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Wird die Erde den Tod der Sonne überleben?


In Kürze:

  • Die bisherige Annahme besagt, dass sich unsere Sonne in rund fünf Milliarden Jahren zu einem Roten Riesen entwickelt und die Erde verschlingen wird.
  • Forscher aus Belgien nutzten genauere Berechnungen statt vereinfachte Näherungen und entdeckten ein anderes mögliches Schicksal unseres Planeten.
  • Demnach ist ein Überleben sicher – wenn die Erde das heikle Tauziehen der Gezeitenkräfte überlebt und die Sonne schnell genug an Masse verliert.

 
Wenn die Sonne in etwa fünf Milliarden Jahren das Ende ihres Lebens erreicht, wird sie sich zu einem Riesenstern ausdehnen, der hunderte Male größer ist als heute. Seit Jahrzehnten diskutieren Astronomen darüber, was dies für die Erde bedeutet. Wird unser Planet von der sich ausdehnenden Sonne verschlungen oder wird er in eine weit entfernte Umlaufbahn entkommen?
Eine neue Studie zeigt, dass die Antwort ungewisser ist als bisher angenommen. Anhand der neuesten Modelle zur Sternentwicklung und zu Gezeitenwechselwirkungen kommen die Forscher um Mats Esseldeurs jedoch zu dem Ergebnis, dass die Erde beide Riesenphasen der Sonne überstehen könnte. Dies gelinge aber nur, wenn die Sonne in den letzten Stadien ihrer Entwicklung schnell genug an Masse verliert.

Ein heikles Tauziehen

Während sich die Sonne zu einem Roten Riesen entwickelt, bestimmen zwei konkurrierende Prozesse das Schicksal der Erde. Einerseits wird sich die Sonne enorm ausdehnen, wodurch die gravitationsbedingten Gezeitenkräfte zunehmen. Die Folge: Unser Planet wird nach innen gezogen und „verschlungen“.
Andererseits wird die Sonne einen großen Teil ihrer Masse durch den Sonnenwind verlieren. Wenn die Sonne leichter wird, verschiebt sich die Umlaufbahn der Erde allmählich nach außen, wodurch ein Jahr auf unserem Planeten länger und das Erdklima kühler wird.
„Das Schicksal der Erde hängt von einem empfindlichen Gleichgewicht zwischen diesen beiden Effekten ab“, erklärte Mats Esseldeurs von der belgischen Katholieke Universiteit Leuven. „Wenn die Gezeitenwechselwirkungen überwiegen, wird die Erde verschlungen. Wenn der Massenverlust überwiegt, entkommt die Erde in eine weiter außen liegende Umlaufbahn.“
Frühere Studien kamen oft zu dem Schluss, dass die Erde letztlich von der Sonne verschlungen werden würde. Viele dieser Annahmen stützten sich jedoch auf vereinfachte Beschreibungen der Gezeitenwechselwirkungen im Inneren von Riesensternen.

Ein Blick ins Innere der zukünftigen Sonne

Die neue Studie nutzt modernste Berechnungen der Gezeiten-Dissipation, die auf der inneren Struktur und Dynamik von entwickelten Sternen basieren. Diese Modelle wurden vom Forschungsteam in früheren Arbeiten entwickelt und beruhen auf genauen Berechnungen statt auf vereinfachten Näherungen.
Mithilfe dieser aktualisierten Modelle stellten die Forscher fest, dass die Gezeitenwechselwirkungen schwächer sind als bisher angenommen. Infolgedessen bleibt die Erde während der Riesenphasen weiter von der Sonne entfernt, was ihre Überlebenschancen signifikant erhöht.
In den Simulationen werden Merkur und Venus unweigerlich von der sich ausdehnenden Sonne verschlungen. Die Erde hingegen überstehe beide Riesenphasen und gelange schließlich in eine weiter außen liegende Umlaufbahn. Dort wird unser Planet um den Weißen Zwerg kreisen, zu dem sich die Sonne letztlich entwickeln wird.

Schematische Darstellung der Entwicklung der Sonne. Die Abbildung zeigt die Sonne, wie sie heute aussieht (1.), während sie ihre beiden Riesenphasen durchläuft (2. und 3.), bevor sie ihr Leben als Weißer Zwerg beendet (4.).

Foto: KU Leuven

Eine riesige Ungewissheit

Trotz dieses ermutigenden Ergebnisses ist die Sache noch nicht entschieden. Die Forscher fanden heraus, dass das endgültige Ergebnis davon abhängt, wie schnell die Sonne während ihrer letzten Riesenphase an Masse verliert. Diese Massenverlustraten gehören jedoch nach wie vor zu den wenig erforschten Aspekten der Sternentwicklung.
Um diese Unsicherheit zu untersuchen, wandte sich das Team „L2 Puppis“ zu, einem nahegelegenen, entwickelten Stern, der oft als Vorgeschmack auf die Zukunft der Sonne angesehen wird. Nach dieser auf Beobachtungen basierenden Schätzung wird sich die Erde gerade so weit nach außen bewegen, dass sie überleben kann.
„Die größte Unsicherheit ergibt sich nicht mehr aus den Gezeitenberechnungen, sondern davon, wie viel Masse die zukünftige Sonne verlieren wird“, sagt Mats Esseldeurs. „Beobachtungen sonnenähnlicher Riesensterne deuten derzeit auf das Überleben der Erde hin, aber wir benötigen bessere Beobachtungen, bevor wir sicher sein können.“
Die Studie verdeutlicht, wie die Beobachtung von entwickelten Sternen Hinweise auf die ferne Zukunft unseres eigenen Sonnensystems liefern können. Zukünftige Observatorien und Missionen werden viele weitere Planeten um Riesensterne entdecken, was es Astronomen ermöglicht, Modelle zum Überleben von Planeten zu überprüfen. Ob die Erde letztlich überlebt oder nicht – wir werden es wohl nie erfahren.
Die Studie erschien am 19. Juni 2026 in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“.
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Nach Sonnenfinsternis: Patienten beklagen Augenschmerzen

Dutzende Menschen haben nach der Sonnenfinsternis wegen Augenschmerzen ein Krankenhaus aufgesucht. Das melden mehrere Kliniken in Baden-Württemberg, wo das Naturschauspiel besonders gut zu beobachten war: Die stärkste Bedeckung der Sonne gab es im äußersten Südwesten, in Freiburg waren es gut 90 Prozent.
Allein an der Mannheimer Augenklinik gab es in den Stunden nach dem Himmelsspektakel rund 20 Anfragen, wie Robert Patrick Finger, Direktor der Augenklinik am Universitätsklinikum Mannheim, mitteilte.
Die Betroffenen hätten über Kopfschmerzen geklagt, einigen sei schwindelig gewesen. „Bei all diesen Fällen rechnen wir aber damit, dass das spurlos verschwindet“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Ähnlich sieht es in Stuttgart aus: „In unserer Augenklinik haben sich bis heute Mittag rund 20 Patienten vorgestellt, die meinten, sie hätten einen Schaden aufgrund der Sonnenfinsternis“, sagte eine Sprecherin des Klinikums Stuttgart. „Bei keinem Patienten konnte ein Schaden festgestellt werden.“

Beschwerden auch in Freiburg

In Freiburg waren noch in der Nacht acht Menschen wegen Schmerzen in den Augen zur Universitätsklinik gekommen, am Tag danach hätten nochmal eine Handvoll über ein Brennen, Kopfschmerzen oder Flecken beim Sehen geklagt, sagte ein Sprecher. „Das wird in den kommenden Tagen auch so weitergehen, schätzen wir“, sagte er.
„Wir konnten bislang aber bei keinem von ihnen eine objektive Verschlechterung beim Sehen feststellen.“
Augenärzte hatten im Vorfeld der partiellen Sonnenfinsternis davor gewarnt, die „So-Fi“ mit ungenügendem Schutz oder mit gänzlich ungeschützten Augen anzuschauen. Das könne die Netzhaut beschädigen, wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) warnte.
Innerhalb von kürzester Zeit könne das Sonnenlicht an dieser lichtempfindlichen Schicht im Auge bleibende Schäden verursachen. Tückisch dabei: Für drohende Netzhautschäden gibt es keine Warnsignale. Bemerkt man Probleme beim Sehen, ist es schon zu spät. (dpa/red)
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Gutes Wetter für Sonnenfinsternis und Sternschnuppen

Bei der Sonnenfinsternis am Mittwochabend spielt in Deutschland das Wetter mit. Es gebe weiterhin Hochdruck-Einfluss, sagt Nils Damke, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst.
In Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen werden dann demnach zwar höhere Wolkenfelder aufziehen. Bei der Sonnenfinsternis stören diese laut Damke aber wahrscheinlich nicht. Der Rest von Deutschland habe einen klaren Himmel.
Am Abend – je nach Ort in Deutschland – ab etwa 19:15 Uhr schiebt sich der Mond vor die Sonne und sorgt für eine partielle Sonnenfinsternis. Dabei werden rund 85 bis 90 Prozent der Sonne bedeckt sein. Das Maximum wird zwischen etwa 20:00 Uhr und 20:15 Uhr erwartet.
Das Schauspiel endet mit Sonnenuntergang je nach Ort gegen 20:30 bis 21:00 Uhr. Da die Sonne sehr tief steht, benötigt man einen freien Blick nach Westen bis Nordwesten, am besten auf einer Anhöhe.

Auch freier Blick auf die Sternschnuppen

Weitgehend freie Sicht gibt es auch auf den in der Nacht folgenden Sternschnuppenstrom der Perseiden – die dann ihr Maximum haben. Während im äußersten Norden laut Damke Wolken den Blick auf die Sternschnuppen versperren können, ist der Himmel im Rest von Deutschland frei von Wolken.
Der Strom ist von 23:00 Uhr bis 4:00 Uhr morgens am besten zu beobachten, wobei Astronomen mit bis zu hundert Sternschnuppen pro Stunde rechnen. In diesem Jahr stört auch kein Mondlicht die Beobachtungen, denn es ist Neumond, wie bei jeder Sonnenfinsternis.

Leichte Bewölkung ist nicht so schlimm

Weitgehend gutes Wetter ist auch zur totalen Sonnenfinsternis in Spanien vorhergesagt, die einen Streifen des Landes gegen 20.30 Uhr komplett verdunkeln wird. Nach der Prognose des Wetterdienstes Aemet wird es in weiten Teilen des Landes überwiegend klar oder nur gering bewölkt sein.
Auch auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln, wo die Finsternis ebenfalls total zu sehen sein wird, sind die Wetteraussichten gut. In Teilen Nord- und Ostspaniens werden jedoch Wolken erwartet.
Mit einer selbstgebauten Lochkamera lässt sich die vom Mond partiell verdeckte Sonne auf Papier projizieren. (Archivbild)

Mit einer selbstgebauten Lochkamera lässt sich die vom Mond partiell verdeckte Sonne auf Papier projizieren. (Archivbild)

Foto: Ole Spata/dpa/dpa-tmn

Eine leichte Bewölkung sei bei einer partiellen Sonnenfinsternis nicht so schlimm, sagt der Sonnenexperte der europäischen Raumfahrtbehörde (Esa), Daniel Müller, dpa.
„Also wenn es so leichte Schleierwolken sind, macht das eigentlich keinen großen Unterschied. Da sieht man dann eben auch durch so eine Sonnenfinsternisbrille immer noch die teilweise verfinsterte Sonne.“ Diese sei das A und O bei einer Sonnenfinsternis und zwingend nötig.
Bei sehr dunklen Wolken würde man nichts sehen. „Aber auch dann dauert die partielle Sonnenfinsternis sehr viel länger als die totale. Da hat man auch gute Chancen, dass am selben Ort sich irgendwie die Bewölkung verändert. Also wahrscheinlich genauso gute Chancen, wie wenn man dann noch mit dem Auto irgendwo anders hinfahren würde.“
Bei einer Sonnenfinsternis stehen Sonne, Mond und Erde exakt auf einer Linie. „Das heißt, der Mond schiebt sich zwischen uns auf der Erde und die Sonne und wirft dabei seinen Schatten auf die Erde“, erklärt Sonnenexperte Müller. Die bislang letzte totale Sonnenfinsternis, die europäisches Festland traf, war 1999 auch in Teilen Süddeutschlands und Österreichs zu sehen.

Kernschatten ist rasend schnell

Diesmal verläuft die totale Phase von Nordsibirien über die Arktis an Grönland und Island entlang und durchquert Spanien. „Der Kernschatten des Mondes rast dabei sehr schnell“, sagt Müller. Er brauche daher nur ungefähr anderthalb Stunden über diesen gesamten Pfad auf der Erdkugel.
„Aber an einem einzelnen Ort ist diese Totalität relativ kurz bei dieser Sonnenfinsternis, so zwischen anderthalb Minuten auf Mallorca und maximal etwas über zwei Minuten westlich von Island.“
Das Himmelsschauspiel sollte man sich nur mit besonderen Sonnenfinsternisbrillen ansehen. (Archivbild)

Das Himmelsschauspiel sollte man sich nur mit besonderen Sonnenfinsternisbrillen ansehen. (Archivbild)

Foto: Axel Heimken/dpa

Dabei sei eine Sonnenfinsternisbrille zwingend nötig. „Man sollte nicht denken, dass man mit normalen Sonnenbrillen in die Sonne gucken sollte, auch nicht mit irgendwie selbstgemachten Filtern wie alten Röntgenbildern oder Rettungsdecken“, sagt Müller.
Er schlägt vor, eine kleine Lochkamera zu bauen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gibt im Internet eine Video-Anleitung dazu, wie man aus einer röhrenförmigen Chipsbox eine Lochkamera baut. Zudem bieten zahlreiche Planetarien und Sternwarten am Mittwochabend zur „Langen Nacht der Astronomie“ Beobachtungen der Sonnenfinsternis an.
Bei einer Sonnenfinsternis könne man „kurz vor der Totalität oder sicher auch bei 88 oder 90 Prozent partieller Sonnenfinsternis teilweise sehen, dass einfach die Lichtquelle Sonne sehr viel kleiner geworden ist“, sagt Müller.
„Und das sieht man daran, dass zum Beispiel Schatten auf einmal viel schärfer aussehen, viel mehr wie Scherenschnitte, weil eben auch die große Lichtquelle Sonne auf einmal zusammengeschrumpft ist zu einer kleinen Sichel.“ (dpa/red)
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Sonnenfinsternis trifft auf Sternschnuppen


In Kürze:

  • Am 12. August verdunkelt der Neumond die Sonne. Über Teilen von Grönland, Island und Spanien, einschließlich Mallorca, zeigt sich dies als totale Sonnenfinsternis.
  • Weltweit wiederholt sich ein derartiges Himmelsspektakel etwa alle 18 Monate, über Deutschland jedoch erst im Jahr 2081 wieder.
  • Während der knapp zweiminütigen Totalität kann die 1 Million Grad heiße Sonnenkorona gesehen werden – und womöglich gleichzeitig Sternschnuppen.
  • Der direkte Blick in die Sonne kann das Augenlicht unmittelbar und dauerhaft schädigen. Zertifizierte Sonnenfilter sind um ein Vielfaches dunkler als improvisierte Lösungen.

 
Mehrere Millionen Menschen können in Europa am 12. August ein ganz besonderes Himmelsschauspiel erleben, das es zuletzt im Jahr 1999 gegeben hat: eine totale Sonnenfinsternis. Auf dem europäischen Festland wird sie allerdings nur einen schmalen Streifen quer durch Spanien komplett verdunkeln.
Auch in Deutschland wird die Sonne durch den Mond verdeckt, aber nur zu rund 85 bis 90 Prozent. Die stärkste Bedeckung gibt es im äußersten Südwesten, in Freiburg sind es gut 90 Prozent. Eine besondere Zugabe bietet der Himmel kurze Zeit danach mit einem großen Sternschnuppenstrom.

Sonnenfinsternis, Sonnenuntergang, Sternschnuppen

In Deutschland startet die partielle Sonnenfinsternis im Nordosten – sie erreicht um 19:12 Uhr Greifswald und um 19:23 Uhr München. Ihr Maximum wird etwa in der Zeit zwischen 20:05 Uhr und 20:15 Uhr erwartet. Das Schauspiel endet in ganz Deutschland mit dem Sonnenuntergang in den Minuten um 21:00 Uhr. Die partielle Sonnenfinsternis ist im Großteil Europas, aber auch in Nordamerika und in Westafrika zu sehen.
Da die Sonne während der Sonnenfinsternis in Deutschland relativ tief am Horizont steht, ist sie am besten von einer Anhöhe aus mit freiem Blick nach Nordwesten oder Westen zu sehen – nötig ist dafür eine Sonnenfinsternisbrille. Auch zahlreiche astronomische Einrichtungen in ganz Deutschland laden in der „Langen Nacht der Astronomie“ zur Beobachtung der Sonnenfinsternis in Deutschland ein, einige bieten zudem Liveübertragungen aus Spanien an.
Nach der Sonnenfinsternis können sich Himmelsgucker auf ein weiteres Ereignis freuen: Der Meteorstrom der Perseiden hat in der Nacht vom 12. auf 13. August seinen Höhepunkt, wobei mit bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde zu rechnen ist. Die besten Beobachtungszeiten sind die Stunden von 23 Uhr bis 4 Uhr. In den frühen Abendstunden und mit bloßen Augen sind in unseren Breiten indes weit weniger zu sehen.

Mit 2.500 Kilometern pro Stunde nach Spanien

Die totale Sonnenfinsternis startet im nördlichen Sibirien, wo die Sonne gerade noch als Mitternachtssonne über dem Horizont zu sehen ist. In Deutschland ist es dann etwa 19 Uhr. Der Schatten des Mondes zieht am Nordpol vorbei sowie über den Osten Grönlands und den Westen Islands. Er erreicht Nordspanien, einen Zipfel von Portugal und zieht dann quer über die iberische Halbinsel und über die Balearen hinweg. Die totale Finsternis endet kurz nach 20:30 Uhr im Mittelmeer.
Am längsten dauert die Totalität mit 2 Minuten und 18 Sekunden etwa 100 Kilometer westlich der isländischen Küste vor der Inselgruppe Hvallátur.
An Land ist ein etwas erhöhter Standort ideal, da man von dort aus den Schatten des Mondes herannahen sehen kann. Er bewegt sich in Spanien mit einer Geschwindigkeit von etwa 2.500 Kilometern pro Stunde über die Erdoberfläche, umgerechnet etwa 42 Kilometer pro Minute.
Wer die totale Sonnenfinsternis vom heimischen Sofa aus betrachten möchte, kann sie per Livestream der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) verfolgen. Sie wird die Sonnenfinsternis vom Observatorio Astrofísico de Javalambre in Teruel, Spanien, übertragen und dabei fortlaufend Teleskopaufnahmen senden. Epoch Times wird diesen Livestream ebenfalls verbreiten.

Ein kosmischer Reigen

Bei einer Sonnenfinsternis steht der Mond auf einer Linie zwischen Sonne und Erde, sodass der Schatten des Mondes auf die Erde fällt. Deutschland liegt am 12. August nur im Halbschatten, der Mond bedeckt also nur einen Teil der Sonne. Im Kernschatten dagegen ist die Sonne völlig vom Mond bedeckt, die Sonnenfinsternis ist total.
Es ist ein astronomischer Zufall, dass der Mond die Sonne nahezu exakt verdecken kann. Denn der Sonnendurchmesser ist zwar einerseits etwa 400-mal größer als der des Mondes, aber andererseits ist die Sonne rund 400-mal weiter von der Erde entfernt als der Mond. Deshalb erscheinen beide Himmelskörper von der Erde aus gesehen in etwa gleich groß. Doch es gibt leichte Abweichungen.
Weil die Umlaufbahn des Mondes um die Erde nicht exakt kreisförmig, sondern leicht elliptisch ist, schwankt die Entfernung Erde–Mond etwas. Deshalb ändert sich auch die scheinbare Größe des Mondes am Himmel. Steht der Erdtrabant bei einer Finsternis gerade nahe dem erdfernsten Punkt seiner Bahn, so ist er geringfügig zu klein, um die Scheibe der Sonne vollständig abzudecken. Die Folge: Statt zu einer totalen kommt es zu einer – nicht minder beeindruckenden – ringförmigen Finsternis.

Eine Finsternis alle 18 Monate – aber erst 2081 wieder über Deutschland

Damit es zu einer Finsternis kommen kann, muss der Mond von der Erde aus gesehen in der gleichen Richtung stehen wie die Sonne, es muss also Neumond sein. Doch nicht bei jedem Neumond kommt es zu einer Sonnenfinsternis. Denn die Bahn des Mondes liegt ein wenig schief im All, sie ist um etwa 5 Grad gegen die Bahn der Erde gekippt. Daher zieht der Erdtrabant sozusagen meistens oberhalb oder unterhalb der Sonne vorbei. Nur zwei- bis fünfmal pro Jahr kommt es zu Sonnenfinsternissen.
Dabei fällt nicht immer auch der Kernschatten auf die Erde. Eine totale Sonnenfinsternis gibt es nur etwa alle 18 Monate – irgendwo auf der Erde. An einem bestimmten Ort kommen sie selten vor, da der Kernschatten mit einem Durchmesser von rund 200 Kilometern sehr klein ist.
Die bislang letzte totale Sonnenfinsternis war von Deutschland aus am 11. August 1999 zu sehen, die nächste wird erst am 3. September 2081 sein. Kuriosum am Rande: Bereits am 2. August nächsten Jahres ist wieder eine totale Sonnenfinsternis in Spanien zu sehen, jedoch nur im äußersten Süden. Der Höhepunkt wird sich in der Nähe von Luxor, Ägypten, zeigen. Am 26. Januar 2028 gibt es in Spanien eine ringförmige Sonnenfinsternis.

1 Million Grad heißes Plasma und Reste eines Kometen

Bei Eintritt der Totalität kommt es schlagartig zu einer Abnahme der Helligkeit – innerhalb von Sekunden herrscht eine Art späte Dämmerung und einige helle Sterne und Planeten erscheinen am Himmel. Besonders auffällig ist bei dieser Finsternis die Venus, die in einem Abstand von etwa 45 Grad links von der Sonne aufleuchtet.
Um die schwarze Scheibe der vom Mond verdunkelten Sonne herum erstrahlt während der Totalität die Korona. Bei diesem Strahlenkranz handelt es sich um die äußere Atmosphäre der Sonne, extrem dünn verteiltes Gas, das aufgrund seiner hohen Temperatur von über 1 Million Grad leuchtet. Diese Temperatur ist überraschend hoch, da die Oberfläche der Sonne lediglich 6.000 Grad Celsius heiß ist.
Dieses Jahr kommt noch ein anderes Himmelsspektakel dazu: der Meteorstrom der Perseiden. Bereits ungefähr eine Stunde nach der abendlichen Sonnenfinsternis lohnt sich daher der erneute Blick in den Himmel. Obwohl die Sternschnuppen bereits seit Mitte Juli fallen, erreichen sie erst im Zeitraum vom 9. bis 15. August sehenswert hohe Raten.
Das Maximum liegt 2026 in der Nacht vom 12. auf den 13. August und fällt damit mit der Sonnenfinsternis zusammen. Obwohl es auch während der Totalität nicht „schwarz wie die Nacht“ wird, ist nicht ausgeschlossen, dass helle Exemplare in diesen knapp zwei Minuten sichtbar über den Himmel ziehen.
Ihren Namen „Perseiden“ verdanken sie ihrem gemeinsamen, vermeintlichen Ursprung am Himmel im Sternbild Perseus. In Wirklichkeit gehen die im Volksmund auch Laurentius-Tränen genannten Sternschnuppen auf den Kometen 109P/Swift-Tuttle zurück, der auf seiner Bahn um die Sonne winzige Partikel ausgestoßen hat. Jedes Jahr im Sommer fliegt die Erde durch diese Staubfahne, wobei einige in der Erdatmosphäre verglühen.

Beim direkten Blick in die Sonne drohen augenblicklich Schäden

Ohne eine spezielle Sonnenfinsternisbrille kann ein Blick in die Sonne die Augen stark schädigen. Auch die hohe Abdeckung der Sonne während der Sonnenfinsternis durch den Mond in Deutschland oder die einsetzende Dämmerung ist kein Grund die Augen weniger gut zu schützen. „Der direkte Blick in die Sonne kann das Auge auch dann schädigen“, warnt Daniela Weiskopf vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).
Ohne Schutz „erzeugen die von der Augenlinse gebündelten Sonnenstrahlen eine gezielte Hitze in der Netzhaut, die die Sehzellen in kürzester Zeit schädigen kann“, ergänzt der Direktor der Augenklinik der Universitätsmedizin Göttingen, Hans Hoerauf. Sie seien dann nicht mehr funktionsfähig. „Es können sich irreversible Vernarbungen am Ort des schärfsten Sehens bilden.“
„Die Sonnenfinsternisbrillen sollten nach der europäischen Norm DIN EN ISO 12312-2:2015 mit entsprechender CE-Kennzeichnung versehen sein“, sagt Hoerauf. Die Schutzbrille müsse intakt sein und die Folie dürfe keine Kratzer, Löcher und Risse haben.
„Hochgefährlich ist übrigens auch die direkte Beobachtung der Sonne durch Ferngläser, Teleskope oder Kameras. Diese Geräte bündeln die Sonnenstrahlen zusätzlich.“ Sie taugen jedoch dazu, das Bild der Sonne – für eine begrenzte Zeit – auf eine Leinwand oder Ähnliches abzubilden.

Ferngläser oder Feldstecher ermöglichen die risikoarme Beobachtung der Sonnenfinsternis, solange sie ausschließlich als Projektoren dienen. Wer direkt hindurch sieht, riskiert dauerhafte Augenschäden! Dennoch sollte auch die Projektion zeitlich begrenzt bleiben, da sich die Optik ebenfalls erhitzt und Schaden nehmen kann.

Foto: ts/Epoch Times

1.000-mal dunkler als eine Sonnenbrille

Das BfS warnt in diesem Zusammenhang auch vor Tipps, die derzeit wieder verstärkt in den sozialen Netzen und im Internet kursieren: Kein zuverlässiger Schutz für die Augen, sondern gefährlich seien etwa schwarze Filmstreifen, mit Kerzenruß geschwärzte Gläser, gefaltete Rettungsdecken, Sonnenbrillen, Schweißerbrillen oder Gletscherbrillen, Röntgenbilder und CDs. Sie alle bieten – obwohl scheinbar undurchsichtig – nicht die gleichen Filtereigenschaften wie spezielle Sonnenfilter.
Für die direkte Beobachtung durch ein Fernglas oder das Fotografieren mit Teleobjektiv taugen diese jedoch nicht. Dafür geeignete Sonnenfilter lassen nur noch etwa ein Hunderttausendstel des Lichts durch und sind damit um ein Vielfaches „schwärzer“ als die vermeintlichen Alternativen und etwa um das Tausendfache dunkler als normale Sonnenbrillen.
Mit Material der Nachrichtenagenturen
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Kam das Leben vom Mars zur Erde?


In Kürze:

  • Mars und Erde entstanden vor über 4,5 Milliarden Jahren, wobei der Rote Planet etwas Vorsprung hatte.
  • Heute bietet unser kosmischer Nachbar weder Wasser noch Atmosphäre, doch das war nicht immer so.
  • Während die Erde sich nach einem gigantischen Einschlag wortwörtlich neu formte, bot der frühe Mars über Jahrmillionen bessere Bedingungen für das Leben.
  • Könnte es sein, dass dieses frühe Leben rechtzeitig den Absprung schaffte, bevor der Mars unbewohnbar wurde, und eine neue Heimat auf der Erde fand?

 
Wie entstand das Leben auf der Erde? Zwar haben Wissenschaftler Theorien dazu, doch verstehen sie noch nicht vollständig, welche chemischen Abläufe genau zur Entstehung des Lebens führten und wann die ersten primitiven Lebensformen auftauchten.
Was aber, wenn das Leben auf der Erde nicht hier seinen Ursprung hätte, sondern mit Meteoriten vom Mars hierher gelangte? Es ist zwar nicht die am meisten favorisierte Theorie zum Ursprung des Lebens, bleibt aber dennoch eine faszinierende Hypothese. Hier werden wir die Argumente dafür und dagegen untersuchen.

Gute Ausgangslage auf Mars und Erde?

Der zeitliche Ablauf ist ein entscheidender Faktor. Der Mars entstand vor etwa 4,6 Milliarden Jahren, während die Erde mit 4,54 Milliarden Jahren etwas jünger ist. Die Oberflächen beider Planeten waren anfangs geschmolzen, bevor sie allmählich abkühlten und sich verfestigten.
Theoretisch hätte Leben kurz nach der Entstehung sowohl auf der Erde als auch auf dem Mars unabhängig voneinander entstehen können. Während die marsianische Oberfläche heute für Leben, wie wir es kennen, eher unbewohnbar ist, herrschten auf dem frühen Mars vermutlich ähnliche Bedingungen wie auf der frühen Erde.
Der frühe Mars scheint eine schützende Atmosphäre und flüssiges Wasser in Form von Ozeanen, Flüssen und Seen gehabt zu haben. Möglicherweise war er auch geothermisch aktiv, mit zahlreichen hydrothermalen Schloten und heißen Quellen, die die notwendigen Bedingungen für die Entstehung von Leben boten.
Jezero-Krater auf dem Mars

Diese Abbildung zeigt den Jezero-Krater, wie er vor Milliarden von Jahren auf dem Mars ausgesehen haben könnte, als er noch ein See war.

Foto: NASA/JPL-Caltech

Vor etwa 4,51 Milliarden Jahren prallte jedoch ein marsgroßer, felsiger Planet namens Theia auf die Ur-Erde. Durch diesen Einschlag verschmolzen beide Himmelskörper miteinander und trennten sich anschließend in unsere Erde und ihren Mond. Hätte sich Leben vor diesem Ereignis entwickelt, hätte es dieses sicherlich nicht überlebt.
Der Mars hingegen erlebte wahrscheinlich kein globales Umschmelzereignis. Der rote Planet musste im turbulenten frühen Sonnensystem zwar zahlreiche Einschläge hinnehmen, doch deuten die Beweise darauf hin, dass keiner davon groß genug gewesen wäre, um den Planeten vollständig zu zerstören. Einige Gebiete könnten daher relativ stabil geblieben sein.
Wenn also auf dem Mars kurz nach der Entstehung des Planeten vor 4,6 Milliarden Jahren Leben entstanden wäre, hätte es sich mindestens eine halbe Milliarde Jahre lang ohne größere Unterbrechungen weiterentwickeln können.
Nach dieser Zeit brach das Magnetfeld des Mars zusammen, was den Anfang vom Ende der Bewohnbarkeit des Mars markierte. Die schützende Atmosphäre verschwand, wodurch die Oberfläche des Planeten eisigen Temperaturen und ionisierender Strahlung aus dem Weltraum ausgesetzt war. Doch wie sah es auf der Erde aus? Wie schnell entstand Leben nach dem Einschlag, der den Mond formte?

Eine Frage des Zeitpunkts

Führt man den Stammbaum des Lebens bis zu seinen Wurzeln zurück, gelangt man zu einem Mikroorganismus namens LUCA (Last Universal Cellular Ancestor, zu Deutsch: letzter gemeinsamer Vorfahre aller Lebewesen). Dies ist die Mikrobenart, von der die Forschung alles heutige Leben ableitet.
Eine aktuelle Studie rekonstruierte die Eigenschaften von LUCA mithilfe der Genetik und der Fossilienfunde des frühen Lebens auf der Erde. Daraus wurde geschlossen, dass LUCA vor 4,2 Milliarden Jahren lebte – früher als einige frühere Schätzungen vermuteten.
Doch LUCA war nicht der früheste Organismus auf der Erde, sondern eine von mehreren Mikrobenarten, die zu dieser Zeit gleichzeitig auf unserem Planeten existierten. Sie standen im Wettbewerb miteinander, kooperierten, überlebten die Widrigkeiten der Natur und wehrten Angriffe von Viren ab. Wenn es vor etwa 4,2 Milliarden Jahren auf der Erde kleine, aber recht komplexe Ökosysteme gab, muss das Leben schon früher entstanden sein. Doch wie viel früher?

Vereinfachter Stammbaum des Lebens mit LUCA und LECA, wie ihn sich die Forscher vorstellen.

Die neue Schätzung für das Alter von LUCA liegt bei 360 Millionen Jahren nach der Entstehung der Erde und 290 Millionen Jahren nach dem Mond-bildenden Einschlag. Wir wissen lediglich, dass sich in diesen 290 Millionen Jahren irgendwie Chemie zu Biologie entwickelte. Reichte diese Zeit aus, damit Leben auf der Erde entstehen und sich dann zu den Ökosystemen diversifizieren konnte, die zu Lebzeiten von LUCA existierten?
Ein marsianischer Ursprung des irdischen Lebens umgeht diese Frage. Der Hypothese zufolge könnten Arten marsianischer Mikroorganismen auf Meteoriten zur Erde gelangt sein – gerade rechtzeitig, um von den günstigen Bedingungen nach der Mondentstehung zu profitieren.
Der Zeitpunkt mag für diese Idee günstig sein. Als jemand, der auf diesem Gebiet arbeitet, würde ich jedoch vermuten, dass 290 Millionen Jahre reichlich Zeit sind, damit chemische Reaktionen die ersten Lebewesen auf der Erde hervorbringen und sich die Biologie anschließend diversifizieren und komplexer werden konnte.

Die Reise vom Mars zur Erde überstehen

Das rekonstruierte Genom von LUCA lässt vermuten, dass es sich von molekularem Wasserstoff oder einfachen organischen Molekülen als Nahrungsquellen ernähren konnte. Zusammen mit anderen Hinweisen deutet dies darauf hin, dass LUCAs Lebensraum entweder ein flaches marines Hydrothermalquellen-System oder eine geothermische heiße Quelle war.
Bislang nehmen Forscher an, dass solche Umgebungen auf der frühen Erde die notwendigen Bedingungen boten, damit Leben aus nicht-lebender Chemie entstehen konnte. LUCA verfügte zudem über biochemische Mechanismen, die es vor hohen Temperaturen und UV-Strahlung schützen konnten – echte Gefahren in diesen frühen Umgebungen der Erde.
Es ist jedoch keineswegs sicher, dass frühe Lebensformen die Reise vom Mars zur Erde hätten überleben können. Und nichts im Genom von LUCA deutet darauf hin, dass es besonders gut an den Weltraumflug angepasst war.

Heiße geothermale Quellen, wie sie heute im Yellowstone National Park existieren, könnten der Lebensraum für früheste Mikroorganismen wie LUCA gewesen sein.

Foto: Daphne Zheng/iStock

Um es bis zur Erde zu schaffen, hätten Mikroorganismen zunächst den ersten Aufprall auf der Marsoberfläche und einen Hochgeschwindigkeitsausstoß aus der Marsatmosphäre überstehen müssen. Danach folgte eine fast einjährige Reise durch das Vakuum des Weltraums, bei der sie die Bombardierung mit kosmischer Strahlung überleben mussten.
Anschließend hätten sie den hochtemperaturreichen Eintritt in die Erdatmosphäre und einen weiteren Aufprall auf die Erdoberfläche überstehen müssen. Dieses letzte Ereignis hätte sie möglicherweise in eine Umgebung gebracht, an die sie auch nur ansatzweise angepasst waren – oder auch nicht.

Wahrscheinlichkeit gering, aber nicht null?

Die Wahrscheinlichkeit, dass all dies geschieht, erscheint mir ziemlich gering. So schwierig der Übergang von der Chemie zur Biologie auch erscheinen mag, so erscheint er mir doch weitaus einfacher als die Vorstellung, dass dieser Übergang auf dem Mars stattfinden würde, wobei Lebensformen die Reise zur Erde überleben und sich dann an einen völlig neuen Planeten anpassen würden. Ich könnte mich jedoch irren.
Es ist sinnvoll, sich Studien anzusehen, die untersuchen, ob Mikroorganismen die Reise zwischen Planeten überleben könnten. Bislang sieht es so aus, als könnten das nur die widerstandsfähigsten Mikroorganismen. Dabei handelt es sich um Arten, die sich daran angepasst haben, Schäden durch Strahlung zu vermeiden, und die durch die Bildung von Sporen in der Lage sind, Austrocknung zu überleben.
Meteorit vom Mars mit mikroskopisch kleine Fossilien

In dem Mars-Meteoriten ALH84001 sollen mikroskopisch kleine Fossilien eingeschlossen sein.

Foto: JSC via NASA

Aber vielleicht könnten Mikroorganismen, wenn eine Population von ihnen im Inneren eines ausreichend großen Meteoriten eingeschlossen wäre, vor den meisten der rauen Bedingungen im Weltraum geschützt sein. Einige Computersimulationen stützen diese Idee sogar. Derzeit laufen weitere Simulationen und Laborexperimente, um dies zu überprüfen.
Dies wirft eine weitere Frage auf: Wenn Leben innerhalb der ersten 500 Millionen Jahre nach der Entstehung unseres Sonnensystems vom Mars zur Erde gelangt ist, warum hat es sich dann in den folgenden vier Milliarden Jahren nicht von der Erde auf den Rest des Sonnensystems ausgebreitet? Vielleicht sind wir also doch keine Mars-Menschen.
Dieser Artikel erschien im Original auf theconversation.com unter dem Titel „Are we the Martians? The intriguing idea that life on Earth began on the red planet“. (redaktionelle Bearbeitung: ts)The Conversation
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Sternschnuppen am Himmel: Unerklärlich viele Sichtungen


In Kürze:

  • In den USA wurde eine deutliche Zunahme an Feuerkugeln, sprich, sehr hellen Sternschnuppen, registriert.
  • Die American Meteor Society schließt eine Zunahme der Beobachter aus.
  • Auch in Deutschland kommt es immer wieder zu Sichtungen.
  • Laut der NASA treten Meteore sogar „recht häufig auf“. Nur wenige sind auch am Tag sichtbar.

 
Genauso wie es eine jährliche Hurrikan- und Tornadosaison gibt, erlebt Nordamerika laut NASA auch eine jährliche „Feuerkugel-Saison“ oder Sternschnuppen-Saison.
„Von Februar bis April können diese sehr hellen Meteore um bis zu 10 bis 30 Prozent öfter auftreten, insbesondere in den Wochen um die März-Tagundnachtgleiche“, erklärte die NASA Ende März, nachdem im Frühjahr mehrere „Feuerkugelereignisse“ viral gegangen waren. „Der genaue Grund dafür ist nicht bekannt. Einige Astronomen vermuten, dass die Erde zu dieser Jahreszeit auf mehr große Trümmerteile trifft, was zu einem Anstieg der Sichtungen von Sternschnuppen führt.“
Doch die relativ regelmäßige Hochsaison scheint in diesem Jahr ungewöhnlich aktiv gewesen zu sein. Die American Meteor Society, die seit 1911 professionelle und amateurhafte Sichtungen sammelt, gab an, dass in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 insgesamt 41 große Feuerkugelereignisse gemeldet wurden. Das ist fast doppelt so viel wie die durchschnittliche Anzahl gemeldeter Ereignisse für diesen Zeitraum in den vorangegangenen fünf Jahren. „Groß“ bedeutet dabei, dass sie von jeweils mehr als 50 Personen beobachtet wurden.
Mike Hankey, Betriebsleiter der American Meteor Society, teilte der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times mit, dass im ersten Quartal 2021 ebenfalls ein Anstieg großer Feuerkugelereignisse verzeichnet wurde. Damals wurden 30 Ereignisse gemeldet, die jeweils mindestens 50 Personen beobachtet hatten.

Anstieg nicht wegen mehr Beobachtern

Hankey erklärte weiter, dass es sich hierbei speziell um einen Anstieg „sporadischer“ Meteore handele. Diese stünden in keinem Zusammenhang mit größeren Kometen oder Asteroiden oder regelmäßig beobachteten Meteorschauern. Der plötzliche Anstieg sei nicht darauf zurückzuführen, dass mehr Menschen den Himmel beobachteten, sagte er.
Astronomen, die sich der Beobachtung des Himmels auf fallende Weltraumgesteine verschrieben haben, sind sich nicht sicher, was den Anstieg verursacht hat oder ob es sich überhaupt um eine echte Anomalie handelt – ein einmaliges, unvorhersehbares Ereignis.
Auch Hankey will nicht behaupten, dass seine Daten – eine Analyse von Feuerkugelereignissen seit 2011 – schlüssig sind. „Ich würde nicht sagen, dass es etwas Weltbewegendes ist. […] Ohne eine Veröffentlichung, die das belegt, kann ich [aber auch] nicht sagen: ‚Oh, das ist keine statistische Anomalie.‘ Vielleicht ist es das doch.“ Weiter sagte er:
„Es ist nur eine Beobachtung, oder? Es heißt lediglich: ‚Hey, das ist der höchste Verkehr, den wir je in einem einzigen Monat hatten.‘“

Was ist eine „Feuerkugel“?

Der Begriff „Feuerkugel“ ist im Wesentlichen die Bezeichnung der NASA für das, was Kinder als helle Sternschnuppe bezeichnen würden. Dabei handelt es sich um ein mehr oder weniger kleines Bruchstück, dessen selbstzerstörerischer Flug durch die Erdatmosphäre eine Lichtspur erzeugt, die heller erscheint als die Venus.
Alle Weltraumgesteine mit einem Durchmesser von mehr als 1 Meter werden als „Asteroiden“ bezeichnet, alles, was kleiner ist, als „Meteoroiden“. Meteoroiden lösen sich normalerweise von einem Kometen oder Asteroiden. In seltenen Fällen handelt es sich um Teile des Mondes oder anderer Planeten.
Tritt ein Asteroid oder Meteoroid in die Erdatmosphäre ein und hinterlässt eine Leuchtspur am Himmel, wird er zu einem „Meteor“ beziehungsweise einer Sternschnuppe. Wenn mehrere Objekte vom scheinbar selben Ursprungspunkt aus in die Atmosphäre eintreten, wird dieses Ereignis als „Meteorschauer“ bezeichnet. Alle Teile des Meteors, die den Flug durch die Atmosphäre überstehen und die Erdoberfläche erreichen, werden als Meteoriten bezeichnet.
Erreicht ein Meteor eine Helligkeit, die stärker ist als die Leuchtkraft der Venus, wird er als „Feuerkugel“ eingestuft. „Sie treten mit relativ geringer Geschwindigkeit in die Atmosphäre ein“, erklärte Hankey. „Ein langsamerer Eintritt bedeutet, dass der Meteor länger am Himmel zu sehen ist, über ein größeres Gebiet sichtbar ist, häufiger Überschallknalle erzeugt und mehr Material überlebt, um als Meteorit den Boden zu erreichen.“

Komet, Asteroid oder Meteoroid? Die verschiedenen Arten von Weltraumgesteinen in der Übersicht.

Foto: Epoch Times nach American Meteor Society

Keine seltenen Ereignisse

Ein und derselbe Gesteinsbrocken wird also je nach Situation anders bezeichnet. Ein anschauliches Beispiel lieferte eine Feuerkugel, die am 17. März über Teilen Kanadas und den Vereinigten Staaten gesichtet wurde, über Nord-Ohio auseinanderbrach und dabei die verschiedenen Bezeichnungen für Himmelsgestein durchlief:
Die NASA bestätigte, dass es sich bei dem herabstürzenden Objekt um einen Asteroiden mit einem Durchmesser von etwa 2 Metern und einem Gewicht von etwa 7 Tonnen handelte. Mit dem Eintritt in die Atmosphäre wurde dieser zu einem Meteor. Bei einer Geschwindigkeit von rund 72.000 Kilometern pro Stunde leuchtete er so hell, dass er zu einer Feuerkugel wurde. Schließlich explodierte der Brocken in der Luft, und mehrere Fragmente sind als Meteoriten auf der Erdoberfläche eingeschlagen.
Obwohl dieses Ereignis in den USA landesweit für Aufsehen sorgte, erklärte die NASA, dass es nicht allzu selten sei. „Meteore treten eigentlich recht häufig auf“, so die Weltraumbehörde. „Sie kommen ständig vor, und Feuerbälle sind in jeder beliebigen Nacht zu sehen. Oft finden sie jedoch über dem Meer oder in unbewohnten Gebieten ohne Zeugen statt oder tagsüber, was es schwierig macht, sie zu entdecken.
„Beobachter, die einen klaren Blick auf einen solchen am dunklen Himmel erhaschen, kommen in den Genuss eines spektakulären Himmelsspektakels – das jedoch kaum selten ist.“
Meistens handelt es sich auch bei Feuerkugeln um kleine Objekte, die einen nur wenige Sekunden andauernden Lichtblitz am Himmel erzeugen, erklärte Hankey gegenüber Epoch Times. Manche können jedoch groß genug sein, um einen Überschallknall zu verursachen und Trümmer auf den Boden zu schleudern, was möglicherweise zu Personen- und Sachschäden führen kann. Allein vom Ereignis am 17. März in den USA wurden mehr als 200 Bruchstücke gefunden.
In Deutschland beschädigten Meteoriten im selben Monat mehrere Häuser im Hunsrück, in der Eifel und in Koblenz. Den zugehörigen Meteor meldeten Augenzeugen aus Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg.

1.000 Augen Richtung Nachthimmel

Augenzeugenberichte sind jedoch nicht die einzigen Quellen für Meteorsichtungen. Die American Meteor Society nutzt das aus 1.000 Kameras bestehende „All Sky 7“-Netzwerk, um den Nachthimmel so genau wie möglich im Blick zu behalten. Durch diese Datenerfassung ist die Gesellschaft in der Lage, die Geschwindigkeit, Größe und Herkunft eines Meteors zu ermitteln.
Die NASA hat unterdessen mit dem „NASA All-Sky Fireball Network“ ihre eigenen Augen am Himmel. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von 17 Kameras, die über die USA verteilt sind und vom NASA Meteoroid Environment Office betrieben werden. Die Forscher versuchen zudem herauszufinden, wie groß das Risiko ist, das diese Himmelsgesteine und ihre offenbar saisonalen Schwankungen für Raumfahrzeuge darstellen, die in und jenseits der Erdumlaufbahn fliegen.
Die meisten Feuerbälle sind jedoch winzig und lassen sich nur sehr schwer verfolgen. „Die Objekte sind ziemlich klein“, sagte Hankey. „Ein Golfball erzeugt eine Feuerkugel. Eine Bowlingkugel erzeugt eine riesige Feuerkugel. Etwas von der Größe eines Stuhls würde eine gigantische Feuerkugel erzeugen. Aber für ein Teleskop, das 1 Million Meilen entfernt ist, ist das nicht einmal ein Fleckchen.“ 1 Million Meilen entsprechen rund 1,6 Millionen Kilometern.
Das planetare Verteidigungsnetzwerk der NASA sucht deshalb gezielt nach Weltraumgesteinen, die 140 Meter oder größer sind. Falls sie in die Erdatmosphäre eindringen, können sie buchstäblich das Antlitz der Erde verändern. Derartige Ereignisse sind zum Glück wirklich selten.

Ist der Anstieg der Feuerkugeln nun eine Anomalie?

Der jüngste, scheinbar zufällige Anstieg sporadischer Feuerkugeln könnte sich letztlich als gar nicht so zufällig herausstellen, schließt Hankey. Sicher ist er sich nicht und verweist auf die im Laufe der Jahre gesammelte Datenmenge:
„Wenn wir denselben Ausschlag im Jahr 2031 beobachten, könnte das Aufschluss geben“, sagte er und ergänzte: „Ich meine, da werde ich wahrscheinlich schon fast 70 sein. So ist das eben in der Astronomie.“
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Astronomers Tracking Unexplained Spike in Meteor Events“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: mf)
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Wir sehen mehr als jemals zuvor, und verstehen so wenig wie nie


In Kürze

  • Regensburger Forscher können mit einem neuartigen Mikroskop Dinge auf atomarer Ebene sichtbar machen.
  • Das James-Webb-Teleskop liefert nie dagewesene Bilder des Universums.
  • Immer präzisere Instrumente zeigen in erster Linie, wie wenig wir wirklich wissen. Grundfragen bleiben unbeantwortet, im Großen wie im Kleinen.
  • Wahre Erkenntnisse entstehen durch neue Perspektiven, die nicht durch bessere Technik zu erreichen sind.

 
Atomare Eigenschaften konnten bisher nur berechnet oder gemessen werden. Physikern um Felix Schiegl von der Universität Regensburg ist es 2025 gelungen, die feinsten Strukturen erstmals rein optisch abzubilden. Das verwendete Nahfeld-optische Tunnelmikroskop (NOTE) ermöglicht durch Quanteneffekte Messungen bis etwa 0,1 Nanometer (nm). Im Vergleich zur herkömmlichen Lichtmikroskopie verbessert dies die Auflösung um mehr als das Tausendfache. Deren theoretische Auflösungsgrenze liegt bei 177 bis 488 nm.
Am anderen Ende der Größenskala zeigen James-Webb- und andere Teleskope das Universum in einer Klarheit, die vor Jahrzehnten noch unvorstellbar gewesen wäre. Galaxien, einst optisch nur als schwache Flecken sichtbar, treten als gewaltige, fein strukturierte Systeme hervor. Gaswolken leuchten in pastellenen Schichten, und selbst die Regionen um Schwarze Löcher, einst nur theoretisch greifbar, sind inzwischen wahrnehmbar und formen die Materie um sie herum.
Doch wenn wir mehr sehen, bedeutet dies zwangsläufig auch, dass wir mehr verstehen?
Es ist kaum möglich, Bilder aus den Tiefen des Universums zu betrachten, ohne ein demütiges Staunen zu empfinden. Hier handelt es sich um reale Beobachtungen, entstanden aus Licht, das Milliarden von Jahren durch den Weltraum gereist ist, bevor es uns erreichte. Die Bilder sind ohne Frage eine Errungenschaft menschlichen Erfindungsreichtums, und doch sind sie für einige Wissenschaftler etwas beunruhigend: Sie zeigen etwas, was niemand erwartet hätte.

Bessere Bilder erweitern, was wir nicht wissen

Eine der überraschendsten Entdeckungen, die das James-Webb-Teleskop ermöglichte, ist die Erkenntnis, dass Galaxien scheinbar deutlich früher entstanden sein müssen, als theoretische Modelle prognostizierten. Strukturen, die einst als langwierig in ihrer Entstehung eingestuft worden waren, schienen sich rasant entwickelt zu haben. Das frühe Universum, das lange als einfach und spärlich galt, erscheint nun komplex und hochgradig organisiert.
Über Dekaden gingen wir davon aus, dass ein detaillierteres Bild des Universums auch zu einem tieferen Verständnis desselben führen müsste. Mit der Entwicklung einer immer noch verbesserten Auflösung unserer Teleskope glaubten wir, dass sich die Geschichte des Kosmos endlich offenbaren werde. Aber das Gegenteil ist der Fall. Was einst für eine einfache Struktur gehalten wurde, offenbart sich heute als fein abgestimmtes, hochdynamisches System.
Schwarze Löcher erzählen eine ähnliche Geschichte: Das James-Webb-Teleskop hat gezeigt, dass es keine seltenen kosmischen Kuriositäten sind. Sie sind zahlreich, einflussreich und formen ganze Regionen des Weltalls. Und dann wäre da noch das größte Rätsel von allen: Ein fundamentaler Teil des Universums scheint aus Materie zu bestehen, die wir nicht unmittelbar sehen können. Dunkle Materie und dunkle Energie sind Bezeichnungen, die wir unbekannten Kräften geben, die wir nur anhand ihrer Auswirkungen ableiten können.
Trotz jahrzehntelanger Forschung und zunehmend detaillierterer Bilder wissen wir nach wie vor nicht, um welche Energien und Kräfte es sich handelt, die doch alles zu beherrschen scheinen.
Die grundlegenden Fragen bleiben auch hier offen: Warum bestehen die Gesetze der Physik so, wie sie bestehen? Was hält das Universum schließlich zusammen? Und auch das gilt ebenso im Mikroskopischen: Obwohl wir beschreiben können, was das Gehirn tut, wissen wir nicht, warum Bewusstsein überhaupt existiert.
Wieder und wieder zeigen uns unsere Werkzeuge, wie sich die Dinge verhalten – aber nicht, warum sie existieren.

An der Grenze des Erkennbaren angekommen

Lange Zeit haben wir angenommen, dass sich die Antworten automatisch offenbaren würden, wenn wir noch genauer hinschauen, noch mehr Details oder das noch größere Ganze sehen können. Wir haben uns vorgestellt, dass sich der Vorhang bald vollständig lüftet und damit Erkenntnisse wie selbstverständlich hinter der nächsten, verbesserten technischen Auflösung in Erscheinung treten werden. Doch die Zeit hat uns lediglich vor Augen geführt, dass wir von beispiellosen Details, Strukturen und Daten umringt sind, während die tiefsten Geheimnisse weiterhin unergründlicher erscheinen als je zuvor.
Unsere modernen Apparaturen sind außerordentlich gut im Messen und Kartieren, doch sie wurden nicht dafür entwickelt, uns die Bedeutung des Untersuchten in ihrem Wesen zu erläutern. Wir besitzen keine visuelle Vorstellungskraft dafür, wie die Existenz physikalischer Gesetze oder deren fein abgestimmtes Gleichgewicht zu erklären sein könnten. Damit haben wir eine Grenze unserer Forschung erreicht, die wir längst hätten erkennen müssen.
Aus historischer Sicht resultierten die wichtigsten Erkenntnisse der Menschheit nicht aus der Anwendung präziserer Werkzeuge. Sie offenbarten sich in Perspektivwechseln. Durch Menschen, die neue Fragen zu den vorhandenen Wahrnehmungen und Daten stellten.
Das heliozentrische Weltbild, das die Sonne anstatt die Erde ins Zentrum gestellt hat, hat das Verständnis über den Kosmos grundlegend verändert. Buddha hat durch tiefe Selbstreflexion Einsicht in die Ursachen des Leidens gewonnen. Und Sokrates hat durch konsequentes Hinterfragen erkannt, dass wahre Weisheit im Bewusstsein der eigenen Unwissenheit liegt. In allen drei Fällen hat nicht die Technik, sondern eine neue Sichtweise zu grundlegender Erkenntnis geführt.
Beobachtung war schon immer wichtig, aber Einsicht und Weisheit waren früher noch wichtiger.

Wissen ist Macht, doch welche Macht haben wir wirklich?

Heute sind wir außerordentlich versiert darin, Informationen zu sammeln; doch ist uns häufig nicht klar, zu welchem Resultat dies jeweils führen wird. Sollte uns nicht genau das zu denken geben? Denn der optische Eindruck, den das James-Webb-Teleskop letztlich vermittelt, fußt nicht auf irgendeinem spontanen Zufall, sondern bildet sich in einer bemerkenswerten Präzision ab.
Auf jeder Ebene schauen wir auf ein Gleichgewicht, eine Struktur und eine so exakte Feinabstimmung, dass selbst kleinste Veränderungen ganze Systeme zerstören würden. Von Galaxien bis zu den Bestandteilen der Materie selbst wirkt die Realität sorgfältig und bis ins kleinste Detail geplant.
Wir leben in einer Kultur, die Wissen oft als Mittel zur Kontrolle einordnet. Wir nehmen an, dass Verständnis gleichbedeutend mit Beherrschung ist und diese naturgemäß auf immer klarerem Sehen beruht. Und wieder und wieder widersetzt sich das Universum dieser Vorstellung. Je genauer wir optisch wahrnehmen, desto deutlicher stoßen wir auf Grenzen. Nicht nur in unseren Theorien, sondern auch in dem, was unsere technischen Apparate leisten.
Unsere neuen Mikroskope und Teleskope sind in ihrer Reichweite außergewöhnlich. Dies ermöglicht, feiner und ferner zu sehen als jemals zuvor. Doch keines dieser Geräte hat uns den Antworten auf unsere größten Fragen nähergebracht. Sie haben uns lediglich gezeigt, dass Antworten nicht durch neue Werkzeuge oder eine engere Sichtweise gefunden werden können. Sie haben uns gezeigt, woher die Antworten nicht kommen werden. Das schmälert keineswegs die menschlichen Leistungen. Es relativiert sie.

Der Kern neuer Erkenntnisse … liegt in uns

Irgendwann in der Geschichte haben wir begonnen, von unseren Messgeräten und Maschinen zu erwarten, dass sie uns Sinn stiften. Uns nicht nur Informationen, sondern auch bedeutungsvoll Essenz vermitteln. Doch als sie uns ein ums andere Mal enttäuscht haben, hat sich die Gesellschaft dazu entschieden – anstatt innezuhalten und nachzudenken –, dass Bedeutung selbst eine Illusion sein müsse und die menschliche Wahrnehmung das Problem sei.
Was, wenn das Gegenteil der Fall ist?
Was wäre, wenn das menschliche Sehen selbst, als perfektes Konstrukt und geprägt von Erfahrung, Erinnerung, Gewissen und Ehrfurcht, in Wahrheit ein wesentlicher Erkenntnisweg zum wahren Bewusstsein wäre? Wenn Nachdenken, Ehrfurcht und sogar das Gebet nicht durch irgendeine Technik ersetzbare Wege der Realitätswahrnehmung sind?
In diesem Sinne erweitert das James-Webb-Teleskop nicht nur unsere Sicht, es rückt sie wieder gerade.
Wenn uns diese neuen Bilder etwas lehren, dann vielleicht nicht, dass das Universum endlich erklärt ist. Sondern dass die Realität sorgfältiger gestaltet, großartiger und geheimnisvoller ist, als wir es uns jemals hätten vorstellen können.
Vielleicht besteht der nächste Schritt nicht darin, genauer hinzuschauen, sondern klüger hinzuschauen. Neu zu lernen, wie wir mit den Augen sehen, die uns gegeben wurden. Möglicherweise ist es das, wozu das Sehen als Kern der Wahrnehmung, in seiner reinsten Form, schon immer gedient hat.
Dieser Artikel erschien im Original in der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times unter dem Titel: „Seeing More Than Ever but No Closer to Understanding“. (redaktionelle Bearbeitung sj/ts)