Während einer Demonstration kletterten einige Teilnehmer auf eine Bushaltestelle an der Porte de Charenton am 31. Oktober 2026 in Paris, Frankreich. - Foto: Quentin de Groeve/Hans Lucas/AFP via Getty Images
Bei Ausschreitungen am Rande landesweiter Massenproteste in Frankreich sind am Samstag 565 Menschen festgenommen worden. Dies teilte das französische Innenministerium am Abend mit.
In Paris wurden zudem fünf Sicherheitskräfte verletzt, darunter drei durch Molotowcocktails, wie die Polizeipräfektur mitteilte. Bei einem der Angriffe geriet die Uniform eines Gendarmen durch einen Molotowcocktail in Brand.
Innenminister Laurent Nuñez sprach mit Blick auf diesen Angriff von einem „versuchten Mord“. Der Gendarm sei glücklicherweise nur leicht verletzt worden.
Nuñez warf linksextremistischen Gruppen eine „ungeheuerliche Gewalt“ gegen Sicherheitskräfte vor. Die Demonstrationszüge selbst seien dagegen weitgehend friedlich verlaufen.
Nach dem Ende eines Protestmarschs in Paris kam es zu heftigen Zusammenstößen. Vermummte lösten nach Beobachtungen von AFP-Journalisten mit Hämmern Pflastersteine aus dem Boden und bewarfen damit die Polizei. Diese setzte Tränengas ein und ging mit Schlagstöcken vor. Die Polizeipräfektur sprach von mehreren hundert Randalierern.
In Marseille kam es nach einem nicht genehmigten Protestzug mit rund 10.000 Teilnehmern ebenfalls zu Zusammenstößen. Bürgermeister Benoît Payan rief die Bevölkerung auf, sich in Sicherheit zu bringen und die Arbeit der Einsatzkräfte zu erleichtern.
In Lyon wurden Polizisten mit Gegenständen beworfen, in Toulouse setzte die Polizei Wasserwerfer gegen eine nicht genehmigte Kundgebung ein.
Am Ende von Demonstrationen wurden teils Feuerwerkskörper gezündet.
Foto: Teresa Suarez/AP/dpa
Im Großraum Paris beruhigte sich die Lage nach Angaben der Polizeipräfektur bis zum Abend. Für die Viertel République und Châtelet-Les Halles war nachts eine Ausgangssperre vorgesehen. Landesweit waren 70.000 Sicherheitskräfte im Einsatz. Nach Angaben von Nuñez wurden bereits im Vorfeld rund 40.000 Kontrollen vorgenommen.
In Frankreich waren am dritten Samstag in Folge hunderttausende Menschen gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem auf die Straße gegangen.
Nach Behördenangaben beteiligten sich landesweit 320.000 Menschen, davon 70.000 in Paris. Schüler- und Studentenorganisationen sprachen von knapp einer halben Million Teilnehmern.
Weitere Schul- und Hochschulblockaden angekündigt
Bereits am 17. Oktober war es bei den Protesten zu schweren Ausschreitungen und Plünderungen gekommen.
Die Bewegung, an der sich auch Gewerkschaften und ehemalige Aktivisten der Gelbwesten-Bewegung beteiligen, fordert inzwischen zudem mehr Schutz für das Demonstrationsrecht.
Für die kommende Woche kündigten Studentenvertreter Schul- und Hochschulblockaden an. Am Donnerstag ist ein weiterer gewerkschaftlicher Protesttag geplant.(afp/red)
Randalierer treten die Schaufensterscheibe eines Waffengeschäfts in Frankfurt am Main ein und entwenden Waffen. - Foto: Andreas Arnold/dpa
Nach den abendlichen Krawallen in Frankfurt am Main hat sich die Lage in der Nacht zum Sonntag entspannt. Die Polizei bleibe mit starken Kräften präsent, sagte ein Sprecher.
Im Anschluss an eine Demonstration hatten Randalierer in der Innenstadt der Mainmetropole Polizisten angegriffen und Geschäfte geplündert. Es gab Verletzte, die Polizei nahm mehr als 30 Menschen vorläufig fest. Das Spezialeinsatzkommando (SEK) war im Einsatz. Nachdem die Polizei ein Gebiet in der Innenstadt abgesperrt hatte, beruhigte sich die Lage bis zum frühen Sonntagmorgen.
Nach zunächst weitgehend friedlichen Demonstrationen Zehntausender junger Menschen war es am Samstagabend vor allem in Frankfurt und Köln zu gewalttätigen Szenen und Ausschreitungen gekommen. In Berlin gab es Flaschen- und Böllerwürfe. In einigen Städten setzte die Polizei Wasserwerfer ein.
Ein Feuer brennt bei Ausschreitungen in der Innenstadt von Frankfurt am Main.
Foto: Andreas Arnold/dpa
Diebstahl im Waffenladen
In Frankfurt waren schockierende Szenen am Samstagabend zu beobachten, rohe Gewalt und Plünderungen. Als die Scheibe eines Geschäftes durchbrochen ist, dringen mehrere der dunkel gekleideten und teils vermummten Männer in den Laden ein. Sie nehmen sich Turnschuhe und andere Dinge, die sie auf die Schnelle greifen können, dann verschwinden sie schnell wieder in der Dunkelheit. Auch in einem Waffenladen greifen sie zu – die Polizei stellt später zwei Waffen sicher.
An anderer Stelle in der Frankfurter Innenstadt liegen Absperrgitter für Baustellen auf der Straße, Randalierer zünden Müll an, Böller fliegen gegen einen Wasserwerfer der Polizei.
Auch ein Verkehrsschild wird genutzt.
Foto: Boris Roessler/dpa
Reporter des Hessischen Rundfunks (hr) berichteten von fliegenden Böllern, Feuerwerksraketen und Flaschen sowie umgeworfenen Barrikaden. Wasserwerfer, gepanzerte Polizeifahrzeuge, ein Hubschrauber und Drohnen kamen dem Sender zufolge zum Einsatz.
Demnach handelte es sich bei vielen Randalierern um Jugendliche, die die Auseinandersetzung mit der Polizei suchten. Wie der hr weiter berichtete, war unklar, welche Gruppen sich an den Ausschreitungen beteiligten.
Die Initiative „Gen Z regelt“ hatte zu friedlichen Protesten in mehr als 30 Städten aufgerufen. Sie fordert unter anderem mehr Geld für Schulen, soziale Gerechtigkeit, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten und mehr Klimaschutz.
Landesregierung kündigt harte Konsequenzen an
„Ich bin schockiert von den Gewaltexzessen in Frankfurt, die nicht ohne Konsequenzen bleiben werden“, sagte Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU).
„Wer sich so verhält wie die Angreifer in der Frankfurter Innenstadt, stellt sich außerhalb unserer Gesellschaft. Wir werden Aggressoren, Tätergruppen und Hergang genau bewerten und unsere Schlüsse ziehen.“
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) kündigte ein hartes Vorgehen gegen die Randalierer an.
„Hier hat sich eine verheerende Verbindung von Linksextremisten und gewalttätigen jungen Menschen entladen.“
Es gebe ein enormes Aggressionspotential der Randalierer. Für ihn sei klar, dass es so nicht weitergehen könne. „Wir brauchen ein frühzeitiges und hartes Durchgreifen gegen diejenigen, die unsere Regeln missachten und unsere gesamte Gesellschaft angreifen.“
Spuren der Frankfurter Chaosnacht.
Foto: Andreas Arnold/dpa
Auch CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann kritisierte die Krawalle nach den Demonstrationen. Sie sagte dpa, es stimme traurig, dass friedlicher Protest teilweise kaum mehr möglich sei.
„Ein wirklich inhaltliches Ziel der Demonstrationen blieb bis zuletzt fraglich – für einige war das der perfekte Deckmantel für Gewalt und Ausschreitungen, die sicher die Mehrheit der Teilnehmer ablehnten. Diese zerstörerische Wut gegen das Land, in dem man lebt, ist mir unerklärlich.“
Ein Sprecher der Initiative „Gen Z regelt“ sagte: „Was nach dem Ende der Kundgebungen passiert ist, darauf hatten wir keinen Einfluss.“
Die Initiative veröffentlichte am Samstagabend auf Instagram eine Stellungnahme, worin sie sich von „jeglicher Form der Gewalt sowie von gewalttätigen Handlungen anderer Gruppen oder Einzelpersonen“ distanziert, die nicht Teil der Demonstrationen waren.
„Wir stehen für friedlichen Protest, demokratische Werte und das Recht, unsere Meinung frei zu äußern. Gewalt war und ist niemals Teil unserer Bewegung.“
Zuvor hatten bundesweit Zehntausende junge Leute ohne größere Zwischenfälle demonstriert.
Foto: Pia Bayer/dpa
Kurz vor 20:00 Uhr nannte der Sprecher vom Presseteam der Initiative „Gen Z regelt“ eine Teilnehmerzahl von mehr als 100.000, die Zahlen von sechs bis acht Städten würden noch fehlen. Bundesweite Zahlen der Polizei lagen zunächst nicht vor.
Nächster Protest geplant
In drei Wochen will die Initiative wieder bundesweit Menschenmassen mobilisieren. Sie bezeichnete die Demonstrationen am Samstag nur als ersten Schritt.
„Wir wollen uns an den europaweiten Protesten am 20. November beteiligen“, sagte der Sprecher des Presseteams, der öffentlich nur unter seinem Vornamen Amadeo auftreten will, dpa.
Für jenen Tag hat ein breites Bündnis zur Teilnahme an einem Internationalen Jugendstreiktag aufgerufen, darunter die Bundesschülerkonferenz, die sich zuvor von den „Gen Z regelt“-Protesten distanziert hatte.
Ihre Begründung: „Unklare“ Organisationsstrukturen der Bewegung: „Man weiß nicht so genau, wer dahintersteht“, hatte Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, vor den Protesten am Reformationstag gesagt. (dpa/afp/red)
Die Deutsche Bahn verlängert verschiedene Ticket-Angebote für kurzfristig Reisende und Jugendliche. (Archivbild) - Foto: Jan Woitas/dpa
HEUTE6:18 Uhr
Warnstreiks der IG Metall kurz nach Mitternacht angelaufen
Unmittelbar nach Ablauf der Friedenspflicht hat die IG Metall Warnstreiks begonnen, darunter beim Weißblechhersteller Thyssenkrupp Rasselstein in Andernach (Rheinland-Pfalz) und beim Mobilfunkzulieferer RF 360 Europe/Qualcomm in München. Kommende Woche sollen bundesweit Streiks stattfinden, betroffen sind rund 3,7 Millionen Beschäftigte im Autobau, Maschinenbau, Elektronik und Metallerzeugung. Die Gewerkschaft fordert 5 Prozent mehr Lohn.
In Andernach in Rheinland-Pfalz versammelten sich etwa 300 Beschäftigte beim Weißblechhersteller Thyssenkrupp Rasselstein vor dem Werkstor.
Foto: Thomas Frey/dpa
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HEUTE6:07 Uhr
Bahn verlängert Last-Minute-Tickets und Jugend-Bahncard
Die Deutsche Bahn verlängert ihre „Last-Minute“-Ticketaktion für ein weiteres Jahr bis Mitte Dezember 2027. Die Fahrkarten sind seit Mai dieses Jahres erhältlich. Sie können am Wochenende für Fahrten in der jeweils nächsten Woche gekauft werden und sind ab 6,99 Euro erhältlich. Bahncard-Rabatte werden angerechnet. Ebenfalls verlängert wird die kostenlose Jugend-Bahncard für junge Menschen zwischen 6 und 18 Jahren.
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HEUTE6:00 Uhr
Polizei: Metallnadeln und Magnete bei Halloween-Süßigkeiten entdeckt
In Thüringen und Rheinland-Pfalz sind nach Polizeiangaben in der Halloween-Nacht gefährliche Fremdkörper an und in Süßigkeiten entdeckt worden, die Kinder gesammelt hatten. In Wintzingerode fanden Kinder Metallnadeln in mehreren Süßwaren, im rheinland-pfälzischen Appenheim entdeckte ein Neunjähriger zwei kleine Magnete an einem Kaubonbon, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Die Polizei ermittelt, verletzt wurde niemand. Sie rät zur Kontrolle der Süßigkeiten.
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HEUTE5:42 Uhr
FBI macht Nordkorea für Milliarden-Hack bei Krypto-Börse Binance verantwortlich
Der wohl größte Diebstahl von Kryptowährungen der Geschichte geht laut FBI auf das Konto Nordkoreas. Die Hackergruppe TraderTraitor hätte bei einem Angriff auf die weltgrößte Kryptobörse Binance rund 6,3 Milliarden US-Dollar (5,6 Milliarden Euro) erbeutet. Ermittler veröffentlichten rund 500 Adressen im Ethereum-Netzwerk, die zur Verschleierung genutzt werden sollen; Binance meldet, 90 Prozent der gestohlenen Werte ersetzt zu haben. TraderTraitor wird dem Hackernetzwerk Lazarus zugerechnet, das mit nordkoreanischen Geheimdiensten in Verbindung gebracht wird.