Ein Trümmerfeld unter dem Eis der Antarktis deutet auf ein einst massives Bergmassiv am heutigen Südpol hin. Sichtbar ist es aus zweierlei Gründen nicht mehr. - Foto: Nancy Pauwels/iStock
Ein Gehirn = zwei Organe?
Dass linke und rechte Hirnhälfte unterschiedliche Funktionen steuern, ist bekannt. Auch, dass graue und weiße Substanz eigene Aufgaben haben, wissen wir. Aber hätten Sie gedacht, dass Ihr Gehirn eigentlich zwei unabhängige Organe sind? Demnach entwickelt sich das Hinterhirn, das unter anderem Herzschlag und Atmung steuert, aus anderen Zellen als das Mittel- und Vorderhirn, die uns Reflexe und Denkvermögen verleihen. Dennoch gehen beide im frühesten Entwicklungsstadium auf das sogenannte Ektoderm zurück, dessen Bildung beim Menschen etwa drei Wochen nach der Befruchtung beginnt. Bereits in dieser Phase „entstehen gleichzeitig zwei parallele Gehirnvorläufer“, so die Forscher aus Kalifornien, einschließlich unterschiedlicher aktiver Gene. Hühner, Zebrafische und Meereswürmer weisen diese Unterteilung ebenfalls auf. (ger)
Auf einem Acker bei Wesseling in Nordrhein-Westfalen haben Archäologen einen Schatz aus mehr als 900 römischen Silbermünzen ausgegraben. Der Großteil des Geldes stammt aus der Zeit von Kaiser Hadrian der 117–138 n. Chr. regierte und stellt mit insgesamt 3,1 Kilogramm Silber ein beträchtliches Vermögen dar. „Damit handelt es sich um den größten Münzschatz aus dieser Zeit in Deutschland, weltweit ist es der fünftgrößte“, erklärt Landesarchäologe Dr. Erich Claßen. Wieso und von wem das wertvolle Gut vergraben wurden, ist nicht bekannt. Der Schatzfund wird nun erstmalig im LVR-Landesmuseum Bonn gezeigt. (kms)
Ein Teil der über 900 entdeckten Münzen bei Wesseling in Nordrhein-Westfalen.
Foto: Marcel Zanjani/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Himalaya unter der Antarktis
99,5 Prozent der Antarktis ist heute von Eis bedeckt. Daher lassen sich Rückschlüsse auf die Geologie im Untergrund nur anhand voreiszeitlicher Spuren und Fernerkundungen wie Bohrkernen ziehen. Ein solches Blickfenster machten sich Geologen um Bei Chen von der Australischen Nationaluniversität zunutze. Ihre Studie ergab, dass sich unter der Eisdecke 650 bis 450 Millionen Jahre alte Schichten befinden, die zu jener Zeit entstanden, als sich der Großkontinent Gondwana bildete. Dabei könnte ein Gebirge von der Größe des Himalayas entstanden sein, das später vollständig erodierte und heute nur noch als riesige Ansammlung von Sediment unter dem Ewigen Eis ruht. (kms)
Rund 65 Prozent aller Fasern auf dem Weltmarkt sind aus Kunststoff, was der Umwelt schadet. Um die Textilindustrie nachhaltiger zu machen, suchen Forscher seit Langem nach Alternativen – einschließlich Pilzen. Bisherige Bemühungen scheiterten daran, dass bei der Herstellung die Pilzzellen starben und ein zerbrechliches Endprodukt entstand. Nun haben chinesische Forscher das fadenförmige Myzel der Puppen-Kernkeule (Cordyceps militaris) benutzt, um flexible, lebende Stoffbahnen zu fertigen. Ihr Stoff konnte jegliche Farben annehmen, vor UV-Strahlen schützen und Muster wachsen lassen. Außerdem konnte der Prototyp eines Kleides seine eigenen Risse mit Wasser und Pilzflicken heilen. Trotz der positiven Ergebnisse handelt es sich bei der Entwicklung noch nicht um ein tragfähiges und alltagstaugliches Kleidungsstück. (ts)
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Die Puppen-Kernkeule (Cordyceps militaris) gehört zu den Schlauchpilzen und kommt in Europa vor.
Für viele erinnern Dinosaurier optisch eher an Echsen als an die Vorfahren unserer Vögel. Dabei war der König der Fleischfresser – Tyrannosaurus rex – ein gar nicht so kaltblütiges Reptil, wie viele denken. Tatsächlich haben US-amerikanische Paläontologen um Robert Eagle ganz ohne Messen der Körpertemperatur entdeckt, dass T. rex ein Warmblüter war. Hierfür fühlten sie „Thomas“, einem Tyrannosaurus-Skelett aus Los Angeles auf den Zahn. Denn ein warmblütiges Tier weist in seinem Zahnschmelz weniger chemische Bindungen auf als ein kaltblütiges Tier. Das Ergebnis: 36 °C – fast genauso viel wie bei Menschen. Damit ist der Beweis erbracht, dass der Tyrann unter den Echsen ein schneller Räuber war und keine träge, sich in der Sonne aalende Bestie. (kms)
Zu wissen, wann unsere Sonne erneut in ihrem Aktivitätsmaximum ist, hilft den Menschen, sich auf mögliche technische Störungen durch Sonneneruptionen vorzubereiten. Um deren Vorhersage zu verbessern, haben sich Forscher um Sandra Chapman von der University of Warwick mit dem elfjährigen Sonnenzyklus und seinem alles andere als sanften Wechsel beschäftigt. Dabei entdeckten sie, dass der abrupte „Umschaltpunkt“ von einem zum nächsten Zyklus und die Zahl seiner Sonnenflecken einen Hinweis auf die Stärke des kommenden Zyklus liefert. Was genau das für die Zukunft bedeutet, wird sich in zwei Jahren zeigen: dann beginnt der neue Zyklus 26. Erste Prognosen deuten auf eine ähnlich starke Sonne wie im aktuellen Zyklus hin. (ts)
Sonneneruption, aufgenommen von der Sonde „Solar Orbiter“
Foto: Solar Orbiter/EUI Team/ESA & NASA/dpa
Was wäre, wenn Yellowstone ausbricht?
Vor etwa 631.000 Jahren ereignete sich in der heutigen USA eine Katastrophe: der Supervulkan Yellowstone brach aus. Würde unsere moderne Zivilisation ein solches Ereignis überleben? Dieser Frage gingen Ilan Kelman, Professor für Gesundheit, und der Geologe Matthew Blackett nach. Beide kommen zu dem Entschluss: „Ja, aber …“ Zunächst sorgt der Ausbruch für enorme Mengen Asche und weit verwüstete Landschaften. Alle Überlebenden werden in den folgenden Monaten mit Erkrankungen durch schlechte Luft, verschmutztes Wasser und andere Spätfolgen konfrontiert. Lieferketten und Stromnetze brechen zusammen, Industrie und Landwirtschaft kommen zum Erliegen und die globale Temperatur sinkt um bis zu 1,5 °C. Insgesamt könnte die Weltbevölkerung auf 7,9 Milliarden Menschen sinken – davon hätten 4,8 Milliarden keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser. (kms)
Oft staunen wir, wie Opernsänger mit Leichtigkeit in höchsten Tönen singen. Nun haben Forscher der University of Warwick herausgefunden, dass der Indri (Indri indri), der weltweit einzige bekannte singende Lemur, offenbar eine auffallend ähnliche Gesangstechnik einsetzt. Dabei koordinieren die Primaten aus Madagaskar ihre Mundöffnung mit der Frequenz ihrer Gesänge. Kurz gesagt: Je höher die Tonhöhe des Gesangs, desto weiter öffnen Indris ihren Mund, um ihn zu singen. Dieses Talent nutzen die Affen, um sich über große Entfernungen mit anderen Gruppen austauschen zu können. (kms)
Der Indri ist weltweit der einzige bekannte singende Lemur.
Foto: Artush/iStock
Unordnung für grünen Wasserstoff
Platin, Iridium und Ruthenium sind für die Wasserelektrolyse ebenso wichtig wie verflucht: Sie sind (zu) teuer. Eine mögliche Lösung fanden indische Forscher um Prof. Ranganathan in sogenanntem einschichtigen amorphen Kohlenstoff. Anders als die höchst geordnete Struktur in Graphen verfügt dieser über Unregelmäßigkeiten, Verzerrungen sowie Berge und Täler. Genau jene begünstigen laut Berechnungen die Bildung von Wasserstoff und könnten – so sich die Ergebnisse bestätigen – die Platinmetalle als Katalysatoren ersetzten. Ob, und wann sie tatsächlich zum Einsatz kommen ist offen. Sowohl die experimentelle Bestätigung als auch Untersuchungen zur Gesamtreaktion, zur Herstellung und zur Haltbarkeit stehen aktuell noch aus. (ts)
Fettansammlung in Muskelzellen stellt ein großes Gesundheitsproblem dar, das durch Faktoren wie fettreiche Ernährung, Bewegungsmangel und Alterung begünstigt wird. Sie verringern die Fähigkeit des Körpers, Glukose und Fettsäuren effizient zu verwerten, was die metabolische Flexibilität und die Insulinresistenz beeinträchtigt. Ein einfaches Mittel dagegen, kommt aus dem Obstregal, wie eine neue Studie aus Japan zeigt. Laut den Forschern um Professor Takakazu Mitani hilft das natürlich vorkommende Polyphenol in Heidelbeeren, Trauben und anderen Beeren eine übermäßige Fettansammlung zu verhindern. (ger)
Beeren verhindern eine übermäßige Fettansammlung in den Muskeln.
Foto: Zakharova_Natalia/iStock
Erde wird runder – und weniger rund
Entgegen der kindlichen Vorstellung ist der Erdball keine perfekte Kugel, sondern an ihren Polen leicht abgeflacht und am Äquator gewölbt. Doch natürliche Prozesse wie schmelzendes Eis oder Plattentektonik verändern die Form. Und um das besser zu verstehen, hat der griechische Geologe Prof. Christoforos Kotsakis satellitengestützte Messdaten untersucht. Dabei entdeckte er, dass sich die Pole zu heben und der Äquator abzusenken scheint, womit die Erdmasse runder wird. Gleichzeitig flacht laut Daten das masseabhängige Schwerefeld stärker ab, womit die tatsächliche Erdform möglicherweise unrunder wird. (ts)
Sprache und Feuer gelten als Marker des Menschseins – und beides könnte in puncto Erfindung enger miteinander verknüpft sein, als bislang erwartet. Eine Theorie besagt, dass unsere Vorfahren zunächst mittels Gesten kommunizierten. Das ist jedoch zeitlich begrenzt, denn im Dunkeln sind Handzeichen schwer bis nicht mehr wahrnehmbar. Forscher um Catherine Hobaiter von der Universität St. Andrews vermuten deshalb, dass Geschichtenerzählen am Lagerfeuer wesentlich zur Sprachentwicklung beitrug. Weil das Licht zu schwach war, hätten die frühen Menschen zu den Gesten auch Laute benötigt, um sich zu unterhalten. Dies wiederum soll letztlich die sozialen Bindungen untereinander gestärkt und Wissen vermittelt haben, wodurch der Mensch zu seinem erfindungsreichen Ich kam. (kms)
Einer Theorie zufolge könnte Lagerfeuer bei der Entwicklung der Sprache geholfen haben.
Foto: Dmytro Aslanian/iStock
Strand, Meer, Mars
Weite Sandstrände und das Rauschen der Wellen im weiten Ozean: Was wie Urlaub in der Südsee klingt, soll die Vergangenheit des Mars vor Milliarden Jahren gewesen sein. Den Beweis wollen chinesische Forscher mit ihrem Rover „Zhurong“ erbracht haben, der 2021 auf dem Roten Planeten landete. Seine Bilder zeigen Schichten, die nicht wie Sanddünen, Einschlagskrater oder Lavaströme aussehen. Vielmehr seien sie Spuren von Wellen, die an der Küste brandeten und allmählich die von den Flüssen ins Meer gespülten Sedimente verteilten und ablagerten. Dies stützt die Annahme, dass der Mars einst große eisfreie Gewässer besaß und nicht wie heute ein zumindest oberflächlich kalter, trockener und staubiger Planet war. (ts)
Die Darmgesundheit spielt eine entscheidende Rolle für das allgemeine Wohlbefinden, wobei Verstopfung eines der am weitesten verbreiteten Verdauungsprobleme ist. Dennoch bleibt sie oft unbemerkt oder unbehandelt, bis sie das tägliche Leben beeinträchtigt. Unter den vielen Ansätzen zur Behandlung von Verstopfung sticht körperliche Aktivität als eine der einfachsten und am häufigsten empfohlenen Maßnahmen hervor, wie eine neue Studie von japanischen Forschern untermauert. So zeigten Yohei Otaka und Kollegen, dass bereits wenige Minuten Bewegung nach dem Essen den Darm in Schwung bringt. Wie passend, dass dies die letzte Meldung in dieser Übersicht ist. (ger)
Bereits wenige Minuten laufen kann die Verdauung in Bewegung bringen und Verstopfungen vorbeugen.
Die neu entdeckte Wildkatze Leopardus tilcayo aus Bolivien. - Foto: Paola Nogales Ascarrunz/Wikimedia Commons | CC BY-SA 4.0, Epoch Times
Fahrerlos in die Filiale
Rund 100 Meter trennen das Lidl-Zentrallager Edermünde und die Filiale an der Langen Heideteile südwestlich von Kassel. Für Aufmerksamkeit sorgt der Warentransport zwischen beiden Standpunkten dennoch: Seit Mitte September erfolgt dieser mittels Lkw ohne Fahrer und sogar ohne Fahrerhaus. 15 Paletten kann der dreiachsige, rund acht Meter lange und bislang auf 25 km/h begrenzte Lkw transportieren. Weitere Fahrzeugdaten nennen weder der schwedische Hersteller noch die Handelskette. Ganz ohne Fahrer geht es dennoch nicht. Gemäß aktuellen Auflagen begleitet ein „Local Operator“ den Lkw auf seiner rund 400 Meter langen Strecke in einem separaten Fahrzeug. Eine zweite Phase soll die Ausweitung auf eine weitere Filiale einschließen.
Premiere im deutschen Lebensmitteleinzelhandel: Lidl und Einride haben den E-LKW mit autonomer Fahrfunktion auf öffentliche Straßen gebracht.
Foto: Lidl
Ihr Kaffee hat ein Gedächtnis
Wer Kaffee zu lange stehen lässt, wird Zeuge eines unvermeidlichen physikalischen Prinzips: Wärme fließt von einem heißeren Körper – Ihrem Kaffee – zu einem kälteren – der Umgebung. Auf atomarer Ebene scheint diese universelle Regel nicht mehr so unumstößlich. Nicht nur kann Wärme zu einem heißeren Körper fließen, sondern sogar Informationen eines früheren Ereignisses tragen und somit eine Art Gedächtnis haben. „Wärme erinnert sich nicht wie wir an eine Person oder ein Ereignis“, erklärt Prof. Jianjun Dong von der Auburn University. „Seine Erinnerungen sind in mikroskopischen Bewegungen des Materials gespeichert.“ Während heißer Kaffee sich also weder Ihr Gesicht noch Namen merken kann, kann er vielleicht wissen, wie energisch Sie Ihre Tasse abgestellt haben.
Eine Tasse Kaffee am Morgen kann erstaunliches leisten: die Stimmung aufhellen und eine Erinnerung bergen.
Foto: dmf87/iStock
Fehlendes Chromosom könnte Krebs begünstigen
Jede Zelle im männlichen Körper trägt normalerweise ein X- und ein Y-Chromosom. Besonders Immunzellen können letzteres im Alter einbüßen und, so eine neue Studie, eine „versteckte Zone genetischer Anfälligkeit“ für Krebs hinterlassen. Dr. Dan Theodorescu vom Krebszentrum der University of Arizona und sein Team analysierten rund 1.000 Gewebeproben von über 400 Männern. Dabei konnten sie den Verlust von Y-Chromosomen in „normal erscheinendem Gewebe neben Tumoren“ nachweisen. Gerade dies mache die Entdeckung so spannend, und sei womöglich „eines der frühesten Anzeichen sich bildender Tumore“, so der Medizinprofessor. Dies könnte eines Tages Ärzten helfen, Unregelmäßigkeiten in Biopsien zu erkennen, die kleine Tumore übersehen.
Liegt Nofretete hinter Tutanchamun?
Baustruktur und Malereien ließen Ägyptologen hinter dem Grab von Tutanchamun seit 2015 weitere Räume vermuten. Neue Untersuchungen verdichten diese Annahme und deuten auf verborgene Kammern und Gänge hinter einer Scheinwand hin. Diese könnten seit der Antike verschlossen und vor dem Tod Tutanchamuns entstanden sein. Erneut flammt damit die Hoffnung auf, dass dort das Grab von Nofretete – der Stiefmutter des jungen Pharaos – liegen könnte. Möglich ist auch, dass dort lediglich Lagerräume sind oder die potenzielle Grabkammer durch Sturzfluten gestört ist. Ob es weitere Untersuchungen geben wird und die Forscher mittels Bohrungen einen Blick hinter die Wand werfen dürfen, muss der Oberste Rate für Altertümer in Ägypten noch entscheiden.
In Deutschland und der Schweiz würde das Summen wildlebender Honigbienen ohne Imkerei binnen eines Jahrzehnts gänzlich verstummen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um Dr. Patrick Kohl von der Universität Hohenheim anhand der Analyse von 700 Nistplätzen in sieben europäischen Ländern. In Südostengland würden sich die Bestände alle zehn Jahre hingegen vervielfachen. Die Untersuchung bildet die Grundlage für die Aufnahme wildlebender Westlicher Honigbienen auf die Rote Liste der IUCN als „stark gefährdet“.
Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) steht auf der Roten Liste als „stark gefährdet“.
Foto: Samuel Ray/iStock
Alkohol aus dem Erdreich
Lignin ist der Baustoff der Natur, der Pflanzen Festigkeit verleiht, kann laut Forschern der Universität Heidelberg aber auch Methanol bilden. Nötig sei dafür lediglich Erde und Wasser. Konkret spalten reaktive Eisen-Sauerstoff-Verbindungen einzelne Methoxygruppen vom Lignin ab. Dieser Prozess ist bisher vor allem bei knapp 300 Grad Celsius, erhöhtem Druck und Wasserstoffumgebung bekannt. In der Natur genügen Zimmertemperatur, Normaldruck und Anwesenheit von Wasser, selbst nach mehreren Trockenzyklen. Biologisch aktivere Böden setzten weniger Methanol frei, vermutlich weil Mikroorganismen die Verbindung als Energiequelle nutzen. Was das für Umwelt und Materialwissenschaft – Lignin ist als Abfallprodukt der Papierindustrie ein vielversprechender alternativer Rohstoff – bedeutet, ist Gegenstand künftiger Forschung.
Fraß unsere Sonne eine Supererde?
Im Gegensatz zu vielen anderen Sonnensystemen besitzt unseres keine Supererde. Wieso das so ist, fragen sich Astronomen seit vielen Jahren. Eine mögliche These ist, dass sie in jungen Jahren von der Sonne verschlungen wurde. Der türkische Forscher Prof. Mutlu Yildiz von der Ege-Universität hält dies für möglich und vermutet, dass die Sonne noch immer Spuren ihres Mahles in sich tragen könnte. So würden die subtilen Veränderungen der inneren Struktur der Sonne und ihr geringer Lithiumgehalt für das Verschlingen eines Planeten mit dem 5- bis 10-Fachen der Erdmasse sprechen. Ein endgültiger Beweis dafür könne laut den Forschern jedoch nie erbracht werden.
Leopardus tilcayo schleicht sich als erste neu entdeckte Katzenart seit 100 Jahren in den Stammbaum der Tigerkatzen. Ihr hellbraunes Fell mit dunklen, unregelmäßigen Rosetten ermöglicht beste Tarnung in den bolivianischen Bergwäldern – und erschwerte Forschern die Unterscheidung von vier artverwandten Katzen, die erstmals 1775 vom Thüringer Mediziner und Naturforscher Johann Christian Daniel Scheber (1739-1810) beschrieben wurden. Mit „Tilcayo“ übernehmen die Entdecker jenen Namen, den Einheimische seit Generationen für die Wildkatze verwenden.
Die neu entdeckte Wildkatze Leopardus tilcayo aus Bolivien.
Abtrieb aus künstlichen Gelenken lässt sich im Gehirn ihrer Träger nachweisen. In einer Autopsiestudie mit 701 verstorbenen Menschen fanden Forscher des Rush University Medical Center um Robin Pourzal erhöhte Konzentrationen von Kobalt, Titan und typischen Legierungen von Implantaten. Dass sich derartige Partikel im benachbarten Gewebe ablagerten, ist seit Jahren bekannt, neu ist, dass sie auch ins Gehirn gelangen. Welchen Weg sie dorthin nehmen, vermag die neue Studie dennoch nicht sagen. Unsicher ist ebenfalls, ob erhöhte Werte im Gehirn zu Demenz beitragen. Bei Kobalt zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang, bei Titan schon. Dies lasse sich aber nicht eindeutig auf künstliche Gelenke zurückführen, weil Titanverbindungen unter anderem auch in Nahrung und Medikamenten vorkommen.
Burg in Universität gefunden
Lange suchten Historiker nach der verschollenen Burg Roebuck. Jetzt hat der irische Archäologe Tadhg O’Keeffe vom University College Dublin Hinweise gefunden: aber nicht in Form von Schriftquellen, sondern von Mauern. Tatsächlich war die Burg aus dem 13. Jh. nicht wie viele andere abgerissen, sondern neu aufgebaut und später als archäologisches Institut der Universität verwendet worden. Detaillierte Malereien des Baus aus dem Jahr 1765 machten es möglich, die unter dem Putz verborgen mittelalterlichen Strukturen wiederzuentdecken. Jetzt können Studenten ihre Zeit in dem einstigen Burghof verbringen, der heute der Innenhof ihrer Universität ist.
Zeichnung der Burg Roebuck von dem Maler Gabriel Beranger aus dem Jahr 1768.
Moderne Batterien bestehen aus sehr vielen, sehr dünnen Schichten. Dabei wechseln sich Kathode und Anode sowie Stromleiter und Trennschichten ab. Dieser Aufbau ermöglicht hohe Leistungen, die vielen inaktiven Schichten benötigen jedoch ihrerseits Platz. Forscher um Dr. Oliver Fitz vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme haben die Dicken einzelner Schichten „von bisher üblichen 100 bis 200 Mikrometer auf bis zu 800 Mikrometer“ vervielfacht, die Zahl nötiger Schichten reduziert und dadurch Material gespart. Auf demselben Bauraum und bei gleichem Gewicht wird so mehr Platz für aktives Material. Das erhöht die Energiedichte um rund 10 bis 15 Prozent. Obgleich die Fertigung auf einer „industrienahen Fertigungslinie“ erfolgte, sei weitere Forschung nötig.
Menschliche Zellen in Mäusen
Neurologische Erkrankungen sind schwer zu untersuchen, da das Gehirn komplex und sein lebendes Gewebe fast unzugänglich ist. US-amerikanische Forscher um Prof. Sergiu Pașca von der Stanford Medicine haben dennoch eine Möglichkeit gefunden. Dafür haben sie genetisch veränderte Mäuse erzeugt und ihnen funktionsfähige menschliche Hirnorganoide eingepflanzt. Danach wurden die Nager mit Sauerstoffmangel konfrontiert, der nachweislich zu neurologischen Schäden führt. Der Versuch zeigte funktionelle Einschränkungen bei den menschlichen Gehirnzellen, nicht aber bei normalen Mäusen, was auf die Einzigartigkeit des menschlichen Gehirns hindeutet. Künftig wollen die Mediziner mit dieser Methoden Epilepsie, Autismus und andere Krankheiten erforschen.
Für den Tierversuch wurden die Mäuse so genetisch verändert, dass der Großteil ihres Neokortex und Hippocampus nicht gebildet wurde.
Foto: JacobStudio/iStock
Schon gewusst? Heißes Eis im All
Bei Eis denken wir zunächst an gefrorene Würfel, die wir in ein kaltes Getränk geben. Doch auf den Gasplaneten Neptun und Uranus gibt es auch heißes, flüssiges Eis. Dieser nach irdischem Maßstab seltsame Zustand liegt an der immensen Hitze und des enormen Drucks. Dadurch sind Sauerstoffatome in einem festen Gitter gebunden, während Wasserstoffkerne wie eine Flüssigkeit frei durch sie hindurchfließen können, und sich sogenanntes superionisches Eis bildet.
Nicht alle Wege führen nach Rom
Verkehrstechnisch gilt Rom heute als Mittelpunkt des Römischen Reiches. Das haben dänische Forscher der Universität Aarhus widerlegt, indem sie 300.000 Kilometer des antiken Straßennetzes untersuchten. Dabei entdeckten sie, dass nicht alle Straßen gerade verliefen, sondern sich – wo nötig – der Landschaft anpassten und Provinzhauptstädte oft wichtige Knotenpunkte waren. Doch nicht Rom spielte eine dominierende Rolle, sondern die spätantike Hauptstadt Konstantinopel. Und noch etwas zeigte sich: Römische und heutige Ingenieure nutzten nicht selten die gleichen Strecken, sodass die moderne Infrastruktur wortwörtlich Parallelen zur antiken aufweist.
Rekonstruierter Verlauf der 299.171 Kilometer römische Straßen, die in der Studie untersucht wurden.
Nordkorea führte 2006 bis 2017 sechs unterirdische Kernwaffentests durch. Unmittelbar danach traten zahlreiche kleinere Erdbeben auf, die Spannungen und Einstürze im Untergrund zeigten, binnen Wochen jedoch abklangen. Am 2.205 Meter hohen Mantapsan nahm die seismische Aktivität hingegen bis 2025 zu. „Besonders bemerkenswert“ ist laut Prof. Kwang-Hee Kim von der Pusan National University, dass die „Erdbeben mit der Zeit eine zunehmend deutliche Verteilung entlang bestehender Störungen“ zeigten, was auf eine Reaktivierung der geologischen Bruchzonen durch die Sprengungen deute. Aufgrund unterschiedlicher Geologie lassen sich die Ergebnisse nicht direkt auf andere Testgelände übertragen, erfordern zugleich aber eine langfristige Überwachung – auch bei weniger intensiven Bodennutzungen.
Erster Riese Europas
Unser Kontinent ist um einen Dinosaurier reicher: Paläontologen haben in Spanien die fossilen Überreste eines Diplodocus entdeckt. Dieser gehört zu den Sauropoden, im Volksmund auch Langhälse genannt, und war bislang ausschließlich aus Fundstellen in den USA bekannt. Der 25 Meter lange Gigant wanderte vor 150 Millionen Jahren zwischen den heute voneinander getrennten Kontinenten Europa und Nordamerika umher. Die Fossilien sind derzeit im Dinosaurier-Saal des Museo Aragonés de Paleontología in Dinópolis bei Teruel, Ostspanien, öffentlich ausgestellt.
Die bisherige Annahme besagt, dass die Sonne in rund fünf Milliarden Jahren die Erde verschlingen wird. (Symbolbild) - Foto: Nazarii Neshcherenskyi/iStock
In Kürze:
Die bisherige Annahme besagt, dass sich unsere Sonne in rund fünf Milliarden Jahren zu einem Roten Riesen entwickelt und die Erde verschlingen wird.
Forscher aus Belgien nutzten genauere Berechnungen statt vereinfachte Näherungen und entdeckten ein anderes mögliches Schicksal unseres Planeten.
Demnach ist ein Überleben sicher – wenn die Erde das heikle Tauziehen der Gezeitenkräfte überlebt und die Sonne schnell genug an Masse verliert.
Wenn die Sonne in etwa fünf Milliarden Jahren das Ende ihres Lebens erreicht, wird sie sich zu einem Riesenstern ausdehnen, der hunderte Male größer ist als heute. Seit Jahrzehnten diskutieren Astronomen darüber, was dies für die Erde bedeutet. Wird unser Planet von der sich ausdehnenden Sonne verschlungen oder wird er in eine weit entfernte Umlaufbahn entkommen?
Eine neue Studie zeigt, dass die Antwort ungewisser ist als bisher angenommen. Anhand der neuesten Modelle zur Sternentwicklung und zu Gezeitenwechselwirkungen kommen die Forscher um Mats Esseldeurs jedoch zu dem Ergebnis, dass die Erde beide Riesenphasen der Sonne überstehen könnte. Dies gelinge aber nur, wenn die Sonne in den letzten Stadien ihrer Entwicklung schnell genug an Masse verliert.
Ein heikles Tauziehen
Während sich die Sonne zu einem Roten Riesen entwickelt, bestimmen zwei konkurrierende Prozesse das Schicksal der Erde. Einerseits wird sich die Sonne enorm ausdehnen, wodurch die gravitationsbedingten Gezeitenkräfte zunehmen. Die Folge: Unser Planet wird nach innen gezogen und „verschlungen“.
Andererseits wird die Sonne einen großen Teil ihrer Masse durch den Sonnenwind verlieren. Wenn die Sonne leichter wird, verschiebt sich die Umlaufbahn der Erde allmählich nach außen, wodurch ein Jahr auf unserem Planeten länger und das Erdklima kühler wird.
„Das Schicksal der Erde hängt von einem empfindlichen Gleichgewicht zwischen diesen beiden Effekten ab“, erklärte Mats Esseldeurs von der belgischen Katholieke Universiteit Leuven. „Wenn die Gezeitenwechselwirkungen überwiegen, wird die Erde verschlungen. Wenn der Massenverlust überwiegt, entkommt die Erde in eine weiter außen liegende Umlaufbahn.“
Frühere Studien kamen oft zu dem Schluss, dass die Erde letztlich von der Sonne verschlungen werden würde. Viele dieser Annahmen stützten sich jedoch auf vereinfachte Beschreibungen der Gezeitenwechselwirkungen im Inneren von Riesensternen.
Ein Blick ins Innere der zukünftigen Sonne
Die neue Studie nutzt modernste Berechnungen der Gezeiten-Dissipation, die auf der inneren Struktur und Dynamik von entwickelten Sternen basieren. Diese Modelle wurden vom Forschungsteam in früheren Arbeiten entwickelt und beruhen auf genauen Berechnungen statt auf vereinfachten Näherungen.
Mithilfe dieser aktualisierten Modelle stellten die Forscher fest, dass die Gezeitenwechselwirkungen schwächer sind als bisher angenommen. Infolgedessen bleibt die Erde während der Riesenphasen weiter von der Sonne entfernt, was ihre Überlebenschancen signifikant erhöht.
In den Simulationen werden Merkur und Venus unweigerlich von der sich ausdehnenden Sonne verschlungen. Die Erde hingegen überstehe beide Riesenphasen und gelange schließlich in eine weiter außen liegende Umlaufbahn. Dort wird unser Planet um den Weißen Zwerg kreisen, zu dem sich die Sonne letztlich entwickeln wird.
Schematische Darstellung der Entwicklung der Sonne. Die Abbildung zeigt die Sonne, wie sie heute aussieht (1.), während sie ihre beiden Riesenphasen durchläuft (2. und 3.), bevor sie ihr Leben als Weißer Zwerg beendet (4.).
Foto: KU Leuven
Eine riesige Ungewissheit
Trotz dieses ermutigenden Ergebnisses ist die Sache noch nicht entschieden. Die Forscher fanden heraus, dass das endgültige Ergebnis davon abhängt, wie schnell die Sonne während ihrer letzten Riesenphase an Masse verliert. Diese Massenverlustraten gehören jedoch nach wie vor zu den wenig erforschten Aspekten der Sternentwicklung.
Um diese Unsicherheit zu untersuchen, wandte sich das Team „L2 Puppis“ zu, einem nahegelegenen, entwickelten Stern, der oft als Vorgeschmack auf die Zukunft der Sonne angesehen wird. Nach dieser auf Beobachtungen basierenden Schätzung wird sich die Erde gerade so weit nach außen bewegen, dass sie überleben kann.
„Die größte Unsicherheit ergibt sich nicht mehr aus den Gezeitenberechnungen, sondern davon, wie viel Masse die zukünftige Sonne verlieren wird“, sagt Mats Esseldeurs. „Beobachtungen sonnenähnlicher Riesensterne deuten derzeit auf das Überleben der Erde hin, aber wir benötigen bessere Beobachtungen, bevor wir sicher sein können.“
Die Studie verdeutlicht, wie die Beobachtung von entwickelten Sternen Hinweise auf die ferne Zukunft unseres eigenen Sonnensystems liefern können. Zukünftige Observatorien und Missionen werden viele weitere Planeten um Riesensterne entdecken, was es Astronomen ermöglicht, Modelle zum Überleben von Planeten zu überprüfen. Ob die Erde letztlich überlebt oder nicht – wir werden es wohl nie erfahren.
Die Studie erschien am 19. Juni 2026 in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“.
Es gibt eine Hypothese, die besagt, dass das Leben auf der Erde vom Mars stammt. - Foto: NASA/JPL
In Kürze:
Mars und Erde entstanden vor über 4,5 Milliarden Jahren, wobei der Rote Planet etwas Vorsprung hatte.
Heute bietet unser kosmischer Nachbar weder Wasser noch Atmosphäre, doch das war nicht immer so.
Während die Erde sich nach einem gigantischen Einschlag wortwörtlich neu formte, bot der frühe Mars über Jahrmillionen bessere Bedingungen für das Leben.
Könnte es sein, dass dieses frühe Leben rechtzeitig den Absprung schaffte, bevor der Mars unbewohnbar wurde, und eine neue Heimat auf der Erde fand?
Wie entstand das Leben auf der Erde? Zwar haben Wissenschaftler Theorien dazu, doch verstehen sie noch nicht vollständig, welche chemischen Abläufe genau zur Entstehung des Lebens führten und wann die ersten primitiven Lebensformen auftauchten.
Was aber, wenn das Leben auf der Erde nicht hier seinen Ursprung hätte, sondern mit Meteoriten vom Mars hierher gelangte? Es ist zwar nicht die am meisten favorisierte Theorie zum Ursprung des Lebens, bleibt aber dennoch eine faszinierende Hypothese. Hier werden wir die Argumente dafür und dagegen untersuchen.
Gute Ausgangslage auf Mars und Erde?
Der zeitliche Ablauf ist ein entscheidender Faktor. Der Mars entstand vor etwa 4,6 Milliarden Jahren, während die Erde mit 4,54 Milliarden Jahren etwas jünger ist. Die Oberflächen beider Planeten waren anfangs geschmolzen, bevor sie allmählich abkühlten und sich verfestigten.
Der frühe Mars scheint eine schützende Atmosphäre und flüssiges Wasser in Form von Ozeanen, Flüssen und Seen gehabt zu haben. Möglicherweise war er auch geothermisch aktiv, mit zahlreichen hydrothermalen Schloten und heißen Quellen, die die notwendigen Bedingungen für die Entstehung von Leben boten.
Diese Abbildung zeigt den Jezero-Krater, wie er vor Milliarden von Jahren auf dem Mars ausgesehen haben könnte, als er noch ein See war.
Foto: NASA/JPL-Caltech
Vor etwa 4,51 Milliarden Jahren prallte jedoch ein marsgroßer, felsiger Planet namens Theia auf die Ur-Erde. Durch diesen Einschlag verschmolzen beide Himmelskörper miteinander und trennten sich anschließend in unsere Erde und ihren Mond. Hätte sich Leben vor diesem Ereignis entwickelt, hätte es dieses sicherlich nicht überlebt.
Der Mars hingegen erlebte wahrscheinlich kein globales Umschmelzereignis. Der rote Planet musste im turbulenten frühen Sonnensystem zwar zahlreiche Einschläge hinnehmen, doch deuten die Beweise darauf hin, dass keiner davon groß genug gewesen wäre, um den Planeten vollständig zu zerstören. Einige Gebiete könnten daher relativ stabil geblieben sein.
Wenn also auf dem Mars kurz nach der Entstehung des Planeten vor 4,6 Milliarden Jahren Leben entstanden wäre, hätte es sich mindestens eine halbe Milliarde Jahre lang ohne größere Unterbrechungen weiterentwickeln können.
Nach dieser Zeit brach das Magnetfeld des Mars zusammen, was den Anfang vom Ende der Bewohnbarkeit des Mars markierte. Die schützende Atmosphäre verschwand, wodurch die Oberfläche des Planeten eisigen Temperaturen und ionisierender Strahlung aus dem Weltraum ausgesetzt war. Doch wie sah es auf der Erde aus? Wie schnell entstand Leben nach dem Einschlag, der den Mond formte?
Führt man den Stammbaum des Lebens bis zu seinen Wurzeln zurück, gelangt man zu einem Mikroorganismus namens LUCA (Last Universal Cellular Ancestor, zu Deutsch: letzter gemeinsamer Vorfahre aller Lebewesen). Dies ist die Mikrobenart, von der die Forschung alles heutige Leben ableitet.
Eine aktuelle Studie rekonstruierte die Eigenschaften von LUCA mithilfe der Genetik und der Fossilienfunde des frühen Lebens auf der Erde. Daraus wurde geschlossen, dass LUCA vor 4,2 Milliarden Jahren lebte – früher als einige frühere Schätzungen vermuteten.
Doch LUCA war nicht der früheste Organismus auf der Erde, sondern eine von mehreren Mikrobenarten, die zu dieser Zeit gleichzeitig auf unserem Planeten existierten. Sie standen im Wettbewerb miteinander, kooperierten, überlebten die Widrigkeiten der Natur und wehrten Angriffe von Viren ab. Wenn es vor etwa 4,2 Milliarden Jahren auf der Erde kleine, aber recht komplexe Ökosysteme gab, muss das Leben schon früher entstanden sein. Doch wie viel früher?
Vereinfachter Stammbaum des Lebens mit LUCA und LECA, wie ihn sich die Forscher vorstellen.
Die neue Schätzung für das Alter von LUCA liegt bei 360 Millionen Jahren nach der Entstehung der Erde und 290 Millionen Jahren nach dem Mond-bildenden Einschlag. Wir wissen lediglich, dass sich in diesen 290 Millionen Jahren irgendwie Chemie zu Biologie entwickelte. Reichte diese Zeit aus, damit Leben auf der Erde entstehen und sich dann zu den Ökosystemen diversifizieren konnte, die zu Lebzeiten von LUCA existierten?
Ein marsianischer Ursprung des irdischen Lebens umgeht diese Frage. Der Hypothese zufolge könnten Arten marsianischer Mikroorganismen auf Meteoriten zur Erde gelangt sein – gerade rechtzeitig, um von den günstigen Bedingungen nach der Mondentstehung zu profitieren.
Der Zeitpunkt mag für diese Idee günstig sein. Als jemand, der auf diesem Gebiet arbeitet, würde ich jedoch vermuten, dass 290 Millionen Jahre reichlich Zeit sind, damit chemische Reaktionen die ersten Lebewesen auf der Erde hervorbringen und sich die Biologie anschließend diversifizieren und komplexer werden konnte.
Die Reise vom Mars zur Erde überstehen
Das rekonstruierte Genom von LUCA lässt vermuten, dass es sich von molekularem Wasserstoff oder einfachen organischen Molekülen als Nahrungsquellen ernähren konnte. Zusammen mit anderen Hinweisen deutet dies darauf hin, dass LUCAs Lebensraum entweder ein flaches marines Hydrothermalquellen-System oder eine geothermische heiße Quelle war.
Bislang nehmen Forscher an, dass solche Umgebungen auf der frühen Erde die notwendigen Bedingungen boten, damit Leben aus nicht-lebender Chemie entstehen konnte. LUCA verfügte zudem über biochemische Mechanismen, die es vor hohen Temperaturen und UV-Strahlung schützen konnten – echte Gefahren in diesen frühen Umgebungen der Erde.
Es ist jedoch keineswegs sicher, dass frühe Lebensformen die Reise vom Mars zur Erde hätten überleben können. Und nichts im Genom von LUCA deutet darauf hin, dass es besonders gut an den Weltraumflug angepasst war.
Heiße geothermale Quellen, wie sie heute im Yellowstone National Park existieren, könnten der Lebensraum für früheste Mikroorganismen wie LUCA gewesen sein.
Foto: Daphne Zheng/iStock
Um es bis zur Erde zu schaffen, hätten Mikroorganismen zunächst den ersten Aufprall auf der Marsoberfläche und einen Hochgeschwindigkeitsausstoß aus der Marsatmosphäre überstehen müssen. Danach folgte eine fast einjährige Reise durch das Vakuum des Weltraums, bei der sie die Bombardierung mit kosmischer Strahlung überleben mussten.
Anschließend hätten sie den hochtemperaturreichen Eintritt in die Erdatmosphäre und einen weiteren Aufprall auf die Erdoberfläche überstehen müssen. Dieses letzte Ereignis hätte sie möglicherweise in eine Umgebung gebracht, an die sie auch nur ansatzweise angepasst waren – oder auch nicht.
Die Wahrscheinlichkeit, dass all dies geschieht, erscheint mir ziemlich gering. So schwierig der Übergang von der Chemie zur Biologie auch erscheinen mag, so erscheint er mir doch weitaus einfacher als die Vorstellung, dass dieser Übergang auf dem Mars stattfinden würde, wobei Lebensformen die Reise zur Erde überleben und sich dann an einen völlig neuen Planeten anpassen würden. Ich könnte mich jedoch irren.
Es ist sinnvoll, sich Studien anzusehen, die untersuchen, ob Mikroorganismen die Reise zwischen Planeten überleben könnten. Bislang sieht es so aus, als könnten das nur die widerstandsfähigsten Mikroorganismen. Dabei handelt es sich um Arten, die sich daran angepasst haben, Schäden durch Strahlung zu vermeiden, und die durch die Bildung von Sporen in der Lage sind, Austrocknung zu überleben.
In dem Mars-Meteoriten ALH84001 sollen mikroskopisch kleine Fossilien eingeschlossen sein.
Aber vielleicht könnten Mikroorganismen, wenn eine Population von ihnen im Inneren eines ausreichend großen Meteoriten eingeschlossen wäre, vor den meisten der rauen Bedingungen im Weltraum geschützt sein. Einige Computersimulationen stützen diese Idee sogar. Derzeit laufen weitere Simulationen und Laborexperimente, um dies zu überprüfen.
Dies wirft eine weitere Frage auf: Wenn Leben innerhalb der ersten 500 Millionen Jahre nach der Entstehung unseres Sonnensystems vom Mars zur Erde gelangt ist, warum hat es sich dann in den folgenden vier Milliarden Jahren nicht von der Erde auf den Rest des Sonnensystems ausgebreitet? Vielleicht sind wir also doch keine Mars-Menschen.
Warum Ausdauer eine lebenswichtige Fähigkeit ist, zeigt der Mythos von Herakles rund um seine zehnte Aufgabe. - Foto: NiseriN, kieferpix/iStock; Montage: Epoch Times
In Kürze:
In unserer heutigen Welt, fokussiert auf sofortigen Erfolg und schnelle Ergebnisse, erscheint Ausdauer als Fremdwort.
Warum diese Fähigkeit lebenswichtig ist, zeigt der Mythos von Herakles rund um seine zehnte Aufgabe, die ihn an die Grenze des Bekannten führt.
Letztlich gilt es, sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren – egal wie erschöpfend, erfolglos oder weit der Weg erscheint.
Wir sind bei der zehnten von zwölf Aufgaben des griechischen Helden Herakles angelangt. Nun nimmt das Ausmaß dieser Herausforderungen dramatisch zu, bis sie in seiner letzten und schwierigsten Aufgabe gipfeln.
Frühere Prüfungen führten ihn in Auseinandersetzungen mit Angst, Chaos, Begierde und Misstrauen. Doch nun wird der Held über die vertrauten Grenzen der griechischen Welt hinausgetrieben.
In seiner zehnten Aufgabe soll Herakles die roten Rinder des Geryon fangen und sie zu König Eurystheus bringen. Doch wie so oft in der griechischen Mythologie verbirgt sich hinter der Einfachheit eine teuflische Komplexität.
Geryon wohnt nicht in der Nähe, ja nicht einmal im gewöhnlichen Bereich der griechischen Zivilisation. Er lebt auf der fernen Insel Erytheia (wörtlich „das Rote Land“) am äußersten westlichen Rand der Welt, wo die Sonne jeden Abend in die Dunkelheit versinkt. Die Symbolik ist bereits unverkennbar. Herakles steht nicht mehr nur den Monstern der bekannten Welt gegenüber – er reist zur Grenze, wo das Bekannte im Geheimnis verschwindet.
Die Aufgabe gehört symbolisch zum Steinbock, dem Erdzeichen, das mit Ausdauer, Verantwortung, Lastentragen und schwierigem Aufstieg verbunden ist. Bezeichnenderweise geht das Sternbild Steinbock mitten im Winter auf – sogar der Weihnachtstag selbst fällt unter sein Zeichen.
Die zehnte Aufgabe des Herakles steht im Zeichen des Sternbildes Steinbock und des Elements Erde.
Ein Steinbock ist geduldig, diszipliniert und bereit, immense Entfernungen zurückzulegen, um ein notwendiges Ziel zu verfolgen. Es ist das Zeichen des Bergsteigers, des Gesetzgebers und des einsamen Reisenden, der weitermacht, lange nachdem andere umgekehrt wären.
Genau das ist der Charakter der zehnten Aufgabe. Im Gegensatz zu den gewaltigen Konfrontationen mit dem Löwen oder der Hydra zeigt sich die neue Schwierigkeit durch Entfernung, Erschöpfung und Ausdauer. Der Held muss zunächst Wüsten, Berge, Meere und unbekannte Gebiete durchqueren, bevor er die Aufgabe überhaupt in Angriff nehmen kann.
Ausdauer wird belohnt
Die alten Griechen verstanden Reisen nach Westen symbolisch als tiefgründig. Der Westen war die Region des Sonnenuntergangs, des Verfalls, der Sterblichkeit und des Endes. Dorthin zu reisen bedeutete in gewisser Weise, sich der Grenze zwischen Leben und Tod zu nähern. In seiner letzten und zwölften Aufgabe wird Herakles buchstäblich in die Hölle hinabsteigen, doch bereits diese Reise nach Westen führt den Helden an den Rand der Existenz heran.
Alle Hindernisse, denen er begegnet, verstärken diesen Eindruck. In einigen Versionen des Mythos ist Herakles während seiner Reise von der Hitze so erschöpft, dass er einen Pfeil auf die Sonne richtet. Erstaunlicherweise bestraft ihn der Sonnengott Helios nicht für seine Kühnheit, sondern bewundert seinen Mut. Helios leiht Herakles sogar ein großes goldenes Gefäß, in dem er über den Okeanos segeln kann.
Okeanos ist die Personifikation eines riesigen Stromes, der die bekannte griechische Welt umfließt und alle Flüsse speist.
Diese Episode ist bemerkenswert, weil sie zu den seltenen Momenten in der griechischen Mythologie gehört. Anstatt menschliche Anmaßung zu bestrafen, erkennen die Götter Herakles’ heldenhafte Ausdauer an und belohnen ihn.
Herakles’ Zorn auf die glühende Sonne spiegelt das Ausmaß des menschlichen Leidens wider. Doch seine Ausdauer und Beharrlichkeit bringen ihm Hilfe statt Vernichtung ein. Symbolisch hat das goldene Gefäß eine enorme Bedeutung.
Der Held betritt somit den Bereich der kosmischen Kräfte. Er ist nicht mehr an die gewöhnliche Geografie gebunden, sondern durchquert die Gewässer, die die Welt umgeben. Die Aufgabe nimmt eine fast spirituelle Dimension an: Herakles überwindet nicht nur physische Entfernungen, sondern existenzielle Grenzen.
Die zwölf Aufgaben des Herakles, dargestellt in einem Mosaik aus Lliria, Spanien.
Geryon gehört zu den seltsamsten Gestalten aller Aufgaben. Sein Name bedeutet „der Laute“ oder „der Brüllende“. In Überlieferungen wird er als dreiköpfig beschrieben, mit sechs Händen und drei an der Taille verbundenen Körpern. Er gilt als Wesen mit vielfacher Gestalt und als der stärkste lebende Mensch.
Doch seine Dreiköpfigkeit gibt Anlass zum Nachdenken: Auch Kerberos (dt. Zerberus), der Hund des Unterweltgottes Hades, hat drei Köpfe. Interessanterweise gilt dies auch für Satan, wie er von Dante in seinem Werk „Inferno“ dargestellt wird. Geryon hat also etwas Dämonisches an sich.
Die mythische Figur Geryon hat drei Köpfe und sechs Arme.
Die Menschen der Antike verstanden diese Vielfältigkeit auf unterschiedliche Weise. Auf der praktischsten Ebene verstärkt sie Geryons Macht, symbolisch deutet sie jedoch auf Zersplitterung, Maßlosigkeit oder eine unnatürlich über die angemessenen Grenzen hinausgehende Kraft hin.
Während Herakles sich zunehmend in Richtung Vervollständigung und zielgerichtete Disziplin bewegt, steht Geryon für gespaltene Kraft – gewaltig, aber uneinig. Anders ausgedrückt: Das „Brüllen“ von Geryon ist ein Urlaut – laut und verstärkt, aber ungeordnet. Währenddessen verkörpert Herakles zunehmend etwas, das der griechischen Vorstellung von „Logos“ entspricht: rationale Ordnung, disziplinierte Sprache und sinnvolle Artikulation.
Das Gemälde „Herkules und die Rinder des Geryones“ von Lucas Cranach dem Älteren (1472–1553).
Auch die Rinder des Geryon sind von Bedeutung. In alten Kulturen symbolisierte Vieh Reichtum, Fruchtbarkeit, Nahrung und soziale Stabilität. Vieh zu besitzen, bedeutete Wohlstand. Geryons rote Rinder stehen daher nicht nur für Besitz, sondern für konzentrierten materiellen Überfluss am Rande der Welt.
Das altgriechische Wort für rot ist „erythros“, von dem sich „Erythrozyt“ – die roten Blutkörperchen – ableitet. Wir werden dabei an ein Zitat aus dem Dritten Buch Mose erinnert: „Denn des Leibes Leben ist im Blut“.
In einem tieferen Sinne besteht Herakles’ Aufgabe darin, das „Leben“ aus dem Westen, aus dem Reich des Todes, des Sonnenuntergangs und der Dunkelheit, zurückzuholen, indem er die im Blut enthaltene rote Lebenskraft zurückbringt. Nun überrascht es nicht mehr, dass ihm der Sonnengott Helios, das Inbild des Lichts, bei diesem Unterfangen half.
Doch das Vieh wird von dem Hirten Eurytion und seinem zweiköpfigen Hund Orthos gut bewacht. Der monströse Hund ist wie Kerberos und Hydra eine Brut des Typhon und der Echidna, jenen Kreaturen, die die Ordnung des Kosmos bedrohen.
Der zweiköpfige Hund Orthos auf einer griechischen Trinkschale.
Orthos greift Herakles sofort an und wird von ihm mit Pfeil und Bogen getötet. Wir erinnern uns: Die Pfeilspitzen von Herakles sind mit dem Blut der Hydra getränkt. Somit ist hier eine Art homöopathisches Prinzip am Werk, indem Gleiches mit Gleichem bekämpft wird. Das Blut eines monströsen Geschwisters vernichtet ein anderes. Bei seiner sechsten Aufgabe erlebte Herakles dieses Prinzip schon einmal.
Selbst am Rand der Welt bleiben die Kräfte, die sich der Ordnung entgegenstellen, aktiv. Herakles’ Mission als Sohn des Zeus dient nicht bloß dem persönlichen Ruhm, sondern der Verbreitung der Zivilisation und der Bekämpfung des Chaos. Zwar versucht der wütende Hirte Eurytion Rache an Herakles zu nehmen, doch letztlich wird auch er rasch besiegt.
Nicht das Ziel aus den Augen verlieren
Nun taucht auch Geryon höchstpersönlich auf, bewaffnet und furchterregend, nur um ebenfalls von Herakles’ Pfeilen niedergestreckt zu werden. Die Auseinandersetzungen verliefen überraschend schnell und entschlossen. Dies unterscheidet die zehnte Aufgabe von vielen früheren.
Der Feind ist gewiss gefährlich, doch die tiefere Herausforderung liegt in der Ausdauer und darin, seine Zielstrebigkeit über immense Entfernungen, Isolation und Erschöpfung hinweg aufrechtzuerhalten.
Die griechische Vasenmalerei zeigt Herakles im Kampf mit Geryon und den besiegten Hirten Eurytion am Boden liegend.
Die Symbolik des Steinbocks zeigt sich hier besonders deutlich. Größe wird nicht durch plötzliche Brillanz erreicht, sondern durch anhaltende Beharrlichkeit. Wie der englische Schriftsteller und Universalgelehrte Samuel Johnson schrieb: „Große Werke werden nicht durch Kraft, sondern durch Ausdauer vollbracht.“
Dies ist vielleicht ein weniger bekannter Aspekt von Herakles’ zahlreichen Errungenschaften. Wir alle sind uns seiner Kraft voll bewusst, doch hier kommt mit der Ausdauer eine ganz andere Eigenschaft zum Vorschein.
Nachdem er sich das Vieh gesichert hat, sind Herakles’ Schwierigkeiten noch lange nicht vorbei. Die Rückreise erweist sich als ebenso beschwerlich wie die Hinreise. So schickt die Göttermutter Hera, die den unehelichen Sohn ihres Mannes Zeus scheitern sehen will, stechende Bremsen, um die Herde zu zerstreuen. Außerdem versperren Flüsse dem Helden den Weg und feindliche Herrscher versuchen, die Rinder zu stehlen. Immer wieder muss Herakles die Tiere neu sammeln, umleiten und weitertreiben.
Der Rückweg seiner Reise ist mit den Rindern des Geryon mindestens genauso schwierig wie der Hinweg.
Diese Erfahrung hat jeder bereits gemacht, der über einen langen Zeitraum hinweg eine schwierige Aufgabe bewältigen musste. Erfolg besteht selten aus einem einzigen Triumph und einem linearen Weg dorthin. Häufig muss nach Störungen erst wieder Ordnung geschaffen werden. Fortschritte gehen verloren, werden zurückgewonnen und gehen erneut verloren. Genau dann wird Ausdauer wichtiger als Kraft.
Ausdauer, Ordnung und die moderne Welt
Für heutige Leser liegt die Relevanz dieser Aufgabe zum Teil genau hier. Unsere Kultur ist oft fasziniert von sofortigem Erfolg, dramatischem Wandel und schnellen Ergebnissen. Doch die bedeutendsten Errungenschaften – seien sie persönlicher, politischer, künstlerischer oder spiritueller Natur – ähneln weitaus mehr der Reise von Herakles in den Westen. Sie erfordern ein anhaltendes Engagement über einen langen Zeitraum hinweg, oft unter Bedingungen der Erschöpfung und Unsicherheit.
Die Aufgabe spricht auch die Versuchung der Extreme an. Geryons Rinder leben am Rande der Welt, isoliert und eifersüchtig bewacht. Materieller Überfluss, losgelöst von der übergeordneten moralischen Ordnung, wird zu etwas Gefährlichem, das keinen Bezug mehr zum menschlichen Gedeihen hat. Herakles nimmt die Rinder nicht bloß als Beute an sich – er integriert sie wieder in die größere Welt.
In diesem Sinne markiert die 10. Aufgabe eine weitere Stufe in der Entwicklung des Helden. Frühere Aufgaben erforderten Mut oder Einfallsreichtum; spätere verlangten Zurückhaltung und moralische Einsicht. Doch hier lernt Herakles etwas Stilleres und vielleicht Schwierigeres: Ausdauer.
Die vielleicht unscheinbarste Fähigkeit, die Herakles im Laufe seiner zwölf Aufgaben erlernt, ist Ausdauer.
Wenn der Gürtel der Hippolyta zeigte, wie zerbrechlich Vertrauen sein kann, so offenbaren die Rinder des Geryon, wie schwer es ist, wahre Ordnung über Zeit, Entfernung und Widrigkeiten hinweg aufrechtzuerhalten.
Und das ist vielleicht die bleibende Lehre: dass die Zivilisation selbst nicht durch vereinzelte Siege gesichert wird, sondern durch die lange und erschöpfende Arbeit, Ordnung durch eine widerständige Welt zu tragen.
Seine elfte und vorletzte Aufgabe führt Herakles erneut an den Rand der Welt, um besondere Äpfel zu holen.