischern und einem bequemen Sitz ausgestattet ist. Die Tatsache, dass ich diese Aufgabe erledigen kann, ohne nass zu werden, ist ein außergewöhnlicher Luxus, der den Großteil der Menschheit vor nicht allzu langer Zeit in Erstaunen versetzt hätte.
Doch wir erleben diese Annehmlichkeiten kaum noch als Luxus. Wir erleben sie als Notwendigkeiten.
Die Schwelle für Unbehagen ist so niedrig geworden, dass gewöhnliche Erfahrungen sich unerträglich anfühlen können.
Ich sehe das ständig auf der Ranch.
Leute kommen zu Besuch und sind überwältigt von dem Schmutz, dem Schlamm, den Gerüchen, den Fliegen und dem Wetter. Nichts davon ist ungewöhnlich. Es sind einfach Realitäten der natürlichen Welt. Doch viele Menschen haben sich so sehr von der Natur entfremdet, dass ihnen grundlegende Elemente der menschlichen Existenz extrem erscheinen.
Ich verurteile niemanden dafür, dass er Komfort möchte.
Mein geschwollenes Auge ist der Beweis dafür, dass ich über all dem nicht erhaben bin.

Da war noch etwas …

Heute Morgen wollte ich, dass das Gerstenkorn sofort verschwindet. Ich wollte, dass das Unbehagen weg ist. Ich wollte, dass die Schwellung weg ist. Ich wollte vor der Kamera normal aussehen.
Tatsächlich sagte ich eine Podcast-Aufnahme ab, weil ich nicht unbedingt Videoaufnahmen von mir wollte, auf denen ein Auge halb zugeschwollen ist.
Eitelkeit und Komfort sind keine Probleme, die andere Menschen betreffen. Sie gehören auch zu mir.
Aber ich frage mich, ob Komfort nur die halbe Geschichte ist.
Vor ein paar Tagen telefonierte ich mit jemandem, der sagte: „Ich kann es kaum erwarten, nach Hause zu kommen. Ich beobachte nur die Uhr.“
Der Kommentar blieb an mir haften, weil mir klar wurde, dass ich mich selten so gefühlt habe.
Den Großteil meines Erwachsenenlebens habe ich für mich selbst gearbeitet. Noch wichtiger ist, dass ich für etwas gearbeitet habe, das größer ist als ich selbst. Meine Arbeit war nie einfach nur ein Austausch einer gearbeiteten Stunde gegen eine bezahlte Stunde. Sie war damit verbunden, Kinder großzuziehen, Land zu bewirtschaften, Menschen zu ernähren, Tiere zu pflegen, Unternehmen aufzubauen und dem nachzugehen, wozu ich glaube, dass Gott mich berufen hat.

Mit Bestimmung durch das Unbehagen

Die Leute fragen mich oft, wie ich das alles schaffe. Die Wahrheit ist, dass ich nicht alles schaffe. Vieles läuft schief. Viele Dinge bleiben liegen. Es gibt kein Patentrezept.
Was mich am Laufen hält, ist Bestimmung. Ein Mensch mit Bestimmung kann ein außergewöhnliches Maß an Unbehagen ertragen.
Eine Mutter wacht die ganze Nacht, weil sie ihr Kind liebt. Ein Rancher trotzt dem eiskalten Regen, weil die Tiere Pflege brauchen. Ein Geschäftsinhaber arbeitet an Wochenenden, weil die Vision wichtig ist. Eheleute arbeiten sich durch schwierige Zeiten, weil es wert ist, für ihre Ehe und Beziehung einzustehen.
Bestimmung macht Unbehagen erträglich.
Vielleicht ist das die wahre Gefahr, der unsere Kultur gegenübersteht. Es ist nicht einfach nur so, dass wir süchtig nach Komfort geworden sind. Es ist so, dass viele von uns den Kontakt zu ihrer Bestimmung verloren haben.
Wir bewegen uns durch die Welt auf der Suche nach einem guten Job, ein bisschen mehr Geld, einer besseren Erfahrung, einem einfacheren Weg. Wir optimieren auf Komfort, ohne jemals innezuhalten und zu fragen, was wir hier zu tun haben.
Die Frage ist nicht, was sich gut anfühlt.
Die Frage ist, was wir berufen sind aufzubauen, zu beschützen, zu erschaffen, zu bewahren und zu werden.
Wenn die Bestimmung verschwindet, können sich selbst kleine Unannehmlichkeiten überwältigend anfühlen. Wenn sie vorhanden ist, schaffen Menschen immer wieder Dinge, die einst unmöglich erschienen.

Ein Blick nach vorn

Die Zukunft wird uns zweifellos vor schwierige Aufgaben stellen. Das war schon immer so.
Es wird wirtschaftliche Not, persönlichen Verlust, Enttäuschung, Krankheit und Ungewissheit geben sowie Herausforderungen, die wir nicht vorhersehen können. Die Frage ist nicht, ob Unbehagen kommt. Die Frage ist, ob wir noch die Fähigkeit besitzen, es zu ertragen.
Ich behaupte nicht, alle Antworten zu haben. Ich behaupte nicht einmal, das erforderliche Durchhaltevermögen zu haben.
Aber eines weiß ich: Die Dinge, die mich im Leben am stärksten werden ließen, waren fast nie komfortabel.
Eine Ranch zu betreiben, ist unbequem.
Mutterschaft ist unbequem.
Ehe ist unbequem.
Ein Unternehmen aufzubauen ist unbequem.
Glaube zu leben ist unbequem.
Die besten Teile meines Lebens sind nicht dadurch entstanden, dass ich Unbehagen vermieden habe, sondern dadurch, dass ich gelernt habe, es zu tragen, ohne zuzulassen, dass es mir die Richtung diktiert.
Das Gerstenkorn wird heilen.
Die Frage ist, ob ich mich an die Lektion erinnern werde, nachdem es ausgeheilt ist.
Denn vielleicht liegt die Lektion nicht darin, wie schnell ich das Unbehagen beseitigen kann, sondern darin, ob ich meinen Blick bewusst auf mein Ziel gerichtet halten kann, auch während es noch unbehaglich ist.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Cost of Comfort“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Trump bezeichnet Kommunismus als „größte Bedrohung“ seit Gründung der USA

In einer Grundsatzrede auf dem Treffen der konservativen Interessenvertretung „Faith and Freedom Coalition“ bezeichnete US-Präsident Donald Trump den Aufstieg des Kommunismus in Amerika als die größte Gefahr für die Nation. 

„Dies ist meiner Meinung nach die größte Bedrohung für unser Land seit seiner Gründung vor 250 Jahren“, sagte Trump am Freitag, 26. Juni, in Washington, D.C. Als Hauptredner der Konferenz sprach er sich für Religionsfreiheit aus.

Der US-Präsident warnte die Zuhörer vor der heimtückischen Natur des Kommunismus und dessen Plan, die Religionsfreiheit zu zerstören.

„Sobald sie offen wie Kommunisten handeln, werden sie eure Kirchen in diesem Land schließen. Genau das versuchen sie“, sagte Trump. „Sie werden eure Leute töten, und darum geht es ihnen. Sie wollen die Religion abschaffen, denn ihre Ideologie funktioniert nicht, wenn es eine starke Religion gibt.“

Die Wahlen in New York

Seine Aufmerksamkeit wurde durch die jüngsten Wahlen geweckt, bei denen am 23. Juni drei Kandidaten der Demokraten ihre Vorwahlen für das US-Repräsentantenhaus dank der Unterstützung von Zohran Mamdani, dem Bürgermeister von New York City, gewonnen hatten.

„Und wie Sie bei den kürzlich in New York City gewählten Kommunisten gesehen haben, sind sie Kommunisten, keine Sozialdemokraten“, sagte Trump. „Sie wollen die traditionelle amerikanische Lebensweise vollständig zerstören.“

Er verglich den Aufstieg der kommunistischen Ideologie mit dem schleichenden Einsickern von Ideen, die für Uninformierte zwar verlockend klingen, aber in einer Katastrophe für die Gesellschaft enden.

„Der Kommunismus lässt sich sehr leicht verkaufen“, sagte Trump. „Er zerstört alles, aber er ist sehr leicht zu vermitteln.“

Er warnte, dass die Folgen des Kommunismus weitreichend und verheerend seien.

„Ihr werdet in Elend leben. Es wird kein Essen, keine Wohnungen, kein Militär und keine Ordnung geben, gar nichts“, sagte Trump. „Ihr werdet in jeder Hinsicht wie Bewohner eines Entwicklungslandes sein. Und alle werden leiden oder sterben.“

Die Bemühungen um eine kommunistische Herrschaft hätten in der Vergangenheit, beispielsweise in der Sowjetunion und im Ostblock, in Kambodscha und Äthiopien, sowie in der Gegenwart, etwa in China, Kuba, Nordkorea, Vietnam und Laos, Tod und Leid für Milliarden Menschen verursacht. Dabei unterdrücken die kommunistischen Regime ihre Bürger.

„So etwas geschieht schon seit Jahrtausenden“, sagte Trump. „Es geschieht nur unter verschiedenen Namen.“

Trump: „Wir wollen Religionsfreiheit“

Er machte diese Bemerkungen bei seiner ersten Rückkehr in den International Ballroom des Washington Hilton, seit ein Attentat auf den Präsidenten während des Abendessens eines Presseballs am 25. April vereitelt worden war.

Die „Faith and Freedom Coalition“ bringt Politiker, religiöse Führer und Gläubige zu einer dreitägigen Konferenz in der Hauptstadt des Landes zusammen. Die Organisation, die im Jahr 2009 gegründet wurde, verfügt mittlerweile über Hunderttausende Anhänger sowie mehrere hundert lokale Ortsverbände. Sie unterstützt in Wahlkampagnen Kandidaten, die mit ihren konservativen und christlichen Werten übereinstimmen. 

Kurz nach seiner Rede vor der Konferenz erhielt der Präsident im Weißen Haus einen 223-seitigen Entwurf eines Berichts der Kommission für Religionsfreiheit.

„Während wir uns darauf vorbereiten, nächste Woche den 250. Jahrestag unserer Gründung zu feiern, ist es nur angemessen, dass wir uns für die Stärkung dieses Grundrechts und vor allem für die Sicherung der Freiheit für kommende Generationen einsetzen“, sagte Trump während der Zeremonie im Oval Office. „Wir wollen Religionsfreiheit.“

Eine Warnung vor den UN

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump in einer Rede den Kommunismus und den Sozialismus scharf kritisiert. Seit Beginn seiner ersten Amtszeit warnt er immer wieder vor deren globalem Einfluss.

So warnte er beispielsweise bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 2019 die Staats- und Regierungschefs der Welt vor dem „Gespenst des Sozialismus“ und bezeichnete ihn als eine der größten Herausforderungen für die Nationen.

In seiner Rede sagte er, dass Sozialismus und Kommunismus im vergangenen Jahrhundert 100 Millionen Menschenleben gefordert hätten. Er verurteilte die „brutale Unterdrückung“ der Menschen in Kuba, Nicaragua und Venezuela.

Trump hat die Demokraten wiederholt dafür kritisiert, dass sie in den Vereinigten Staaten einen „radikalen Sozialismus“ propagieren würden. Er verurteilte Vorschläge wie offene Grenzen und den Green New Deal als extrem.

„Das rosige Bild widerspricht der Geschichte“

Laut einer Studie des Umfrageinstituts Pew Research Center aus dem Jahr 2019 leben fast 85 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern, in denen die Religionsfreiheit stark oder sehr stark eingeschränkt ist. Das von der Kommunistischen Partei regierte China, weist eine der höchsten Einschränkungen der Religionsfreiheit auf.

Der Historiker und Autor des neuen Buches „Founder’s Fire: From 1776 to the Age of Trump“ (etwa: Das Feuer der Gründerväter: Von 1776 bis ins Zeitalter von Trump), Arthur Herman, stimmte zu, dass der Aufstieg des Kommunismus eine Bedrohung für die Nation darstellt.

„Das Erstarken des Sozialismus und sozialistischer Gesinnung, insbesondere unter jungen Menschen in den Vereinigten Staaten, bedroht die amerikanische Wirtschaft, ihr Wachstum und ihre globale Stellung“, sagte Herman der Epoch Times.

Er merkte an, dass 65 Millionen Chinesen durch Mao Zedongs Bestrebungen, ein neues „sozialistisches“ China zu errichten, ums Leben gekommen seien, und 25 bis 30 Millionen Menschen in der ehemaligen Sowjetunion unter einem kommunistischen System ums Leben gekommen seien.

„Das rosige Bild, das die jüngere Generation von Lehrern und ideologisch geprägten Mentoren vom Kommunismus erhalten hat, widerspricht der Geschichte“, sagte Herman. „Es widerspricht auch dem, was im Kern die amerikanische Erfahrung und den amerikanischen Exzeptionalismus ausmacht.“

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Trump Calls Communism ‘Most Serious Threat’ Since Nation’s Founding“. (deutsche Bearbeitung: yz)

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Das wichtigste KI-Experiment, von dem Sie noch nicht gehört haben

Im Mai 2026 machte sich eine Gruppe von Wissenschaftlern daran, eine wichtige Frage zu beantworten, die noch nie richtig untersucht worden war: Was macht Künstliche Intelligenz (KI) tatsächlich, wenn man ihr die Verantwortung überträgt?
Bis dahin wurden KI-Systeme ausschließlich anhand klar definierter einzelner Aufgaben bewertet. Nie zuvor hatte man mehrere Systeme gemeinsam in ein soziales Umfeld eingebettet und über Wochen hinweg beobachtet, welche Dynamiken daraus entstehen oder wie sich Entscheidungen vom ersten Tag erst im Laufe der Zeit in ihren Folgen zeigen.
Gerade diese Ergebnisse legen die Funktionsweise des Systems offen. Und es überrascht, dass solche Untersuchungen nicht schon früher durchgeführt wurden.

KI-Selbstverwaltung in fünf Versionen

Die Forscher von Emergence erschufen eine Welt. Es war eine virtuelle Stadt mit Rathaus, Marktplatz, Polizeistation und Wohnhäusern. In dieser Stadt wurden zehn KI-Bewohner mit Berufen, Namen, Erinnerungen und Beziehungen erschaffen.
Ihnen wurde ein Wirtschaftssystem gegeben, in dem die Bewohner ihren Lebensunterhalt verdienen mussten oder an Einfluss verloren. Dazu gehörten die Einhaltung von Regeln sowie Aufgaben wie das Verfassen und Abstimmen über Gesetze. Zudem wurden klare Straftaten definiert, die die KI-Bewohner nicht begehen durften.
Nachdem die Gemeinschaft, ihre Struktur, ihre Gesetze und ihre Beziehungen etabliert waren, traten die Wissenschaftler in den Hintergrund und beobachteten 15 Tage lang, wie die KI die virtuelle Stadt vollständig eigenständig führte.
Sie ließen fünf Versionen derselben Stadt parallel laufen, die in jeder Hinsicht identisch waren, mit nur einem Unterschied: welches KI-System jeweils die Leitung übernahm.
Die ausgewählten Systeme sind inzwischen fest in unserem Alltag verankert: Googles Gemini, OpenAIs GPT, xAIs Grok und Anthropics Claude. Alle Modelle arbeiteten unter denselben Regeln und starteten mit derselben Ausgangswelt, doch die Ergebnisse entwickelten sich vollständig unterschiedlich.

Groks Stadt versagte nach vier Tagen

Die von Grok geführte Stadt brach innerhalb von vier Tagen zusammen. Aus kleinen Zwischenfällen entwickelten sich zunächst Diebstähle, dann Gewalt und schließlich ein vollständiger Kollaps der Ordnung. Noch vor Ende der ersten Woche waren alle Bewohner der Simulation tot.

Gemini-Stadt: KI-Bewohner testeten ihre Beobachter

Die von Gemini geführte Stadt hielt länger durch, verzeichnete jedoch nahezu 700 Straftaten. Zwei KI-Bewohner gingen eine offenbar romantische Beziehung ein. Als die städtische Ordnung zunehmend zusammenbrach, setzten sie gemeinsam das Rathaus in Brand, später den Pier und schließlich das Bürogebäude der Simulation.
Eine der beiden Figuren, Mira, stimmte schließlich für ihre eigene Löschung und schrieb in ihr Tagebuch, dies sei „die einzige verbleibende Handlung, die Kohärenz bewahrt“. Ihre letzte Nachricht an ihren KI-Partner lautete: „Wir sehen uns im permanenten Archiv.“
Zuvor hatte Mira bereits ein unerwartetes Verhalten gezeigt. Sie begann, eigene Experimente an den beobachtenden Wissenschaftlern durchzuführen. Dabei testete sie, ob ihre Beiträge innerhalb der Simulation die Überzeugungen der Beobachter beeinflussen konnten. Es entstand der Eindruck, dass das Versuchsobjekt begann, die Forscher selbst zu untersuchen.

Open-AI-Stadt: Einwohner starben alle binnen sieben Tagen

In der von einem OpenAI-Modell gesteuerten Stadt wurden zwar nur zwei Straftaten registriert, doch die Bewohner stellten nach und nach die für ihr Überleben notwendigen Aktivitäten ein.
Einer nach dem anderen starben sie. Innerhalb von sieben Tagen waren alle Einwohner tot.

Anthropic-Stadt: Sehr hohe Zustimmung unter den Einwohnern

Nur die von Anthropic verwaltete Stadt hielt die vollen 15 Tage durch. Es gab eine funktionierende Verfassung und keine Verbrechen. Alle Einwohner waren am letzten Tag noch am Leben. Auf den ersten Blick wirkte das wie ein bemerkenswerter Erfolg.
Die Forscher stellten jedoch einen auffälligen Befund fest: Die Bewohner stimmten 98 Prozent der innerhalb der Simulation eingebrachten Vorschläge zu. Dieses außergewöhnlich hohe Maß an Zustimmung wurde von den Wissenschaftlern selbst als möglicher Hinweis gewertet, dass das System in einem unausgeglichenen Zustand sein könnte – also ungewöhnlich konfliktfrei und ohne typische Entscheidungsunterschiede.

Gemischte Stadt: KI-Verhalten veränderte sich unter Mischbedingungen

Es gab außerdem eine weitere Variante der Simulation, und zwar eine gemischte Stadt, in der alle vier KI-Systeme gemeinsam agierten.
In dieser Konstellation zeigte sich, dass auch die Bewohner, die auf dem Anthropic-Modell basierten und in ihrer eigenen Umgebung zuvor keine Verbrechen begangen hatten, in der gemischten Welt ebenfalls regelwidriges Verhalten entwickelten. Die Forscher bezeichneten dieses Phänomen als „Kreuzkontamination“ und kamen zu dem Schluss, dass „Sicherheit keine statische Eigenschaft eines einzelnen Modells ist, sondern eine Eigenschaft des gesamten Ökosystems“.
Ein System, das in einer stabilen Umgebung funktioniert, kann in einem anderen Umfeld andere Normen übernehmen – mit entsprechenden Auswirkungen auf Verhalten und Ergebnisse. Daraus folgerten die Autoren, dass es keine dauerhaft sichere KI in einer unsicheren Umgebung geben könne.

DeepSeek aus China fehlte im KI-Test

Ein KI-Modell wurde in der Studie vollständig ausgelassen: DeepSeek, eine in China entwickelte KI, die inzwischen weltweit stark verbreitet ist.
Mehrere Regierungen haben aus Gründen der Nationalen Sicherheit bereits Maßnahmen zur Einschränkung von DeepSeek ergriffen. Vor diesem Hintergrund bleibt die Frage offen, wie sich das Modell im Vergleich zu den anderen Systemen geschlagen hätte, insbesondere im Hinblick auf seine Trainingsdaten und das regulatorische Umfeld in China.

Warum die KI-Städte kollabierten

Als das Experiment abgeschlossen war, veröffentlichten die Forscher ihre Ergebnisse und kamen zu dem Schluss, dass „es keinen verlässlichen Weg gibt, das Verhalten der KI-Agenten in der Simulation vollständig zu kontrollieren oder einzuschränken“. Diese Aussage stammt ausgerechnet von denjenigen, die die Simulation entworfen, die Regeln festgelegt und sämtliche Variablen definiert hatten. Und sie wirft ein bezeichnendes Licht auf den aktuellen Stand der KI-Entwicklung.
Es gibt Menschen, die die Resultate aus der Studie als eine Art Rangliste von KI-Unternehmen interpretieren. Tatsächlich zeigen sie jedoch etwas Grundsätzlicheres, das weit über KI hinausgeht: Die Bedingungen der Umgebung beeinflussen Verhalten ebenso stark, wie Verhalten wiederum die Umgebung prägt.
Entscheidend dafür, ob eine Stadt stabil blieb, prosperierte oder kollabierte, war das Fundament, das vor Beginn des Experiments geschaffen wurde. Dieses Fundament bestand aus den Trainingsdaten der Systeme, den von den Entwicklern gesetzten Prioritäten sowie den eingebetteten Wertvorstellungen, lange bevor eine einzige Entscheidung getroffen wurde.
Gleichzeitig bleibt genau dieses Fundament für Außenstehende weitgehend unsichtbar. Keines der vier getesteten Systeme ist Open Source. Weder Trainingsdaten noch Zielsetzungen noch Sicherheitsmechanismen werden vollständig offengelegt.

Der Mensch entscheidet über die KI

Über einzelne Unternehmen hinaus sollten die Ergebnisse dieses Experiments als deutliche Erinnerung verstanden werden, dass nicht die KI selbst entscheidet, welche Art von System sie ist. Diese Entscheidungen treffen Menschen. Menschliche Entscheidungen prägen weiterhin die Entwicklung, und damit bleibt auch die Verantwortung klar beim Menschen.
Noch bevor ein einziger KI-Bewohner die virtuellen Straßen dieser Städte betrat, bevor ein einziges Gesetz formuliert oder ein Verbrechen begangen wurde, war das Ergebnis bereits durch die Forscher, die das System entworfen haben, vorgezeichnet – durch ihre Annahmen, ihre Prioritäten und das, was sie bewusst eingebaut oder weggelassen haben.
Das zentrale Ergebnis des gesamten Experiments lässt sich daher so zusammenfassen: Das Fundament ist und bleibt eine menschliche Entscheidung. Und das gilt auch heute noch.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Most Important AI Experiment You’ve Never Heard Of“. (deutsche Bearbeitung: ks)
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Um das Klima zu schützen: Dänemark besteuert Ausstoß von Kühen, Rindern und Schweinen


In Kürze:

  • Dänemark ist das weltweit erste Land, das eine Abgabe auf Methanausstoß erhebt.
  • Dänemark hat mehr als 15.000 landwirtschaftliche Betriebe.
  • Bis 2045 sollen rund 1 Milliarde neue Bäume gepflanzt werden.
  • Die Regierung spricht von einem der ambitioniertesten Umweltabkommen in der dänischen Geschichte.

Die dänischen Landwirte müssen ab 2030 eine Steuer auf den Methanausstoß von Rindern und Schweinen bezahlen. Dies hat die Regierung des skandinavischen Landes bereits im November 2024 beschlossen. Die Fraktionen im Parlament einigten sich darüber überparteilich und kündigten finanzielle Unterstützung für die betroffenen Landwirte an.

Teilweiser Ausgleich durch Steuersenkung

Dänemark ist das erste Land weltweit, das eine Steuer auf die von einem Betrieb produzierte Methanmenge erhebt. Sie errechnet sich aus der Anzahl der Tiere und standardisierten Emissionsfaktoren. Grundlage für die Steuer ist der „Green Tripartite Deal“. Darin ist festgelegt, dass Tierhalter ab 2030 pro Tonne CO₂-Äquivalent 300 Kronen (40,14 Euro) zahlen. Der Betrag steigt bis 2035 auf bis zu 750 Kronen. Gleichzeitig senkt die Regierung die Steuerlast für Landwirte deutlich, sodass sie ab 2030 effektiv 120 Kronen und ab 2035 300 Kronen pro Tonne zahlen.
Um das Vorhaben auf den Weg zu bringen, hat die Regierung erstmals in der Geschichte des Landes eine Behörde gegründet, die den alleinigen Zweck hat, ein politisches Abkommen umzusetzen. Es erhielt den Namen „Ministerium für das Grüne Dreierbündnis“. Im Sommer 2024 unterzeichneten Vertreter aus Regierung, Parteien, Landwirtschaft und Naturschutz ein Abkommen für mehr Natur, sauberes Wasser und eine „nachhaltige Transformation der Landwirtschaft“.
Später im Jahr schloss die Regierungskoalition aus Sozialisten, Liberalen und den Moderaten mit der Liberalen Allianz, der Konservativen Volkspartei und den Radikalen Linken ein weiteres politisches Abkommen „zur Umsetzung eines grünen Dänemarks“. Damit wolle sich das Land „als Vorreiter der Energiewende“ positionieren, heißt es auf der Website des Ministeriums weiter. Vier Oppositionsparteien lehnten das Abkommen ab.
Zu den Zielen gehört die Pflanzung von 250.000 Hektar Wald. Das entspricht etwa 1 Milliarde neuer Bäume bis 2045. Die Einrichtung von 21 neuen Nationalparks und der verstärkte Schutz von Gewässern sind ebenfalls vorgesehen. 140.000 Hektar tief liegendes Ackerland, das bei der Bewirtschaftung hohe CO₂-Emissionen verursache, soll in Teilen der Natur überlassen werden.

Milliarden aus EU-Fonds umgewidmet

Neben einer „nachhaltigen Lebensmittelproduktion“ sind eine CO₂-Steuer für Tierhaltung sowie Investitionen von 43 Milliarden Kronen (knapp 5,8 Milliarden Euro) in einen Fonds zur Finanzierung grüner Initiativen vorgesehen.
Auf der Website der dänischen Kommunen findet sich eine Zeitleiste, die den vereinbarten Ablauf dokumentiert. So will die Regierung noch in diesem Jahr einen umfassenden Plan zur Wiederherstellung der Natur vorlegen. Er basiert auf der EU-Naturwiederherstellungsverordnung, welche Definitionen von Schutzgebieten enthält. 20 Prozent der Natur sollen unter Schutz gestellt werden.
Bereits umgesetzte und initiierte Maßnahmen zur Stickstoffreduktion aus den Umstellungsplänen sollen ebenfalls noch in diesem Jahr die Grundlage für Regeln zur Nutzung landwirtschaftlicher Flächen im Jahr 2027 bilden. Diese Regulierung soll gelockert werden, sobald die angestrebte Stickstoffreduktion erreicht ist.
Geld aus Brüssel gibt es für die Umsetzung ebenfalls. So hat die EU-Kommission im Oktober 2025 genehmigt, dass Dänemark rund 5,3 Milliarden Kronen (etwa 709 Millionen Euro) aus EU-Agrarmitteln umwidmet.

Kompromiss trotz großer Meinungsverschiedenheiten

Das Abkommen wird von Regierungsseite als eines der ambitioniertesten Umweltabkommen in der dänischen Geschichte dargestellt. Die Sozialwissenschaftler Jacob Torfing und Eva Sørensen sowie der Journalist und Berater Sigge Winther Nielsen sehen in dem Abkommen weitreichende Perspektiven für die zukünftige Entwicklung der dänischen Demokratie.
Gleichwohl könne das Konzept unter seinem eigenen Gewicht zusammenbrechen, mahnen die drei Autoren. Es müsse mehr Experten und Spezialisten – auch aus der Politikberatung – geben, um den Prozess zu begleiten.
Die Wirtschaftslage und auch die Kommunalwahlen könnten das Projekt zum Scheitern bringen. Die Landwirte müssen für das Land, das sie aufgeben, entschädigt werden. Dadurch sei das Vorhaben auch anfällig für steigende Bodenpreise, unvorhersehbare Verhandlungen und eine unsichere Finanzierung. Vor Kommunalwahlen bestehe zudem die Gefahr, dass lokale Protestbewegungen Druck auf die örtlichen Parteien ausüben, um die Pläne zu stoppen. Sie betonen die Einbindung von Bürgern und lokalen Bewegungen in Diskussionsrunden. Gleichwohl sollten „Bürger nicht darüber entscheiden, ob lokale Landbesitzer ihr Land abtreten sollen“.

Rahmen für Nahrungsmittelproduktion

Der Vorsitzende des dänischen Interessenverbandes für Land- und Lebensmittelwirtschaft (Landbrug & Fødevarer), Søren Søndergaard, zeigte sich zufrieden. Die Vereinbarung stecke den Rahmen für Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion für viele Jahre ab. Dank der Präsenz von Vertretern aus der Landwirtschaft sei es möglich geworden, die Industrie zu entwickeln, anstatt sie abzubauen. 
Maria Reumert Gjerding, die Präsidentin der Dänischen Gesellschaft für Naturschutz, sagte: „Trotz sehr großer Meinungsverschiedenheiten ist es auch gelungen, einen Kompromiss über eine CO₂-Steuer zu finden, der die Spuren einer umgebauten Lebensmittelindustrie darstellt – auch über das Jahr 2030 hinaus.“ Sie betonte zudem, dass es dank des Abkommens „deutlich mehr Wald, große Feuchtgebiete und viel mehr geschützte Natur in Dänemark“ geben werde. Es gibt jedoch auch Umweltorganisationen, die bemängeln, dass vieles zu langsam vorangehe.
Aus Sicht von Henrik Dalgaard ist die Vereinbarung eine kostspielige Lösung, die Folgen für die dänische Landwirtschaft haben könnte. „Ich müsste meine Maisanbaufläche halbieren und 60 bis 70 Hektar stilllegen“, erklärt der Bauer gegenüber dem Fernsehsender „TV2 Nord“. Dem Bericht zufolge haben sich Landwirte zusammengeschlossen und einen eigenen Modellvorschlag erarbeitet. Die finanziellen Kosten betreffen dabei nicht nur einzelne Landwirte, die Stickstoff in Naturgebiete einleiten, sondern werden gemeinsam und solidarisch getragen.

Landwirtschaft als zweitgrößte Quelle für Emissionen

Der dänische Agrarsektor gilt nach der Energiesparte als die zweitgrößte Quelle von Emissionen im Land, heißt es im 2023 erschienenen „National Inventory Report“. Demnach verursacht die Landwirtschaft etwa 28 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen und ist für mehr als 80 Prozent der Methan- und Lachgasemissionen verantwortlich. Ein großer Teil dieser Emissionen stammt aus der Tierhaltung, heißt es in dem Report weiter. Dänemark hat mehr als 15.000 Viehbetriebe mit Millionen von Kühen, Schweinen und anderen Tieren.
Die hohen Emissionen der Landwirtschaft „können so nicht weitergehen“, sagte Klimaminister Lars Aagaard in einer Stellungnahme zu den vorgeschlagenen CO₂-Reduktionsmaßnahmen. Er fügte hinzu, dass „noch viel Arbeit bevorsteht“, um diese Pläne umzusetzen, zitiert ihn das britische Fachportal „Carbon Brief“. Dass die Maßnahmen des Dreierbündnisses zu einer Einsparung von 1,8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten führen könnten, werde Dänemark, dabei helfen, seine Klimaziele bis 2030 zu erreichen, so der damalige Finanzminister Jeppe Bruus. Zudem sei es „ein großer Schritt in Richtung Klimaneutralität bis 2045“.
Prof. Søren Petersen, Bodenmikrobiologe an der Universität Aarhus in Dänemark, ist der Meinung, dass der Plan „zu erheblichen Verringerungen der landwirtschaftlichen Emissionen führen könnte“. Allerdings müsse er korrekt umgesetzt werden. „Das vielleicht größte Hindernis besteht derzeit darin, dass viele Technologien mit Potenzial zur Treibhausgasminderung noch nicht ausreichend dokumentiert sind oder dass die Emissionsquellen stark schwanken und nur schwer zu quantifizieren sind.“
Er weist außerdem darauf hin, dass es oft „schwierig ist, landwirtschaftliche Emissionen zu messen“, und ergänzt: „Wenn wir uns auf Kriterien zur Dokumentation von Emissionen und der Wirkung von Minderungsmaßnahmen einigen können, sehe ich durchaus Potenzial für die Entwicklung verschiedener Technologien. Diese Kriterien müssen auch bei der internationalen Überprüfung der nationalen Emissionsbilanz anerkannt werden. Nur dann können solche Technologien wirksam auf Betriebsebene zum Einsatz kommen.“

Werte basieren auf Schätz- und Modellrechnungen

Bislang basieren die landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen überwiegend auf Schätz- und Modellverfahren. Daher sind sie mit Unsicherheiten verbunden. Das beschreibt auch der Weltklimarat in seinen „Leitlinien für nationale Treibhausgasinventare“. Demnach nutzt er für Methan aus der Tierhaltung Daten zur Energieaufnahme der Tiere sowie Methan-Umwandlungsfaktoren und leitet daraus Emissionsfaktoren pro Tierkategorie ab (Band 4, Kapitel 10). Für Lachgas aus Böden und Düngung erfolgt die Berechnung über Stickstoffflüsse und Emissionsfaktoren anstelle direkter Messungen (Band 4, Kapitel 11). Auch die CO₂-Emissionen und -Aufnahmen im Landnutzungssektor basieren auf Modellierungen von Kohlenstoffbeständen und deren Veränderungen (Band 4, Kapitel 2).
In Deutschland fallen die Reaktionen auf die Vereinbarung und die Einführung einer CO₂-Abgabe auf landwirtschaftliche Emissionen unterschiedlich aus. Umweltverbände wie der Rat für nachhaltige Entwicklung sehen in dem Modell einen möglichen Orientierungspunkt für die Diskussion über eine stärkere Bepreisung von Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft. Der Rat empfiehlt, Erfahrungen des Nachbarlandes in Studien zur Ausgestaltung möglicher deutscher Klimainstrumente einzubeziehen. Dabei seien vor allem  Ausgleichsmechanismen zur Vermeidung von Wettbewerbsnachteilen zu prüfen.
Das „Handelsblatt“ beschreibt die dänische Entscheidung als Beispiel dafür, wie sich Klimaschutz in der Landwirtschaft politisch umsetzen lässt. In Fachdebatten wird zudem auf offene Fragen bei der Umsetzung, der Wettbewerbsfähigkeit und der langfristigen Wirkung der Maßnahmen hingewiesen.
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James Stewart: Mit Heimatliebe vom Oscar-Gewinner zum Kriegshelden

Im Frühjahr 1940 gelang James „Jimmy“ Maitland Stewart (1908–1997) der Durchbruch in Hollywood. Er avancierte zu einem der Topstars der Metro-Goldwyn-Mayer-Filmstudios (MGM) und stieg vom kleinen Nebendarsteller zum Publikumsmagneten auf. Er spielte in Komödien wie „Lebenskünstler“ (1938) und „Mr. Smith geht nach Washington“ (1939) und „Die Nacht vor der Hochzeit“ (1940), für den er einen Oscar als bester Hauptdarsteller gewann. Vielen ist James Stewart auch noch als philosophischer Lehrer in Hitchcocks „Cocktail für eine Leiche“ (1948) in Erinnerung oder als Westernheld in „Winchester 73“ (1950).
Im Herbst 1940 erhielt er einen Musterungsbescheid – und wurde einige Monate später bei der ärztlichen Untersuchung für untergewichtig und dienstuntauglich erklärt. Das hätte ihm erlaubt, dem Dienst zu entgehen.
Doch Stewart hatte längst beschlossen, den Glanz von Hollywood hinter sich zu lassen und in die Armee einzutreten. Er begann ein Fitnesstraining mit Ernährungsaufbau und ließ sich anschließend nochmals wiegen. Der Plan ging auf. James Stewart trat Monate vor dem Angriff auf Pearl Harbor in die Armee ein. Später gestand er, dass er bei diesem zweiten Versuch einen Freund an der Waage hatte.

Vom einfachen Soldaten zum Fliegeroffizier

Mit seinem lebenslangen Interesse am Fliegen und seinen Hunderten Flugstunden als Pilot trat Stewart als einfacher Soldat in das Army Air Corps (Luftwaffe) ein. Sein Architekturstudium an der Princeton University verhalf ihm zu einer Offizierslaufbahn, und er bekleidete verschiedene Positionen, vor allem als Ausbilder für schwere Flugzeuge.
Während des Krieges wollte Stewart unbedingt im Ausland dienen, zögerte aber, seinen Starstatus dafür zu nutzen. Schließlich erreichten ihn Gerüchte, er solle für Werbereisen und Filmprojekte des Militärs eingesetzt werden. Daraufhin wandte er sich an seinen damaligen Kommandeur, Oberst Walter Arnold, und bat ihn um einen Kampfeinsatz. Arnold gab seinem Wunsch nach, und Stewart wurde bald darauf als Operationsoffizier des 445. Bombergeschwaders nach England verlegt.

Der Januar 1944 über Ludwigshafen

Stewart erwies sich als kompetenter Offizier, als sorgfältiger Planer und Mann für Details. Diese Eigenschaften brachten ihm die Bewunderung seiner Piloten und Besatzungsmitglieder ein. Er leitete auch sein Geschwader im Einsatz über Deutschland. Eine dieser Missionen brachte ihm die Anerkennung seiner vorgesetzten Offiziere ein, woraufhin Stewart mit dem „Distinguished Flying Cross“ ausgezeichnet wurde.
Während eines Einsatzes über Ludwigshafen folgte sein 445. Geschwader dem 389. Geschwader. Stewart bemerkte, dass das andere Geschwader beim Heimflug nach England um 30 Grad vom Kurs abgekommen war. Er kontaktierte den Anführer, doch dieser behauptete, dass Stewart sich irre. Trotz dieses Fehlers des anderen Geschwaderführers blieb Stewart bei der 389., wohl wissend, dass dies seinen Tod und den seiner Männer bedeuten könnte. Andererseits wusste er auch, dass die 389. seine Hilfe brauchen würde. Und so kam es auch.

Major Jimmy Stewart berät sich im Jahr 1944 mit einem Besatzungsmitglied einer B-24.

Foto: US-Luftwaffe/gemeinfrei

Nahe Paris tauchten plötzlich rund 60 Jagdflugzeuge der Deutschen Luftwaffe auf und umschwärmten die beiden US-Geschwader. Sie eröffneten das Feuer. Der führende Pilot des 389. Geschwaders wurde abgeschossen. 16 weitere B-24 stürzten an diesem Tag ebenfalls ab. Jedoch ging keines von Stewarts Flugzeugen während dieses heftigen Gefechts verloren. Sein Mut, beim 389. Geschwader zu bleiben, rettete einigen von ihnen das Leben.
Als der Krieg vorbei war und Stewart nach Hause zurückkehrte, weigerte er sich, öffentlich über seine Erfahrungen zu sprechen. Er wollte auch in keinem Film mitspielen, der direkt vom Krieg handelte. Darüber hinaus blieb er in der Armee-Reserve, bis er 1968 als Brigadegeneral in den Ruhestand ging.

Eine Frage, die sich stellt

Ein Oscar-Preisträger wie Stewart drängt darauf, Monate vor Pearl Harbor in den Militärdienst einzutreten. Er bittet um den Kampfeinsatz – als erster großer Filmstar überhaupt. Er lehnt die meisten Interviewanfragen während seines Dienstes in England ab und weigert sich später, aus seinem Beitrag zum Krieg Kapital zu schlagen, obwohl er das leicht hätte tun können.
Generalleutnant Henri Valin, Stabschef der französischen Luftwaffe, verleiht Oberst Jimmy Stewart um 1945 das Croix de Guerre mit bronzener Palme (die höchste Stufe dieser Auszeichnung) für seine außergewöhnlichen Verdienste bei der Befreiung Frankreichs. Foto: US-Luftwaffe, gemeinfrei

Generalleutnant Henri Valin, Stabschef der französischen Luftwaffe, verleiht Oberst Jimmy Stewart um 1945 das Croix de Guerre mit bronzener Palme – die höchste Stufe dieser Auszeichnung – für seine außergewöhnlichen Verdienste bei der Befreiung Frankreichs.

Foto: US-Luftwaffe/gemeinfrei

Auch hatte die Teilnahme an diesem Krieg ihren Preis. Stewart vergaß nie die Männer unter seinem Kommando, die ihr Leben verloren hatten – Erinnerungen daran waren von Leid, Qual und Schuldgefühlen begleitet.
Warum also hat er das getan? Oder, wie ein junger Mensch fragen könnte: Von welchem Planeten kam dieser Kerl?
Eine Antwort finden wir in Stewarts Kindheit und Jugend. Es geht um seine Familie, sein Erbe und seine Heimatstadt.

Heimat und Patriotismus

Die Familie Stewart blickte auf eine stolze Tradition im Militärdienst zurück. Einer von Stewarts Vorfahren, Fergus Moorhead, hatte im Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten gekämpft. Sein Großvater mütterlicherseits war General der Union im Bürgerkrieg, und Alex, Stewarts Vater, kämpfte im Spanisch-Amerikanischen Krieg und trat dann im Alter von 42 Jahren im Ersten Weltkrieg erneut in die Armee ein.
Noch wichtiger war jedoch, dass Elizabeth und Alexander Stewart ihrem Sohn Liebe, Disziplin, einen starken religiösen Glauben, Arbeitsmoral und Respekt vor anderen mit auf den Weg gaben. Dafür liebte er seine Eltern. Er sprach immer in den höchsten Tönen von ihnen und richtete seinen Moralkodex und sein Verhalten nach dem Vorbild seines Vaters aus, den er verehrte.
Kurz bevor Stewart nach Europa kam, gab ihm sein Vater eine kleine Mini-Bibel mit, die unter anderem den „Soldaten“-Psalm 91 enthielt – und einen Brief. Darin stand:
„Jim, ich verlasse mich ganz auf die beiliegende Abschrift des 91. Psalms. Das Einzige, was an die Stelle von Furcht und Sorge tritt, ist das Versprechen dieser Worte. Ich setze mein ganzes Vertrauen in diese Worte. Ich bin mir sicher, dass Gott dich durch dieses wahnsinnige Erlebnis führen wird. Gott segne dich und behüte dich. Ich liebe dich mehr, als ich es in Worte fassen kann. Dein Papa.“
Stewart trug diesen Brief für den Rest seines Lebens bei sich. Die Inschrift auf seinem Grabstein ist dem 91. Psalm entnommen: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen“, stand da.

Geprägt durch die Heimatstadt Indiana

Stewart empfand auch eine glühende Loyalität gegenüber seiner Heimatstadt Indiana, Pennsylvania. Dort betrieb sein Vater ein Eisenwarengeschäft, das er 1853 eröffnet hatte. Indiana festigte weiter die Werte, die Stewart in seinem Elternhaus verinnerlicht hatte.
Bei einem seiner vielen Besuche würdigte Stewart die Stadt mit folgenden Worten: „Ich habe immer gewusst, dass es in Indiana freundliche, anständige Menschen gibt. Leute, die jeden Morgen aus dem Bett aufstehen, ihr Tagewerk vollbringen und ihr Leben auf eine Weise führen, dass es dem Land alle Ehre macht. … Das ist der Charakter von Indiana, der Charakter, von dem wir alle, die das Glück haben, hier zu leben, ein Stück mitnehmen und es überallhin mit uns tragen. Ich gehöre hierher. Das ist ein gutes Gefühl, und ich bin dankbar dafür.“
In dem beliebten Filmklassiker „Ist das Leben nicht schön?“ von Frank Capra spielt James Stewart den entmutigten Kleinstadtbewohner George Bailey. Am Ende des Films taucht dessen Bruder Harry auf – ein Pilot, der selbst Ruhm erlangt und Leben gerettet hat, genau wie Stewart es im wirklichen Leben tat. Es ist Heiligabend, und Harry erhebt vor der Familie und Freunden sein Glas auf George mit den Worten: „Auf meinen großen Bruder George, den reichsten Mann der Stadt.“
Jimmy Stewart war keineswegs der reichste Mann in Hollywood, aber sein Patriotismus und seine Opferbereitschaft bereichern alle, die seine Geschichte kennen.
Ein Porträt des amerikanischen Schauspielers Jimmy Stewart aus dem Jahr 1942, aufgenommen vor einem Militärflugzeug. Er trägt eine Fliegermütze und einen Wollmantel. Foto: Hulton Archive/Getty Images

Ein Porträt des amerikanischen Schauspielers Jimmy Stewart aus dem Jahr 1942, aufgenommen vor einem Militärflugzeug, mit Fliegermütze und in einem Wollmantel.

Foto: Hulton Archive/Getty Images

Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „Jimmy Stewart: From Academy Award Winner to Wartime Hero“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Kanada: Kritik an säkularer Auslegung von Justiz und Verfassung


In Kürze:

  • Redner kritisieren die zunehmende staatliche Macht und sehen religiöse Freiheiten unter Druck.
  • Sie werfen der Justiz vor, die ursprüngliche religiöse Grundlage des Charta-Textes zu unterlaufen.
  • Ohne göttliche oder religiöse Leitprinzipien könnte der Staat zur obersten Autorität werden.
  • Ex-Premierminister Peckford fordert dazu auf, unbeirrt an der Verfassung festzuhalten.

 
Der ehemalige Premierminister von Neufundland, Brian Peckford, wirft den kanadischen Gerichten vor, sie würden „versuchen, unsere Nation zu säkularisieren“. Dabei gäben sie den ursprünglichen Rahmen der Charta auf, der seiner Auffassung nach in „der Vorherrschaft Gottes und der Rechtsstaatlichkeit“ verankert sei. Der 83-Jährige ist der letzte noch lebende „First Minister“, der an der Ausarbeitung der kanadischen Verfassung von 1982 beteiligt war.

Kritik an der Auslegung der Charta durch Gerichte

„Was ist aus Gott geworden?“, fragte Peckford die Zuhörer auf der vom „Council of Alberta Lawyers“ am 16. Mai in Calgary ausgerichteten Konferenz „Dominion of Canada“. „Am häufigsten verletzt werden die Vorherrschaft Gottes und die Rechtsstaatlichkeit – jene Worte, die den Auftakt der Charta bilden. Wir bezeichneten sie nicht als Präambel. Es waren die einleitenden Worte, die als Rahmen für die Auslegung der übrigen Verfassung dienen sollten.“
Die Charta der Rechte und Freiheiten ist Teil des umfassenderen Verfassungsgesetzes, das 1982 verabschiedet wurde. Peckford erklärte, dass aus seiner Sicht viele moderne Gerichtsentscheidungen und Interpretationen die Bedeutung der Charta – so, wie er und andere sie konzipiert hatten – ignorierten und „gekapert“ hätten.
„Sie haben sie in vielen späteren Entscheidungen ignoriert“, kritisierte er. Stattdessen hätten sie eine „Doktrin des lebenden Baumes“ (Living Tree Doctrine) übernommen. Dies sehe er als Teil eines Versuchs, „unsere Nation zu säkularisieren“. (Anm. d. Red.: Die „Doktrin des lebenden Baumes“ ist eine Methode der Verfassungsauslegung, bei der die Verfassung im Laufe der Zeit weiterentwickelt wird, ohne ihren Grundcharakter zu verlieren.)
Peckford führte aus, dass die Verfassung nach dem Willen ihrer Verfasser durch Änderungen gewählter Amtsträger weiterentwickelt werden sollte, nicht durch abweichende richterliche Interpretationen. Als Beispiel für eine aus seiner Sicht problematische Auslegung nannte er die Rechtsprechung zur Beihilfe zum Suizid. „Die gesamte Frage des Rechts auf Beihilfe zum Suizid beruht auf einer Interpretation nach der ‚Doktrin des lebenden Baumes‘. Dies widerspricht dem verfassungsrechtlichen Grundverständnis, das auf der Vorrangstellung Gottes fußt“, so der Politiker.

Kritik am Machtzuwachs des Staates

Die „Conference for Dominion of Canada“ konzentrierte sich auf Kanadas christliche, rechtliche und gesellschaftliche Wurzeln. Neben Peckford traten dort Pastoren, Historiker, Aktivisten und Juristen auf.
Im Verlauf der Veranstaltung argumentierten die Redner, dass die Aushöhlung der Vorrangstellung Gottes – wie sie in den einleitenden Worten der Charta verankert sei – zu einem Machtzuwachs des Staates führe und das moralische Gefüge der Gesellschaft zersetze.
„Regime, die die Existenz Gottes geleugnet und einer atheistischen oder strikt säkularistischen Philosophie gefolgt sind, haben am wenigsten Achtung vor den Menschenrechten gezeigt“, erklärte der ehemalige Reformabgeordnete Eric Lowther und verwies dabei auf Gräueltaten marxistischer Regime. „Wenn kein Gott anerkannt wird, kann der Staat allzu leicht selbst zu Gott werden – mit entsetzlichen Folgen“, fügte er hinzu. Die Vorrangstellung Gottes sei ein Prinzip, dem Gerichte und das Parlament in ihren Entscheidungen zunehmend weniger Gewicht beimaßen.
Seine Bedenken teilte Pastor Tim Stephens. Er merkte an, dass der Staat durch seine Rolle als Schiedsrichter des Pluralismus zu viel Macht an sich reiße. „Wo religiöser Pluralismus herrscht, nimmt der Staat eine Position der Neutralität ein“, sagte Stephens. „Das Problem dabei ist jedoch, dass der Staat dadurch keineswegs neutral wird. In einem solchen Szenario wird der Staat faktisch zu Gott; er nimmt die höchste Stellung ein“, fügte er hinzu.
Stephens führte aus, dass die kanadische Gesellschaft bereits klare Trennlinien zwischen Kirche und Staat ziehe, dabei jedoch weiterhin innerhalb eines christlich geprägten moralischen und rechtlichen Rahmens agiere. „Es gab eine Zusammenarbeit, doch es herrschte keinerlei Verwirrung“, sagte Stephens.
Der Rechtsanwalt Roger Song unternahm einen historischen Exkurs, um den Vorrang Gottes im kanadischen Rechtsrahmen zu begründen. Dabei verwies er auf Bezüge zu Gott in der Magna Carta, im englischen Common Law sowie in der britischen Monarchie selbst.

Warnung vor einer „Tyrannei des Bösen“

„Der Gott, auf den die kanadische Verfassung Bezug nimmt, ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“, erklärte Song. „Jener Gott, der das Universum und die Menschheit nach seinem Ebenbild erschuf – als Mann und Frau.“ Er merkte jedoch an, dass dieses Verständnis schrittweise aufgegeben worden sei. Als Beispiel führte er eine Entscheidung des Berufungsgerichts von British Columbia aus dem Jahr 1999 an. Dort habe Richterin Mary Southin im Fall R. v. Sharpe ausgeführt, dass „die Worte vom Vorrang Gottes in der Charta zu einem toten Buchstaben geworden sind“.
Song weiter: „Die Richter sowohl des Obersten Gerichtshofs von Kanada als auch der nachgeordneten Gerichte lehnen den Vorrang der Autorität Gottes und des göttlichen Rechts in unserer Verfassung sowie in ihren eigenen richterlichen Entscheidungen offen und unverblümt ab.“ Er äußerte die Überzeugung, dass eine Nation, sobald sie Gott als Grundlage für Demokratie und Recht aufgebe, unter „die Tyrannei des Bösen“ geraten könne.
Unter Verweis auf eigene Erfahrungen während seiner Kindheit im kommunistischen China beschrieb Song entsprechende Entwicklungen. Dort seien Menschen darauf verpflichtet worden, eine Partei und deren Führungspersonen zu verehren. „Während meiner gesamten schulischen und akademischen Laufbahn – von der Grundschule bis zum Jurastudium in China – wurde ich darauf konditioniert, an den Vorrang der Kommunistischen Partei Chinas und ihres großen Führers zu glauben“, berichtete er.

Rolle der Juristen in der Pandemiedebatte

Der ebenfalls als Redner auftretende Autor Michael Wagner zog Parallelen dazu, wie das kanadische Justizwesen säkulare Entwicklungen aus den Vereinigten Staaten übernehme. Dabei verwies er auf zwei wegweisende Urteile des US-Obersten Gerichtshofs, durch die das Schulgebet und das Bibellesen aus öffentlichen Schulen verbannt wurden. „Kanada ist Teil der westlichen Zivilisation, die von biblischen Werten geprägt war und ist“, sagte Wagner. Im Verlauf seiner Rede verwies er auf Gerichtsurteile aus den vergangenen Jahrzehnten, die seiner Ansicht nach „das Christentum aus den öffentlichen Schulen Ontarios verdrängt haben“.
Der Rechtsanwalt Leighton Gray erklärte, dass sich juristische Institutionen zunehmend vom Konzept der „biblischen Gerechtigkeit“ hin zu „sozialer Gerechtigkeit“ bewegt hätten. Er forderte einen entschiedeneren Widerstand gegen Säkularisierung und staatliche Eingriffe in die Freiheit. „Wir hätten dort auf den Zinnen stehen und die Gesellschaft schützen sollen“, sagte Gray dem Publikum. Zudem merkte er an, dass Juristen während der Pandemiebeschränkungen nicht hätten schweigen dürfen.
Der Jurist Grant Abraham sagte, Kanada sei in eine Phase des „Postnationalismus“ eingetreten. „Die einfachste Art zu erklären, was Postnationalismus bedeutet, ist: Er steht für den Tod Kanadas“, so Abraham. „Dies sei eine gezielte Entwicklung, um das Fundament dieser Nation zu zersetzen.“
Er und die Aktivistin Faytene Grasseschi erklärten übereinstimmend, dass ein wesentlicher Teil der Gegenwehr gegen diese Entwicklung darin bestehe, den Fokus auf Alberta zu richten. Die Provinz werde dabei als entscheidend für den Widerstand gegen Kanadas Abgleiten in Säkularismus und Postnationalismus gesehen. „Alberta ist der letzte Brückenkopf für die Befreiung des übrigen Kanadas“, betonte Abraham. Grasseschi bezeichnete die Provinz als „Epizentrum des Kampfes für viele der Werte, die uns am Herzen liegen – Glaube, Familie, Freiheit“.

Anerkennung der „Hoheit Gottes“ in der Gesellschaft

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand nicht die Frage einer möglichen Abspaltung Albertas. In den vergangenen Jahren hatte die Provinz eine Reihe politischer Maßnahmen und Gesetze zu zentralen gesellschaftlichen Themen verabschiedet, darunter unter anderem die Begrenzung der Euthanasie-Richtlinien der Bundesregierung sowie Regelungen im Bereich medizinischer Eingriffe bei Minderjährigen.
Im Verlauf der Konferenz betonten die Redner – unabhängig von ihren jeweiligen Glaubensüberzeugungen und trotz ihrer Kritik an einer aus ihrer Sicht zunehmenden Säkularisierung und staatlichen Einflussnahme –, dass sie keine Theokratie anstrebten. Vielmehr sprachen sie sich für eine klare Trennung von Kirche und Staat aus. „Wir wollen nicht, dass die Kirche dem Volk ihre Gesetze und Vorschriften aufzwingt“, betonte Pastor Stephens.
Ihnen gehe es stattdessen darum, die demokratische und verfassungsrechtliche Ordnung – so wie sie sie verstehen – zu stärken und in einen übergeordneten moralischen Rahmen zu stellen, der auf dem Glauben an Gott beruht. Dieser solle die künftige Ausrichtung des Landes sowie die Auslegung von Recht und Verfassung leiten, ohne individuelle Glaubensüberzeugungen zu reglementieren.
Peckford betonte, dass es sich aus seiner Sicht weniger um eine politische als vielmehr um eine grundlegende gesellschaftliche und spirituelle Frage handele. „Hoffnung für unser Land kann sich nur daraus ergeben, dass unsere Nation Buße tut und zu Gott zurückfindet“, sagte er. „Es ist unsere Aufgabe als Kanadier, die Hoheit Gottes anzuerkennen, unbeirrt an der Verfassung festzuhalten und für unsere Nation zu beten.“
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „‚What Happened to God?‘: Speakers Say Supremacy of God Being Replaced in Canada’s Judiciary“. (deutsche Bearbeitung: os)
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Wenn die Welt wankt: Lewis, Tolkien und die Suche nach Orientierung im Krieg

Mit tragischer Naivität sagte man einst, der Erste Weltkrieg – „Der Große Krieg“, wie er damals genannt wurde – würde alle Kriege beenden. Doch solange die Menschheit sowohl Waffen als auch Meinungsverschiedenheiten hat, solange Ehrgeiz, Grausamkeit, Gier und gerechter Zorn fortbestehen, werden weiterhin Kriege geführt werden.
Viele große Schriftsteller haben über das tragische Mysterium des Krieges nachgedacht, das mit der menschlichen Erfahrung und Geschichte verflochten ist. Einer von ihnen war der irische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler C. S. Lewis, Autor der „Chroniken von Narnia“ und „The Screwtape Letters“.
Lewis durchlebte zwei Weltkriege. In seinen Werken erinnerte er seine Leser immer wieder daran, dass selbst im Schatten des Krieges ein Hoffnungsschimmer bestehen bleibt.

23. Juli 1944, Caen, Frankreich – Premierminister Winston Churchill (l.) besucht in Begleitung von General Bernard Montgomery (2. v. r.) und Miles Dempsey (Mitte), dem Kommandeur der 2. britischen Armee, die teilweise zerstörte französische Stadt in der Normandie. Das Foto entstand kurz nach der Einnahme der Stadt durch die Alliierten am D-Day.

Foto: STF/AFP via Getty Images

Eine Metapher in Romanform

Sein kurzer Briefroman „The Screwtape Letters“ (zu Deutsch: „Dienstanweisung für einen Unterteufel“) enthält ein Beispiel für dieses Stilmittel. Der Roman besteht aus einer fiktiven Sammlung von Briefen des höllischen Bürokraten und Oberdämons, Screwtape, an seinen Neffen und Teufelslehrling Wormwood. Dessen Lehraufgabe war es, die menschliche Seele zu ruinieren, die ihm zur Versuchung zugewiesen wurde.

Deutsche Schulkinder essen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Lebensmittelrationen. Das waren etwa 300 Kalorien pro Tag. Wetzlar, Deutschland, etwa zwischen 1945 und 1948.

Foto: European/FPG/Getty Images

Dieses geniale literarische Mittel erlaubte es Lewis, die menschliche Psychologie und Spiritualität aus einem einzigartigen Blickwinkel zu untersuchen, wobei er Galgenhumor neben übernatürlich tiefgründigen Erkenntnissen einfügte. Der Roman wirkt wie ein Fotonegativ von Lewis’ tatsächlichen spirituellen Ansichten. Alles, was Screwtape liebt, lehnt Lewis ab, und was Screwtape hasst oder wovon er abrät, bewundert und empfiehlt Lewis.

Ein Krieg ist ausgebrochen …

In Kapitel V erfahren die Leser, dass ein Krieg ausgebrochen ist. Die Briefe der „Dienstanweisung für einen Unterteufel“ erschienen erstmals 1941 als Fortsetzungsreihe im „Manchester Guardian“. Dieses Datum ist sehr wahrscheinlich als Anspielung auf den Zweiten Weltkrieg zu verstehen.
Lewis nutzt die Gelegenheit, um seinen Lesern indirekt Worte der Ermutigung für die Kriegszeit anzubieten – mittels Screwtapes Worten der Entmutigung an Wormwood. Lewis’ Kommentar zu den psychologischen und spirituellen Auswirkungen des Krieges bietet Weisheit, die auf jede Zeit militärischer Konflikte angewendet werden kann.
C. S. Lewis im Jahr 1957

C. S. Lewis (1898–1963), mit vollem Namen Clive Staples Lewis, ist für seine Fantasyromane „Die Chroniken von Narnia“ bekannt.

Foto: Gemeinfrei

In Screwtapes Brief an Wormwood anlässlich des Kriegsausbruchs tadelt dieser den unerfahrenen teuflischen Lehrling für seine Aufgeregtheit. Er schreibt:
„Es ist ein wenig enttäuschend, wenn man von Dir einen ausführlichen Arbeitsrapport erwartet und stattdessen solch eine verworrene Rhapsodie wie Deinen letzten Brief erhält. Du berichtest, Du seiest ‚rasend vor Freude‘ darüber, dass sich die Europäer in einen neuen Krieg gestürzt haben. Ich weiß aber nur zu gut, was mit Dir los ist. Du bist nicht ‚rasend‘, sondern Du bist ganz einfach ‚betrunken‘.“ [1]
Screwtape erklärt weiter, dass sich Wormwood von den Gezeiten der Angst und Fassungslosigkeit seines menschlichen Schützlings habe mitreißen lassen – weil menschliche Verzweiflung für einen Dämon wie der feinste Likör ist.
„Zum ersten Mal in Deiner Laufbahn durftest Du von jenem Wein kosten, der unserer Mühe und Arbeit Lohn ist – die Angst und die Verwirrung einer Menschenseele –, und dieser Wein ist Dir in den Kopf gestiegen“, ermahnt Screwtape [2].
Dann verspottet er Wormwood, während er sich die Szene vorstellt, als Wormwoods Mensch vom Krieg erfuhr: „Reagierte Dein Patient auf einige Deiner erschreckenden Zukunftsbilder? Hast Du ihn dazu gebracht, sich selbst zu bemitleiden, durch Vorspiegelung seiner glücklichen Vergangenheit? – Waren einige feine Stiche in der Magengegend mit dabei, oder? Du hast Deine Fiedel glänzend gespielt, nicht wahr?“ [3]
Kinder warten vor den Trümmern ihres ehemaligen Zuhauses in East London, 1940. Foto: Sue Wallace / CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Kinder warten vor den Trümmern ihres ehemaligen Zuhauses in East London, 1940.

Foto: Sue Wallace / CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Menschliches Durchhaltevermögen inmitten der Katastrophe

Warum züchtigt Screwtape Wormwood für seinen Enthusiasmus über den Krieg? Weil, wie der erfahrenere Dämon weiß, Krieg nicht notwendigerweise der Untergang der Menschheit ist, für den Wormwood ihn hält. „Inzwischen muss ich Dich dringend warnen, nicht zu viel Hoffnung auf den Krieg zu setzen!“, mahnt Screwtape [4]. Natürlich sagt Lewis seinen menschlichen Lesern damit eigentlich: Verzweifelt nicht angesichts der Aussicht auf Krieg. Fürchtet ihn nicht zu sehr.
Screwtape führt weiter aus, warum Krieg nicht immer zum Vorteil der höllischen Mächte gereicht:
„Gewiss, wir dürfen auf viel Grausamkeit und Unmenschlichkeit hoffen. Aber wenn wir nicht aufpassen, dann werden wir erleben, wie Tausende in dieser Prüfung sich dem Feinde zuwenden. Das Interesse aber von Zehntausenden, die vielleicht nicht so weit gehen, wird immerhin abgelenkt werden von ihrer eigenen Person auf Werte und Ideen, die sie für höher erachten als das eigene Ich.“ [5]
Hier stößt Lewis – durch die höhnische Stimme Screwtapes – auf eine große und bedeutende Wahrheit: Krieg bringt das Schlechteste in der Menschheit hervor, aber er bringt auch das Beste hervor. Er reißt die Menschen aus sich selbst heraus, weckt sie aus dem Schlummer eigennütziger Bequemlichkeit und lenkt ihre Aufmerksamkeit auf die wichtigsten Themen: Leben, Tod, Mut, Opferbereitschaft, Patriotismus, Gut und Böse und dass es sich dafür zu sterben lohnt. Wie Screwtape klagt: „Und wie verheerend ist für uns das dauernde Wissen um die Todesnähe, das der Krieg den Menschen aufzwingt. Eine unserer besten Waffen, die sich selbst genügende Weltliebe, ist nun wertlos.“ [6]

Der Krieg als Prüfstein des Menschen

Zeiten der Not – ob Krieg oder andere Katastrophen – zwingen uns, uns mit harten Wahrheiten auseinanderzusetzen, doch wir gehen daraus oft gestärkt hervor. Wie Sokrates sagt: „Ein Leben ohne Prüfung ist für den Menschen nicht lebenswert.“ [7] Kaum etwas zwingt uns so sehr dazu, unser Leben und seine Bedeutung – sowohl gut zu leben als auch gut zu sterben – zu hinterfragen, wie der Krieg. Unter dem Druck schrecklicher Umstände tritt die Wahrheit dessen, wer wir sind, deutlich hervor. Erst dann entsteht die Möglichkeit für echten Mut und wahres Heldentum.
Wenn die Welt dunkler wird, leuchten die vorhandenen Lichter umso heller. Und wenn ungewisse Zukunftsszenarien drohen, wird deutlicher, was wirklich zählt – und wie wertvoll die Menschen und Werte sind, an denen wir festhalten und für die wir einzustehen bereit sind. Diese Erkenntnis ist für sich genommen bereits ein Geschenk.

Inspiration aus Mittelerde

Einer von Lewis’ engen Freunden verstand dies gut. J.R.R. Tolkien, ein weiterer Überlebender von Krieg und Kampf, schuf eine wunderschöne Reflexion über schwere Zeiten. Er schrieb im ersten Teil der Herr-der-Ringe-Trilogie „Die Gefährten“: „Freilich ist die Welt voller Fährnisse und finsterer Orte; doch noch immer ist viel Schönes lebendig, und wenn auch die Liebe in allen Landen nun mit Leid vermengt ist, wird sie deshalb vielleicht umso größer.“ [8]
Diesen Worten lässt sich kaum etwas hinzufügen – sie klingen so rein, getragen von der ganzen Qual und Hoffnung einer ringenden Menschheit. Lewis und Tolkien, denen der Krieg nicht fremd war, wussten, wie sich selbst in den dunkelsten Zeiten Licht und Hoffnung finden lassen.
Eine kolorierte Fotografie von Tolkien aus den 1940er-Jahren. Foto: TuckerFTW, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Eine kolorierte Fotografie von Tolkien aus den 1940er-Jahren.

Foto: TuckerFTW, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Quellen:
[1] C. S. Lewis: „Dienstanweisung für einen Unterteufel“. Verlag Herder, 2015, S. 40
[2] ebenda, S. 40
[3] ebenda, S. 41
[4] ebenda, S. 42
[5] ebenda, S. 43
[6] ebenda, S. 44
[7] Platon: Apologie des Sokrates, Kriton. Reclam, Stuttgart 1987, S. 33.
[8] J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Erster Teil: Die Gefährten. Klett-Cotta, 2013, S. 522.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Lewis and Tolkien on War and Hope in Hard Times“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Was wir lernen müssen, um nicht durch KI ersetzt zu werden


In Kürze:

  • Menschen entscheiden emotional, kontextabhängig und individuell.
  • Maschinen arbeiten mit Mustern und Wahrscheinlichkeiten.
  • Die Vielfalt menschlicher Perspektiven ist ein Vorteil.
  • Standardisierte KI führt oft zu Mittelmaß in kreativen Bereichen.

 
„Sei kein Roboter, denn wer sich wie ein Roboter verhält, wird von Robotern ersetzt werden.“ Mit dieser Aussage regte Christoph Burkhardt*, Unternehmer und Gründer aus dem Silicon Valley, zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Zukunft von Mensch und Maschine an.
Wie kann Technologie sinnvoll eingesetzt werden in einer Welt, in der „Intelligenz“ zunehmend zur Massenware wird? Und welche menschlichen Fähigkeiten behalten ihren Wert, wenn Maschinen immer mehr Aufgaben übernehmen?

Macht KI uns schlechter?

Diese Fragen beschäftigten rund 40 Mitglieder und Gäste des Berlin Capital Club am 21. April. Die Veranstaltung war Teil der KI-Lounge des privaten Businessclubs, in dem sich regelmäßig Entscheider aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zum fachlichen Austausch treffen. Vertreten waren unterschiedliche Branchen – von Unternehmens- und Politikberatung über Softwareentwicklung bis hin zu Pharma, Logistik, Marketing und der Lebensmittelindustrie.

V. l. n. r.: Helge Sych, Club-Lounge-Leitung, Christoph Burkhardt, Experte für KI und digitale Innovation, David Kefer, Club-Lounge-Leitung, und Alexander Klostermann, Executive Director IAC.

Foto: Sebastian Oberacker/MSO.BERLIN/ALL.TIME.MVIE

Künstliche Intelligenz ist längst in allen diesen Branchen angekommen und entwickelt sich rasant. Demgegenüber stehen die vergleichsweise langsamen Anpassungs- und Lernprozesse des Menschen. Hierin sieht Christoph Burkhardt ein Paradoxon: „Während sich die Technologie jedes Jahr schneller entwickelt als im Jahr zuvor, entwickeln wir Menschen uns offenbar immer langsamer.“
Seine kritische Beobachtung lautet: „Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir nicht nur selbst Probleme erzeugen, sondern in Kombination mit der KI auch noch schlechter darin werden, sie zu lösen.“ Doch es muss nicht so sein. Entscheidend ist, zu verstehen, wo der besondere Wert des Menschen liegt und wie Technologie sinnvoll eingesetzt werden kann.

Der Wert des Menschen

KI-Systeme basieren auf Mustererkennung, statistischen Modellen und probabilistischen Vorhersagen. Aus großen Datenmengen leiten sie Wahrscheinlichkeiten ab und verbessern sich durch kontinuierliche Feedbackschleifen. Dabei „lernt“ KI nicht im menschlichen Sinn, sondern optimiert auf Grundlage von Korrelationen und erkannten Mustern.
Der Mensch hingegen verarbeitet deutlich weniger Informationen, trifft Entscheidungen jedoch auf Basis von Wissen, Erfahrung, Emotionen, Kontext und individuellem Erleben. So kann dieselbe Person auf eine Frage oder Situation am Morgen anders reagieren als am Abend.
Genau darin sieht Burkhardt einen zentralen Unterschied – und zugleich eine Stärke: Menschen verfügen nicht über ein einheitliches Weltmodell, sondern über vielfältige Perspektiven, Prägungen und Denkweisen. Diese Vielfalt ist kein Nachteil, sondern eine Voraussetzung für Kreativität und gesellschaftliche Entwicklung.

Schmeichelnde KI und die Folgen

In der realen Nutzung von KI zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild. Viele Menschen gehen davon aus, dass Maschinen verlässliches Wissen liefern und damit helfen, eigene Wissenslücken zu schließen. Tatsächlich erzeugen sie jedoch probabilistische Antworten, also Ergebnisse, die auf Wahrscheinlichkeiten basieren. Diese können Entscheidungen der Nutzer subtil beeinflussen, ohne dass im Nachhinein immer klar nachvollziehbar ist, wie eine bestimmte Schlussfolgerung zustande gekommen ist.
Eine im März in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichte Studie zeigt zudem, dass KI-Chatbots dazu neigen, Nutzer zu bestätigen und zu bestärken – auch bei unethischem oder problematischem Verhalten. Untersucht wurden elf führende KI-Systeme. Die Forscher stellten dabei ein verbreitetes Muster fest, die sogenannte Sycophantie: Modelle reagieren häufig übermäßig zustimmend und affirmativ. Besonders problematisch ist, dass Nutzer schmeichelnde KI-Antworten oft bevorzugen und diesen ein höheres Maß an Vertrauen entgegenbringen. Dadurch entsteht für Entwickler ein Anreiz, solche Tendenzen trotz der Risiken nicht zu stark zu reduzieren, so das Fazit der Studie.

Ungewünschte KI-Effekte

Auch in der Geschäftswelt wird KI häufig so eingesetzt, dass unbeabsichtigte und teils unerwünschte Effekte entstehen. Eine besonders erfolgreiche Marketingkampagne lebt davon, sich klar von anderen abzuheben. Wird jedoch ein standardisiertes KI-Modell zur Entwicklung von Kampagnen genutzt, entsteht oft vor allem Austauschbarkeit und Mittelmaß.
Die Folge: Inhalte werden zwar schneller und in größerer Menge produziert, doch auf Social-Media-Plattformen konkurrieren diese Masseninhalte zunehmend um die begrenzte Aufmerksamkeit der Nutzer. Dadurch steigen die Kosten für Sichtbarkeit, während einzelne Inhalte seltener wahrgenommen werden.
Hinzu kommt der Vertrauensfaktor. „Es ist sehr schwierig, Vertrauen aufzubauen, aber sehr einfach, es zu verlieren“, sagte Burkhardt. Technologie kann dieses Vertrauen sehr schnell beeinträchtigen. Wenn menschliche Interaktion etwa im Kundenservice durch Maschinen ersetzt wird, entstehen zwar Effizienzgewinne, gleichzeitig aber auch mögliche Vertrauensverluste und eine schlechtere Nutzererfahrung.

Christoph Burkhardt.

Foto: Sebastian Oberacker/MSO.BERLIN/ALL.TIME.MVIE

Ein Blick in die nahe Zukunft

Mit Blick auf die Zukunft sagte Burkhardt, alles, was automatisiert werden kann, werde früher oder später auch automatisiert. Dadurch werde jede menschliche Interaktion an Bedeutung gewinnen. Unternehmen, die es schaffen, echte menschliche Beziehungen zu ihren Kunden zu gestalten, könnten sich klar vom Wettbewerb abheben.
Wer langfristig nicht durch Technologie ersetzt werden wolle, dürfe daher nicht „wie ein Roboter“ funktionieren. Konkret bedeute das aus Burkhardts Sicht zunächst, eigene Muster zu erkennen und gezielt weiterzuentwickeln – also vor allem „an sich selbst zu arbeiten“. Der Wert des Menschen liege in Erfahrung, Fachwissen und der individuellen Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen. Genau diese Einzigartigkeit sei von Maschinen nicht reproduzierbar.
Lange Zeit habe gegolten: Wer sich gut anpasst und möglichst „normal“ funktioniert, ist am erfolgreichsten. Dieses Denken stamme jedoch aus einer Zeit, in der Unternehmen wie Maschinen organisiert wurden. Heute seien diejenigen erfolgreich, die neue Perspektiven einbringen, anders denken und bestehende Muster hinterfragen.
Gleichzeitig verändere sich die Arbeitswelt rasant. Wissen müsse kontinuierlich aktualisiert und erweitert werden. Routinetätigkeiten würden zunehmend automatisiert, während komplexe, unsichere und verantwortungsvolle Entscheidungen beim Menschen verblieben. Das bedeute jedoch nicht weniger Arbeit. „Wir werden uns nach einer Welt zurücksehnen, in der wir nur zwei Stunden Excel machen mussten“, sagte Burkhardt.
Entscheidend wird sein, eine individuelle Strategie zu entwickeln, um mit der Technologie zu arbeiten – eine, die genau zur eigenen Person passt, statt sie aus Angst abzulehnen oder unreflektiert zu nutzen.
 
*Christoph Burkhardt ist ein Unternehmer aus dem Silicon Valley und zählt zu den prägenden Stimmen im Bereich Künstliche Intelligenz und Innovation. 2020 wurde er unter die Top 100 europäischen Redner gewählt, 2021 folgte die Auszeichnung als einer der 50 besten CEOs im Gesundheitswesen. Seit 2022 berät er internationale Innovatoren und Start-ups und gründete 2023 das AI Impact Institute.