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Berliner Hackerangriff: Sensible Daten und Verteidigungsunterlagen im Darknet


In Kürze:

  • Rund 1,4 Millionen Dateien aus dem Berliner Landesnetz sind nach Ablauf eines Hacker-Ultimatums im Darknet veröffentlicht worden.
  • Rhysida forderte 30 Bitcoins, damals etwa zwei Millionen Euro, doch Berlin lehnte eine Lösegeldzahlung ab.
  • Unter den Daten sollen sich Personalakten, Passwörter sowie Informationen über kritische Infrastruktur und zivile Verteidigungsplanung befinden.

 
Der jüngste Ransomware-Angriff auf zwei Berliner Senatsverwaltungen gilt als größter Datendiebstahl in der Geschichte der Landesverwaltung in der Landeshauptstadt. Die Verantwortlichen für den Angriff, eigenen Angaben zufolge die Hackergruppe Rhysida, haben rund 1,4 Millionen Dateien erbeutet. Die Datenmenge soll bis zu 5,8 Terabyte betragen.
Die mittlerweile im Darknet aufgetauchten Ordner enthalten offenbar nicht nur personenbezogene Daten und Zugangsdaten. Einem Bericht des „Tagesspiegel“ zufolge sollen die Hacker auch Informationen über kritische Infrastruktur und zivile Verteidigungsplanung offengelegt haben. Der Vorfall wirft Fragen über den Zustand der digitalen Sicherheitsarchitektur der Berliner Verwaltung auf.
Nach dem Hackerangriff hat Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) eingeräumt, dass nach aktuellem Stand offenbar auch sensible Daten betroffen sind. Während der Senat zunächst erklärt hatte, es gebe keine Hinweise auf den Abfluss sensibler Informationen, sei “der Erkenntnisstand heute ein anderer“, sagte Wegner der „Bild“. Berlin sei „Opfer einer schweren Straftat geworden“, so der CDU-Politiker.

Hacker veröffentlichten entwendete Daten im Darknet

Wie der RBB berichtet, haben die Hacker die Daten nach dem Ablauf eines von ihnen gestellten Ultimatums im Darknet zum Download zur Verfügung gestellt. Rhysida gab dies am Freitagnachmittag, 4. September, auf seiner dort betriebenen Website bekannt. Mittlerweile führe der Link auf mehrere Ordner. Unter diesen befänden sich Arbeitszeugnisse und Beurteilungen von Mitarbeitern sowie deren Personalakten. Auch Informationen zu Ausschreibungen seien abrufbar gewesen.
Eine exakte Überprüfung der Angaben war bislang noch nicht möglich. Es ist auch noch nicht geklärt, ob es sich tatsächlich um die vollständige Menge der abgeflossenen Daten handelt. Der Berliner Senat erklärte, derzeit führten die Sicherheitsbehörden eine „intensive Datenprüfung“ durch. Man habe dazu unter anderem IT-Forensiker beauftragt.
Außerdem wolle man betroffene Personen kontaktieren. In einer Erklärung des Senats heißt es dazu:
„Sofern im Rahmen der Analyse einzelne betroffene Personen identifiziert werden, werden diese risikobasiert und entsprechend der gesetzlichen Vorgaben von den zuständigen Senatsverwaltungen informiert.“
Bürger, die unabhängig davon Kenntnis erlangten, dass ihre Daten veröffentlicht oder missbraucht wurden, ruft man dazu auf, Strafanzeige zu erstatten.

Berlin soll an Rhysida rund zwei Millionen Euro zahlen

Die Attacke der Hacker richtete sich gegen die Senatsverwaltungen für Bauen und Stadtentwicklung sowie Mobilität und Verkehr. Deren eigenen Angaben zufolge hätten sie vom 7. bis 12. August unbemerkt Zugriff auf die Systeme gehabt. Die Betroffenen hatten von dem Angriff erst am 14. August Kenntnis erlangt.
Rhysida richtete nach Ende des Angriffs ein Ultimatum an die Senatsverwaltung. Die Gruppe forderte die Zahlung von 30 Bitcoin – zum Zeitpunkt des Erpressungsversuchs entsprach dies etwa zwei Millionen Euro. Das Land Berlin machte mehrfach deutlich, kein Lösegeld bezahlen zu wollen. Am Freitag lief das Ultimatum ab. Daraufhin machten die Erpresser die Drohung wahr.
Unter den erbeuteten Informationen sollen sich auch solche über Einrichtungen befinden, die im Krisen- oder Verteidigungsfall besonderen Schutzmaßnahmen unterliegen. Genannt seien unter anderem Heizkraftwerke, Notstromanlagen, Wasserwerke, Entsorgungsunternehmen und Umspannwerke. Teilweise seien auch Angaben zu möglichen Schäden bei der Zerstörung bestimmter Anlagen enthalten gewesen.

Hacker haben auch Informationen über kritische Infrastruktur erbeutet

Auch Unterlagen im Zusammenhang mit dem „Operationsplan Deutschland“ sind dem „Tagesspiegel“ zufolge im entwendeten Datenbestand enthalten gewesen. Es soll um teilweise als Verschlusssache klassifizierte Informationen zu Liegenschaften und Einrichtungen gehen. Darunter sei auch ein Entwurf des Leitfadens „Zivile Verteidigung im Land Berlin“ vom August 2025.
Die Berliner Senatskanzlei geht laut dem Dokument von höchst sensiblen Daten aus. Nach Rücksprache mit Bundesbehörden geht sie aber nicht von kritischen Informationen für die Sicherheit und Verteidigung aus. Teilweise seien aber auch Informationen über mögliche Gefahrenquellen, Betriebszeiten, Wachschutzeinrichtungen, Notfallverantwortliche oder besonders gefährdete Standorte von Behörden, Rüstungsunternehmen und anderen Einrichtungen abgeflossen.
Im Datensatz soll sich auch eine Datei mit unverschlüsselten Zugangsdaten und Passwörtern befunden haben. Diese soll knapp 6.000 Login-Daten erfasst haben, in einigen Fällen gebe es bei bestimmten Fachverfahren und weiterhin bestehenden VPN-Zugängen auch keine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Sogar Daten von Bürgern und Unternehmen sollen in dem Bestand auftauchen. Die forensische Untersuchung dazu ist jedoch noch nicht abgeschlossen.

Berlin war nicht das erste Opfer von Rhysida

Einem internen Vermerk aus der Berliner Verwaltung zufolge kommen mit Sicherheitsfragen befasste Beamte zu der Einschätzung, dass ein „digitaler Geheimschutz (im strengen Sinne)“ in der Berliner öffentlichen Verwaltung „nicht möglich“ sei. So musste man für bestimmte klassifizierte Vorgänge offenbar weiterhin auf Papierform zugreifen.
Einer weiteren Unterlage zufolge seien Teile der IT bei den betroffenen Senatsverwaltungen nicht zur zentral verwalteten und überwachten IT-Struktur migriert worden. Diese sei beim zentralen IT-Dienstleister ITDZ Berlin angesetzt. Das konkrete technische Einfallstor ist jedoch noch nicht abschließend geklärt. Es kämen unter anderem Phishing, eine ungepatchte Software oder ein kompromittierter Fernzugang in Betracht.
Rhysida ist als international agierende Ransomware-Gruppe bekannt, die 2023 erstmals in Erscheinung getreten war. Sie stellt Schadsoftware und Infrastruktur für sogenannte Affiliates bereit, die anschließend selbst damit Angriffe ausführen. Die Gruppe stiehlt Daten und droht anschließend mit Veröffentlichung. Von Hackeraktivitäten von Rhysida betroffen waren bisher unter anderem die British Library, das Lurie Children’s Hospital in Chicago, die Stadt Columbus in Ohio oder der Hafen von Seattle.
 
 
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Militär übt Ernstfall: Kampfflugzeuge starten vom Hamburg Airport


In Kürze:

  • Die Luftwaffe führt vom 8. bis 12. Juni die Übung „Dispersed Operations 2026 – Panther Shield“ auf dem Hamburger Flughafen durch.
  • Ziel ist es, die Nutzung ziviler Flughäfen im Krisen- und Verteidigungsfall zu erproben und die Zusammenarbeit mit zivilen Partnern zu verbessern.
  • Die Übung folgt dem NATO-Konzept „Agile Combat Employment“ (ACE), das auf eine flexiblere Verteilung von Luftstreitkräften setzt.

 
In der Zeit vom 8. bis 12. Juni wird die deutsche Luftwaffe den zivilen Flughafen Hamburg im Rahmen einer groß angelegten Übung nutzen. Nach Angaben der Bundeswehr auf der Website des Hamburg Airport findet in diesem Zeitraum die Übung „Dispersed Operations 2026 – Panther Shield“ statt. Ziel ist es, „die Zusammenarbeit mit zivilen Einrichtungen zu stärken und die Verteidigungsfähigkeit im Bündnisfall realitätsnah zu üben“.
Das Taktische Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ wird dabei mit sechs Tornado-Kampfflugzeugen Starts und Landungen auf dem zivil genutzten Flughafen trainieren. Eine wesentliche Beeinträchtigung des regulären Flugverkehrs soll dadurch nicht entstehen.

Zivile Flughäfen als Teil moderner Verteidigungsplanung

Zu den wesentlichen Zielen der Übung gehört die Nutzung ziviler Infrastruktur für militärische Zwecke im Krisen- oder Verteidigungsfall. Darüber hinaus ist die Bundeswehr an der Erprobung der Zusammenarbeit mit Flughafenbetreibern und Behörden interessiert. Außerdem soll die Einsatzfähigkeit im Fall von Angriffen auf klassische Militärflugplätze verbessert und das NATO-Konzept „Agile Combat Employment“ (ACE) unterstützt werden.
Die Übung fügt sich in ein bereits seit mehreren Jahren verfolgtes Konzept ein, das die NATO und die Luftwaffe erarbeitet haben. Zuvor hatte es bereits Übungen wie „Hannover Shield“ im Jahr 2023, „Richthofen Shield“ in Bremen und Münster/Osnabrück 2026 sowie aktuell in ähnlicher Form in Lübeck gegeben.
Aus aktuellen Konflikten hat man die Erkenntnis gewonnen, dass Luftstreitkräfte flexibler und weniger berechenbar agieren müssen. Dazu gehört, Flugzeuge bei Bedarf auch auf zivile Flughäfen zu verlegen, statt sie auf wenige große Militärbasen zu konzentrieren.
Vonseiten der Bundeswehr heißt es: „Im Ernstfall stehen militärische Basen im Fokus möglicher Angriffe. Streitkräfte müssen deshalb in der Lage sein, auf alternative Standorte auszuweichen. Zivile Flughäfen werden so zu einem Teil militärischer Einsatzplanung.“
Allerdings können solche Standorte im Ernstfall auch selbst zu möglichen militärischen Angriffszielen werden.

Hamburg soll im Konfliktfall eine Schlüsselrolle übernehmen

Im NATO-Verteidigungsfall ist für Hamburg eine Schlüsselrolle vorgesehen. Es ist der größte deutsche Seehafen, ein wichtiger Umschlagplatz für Transporte in Richtung Osteuropa und ein logistischer Knotenpunkt für Transporte Richtung Osteuropa. In dieser Funktion ist die Stadt auch Bestandteil des seit 2024 geltenden „Operationsplan Deutschland“.
Entsprechend muss die Luftwaffe in der Lage sein, den Großraum Hamburg auch aus der Luft abzuschirmen. Bereits im September soll mit „Red Storm Charlie“ die nächste größere Übung im Hamburger Stadtgebiet folgen.
Dass die NATO-Staaten daran arbeiten, ihre Verteidigungsfähigkeit durch die Einbindung ziviler Infrastruktur zu stärken, vollzieht sich parallel zu einer Verringerung amerikanischer Militärressourcen für Europa. Wie der „Spiegel“ schreibt, wollen die USA ihre für die NATO verfügbaren Streitkräfte deutlich reduzieren.

USA kündigen Rückbau verfügbarer Ressourcen für NATO-Verbündete an

So soll das Pentagon planen, die Zahl der strategischen Bomber zu halbieren. Zudem soll die Anzahl bereitgestellter Kampfflugzeuge um ein Drittel sinken. Auch sollen, wie der US-Gesandte Alexander Velez-Green zitiert wird, weniger US-Kriegsschiffe für NATO-Einsätze verfügbar sein.
Berichten zufolge ist außerdem ein Ende der Bereitstellung nuklear bewaffneter U-Boote für Bündnisaufgaben sowie eine Einschränkung der amerikanischen Aufklärungs- und Drohnenkapazitäten für Europa vorgesehen. Offiziell wollen die USA ihre Maßnahmen Anfang Juni bekanntgeben.
Es ist davon auszugehen, dass diese Fragen auch ein zentrales Thema auf dem NATO-Gipfel sein werden, der am 7. und 8. Juli in Ankara stattfinden soll. Die Ankündigungen, zu denen es bislang keine offizielle Stellungnahme gibt, würden sich in die sicherheitspolitischen Weichenstellungen der Regierung von US-Präsident Donald Trump einfügen.

Übung in Hamburg als Ausdruck einer Neuordnung der Sicherheitsarchitektur

Präsident Trump fordert bereits seit langem, dass die Verbündeten in der NATO größere Teile ihrer Verteidigung selbst übernehmen. Durch eine Einschränkung der US-Bereitstellungszusagen würde der Druck auf Europa steigen, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen.
Für Deutschland würde dies einen Ausbau seiner Rolle als logistisches Drehkreuz nach sich ziehen. In diesem Sinne handelt es sich in Hamburg um keine isolierte Übung, sondern ein mögliches Element einer umfassenden Neuordnung der europäischen Sicherheitsarchitektur.