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CSU-Parteitag: Söder spricht sich für Ilse Aigner als Bundespräsidentin aus

CDU und CSU droht ein offener Streit um das Amt des Bundespräsidenten. Während CSU-Chef Markus Söder sich am Freitag unter dem Jubel der Anhänger seiner Partei auf dem CSU-Parteitag in München für Ilse Aigner als erste Frau im höchsten deutschen Staatsamt aussprach, erhob die CDU selbst Anspruch auf die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier. Söder beschwor die Kampfkraft der Union, um ein weiteres Erstarken von Linken und AfD zu verhindern.
Die Bundespräsidentenwahl findet am 30. Januar statt. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung hat der Kandidat oder die Kandidatin von CDU und CSU die größten Chancen auf die Steinmeier-Nachfolge. Medienberichten zufolge will Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Anfang November einen Vorschlag machen – Söder hatte zuletzt zunehmend offensiv für Aigner geworben.
Als Söder sich auf dem CSU-Parteitag für Aigner aussprach, brach Jubel unter den Delegierten aus. „Das wäre eine tolle Sache“, sagte Söder zu einem möglichen Wechsel der bisherigen bayerischen Landtagspräsidentin nach Berlin. Er würde der 61-jährigen Aigner das Amt von Herzen gönnen, sagte Söder.
Unmittelbar vor Beginn des CSU-Parteitags hieß es aber in Berichten der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und der „Bild“-Zeitung, die CDU wehre sich gegen eine Festlegung auf Aigner als gemeinsame Kandidatin der Union. „Die CDU erhebt durchaus den Anspruch, einen eigenen Kandidaten oder eine eigene Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten zu benennen“, zitierte die „FAZ“ aus CDU-Kreisen. Auch die „Bild“-Zeitung berichtete, es gebe in der CDU-Führung den Anspruch, dass die Kanzler-Partei selbst das Staatsoberhaupt stellt.
Dies sei zwar noch keine Absage an Aigner durch den CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzler Friedrich Merz, berichtete die „FAZ“. Doch wolle dieser sich in der Nachfolgefrage offenkundig nicht weiter von der CSU unter Druck setzen lassen. Nach „FAZ“-Informationen hat Merz noch keine Entscheidung darüber getroffen, wen er ins Rennen schicken will. Der Kanzler kommt am Samstag selbst als Gastredner zum CSU-Parteitag.
Söder beschwor vor seiner Partei die Geschlossenheit in nach seinen Worten sehr ernsten Zeiten. „Wir müssen echt zusammenhalten.“ Er kündigte dabei harte politische Auseinandersetzungen mit AfD und Linkspartei an. „Es geht jetzt um die Existenz der Volksparteien.“ Seine Partei werde dem Erstarken der Radikalen nicht tatenlos zusehen, es gebe „kein Wachkoma“. „Wir sind nicht bereit, Deutschland und Bayern den Radikalen zu überlassen.“
Söder warnte die Bundesregierung davor, mit neuen Schulden die Wähler überzeugen zu wollen. „Zustimmung lässt sich nicht kaufen“, sagte der CSU-Chef. Die Glaubwürdigkeit leide. Deshalb müsse die Schuldenbremse nun konsequent eingehalten werden. „Es reicht mit Schulden, wir werden keine Schuldenbremse lockern.“
Er bekräftigte zugleich, mit einer Extremismusklausel extremistisch regierte Bundesländer vom Länderfinanzausgleich ausschließen zu wollen – dies zielt insbesondere auf Berlin, wo die Linke vor Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD steht.
In der Diskussion um ein AfD-Verbotsverfahren bekräftigte Söder seine Ablehnung. „Eine Verbotsdiskussion löst das Problem nicht, es verstärkt es sogar noch“. Nach Einschätzung von Verfassungsjuristen wäre ein Verbotsverfahren „extremst schwierig“, sagte Söder. Es würde außerdem lange dauern und den „Märtyrerstatus“ der AfD nur noch weiter stärken. „Wir müssen uns demokratisch wehren“, forderte der CSU-Vorsitzende deshalb.
Söder schloss zugleich eine Kooperation oder sogar Koalition der Union mit der AfD aus. Dies würde die Union „zerreißen“, sagte der CSU-Chef. Stattdessen müsse die Union in den politischen Nahkampf gehen und die AfD inhaltlich stellen. „So hart es ist, wir müssen kämpfen.“ (afp/red)
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Vor US-Zwischenwahlen: Gefälschte Umfragen aufgeflogen

Kurz vor den Zwischenwahlen zum US-Kongress am 3. November sorgen gefälschte Meinungsumfragen für Unruhe. Das selbst ernannte Umfrageinstitut Wedgewood Polls räumte ein, dass seine Zahlen größtenteils frei erfunden waren. Die „New York Times“ und andere Medien entfernten die Erhebungen daraufhin von ihren Webseiten. US-Präsident Donald Trump reagierte mit Häme. „Die New York Times ist erwischt worden!“, schrieb er am Donnerstag in seinem Onlinedienst Truth Social.
Der Fall kam Anfang dieser Woche ans Licht, nachdem dem Umfragedienst FiftyPlusOne Unstimmigkeiten aufgefallen waren. Wedgewood erklärte daraufhin im Onlinedienst X, „der Großteil“ seiner Daten sei erfunden. Das Unternehmen habe testen wollen, wie leicht es für „ein vollständig erfundenes Umfrageinstitut“ sei, „Fuß zu fassen“ und „ernst genommen zu werden“.
Wer genau hinter Wedgewood stand, ist unklar. Das Nutzerkonto auf X ist inzwischen gelöscht. Im August war bereits ein anderes Unternehmen namens Median Strategies aufgeflogen. Es nannte seine ebenfalls gefälschten Umfragen ein „soziales Experiment“.
Politiker der Demokraten reagierten entsetzt. Die US-Senatsanwärterin für Michigan, Mallory McMorrow, sagte, die gefälschten Umfragen hätten zu ihrem Aus in der Vorwahl der Demokraten geführt. Wedgewood Polls habe die Zustimmung zu ihrer Bewerbung Ende Juni im einstelligen Bereich beziffert. Daraufhin hätten Spender ihre Unterstützung beendet und Reporter sie zum Aufgeben aufgerufen, erklärte sie im Onlinedienst X. Bei der Vorwahl setzte sich schließlich der Linkspolitiker Abdul El-Sayed durch.
Der von Trump ernannte Vorsitzende der US-Medienbehörde FCC, Brendan Carr, sprach von einem „erheblichen Anstieg“ fingierter Umfragen. Trump sät bereits seit Wochen Zweifel an den Umfragen. Die meisten Institute sagen bei den Kongresswahlen zur Hälfte seiner zweiten Amtszeit eine empfindliche Niederlage für die Republikaner voraus.
„Es wird immer einfacher, minderwertige Umfragen durchzuführen – oder sie gleich ganz zu fälschen“, kritisierte der Umfragedienst FiftyPlusOne. Der Verband der US-Umfrageinstitute (AAPOR) warnt vor einem allgemeinen Vertrauensverlust in Meinungs- und Wahlumfragen. Auch Künstliche Intelligenz erleichtere das Fälschen, erklärte der Verband. (afp/red)
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23. Oktober: Franzosen bereiten sich auf Protestwochenende vor | Polizisten verlassen Berlin | CSU-Parteitag startet

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Franzosen bereiten sich auf Protestwochenende vor

Am Samstag sind in Frankreich weitere Proteste angekündigt. Erlaubt sein sollen aber nur gewerkschaftlich organisierte Demonstrationen auf festgelegten Routen. Ladenbesitzer bereiten sich teils dennoch auf Ausschreitungen vor – unter anderem durch Selbstbewaffnung. Waffenhändler bestätigen, dass die Nachfrage etwa nach Pfefferspray in Paris um das zehnfache angestiegen sei.

Polizisten verlassen Berlin

Innerhalb weniger Wochen nach dem Wahlsieg der Berliner Linken haben bereits 72 Polizisten eine Versetzung in andere Bundesländer angefragt. Das sind mehr als dreimal so viele, wie 2025. Die meisten wollen demnach nach Baden-Württemberg wechseln. In ihrem Wahlprogramm hatte die Linke unter anderem angekündigt eine „Aufrüstung“ der Polizei stoppen zu wollen und Waffenverbotszonen aufzuheben.

CSU-Parteitag startet

Der zweitägige CSU-Parteitag in München hat begonnen. Im Fokus stehen dabei fünf Themen: die Sorge um den Status als letzte große Volkspartei, die Zukunft von Ilse Aigner als mögliche Bundespräsidentin, das kühle Verhältnis zu Kanzler Merz, die Lage der CSU in Bayern und die stockende schwarz-rote Koalition in Berlin. In Umfragen liegt die CSU in Bayern derzeit bei rund 37 Prozent.

Scheinehen verkauft

Eine ehemalige Mitarbeiterin der Kölner Ausländerbehörde wird beschuldigt, Indern durch Scheinehen eine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland verschafft zu haben. Laut einem Bericht der „Welt“ soll sie etwa 20 Männern aus Indien zu einer Aufenthaltsgenehmigung verholfen haben. Der Prozess gegen die vierköpfige Bande beginnt voraussichtlich im Februar 2027.

Abriegelung des Westjordanlands

Nach einem Schusswaffenvorfall in der Nähe von Hebron hat Israels Premierminister Netanjahu die Vorbereitung einer vollständigen Abriegelung des Westjordanlands angeordnet. Zunächst soll ein Sperrgürtel um Hebron errichtet werden. Der Vorfall ereignete sich kurz vor der israelischen Parlamentswahl. Dabei hatten israelische Soldaten zwei mutmaßliche palästinensische Angreifer getötet.
 
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Väter, eure Töchter brauchen euch!

Mein Vater Michael erinnert sich daran, wie meine Schwestern – seine beiden Töchter – noch klein waren und es liebten, „bunte, glitzernde Sachen“ zu tragen. Die pure Freude, die sie an ihren albernen, zusammengewürfelten Outfits aus Kronen, Tutus und Halsketten hatten, hat ihn damals berührt und ist ihm heute, rund 30 Jahre später, noch immer in Erinnerung.
„Sie hatten keine Ahnung von gutem Geschmack. Manchmal sahen sie einfach lächerlich aus“, erzählte Michael der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times. „Aber sie hatten die unverfälschte Freude, eine Prinzessin zu sein. Ich hatte das Gefühl, es sei meine Aufgabe – eine leichte Aufgabe –, sie in diesem Selbstwertgefühl zu bestätigen.“
Er fügte hinzu: „Ich glaube, Väter können das für ihre Töchter tun, nicht nur, wenn sie verrückte Kostüme tragen, sondern immer – besonders dann, wenn das Leben schwer wird, was sicherlich irgendwann der Fall sein wird.“
Diese Bewunderung und stille Bestätigung ist eines der wichtigsten Geschenke, die ein Vater seiner Tochter machen kann.
„Kleine Mädchen, die von ihren Vätern bewundert werden, gehen mehr Risiken ein, sind abenteuerlustiger und haben mehr Selbstvertrauen in der Welt“, sagte Erica Komisar, Psychoanalytikerin, Erziehungscoach und Autorin, in einem Interview mit Epoch Times. „Als Vater haben Sie durch Ihre Bewunderung viel Einfluss.“
Mädchen, die ohne die beständige, bestätigende Präsenz eines Vaters aufwachsen, leiden unter vielen negativen Folgen. Es ist mittlerweile eine tragische und altbekannte Litanei, was Statistiken der US-Organisation National Fatherhood Initiative zum Thema Vaterlosigkeit besagen: Mädchen, die in einem Elternhaus ohne Vater aufwachsen, werden siebenmal häufiger als Teenager schwanger; Kinder aus vaterlosen Familien brechen doppelt so häufig die Schule ab und leiden doppelt so häufig an Fettleibigkeit.
„Die Forschungsergebnisse sind erdrückend“, sagte der klinische Psychologe, Erziehungsexperte und Autor Ray Guarendi gegenüber Epoch Times. „Eine liebevolle, engagierte Mutter und ein liebevoller, engagierter Vater in einer festen Beziehung sind die beste Grundlage für die Erziehung eines Kindes.“
Laut Guarendi führt diese Konstellation in jeder Hinsicht zu besseren Ergebnissen, darunter weniger Depressionen, Ängste, Drogenkonsum und Alkoholismus sowie bessere schulische Leistungen, ein positiveres Selbstbild und bessere soziale Beziehungen.

Das Vorbild eines Vaters

Wie wir mit der Zeit und dank weiterer Forschung immer besser verstehen, geben engagierte Väter ihren Töchtern etwas Unersetzliches, das sie auf ein erfolgreiches Leben vorbereitet.
Zu den wichtigsten Aufgaben eines Vaters gehört es, seinen Töchtern gesundes männliches Verhalten und gesunde Beziehungen zwischen Männern und Frauen vorzuleben.
„Ein Vater kann seinen Töchtern zeigen, wie ein guter Mann seine Frau behandelt“, sagte Guarendi. „Man kann noch einen Schritt weiter gehen: Nur Väter können einer Tochter zeigen, wie ein Mann – ein guter Mann – Frauen behandelt.“ Das fürsorgliche, respektvolle, liebevolle und beschützende Verhalten des Vaters gegenüber dem kleinen Mädchen und seiner Mutter verankert wichtige Prägungsmuster im Geist und Herzen des Mädchens. Sie fühlt sich nicht nur sicher und geborgen, sondern entwickelt auch gesunde Erwartungen an spätere Beziehungen.
Dr. William Sears, Autor zahlreicher Erziehungsratgeber, wandte sich in einem Interview mit der Epoch Times direkt an die Väter. Der Kinderarzt sagte: „Seien Sie ein Vorbild für Männlichkeit. Sie sind das Vorbild für den Ehemann, den Sie sich für sie wünschen.“
Wenn Ihre Tochter Ihnen eines Tages sagt: „Ich möchte einen Mann heiraten wie den, den Mama geheiratet hat“, dann ist das laut Sears ein Erfolg.
In einer gesunden Familie ist der Vater die erste große Liebe eines kleinen Mädchens. Wie Komisar erklärte, werden Väter für Mädchen im Alter von etwa drei Jahren zum ersten „Liebesobjekt“ – die Mädchen projizieren dann ihr Interesse und ihre Vorstellung von Männlichkeit auf den Vater.
Dies ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des kleinen Mädchens, wenn es beginnt, sich von seiner Mutter abzugrenzen. Diese erste Verlagerung von der Mutter zum Vater wird in Komisars Worten „zum Vorbild für zukünftige vertrauensvolle, liebevolle und intime romantische Beziehungen“.
Doch Papa bietet nicht nur ein Vorbild für Beziehungen zwischen Mann und Frau. Er spielt auch eine wichtige Rolle dabei, Kindern beizubringen, wie sie bestimmte Emotionen und Verhaltensweisen regulieren können. Das gilt sowohl für Mädchen als auch für Jungen.
„Väter helfen dabei, Aggression, Aufregung, risikoreiches Verhalten und Impulsivität zu regulieren. Auf der positiven Seite fördern sie Dinge wie das Einschätzen von Risiken“, sagte Komisar. „Sie fördern die Selbstständigkeit und die Widerstandsfähigkeit.“
Diese Dimension des väterlichen Einflusses steht im Kontrast zur einfühlsam-fürsorglichen Rolle der Mutter und bildet einen Ausgleich dazu. Babys und Kinder müssen getröstet werden, brauchen aber auch ausgelassenes Herumtollen, das Väter ihnen bieten. Das von Vätern oft initiierte körperliche Spiel ist entscheidend für die kindliche Entwicklung. Es vermittelt die Grundlagen von Anpassungsfähigkeit, Belastbarkeit und Problemlösungskompetenz.
Komisar sagte: „Diese Vater-Tochter-Beziehung hat etwas an sich, das kleinen Mädchen das Gefühl gibt, dass sie ihre Flügel in der Welt ausbreiten und gewissermaßen fliegen können.“
Sie erklärte weiter, dass Väter große Mengen eines Hormons namens Vasopressin produzierten.
„Sowohl Mütter als auch Väter produzieren Vasopressin, aber Väter produzieren mehr davon. Wir nennen es das ‚schützend-aggressive Hormon‘, das viele Spielweisen antreibt, mit denen Väter mit Kindern spielen“, sagte sie.
Sowohl Väter als auch Mütter produzieren ebenfalls das Bindungshormon Oxytocin. Bei Müttern führt es zu feinfühliger, empathischer Fürsorge, bei Vätern hingegen zu spielerischer taktiler Stimulation, die für die kindliche Entwicklung und Resilienz wichtig ist.
So tragen Väter dazu bei, ihre Kinder auf gesunde Weise zu begeistern und gleichzeitig ihr Selbstvertrauen und ihre Resilienz zu stärken. Aber sie helfen auch dabei, zu verhindern, dass diese Ausgelassenheit außer Kontrolle gerät. Hier kommt die Regulierung von Aggression und Risikobereitschaft ins Spiel.

Die Folgen der Vaterlosigkeit

Eine aus der afrikanischen Savanne gewonnene Erkenntnis lässt sich auch auf unsere Wohnzimmer übertragen. Forscher der Universität Exeter stellten bei Elefantenbullen in Botswana fest, dass sie sich gegenüber Objekten, die keine Elefanten waren – etwa Fahrzeugen, Nutztieren und anderen Tierarten –, häufiger aggressiv verhielten, wenn weniger ältere Bullen in der Nähe waren.
Heranwachsende Elefanten reagierten zudem aggressiver und ängstlicher, wenn sie ohne andere Männchen unterwegs waren. Umgekehrt wirkte die Anwesenheit reifer Männchen tendenziell beruhigend und stabilisierend auf alle Mitglieder der sozialen Gruppe.
Die Studie wurde an rein männlichen Elefantengruppen durchgeführt, doch das Kernprinzip gilt unabhängig davon. Ebenso kann nichts den stabilisierenden und beruhigenden Einfluss einer verlässlichen männlichen Bezugsperson in einer sozialen Gruppe oder Familie ersetzen.
Aus all diesen und weiteren Gründen hinterlässt ein fehlender oder gewalttätiger Vater eine Lücke im Leben eines kleinen Mädchens. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Lücke nicht durch eine Ersatzvaterfigur gefüllt werden kann. Vaterschaft ist viel mehr als nur biologische Elternschaft. Ein aufrichtiger, vertrauenswürdiger Mann kann durch seine Liebe und sein Engagement für das Wohlergehen eines Mädchens zu einer Vaterfigur werden.
„Wenn der leibliche Vater sich nicht einbringen kann oder will, dann müssen Sie eine Vaterfigur für Ihre Tochter finden“, sagte Komisar, „damit sie mit einem liebevollen, wohlwollenden, beständigen, verlässlichen, verantwortungsbewussten, zuverlässigen, bewundernden, einfühlsamen und empathischen Vater aufwächst.“
Guarendi pflichtete ihr bei: „Sie muss sehen, wie ein guter Mann aussieht. Wenn sie nicht sieht, dass ihr eigener Vater dies tut, und sie durch ihn – der ein Mann mit Fehlern ist – ein bestimmtes Bild von Männern hat, kann sie zumindest zu einem großen Bruder, zu einem Onkel oder zu einem Großvater aufschauen. Sie kann sagen: ‚Wie anders, wie viel bewundernswerter!‘“
Laut Komisar ist es ein echter Fehler, wenn ein Vater – oder eine Vaterfigur – glaubt, seine Tochter brauche ihn nicht, nur weil sie ein Mädchen ist. Das Engagement eines Vaters kann viele Formen annehmen. Väter sollten nicht zögern, sich einzubringen und mitzumachen, auch wenn das Spielen mit kleinen Mädchen ihnen nicht von Natur aus leichtfällt.
„Mit seiner Tochter ein Teekränzchen zu veranstalten, ist eine sehr liebevolle Sache, die Väter tun können. Einfach hinauszugehen und einen Fußball zu kicken, ist es ebenso“, sagte sie und fügte hinzu: „Nicht genug Einbindung ist wahrscheinlich einer der größten Fehler, die ein Vater machen kann.“

„Papas Mädchen“ – glücklich und gesund großziehen

Wie können Väter diesen Fehler vermeiden? Indem sie von Anfang an eine enge, liebevolle und respektvolle Beziehung zu ihrer Tochter aufbauen. Sears empfahl Papa-Tochter-Dates.
„Eine meiner Töchter zeigte mir ein Foto, das sie sich jeden Tag ansieht: Darauf stecke ich ihr eine schöne Rose an das Kleid, bevor wir zu einem Papa-Tochter-Date gehen“, erinnerte sich Sears.
Die Zeit, die er investierte, als seine Töchter noch klein waren, schuf eine tiefe Bindung und schöne Erinnerungen. Das zeigt kleinen Mädchen, dass ihre Väter sie lieben und Zeit mit ihnen verbringen wollen. Bis heute geht Sears jede Woche mit seinen Töchtern tanzen.
Auch Guarendi plädiert dafür, als Vater seine Zuneigung deutlich zu zeigen. Zuneigung, Schutz und Disziplin bilden ein starkes Dreigespann in der Vater-Tochter-Beziehung. All diese Faktoren vermitteln jungen Mädchen letztlich ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität, das nur ein Vater bieten kann.
Ein liebevoller Vater schenkt seiner Tochter ein unersetzliches Geschenk. Foto: Illustration von Rae Li für The Epoch Times

Ein liebevoller Vater schenkt seiner Tochter etwas Unersetzliches.

Foto: Illustration von Rae Li für The Epoch Times

Laut Guarendi müssen Töchter wissen, dass sie sich an ihren Vater wenden und mit ihm über alles reden können. Und zwar ohne Angst, dass er schreit oder die Geduld verliert. Das bedeutet nicht, dass ein Vater keine Maßstäbe hat oder Fehlverhalten nicht ahndet. Es bedeutet jedoch, dass er immer bereit ist, zuzuhören. Er ist, wie Sears es ausdrückt, für seine Töchter „immer zur Stelle“, egal was passiert.
Neben dem Vertrauen, mit dem Vater sprechen zu können, sollte einer Tochter noch etwas anderes sicher sein: Es gibt nichts, was sie tun könnte, damit ihr Vater aufhört, sie zu lieben.
Laut Guarendi sollten Väter ihren Töchtern Folgendes sagen: „Ich werde dich immer beschützen. Ich werde da sein und dich emotional, seelisch und körperlich beschützen. Vielleicht willst du das nicht immer, aber ich möchte, dass du mich als den einen Menschen in deinem Leben siehst, auf den du dich verlassen kannst.“

Eine Tochter ist ein Geschenk

Was könnte für einen Mann größeres Glück bedeuten, als derjenige zu sein, auf den sich andere verlassen können, selbst in den dunkelsten und stürmischsten Zeiten? Trotz seiner Fehler hat ein Vater ein paar Jahrzehnte Zeit, der Held seiner Tochter zu sein. Er kann ihre Stütze sein. Das ist es, wonach sich die Herzen der meisten Männer sehnen.
Bisher haben wir hauptsächlich darüber gesprochen, was Töchter von ihren Vätern erhalten. Aber natürlich erhalten auch Väter so viel von ihren Töchtern. Als Michael über die Jahrzehnte nachdachte, die er mit seinen Mädchen verbringen durfte, fasste er es so zusammen, dass all die strahlenden Momente „in der Erinnerung zu einer endlosen Kette von Geschenken verschwimmen“.
Töchter sind ein Geschenk, eine Freude und ein Privileg für ihre Väter. Die Liebe zwischen einem Vater und seiner Tochter zeichnet sich durch eine ganz besondere Reinheit und Einfachheit aus.
Es ist entscheidend, dass Männer das Geschenk, Töchter zu haben, wiederentdecken. In dieser Berufung haben Männer mehr Kraft zum Guten, als ihnen vielleicht bewusst ist.
„Gerade heutzutage sind Depressionen, Ängste und all die familiären Probleme so groß wie nie zuvor in der Geschichte, besonders bei jungen Frauen und Mädchen“, sagte Sears. „Wir brauchen Väter, die die Dinge in die Hand nehmen und für ihre Töchter etwas bewegen. Seien Sie kein distanzierter Vater!“
Nach jahrelanger Erziehungserfahrung sagte Michael: „Nur Väter können ihren Töchtern die Liebe eines Vaters geben. So einfach ist das. […] Die Liebe eines Vaters – oder auch das Fehlen dieser Liebe – prägt die Wahrnehmung seiner Tochter von der männlichen Natur vielleicht sogar ein Leben lang.“
Das ist die Herausforderung eines Mannes und zugleich sein Privileg.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Fathers, Your Daughters Need You“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Weißes Haus: Melania Trump erreicht Waffenruhe in südukrainischer Stadt Oleschky

Nach US-Angaben hat First Lady Melania Trump eine befristete Waffenruhe in einer von Russland besetzten Stadt im Süden der Ukraine erreicht. Die Ehefrau von US-Präsident Donald Trump habe „erfolgreich eine Feuerpause zwischen Russland und der Ukraine bewirkt, die auf die Stadt Oleschky begrenzt ist“, teilte ihr Büro im Weißen Haus am Freitag mit. Die Waffenruhe soll ab dem 29. Oktober gelten.
Russland und die Ukraine hätten sich bereiterklärt, alle Militäroperationen in Oleschky vorübergehend einzustellen, um den Zugang für humanitäre Hilfe zu ermöglichen und Zivilisten über einen sicheren Korridor aus der Stadt herauszubringen, hieß es weiter. „Oleschky ist eine Frontstadt, die am Rande einer Katastrophe steht“, erklärte Melania Trump. Ohne ihren persönlichen Einsatz bei der russischen und ukrainischen Führung hätte keine Chance bestanden, den Menschen zu helfen.
Oleschky liegt am Ufer des Dnjepr in der Region Cherson im von Russland besetzten Süden der Ukraine und ist zwischen den beiden Armeen umkämpft. Russland hatte die Stadt bereits 2022 erobert. Von den ursprünglich 24.000 Einwohnern sollen sich noch 1700 bis 2000 in Oleschky aufhalten.
Dabei handelt es sich nach Angaben des Weißen Hauses vor allem um ältere Menschen und 50 Kinder. Die aus Slowenien stammende Melania Trump hatte sich mehrfach für Kinder in der Ukraine stark gemacht.
Mitte Oktober hatte sich bereits Papst Leo XIV. bei einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin für eine Waffenruhe in Oleschky eingesetzt. Der Papst habe „zu einer Waffenruhe aufgerufen, um die Lieferung von Lebensmitteln und medizinischer Hilfe sowie die freiwillige und sichere Evakuierung der Zivilbevölkerung zu ermöglichen“, teilte der Vatikan dazu mit. (afp/red)
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„Ladenbesitzer in tiefer Verzweiflung“: Reporter beschreibt „apokalyptische Szenen“ in Frankreich

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Im Interview mit Stefania Cox von NTD, dem US-Fernsehsender der Epoch Media Group, beschreibt Étienne Fauchaire, ein in Paris ansässiger Journalist der Epoch Times, was er bei den Ausschreitungen in Paris am 17. Oktober beobachtet hat.
Fauchaire hat sich in seiner Berichterstattung auf französische Politik und die Beziehungen zwischen den USA und Frankreich spezialisiert. Derweil rüsten sich französische Behörden für das kommende Wochenende, wobei erstmals auch Soldaten zum Einsatz kommen sollen.
„Während der Proteste habe ich hauptsächlich Parolen der extremen Linken gehört wie „Revolution“, „Nieder mit der Polizei“, „Nieder mit dem Staat“ und „Nieder mit den Faschisten“ oder „Wir sind alle Antifaschisten“ und „Jeder hasst die Polizei“. Das sind sehr verbreitete Parolen der extremen Linken. Am 17. Oktober haben die Proteste eine ganz neue Ebene erreicht. Was ich gesehen habe, waren, ehrlich gesagt, sehr apokalyptische Szenen.“
Während sich Frankreich für weitere Proteste und Ausschreitungen am Samstag rüstet, sei dies zugleich ein Test für die „Entschlossenheit der Regierung“, ob sie wie angekündigt „für Sicherheit auf den Straßen“ sorgen kann. „Die Mehrheit der Franzosen ist etwas verängstigt und nicht davon überzeugt, dass die Regierung das schaffen wird“, sagte der Journalist im Interview mit NTD.
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Berichte: CDU will sich nicht auf Aigner als Bundespräsidentin festlegen

Die CDU will sich nach Medienberichten nicht auf die CSU-Politikerin Ilse Aigner als Kandidatin für die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier festlegen.
„Die CDU erhebt durchaus den Anspruch, einen eigenen Kandidaten oder eine eigene Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten zu benennen“, zitierte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ am Freitag aus CDU-Kreisen.

CDU beansprucht eigene Kandidatur

Auch die „Bild“-Zeitung berichtete, es gebe in der CDU-Führung den Anspruch, dass die Kanzler-Partei selbst das Staatsoberhaupt stellt.
Dies sei zwar noch keine Absage an Aigner durch den CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzler Friedrich Merz, berichtete die „FAZ“. Doch wolle dieser sich in der Nachfolgefrage offenkundig nicht weiter von der CSU unter Druck setzen lassen.
Nach „FAZ“-Informationen hat Merz noch keine Entscheidung darüber getroffen, wen er ins Rennen schicken will.

Aigner gilt weiterhin als Favoritin

Die bayerische Landtagspräsidentin Aigner gilt seit längerem als Favoritin für die Nachfolge von Bundespräsident Steinmeier. Das Thema dürfte beim nun laufenden CSU-Parteitag eine prominente Rolle spielen. Dort spricht am am Samstagmittag auch CDU-Chef Merz.
Die „Bild“-Zeitung verwies darauf, dass durch eine Bundespräsidentin Aigner eine mögliche Kanzlerkandidatur von CSU-Chef Markus Söder endgültig ausgeschlossen wäre. Denn zwei CSU-Politiker aus Bayern an der Staatsspitze wären kaum vorstellbar. (afp/red)
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Seit 2.500 Jahren: Die kurze Geschichte von Zucker


In Kürze:

  • Zucker wurde erstmals 510. v. Chr. in persischen Schriften erwähnt. Seine Süße ist weitaus länger bekannt.
  • Über die islamische Welt gelangte Zucker als Luxusgewürz im Mittelalter nach Europa.
  • Wirtschaftliche Interessen und internationale Konflikte führten erst zum Entstehen von Zuckerplantagen in Übersee und später der europäischen Zuckerrübenindustrie.
  • Nachdem Zucker zum Massenprodukt wurde, wurden auch seine Wirkungen auf unsere Gesundheit bekannter – und über Jahrzehnte stark heruntergespielt.

 
Vor einigen tausend Jahren war Zucker in der westlichen Welt noch unbekannt. Zuckerrohr, ein hohes Gras, das erstmals um 6000 v. Chr. in Neuguinea kultiviert wurde, wurde anfangs wegen seines süßen Saftes gekaut und nicht zu Kristallen verarbeitet. Um 500 v. Chr. entwickelten Menschen in Indien erstmals Verfahren, um Zuckerrohrsaft zu Kristallen einzukochen.
Eine der frühesten uns bekannten Erwähnungen von Zucker stammt aus dem Jahr 510 v. Chr., als Kaiser Darius I. von Persiens in Indien einfiel. Dort fand er „das Schilf, das Honig ohne Bienen gibt“.
Das Wissen über die Zuckerherstellung verbreitete sich nach Westen bis nach Persien und nach dem 7. Jahrhundert n. Chr. weiter in die islamische Welt. Zucker gelangte erst über Handelswege ins mittelalterliche Europa. Er war extrem kostspielig und wurde eher wie ein Gewürz verwendet. Tatsächlich berichteten im 11. Jahrhundert heimkehrende Kreuzritter davon, wie angenehm dieses „neue Gewürz“ sei.

Zuckerrohr wird auf einer Plantage, vermutlich in Westindien, im Jahr 1749 angebaut und verarbeitet. Originalvorlage: Stich für das „Universal Magazine“

Foto: MPI/Getty Images

Vom Luxusgewürz zum Massenprodukt

Das Potenzial dieses „neuen Gewürzes“ im frühen 16. Jahrhundert, ermutigte portugiesische Unternehmer, versklavte Menschen in das neu entdeckte Brasilien zu bringen. Dort begannen sie rasch mit dem Anbau hochprofitabler Zuckerrohrkulturen. In den 1680er Jahren unterhielten die Niederländer, Engländer und Franzosen bereits ihre eigenen Zuckerplantagen mit versklavten Kolonien in der Karibik.
Im 18. Jahrhundert führte die wachsende Beliebtheit von Tee und Kaffee zur weit verbreiteten Verwendung von Zucker als Süßungsmittel. 1874 schaffte Premierminister William Gladstone eine Steuer von 34 Prozent auf Zucker ab. Er senkte damit die Kosten für Grundnahrungsmittel für Arbeiter. Billige Marmelade (ein Drittel Fruchtpüree, zwei Drittel Zucker) fand ihren Weg auf die Tische der Arbeiterhaushalte. Die steigende Nachfrage nach Zucker in Großbritannien und Europa förderte das weitere Wachstum und die Gewinne. Es entstand der Name „weißes Gold“.
Der Zuckerkonsum pro Kopf in Großbritannien stieg von vier Pfund im Jahr 1704 auf 90 Pfund (gut 40 kg) bis 1901. Während die Sklaverei schließlich abgeschafft wurde, wurde das Angebot an billigen Arbeitskräften durch neue Ströme von Vertragsarbeitern aus Indien, Afrika und China aufrechterhalten.

Mit Zuckerrohr beladene Karren werden von den Feldern zur Zuckerraffinerie im Hintergrund transportiert, Barbados, um 1950.

Foto: Keystone View Company/FPG/Archive Photos/Getty Images

Die britische Seeblockade gegen das napoleonische Frankreich zu Beginn des 19. Jahrhunderts veranlasste die Franzosen, nach einer Alternative zu den karibischen Zuckerlieferungen zu suchen. Dies führte zur Entstehung der europäischen Zuckerrübenindustrie.
Die Zuckerrübe ist eine zweijährige Wurzelpflanze, die wegen ihres hohen Zuckergehalts angebaut wird, aus dem Haushaltszucker gewonnen wird. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wuchs diese traditionell stark subventionierte und durch Zölle geschützte Industrie so stark, dass sie mittlerweile etwa 50 Prozent des europäischen Zuckers produziert. Darin enthalten ist auch der Verbrauch Großbritanniens. Dieser beläuft sich mittlerweile auf rund 2 Millionen Tonnen Rüben- (60 Prozent) und Rohrzucker (40 Prozent) pro Jahr.

Zuckerrüben warten auf den Abtransport; Hoeven, Niederlande, Oktober 2016.

Foto: Peter-Braakmann/iStock

Ursprung zweier Giganten

1886 zwangen die Prohibitionsgesetze in Atlanta den Geschäftsmann und Chemiker John Pemberton, sein beliebtes Getränk „Pemberton’s Tonic French Wine Coca“ zu überarbeiten. Er ersetzte den Alkohol durch einen 15-prozentigen Zuckersirup und fügte Zitronensäure hinzu. Sein Buchhalter, Frank Robinson, wählte einen neuen Namen für das Getränk nach seinen Hauptzutaten – Kokablätter und Kolanüsse – und schuf das Coca-Cola-Logo in der geschwungenen Schrift, wie wir es heute kennen.
Im Jahr 1879 erfand der Schweizer Chocolatier Daniel Peter die weltweit erste kommerzielle Milchschokolade unter Verwendung von gesüßter Kondensmilch, die sein Nachbar Henri Nestlé entwickelt hatte. Milchschokolade, die etwa 50–52 Gramm Zucker pro 100 Gramm enthält, ist heute aufgrund ihres süßen Geschmacks und ihrer cremigen Konsistenz weltweit beliebt.
Schokolade und Cola haben sich seitdem als weltweite Klassiker im Bereich der kohlensäurehaltigen Getränke und Süßigkeiten etabliert und sind für Menschen auf der ganzen Welt zu unverzichtbaren Genüssen geworden.

Kampf zwischen Zucker und Fett

Im Jahr 1961 erschien der amerikanische Epidemiologe Ancel Keys auf dem Cover des Time-Magazins mit seiner „Ernährungs-Herz-Hypothese“. In seiner „Sieben-Länder-Studie“ stellte er eine Verbindung zwischen der Aufnahme von gesättigten Fetten, Cholesterin im Blut und Herzerkrankungen fest. Keys sagte: „Die Menschen sollten die Fakten kennen. Wenn sie sich dann zu Tode essen wollen, sollen sie es tun.“
Angesichts konkurrierender wissenschaftlicher Meinungen veröffentlichte John Yudkin, Gründer der Ernährungsabteilung am Queen’s College London, einen Artikel in der Fachzeitschrift „The Lancet“. Er argumentierte, dass internationale Vergleiche nicht die Behauptung stützen, dass Gesamt- oder tierisches Fett die Hauptursache für koronare Thrombose sei, und betonte, dass die Zuckeraufnahme eine stärkere Korrelation mit Herzkrankheiten aufweist.
1972 veröffentlichte er sein Buch „Pure, White and Deadly“. Darin präsentierte er Beweise, die den Zuckerkonsum mit einem erhöhten Risiko für Koronarthrombosen in Verbindung bringen, sowie dessen Rolle bei Karies, Fettleibigkeit, Diabetes und Lebererkrankungen. Er bemerkte düster:
„Wenn nur ein kleiner Teil dessen, was über die Auswirkungen von Zucker bekannt ist, über einen anderen Lebensmittelzusatzstoff offenbart würde, würde dieser sofort verboten.“
Das British Sugar Bureau tat Yudkins Aussagen über Zucker als „emotionale Behauptungen“ ab. Die World Sugar Research Organisation bezeichnete sein Buch als „Science-Fiction“. In den 1960er- und 1970er-Jahren bewarb die Zuckerindustrie Zucker als Appetitzügler. Sie finanzierte Forschungsarbeiten, die die Risiken von Saccharose herunterspielten, während sie gleichzeitig Nahrungsfett als Hauptursache für koronare Herzerkrankungen betonten.

Von der Versuchung zur Sucht

Die wissenschaftliche Debatte über die gesundheitlichen Auswirkungen von Zucker und Fett zog sich über Jahrzehnte hin. In der Zwischenzeit begannen Regierungen, Ernährungsempfehlungen zu veröffentlichen, die den Menschen rieten, weniger gesättigte Fette und cholesterinreiche Lebensmittel zu konsumieren. Eine unvermeidliche Folge war, dass die Menschen stattdessen mehr Kohlenhydrate und Zucker aßen.

Eine Gruppe von Konditoren, die im 19. Jahrhundert die ersten österreichischen „Mozart“-Süßigkeiten herstellten – die Mozartkugeln. Ursprünglich waren sie als Mozart-Bonbons bekannt.

Foto: flik47/iStock

Offizielle Ernährungsempfehlungen begannen erst viel später, die Gesundheitsrisiken eines übermäßigen Zuckerkonsums klar zu benennen. Erst Ende des 20. Jahrhunderts häuften sich die Beweise gegen Zucker.
In meinem neuen Buch „Food and Us: the Incredible Story of How Food Shapes Humanity“ gehe ich der Tatsache nach, dass Zucker ein relativ neuer Bestandteil unserer Ernährung ist. In nur 300 Jahren – das entspricht etwa 0,0001 Prozent unserer Ernährungsgeschichte – ist Zucker in unserer Nahrungsversorgung allgegenwärtig geworden. Er hat sogar eigene Kosenamen hervorgebracht, wie „sugar“, „honey“ und „sweetheart“.
Die weltweite Sucht nach Zucker stellt erhebliche und miteinander verflochtene Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit, die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Umwelt dar.
Die allgegenwärtige Präsenz von Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln, zusammen mit seinen Auswirkungen auf das Belohnungssystem des Gehirns, schafft einen Teufelskreis der Abhängigkeit – der eine weltweite Krise ernährungsbedingter Krankheiten auslöst und die Gesundheitssysteme belastet.
Dieser Artikel erschien im Original auf theconversation.com unter dem Titel „A Brief history of sugar“. (Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Autors, deutsche Bearbeitung: ts)The Conversation
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Mitarbeiterin des Kölner Ausländeramts soll Teil einer Schleuserbande gewesen sein


In Kürze:

  • Die Kölner Ausländerbehörde geriet bereits mehrfach in die Schlagzeilen:
  • Eine ehemalige Mitarbeiterin soll 76.000 Euro kassiert haben.
  • Ein ähnlicher Fall ereignete sich bereits 2022.

 
Nachdem die Polizei Anfang Dezember vergangenen Jahres einer mutmaßlichen Schleuserbande auf die Schliche kam und mehrere Personen verhaftete, gab es nun Konsequenzen in der betroffenen Kölner Behörde.
Im Ausländeramt des Stadtteils Ehrenfeld habe Subha L. vier Jahre gearbeitet, berichtete „BILD“. Sie stehe unter Verdacht, diese Zeit genutzt zu haben, um an Inder mit auf Zypern eingegangenen Scheinehen Aufenthaltsgenehmigungen für Deutschland vermittelt zu haben.
Laut „BILD“ soll sie mit ihrem Mann etwa 76.000 Euro dafür kassiert haben.

Bulgarinnen zum Heiraten nach Zypern geschickt

Die Aufenthaltsgenehmigungsanträge soll die Frau, die Deutsche mit indischen Wurzeln ist, dann in der Behörde selbst bearbeitet und genehmigt haben. Mittlerweile hat das Amt die Fälle untersucht und die „rechtswidrig festgestellten Erteilungen […] durch entsprechende Rücknahmeentscheidungen aufgehoben“, so die Stadtverwaltung gegenüber der Zeitung.
Wie „WELT“ berichtete, soll die Mitarbeiterin etwa 20 Männern aus Indien zu Aufenthaltsgenehmigungen verholfen haben. Dazu hatte die Bande Bulgarinnen nach Zypern gebracht, wo sie Ehen eingingen. Als EU-Bürgerinnen gilt für die Osteuropäerinnen die Freizügigkeit, die ihnen erlaubt, sich in Deutschland niederzulassen. Die Behörden der östlichen Mittelmeerinsel schienen dabei kaum zu prüfen, ob die Frauen in Bulgarien bereits verheiratet waren oder ob sie ihre zukünftigen Partner überhaupt persönlich kannten.
Die Schleuserbande soll aus vier Personen bestanden haben. Im kommenden Februar beginnt voraussichtlich der Prozess gegen sie vor dem Landgericht Darmstadt. Dabei gilt laut „BILD“ das jüngste Mitglied der Bande als wichtiger Zeuge. Nach Angaben seines Anwaltes Marc Piel war der 26-Jährige „vollumfänglich geständig“ und habe das „verwirklichte Unrecht“ eingesehen.

Abschiebungen verhindert?

Die Kölner Behörde ist bereits in die Schlagzeilen geraten. So gab es 2022 einen ähnlichen Vorfall. Bei einer Razzia im Oktober jenes Jahres nahm die Polizei die Mitglieder einer Schleusergruppe fest, darunter die Gruppenleiterin des Ausländeramtes. Laut Anklage hatte sie Daten manipuliert und gefälschte Aufenthaltsdokumente sowie Reisepapiere ausgestellt, um überwiegend Syrern die Einreise nach Deutschland zu ermöglichen. Dafür hat sie insgesamt etwa 15.000 Euro erhalten. Das Landgericht Köln verurteilte sie Ende Juni 2023 zu vier Jahren und neun Monaten Haft.
Im vergangenen August war bekannt geworden, dass Köln die Abschiebung von mehreren Hundert Ausreisepflichtigen verhindert haben soll. Unter sollen sich auch zahlreiche Straftäter befunden haben.
Gregor Golland, stellvertretender Vorsitzender der der CDU-Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen, sagte gegenüber „WELT“: „Hier wurde Recht und Gesetz mit voller Absicht gebrochen, um Menschen hierzubehalten, die längst hätten abgeschoben werden müssen.“ Diese Menschen könne man nicht integrieren, „und ich will sie auch gar nicht integrieren. Da sind Kriminelle dabei, da sind Sozialstaatsbetrüger dabei“.
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Pariser Ladenbesitzer bewaffnen sich – Bürgermeister beunruhigt vor neuem Protestwochenende

Im Vorfeld der Proteste am Samstag verbarrikadieren die Geschäfte ihre Räumlichkeiten, während „Le Parisien“ über eine steigende Nachfrage nach Waffen zur Selbstverteidigung berichtet. Bürgermeister zeigen sich beunruhigt.
Ladenbesitzer in der Nähe des Canal Saint-Martin in Paris begutachten die Schäden, nachdem Plünderer ihre Geschäfte während der Unruhen vom 17. bis 18. Oktober verwüste…
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EU-Staaten einigen sich auf neue Unternehmensrechtsform „EU Inc.“

Die Einführung einer europaweit einheitlichen Rechtsform für einfachere Unternehmensgründungen in der EU hat eine entscheidende Hürde genommen: Die 27 EU-Mitgliedstaaten einigten sich am Freitag auf eine überarbeitete Position zur geplanten „EU Inc.“.
Diese soll nun als Grundlage für Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament dienen.

Firmengründung in 48 Stunden geplant

Mit EU Inc. will die EU-Kommission eine neue Unternehmensform einführen, mit der Startups in kurzer Zeit in allen EU-Staaten eingetragen können werden sollen.
Eine Unternehmensgründung soll dann über ein zentrales EU-Portal für maximal hundert Euro vollständig digital und grundsätzlich innerhalb von 48 Stunden möglich werden.

Neue Regeln gegen Geldwäsche

Nach Angaben der irischen Ratspräsidentschaft haben die EU-Staaten zusätzliche Sicherheitsmechanismen in den Text eingebaut.
Demnach können Behörden eine Unternehmensregistrierung künftig verweigern, sofern dies dem Kampf gegen „Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung oder andere Straftaten“ dient. Grundlage hierfür bleibe das jeweilige nationale Recht.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lobte die Einigung der EU-Mitgliedstaaten. Von der EU Inc. profitierten junge Unternehmen ebenso wie etablierte, erklärte sie.
„Ein gemeinsamer Markt ist wirtschaftlich nur so stark, wie Unternehmen ihn tatsächlich nutzen können. Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten ist es entscheidend, diese Stärke auszuschöpfen.“
Weiter forderte Reiche das EU-Parlament auf, nun ebenfalls zügig zu entscheiden. „Europas Unternehmen brauchen weniger Hürden, um die Chancen dieses Marktes zu nutzen“, betonte sie.

EU-Parlament muss noch zustimmen

Damit die neue Rechtsform in Kraft treten kann, müssen sich die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament auf einen gemeinsamen Gesetzestext einigen.
Die EU-Kommission hofft auf einen Abschluss noch in diesem Jahr. Es wird erwartet, dass das Parlament bereits im nächsten Monat seine Position festlegt. (afp/red)
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EU-Coronahilfen: Rechnungshof bemängelt fehlende Nachweise über den Nutzen


In Kürze:

  • EU-Schulden: Deutschland wird ein rechnerischer Finanzierungsanteil von 118 Milliarden Euro zugerechnet.
  • Haushaltsbelastung: Ab 2028 beginnt die Rückzahlung der Corona-Schulden, die bis 2058 abgeschlossen sein soll.
  • Erfolgskontrolle: Der Europäische Rechnungshof bemängelt fehlende Nachweise für den Nutzen vieler Verwaltungsreformen.

 
Ein Antrag auf Kindergeld, eine Baugenehmigung oder die Anmeldung eines Unternehmens: Wer in Deutschland etwas von einer Behörde benötigt, muss häufig Informationen angeben, die der Staat längst besitzt. Die Digitalisierung sollte solche Vorgänge vereinfachen. Behörden sollten Daten austauschen, Anträge schneller bearbeiten und Bürgern unnötige Wege ersparen.
Dafür stellte die Europäische Union während und nach der Corona-Zeit Milliardenbeträge bereit. Nach Angaben des Europäischen Rechnungshofs waren allein für Reformen und Investitionen in die öffentliche Verwaltung in den Mitgliedstaaten rund 49,1 Milliarden Euro zugesagt.
Das Geld stammt aus der europäischen Aufbau- und Resilienzfazilität, dem Kernstück des Wiederaufbauprogramms „NextGenerationEU“, das 2020 beschlossen wurde, um die wirtschaftlichen Folgen von Corona abzufedern. Daneben sollte es auch langfristige Verbesserungen ermöglichen, etwa durch modernere Behörden und digitale Dienstleistungen.
Finanziert wurde das Programm mit Geld, das sich die EU an den Finanzmärkten geliehen hatte. Einen Teil erhielten die Mitgliedstaaten als Kredite, die sie selbst zurückzahlen müssen. Andere Mittel wurden als Zuschüsse vergeben. Für die Rückzahlung der dafür aufgenommenen Schulden kommt der gemeinsame EU-Haushalt auf, in den auch Deutschland einzahlt.
Doch die Ergebnisse bleiben vielfach hinter den Erwartungen zurück. In einem gerade erst veröffentlichten Sonderbericht kommt der Europäische Rechnungshof zu dem Ergebnis, dass zahlreiche untersuchte Reformen bislang nur begrenzte Verbesserungen gebracht haben.
Von 14 genauer geprüften Maßnahmen in vier Ländern, einschließlich Deutschland, erzielten lediglich fünf erhebliche Ergebnisse. Acht brachten nur begrenzte Verbesserungen. Bei einer weiteren ließ sich kein entsprechender Erfolg nachweisen. Die Zahlen beziehen sich auf die untersuchten Projekte, nicht auf sämtliche geförderten Verwaltungsreformen.

Warum die EU gemeinsame Schulden aufnahm

Im Juli des Corona-Jahres 2020 einigten sich die Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedsländer auf einen gemeinsamen Wiederaufbaufonds. Die EU-Kommission durfte bis zu 750 Milliarden Euro zu Preisen von 2018 am Kapitalmarkt aufnehmen. Im Juni 2021 begann die Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen, dafür Anleihen an Investoren auszugeben.
Das Programm wurde als außergewöhnliche und zeitlich begrenzte Antwort auf die Pandemie beschlossen. Finanziert wurden Investitionen in Energieversorgung, Verkehr, Digitalisierung, Bildung und staatliche Reformen.
Bis Ende Januar 2026 waren nach Angaben des Rechnungshofs 577 Milliarden Euro aus dem zentralen Förderinstrument für Maßnahmen verplant. Davon entfielen 360 Milliarden Euro auf Zuschüsse und 217 Milliarden Euro auf Darlehen.
Rund 50 Milliarden Euro waren für die öffentliche Verwaltung bestimmt.

Deutschland unterschätzte die technischen Probleme

Wie schwierig Verwaltungsreformen sein können, zeigt Deutschland. Hier sollten Behörden künftig Informationen austauschen können, damit Bürger ihre persönlichen Angaben nicht bei jedem Antrag erneut einreichen müssen. Dieses sogenannte Once-Only-Prinzip ist auch im deutschen Registermodernisierungsgesetz verankert.
Doch bei der Umsetzung stieß die Bundesregierung auf erhebliche Schwierigkeiten. Nach den Feststellungen des Europäischen Rechnungshofs hatte das zuständige Bundesministerium unterschätzt, wie unterschiedlich die Computersysteme der Länder und Kommunen aufgebaut sind. Die Landesministerien waren bei der ursprünglichen Planung nicht ausreichend beteiligt worden.
Vorhandene Programme konnten teilweise nicht wie vorgesehen genutzt werden. Stattdessen wurden neue technische Lösungen entwickelt. Das verzögerte die Umsetzung. Der Rechnungshof bewertet die bisherigen Ergebnisse der deutschen Registermodernisierung als begrenzt.
Besser fällt die Bewertung der Digitalisierung einzelner Verwaltungsleistungen aus. Deutschland konnte im Rahmen einer untersuchten Maßnahme 100 Leistungen der Länder und 115 des Bundes digitalisieren. Die geschätzten Kosten beliefen sich auf 2,52 Milliarden Euro. Allerdings umfasst der zugrunde gelegte Katalog insgesamt 575 Verwaltungsleistungen.

Brüssel misst die Umsetzung statt Erfolg

Ob die Digitalisierung den Bürgern und Unternehmen tatsächlich Zeit und Aufwand erspart, lässt sich bislang nur eingeschränkt beurteilen.
Der Europäische Rechnungshof bemängelt in seinem Sonderbericht, dass die tatsächlichen Verbesserungen bei den untersuchten Verwaltungsreformen nicht ausreichend gemessen wurden. Häufig wurde nur erfasst, ob eine technische Lösung eingeführt oder eine Verwaltungsleistung digitalisiert wurde. Weniger klar war dagegen, ob sich dadurch Bearbeitungszeiten verkürzten, Kosten sanken oder Verwaltungsverfahren einfacher wurden.
Ein Antrag kann beispielsweise online verfügbar sein, während die Bearbeitung innerhalb der Behörde weiterhin mehrere Wochen dauert.
Für Unternehmen ist jedoch nicht allein entscheidend, ob sie ein Formular digital einreichen können. Wichtiger ist, wie schnell sie etwa eine Baugenehmigung oder eine andere behördliche Entscheidung erhalten. Genau diese Wirkung der Digitalisierung lässt sich anhand der untersuchten Maßnahmen bislang nicht zuverlässig nachweisen.

Aus Ausnahme wird Finanzierungsmodell

Als die EU-Staaten im Juli 2020 den Corona-Wiederaufbaufonds beschlossen, sollte die gemeinsame Kreditaufnahme eine Ausnahme bleiben. In den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates hieß es, die der EU-Kommission übertragenen Befugnisse zur Kreditaufnahme seien „in Bezug auf Umfang, Dauer und Anwendungsbereich klar begrenzt“.
Die Kommission durfte demnach bis zu 750 Milliarden Euro zu Preisen von 2018 aufnehmen. Das Geld sollte „ausschließlich zur Bewältigung der Folgen der COVID-19-Krise“ verwendet werden. Zudem legten die Staats- und Regierungschefs fest, dass die Aufnahme neuer Nettokredite spätestens Ende 2026 endet.
Inzwischen nutzt die EU gemeinsame Anleihen auch für andere Aufgaben. Ein Beispiel ist die Unterstützung der Ukraine. Für die Jahre 2024 bis 2027 richtete sie zunächst ein Hilfsprogramm über 50 Milliarden Euro ein. Davon sind 33 Milliarden Euro als Darlehen und 17 Milliarden Euro als Zuschüsse vorgesehen.
Auch bei der europäischen Verteidigung kommt gemeinsame Kreditaufnahme zum Einsatz. Am 27. Mai 2025 beschloss der EU-Rat das Instrument für Sicherheitsmaßnahmen für Europa (SAFE). Es ermöglicht Darlehen von bis zu 150 Milliarden Euro für Verteidigungsinvestitionen der Mitgliedstaaten.
Die EU finanziert das Programm durch die Ausgabe eigener Anleihen. Die Empfängerstaaten müssen die Kredite zurückzahlen.
Hinzu kommt ein weiteres Darlehen von 90 Milliarden Euro für die Ukraine. Die EU-Staaten hatten sich im Dezember 2025 darauf verständigt.
Im April 2026 verabschiedete der Rat die abschließenden rechtlichen Voraussetzungen. Das Geld wird ebenfalls durch EU-Anleihen finanziert und durch den EU-Haushalt abgesichert. Vorgesehen sind 30 Milliarden Euro zur Unterstützung des ukrainischen Staatshaushalts und 60 Milliarden Euro für die Verteidigungsindustrie.
Allerdings unterscheiden sich die Programme. Bei SAFE müssen die Empfängerstaaten ihre Darlehen zurückzahlen. Beim Corona-Aufbauprogramm wurden dagegen auch umfangreiche Zuschüsse durch gemeinsame Schulden finanziert.
Eine vollständige Wiederholung des ursprünglichen Modells ist das deshalb nicht. Die Beispiele zeigen jedoch, dass die EU die gemeinsame Kreditaufnahme inzwischen auch für Aufgaben außerhalb der Pandemiebewältigung einsetzt.

Deutschland trägt einen Teil der EU-Schulden

Die gemeinsamen Schulden haben auch Folgen für Deutschland. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank beliefen sich die Schulden europäischer Institutionen Ende 2025 nach Abzug bestimmter Forderungen auf rund 477 Milliarden Euro. Davon entfiel rechnerisch ein Finanzierungsanteil von 118 Milliarden Euro auf Deutschland. Das entsprach 2,6 Prozent der Wirtschaftsleistung.
Diese Summe umfasst insbesondere Schulden für Zuschüsse aus dem Corona-Aufbaufonds und EU-Kredite an die Ukraine. Sie zählt nicht zur deutschen Staatsschuld nach den europäischen Maastricht-Regeln, weil die EU die Kredite aufgenommen hat.
Finanzielle Folgen können dennoch entstehen: Die Rückzahlung wird teilweise über den EU-Haushalt finanziert, zu dem Deutschland beiträgt. Die 118 Milliarden Euro sind allerdings keine unmittelbar fällige Forderung an den Bund.

Bundestag stimmte der Kreditaufnahme zu

Die europäische Verschuldung berührt auch die parlamentarische Haushaltskontrolle. Der Bundestag stimmte 2021 den rechtlichen Voraussetzungen des Corona-Aufbaufonds zu. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte im Dezember 2022 die Verfassungsmäßigkeit dieser Zustimmung. Entscheidend war unter anderem, dass die Kreditaufnahme hinsichtlich Umfang, Zweck und Dauer begrenzt blieb.
Die einzelnen EU-Anleihen erscheinen jedoch nicht als neue Schulden im Bundeshaushalt. Zusätzliche Belastungen könnten sich später über Deutschlands Beiträge zum EU-Haushalt ergeben.

Rückzahlung bis 2058

Die planmäßige Tilgung der Schulden aus dem Corona-Aufbaufonds beginnt 2028 und soll spätestens 2058 abgeschlossen sein. Während die Empfängerstaaten ihre Darlehen selbst zurückzahlen, werden die Schulden für Zuschüsse aus dem EU-Haushalt bedient.
Für den EU-Haushalt 2028 bis 2034 sieht die Kommission jährlich rund 24 Milliarden Euro für Zinsen und Tilgung vor, also insgesamt 168 Milliarden Euro – bei einem Gesamtvolumen von knapp 2 Billionen Euro.
Der Vorschlag ist noch nicht beschlossen. Beim zweitägigen EU-Gipfel in Brüssel Mitte Oktober stand der auf sieben Jahre angelegte Haushalt im Mittelpunkt. Die wie erwartet harten Verhandlungen zwischen den „Sparsamen“, einschließlich Deutschlands, und den Mitgliedstaaten wie Frankreich, die ein größeres Budget fordern, blieben ergebnislos. EU-Ratspräsident António Costa wird nun nach Wegen suchen, noch bis Ende des Jahres einen Kompromiss zu finden.
Eine wichtige Rolle sollen neue Eigenmittel spielen. Nach dem Vorschlag der Kommission gehören dazu auch Einnahmen aus dem europäischen Emissionshandel sowie Abgaben im Zusammenhang mit Elektroschrott, Tabak und großen Unternehmen. Ohne zusätzliche Einnahmen könnte der Druck steigen, die Beiträge der Mitgliedstaaten zu erhöhen oder an anderer Stelle im EU-Haushalt zu sparen.
Mit dem Auslaufen des europäischen Wiederaufbauprogramms Ende 2026 endet zunächst die Finanzierung neuer Maßnahmen. Die bereits angestoßenen Verwaltungsreformen können jedoch über diesen Zeitpunkt hinaus fortgeführt werden. Welche langfristigen Ergebnisse die Investitionen erzielen, wird sich daher erst in den kommenden Jahren vollständig beurteilen lassen.
Die finanziellen Verpflichtungen aus dem Programm bestehen unabhängig davon fort. An der Finanzierung beteiligen sich die Mitgliedstaaten über ihre Beiträge zum gemeinsamen Haushalt, darunter auch Deutschland.
Mit Material von AFP
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Nach Linken-Sieg in Berlin: 72 Polizisten wollen in andere Bundesländer


In Kürze:

  • Innerhalb weniger Wochen haben 72 Berliner Polizisten in anderen Bundesländern eine Versetzung angefragt oder beantragt.
  • Die meisten wollen nach Baden-Württemberg wechseln.
  • Die Bundespolizeigewerkschaft spricht von einem Frontalangriff auf die rechtsstaatlichen Strukturen.

 
Seit Anfang September haben 72 Berliner Polizisten in anderen Bundesländern eine Versetzung angefragt oder beantragt. Das ergab eine Umfrage von „FOCUS online“ bei allen Bundesländern. Das sind mehr als dreimal so viele, wie im gesamten Jahr 2025 tatsächlich versetzt wurden: Damals wechselten 22 Berliner Polizisten in ein anderes Bundesland, 2024 waren es 36.
„FOCUS online“ bringt die Anfragen mit dem Sieg der Linken bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September in Zusammenhang. Nach der Wahl hatten Baden-Württemberg und Brandenburg offen um Berliner Polizisten geworben.
Der Berliner Polizei selbst sind seit dem 6. September offiziell sieben Versetzungsanträge bekannt. Die Differenz erklärt sich laut dem Bericht damit, dass Beamte sich in Berlin nicht erklären müssen, bevor sie in einem anderen Bundesland anfragen. Den eigentlichen Versetzungsantrag stellen sie erst später.

Große Sorge in der Berliner Polizei

Die Zahl überrasche die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nicht, sagte deren Berliner Sprecher Benjamin Jendro gegenüber „FOCUS online“. In wenigen Wochen sei das aber viel. „Wenn das jedes Jahr passiert, ist personell in zwei Jahren ein Polizeiabschnitt in Berlin weg.“ In Berlin gibt es insgesamt 18.500 Polizisten im Vollzugsdienst.
In der Berliner Polizei herrsche seit der Wahl große Sorge darüber, wie es in der Stadt weitergehe, so Jendro. Für viele sei die „politische Zukunft völlig unklar“.
In ihrem Wahlprogramm kündigt die Linke an: „Die immer weitere, teure Aufrüstung der Polizei wollen wir stoppen und die Mittel umverteilen.“ Polizeieinsätze etwa bei Demonstrationen, bei anlasslosen Kontrollen an sogenannten kriminalitätsbelasteten Orten, in Waffenverbotszonen oder bei Fußballspielen seien „personalintensiv und oft nicht zielführend“.
Insgesamt will die Linke den Personalbestand der Polizei auf das Niveau anderer Stadtstaaten senken. „Die polizeiliche Arbeit muss, wo immer dies möglich ist, durch Soziale Arbeit ersetzt oder zumindest ergänzt werden“, heißt es auf Seite 288.
Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) hatte nach der Wahl gegenüber der „BILD“ gesagt: „Die Berliner Polizei ist zu schade für eine linke Clan-Bürgermeisterin, die ihr Mittel und Befugnisse nehmen will.“ Dabei warb er ganz offen um die Polizisten: „Wer für Sicherheit, Freiheit und unseren Rechtsstaat einsteht, ist bei uns immer willkommen. Jede und jeder Einzelne. Jederzeit.“

Abwerben war bislang unüblich

Bislang sei es laut Jendro „fast unmöglich“, in ein anderes Bundesland zu wechseln, da die Innenminister der Länder eine Übereinkunft gegen sogenannte „Raub-Ernennungen“, also das gegenseitige Abwerben, getroffen hätten. „Das scheint nunmehr obsolet“, so Jendro.
Es überrasche aber nicht, dass andere Bundesländer ihre Chance witterten, Nachwuchskräfte und erfahrene Beamte aus Berlin zu sich zu holen. Die Berliner Polizei habe die „höchste Einsatzbelastung deutschlandweit“, dabei sei die Besoldung „weiterhin unterirdisch“.
Auch Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) warb um Berliner Polizisten, zumal Brandenburg insgesamt 440 zusätzliche Stellen aufbauen will. Sein Angebot richtet sich allerdings vor allem an junge Polizeianwärter.
Laut „FOCUS online“ haben 58 Beamte Interesse an einem Wechsel nach Baden-Württemberg bekundet. Nach Bayern wollen zehn, nach Thüringen drei und nach Bremen einer. Zwei Bundesländer haben auf die Anfrage nicht geantwortet.
Die Entwicklung in der Bundeshauptstadt bereitet dem Bundesvorsitzenden der DPolG Bundespolizeigewerkschaft, Manuel Ostermann, Sorge: „Der Organisierten Kriminalität wird Tür und Tor geöffnet“, sagte er in einem Gespräch mit der „WELT“. Ostermann nannte den geplanten Entzug finanzieller Mittel – nach dem Motto „Defund the Police“ – „und das gesamte Programm einen frontalen Angriff auf unsere rechtsstaatlichen Strukturen“.
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Pariser Ladenbesitzer bewaffnen sich – Bürgermeister beunruhigt vor neuem Protestwochenende

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Im Vorfeld der Proteste am Samstag verbarrikadieren Geschäfte ihre Räumlichkeiten, um sich vor neuen Krawallen und Zerstörung zu schützen. „Le Parisien“ berichtet über eine steigende Nachfrage nach Waffen zur Selbstverteidigung. Einige Bürgermeister, darunter der von Paris, haben ihre Besorgnis über Anwohner die sich gegen Randalierer bewaffnen, zum Ausdruck gebracht.
Der Besitzer eines Waffenladens im Zentrum von Paris berichtete, dass die Verkäufe von Pfefferspray in seinem Geschäft seit den Unruhen vom vergangenen Wochenende gestiegen sind.
David Vives, NTD-Korrespondent der Epoch Media Group aus Paris, sprach mit Ladenbesitzern in der Nähe des Canal Saint-Martin in Paris, dessen Geschäfte während der Unruhen vom 17. und 18. Oktober verwüstet wurden.
Anwohner organisieren Unterstützung über eine lokale Gruppe namens „Les Amis du Canal“ (Freunde des Kanals). „Diese Menschen sind völlig auf sich allein gestellt. Es gibt noch keine öffentlichen Hilfsangebote, die sie unterstützen“, sagte der Organisator der Epoch Media Group.
Die Regierung hat Hilfen für betroffene Unternehmen und Arbeitnehmer angekündigt. Der Thinktank iFRAP schätzt, dass sich die landesweiten Schäden und Geschäftsverluste auf 1,1 Milliarden Euro belaufen könnten, auch wenn die endgültigen Kosten noch ungewiss sind.
Ein Bericht von David Vives, NTD-Korrespondent der Epoch Media Group aus Paris. (Deutsche Bearbeitung sk)
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Paris vor Protestwochenende: Polizeipräfekt rät Ladenbesitzern zu privatem Wachschutz


In Kürze:

  • Nach Plünderungen mit 451 beschädigten Geschäften in Paris rät Polizeipräfekt Patrice Faure Händlern, für Samstag private Sicherheitskräfte zu engagieren.
  • Sicherheitsfirmen melden doppelt so viele Anfragen wie zuvor, Waffengeschäfte zehnmal so viele Bestellungen.
  • Macron räumt „Versäumnisse bei der Vorausschau“ ein. Am Samstag sollen nur gewerkschaftlich organisierte Demonstrationen auf geschützten Routen erlaubt sein.

Ladenbesitzer in Paris bereiten sich auf ein weiteres Wochenende mit linksextremen Protesten gegen die steigenden Lebenshaltungskosten vor. In der vergangenen Woche waren Demonstrationen in ganz Frankreich in Gewalt, Plünderungen und Brandstiftungen ausgeartet.
Nach Angaben der Stadtverwaltung wurden in Paris am 17. und 18. Oktober 451 Geschäfte beschädigt, 228 davon geplündert. Landesweit zählt die Regierung rund 3.000 betroffene Betriebe.
Am Donnerstag, 22. Oktober, verbarrikadierte nahezu jedes Geschäft entlang der Champs-Élysées seine Schaufenster mit Metallrollläden, Sicherheitsgittern oder Holzplatten, während verwunderte Touristen zusahen. Das beobachteten Reporter der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times vor Ort.
Chanel, Lacoste und Louis Vuitton waren in der vergangenen Woche ins Visier von Plünderern geraten.

Die Boutique der französischen Bekleidungsmarke Lacoste auf den Champs-Élysées in Paris ist am 22. Oktober 2026 mit Metallzäunen gesichert. Grund sind Proteste, die für Samstag, 24. Oktober, geplant sind.

Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times

In der Nähe der Place de la République schrauben Arbeiter Sperrholzplatten vor Fenster und Türen. Plakate auf den Platten laden Anwohner ein, einer WhatsApp-Gruppe der Nachbarschaft gegen Einbrüche beizutreten.
Nicht nur Geschäfte waren am 17. Oktober Ziel der Angriffe. In Paris verschafften sich Personen auch gewaltsam Zutritt zu Wohnhäusern, wie die Epoch Times beobachtete.

Kritik an Empfehlung

In einem Schreiben vom 21. Oktober an Pariser Kommunalpolitiker, über das „France Info“ berichtete, richtete Polizeipräfekt Patrice Faure eine Reihe von Empfehlungen an Ladenbesitzer entlang der Demonstrationsrouten. Sie sollten private Sicherheitskräfte engagieren, gegebenenfalls auch mit Hundeführern, ihre Rollläden schließen und erwägen, ihre Geschäfte am Samstag nicht zu öffnen.
Die Guerlain-Boutique auf der Champs-Élysées in Paris ist am 22. Oktober 2026 vor Protesten am Samstag verbarrikadiert.

Die Guerlain-Boutique auf der Champs-Élysées in Paris ist am 22. Oktober 2026 vor Protesten am Samstag verbarrikadiert.

Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times

Das verstärkte Polizeiaufgebot könne allein nicht den Schutz jedes einzelnen Betriebs garantieren, heißt es in dem Schreiben.
Der Rat löste Empörung bei Kritikern aus, die betonten, der Schutz der Bürger sei Aufgabe des Staates und nicht der Ladenbesitzer.
„Die Regierung verlangt von den Händlern, private Sicherheitsleute aus eigener Tasche zu bezahlen. Das ist das Eingeständnis, dass sie ihre grundlegendste Pflicht nicht mehr erfüllen kann: das französische Volk zu schützen“, schrieb Sarah Knafo, Europaabgeordnete und eine der führenden Figuren der Partei Reconquête, auf X.
„Können die Händler im Gegenzug aufhören, dem Staat Steuern zu zahlen?“, fügte sie hinzu.
David Lisnard, Vorsitzender der Partei Nouvelle Énergie, bezeichnete den Vorgang auf X als „inakzeptables Eingeständnis der Machtlosigkeit und vollständige Umkehr grundlegender Prinzipien“.
„Die Händler bezahlen die Reparaturen, zahlen Steuern, damit der Staat für ihre Sicherheit sorgt, und sollen nun ein drittes Mal für privaten Wachschutz zahlen“, erklärte er.
Faure räumte später eine „Ungeschicklichkeit“ in seiner Formulierung ein, betonte aber, der Schutz der Geschäftsinhaber bleibe Verantwortung und Priorität der Behörden.

Unbewaffnet und in der Unterzahl

Laut dem Branchenverband der französischen Sicherheitsunternehmen haben sich die Anfragen nach Angeboten seit den Krawallen verdoppelt.
„Die Anrufe in unserer Zentrale und die Anfragen per E-Mail haben sich vervielfacht“, sagte Raphaël Mashhadi, Geschäftsführer der Pariser Firma Gardiennage Paris RMS, gegenüber der Epoch Times.
Bekleidungsboutiquen, Lebensmittelgeschäfte und Hotels buchten Wachleute im Voraus, „zusätzlich zu physischen Schutzmaßnahmen wie Holzplatten“, sagte er. Eine zwölfstündige Nachtschicht koste 420 Euro vor Steuern, so Mashhadi. Ein eingeschlagenes Schaufenster könne dagegen nach seinen Angaben 10.000 bis 20.000 Euro kosten.
„Der Unterschied spricht für sich“, sagte er.
Die Louis-Vuitton-Boutique nahe den Champs-Élysées in Paris wird am 22. Oktober 2026 mit Metallbarrieren vor Protesten am Samstag gesichert

Die Louis-Vuitton-Boutique nahe den Champs-Élysées in Paris wird am 22. Oktober 2026 mit Metallbarrieren vor Protesten am Samstag gesichert.

Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times

Sicherheitsfirmen stoßen an ihre Grenzen

Cyril Baudouin, Chef von RPro Sécurité, sagte der Epoch Times, seine Geschäftstätigkeit sei um 5 bis 15 Prozent gestiegen. Anfragen, für die er kein Personal habe, werde er ablehnen. Den Appell nannte er „etwas unglücklich“ für Ladenbesitzer, die bereits Verluste erlitten hätten und nun selbst für ihren Schutz zahlen müssten.
„Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn der Staat die Leistung bezahlt oder private Sicherheitsfirmen dienstverpflichtet hätte, denn die Präfekten haben die Befugnis dazu“, sagte Baudouin.
Nach französischem Recht dürfen Sicherheitskräfte in der Regel nur auf dem Gelände tätig sein, für dessen Schutz sie engagiert wurden. Eine Waffe dürfen sie nur tragen, wenn Leben einer „außergewöhnlichen Gefahr“ ausgesetzt sind, und selbst dann nur mit Genehmigung des Präfekten für jeden einzelnen Einsatz.
„Wir können nicht so bewaffnet sein wie Polizisten und Gendarmen“, sagte Mashhadi.
Baudouin zufolge hätte eine Anordnung des Präfekten den Sicherheitskräften zumindest erlauben können, während der Proteste auf der Straße Pfeffergel mitzuführen.
„Ein einzelner Sicherheitsmann kann nichts ausrichten. Was wir gesehen haben, war nicht einmal eine Menschenmenge, sondern eine Horde von Randalierern, gewalttätigen Menschen, und es waren viele“, sagte Baudouin.
Die einzige Möglichkeit sei, das Personal in Sicherheit zu bringen, abzuschließen und die Polizei zu rufen. Wachleute dürften zwar einen Eingang versperren, aber niemanden schlagen. Schon eine einzige Anzeige könne sie die Zulassung kosten.
„Wir sind da, um vorzubeugen, abzuschrecken, zu alarmieren und zu helfen.“

Menschen verwüsten ein Geschäft während einer Kundgebung in der Nähe der Place de la République am 17. Oktober 2026 in Paris, Frankreich.

Foto: Carl Court/Getty Images

Geschäftsleute bewaffnen sich

Während manche auf private Sicherheitsfirmen setzen, nehmen andere die Sache selbst in die Hand: Sie bitten Freunde und Verwandte, ihre Läden zu bewachen, oder bewaffnen sich in einigen Fällen selbst.
Die Bestellungen in Waffengeschäften haben sich seit den Plünderungen verzehnfacht, sagte der Pariser Büchsenmacher Yves Gollety, Vorsitzender des nationalen Verbands der Waffenhändler, der Nachrichtenagentur AFP.
Die Käufer seien „im Wesentlichen Ladenbesitzer und Gastronomen, die von dem Geschehenen völlig traumatisiert sind“. Gummigeschosswerfer, Tränengaskartuschen und Teleskopschlagstöcke seien rasch ausverkauft.
Laut einer Umfrage des Instituts Elabe für den Sender „BFMTV“ glauben 61 Prozent der Franzosen, dass sie selbst für ihre Sicherheit sorgen müssen, weil die Polizei die Bevölkerung „nicht mehr schützen kann“. Die Hälfte fürchtet um ihre Sicherheit oder ihr Eigentum.

Vor der Boutique der französischen Luxusmarke Kenzo am Boulevard de la Madeleine in Paris sind am 18. Oktober 2026 ein mit Brettern vernageltes Fenster, zerbrochenes Glas und ein „Tax the Rich“-Graffito zu sehen.

Foto: Etienne Fauchaire/Epoch Times

Macron räumt Versäumnisse bei der Vorbereitung ein

Am Donnerstag, 22. Oktober, traf sich Macron im Élysée-Palast mit Vertretern der Nachrichtendienste. Anschließend räumte er ein, die Behörden hätten die Ausschreitungen vom Samstag, 17. Oktober, nicht ausreichend vorhergesehen.
Er sprach von „Versäumnissen bei der Vorausschau“ und von „Überraschungsmomenten“. Verantwortlich seien „politische und sogar aufrührerische Taten organisierter ultralinker Gruppen“, „deren Ziel es ist, die Republik zu stürzen“.
Für die Proteste am Samstag, 24. Oktober, kündigte Macron strengere Regeln an: Genehmigt würden nur Demonstrationen, die von Gewerkschaften organisiert werden. Ihre Routen würden so festgelegt, dass Geschäfte und öffentliche Gebäude geschützt sind. Alle anderen Versammlungen sollen nach seinen Worten verboten werden, wo immer dies möglich ist.
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Seit 65 Jahren Meister – Gert Ebenrecht backt weiter

Wäre er ein Angestellter, wäre Gert Ebenrecht bereits seit 20 Jahren Rentner. Doch ein Leben so ganz ohne das Bäckereihandwerk kann sich der 85-Jährige schlicht nicht vorstellen. Kein Wunder: Ist er doch praktisch in der Backstube seines Großvaters aufgewachsen.
„Bevor ich im Kindergarten war, war ich schon in der Backstube mit dabei“, erinnert er sich. Zu diesem Zeitpunkt gab es die Bäckerei, die sich stets am selben Fleck in dem kleinen Ort Teicha (Saalekreis) vor den Toren Halles befand, bereits 35 Jahre, erinnert er sich. Gegründet hat sie sein Großvater Karl 1911.
Heute arbeiten drei Generationen – allesamt Meister ihres Handwerks – zusammen in dem Betrieb. Seit 65 Jahren trägt Gert Ebenrecht den Titel des Bäckermeisters.
Als Ehrung für seine unermüdliche Arbeit erhält er am Freitag den Eisernen Meisterbrief der Handwerkskammer Halle. „Das ist kein Muss. Das ist mein freier Wille. Wenn ich nicht komme, komme ich nicht“, sagt er darauf angesprochen.

Die Arbeit beginnt um 2 Uhr morgens

Einzig das frühe Aufstehen – die Arbeit in der Backstube beginnt 2 Uhr morgens – überlässt er mittlerweile seinem Sohn Thomas Ebenrecht. Der Konditormeister führt den Betrieb mittlerweile gemeinsam mit seinem Sohn Max.
Ein anderer Beruf sei für keinen der Drei je wirklich infrage gekommen, so Gert Ebenrecht. Das Verhältnis der drei Meistergenerationen sei etwas Besonderes und wohl kaum mit einer normalen Arbeitsbeziehung vergleichbar, glaubt der 85-Jährige.
Als Jüngster und designierter Nachwuchschef kümmert sich Max um Vertriebs- und Rezeptideen und stellt den Betrieb für die Zukunft auf.
Mit insgesamt fünf „Kulinarischen Sternen“ der Agrarmarketinggesellschaft des Landes ist die Bäckerei für ihre Kreationen bereits ausgezeichnet worden – darunter für ihr Dinkelbrot, ihren Stollen und ihr „Bierbrot“.
So hat Max Ebenrecht der Bäckerei auch den Weg in die regionalen Supermarktregale geebnet. Sechs Jahre Überzeugungsarbeit habe das gekostet, berichten die Drei.
Der Beruf, die Technologie und auch das Geschäft hätten sich in mehr als sechs Jahrzehnten Berufsleben gewandelt, berichtet Altmeister Gert Ebenrecht. Die Wertschätzung für das Bäckerhandwerk habe in Zeiten billiger Ware in Supermarktregalen nachgelassen.
War der Dorfbäcker früher noch ein gewohnter Anblick und Hauptversorger für die Menschen im Ort, so gehört das Ladengeschäft in Teicha heute ebenso wie der familiär geführte Handwerksbetrieb zur aussterbenden Art. Das weiß auch Gert Ebenrecht.

Personal im Bäckerhandwerk nur schwer zu finden

Vier Angestellte arbeiten neben der Familie im Betrieb. Und eigentlich könnten die Ebenrechts noch mehr Personal gebrauchen, haben dafür auch wiederholt Lehrlinge ausgebildet.
Doch die hätten entweder abgebrochen oder sich nach vielversprechendem Abschluss für einen weniger fordernden Job entschieden. Lust auf eine 40-Stunden-Woche und ein Autoführerschein seien mitunter eine Seltenheit geworden, schildert Max Ebenrecht.
Das zeigen auch die Zahlen: Von 2014 bis 2024 hat sich die Zahl der Lehrlinge im Bäckerhandwerk nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks halbiert – von bundesweit rund 20.500 im Jahr 2014 auf etwa 10.000 im Jahr 2024.
Eine Trendwende beobachten die Ebenrechts bislang nicht.

„Auf die Zeit darfst Du nicht schauen, wenn Du selbstständig bist“

Würde nicht praktisch die gesamte Familie mit anpacken, so wäre wohl auch die Bäckerei und Konditorei Ebenrecht nicht über 100 Jahre alt geworden. Neben dem Vertrieb in Supermärkten gibt es eine Verkaufsfiliale im Zentrum von Halle.
Zwei Verkaufsfahrzeuge touren wochentags durch die Umgebung. Diskussionen über Recht auf Teilzeitarbeit und Work-Life-Balance scheinen in der Backstube weit weg. Auf die Frage nach seiner Wochenarbeitszeit antwortet Thomas Ebenrecht: „Auf die Zeit darfst Du nicht schauen, wenn Du selbstständig bist.“
Zugleich ist den drei Meistergenerationen ein gewisser Stolz anzumerken: Auf das Geschaffene und das Bestehen des Betriebs trotz wachsenden Kostendrucks und Konkurrenz durch industrielle Großbäckereien.
Immer einer Meinung sind die Drei nicht: So lässt es sich Gert Ebenrecht auch mit 85 Jahren nicht nehmen, den Teig für die Mohnzöpfe von Hand zu flechten, statt ihn wie heute üblich mit einer Form zu stechen und erntet für die zeitaufwendige Arbeit Kopfschütteln von Sohn und Enkel.
Zugleich wissen die beiden die Unterstützung durch den Senior zu schätzen: Dass Gert Ebenrecht nach zwei schweren Krebserkrankungen überhaupt noch derart tatkräftig in der Backstube hilft, grenzt an ein Wunder, berichtet Sohn Thomas.
Für den Altmeister ist klar: Er fühle sich körperlich fit. Solange er kann, wolle er weitermachen. „Ich war doch überall größtenteils. Was soll ich da jetzt rumreisen?“, sagt er und zuckt mit den Schultern.
Inzwischen wächst die sechste Generation in der Backstube heran. Gert Ebenrechts Urenkel ist zwei Jahre alt. Ob er in die Fußstapfen seines Vaters treten wird, weiß Max Ebenrecht noch nicht. Doch er hat Hoffnung: „Das Handwerk ist jetzt ja wieder mehr am Kommen.“ (dpa/red)
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Europäische Autohersteller in der Zwickmühle zwischen staatlichen Vorgaben und China


In Kürze:

  • Der wichtigste Trend in der Autoindustrie in diesem Jahrzehnt sei das explosive Wachstum der chinesischen Autoexporte, sagt Aktienanalyst Garrett Nelson gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times.
  • Die Produktionskosten von BYD liegen laut dem Ökonomen Jeff Degner bei vergleichbaren Modellen 20 bis 30 Prozent unter denen europäischer Hersteller.
  • In den USA bleiben Elektroautos ein Nischenmarkt, in Brasilien expandiert BYD, Japan setzt weiterhin auf Hybride und Verbrenner.

 
Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) stiegen die weltweiten Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen 2025 um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und überstiegen 20 Millionen Einheiten. Einen Großteil des Zuwachses trug Europa bei, wo die Verkäufe sogar um 30 Prozent zulegten. Dennoch fällt es europäischen Autoproduzenten schwer, mit Elektroautos Gewinne zu erzielen.
Bei Volkswagen, Europas größtem Autobauer, sank die operative Umsatzrendite 2025 von 5,9 Prozent auf 2,8 Prozent. Das Unternehmen kündigte im September an, weltweit weitere rund 50.000 Stellen abzubauen – rund 7,5 Prozent seiner Belegschaft.
Stellantis, Europas zweitgrößter Hersteller, verbuchte im Rahmen seines E-Auto-„Neustarts“ in der zweiten Jahreshälfte 2025 Abschreibungen von 22,2 Milliarden Euro, die größtenteils auf Überinvestitionen in Elektroautos zurückzuführen waren.
Europas Autohersteller stehen zwischen zwei Gegenspielern: chinesischen Autobauern, die aggressiv Marktanteile erobern und die Gewinnmargen unter Druck setzen, und ihren eigenen Regierungen, die versucht haben, unabhängig von der Nachfrage der Verbraucher einen vollständigen Übergang zu E-Fahrzeugen zu erzwingen.
Europäische Klimavorgaben sollten den Umstieg auf Elektroautos beschleunigen: 2023 schrieb die EU vor, die CO₂-Emissionen aus dem Auspuff neuer Fahrzeuge ab 2035 vollständig zu eliminieren. Das kommt faktisch einem Verkaufsverbot für neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor gleich. Im Dezember 2025 schlug die EU-Kommission vor, diese Vorgabe auf eine 90-prozentige Emissionsreduzierung abzuschwächen; das Gesetzgebungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.
Als Reaktion auf diese und andere Vorgaben investierten die Autohersteller in neue Produktionslinien für Elektrofahrzeuge. Allein Volkswagen sagte 2023 für die Elektrifizierung seiner Flotte 193 Milliarden US-Dollar (rund 169 Milliarden Euro) zu.
„Ich denke, dass die europäischen Autohersteller den Preis dafür zahlen, dass sie mehr auf die Wünsche der Regulierungsbehörden achten als auf die Bedürfnisse ihrer Kunden“, sagte Jeff Degner, wissenschaftlicher Mitarbeiter am American Institute for Economic Research, gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times. Er bezeichnet einen Großteil des Geldes, das für den Übergang zu Elektrofahrzeugen ausgegeben wurde, als „staatlich induzierte Fehlinvestition“.

Die Zahl der verkauften E-Autos steigt seit Jahren. In China und den USA sanken die Zuwachsraten zuletzt, in Europa zogen die Verkäufe 2025 dagegen kräftig an.

Foto: ts/Epoch Times, Daten: IEA, CC BY 4.0

Nachfrage überschätzt, China unterschätzt

Stellantis-Chef Antonio Filosa sieht es ähnlich. „Die heute bekannt gegebenen Belastungen spiegeln größtenteils die Kosten dafür wider, dass wir das Tempo der Energiewende überschätzt haben, wodurch wir uns von den realen Bedürfnissen, Möglichkeiten und Wünschen vieler Autokäufer entfernt haben“, erklärte er im Februar bei der Bekanntgabe der Abschreibungen.
Die größten US-Autobauer Ford und General Motors waren beim Umstieg auf Elektroautos vorsichtiger als ihre europäischen Konkurrenten und zogen sich schneller zurück, als sich die Verluste häuften. Im Januar kündigte General Motors eine Abschreibung in Höhe von 6 Milliarden US-Dollar (rund 5,3 Milliarden Euro) an, kurz nachdem Ford eine Abschreibung von 19,5 Milliarden US-Dollar (rund 17,1 Milliarden Euro) bekannt gegeben hatte. Beide Unternehmen rückten damit von ihren Verpflichtungen im Bereich Elektrofahrzeuge ab.
Stephanie Valdez Streaty, Direktorin für Branchenanalysen bei Cox Automotive, sagte gegenüber der Epoch Times: „Die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen hat sich nicht in dem Tempo und unter den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entwickelt, von denen viele dieser ursprünglichen Verpflichtungen ausgegangen waren. Gleichzeitig sehen sich die europäischen Autohersteller einem deutlich wettbewerbsintensiveren Markt gegenüber.“
Chinesische Hersteller gewannen in Europa rasch an Boden. Nachdem sie vor einigen Jahren praktisch bei null begonnen hatten, entfielen bis Mai 2026 laut Streaty 20 Prozent der Verkäufe batterieelektrischer Fahrzeuge in der EU auf chinesische Marken.
Chinesische Autobauer haben sich die Mehrheit der weltweiten E-Auto-Verkäufe gesichert. Sie ziehen in Qualität und Ausstattung mit westlichen Herstellern gleich und unterbieten sie beim Preis. Einige chinesische Modelle wie der Seagull von BYD, der in China für rund 10.000 US-Dollar (rund 8.800 Euro) verkauft wird, sind nicht nur günstiger als die Konkurrenz, sondern überzeugen auch bei der Qualität. Das zeigen Testberichte von Publikationen wie „InsideEVs“ und „Top Gear Philippines“.
Für die europäischen Märkte hat BYD den Seagull überarbeitet und als Dolphin Surf neu aufgelegt. Das Modell kam zu einem reduzierten Einführungspreis von 22.400 US-Dollar (rund 19.600 Euro) auf den Markt und kostet inzwischen etwa 25.800 US-Dollar (rund 22.600 Euro). Damit liegt es unter dem Preis vergleichbarer europäischer Modelle wie des Citroën ë-C3, der ab etwa 26.200 US-Dollar (rund 23.000 Euro) erhältlich ist. Teurer ist es jedoch als Budgetmodelle wie der Dacia Spring für 20.100 US-Dollar (rund 17.600 Euro) und der Renault Twingo E-Tech für 21.800 US-Dollar (rund 19.100 Euro).

Chinas Autos überschwemmen den europäischen Markt

„Der wichtigste Trend in der Automobilindustrie in diesem Jahrzehnt ist bislang das explosive Wachstum der chinesischen Autoexporte“, sagte Garrett Nelson, Aktienanalyst beim Center for Financial Research and Analysis, gegenüber der Epoch Times. Er schätzt, dass China inzwischen mehr als 1 Million Fahrzeuge pro Monat exportiere.
„Sie haben sehr stark in Infrastruktur und Logistik investiert, um so viel mehr exportieren zu können als früher“, sagte Nelson.
Chinas Automobilexporte stiegen im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 53 Prozent; die Ausfuhren von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben haben sich laut Daten des chinesischen Regimes mehr als verdoppelt.
„Der europäische Markt wird regelrecht mit kostengünstigen chinesischen Elektroautos überschwemmt“, sagte Nelson. Die EU-Zölle in Höhe von 10 Prozent sowie weitere Abgaben auf chinesische Autos hätten Chinas Expansion nicht aufhalten können.
Von den mehr als 20 Millionen Elektrofahrzeugen, die 2025 weltweit verkauft wurden, entfielen laut der IEA mehr als 13 Millionen auf China. Mehr als die Hälfte der weltweiten Verkäufe entfiel auf in China hergestellte Fahrzeuge.

Fahrzeuge des chinesischen Elektroautoherstellers BYD im Hafen von Guangzhou in der südchinesischen Provinz Guangdong am 22. Februar 2025.

Foto: Pedro Pardo/AFP via Getty Images

Chinas Wettbewerbsvorteile

Die wichtigsten chinesischen Automarken sind BYD, Geely, SAIC und Changan. 2025 löste BYD Tesla als weltweit größten Verkäufer von batterieelektrischen Fahrzeugen ab.
Nach Einschätzung von Degner liegen die Produktionskosten von BYD bei vergleichbaren Modellen 20 bis 30 Prozent unter denen europäischer Autohersteller. Doch während die europäischen Regulierungsbehörden die heimischen Autohersteller zur Umstellung auf Elektrofahrzeuge drängten, erließen sie zugleich Vorschriften, die die Produktion in Europa erheblich verteuerten.
Dazu gehörte der staatlich verordnete Ausstieg aus der Kohle und anderen fossilen Brennstoffen zugunsten von Wind- und Solarenergie. Die Folge ist, dass Europäer heute einige der höchsten Energie- und Stromkosten in der industrialisierten Welt zahlen – ein Vielfaches der Kosten in China.
„Die Chinesen haben einen Wettbewerbsvorteil, aber dieser Wettbewerbsvorteil ist durch die hohen Kosten entstanden, die die europäischen Regulierungsbehörden auferlegen“, sagte Degner.
„Ich würde sagen, dass die Europäer sich nur selbst die Schuld geben können, denn sie haben – ob auf nationaler Ebene oder auf internationaler Ebene in der EU – genau die Art von Vorschriften eingeführt, die der [Auto-]Industrie insgesamt das Leben schwerer machen.“
Darüber hinaus hat China über Jahrzehnte eine weltweite Infrastruktur für den Abbau und den Transport von Batterierohstoffen wie Graphit, Lithium und Kobalt aufgebaut. Der Großteil dieser Rohstoffe wird zudem in China raffiniert, verarbeitet und zu Batterien weiterverarbeitet.
Außerdem profitieren chinesische Unternehmen von Skaleneffekten und einem riesigen Binnenmarkt.

Ein Beschäftigter arbeitet am 26. April 2026 im Werk von Leap Energy in Huzhou in der chinesischen Provinz Zhejiang an Batterien für Elektrofahrzeuge.

Foto: Adek Berry/AFP via Getty Images

Ein Bericht der Rhodium Group vom Februar hält zudem fest, dass chinesische Autobauer von einer weitreichenden vertikalen Integration des Fertigungsprozesses sowie von staatlichen Zuschüssen, steuerlichen Anreizen und vergünstigten Finanzierungen profitierten.

E-Fahrzeuge: In den USA ein Nischenmarkt

Elektrofahrzeuge sind in den USA nach wie vor ein Nischenmarkt. Die Fahrstrecken sind dort oft länger, und die Ladeinfrastruktur ist so lückenhaft, dass E-Auto-Besitzer auf längeren Fahrten „Reichweitenangst“ haben. Zudem gibt es Bedenken, dass die Nachfrage stark von staatlichen Vorgaben und Subventionen abhängt.
Die Trump-Regierung schaffte die bundesweiten Steuervergünstigungen für Käufer von Elektroautos ab und hob die von der Biden-Regierung eingeführten Vorschriften zu Abgasemissionen und Kraftstoffeffizienz auf, die viele benzinbetriebene Modelle faktisch vom Markt verdrängt hätten.
Im vierten Quartal 2025 brachen die Verkäufe von E-Autos in den USA gegenüber dem Vorjahresquartal um 45 Prozent ein. Im Gesamtjahr wurden rund 1,5 Millionen Elektrofahrzeuge verkauft, etwas weniger als 2024.
Laut der IEA war der Anstieg der Verkäufe in Europa teilweise auf politische Vorgaben zurückzuführen, insbesondere auf die 2025 in Kraft getretenen strengeren CO₂-Grenzwerte der EU, die eine Senkung um 15 Prozent gegenüber 2021 vorsehen.
Der starke Rückgang der US-Verkäufe fiel dagegen mit der Streichung der Steuergutschrift von 7.500 US-Dollar (rund 6.600 Euro) für den Kauf von Elektrofahrzeugen durch die Trump-Regierung zusammen.
„Sobald diese ausgelaufen war, fiel die Nachfrage von etwa 12 Prozent des US-Automarktes auf 6 Prozent innerhalb eines Jahres. Ich denke, das ist ein Indikator dafür, dass die allgemeine Akzeptanz von Elektrofahrzeugen bei den Verbrauchern noch nicht dort ist, wo sich die Regulierungsbehörden das wünschen“, sagte Degner.
Ein Markt, der so stark von staatlichen Anreizen abhängt, birgt für Autobauer ein erhebliches Risiko, wenn es um die Unternehmensstrategie und um Investitionen von womöglich Hunderten Millionen US-Dollar geht. Selbst Tesla, das Elektroautos profitabel verkauft, meldete im Juli einen Rückgang des operativen Ergebnisses um 57 Prozent.

BYD expandiert in Brasilien, Japan setzt weiterhin auf Hybride

Außerhalb der USA breiten sich Elektroautos dagegen in ganz Nord- und Südamerika rasch aus. Während Handelsschranken chinesische Autos bislang weitgehend von den USA fernhalten, gewinnen chinesische Hersteller in Brasilien, Mexiko und Kanada rasch an Boden.
BYD begann 2022 mit dem Verkauf von Elektrofahrzeugen in Brasilien, dem größten Automobilmarkt Südamerikas. Bis 2025 produzierten chinesische Automobilhersteller 85 Prozent der in Brasilien verkauften Elektrofahrzeuge, so ein Bericht der IEA.

Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva (M. l.) und der CEO des chinesischen Autoherstellers Great Wall Motor (GWM), Mu Feng (M. r.), bei der Einweihung des GWM-Autowerks in Iracemápolis am 15. August 2025.

Foto: Nelson Almeida/AFP via Getty Images

Jüngste Handelsabkommen Chinas mit Mexiko und Kanada haben diese Märkte für chinesische Autohersteller geöffnet; in Mexiko stiegen die Verkaufszahlen chinesischer Autos im vergangenen Jahr sprunghaft, so das Council on Foreign Relations.
„Das ist für US-Autobauer sehr besorgniserregend“, sagte Nelson. „Branchenverbände schlagen bereits Alarm, was das bedeuten könnte.“
„Auf dem US-Markt sehen wir angesichts der derzeit steigenden Benzinpreise einen Rückgang der Nachfrage nach Elektrofahrzeugen, aber einen deutlichen Anstieg der Nachfrage nach Hybridantrieben, die natürlich auch elektronische und Batteriekomponenten haben“, sagte Degner.
„Wenn man Bürokratie abbaut und den Zugang zu solchen Technologien und sicherlich auch zu solchen Bodenschätzen ermöglicht, gibt es reichlich Belege dafür, dass die USA mit BYD konkurrieren könnten, wenn diese Hindernisse beseitigt würden.“
Die USA könnten beim Zugang zu wichtigen Rohstoffen mit China gleichziehen, doch Abbauverbote und andere Vorschriften hätten diese Entwicklung aufgehalten, sagte Degner.
Die japanischen Autobauer Toyota, Honda und Nissan verfolgen eine andere Strategie. Sie haben den Markt für batterieelektrische Fahrzeuge weitgehend gemieden und sich stattdessen auf Hybride sowie herkömmliche Verbrenner konzentriert.

Was westliche Hersteller ändern müssten

Der Bericht der Rhodium Group mit dem Titel „Why Are Chinese EVs So Cheap?“ (auf Deutsch etwa: „Warum sind chinesische Elektrofahrzeuge so billig?“) widerspricht der Annahme, dass chinesische Automobilhersteller effizienter sind.
Gemessen am Umsatz pro Mitarbeiter lägen sie trotz eines hohen Automatisierungsgrades „deutlich hinter ihren westlichen Konkurrenten zurück“. Bei Tesla erwirtschafte ein Mitarbeiter beispielsweise mehr als sechsmal so viel Umsatz wie bei BYD.
Die Wettbewerbsvorteile chinesischer Autobauer beruhen laut dem Bericht vielmehr auf vertikaler Integration, der Kontrolle ihrer Lieferketten, dem riesigen Binnenmarkt und großzügigen Finanzierungen durch Zulieferer.
Um ähnliche Kostenstrukturen zu erreichen, müssten westliche Hersteller laut dem Bericht ähnliche Lieferketten aufbauen, insbesondere beim Abbau, der Raffination und der Verarbeitung von Mineralien. Sie müssten die Automatisierung vorantreiben, den Personalbestand reduzieren – oder sogar Fabriken in China errichten, wo Arbeitskräfte und Energie billiger sind.
„Die Erfahrungen Europas zeigen, wie wichtig es ist, flexibel zu bleiben, während sich der Markt entwickelt“, sagte Streaty. „Die Verbreitung von Elektrofahrzeugen nimmt weiter zu, aber wir sehen auch, dass die Hersteller ihre Strategien anpassen und an einem breiteren Mix von Antrieben festhalten. Diese Flexibilität ermöglicht es den Automobilherstellern, weiterhin in die Elektrifizierung zu investieren und gleichzeitig auf die aktuellen Kaufgewohnheiten der Verbraucher einzugehen.“
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Europe Went All In on EVs. Now Its Automakers Are Losing Out.“ (deutsche Bearbeitung: ks)
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Hohe Zinsen drücken Kaufpreise in Metropolen, Mieten steigen

Stark gestiegene Kreditzinsen drücken dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge die Immobilienpreise in Metropolen, während die Mieten kräftig steigen.
Im dritten Quartal kosteten Wohnungen in den sieben größten Städten Deutschlands fast ein Prozent weniger als ein Jahr zuvor und Häuser 2,3 Prozent weniger, wie eine Studie des IW zeigt. Besonders stark fielen demnach die Preise in Stuttgart mit 3,9 Prozent, Berlin mit 2,0 Prozent und in Köln mit 1,3 Prozent.
Deutschlandweit stagnierten die Preise für Wohneigentum. „Damit liegen die Preise gut zehn Prozent unter dem Höchststand von 2022“, schrieben die IW-Immobilienökonomen Michael Voigtländer und Pekka Sagner.
Mit Inflationssorgen und steigenden Leitzinsen haben die Kreditzinsen stark zugelegt: Die durchschnittliche Verzinsung zehnjähriger Immobiliendarlehen kletterte nach Daten des Finanzierungsvermittlers Interhyp zuletzt auf rund 4,5 Prozent – der höchste Stand seit der Finanzkrise 2009.

Haushalte müssen mehr für Kredite zahlen

Den Zinsanstieg spüren Haushalte, die einen Immobilienkredit aufnehmen. Bei einer Summe von 300.000 Euro und zwei Prozent Tilgung zahlten sie Anfang des Jahres rund 1.450 Euro pro Monat, rechnet das IW vor. „Heute sind es gut 1.600 Euro – ein Plus von mehr als zehn Prozent.“
Auch Investoren mit viel Eigenkapital hielten sich zurück. Denn Staatsanleihen werfen mit Sorgen über hohe Schulden in Ländern wie Frankreich wieder mehr Rendite ab, sodass Immobilien als Investment an Attraktivität verlieren.
Grundlage der Studie sind Wohnungsinserate, die aus der Value-Marktdatenbank stammen, einem etablierten Informationssystem für die Wohnungswirtschaft. Die Daten bilden den öffentlichen Wohnungsmarkt laut IW repräsentativ ab.

„Zahlungskräftige Haushalte zurück auf dem Mietmarkt“

Anders als bei den Kaufpreisen habe der Aufwärtsdruck bei den Mieten zugenommen, analysiert das IW. Die Angebotsmieten stiegen demnach bundesweit um 4,5 und im Umland der Metropolen um 5,2 Prozent.
In den Metropolen kletterten die Mieten um 3,8 Prozent und damit unterdurchschnittlich – mit Ausnahme von Hamburg: Dort stiegen die Mieten laut IW um fast sieben Prozent.
„Hohe Zinsen treiben zahlungskräftige Haushalte zurück auf den Mietmarkt“, sagt IW-Experte Voigtländer. Das erhöhe die Nachfrage, ohne dass das Angebot wachse.
Hinzu kommen steigende Baukosten, da Bauen viel Energie verbrauche. Deshalb dürfte weniger gebaut werden, was die Mieten weiter in die Höhe treibe. „Der Staat sollte gegensteuern, etwa mit Bürgschaften für private Immobilienkredite. Das kostet wenig und stabilisiert den Markt.“ (dpa/red)
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Ifo-Institut: Europa macht zu wenig aus seiner Innovationskraft

Die Innovationskraft in Europa schlägt sich laut einer Untersuchung des Ifo-Instituts in München noch nicht genug in wirtschaftlichem Erfolg nieder.
„Wir müssen Fördermittel dorthin lenken, wo aus Forschungsergebnissen in Europa marktfähige Innovationen entstehen können“, erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest am Freitag.

US-Start-ups profitieren von EU-Forschung

Derzeit profitiere die US-Wirtschaft noch zu oft von europäischer Spitzenforschung, da deren Ergebnisse überproportional häufig in Patente von US-Start-ups einflössen.
Aktuell kommen nur etwa ein bis zwei Prozent des Budgets des Europäische Forschungsrats (ERC) der Weiterentwicklung neuer Forschungsideen zugute, wie Fuest und 50 weitere Wissenschaftler in einem Beitrag für die englischsprachige Fachzeitschrift „Science“ schreiben.
Generell seien die Fördersummen in Europa deutlich niedriger als in den USA. Demnach verfügen die EU-Programme zur Frühphasenförderung zusammen über nur rund 500 Millionen Euro. Dagegen stünden den US-Forschungsagenturen mehr als sieben Milliarden Euro zur Verfügung.

Forscher fordern gezieltere Förderung

In dem „Science“-Beitrag fordern die Wissenschaftler daher eine Umschichtung von EU-Fördergeldern. Mittel aus Programmen mit nur begrenztem Innovationspotenzial sollten eher „potenziellen Sprunginnovationen“ zugutekommen.
Außerdem sollen die Mitgliedstaaten Projekte mitfinanzieren, die EU-weit als exzellent bewertet, aus Budgetgründen aber nicht gefördert wurden. Die Autoren fordern darüber hinaus effizientere und unbürokratischere Prozesse in der Forschungsförderung. (afp/red)
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Zeitumstellung: Warum wir die dauerhafte Normalzeit brauchen


In Kürze:

  • Am Morgen des 25. Oktobers werden die Uhren im Rahmen der halbjährlichen Zeitumstellung um 3 Uhr auf 2 Uhr eine Stunde zurückgestellt.
  • Die „Sommerzeit“ wurde 1980 eingeführt, um Energie zu sparen, der tatsächliche Effekt ist bis heute umstritten.
  • Dass Sonnenstand und Uhrzeit ein halbes Jahr voneinander abweichen, hat spürbare Folgen.
  • Unsere innere Uhr orientiert sich vor allem am Licht und nicht daran, was auf dem Zifferblatt steht.
  • Für die Zeit nach der breit und lang diskutierten Abschaffung der Zeitumstellung kommt nur eine in Frage: die dauerhafte, vielfach zur „Winterzeit“ verkommenen, mitteleuropäische Normalzeit.

 
Am 25. Oktober werden die Uhren wieder zurückgestellt. Seit 1980 geht das jetzt so. Die Älteren werden sich noch erinnern: das war unter der Regierung von Helmut Schmidt. Wer jünger als 50 ist, kann sich daran schon nicht mehr erinnern, dass wir mal nur eine Uhrzeit hatten – und das war die Normalzeit, die wir ab dem 25.10. wieder haben.
Dann wird es um drei Uhr wieder zwei Uhr. Eine Stunde mehr Schlaf heißt es dann. Schön wär’s. Wer gewöhnlich um sechs Uhr aufwacht, kann nach der Umstellung bereits um fünf Uhr hellwach sein. Auf dem Wecker mag eine andere Uhrzeit stehen, aber verstanden hat ihr Körper das dann noch nicht.
Seit vielen Jahren setze ich mich dafür ein, diesen Irrsinn zu beenden und dauerhaft bei der mitteleuropäischen Normalzeit (MEZ) zu bleiben. Umgangssprachlich wird daraus oftmals die „Winterzeit“. Auch ARD und ZDF verwenden diesen Begriff, obwohl es sich um die MEZ handelt.
Für mich hat das Züge von Neusprech im Sinne George Orwells. Bereits die Wortwahl lenkt die Vorstellung: Wer will schon dauerhaft Winter? Das klingt nach Dunkelheit, Kälte und Verzicht. „Sommerzeit“ dagegen nach Grillabend und Lebensfreude.

Die Sonne lässt sich nicht umstellen

Das beliebteste Argument der Befürworter: „Ich möchte, dass es abends länger hell ist“. Was dabei übersehen wird: Die Sonne scheint durch das Verstellen der Uhr keine Minute länger. Wir verschieben nur unseren Tagesablauf gegenüber dem Sonnenstand.
Unsere innere Uhr orientiert sich vor allem am Licht und nicht daran, was auf dem Zifferblatt steht. Morgendliches Licht hilft dieser, sich auf den Tag einzustellen. Helligkeit am Abend kann jedoch dafür sorgen, dass wir später müde werden. Hinzu kommen die warmen Sommerabende, an denen man gerne länger draußen sitzt.
Durch die vorgestellte Uhr bleibt es scheinbar noch länger warm. Zusätzliche Wärme erzeugt die Zeitumstellung natürlich ebenso wenig wie zusätzliches Sonnenlicht. Gehen wir später ins Bett (während der Wecker weiterhin früh klingelt), wird die Schlafzeit kürzer. So können sich über die Tage unter der Woche Schlafdefizite aufbauen. Und was Schlafmangel bedeutet sollte eigentlich mittlerweile klar sein.
Für unsere Kinder und Jugendlichen ist es noch schlimmer. Während der Sommerzeit (MESZ) entspricht sieben Uhr morgens erst sechs Uhr Normalzeit. Der Schulbeginn wird gegenüber dem Sonnenstand also um eine Stunde vorgezogen. Dabei wäre gerade für Jugendliche das Gegenteil sinnvoll. In der Pubertät verschiebt sich der natürliche Schlafrhythmus nach hinten. Sie werden später müde und brauchen morgens länger, um wach zu werden. Das ist Biologie.
Untersuchungen zeigen seit Jahren, dass ein späterer Schulbeginn Jugendlichen mehr Schlaf ermöglichen und ihre Tagesmüdigkeit verringern kann. Wir erklären Bildung zu unserem wichtigsten Kapital in Deutschland und organisieren den Unterricht gegen deren biologischen Rhythmus. Mit der Sommerzeit verschärfen wir dieses Problem zusätzlich. Das muss man erst einmal fertigbringen.

Normalzeit ist keine Winterstrafe

Die Herbstumstellung fällt vielen leichter als das Vorstellen der Uhr im Frühjahr. Für die Frühjahrsumstellung sind auch gesundheitliche Risiken, etwa mehr Herzinfarkte in zeitlicher Nähe zum Wechsel, besser dokumentiert.
Trotzdem bleibt der wiederkehrende Eingriff völlig unnötig. Die amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin spricht sich ausdrücklich für eine dauerhafte Normalzeit aus. Sie passt besser zur menschlichen Tagesrhythmik.
Wer lediglich den Wechsel abschaffen und dafür die dauerhaft falsche Zeit (MESZ) festschreiben möchte, übersieht den entscheidenden Punkt, denn dann würde uns die vorgezogene Uhrzeit auch durch den Winter begleiten. Wo die Sonne im Dezember nach Normalzeit ungefähr um 8:30 Uhr aufgeht, erschiene sie bei dauerhafter MESZ erst um 9:30 Uhr.

Was jetzt beim Umgewöhnen hilft

Wer empfindlich auf die Herbstumstellung reagiert, kann Schlafenszeit und Aufstehen schon an den Tagen davor schrittweise um jeweils zehn bis fünfzehn Minuten nach hinten verschieben. Auch Mahlzeiten lassen sich etwas später legen. Nach dem Wechsel hilft ein regelmäßiger Tagesablauf. Der Versuch, die gewonnene Stunde unbedingt schlafend auszunutzen, erzeugt dagegen bei manchen Menschen zusätzlichen Druck.
Und wer ohnehin früh müde und früh wach wird, sollte nicht schon am frühen Abend auf dem Sofa einschlafen. Ein Spaziergang am späteren Nachmittag kann helfen, wach zu bleiben. Tageslicht und Bewegung gehören überhaupt zu den einfachsten Maßnahmen für einen stabilen Rhythmus. Den ganzen Tag im Halbdunkel sitzen und abends unter voller Beleuchtung auf den Bildschirm schauen? Genau das gibt dem Körper ziemlich widersprüchliche Anweisungen.
Für den gewöhnlichen Alltag empfehle ich Tageslicht am Morgen – sobald es verfügbar ist – und Bewegung im Freien. Abends darf die Wohnung dann allmählich dunkler werden. Bildschirmhelligkeit reduzieren, Blaulichtfilter am PC, Handy, etc. aktivieren und grelles Deckenlicht ausschalten.

Gedimmtes Licht und analoge Tätigkeiten am Abend helfen dem Körper herunterzufahren und sich auf den Schlaf vorzubereiten.

Foto: Pressmaster/iStock

Lange im Bett heißt noch nicht „gut geschlafen“

Mit zunehmendem Alter wird der Schlaf häufig leichter und störanfälliger. Kurzes Erwachen gehört dennoch zu einer normalen Nacht. Wer sich morgens an zwei Wachmomente erinnert, hat deshalb noch keine behandlungsbedürftige Schlafstörung.
Der Schlaf verläuft sowieso in wechselnden Stadien. In der ersten Nachthälfte liegt meist mehr Tiefschlaf, gegen Morgen werden die REM-Phasen länger, in denen lebhafte Träume besonders häufig sind. Es kommt deshalb auch darauf an, wie ungestört diese Abläufe stattfinden.
Und bitte verwechseln Sie Erschöpfung nicht mit Schläfrigkeit. Wer nach einem belastenden Tag völlig erledigt ist, kann trotzdem innerlich auf Hochtouren laufen. Sich dann vorsorglich zwei Stunden früher ins Bett zu legen, verlängert womöglich nur die Wachzeit auf dem Kissen. Entscheidend ist, ob ihre innere Uhr bereits auf Schlaf eingestellt ist.
Ein Klassiker aus der Praxis lautet: „Mit einem Glas Wein schlafe ich besser“. Häufig bedeutet das lediglich: Ich werde schneller schläfrig. Alkohol verändert jedoch die Schlafarchitektur, kann den späteren Schlaf unruhiger machen und Schnarchen sowie Atemaussetzer verstärken. Eine systematische Auswertung von 27 Studien fand Beeinträchtigungen des REM-Schlafs bereits bei niedrigen Alkoholmengen. Der Schlummertrunk hat also wie auch die Sommerzeit eine ziemlich geschickte Werbeabteilung.
Mein Vorschlag: Zwei Wochen keinen Alkohol am Abend und beobachten, wie erholt Sie morgens sind. Bei Einschlafproblemen lohnt außerdem ein Versuch ohne Koffein nach dem Mittagessen. Auch ein langer Sofaschlaf am späten Nachmittag kann die Nacht verkürzen. Dieser baut bereits einen Teil des Schlafdrucks ab, den wir abends brauchen.
Ausschlafen ist gut fürs Herz

Erwachsene sollten in der Regel 7 bis 9 Stunden schlafen.

Foto: oatawa/iStock

Melatonin stellt keine Uhr auf Knopfdruck

Beim Thema Schlaf wird inzwischen schnell nach Melatonin gefragt. Dieses körpereigene Hormon signalisiert die biologische Nacht. Helles Licht am Abend kann dessen Ausschüttung unterdrücken. Bevor ich über eine Einnahme nachdenken würde, frage ich eher nach der „Beleuchtung“ des Alltags, sprich Innenraum, Aufenthalt im Freien, usw.
Melatonin kann manchen Menschen beim Einschlafen helfen. Bei verschobenen Schlafrhythmen hängt seine Wirkung besonders vom Einnahmezeitpunkt ab. Mehr Milligramm bedeuten außerdem keineswegs zuverlässig mehr Erholung. Benommenheit am Morgen ist möglich – bei empfindlichen Menschen auch bei unter drei Milligramm. Deshalb würde ich eher mit einer niedrigen Dosis beginnen und zunächst prüfen, ob Melatonin zum jeweiligen Schlafproblem passt. Wer nach der Herbstumstellung ohnehin zu früh einschläft und zu früh aufwacht, sollte es nicht einfach möglichst früh am Abend nehmen. Das kann den Rhythmus weiter in die unerwünschte Richtung verschieben.

Mit dem zirkadianen Rhythmus sollen wiederkehrende körperliche Tätigkeiten wie Schlaf und Nahrungsaufnahme relativ konstant bleiben.

Foto: ger/Epoch Times; nach Pikovit44/iStock

Wenn nachts das Gedankenkarussell beginnt

„Noch vier Stunden bis zum Wecker.“ Später: „Jetzt nur noch drei.“ Wer nachts so rechnet, macht sich zusätzlichen Stress. Schlaf lässt sich sowieso nicht erzwingen, also drehen Sie die Uhr weg. Werden Sie zunehmend unruhig, stehen Sie vorübergehend auf, lesen bei gedämpftem Licht etwas Ruhiges und gehen zurück, sobald Sie schläfrig werden. Unerledigte Aufgaben lassen sich schon abends aufschreiben. Ich schätze außerdem das autogene Training nach Professor Schultz. Es braucht natürlich Übung und einen Lehrer, der es einem beibringt.
Lautes Schnarchen mit Atemaussetzern, ausgeprägte Tagesmüdigkeit, Schmerzen oder ständiger nächtlicher Harndrang verlangen dagegen eine Untersuchung. Bei anhaltender Schlaflosigkeit ist eine speziell darauf abgestimmte kognitive Verhaltenstherapie eine wirksame Behandlung. Sie geht über allgemeine Schlaftipps hinaus und hilft unter anderem, die Verbindung zwischen Bett, Grübeln und angestrengtem Einschlafen zu lösen.
Hilfreich kann zuvor ein einfaches Schlaftagebuch sein: morgens Schlafenszeit, längere Wachphasen und das Befinden am Tag grob notieren. Dazu Kaffee, Alkohol und Nickerchen festhalten. Keine nächtliche Buchführung, keine Jagd nach perfekten Messwerten. Nach zwei Wochen werden manche Zusammenhänge deutlicher.

Fazit

Guter Schlaf beginnt lange vor dem Zubettgehen. Mit dem Licht, dem Tagesablauf und der Frage, was uns wach hält. Die Politik könnte wenigstens mal aufhören, uns zweimal jährlich dazwischenzufunken und uns endlich die Normalzeit wiedergeben. Und wer es Abends länger hell möchte, darf seine Uhrzeit gerne alleine umstellen und nicht alle Bürger dazu verdammen das falsche Zeitsignal dauerhaft erdulden zu müssen.