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Mehr Wettbewerb im Fernverkehr – gut für Fahrgäste?

Die Bundesnetzagentur will die Monopolstellung der Deutschen Bahn im Fernverkehr aufbrechen – und verspricht sich davon vor allem Vorteile für die Fahrgäste. Die Behörde will den bundeseigenen Konzern dazu verpflichten, mindestens ein Viertel der Kapazitäten auf bereits hochbelasteten Strecken an Wettbewerber abzugeben.
Die Bahn, die bislang rund 95 Prozent des Fernverkehrs in Deutschland dominiert, muss also bald mehr lukrative Trassen an Konkurrenten abtreten. Ein Überblick.

Was hat die BNetzA konkret entschieden?

Dem Beschluss der BNetzA zufolge darf die für das Schienennetz zuständige Bahntochter DB InfraGo auf hochbelasteten Strecken künftig nur noch 60 bis 75 Prozent der Kapazitäten an ein einziges Unternehmen vergeben. Den genauen Prozentsatz könne die InfraGo selbst festlegen.
Das bedeutet: Auf stark ausgelasteten Korridoren mit ausgewiesenen Kapazitätsobergrenzen, wie es etwa für die Knoten München und Frankfurt geplant ist, muss die InfraGo sicherstellen, dass mindestens ein Wettbewerber der DB Fernverkehr tatsächlich verkehren kann.
„Die Wettbewerberklausel gilt nur, wenn das Unternehmen vertaktete Verkehre anbietet“, teilte die Netzagentur mit. „Das bedeutet im Grundsatz, dass die Verbindung mindestens viermal täglich in zweistündigem Abstand zur gleichen Minute angeboten wird.“
Außerdem will die BNetzA die InfraGo dazu verpflichten, auch in den Bahnhöfen Platz für Wettbewerber zu machen und dort Flächen „nach objektiven und nichtdiskriminierenden Kriterien zu vergeben“.

Was bedeutet die Entscheidung für die Fahrgäste?

Mit der neuen Wettbewerbsklausel sollen Konkurrenten es einfacher haben, gegen die Bahn im Fernverkehr anzutreten. Die Bundesnetzagentur erhofft sich davon niedrigere Ticketpreise und mehr Qualität für Reisende im Fernverkehr, weil das in der Regel eine Folge von mehr Wettbewerb ist.
Doch die Bahn sieht das anders. Sie hat bereits angekündigt, weniger stark nachgefragte Fernverkehrsanbindungen in der Fläche reduzieren zu müssen, sollte sie auf den Rennstrecken Trassen verlieren. Denn dort verdiene der Konzern das Geld, mit dem er die Verbindungen in der Fläche finanziere.
Die InfraGo weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass die neuen Regelungen nicht flächendeckend, sondern nur für ohnehin stark frequentierte Abschnitte gälten.
„Mit dieser Regel würden auf hochbelasteten Strecken immer mindestens zwei Anbieter von Schienenpersonenfernverkehr Trassen erhalten“, teilte die Bahn mit. „Die geplante Regelung würde damit das strukturelle Problem von Knoten und Kapazität verschärfen.“

Bringt mehr Wettbewerb auch mehr Pünktlichkeit?

Das ist unwahrscheinlich. Die Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn liegt vor allem am maroden und an vielen Stellen überlasteten Schienennetz.
Staus in den Knoten und Tausende neue Baustellen jährlich bremsen alle Verkehrsarten auf der Schiene aus. Auch ein neuer Wettbewerber wie Italo wird da wenig ausrichten können.

Was ist der Hintergrund der Entscheidung?

Hintergrund der Entscheidung ist der geplante Einstieg des italienischen Zugunternehmens Italo in den deutschen Fernverkehrsmarkt. Die Pläne sehen vor, zunächst die Strecken München-Frankfurt-Köln-Dortmund im Stundentakt und München-Berlin-Hamburg alle zwei Stunden zu fahren.
Italo will dafür 30 Hochgeschwindigkeitszüge für 56 tägliche Zugverbindungen ab dem Frühjahr 2028 auf die Gleise schicken.
Damit sich die Investition lohnt, will Italo die Wettbewerbsbedingungen ändern und hat dafür die Bundesnetzagentur angerufen. Entsprechend positiv äußerte sich das Unternehmen nun zu der Entscheidung.
„Sie sendet ein klares Signal, dass Deutschland bereit ist für echten Wettbewerb im Hochgeschwindigkeitsverkehr zum Nutzen aller Fahrgäste“, teilte Italo mit.
Neben dem Münchner Verkehrsunternehmen Flix wären die Italiener der zweite nennenswerte Wettbewerber der Deutschen Bahn im Fernverkehr. Auch Flix hat für 2028 eine neue Offensive mit zusätzlichen Zügen und neuen Verbindungen angekündigt.

Wie geht es jetzt weiter?

Bei dem Beschluss der Bundesnetzagentur handelt es sich noch um einen Entwurf. Dieser wird nun dem Eisenbahninfrastrukturbeirat zugeleitet, der dazu angehört wird.
In zwei Wochen soll dann die finale Entscheidung fallen. Die neuen Regeln muss die InfraGo dann bei der Trassenvergabe für das Jahr 2028 anwenden.

Was sagt die Branche?

Nicht nur die Deutsche Bahn, auch andere Akteure der Branche haben sich gegen einen Markteintritt von Italo ausgesprochen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG etwa teilt die Befürchtung der Bahn, dass mit mehr Wettbewerbern die Anbindung in der Fäche bedroht ist.
Die Aufgabenträger im Schienenpersonennahverkehr wiederum fürchten, dass der Regionalverkehr auf der Schiene auf bestimmten Abschnitten das Nachsehen hat, die auf den hochbelasteten Korridoren liegen. (dpa/red)
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Italienischer Mafiaboss „Don Mico“ in Spanien gefasst

Die spanische Polizei hat einen mutmaßlich hochrangigen italienischen Mafia-Boss gefasst. Der Mann gelte als Chef eines Clans der mächtigen Verbrecherorganisation ‚Ndrangheta, die in Kalabrien im Süden Italiens beheimatet ist, teilte die Nationalpolizei mit. Der Italiener sei in Soria rund 200 Kilometer nordöstlich von Madrid festgenommen worden. Nach einer Mitteilung der zuständigen italienischen Staatsanwaltschaft von Reggio Calabria handelt es sich um den berüchtigten Mafiaboss Domenico Paviglianiti – genannt „Don Mico“.
Gegen den Mann, dessen Identität von der spanischen Polizei zunächst nur mit den Initialen DP angegeben wurde, lag seit Juli 2022 ein Europäischer Haftbefehl vor. Die italienische Justiz werfe ihm unter anderem Gewaltdelikte, Drogenhandel und Geldwäsche vor, hieß es in der Mitteilung der spanischen Nationalpolizei. Ihm drohe eine 19-jährige Haftstrafe. Der Zugriff war nach Polizeiangaben das Ergebnis monatelanger Ermittlungen in Zusammenarbeit mit den italienischen Behörden.
Auf einem von der „Policía Nacional“ auf X veröffentlichten Video ist zu sehen, wie der Mann mit auf dem Rücken gefesselten Händen in einen Transporter gebracht wird. Er leistet dabei keinen Widerstand.
„In den kommenden Tagen werden die Verfahren für seine Überstellung nach Italien eingeleitet, wo er die gegen ihn verhängte Freiheitsstrafe verbüßen muss“, heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft von Reggio Calabria.

Bereits mehrfach in Spanien festgenommen

Nach spanischen Medienberichten handelt es sich bei dem Mann um einen 65-Jährigen, der in Italien zu den meistgesuchten Kriminellen gehört. Er sei bereits zum dritten Mal in Spanien festgenommen worden. Bereits 1996 sei er im Zuge einer internationalen Anti-Mafia-Operation gefasst und 1999 an Italien ausgeliefert worden, berichteten die Zeitungen „El Mundo“ und „El País“.
Dort verbüßte der Mann eine rund 20-jährige Haftstrafe, bevor er nach einem Berechnungsfehler bei der Reststrafe vorzeitig entlassen wurde. Anschließend entzog er sich der italienischen Justiz. 2021 wurde er in Madrid erneut festgenommen, später jedoch wegen abgelaufener Haftfristen wieder freigelassen.

Ein unauffälliges Leben in der Provinz

Laut „El Mundo“ führte „Don Mico“ in seinem Versteck in der beschaulichen und besonders stark unter der Abwanderung junger Menschen leidenden 40.000-Einwohner-Gemeinde Soria in den vergangenen Jahren zwar ein unauffälliges Leben. Er soll aber von einem Leibwächter beschützt worden sein.
Die ‚Ndrangheta gilt als eine der mächtigsten und gefährlichsten Mafiaorganisationen der Welt. Den Medienberichten zufolge spielte DP in den 1980ern und Anfang der 1990er Jahre eine bedeutende Rolle im sogenannten zweiten ‚Ndrangheta-Krieg, einem blutigen Machtkampf rivalisierender Clans in Kalabrien, bei dem rund 700 Menschen getötet wurden. (dpa/red)
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Ehepaar und kleine Tochter in Rom mit Machete getötet

Eheleute und ihre kleine Tochter sind in ihrer Wohnung in Rom mit einer Machete umgebracht worden. Nur der älteste Sohn der Familie aus Bangladesch habe sich schwer verletzt retten können, berichtete die italienische Zeitung „La Repubblica“. Er werde in einem Krankenhaus behandelt, sei aber nicht in Lebensgefahr.
Aufgrund seiner Angaben fahnde die Polizei mit einem Großaufgebot nach einem Verdächtigen, bei dem es sich um einen Bekannten der Familie handeln soll, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete.
Das Motiv der Bluttat war zunächst unklar. Der Täter könne von der ermordeten Frau besessen gewesen sein oder die Tat habe etwas mit dem 20-jährigen Sohn zu tun, schrieb die Zeitung. Nachbarn der Wohnung im Stadtteil Pineta Sacchetti im Nordwesten Roms hätten von einem lautstarken Streit kurz vor dem Angriff mit der Machete berichtet. (dpa/red)
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80 Jahre Vespa: Rom feiert Kultroller mit Parade

Mit einer großen Vespa-Parade ist in Rom der 80. Geburtstag des italienischen Kult-Motorrollers gefeiert worden. Bei hochsommerlichen Temperaturen fuhren zahlreiche Fans aus aller Welt auf ihren Vespas durch die italienische Hauptstadt. Die Route führte unter anderem am Kolosseum und den Kaiserforen vorbei. Zu der Parade wurden Zehntausende Teilnehmer erwartet.
Die mehrtägigen Feierlichkeiten zum Jubiläum der Vespa hatten bereits am Donnerstag begonnen. Im Norden Roms war dafür ein Vespa Village eingerichtet worden, in dem sich Fans und Mitglieder von Vespa-Clubs aus aller Welt trafen. Dort fanden Ausstellungen und Treffen der Teilnehmer statt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt

1946 rollten im Stammwerk des Herstellers Piaggio im toskanischen Pontedera die ersten Modelle vom Band. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Vespa als günstiges Fortbewegungsmittel für die breite Masse entwickelt. Sie entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem Kultfahrzeug. Seit Produktionsbeginn wurden laut Piaggio fast 20 Millionen Exemplare verkauft.
Angemeldet für die Parade waren mehr als 60 Vespa-Clubs aus aller Welt. Auch deutsche „vespisti“ – so nennen sich Vespa-Liebhaber – sollten dabei sein. Etwa 600 bis 800 offiziell angemeldete Fans aus Deutschland hatten zuvor ihre Teilnahme bestätigt, auch zahlreiche Fans ohne Vespa wollten nach Rom reisen.

Audrey Hepburn flitzte auf der Vespa durch Rom

Für Italien gilt die Vespa als Nationalsymbol. Im Ausland ist der Zweirad-Roller auch sehr beliebt. Für viele gilt er als Inbegriff italienischen Lebensgefühls. Zur internationalen Bekanntheit verholfen hat auch das Kino: Im Film „Ein Herz und eine Krone“ flitzten Audrey Hepburn und Gregory Peck 1953 auf der Vespa durch Rom. Auch in anderen Produktionen kam die Vespa später vor. (dpa/red)
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E5-Spitzentreffen im Kanzleramt: Merz wirbt für starken NATO-Gipfel

In Zusammenarbeit mit großen europäischen Partnerländern will Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den bevorstehenden NATO-Gipfel in Ankara zu einem Erfolg machen.
Ein erfolgreicher Verlauf des NATO-Gipfels „dient unserer Sicherheit in gefährlichen Zeiten“, sagte Merz am Mittwochabend, 24. Juni, bei einem Treffen mit den Staats- und Regierungschefs der sogenannten E5-Gruppe im Berliner Bundeskanzleramt.
Merz empfing den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, Polens Regierungschef Donald Tusk, Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und den britischen Premierminister Keir Starmer im Kanzleramt.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der am Mittwoch US-Präsident Donald Trump in Washington trifft, nahm per Video-Schaltung an der Arbeitssitzung teil. Merz wollte US-Präsident Trump und den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan nach eigenen Worten über die Ergebnisse der G5-Beratungen unterrichten.

E5 bekräftigen Unterstützung für NATO

Mit dem Treffen in Berlin wollten die E5-Staaten „fünf Botschaften“ setzen, sagte der Kanzler.
Erstens stünden sie für den Zusammenhalt einer starken NATO. Zweitens wollten sie die Allianz „erneuern“, ihren europäischen Pfeiler stärken und dabei massiv in die eigene Verteidigung investieren. Drittens wollten die E5-Staaten laut Merz mit ihrem Treffen betonen, dass die NATO in Verteidigungsfragen eng zusammenarbeite.
„Nationale Alleingänge in unserer Verteidigungspolitik wären ein Irrweg“, sagte der Kanzler. „Wir wollen mehr Zusammenarbeit, transatlantisch und europäisch.“
Für Deutschland leite sich diese Einbindung „aus unserer Geschichte, unserer Geografie und unserem Grundgesetz ab“, sagte Merz. „Unsere Nachbarn sollen sich sicherer fühlen, wenn Deutschland stärker wird. Deshalb wollen wir Deutschland, seine Streitkräfte und seine Verteidigungsindustrie fest in der Allianz und in Europa verankern.“

Ukraine-Hilfe hat weiter Priorität

Viertens solle der NATO-Gipfel nach dem Willen der E5 „ein starkes Zeichen der Unterstützung für die Ukraine setzen“, sagte Merz. „Die Bundesregierung schlägt vor, dass wir Kiew als europäische NATO-Alliierte eine starke Finanzierungszusage geben. Die Botschaft an Russland lautet: Die Ukraine bleibt stark.“ Moskau müsse daraus Schlüsse ziehen: „Es wird Zeit, in Friedensgespräche einzutreten.“
Fünftens wollten die E5-Treffen begrüßen, dass sich die Vereinigten Staaten und Iran über ein Rahmenabkommen geeinigt haben, sagte Merz. Die Folgeverhandlungen in der Schweiz würden von den E5-Staaten unterstützt.
Der NATO-Gipfel findet am 7. und 8. Juli in der türkischen Hauptstadt Ankara statt. Dazu werden die Staats- und Regierungschefs der 32 NATO-Mitgliedstaaten erwartet. (afp/red)
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Auf Einladung von Merz: Europäer stimmen sich vor NATO-Gipfel ab

Zwei Wochen vor dem NATO-Gipfel in der Türkei stimmen sich die Staats- und Regierungschefs fünf europäischer Mitgliedstaaten in Berlin ab.
Bei dem Treffen auf Einladung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wird es um die weitere Unterstützung der Ukraine, die Rolle der Europäer bei der Lösung des Iran-Konflikts und die Lastenverteilung zwischen den NATO-Staaten gehen.
Es ist das erste Spitzentreffen der E5-Staaten seit dem bislang letzten NATO-Gipfel im Juni 2025 in Den Haag. Damals war auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dabei. Die Gruppe besteht aus den vier europäischen G7-Ländern und Polen, das an Russland grenzt und sich als Interessenvertreter der osteuropäischen Staaten versteht.

E3 oder E5?

Die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Ukrainekriegs werden bisher von einer kleineren Gruppe, der E3, im Namen der Europäer vorangetrieben. Ihr gehören nur Deutschland, Frankreich und Großbritannien an, was auf Kritik bei Italien und Polen stößt. Das dürfte in Berlin Thema werden.
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk besteht darauf, dass Polen mit am Tisch sitzt. „Polen ist ein absolut unverzichtbares Bindeglied, um ernsthaft über die Zukunft der Ukraine und der Region zu sprechen“, sagte er vor zwei Wochen laut der Nachrichtenagentur PAP.
Wer in Sachen Ukraine für Europa spricht, ist seit einiger Zeit Streitthema. Beim EU-Gipfel in Brüssel sorgte vergangene Woche EU-Ratspräsident António Costa für Aufsehen, weil sein Team unabgesprochen Kontakt zu Russland aufgenommen hatte. Von einigen EU-Staaten wie Irland und Österreich bekam er Unterstützung dafür. Die deutsche Delegation sah die Initiative dagegen als Affront gegen die E3.

Starmer trotz Rücktritts dabei

Neben Tusk, dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni reist auch der britische Premierminister Keir Starmer nach Berlin, der seinen Rücktritt angekündigt hat.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte wird aus Washington zugeschaltet, wo er sich anschließend mit US-Präsident Donald Trump trifft. Die USA erwarten von den Europäern, mehr für die Bündnisverteidigung zu tun. Gleichzeitig sind sie verärgert über aus ihrer Sicht mangelnde Unterstützung der Verbündeten im Irankrieg.
Staaten wie Frankreich, Großbritannien und Deutschland wollen das kompensieren, indem sie bei einer anhaltenden Waffenruhe mit Minenjagdbooten und Kriegsschiffen für mehr Sicherheit in der Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman, der Straße von Hormus, sorgen wollen.
Rutte versuchte vor seinem Treffen mit Trump, die Wogen zu glätten. „Was die NATO angeht, weiß ich, dass es Enttäuschung gibt, aber wir sollten auch bedenken, dass es sich hierbei um Einzelfälle handelt“, sagte er dem US-Sender Fox News. (dpa/red)
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Kleinunternehmer kürzen Gehalt, statt Kredit aufzunehmen

Wenn das Geld knapp wird, schnallen Kleinunternehmer in Deutschland und anderen europäischen Ländern lieber den eigenen Gürtel enger, anstatt sich frisches Kapital von außen zu besorgen.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Finanzdienstleisters Qonto. Für diese befragte das Institut im Frühjahr 2026 knapp 1.700 Firmeninhaber in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien.

Der persönliche Preis für die Unabhängigkeit

Fast die Hälfte (46 Prozent) der Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmen hat in den vergangenen zwölf Monaten das eigene Gehalt gekürzt oder gar komplett ausgesetzt, um den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten.
Deutschland liegt bei diesem Wert exakt im Durchschnitt. Besonders hart trifft es Gründer in der Anfangsphase. Bei Unternehmen, die erst sechs bis zwölf Monate am Markt sind, klettert dieser Anteil auf 71 Prozent.
45 Prozent der befragten europäischen Unternehmen haben noch nie auf eine externe Finanzierung zurückgegriffen. In Deutschland und Spanien ist dieser „Abstinenzwert“ mit jeweils 50 Prozent am höchsten.

Schulden gelten als Makel

Die Finanzierungslücke sei nicht nur auf mangelnde Angebote zurückzuführen, sondern habe tiefgreifende kulturelle und psychologische Ursachen. In der Studie heißt es: „Schulden sind oft mit Scham besetzt und gelten als Makel.“
Der Untersuchung zufolge sehen 36 Prozent der Kleinunternehmer die Aufnahme von Fremdkapital als klares Zeichen für eine schlechte finanzielle Unternehmensführung an. In Deutschland beträgt dieser Wert 27 Prozent, in Frankreich ist er mit 41 Prozent am höchsten.
Bei der Vermeidung des Kredits spielt die Angst vor Kontrollverlust eine wesentliche Rolle. Ein Drittel der Befragten (33 Prozent) fürchtet, durch externe Geldgeber in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt zu werden.
Dahinter verbirgt sich ein starkes Unabhängigkeitsstreben. 77 Prozent der Befragten sagen, wie stolz sie darauf seien, ihr Unternehmen gänzlich ohne Hilfe von außen zu führen.
In Deutschland geben 62 Prozent der Unternehmen ohne Finanzierung schlichtweg an, keinen Bedarf für Kredite zu sehen – der höchste Wert im Vergleich der vier EU-Länder. (dpa/red)
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Geheimes Netzwerk „Dialog“: Datenleck enthüllt Teilnehmerliste


In Kürze:

  • Datenleck veröffentlicht 222 Teilnehmer eines geheimen Netzwerks
  • Unter den Gästen: Militärs, US-Politiker und Tech-Investoren
  • Diskussionen drehen sich um KI, Zukunftstechnologien und Gesellschaft

 

Ein geheimes Treffen einflussreicher Persönlichkeiten aus Politik, Militär und Tech-Branche ist durch ein Datenleck öffentlich geworden. Dabei wurden erstmals umfangreiche Teilnehmerlisten des Netzwerks „Dialog“ bekannt.

2006 gehörte der Tech-Milliardär und Investor Peter Thiel zu den Mitbegründern des Netzwerks. Wer an den alljährlichen Treffen teilnahm, blieb stets geheim. Nun ist dank eines Datenlecks die Teilnehmerliste öffentlich geworden, wie zuerst das amerikanische Magazin WIRED berichtete.

Insgesamt sind 222 Namen aufgetaucht, die an den Treffen beteiligt waren, was laut Bericht auf eine außergewöhnliche Konzentration von Macht hinweist.

Jens Spahn war bisher fünfmal dabei

So ist General Alexus Grynkewich, seit Juli 2025 Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa und Chef des US-Europakommandos, seit 2021 regelmäßig bei den Treffen dabei. Neben zwei US-Senatoren und einem ehemaligen Geheimdienstchef für den Nahen Osten stehen auch sechs Mitglieder der sogenannten „PayPal-Mafia“ auf der Liste. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk aus ehemaligen Gründern und Mitarbeitern des Zahlungsdienstleisters PayPal, die später einflussreiche Investoren wurden. Thiel gehört dazu, ebenso Elon Musk.
Mit dem Unionsfraktionsvorsitzenden Jens Spahn taucht auch ein deutscher Politiker immer wieder auf den Gästelisten auf. Sein Büro bestätigte die Teilnahme und erklärte, Spahn nehme regelmäßig „an unterschiedlichen nationalen und internationalen Konferenzen und Veranstaltungen teil“. Ihm sei der Austausch „unterschiedlicher Perspektiven“ stets wichtig. Zudem trete er auf Einladung als Redner oder „Panel-Diskutant“ auf.
Der CDU-Politiker war während seiner Amtszeit als Bundesgesundheitsminister 2018 in Irland sowie 2019 in Italien bei den Treffen dabei. Auch in den Jahren 2022 bis 2024, als die Treffen in Irland, Portugal und Deutschland stattfanden, stand Spahn auf der Gästeliste. Für das Treffen im August in Irland habe er ebenfalls eine Einladung erhalten, werde jedoch nicht teilnehmen.
Was die Teilnehmer verbindet, ist laut WIRED die Beschäftigung mit Themen wie Künstlicher Intelligenz, Langlebigkeit und der nahen Zukunft. In Anmeldeformularen tauchte dabei immer wieder die Erwartung auf, dass KI Arbeit, Kriege, Bildung und Glauben innerhalb weniger Jahre grundlegend verändern werde.

Zwischen KI-Zukunft und Partnervermittlung: Visionen und Funktionen des Netzwerks

Einige prophezeien Massenentlassungen und eine Rückkehr zu Gewerkschaften und staatlichen Programmen. Andere erwarten einen starken Einbruch bei der Weiterentwicklung Künstlicher Intelligenz („KI-Winter“), Terroranschläge auf Rechenzentren, Angeklagte, die sich künftig für KI-Anwälte statt für Pflichtverteidiger entscheiden oder eine durch die Umwälzungen ausgelöste religiöse Erneuerung.
Das Netzwerk „Dialog“ fungiert auch als Partnervermittler. In der Teilnahmefunktion werden registrierte Nutzer gefragt, ob sie „auf der Suche nach Liebe“ sind, und können als „Single Mann“, „Single Frau“ oder „Andere“ für eine künftige Partnervermittlung registriert werden. Auf einer separaten Internetseite – dating.dialog.org – wird zudem eine App angeboten, die „bedeutungsvolle Verbindungen für außergewöhnliche Menschen“ verspricht.
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Unicredit sichert sich mehr als 39 Prozent an der Commerzbank

Die italienische Großbank Unicredit hat ihren Anteil an der Commerzbank trotz eines als unattraktiv bewerteten Angebots deutlich erhöht. Commerzbank-Anteilseigner boten der Unicredit seit Anfang Mai 12,51 Prozent der Aktien der Commerzbank an, wie die italienische Bank am Freitag mitteilte. Damit hat sie sich einen Anteil von insgesamt 39,28 Prozent gesichert.
Die Unicredit kauft bereits sei Ende 2024 im großen Stil Anteile an der Commerzbank und strebt eine Übernahme an – bis Anfang Mai besaß sie 26,77 Prozent der Anteile. Dann legte Unicredit ein freiwilliges Angebot für Commerzbank-Aktien vor, wobei sie eigene Aktien zum Tausch anbot.
Für die Aktionäre war es finanziell eher unattraktiv, der Preis lag größtenteils unter dem Aktienkurs der Commerzbank. Dennoch gingen auf dieses Angebot Anteilseigner mit 12,51 Prozent der Anteile ein. Es wurde bis 3. Juli Mitternacht verlängert.
Das Ergebnis will die Unicredit am 8. Juli bekanntgeben. Die italienische Bank besitzt außerdem Finanzinstrumente in Höhe von 3,22 Prozent, die sie in Commerzbank-Aktien umwandeln kann, und Derivate in Höhe von 13,19 Prozent.
Die Unicredit will das internationale Netzwerk der Commerzbank, das als zu komplex und ineffizient gilt, verkleinern und die Bank wieder stärker auf ihr Deutschlandgeschäft ausrichten. Die Commerzbank-Führung und die Bundesregierung, die zweitgrößter Anteilseigner der Bank ist, lehnen die Übernahme vehement ab.
Der Übernahmekampf war in den vergangenen Tagen eskaliert – die Commerzbank warf Unicredit vor, die angebotenen Aktien stammten überwiegend von Banken, die mit der Unicredit zusammenarbeiten, und schaltete die Finanzaufsicht Bafin ein.
Der Betriebsrat erstattete Strafanzeige „wegen des Verdachts der Marktmanipulation und Irreführung“. Die Unicredit ihrerseits drohte, bei einer Übernahme den Aufsichtsrat der Commerzbank auszutauschen, in dem auch zwei Vertreter des Bundes sitzen. (afp/red)
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G7-Länder streben Obergrenze für Importe seltener Erden aus China an

Um das Risiko der Erpressbarkeit durch Länder wie China zu verringern, wollen die G7-Staaten Obergrenzen für die Einfuhr bestimmter Rohstoffe erreichen.
Ziel sei es, die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten außerhalb der G7 und ihrer Partnerländer bei seltenen Erden und Permanentmagneten bis 2030 auf unter 60 Prozent zu senken, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung beim G7-Gipfel im französischen Évian. Anschließend solle schnellstmöglich auf die Zielmarke von 50 Prozent hingearbeitet werden.
China – bei vielen dieser Rohstoffe beherrscht das Land den Weltmarkt – wurde nicht ausdrücklich in der Erklärung erwähnt.
Seltene Erden und leistungsstarke Magnete werden etwa in der Industrie sowie der Hightech- und Rüstungsbranche benötigt. Seltene Erden stecken in Bildschirmen von Smartphones oder Fernsehern, aber auch in den Antrieben für Elektromotoren, Halbleitern oder Turbinen.

China hat Exportkontrollen

China hatte im April 2025 Exportkontrollen verhängt. Die Maßnahme wurde als Vergeltungsmaßnahme für die Zoll-Politik von US-Präsident Donald Trump verstanden, die China besonders stark traf.
Offiziell begründet China das Vorgehen damit, dass diese Rohstoffe sogenannte Güter mit doppeltem Verwendungszweck seien – also sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können.
Insgesamt gibt es 17 Metalle, die wegen ihrer chemischen Zusammensetzung in der Gruppe der seltenen Erden zusammengefasst sind. Seltene Erden sind, anders als ihr Name vermuten lässt, nicht unbedingt selten. Die Herausforderung beim Abbau ist, diese in ausreichend hoher Konzentration zu finden und möglichst kostengünstig zu fördern.

China ist Spezialist bei der Förderung

In China kommen die Bodenschätze häufig vor. Das Land hat sich auf die Gewinnung spezialisiert und durch sein günstiges Angebot auf dem Weltmarkt nahezu ein Monopol aufgebaut. Daneben produzieren auch Brasilien, Indien oder Australien seltene Erden.
In der Europäischen Union gilt schon ein Gesetz zum Thema Rohstoffe. Es nennt sowohl kritische als auch strategische Rohstoffe, die für grüne und digitale Technologien sowie für die Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie essenziell sind.
Die EU soll demnach spätestens 2030 nicht mehr als 65 Prozent ihres jährlichen Bedarfs an einem strategischen Rohstoff in jedem relevanten Verarbeitungsstadium aus einem einzigen Nicht-EU-Land beziehen.
Aus EU-Kreisen hieß es, die EU werde ihre Gesetzgebung vermutlich nicht überarbeiten müssen, da die G7-Einigung nur einen deutlich engeren Bereich als die Gesamtheit der kritischen Rohstoffe betreffe. Zudem: Die G7-Ziele seien nicht verbindlich. (dpa/red)
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G7-Sanktionen gegen Russland – Macron spricht von „strategischem Erwachen“

Die USA und die anderen G7-Staaten wollen mit zusätzlichem Druck auf Russland die Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Krieges intensivieren.
In einer Erklärung der Staats- und Regierungschefs vom Gipfeltreffen im französischen Évian heißt es, man werde die Sanktionen verschärfen, auch im Öl- und Gassektor. Zudem habe man vereinbart, die Lieferung von weitreichenden Waffen und Luftverteidigungskapazitäten auszuweiten.

Macron spricht von „strategischem Erwachen“

Mit dem Ausbau der Unterstützung soll nach Angaben der G7 die neue Dynamik unterstützt werden, die in den vergangenen Monaten durch ukrainische Fortschritte an der Front entstanden ist. Zudem wird von einem „richtigen Zeitpunkt“ nach dem US-Deal mit dem Iran zur Wiederöffnung der Straße von Hormus gesprochen.
Neben zusätzlichen Waffen versprechen die G7-Staaten der Ukraine in der Erklärung auch zusätzliche Unterstützung, um den kommenden Winter zu bewältigen. Darüber hinaus sichern sie dem Land zu, die Vergabe von Lizenzen für eine Steigerung der militärischen Produktion zu prüfen.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete den Gipfel als „Moment des strategischen Erwachens“. Gemeinsam hätten sich die USA, Kanada, Japan und die Europäer dazu entschlossen, der Ukraine zur Seite zu stehen, sagte er in einer Ansprache auf Instagram.

Merz ist optimistisch, es gebe eine „Chance auf Frieden“

Bereits vor der Veröffentlichung des Textes hatten sich Gipfelteilnehmer wie Bundeskanzler Friedrich Merz sehr zufrieden mit den Gesprächen zum Ukrainekrieg gezeigt. Zum Auftreten von US-Präsident Donald Trump sagte Merz, er habe diesen „sehr kooperativ gesehen“.
Deswegen sei er zu einem gewissen Grad optimistisch, dass Europäer und Amerikaner nun zusammen alles unternehmen, um den Krieg zu beenden. Der Kanzler sprach von einem „Tag der Hoffnung“ und sagte zur aktuellen Lage der Ukraine: „Das kann vielleicht erstmals eine Chance auf einen Frieden eröffnen.“
Neben Trump und Merz nahmen an den Beratungen bei dem G7-Gipfel führender westlicher Demokratien in Frankreich die Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan sowie die EU-Spitzen teil. Der ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj war als Gast eingeladen. (dpa/red)
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Trassenstreit im Fernverkehr: Italo lehnt Start-Verschiebung in Deutschland ab

Frankfurt/Berlin: Der italienische Fernverkehrs-Anbieter Italo drängt auf einen zeitnahen Markteintritt in Deutschland und lehnt Verzögerungen ab. Vorstandschef Gianbattista La Rocca wies Vorschläge zurück, den für 2028 geplanten Start des privaten ICE-Konkurrenten wegen ungeklärter Trassenfragen um drei Jahre zu verschieben.
Gegenüber dem Handelsblatt betonte er, dass das Unternehmen bereits seit über 15 Monaten an den Plänen arbeite, eine deutsche Gesellschaft gegründet und mehr als 25 Millionen Euro investiert habe.

Ultimatum bis Ende Juni wegen Siemens-Zügen

Der Kern des Streits liegt in der geforderten Planungssicherheit. Italo verlangt von der Bundesnetzagentur eine verbindliche Trassenzusage für zehn bis fünfzehn Jahre.
Bislang vergibt die Deutsche Bahn bzw. die Infrastrukturtochter DB InfraGO Schienenwege weitgehend im jährlichen Turnus. Für private Investoren stellt dies ein erhebliches wirtschaftliches Risiko dar.
Die Entscheidung drängt: Italo fordert eine Klärung bis Ende Juni. Grund dafür sind Vorverträge mit dem Hersteller Siemens für den Bau der Hochgeschwindigkeitszüge.
Da sich das Produktionsfenster im Werk demnächst schließt, wurde die Fertigung bereits um zehn Monate aufgeschoben. Jede weitere Verzögerung gefährde das gesamte Vorhaben bezüglich Zeitplan, Kosten und Strategie.

Deutsche Bahn verweist auf EU-Reformen

Seitens der Deutschen Bahn wird das Vorhaben des neuen Konkurrenten zurückhaltend kommentiert. Aus dem Staatskonzern verlautete, dass die europäische Trassenvergabe im Jahr 2031 ohnehin grundlegend reformiert werde.
Es sei daher fraglich, kurz vor diesem Termin ein neues Vergabemodell einzuführen. Italo will den Druck auf die deutschen Regulierungsbehörden nun erhöhen, um einen rechtzeitigen Start zu sichern. (dts/red)
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Die Mächtigsten der Welt wollen die globale wirtschaftliche Zusammenarbeit vorantreiben


In Kürze:

  • Évian ist zum zweiten Mal Schauplatz eines Gipfels der Mächtigsten der Welt
  • Krieg und wirtschaftliche Zusammenarbeit sind Hauptthemen der Gespräche
  • Fast 20.000 Sicherheitskräfte sollen den Schutz der Teilnehmer gewährleisten
  • Tausende bei Protesten gegen G-7-Gipfel in Genf
  • Schweiz beklagt hohe Sicherheitskosten

 
Präsident Donald Trump will am Montagnachmittag im französischen Évian eintreffen, um am G-7-Gipfel teilzunehmen. Das teilte das Weiße Haus mit. Demnach sind dort auch gesonderte Treffen mit führenden Politikern aus dem Nahen Osten geplant.

Trump will weltweites Wirtschaftswachstum fördern

Die Gespräche finden zu einem Zeitpunkt statt, an dem die USA und der Iran – unter Vermittlung Pakistans – offenbar Fortschritte bei der Finalisierung eines Friedensabkommens erzielen, schreibt die englischsprachige Epoch Times. Dieses sieht auch vor, dass der Iran in den kommenden Tagen sein Nuklearmaterial übergibt.
Zur Sprache sollen hochrangigen Regierungsvertretern zufolge auch der Ukraine-Krieg und das Friedensabkommen für den Gazastreifen kommen. Außerdem sind Gespräche zwischen dem Libanon und Israel vorgesehen.
Trump, der am 14. Juni, seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, trifft am Montagabend zunächst mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zwecks bilateraler Gespräche zusammen. Anschließend wird er sich den übrigen G7-Staats- und Regierungschefs für die offizielle Begrüßung und das Arbeitsessen anschließen.
Bilaterale Gespräche mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sind nicht geplant, wenngleich die beiden Staats- und Regierungschefs am Rande des Gipfels zusammentreffen könnten.

Drei Tage werden die Staats- und Regierungschefs am Genfer See tagen.

Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

Den Nachmittag sowie den Mittwochvormittag wird Trump anschließend mit den Staats- und Regierungschefs der G7 sowie mit Partnerländern verbringen. Zu den G7 gehören neben den USA Großbritannien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien und Japan. Im Mittelpunkt steht dabei die Beratung über für beide Seiten vorteilhafte internationale Investitionspartnerschaften. Dabei wird der US-Präsident die führenden Industrienationen voraussichtlich dazu aufrufen, weltweites Wirtschaftswachstum „durch den Abbau bürokratischer Hürden und ein reichhaltiges Energieangebot“ zu fördern, wie ein hochrangiger Regierungsvertreter mitteilte.
Dazu kommen Themen wie die Förderung von Innovationen und die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten sowie ein verstärktes Vorgehen gegen illegale Einwanderung und Drogenschmuggel. Zudem wird er unter anderem für den Einsatz von KI-Technologien werben, bei deren Entwicklung die USA weltweit führend sind.
Macron hat insgesamt 16 Nationen zur Teilnahme an dem Gipfel eingeladen.

Macron für ausgewogenere Volkswirtschaften

Am letzten Tag des Gipfels will Trump zu bilateralen Gesprächen mit dem ägyptischen Präsidenten Abd al-Fattah al-Sisi und dem indischen Premierminister Narendra Modi zusammentreffen. Mit Letzterem sind Gespräche über ein möglicherweise kurz vor dem Abschluss stehenden bilateralen Handelsabkommen vorgesehen.
Frankreich hatte im Vorfeld des Gipfels erklärt, dass es die Diskussion über globale wirtschaftliche Zusammenarbeit vorantreiben wolle. Damit setzt das Land seine Bemühungen fort, „eine starke industrielle Basis in Europa wiederherzustellen und den Handel sowohl mit China als auch mit den Vereinigten Staaten ins Gleichgewicht zu bringen“. Macron erklärte in einem Beitrag auf X:
„Indem wir ausgewogenere Volkswirtschaften aufbauen, schaffen wir die Voraussetzungen für nachhaltiges, stabiles und gemeinsames Wachstum.“
Ein US-Regierungsvertreter äußerte sich am Samstag gegenüber Reportern und bezeichnete es als sehr klug und angemessen, dass Frankreich das Thema der globalen Ungleichgewichte auf die G7-Agenda gesetzt habe. Dies sei ein Aspekt, bei dessen Bewältigung Trump seit Jahren weltweit vorangegangen sei – zeitweise sogar im Alleingang.
Die USA seien bereit, mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten, um die globalen Handelsungleichgewichte zu beheben. Diese würden vor allem durch Länder mit großen Überschüssen wie China, aber auch durch die Europäische Union verursacht, in die US-Produktionskapazitäten verlagert worden waren, bevor Trump nach seinem Amtsantritt Druck ausgeübt hatte.

Höchste Sicherheitsvorkehrungen

Nach dem Gipfel wird Trump am Mittwochabend an einem Abendessen mit Macron im Schloss von Versailles bei Paris teilnehmen, um den 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeit zu würdigen, bevor er nach Washington zurückkehrt. Die USA werden am 1. Januar 2027 die rotierende G7-Präsidentschaft übernehmen.
Kurz vor Beginn des G-7-Gipfels in Frankreich hat es am Sonntag im schweizerischen Genf eine Großdemonstration gegen den G-7-Gipfel gegeben. Unter Berufung auf Polizeiangaben berichtet die „Tagesschau“ von bis zu 50.000 Teilnehmern, die gegen die Politik der sieben mächtigen Industrienationen auf die Straße gingen. Zur Koalition der G7-Gegner zählen unter anderem propalästinensische und antikapitalistische Aktivisten, berichten Agenturen.
Mehrere Nichtregierungsorganisationen prangern das Fehlen international bedeutender Themen beim G-7-Gipfel an. Dazu gehöre der Kampf gegen die Folgen des Klimawandels oder die Solidarität mit Entwicklungsländern. Auch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und die extreme Konzentration des Reichtums stünden nicht auf der Tagesordnung, kritisieren sie.
 

2003 waren Gerhard Schröder (r.) und Frankreichs Präsident Jacques Chirac vereint mit ihrem „Nein“ gegen den Irakkrieg.

Foto: GERARD FOUET/AFP/Getty Images

Schweiz trägt Sicherheitsrisiko

Die Proteste finden in Genf statt, weil dort ab Montag die Staats- und Regierungschefs der G7-Mitgliedsländer und der fünf Gaststaaten eintreffen. Von Genf in der Schweiz bis zum französischen Évian-les-Bains am französischen Südufer des Genfer Sees sind es knapp 45 Kilometer. Die Schweiz, die offiziell nicht am Gipfel teilnimmt, muss trotzdem hohe Sicherheitskosten aufbringen. Auf französischer Seite sind etwa 16.000 Sicherheitskräfte und Feuerwehrleute im Einsatz. Die Schweiz beteiligt sich mit etwa 4.000 Soldaten an der Absicherung. Auch am Genfer Flughafen gelten erhöhte Sicherheitsvorkehrungen.
In Genf hatten in den vergangenen Tagen zahlreiche Geschäfte ihre Schaufenster mit Sperrholzplatten wegen befürchteter Ausschreitungen bei den Protesten der G7-Gegner geschützt. Das Uni-Krankenhaus baute Zelte auf, um möglicherweise Verletzte schnell versorgen zu können. Ein ursprünglich geplanter Gegengipfel im französischen Annemasse war wegen der hohen Sicherheitsauflagen abgesagt worden.

Fünf weitere Länder bei einigen Programmteilen dabei

In der Schweiz ist der G8-Gipfel in Évian von 2003 (damals noch mit Russland) in schlechter Erinnerung geblieben. Da das kleine Kurstädchen am Genfer See wie ein Bunker abgeriegelt war, verlagerten sich die Proteste in die schweizer Städte Lausanne und Genf.  Demonstranten lieferten sich heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Zahlreiche Geschäfte wurden verwüstet. Die Schäden wurden auf etwa sechs Millionen Schweizer Franken geschätzt. Bis heute fordert die Schweiz vergeblich Entschädigungszahlungen. Als Geste wurde der Schweizer Bundespräsident, Guy Parmelin, zu einem Abendessen des Gipfels geladen.
Zu einigen Programmteilen des bis Mittwoch dauernden Gipfels sind auch die Staats- und Regierungschefs der Partnerländer Brasilien, Südkorea, Ägypten, Indien und Kenia eingeladen. Dies soll der Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen, die G7-Gruppe sei eine elitäre Gruppe, die über die Köpfe anderer hinweg entscheide.
Die Staats- und Regierungschefs residieren während des Gipfels alle in derselben Luxusherberge, vermelden Agenturen. Das Hôtel Royal am Südufer des Genfer Sees ist nach 2003 zum zweiten Mal Schauplatz eines Gipfeltreffens der Mächtigen. Damals übernachteten in den größten Suiten des Hauses auf der fünften Etage der damalige US-Präsident George Bush, Frankreichs Präsident Jacques Chirac sowie der russische Präsident Wladimir Putin. Damals spaltete der Irakkrieg die Gipfelteilnehmer. Bei der Verteilung der Zimmer wurde nicht lange gefackelt: „Putin im Ostflügel, Bush im Westflügel und Chirac in der Mitte“, sagt Roger Mercier, damals Chef des Unternehmens Évian Resort. Das Luxushotel bereitet sich seit etwa einem Jahr auf das G7-Gipfeltreffen vor.

Vorbereitungen laufen seit einem Jahr

Seinen Namen verdankt das Hotel dem britischen König Eduard VII., für den von Beginn an eine Suite reserviert war. Das Hotel eröffnete 1909, doch der König starb ein Jahr später, ohne dort gewesen zu sein. Nach Angaben des Hotels mieteten sich in den folgenden Jahren zahlreiche Prominente ein. Dazu gehörten die US-Schauspielerin Rita Hayworth, Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr oder die britische Königin Elizabeth II. Der französische Schriftsteller Marcel Proust soll dort einige Kapitel seines Buchs „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ geschrieben haben.
(Mit Material der Nachrichtenagenturen)
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G7-Gipel: Die Mächtigsten der Welt wollen die globale wirtschaftliche Zusammenarbeit vorantreiben


In Kürze:

  • Évian ist zum zweiten Mal Schauplatz eines Gipfels der Mächtigsten der Welt
  • Krieg und wirtschaftliche Zusammenarbeit sind Hauptthemen der Gespräche
  • Fast 20.000 Sicherheitskräfte sollen den Schutz der Teilnehmer gewährleisten
  • Tausende bei Protesten gegen G-7-Gipfel in Genf
  • Schweiz beklagt hohe Sicherheitskosten

 
Präsident Donald Trump will am Montagnachmittag im französischen Évian eintreffen, um am G-7-Gipfel teilzunehmen. Das teilte das Weiße Haus mit. Demnach sind dort auch gesonderte Treffen mit führenden Politikern aus dem Nahen Osten geplant.

Trump will weltweites Wirtschaftswachstum fördern

Die Gespräche finden zu einem Zeitpunkt statt, an dem die USA und der Iran – unter Vermittlung Pakistans – offenbar Fortschritte bei der Finalisierung eines Friedensabkommens erzielen, schreibt die englischsprachige Epoch Times. Dieses sieht auch vor, dass der Iran in den kommenden Tagen sein Nuklearmaterial übergibt.
Zur Sprache sollen hochrangigen Regierungsvertretern zufolge auch der Ukraine-Krieg und das Friedensabkommen für den Gazastreifen kommen. Außerdem sind Gespräche zwischen dem Libanon und Israel vorgesehen.
Trump, der am 14. Juni, seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, trifft am Montagabend zunächst mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zwecks bilateraler Gespräche zusammen. Anschließend wird er sich den übrigen G7-Staats- und Regierungschefs für die offizielle Begrüßung und das Arbeitsessen anschließen.
Bilaterale Gespräche mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sind nicht geplant, wenngleich die beiden Staats- und Regierungschefs am Rande des Gipfels zusammentreffen könnten.

Drei Tage werden die Staats- und Regierungschefs am Genfer See tagen.

Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

Den Nachmittag sowie den Mittwochvormittag wird Trump anschließend mit den Staats- und Regierungschefs der G7 sowie mit Partnerländern verbringen. Zu den G7 gehören neben den USA Großbritannien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien und Japan. Im Mittelpunkt steht dabei die Beratung über für beide Seiten vorteilhafte internationale Investitionspartnerschaften. Dabei wird der US-Präsident die führenden Industrienationen voraussichtlich dazu aufrufen, weltweites Wirtschaftswachstum „durch den Abbau bürokratischer Hürden und ein reichhaltiges Energieangebot“ zu fördern, wie ein hochrangiger Regierungsvertreter mitteilte.
Dazu kommen Themen wie die Förderung von Innovationen und die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten sowie ein verstärktes Vorgehen gegen illegale Einwanderung und Drogenschmuggel. Zudem wird er unter anderem für den Einsatz von KI-Technologien werben, bei deren Entwicklung die USA weltweit führend sind.
Macron hat insgesamt 16 Nationen zur Teilnahme an dem Gipfel eingeladen.

Macron für ausgewogenere Volkswirtschaften

Am letzten Tag des Gipfels will Trump zu bilateralen Gesprächen mit dem ägyptischen Präsidenten Abd al-Fattah al-Sisi und dem indischen Premierminister Narendra Modi zusammentreffen. Mit Letzterem sind Gespräche über ein möglicherweise kurz vor dem Abschluss stehenden bilateralen Handelsabkommen vorgesehen.
Frankreich hatte im Vorfeld des Gipfels erklärt, dass es die Diskussion über globale wirtschaftliche Zusammenarbeit vorantreiben wolle. Damit setzt das Land seine Bemühungen fort, „eine starke industrielle Basis in Europa wiederherzustellen und den Handel sowohl mit China als auch mit den Vereinigten Staaten ins Gleichgewicht zu bringen“. Macron erklärte in einem Beitrag auf X:
„Indem wir ausgewogenere Volkswirtschaften aufbauen, schaffen wir die Voraussetzungen für nachhaltiges, stabiles und gemeinsames Wachstum.“
Ein US-Regierungsvertreter äußerte sich am Samstag gegenüber Reportern und bezeichnete es als sehr klug und angemessen, dass Frankreich das Thema der globalen Ungleichgewichte auf die G7-Agenda gesetzt habe. Dies sei ein Aspekt, bei dessen Bewältigung Trump seit Jahren weltweit vorangegangen sei – zeitweise sogar im Alleingang.
Die USA seien bereit, mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten, um die globalen Handelsungleichgewichte zu beheben. Diese würden vor allem durch Länder mit großen Überschüssen wie China, aber auch durch die Europäische Union verursacht, in die US-Produktionskapazitäten verlagert worden waren, bevor Trump nach seinem Amtsantritt Druck ausgeübt hatte.

Höchste Sicherheitsvorkehrungen

Nach dem Gipfel wird Trump am Mittwochabend an einem Abendessen mit Macron im Schloss von Versailles bei Paris teilnehmen, um den 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeit zu würdigen, bevor er nach Washington zurückkehrt. Die USA werden am 1. Januar 2027 die rotierende G7-Präsidentschaft übernehmen.
Kurz vor Beginn des G-7-Gipfels in Frankreich hat es am Sonntag im schweizerischen Genf eine Großdemonstration gegen den G-7-Gipfel gegeben. Unter Berufung auf Polizeiangaben berichtet die „Tagesschau“ von bis zu 50.000 Teilnehmern, die gegen die Politik der sieben mächtigen Industrienationen auf die Straße gingen. Zur Koalition der G7-Gegner zählen unter anderem propalästinensische und antikapitalistische Aktivisten, berichten Agenturen.
Mehrere Nichtregierungsorganisationen prangern das Fehlen international bedeutender Themen beim G-7-Gipfel an. Dazu gehöre der Kampf gegen die Folgen des Klimawandels oder die Solidarität mit Entwicklungsländern. Auch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und die extreme Konzentration des Reichtums stünden nicht auf der Tagesordnung, kritisieren sie.
 

2003 waren Gerhard Schröder (r.) und Frankreichs Präsident Jacques Chirac vereint mit ihrem „Nein“ gegen den Irakkrieg.

Foto: GERARD FOUET/AFP/Getty Images

Schweiz trägt Sicherheitsrisiko

Die Proteste finden in Genf statt, weil dort ab Montag die Staats- und Regierungschefs der G7-Mitgliedsländer und der fünf Gaststaaten eintreffen. Von Genf in der Schweiz bis zum französischen Évian-les-Bains am französischen Südufer des Genfer Sees sind es knapp 45 Kilometer. Die Schweiz, die offiziell nicht am Gipfel teilnimmt, muss trotzdem hohe Sicherheitskosten aufbringen. Auf französischer Seite sind etwa 16.000 Sicherheitskräfte und Feuerwehrleute im Einsatz. Die Schweiz beteiligt sich mit etwa 4.000 Soldaten an der Absicherung. Auch am Genfer Flughafen gelten erhöhte Sicherheitsvorkehrungen.
In Genf hatten in den vergangenen Tagen zahlreiche Geschäfte ihre Schaufenster mit Sperrholzplatten wegen befürchteter Ausschreitungen bei den Protesten der G7-Gegner geschützt. Das Uni-Krankenhaus baute Zelte auf, um möglicherweise Verletzte schnell versorgen zu können. Ein ursprünglich geplanter Gegengipfel im französischen Annemasse war wegen der hohen Sicherheitsauflagen abgesagt worden.

Fünf weitere Länder bei einigen Programmteilen dabei

In der Schweiz ist der G8-Gipfel in Évian von 2003 (damals noch mit Russland) in schlechter Erinnerung geblieben. Da das kleine Kurstädchen am Genfer See wie ein Bunker abgeriegelt war, verlagerten sich die Proteste in die schweizer Städte Lausanne und Genf.  Demonstranten lieferten sich heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Zahlreiche Geschäfte wurden verwüstet. Die Schäden wurden auf etwa sechs Millionen Schweizer Franken geschätzt. Bis heute fordert die Schweiz vergeblich Entschädigungszahlungen. Als Geste wurde der Schweizer Bundespräsident, Guy Parmelin, zu einem Abendessen des Gipfels geladen.
Zu einigen Programmteilen des bis Mittwoch dauernden Gipfels sind auch die Staats- und Regierungschefs der Partnerländer Brasilien, Südkorea, Ägypten, Indien und Kenia eingeladen. Dies soll der Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen, die G7-Gruppe sei eine elitäre Gruppe, die über die Köpfe anderer hinweg entscheide.
Die Staats- und Regierungschefs residieren während des Gipfels alle in derselben Luxusherberge, vermelden Agenturen. Das Hôtel Royal am Südufer des Genfer Sees ist nach 2003 zum zweiten Mal Schauplatz eines Gipfeltreffens der Mächtigen. Damals übernachteten in den größten Suiten des Hauses auf der fünften Etage der damalige US-Präsident George Bush, Frankreichs Präsident Jacques Chirac sowie der russische Präsident Wladimir Putin. Damals spaltete der Irakkrieg die Gipfelteilnehmer. Bei der Verteilung der Zimmer wurde nicht lange gefackelt: „Putin im Ostflügel, Bush im Westflügel und Chirac in der Mitte“, sagt Roger Mercier, damals Chef des Unternehmens Évian Resort. Das Luxushotel bereitet sich seit etwa einem Jahr auf das G7-Gipfeltreffen vor.

Vorbereitungen laufen seit einem Jahr

Seinen Namen verdankt das Hotel dem britischen König Eduard VII., für den von Beginn an eine Suite reserviert war. Das Hotel eröffnete 1909, doch der König starb ein Jahr später, ohne dort gewesen zu sein. Nach Angaben des Hotels mieteten sich in den folgenden Jahren zahlreiche Prominente ein. Dazu gehörten die US-Schauspielerin Rita Hayworth, Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr oder die britische Königin Elizabeth II. Der französische Schriftsteller Marcel Proust soll dort einige Kapitel seines Buchs „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ geschrieben haben.
(Mit Material der Nachrichtenagenturen)
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Rechtsaußen-Demos und Parteigründung in Rom sorgen für Massenproteste


In Kürze:

  • 4.000 Teilnehmer bei rechter Demonstration in Rom
  • 20.000 Menschen protestieren dagegen
  • Neue Rechtspartei von Vannacci gegründet

 
Eine Demonstration der Initiative „Remigration und Rückeroberung“ sowie der Gründungsparteitag einer neuen Rechtspartei haben am Wochenende in Rom tausende Menschen mobilisiert. Die Initiative, ein Zusammenschluss mehrerer rechtsgerichteter Gruppen, forderte bei einem Zug durch die italienische Hauptstadt eine deutlich verschärfte Migrationspolitik.
Am selben Tag kamen zudem rund 1.500 Delegierte der im Januar 2026 gegründeten Partei „Futuro Nazionale“ (Nationale Zukunft) des Ex-Armeegenerals und Europaabgeordneten Roberto Vannacci zu ihrem ersten Parteitag zusammen.

Tausende ziehen durch Rom

Nach Angaben der Behörden zogen etwa 4.000 Menschen am Samstag mit einem Banner mit der Aufschrift „Remigration und Rückeroberung“ durch die römische Innenstadt.
Einige Teilnehmer streckten die Arme zum faschistischen Gruß in die Höhe und riefen „Duce! Duce!“ (zu Deutsch: „Führer“), eine Anspielung auf den faschistischen Diktator Benito Mussolini (1883–1945).
An der Demonstration nahmen auch Vertreter der neofaschistischen Bewegung CasaPound teil. Deren Sprecher Luca Marsella sagte nach Angaben italienischer Medien, man wolle „irreguläre Migranten und auch reguläre loswerden, weil wir politisch nicht korrekt sind“.
Gegen die Demonstration formierte sich auch Protest. Vor dem Kolosseum versammelten sich nach Angaben der Tageszeitung „La Republicca“ 20.000 Teilnehmer zu einer Gegendemo und zeigten ein Banner mit der Aufschrift „Fuck Remigration“. Von der linken Opposition gab es starke Kritik an der rechten Kundgebung und den dort gerufenen Parolen. Der Abgeordnete Angelo Bonelli sprach von „abscheulichen Parolen“ und warf Ministerpräsidentin Giorgia Meloni Schweigen vor.

Fast 100.000 Mitglieder

Zeitgleich fand in Rom der Gründungsparteitag der neuen rechten Partei „Futuro Nazionale“ (Nationale Zukunft) des ehemaligen Generals Vannacci statt. Er sagte: „Früher durfte man das Wort Remigration nicht sagen, jetzt sagen sie uns, man könne es nicht machen, weil man keine Staatsbürgerschaft entziehen könne.“
In Umfragen liegt die Bewegung derzeit bei rund vier Prozent. Vannacci kündigte an, seine politischen Positionen und die der Partei nicht abschwächen zu wollen. Gerade wegen dieser Haltung erfahre die Bewegung Zuspruch, sagte er. „Wir schämen uns nicht, es zu sagen, und ich bitte euch sogar, es auch zu sagen: Italien den Italienern!“
Im Februar trat der 57-Jährige nach Differenzen aus der Lega-Partei von Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini aus. Seitdem habe seine Bewegung fast 100.000 zahlende Mitglieder gewonnen, sagte Vannacci.
Zuletzt machte er Stimmung gegen die Meloni-Koalition. Vannacci bezeichnete seine Bewegung als die „wahre Rechte“. Der Regierung von Giorgia Meloni warf er vor, eine zu weiche Politik zu machen. Die Ministerpräsidentin wies die Vorwürfe scharf zurück.
Unterstützung bekam sie dabei von ihrem Parteifreund Francesco Lollobrigida. Gegenüber der Tageszeit „Il Giornale“ sagte er: „Wenn er die Regierung stürzen will, ist er ein Verbündeter der Linken.“ Dies sei eine „statistische“ Tatsache. Schließlich sei die Regierung von Meloni „die erste rechtsgerichtete Regierung in der Geschichte Italiens“. Die Zugehörigkeit zu dieser politischen Gruppierung sollte daher ein gewisses Maß an Konsequenz erfordern.
(Mit Material der Nachrichtenagenturen)
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4.000 demonstrieren in Rom für „Remigration“ – 20.000 stellen sich entgegen


In Kürze:

  • 4.000 Teilnehmer bei rechter Demonstration in Rom
  • 20.000 Menschen protestieren dagegen
  • Neue Rechtspartei von Vannacci gegründet

 
Eine Demonstration der Initiative „Remigration und Rückeroberung“ sowie der Gründungsparteitag einer neuen Rechtspartei haben am Wochenende in Rom tausende Menschen mobilisiert. Die Initiative, ein Zusammenschluss mehrerer rechtsgerichteter Gruppen, forderte bei einem Zug durch die italienische Hauptstadt eine deutlich verschärfte Migrationspolitik.
Am selben Tag kamen zudem rund 1.500 Delegierte der im Januar 2026 gegründeten Partei „Futuro Nazionale“ (Nationale Zukunft) des Ex-Armeegenerals und Europaabgeordneten Roberto Vannacci zu ihrem ersten Parteitag zusammen.

Tausende ziehen durch Rom

Nach Angaben der Behörden zogen etwa 4.000 Menschen am Samstag mit einem Banner mit der Aufschrift „Remigration und Rückeroberung“ durch die römische Innenstadt.
Einige Teilnehmer streckten die Arme zum faschistischen Gruß in die Höhe und riefen „Duce! Duce!“ (zu Deutsch: „Führer“), eine Anspielung auf den faschistischen Diktator Benito Mussolini (1883–1945).
An der Demonstration nahmen auch Vertreter der neofaschistischen Bewegung CasaPound teil. Deren Sprecher Luca Marsella sagte nach Angaben italienischer Medien, man wolle „irreguläre Migranten und auch reguläre loswerden, weil wir politisch nicht korrekt sind“.
Gegen die Demonstration formierte sich auch Protest. Vor dem Kolosseum versammelten sich nach Angaben der Tageszeitung „La Republicca“ 20.000 Teilnehmer zu einer Gegendemo und zeigten ein Banner mit der Aufschrift „Fuck Remigration“. Von der linken Opposition gab es starke Kritik an der rechten Kundgebung und den dort gerufenen Parolen. Der Abgeordnete Angelo Bonelli sprach von „abscheulichen Parolen“ und warf Ministerpräsidentin Giorgia Meloni Schweigen vor.

Fast 100.000 Mitglieder

Zeitgleich fand in Rom der Gründungsparteitag der neuen rechten Partei „Futuro Nazionale“ (Nationale Zukunft) des ehemaligen Generals Vannacci statt. Er sagte: „Früher durfte man das Wort Remigration nicht sagen, jetzt sagen sie uns, man könne es nicht machen, weil man keine Staatsbürgerschaft entziehen könne.“
In Umfragen liegt die Bewegung derzeit bei rund vier Prozent. Vannacci kündigte an, seine politischen Positionen und die der Partei nicht abschwächen zu wollen. Gerade wegen dieser Haltung erfahre die Bewegung Zuspruch, sagte er. „Wir schämen uns nicht, es zu sagen, und ich bitte euch sogar, es auch zu sagen: Italien den Italienern!“
Im Februar trat der 57-Jährige nach Differenzen aus der Lega-Partei von Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini aus. Seitdem habe seine Bewegung fast 100.000 zahlende Mitglieder gewonnen, sagte Vannacci.
Zuletzt machte er Stimmung gegen die Meloni-Koalition. Vannacci bezeichnete seine Bewegung als die „wahre Rechte“. Der Regierung von Giorgia Meloni warf er vor, eine zu weiche Politik zu machen. Die Ministerpräsidentin wies die Vorwürfe scharf zurück.
Unterstützung bekam sie dabei von ihrem Parteifreund Francesco Lollobrigida. Gegenüber der Tageszeit „Il Giornale“ sagte er: „Wenn er die Regierung stürzen will, ist er ein Verbündeter der Linken.“ Dies sei eine „statistische“ Tatsache. Schließlich sei die Regierung von Meloni „die erste rechtsgerichtete Regierung in der Geschichte Italiens“. Die Zugehörigkeit zu dieser politischen Gruppierung sollte daher ein gewisses Maß an Konsequenz erfordern.
(Mit Material der Nachrichtenagenturen)
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CDU dringt auf harte GEAS-Kontrollen in der EU

Zum Start des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) fordert der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm (CDU), ein hartes Vorgehen gegen Mitgliedstaaten, die die neuen Regeln nicht umsetzen.
Die EU-Kommission müsse notfalls entsprechende Sanktionsmaßnahmen und Vertragsverletzungsverfahren einleiten, sagte Throm Politico. Als Vorbild nannte er Verfahren gegen Ungarn, bei denen „entsprechende Strafzahlungen festgelegt wurden“.
Der CDU-Politiker warnte vor einem Scheitern der Reform, falls sich einzelne Staaten erneut verweigerten. Wenn das passieren würde, dass sich einzelne Länder oder gar mehrere daran nicht ordentlich beteiligten, dann wäre auch das neue GEAS tatsächlich gescheitert, sagte er.

Sanktionen gegen Vertragsverletzer nötig

Besonders kritisch sieht Throm Länder, die bereits beim Dublin-System Probleme bereitet hätten. Italien und Griechenland insbesondere hätten sich daran nicht beteiligt, andere Staaten hätten Rückführungen erschwert.
Das müsse sich ändern, sagte er. Ein funktionierendes Dublin-Nachfolgesystem sei Dreh- und Angelpunkt für die Verteilung von Asylbewerbern in Europa und Voraussetzung dafür, dass Deutschland Grenzkontrollen wieder zurückfahren könne.
Grundsätzlich bewertet Throm den Start der Reform positiv. Das sei ein echter Neustart, die Voraussetzungen dafür seien gegeben, sagte er. Entscheidend sei nun aber, dass sich alle europäischen Länder dann auch an die neuen Regeln hielten und sie quasi lebten. (dts/red)
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Riccardo Muti und die Idee der Verständigung

Musik ist heilsam und verbindet Menschen miteinander. Immer wieder haben sich folglich große Künstler über Initiativen Gedanken gemacht, die dazu beitragen können, die Welt ein bisschen besser zu machen – eine Welt, in der viele Regierende und Entscheidungsträger weiterhin in militärische Konflikte verwickelt sind oder diese unterstützen. Wenn die Politik ein friedliches Miteinander nicht richten kann oder will, kann es dann die Kultur?
Betrachtet man die Geschichte, blieb eine solche Hoffnung bislang obsolet.

Die Kraft der Musik als Friedensbotschaft

Ein so geniales Werk wie Beethovens Neunte mit Schillers „Ode an die Freude“ („Alle Menschen werden Brüder“) hat ebenso wenig einen dauerhaften Frieden auf diesem Planeten sichern können wie Daniel Barenboims ambitioniertes West-Eastern Divan Orchestra, das er 1999 zusammen mit dem palästinensischen Schriftsteller Edward Said ins Leben rief, um im Nahen Osten ein Zeichen für Freundschaft und Frieden zu setzen.
Dass er mit einem Orchester mit rund 120 Musikern die Konflikte nicht würde lösen können, war dem weltberühmten Dirigenten dabei von Anfang an bewusst: „Wir können nur den Hass verringern“, lautete Barenboims Maxime. Und selbst das erscheint fast schon utopisch hoch gegriffen für das, was das Orchester bis heute tatsächlich auf politischer Ebene bewirken konnte. Um Missverständnissen vorzubeugen: Barenboims Verdienste sollen keineswegs geschmälert werden. Mit seinen Konzerten auf international renommierten Festivals setzt das Orchester zweifellos starke Zeichen. Abgesehen davon fehlen Barenboim jedoch seit seiner Parkinson-Erkrankung zusehends die Kräfte, um sich weiterhin persönlich so stark zu engagieren wie vor 26 Jahren.
Allerdings war der Kosmopolit mit jüdischen Wurzeln zu Beginn der Jahrtausendwende keineswegs der Einzige, der einen Beitrag zu mehr Menschlichkeit leisten wollte.

Mutis Vision: Gemeinsam singen statt spalten

2005 gründete der italienische Weltstar Riccardo Muti sein Orchestra Giovanile Luigi Cherubini, ähnlich strukturiert wie das West-Eastern Divan Orchestra, mit jungen, angehenden Berufsmusikern. Mit ihm bereist der Maestro Jahr für Jahr in seiner Konzertinitiative „The Roads of Friendship“ Krisengebiete auf dem Balkan, in Teheran oder im Libanon, in denen Einheimische Seite an Seite mit den Mitgliedern des Luigi Cherubini zusammenspielen. Nur hat es längere Zeit gedauert, bis Mutis vorbildliches Projekt – lange Zeit medial im Schatten des West-Eastern Divan Orchestra – endlich die verdiente Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erfuhr.
Muti, der schon mehrfach in Konzertansprachen beklagt hat, dass Politiker – was musikalische Bildung und Förderung betrifft – so taub sind, wie es Beethoven in seinen letzten Jahren war, geht seit 2025 aber noch deutlich weiter. Zum gemeinsamen Singen lassen sich schließlich noch viel mehr Menschen zusammenbringen als in einem Orchester. Auch diese Idee ist nicht ganz neu, denkt man etwa an „Mitsingkonzerte“ des Berliner Rundfunkchors, in denen rund 1.500 Menschen unter der Leitung von Simon Halsey gemeinsam Werke einstudieren.
Mit seinem Chorfest „Cantare amantis est“ nach einem Zitat des heiligen Augustinus, der seinerzeit schon den Zusammenhang von Singen und (Nächsten-)Liebe herstellte, gelingt Riccardo Muti allerdings eine Friedens- und Freundschaftsinitiative in einer bislang unerreichten Größenordnung. Knapp 3.600 Menschen bringt er in der ehemaligen Sporthalle Pala de André im oberitalienischen Ravenna, wo er mit seiner Familie wohnt, zusammen.
So ein Fest lässt sich nicht im Handumdrehen stemmen, insbesondere nicht in wirtschaftlich schweren Zeiten, in denen selbst renommierte Festivals Mühe haben, potente Sponsoren an Land zu ziehen. So etwas kann nur eine einflussreiche, berühmte, gut vernetzte Persönlichkeit. Eine solche ist Muti, die aktuell wohl einzige Lichtgestalt in der Welt der klassischen Musik.
Jedenfalls ist es ihm gelungen, mit dem Autoreifenhersteller Pirelli den nötigen Förderer für „Cantare amantis est“ zu finden. Nur für ihre Reisekosten und Unterkunft müssen die Teilnehmer, überwiegend Laien aller Altersgruppen, selbst aufkommen.

3.600 Stimmen für Freundschaft und Zusammenhalt

Schon zur ersten Ausschreibung im vergangenen Jahr bewarben sich 10.000 Singfreudige, die Muti am liebsten alle geladen hätte. Nur hätte es dafür einer Halle noch weitaus größeren Ausmaßes bedurft, über die Ravenna nicht verfügt. Eine Fortsetzung sollte es aber unbedingt geben.
Der Andrang auf die diesjährige zweite Ausgabe, die Muti dem 1923 ermordeten Pfarrer Don Giovanni Minzoni widmete, der erfolglos gegen den Faschismus in Italien aufstand, war nicht weniger gewaltig.
Entsprechend ließ sich ein Enthusiasmus erleben, der als Sensation bezeichnet werden darf.
Das beginnt schon damit, dass die rund 460 Chöre, allesamt Italiener, eine halbe Stunde vor Beginn ihrer unbändigen Vorfreude, ihrem Gemeinschaftssinn, ihrer Dankbarkeit und ihrer großen Verehrung für Muti mit La-Ola-Wellen Ausdruck geben.
Als der Maestro auftritt, empfängt ihn das Kollektiv jubelnd wie einen Popstar. Die Euphorie lässt nicht nach, als Muti das Singfest mit Mozarts Motette „Ave verum corpus“ eröffnet.
Von einem musikalisch hohen Anspruch getragen ist dieses Event aber auch. Hier geht es nicht nur darum, halbwegs die richtigen Noten zusammen zu singen. Muti hat Stücke mit vielen leisen Stellen ausgesucht. Und er verlangt, dass sie in den Schattierungen von einem einfachen Piano bis zu einem dreifachen Pianissimo gesungen werden.
Kann denn das bei einer solchen Masse gelingen? Denkt man daran, wie unhomogen vielfach schon eine Kirchengemeinde ein einfaches Lied im Gottesdienst singt, mögen einem Zweifel kommen. Und wahrscheinlich gelingt das in Ravenna auch nur deshalb so gut, weil hier ein wahres Genie die richtigen Worte findet, mit denen er seine Vorstellungen auf die imposante Chorphalanx überträgt. Denn Muti ist nicht nur ein grandioser Musiker, sondern auch ein begnadeter Redner und Entertainer. Es wird viel gelacht an den zwei Tagen.
Und dem reinen Höreindruck nach würde man nie und nimmer auf die Idee kommen, dass 3.600 Menschen an dem Gesang beteiligt sind. Alles tönt sehr homogen.

Magische Momente im Chorklang

Pure Magie liegt im Raum, sobald das Kollektiv unter den Händen des Maestros das „Ave verum“ oder auch einen Ausschnitt aus Verdis Requiem beseelt durchlebt und es binnen kürzester Zeit immer mehr Feinheiten und Details umsetzt, auf die Muti, der am Flügel vormacht, wie er sich ein Crescendo, Decrescendo oder ein Ritardando bei einem Übergang vorstellt, hinweist.
Wenn Muti dirigiert, wechselt Davide Cavalli, ein versierter Korrepetitor, der schon seit vielen Jahren für ihn und mit ihm arbeitet, an die Tasten.
In der berühmten „Casta Diva“-Arie aus Vincenzo Bellinis Oper „Norma“ singt der Chor freilich nicht allein. Als Solistin brilliert hier die Sopranistin Maria Grazia Schiavo, gesegnet mit sicherer Höhe, Expressivität und schlanker Stimmführung.
Am zweiten Tag gesellt sich mit Isabella Lozzi noch eine feinfühlige Musikerin des Luigi Cherubini Orchesters für das Flötensolo dazu. Unter spannungsvoller Stille sind dann berührende Momente kammermusikalischer Intimität zu erleben. Und diese vermittelt sich bis in die hintersten Reihen des einstigen Stadions, dies freilich auch dank der ungeheuren Disziplin, die alle mitbringen. Niemand stört. Es ist kein Husten und kein Gebrabbel zu vernehmen. Selbst die Kinder – die jüngsten Teilnehmer sind sechs und sieben Jahre alt – konzentrieren sich ganz auf Muti. Auch die Kleinsten lieben und verehren den Dirigenten, drängen in den kurzen Pausen an die Rampe und wollen unbedingt ein Autogramm.
Auch in dem kurzen Ausschnitt aus dem Verdi-Requiem singt Schiavo mit großer Zärtlichkeit und Spitzentönen von luzider Schönheit den Sopranpart. Die Empfindsamkeit ihres Vortrags färbt dabei unüberhörbar auf den Gesang des Kollektivs ab.
Als schwierigstes Stück erweist sich der Gesang „Ave Signor degli angeli dei santi“ aus dem Prolog zu Arrigo Boitos Oper „Mefistofele“, der bei den Sopranen in überirdischen Sphären bis zum zweigestrichenen As hinaufreicht. Da treten einmal die hellen Kinderstimmen als Engelschar besonders hervor – was für eine Harmonie, welche Schönheit, was für eine Mystik und Magie!

Braucht Wandel Tausende Mutis?

Und mit jedem weiteren Durchlauf vertiefen sich die Sängerinnen und Sänger unter Mutis Anweisungen immer noch stärker in die Partitur mit all ihren genauen Vortragsbezeichnungen. Man mag sich gar nicht satthören an den ätherischen Klängen, die Sorgen und Nöte für ein paar Stunden vergessen lassen.
Einige Male lässt Muti die Chorphalanx auch die Nationalhymne singen. Diese ist in Italien, anders als in Deutschland, Teil der nationalen Identität. Die Kinder lernen die Verse schon in der Schule. Und an einem nationalen Feiertag wie dem 2. Juni, dem Festa della Repubblica, gehört sie unweigerlich dazu. Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn 3.600 Menschen die deutsche Nationalhymne unter einem berühmten Dirigenten singen würden. Ihre Melodie ist ja immerhin von einem sehr bedeutenden Komponisten: Joseph Haydn.
Aber vermutlich würde ein solches Konzert wohl als rechtsextrem gebrandmarkt und der Dirigent, der das auf sich genommen hat, gleich dazu. Etwas Verkehrtes lässt sich daran indes nicht finden, schließlich stehen die Menschen hier beim Singen in Freundschaft und Liebe – eben auch zu ihrem Land – zusammen.
Am Ende machen alle Teilnehmer einen sehr glücklichen Eindruck – die sechsjährige Olympia, die besonders das „Ave verum“ liebt, nicht weniger als eine Teilnehmerin aus Friaul, die zusammen mit fünf Mitstreitern im ländlichen Umland Quartier bezogen hat. Sie alle freuen sich schon auf nächstes Jahr. Es müsse unbedingt weitergehen, sagen sie.
Und das will auch Muti, der diese Initiative am liebsten auch auf andere Länder ausweiten will. Das wäre freilich eine Riesensache. Aber klar ist auch, dass Muti allein nicht gleichzeitig flächendeckend auf allen Teilen der Erde Chormassive leiten kann. Um etwas im großen Stil zu verändern, wären vermutlich Tausende Mutis nötig. Auf alle Fälle sendet „Cantare amantis est“ ein starkes Zeichen in die Welt: Menschen, vereinigt euch! Legt die Waffen nieder und singt gemeinsam! Es klingt unüberwindbar schwer und ist eigentlich doch ganz einfach.
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Bienenschwarm überfällt italienischen Strand

Ein ruhiger Tag am Strand, bevor all die Touristen kommen: In Italien hat ein mächtiger Bienenschwarm diese Hoffnung zunichte gemacht.
An dem Adria-Strand in der Nähe des auch von Deutschen viel besuchten Badeorts Rimini kreisten plötzlich mehrere Tausend Bienen umher und ließen sich dann auf einem einzigen Sonnenschirm nieder.
Innerhalb weniger Minuten verwandelten sie den Schirm in eine Art Hauptquartier. Glücklicherweise gelang es einem herbeigerufenen Bienenzüchter, den Schwarm wieder wegzulocken.

Schon der zweite Bienenschwarm binnen weniger Tage

Gestochen wurde nach Angaben der Behörden niemand. Anfangs eilten viele Strandbesucher zu dem Schirm, um Fotos von dem Schwarm zu machen. Die Umgebung wurde dann aber sicherheitshalber abgesperrt.
Vermutet wird, dass sich die Königin des Bienenschwarms auf dem Schirm niederließ und die anderen ihr dann folgten.
Erst vor einigen Tagen hatte sich an einem anderen Strand in Riccione, ebenfalls in der Nähe von Rimini, ein ähnlicher Vorfall ereignet.
Der Präsident der italienischen Gesellschaft für Umweltmedizin, Alessandro Miani, führte die Vorfälle im Fernsehsender Rai auch auf die aktuellen Temperaturen zurück, die höher liegen als normalerweise zu dieser Jahreszeit.
Bienen, Wespen und andere Insekten reagierten dann aggressiver und suchten auch die Nähe von Menschen. In Rimini war es in den vergangenen Tagen mehr als 30 Grad heiß. (dpa/red)
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NASA: Italiener nimmt als erster Europäer an Artemis-Mission teil

Der italienische Astronaut Luca Parmitano nimmt als erster Europäer an einem Artemis-Flug der NASA teil.
Die US-Raumfahrtbehörde stellte Parmitano am 9. Juni in Houston als Crewmitglied der Mission Artemis 3 vor, die in der Erdumlaufbahn Tests für eine spätere Mondlandung ausführen soll. „Thank you, grazie“, sagte der 49-jährige Parmitano zum Dank auf Englisch und Italienisch.

Alexander Gerst ging leer aus

Der Italiener ist in der vierköpfigen Crew der einzige Vertreter der europäischen Raumfahrtagentur Esa. Die drei weiteren Astronauten der rein männlichen Artemis-3-Crew gehören der NASA an.
Die US-Raumfahrtbehörde ernannte den 58-jährigen Randy Bresnik zum Kommandanten. Darüber hinaus fliegen Andre Douglas und Frank Rubio mit ins All. Im Gespräch waren auch die deutschen Astronauten Matthias Maurer und Alexander Gerst, sie gingen aber leer aus.
Dass schon bei „Artemis 3“ und nicht erst bei späteren Missionen ein Europäer an Bord sein soll, kam überraschend.

Testpilot gesucht

Die für Ende 2027 geplante Mission Artemis 3 geht nicht wie ursprünglich von der NASA angekündigt zum Mond. Stattdessen sollen die Astronauten bei dem Testflug in der niedrigen Erdumlaufbahn das Andocken von zwei Mondlandefähren erproben.
Parmitano (49), Gerst (50) und Maurer (56) besitzen alle drei Erfahrungen mit Weltraumflügen. Parmitano flog 2013 und 2019 zur Raumstation ISS, Gerst 2014 und 2018, Maurer 2021.
Den Ausschlag für Parmitano habe das von der NASA vorgegebene Anforderungsprofil gegeben, sagte Aschbacher. „Sie haben ganz konkret einen Testpiloten gesucht und in unserem Astronautencorps gibt es nur einen Testpiloten und das ist Luca Parmitano.“
Der Italiener ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er wurde an der italienischen Luftwaffenakademie ausgebildet und hat einen Abschluss in experimenteller Flugtest-Technik. Parmitano war Testpilot der italienischen Luftwaffe. Er wurde 2009 als Esa-Astronaut ausgewählt und war mehrfach an Andockmanövern an die ISS beteiligt.

Mondlandefähren testen

Anders als bei früheren NASA-Projekten sind bei „Artemis“ private Raumfahrtunternehmen wie Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos und SpaceX von Elon Musk involviert: Sie sollen Mondlander („Human Landing System“, HLS) bauen.
Ursprünglich sah das Projekt auch einen Außenposten am Mond namens „Lunar Gateway“ vor, der als Zwischenstation für bemannte Missionen zum Mond und später möglicherweise auch zum Mars dienen sollte. Die Esa ist daran maßgeblich beteiligt, sie stellt unter anderem drei Kernelemente. Vorbereitung und Umsetzung laufen seit Jahren.
Die Pläne würden zumindest vorerst eingestampft, hatte Isaacman dann aber im März gesagt. Eine endgültige Aussage dazu, ob das „Lunar Gateway“ überhaupt noch zum Einsatz kommt, steht bisher aus.

2028 will die NASA Astronauten auf dem Mond landen

Frühestens 2028 strebt die NASA dann die erste bemannte Mondlandung seit gut 50 Jahren an.
Im April hatten vier Astronauten der Vorgängermission Artemis 2 den Mond umrundet. Sie entfernten sich dabei mehr als 406.000 Kilometer von der Erde – so weit war bisher kein Mensch ins All vorgedrungen.
Parmitano flog bisher zwei Mal zur Internationalen Raumstation ISS und war einmal ihr Kommandant. Er wurde 2013 durch einen kuriosen Vorfall bekannt. Damals füllte sich sich sein Helm bei einem „Weltraumspaziergang“ durch einen technischen Defekt mit Wasser, der Italiener ertrank dabei fast. (afp/dpa/red)