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„Gen Z regelt“: Greifen die Unruhen in Frankreich an Halloween auf Deutschland über?


In Kürze:

  • Unter dem Motto „Gen Z regelt“ wird für den 31. Oktober zu Protesten in mehreren deutschen Städten aufgerufen – unter anderem gegen Sparmaßnahmen und steigende Lebenshaltungskosten.
  • Als treibende Kräfte hinter den Aufrufen gelten mehrere Organisationen, die von Verfassungsschutzbehörden als linksextremistisch eingestuft werden.
  • Ob daraus ebenfalls gewalttätige Ausschreitungen wie in Frankreich hervorgehen, bleibt offen.

 
Greifen die bereits seit mehreren Wochen andauernden Proteste und Unruhen in Frankreich auch auf Deutschland über? Unter dem Motto „Gen Z regelt“ machen derzeit vor allem auf TikTok Aufrufe die Runde. Diese kündigen für den 31. Oktober in mehreren deutschen Städten eine Mobilisierung an.
Kundgebungen sind unter anderem für Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Leipzig, Stuttgart und Ulm angekündigt. Inhaltlich wenden sich die Aufrufe gegen einen Sparkurs, der unter anderem Schulen treffe.
Außerdem gehe es unter anderem um steigende Lebenshaltungskosten, ungerechte Lastenverteilung, Rassismus, Wehrpflicht und Musterung und Fachkräftemangel.
Hinter dem Aufruf stecken

Krawalle überschatten Proteste

Seit etwa Anfang Oktober steht Frankreich im Zeichen einer Welle von Demonstrationen und Unruhen, die mit Schülerprotesten gegen schlechte Lernbedingungen ihren Ausgang nahm. Inzwischen richten sich die Proteste auch gegen hohe Lebenshaltungskosten.
Mittlerweile haben jedoch gewalttätige Ausschreitungen durch linke Gruppierungen die Oberhand gewonnen. In mehreren Teilen des Landes, auch in Paris, kam es zu Plünderungen, Vandalismus sowie Gewalt gegen Sicherheitskräfte und Unbeteiligte.
In der Großstadt Lyon stand eine Touristeninformation in Flammen; in der zentralfranzösischen Stadt Limoges wurde das mehr als 140 Jahre alte Rathaus in Brand gesetzt und schwer beschädigt. Mehr als 1.200 Menschen wurden festgenommen und 150 Polizisten verletzt.
Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick auch auf die für den 31. Oktober in Deutschland angekündigten Versammlungen.
An jenem Tag begehen viele Jugendliche auch Halloween. Zwar ist dieser Abend – anders als etwa die Neujahrsnacht – nicht für ein generell erhöhtes Ausmaß an Ausschreitungen bekannt. Regional hat es für die Polizei zu diesem Datum in den vergangenen Jahren jedoch teilweise Einsatzschwerpunkte gegeben.

Mobilisierung über TikTok und Telegram

Die Mobilisierung für die geplanten Kundgebungen unter dem Banner von „Gen Z regelt“ läuft über soziale Medien, schwerpunktmäßig über TikTok. Auch über Telegram verabreden Interessierte mögliche Aktionen.
„Gen Z regelt“ unterhält einen Account auf Instagram. Dort ruft man dazu auf, Videos von Aktionen zu schicken. Nicht bekannt ist, wie viele der angekündigten Versammlungen auch bei den zuständigen Behörden angemeldet sind.
Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, der CDU-Politiker Marc Henrichmann, warnt in der Mittwochausgabe der „Rheinischen Post“ vor einer „Vernetzung der linksextremen Szene“ Deutschlands und Frankreichs. Gleichzeitig rechnet er nicht damit, dass „die aktuellen Ausschreitungen in Frankreich in einem vergleichbaren Ausmaß auch nach Deutschland übergreifen werden“.
Welche Zugkraft die Aufrufe unter dem Banner von „Gen Z regelt“ entwickeln werden, bleibt abzuwarten. Auffällig ist, dass keiner der Aufrufe auf der üblicherweise von der radikalen Linken genutzten Plattform „indymedia“ auftaucht.
Dort findet sich lediglich ein Aufruf „Jugendaufstand überall! – Call for youth uprising“ für den 20. November. In Hamburg und Berlin sollen demnach Veranstaltungen zu einem „School uprising“ stattfinden. Das dazu angekündigte Video ist nicht mehr sichtbar.

Verfassungsschutz stuft Organisationen hinter den Aufrufen als linksextremistisch ein

Auf X finden sich Inhalte, die darauf hinweisen, dass „Gen Z regelt“ auch innerhalb der linken Szene keine ungeteilte Rückendeckung findet. Als Organisationen hinter den Aufrufen kristallisieren sich die Föderation klassenkämpferischer Organisationen, die Internationale Jugend und die Gruppe Kommunistischer Aufbau heraus.
Das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen hat den Kommunistischen Aufbau und die Föderation klassenkämpferischer Organisationen, zu deren Teilorganisationen auch die Internationale Jugend zählt, am 3. März 2025 als erwiesene linksextremistische Bestrebungen eingestuft und dem dogmatischen Linksextremismus zugeordnet.
Auch der Verfassungsschutz Baden-Württemberg beschreibt den Kommunistischen Aufbau als linksextremistische Organisation und ordnet ihm die Internationale Jugend zu.
Die marxistisch-leninistische Ausrichtung und die angestrebte revolutionäre Überwindung der bestehenden Gesellschaftsordnung unterscheiden diese Gruppen ideologisch von autonomen und anarchistischen Strömungen.
Wie groß ihr Mobilisierungspotenzial im autonomen oder anarchistischen Spektrum ist, lässt sich daraus allein nicht ableiten. Themen wie der Nahost-Konflikt und „Querfront“-Vorwürfe sorgen für tiefe Gräben innerhalb der radikalen Linken.
Dazu kommen auch einige weitere Aufrufe wie jener am 31. Oktober gegen die „Folter und Ermordung unschuldiger Bürger in ihrer eigenen Wohnung mit Strahlungswaffen durch Polizei und Verfassungsschutz-Mitarbeiter“ zu protestieren.
Ob die Aufrufe unter dem Hashtag „Gen Z regelt“ in der Lage sein werden, eine Protestbewegung nach französischem Vorbild in Deutschland zu etablieren, ist offen. Dabei unterscheidet sich die Protestkultur zwischen beiden Nachbarn traditionell deutlich.
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Frankreich: Über 550 Schulen wegen eskalierender Schülerproteste geschlossen


In Kürze:

  • Am Donnerstag waren über 1.000 Schulen von Protestaktionen betroffen, über 200 davon blockiert.
  • Die Behörden meldeten fast 2.000 Festnahmen, über 300 verletzte Polizisten und Gendarmen sowie 170 verletzte Schüler.
  • Die Regierung wirft der linkspolitischen Oppositionspartei LFI politische Instrumentalisierung vor; eine zentrale Steuerung der Proteste durch die Partei wurden bislang nicht belegt.
  • Am Freitag blieben landesweit rund 560 Schulen geschlossen.

 
Vor dem Hintergrund anhaltender Unruhen in mehreren französischen Städten bleiben am Freitag, 2. Oktober, landesweit gut 560 Schulen offiziell geschlossen, wie das Bildungsministerium mitteilte.
Seit dem 21. September protestieren Schüler – hauptsächlich der Lycées, also der Gymnasien – gegen unterschiedliche Missstände im Bildungswesen. Vom Großraum Paris aus breiteten sich die Proteste auch auf Provinzstädte aus.
Gleichzeitig weiteten die Proteste sich vielerorts zu allgemeinen Ausschreitungen aus. Das Innenministerium spricht von Erscheinungsformen „urbaner Gewalt“.

Schulen in ganz Frankreich betroffen

Die Protestbewegung, als deren Ausgangspunkt das Lycée Saint-Exupéry in Créteil südöstlich von Paris gilt, richtet sich gegen Lehrermangel, Unterrichtsausfall, überhitzte Schulen und marode Schulgebäude. Es kam zu Blockaden und in weiterer Folge zu ähnlichen Aktionen in der gesamten Region Île-de-France rund um Paris und anschließend in Großstädten wie Lille, Lyon und Marseille.
Am Dienstag waren Behördenangaben zufolge über 400 Schulen betroffen. Gleichzeitig eskalierten Proteste und es kam zu Fällen von Vandalismus gegen Mülltonnen, Bushaltestellen oder Fahrzeuge. Auch Schulgebäude selbst wurden in mehreren Städten beschädigt oder in Brand gesteckt. Insgesamt sollen Randalierer bislang Schäden an etwa 100 Schulen landesweit verursacht haben.
Nach Angaben des Innenministeriums waren am Donnerstag landesweit 1.027 der rund 3.700 weiterführenden Schulen von Protestaktionen betroffen – fast jede Dritte. 222 Schulen wurden blockiert. Mittlerweile gebe es Proteste an Universitäten an etwa 30 Hochschulstandorten. Die Proteste reichen inzwischen in alle Départements Frankreichs

Bildungsminister sucht Gespräch mit Schülern und Eltern

Die Zahl der verletzten Beamten von Polizei und Gendarmerie stieg laut offiziellen Angaben mittlerweile auf 305 an. Unter den Schülern gibt es etwa 170 Verletzte und 65 in den Reihen der Lehrkräfte. Im ostfranzösischen Belfort wurde ein Polizist demnach brutal angegriffen. Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez laufen Ermittlungen wegen versuchter Tötung.
Nuñez verurteilte eine „ungezügelte Gewalt“. Die Lage habe sich verschärft und habe „nichts mehr mit dem legitimen Ausdruck von Schülerforderungen“ zu tun, erklärte er. Feuerwerkskörper seien auf Einsatzkräfte geschossen, öffentliche Gebäude angezündet und Geschäfte geplündert worden.
Es kam auch am Freitag erneut zu zahlreichen Gewaltakten: In Paris brannten die Eingangsbereiche von zwei Schulen. Im Großraum der Hauptstadt kam es an 55 Schulen zu gewaltsamen Ausschreitungen. In Lyon wurden an zehn Schulen unter anderem Böller gezündet und Mülltonnen in Brand gesteckt.
Allerdings ist es nicht an jedem Schauplatz von Protesten auch zu Gewalt gekommen.
Seit Beginn der Proteste in der vergangenen Woche seien laut Justizminister Gérald Darmanin etwa 2.000 Menschen festgenommen worden, davon 90 Prozent Minderjährige.
Premierminister Sébastien Lecornu hatte für Donnerstag eine Krisensitzung einberufen. Für Freitag wurde dabei auch die Schließung betroffener Schulen besprochen. An zahlreichen der mehr als 550 betroffenen Schulen findet der Unterricht digital statt. Zudem gelten Demonstrationsverbote rund um einige Schulen.
Für Freitag ist ein Gespräch von Bildungsminister Édouard Geffray mit Schüler- und Elternverbänden angesetzt. Geffray sagte, Eltern müssten sich zu Wort melden und ihre Kinder von der Teilnahme an Protesten abhalten. Diese seien auf den Straßen nicht sicher. „Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Kinder nicht mehr auf der Straße sind, weil sie dort in Gefahr sind“, sagte der Minister am Freitag dem Sender BFM.
Justizminister Darmanin wies zudem die Staatsanwälte an, zu prüfen, inwieweit Eltern für Schäden durch ihre minderjährigen Kinder zur Verantwortung gezogen werden könnten.

Oppositionspartei LFI weist Vorwürfe der „Instrumentalisierung“ zurück

Unterdessen ist auch eine breit angelegte politische Debatte um die Verantwortung für die Eskalationen entbrannt – auch mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027.
Vor allem aus dem Regierungslager gibt es Vorwürfe an die linkspopulistische Oppositionspartei La France Insoumise (LFI). Premierminister Lecornu sprach von einem „organisierten Manöver“ der Partei und linksextremer Gruppierungen, die hinter den Unruhen stünden. LFI würde die Bewegung „politisch instrumentalisieren“.
LFI weist alle Vorwürfe zurück. In einer Rede, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, betonte ihr Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon, Feuer zu legen diene keinem Zweck. Er rief seine Anhänger zu „Kampfdisziplin“ und zum „Bewahren eines kühlen Kopfes“ auf. Man tue nichts, was dem selbst gesetzten Ziel schade.
„Wir rufen zu gewaltlosen Kampfmethoden auf und zu sonst nichts!“
Auch der Geschäftsführer der Partei, Manuel Bompard, betonte, LFI habe mit den Ausschreitungen nichts zu tun. Man habe zu gewaltfreien Protestformen aufgerufen. Es handle sich um eine „spontane Protestbewegung angesichts unwürdiger Bedingungen im Schulwesen“. Er forderte die Regierung auf, „nicht in Verschwörungstheorien zu verfallen“.
Der frühere Mitarbeiter einer LFI-Abgeordneten, Ritchy Thibault, wurde in Paris festgenommen, nachdem er zum Vorgehen gegen die Polizei und zum „Anzünden des Élysée-Palastes“ aufgerufen hatte. Allerdings hat dieser keine offizielle Funktion bei LFI.
Tausende Menschen wurden bei den Protesten bereits festgenommen. (Archivbild)

Tausende Menschen wurden bei den Protesten bereits festgenommen. (Archivbild)

Foto: Jean-Francois Badias/AP/dpa

Vermummte Personen beteiligt

Inwieweit LFI tatsächlich eine steuernde Funktion bei den Protesten ausübt, ist unklar. Politiker der Partei waren bei Protesten und an blockierten Schulen anwesend. Ebenso wie andere Gruppierungen aus dem linken Spektrum unterstützt LFI die Anliegen der Schüler politisch. Zugleich gibt es auch ein Geheimdienstgutachten, das von einer „politischen Instrumentalisierung“ durch LFI spricht.
Nach bisherigen Erkenntnissen waren an den gewalttätigen Aktionen auch zahlreiche vermummte Personen beteiligt, die offenbar nicht zur Schülerschaft der betroffenen Schulen gehörten. Viele von ihnen führten Feuerwerkskörper und Wurfgeschosse mit sich. Sie sollen von Schule zu Schule gezogen sein, gezielt die Konfrontation mit der Polizei gesucht und versucht haben, Schüler zu Gewalttaten anzustacheln.
Bislang wurden Erkenntnisse dazu, ob die vermummten Gewalttäter einer politischen Organisation zuzuordnen sind und, wenn ja, welcher, nicht bekannt gemacht. Entsprechend handelt es sich bei Mutmaßungen in sozialen Medien, die vom „Schwarzen Block“ über andere linksextreme Organisationen bis zu rechtsextremen Provokateuren reichen, um Spekulationen.

Unruhen in Frankreich nicht selten

In Frankreich kommt es regelmäßig zu Unruhen, die sich im Umfeld politischer Proteste entzünden. Die größten davon waren jene im Mai 1968, als sich sowohl Studenten als auch Arbeiter an Aktionen, die ursprünglich an den Universitäten ihren Ausgang genommen hatten, beteiligten.
Im Jahr 2016 kam es zu Protesten gegen die Arbeitsrechtsreform, in deren Umfeld auch Autonome aus dem „Schwarzen Block“ gewalttätig in Erscheinung traten. Ende der 2010er-Jahre trat die Gelbwestenbewegung in Erscheinung, im Jahr 2023 kam es zu teils von Gewalt begleiteten Protesten gegen die Rentenreform sowie Jugendunruhen im Sommer 2023.