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Kann Alzheimer im Frühstadium rückgängig gemacht werden? Ein Neurologe gibt Tipps


In Kürze:

  • Alzheimer ist eine vielschichtige Erkrankung, die zurzeit als unheilbar gilt.
  • Der Neurologe Dr. Dale Bredesen ist der Ansicht, dass die Erkrankung im Frühstadium umkehrbar ist.
  • Mithilfe seiner Methode, des ReCODE-Ansatzes, konnte er die Alzheimer-Symptome bei Patienten signifikant verbessern.
  • In der Präzisionsmedizin wird die Behandlung für jede Person maßgeschneidert und umfasst vor allem Veränderungen des Lebensstils.

 
Viele Menschen glauben, dass die Alzheimer-Krankheit lediglich eine Frage schlechter Gene, von Pech oder eine unvermeidliche Folge des Alterns ist – und dass man kaum etwas tun kann, sobald der Verfall einmal eingesetzt hat. Diese Ansicht sei überholt, meinte Dr. Dale Bredesen, ein Neurologe mit dem Spezialgebiet neurodegenerative Erkrankungen.
„Ich wünschte, mehr Menschen würden verstehen, dass die Alzheimer-Krankheit weitaus häufiger auftritt, als es sein müsste“, sagte Bredesen zu Epoch Times. Er ist der Ansicht, dass Präzisionsmedizin der richtige Ansatz zur Behandlung der Erkrankung sei.

Eine vielschichtige Erkrankung

Bredesen beschrieb einen biologischen Schalter. Dieser schalte das Gehirn von einem sogenannten „Verbindungsmodus“ zu einem „Schutzmodus“ und zurück.
Befindet sich das Gehirn im Verbindungsmodus, könne es lernen, sich anpassen und Erinnerungen bilden, so der Neurologe. Alzheimer entwickle sich, wenn das Gehirn in den Schutzmodus wechselt – ein Wechsel, der durch viele verschiedene Faktoren ausgelöst werden kann. Dazu gehören unter anderem:
  • Insulinresistenz,
  • Schlafapnoe,
  • schlechte Energieproduktion,
  • Bewegungsmangel,
  • chronische Entzündungen,
  • Infektionen,
  • die Belastung durch Giftstoffe wie Luftverschmutzung, Schwermetalle und Mikroplastik.
Bei einer Behandlung verändere man mit seiner Methode mehrere Dinge, damit sie zusammenwirken, so Bredesen weiter. Auf diese Weise bleibe der Körper nicht länger im Schutzmodus und könne in den Verbindungsmodus zurückkehren.
„Ein Grund, warum die Behandlung der Alzheimer-Krankheit bisher nicht besonders erfolgreich war, ist, dass wir Alzheimer in der Vergangenheit zu eng gefasst und zu spät angegangen sind“, so die Einschätzung von Dr. Margarita Mikhaylova, Fachärztin für Neurologie und funktionelle Medizin, gegenüber Epoch Times. 
Der Fokus müsse sich über Eiweißablagerungen hinaus auf eine Vielzahl von Faktoren verlagern, von Insulinresistenz bis hin zu Nährstoffmangel, fügte sie hinzu. „Das sind keine Fragen der Alternativmedizin, sondern gängige Risikofaktoren für Demenz.“

Personalisierte Behandlung von Alzheimer

Die wachsende Erkenntnis, dass Alzheimer eine multifaktorielle Erkrankung ist, führte zu einem personalisierten Behandlungsansatz. Ärzte berücksichtigen die Faktoren, die die Gehirngesundheit einer Person beeinträchtigen könnten und stellen dann einen Plan zusammen, der auf die individuellen Bedürfnisse der Person zugeschnitten ist.
In einer Studie nutzten Forscher einen personalisierten Ansatz bei Menschen mit Alzheimer-Krankheit oder leichter kognitiver Beeinträchtigung. Die Teilnehmer erhielten dabei einen maßgeschneiderten Behandlungsplan. Dieser umfasste Änderungen in den Bereichen Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stressbewältigung, Nahrungsergänzungsmittel und in einigen Fällen auch Medikamente. 
Bei den meisten Teilnehmern verbesserten sich im Verlauf der Studie die kognitiven Funktionen oder blieben auf dem gleichen Niveau ohne weitere Verschlechterungen. Zudem gab es Verbesserungen bei mehreren Alzheimer-bezogenen Risikofaktoren.

Bredesen und die Ergebnisse seiner Studien

Auch Bredesen ist der Ansicht, dass Alzheimer einen personalisierten Ansatz zur Behandlung erfordert. Zu diesem Zweck entwickelte er seine eigene maßgeschneiderte Methode, den ReCODE-Ansatz (Reversal of Cognitive Decline, „Kognitiven Verfall umkehren“).
In Versuchen aus dem Jahr 2022, die im „Journal of Alzheimer’s Disease“ erschienen, testete er seinen Präzisionsmedizin-Ansatz in einer klinischen Untersuchung an 25 Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder Demenz. In seiner jüngsten randomisierten Kontrollstudie, die derzeit noch auf die Begutachtung durch Fachkollegen wartet, verglich er den ReCODE-Ansatz mit der Standardbehandlung bei 73 Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder früher Demenz.
Die Teilnehmer, die einen personalisierten Plan befolgten, zeigten laut den Studienautoren signifikante Verbesserungen der allgemeinen kognitiven Funktion, des Gedächtnisses und des Schweregrads der Alzheimer-Symptome. Auch verbesserten sich ihr Blutdruck, Body-Mass-Index, Blutzucker, Gesamtcholesterin und andere Marker.
Mit diesen Untersuchungen verbesserte Bredesen einige Punkte in der Studiendurchführung, die an älteren Veröffentlichungen von anderen Forschern kritisiert wurden. Zu den Verbesserungen zählen die Verwendung standardisierter kognitiver Tests, MRT-Bilder und genauere Dokumentation.
Andere Bedenken konnten nicht gelöst werden. Dazu zählt beispielsweise, dass es keine Kontrollgruppe gibt und bei dem umfassenden Ansatz der Präzisionstherapie keine Verblindung möglich war.
Da es keine Kontrollgruppe gibt und die Behandlung für jede Person individuell angepasst wurde, kann die Studie nur individuell vergleichen, wie es den gleichen Patienten vor und nach der Behandlung ging. Allgemeine Vergleiche mit einer Placebogruppe, wie es in vielen klinischen Studien üblich ist, können auf diese Weise nicht gezogen werden.
Mikhaylova zufolge ist die Präzisionsmedizin bei der Alzheimer-Krankheit ein Gebiet, das aufstrebend, aber noch in der Entwicklung ist. Bredesens Arbeit biete einen wichtigen Wandel im Verständnis der Krankheit und stelle die Vorstellung in Frage, dass Alzheimer eine Erkrankung mit einem einzigen Krankheitsweg sei.
„Ein mehrdimensionaler Ansatz, der Lebensstil und Stoffwechsel umfasst, kann höchstwahrscheinlich in einem früheren Stadium des Krankheitsverlaufs helfen, wenn noch genügend neuronale Netzwerkfunktionen vorhanden sind, die erhalten oder verbessert werden können“, sagte sie. 
„Bei fortgeschrittener Demenz können wir zwar immer noch die Lebensqualität, den Schlaf, die Gewohnheiten und die Belastung der Pflegepersonen verbessern, sollten aber bei der Erwartung einer kognitiven Umkehrung wesentlich vorsichtiger sein.“

Was ist der ReCODE-Ansatz?

Das Ziel des Ansatzes besteht darin, so viele potenzielle Faktoren für den kognitiven Verfall wie möglich zu ermitteln und diese dann anzugehen. Es ist anspruchsvoll – Bredesen empfiehlt, es als Teilzeitjob zu betrachten –, etwa zwei Stunden pro Tag.

Ernährung

Im Mittelpunkt steht die Ernährung, die pflanzenreich, leicht ketogen und ballaststoffreich sein sollte. Vermieden werden sollten verarbeitete und glutenhaltige Lebensmittel, raffinierte Kohlenhydrate, künstliche Süßstoffe, Milchprodukte und Alkohol. 
Die Betroffenen werden dazu angehalten, über Nacht 12 bis 16 Stunden zu fasten. Dieser Ansatz unterstützt die Darmgesundheit, die Insulinsensitivität, die Stoffwechselflexibilität und die Ketonproduktion.
„Um zu funktionieren, benötigt das Gehirn viel Energie“, so Bredesen. Es könne Glukose oder Ketone verwerten, doch viele Menschen könnten nicht auf diese zugreifen, da sie insulinresistent seien. Ihre Körper würden laut Bredesens Einschätzung Glukose nicht effizient nutzen; und der erhöhte Insulinspiegel hindere die Leber daran, Ketone zu bilden.
Wie jeder andere Aspekt des ReCODE-Ansatzes müsse auch die Ernährung individuell angepasst werden, so Bredesen. Ihm zufolge können Fasten und Ketose für übergewichtige Menschen einfacher sein, da ihr Körper auf Fettreserven zurückgreifen kann, um Ketone zu bilden. Für gebrechliche Menschen sei derselbe Ansatz jedoch möglicherweise nicht geeignet.

Sport

Bewegung ist eine weitere zentrale Komponente. Der Ansatz umfasst Ausdauertraining, Krafttraining, Gleichgewichtsübungen und Dehnübungen für mindestens 45 Minuten pro Tag an sechs Tagen pro Woche.
Jede Art von Bewegung wirkt sich auf unterschiedliche Weise positiv auf das Gehirn aus. Aerobes Training verbessert die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung, während Krafttraining die Insulinsensitivität erhöht. Zweimal pro Woche wird hochintensives Intervalltraining empfohlen.

Schlaf, Stress und Hormone

Der Neurologe empfiehlt 7 bis 8 Stunden guten Schlaf, mit ausreichend REM-Schlaf und Tiefschlaf.
Was den Hormonspiegel und Nährstoffstatus betrifft, so sollen diese untersucht und bei Bedarf verbessert werden. Unter anderem die Vitamine D und B, Mineralstoffe, Omega-3-Fettsäuren, die Schilddrüsenfunktion und die Sexualhormone.
Auch Stressbewältigung durch Biofeedback, also das bewusste Wahrnehmen der körperlichen Prozesse, ist Teil des Programms, genauso wie das Training der Herzratenvariabilität. Das ist ein Indikator, der angibt, wie sich das Herz an körperliche und mentale Anforderungen anpasst.
Erst wenn das Gehirn besser versorgt ist, stimuliert man es. „Das Letzte, was man tun sollte, ist, mit Gewichten zu trainieren, wenn man unterernährt ist. Das Gleiche gilt für das Gehirn“, erklärte Bredesen.

Ein Schwachpunkt des Ansatzes

Der Ansatz von Bredesen braucht viel Zeit, deshalb gibt es Fragen zur praktischen Umsetzbarkeit.
Der Ansatz sei „hinsichtlich des Trainingsaufwands so intensiv, dass sich nur sehr wenige Menschen die damit verbundene Zeit oder die Kosten leisten können“. Das meinte Paul Ehren, Fachmann für funktionelle Ernährung und Master Personal Trainer, zu Epoch Times.
Bredesen räumt dies ein. Man müsse nicht alles perfekt machen, sagte er dazu. „Es gibt eine Schwelle, die bei jedem Menschen anders liegt. Das zu tun, was man kann, und sich kontinuierlich zu verbessern, führt in der Regel zu guten Ergebnissen.“
Derzeit gibt es keine anerkannte Heilung für Alzheimer. Laut Bredesens Einschätzung befindet sich die Alzheimerforschung jedoch gerade an einem Wendepunkt.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „How a Neurologist Uses Precision Lifestyle Medicine to Reverse Early Alzheimer’s“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Warum der Blutzucker mehr steuert als nur Diabetes


In Kürze:

  • Der Blutzucker ist mehr als ein weiterer Wert, den „man halt beobachten muss“ – aber auch nicht allsagend.
  • Er beeinflusst unter anderem Gefäße, Nerven, Augen, Nieren, Leber, Gehirn, Haut, Muskelmasse und den Energiehaushalt.
  • Müdigkeit nach dem Essen, Konzentrationstiefs, unruhiger Schlaf und das Gefühl, ständig etwas essen zu müssen, können erste Hinweise liefern.
  • Nüchternblutzuckerwerte zwischen 100 und 125 mg/dl gelten bereits als auffällig. Wer wissen möchte, wo er steht, sollte auch andere Werte beachten.
  • Der erste Hebel liegt nicht im Verzicht, sondern in Kombination und Reihenfolge. Das wussten schon unsere Ahnen.

 
Ich erschrecke in der Praxis immer wieder, wie gelassen viele Menschen mit ihrem Blutzucker umgehen. Selbst manche Diabetiker nehmen erhöhte Werte eher hin wie schlechtes Wetter: nicht schön, aber offenbar auch nicht weiter zu ändern.
Beim Cholesterin ist das jedoch ganz anders. Da werden Zahlen diskutiert, Grenzwerte verglichen und Beipackzettel der Medikamente gelesen. Der Blutzucker hingegen läuft bei vielen unter „Muss man halt beobachten“.
Aus meiner Sicht ist das ein gefährlicher Irrtum. Ein dauerhaft gestörter Zuckerstoffwechsel ist kein harmloses Laborproblem. Er wirkt auf Gefäße, Nerven, Augen, Nieren, Leber, Gehirn, Haut, Muskelmasse und den Energiehaushalt.
Er entscheidet mit darüber, ob jemand nach dem Essen wach bleibt oder in ein Loch fällt oder ob der Heißhunger den Abend regiert. Oder ob Bauchfett wächst, oder die Leber verfettet, oder ob der Körper „entzündlicher“ wird.

Stark verarbeitete und süße Lebensmittel, aber auch Obst lassen die Blutzuckerwerte steigen. Deshalb sind Reihenfolge, Menge und Essenszeiten wichtig.

Foto: Julia_Sudnitskaya/iStock

Und es geht nicht (nur) um Diabetes. Sehr lange bevor diese Diagnose auf dem Papier steht, kann der Blutzucker den Alltag bereits prägen: Müdigkeit nach dem Essen, Konzentrationstiefs, unruhiger Schlaf und dieses merkwürdige Gefühl, ständig etwas essen zu müssen, obwohl der Körper eigentlich genügend Energie gespeichert hätte.
Was ist das Problem? Und wie geht man dieses an?

Wenn das Essen müde macht

Nach einer Mahlzeit steigt der Blutzuckerspiegel an – das ist normal. Kohlenhydrate aus Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Obst oder Süßigkeiten werden im Verdauungstrakt zu Glukose abgebaut und gelangen ins Blut. Der Körper reagiert mit Insulin. Dieses Hormon sorgt dafür, dass Zucker aus dem Blut in die Zellen geschleust wird.
Problematisch wird es, wenn dieser Ablauf ständig überfordert wird. Ein „süßes Frühstück“, zwischendurch ein Keks, mittags Pasta, nachmittags Kaffee und Kuchen: Erst fühlt man sich wach, dann kommt das Loch. Nicht selten wird dann wieder genau das gegessen, was die nächste Schwankung auslöst.
So entsteht ein Kreislauf aus Zuckeranstieg, Insulinausschüttung, Energietief und erneutem Appetit. Viele halten das für Willensschwäche, aber in Wahrheit ist es meist Biochemie. Der Körper wirkt dann wie ein Ofen, in den ständig Papier geworfen wird. Es brennt kurz hell, aber es hält nicht lange.

Warum Bauchfett mehr ist als ein optisches Problem

Besonders wichtig ist der Zusammenhang zwischen Blutzucker, Insulin und Bauchfett. Das Fett am Bauch ist kein stilles Depot, das nur auf bessere Zeiten wartet. Vor allem das innere Bauchfett ist stoffwechselaktiv. Es beeinflusst Entzündungsprozesse, Hormone, Leberstoffwechsel und die Insulinempfindlichkeit.
Wenn die Zellen schlechter auf Insulin reagieren, spricht man von Insulinresistenz. Der Körper muss dann mehr Insulin ausschütten, um den gleichen Effekt zu erzielen. Das kann über Jahre unbemerkt bleiben.
Der Nüchternblutzucker ist vielleicht noch unauffällig, aber nach dem Essen entstehen bereits hohe Spitzen. Gleichzeitig lagert der Körper leichter Fett ein, besonders in der Leber und am Bauch. Und irgendwann wird aus Energieüberschuss ein Speicherproblem.

Der Blutzucker entscheidet, ob das Bauchfett wächst oder nicht.

Foto: Ljupco/iStock

Die Verzuckerung des Körpers

Ein wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang lautet Glykierung. Gemeint ist eine Reaktion von Zucker mit Eiweißen, Fetten und anderen Körperstrukturen. Dabei entstehen sogenannte Advanced Glycation Endproducts, abgekürzt AGEs. Das Problem: Diese Glykierung kann das Gewebe verändern.
Man kann sich das grob wie eine Art „innere Verzuckerung“ vorstellen. Wenn das über Jahre läuft, verlieren Gefäße an Elastizität. Nerven, Augen, Nieren und Bindegewebe können in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch die Haut altert unter diesem Einfluss schneller. Falten sieht man früher als Gefäßschäden, aber biochemisch gehören beide zur gleichen Geschichte.
Das heißt nicht, dass jeder Teller Kartoffeln ein Problem ist. Es geht nicht um Angst vor normalen Lebensmitteln. Entscheidend ist die Dauerbelastung – nämlich ständig hohe Blutzuckerspitzen, zu wenig Bewegung, zu wenig Muskelmasse, schlechter Schlaf, Dauerstress sowie ein Darm und eine Leber, die gar keine Ruhe mehr bekommen.

Der erste Hebel liegt nicht im Verzicht

Viele Menschen glauben, sie müssten beim Blutzucker alles streichen: keinen Zucker, kein Brot, keine Nudeln – keine Freude mehr. Viele empfinden das als Verlust von Lebensqualität. Und so etwas hält selten lange.
Sinnvoller ist es, mit einfachen Ordnungsprinzipien zu beginnen, so wie Sebastian Kneipp es vor über 100 Jahren bereits formulierte. Der wichtigste Satz lautet: Kohlenhydrate nicht nackt essen.
Wer Brot, Reis, Nudeln, Kartoffeln oder Obst allein isst, bekommt meist eine stärkere Blutzuckerantwort als bei einer Mahlzeit mit Eiweiß, Fett und Ballaststoffen. Ein Apfel mit ein paar Mandeln wirkt anders als ein Apfel allein. Ein Brot mit Ei, Avocado oder Hüttenkäse wirkt anders als ein Marmeladenbrot.
Auch die Reihenfolge spielt eine Rolle. Wer zuerst Gemüse oder Salat isst, dann Eiweiß und Fett und erst danach Reis, Brot, Nudeln oder Kartoffeln, kann die Blutzuckerantwort günstiger beeinflussen. Das klingt einfach – ist es auch, wird aber unterschätzt. Essen Sie ihren Salat also vor dem Hauptgericht. Sie essen doch Salat – oder?
Welches Öl für Küche, Herz und Haut wirklich gut ist

Fett allein ist selten der Übeltäter – entscheidend ist, womit es auf den Teller kommt.

Foto: MarianVejcik/iStock

Der Essig im Salat ist kein alter Aberglaube

Apropos Salat. Auch der Essig verdient in diesem Zusammenhang eine kleine Ehrenrettung. Ein Salat mit Essig-Öl-Dressing vor einer kohlenhydratreichen Mahlzeit kann die Blutzuckerantwort abmildern.
Das bedeutet nicht, dass man nun morgens Apfelessig als Mutprobe trinken muss. Wer einen empfindlichen Magen, Reflux oder Probleme mit dem Zahnschmelz hat, sollte solche Experimente ohnehin lassen.
Aber als einfacher Küchentrick ist Essig interessant. Der gute alte Salat vor dem Essen war also vielleicht nicht nur Sitte, sondern auch Stoffwechselklugheit. Und der Trick mit dem Apfelessig in etwas Wasser vor den großen Mahlzeiten funktioniert ebenfalls.

Bewegung nach dem Essen: der einfachste Zuckerfilter

Einer der wirksamsten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Hebel ist die Bewegung nach dem Essen. Ich habe das selbst lange unterschätzt, bis ich mit einem Trainer von Olympia-Athleten sprach, der seine durchtrainierten Athleten exakt diesen „Trick“ durchführen ließ. Mittlerweile ist völlig klar: Zehn Minuten Gehen nach einer Mahlzeit helfen, den Zuckeranstieg günstiger zu beeinflussen.
Der Grund ist einfach: Muskeln ziehen Glukose aus dem Blut, sobald sie arbeiten. Wer sich nach dem Essen bewegt, hilft dem Körper, den Zucker dorthin zu bringen, wo er benötigt wird: in die Muskulatur.
Besonders nach dem Abendessen ist das interessant. Statt direkt auf das Sofa zu sinken, kann ein kurzer Gang um den Block mehr bewirken als die nächste komplizierte Diätregel. Also gehen Sie diese 10 Minuten.

Ob am Strand, im Wald oder in der Stadt: Nach dem Essen 10 Minuten spazierenzugehen, wirkt Wunder beim Blutzuckerhaushalt des Körpers.

Foto: dmbaker/iStock

Im zweiten Schritt lohnt sich dann der Blick auf ein Krafttraining. Muskeln sind ein wichtiges Speicher- und Verbrauchsorgan für Glukose. Wer Muskelmasse verliert, verliert auch Zuckeraufnahmekapazität. Gerade ab 50 wird das relevant.
Bei Schmerzpatienten kommt allerdings zuerst die Schmerzfreiheit beziehungsweise eine bessere Beweglichkeit. Ein schmerzender Rücken, ein gereiztes Knie oder eine blockierte Hüfte werden nicht besser, nur weil man sie mit Trainingsplänen überfährt. Erst die Bewegung wieder möglich machen, dann Kraft aufbauen: Das ist in der Praxis meist der vernünftigere Weg.

Schlaf, Stress und die Leber

Blutzucker ist nicht nur eine Frage des Essens. Schlechter Schlaf kann die Insulinempfindlichkeit verschlechtern. Dauerstress bringt den Körper über Cortisol in eine Alarmstellung. Die Leber gibt dann mehr Zucker ins Blut ab, obwohl von außen gar kein Zucker kommt.
Das erklärt, warum manche Menschen ratlos vor ihren Werten sitzen: „Ich esse doch gar nicht so viel, warum ist mein Blutzucker trotzdem schlecht?“ Der Körper ist kein Kalorienzähler mit Puls. Er reagiert auf Schlafmangel, Bewegungsmangel, Stress, späte Mahlzeiten, Alkohol, Medikamente, Bauchfett und die Zusammensetzung der Ernährung.
Besonders späte, kohlenhydratreiche Mahlzeiten sind für viele ungünstig. Der Körper soll nachts reparieren, regulieren und entgiften. Wenn er stattdessen noch Pizza, Wein und Dessert verarbeiten muss, braucht man sich über unruhigen Schlaf und einen zähen Morgen nicht zu wundern.

Welche Werte interessant sind

Wer wissen möchte, wo er steht, sollte nicht nur auf den Nüchternblutzucker schauen. Dieser Wert ist wichtig, aber er erzählt nicht die ganze Geschichte. Interessant sind auch HbA1c, also der Langzeitblutzucker, der Bauchumfang, die Triglyceride, die Leberwerte und in manchen Fällen auch das Nüchterninsulin.
Aus Nüchternblutzucker und Nüchterninsulin lässt sich der sogenannte HOMA-Index berechnen. Er kann Hinweise auf eine beginnende Insulinresistenz geben, oft früher als der reine Blutzucker. Das ist zwar kein allwissendes Orakel, aber wer nach dem Essen regelmäßig müde ist, Bauchfett aufbaut, Heißhunger entwickelt und trotzdem „normale“ Standardwerte hat, sollte genauer hinschauen.
Nüchternblutzuckerwerte zwischen 100 und 125 mg/dl gelten bereits als auffällig im Sinne eines Prädiabetes. Das ist zwar noch kein Diabetes, aber auch kein grüner Bereich, den man achselzuckend abheften sollte.

Fazit

Der Blutzucker ist mehr als ein Laborwert. Er zeigt, wie gut der Körper mit unserem modernen Alltag zurechtkommt: mit zu viel Sitzen, zu viel Stress, zu spätem Essen, zu wenig Muskelarbeit und mit Lebensmitteln, die oft schneller ins Blut gehen, als der Stoffwechsel sie verarbeiten kann.
Genau hier beginnt die Naturheilkunde. Nicht als „Ich nehme eine Heilpflanze und lebe weiter wie bisher“, sondern als Ordnungstherapie: den Essrhythmus verbessern, die Leber entlasten, den Darm stärken, Muskeln trainieren und erhalten, Schlaf ernst nehmen, nach dem Essen gehen sowie Bitterstoffe und Ballaststoffe wieder auf den Teller bringen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Das Ei-Dilemma: Was passiert, wenn Sie jeden Tag ein Ei essen – und der fatale Irrtum übers Cholesterin


In Kürze:

  • Wer regelmäßig Eier isst, unterstützt viele Körperfunktionen wie etwa die Knochengesundheit.
  • Eier sind eine Protein- und Nährstoffbombe, die unter anderem Kalzium, Eisen, Magnesium und viele Vitamine enthalten.
  • Empfehlenswert sind Eier aus Freilandhaltung, die nicht zu wenig und nicht zu lange gekocht werden.
  • Bestimmte Personen sollten mit dem Eierverzehr vorsichtig sein oder ihn ganz pausieren.

 
Eier sind voller Nährstoffe. Ein mittelgroßes Ei liefert 60 Kalorien, etwa 10 Prozent des täglichen Proteinbedarfs und ein ganzes Spektrum an Mikronährstoffen.
Die Liste ist lang: 
  • Kalzium, 
  • Kalium, 
  • Phosphor,
  • Selen,
  • Zink,
  • Kupfer,
  • Magnesium,
  • Eisen,
  • die Vitamine A, E, D und B.
Bei regelmäßigem Verzehr unterstützen Eier viele Körperfunktionen. Nachfolgend sind fünf davon aufgeführt.

1. Eier versorgen den Körper effizient mit Energie

Wie oben erwähnt, liefern Eier viele Nährstoffe, die unser Körper benötigt, um gesund zu bleiben.
„Sie gehören zu den nährstoffreichsten und effizientesten Vollwertnahrungsmitteln, die wir haben. Sie sind reich an hochwertigem Protein, essentiellen Fetten, Cholin und fettlöslichen Vitaminen, die alles von der Gehirnfunktion bis zum Hormonhaushalt unterstützen“, sagte Laurie White, Naturheilpraktikerin und Spezialistin für funktionelle Medizin und funktionelle Ernährungstherapie, gegenüber Epoch Times.

2. Eier unterstützen Muskelregeneration und -wachstum

Eier sind eine hervorragende Quelle für hochwertiges Protein. Dieses ermöglicht es dem Körper, Gewebe wie Knochen, Muskeln, Haare und Haut aufzubauen und zu reparieren. Sie enthalten alle neun essentiellen Aminosäuren, die unser Körper nicht selbst produzieren kann. Das macht sie zu einer vollständigen Proteinquelle.
„Wenn Sie Eier essen, nehmen Sie nicht nur Protein zu sich – Sie lösen auch hormonelle Kaskaden aus, die dabei helfen, Muskeln und Knochen zu erhalten und aufzubauen sowie den Appetit zu regulieren“, meinte Dr. Christine Najjar zu Epoch Times. Sie ist Ernährungswissenschaftlerin und Inhaberin einer auf Ernährung spezialisierten Praxis.
Zudem weise das Protein in Eiern eine hohe Bioverfügbarkeit auf, sodass der Körper es leicht aufnehmen und verwerten könne.
Studien zufolge hat Eiprotein eine Absorptionsrate von 97 Prozent – höher als bei Milchprodukten mit 95 Prozent und Fleisch mit 94 Prozent. Pflanzliche Proteine werden nur zu 45 bis 80 Prozent resorbiert, was Eier zu einer der besten natürlichen Proteinquellen macht. Das Kochen erhöht die Bioverfügbarkeit von Eiprotein zusätzlich, indem es dieses teilweise aufspaltet. Dadurch kann der Körper es leichter aufnehmen und verdauen.
Daher unterstützt der regelmäßige Verzehr von ganzen Eiern – Eiweiß und Eigelb – die Muskulaturgesundheit. Protein hilft uns beim Aufbau und Erhalt von Muskeln, steigert die Kraft und kann Sarkopenie vorbeugen, dem allmählichen Rückgang von Muskelmasse, Kraft und Funktion, der mit dem Altern einhergeht.

3. Eier stärken die Augengesundheit

Zusätzlich zu den oben genannten Nährstoffen enthalten Eier auch Lutein und Zeaxanthin. Das sind starke Antioxidantien, die sich in der Netzhaut anreichern und unsere Augen schützen. Sie helfen dabei, blaues Licht zu filtern, die Sehkraft zu verbessern und reaktive Sauerstoffspezies abzufangen.
Zudem steht der Verzehr von Eiern mit einem verringerten Risiko für altersbedingte Makuladegeneration, eine unheilbare Netzhauterkrankung, und Grauen Star in Verbindung. 
Der größte Teil der Nährstoffe eines Eies befindet sich im Eigelb – einer reichhaltigen, bioverfügbaren Quelle für Lutein und Zeaxanthin, mit natürlichen Fetten, die deren Aufnahme verbessern.
Laut Studien erhöht der tägliche Verzehr eines Eies den Lutein- und Zeaxanthin-Spiegel deutlich. Ferner steigert regelmäßiger Eierkonsum die Dichte des Makulapigments im Auge. Dies steht mit einer verbesserten Sehkraft und einem verringerten Risiko für Sehverlust in Zusammenhang.

4. Eier helfen, Appetit und Blutzucker zu regulieren

Eier sorgen für ein Sättigungsgefühl, sodass wir insgesamt weniger essen. Das habe mit der Kombination aus Eiweiß und gesunden Fetten zu tun, die in Eiern zu finden sind, meinte White. 
„Den Tag mit Eiern zu beginnen, kann helfen, den Blutzucker zu stabilisieren, Heißhunger zu senken und eine gleichmäßigere Energieversorgung zu fördern. Das macht es einfacher, ein gesundes Gewicht zu halten, ohne auf Willenskraft angewiesen zu sein“, so die Naturheilpraktikerin.
Das Nährstoffprofil von Eiern unterstütze außerdem wichtige Stoffwechselprozesse, darunter die Leberfunktion und den Fettstoffwechsel. Diese seien entscheidend, um ein gesundes Gewicht aufrechtzuerhalten, sagte sie.

5. Eier unterstützen die Gehirnfunktion und das Gedächtnis

Eier sind eine der reichhaltigsten Nahrungsquellen für Cholin, das fast ausschließlich im Eigelb vorkommt.
Cholin ist notwendig, um Acetylcholin zu bilden – einen wichtigen Neurotransmitter für Gedächtnis und Konzentration. Ferner ist es unerlässlich für den Aufbau von Zellmembranen, für die Gehirnentwicklung bei Babys sowie für die Leberfunktion und den Fettstoffwechsel.
„Interessanterweise zeigen Untersuchungen, dass die Mehrheit der Menschen ihren täglichen Cholinbedarf nicht deckt. Der regelmäßige Verzehr von Eiern ist eine der wirksamsten Möglichkeiten, diese Lücke zu schließen. Studien brachten zudem eine höhere Cholinaufnahme mit einer verbesserten kognitiven Funktion und einem besseren Gedächtnis in Verbindung“, erklärte White.
Eine höhere Cholinaufnahme steht auch mit einer besseren kognitiven Leistungsfähigkeit und einem verringerten Risiko für Alzheimer in Verbindung.

Wie viele Eier sollten wir essen?

Frühere Ernährungsrichtlinien empfahlen, die Cholesterinaufnahme über die Nahrung zu begrenzen – wobei Eier als Hauptverursacher galten. Das Argument war einfach: Cholesterin aus der Nahrung erhöht den Cholesterinspiegel im Blut, was wiederum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigert. 
Aktuelle Studien haben diese Behauptungen jedoch nicht bestätigt. Ihnen zufolge sind Eier ein sicheres, nachhaltiges Lebensmittel, das Energie und lebenswichtige Nährstoffe liefert.
Was die Frage angeht, wie viele Eier wir bedenkenlos essen können, sind sich Dr. Najjar und White einig. Ihnen zufolge müssen die meisten gesunden Menschen ihren Eierverzehr nicht einschränken.
„Eier sind seit jeher Teil der traditionellen menschlichen Ernährung. Historisch gesehen aßen die Menschen sie je nach Verfügbarkeit und Appetit, nicht nach festgelegten Grenzen“, so Dr. Najjar. „Im Allgemeinen rate ich den Menschen, sich beim Verzehr von ihrem Appetit leiten zu lassen“, fügte sie hinzu.

Eierqualität, Sicherheit und Zubereitungsmethoden

Wer regelmäßig Eier isst, sollte auf ihre Qualität achten. Naturheilpraktikerin White empfiehlt Eier aus Freilandhaltung – idealerweise von einem lokalen Bauern.
Dr. Najjar rät dazu, sich zum einen von seinem Budget leiten zu lassen. Doch wer seine Mikronährstoffversorgung optimieren möchte, sollte ihr zufolge auch Eier von lokalen Hühnern beziehen.
White merkte an, dass es auch Situationen gebe, in denen man vorübergehend den Eierkonsum einschränken oder vollständig pausieren sollte, wie zum Beispiel bei
  • einer echten Eiallergie, 
  • einer aktiven Darmentzündung oder erhöhter Durchlässigkeit,
  • Autoimmunerkrankungen,
  • einer Histaminempfindlichkeit.
Sobald das zugrunde liegende Ungleichgewicht behoben sei, könnten Eier in den meisten Fällen wieder in den Speiseplan aufgenommen werden, fügte sie hinzu.
Was die Zubereitung von Eiern angeht, sollte man laut Dr. Najjar Extreme vermeiden. „Ein leicht gekochtes Ei mit weichem oder flüssigem Eigelb ist oft ein guter Mittelweg. Es bewahrt Nährstoffe und ist dennoch sicher zu verzehren“, so die Ernährungswissenschaftlerin.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „What Happens to Your Body When You Eat Eggs Regularly“. (redaktionelle Bearbeitung: as)