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Galerias neuer Insolvenzantrag – wie geht es jetzt weiter?

Für Galeria ist bislang nur eine erste kleine Hürde genommen: Das Amtsgericht Düsseldorf hat das vorläufige Insolvenzverfahren für die Warenhauskette angeordnet. Das geht aus einer Mitteilung des Gerichts auf dem Portal Insolvenzbekanntmachungen.de hervor (Az.: 502 IN 258/26). Nach Angaben des Gerichts handelt es sich um ein Regelinsolvenzverfahren.
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde der Rechtsanwalt Frank Kebekus. Er soll nun prüfen, ob Gründe für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorliegen und ob die Verfahrenskosten durch das Vermögen gedeckt sind. Die Galeria S.à r.l. & Co. KG hatte am Freitag beim Gericht die Eröffnung eines Verfahrens beantragt. Für das Unternehmen ist es der inzwischen vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Ob Standorte schließen müssen, ist offen.
Kebekus ist ein alter Bekannter bei Galeria. Er begleitete als Sachwalter bereits die Insolvenzverfahren für den Konzern in den Jahren 2020 und 2022. Der Sanierungsexperte Manfred Hunkemöller sieht seine Bestellung deshalb kritisch. „Kebekus ist ein exzellenter Sanierer. Er hat Galeria aber bereits zweimal begleitet. Für einen echten Neuanfang hätte ich einen Verwalter empfohlen, der nicht vorbefasst ist.“ Hunkemöller ist Honorarprofessor für die Fachgebiete Sanierungs- und Insolvenzmanagement an der International School of Management in Dortmund.

Erhalten die Beschäftigten Insolvenzgeld?

Ungeklärt ist, ob die rund 12.000 Beschäftigten von Galeria Insolvenzgeld erhalten. Das Amtsgericht Essen hat die Planüberwachung nach dem letzten Insolvenzverfahren bislang nicht aufgehoben.
Ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit sagte im Juni: „Befindet sich ein Unternehmen weiterhin in der Planüberwachung, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass nicht erneut Insolvenzgeld gezahlt werden kann.“ Die Zahlungsunfähigkeit des ursprünglichen Insolvenzfalles dürfe nicht fortbestehen. Bei jeder Prüfung müsse jedoch die konkrete Situation individuell betrachtet werden. Experten rechnen im Fall von Galeria zeitnah mit einer Entscheidung.
Das Insolvenzgeld wird über die von den Arbeitgebern getragene Insolvenzgeldumlage finanziert. Es ersetzt den ausgefallenen Nettolohn für die letzten drei Monate vor der Eröffnung des Verfahrens.

„Der Insolvenzverwalter hat da keinen Spielraum“

Die laufende Planüberwachung bedeute nicht automatisch, dass die Galeria-Beschäftigten diesmal kein Insolvenzgeld bekämen, sagt der Arbeitsrechtler Gregor Thüsing. „Entscheidend ist, ob das Unternehmen nach Abschluss des Insolvenzverfahrens 2024 seine allgemeine Zahlungsfähigkeit tatsächlich wiedererlangt hatte.“ Nur dann liege ein neues Insolvenzereignis vor und entstehe erneut ein Anspruch auf Insolvenzgeld.
Und falls nicht? Dann müssten die Gehälter mit vorhandenen Mitteln, durch Investoren oder durch eine andere Finanzierung getragen werden, sagt der Professor der Universität Bonn. Gelinge das nicht, werde eine Fortführung schnell schwierig, weil neue Masseverbindlichkeiten entstünden. „Das kann zur Schließung einzelner Filialen und im äußersten Fall auch zu einer vollständigen Betriebseinstellung führen. Der Insolvenzverwalter hat da keinen Spielraum“, sagte Thüsing.
Ob Galeria die Gehälter in den kommenden Monaten notfalls selbst zahlen kann, ist offen. Das Unternehmen äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht. In einer internen Mitteilung an die Belegschaft schrieben die Geschäftsführer Tilo Hellenbock und Norman Krotten: „Unsere oberste Priorität ist, eure Gehaltszahlungen für die nächsten Monate zu sichern. Wir werden euch hier zeitnah und transparent informieren.“
Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen. Am Freitag, kurz nach Bekanntwerden des Insolvenzantrags, verschickte Galeria eine E-Mail an Kunden, die für das eigene Vorteilprogramm angemeldet sind. Unter der Betreffzeile „Hol dir dein Plus für den Herbst“ warb das Unternehmen mit Rabatt-Coupons für den nächsten Einkauf – als wäre nichts gewesen.

Neue Eigentümer seit 2024

Vor gut zweieinhalb Jahren hatte das Unternehmen, damals noch unter dem Namen Galeria Karstadt Kaufhof, den bislang letzten Insolvenzantrag gestellt. Vorausgegangen war die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa. Im Zuge der Insolvenz mussten damals neun der 92 Warenhäuser schließen. Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen.
Knapp zwei Jahre später geriet die Kette erneut in die Negativschlagzeilen. Im April 2026 beklagten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen. Die Geschäftsführung verwies auf Liquiditätsschwankungen.
Erst im Juni erhielt die Warenhauskette eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro. Die Kreditlinie stellt die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit. Sie ist durch die Ware von Galeria abgesichert und an einen Sanierungsplan geknüpft, der weitere Schließungen vorsieht. Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen und mit Vermietern über Mietkonditionen zu verhandeln. (dpa/red)
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Apothekerkammer lässt Geld bei DocMorris pfänden

Im Dauerclinch mit alteingesessenen Apothekern hat der Online-Konkurrent DocMorris einen Rückschlag hinnehmen müssen. Wie nach Berichten der „Pharmazeutischen Zeitung“ (PZ) und anderer Medien bekannt wurde, wurde bei DocMorris auf Drängen der Apothekerkammer Nordrhein inzwischen Geld in den Niederlanden gepfändet.
Schon vor Jahren hatte DocMorris Gerichtsverfahren in Stuttgart verloren, in denen es um die Art und Weise von Werbung samt Rabatten ging.
Trotz der Gerichtsniederlagen machte DocMorris nach Ansicht der Kläger weiter, woraufhin die Kläger Ordnungsgelder in Deutschland beantragten – das aber verlief im Sande. Daraufhin setzten die deutschen Apotheker in einem Gerichtsverfahren in den Niederlanden durch, dass dort gepfändet wurde. In erster Instanz waren die deutschen Apotheker erfolgreich.

Kein Nachgeben bei DocMorris

DocMorris teilte auf Anfrage mit, es handele sich „lediglich um die Durchsetzung administrativer Ordnungsgelder in Höhe eines hohen fünfstelligen bis geringen sechsstelligen Euro-Betrages“. Der isolierte Rechtsstreit aus dem Jahr 2020 habe keine strategische Relevanz. „Dies hat keinerlei Auswirkungen auf die operative Geschäftstätigkeit oder die finanzielle Stabilität von DocMorris.“ Man habe dennoch entschieden, Berufung einzulegen, um die Rechtslage in dieser Angelegenheit abschließend klären zu lassen.
DocMorris sitzt zwar unweit von Aachen kurz hinter der Grenze auf der niederländischen Seite, sein Geschäft macht die Firma aber weitgehend in Deutschland. Dabei profitiert das Unternehmen vom Binnenmarkt, der grenzüberschreitenden Handel ohne Nachteile für ein ausländisches Unternehmen ermöglicht. Als Medikamente verkaufende Kapitalgesellschaft darf DocMorris seinen Sitz nicht in Deutschland haben, dieses Geschäft ist hierzulande Apothekern vorbehalten.
Den alteingesessenen Apothekern, die Kosten für ihre Vor-Ort-Apotheken stemmen müssen, ist der aufstrebende Online-Konkurrent ein Dorn im Auge. Sie monieren unterschiedliche Wettbewerbsbedingungen und warnen vor Schäden für die Vor-Ort-Versorgung, wenn die stationären Apotheken wegen der Online-Konkurrenz Einbußen haben. DocMorris wiederum argumentiert, dass ein Anbieter aus dem EU-Ausland nicht europarechtswidrig benachteiligt werden dürfe. (dpa/red)
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Was Holzfässer über Handel und Schifffahrt verraten


In Kürze:

  • Rund 90 Prozent aller Waren werden zumindest streckenweise in Containern transportiert. Früher übernahmen Holzfässer diese Funktion.
  • Holzfässer transportierten nicht nur Waren, sondern auch Informationen über ihren Inhalt, Eigentümer und ihre Geschichte.
  • Allein im 12. und 13. Jahrhundert stammten vier von fünf Fässern von westdeutschen Küfern.
  • Unter Tausenden Markierungen führen historische Fässer unter anderem zu einem deutschen Plantagenbesitzer – und dem Schiff, dass kurz vor dem Ziel versank.

 
Holz ist eines der ältesten Materialien, aus denen Menschen Gegenstände für ihren Alltag hergestellt haben. Dazu gehört auch das Fass, welches mindestens seit der Antike im Einsatz war, aber spätestens im Spätmittelalter für den Handel und den Warentransport unverzichtbar wurde.
Sie ermöglichten die Lagerung und Konservierung großer Mengen an Produkten sowie deren Transport über weite Strecken. Bier, Heringe und andere Waren waren so länger lagerbar, wodurch Händler größere und weiter entfernte Märkte bedienen konnten. Dies wiederum förderte die regionale Spezialisierung und den überregionalen Handel mit regionalen Waren. Es ist daher wenig verwunderlich, dass Holzfässer in Städten vor über 700 Jahren ein vertrauter Anblick – waren und bis ins 19. Jahrhundert blieben.

Noch im 19. Jahrhundert prägten Holzfässer das Bild vieler Städte.

Foto: Campwillowlake/iStock

Sie waren so verbreitet und nützlich, dass sie sogar Eingang in die Sprache fanden. So drücken Redewendungen im Niederländischen, Englischen und Deutschen Vorstellungen von Wert, Gefahr und Wandel der Fässer aus:
  • „wat in het vat zit verzuurt niet“ (Was im Fass ist, wird nicht sauer)
  • „een vat vol tegenstrijdigheden“ (ein Fass voller Widersprüche)
  • „like shooting fish in a barrel“ (wie Fische im Fass fangen, also ein Kinderspiel)
  • „an empty barrel makes the most noise“ (Ein leeres Fass macht am meisten Lärm)
  • ein Fass aufmachen
  • das schlägt dem Fass den Boden aus
  • Was zuerst ins Fass kommt, darnach schmeckt alles weitere
„Ich stelle mir das Fass gerne als den Seecontainer des Spätmittelalters vor“, erklärt Jeroen Oosterbaan, Doktorand für Archäologie an der Universität Leiden in den Niederlanden. „Sie machten den Frachttransport in großem Maßstab billiger und effizienter.“
Und als solche mussten die Transportbehälter doch spannende Informationen über die Vergangenheit bergen, oder?

Holzfässer aus deutschen Werkstätten

Trotz ihres häufigen Vorkommens und ihren breiten Nutzungsmöglichkeiten haben Holzfässer bislang überraschend wenig Beachtung von Wissenschaftlern erhalten. Um dies zu ändern, untersuchte Oosterbaan im Rahmen seiner Doktorarbeit sechs Jahre lang zahlreiche niederländische Fässer, die zwischen dem Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit (1300–1800) im Einsatz waren.
Sein Augenmerk lag dabei auf dem gesamten Lebenszyklus der Transportbehälter: von der Herstellung und Nutzung bis zu den alternativen Wiederverwendungen und ihren aussagekräftigen Markierungen. Dabei berücksichtigte der Archäologe nicht nur den Gegenstand selbst, sondern auch schriftliche Quellen.
So fand er zunächst heraus, dass das Binden eines Fasses durch die sogenannten Küfer geschätzte 9 Stunden dauerte, wobei auf höchste Qualität geachtet werden musste. Denn schlecht gearbeitete Holzfässer konnten bei der finalen Abnahme durchfallen und durften so nicht für den Warentransport verwendet werden.
Handwerker, die Holzfässer herstellen

Handwerker, die Fässer herstellen, werden Küfer, Böttcher oder Fassbinder genannt.

Für den Bau guter Fässer griffen die Handwerker fast ausschließlich auf eine Holzart zurück: die Eiche. Ihr Holz war für gute Spaltbarkeit und Flexibilität bekannt und verlieh gleichzeitig dem Inhalt keinen unerwünschten Geschmack.
Oosterbaan entdeckt, dass das Material für die im Flusshandel verwendeten Eichenbehälter aus dem Maastal und dem Rheinland kamen, während Fässer für den Seehandel aus norddeutschen, baltischen oder polnischen Hölzern gefertigt waren. Allein im 12. und 13. Jahrhundert waren vier von fünf Fässern von westdeutschen Küfern gefertigt worden.

Gepackt nach Vorschrift

Nach der Fertigung der Behälter folgte ihre Befüllung. Doch ihr Einsatz im nationalen und internationalen Handel war bis ins Detail geregelt. Historische Vorschriften legten unter anderem fest, wie Heringe in einem Fass gelagert werden mussten oder wie viel Bier ein Behälter fassen durfte.
Letzteres kontrollierten spezielle Inspektoren in sogenannten Waaghäusern, welche sich meist neben den Rathäusern oder in den Häfen befanden und die mit den dafür notwendigen Messinstrumente ausgestattet waren.
„Wir lieben unsere Regeln wirklich, nicht wahr? In dieser Hinsicht war es früher nicht viel anders“, sagt Oosterbaan.
Der wachsende Handel hinterließ auch Spuren im Stadtbild, denn große Fässer konnten voll beladen mehr als 300 Kilogramm wiegen. Dieses enorme Gewicht machte sie zu schwer, um von Hand bewegt zu werden. Daher kamen in großen Hafenstädten spezielle Kräne zum Einsatz, die bis heute als „Weinkräne“ bekannt sind.

Mehr Holzfässer, mehr Wissen

Oosterbaans Forschung wurde durch die wachsende Zahl von Fässern ermöglicht, die Archäologen in den letzten Jahrzehnten entdeckt haben. Grund dafür sind unter anderem Bauarbeiten in historischen Stadtkernen sowie verbesserte Sonartechnologie auf See, wodurch immer mehr Schiffswracks entdeckt werden.
Bei organischen Gegenständen entscheidet zudem das umgebende Milieu über den Erhaltungszustand und den möglichen Informationsgewinn. So konserviert eine dauerhaft feuchte Umgebung, während Holz in normalen Böden verrottet. Im Vergleich zu Deutschland liegen in den Niederlanden damit allgemein günstigere Bedingungen vor.
„Wir leben in einem großen, feuchten Delta. In vielerlei Hinsicht sitzen wir auf einer Goldmine“, sagt Oosterbaan. „Kaum ein Monat vergeht, ohne dass irgendwo in den Niederlanden ein Fass ausgegraben wird.“
Außerdem verdanken viele Fässer ihr Überdauern einem zweiten Leben als Senkgruben oder Brunnen. Indem man mehrere Behälter übereinander stapelte, schuf man stabile Brunnenschächte, die jahrhundertelang im Boden vergraben waren. Zudem waren Holzfässer meist für den einmaligen Gebrauch bestimmt und so nur für einen kurzen Zeitraum in Benutzung.
Holzfässer gab es schon bei den Römern – und wurde auch da als Brunnen wiederverwendet

Ein Holzfass, das in einem römisches Kastell ein zweites Leben als Brunnen bekam.

Ordnung in Tausende Markierungen bringen

Mit den Fässern blieben auch unscheinbare, aber sehr interessante Spuren erhalten: eingeritzte Markierungen. Einige von ihnen stammten nachweislich von den Küfern, während andere mit Qualitätskontrolle, Eigentumsverhältnissen oder den darin gelagerten Produkten in Verbindung standen. Nicht selten besaßen Behälter mehrere Markierungen.
Ein anschließender Abgleich mit historischen Quellen wie den Archiven von Küferzünften, Zollregister und anderen Dokumenten brachte Oosterbaan schließlich wertvolle Hinweise auf den Handel vor mehreren hundert Jahren. Zu den tausenden Fassmarkierungen, die er zusammentrug, gehörten:
  • Konstruktionsmarkierungen: sie wurden von den Küfern angebracht, um den Zusammenbau der Fässer zu erleichtern
  • Küfermarkierungen: damit konnten die Handwerker identifiziert werden, die das jeweilige Fass bauten
  • Zulassungs- oder Ablehnungszeichen: vor ihrem Einsatz wurden neue, aber auch wiederverwendete Fässer auf ihre Norm geprüft und entsprechend gekennzeichnet. Abgelehnte Fässer konnten anschließend ausgebessert werden.
  • Inhaltsmarkierungen: Auf einigen Fässern waren Zeichen angebracht, die Auskunft über den Inhalt gaben. Waren diese mit Fisch befüllt, verwiesen die Markierungen auf das Fangdatum. Auch die Ware wurde von Inspektoren auf die richtige Ladung und Qualität geprüft und mit Zulassungs- oder Ablehnungszeichen versehen.
  • Identifikationszeichen: sie gaben an, welcher Person oder welchem Unternehmen die gefüllten Fässer gehören – ein Zeichen, das besonders für Biertransporte wichtig war
  • Zählmarken: diese einfachen Strichlisten dienten der Mengenüberwachung, die für die korrekte Abrechnung und Steuererhebung, zum Beispiel von alkoholischen Getränken, wichtig waren
  • persönliche Markierungen: sie sind mit heutigen Unterschriften gleichzusetzen und stammen meist von Händlern oder Haushalten
Markierungen auf Holzfässer

Auswahl von Markierungen die auf Fässern aus dem Schiffswrack „Burgzand Noord 4“ gefunden wurden.

Zusammen mit den archäologischen Funden bieten sie einen lebhaften Einblick in den Handel vor hunderten Jahren. „Schriftliche Quellen zeigen vor allem, wie das auf dem Papier aussah. Die Archäologie ermöglicht es uns, hinzuzufügen, wie es in der Praxis war“, so Oosterbaan.

„Die Vorsteher der Küfer- und Weinhändlerzunft“, gemalt von Gerbrand van den Eeckhout (1621–1674).

Die Untersuchung der Fassmarkierungen brachte jedoch eine Überraschung mit sich.

Eine unerwartete Entdeckung

Die Gewässer der Niederlande sind übersät mit Schiffswracks, was angesichts der dominierenden Stellung des Landes bezüglich Handel und Schifffahrt im 17. und 18. Jahrhundert nicht verwunderlich ist. Dies gilt auch für die Reede von Texel. Schätzungen zufolge gingen in diesem Gebiet vom 16. bis zum 18. Jahrhundert zwischen 500 und 1.000 Schiffe verloren. Eines davon ist das 1984 entdeckte Wrack „Burgzand Noord 4“.
In dessen Laderaum befanden sich zahlreiche Fässer mit Kaffeebohnen, einem typischen Produkt aus den niederländischen Plantagenkolonien. Auch diese untersuchte Oosterbaan im Rahmen seiner Arbeit und entdeckte dabei vielversprechend Fassmarkierungen. War es möglich, mehr zu der Ladung herauszufinden – etwa ihrem Besitzer oder dem Unglücksschiff, das sie geladen hatte.
„Das war eine dieser Nebenbeschäftigungen, denen ich einfach nicht widerstehen konnte“, sagt Oosterbaan.
Und tatsächlich wurde der Archäologe fündig. Auf vier Holzfässern entdeckte er die Buchstaben „MSP“, die er Matheus Sigismundus Pallak (1709–1767) zuordnen konnte, einem deutschen Kaffeeplantagenbesitzer in Südamerika. Über ihn war bekannt, dass ein Schiff namens „’t Hart“ von Südamerika aus in See stach, um die begehrte Ware von den niederländischen Kolonien nach Europa zu bringen.

Eine ehemalige Kaffeeplantage in Suriname, wo auch Matheus Sigismundus Pallak Abbaugebiete besaß.

Foto: Gert-Jan van Vliet/iStock

Ein Abgleich der Daten von Wrack „Burgzand Noord 4“ mit den historischen Überlieferungen von „’t Hart“ ergab schließlich nicht nur Übereinstimmungen in der Ladung und den Fassmarkierungen, sondern auch der Bauzeit, Bauart und Größe der Schiffe.
Auf diese Entdeckung sollen bald weitere Untersuchungen folgen. So will Oosterbaan künftig das Schiff und dessen Zusammenhang mit der niederländischen Geschichte der Sklaverei weiter erforschen. Was als Untersuchung von Fässern begann, hat zu neuen Geschichten über Handel, Seefahrt und die Menschen hinter dieser Geschichte geführt.
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Galeria beantragt erneut Insolvenz

Die angeschlagene Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen, teilte das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur mit.
Der Antrag schaffe den rechtlichen Rahmen, um die aktuelle Situation zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen, erklärte Galeria in einer Mitteilung. Zu den Hintergründen machte das Unternehmen auf Nachfrage zunächst keine weiteren Angaben.
Die rund 12.000 Beschäftigten müssen nun um ihre Arbeitsplätze bangen. Ob sie Insolvenzgeld erhalten und ob beziehungsweise welche Standorte schließen müssen, ist bislang unklar.

Neue Eigentümer seit 2024

Für Galeria ist es nach 2020, 2022 und 2024 der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Zahlreiche Filialen wurden infolge der zurückliegenden Verfahren geschlossen. Die Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen, um der Warenhauskette den Weg aus der Krise zu ermöglichen.
Vor gut zweieinhalb Jahren hatte das Unternehmen, damals noch unter dem Namen Galeria Karstadt Kaufhof, den bislang letzten Antrag gestellt. Vorausgegangen war die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa.
Im Zuge der Insolvenz mussten damals neun der 92 Warenhäuser schließen. Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen. Galeria verlegte seinen Sitz von Essen nach Düsseldorf.

Vermieter beklagten ausbleibende Mietzahlungen

Knapp zwei Jahre später geriet die Kette erneut in die Negativschlagzeilen. Im April 2026 beklagten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen. Die Geschäftsführung verwies auf Liquiditätsschwankungen und räumte ein, Vermieter um eine Stundung gebeten zu haben.
Erst im Juni erhielt die Warenhauskette eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro. Das Geld dient unter anderem dazu, einen laufenden Kredit abzulösen und offene Mietzahlungen zu begleichen.
Die Kreditlinie stellt die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit. Sie ist durch die Ware von Galeria abgesichert und an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan geknüpft, der weitere Schließungen vorsieht.
Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen und mit Vermietern über Mietkonditionen zu verhandeln. Ohne tragfähige Lösungen sei die Fortführung der jeweiligen Filiale gefährdet, hieß es. Alle Warenhäuser müssten nachhaltig profitabel wirtschaften. Eine Entscheidung über die Zukunft der Filialen stand zuletzt noch aus.

Einzelhandel in der Krise

Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI sind die Erlöse des Unternehmens in den vergangenen Jahren, auch infolge der Schließungen, deutlich gesunken. 2019 erzielte Galeria Karstadt Kaufhof mit 174 Filialen EHI zufolge einen Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Euro. Sechs Jahre später setzte Galeria demnach mit weniger als der Hälfte der Standorte nur noch 2 Milliarden Euro um.
Die Bedeutung von Kauf- und Warenhäusern im Einzelhandel ist in den vergangenen Jahren stark gesunken. Ihre Marktanteile sanken laut EHI seit 2020 von 4,2 Prozent auf zuletzt 1,2 Prozent. In diesen Zahlen sind neben Galeria unter anderem die Handelsketten Müller und Woolworth enthalten.
Zwar gibt es noch kleinere Anbieter wie Breuninger, die KaDeWe-Gruppe und das Kaufhaus Stolz. Ein Aus für Galeria würde jedoch zugleich das Ende der Ära klassischer Warenhäuser markieren.

Viele Insolvenzen in der Branche

Der Einzelhandel in Deutschland steht wegen der schwachen Konsumstimmung und des wachsenden Onlinehandels unter Druck. Nach Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade hat die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel ein Zehnjahreshoch erreicht. Zwischen Juni 2025 und Mai 2026 meldeten demnach gut 2.600 Einzelhändler Insolvenz an. Zuletzt kamen weitere prominente Fälle hinzu.
So traf es unter anderem die Non-Food-Discounter Kodi und Mäc Geiz, die zahlreiche Filialen schließen. Die Deko-Kette Depot stellt ihren Geschäftsbetrieb ein. Die Baumarktkette Hellweg wird ebenfalls abgewickelt, etliche Filialen werden von anderen Händlern weiterbetrieben.
In den vergangenen Jahren haben bundesweit zehntausende Geschäfte für immer geschlossen, nicht nur infolge von Insolvenzen. Laut einer Prognose des Handelsverbands Deutschland dürfte die Zahl der Geschäfte in diesem Jahr auf unter 300.000 sinken. Ende 2015 waren es noch etwa 372.000. (dpa/red)
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Post plant Zehntausende neue Paketautomaten – Firmenzukauf

Wer ein Paket abholen oder abschicken möchte, kann in den kommenden Jahren mit neuen Automaten in seiner Nachbarschaft rechnen. Nachdem DPD und GLS schon im März eine Zusammenarbeit angekündigt haben, erhöht Marktführer DHL sein Ausbautempo nun deutlich.
Hatte der Bonner Konzern bislang angepeilt, Ende 2030 mehr als 30.000 Automaten in Deutschland zu haben, so hievte der Konzern diese Zielmarke jetzt auf rund 50.000 hoch. Der Schlüssel hierfür ist der Zukauf eines aufstrebenden Wettbewerbers, der am Donnerstag verkündet wurde.
Dabei handelt es sich um die Firma Myflexbox, die einst als Start-up der Salzburger Stadtwerke gegründet wurde und nach ein paar Jahren von britischen Investoren namens Star Capital übernommen wurde. Myflexbox hat ein bemerkenswertes Wachstum hinter sich – zunächst in Österreich, später ging es über die Grenze nach Deutschland.
Waren es Mitte 2026 nur rund 600 Automaten hierzulande, so sind es inzwischen rund 2.000. Pakete von UPS, Fedex, GLS, DPD und Amazon lagern in den hellgrauen Kästen. Dabei punktete die Firma mit „Anbieterunabhängigkeit“: Ihre Eigentümer waren keine Paketdienstleister, die Eigeninteressen verfolgen und bei der Lagerung möglicherweise eigene Pakete bevorzugen könnten.

Das Problem bei Paketautomaten

Paketautomaten sind eigentlich eine praktische Sache, denn sie sind rund um die Uhr verfügbar. Doch es gibt einen Haken: Sind schon alle Fächer voll, muss der Verbraucher zu einem anderen Standort und damit weiter gehen oder fahren als gedacht – mitunter landet das Paket in einem Paketshop, dessen Öffnungszeiten begrenzt sind. Dann ist es doch nicht mehr so praktisch, sondern manchmal ziemlich ärgerlich.
Solche Umleitungen sollen vermieden werden. Wenn aber der Automatenbetreiber Pakete anderer Firmen benachteiligt, indem sie keinen Platz mehr finden und umgeleitet werden, könnte der Frust der Verbraucher über besagte andere Firmen steigen – so die Überlegung von Branchenbeobachtern.
Anfang 2025 hob Marktriese DHL eine Tochterfirma aus der Taufe, die unter der Marke DeinFach anbieteroffene Paketautomaten betrieb. Man sei unabhängig und behandele alle Sendungen gleich, betonte deren Chef Lukas Beckedorff. Doch allzu begeistert war die Konkurrenz von diesem Angebot offenbar nicht – bis heute lagert neben DHL nur Konkurrent UPS als größerer Konkurrent Pakete bei DeinFach ein. Ein weiterer Paketdienstleister soll bald hinzukommen. Obwohl die Kundenliste kurz war, wurde fleißig ausgebaut – inzwischen kommt DeinFach auf rund 1.700 Standorte in Deutschland. Dabei half auch, dass es mit Branchenprimus DHL einen finanzstarken Eigentümer und Großkunden gab.

Wachstumstreiber Online-Handel

Im Internetzeitalter wächst die Paketmenge, da sich die Menschen immer mehr Waren online bestellen. Die Zustellung an den Haustüren ist dabei besonders zeitintensiv für die Paketdienstleister, daher setzen sie stärker auf Automaten – dort können sie in einem Schwung Pakete ablegen oder mitnehmen und Zeit sparen.
DHL setzt schon lange auf Automaten und ist dabei der Konkurrenz meilenweit voraus. Schon lange vor DeinFach startete der Bonner Logistiker Packstationen für Pakete, später kamen Poststationen für Briefe und Pakete hinzu. Insgesamt betreibt DHL inzwischen circa 17.400 gelbe Automaten nur für eigene Sendungen. Separat dazu wurde DeinFach lanciert, was nun mit dem Zukauf gestärkt und zu Myflexbox umetikettiert wird. Rechnet man DeinFach/Myflexbox hinzu, so kommt DHL nun auf mehr als 21.000 Automatenstandorte. Ende 2030 sollen es rund 50.000 sein.
Myflexbox wiederum wird Teil eines großen Paketkonzerns. Verliert die Firma dadurch nicht ihr Alleinstellungsmerkmal, wegen ihrer Eigentümer unabhängig zu sein von Paketfirmen? Mit diesem Alleinstellungsmerkmal war Myflexbox in den vergangenen Jahren durchaus erfolgreich auf Werbetour gegangen.
Firmenchef Jonathan Grothaus sagt, man bleibe unabhängig und alle Paketkunden würden weiterhin gleich behandelt. „Dank DHL haben wir nun mehr Power, um das Ausbautempo zu erhöhen und damit noch besser positioniert zu sein am Markt“, sagt der Logistiker. „Gemeinsam bringen wir den Ausbau des größten offenen Paketstation-Netzwerks auf eine neue Ebene.“

Der Platz für die Automaten ist „ein rares Gut“

Grothaus und Beckedorff werden die Post-Tochter künftig zusammen führen. Die beiden sind überzeugt von dem Konzept, dass Paketautomaten allen Paketdienstleistern offenstehen sollten und nicht nur einer Firma. Es sei ineffizient und kompliziert für Verbraucher, je nach Paketsendung zu einem anderen Automaten gehen zu müssen – einfacher wäre ein Automat um die Ecke, wo man sich alle seine Pakete abholen könne.
Auch für die Nutzung des öffentlichen Raums wäre das wichtig, sagt Beckedorff. „Standorte sind ein rares Gut – wenn jeder parallel nebeneinander Automaten baut und sein eigenes Süppchen kocht, wird dieses rare Gut ineffizent genutzt.“ Ob auf dem Land oder in Städten, es würden überall Standorte gesucht – an Tankstellen, Einkaufszentren, Bahnhöfen oder Fußgängerzonen. „Wir folgen der Nachfrage: Da, wo viele Menschen ohnehin vorbeikommen oder wo sie schnell sein können, sollte ein Automat stehen“, sagt Beckedorff.
Der Mutterkonzern DHL möchte mit seinen eigenen gelben Packstationen und Poststationen allerdings weitermachen wie bisher: Die laufen separat zu Myflexbox und sind nur für DHL-Sendungen nutzbar, die Konkurrenz bleibt hierbei also außen vor. Warum eigentlich? „Wir brauchen die Standorte selbst, um das prognostizierte Paketwachstum bewältigen zu können“, sagt eine DHL-Sprecherin.
Und was machen die Wettbewerber von DHL? Die backen kleinere Brötchen. Hermes ist bei dem Thema wenig tätig, die Firma hat nur im Großraum Hamburg 30 Automaten. Hermes setzt vielmehr auf Paketshops, damit die Kunden dort Pakete aufgeben oder abholen können. Das machen anderen Paketdienstleister auch, in Automaten sehen sie aber eine wichtige Ergänzung. GLS und DPD möchten in Deutschland bis Ende 2027 bis zu 6.000 gemeinsame Automaten anbieten. (dpa/red)
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Kritik an Übernahme von Tegut-Filialen – Edeka widerspricht

Die Übernahme von 178 Tegut-Supermärkten durch den Handelsriesen Edeka ruft bei Branchenexperten Bedenken hervor. „Für den Wettbewerb ist es schmerzlich, dass ein weiterer Händler vom Markt verschwindet“, sagte der Präsident der Monopolkommission, Tomaso Duso, und warnte vor einer zu hohen Marktkonzentration und damit Nachteilen für die Verbraucher.
„Die Behörden werden jetzt noch intensiver darauf achten müssen, dass die großen Vier die Preise nicht hochtreiben oder Innovationen verhindern.“ Mit den großen Vier gemeint sind Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland zählen.
Das Bundeskartellamt hatte in dieser Woche grünes Licht gegeben für die Übernahme zahlreicher Tegut-Standorte durch Edeka. Allerdings musste Edeka sein Vorhaben etwas abspecken – die Handelskette darf sich zunächst nur 178 Tegut-Märkte einverleiben und damit 24 weniger als geplant.
Nach Einschätzung des Kartellamts wird dadurch verhindert, dass es in den betroffenen Regionen durch die Übernahme zu Verschlechterungen für die Verbraucher kommt. Die Schweizer Genossenschaft Migros Zürich hatte im März angekündigt, Tegut verkaufen zu wollen.

Edeka reagiert auf Äußerungen

Der Lebensmittelhändler Edeka wies die Kritik auf Nachfrage zurück. „Das Bundeskartellamt hat die Übernahme in jedem einzelnen regionalen Absatzmarkt sorgfältigst geprüft und für alle freigegebenen Tegut-Filialen festgestellt, dass der Wettbewerb in ihrem Umfeld nicht beeinträchtigt wird“, sagt ein Sprecher. Dabei sei ein strengerer Maßstab angelegt worden als in der Vergangenheit.
„Mit der Übernahme sichern wir rund 3.700 Arbeits- und Ausbildungsplätze und erhalten die wohnortnahe Nahversorgung.“
Philipp Hennerkes, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels, sagt: „Wenn Händler die Verbraucher nicht ausreichend überzeugen, scheiden sie aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit aus dem Markt aus.“ Dann sei es zum Vorteil aller, wenn andere Händler Märkte weiter betrieben.
Zum Edeka-Übernahmepaket gehören auch das Tegut-Logistikzentrum in Hünfeld-Michelsrombach, die Bäckerei Herzberger sowie die 41 personallosen „Teo“-Minimärkte.

Vier Große dominieren den Lebensmitteleinzelhandel

Die Monopolkommission hat dennoch Zweifel. Die vier großen Handelsketten in Deutschland vereinten schon heute mehr als 90 Prozent der Umsätze des hiesigen Lebensmitteleinzelhandels auf sich, heißt es von dem unabhängigen Beratungsgremium. „Ein zentraler Bereich der Versorgung in Deutschland ist damit in den Händen von nur vier Unternehmen“, sagt Professor Duso.
Bei einem Teil des Sortiments seien die Preise weitgehend gleich, die Unternehmen könnten sich in einem sehr transparenten Markt recht leicht aufeinander einstellen. Die Lieferanten wiederum seien abhängig von den vier Großen, es könne zu „Missbräuchen von Nachfragemacht“ kommen. Die Lieferanten scheuten den Konflikt mit den vier Großen. Das mache es für Behörden schwierig, solche Missbräuche abzustellen.
Die Monopolkommission hatte bereits Ende 2025 in einem Sondergutachten vor einer hohen und zunehmenden Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel gewarnt.

Entscheidung für Rewe steht noch aus

Das Bundeskartellamt hat die geplante Übernahme von Tegut-Filialen seit März untersucht. Im Laufe des Verfahrens hatten die Wettbewerbshüter bereits darauf hingewiesen, dass die hohe Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel allein kartellrechtlich nicht ausreiche, um einen Zusammenschluss zu untersagen.
„Auch lässt sich hieraus allein nicht ableiten, dass die vier großen Handelskonzerne den Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland kollektiv beherrschen“, sagte Präsident Andreas Mundt Ende Juli. Die Ermittlungen hätten keine Hinweise auf fehlenden wirksamen Wettbewerb ergeben.
Tegut hat hierzulande rund 300 Standorte. Auch andere deutsche Handelsketten wollen Filialen erwerben und weiterbetreiben. Die Smart-Store-Kette Tante Enso erhielt im Juni bereits die Freigabe für 36 Supermärkte. Auch die Rewe-Gruppe möchte bis zu 40 Filialen übernehmen. Die Entscheidung steht noch aus. Was aus den übrigen Tegut-Standorten wird, ist noch unklar.
Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet und gehört seit 2013 zur Migros-Gruppe. Die Kette ist in sechs Bundesländern vertreten, die meisten Märkte befinden sich in Hessen. Laut Migros beschäftigt Tegut knapp 7.500 Menschen. Die Marke soll aufgegeben werden. (dpa/red)
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Die Handelsspannungen zwischen Europa und China spitzen sich zu

Im vergangenen Juni gaben sich die Europäische Union und China bis Oktober Zeit, um Wege zum Abbau der Ungleichgewichte im bilateralen Handel zu finden. An den hohen chinesischen Handelsüberschüssen hat sich seither jedoch nichts geändert. Europa bleiben nun nur noch wenige Wochen, um einen neuen Kurs festzulegen.
Die EU wird voraussichtlich dem amerikanischen Beispiel folgen und Zölle sowie andere Handelsbeschränkungen verhängen. Welche Form diese Beschränkungen genau annehmen werden, dürfte allerdings erst später klar werden.
Viele der heutigen Probleme zwischen Europa und China begannen vor etwa 18 Monaten in Washington. Damals beklagte US-Präsident Donald Trump, chinesische Importe hätten die industrielle Basis Amerikas ausgehöhlt. Er hob die Zölle insgesamt an, insbesondere auf chinesische Waren, und verhängte weitere Handelsbeschränkungen gegenüber China.
Infolgedessen brachen die in den USA erzielten Umsätze chinesischer Unternehmen ein – zwischen Januar 2025 und Januar 2026 um ungefähr die Hälfte. Die stark exportabhängige chinesische Wirtschaft brauchte neue Märkte, um die einst so bedeutende amerikanische Nachfrage zu ersetzen, und Europa wurde zu einer Antwort darauf.
Die chinesischen Exporte in die EU stiegen vom vierten Quartal 2024 bis zum zweiten Quartal 2026, dem jüngsten Zeitraum, für den Daten vorliegen, um mehr als 10 Prozent. Dieser Trend allein beunruhigte europäische Politiker und Unternehmen. Noch beunruhigender war jedoch, dass das Wachstum überwiegend bei Spitzenprodukten stattfand, die seit Langem mit europäischer Produktion verbunden sind. Anfang 2026 häuften sich auf dem gesamten Kontinent Klagen über den Schaden, den der Handel mit China europäischen Unternehmen und der Industrie zufügte.
Beispielhaft dafür ist ein Bericht des französischen Hochkommissariats für Strategie und Planung, der im Februar 2026 erschien. Darin hieß es, der Handel mit China bedrohe „das Herzstück der europäischen Industrie“. Schon der Titel sprach Bände: „Die chinesische Dampfwalze“.
Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), warnte, dass eine „Säule“ der europäischen Wirtschaftskraft – die Industrie im mittleren Technologiesegment – erodiere. Sie stellte fest, dass China inzwischen in knapp 40 Prozent der Branchen, in denen der Euroraum einen Wettbewerbsvorteil hat, direkt mit ihm konkurriere – gegenüber rund 25 Prozent Anfang der 2000er-Jahre.
EZB-Berichte haben unter anderem die Automobilindustrie und Halbleiter als Bereiche hervorgehoben, in denen chinesische Produkte Beschäftigung und industrielle Kapazitäten in Europa besonders bedrohten.
Die europäischen Beschwerden über Chinas Handelspraktiken konzentrieren sich auf zwei Bereiche.
Zum einen hält Chinas Zentralbank, die Chinesische Volksbank, den Wechselkurs der chinesischen Währung Yuan niedrig. Dadurch können chinesische Hersteller ihre Produkte auf den Weltmärkten mit einem deutlichen Preisvorteil anbieten.
Zum anderen ist Peking bereit, bevorzugte Industriezweige zu subventionieren und auf andere Weise zu unterstützen. Die Europäer wiesen ausdrücklich darauf hin, dass gerade die Branchen und Unternehmen, die am meisten exportieren, die stärkste Unterstützung aus Peking erhalten.
Pekings Subventionen kamen im Juni bei Gesprächen zwischen dem chinesischen Handelsminister Wang Wentao und EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič zur Sprache. Wang bot an, Chinas Handelsüberschuss durch Kaufabkommen für europäische Waren sowie durch eine Senkung chinesischer Zölle auf europäische Produkte zu verringern. Bei diesen Gesprächen setzten die Europäer eine Frist von drei Monaten für Anzeichen einer Verbesserung. Sie endet im Oktober.
Die Zwischenzeit hat wenig Anzeichen für eine Verbesserung gebracht. Im Gegenteil: Die Probleme scheinen sich verschärft zu haben. Im Juli, dem ersten Monat nach den Verhandlungen im Juni und dem jüngsten Monat, für den vollständige Daten vorliegen, vervierfachte sich beispielsweise Chinas Handelsüberschuss gegenüber Schweden im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Gegenüber Finnland und Rumänien wuchs er über 90 Prozent, gegenüber Deutschland um knapp 90 Prozent und gegenüber Polen um rund 30 Prozent. Bei den übrigen Mitgliedstaaten fielen die Anstiege überwiegend geringer aus. Nur gegenüber drei EU-Ländern wuchs Chinas Überschuss nicht.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärt, sie sei bereit, „alle Instrumente“ einzusetzen, die ihr zur Verfügung stünden, um die Lage anzugehen. Jede Maßnahme wird jedoch Zeit brauchen.
Im Oktober muss sie ihre Vorschläge den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten vorlegen und eine zweifellos schwierige Debatte führen. Und selbst wenn von der Leyen eine Einigung erzielt, wird es dauern, bis eine EU-Maßnahme Wirkung zeigt.
Bei dem unvermeidlichen Ringen unter den Europäern werden zwei Themen die Beratungen überschatten. Das eine ist die Zukunft der EU-Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge, die im Oktober 2024 in Kraft traten, um Pekings Subventionen entgegenzuwirken. Das andere betrifft die Gebühren, die Europa seit Juli auf kleine Pakete von außerhalb der EU erhebt – und damit insbesondere auf Sendungen aus China.
Die Zölle auf Elektrofahrzeuge haben es vollständig verfehlt, Zugeständnisse Pekings zu erreichen oder die Flut chinesischer Importe einzudämmen. Die Juli-Daten zeigen, dass die chinesischen Lieferungen von Plug-in-Hybridfahrzeugen in die EU gegenüber dem Vorjahresmonat um 118,3 Prozent gestiegen sind, in Frankreich um mehr als 1.000 Prozent und in den Niederlanden um mehr als 300 Prozent.
Deutschland, Europas größter Automobilproduzent und wichtigster Konkurrent Chinas, importierte im Juli fast 41 Prozent mehr Elektrofahrzeuge aus China als ein Jahr zuvor. Die Gebühren auf kleine Pakete dagegen ließen die chinesischen Exporte geringwertiger Waren in die EU im Juli um 30 bis 40 Prozent einbrechen.
Diese unterschiedlichen Ergebnisse spiegeln wahrscheinlich weniger wirtschaftliche Faktoren als vielmehr Pekings Prioritäten wider. Das chinesische Regime nimmt den Verlust kleiner Geschäfte mit geringwertigen Waren deutlich weniger ernst als Einbußen bei Elektrofahrzeugen, die einen Schwerpunkt von Pekings Programm „Made in China 2025“ bilden.
Zweifellos half Peking seinen Elektrofahrzeugherstellern, die Auswirkungen der EU-Zölle zu überstehen, ließ jedoch zu, dass die europäischen Gebühren den Handel mit kleinen Paketen beeinträchtigten. Solche Realitäten werden die bevorstehenden Beratungen in Europa erheblich erschweren.
Zusätzlich erschwert wird die Situation dadurch, dass Peking offenbar entschlossen ist, sich gegen sämtliche Maßnahmen der Europäer zu stellen. Bereits jetzt hat Peking chinesischen Unternehmen und Individuen untersagt, an der Subventionsuntersuchung der EU anlässlich der geplanten Übernahme des deutschen Elektronikhändlers Ceconomy durch den chinesischen Konzern JD.com mitzuwirken.
Im Mai hatte es dasselbe bei der Untersuchung gegen den Flughafenscannerhersteller Nuctech getan. Statt auf Entgegenkommen zu setzen, warf Chinas Justizministerium der EU eine „unzulässige extraterritoriale Rechtsanwendung“ vor und drohte mit Vergeltung.
Europa und China stehen zweifellos vor einer Neuauflage des Tanzes, den Peking 2025 mit Washington aufgeführt hat.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Trade Tensions Between Europe and China Are Coming to a Head“. (deutsche Bearbeitung: zk)
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Edeka darf 178 von 300 Tegut-Supermärkten übernehmen

Der Lebensmittelhändler Edeka darf 178 Filialen der Supermarktkette Tegut übernehmen. Das teilte das Bundeskartellamt in Bonn mit.
Die Schweizer Genossenschaft Migros hatte im März angekündigt, Tegut verkaufen zu wollen. Edeka wollte ursprünglich 202 der rund 300 Supermärkte der Kette erwerben und anschließend weiterbetreiben. Die Wettbewerbshüter äußerten jedoch Bedenken. Sie befürchteten, dass Edekas Marktanteil in einigen Regionen zu hoch sein und dadurch ein wirksamer Wettbewerb behindert werden könnte. Deshalb wurde eine Übernahme in der geplanten Form abgelehnt.
Edeka verpflichtete sich deshalb, 24 der vorgesehenen 202 Tegut-Standorte für einen Zeitraum von vier Jahren nicht zu erwerben. „Damit verhindern wir, dass es in den betroffenen Regionen durch die Übernahme zu Verschlechterungen für die Verbraucherinnen und Verbraucher kommt“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Die Behörde veröffentlichte keine Liste der Filialen, die Edeka übernehmen darf. Zum Übernahmepaket gehören auch das Tegut-Logistikzentrum, die Bäckerei Herzberger sowie die 41 personallosen „Teo“-Minimärkte.

Frist für Prüfverfahren verlängert

Das Bundeskartellamt hat die geplante Übernahme seit März nach eigenen Angaben intensiv untersucht. Hintergrund sind die Wettbewerbsverhältnisse und eine zunehmende Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel.
Der Behörde zufolge vereinten Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) sowie Aldi (Nord und Süd) 2025 zusammen mehr als 90 Prozent der bundesweiten Umsätze auf sich.
Eine einzelmarktübergreifende kollektive Marktbeherrschung der führenden Lebensmitteleinzelhandels-Unternehmen habe sich jedoch nicht feststellen lassen, teilte das Kartellamt mit.

Entscheidung für Rewe steht noch aus

Auch andere deutsche Handelsketten wollen ihr Filialnetz um Tegut-Märkte erweitern. Die Smart-Store-Kette Tante Enso erhielt im Juni bereits die Freigabe für 36 Supermärkte.
Auch die Rewe-Gruppe möchte bis zu 40 Filialen übernehmen. Die Entscheidung steht noch aus. Auch in diesem Verfahren hatte das Kartellamt wettbewerbliche Bedenken geäußert. Rewe legte daraufhin ein Zusagenangebot vor, um diese auszuräumen. Die Prüffrist für das Verfahren wurde bis Ende Oktober verlängert. Was aus den übrigen Tegut-Filialen wird, ist noch unklar.
Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet und gehört seit 2013 zur Migros-Gruppe. Die Kette ist in sechs Bundesländern vertreten, die meisten Märkte befinden sich in Hessen. Laut Migros beschäftigt Tegut knapp 7.500 Menschen. Die Marke soll aufgegeben werden. (dpa/red)
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Die wichtigsten Erkenntnisse des Trump-Xi-Gipfels


In Kürze:

  • Handel: Trump erwartet positive Folgen für US-Landwirte; weitere Details zu den Vereinbarungen sollen veröffentlicht werden.
  • Iran und Seltene Erden: Washington fordert von China Zurückhaltung gegenüber Iran und will die Abhängigkeit bei kritischen Rohstoffen reduzieren.
  • Taiwan: Die USA bekräftigen ihre bisherige Politik und wollen keine Änderung ihrer Position zur Taiwanstraße.

 
US-Präsident Donald Trump und der chinesische Staatschef Xi Jinping beendeten ihren Gipfel am 25. September, in Washington mit einem Tee-Treffen im Weißen Haus. Anschließend besuchten sie das Nationalarchiv, um historische Dokumente anlässlich des 250. Jahrestags der Gründung der Vereinigten Staaten zu besichtigen.

US-Präsident Donald Trump spricht am 25. September 2026 bei einer Teezeremonie mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping, Peng Liyuan und Melania Trump im Roten Saal des Weißen Hauses in Washington.

Foto: Andrew Harnik/Getty Images

Nach drei Tagen diplomatischer Gespräche reisten der chinesische Machthaber und seine Ehefrau Peng Liyuan von der Joint Base Andrews ab. Damit endete Xis erster Staatsbesuch in den Vereinigten Staaten seit mehr als einem Jahrzehnt.
Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse des Trump-Xi-Gipfels:

Trump warnt Xi wegen dem Iran

Angesichts der anhaltenden Spannungen mit Iran steht China wegen seiner Unterstützung für das Land in der Kritik. Dazu gehören unter anderem fortgesetzte Ölexporte trotz der US-Sanktionen.
Während des Besuchs im Nationalarchiv bestätigte Trump, dass er mit dem chinesischen Staatschef über Iran gesprochen hatte. „Ich denke, wir werden großartige Ergebnisse erzielen“, sagte er gegenüber Reportern, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.
Am selben Tag erklärte der US-Botschafter in China, David Perdue, gegenüber CNBC, Trump habe Xi bei ihrem Treffen im Weißen Haus am 24. September gewarnt, dass jede chinesische Unterstützung für Iran – ob direkt oder indirekt, einschließlich Geheimdienstinformationen, Ersatzteilen oder militärischer Ausrüstung – „inakzeptabel“ sei.
„Präsident Trump hat das gestern erneut sehr deutlich gemacht“, sagte Perdue und verwies darauf, dass die jüngsten Gespräche Fortschritte gezeigt hätten.
„Wir haben Belege dafür gesehen, dass sie uns zugehört haben. Sie haben einige Dinge zurückgenommen, und wir haben Beweise dafür, dass sie aufmerksam sind, wenn Präsident Trump über dieses spezielle Thema spricht.“

Begrenzter Medienzugang und ungewöhnliche Musikauswahl

Während des zweitägigen Gipfels hielten Trump und der chinesische Staatschef Xi Jinping keine gemeinsame Pressekonferenz ab. Journalisten durften zudem nicht ins Oval Office, um Xi direkt Fragen zu stellen. Dies unterschied sich von einigen anderen Treffen Trumps mit ausländischen Staats- und Regierungschefs.
Während des Gipfels war der Zugang der Medien zu Xi stark eingeschränkt. Dadurch gab es keine direkten Fragen zu Menschenrechten, Taiwan, Hongkong und anderen Themen, die vom chinesischen Regime als sensibel betrachtet werden.
Am ersten Tag des Gipfels führte Trump Xi durch die jüngsten Renovierungen des Weißen Hauses, darunter den neuen Hubschrauberlandeplatz und den Ballsaal. Während der Besichtigung traf Xi unerwartet auf Journalisten. Mitglieder der amerikanischen Presse, die nur etwa einen Meter entfernt standen, fragten ihn unter anderem nach einer möglichen Freilassung des inhaftierten Hongkonger Aktivisten Jimmy Lai.

US-Präsident Donald Trump spricht am 24. September 2026 nach einem Rundgang über den South Lawn des Weißen Hauses in Washington gemeinsam mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping mit Medienvertretern.

Foto: Chip Somodevilla/Getty Images

Xi antwortete nicht. Trump griff ein und sagte, die beiden Staatschefs hätten ein „großartiges Treffen“ gehabt.
Xi blieb anschließend schweigend und lächelnd stehen.
Ein weiteres bemerkenswertes Ereignis ereignete sich beim Staatsbankett zu Ehren Xis am 24. September. Beim Abendessen im Weißen Haus spielten Militärmusiker „Do You Hear the People Sing?“ aus dem Musical „Les Misérables“. Die Aufführung erregte Aufmerksamkeit, nachdem ein Mitarbeiter des Weißen Hauses einen Ausschnitt davon in den sozialen Medien veröffentlicht hatte.
Das Lied ist in China verboten und wurde während der pro-demokratischen Proteste in Hongkong 2019 bekannt.

„Unsere Landwirte werden sehr glücklich sein“

Während des Tee-Treffens mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping im Weißen Haus zeigte sich Trump optimistisch. Gegenüber Reportern sagte er, beide Seiten hätten „große Fortschritte gemacht“.
„Ich denke, unsere Landwirte werden sehr glücklich sein. Viele sehr positive Dinge sind passiert“, fügte Trump hinzu.
Beim vorherigen Trump-Xi-Gipfel im Mai in Peking hatte sich China verpflichtet, drei Jahre lang jährlich landwirtschaftliche Produkte im Wert von 17 Milliarden US-Dollar zu kaufen. Zudem erklärte sich Peking bereit, 25 Millionen Tonnen US-Sojabohnen zu kaufen, wie im Oktober 2025 angekündigt worden war. Unklar ist, ob China diese Ziele erfüllt oder während des Gipfels in Washington weitere Kaufzusagen gemacht hat.

US-Präsident Donald Trump steht bei der Ankunftszeremonie für den chinesischen Staatschef Xi Jinping am 24. September 2026 im Weißen Haus in Washington.

Foto: Andrew Harnik/Getty Images

Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer erklärte am 25. September, weitere Einzelheiten zu den Handelsgesprächen würden am Montag bekannt gegeben.
„Wir befinden uns in einer Situation des gesteuerten Handels“, sagte Greer gegenüber CNBC. „Wir haben Fortschritte erzielt, und ich denke, wir werden am Montag deutlich mehr Einzelheiten darüber veröffentlichen, was wir in den vergangenen Wochen bei den Verhandlungen mit den Chinesen erreicht haben.“
Vor dem Gipfel hatten Greer und Finanzminister Scott Bessent in New York Gespräche mit ihren chinesischen Amtskollegen über Handelsfragen geführt. Die Treffen fanden am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen statt.
Greer erklärte, dass die US-Exportkontrollen für moderne Halbleiter und andere strategisch wichtige Güter weiterhin bestehen bleiben würden. Gleichzeitig deutete er an, dass die Vereinigten Staaten ein bevorzugtes Handelsabkommen mit China für nicht sensible Waren in Betracht ziehen. Dazu könnten landwirtschaftliche Erzeugnisse, medizinische Geräte und Konsumgüter gehören.
Nach Angaben Greers haben sich beide Seiten darauf verständigt, diese Waren künftig vor Handelsstreitigkeiten und zusätzlichen Zollmaßnahmen zu schützen.

Seltene Erden bleiben ein Engpass

In den vergangenen Jahren hat Peking seine führende Stellung bei der Verarbeitung Seltener Erden als wirtschaftliches Druckmittel im Handel mit den Vereinigten Staaten genutzt.
Perdue sagte, Washington sei besorgt, dass China seine dominante Stellung in diesem Bereich als politisches und wirtschaftliches Druckmittel einsetzen könnte.
Solange die Vereinigten Staaten ihre Abhängigkeit von China bei Seltenen Erden und kritischen Mineralien nicht verringerten, werde es „ein holpriger Weg“ sein, sagte Perdue.
„Präsident Trump arbeitet derzeit daran, diese Unabhängigkeit wiederzuerlangen. Ich kann Ihnen sagen, dass wir derzeit ein Projekt auf dem Niveau des Manhattan-Projekts für Pharmazeutika und Seltene Erden durchführen“, sagte er. Damit verwies er auf das geheime US-Regierungsprogramm während des Zweiten Weltkriegs, in dessen Rahmen die erste Atombombe entwickelt wurde.
Vor dem zweitägigen Gipfel hatte Bessent angekündigt, dass das sogenannte „Busan-Abkommen“ – die wirtschaftliche Vereinbarung zwischen den beiden Ländern, die ursprünglich am 10. November auslaufen sollte – bis zum 10. Januar verlängert werde.
Die Verlängerung umfasst Pekings Aussetzung der Exportkontrollen für Seltene Erden sowie die umfassendere Vereinbarung zur Aussetzung zusätzlicher Zölle zwischen den USA und China.

Keine Änderung der US-Politik gegenüber Taiwan

Perdue bekräftigte, dass sich die US-Politik gegenüber Taiwan trotz des Drucks aus Peking nicht geändert habe.
„Natürlich hat China versucht, diesbezüglich eine Änderung zu erzwingen, [aber] wir ändern die Formulierung nicht“, sagte er. „Wir ändern unsere Position nicht. Wir wollen Frieden über die Taiwanstraße hinweg. Wir wollen keine Nötigung. Wir unterstützen keine Unabhängigkeit Taiwans.“
„Xi hat diese Botschaft verstanden“, fügte Perdue hinzu.
Die Vereinigten Staaten verfolgen seit Langem eine sogenannte „Ein-China-Politik“. Gleichzeitig erkennen sie die Souveränität Pekings über Taiwan nicht an. Im Rahmen des Taiwan Relations Act sind die USA zudem der wichtigste Waffenlieferant Taiwans.
Während des Gipfels im Mai hatte Peking von Washington verlangt, seine militärische und diplomatische Unterstützung für Taiwan einzuschränken. China warnte, ein falscher Umgang mit der Taiwan-Frage könne zu „Zusammenstößen und sogar Konflikten“ führen.
„Präsident Trump hat Respekt gezeigt und sich die Argumente der chinesischen Seite angehört“, sagte Perdue. „Aber bei diesem Thema sind wir heute stabiler, als wir es im vergangenen Jahrzehnt gewesen sind.“
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Key Takeaways From Trump–Xi Summit“. (deutsche Bearbeitung: zk)
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Handel und KI: Trump trifft Chinas Staatschef Xi – Menschenrechtsproteste begleiten Besuch

Chinas Staatschef Xi Jinping ist zu seinem ersten Treffen im Weißen Haus seit mehr als einem Jahrzehnt eingetroffen. Begleitet wurde sein Besuch von Protesten gegen die Menschenrechtsverletzungen seines Regimes.
US-Präsident Donald Trump, der Xi damit zum zweiten Mal in diesem Jahr traf, erklärte, beide Länder hätten daran gearbeitet, ihre Handelsbeziehungen ausgewogener zu gestalten.
Die beiden Staatschefs werden bei einem Treffen hinter verschlossenen Türen dringende Themen erörtern – von künstlicher Intelligenz über Technologie bis hin zur Sicherheit.

Handel und Technologie im Fokus

Dabei würden Entscheidungen getroffen, die für die kommenden Jahrzehnte von großer Bedeutung sein würden, sagte Trump in seiner Eröffnungsrede. In einem früheren Beitrag in den sozialen Medien hatte er erklärt, es gebe keine Pläne für neue Leitplanken oder Beschränkungen im Bereich der künstlichen Intelligenz im Verhältnis zu China.
Während Trump ihre „wirklich großartige Freundschaft“ hervorhob, legte Xi größeren Wert auf geopolitische Fragen, darunter den Zugang chinesischer Unternehmen zum US-Markt.

Xi thematisiert „Thukydides-Falle“

Der chinesische Staatschef verwies zudem auf die sogenannte „Thukydides-Falle“. Der Begriff beschreibt die Gefahr eines Konflikts, die entsteht, wenn eine aufstrebende Macht droht, eine bestehende Großmacht zu verdrängen.
Xi erklärte, beide Länder könnten einen Weg finden, „miteinander auszukommen“.
Zuletzt hatte Xi im Mai während des Treffens der beiden Staatschefs in Peking auf dieses Konzept verwiesen und damit angedeutet, dass die Vereinigten Staaten eine im Niedergang befindliche Macht seien, die sich der Herausforderung durch China gegenübersehe.
Trump erklärte damals, Xi habe damit das Land beschrieben, das sein Vorgänger Joe Biden hinterlassen habe.
Seit 2020 verwendet Xi wiederholt die Formulierung „Der Osten steigt auf, der Westen befindet sich im Niedergang“ und verweist damit auf eine von ihm wahrgenommene Verschiebung der globalen Ordnung.

Xi: Junge Amerikaner nach China, Pandas in die USA

Um die „Thukydides-Falle“ zu überwinden, sei nach Xis Darstellung die öffentliche Meinung entscheidend – angefangen bei jungen Menschen.
Er kündigte an, in den kommenden fünf Jahren 100.000 junge Amerikaner zu Austausch- oder Studienaufenthalten nach China einzuladen.
In zwei Tagen würden außerdem zwei Pandas im Zoo Atlanta eintreffen, sagte er und bezeichnete sie als „Botschafter der Freundschaft“.

Menschenrechtsproteste begleiten Xis Besuch

Das Verleihen von Pandas und kulturelle Austauschprogramme sind zwei beliebte Instrumente des Regimes, um Soft Power auszuüben und sein internationales Image zu verbessern.
Doch es gibt eine andere Seite Chinas, an die Menschenrechtsaktivisten die Welt erinnern wollen.
Nur wenige Stunden nach Xis Ankunft im District of Columbia projizierte eine Menschenrechtsorganisation die Gesichter chinesischer politischer Gefangener an mehreren Orten im Hauptstadtbezirk auf Gebäude.
Derzeit gebe es in China Tausende solcher Menschen, erklärten die Organisatoren, und sie sollten freigelassen werden.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Trump Meets China’s Xi for Talks on Trade, AI Amid Human Rights Protests“ (deutsche Bearbeitung: lw)
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Wanderweg als Wirtschaftsmotor: Wie Gäste umworben werden

Natascha Heinrich hat schon zu Fuß die Alpen überquert, heute ist sie Chefin eines familiengeführten Hotels im Erzgebirge. Als die Sanierung anstand, wurde die alte Baude am Fuße des Fichtelbergs abgerissen und für mehrere Millionen Euro das „Basislager“ errichtet. Mit 13 Zimmern und einem 10-Mann-Wanderlager empfängt sie seit Frühjahr 2025 vor allem sportlich aktive Gäste, darunter viele Wanderer.
Die kommen etwa über den Kammweg Erzgebirge-Vogtland oder nutzen das Hotel als Ausgangspunkt für Touren in der deutsch-tschechischen Grenzregion, wie die 43-Jährige erzählt.
Rund um den Fichtelberg gibt es zahlreiche Wege für Wanderungen. Nun startet ein neues sportliches Angebot für Trailrunner.

Rund um den Fichtelberg gibt es zahlreiche Wege für Wanderungen. Nun startet ein neues sportliches Angebot für Trailrunner.

Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Damit sich Wanderer wohlfühlen, brauche man mehr als eine Unterkunft: Vom Schuhtrockner über Insidertipps für Touren bis hin zu einem Wellnessbereich mit Saunen und Infrarotkabinen für die Entspannung nach der Tour reicht das Angebot. „Wer weit wandert, will auch gut essen“, erklärt die Hotelchefin weiter. „Und wer mehrere Tage unterwegs ist, freut sich, wenn er mal seine Wäsche waschen und trocknen kann.“
Das Interesse am Wandern ist Studien zufolge in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen. „Heute gehen wieder mehr Menschen wandern“, sagt Bernd Hartmann, Geschäftsführer des Deutschen Wanderverbandes: „Etwa zwei von drei Deutschen ab 16 Jahren.“
Dabei geben sie nicht nur Geld für Schuhe, Outdoor-Kleidung oder Karten aus. Sie sorgen auch für Umsatz in Gaststätten sowie Hotels und Pensionen. Pro Jahr ergebe sich eine Wertschöpfung von etwa 7,8 Milliarden Euro in den Regionen. Davon profitiere der ländliche Raum.

Schuhe, Apps & Co: Wanderer investieren in Ausrüstung

Wandern habe seit den 1990er Jahren einen Imagewandel vollzogen, erklärt Heinz-Dieter Quack, Leiter des Forschungszentrums Wandern an der Ostfalia Hochschule in Salzgitter: von einer eher betulichen zu einer Lifestyle-orientierten Freizeitaktivität.
Seine Arbeitsgruppe erstellt jedes Jahr den Wandermonitor mit verschiedenen Schwerpunkten – so auch zur Wertschöpfung des Wanderns. Die Erhebung 2025 ergab, dass die Befragten in den beiden Jahren zuvor zusammen im Schnitt etwa 445 Euro für Ausrüstung ausgegeben haben.
Ganz oben stehen Schuhe, Socken und Hosen; gekauft wurden aber auch Rucksäcke, Flaschen, Apps und Karten. Vor allem die 30- bis 49-Jährigen lassen sich Ausrüstung einiges kosten.
Eine Frau schnürt ihre Wanderschuhe. Deutschland gilt mit seinen vielfältigen Landschaften und Regionen als Wanderland.

Eine Frau schnürt ihre Wanderschuhe. Deutschland gilt mit seinen vielfältigen Landschaften und Regionen als Wanderland.

Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Pro Tag gaben die befragten Wanderer unterwegs zudem im Schnitt mehr als 60 Euro aus – etwa für Gastronomie, Einkäufe oder Bus und Bahn; wer mehrere Tage auf Tour war, hat inklusive Übernachtung noch 100 Euro draufgelegt.

Dichtes Netz an Wanderwegen

„Wandern ist aber eine vergleichsweise günstige Freizeitbeschäftigung“, betont Quack. „Man braucht gute Schuhe, packt ein Butterbrot ein und dann läuft man los.“ Denn die Nutzung der Wege ist kostenlos. Sie werden von Ehrenamtlichen und Kommunen in Schuss gehalten. Ein erheblicher Aufwand. Der Professor wollte daher wissen, ob Wanderer bereit wären, für die Nutzung zu zahlen. Rund 43 Prozent der Befragten konnte sich das vorstellen.
Ob das der Praxis standhielte, daran setzt er aber ein Fragezeichen. Projekte, bei denen freiwillig um Beiträge gebeten wurden, hätten nur geringen Ertrag gebracht. Vielversprechender seien Serviceangebote entlang der Wege, erklärt Quack. Etwa bei Transfer und Verpflegung oder Gebühren für Parkplätze.
Der Wanderverband spricht von einem Wanderwegenetz von mehr als 300.000 Kilometern hierzulande. Das ist siebeneinhalbmal so lang wie der Äquator. Dabei bietet Deutschland mit seinen unterschiedlichen Regionen einiges an Abwechslung – nicht nur für Wanderer aus dem Inland. Auch im Ausland bewirbt die Deutsche Zentrale für Tourismus die Bundesrepublik als „Wanderland“.
Natascha Heinrich führt das Hotel «Basislager Fichtelberg» in Oberwiesenthal. Die Region präsentiert sich diese Tage als Mekka für Wanderer.

Natascha Heinrich führt das Hotel „Basislager Fichtelberg“ in Oberwiesenthal. Die Region präsentiert sich diese Tage als Mekka für Wanderer.

Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Wandern wird extremer: die Suche nach dem sportlichen Kick

Die Vielfalt des Wanderns hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Während die einen auf Ruhe in der Natur aus sind oder pilgern gehen, erkunden andere beim Stadtwandern – neudeutsch Urban Hiking – Architektur und Parks in Städten. Wieder andere suchen sportliche Herausforderungen.
Der Wandermarathon im Frankenwald lockt den Organisatoren zufolge Hunderte Teilnehmer aus dem In- und Ausland und ist meist binnen weniger Stunden ausverkauft. Im Harz werden regelmäßig Wandermärsche geboten und in Sachsen laufen Extremwanderer beim Fichtelbergmarsch von Chemnitz zum Fichtelberg an nur einem Tag – mehr als 60 Kilometer und 1.700 Höhenmeter.
Der höchste Gipfel Ostdeutschlands ist überregional als Wintersportgebiet bekannt. Doch wie in anderen Mittelgebirgen macht sich auch dort der Schnee im Winter öfter rar.
Um trotzdem Gäste anzulocken sowie Hotels und Pensionen das ganze Jahr mehr auszulasten, setzt der Tourismus auf andere Aktivitäten – Mountainbiking etwa und Wandern. Dazu gibt es in der als Unesco-Welterbe anerkannten Bergbauregion viele Wege beiderseits der deutsch-tschechischen Grenze.
Diese Tage kommt ein neues Angebot hinzu: der Stoneman Miriquidi Hike + Trailrun. Dabei können Wanderer eine Tour von 62 (Hike) oder 86 Kilometern (Trailrun) wandern oder laufen – an drei, zwei oder nur einem Tag.
Hotelchefin Natascha Heinrich in Oberwiesenthal ist froh über solche neuen Angebote. Diese Woche ist die Region auch Gastgeber für das europäische Wanderfest Eurorando und den Deutschen Wandertag. Heinrich baut darauf, dass, wer einmal hier war, wiederkommt und dann Familie oder Freunde mitbringt.
„Es gibt ganz viele, die das Erzgebirge noch nicht kennen.“ Und wandern lasse sich auch mit anderen Anlässen verbinden, sagt sie. Mit Tagungen von Firmen etwa oder Kursangeboten wie Yoga. (dpa/red)
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Was Rabatt-Apps so beliebt macht – und was kritisiert wird

Viele Menschen haben sie auf dem Handy installiert: die Apps der Lebensmittelhändler für zusätzliche Rabatte. Das ist aber nicht unumstritten. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sieht darin eine Diskriminierung und hat deshalb gegen den Discounter Lidl und dessen „Lidl Plus“-App geklagt. Am Dienstag, den 15. September, verhandelte das Brandenburgische Oberlandesgericht den Fall (Az. 6 UKl 2/25). Eine Entscheidung soll am 29. September verkündet werden, wie eine Gerichtssprecherin sagte.

Was kritisieren die Verbraucherschützer?

Sie monieren, dass ältere, behinderte oder jüngere Menschen benachteiligt würden, da sie entsprechende Geräte oder Apps häufig nicht nutzen könnten oder dürften. Die Verbraucherschützer gingen deswegen auch gegen die Discounter Netto und Penny vor.
Diese Klagen wurden jedoch unter anderem wegen fehlender Belege abgewiesen. Die Urteile sind bislang aber nicht rechtskräftig. Eine Revision wurde zugelassen. Nun muss sich der Bundesgerichtshof mit dem Thema befassen. Ein Verhandlungstermin steht bislang nicht fest.

Welche Vorteile bieten die Apps?

Viele große Handelsketten haben eine App, die Kunden auf ihren Smartphones verwenden können. Sie bewerben darin ihre Produkte und Sonderangebote. Wer sich registriert, kann bei vielen Händlern auch die Bonus- und Treueprogramme nutzen. Teils sind zusätzliche Artikel im Angebot, teils gibt es einen Extra-Rabatt auf reduzierte Produkte. Vielfach erhalten Kunden Rabatt-Coupons, wenn sie innerhalb eines Monats eine bestimmte Einkaufssumme erreichen.
Eine Auswertung des Vergleichsportals Smhaggle ergab vor einigen Monaten, dass Verbraucher mit Rabatt-Apps nur wenig sparen. Die durchschnittliche Ersparnis pro App liegt demnach bei rund einem Prozent. Dies bezieht sich auf die gesamten Ausgaben über alle Händler hinweg. Denn Verbraucher kaufen in der Regel bei mehreren Handelsketten ein.

Gibt es überall App-Rabatte?

Nein. Aldi Nord und Aldi Süd verzichten vollständig auf Bonusprogramme mit App-Rabatten. Mit einer Werbekampagne haben sich die Unternehmen kürzlich offensiv dagegen positioniert. Bei Aldi gebe es einen Preis für alle und ohne Bedingungen, heißt es darin. „In einer Zeit, in der alles komplexer wird, ist Einfachheit wichtiger denn je.“
Handelsexperte Stephan Rüschen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn sagt: „Ich halte den Weg von Aldi für erfolgversprechend und sinnvoll.“ Bonusprogramme seien bei den Kunden umstritten. Viele hielten sie für zu kompliziert.
Ein Alleinstellungsmerkmal von Aldi sei es, dass Einkaufen einfach sein solle. Der Weg sei daher konsequent. Beim Thema Rabatt-Apps unterscheide sich der Discounter vom restlichen Lebensmittelhandel. „Damit hat Aldi einen „Point of no return“ definiert, denn eine Einführung eines Bonusprogrammes in den nächsten Jahren würde die Glaubwürdigkeit von Aldi gefährden.“
Rivale Lidl nahm die Aldi-Kampagne inzwischen mit mehreren Videoclips aufs Korn. Der Discounter argumentiert, ohne App lasse sich sparen, mit der App jedoch noch mehr. Aus Sicht von Rüschen könnten beide Strategien – mit oder ohne App-Rabatte – erfolgreich sein. Denn Kunden hätten schließlich unterschiedliche Vorlieben.

Was haben die Händler davon?

Für Händler und Kunden sind die Apps eine Art Tauschgeschäft. Angemeldete Kunden erhalten vielfach exklusive Vorteile. Im Gegenzug gewinnen die Händler – im besten Fall – treuere Kunden sowie deren Daten. So können sie das Kaufverhalten besser analysieren, die Zielgruppen gezielter ansprechen und womöglich auch Kaufentscheidungen beeinflussen. Händler wie Lidl und Rewe kennen ihre Kunden aus Sicht von Branchenexperten deshalb womöglich besser als Aldi.
Die Bonusprogramme seien im Alltag fest etabliert, sagt Andreas Riekötter vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln. Er erkennt jedoch Anzeichen einer gewissen Sättigung: „Die meisten Menschen möchten nicht 10 oder 20 verschiedene Apps verwalten, um Rabatte zu sammeln.“
Laut einer IFH-Analyse ist zudem fraglich, ob die Apps die Kundenbindung nachhaltig stärken. Nutzer haben demnach im Schnitt 4,2 Apps von Händlern installiert. Riekötter zufolge wechseln viele für die besten Vorteile oft zwischen den Apps hin und her. „Für den Kunden zählt am Ende häufig der beste Preis und nicht die Zugehörigkeit zu einem einzelnen Treueprogramm.“

Wie viele Menschen nutzen die Apps?

Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov nutzen drei von vier Menschen in Deutschland Rabatt-Apps von Händlern wie Rewe, Lidl oder Penny. Jeder Zweite macht dies sogar mindestens einmal die Woche.
24 Prozent verwenden die Apps nicht, ein Drittel von ihnen kann sich eine Nutzung aber vorstellen. YouGov hat vom 28. bis 31. August 2.040 Menschen ab 18 Jahren in Deutschland zum Thema befragt.

Wie werden Rabatt-Apps bewertet?

Die Apps werden laut Umfrage aus unterschiedlichen Gründen verwendet. 93 Prozent der Nutzer geben an, damit beim Einkauf Geld zu sparen. Für 86 Prozent erleichtern sie die Suche nach aktuellen Angeboten und Rabatten. 72 Prozent sagen, die Apps bieten ihnen individuelle und für sie relevante Angebote. 56 Prozent der Befragten zufolge helfen sie ihnen, den Einkauf besser zu planen.
Unter allen Befragten sehen viele die Apps jedoch kritisch. 55 Prozent halten es für unfair, dass die Rabatte nur angemeldeten Nutzern angeboten werden. Jeder Zweite hat Bedenken wegen des Datenschutzes und der Nutzung persönlicher Daten. Für 47 Prozent ist der Aufwand zu hoch. 46 Prozent empfinden die Benachrichtigungen oder Werbehinweise als störend. Für 29 Prozent ist die Bedienung zu kompliziert und unübersichtlich. (dpa/red)
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Heiße Theken und Imbisse in Geschäften boomen

Fertige Hähnchenschenkel aus dem Supermarkt, Hotdogs im Möbelhaus oder Currywurst-Pommes auf dem Baumarktparkplatz: Auch wegen vergleichsweise niedriger Preise werden solche Angebote bei Kunden immer beliebter. Die Handelsgastronomie eilt von Rekord zu Rekord, wie eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI zeigt.
Händler in Deutschland setzten 2025 so rund 13,3 Milliarden Euro um. Das war 7,1 Prozent mehr als im Vorjahr und so viel wie nie zuvor. Seit 2019 stiegen die Erlöse um fast 33 Prozent. Der starke Umsatzanstieg geht laut EHI auf höhere Kundenfrequenzen und gestiegene Preise zurück. Für 2026 erwartet das Institut ein weiteres Plus. Grundlage ist eine Befragung unter 29 Handelsunternehmen mit knapp 6.100 Filialen. Die Ergebnisse wurden auf die Gesamtbranche hochgerechnet.
Zur Handelsgastronomie zählen verzehrfertig zubereitete Speisen, Snacks und Getränke im Einzelhandelsumfeld. Zu den verbreiteten Formaten gehören Bäckereien, Cafés, Imbisse, heiße Theken, Restaurants und Delis in Supermärkten, Einkaufszentren, Tankstellen, Möbel- oder Baumärkten.

Was sind die beliebtesten Gerichte?

Die meistverkauften Speisen sind laut EHI-Umfrage Frikadellen, Currywurst, belegte Brötchen und Schnitzel. Das Mittagessen ist demnach das Kerngeschäft. Die Angebote sind meist zum Mitnehmen. Gut drei Viertel der Händler betreiben ihre Gastronomieflächen selbst.
Der Möbelhändler Ikea setzt neben seinen Restaurants auf Hotdogs, die in Kassennähe angeboten werden. Rund 20 Millionen Stück wurden nach eigenen Angaben in den vergangenen 12 Monaten in den deutschen Ikea-Filialen zubereitet und verkauft. In vielen Supermärkten finden Kunden unter anderem Salatbars und Asia-Food-Shops. In 100 Rewe-Filialen gibt es inzwischen eine Selbstbedienungstheke für warme Speisen. Andere Kaufleute haben Foodtrucks, erste Händler testen zudem Kochroboter.
Die Supermarktkette Globus verkauft an ihren heißen Theken Fleischkäsebrötchen für einen Euro – nach Unternehmensangaben 30 Millionen Stück pro Jahr. „Wir beobachten seit Ende der Corona-Pandemie ein deutliches Wachstum in unserer Gastronomie. Heute verkaufen wir in unseren 57 Restaurants rund 60.000 Mittagessen pro Tag“, sagt Gastronomieleiter Michael Christmann.

Deutliche Preisvorteile

Die Branche profitiert laut EHI von einem sogenannten „Trading-Down-Effekt“. Wegen der hohen Preissteigerungen in den vergangenen Jahren, auch in der Gastronomie, greifen Konsumenten auf günstigere Angebote zurück. Die Handelsgastronomie profitiere von deutlichen Preisvorteilen, sagt Studienautorin Paulina Ullrich.
Das zeigen auch Daten des Marktforschungsunternehmens YouGov: Kunden zahlten im ersten Halbjahr 2026 in der Handelsgastronomie demnach für Steak- und Fleischgerichte im Schnitt 9,17 Euro, im übrigen Außer-Haus-Markt – also etwa in Restaurants – hingegen 13,16 Euro. Bei Pastagerichten waren es 5,87 beziehungsweise 10,60 Euro. Auch bei anderen Hauptgerichten gab es große Preisunterschiede.
Das Gaststättengewerbe – also, Restaurants, Kneipen und Cafés – steht derzeit unter großem Druck. Die Branche setzte im ersten Halbjahr nach Angaben des Branchenverbandes Dehoga zwar fast 15 Prozent mehr um als 2019. Real, also preisbereinigt, waren die Erlöse allerdings gut 23 Prozent niedriger.

Restaurantbesuch für viele zu teuer

Die Konsumenten wägten genauer ab, wofür sie ihr Geld ausgeben und ob ein Restaurantbesuch nötig sei, sagt YouGov-Marktforscher Sebastian Walter. Für 72 Prozent der Verbraucher ist der Restaurantbesuch zu teuer, 38 Prozent gingen zu Jahresbeginn seltener essen als im Vorjahr. Das ergab eine im März durchgeführte repräsentative YouGov-Umfrage. Die Handelsgastronomie biete ein attraktives Angebot, vor allem für Menschen, die sich den klassischen Restaurantbesuch nicht leisten könnten, so Walter.
Die steigende Nachfrage ist laut EHI auch darauf zurückzuführen, dass viele Händler ihre Gastronomieangebote ausgebaut haben. Damit wollen sie laut Umfrage nicht nur die Kundenfrequenzen steigern und Kunden binden, sondern diese auch länger in Geschäften zu halten. (dpa/red)
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Zwölf Länder des Westens wollen Handel mit israelischen Siedlungen sanktionieren

Wegen der israelischen Siedlungspolitik und der wachsenden Gewalt radikaler Siedler wollen zwölf westliche Staaten den Handel mit Produkten aus Siedlungen im Westjordanland sanktionieren.
Der „systematische Ausbau der Siedlungen“ und die „dramatische Zunahme der Siedlergewalt“ seien eine „unmittelbare Bedrohung“ für eine Zweistaatenlösung, erklärten Frankreich, Großbritannien und Kanada, die zu den zwölf Staaten gehören, am Dienstag, den 8. September 2026. Israel verurteilte das Vorhaben und ordnete die Schließung des britischen Konsulats in Jerusalem an.

Zwölf Staaten planen Sanktionen

In der am Dienstag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der Außenministerien der zwölf Staaten heißt es, sie seien entschlossen, „nationale Beschränkungen für den Handel mit Waren aus nach Völkerrecht illegalen Siedlungen zu verhängen und/oder entsprechende europäische Beschränkungen zu unterstützen“.
Zu den Unterzeichnern zählen neben Frankreich, Großbritannien und Kanada auch Dänemark, Spanien, Finnland, Irland, Island, Norwegen, Polen, Portugal und Schweden. Deutschland ist an der Initiative nicht beteiligt. Die eng mit Israel verbündeten USA wollen sich nach Angaben von Außenminister Marco Rubio ebenfalls nicht anschließen.
Der französische Präsident Emmanuel Macron, der britische Premier Andy Burnham und sein kanadischer Kollege Mark Carney betonten in einer weiteren Erklärung am Abend, die Sanktionen gegen Produkte aus den Siedlungen seien ein „Wendepunkt“ in ihrem Bemühen, die Zweistaatenlösung zu retten.

Warnung vor Folgen für Zweistaatenlösung

Eine Zweistaatenlösung sei entscheidend für Frieden, Stabilität und Sicherheit im Nahen Osten, hieß es in ihrer Erklärung weiter.
„Der systematische Ausbau der Siedlungen im Westjordanland, einschließlich der jüngsten Entscheidung der israelischen Regierung, die E1-Siedlung weiter voranzutreiben, wie auch die dramatische Zunahme der Siedlergewalt stellen eine unmittelbare Bedrohung für diese Vision eines Friedens dar“, erklärten die drei Politiker.“
Das E1-Projekt war im vergangenen Jahr nach jahrzehntelangem Stillstand genehmigt worden. Kritiker warnen, dass es die territoriale Verbindung zwischen dem Norden und Süden des Westjordanlands zerschneiden und damit die Aussichten auf einen lebensfähigen palästinensischen Staat weiter verringern werde.

Miliband spricht von „ethnischer Säuberung“

Zeitgleich mit der Veröffentlichung der Erklärung der zwölf Staaten sagte der britische Außenminister Ed Miliband in London, im Westjordanland sei eine „ethnische Säuberung“ im Gange, die „von terroristischen Siedlern“ verübt werde.
Der israelischen Regierung warf er vor, die Augen davor zu verschließen: „Viel zu oft hat die israelische Regierung bei dieser Lage weggesehen“, sagte Miliband. „Schlimmer noch: Einige ihrer Mitglieder haben Äußerungen getätigt und Maßnahmen ergriffen, die darauf abzielen, die gewaltsame Vertreibung der Palästinenser zu unterstützen.“

Unter Außenminister Miliband erklärt London die Besatzung des Westjordanlands für illegal – Sanktionen treffen nun auch die Förderer des Siedlungsbaus. (Archivbild)

Foto: Leon Neal/Getty Images

Großbritannien verhängt Importverbot

Nun verbietet Großbritannien die Einfuhr von Waren aus illegalen israelischen Siedlungen im Westjordanland. Das sei Teil einer größeren Neuausrichtung der Beziehungen zu Israel, sagte Miliband in London.
Israel reagierte mit Gegenmaßnahmen und will etwa das britische Konsulat in Jerusalem schließen. Das im arabisch geprägten Ostteil der Stadt gelegene Konsulat ist die Vertretung Großbritanniens für die Palästinensergebiete.
Großbritannien betrachtet laut Miliband künftig nicht nur israelische Siedlungen, sondern die gesamte israelische Besatzung des Westjordanlands offiziell als illegal. Zudem wird demnach auch jeder, der den Bau neuer illegaler Siedlungen unterstütze oder finanziere, mit Sanktionen belegt.

Israel reagiert mit scharfer Kritik

Israel reagierte mit scharfer Kritik. Milibands Äußerungen seien „empörende Lügen“, sagte der israelische Außenminister Gideon Saar. Zudem gab er ein Einreiseverbot nach Israel für zwölf Briten bekannt. Davon betroffen ist auch der frühere Chef der regierenden Labour-Partei, Jeremy Corbyn.
Weiterhin sollen laut Saar britische Vertreter das sogenannte „International Gaza Support Center“ in Israel verlassen, das die Einhaltung der Waffenruhe kontrolliert und sich mit humanitärer und logistischer Hilfe für den Gazastreifen befasst. Großbritannien werde zudem nicht länger an der Ausbildung von palästinensischen Sicherheitskräften im Westjordanland beteiligt sein, sagte der israelische Außenminister weiter.
Außerdem ordnete Israel die Schließung des britischen Konsulats in Ost-Jerusalem an.
Die Palästinensische Autonomiebehörde bezeichnete die Sanktionen der zwölf Staaten hingegen als „wichtigen“ Schritt. Die Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser hat sich zuletzt deutlich verschärft.
Israel hält das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg 1967 besetzt. Dort leben rund drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 israelische Siedler. Die Siedlungen sind nach dem Völkerrecht illegal.

Kritik auch aus den USA

Bereits vor Milibands Rede hatte es Kritik aus Israel und vom US-Botschafter in Israel an dem Vorstoß zur Neuausrichtung der britischen Israel-Politik gegeben. Israels Präsident Izchak Herzog kritisierte den Schritt als „schwere Fehleinschätzung“, gleichzeitig warf er Großbritannien Einmischung in die anstehenden Wahlen in Israel vor.
Dem Vorwurf schloss sich auch der israelische UN-Botschafter in New York, Danny Danon, an. „Sie werden das Gegenteil bewirken, denn meiner Meinung nach unterstützen sie die israelische Regierung mit ihrem heutigen Handeln nur“, sagte Danon.
Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, warf der britischen Regierung in der BBC „Diskriminierung des jüdischen Volkes“ vor. Großbritanniens Premier hatte US-Präsident Donald Trump Berichten zufolge bereits vorab von den Plänen unterrichtet.

Streit über EU-weite Sanktionen

Mehrere EU-Mitgliedstaaten fordern seit längerer Zeit ein EU-weites Importverbot für Produkte aus israelischen Siedlungen. Die EU-Kommission hatte im Juli einen entsprechenden Vorschlag präsentiert.
In Brüssel herrscht allerdings Uneinigkeit darüber, ob ein solcher Schritt die Zustimmung aller 27 Mitgliedstaaten oder lediglich eine qualifizierte Mehrheit erfordern würde. Unter anderem Deutschland und Italien stehen Sanktionen gegen Israel grundsätzlich kritisch gegenüber.

Gericht weist Eilantrag gegen E1-Projekt ab

Die israelische Justiz wies derweil am Dienstag einen Eilantrag gegen das E1-Projekt im Westjordanland zurück. Ein Gericht in Jerusalem argumentierte, dass keine irreversiblen baulichen Veränderungen unmittelbar bevorstünden und angemessene rechtliche Schutzmaßnahmen für das Bauprojekt vorhanden seien.

Jerusalem, 8. September 2026: Trotz Warnungen von Peace Now vor der Vertreibung hunderter Palästinenser lehnt das Bezirksgericht den Baustopp für 1.200 Wohneinheiten im E1-Projekt ab.

Foto: Amir Levy/Getty Images

Mit dem Eilantrag wollten mehrere Organisationen wie Peace Now bewirken, dass eine Ausschreibung für den Bau von mehr als 1200 Wohneinheiten für das sogenannte E1-Projekt östlich von Jerusalem ausgesetzt wird. Sie hatten argumentiert, das Vorhaben führe zur Vertreibung von hunderten Palästinensern.
Vor der Parlamentswahl in Israel am 27. Oktober treibt die Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu weitere Bauvorhaben voran. Zugleich hat die Gewalt israelischer Siedler gegen Palästinenser seit dem Großangriff der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 stark zugenommen. (afp/red)
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Wer berät die Kunden, wenn 39.000 Verkäufer fehlen?

Bis 2029 könnten bundesweit rund 39.100 Verkäufer fehlen. Das geht aus einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Damit dürfte die Fachkräftelücke deutlich wachsen. In keiner anderen Berufsgruppe könnten so viele Stellen unbesetzt bleiben.
Von einer Prognose will Studienautor Alexander Burstedde nicht sprechen. Die Analyse schreibe die Entwicklungen des Arbeitsmarktes bis 2029 fort und zeige, was passieren würde, wenn aktuelle Trends anhielten.

Wie ist die Entwicklung zu erklären?

Die Berufsgruppe „Fachkraft im Verkauf ohne Produktspezialisierung“ umfasst laut IW gut 870.000 Beschäftigte und ist damit die drittgrößte in Deutschland. Noch sei der Fachkräftemangel in diesem Bereich gering, sagt Burstedde. Das dürfte sich jedoch ändern.
Der Experte führt den erwarteten Anstieg unter anderem darauf zurück, dass in den kommenden Jahren viele Menschen in Rente gehen. Zugleich komme voraussichtlich zu wenig Nachwuchs nach – auch, weil weniger Arbeitskräfte aus dem Ausland gewonnen werden könnten. Eine wirtschaftliche Erholung dürfte den Bedarf an Fachkräften zusätzlich erhöhen.
Zu der Berufsgruppe zählen unter anderem Einzelhandelskaufleute und Fachverkäufer. Die meisten von ihnen arbeiten laut IW im stationären Einzelhandel, oft in direktem Kundenkontakt.
Zu ihren Aufgaben gehören neben der Beratung auch kaufmännische Tätigkeiten wie Warenbestellungen oder die Gestaltung von Verkaufsflächen. Ausgenommen sind Verkäufer, die auf eine Warengruppe festgelegt sind, etwa Bäcker, Fleischfachverkäufer, Buchhändler oder Floristen.

Welche Auswirkungen hat der Fachkräftemangel?

„Der Fachkräftemangel im Verkauf führt in erster Linie dazu, dass die Beratungsqualität sinkt“, sagt Burstedde. Viele Menschen würden lieber vor Ort einkaufen. Fühlten sie sich dort nicht gut beraten, könnten sie zum Online-Handel abwandern.
Ulrike Witt vom Handelsforschungsinstitut EHI beobachtet in Geschäften bereits große Unterschiede bei der Qualität der Beratung. Viele Händler hätten Probleme, gutes Personal zu finden. „Die Bewerber bringen oft nicht mehr so viel mit wie vor 20 Jahren.“
Gute Beratung mache viel aus. Andererseits seien Kunden oft schon vor dem Einkauf gut informiert und bräuchten weniger Unterstützung als früher. „Viele kommen ins Geschäft, um Produkte zu sehen oder auszuprobieren.“ In Bereichen wie Baumärkten, im Bekleidungshandel oder beim Küchenkauf bleibe Beratung jedoch wichtig.
Die zunehmenden Personalengpässe treffen den stationären Einzelhandel zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Branche steht wegen der Kaufzurückhaltung und des wachsenden Onlinehandels unter Druck. Persönliche Beratung gilt als einer der letzten großen Vorteile stationärer Geschäfte.

Kann KI die persönliche Beratung ersetzen?

In Onlineshops kommen zunehmend KI-Chatbots zum Einsatz, die Kunden beraten. Laut einer Studie des Handelsforschungsinstituts IFH Köln bevorzugen Konsumenten vor einem Kauf weiterhin den Austausch mit Menschen.
Wenn Vertrauen, Beratung und echte Entscheidungen gefragt seien, ziehen sie demnach den persönlichen Kontakt vor. Die KI überzeuge als Ersatz deutlich weniger.
„Die zunehmende Verbreitung von KI führt offenbar nicht dazu, dass der Mensch an Bedeutung verliert, sondern macht seinen Wert in vielen Situationen sogar noch sichtbarer“, sagt Studienautor Werner Reinartz von der Universität zu Köln. Für die Studie wurden 1.000 Verbraucher zwischen 16 und 69 Jahren im Juli 2026 repräsentativ befragt.

Wie geht der Handel mit der Situation um?

Der Fachkräftemangel sei eine Herausforderung, sagt Steven Haarke vom Handelsverband Deutschland (HDE). „Gute Kundenberatung ist für viele Geschäfte überlebenswichtig, um sich von der Konkurrenz nebenan oder im Internet zu differenzieren.“
Verbessere sich die Lage nicht spürbar, würden Geschäfte versuchen, den Mangel mit neuen technischen Lösungen auszugleichen. Als Beispiel nennt er Kassen, an denen Kunden Produkte selbst scannen. Bei Warenbestellungen leisteten digitale Werkzeuge vielerorts bereits gute Dienste. Auch Geschäfte ohne Personal breiteten sich zunehmend aus.
Der Verband fordert von der Politik, das Zuwanderungsrecht zu vereinfachen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. So solle es an allen Wochentagen und auch samstags nach 17 Uhr Betreuungsangebote geben.
Die Suche nach Nachwuchs gestaltet sich für viele Händler schwierig. Nach Angaben des HDE konnte 2025 nur etwas mehr als ein Viertel der Unternehmen alle Ausbildungsplätze besetzen. EHI-Expertin Witt sagt: Der Verkäuferberuf müsste attraktiver werden – etwa durch bessere Bezahlung, Gesundheitsangebote und flexiblere Öffnungszeiten.

Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt insgesamt?

Laut IW könnten 2029 bundesweit rund 723.000 Fachkräfte fehlen – 96 Prozent mehr als 2025. Nach Verkäuferinnen und Verkäufern dürften die Berufsgruppen Kinderbetreuung und -erziehung (29.900), Sozialarbeit und -pädagogik (23.600), Gesundheits- und Krankenpflege (18.700) sowie Bauelektrik (17.400) am stärksten betroffen sein.
„Der Fachkräftemangel wird sich in vielen Bereichen verschärfen, und wir werden das täglich spüren, etwa bei der Suche nach einem Pflegeplatz oder einem Handwerker“, sagt IW-Ökonom Burstedde. Er rät der Politik, die Arbeitsanreize zu erhöhen und die qualifizierte Zuwanderung aus EU-Drittstaaten zu erleichtern. (dpa/red)
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Bei E-Zigaretten steht die nächste Teuerung an – Krebsforscher warnen vor Vaping

Deutschlands Vaper müssen sich auf etwas höhere Preise einstellen, wenn sie ihre Flüssigkeiten für E-Zigaretten kaufen. Grund dafür ist die geplante Erhöhung der Tabaksteuer, die in der Bundespolitik weitgehend Konsens ist. Strittig ist aber, wie stark der Steuersatz steigen soll: Nachdem die Bundesregierung eine eher moderate Anhebung vorgeschlagen hat, peilen die Koalitionsfraktionen aus CDU/CSU und SPD im Bundestag einen stärkeren Steueraufschlag an. Das wiederum sorgt nun für Unruhe in der Branche: Der Verband Bündnis für Tabakfreien Genuss (BfTG) befürchtet eine sinkende Nachfrage des legalen Geschäfts und eine Zunahme des Schwarzmarktes.
Der Verbandsvorsitzende Dustin Dahlmann weist darauf hin, dass die Tabaksteuer auf Liquids erst dieses Jahr um 6 auf 32 Cent pro Milliliter angestiegen ist. Wegen der damit verbundenen Preiserhöhungen sei der Schwarzmarktanteil von schätzungsweise 40 auf 50 Prozent gestiegen. „Dieser Trend dürfte sich fortsetzen, wenn erneut stark an der Steuerschraube gedreht wird“, sagt Dahlmann.

Wie teuer es werden könnte

Das Bundesfinanzministerium schlug eine Anhebung um einen Cent auf 33 Cent pro Milliliter zum Januar 2027 vor, die Koalitionsfraktionen sind nun für einen Aufschlag um drei Cent auf 35 Cent. Auf diesen Steueraufschlag wird noch die Mehrwertsteuer berechnet – je höher der Steueraufschlag ist, desto höher fällt die Mehrwertsteuer aus. Ein typisches 10-Milliliter-Fläschchen, das im Handel derzeit grob gesagt 12 Euro kostet, könnte steuerbedingt 36 Cent teurer werden, heißt es von dem Branchenbündnis. Das wäre ein Preisanstieg um drei Prozent bei den Vaping-Liquids.
Branchenvertreter Dahlmann rechnet zudem damit, dass der Fiskus deutlich weniger Steuereinnahmen bekäme als erwartet. „Das war schon 2022 bei der Novelle des Tabaksteuer-Gesetzes so: Damals ging das Bundesfinanzministerium von 520 Millionen Euro Tabaksteuer-Einnahmen durch den Verkauf von E-Zigaretten im Jahr 2025 aus, tatsächlich wurden es nur 403 Millionen Euro.“ Der Konsum habe zwar angezogen, aber der Schwarzmarkt eben auch. „Diesen Fehler droht der Bund nun zu wiederholen.“

Krebsforscher warnen vor Vaping

Bei E-Zigaretten werden Flüssigkeiten (Liquids) erhitzt, ihr Dampf wird inhaliert. Laut einer Umfrage der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität, der Debra-Studie, greifen rund drei Prozent der Ab-14-Jährigen in Deutschland zur E-Zigarette. Die Vaping-Branche betont, dass ihre Produkte viel weniger Schadstoffe freisetzten als Tabakzigaretten und dass sich Vapes daher als Alternativprodukte für Tabakraucher eigneten.
Dass beim Vaping deutlich weniger Schadstoffe freigesetzt werden als beim Verbrennen von Tabakzigaretten, ist unstrittig. Wegen des Mangels an Langzeitstudien ist aber unklar, wie schädlich die verbliebenen Stoffe für den Körper sind. Die Substanzen könnten erheblich schaden, warnen Krebsforscher und Mediziner und weisen darauf hin, dass das in den meisten E-Zigaretten enthaltene Nikotin abhängig mache. Dass Vaping besonders unter Teenagern und jungen Erwachsenen beliebt ist, beobachtet auch die Politik mit Argusaugen. (dpa/red)
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Billige Online-Ware: EU-Staaten beschließen neue Bearbeitungsgebühr

Im Kampf gegen die massenhafte Einfuhr von Billigprodukten in die EU soll eine Bearbeitungsgebühr für kleine Pakete fällig werden. Ab 1. November soll die neue Abgabe für im Internet bestellte und in die EU eingeführte Produkte gelten und von den nationalen Behörden erhoben werden, wie die EU-Mitgliedstaaten mitteilten. Darauf hatten sich Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Länder im März verständigt. Das Parlament muss nun noch formell zustimmen, damit dies in Kraft treten kann.
Die EU-Kommission muss noch die Höhe der Gebühr festlegen. Für die Zahlung sind nach Angaben der EU-Staaten die Online-Handelsplattformen zuständig – nicht etwa die Endverbraucher in Europa.

Milliarden Pakete kommen aus China an

Die neuen Regeln dürften etwa Online-Händler wie Shein, Temu, AliExpress oder auch Amazon betreffen. Die Abgabe soll die steigenden Kosten durch die wachsende Zahl kleiner Sendungen aus dem Online-Handel decken, etwa die Sichtung und Kontrolle bei der Einfuhr.
Im Jahr 2025 wickelten die europäischen Zollämter nach Angaben der EU-Staaten rund sechs Milliarden Pakete von Onlinehändlern ab. 90 Prozent davon seien aus China in die EU gelangt.

Zoll seit Juli auch auf billige Ware

Seit Juli wird unabhängig davon auch auf günstige Waren aus dem Ausland Zoll fällig. Pro Warengruppe in der Sendung werden pauschal drei Euro berechnet. Dafür sind eigentlich die Verkäufer oder Importeure verantwortlich. Manche Händler reichen die Zollpauschale aber an Verbraucher weiter, die nun mehr zahlen müssen.
Europaweite Daten, wie sich die Paketzahlen seitdem verändert haben, liegen noch nicht vor. In Frankreich sank die Einfuhr kleiner Pakete seit Juli um bis zu 40 Prozent, wie das französische Wirtschaftsministerium Ende August mitteilte.
Die neue Bearbeitungsgebühr, die nun von den EU-Staaten bestätigt wurde, ist Teil einer größeren Zollreform. Weitere Maßnahmen sollen dafür sorgen, den globalen Handel zu erleichtern, Zölle effizienter zu erheben und die Kontrollen von nicht konformen, gefährlichen oder unsicheren Waren zu verschärfen, wie die EU-Länder mitteilten. Unter anderem entsteht eine neue EU-Zollbehörde, die 2027 in Lille ihre Arbeit aufnehmen soll. (dpa/red)
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Sparsame Verbraucher: Möbelbranche kommt nicht aus der Krise

Steigende Verbraucherpreise und mehr Ausgaben für Freizeit: Kunden halten sich beim Möbelkauf zurück. Im ersten Halbjahr erzielten die Möbelhersteller nominal 2,7 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahreszeitraum, wie der Verband der deutschen Möbelindustrie (VDM) unter Berufung auf vorläufige amtliche Zahlen berichtete.
Insgesamt lag der Umsatz bei 7,7 Milliarden Euro. Immerhin stiegen die Erlöse bei Küchenmöbeln um ein Prozent. Selbst der Branchenriese IKEA hat Probleme.
VDM-Geschäftsführer Jan Kurth verwies auf ein schwieriges Umfeld. Neben steigenden Material-, Energie- und Lohnkosten belaste das weiter schwache Konsumklima die Branche. Ein immer größerer Teil der Kaufkraft fließe in Reisen und Freizeit. Hinzu kämen ein stockender Wohnungsbau und wachsender internationaler Wettbewerbsdruck.
Während der Trend bei Küchen positiv ist, sanken die Umsätze in den übrigen Kategorien, am stärksten bei Polstermöbeln (minus 10 Prozent). Besonders schwach lief das Geschäft auf dem Heimatmarkt, das um 4,1 Prozent schrumpfte.
Auch beim Auftragseingang zeigt sich ein geteiltes Bild: Bei Küchenmöbeln wurden zwischen Januar und Juni 0,9 Prozent mehr Aufträge verzeichnet als im Vorjahreszeitraum, bei Polstermöbeln dagegen 10,5 Prozent weniger. Kurth rechnet dieses Jahr nicht mit einer spürbaren Belebung.

„Verbraucher verschieben größere Anschaffungen“

Die Möbelindustrie steckt seit längerem in der Flaute. 2025 sanken die Erlöse zum dritten Mal in Folge auf den niedrigsten Stand seit 2009. Allein zwischen 2023 und 2026 hat die Branche rund ein Fünftel (20 Prozent) ihres Umsatzes eingebüßt. In der Branche wird das auch darauf zurückgeführt, dass Haushalte in der Pandemie Käufe vorzogen und der Bedarf vielerorts gedeckt sei.
„Die Verbraucher kaufen seltener und verschieben größere Anschaffungen“, sagt Philipp Hoog von der Handelsberatung BBE. Hohe Ausgaben für Lebensmittel, Energie und Gesundheit sowie Sorgen vor weiteren Preissteigerungen dämpften die Bereitschaft, Geld für Einrichtung auszugeben. Geopolitische Unsicherheit verstärke die Zurückhaltung. Dabei waren Möbel und Leuchten im Juli sogar minimal günstiger (0,5 Prozent) als ein Jahr zuvor.
Auf Möbel lasse sich leicht verzichten, sagt Marktexperte Christoph Lamsfuß vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln. Den Aufschwung bei Küchen führt er auf ihre größere Bedeutung im Wohnalltag zurück.

Auch IKEA unter Druck

Der Möbelhandel leidet ebenfalls unter der Krise. Nach Angaben des IFH Köln setzte der Fachhandel im ersten Halbjahr 3,3 Prozent weniger um als im Vorjahreszeitraum. „2026 ist für den Möbelhandel bislang noch kein Jahr der Erholung, aber eines des vorsichtigen Stabilisierens“, teilte der Handelsverband Wohnen und Büro mit.
Experte Hoog sieht auch Marktführer IKEA unter Druck. Nach dem Rekordjahr 2022/2023 verzeichnete der Konzern weltweit sinkende Erlöse. „IKEA kann sich nicht mehr allein auf seine starke Marke und das klassische Einrichtungshaus verlassen.“
Kunden verglichen zunehmend das Preis-Leistungs-Verhältnis und IKEA werde von Wettbewerbern wie Jysk und XXXLutz angegriffen, sagt Hoog. IKEA kündigte in dieser Woche an, die Preise für rund 1.500 Produkte senken zu wollen.
Auch die geplante Übernahme der Porta-Gruppe durch den österreichischen Möbelriesen XXXLutz beschäftigt die Branche. Verbandsgeschäftsführer Kurth beklagt eine zunehmende Konzentration.
„Unsere mittelständischen Möbelproduzenten sehen sich immer weniger, zugleich aber immer größeren Handelspartnern gegenüber.“ XXXLutz ist nach Ikea zweitgrößter Möbelhändler in Deutschland.

Verband: Viele Unternehmen planen Kurzarbeit

In der Möbelindustrie gingen in den vergangenen Jahren nicht nur die Umsätze zurück. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank die Zahl der Betriebe mit mindestens 50 Beschäftigten zwischen 2018 und 2025 deutlich von 480 auf 398.
Auch die Zahl der Beschäftigten schrumpfte – von mehr als 84.600 auf weniger als 68.300. En wichtiger Produktionsstandort der Branche ist die Region Ostwestfalen-Lippe in Nordrhein-Westfalen.
Weitere Zahlen zeigen die schwierige Lage: Laut Branchenverband VDM planen 40 Prozent der Mitgliedsunternehmen Kurzarbeit. „Die sinkende Auslastung lässt die Margen schnell unter Druck geraten“, sagt Patrik-Ludwig Hantzsch von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Niedrigere Absatzmengen träfen auf steigende Kosten.
Für einige Firmen wurde die Lage zuletzt existenzbedrohend. Nach Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade meldeten in Deutschland zwischen Januar und Mai 29 Hersteller Insolvenz an, im Möbelhandel waren es im selben Zeitraum 38 Unternehmen.
Das Insolvenzgeschehen habe zuletzt etwas an Dynamik verloren, sagt Maxime Lemerle von Allianz Trade. Zwar gebe es weniger Fälle, das Niveau sei aber weiterhin hoch und liege über dem vor der Pandemie. (dpa/red)
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Deutsche Post verschwindet aus Konzernnamen

Der Logistikkonzern Deutsche Post heißt ab sofort DHL. Ein Eintrag ins Handelsregister sei zum 1. September vollzogen und der Beschluss der Hauptversammlung vom Mai damit umgesetzt, teilte das Unternehmen in Bonn mit.
Der Name Deutsche Post bleibt in der Konzernstruktur erhalten, wandert aber eine Etage tiefer: Künftig steht er für eine Tochterfirma, die das Stammgeschäft mit der Beförderung von Briefen und Paketen im Inland verantwortet.
An der Börse werden die Anteilsscheine zudem nicht mehr unter dem Namen Deutsche Post gehandelt, sondern unter dem Namen DHL.

Stammgeschäft der Post ist nun nicht mehr übergeordnet

Schon vor drei Jahren hatte der Konzern seinen Marken- und Außenauftritt von Deutsche Post DHL Group zu DHL Group geändert, rechtlich und an der Börse blieb es danach aber beim Namen Deutsche Post AG. Das ist nun vorbei – ab sofort heißt der Konzern DHL AG. Das Kürzel steht für die Firmengründer Adrian Dalsey, Larry Hillblom und Robert Lynn.
Das traditionsreiche Stammgeschäft der Deutschen Post, deren Wurzeln bis zur Thurn-und-Taxis-Briefbeförderung des ausgehenden Mittelalters im 15. Jahrhundert zurückreicht, war bislang in die übergeordnete Holding eingebettet.
Dass ein operatives Geschäft in einer Finanzholding integriert war, war ein rechtlich kurioses Konstrukt. Das lag an historischen Altlasten als einstige Bundespost. Diese Altlasten werden jetzt gewissermaßen in den Papiercontainer geworfen.
Künftig steht das Stammgeschäft in der Konzernstruktur nicht mehr übergeordnet über den anderen Konzernbereichen, sondern gleichrangig neben ihnen.
Die neue Post-Chefin: Die Österreicherin Nikola Hagleitner steht an der Spitze der neuen Tochterfirma Deutsche Post AG. DHL-Vorstandsboss Tobias Meyer verliert den Titel Post-Chef - er ist nicht mehr Chef der Deutschen Post AG, sondern der DHL AG.

Die neue Post-Chefin: Die Österreicherin Nikola Hagleitner steht an der Spitze der neuen Tochterfirma Deutsche Post AG. DHL-Vorstandsboss Tobias Meyer verliert den Titel Post-Chef – er ist nicht mehr Chef der Deutschen Post AG, sondern der DHL AG.

Foto: Wolf von Dewitz/dpa

Wie die Bonner den Namenswechsel begründen

Grund für die Namensänderung ist die zunehmende Internationalisierung des Konzerns, der als Nachfolgeunternehmen der staatlichen Bundespost den US-Logistiker DHL im Jahr 2002 schluckte und danach schrittweise immer mehr Umsatz im Ausland machte.
Es möge auch drin sein, was drauf stehe, hatte Konzernchef Tobias Meyer die Namensänderung in der Vergangenheit begründet und darauf verwiesen, dass DHL weltweit ein Begriff sei – während Geschäftsleute in Indien und anderen Staaten mit dem Namen Deutsche Post nichts anfangen könnten. Meyers Vorgänger Frank Appel hatte den Schritt noch gescheut, weil er die inländische Belegschaft nicht verprellen wollte.
Tatsächlich wurde das Deutschland-Geschäft in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer uninteressanter für den aufstrebenden Logistikriesen. Die Musik spielte hingegen im Ausland. Das zeigen auch jüngste Zahlen: Im ersten Halbjahr 2026 machte der Logistiker nur noch etwa 20 Prozent seines Umsatzes im deutschen Stammgeschäft, der Rest entfiel auf die Bereiche Express, Lieferketten (Supply Chain), Fracht und E-Commerce.

Briefe und Pakete nicht sehr profitabel in Deutschland

Das Geschäft mit Briefen und Paketen in Deutschland ist nicht allzu profitabel: Nur 12 Prozent des Betriebsgewinns (Ebit) entfielen im ersten Halbjahr auf den Konzernbereich Post & Paket Deutschland – also den Bereich, der seit Dienstag von der Bonner Tochterfirma Deutsche Post AG verantwortet wird.
Die wegbrechenden Briefmengen im Digitalzeitalter machen dem Unternehmen zu schaffen – die Menschen und Firmen setzen in ihrer Kommunikation immer stärker auf digitale Kanäle und nicht mehr auf Briefe.
Deutlich lukrativer ist das globale Geschäft mit zeitkritischen Express-Sendungen, auf das im ersten Halbjahr gut 30 Prozent des Umsatzes und 60 Prozent des Betriebsergebnisses (Ebit) entfielen. Solche Zustellungen mit garantiertem Zeitfenster werden vor allem von Firmen genutzt, etwa für wichtige Dokumente oder Ersatzteile.

Ändert sich etwas für die Verbraucher?

Ein Konzernsprecher betont, dass sich für Verbraucher in Deutschland nichts ändere. „Die neue Struktur ist keine Herabstufung der Deutschen Post“, betont der Sprecher. „Das operative Geschäft wird eben nur in eine eigenständige Tochter verlagert, so wie es bei DHL Express und den anderen Divisionen ja schon längst der Fall ist.“
Die DHL AG übernehme als Konzernmutter vor allem strategische und bereichsübergreifende Steuerungsaufgaben. Das sei eine zeitgemäße und international übliche Konzernstruktur. Auch für die Beschäftigten ergeben sich Konzernangaben zufolge keine Nachteile.
Die Umbenennung samt Entflechtung der Konzernstruktur kostete den Angaben zufolge 37 Millionen Euro, etwa für die Trennung der IT-Systeme und für Anwälte, hinzu kommen künftig drei Millionen Euro jährliche Extra-Kosten für das Tochterunternehmen.

Die Post bleibt die Post, sagt die Post

„Die Deutsche Post bleibt für die Menschen und Unternehmen in Deutschland das, was sie seit Jahrzehnten ist: ein verlässlicher Teil ihres Alltags“, sagt Nikola Hagleitner, die als DHL-Vorstandsmitglied für das deutsche Stammgeschäft und damit für die Tochterfirma Deutsche Post AG zuständig ist.
„Wir modernisieren unsere Struktur, stärken die globale Ausrichtung des Konzerns und schaffen die Grundlage für weiteres Wachstum“, sagt die Managerin. „Für unsere Kundinnen und Kunden bleibt zugleich alles vertraut: Briefe, Pakete, Filialen, Packstationen, Poststationen und Briefkästen – wir liefern weiter, wie gewohnt.“

Kritische Stimmen aus der Politik

In der Politik wird die Umbenennung kritisch aufgenommen. „Ich bedauere es, dass eine starke Marke wie Deutsche Post im internationalen Geschäft verschwindet“, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff. Immerhin bleibe die Marke im deutschen Brief- und Paketgeschäft erhalten.
„Wichtig ist vor allem, dass sich für die Bürgerinnen und Bürger hier nichts ändert und alle Verpflichtungen des Konzerns als sogenannter Universaldienstleister erhalten bleiben“, sagt er. Als Universaldienstleister ist die Post an Vorschriften zur Briefkasten- und Filialnetz-Dichte sowie zur Zustell-Geschwindigkeit gebunden.
An der Bonner Zentrale soll auch alles beim Alten bleiben, wie der Konzernsprecher versichert: Auf dem Dach bleibe das Posthorn-Symbol montiert, und an Fahnenmasten sei auch künftig sowohl der Schriftzug DHL wie auch Deutsche Post zu sehen. (dpa/red)
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EU verschärft Kurs gegenüber China – Handelsdefizit über 350 Milliarden Euro


In Kürze:

  • Das EU-Handelsdefizit mit China erreicht 359,9 Milliarden Euro.
  • Die EU-Importe von Plug-in-Hybridfahrzeugen aus China stiegen im ersten Halbjahr 2026 um 162 Prozent.
  • Brüssel verhängte Antidumpingzölle von 4,3 bis 45,3 Prozent auf chinesische Pkw- und Leicht-Lkw-Reifen und 60 bis 67,6 Prozent auf Polyamidgarne.
  • Die CO₂-Grenzabgabe CBAM soll auf weitere Produktgruppen ausgeweitet werden.

 
Die EU weitet ihre handelspolitischen Schutzmaßnahmen aus. Hintergrund sind neu veröffentlichte Daten, die einen deutlichen Anstieg der Importe chinesischer Fahrzeuge, Batterien und Maschinen zeigen.
Nach den neuesten Zahlen des EU-Statistikamtes Eurostat, die am 14. August veröffentlicht wurden, beliefen sich die EU-Importe aus China im Juni auf 53,9 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg um 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Im selben Monat exportierte die EU Waren im Wert von 18,8 Milliarden Euro nach China. Daraus ergibt sich ein monatliches Handelsdefizit von 35,1 Milliarden Euro. Im Jahr 2025 lag es bei 31 Milliarden Euro.

EU verschärfte Importüberwachung

Die EU verhängte zuletzt neue Antidumpingzölle auf chinesische Reifen und Polyamidgarne. Gleichzeitig beobachtet Brüssel weitere Sektoren im Hinblick auf mögliche handelspolitische Maßnahmen.
Neben der Einführung dieser Antidumpingzölle im Juli hat die EU-Kommission ihr im Jahr 2025 eingerichtetes Instrument zur Importüberwachung weiterentwickelt. Ziel ist es, anhaltende und längerfristige Zuwächse bei den Importen zu erfassen.
Die Kommission erklärte gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times, dass die überarbeitete Methodik insbesondere Produkte identifizieren soll, bei denen die Importmengen steigen und gleichzeitig die Preise fallen. Damit sollen langfristige Entwicklungen erfasst werden, anstatt kurzfristige Veränderungen zu berücksichtigen, die beispielsweise durch zollbedingte Handelsumlenkungen entstehen.

Brüssel sieht Überkapazitäten als Ursache

Nach Angaben der Kommission steht der allgemeine Druck durch die steigenden Importe im Zusammenhang mit Überkapazitäten in der Industrie. Diese führt sie auf staatlich gelenkte Politik und Fördermaßnahmen zurück.
In einer separaten Bewertung des Handels zwischen der EU und China verwies die Kommission auf Chinas „marktverzerrende Industriepolitik und -praktiken“. Dazu zählt sie auch die umfangreiche staatliche Förderung des verarbeitenden Gewerbes.
Die EU importierte 2025 Waren im Gesamtwert von 559,5 Milliarden Euro aus China. Die Exporte nach China betrugen hingegen nur 199,5 Milliarden Euro.
Die Kommission bezifferte das Handelsdefizit auf 359,9 Milliarden Euro und nannte das Verhältnis „kritisch unausgewogen“.

Maschinen und Fahrzeuge besonders betroffen

Einige Importkategorien, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe, stufte die EU als sensibel ein und hat entsprechende Handelsmaßnahmen eingeleitet.
Im März begann die Kommission eine Untersuchung zu Schutzmaßnahmen bezüglich der Einfuhren von Spezial-Siliziumstahl. Sie begründete dies mit einem hohen Importdruck, insbesondere aus China. Das Material wird in Leistungstransformatoren verwendet und gilt laut der Behörde als „von entscheidender Bedeutung“ für die Sicherheit der europäischen Energieinfrastruktur.
Mehr als die Hälfte der Industriegüter, die die EU im Jahr 2025 aus China importierte, entfielen auf Maschinen und Fahrzeuge. Zu diesen Kategorien zählen Autos, Industriemaschinen, elektrische Ausrüstung sowie Produkte, die in der gesamten Fertigungsindustrie und Infrastruktur eingesetzt werden.
In der ersten Hälfte dieses Jahres stiegen laut den von Epoch Times ausgewerteten Eurostat-Handelsdaten die Importe aus China in mehreren der größten Kategorien von Industriegütern an.
Die Importe chinesischer elektrischer Maschinen und Geräte wuchsen um 10,2 Prozent auf 85,8 Milliarden Euro. Bei Fahrzeugen und Ersatzteilen betrug der Anstieg 41 Prozent auf 20,4 Milliarden Euro. Maschinen und mechanische Geräte legten um 9,1 Prozent auf 58,3 Milliarden Euro zu.

Importe von Plug-in-Hybridfahrzeugen steigen

Innerhalb der Kategorie der Fahrzeuge fallen chinesische Plug-in-Hybridfahrzeuge weiterhin nicht unter die EU-Ausgleichszölle, die sich gegen chinesische batterieelektrische Fahrzeuge richten.
Ein Aktionsplan der Kommission von 2025 bezeichnete die Fahrzeugindustrie als „zentralen Motor des europäischen Wohlstands“. Die Branche trägt etwa 1 Billion Euro zum BIP bei und beschäftigt direkt und indirekt 13 Millionen Menschen.
Chinesische Importe setzen die Branche unter Druck. Die Importe von chinesischen Plug-in-Hybrid-Pkw stiegen von rund 1,3 Milliarden Euro  im ersten Halbjahr 2025 auf 3,4 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum 2026. Das entspricht einem Anstieg von rund 162 Prozent.
Die Einfuhren chinesischer batterieelektrischer Pkw, für die Zölle erhoben werden, stiegen im gleichen Zeitraum um etwa 45 Prozent – von 3,1 auf 4,4 Milliarden Euro. Die Importe chinesischer Lithium-Ionen-Batterien stiegen um 39 Prozent auf 16,4 Milliarden Euro.
Die bestehenden Zölle auf Elektrofahrzeuge wurden nach einer Untersuchung der Kommission im Oktober 2024 verhängt. Diese kam zu dem Schluss, dass chinesische batterieelektrische Fahrzeuge von staatlichen Subventionen profitierten, die den europäischen Herstellern wirtschaftlichen Schaden zufügten. Die Zölle traten am 31. Oktober 2024 in Kraft.
Anschließend identifizierte die Kommission auch Batterien als einen Schlüsselbereich im Wettbewerb mit China. Brüssel erklärte, die EU sei bereit, lokale Hersteller vor unlauteren Praktiken entlang der gesamten Lieferkette für Elektrofahrzeuge zu schützen – einschließlich Batterien und Bauteile.
Das „Handelsblatt“ berichtete im Juni unter Berufung auf hochrangige EU-Beamte und Branchenquellen, dass die Kommission Ausgleichszölle auf chinesische Plug-in-Hybridfahrzeuge vorbereite. Öffentlich angekündigt hat die Kommission eine solche Untersuchung bislang jedoch nicht.
Ein Sprecher der EU-Kommission sagte gegenüber Epoch Times, die Kommission beobachte „die Entwicklung der Importe von Hybridfahrzeugen weiterhin“. Eine Stellungnahme dazu, ob ein Handelsschutzverfahren vorbereitet werde, lehnte er ab. Die Kommission kommentiere keine potenzielle zukünftige Fälle, „unabhängig davon, ob etwas in Vorbereitung ist oder nicht“.

Zölle zielen auf Importe, die EU-Herstellern nachweislich schaden

Die verstärkte Überwachung erfolgt parallel zu produktspezifischen Verfahren, in denen die Kommission feststellt, dass chinesische Importe europäischen Herstellern Schaden zugefügt haben.
Im Juli verhängte die Kommission Antidumpingzölle von 4,3 bis 45,3 Prozent auf chinesische Pkw- und Leicht-Lkw-Reifen. Zuvor hatte sie festgestellt, dass die Produkte zu Dumpingpreisen in die EU gelangten und den einheimischen Herstellern schadeten.
Nach Angaben der Kommission beschäftigt die EU-Reifenindustrie in 14 Mitgliedstaaten mehr als 80.000 Menschen. Die chinesischen Importe beliefen sich im Jahr 2024 auf insgesamt fast 93 Millionen Reifen im Wert von über 2,5 Milliarden Euro. Damit entfielen 28 Prozent des EU-Marktes auf chinesische Produkte. Eine parallel laufende Antisubventionsuntersuchung zu diesen Produkten soll im Dezember abgeschlossen werden.
Später im Juli verhängte die Kommission Zölle in Höhe von 60 bis 67,6 Prozent auf Polyamidgarne aus China. Hier ergaben Untersuchungen, dass chinesische Importe zu Dumpingpreisen erfolgten und ebenfalls den EU-Herstellern schadeten.
Diese europäische Industrie beschäftigt in Kroatien, Italien, Spanien, Rumänien und Slowenien direkt etwa 2.000 Menschen. Der EU-Markt hat ein Volumen von rund 400 Millionen Euro. Die Garne werden unter anderem in Sportbekleidung, medizinischen Anwendungen und Heimtextilien verwendet.

Marktanteil europäischer Unternehmen in China schrumpft

„Bloomberg“ zitierte einen Bericht von Goldman Sachs, wonach bestehende und potenzielle EU-Handelsmaßnahmen Auswirkungen auf Produkte haben könnten, die insgesamt 27 Prozent der jährlichen Exporte Chinas in die Union ausmachen. Goldman Sachs fügte an, die tatsächlichen Auswirkungen würden davon abhängen, welche Maßnahmen verabschiedet und wie sie umgesetzt werden.
EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič wies am 29. Juni bei den Verhandlungen mit Peking auf die Handelsbelastungen hin. Zuvor traf er sich in Brüssel mit dem chinesischen Handelsminister Wang Wentao. Die chinesischen Exporte in die EU würden weiter steigen, während der Marktanteil europäischer Unternehmen in China schrumpfe.
„Dieser Trend ist nicht nachhaltig und der Status quo keine Option“, sagte Šefčovič damals.
Die Kommission teilte der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times mit, dass die Kontakte auf technischer Ebene mit Peking fortgesetzt würden. Im Herbst 2026 werde ein weiteres Treffen auf Ministerebene stattfinden.
Auf die Frage, was als greifbarer Fortschritt gelten würde, antwortete die Kommission, sie erwarte Initiativen, die langjährige Probleme in den Handels- und Investitionsbeziehungen zwischen der EU und China „sinnvoll angehen“. Welche Maßnahmen konkret diesen Standard erfüllen, bliebt offen.

CO₂-Grenzregelungen könnten sich auf die Kosten chinesischer Waren auswirken

Die EU treibt zudem die Ausweitung des Spektrums importierter Industrieerzeugnisse voran, die der CO₂-Grenzabgabe unterliegen.
Die CO₂-Grenzabgabe (Carbon Border Adjustment Mechanism, CBAM) trat am 1. Januar in Kraft. Aktuell gilt dies für bestimmte Importe von Eisen und Stahl, Aluminium, Zement, Düngemitteln, Strom und Wasserstoff.
Für chinesische Waren, die unter das CBAM fallen, müssen EU-Importeure die CO₂-bezogenen Kosten tragen. Diese sind an die bei der Produktion entstehenden Emissionen gekoppelt.
Am 12. Juni verabschiedete der Rat der Europäischen Union seine Verhandlungsposition zu einem Vorschlag der EU-Kommission, das CBAM auf ausgewählte nachgelagerte Produkte auszuweiten, die erhebliche Mengen an Eisen, Stahl oder Aluminium enthalten.
Der Rat und das EU-Parlament müssen sich noch auf die Rechtsvorschriften einigen, bevor die Erweiterung in Kraft treten kann.
 
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „EU Steps Up Trade Defenses as Chinese Vehicle, Battery Imports Surge“. (deutsche Bearbeitung ks)