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Spätsommerliches Wetter zum Oktober-Wochenende

Trotz des Herbstanfangs können sich die Menschen am ersten Oktober-Wochenende noch einmal auf spätsommerliche Temperaturen freuen. Laut des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sollen die Temperaturen vielerorts deutlich über 20 Grad steigen. „Insgesamt erwartet uns am Wochenende somit goldenes Oktoberwetter mit einzelnen kleinen Schönheitsfehlern“, erklärte DWD-Meteorologe Nico Bauer.
Sobald sich der Nebel im Laufe des Vormittags gelichtet hat, kommt am Samstag in vielen Landesteilen die Sonne heraus. Im Süden Deutschlands rechnen die Wetterexperten beispielsweise mit Höchstwerten um die 23 Grad. An den Küsten und in den Bergen bleibt es hingegen etwas kühler.

Vorsicht vor vernebelten Straßen in der Nacht

In der Nacht auf Sonntag breiten sich Nebelfelder aus, wie Bauer sagte. „Dies kann örtlich auf den Straßen zu erheblichen Sichtbehinderungen führen.“ Tagsüber gestalte sich das Wettergeschehen dann überwiegend freundlich.
Lediglich im Süden können Schauer auftreten, vereinzelt sind auch Gewitter nicht ausgeschlossen, so der DWD in seiner Prognose. Sonst bleibe es weitgehend trocken. Die Temperaturen erreichen Höchstwerte zwischen 17 und 23 Grad.
Auch der Wochenstart bleibt freundlich. Die Wetterexperten prognostizieren auch hier noch einmal Temperaturen jenseits der 20-Grad-Marke. Zur Wochenmitte hin kühlt es immer weiter ab und das Wetter wird unbeständiger. (dpa/red)
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Grippe: Was von Tamiflu geblieben ist


In Kürze:

  • Das Grippemedikament Tamiflu verkürzt Beschwerden einer Influenza im Mittel von 7 auf 6,3 Tage.
  • 2026 zeigte eine Studie eine erhöhte Sterblichkeit bei lebensgefährlichen Verläufen. Für schwer kranke Patienten wird das Medikament dennoch weiterhin empfohlen.
  • Neben Ruhe, Schlaf und ausreichend Trinken haben sich in der Praxis Pflanzentinkturen bewährt, die an Symptome und Schwere angepasst werden können
  • Die Selbstbehandlung hat Grenzen, wenn etwa Atemnot, Brustschmerzen oder eine deutliche Verschlechterung nach anfänglicher Besserung hinzukommen.

 
Wenn die Grippe wieder umgeht, taucht regelmäßig auch ein alter Bekannter auf: Tamiflu mit dem Wirkstoff Oseltamivir. Viele werden sich noch an die Vogelgrippe und später an die Schweinegrippe erinnern.
Damals lagerten Regierungen Millionen Dosen antiviraler Medikamente ein. Zeitweise entstand der Eindruck, mit Tamiflu hätte man eine entscheidende Waffe gegen eine drohende Grippepandemie gefunden. Später stellte man wieder einmal fest, dass die Bilanz mehr als ernüchternd ist.
Eine Auswertung der vollständigen klinischen Studienberichte ergab bei Erwachsenen mit unkomplizierter Influenza eine Verkürzung der Beschwerden um durchschnittlich 16,8 Stunden. Stunden, nicht Tage. Statt sieben Tagen waren es im Mittel etwa 6,3 Tage. Bei Krankenhauseinweisungen zeigte sich kein signifikanter Vorteil. Übelkeit und Erbrechen traten unter Oseltamivir zudem häufiger auf.
Die Geschichte hinter diesen Zahlen ist mindestens ebenso interessant wie das Ergebnis.

Unveröffentlichte Daten und angepriesene Wirksamkeit

Tom Jefferson, Peter Doshi und Kollegen von Cochrane mussten jahrelang darum kämpfen, überhaupt an die vollständigen klinischen Studienberichte heranzukommen. Der schweizerische Pharmakonzern Roche hatte 2009 zugesagt, vollständige Berichte bereitzustellen; noch 2012 warteten die Forscher darauf. Erst 2013 erhielten sie schließlich Zugang zu praktisch dem gesamten Studienprogramm.
Peter Gøtzsche, damals Leiter des Nordic Cochrane Centre, wurde noch deutlicher. Er fragte öffentlich, warum europäische Regierungen Roche nicht verklagten, um das für die Tamiflu-Bevorratung ausgegebene Geld zurückzufordern, und schlug einen Boykott von Roche-Produkten vor, solange die fehlenden Daten nicht veröffentlicht würden.
Roche Holding AG ist der Hersteller von Tamiflu

Logo und Firmenschild am Hauptsitz der Roche Holding AG am 11. April 2025 in Basel, Schweiz.

Foto: Sedat Suna/Getty Images

Das ist für mich einer der entscheidenden Punkte dieser Geschichte: Staaten kauften für enorme Summen ein Medikament auf Vorrat, während unabhängige Forscher jahrelang keinen vollständigen Einblick in die Datengrundlage erhielten.
Noch bemerkenswerter liest sich rückblickend eine alte Seite der Bundesregierung zur Pandemievorbereitung. Dort heißt es zu Tamiflu und Relenza, diese Medikamente würden bei einer lebensgefährlichen Grippe die Sterblichkeit „erheblich“ mindern. Das steht bis heute auf der Internetseite der Bundesregierung. 2026 bekam dieser Satz eine ganz neue Bedeutung.

Mit Tamiflu stirbt’s sich schneller?

Im Sommer 2026 wurden Ergebnisse aus REMAP-CAP veröffentlicht, einer internationalen randomisierten Plattformstudie. 442 kritisch kranke Patienten ab zwölf Jahren mit bestätigter Influenza wurden auf drei Gruppen verteilt: fünf Tage Oseltamivir, zehn Tage Oseltamivir oder keine antivirale Behandlung.
Nach 90 Tagen waren ohne antivirales Mittel 17 von 124 Patienten gestorben, also 13,7 Prozent. Nach fünf Tagen Oseltamivir waren es 32 von 162, entsprechend 19,8 Prozent. In der Gruppe mit zehn Tagen Oseltamivir lag die Sterblichkeit bei 19,4 Prozent.
Beide Oseltamivir-Arme erreichten die vorher festgelegte Grenze für Unterlegenheit, worauf die weitere Aufnahme von Patienten gestoppt wurde. Die statistisch berechnete Wahrscheinlichkeit für einen Schaden lag in beiden Oseltamivir-Gruppen bei etwa 98 Prozent. Da liegt die Schlagzeile „Mit Tamiflu stirbt’s sich schneller“ natürlich auf der Hand.
Verpackung des Medikaments Tamiflu

Eine Frau hält am 22. Juli 2009 in einer Apotheke in Paris eine Packung des Medikaments Tamiflu in die Kamera.

Foto: Miguel Medina/AFP via Getty Images

So pauschal sollte man es dennoch nicht auf jeden Grippepatienten übertragen. Hier wurden kritisch kranke Patienten untersucht, die intensivmedizinische Organunterstützung benötigten. Die Behandlung erfolgte in einer fortgeschrittenen Krankheitsphase. Außerdem liegt die Arbeit derzeit als Preprint vor und ist noch nicht „regulär begutachtet“, wie es offiziell heißt.
Allerdings: in dieser randomisierten Untersuchung starben unter Oseltamivir mehr kritisch kranke Influenza-Patienten als ohne antivirale Behandlung. Ausgerechnet dort also, wo man sich von einem antiviralen Medikament einen besonders relevanten Nutzen wünschen würde.
Interessant ist zudem, die US-Gesundheitsbehörde CDC empfahl noch im März 2026 Oseltamivir als bevorzugtes antivirales Mittel für hospitalisierte Influenza-Patienten. Diese Empfehlung erschien vor Veröffentlichung der neuen REMAP-CAP-Daten. Man darf gespannt sein, welche Konsequenzen daraus gezogen werden.

Tamiflu, Politik und ein alter Bekannter

Bei Tamiflu stößt man schnell noch auf eine andere Geschichte – und manche Leser werden sich sicher noch erinnern. Der Wirkstoff wurde von Gilead Sciences entwickelt und an Roche lizenziert. Vorsitzender des Aufsichtsrates von Gilead war ab 1997 Donald Rumsfeld. 2001 wechselte er als Verteidigungsminister in die Regierung von George W. Bush, behielt aber eine erhebliche Beteiligung an Gilead.
Zeitgenössische Berichte schätzten den Wert seiner Gilead-Anteile auf fünf bis 25 Millionen Dollar. Das US-Verteidigungsministerium bestellte 2005 Tamiflu im Wert von 58 Millionen Dollar. Rumsfeld erklärte sich bei Gilead betreffenden Entscheidungen für befangen. Ein Urteil bleibt jedem selbst überlassen. Zumindest zeigt es ziemlich anschaulich, wie Politik, staatliche Beschaffung und wirtschaftliche Interessen miteinander verwoben sein können.
Eine kleine historische Fußnote sei mir noch erlaubt. Rumsfeld war damals Verteidigungsminister; seit September 2025 darf sein Amtsnachfolger offiziell zusätzlich den Titel „Secretary of War“, also Kriegsminister, führen. Der gesetzliche Name „Department of Defense“ besteht weiterhin. Nun ja, manchmal kann man das Offensichtliche eben nicht verbergen.

Der ehemalige US-Präsident George W. Bush (m.) zusammen mit dem ehemaligen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im Jahr 2019 beim Gedenktag an die 9/11-Anschläge.

Foto: Mandel Ngan/AFP via Getty Images

Und die WHO? Auch dort lohnt der Blick hinter die Kulissen. Eine Untersuchung des British Medical Journal und des Bureau of Investigative Journalism zeigte 2010, dass Experten, die an der Pandemieplanung und an Empfehlungen beteiligt waren, finanzielle Beziehungen zu Herstellern antiviraler Medikamente und Impfstoffe hatten. Ein Autor einer WHO-Leitlinie zur antiviralen Behandlung hatte gleichzeitig bezahlte Tätigkeiten für Roche ausgeübt. Jefferson und Doshi kritisierten anschließend ausdrücklich die langfristigen Beziehungen der WHO zur Pharmaindustrie und die mangelnde Offenlegung solcher Interessenkonflikte.
Auch daraus folgt nicht der Beweis, dass Empfehlungen gekauft wurden. Aber es zeigt ein deutliches „Geschmäckle“, wie man im Schwäbischen zu sagen pflegt. Und angesichts dieser Tatsachen braucht man sich in den oberen Politik-Etagen über schwindendes Vertrauen nicht zu wundern.

Deutschland und die „Zwei-Klassen-Impfung“

Damit noch nicht genug: 2009 gab es ein weiteres bemerkenswertes Schauspiel. Für die Bevölkerung hatten die Bundesländer 50 Millionen Dosen Pandemrix von GlaxoSmithKline bestellt. Pandemrix enthielt den Wirkverstärker AS03.
Gleichzeitig hatte der Bund für bestimmte staatliche Bereiche Celvapan von Baxter beschafft, einen Impfstoff ohne Wirkverstärker. Vorgesehen war er unter anderem für hohe Beamte, Regierung, Bundeswehr, Bundespolizei und Angehörige von Krisenstäben. Prompt machte der Begriff „Zwei-Klassen-Impfung“ die Runde.
Die Bundesregierung widersprach natürlich dem Eindruck, Minister bekämen einen vermeintlich besseren Impfstoff. Angela Merkel sollte Pandemrix erhalten, wie die übrige Bevölkerung und ließ sich später (angeblich) bei ihrem Hausarzt mit Pandemrix impfen. Ich werde mich hüten, dies offiziell zu bezweifeln.
Jedenfalls war damit die Frage einer persönlichen Sonderbehandlung der Kanzlerin beantwortet. Das grundsätzliche Kommunikationsproblem blieb jedoch bestehen: Mitten in einer Impfkampagne erfuhr die Bevölkerung, dass für Teile des Staatsapparates ein anders zusammengesetzter Impfstoff vorgesehen war. Es bedarf keiner Verschwörungstheorie, um zu verstehen, was eine solche „Konstellation“ für das Vertrauen bedeutet.
Zwei Jahre später erhielt die Geschichte noch einen Nachklapp. Die Europäische Arzneimittelagentur beschränkte Pandemrix für Kinder und Jugendliche, nachdem Untersuchungen aus Finnland und Schweden einen Zusammenhang mit Narkolepsie gezeigt hatten. Das Risiko lag dort sechs- bis 13-fach höher, entsprechend etwa drei bis sieben zusätzlichen Fällen pro 100.000 Geimpften.
Das konnte man offiziell im Jahr 2009 noch nicht wissen. Natürlich. Gerade deshalb sollte staatliche Gesundheitskommunikation meines Erachtens mit Gewissheiten vorsichtig umgehen. So jedenfalls zum „politischen Teil“. Für einen Menschen mit 39 Grad Fieber stellt sich ohnehin eine ganz andere Frage: Was mache ich jetzt?

Eine echte Grippe ist keine Erkältung

Eine gewöhnliche Erkältung beginnt häufig langsam. Der Hals kratzt, die Nase läuft, später kommt Husten hinzu. Eine Influenza kann innerhalb weniger Stunden mit Fieber, Frösteln, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen und einem ausgeprägten Krankheitsgefühl zuschlagen. Manche Patienten können fast auf die Stunde genau sagen, wann es sie „umgehauen“ hat.
In dieser Situation halte ich wenig davon, das Fieber sofort wegzudrücken, Schmerzmittel zu nehmen und so weiterzumachen wie zuvor. Ruhe und Schlaf gehören für mich zur Therapie erster Klasse. Das gilt erst recht für Sport. Nach einem fieberhaften Infekt sollte man nicht auch vorschnell wieder trainieren.

Bei Heilpflanzen bevorzuge ich Tinkturen

Eine meiner klassischen Heilpflanzen bei fieberhaften Infekten ist die Holunderblüte. Auch Lindenblüten verwende ich gerne. Natürlich funktioniert der klassische Tee: Holunderblüten mit heißem Wasser übergießen, etwa zehn Minuten ziehen lassen, warm trinken – und anschließend möglichst ins Bett.
In meiner Praxis setze ich allerdings überwiegend auf Tinkturen. Diese sind konzentrierter, unkompliziert einzunehmen und lassen sich sehr gut kombinieren. Vor allem kann ich die Häufigkeit der Einnahme an die Stärke der Beschwerden anpassen.
Wenn die Grippe umgeht und jemand merkt: „Da kommt etwas, der Hals kratzt“, nehme ich bei den von mir verwendeten Erkältungs- und Grippetinkturen häufig zunächst zweimal täglich etwa 15 Tropfen.

Die Heilkraft des Holunder hilft bei Virenerkrankungen.

Foto: Animaflora/iStock

Hat ein Patient dagegen bereits Fieber, Gliederschmerzen und das typische ausgeprägte Krankheitsgefühl, gebe ich entsprechende Tinkturen bei Erwachsenen durchaus alle drei Stunden mit jeweils etwa 15 bis 20 Tropfen. Je nach Pflanze, Präparat und Situation kann ich in der Praxis auch darüber hinausgehen. Das ist ausdrücklich kein Universalschema für jede Pflanzentinktur. Konzentrationen, Gegenanzeigen und mögliche Wechselwirkungen unterscheiden sich.
Meist kombiniere ich zwei oder drei Pflanzen. Holunder- und Lindenblüte passen bei einem fieberhaften Infekt sehr gut zusammen. Kommt Husten hinzu, wähle ich eine weitere Pflanze passend zum Hustenbild. Bei trockenem Reizhusten benötige ich etwas anderes als bei zähem Schleim oder entzündeten Bronchien. Das ist für mich praktische Phytotherapie: wenige Mittel, die zum Patienten und zur jeweiligen Phase der Erkrankung passen.
Solche Tinkturen bekommt man in Apotheken. Es gibt tatsächlich noch Apotheken, die Tinkturen selbst herstellen und individuelle Rezepturen anfertigen. Man muss sie nur suchen. Und ich finde, solche Apotheken sollte man unterstützen.

Fieber nicht nur als Zahl betrachten

Auch Fieber würde ich nicht automatisch bekämpfen. Es gehört zunächst zur Reaktion des Organismus auf die Infektion. Entscheidend sind Höhe und Dauer, Allgemeinzustand, Alter und Begleiterkrankungen.
Ausreichend Flüssigkeit ist wichtig; Wasser, Tee oder eine gute Brühe reichen meist aus. Und wenn der Appetit fehlt, lässt man das Essen einfach sein. Brühe, Äpfel usw. sind vollkommen ausreichend. Der Kranke sagt einem, wonach ihm verlangt.
Natürlich hat die Selbstbehandlung Grenzen. Atemnot, Brustschmerzen, Kreislaufprobleme, Bewusstseinsstörungen, ungewöhnliche Benommenheit oder eine deutliche Verschlechterung nach anfänglicher Besserung sollten abgeklärt werden.

Fieber ist zunächst einmal ein Zeichen dafür, dass der Körper auf etwas Ungewolltes reagiert.

Foto: Elena Perova/iStock

Was also ist von Tamiflu geblieben?

Bei unkomplizierter Influenza ein überschaubarer Effekt auf die Dauer der Beschwerden: knapp 17 Stunden. Bei kritisch kranken Patienten liegt seit 2026 dagegen erstmals ein randomisiertes Ergebnis vor, das keinen Überlebensvorteil, sondern ein ernstes Schadenssignal zeigt.
Für den Alltag bleiben daneben erstaunlich einfache Dinge wichtig: früh reagieren, ins Bett gehen, schlafen, ausreichend trinken, den Verlauf beobachten und passende Heilpflanzen einsetzen. Bei mir sind das häufig zwei oder drei Tinkturen, auf das jeweilige Beschwerdebild abgestimmt.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Lehre aus der Tamiflu-Geschichte: Große Versprechen beeindrucken. Für den Patienten zählt am Ende jedoch etwas anderes: Wie groß ist der Nutzen tatsächlich und was kann ich konkret tun, wenn ich krank bin?
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Trump lobt Freigabe europäischer Ölreserven – Keine Drohung mit Diesel-Exportstopp mehr

US-Präsident Donald Trump hat die Entscheidung der europäischen G7-Staaten zur Freigabe der Ölreserven gelobt – seine Drohung mit einem Diesel-Exportstopp der USA zog er zurück. „Was Europa gemacht hat, war wirklich eine großartige Sache“, sagte Trump am Freitag (Ortszeit) auf die Frage eines AFP-Journalisten. Ein Exportstopp habe auch nie „wirklich auf dem Tisch gelegen“. In Deutschland kritisierten die Grünen die Freigabe als „politische Dummheit“.
Angesichts der massiv gestiegenen Spritpreise hatten sich die G7-Staaten auf die Freigabe von bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl aus ihren Reserven verständigt. Die Freigabe solle „sofort beginnen“ und sich über vier Monate erstrecken, „einschließlich einer vorgezogenen umfangreichen Dieselfreigabe innerhalb der ersten 20 Tage“, hieß es in der G7-Erklärung am Freitag. Zu den G7 gehören Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, die USA, Kanada und Japan.

Trump hatte mit Exportstopp gedroht

Trump hatte zuvor insbesondere die europäischen Partner zur Freigabe von Dieselreserven gedrängt und für den Fall einer Weigerung einen Exportstopp der USA in Aussicht gestellt. Noch am Donnerstag erklärte er, die USA erwögen diesen Schritt weiterhin. Ein US-Exportstopp hätte die Versorgung insbesondere in der EU treffen können: Rund die Hälfte ihrer Dieselimporte kommt aus den USA.
Nach der Einigung sagte Trump am Freitag: „Ich habe darum gebeten. Europa hat eine Menge Diesel und sie werden einen bedeutenden Beitrag für die Welt leisten – und wir ebenfalls.“ Er fügte hinzu: „Und wir werden den Exportstopp nicht machen und wir werden tun, was von uns erwartet wird.“
Die Bundesregierung wertete die Einigung bei einer Videokonferenz, an der auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) teilnahm, als „wichtiges Zeichen für die Handlungsfähigkeit und Geschlossenheit der G7“. Die Freigabe sei ein „substanzieller Impuls, um die Versorgungslage und das Marktgeschehen zu stabilisieren“, hieß es aus Regierungskreisen.

Grüne: „Politische Dummheit“

Von den Grünen kam allerdings scharfe Kritik. „Die Freigabe ist ein Fehler, schlimmer noch: eine politische Dummheit“, sagte der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. „Die Reserven sind für echte Notfälle da und nicht für einen amerikanischen Präsidenten, dem im Wahlkampf die Felle davonschwimmen.“
Die infolge des Iran-Kriegs stark gestiegenen Treibstoffpreise haben den politischen Druck auf Trump und seine Republikaner im Vorfeld der US-Kongresswahlen stark erhöht. Die Wahlen zur Halbzeit von Trumps zweiter Amtszeit finden in einem Monat statt.
Kellner forderte eine grundlegende Neuausrichtung der deutschen Energiepolitik. „Die Bundesregierung muss jetzt raus aus der Ölabhängigkeit – mit elektrischem Verkehr, sauberer Wärme und heimischer Energie“, sagte er AFP. „Jedes Barrel, das wir nicht mehr brauchen, macht uns weniger erpressbar.“

Freigabe über die Internationale Energieagentur

Die Freigabe der Erdölprodukte soll über die Internationale Energieagentur (IEA) erfolgen. Die G7 schlossen auch die Freigabe zusätzlicher Mengen nicht aus. Aus Regierungskreisen in Berlin hieß es, Ziel sei eine breite Beteiligung aller IEA-Partnerländer. Zugleich seien noch genügend weitere Reserven vorhanden, um bei Bedarf die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Die Entscheidung wirkte sich unmittelbar auf die Ölpreise aus. Der US-Ölpreis fiel zeitweise um bis zu fünf Prozent, der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent sank vorübergehend wieder unter 100 Dollar.

Diesel bleibt knapp

Vor allem bei Diesel bleibt die Versorgungslage aber angespannt. Zwar nähern sich die Rohölexporte aus dem Nahen und Mittleren Osten wieder dem Volumen vor dem Iran-Krieg, doch beschädigte Raffinerien begrenzen die Produktion von Treibstoffen. Auch russische Raffinerien wurden durch ukrainische Angriffe beschädigt. In der EU erreichte der Dieselpreis zuletzt im Wochendurchschnitt mit 2,24 Euro je Liter einen Rekordwert.
Bereits im März hatten die 32 IEA-Mitgliedstaaten angesichts des durch den Iran-Krieg ausgelösten Preisanstiegs eine Freigabe von 400 Millionen Barrel Ölreserven beschlossen. Es war die größte Freigabe in der mehr als 50-jährigen Geschichte der IEA. Nach Angaben von IEA-Chef Fatih Birol ist etwa ein Drittel davon noch nicht auf den Markt gekommen. (afp/red)
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Osten, Westen, Einheit? Fünf Fakten zum Stand der Dinge

Deutsche Teilung? Lange her. 36 Jahre nach der Vereinigung sind Ost und West eng zusammengewachsen. Eine Verfassung, ein Parlament, eine Fußballnationalmannschaft, was soll die Deutschen noch trennen? Und doch hieß es nicht nur in den Landtagswahlkämpfen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern in diesem Herbst: „Der Osten bleibt anders“.
Ein Meinungsbild der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur unter Menschen, die sich für das Thema interessierten, kam zu dem Schluss: Neun von zehn Teilnehmern sehen weiter deutliche Unterschiede zwischen Ost und West. Ostidentität fällt nun oft als Schlagwort, Simson-Mopeds und Lokalstolz. Unterscheiden sich West- und Ostdeutschland wirklich mehr als etwa Saarland und Bayern oder Baden und Bremen? Fünf Fakten, die sich dingfest machen lassen:

Löhne

Es sind nur statistische Mittelwerte, aber die sind eindrucksvoll: 2025 lag der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst nach Daten des Statistischen Bundesamts in den westlichen Bundesländern bei 4.961 Euro. In den östlichen Bundesländern waren es 4.121 Euro im Monat. Zwar gibt es auch Unterschiede zwischen den westdeutschen Ländern. Und man muss die Entwicklung sehen: Seit 1991 haben sich die Bruttomonatsverdienste von Vollzeitbeschäftigten in den westlichen Bundesländern einschließlich Berlin-West durchschnittlich gut verdoppelt – in den östlichen Ländern hingegen vervierfacht. Trotzdem bleiben aktuell 840 Euro Unterschied.

Vermögen

Im vergangenen Jahr wurden im Westen 142,5 Milliarden Euro Vermögen vererbt oder verschenkt – das Statistische Bundesamt zählt dabei nur Übertragungen, die steuerlich berücksichtigt werden. In den östlichen Bundesländern waren es gerade einmal 8 Milliarden Euro. Somit entfallen 95 Prozent des Volumens auf den Westen und nur 5 Prozent auf den Osten, obwohl dort etwa 19 Prozent der Bevölkerung leben. Pro Kopf waren die Summe rein rechnerisch 500 Euro, im Westen hingegen 2.100 Euro.
Die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser nennt noch eine Zahl: „Das durchschnittliche Netto-Gesamtvermögen je Haushalt lag 2023 in Ostdeutschland bei 125.500 Euro, in Westdeutschland bei 257.100 Euro. Beim Immobilienvermögen waren es 97.800 Euro gegenüber 214.500 Euro.“ Hintergrund ist der fehlende Vermögensaufbau zu DDR-Zeiten, während in der alten Bundesrepublik schon Bankkonten und Immobilienvermögen wuchsen. Auch fast vier Jahrzehnte später ist das nicht wettgemacht.

Demografie

Im Westen ist es in den Jahrzehnten seit der Deutschen Einheit voller geworden, im Osten hingegen leerer – wenn man mal von Berlin absieht. Laut offizieller Statistik wanderten zwischen 1991 und 2024 rund 1,2 Millionen Menschen mehr von Ost nach West als umgekehrt, etwa die Hälfte davon schon im ersten Jahrzehnt nach der Vereinigung. Zwischen 2017 und 2022 drehte sich der Trend zeitweise: Erstmals zogen mehr Menschen von West nach Ost, insgesamt etwa 18.000 Personen. Seit 2023 geht es eher wieder andersherum.
57 Prozent der Menschen, die zwischen 1991 und 2024 den Osten verließen, waren Frauen, die meisten von ihnen unter 25 Jahren. Die Folge: „Das ländliche Ostdeutschland gehört zu den Regionen in Europa mit dem niedrigsten Anteil von Frauen in Relation zu Männern. In einigen Gebieten kommen bei den 18- bis 30-Jährigen weniger als 70 Frauen auf 100 Männer.“ So hielt es das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung 2024 fest.
Stand 2024 lag die Bevölkerungszahl nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Westdeutschland mit rund 67,5 Millionen Menschen etwa zehn Prozent höher als 1990; im Osten schrumpfte die Zahl im gleichen Zeitraum um 16 Prozent auf 12,4 Millionen. Während in Nordrhein-Westfalen 528 Menschen je Quadratkilometer leben, sind es in Mecklenburg-Vorpommern 68.

Realität des Alltags

Laden, Arzt, Krankenhaus, Kita, Schule, Kneipe: Wo vergleichsweise wenige Menschen auf große Flächen verteilt sind, wird die Versorgung komplizierter. So hat zum Beispiel ein Hausarzt in Brandenburg statistisch gesehen 1.436 Einwohner zu versorgen, im Bundesdurchschnitt hingegen nur 1.264. In dem Fall geht eine einfache Ost-West-Rechnung allerdings nicht auf. In Hamburg war das Verhältnis mit 1.118 Einwohnern je Hausarzt in etwa so wie in Mecklenburg-Vorpommern mit 1.149.
Trotzdem gilt die Formel: je ländlicher die Gegend, desto länger die Wege. Nach Angaben des Demografieportals der Bundesregierung gibt es in jeder zweiten Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern keinen Dorfladen mehr. „Der Niedergang der öffentlichen Daseinsvorsorge und die zunehmende Ungleichheit der Lebensverhältnisse tragen vermehrt zur Erosion lokaler Demokratie bei“, heißt es in einem Antrag der Linken im Bundestag, die zur Lösung einen Bürgerrat einberufen lassen will.

Zufriedenheit mit der Demokratie

Der Rückhalt für die Demokratie ist grundsätzlich da, aber im Osten nicht ganz so stark wie im Westen. Laut Deutschland-Monitor 2025 waren in Westdeutschland 76 Prozent der Befragten mit der Demokratie als Idee sehr zufrieden. In Ostdeutschland waren es 65 Prozent. Mit dem Funktionieren der Demokratie waren im Westen 62 Prozent sehr oder eher zufrieden, im Osten nur 51 Prozent. 14 Prozent waren sehr unzufrieden, weitere 35 Prozent eher unzufrieden.
Die Ostbeauftragte Kaiser sieht keinen Beleg, dass in Ostdeutschland grundsätzlich autoritärer gedacht werde. „Aber ich glaube, dass Ostdeutschland oftmals ein Seismograph ist für gesellschaftliche Entwicklungen“, sagt die SPD-Politikerin. „Und in Umfeldern, wo ich das Gefühl habe, hier bricht was weg, ich werde nicht gesehen, hier verändert sich nichts zum Positiven in der individuellen Wahrnehmung, bin ich eben empfänglicher für populistische oder autoritäre Gedanken.“ Ostdeutschland erfahre das, was in Westdeutschland nach und nach auch ankommen werde, meint Kaiser. (dpa/red)
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Grüne erklären bisherige Strategie gegen AfD für gescheitert

Die Grünen fordern eine neue Strategie gegen die AfD. „Alle bisherigen Versuche, der AfD etwas entgegenzusetzen, haben nicht gereicht“, schreiben die Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion, Katharina Dröge und Britta Haßelmann, in einem Impulspapier, über das der „Spiegel“ berichtet.
Für das Erstarken der AfD trügen alle anderen Parteien, auch die Grünen, Verantwortung. „Niemand sollte einfach weitermachen wie bisher – auch wir Bündnisgrüne nicht“, schreiben Dröge und Haßelmann. „Wenn alle in den Überzeugungen, die sie schon immer richtig fanden, verharren, werden wir kein Stück schlauer“, so die Grünen-Fraktionsvorsitzenden weiter.

Spürbare Lösungen für strukturschwache Regionen

Dröge und Haßelmann kommen zu dem Schluss, dass man mit dem Eintreten für das demokratische System viele Bürger nicht mehr erreiche. „Wir müssen feststellen, dass unser Werben für die Rettung der Demokratie für viele mittlerweile nur noch abstrakt und weit weg klingt“, heißt es in dem fünfseitigen Papier, das an die Grünen-Abgeordneten verschickt wurde.
In dem Wunsch, Demokratie und Rechtsstaat zu schützen, wirke man „auf zu viele wie Verteidiger des Status Quo, eines Status Quo, der im Alltag für die Menschen nicht mehr gut funktioniert“, schreiben die beiden Grünen-Frauen.
Um besser gegen die AfD punkten zu können, müssten die anderen Parteien spürbare Lösungen für die Menschen bieten, fordern die beiden Fraktionsvorsitzenden. Es seien die strukturschwachen Regionen, in denen die Versprechen der Rechtspopulisten am meisten Gehör fänden, so die Analyse.
„Regionen, in denen Menschen sich von der Politik vergessen fühlen. Es ist Aufgabe aller demokratischen Parteien, diesem Eindruck entgegenzutreten und dafür zu sorgen, dass sich das ändert“, so Dröge und Haßelmann. (dts/red)
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Brasilien-Wahl: Lula gegen Flávio Bolsonaro – Stichwahl zeichnet sich ab

Schon bei der Wahl vor vier Jahren hießen die Kandidaten Lula und Bolsonaro – nun stehen die beiden Namen in Brasilien wieder auf dem Stimmzettel. Doch statt des derzeit unter Hausarrest stehenden Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro tritt diesmal sein ältester Sohn Flávio gegen den 80-jährigen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva an. „Ich kann ruhiger, lächelnder, gelassener und moderater sein“, sagte Flávio bei seiner Kür zum Präsidentschaftskandidaten über die Unterschiede zu seinem Vater. „Aber hier fließt das Blut Bolsonaros.“
Der 45-jährige Senator von der rechtsgerichteten Liberalen Partei (PL) steht für einen schlankeren Staat und ein härteres Vorgehen gegen Kriminalität – Lula von der linken Arbeiterpartei (PT) für die Fortsetzung seines Regierungskurses mit Sozialprogrammen, öffentlichen Investitionen und einer stärkeren Rolle des Staates. In den Umfragen liegen beide eng beieinander. Keiner erreicht dabei die absolute Mehrheit, die für einen Sieg im ersten Wahlgang erforderlich ist.

Stichwahl gilt als wahrscheinlich

Daneben treten zehn weitere Kandidaten an, die allerdings deutlich hinter den beiden Rivalen liegen – darunter die Gouverneure Ronaldo Caiado und Romeu Zema sowie der Psychiater und Autor Augusto Cury. Alles deutet darauf hin, dass Lula und Bolsonaro in einer Stichwahl erneut aufeinandertreffen. Rund 159 Millionen Brasilianer sind zur Wahl aufgerufen, die im größten Land Lateinamerikas verpflichtend ist.
Die angespannte Sicherheitslage mit häufigen Überfällen, der Präsenz von mächtigen Drogenbanden in den Favelas und weit verbreiteter geschlechtsspezifischer Gewalt prägt in vielen Regionen den Alltag. Bolsonaro setzt auf eine harte Linie: Er will unter anderem Hochsicherheitsgefängnisse nach dem Vorbild von El Salvador unter Präsident Nayib Bukele bauen, die Altersgrenze für Strafmündigkeit senken und die chemische Kastration von Sexualstraftätern ermöglichen.
Lula hingegen will vor allem den Finanzstrukturen krimineller Gruppen den Kampf ansagen. „Während die PT hier vielfach keine überzeugende Antwort vermittelt, kann Bolsonaro mit Aktionismus punkten“, schreibt das „Journal für Internationale Politik und Gesellschaft“ (IPG).

Korruption und Streit am Obersten Gericht

Auch die Korruption ist zu einem wichtigen Wahlkampfthema geworden. Im Zentrum steht der Skandal um den früheren Eigentümer des Geldhauses Banco Master, Daniel Vorcaro. Die Bundespolizei ermittelt wegen milliardenschwerer Finanzdelikte und Korruptionsvorwürfen. Auch gegen Flávio Bolsonaro wird wegen Zahlungen von Vorcaro für den Film „Dark Horse“ über Jair Bolsonaro ermittelt. Nach Angaben der Polizei sollen rund 61 Millionen Real (etwa 10 Millionen Euro) geflossen sein. Flávio bestreitet Unregelmäßigkeiten und spricht von privater Finanzierung.
Der Fall hat zugleich den Obersten Gerichtshof (STF) erfasst. Bekannt wurden Nachrichten Vorcaros an Richter Alexandre de Moraes sowie ein Vertrag über rund 131 Millionen Real (etwa 22 Millionen Euro) zwischen Banco Master und der Anwaltskanzlei von Moraes‘ Ehefrau. Moraes, der im Strafverfahren gegen Jair Bolsonaro eine zentrale Rolle spielte, weist Vorwürfe eines Fehlverhaltens zurück.
Innerhalb des STF entwickelte sich daraufhin ein offener Streit. Der von Jair Bolsonaro ernannte Richter André Mendonça war zeitweise Berichterstatter im Master-Verfahren und machte die Kontakte öffentlich. Moraes warf Mendonça vor, das Verfahren politisch zu instrumentalisieren. Der Fall löste eine breite Debatte über die Unabhängigkeit und Rolle des Obersten Gerichts aus.
Das Verhältnis der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas zu den USA ist ebenso Thema im Wahlkampf. US-Präsident Donald Trump hatte sich klar hinter Ex-Präsident Jair Bolsonaro gestellt und dessen Verurteilung wegen seiner Beteiligung an einem versuchten Staatsstreich zu mehr als 27 Jahren Haft scharf kritisiert. Bolsonaro bestreitet die Vorwürfe.
Zugleich hat Trumps Regierung politischen und wirtschaftlichen Druck auf Brasilien ausgeübt. Die USA verhängten zusätzliche Zölle auf brasilianische Waren.

Ermittlungen wegen US-Geldern

Nach Recherchen der britischen Zeitung „The Guardian“ sind eine Million Dollar aus einem Fonds des US-Außenministeriums für ein Programm vorgesehen, das Gruppen finanzieren soll, die dem brasilianischen Obersten Gericht eine Überschreitung seiner Befugnisse und Zensur vorwerfen. Ob das Geld bereits geflossen ist, ist unklar. Die brasilianische Generalanwaltschaft hat deshalb Polizei und Staatsanwaltschaft um Ermittlungen gebeten.
Die Regierung unter Lula warnt bereits seit einiger Zeit vor ausländischer Einflussnahme auf die Wahl. Brasiliens Geheimdienst Abin hatte Ende August laut der Nachrichtenagentur Agência Brasil auf das Risiko einer US-Einflussnahme und zunehmenden Druck auf Brasilien hingewiesen. Auch Flávio Bolsonaros Bruder Eduardo, der in den USA lebt, drängte wiederholt auf Sanktionen Washingtons gegen Richter des STF.
„Brasilien passt in keinen Hinterhof irgendeines Landes“, sagte Lula bei der UN-Generaldebatte in New York und verteidigte die Souveränität seines Landes.

Amazonas als Randthema

Anders als im Wahlkampf 2022 steht der Umwelt- und Amazonasschutz diesmal nicht im Fokus. Unter Lula gingen die Entwaldungsraten laut Daten des Weltraumforschungsinstituts Inpe zurück und die Umweltbehörden wurden gestärkt. Allerdings gab es auch unter seiner Regierung umstrittene Infrastrukturprojekte. Vom angestrebten Ziel, die Entwaldung bis 2030 zu stoppen, ist er weit entfernt.
Während der Amtszeit Bolsonaros nahmen Abholzungen und Brandrodungen stark zu. Experten erwarten, dass auch Flávio Bolsonaro im Fall eines Wahlsiegs Umweltauflagen lockern würde. Steffen Bauer vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (IDOS) bezeichnet die Wahl als „fundamentale Richtungsentscheidung“.
Im größten Land Lateinamerikas geht es am Sonntag deshalb nicht nur um die künftige Regierung. Angesichts der anhaltenden Polarisierung Brasiliens geht es bei der Wahl um Grundsatzfragen über Staat, Sicherheit, Justiz, den Umgang mit den USA und den Amazonas-Regenwald. (dpa/red)
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SED-Opferbeauftragte sieht Fortschritte bei Deutscher Einheit

Die SED-Opferbeauftragte des Bundestages, Evelyn Zupke, sieht auf dem Weg zur Deutschen Einheit Fortschritte – und als Beleg dafür auch den Umgang mit Betroffenen der Diktatur in der DDR. „Die Deutsche Einheit ist keine Ziellinie, die wir irgendwann überqueren – sondern ein Prozess“, sagte Zupke den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ anlässlich des 3. Oktober.
Einheit heiße aber auch nicht, dass man irgendwann identisch sein müsse. „Wir haben unterschiedliche Familiengeschichten, Lebenswege und Erfahrungen. Und das ist eine Bereicherung“, so die SED-Opferbeauftragte weiter.

Viele Betroffene leben im Westen

SED-Unrecht sei nicht nur in Ostdeutschland sichtbar. Viele Betroffene lebten in den westdeutschen Bundesländern – sie verkörperten geradezu die Deutsche Einheit. „Daher freue ich mich ganz besonders, dass wir seit 2025 mit dem bundesweiten Härtefallfonds endlich auch Menschen im Westen unterstützen können, die als Opfer der SED-Diktatur mit wenig Geld auskommen müssen. Für mich ist der bundesweite Härtefallfonds ein Stück weit gelebte Deutsche Einheit“, sagte Zupke.
Der Härtefallfonds kommt den Opfern der SED-Diktatur zugute, die rehabilitiert wurden, sich heute aber in einer wirtschaftlich bedürftigen Lage befinden. Seit dem 9. November 2025 wurde circa eine Million Euro an rund 300 Betroffene ausgeschüttet.

Rund 37.000 Menschen beziehen Opferrente

Zupke zufolge beziehen noch rund 37.000 Menschen die sogenannte Opferrente. Anspruch auf die monatliche Leistung haben jene, die in der DDR mehr als 90 Tage lang aus politischen Gründen inhaftiert waren. Zwischen 1945 und 1989 gab es demnach etwa 250.000 politische Häftlinge in den Haftanstalten und Jugendwerkhöfen, zudem weitere Opfergruppen wie Zwangsausgesiedelte und Menschen, die von den staatlichen Institutionen systematisch psychisch zersetzt wurden. (dts/red)
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Einheitsfeier in Bremen: Angriffe auf Polizei an der Sielwallkreuzung

Vor der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen hat es in der Nacht zu Samstag gewalttätige Vorfälle in der Hansestadt gegeben. Wie die Polizei am Samstagmorgen mitteilte, versammelte sich in der Nacht eine größere Personengruppe an der Sielwallkreuzung und attackierte Einsatzkräfte mit Pyrotechnik, Steinen und Flaschen.
Die Polizisten hätten Tatverdächtige festgenommen und die Kreuzung geräumt. Ein Polizist sei durch Pyrotechnik verletzt worden und müsse ärztlich behandelt werden.

Pyrotechnik bei Demonstration

Bereits am Freitagabend fand eine Versammlung unter dem Motto „Was ihr feiert: Sozialabbau, Militarisierung, Antifeminismus!“ statt. Gegen 18 Uhr starteten rund 700 Teilnehmer am Brill zu einem Aufzug durch die Neustadt. Unter dem Motto „Kein Frieden mit der Nation. Gegen Nationalismus, Militarisierung und Sozialabbau“ führte die Route über die Wilhelm-Kaisen-Brücke bis zur Kunsthalle. Während des Aufzuges wurden aus der Versammlung heraus pyrotechnische Gegenstände, darunter Bengalos und Böller, gezündet und geworfen. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde dadurch niemand verletzt.
Die Polizei Bremen zog dennoch am Samstagmorgen „eine positive Zwischenbilanz“. Zahlreiche Menschen hätten bereits am Freitag die Veranstaltungen und Angebote in der Bremer Innenstadt besucht. „Aus polizeilicher Sicht verliefen die Feierlichkeiten insgesamt friedlich und ohne größere Zwischenfälle“, hieß es. (dts/red)
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Weiter große Einkommensunterschiede zwischen Ost und West

36 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung bestehen zwischen Ost- und Westdeutschland weiter erhebliche Einkommensunterschiede. Wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstagausgaben) unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes berichteten, hatten im vergangenen Jahr Haushalte in den fünf neuen Bundesländern und Berlin im Durchschnitt 7247 Euro netto weniger zur Verfügung als im Westen (Ost: 42.259 Euro, West: 49.506 Euro).
Die Zahlen hatte den Zeitungen zufolge die Partei BSW bei der Statistik-Behörde erfragt. In ihnen sind den Angaben zufolge alle Einkommensarten aller Bürger inbegriffen, neben Lohneinkommen auch Pensionen oder Miet- und Kapitaleinkommen, die im Westen meist höher sind als im Osten. Abgezogen werden Steuern, Sozialbeiträge und regelmäßige Geldtransfers zwischen privaten Haushalten.

Lücke wächst seit Jahren

Die Kluft zwischen Ost und West bei den Einkommen wurde in den vergangenen Jahren den Daten zufolge größer. So hatten 2024 ostdeutsche Haushalte demnach 7080 Euro netto weniger zur Verfügung, 2023 lag die Lücke bei 6979 Euro.
„Dass die Einkommensunterschiede zwischen Ost und West wieder größer werden, ist ein Armutszeugnis für die Politik zum Einheitstag“, sagte BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht den Funke-Zeitungen. „Über 7000 Euro weniger Einkommen im Jahr für ostdeutsche Haushalte sind keine kleine Differenz, sondern eine bittere Bilanz nach 36 Jahren.“ Von einer Einheit der Lebensverhältnisse könne keine Rede sein.

Sachsen-Anhalt Schlusslicht, Bayern vorn

Nach den Daten lag das durchschnittliche verfügbare Haushalts-Nettoeinkommen im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt mit 38.284 Euro am niedrigsten, am unteren Ende der Skala folgt Sachsen mit 39.500 Euro. Auf dem drittletzten Platz liegt mit Bremen (39.955 Euro) allerdings schon ein westdeutsches Bundesland, noch hinter Mecklenburg-Vorpommern (40.818 Euro), Thüringen (42.959 Euro), Brandenburg (45.569 Euro) und Berlin (45.646 Euro).
Am besten schneidet Bayern mit 53.067 Euro durchschnittlichem Haushalts-Netto ab, gefolgt von Baden-Württemberg mit 51.923 Euro, Hessen (49.538 Euro), Rheinland-Pfalz (48.813 Euro) und Nordrhein-Westfalen (48.455 Euro). (afp/red)
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Mordfall Widdecombe: Auch Anschlag auf Farage geplant?

Der Angeklagte im Mordfall der britischen Brexit-Ikone Ann Widdecombe soll nun auch wegen eines Terrorplans gegen den Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage strafrechtlich verfolgt werden. Dem 28 Jahre alten Briten werden „Handlungen zur Vorbereitung terroristischer Anschläge“, unter anderem gegen den Vorsitzenden der Partei Reform UK, vorgeworfen, wie die britische Staatsanwaltschaft auf ihrer Webseite mitteilte. Er soll demnach am 7. Oktober in London vor Gericht erscheinen.
Laut dem für Terrorismusbekämpfung zuständigen leitenden Staatsanwalt, Frank Ferguson, liegen „ausreichende Beweise“ gegen den 28-Jährigen vor. Die Anklage bezieht sich nach Angaben der Anti-Terror-Polizei auf Handlungen, die zwischen dem 31. Mai 2024 und dem 8. Juli 2026 stattgefunden haben.
„Wir führen seit einiger Zeit eine äußerst intensive und komplexe Ermittlung durch“, sagte Deputy Assistant Commissioner Vicki Evans laut einer Mitteilung. Die nun bekanntgegebene Anklage sei „das Ergebnis der unermüdlichen Arbeit der Ermittler im gesamten Netzwerk der Terrorismusbekämpfung.“

Fall Widdecombe sorgte für Aufsehen

Die mutmaßliche Ermordung von Widdecombe hatte in Großbritannien enormes Aufsehen erregt. Die 78 Jahre alte frühere Abgeordnete und Brexit-Befürworterin war Anfang Juli in ihrem Haus im Dartmoor in der englischen Grafschaft Devon tot aufgefunden worden. Ihre Leiche wies schwere Verletzungen auf. Daraufhin wurde eine Mordermittlung eingeleitet.
Widdecombe war jahrelang Abgeordnete für die Konservativen im britischen Unterhaus und saß schließlich als überzeugte Befürworterin des EU-Austritts für Farages Brexit-Partei als Abgeordnete im Europäischen Parlament. Später war sie Sprecherin der Nachfolgepartei Reform UK.
Der Austritt Großbritanniens aus der EU ist bis heute umstritten. Erst kürzlich hatte Premier Andy Burnham eine mögliche Rückkehr seines Landes in die Union ins Spiel gebracht.

Innenministerin: Politikerangriff „ein Angriff auf uns alle“

Die britische Innenministerin Shabana Mahmood sprach dem Abgeordneten Farage ihr „tiefes Mitgefühl“ aus. Zugleich zeigte sie sich auf der Plattform X besorgt über die Sicherheit von Politikern. „Eines muss klar sein: Ein Angriff auf einen Politiker ist ein Angriff auf uns alle“, schrieb sie dort. Die Ministerin kündigte an, nach der Sitzungspause des Parlaments über Maßnahmen zur Stärkung des Schutzes derjenigen berichten zu wollen, die sich für ein öffentliches Amt entschieden hätten. (dpa/red)
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Smartphone-Sucht: Zwei Schweden lehren Impulskontrolle in technikfreien Retreats


In Kürze

  • Soziale Medien nutzen das Belohnungssystem des Gehirns aus – ähnlich wie Spielautomaten.
  • Meta und Google wurden in Los Angeles wegen süchtigmachender Designelemente verurteilt.
  • Ein schwedisches Projekt möchte Menschen die Kontrolle über Technik zurückzugeben.
  • Es geht um Wissen über das Gehirn, Veränderungen im Alltag und das Erleben von Gemeinschaft.

Das Smartphone ist heute ein fest integrierter Bestandteil unserer Gesellschaft. Wir nutzen es für alles Mögliche – vom Telefonieren über das Bezahlen im Geschäft bis hin zum Spielen und Scrollen in den sozialen Medien.
Es hat sich eine Kultur entwickelt, in der Menschen ohne Smartphone leicht ins Abseits geraten. Viele Funktionen des Smartphones erleichtern uns den Alltag – doch es gibt auch besorgniserregende Aspekte.
„In diesem Jahr wurden Meta und Google von einem Gericht in Los Angeles wegen süchtigmachender Designelemente verurteilt. Wer versteht, wie unser Gehirn funktioniert, hat auch die Macht, es auszunutzen“, sagt Kim Nehzaty.

„Lodlinjen“: Das Lot alter Handwerker

Kim Nehzaty und Molly Möller leiten gemeinsam das Projekt „Lodlinjen“. Beide haben eine Vorgeschichte in der Filmbranche. Kim Nehzaty hat als Kameramann und Produzent bei Projekten unterschiedlicher Größe gearbeitet. Molly Möller war in der Filmproduktion tätig und ist zudem ausgebildete Ernährungswissenschaftlerin.
„Wir haben uns in kreativen Milieus bewegt, hatten aber auch immer ein Interesse an Menschen: wie wir uns verhalten, wie es uns geht, welchen Einfluss Ernährung und Technik haben. Ein Grund, warum wir ‚Lodlinjen‘ gegründet haben, war, dass wir anderen Menschen näherkommen wollten“, sagt Möller.
„Lodlinjen“ ist ein Projekt, das darauf abzielt, Menschen dabei zu helfen, die Kontrolle über die Technik zurückzugewinnen. Der Name leitet sich vom Lot ab, dem historischen Werkzeug in Bauwesen und Handwerk. Dazu wird ein Gewicht an einer Schnur befestigt. Wenn die Schnur gehalten wird, entsteht eine vollkommen gerade vertikale Linie.
„Unser Ziel ist, Menschen zu helfen, sich selbst zu finden – sich selbst am Lot auszurichten – und ihren eigenen Balancepunkt im Leben zu entdecken. Viele haben das Gefühl, dass irgendetwas nicht ganz stimmt. Das Leben wird nicht so gelebt, wie man es sich wünscht, sondern eher ein bisschen schief“, erklärt Molly Möller. Und weiter:
„Wir haben viele Namen diskutiert, bevor wir uns für ‚Lodlinjen‘ entschieden haben. Der Name hat eine tiefere Bedeutung. Es geht darum, eine Richtung im Leben zu finden, zu verstehen, was für einen selbst nachhaltig und sinnvoll ist.“

Langeweile? Eine kleine Insel im Stockholmer Archipel.

Foto: BPHOTO/iStock

Die drei Säulen des Projekts

„Lodlinjen basiert auf drei Säulen: Wissen darüber, wie das Gehirn und digitales Design zusammenwirken, Veränderungen im Alltag, und Gemeinschaft mit anderen Teilnehmern“, erklärt Molly Möller.
Obwohl die Forschung auf Zusammenhänge zwischen langer Bildschirmzeit und Stress, Schlafproblemen und psychischen Problemen aufzeigt, ist es keineswegs selbstverständlich, dass man diese Parallele im eigenen Alltag zieht. Die Normalisierung erschwert es, das Problem zu erkennen.
Stattdessen zeigen sich die Auswirkungen oft auf andere Weise: das Gefühl, ständig gestresst zu sein, schlechter zu schlafen und ängstlicher zu sein oder einfach nur ein diffuses Gefühl, dass etwas nicht ganz stimmt. Man sucht die Probleme im Beruf, in der eigenen Lebenssituation, in persönlichen Mängeln oder einem Mangel an Disziplin. Doch die Antwort könnte einfacher und gleichzeitig komplizierter sein, meint Kim Nehzaty.

Aha-Erlebnis im technikfreien Raum

„Die Probleme müssen nicht unbedingt schwerwiegend sein, um das Leben zu beeinflussen. Im Rahmen unseres Projekts haben wir immer ein technikfreies Retreat. Für viele ist das ein Aha-Erlebnis: Sie erkennen, wie oft sie auf ihr Handy schauen. Es ist ein fester Bestandteil ihres Verhaltensmusters. Viele unserer Teilnehmer berichten, dass es ihnen viel besser geht, wenn sie ihr Handy nicht griffbereit haben. Das deutet darauf hin, dass hier vielleicht tatsächlich ein Problem vorliegt“, sagt Nehzaty.
Es sei leicht, ein schlechtes Gewissen zu bekommen und es auf mangelnde Selbstbeherrschung zu schieben, wenn man instinktiv das Handy in die Hand nimmt und durch die sozialen Medien scrollt. Doch Projektleiter Nehzaty erklärt, man sollte nicht zu hart mit sich selbst sein.
Ein wichtiger Grund dafür, dass es so schwer sei, sich von sozialen Medien zu lösen, sei die Tatsache, dass die Anwendungen mit dem Belohnungssystem des Gehirns interagieren.

Dopamin und soziale Medien

Laut Nehzaty und Möller basieren soziale Medien auf einem tiefgreifenden Verständnis davon, wie unser Gehirn funktioniert und wie wir auf Belohnungen reagieren.
Im Mittelpunkt steht Dopamin, ein Neurotransmitter, der eine zentrale Rolle für unsere Motivation und unsere Erwartung von Belohnungen spielt. Dopamin wird aktiviert, wenn wir etwas tun, das das Gehirn als positiv oder wichtig einstuft – zum Beispiel Essen, soziale Bestätigung oder das Entdecken neuer Dinge.

Das Dopaminsystem verstärkt Verhaltensweisen, die das Gehirn als sinnvoll oder belohnend wahrnimmt – wie den schnellen Upload eines Bildes vom Nordischen und dem Vasa-Museum in Stockholm.

Foto: diatrezor/iStock

Das System, das Dopamin freisetzt, ist für unser Überleben entscheidend, kann aber auch ausgenutzt werden – und genau das geschieht in den sozialen Medien.
Dieses System verstärkt Verhaltensweisen, die das Gehirn als sinnvoll oder belohnend wahrnimmt. Es ist nicht darauf ausgelegt, das größte Belohnungsgefühl zu vermitteln, wenn wir bereits etwas vollbracht haben; vielmehr wird Dopamin oft schon während unserer Erwartung einer Belohnung aktiviert, was uns dazu bringt, weiterhin danach zu suchen.
Soziale Medien basieren daher nicht auf einem gleichmäßigen Strom von Belohnungen, sondern auf Abwechslung. Die Feeds sind endlos und wechseln ständig. Manchmal taucht etwas sehr Fesselndes und Interessantes auf, etwas, das eine starke emotionale Reaktion oder soziale Bestätigung auslöst. Ein anderes Mal ist der Inhalt völlig uninteressant.

Spielautomaten und der Drang zum Scrollen

„Das basiert auf psychologischen Mechanismen, die denen von Spielautomaten ähneln, insbesondere auf variierenden Belohnungen. Du ziehst einmal, die Symbole flimmern vorbei und man gewinnt“, sagt Kim Nehzaty. Und weiter: „Beim nächsten Mal baut sich die Erwartung auf die gleiche Weise auf, aber du verlierst stattdessen. Dopamin wird ausgeschüttet, wenn das Gehirn nach der Belohnung sucht. Das Gleiche passiert, wenn du durch soziale Medien scrollst.“
Sobald das Gehirn dieses Verhalten verinnerlicht hat, verspürst du automatisch den Drang zu scrollen. Unbewusst greifst du zum Handy, um dir einen kurzen Moment der Belohnung zu gönnen. Die Belohnung ist stets griffbereit, was es schwierig macht, dieses Verhalten abzulegen.
Es entsteht eine Art Autopilot, der sich nur schwer umsteuern lässt, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Es ist nicht so, dass die Menschen schwach oder disziplinlos sind, erklärt Kim Nehzaty. Die Mechanismen sind so gestaltet, dass sie dich dazu bringen, zu bleiben.

Belohnung durch Dopamin – das ist per Smartphone einfach.

Foto: peeravit18/iStock

Die Schwierigkeit, sich zu etwas zu Motivieren

Ein Aspekt, der selten diskutiert wird, ist, dass das Dopaminsystem seine Grenzen hat. Man kann sich das so vorstellen, dass den Menschen jeden Tag eine bestimmte Menge Dopamin zur Verfügung steht.
Laut Kim Nehzaty wird das Belohnungssystem des Gehirns davon beeinflusst, wie viel Stimulation wir ausgesetzt sind. Das Signalsystem wird kontinuierlich reguliert und unter anderem durch Schlaf beeinflusst, der eine wichtige Rolle für die Erholung des Gehirns spielt. Ohne Dopamin verlieren wir sowohl die Motivation als auch das Gefühl von Sinnhaftigkeit.
„Ein Tipp, den man oft gibt, ist, das Smartphone eine Stunde vor dem Schlafengehen nicht zu benutzen. Ich würde dies gern erweitern, dass man das Smartphone auch eine Stunde nach dem Aufwachen nicht benutzt. Wenn du den Tag mit Scrollen beginnst, wird das deinen Dopaminspiegel für den Rest des Tages beeinflussen“, erklärt er.
Was auf den ersten Blick wie eine harmlose Kontrolle aussieht, kann dazu führen, dass man später am Tag Schwierigkeiten hat, sich für andere Aktivitäten zu motivieren. Es kann sowohl die Arbeit als auch das Studium und soziale Beziehungen beeinträchtigen.

Training der Impulskontrolle

„Es geht nicht darum, ganz auf Technik zu verzichten, sondern sich bewusst zu machen, wie sie uns beeinflusst. Im Gegensatz zu vielen anderen Aktivitäten hat das Scrollen kein natürliches Ende. Es ist ein System, das so gestaltet ist, dass es uns dazu bringt, weiterhin auf unsere Bildschirme zu schauen“, sagt Molly Möller.
Bei „Lodlinjen“ arbeitet man genau an dieser bewussten Entscheidung: dass das Smartphone ein praktisches Werkzeug ist – anstatt etwas, das Handlungen auslöst, die wir selbst nicht gewählt haben.
Es geht darum, die Teilnehmer zu schulen, innezuhalten und zwischen Impuls und Handlung zu reflektieren. Diese Fähigkeit sollte laut Nehzaty und Möller grundlegend sein in einer Umgebung, die darauf ausgelegt ist, uns zu schnellem Handeln zu veranlassen und in Handlungen festzuhalten, die nicht immer gut für uns sind.
Impulskontrolle ist eine Fähigkeit, die trainiert werden muss. Indem die Teilnehmer über ihre Impulse nachdenken, sobald diese auftreten, lernen sie, einen Abstand zwischen Impuls und Handlung zu schaffen. Wenn der Drang aufkommt, zum Handy zu greifen, halten sie inne, nehmen das Gefühl wahr und fragen sich, ob man das wirklich tun möchte. Oder ob es sich nur um ein automatisches Verhalten handelt.
Wie bei vielen anderen Übungen von „Lodlinjen“ geht es nicht nur darum, digitale Technik zu beherrschen, sondern auch um allgemeine Lebenskompetenz sowie um menschliche Antriebe und Verhaltensweisen.

Auf der Falsterbo Horse Show, einer der größten Sportveranstaltungen in Schweden.

Foto: LottaVess/iStock

Nachdenken bevor man handelt

Indem man übt, inne zu halten und nachzudenken, bevor man handelt, erlangt man schließlich eine Fähigkeit, die sowohl in stressigen Situationen als auch in Beziehungen und bei alltäglichen Entscheidungen nützlich ist. Man wird sich bewusst, warum man so handelt, wie man handelt.
Das Projekt soll den Teilnehmern auch helfen zu verstehen, was wir anderen signalisieren. Wenn das Handy mit dem Bildschirm nach oben auf dem Tisch liegt, zeigt das, dass man jederzeit bereit ist, das Gespräch zu unterbrechen, um mit jemand anderem zu sprechen.
„Du signalisierst, dass das Gespräch für dich nicht so wichtig ist. Die Botschaft ändert sich, wenn du das Handy mit dem Bildschirm nach unten legst. Doch wenn du wirklich zeigen möchtest, dass die andere Person bedeutend ist, solltest du dein Handy am besten ganz weglegen“, sagt Molly Möller.

„Tödliche Langeweile“ führt zu physischen Reaktionen

Manchmal wird gesagt, dass es wichtig ist, sich zu langweilen. Es gibt Studien, die darauf hindeuten, dass Langeweile die Kreativität steigert und das Gehirn anregen kann, neue Ideen zu entwickeln. Das kann Kinder umfassen, die sich Spiele ausdenken bis hin zu Erwachsenen, die einrichten, im Garten arbeiten oder an kreativen Aktivitäten teilnehmen.
Kim Nehzaty und Molly Möller untersuchen auch den Begriff „Terminal Boredom“ („Tödliche Langeweile“). Dieser Begriff, der an Bedeutung gewonnen hat, beschreibt eher ein Gefühl von permanenter Leere, Unruhe und Orientierungslosigkeit als den vorübergehenden Zustand, den wir üblicherweise mit Langeweile verbinden.

Ein typisches schwedisches, rotes Holzhaus in Småland – doch nahezu jeder Moment der Stille wird durch äußere Reize ersetzt, durch einen Strom von Inhalten, der unsere Aufmerksamkeit fordert.

Foto: TT/iStock

Während gewöhnliche Langeweile vorübergehend ist, ist „Terminal Boredom“ anhaltend. Gefühle von Lustlosigkeit und Apathie erzeugen eine so starke Langeweile, dass sie physisch spürbar wird.
„Für manche Menschen kann das Fehlen eines Bildschirms zu rein körperlichen Reaktionen führen. Sie werden unruhig und ängstlich. Das Phänomen hängt eng damit zusammen, wie sehr wir an ständige Stimulation gewöhnt sind. Wir haben das Problem gelöst, dass wir uns nicht langweilen müssen, aber die Lösung hat ihren Preis“, sagt Kim Nehzaty.

Überstimuliert: Gehirn braucht kleine Pausen

Nehzaty spricht davon, dass das Gehirn ein eingebautes, automatisches System zur Verarbeitung von Eindrücken hat. In den kleinen Pausen des Lebens – wenn wir auf der Toilette sitzen, auf den Bus warten oder in der Schlange stehen – nutzt das Gehirn die Gelegenheit, Denkprozesse in Gang zu setzen. Durch diese manchmal scheinbar unnötigen Gedanken verarbeiten wir Erinnerungen, Gefühle und Erlebnisse. Wir formen unser eigenes Verständnis von uns selbst und der Welt. Nehzaty sagt:
„Das müssen wir nicht lernen. Das Gehirn erledigt das automatisch, wenn es die Gelegenheit dazu hat.“
Doch im heutigen Alltag hat es selten die Möglichkeit dazu. Die kleinen Pausen, die früher von diesen inneren Prozessen gefüllt wurden, werden nun oft vom Handy eingenommen. Jeder Moment der Stille wird durch äußere Reize ersetzt, durch einen Strom von Inhalten, der unsere Aufmerksamkeit fordert. Die Folge ist, dass die eigene Verarbeitung im Gehirn unterbrochen wird, bevor sie sich entwickeln oder vertiefen kann.
„Die Reize, denen wir heute ausgesetzt sind, liegen weit über dem Niveau von vor nur 15 Jahren. Und das ist kein Einzelfall – soziale Medien und Smartphones sind zu einem selbstverständlichen Teil der Gesellschaft geworden. Wenn all dies zur Norm wird, wird es schwieriger, das Problem zu erkennen. Du bist nicht kaputt. Du bist überstimuliert“, sagt Kim Nehzaty.
 
Der Artikel erschien im Original in der schwedische Ausgabe der Epoch Times unter dem Titel „Kampen om vår uppmärksamhet“. (deutsche Bearbeitung: ks)
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Windräder verschieben Niederschläge: Ab 2050 weniger Regen an der Küste?


In Kürze:

  • Laut dem Helmholtz-Zentrum Hereon beeinflussen Windräder in Nord- und Ostsee die Niederschlagsverteilung.
  • Die Forscher sahen in Simulationen mehr Niederschlag über Windparks, an Küstenregionen hingegen weniger.
  • Für ein deutlicheres Ergebnis wurde ein extremes Ausbauszenario von 600 GW bis 2050 gewählt.
  • Die Studie begrenzte sich auf Windgeschwindigkeiten, Luftdurchmischungen und Niederschlagshäufigkeit. Andere Auswirkungen bleiben unberücksichtigt.

 
Der Zweck von Windkraftanlagen ist die Bereitstellung von Strom ohne direkte Emissionen. So sollen sie den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren und einen positiven Beitrag für die Umwelt und das Klima leisten. Ohne Folgen für die Umwelt ist ihr Einsatz aber ebenfalls nicht.
Laut einer Studie des Helmholtz-Zentrums Hereon könnten Windräder, vor allem, wenn es noch mehr werden, in der Zukunft auch die regionale Niederschlagsverteilung beeinflussen, wenn ein weitreichender Ausbau stattfindet.

Können Offshore-Windparks Regen aufhalten?

Um die konkreten Ergebnisse vorwegzunehmen: Die Forscher des Hereon-Instituts für Küstensysteme kamen zu dem Schluss, dass ein massiver Ausbau von Offshore-Windparks in einigen Jahren zu einer Zunahme der Niederschläge über den Offshore-Windparkgebieten führen könnte. Gleichzeitig hätte dies zur Folge, dass in angrenzenden Küstenregionen die Niederschläge abnehmen würden.
Das Institut erklärt, dass dabei die Windräder dem Wind einen Teil seiner Bewegungsenergie entziehen und gleichzeitig Luftwirbel erzeugen würden. Ein großflächiger Ausbau von Offshore-Windparks könne die Windgeschwindigkeiten an der Oberfläche um bis zu 11 km/h verringern. Hinter den Anlagen käme es zu einem verstärkten Austausch zwischen Luftschichten. Feuchte Luft könne dadurch aufsteigen, abkühlen und kondensieren. Die Folge seien Wolkenbildung und Niederschläge über den Windparks.
Gleichzeitig verändere sich der Transport von Feuchtigkeit in Richtung Küste. Wenn Luftmassen über den Windparkgebieten verstärkt Niederschlag abgeben würden, stünde in den Küstenregionen weniger zur Verfügung.
Für Teile Dänemarks, Deutschlands, der Niederlande und Großbritanniens ergeben die Simulationen ab 2050 Rückgänge der Niederschläge an den Küstenregionen von 10 bis über 15 Prozent. Das werde besonders bei Südwestwind deutlich. In den Jahren 2023 (damaliger Bestand) und 2030 sollen die Niederschlagseffekte laut Hereon noch gering (gewesen) sein und sich vor allem nur über See abspielen.
Dieser Effekt könnte ein Problem für Landwirte darstellen. Sie sind auf Regen angewiesen, um gute Ernteerträge ihrer Feldfrüchte zu erzielen. Weniger Regen an den norddeutschen Küsten würde für hiesige Landwirte noch schwierigere Bedingungen darstellen als ohnehin schon durch Dürreperioden in den Sommermonaten.

Extremes Ausbauszenario gewählt

Grundlage für die Studie waren laut dem Institut Wetterdaten aus den Jahren 2008 bis 2017. Durch die Betrachtung eines Jahrzehnts ließen sich Mittelwerte zu den Wetterlagen bestimmen, so die Erklärung. Zudem reduziere dies Schwankungen einzelner Jahre. Ebenso berücksichtige die Studie die Verwendung verschiedener Turbinengrößen an den Windkraftanlagen – ein Ansatz, der bisher noch nicht verfolgt worden sei.
Die Forscher übertrugen die Wetterdaten auf Simulationen von verschiedenen künftigen Ausbauszenarien der Offshore-Windenergie in Nord- und Ostsee. Maßgeblich sei jedoch ein Szenario gewesen, das über die aktuellen Ausbauziele der Europäischen Union hinausgeht. Hierbei gingen die Forscher davon aus, dass sämtliche, für Offshore-Windenergienutzung ausgewiesene Flächen in Nord- und Ostsee maximal mit Windparks bebaut würden.
Dadurch ergäbe sich eine installierte Leistung von rund 600 Gigawatt (GW), die deutlich über den diskutierten Ausbauzielen von bis zu 300 GW bis 2050 liegen. Ob selbst diese Ziele erreicht werden, ist jedoch fraglich. Aktuell stehen mehrere Windkraft-Projekte vor den deutschen Nord- und Ostseeküsten wegen gestiegener Kosten und schwierigerer wirtschaftlicher Lage auf der Kippe.
Dennoch hätten die Forscher dieses Extremszenario gewählt, um Klimaeffekte deutlich sichtbar zu machen und deren Größenordnung abzuschätzen. Zudem berücksichtigten sie unter anderem auch die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Windgeschwindigkeit, Luftdurchmischung und Feuchtigkeitstransport. Ziel war es, die atmosphärischen Prozesse besser zu verstehen, die durch große Offshore-Windparkflächen ausgelöst werden könnten. Hierbei ist zu erwähnen, dass im 300-GW-Szenario künftig kaum Küsteneffekte erwartet werden.
„Unsere Arbeit trägt dazu bei, den weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie in Europa mit den Anforderungen des Klima-, Umwelt- und Küstenschutzes in Einklang bringen zu können“, sagte Dr. Naveed Akhtar, Erstautor der Studie.

Was die Studie nicht untersucht

Hereon hat lediglich die bodennahen Windgeschwindigkeiten, Luftdurchmischungen und Anzahl der Niederschläge nach den Wetterdaten im genannten Zeitraum simuliert. Die Studie begrenzt sich zudem auf ein regionales Klimamodell, genannt COSMO-CLM.
In der vorliegenden Studie haben die Forscher auch den Einfluss von Meeresströmungen außen vor gelassen. Das hat dasselbe Institut zuvor in einer anderen Studie untersucht. Demnach beeinflussen Windparks in der Nordsee auch die Strömungen der Gezeiten.
Die Studie hat zudem weitere menschliche Entwicklungen und mögliche Klimaeinflüsse wie die Schifffahrt oder den Flugverkehr auf und über der Nordsee nicht berücksichtigt. Auch diese könnten bei starker Expansion künftig für mehr Emissionen sorgen und das lokale Klima beeinflussen.

EU plant 60 GW bis 2030

Mit dem Ausbau der Windkraft erhofft sich die EU-Kommission, die Dekarbonisierung der Energieversorgung weiter voranzubringen. Ziel ist es in diesem Zuge die Erwärmung der Erdatmosphäre zu begrenzen.
Besonders in den vergangenen Jahren hat Europa bei der Nutzung der Windenergie erhebliche Fortschritte erzielt. Inzwischen beträgt die installierte Onshore-Kapazität, also der Windkraftanlagen an Land, mit Stand 1. September 2026 rund 270,5 GW. Offshore sind es 40,9 GW, wovon 23,2 GW auf die 27 EU-Staaten entfallen.
Bis 2030 strebt die EU eine installierte Gesamt-Windkraftkapazität von 425 GW an. Dazu ist vorgesehen, die Offshore-Windkapazität bis 2030 auf 60 GW zu erhöhen – dem 2,6-Fachen der aktuellen Kapazität. Bis 2050 sollen es schließlich 300 GW allein in der Nordsee sein.
Die Studienautoren beschreiben die Nordsee entsprechend als „wichtigen Knotenpunkt für die Offshore-Windenergie“. Dies begründen sie mit den dort – noch – vergleichsweise starken und weitestgehend beständigen Windverhältnissen.

Weitere Untersuchungen geplant

Die Forscher sind davon überzeugt, dass die Studienergebnisse die maritime Raumplanung unterstützen und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Nord- und Ostseeregion stärken können. Frühere Hereon-Studien hätten bereits gezeigt, dass unter anderem Größe, Anordnung und Abstand von Windkraftanlagen einen wichtigen Einfluss auf atmosphärische Effekte haben können.
Künftig plant das Institut die Ausbauszenarien und deren mögliche Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima weiter zu untersuchen. Dazu zählt auch zu analysieren, wie Turbinendichte, Parkgröße und räumliche Verteilung das regionale Klima beeinflussen. Darüber hinaus möchten die Forscher die Auswirkungen auf Ozean und Ökosysteme weiter untersuchen.
Die Studie erschien am 12. August 2026 im Nature-Fachjournal „Communications Earth & Environment“.
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Kopilot von FlyDubai-Anschlag identifiziert

Nachdem der Kopilot eines Flydubai-Fluges in der vergangenen Woche versucht haben soll, das Flugzeug auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv zum Absturz zu bringen, sind weitere Details zu dem Vorfall bekannt geworden. Nach Angaben des US-Senders CBS News wurde der Kopilot inzwischen namentlich identifiziert. Es soll sich um einen ehemaligen Mitarbeiter von Oman Air und einen omanischen Staatsbürger handeln, der allerdings den Großteil seines Lebens außerhalb des Landes verbracht habe. Seine Mutter sei Syrerin, sein Vater Omaner.
Während seiner Zeit bei Oman Air soll der Mann radikale Websites besucht haben. Dies habe nach den vorliegenden Berichten zu seiner Versetzung an einen Büroarbeitsplatz geführt. 2024 verließ er die Airline und wurde später von Flydubai eingestellt. Dabei soll es offenbar keine Überprüfung durch die omanischen Behörden gegeben haben.

Angriff mit einer Notaxt im Cockpit

Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft der Vereinigten Arabischen Emirate plante der Kopilot einen „Terrorakt“. Während des Fluges am Mittwoch soll er den Flugkapitän im Cockpit mit der dort vorhandenen Notaxt angegriffen und dabei schwer verletzt haben. In einigen früheren Berichten war hingegen von einem Messer als Tatwaffe die Rede.
Dem Kapitän gelang es offenbar, den Angriff abzuwehren und die Cockpittür zu entriegeln. Anschließend überwältigten Passagiere den Kopiloten. Zwei außer Dienst befindliche Piloten übernahmen daraufhin die Kontrolle über die Maschine und landeten sie notfallmäßig in Tabuk, Saudi-Arabien. An Bord befanden sich mehr als 170 Menschen.

Ermittlungen zu möglicher Radikalisierung

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, der Kopilot sei islamistisch radikalisiert worden und habe beabsichtigt, das Flugzeug mit den Passagieren zum Absturz zu bringen. Die Ermittlungen sollen unter anderem klären, ob der Mann im Auftrag anderer Personen oder einer Organisation gehandelt hat.
Der Kopilot wurde inzwischen in die Vereinigten Arabischen Emirate überstellt. Dort wird er nach den vorliegenden Angaben von israelischen, saudischen und emiratischen Behörden befragt. Die Ermittlungen zu den Hintergründen und dem möglichen Motiv dauern an. (dts/red)
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03.10.2026 | Oktoberfest zieht Millionen Besucher an | Städtebund will Wohnungsnot auf dem Land lösen | Staatsbürgerschaft für Investoren

HEUTE8:04 Uhr

Städtebund will Wohnungsnot auf dem Land lösen

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund fordert von Bund und Ländern noch 2026 ein Gesamtkonzept, um ländliche Gebiete attraktiver zu machen. Dort stehen 1,9 Millionen Wohnungen leer, während in den Ballungsräumen Wohnraum fehlt und die Mieten steigen.

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HEUTE7:04 Uhr

Lettland wählt neues Parlament

In Lettland wird am Samstag ein neues Parlament gewählt. Trotz Zugewinnen für Protestparteien dürfte der proeuropäische Kurs des Staates bestätigt werden. In Umfragen führt die Mitte-rechts-Partei Vereinte Liste von Ministerpräsident Andris Kulbergs.

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HEUTE6:44 Uhr

Nordkorea testet erneut ballistische Rakete

Nordkorea hat erneut ein Geschoss in Richtung Japanisches Meer abgefeuert. Südkorea, Japan und das US-Militär gehen von einer ballistischen Rakete aus. Japan zufolge stürzte sie vermutlich außerhalb seiner Wirtschaftszone ins Meer. UN-Resolutionen verbieten Nordkorea solche Tests.

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HEUTE6:30 Uhr

Argentinien bietet Ausländern im Gegenzug für Investitionen Staatsbürgerschaft an

Argentinien will ab Ende des Jahres die Staatsbürgerschaft an Ausländer vergeben, die mindestens 350.000 Dollar investieren. Alternativ ist ein staatliches Wertpapier über 800.000 Dollar möglich. Die Regierung will damit Investitionen anlocken und die Staatsfinanzen stärken.

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HEUTE6:10 Uhr

Oktoberfest zieht Millionen Besucher an

Das Münchner Oktoberfest bleibt ein Publikumsmagnet: Bis Mittwoch kamen 5,2 Millionen Menschen – rund 700.000 mehr als im Vorjahr. Gutes Wetter und mehr internationale Gäste treiben den Besucherandrang. Bei anhaltend gutem Wetter könnte die Wiesn die Sieben-Millionen-Marke erreichen. Der Rekord liegt bei 7,2 Millionen Gästen aus dem Jahr 2023.

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HEUTE6:00 Uhr

Pazifikstaaten machen vor Klimagipfel Druck

Einen Monat vor dem Klimagipfel COP31 in der Türkei beraten ab Montag Unterhändler aus aller Welt auf den Fidschi-Inseln. Die Pazifikstaaten sind vom steigenden Meeresspiegel besonders bedroht und fordern das 1,5-Grad-Ziel und mehr Klimafinanzierung.
 
Mit Material der Nachrichtenagenturen

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Datenleak: Handynummer und Adresse von BND-Vize Baehr jahrelang offen im Netz

Sensible Daten des Vize-Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND), Dag Baehr, waren nach Medienberichten seit Jahren offen im Internet verfügbar. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ und der WDR am Freitag berichteten, waren dabei eine Handynummer, eine private E-Mail-Adresse und die Wohnanschrift des BND-Vizes frei verfügbar. Hintergrund sei ein Datenleak bei einem Onlineauktionshaus in den USA, das im Jahr 2020 von Hackern angegriffen worden war.
Dag Baehr ist Generalmajor der Bundeswehr und seit 2023 einer von drei Vize-Präsidenten des BND. Er ist zuständig für die strategische Militäraufklärung im Ausland.

Baehr räumt Fehler ein

Der BND-Vizepräsident habe die Handynummer noch bis vor wenigen Tagen genutzt, berichteten SZ und WDR. Baehr teilte demnach mit, er habe die Nummer aus „familiären Gründen“ privat weiter benutzt. Dies sei ein Fehler gewesen, den er inzwischen korrigiert habe.
Der BND wollte sich dem Bericht zufolge auf Nachfrage nicht zu dem Sachverhalt äußern. Ein Sprecher des Bundeskanzleramtes, das die Fachaufsicht über den BND ausübt, teilte den Angaben zufolge mit, Hinweise auf Datenleaks, von denen Mitarbeiter von Sicherheitsbehörden betroffen seien, würden „sehr ernst genommen“. Dies betreffe „sowohl die Bewertung sicherheitlicher Risiken als auch die Beratung der Betroffenen“.

Experten warnen vor Ausspähung

Experten verwiesen auf ein Sicherheitsrisiko, weil potentielle Angreifer mit Hilfe privater Handynummern und E-Mail-Adressen Personen ausspähen könnten. „Mit solchen Daten kann ein Angreifer eine ganze Menge machen“, sagte der Geheimdienstexperte Christopher Nehring laut SZ und WDR. Feindliche Geheimdienste könnten beispielsweise die Daten dazu nutzen, ein Profil über eine Zielperson zu erstellen, mit Vorlieben, Aufenthaltsorten, Hobbys. Kontaktdaten könnten auch genutzt werden, „um damit Personen aus dem privaten oder beruflichen Umfeld der Zielperson anzugehen“. (afp/red)
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Spandau: Wahlkreisergebnis geändert – AfD holt Direktmandat statt CDU

Nach der Neuauszählung eines Wahlergebnisses in Berlin-Spandau gibt es im Berliner Landesparlament voraussichtlich fünf Abgeordnete weniger als bisher erwartet. Das teilte Landeswahlleiter Stephan Bröchler auf dpa-Anfrage mit. „Nach dem jetzigen Stand wird das Parlament 153 Sitze haben. In der Wahlnacht sind wir noch von 158 ausgegangen“, sagte er. Jeweils einen Sitz weniger gebe es für CDU, SPD und Grüne. Bei der Linken seien es zwei Sitze. Zuvor hatten mehrere Berliner Medien über das Thema berichtet.
Den Ausschlag gab die Nachzählung des Ergebnisses im Wahlkreis Spandau 1. Dort stellte sich heraus, dass der AfD-Kandidat Tommy Tabor die meisten Stimmen und damit das Direktmandat erreicht hat, nicht die CDU-Kandidatin Bettina Meißner, wie Bröchler erläuterte.
Anlass der Nachzählung war nach seinen Angaben, dass die per Telefon übermittelte Schnellmeldung des Ergebnisses nicht mit dem in der Niederschrift des Wahlvorstands übereinstimmte. Dort sei die korrekte Zahl festgehalten worden, nach der Tabor vorn liegt und nicht Meißner. Zu den Gründen für die falsche telefonische Übermittlung könne er nichts sagen.

CDU-Kandidatin kommt nicht ins Landesparlament

Meißner zieht auch nicht über die Bezirksliste ins Abgeordnetenhaus ein und ist damit im neuen Parlament nicht vertreten, wie ein Sprecher der CDU-Fraktion auf Anfrage sagte.
Bei den vier weiteren Sitzen, die aufgrund der entfallenden Ausgleichsmandate ebenfalls wegfallen, handelt es sich laut Landeswahlleiter um diejenigen von Martin Matz (SPD), Oda Hassepaß (Grüne), Coco Aglibut und Bettina Günter (beide Linke). Die endgültige Feststellung obliege den zuständigen Wahlorganen, zuletzt dem Landeswahlausschuss in seiner für den 12. Oktober geplanten Sitzung, hieß es.
Für die bisher rechnerisch denkbaren Koalitionsmöglichkeiten hat die veränderte Sitzzahl grundsätzlich keine Auswirkungen: Die Linke käme nach der neuen Berechnung auf 45, die CDU auf 33, die Grünen auf 25 und die SPD auf 21 Sitze. Die Mehrheit im Landesparlament ist bei einer Gesamtzahl von 153 Sitzen bei 77 erreicht. Die Zahl der AfD-Abgeordneten bleibt unverändert bei 29. Eine Dreierkoalition aus CDU, Grünen und SPD hätte derzeit eine knappe Mehrheit von zwei Stimmen, Rot-Grün-Rot eine von 14 Stimmen.

Warum plötzlich fünf Abgeordnete ihre Mandate verlieren

Wie hängt das alles mit der Nachzählung in Spandau zusammen? Weil die betreffende CDU-Kandidatin dort kein Direktmandat bekommen habe, falle ein Überhangmandat weg, sagte Bröchler. Damit müsse auch die Zahl der Ausgleichsmandate neu berechnet werden.
Vor der Neuauszählung standen der CDU im Abgeordnetenhaus 34 Sitze zu, darunter 6 Überhangmandate. Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei über die Erststimme mehr Direktmandate gewinnt, als ihr nach dem Anteil der Zweitstimmen eigentlich zustehen.
Um das über die Zweitstimmen festgestellte Kräfteverhältnis im Parlament zu wahren, wurden diese Überhangmandate über Ausgleichsmandate für die anderen Parteien aufgewogen. Die nach der Wahl errechneten 21 Ausgleichsmandate für ganz Berlin verteilten sich auf SPD (4), Grüne (4), Linke (8) und AfD (5).
Da nach der Neuauszählung in Spandau ein CDU-Direktmandat entfällt und der Partei eines der Überhangmandate verloren geht, stehen der CDU also statt 34 nur noch 33 Sitze zu. Auf dieser Grundlage wird berechnet: Insgesamt wird es nur noch 153 statt der 158 Sitze im Abgeordnetenhaus geben. Das heißt: Auch vier Ausgleichsmandate für die anderen Parteien entfallen.
Das Ergebnis der Nachzählung in dem Wahlkreis in Spandau sieht Bröchler grundsätzlich nicht kritisch: „Wir haben kein Wahlchaos in Berlin“, betonte er. „Momentan wird ein geordneter Kontrollprozess durchgeführt.“ Und genau das sei in Spandau zum Tragen gekommen. (dpa/red)
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Spitzenpolitik und Trubel: Einheitsfest in Bremen startet

Zahlreiche hochrangige Politiker werden den Tag der Deutschen Einheit in Bremen feiern. Neben dem Bundespräsidenten, der Bundestagspräsidentin und dem Bundeskanzler haben sich Minister und Ministerpräsidenten angekündigt.
Sie feiern mit zahlreichen weiteren geladenen Gästen einen ökumenischen Festgottesdienst im Bremer Dom. Anschließend besuchen sie den offiziellen Festakt im Konzerthaus „Die Glocke“, den die Schauspielerin Katja Riemann moderiert. Da Bremen derzeit die Präsidentschaft im Bundesrat innehat, ist das zentrale Fest in der Hansestadt. Die Feierlichkeiten stehen unter dem Motto „Viele Stärken – Ein Land“.

Fest mit rund 800 Veranstaltungen und bekannten Bands

Bis Sonntag wird der Feiertag mit einem großen Bürgerfest gefeiert, zu dem mehr als 400.000 Menschen erwartet werden. In der Innenstadt und am Weser-Ufer sind zahlreiche Stände und Bühnen aufgebaut. Im Rahmen des Festes sind insgesamt rund 800 Veranstaltungen geplant – neben kostenlosen Konzerten auch Diskussionen, Führungen und Ausstellungen. Fahrten mit Bussen und Bahnen im Stadtgebiet und Umland sind am Wochenende umsonst.
Auf dem Festgelände zeigen viele Organisationen und Institutionen ihre Arbeit – darunter die Verfassungsorgane Bundesrat, Bundestag, Bundesregierung und Bundesverfassungsgericht. Auf der „Ländermeile“ auf dem Osterdeich präsentieren sich 15 Bundesländer. Der Zwei-Städte-Staat zeigt sich als Ausrichter der Feierlichkeiten auf mehreren Flächen in der Innenstadt. Dabei geht es um Raumfahrt und Mobilität, um Wissenschaft und Innovationen, um Bremen und Bremerhaven, wie die Veranstalter mitteilten.

Polizei setzt viele Beamte ein und baut Absperrungen auf

Am Samstagabend treten die Fantastischen Vier, Flo Mega und MiA auf. Aus Sicherheitsgründen wurden für den Auftritt der Fantastischen Vier Null-Euro-Tickets vergeben. Im Rahmen der Feierlichkeiten können Besucher am Sonntag etwa den Sänger Kamrad und die Band Versengold live erleben.
Um für Sicherheit zu sorgen, sind zahlreiche Polizisten und Polizisten aus verschiedenen Bundesländern in der Stadt unterwegs. Auch die Bundespolizei ist im Einsatz – etwa an Bahnhöfen und am Flughafen Bremen. Viele Plätze und Straßen sind mit mobilen Durchfahrtssperren abgesichert, einige Bereiche werden mit Kameras überwacht. (dpa/red)
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Starbucks wegen neuer Filialen in Xinjiang unter Druck

Die US-Kaffeekette Starbucks gerät wegen ihrer ersten Filialen in der chinesischen Region Xinjiang politisch unter Druck. Der Vorsitzende des China-Sonderausschusses im US-Repräsentantenhaus, John Moolenaar, forderte das Unternehmen auf, die Geschäfte angesichts der Unterdrückung der Uiguren wieder zu schließen. Der Republikaner bezeichnete die Eröffnung als „schockierend und moralisch bankrott“.
„Starbucks sollte unverzüglich den Kurs ändern und seine Filialen in Xinjiang schließen“, erklärte Moolenaar in einer Stellungnahme. Mit jedem dort verkauften Becher werde eine bekannte amerikanische Marke mit dem brutalen Vorgehen der Kommunistischen Partei gegen die Uiguren verknüpft.
Starbucks hatte am Dienstag zwei Cafés in der Regionalhauptstadt Urumqi eröffnet: eines am Großen Basar und ein weiteres am internationalen Flughafen.

Kritik an Menschenrechtslage

In Xinjiang leben viele Angehörige der überwiegend muslimischen Minderheit der Uiguren. Menschenrechtsorganisationen werfen der chinesischen Regierung vor, diese Minderheit zu unterdrücken. Peking weist die Vorwürfe zurück.
Starbucks hatte erst im Frühjahr 60 Prozent seines Filialgeschäfts in China an den chinesischen Finanzinvestor Boyu Capital verkauft. Die übrigen 40 Prozent gehören weiter Starbucks.
Unternehmen geraten im Streit um Xinjiang immer wieder von beiden Seiten unter Druck. Volkswagen stand wegen seines dortigen Werks jahrelang in der Kritik. Ende 2024 wurde der gemeinsam mit SAIC betriebene Standort verkauft. Umgekehrt wurden H&M und Adidas 2021 in China zum Ziel von Boykottaufrufen, nachdem sie Bedenken wegen möglicher Zwangsarbeit in Xinjiang geäußert hatten. (dpa/red)
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Streit um Buchhandlungspreis: Weimer präsentiert Chronologie

Nach neuen Fragen zum Ausschluss dreier Buchläden vom Deutschen Buchhandlungspreis gibt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer erstmals Einblicke in die Abläufe bei der Entscheidung. Ein Sprecher wies damit den Vorwurf zurück, Weimer habe sich über Empfehlungen seines Hauses hinweggesetzt. Dies entbehre jeder Grundlage, hieß es.
Es geht um Weimers Entscheidung, die drei linken Buchläden wegen „verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse“ von der Liste der Geschäfte streichen lassen, die eine Jury für den Deutschen Buchhandlungspreis empfohlen hatte. Der Fall löste bereits im März heftige Kritik aus. Öffentlich wurde nie bekannt, was gegen die Läden vorliegt.
Eine neue Debatte begann nun nach einem Bericht von „t-online“. Das Nachrichtenportal hatte aus Unterlagen zitiert, wonach Weimers zuständige Fachabteilung ausdrücklich empfohlen hatte, dem Votum der unabhängigen Jury zu folgen und alle vorgeschlagenen Buchhandlungen auszuzeichnen. Grüne und Linke im Kulturausschuss des Bundestags sahen dadurch neue Fragen aufgeworfen und forderten von Weimer Aufklärung. Daraufhin veröffentlichte ein Sprecher Weimers nun eine Chronologie.

Weimer: Fachebene schaltete Verfassungsschutz ein

Dieser Darstellung zufolge hatte es in einer Leitungsvorlage vom 10. Oktober 2025 tatsächlich eine Empfehlung des Fachreferats gegeben, dem Juryvotum zu folgen. Doch dazu erklärte der Sprecher: „Diese Vorlage erreichte Staatsminister Dr. Wolfram Weimer nicht.“ Vielmehr hätten sich „bereits kurz darauf auf der BKM-Fachebene Hinweise aus öffentlich zugänglichen Quellen ergeben“. Diese hätten Ende Oktober 2025 zu einem Haber-Verfahren – also einer Abfrage beim Verfassungsschutz – zu zwei Buchhandlungen geführt.
„In der zweiten Novemberhälfte informierte das Bundesamt für Verfassungsschutz das zuständige BKM-Referat, dass in beiden Fällen „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse“ vorlägen, die auf mündliche Nachfrage erläutert wurden“, erklärte Weimers Sprecher weiter. Diese mündliche Erläuterung auf Nachfrage war bisher so nicht bekannt. In einem Interview der „Zeit“ hatte Weimer im März gesagt, was gegen die Läden vorliege, „das darf uns der Verfassungsschutz nicht im Detail sagen“.

„Er folgte dem Votum“

Laut Weimers Sprecher wurde der Staatsminister Anfang Dezember 2025 von dem Haber-Verfahren informiert. „Er folgte dann dem ihm vorgelegten Votum, den Preis nicht an die beiden Buchhandlungen zu vergeben“, hieß es weiter. Buchhandlung Nummer drei wurde den Angaben zufolge „aufgrund weiterer öffentlich zugänglicher Hinweise“ im Januar in einem weiteren Haber-Verfahren überprüft. „Nach entsprechender Rückmeldung des Bundesamts für Verfassungsschutz wurde auch in diesem Fall entschieden, den Preis nicht zu verleihen.“
Der Sprecher stellte klar: „Der Staatsminister hat seine Entscheidung erst nach Abschluss der Haber-Verfahren, die zuvor auf Fachebene eingeleitet wurden, getroffen.“ Was genau Anlass für die Überprüfungen war, warum sie in zwei Etappen erfolgte und welcher Art die „verfassungsschutzrelevanten Erkenntnisse“ sind, teilte Weimers Sprecher nicht mit. (dpa/red)
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Bremen und Bremerhaven werden Drehscheibe für die NATO


In Kürze

  • In Bremen soll ein „Deployment Hub“ für NATO-Truppen und militärisches Material aufgebaut werden.
  • Rund 1,35 Milliarden Euro aus dem Verteidigungshaushalt sollen in den Hafen- und Infrastrukturausbau fließen.
  • Rund 200 Millionen Euro kommen aus dem Bremer Landeshaushalt dazu.
  • Der Hub ist Teil eines geheimen militärischen Verteidigungskonzepts mit über 1.400 Seiten Umfang.

Deutschland ist im Falle der Landes- und Bündnisverteidigung mit seiner zentralen geografischen Lage eine logistische ‚Drehscheibe‘ für Marschbewegungen der Verbündeten“, gab das Bundesverteidigungsministerium (BMVg) am Donnerstag, 29. September, in einer Pressemitteilung bekannt.
Deshalb habe sich das Ministerium mit der Hansestadt Bremen und dem Wirtschaftsunternehmen Bremer Lagerhaus-Gesellschaft (BLG Logistics Group) „grundlegend über den Aufbau eines ‚Deployment Hubs‘ verständigt“.
Darunter versteht man eine zentrale logistische Drehscheibe, an der Truppen, militärische Fahrzeuge, Waffen und Material ankommen, gesammelt und versorgt werden, bevor ihr Weitertransport in ein Einsatzgebiet möglich ist.

Blick in die Ferne: Verteidigungsminister Boris Pistorius beobachtet die Nato-Übung «Griffin Storm», bei der rund 1000 Bundeswehrsoldaten zusammen mit der litauischen Armee die Verteidigung der Nato-Ostflanke üben.

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Vorbereitung für die „Ostflanke“

Welches Einsatzgebiet gemeint ist, erklärte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in der Pressemitteilung seines Ministeriums mit den Worten, in Bremen würden „zehntausende Soldaten auf dem Weg an die Ostflanke“ versorgt werden.
Unter „Ostflanke“ versteht das BMVg „Abschreckung und Verteidigung – insbesondere im Baltikum“ entlang der Grenze zu Russland. Das Ministerium erklärt zum Hintergrund:
„Mit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim 2014 durch Russland ergab sich vor allem für die Alliierten im Osten des Bündnisgebietes eine neue Bedrohungslage.“
Der Überfall Russlands auf die Ukraine 2022 habe diese noch einmal verschärft.
„Deshalb werden wir den Hafen, Brücken, Straßen sowie Verkehrsanbindungen ausbauen“, kündigte Pistorius über die Absichten in Bremen an und gab sich überzeugt:
„So sichern wir den Frieden.“
Für diese Maßnahme seien im Verteidigungshaushalt bis zum Jahr 2031 rund 1,35 Milliarden Euro eingeplant.
Es soll jedoch auch einen Eigenanteil des Bundeslandes Bremen geben, der auf den Flughafen Bremen sowie auf Bremerhaven entfallen soll. Dieser betrage zusätzlich mehr als 212 Millionen Euro aus dem „Sondervermögen Hafen“ und sei „kürzlich beschlossen“ worden, heißt es in der Mitteilung weiter.
Aus einer Kleine Anfrage der Fraktion Bürger in Wut (BIW) im Bremer Landesparlament vom 28. September gehen Details der Planungen hervor. Für den Ausbau des Überseehafens in Bremerhaven sind demnach rund 800 Millionen Euro aus dem Verteidigungsetat vorgesehen.
Dort sollen zum Beispiel das Hafenbecken vertieft sowie Dreh- und Schwerlastbrücken errichtet werden. Weitere 160 Millionen Euro sollen für den Bremer Flughafen bereitgestellt werden für den Ausbau von Rollbahnen, Hangars, Vorfeld- und Logistikflächen sowie Sicherheitsstrukturen für den militärischen Flugverkehr.
Die Fraktion BIW will nun vom Bremer Senat wissen, „aus welchen Haushaltstiteln und Sondervermögen“ die geplanten Maßnahmen finanziert werden „und welche ursprünglich geplanten Projekte oder Maßnahmen“ dafür „zurückgestellt, gestrichen oder zeitlich verschoben“ werden. Eine Antwort dazu ist wohl erst in einigen Wochen zu erwarten.

Britische Soldaten üben am 17. Februar 2025 in Smardan, Rumänien. Die 1. Division des Vereinigten Königreichs befehligt die Landstreitkräfte während der Übung „Steadfast Dart“ der NATO Allied Reaction Force (ARF). Die ARF wurde im Juli 2024 aufgestellt und ist in der Lage, die Ostflanke der NATO rasch zu verstärken.

Foto: Andrei Pungovschi/Getty Images

„Operationsplan Deutschland“

Das BMVg wies in seiner jüngsten Erklärung ausdrücklich darauf hin, dass die Errichtung des „Deployment Hubs“ in Bremen Teil des „Operationsplans Deutschland“ sei. Dieser Plan ist ein Verteidigungskonzept für Deutschland, über das Epoch Times erstmals am 5. Juli 2024 berichtete
Kapitän zur See Frank Fähnrich erläutert damals:
„Innere und äußere Sicherheit sind kaum mehr trennbar. Wir werden unsere Aufgaben nur mit der Unterstützung der Länder, den Behörden und der Wirtschaft erfüllen können.“
Fähnrich hatte die Federführung bei der Erarbeitung des ersten Entwurfs, der im Frühjahr 2024 der Bundesregierung vorgelegt wurde.
Das im Detail geheime Konzept umfasst laut Bundeswehr inzwischen 1.400 Seiten und werde ständig weiterentwickelt.

Wenn Krieg ausbricht

In einem Kriegsfall ist nicht nur Bremen eine Drehscheibe für die NATO-Truppen, sondern ganz Deutschland. Das hat Folgen nicht nur für das Militär, sondern vor allem für die Bevölkerung.
Konkret geht es beispielsweise um den Konvoimarsch von bis zu 800.000 alliierter Soldaten und 200.000 Militärfahrzeuge quer durch Deutschland.
Diese müssten bei der Verkehrsleitung, Unterbringung, Verpflegung und Betankung unterstützt werden.
Solche Aufgaben könne in einem Ernstfall die Bundeswehr nicht alleine leisten, erklärte Dreisterne-General André Bodemann. Deshalb werden Absprachen mit der Bahn, mit Tankstellen, Telekom, Rotes Kreuz, Polizei, Feuerwehr und Krankenhäuser getroffen.
Im Ernstfall dürfte es auf sämtlichen Transportwegen – Straßen, Schienen, Flüsse – zu erheblichen Einschränkungen für den zivilen Verkehr kommen. Dafür seien laut Bundeswehr „vereinfachte Verwaltungsvereinbarungen (…) für festgelegte Straßen im Verantwortungsbereich der Länder abgeschlossen“ worden, ebenso mit der „Autobahn GmbH“ des Bundes.
Auch im Bereich der „Kritischen Infrastruktur“ sollen Betreiber von Strom-, Wasser- und Telekommunikationsnetzen sowie Logistikunternehmen eng mit dem Militär zusammenarbeiten. Krankenhäuser können verpflichtet werden, Kapazitäten und Betten für Verwundete freizuhalten.
Unternehmen können dazu herangezogen werden Produktionsmittel oder Lagerkapazitäten bereitzustellen und Lieferketten aufrecht zu halten.

Zivilschutz nicht Teil des Plans

Der „Operationsplan Deutschland“ beinhaltet keine Maßnahmen für den Zivilschutz. Dafür ist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zuständig, das auf seiner Webseite eine „Konzeption“ für zivile Verteidigung veröffentlicht, das allerdings bereits zehn Jahre alt ist.
Dort ist zu erfahren, dass es die Aufgabe des Zivilschutzes sei, „die Bevölkerung, ihre Wohnungen und Arbeitsstätten, lebens- oder verteidigungswichtige zivile Dienststellen, Betriebe, Einrichtungen und Anlagen sowie das Kulturgut vor Kriegseinwirkungen zu schützen und deren Folgen zu beseitigen oder zu mildern. Behördliche Maßnahmen sollen die Selbsthilfe der Bevölkerung ergänzen.

Risiken einer „Drehscheibe“

Ein großer, wie jetzt in Bremen geplanter Stützpunkt für militärische Einsätze, birgt neben den logistischen Vorteilen erhebliche Risiken, sowohl für das Militär als auch für die Bevölkerung der Hansestadt.
Denn eine solche „Drehscheibe“ wird zu einem hochrangigen Ziel für jeden Gegner. Die Konzentration von Truppen, Ausrüstung und Logistik an einem großen Standort schafft einen Schwachpunkt, der, wenn durch einen Luftangriff ausgeschaltet, eine gesamte militärische Operation lahmlegen kann.
Außerdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass bei einem Angriff auf den „Deployment Hub“ nicht auch zivile Opfer in erheblichem Ausmaß entstehen können.Dies zeigen Erfahrungen aus dem derzeitigen Ukraine-Krieg.