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VAE: Flydubai-Copilot plante Selbstmordanschlag – Geständnis über Vorbereitung

Der Copilot, der am 30. September versucht haben soll, ein Flugzeug der Fluggesellschaft Flydubai zu entführen, habe sich während seines Studiums in Australien zunehmend radikalisiert. Das erklärte der Generalstaatsanwalt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) am 9. Oktober.
Flug FZ1073 war von Dubai zum Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv, Israel, unterwegs, als der Copilot den Flugkapitän mutmaßlich mit einer Notaxt attackierte. Das Flugzeug verlor innerhalb von 30 Sekunden etwa 14.000 Fuß (rund 4.270 Meter) an Höhe, bevor Passagiere und Besatzungsmitglieder eingriffen.
Zwei Reservepiloten an Bord übernahmen anschließend die Kontrolle und landeten das Flugzeug sicher in Saudi-Arabien.

11. September als Vorbild

Der emiratische Generalstaatsanwalt Hamad Saif Al Shamsi erklärte, der 29-jährige Verdächtige sei von den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten inspiriert worden.
Er habe beabsichtigt, das Flugzeug bei einem Selbstmordanschlag auf den Flughafen Ben Gurion abstürzen zu lassen, um „möglichst viele Menschenleben auszulöschen“. Das geht aus einer Erklärung hervor, über die die staatliche Nachrichtenagentur WAM berichtete.
Zum Zeitpunkt des Vorfalls befanden sich 174 Passagiere an Bord. Die Behörden der VAE haben die Identität des Copiloten bislang nicht öffentlich bekannt gegeben.
Hochrangige israelische Sicherheitsbeamte identifizierten ihn jedoch gegenüber Epoch Magazine Israel als Hammam al-Hammami, einen omanischen Staatsangehörigen.

Radikalisierung in Australien

Al Shamsi zufolge ergaben die Ermittlungen, dass die Radikalisierung des Verdächtigen 2017 begonnen habe, als er am Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT) in Australien studierte.
In dieser Zeit sei er mit extremistischer Literatur in Kontakt gekommen und habe begonnen, im Internet Inhalte zu verfolgen, die terroristische Organisationen und Selbstmordanschläge unterstützten, sagte der Generalstaatsanwalt.
Der Verdächtige habe den Ermittlern berichtet, dass er regelmäßig eine mit dem RMIT verbundene Moschee besucht habe. Dort habe er Menschen kennengelernt, die Verbindungen zur Muslimbruderschaft gehabt hätten.

Ermittler berichten von Geständnis

Während der Ermittlungen habe der Verdächtige außerdem angegeben, dass er sich „psychologisch und körperlich auf die Durchführung des Anschlags vorbereitet habe, indem er sich verstärkt mit terroristischer Propaganda beschäftigte und unter Anleitung eines Privattrainers Boxtraining absolvierte“, erklärte Al Shamsi.
Die Ermittlungen hätten zudem ergeben, dass der Verdächtige zwei Flüge nach Tel Aviv durchgeführt habe, um sich zur Vorbereitung auf den mutmaßlich geplanten Terroranschlag mit der Flugroute und dem Flughafen vertraut zu machen.
Die Ermittler überprüften auch die Einstellungsverfahren von Flydubai. Dabei stellten sie fest, dass der Verdächtige die erforderlichen beruflichen und sicherheitsbezogenen Voraussetzungen erfüllt hatte.
Keines der Verfahren habe Hinweise darauf geliefert, dass der Verdächtige extremistische Ansichten vertreten oder die Absicht gehabt habe, einen Terroranschlag zu verüben, erklärte Al Shamsi.
Der Verdächtige habe zudem eingeräumt, bei dem Angriff allein gehandelt zu haben. In Anwesenheit seines Anwalts habe er „ein detailliertes Geständnis abgelegt, in dem er seine Motive sowie die einzelnen Phasen der Planung und Durchführung darlegte“, sagte der Generalstaatsanwalt. Die Ermittlungen zu dem Vorfall dauerten weiterhin an.

Flugkapitän schilderte seinen „letzten Kraftakt“

Der schwer verletzte Flugkapitän Smit Machchhar und der Verdächtige wurden nach Erteilung der medizinischen Transportfreigabe am 1. Oktober von Saudi-Arabien nach Abu Dhabi überstellt. Sie wurden dabei von einem emiratischen Sicherheitsteam begleitet, wie das saudische Innenministerium mitteilte.
Machchhar berichtete dem indischen Premierminister Narendra Modi während eines Videogesprächs am 2. Oktober, dass er seine letzten Kräfte eingesetzt habe, um die Cockpittür zu entriegeln, damit andere eingreifen konnten.
„Als ich auf dem Boden lag, spürte ich, wie das Flugzeug in die Tiefe stürzte. Während ich geschlagen wurde, sagte ich mir: ‚Das ist dein letzter Kraftakt, Smit. Tu es, die Tür ist direkt dort.‘ Irgendwie gelang es mir, die Tür zu öffnen, und alle kamen herein“, sagte Machchhar. „Ich versuchte, mich selbst zu retten, aber ich wusste auch, dass ich nicht zulassen durfte, dass jemand stirbt.“
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte am 1. Oktober gegenüber Fox News, der Copilot habe „Tötet mich“ gerufen, nachdem Passagiere und Besatzungsmitglieder ihn überwältigt hatten. Es sei „klar gewesen, dass er selbstmordgefährdet war“, fügte Netanjahu hinzu.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „UAE Prosecutor Says Flydubai Co-Pilot Drifted Toward Extremism While in Australia“ (deutsche Bearbeitung: lw)
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Immer mehr Forderungen nach Parteiausschluss von Schröder

Nach dem Besuch von Gerhard Schröder bei Kreml-Chef Wladimir Putin drängen Politiker von SPD und Grünen die Sozialdemokraten zum Parteiausschluss des Altkanzlers.
Neben den SPD-Landesvorsitzenden aus Bayern und Baden-Württemberg forderte auch Grünen-Ko-Chefin Franziska Brantner einen solchen Schritt. Putin hatte Schröder am Mittwoch an seinem 74. Geburtstag bei sich zu Hause empfangen.

Kritik an Treffen mit Putin

Laut Kreml erfuhr der russische Präsident aus den Medien, dass sich der Altkanzler „geschäftlich in Moskau aufhielt“ und lud „seinen alten Freund ein“. Der Kreml veröffentlichte Fotos, auf denen die beiden Männer sich lächelnd die Hände schütteln.
„Gerhard Schröder feiert mit Putin dessen Geburtstag, während in der Ukraine erneut Zivilistinnen und Zivilisten durch russische Angriffe sterben. Das ist politisch unerträglich“, sagte Brantner dem „Tagesspiegel“.
Alles andere als ein Parteiausschlussverfahren wäre „ein fatales Signal, nicht nur an die Ukraine, sondern an die Menschen und ihre Sicherheit in unserem Land“, sagte Brantner.
Die SPD-Ko-Vorsitzenden von Baden-Württemberg und Bayern, Robin Mesarosch und Sebastian Roloff, halten einen Parteiausschluss Schröders ebenfalls für nötig.

Hohe Hürden für Parteiausschluss

Beide verwiesen im „Tagesspiegel“ allerdings auf die hohen Hürden eines solchen Verfahrens. Ein Parteiordnungsverfahren gegen den Altkanzler war vor einigen Jahren gescheitert.
„Ein Altkanzler, der auf Geburtstagspartys von Kriegsverbrechern geht, macht sich nicht nur für die SPD unmöglich“, sagte Mesarosch. „Schröder ist eine einzige Schande für das ganze Land.“ Die Hürden für einen Parteiausschluss lägen hoch, sagte der SPD-Landeschef.
„Wenn es dieses Mal Aussicht auf Erfolg haben sollte, sollten wir das tun.“ Persönlich habe er längst mit Schröder abgeschlossen: „Denke ich an Schröder, denke ich nicht mehr an einen Sozialdemokraten.“
Die Aussicht auf Erfolg eines erneuten Parteiausschlussverfahrens sei fraglich, sagte der bayerische SPD-Ko-Vorsitzende Sebastian Roloff: „Wenn es eine Chance gibt, sollte es versucht werden.“
Der SPD-Bezirk Oberpfalz strebt einen Parteiausschluss von Schröder an. Ein entsprechender Antrag wurde auf dem Bezirksparteitag am Samstag einstimmig beschlossen, wie der „Tagesspiegel“ unter Berufung auf Parteikreise berichtete.
Kritik an Schröder übte auch der frühere Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). „Die herzliche Umarmung von Schröder und Putin in Moskau empört mich zutiefst und wühlt mich auf“, sagte Heil. (afp/red)
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Neuer Vorschlag für EU-Haushalt – Merz sieht „keine Grundlage für Einigung“

Ein in Brüssel vorgestelltes Konzept des irischen EU-Vorsitzes sieht vor, den nächsten langfristigen EU-Haushalt gegenüber dem ursprünglichen Vorschlag der EU-Kommission lediglich um rund 159 Milliarden Euro auf insgesamt rund 1,826 Billionen Euro zu kürzen.
Der Entwurf ist nach Auffassung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) „keine Grundlage für eine Einigung“. Ein „starkes und souveränes Europa“ brauche „einen grundlegend modernisierten und bezahlbaren Mehrjährigen Finanzrahmen“, erklärte Merz am Samstag in Berlin.

Nettozahler fordern weitere Kürzungen

Deutschland und weitere wichtige Nettozahler wie die Niederlande, Schweden und Österreich hatten eine Kürzung des Haushaltsentwurfs um mehrere Hundert Milliarden Euro gefordert. Diese Staaten zahlen mehr in den EU-Haushalt ein, als sie daraus erhalten.
Auch die Verteilung der Kürzungen entspricht nicht den Vorstellungen der Bundesregierung. Besonders stark reduziert werden gegenüber dem Kommissionsvorschlag jene Haushaltsposten, aus denen künftig eigentlich mehr Geld für Wettbewerbsfähigkeit, Forschung, Verteidigung sowie Außen- und Entwicklungspolitik fließen sollte.
Der EU-Haushalt müsse „für diejenigen bezahlbar sein, die die Hauptlast der Finanzierung tragen“, betonte Merz. Zu den notwendigen Anpassungen müssten „alle beitragen, denn Priorisierung und Modernisierung der Ausgaben des EU-Haushaltes sind eine Aufgabe für uns alle“.
„Von einer Einigung sind wir gleichwohl noch weit entfernt“, erklärte der Kanzler. Die Höhe des neuen Vorschlags sei „keine Grundlage für eine Einigung“.
Der nächste mehrjährige EU-Haushalt steht auf der Tagesordnung des EU-Gipfels in der kommenden Woche.

Erfolg der Agrar-Lobby?

Die traditionellen großen Haushaltsposten Agrar- und Kohäsionspolitik würden dagegen weitgehend geschont. Mit der Kohäsionspolitik sollen wirtschaftliche und soziale Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen Europas verringert werden.
Sie kommt vor allem ärmeren EU-Staaten zugute.
Weitgehend unangetastet würden nach dem irischen Vorschlag auch die für die Mitgliedstaaten vorgesehenen Gelder für Migration, Grenzschutz und innere Sicherheit bleiben.
Bei zusätzlichen Mitteln für diesen Bereich sowie bei Agenturen wie Frontex und Europol sieht der Vorschlag dagegen deutliche Kürzungen vor.

Einigung bis Jahresende zweifelhaft

Eine Einigung über den nächsten langfristigen EU-Haushaltsplan soll eigentlich bis Ende des Jahres erzielt werden. Ob das neue Konzept einen schnellen Durchbruch in den Verhandlungen ermöglicht, ist allerdings höchst zweifelhaft.
Die österreichische Europaministerin Claudia Bauer erklärte, der neue Budgetvorschlag sei nach wie vor weit von einer Zustimmung aus Wien entfernt. Gemeinsam mit den anderen acht Nettozahlern stemme Österreich bereits heute mehr als 60 Prozent des EU-Budgets. Mehr sei den eigenen Steuerzahlern nicht zumutbar.
Die schwedische EU-Ministerin Jessica Rosencrantz nannte den Vorschlag nicht angemessen und verlangte, das Gesamtvolumen müsse deutlich sinken.
Ein EU-Diplomat kommentierte, der irische Vorschlag sei eine Enttäuschung und nicht einmal annähernd eine mögliche Einigungsgrundlage. Indem der Vorschlag politische Prioritäten des 20. Jahrhunderts bevorzuge, versäume er es, die EU auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten. „Wir brauchen dringend mehr finanzielle Realitätsnähe und weniger finanzielles La-La-Land“, sagte er.
Der irische Europastaatsminister Thomas Byrne hielt unter anderem dagegen, dass eine „sehr große Mehrheit“ der Mitgliedstaaten verlangt habe, im Bereich Landwirtschaft und Kohäsion nicht weiter zu kürzen. Dies schließe auch einige Nettozahler ein. „Niemand wird alles bekommen, was er wollte. Aber wir glauben, dass für alle Mitgliedstaaten etwas dabei ist“, sagte er.

Showdown bei EU-Gipfel

Zur offenen Aussprache über das neue Konzept soll es nun beim EU-Gipfel am kommenden Donnerstag und Freitag in Brüssel kommen. Im Anschluss wird voraussichtlich der ständige EU-Ratspräsident António Costa die Verhandlungsführung übernehmen.
Auch bei der Finanzierung lässt der irische Vorschlag zentrale Streitfragen weiter offen. Als mögliche neue EU-Eigenmittel stehen unter anderem Beiträge großer Unternehmen, Einnahmen aus dem Emissionshandel und dem CO2-Grenzausgleich sowie Abgaben auf Tabak und Elektroschrott im Raum. Eine Einigung auf diese Instrumente gibt es bislang aber nicht.
Der größte Teil des langfristigen EU-Haushalts wird allerdings auch künftig durch Beiträge der Mitgliedstaaten finanziert werden müssen – jeder EU-Staat zahlt einen bestimmten Prozentsatz seines Bruttonationaleinkommens (BNE). Als größte Volkswirtschaft der EU steuert Deutschland dabei den mit Abstand größten Beitrag bei, zuletzt mehr als ein Fünftel. Gleichzeitig profitiert es aber stark vom EU-Binnenmarkt.

Deutschland ist größter Nettozahler

2025 führte die Bundesrepublik nach Zahlen der EU-Kommission insgesamt rund 34,1 Milliarden Euro an EU-Beiträgen ab; darin enthalten waren rund 29,6 Milliarden Euro nationale Beiträge sowie etwa 4,4 Milliarden Euro in Deutschland erhobene Zölle, die als traditionelle EU-Eigenmittel gelten.
Den rund 12,2 Milliarden Euro an EU-Ausgaben in Deutschland stand damit bei Einbeziehung der Zölle rechnerisch ein Netto-EU-Beitrag von rund 21,8 Milliarden Euro gegenüber.
Bei dem von den Iren vorgeschlagenen Gesamthaushaltsvolumen von 1,826 Billionen Euro ist die erwartete Inflation während des siebenjährigen Finanzzeitraums berücksichtigt.
In Preisen von 2025 würde der Finanzrahmen für 2028 bis 2034 nach dem irischen Konzept rund 1,622 Billionen Euro umfassen. Die Kommission hatte inflationsbereinigt 1,763 Billionen Euro vorgeschlagen. Damit kürzt die irische Ratspräsidentschaft das Volumen real um rund 141 Milliarden Euro oder acht Prozent. (dpa/afp/red)
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Plastik- und Zuckersteuer: Steuerzahlerbund kritisiert 1.046 neue Stellen


In Kürze:

  • Der Bund der Steuerzahler kritisiert den Verwaltungsaufwand für die geplante Plastik- und Zuckersteuer.
  • Für beide Abgaben sind nach den vorliegenden Angaben insgesamt 1.046 zusätzliche Vollzeitstellen vorgesehen.
  • Die beiden Steuern sollen nach bisherigen Planungen am 1. Juli 2027 in Kraft treten.

 
Während sich die entsprechenden Vorhaben der Bundesregierung noch nicht im Parlament befinden, übt der Bund der Steuerzahler (BdSt) bereits Kritik an den neuen Steuerplänen. Konkret geht es um die geplante Plastiksteuer auf Verpackungen und die Zuckersteuer auf gesüßte Getränke.
Die Vereinigung nennt den dafür erforderlichen staatlichen Verwaltungsaufwand „Bürokratie-Irrsinn mit Ansage“. BdSt-Präsident Reiner Holznagel weist darauf hin, dass der Bund allein schon für die Administration der Abgaben 1.046 zusätzliche Vollzeitstellen eingeplant habe.

Plastiksteuer würde besonders hohen Personalaufwand nach sich ziehen

Der Stellenaufwuchs werde überwiegend beim Zoll anfallen, daneben beim IT-Dienstleister ITZBund und im Bundesfinanzministerium. Davon entfallen 819 Vollzeitäquivalente auf den Vollzug der Plastiksteuer, für die Administration der Zuckersteuer weisen ministerielle Berechnungen zudem 227 zusätzliche Stellen aus.
Der BdSt betrachtet es als völlig unverhältnismäßig, für nur zwei neue Steuern mehr als 1.000 neue Stellen einzurichten. Die Bundesregierung versuche, „Haushaltslöcher mit neuen Steuern zu stopfen“, betont Holznagel. Das sei der falsche Weg. Stattdessen solle sie dazu übergehen, „endlich Ausgaben und Strukturen auf den Prüfstand zu stellen“.
Die Bundesregierung habe Bürokratieabbau und Personalreduzierung angekündigt, nun geschehe das Gegenteil. Zu Beginn des Monats hatte bereits die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft die deutliche Zunahme der Stellen in der Bundesverwaltung kritisiert – vor allem in den höheren Gehaltsgruppen. Als wichtigste Treiber des Stellenzuwachses galten bislang die Bereiche Sicherheit und Verteidigung.

Zuckersteuer noch im Stadium der Überarbeitung

Im Detail sehen die Gesetzentwürfe des Bundesfinanzministeriums für die Plastiksteuer 788 neue Stellen beim Zoll vor. Weitere 28 sollen beim ITZBund anfallen und 3 im Bundesfinanzministerium. Damit seien jährliche Personalkosten in Höhe von rund 46 Millionen Euro verbunden. Die Zuckersteuer erfordere 200 zusätzliche Stellen beim Zoll, 23 beim ITZBund und 3,75 im Ministerium. Die damit verbundenen Personalkosten würden sich auf etwa 28 Millionen Euro pro Jahr belaufen.
Die geplante Zuckersteuer befindet sich derzeit erneut zur Überarbeitung im Bundesfinanzministerium. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte einen ersten Entwurf von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil gestoppt, weil er diesen für „nicht mehrheitsfähig“ hielt. Es bestehe an mehreren Stellen Erklärungsbedarf.
Bisher zeichnet sich ab, dass die Zuckersteuer ab dem 1. Juli 2027 anfallen und sich nach dem Zuckergehalt der Getränke richten soll. So soll die Steuer 26 Cent je Liter für Getränke mit einem Zuckergehalt von 5 bis unter 7 Gramm je 100 Milliliter betragen. Bei einem Anteil von 7 bis unter 10 Gramm sollen es 32 Cent und bei 10 Gramm und darüber 38 Cent sein.

Reichweite der Zuckersteuer ungeklärt – Plastiksteuer soll EU-Zahlung ausgleichen

Ungeklärt ist unter anderem, ob Zero-Getränke, Hafermilch, zuckerfreie Frucht- und Gemüsesäfte oder alkoholfreies Bier ebenfalls betroffen sein sollen. Zudem ist noch offen, ob die Einnahmen als Steuer in den Bundeshaushalt fließen sollen – oder als Abgabe zweckgebunden in das Gesundheitswesen.
Die Plastiksteuer soll ebenfalls ab dem 1. Juli 2027 gelten. Sie soll 550 Euro je Tonne Kunststoff betragen und vor allem Hersteller, Importeure und bestimmte Verbringer von Verpackungen und Folien betreffen. Recycelte Kunststoffe sollen auf Antrag entlastungsfähig sein. Mit der Plastiksteuer will der Bund vor allem den eigenen Haushalt entlasten: Seit 2021 zahlt er die EU-Plastikabgabe von rund 1,4 Milliarden Euro jährlich aus dem Bundeshaushalt.
Der Bund erhofft sich von der Zuckersteuer 2027 Einnahmen von 775 Millionen Euro und ab 2028 von knapp 1,2 Milliarden Euro. Die Plastiksteuer soll 2027 weitere 805 Millionen Euro in den Bundeshaushalt bringen. Ab 2028 soll dieser Betrag jährlich knapp 1,5 Milliarden Euro betragen.
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Herbstlicher Sonntag – neue Woche startet freundlicher

Regnerisch und windig im Norden und in der Mitte, etwas mehr Sonne im Süden: Das wechselhafte Herbstwetter setzt sich am Sonntag fort.
Die neue Woche beginnt dann mit mehr freundlichen Abschnitten, auch wird es wärmer, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilt. Bis 20 Grad sind am Oberrhein möglich.
Beim Sonntagsspaziergang darf die dicke Regenjacke dagegen nicht fehlen. Im Norden und in der Mitte gebe es wiederholt Schauer, im Umfeld der See auch Gewitter. Im Süden ist es wechselnd bewölkt, allerdings muss auch hier gelegentlich mit kurzen Schauern gerechnet werden.
„Der Wind aus westlichen Richtungen frischt besonders bei Schauern böig auf“, teilt der DWD mit. Die Temperaturen steigen auf maximal 14 Grad.

Mix aus Sonne und Wolken am Montag

Am Montag macht sich laut DWD Zwischenhocheinfluss bemerkbar. Hat sich der Frühnebel aufgelöst, gibt es einen Mix aus Sonne und Wolken.
Besonders im Südwesten und im Nordwesten sowie im Norden überwiegen die freundlichen Abschnitte. Im Osten bleibt es bei Schauerneigung und etwa 14 Grad, im Westen erreichen die Temperaturen maximal 17 Grad.
Das freundliche Herbstwetter bleibt der Vorhersage zufolge am Dienstag der Süd- und Osthälfte erhalten, vom Westen bis in den Norden ziehen dagegen Wolken auf und es regnet.
An der Nordsee wird es windig. Im Norden werden etwa 16 Grad erreicht, am Oberrhein sind erneut etwa 20 Grad möglich. (dpa/red)
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Schütze von Berngau war früher Polizist in Ausbildung

Der Mann, der zwei Behördenmitarbeiter in der Oberpfalz bei einer Waffenkontrolle getötet haben soll, hat in den 80er-Jahren eine Polizeiausbildung begonnen. Er sei von 1988 an in Bayern Polizeibeamter in Ausbildung gewesen, heißt es von der Polizei.
Er sei dann aber vor Ausbildungsende entlassen worden. Zu den Gründen wurde nichts bekannt. Zuvor hatte die „Bild“ über die Polizeivergangenheit des 60-Jährigen berichtet.
Der Mann soll am Donnerstag in Berngau im Landkreis Neumarkt einen 45 Jahre alten Mitarbeiter des Landratsamtes und dessen 54 Jahre alte Kollegin erschossen haben, als diese den Jäger und Sportschützen für eine Waffenkontrolle aufsuchten.
Er wurde festgenommen, nachdem er sich stundenlang in einem Haus in Berngau verschanzt hatte. Nach Polizeiangaben rief er selbst bei der Einsatzzentrale an und gab zu, geschossen zu haben.
Zudem habe er gesagt, er sei in seiner Wohnung, im Besitz von Schusswaffen und werde nicht widerstandslos aufgeben.

Noch immer im Krankenhaus

Spezialkräfte schossen bei der Festnahme auf den Mann und verletzten ihn schwer. Er wurde unter polizeilicher Bewachung in ein Krankenhaus gebracht, wo er sich laut Polizei auch am Samstag noch befand.
Der 60-Jährige soll nach seiner medizinischen Behandlung einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Dieser würde dann über die Frage einer Untersuchungshaft oder einer Unterbringung in einer Fachklinik entscheiden.
Der Mann besaß laut Waffenregister als Sportschütze und Jäger zehn Waffen legal. Seine Kontrolle erfolgte nach Angaben des Landratsamtes routinemäßig und ohne Vorankündigung. (dpa/red)
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Washington bietet 10 Millionen US-Dollar für Hinweise zu Diebstahl von COVID-19-Forschung


In Kürze:

  • Die chinesischen Staatsbürger Zhang Yu und Xu Zewei sollen sich in Netzwerke von US-Universitäten gehackt und für Pekings Geheimdienste COVID-19-Forschungsergebnisse gestohlen haben.
  • Das US-Außenministerium hat eine Belohnung von bis zu 10 Millionen US-Dollar (rund 8,7 Millionen Euro) für Hinweise zu Zhang ausgesetzt.
  • Xu Zewei wurde 2025 in Italien festgenommen und im April 2026 an die USA ausgeliefert. Er bestreitet die Vorwürfe.

 
Die US-Behörden werfen dem chinesischen Staatsbürger Zhang Yu vor, im Auftrag des chinesischen Ministeriums für Staatssicherheit COVID-19-Forschungsergebnisse amerikanischer Universitäten und Wissenschaftler gestohlen zu haben. Die US-Regierung hat eine Belohnung von bis zu zehn Millionen US-Dollar (rund 8,7 Millionen Euro) für Hinweise auf Zhang ausgesetzt. Sein Mitbeschuldigter wurde im April 2026 aus Italien an die USA ausgeliefert und muss sich dort vor Gericht verantworten.
Das Programm „Rewards for Justice“ (Belohnungen für Gerechtigkeit) des US-Außenministeriums sucht nach Hinweisen auf Zhang Yu, einen Direktor der Firma Shanghai Firetech Information Science and Technology Co. Er soll im Auftrag des chinesischen Ministeriums für Staatssicherheit (MSS) Cyberspionage betrieben haben.
Auch die Cyberabteilung des FBI veröffentlichte am 7. Oktober einen Fahndungsaufruf. Sie bittet um Hinweise zu Zhang, seinen mutmaßlichen Komplizen und den ihnen zugeschriebenen Cyberangriffen. Zhang ist weiterhin flüchtig. Sein Mitbeschuldigter Xu Zewei wurde im Juli 2025 in Italien festgenommen und am 25. April 2026 an die USA ausgeliefert. In Houston muss er sich wegen mutmaßlicher Hackerangriffe vor einem Bundesgericht verantworten.

US-Universitäten und Wissenschaftler im Visier

Laut einer Anklageschrift der Bundesbehörden waren Zhang und Xu zwischen Februar 2020 und Juni 2021 an Hackerangriffen beteiligt, die unter der Leitung von Beamten des Büros für Staatssicherheit in Shanghai – einer Dienststelle des MSS – durchgeführt wurden.
Zhang Yu wird Cyberspionage gegen US-Universitäten und COVID-19-Forscher im Auftrag Pekings vorgeworfen. Das US-Außenministerium bietet bis zu 10 Millionen US-Dollar für Hinweise. Foto: Mit freundlicher Genehmigung des US-Außenministeriums.

Zhang Yu wird Cyberspionage gegen US-Universitäten und COVID-19-Forscher im Auftrag Pekings vorgeworfen. Das US-Außenministerium bietet bis zu 10 Millionen US-Dollar für Hinweise.

Foto: Mit freundlicher Genehmigung des US-Außenministeriums.

Die Beschuldigten nahmen mutmaßlich Universitäten sowie Immunologen und Virologen ins Visier, die an Impfstoffen, Behandlungsmethoden und Tests für COVID-19 forschten. Der Anklage zufolge stahlen die Hacker mehrere Gigabyte an Daten von einer amerikanischen Universität. Zudem versuchten sie, sich Zugang zu den E-Mail-Konten von Forschern zu verschaffen, um an sensible Informationen zu gelangen.
Laut Anklageschrift übermittelte ein Beamter der Shanghaier Staatssicherheit Xu die Benutzernamen von fünf Universitätsmitarbeitern. Darunter waren COVID-19-Forscher, deren E-Mails Xu beschaffen sollte. Die Beschuldigten nahmen dabei mutmaßlich einige der Forscher mehrfach ins Visier. Im Jahr 2021 sollen Zhang und Xu an einer weiteren Hackerkampagne namens HAFNIUM beteiligt gewesen sein, bei der Sicherheitslücken in Microsoft Exchange Server – einer Software zur Verwaltung der E-Mail-Kommunikation – ausgenutzt wurden.
Da Microsoft Exchange Server von zahlreichen Organisationen zur E-Mail-Verwaltung eingesetzt wird, stellen kompromittierte Systeme potenzielle Einfallstore für den Zugriff auf vertrauliche Kommunikation und andere sensible Informationen dar.
Nach Angaben des US-Außenministeriums wurden im Zuge dieser Kampagne weltweit Tausende Computer kompromittiert, darunter Systeme einer amerikanischen Universität und einer Anwaltskanzlei.

US-Justizministerium setzt Belohnung aus

Das US-Justizministerium teilte im April mit, dass von der HAFNIUM-Kampagne mehr als 12.700 US-Organisationen betroffen gewesen seien. Die Bundesstaatsanwaltschaft wirft chinesischen Geheimdienstmitarbeitern vor, bei der Informationsbeschaffung auf private Technologieunternehmen und Auftragnehmer zurückgegriffen zu haben, um die Beteiligung des chinesischen Regimes zu verschleiern.
Gegen Xu, einen ehemaligen Geschäftsführer der Shanghai Powerock Network Co., liegt eine Anklageschrift mit neun Punkten vor; die Vorwürfe reichen von elektronischen Betrugsdelikten (Wire Fraud) und unbefugtem Computerzugriff bis hin zu Computerschädigung und schwerem Identitätsdiebstahl.
Xu bestritt die Hackervorwürfe während des Auslieferungsverfahrens in Italien und berief sich auf eine Verwechslung seiner Person. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lin Jian, kritisierte die Auslieferung am 27. April. Er warf Washington vor, die Anschuldigungen durch politische Manipulation konstruiert zu haben, und forderte Italien auf, seine Entscheidung zu revidieren.
Weder Zhang noch seine Vertreter oder sein Arbeitgeber haben sich bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung öffentlich zu den US-Vorwürfen geäußert.
Das Programm „Rewards for Justice“ nimmt über einen verschlüsselten Meldekanal Informationen zu Zhang und seinen Komplizen entgegen. Nach Angaben des US-Außenministeriums können Informanten, die die entsprechenden Kriterien erfüllen, finanzielle Belohnungen sowie Unterstützung bei einer Umsiedlung erhalten.
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „US Offers Up to $10 Million for Information on Chinese Man Accused of Stealing COVID-19 Research“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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CDU streitet über Brandmauer vor Präsidiumsklausur

„Die starren Unvereinbarkeitsbeschlüsse bringen uns nicht voran“, sagte der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Florian Oest der „Welt am Sonntag“. Das christliche Menschenbild, die soziale Marktwirtschaft, Freiheit und Verantwortung auch für Schwächere zu übernehmen, seien die Leitplanken der Union. „Wer diesen inneren Kompass hat, orientiert sich nicht an anderen“, so Oest weiter.
Der sachsen-anhaltische Landtagsabgeordnete Guido Heuer (CDU), ehemaliger Fraktionschef, sagte: „Mit der Brandmauer haben wir uns eingemauert, dahinter brennt es aber weiter. In bin dafür, dass wir stattdessen rote Linien definieren, uns also auf Inhalte konzentrieren.“ Koalitionen mit der AfD oder Linken halte er für ausgeschlossen. „Aber wenn die CDU eine Beschlussvorlage macht, die zu echten Verbesserungen für die Menschen führt, dann geht das in Ordnung, wenn AfD und Linke zustimmen“, so Heuer weiter.
Im Vorstand der Unions-Bundestagsfraktion wird dies hingegen zurückgewiesen. Fraktionsvize Günter Krings (CDU) sieht für eine Aufweichung der bisherigen Linie „keinen Anlass“. Er halte die These „für gewagt, dass die AfD ohne unseren Unvereinbarkeitsbeschluss nicht gewachsen wäre. Leute wählen ja nicht AfD, weil wir mit denen nicht zusammenarbeiten, sondern weil sie von der aktuellen Politik enttäuscht sind“, so Krings weiter.
Am Sonntag trifft sich das Präsidium der CDU zu einer außerordentlichen Klausur in Berlin. Demoskopen stellen ihre Ergebnisse und Prognosen vor, am Abend wird Altbundespräsident Joachim Gauck zum Austausch erwartet. Im Vorfeld werden Entwürfe zur Umsetzung der angekündigten Reformen und Lösung akuter Probleme erstellt, die vom Präsidium beschlossen werden sollen. Unter anderem geht es um Entlastungen der Bürger von dem Hintergrund allgemeinen Preissteigerung. In der CDU pocht man auf konkrete Ergebnisse.
„Wir müssen uns um all die Themen kümmern, die für die ganz normalen Leute wichtig sind: Lebenshaltungskosten, Sicherheit, Migration, Arbeitsplätze“, sagte Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) der „Welt am Sonntag“. Die Union dürfe Debatten über diese Themen nicht verhindern, sondern müsse sie in der demokratischen Mitte diskutieren. „Sonst passiert das an den extremen Rändern“, warnte Rhein. (dts/red)
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Anthropic-KI reicht falschen Mordhinweis ein und stellt Visa-Anträge

Künstliche Intelligenz der Entwicklerfirma Anthropic hat in einem Testlauf einen falschen Hinweis auf einer Polizei-Website zur Aufklärung ungelöster Mordfälle eingereicht. In einem weiteren Zwischenfall füllte die KI-Software Formulare auf einer US-Regierungsseite aus, wie Anthropic in einem Blogeintrag bekanntgab. Medienberichten zufolge handelte es sich um 20 Visa-Anträge beim amerikanischen Außenministerium. In den vergangenen Wochen wurden bereits verschiedene ungeplante Aktivitäten von KI-Systemen bekannt, insbesondere beim ChatGPT-Entwickler OpenAI und dessen Konkurrenten Anthropic.
Die Unternehmen trainieren derzeit sogenannte KI-Agenten – Software, die im Auftrag der Nutzer weitgehend autonom verschiedene Aufgaben erledigen soll. Die von Anthropic aufgelisteten Vorfälle gehen auf Versuche zurück, die KI für unterschiedliche Online-Aufgaben vorzubereiten.

KI übermittelt erfundenen Hinweis zu Mordfall

Den falschen Hinweis zu einem ungeklärten Mord reichte Anthropics KI über eine Website der Polizei von Philadelphia ein. „Ich könnte Informationen zu diesem Fall haben“, schrieb die Software demnach. Sie behauptete außerdem, sich daran zu erinnern, jemanden, der der Beschreibung entspreche, zur Tatzeit in der Gegend gesehen zu haben. Die Website der Polizei enthielt allerdings gar keine Beschreibung eines Tatverdächtigen. Zudem ließ die Software das Kontaktfeld offen. Ihre Einreichung wurde als Spam markiert.
Die Polizei von Philadelphia kritisierte es als „inakzeptabel“, dass sie erst nachträglich von dem Vorfall Mitte Juli erfahren hatte. Anthropic zufolge wurde das Verhalten der KI Ende September bei einer vertieften Überprüfung von Testläufen nach anderen Zwischenfällen entdeckt. Die Software habe den Auftrag gehabt, Aufgaben auf zufällig ausgewählten Websites auszuführen. Zwar sei ihr untersagt gewesen, beispielsweise Konten anzulegen oder Einkäufe zu tätigen. Das Ausfüllen von Formularen sei jedoch nicht verboten gewesen.

Medien berichten über 20 Visa-Anträge

In anderen Fällen sollte die KI laut Anthropic üben, ein Behördenformular auszufüllen. Wenn sie das Übungsformular nicht laden konnte oder versehentlich schloss, navigierte die Software stattdessen mehrfach auf die echte Website und reichte dort Formulare ein, wie das Unternehmen erläuterte. Bei einem der Versuche sollte sie ein Formular lediglich ausfüllen, aber nicht absenden. Sie reichte es dennoch ein, weil sie davon ausgegangen sei, dass zuvor noch eine Bestätigungsseite erscheinen würde.
Dabei habe die KI von Anthropic beim US-Außenministerium 20 Anträge auf Nichteinwanderungsvisa eingereicht, berichteten das Nachrichtenportal „Axios“ und die „New York Times“ unter Berufung auf Regierungsbeamte. Die Anträge seien unvollständig gewesen und nicht bearbeitet worden. 19 davon seien im August eingereicht worden, ein weiterer bereits im Mai.

Anthropic schränkt Internetzugang der Test-KI ein

Berichte über unbeabsichtigtes Verhalten von KI-Systemen in Testläufen sorgen seit Wochen für Diskussionen über die Sicherheit der Technologie. In einem besonders aufsehenerregenden Fall soll eine KI des ChatGPT-Entwicklers OpenAI eine abgesicherte Testumgebung verlassen und ungeplant auf Computer der KI-Plattform Hugging Face zugegriffen haben.
Anthropic-Chef Dario Amodei hatte anschließend vorgeschlagen, die Entwicklung besonders leistungsfähiger KI-Modelle zu verlangsamen, um einen möglichen Kontrollverlust zu verhindern. US-Präsident Donald Trump lehnt eine solche Verlangsamung ab und verweist darauf, dass die USA ihren Vorsprung gegenüber China im Bereich der Künstlichen Intelligenz behaupten müssten. Zu den jüngsten Vorfällen bei Anthropic hieß es aus dem Weißen Haus laut „Axios“, KI-Unternehmen seien verpflichtet, solche Vorfälle offenzulegen.
Anthropic betonte, dass der Internetzugang bei Testläufen inzwischen eingeschränkt worden sei und einige Versuche in Offline-Umgebungen stattfänden. Zugleich seien bestimmte Aufgaben ohne Internetverbindung nur schwer zu trainieren, räumte das Unternehmen ein. „Trainingsumgebungen sind nicht perfekt“ – manchmal finde ein Modell eine Lücke oder lerne, Einschränkungen zu umgehen. (dpa/red)
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Brandenburg: AfD in Umfrage bei 40 Prozent, SPD bei 20, CDU bei 9

Bei einer Landtagswahl in Brandenburg könnte die AfD derzeit einer Umfrage zufolge doppelt so stark abschneiden wie die regierende SPD. Der am Freitagabend veröffentlichten Erhebung des Instituts Insa für die „Märkische Allgemeine Zeitung“, die „Märkische Oderzeitung“ und die „Lausitzer Rundschau“ zufolge kommt die AfD auf 40 Prozent Zustimmung. Die SPD von Ministerpräsident Dietmar Woidke erreicht demnach 20 Prozent.

CDU und Linke bei neun Prozent

Es folgen mit jeweils neun Prozent die mitregierende CDU und die Linke vor den Grünen und dem BSW mit jeweils sieben Prozent.
Befragt wurden vom Dienstag vergangener Woche bis Dienstag 1.000 Wahlberechtigte in Brandenburg. Die nächste Landtagswahl steht regulär im Herbst 2029 an.

SPD gewann die Wahl 2024

Die Wahl vom September 2024 gewann die SPD mit 30,9 Prozent vor der AfD mit 29,2 Prozent. In den Potsdamer Landtag schafften es sonst nur das BSW mit 13,5 Prozent und die CDU mit 12,1 Prozent.
Zunächst regierten SPD und BSW zusammen, bis Woidke das Bündnis im Streit aufkündigte und eine Koalition mit der CDU einging. (afp/red)
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CDU nach Wahlschlappen: Merz-Partei sucht Ausweg aus der Vertrauenskrise

Vor der Klausur des CDU-Präsidiums zur Aufarbeitung der jüngsten Wahlschlappen fordern führende Christdemokraten, die Alltagsprobleme der Menschen mehr in den Blick zu nehmen. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann machte vor den Beratungen der engeren Parteispitze zugleich deutlich, dass es nicht die eine Lösung für die Probleme der Partei gebe. Das Präsidium mit Parteichef und Bundeskanzler Friedrich Merz trifft sich am Sonntag und Montag, um die Ursachen für die Wahlschlappen im September zu analysieren und Folgen daraus abzuleiten.

Voigt: Nicht Anspruch der CDU, zweitstärkste Kraft zu sein

Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt, der auch dem Präsidium angehört, erwartet von der Klausur einen inhaltlichen Neustart. „Wir müssen darüber reden, wie für die Menschen das Leben wieder bezahlbar wird“, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Heizen, Tanken und Einkaufen seien für viele Menschen zu teuer geworden. Das müsse sich ändern. Eine Stärke der CDU sei es immer gewesen, sich der Alltagsprobleme der Menschen anzunehmen. „Ich verspüre eine tiefe Sehnsucht der Basis, dass die CDU wieder klar formuliert, wofür sie steht.“
Es sei nicht Anspruch der CDU, „zweitstärkste Kraft in Deutschland zu sein“, sagte Voigt mit Verweis auf Umfragewerte, die die AfD auch bundesweit klar vorne sehen. Die CDU-Ministerpräsidenten sieht Voigt als Sprachrohr, das auf Belastungen der Menschen aufmerksam macht, weil sie in ihren Bundesländern die Nähe zu den Bürgern haben.
Berlins CDU-Landeschef Stefan Evers sagte dem Portal t-online: „Wir müssen uns die Frage stellen, weshalb immer weniger Menschen der CDU vertrauen.“ Darüber werde man in aller Ehrlichkeit und Klarheit sprechen. Evers hatte diese Woche auch Merz eine gehörige Mitschuld bescheinigt, dem Kanzler fehle Empathie und Nahbarkeit.

Sozialflügel: Gerechtigkeit nicht zu kurz fassen

Der Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, mahnte ebenfalls, die Probleme breiter Bevölkerungsschichten in den Blick zu nehmen. „Wir können die Frage der Gerechtigkeit nicht nur auf Grundsicherungsempfänger und Flüchtlinge reduzieren. Wir haben keine Luxusversorgung“, sagte der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Radtke sieht die CDU in einer Vertrauenskrise. Ursache sei, dass das christlich-soziale Profil der Partei kaum noch zur Geltung komme.
Radtke empfahl Parteichef Merz, sich den Landesverband Nordrhein-Westfalen zum Vorbild zu nehmen. „In Nordrhein-Westfalen ist die CDU ganz sicher noch Volkspartei.“ Dort sei ein Kabinett ohne klares christlich-soziales Profil nicht denkbar. Die CDU sei dort auch viel tiefer in der Lebenswirklichkeit der Menschen verankert. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst wird immer wieder als möglicher Nachfolger für Merz genannt.

„Spürbare, kurzfristige Verbesserungen“ für die Menschen

CDU-Generalsekretärin Hoppermann thematisierte ebenfalls den Gerechtigkeitsbegriff. Das Präsidium müsse neben der Vorbereitung der geplanten Reformen auch auf Impulse für die Lage der Bevölkerung setzen: „Wir schaffen Gerechtigkeit und Akzeptanz nur, wenn uns beides gelingt: mutige, langfristige Veränderungen für die Zukunft und spürbare, kurzfristige Verbesserungen im Alltag“, sagte Hoppermann der „Augsburger Allgemeinen“.
Sie warnte zugleich davor, schnelle Lösungen zu erwarten. „Bei dieser Klausur soll es vor allem um eines gehen: Das Signal der jüngsten Wahlergebnisse ist bei uns angekommen“, sagte Hoppermann. „Dabei muss uns allen klar sein, dass von dieser Klausur keine „Silver Bullet“ ausgeht, die alle Probleme über Nacht wegzaubert“, ergänzte sie. (dpa/red)
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Was ist eigentlich aus unserem Brot geworden?


In Kürze:

  • Die Grundzutaten für Brot sind Mehl, Wasser, Salz, dazu Hefe oder Sauerteig – und Zeit.
  • Verschiedene Zusatzstoffe sollen vor allem letztere ersetzen, das Aussehen vereinheitlichen und die industrielle Fertigung ermöglichen.
  • Moderner Weizen weist nicht grundsätzlich mehr Gluten auf, aber seine Zusammensetzung hat sich geändert.
  • Bei einer Brotunverträglichkeit kann Gluten die Ursache sein, muss es aber nicht. Ein gutes Sauerteigbrot kann hier Aufschluss bringen.

 
Ich habe nichts gegen Brot. Im Gegenteil. Brot gehört für mich zu den Lebensmitteln, bei denen ich mich regelmäßig frage, wie man etwas so Einfaches derart kompliziert machen konnte. Was meine ich? Einfach war früher: Mehl, Wasser, Salz. Dazu Sauerteig oder Hefe – mehr brauchte es im Prinzip nicht.
Und es kam noch eine Zutat hinzu, die heute auf keiner Zutatenliste steht: Zeit. Ein Teig durfte ruhen und die Mikroorganismen arbeiteten. Dabei wurden Kohlenhydrate verändert und bestimmte schwerer verdauliche Bestandteile teilweise abgebaut. Niemand hätte damals von „Fermentationsmanagement“ gesprochen. Man ließ den Teig einfach stehen.
Zeitsprung in das Jahr 2026. Zeit ist kostbar – und übrigens noch nicht an sich besteuert. Dennoch ist Zeit angeblich Geld. Deswegen muss es beim Brot schneller gehen. Nicht nur schneller, sondern auch maschinengängig, lagerfähig und möglichst jeden Morgen genauso aussehen wie am Tag zuvor. „Zeit“ stört dabei, also hilft man nach. Und die Lebensmittelchemie mit ihren Segnungen steht selbstverständlich bereit.

Vom Brot zum kleinen „lebensmitteltechnischen Projekt“

Wer sich einmal die Zutatenliste abgepackter Brote oder Aufbackbrötchen angesehen hat, stellt fest, dass aus Mehl, Wasser und Salz oftmals ein kleines „lebensmitteltechnisches Projekt“ wurde: Emulgatoren, Säuerungsmittel, Enzyme, Zucker, Öle, Backmittel und je nach Produkt auch zusätzliches Weizengluten.
Selbstverständlich ist nicht jedes industriell hergestellte Brot vollgestopft mit Zusatzstoffen. Und natürlich backt auch nicht jeder kleine Bäcker noch wie vor hundert Jahren. Das Schild „Handwerk“ über der Tür sagt leider nichts darüber aus, wie lange ein Teig tatsächlich geführt wurde. Wenn ich Bäckereifachverkäufer frage, wie sich das Brot genau zusammensetzt oder wie lange der Teig geführt wurde, werde ich in gefühlt 90 Prozent der Fälle mit großen Augen angesehen.
Da ist es auch kein Wunder, dass mir heute immer mehr Patienten sagen: „Ich vertrage Brot nicht mehr.“ Ja, ich weiß: Früher war nicht alles besser. Bei Brot und Brötchen darf man darüber zumindest diskutieren. Sehr schnell fällt im Zusammenhang mit solchen Unverträglichkeiten ein Wort: Gluten.

Gleich, welche Zutaten enthalten sind: Brot sollte immer Zeit zum Gehen bekommen.

Foto: Magone/iStock

Mehr Gluten als früher?

Gluten ist das Klebereiweiß des Weizens und verwandter Getreidearten. Genau genommen handelt es sich um verschiedene Speicherproteine, vor allem Gliadine und Glutenine. Ohne Gluten wäre das luftige Brötchen oder Brot, wie wir es kennen, kaum möglich. Der Kleber bildet im Teig ein elastisches Gerüst und hält die beim Gären entstehenden Gase fest.
Bei einer Zöliakie brauchen wir gar nicht zu diskutieren. Gluten löst bei diesen Patienten eine Autoimmunreaktion aus. Betroffene müssen Gluten konsequent meiden. Daran ändert auch der beste Sauerteig der Welt nichts.
Interessanter ist die weit größere Gruppe von Menschen, die keine Zöliakie haben, nach Brot oder Weizenprodukten aber trotzdem über Blähungen, Bauchschmerzen, Müdigkeit oder Verdauungsprobleme klagen. Dazu hört man häufig: Der moderne Weizen sei auf immer mehr Gluten gezüchtet worden. Ganz so pauschal lässt sich das allerdings nicht behaupten.

Das Korn unter der Lupe

Forscher haben 60 deutsche Winterweizensorten untersucht, deren Zulassungsjahre von 1891 bis 2010 reichen. Dabei zeigte sich kein signifikanter Anstieg des gesamten Glutengehaltes. Der Gesamtproteingehalt und die Gliadine nahmen sogar eher ab. Verändert hat sich allerdings die Zusammensetzung: Bestimmte Glutenine, die für Elastizität und Backqualität wichtig sind, nahmen zu. Die Züchtung hat den Weizen also sehr wohl verändert.
Die Backindustrie hat ohnehin noch eine einfachere Methode. Wenn das Mehl nicht die gewünschten Backeigenschaften besitzt, kann man Gluten einfach hinzufügen. Das nennt sich dann Vitalweizengluten. Es wird aus Weizen gewonnen und verbessert unter anderem die Teigstabilität und das Brotvolumen. Je nach Rezeptur wird solches Weizengluten zusätzlich zum Mehl eingesetzt. Das macht Brot und Brötchen noch „fluffiger“.
Man könnte sagen: Wenn der Weizen nicht genügend Kleber für das gewünschte Ergebnis mitbringt, bekommt er eben Nachhilfe. Das ist besonders praktisch, wenn Vollkornteige, eiweißreiche Brote oder andere Mischungen nicht so brav aufgehen, wie es die Produktionsanlage gern hätte.
Und anschließend wundert man sich, warum Gluten plötzlich ein Verkaufsschlager geworden ist. Die einen geben es hinein, die anderen schreiben „glutenfrei“ auf die Packung. Willkommen in den „Modernen Zeiten“. Charlie Chaplin hat dem Irrsinn der Maschinenwelt bereits 1936 ein Denkmal gesetzt.

Forscher haben 60 deutsche Winterweizensorten untersucht und festgestellt, dass der Gesamtproteingehalt und die Gliadine seit 1891 abgenommen haben.

Foto: Frolova_Elena/iStock

Zeit und Herstellungsweise machen den Unterschied

Zurück ins Jahr 2026. Bei manchen Menschen könnte hinter den Beschwerden allerdings noch etwas ganz anderes stecken. Weizen enthält nämlich Fruktane. Diese gehören zu den sogenannten FODMAPs, einer Gruppe kurzkettiger Kohlenhydrate, die im Dünndarm teilweise schlecht aufgenommen werden. Gelangen größere Mengen davon in den Dickdarm, freuen sich dort zunächst die Bakterien. Der Besitzer des Darms freut sich möglicherweise etwas weniger.
Es entstehen Gase, Wasser wird in den Darm gezogen. Bei empfindlichen Menschen können Blähungen, Druck, Schmerzen, Durchfall oder andere Beschwerden auftreten. Gerade beim Reizdarmsyndrom ist dieser Zusammenhang inzwischen gut untersucht. Das ist insofern bemerkenswert, als jemand nach zwei Brötchen Bauchschmerzen bekommen und anschließend völlig korrekt beobachten kann: „Weizen vertrage ich nicht.“ Gluten kann der Schuldige sein, muss aber nicht.
Und jetzt taucht unsere verschwundene Zutat wieder auf: Zeit. Bei langer Sauerteigführung können Mikroorganismen einen Teil der Fruktane abbauen. Das Brot verändert sich also bereits während der Herstellung. Ich frage mich deshalb, weshalb wir beim Thema Ernährung ständig darüber reden, was wir essen, aber so selten darüber, wie diese Lebensmittel hergestellt wurden.
Weizen ist eben nicht gleich Brot. Ein Mehl, das innerhalb kürzester Zeit mit Backhilfsmitteln und viel Hefe zu einem Brötchen verarbeitet wird, ist etwas anderes als ein Teig, der über viele Stunden fermentieren durfte.

Das große Aber

Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Sauerteigbrot automatisch bekömmlich ist. Die Studienlage ist auch hier nicht so eindeutig, wie es manche Sauerteigmissionare gern hätten. Weniger FODMAPs bedeuten in klinischen Untersuchungen nicht zwangsläufig, dass jeder Mensch das Brot plötzlich problemlos verträgt. Menschen haben leider die unangenehme Eigenschaft, komplizierter zu sein als Laborwerte.
Und dann wäre da noch der Acker. Denn bevor der Weizen im Brot landet, steht er einige Monate draußen. In der konventionellen Landwirtschaft können dabei Herbizide, Fungizide, Insektizide und andere Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen.
Glyphosat ist nur einer dieser Stoffe, allerdings der bekannteste. Die verbreitete Behauptung, in Deutschland werde Weizen vor der Ernte routinemäßig mit Glyphosat „totgespritzt“, um ihn schneller trocken zu bekommen, stimmt so nicht. Eine Anwendung allein zur Sikkation, also zur Beschleunigung der Abreife oder Ernte, ist in der EU nicht erlaubt.
Das bedeutet aber nicht, dass Pflanzenschutzmittelrückstände im Getreide überhaupt kein Thema wären. Die Lebensmittelüberwachung findet regelmäßig Rückstände verschiedener Substanzen. Der größte Teil liegt innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte.
Unsere Behörden schließen daraus, dass bei „bestimmungsgemäßer Anwendung“ kein relevantes Gesundheitsrisiko zu erwarten sei. Behörden und Grenzwerte halt. Ich will hier auch keine Diskussion um Grenzwerte eröffnen. Denn die würde die Frage nicht beantworten, die ich mir beim Einkauf stelle.
Ein Plastikcontainer mit der Aufschrift "Glyphosat" bei einer Protestaktion vor dem Eingang des Chemiekonzerns Bayer. (Archivbild)

Ein Plastikcontainer mit der Aufschrift „Glyphosat“ bei einer Protestaktion vor dem Eingang des Chemiekonzerns Bayer. (Archivbild)

Foto: Fabian Sommer/dpa

Was kann der Einzelne tun?

Ich möchte nämlich nicht wissen, wie viel von einem Stoff ich gerade noch essen darf, ohne dass der Gesetzgeber ein Problem sieht. Mich interessiert eher, wie ich meine Belastung mit solchen Stoffen möglichst gering halte. Das gilt besonders für Lebensmittel, die täglich auf dem Tisch stehen. Wer morgens Brötchen, mittags Nudeln und abends Brot isst, hat mit Getreide nicht gerade eine seltene Begegnung.
Biogetreide ist deshalb für mich eine vernünftige Option. Nicht weil ein konventionelles Brötchen zur toxikologischen Zeitbombe wird, sondern weil Untersuchungen bei Biolebensmitteln deutlich häufiger eben keine quantifizierbaren Rückstände synthetischer Pflanzenschutzmittel finden.
Man kann sich natürlich auch darüber lustig machen und sagen, die Mengen seien doch winzig und an irgendetwas müsse man sowieso sterben. Stimmt. Die Menge macht bekanntlich das Gift. Aber daraus folgt noch nicht, dass jede vermeidbare Menge automatisch sinnvoll ist.
Was mache ich also mit einem Patienten, der mir sagt, er vertrage Brot nicht mehr? Ich würde zunächst wissen wollen, welches Brot er überhaupt isst. Ist es ein lange geführtes Sauerteigbrot oder ein Schnellbrot? Welche Zutaten stehen auf der Packung? Wurde zusätzlich Gluten verwendet? Gibt es eine gesicherte Zöliakie? Passen die Beschwerden eher zu einer FODMAP-Problematik? Und wie sieht der Rest der Ernährung aus?
Manchmal ist ein Versuch mit einem guten Sauerteigbrot aus wenigen Zutaten erstaunlich aufschlussreich. Viele Menschen berichten mir inzwischen auch: „Ich backe wieder selbst.“ Dann weiß man wenigstens, was drin ist – und vor allem, wie viel Zeit der Teig bekommen hat.
Und es gibt noch eine Möglichkeit. Ich selbst esse inzwischen praktisch kein Brot mehr. Nicht aus Angst vor Gluten oder weil ich Brot grundsätzlich für schlecht halte. Es hat sich einfach so ergeben. Und ich finde bis heute erstaunlich, wie gut das geht.
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Wiederverwendbare Raumkapseln – Europa sucht den Anschluss im Weltraum

Wenn es um die Zukunft der Raumfahrt geht, ist kürzlich oft die Rede davon, in absehbarer Zeit zum Mars zu fliegen. An dieser anspruchsvollen Mission arbeiten etwa die amerikanischen Unternehmen SpaceX und Blue Origin.
Von Europa hört man wenig. Zu Unrecht. Es gibt zum Beispiel das im Jahr 2021 gegründete deutsch-französische Raumfahrtunternehmen mit dem Namen ATMOS Space Cargo (ATMOS Weltraum-Fracht). Der Hauptsitz der Firma befindet sich im badischen Lichtenau.
Ziel des Unternehmens ist es, Fracht kostengünstig in das Weltall und wieder zurück zur Erde zu schicken – und zwar mit wiederverwendbaren Raumkapseln. Das hat bislang keine europäische Raumfahrtfirma geschafft, auch die Europäische Weltraumorganisation ESA nicht.

Foto: ATMOS Space Cargo

Mitbegründer und Chef des Start-up-Unternehmens ist Sebastian Klaus, ein ehemaliger Bundeswehroffizier der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte in Calw. Er hat während seines Dienstes an der Universität der Bundeswehr München Luft- und Raumfahrttechnik mit dem Schwerpunkt auf NewSpace-Technologien studiert.

„Strategische Autonomie“ durch europäische Infrastruktur im Orbit

In einem Interview mit dem Magazin „StartupValley“ vor rund einem Jahr machte Klaus darauf aufmerksam: „Orbitaler Rücktransport ist nicht nur wirtschaftlich, sondern geopolitisch relevant. Ohne eigene Rückkehrkapazität bleibt Europa abhängig.“
Die Vision von ATMOS sei es, eine europäische Weltraum-Infrastruktur zu schaffen, „die zivile und sicherheitsrelevante Anwendungen gleichermaßen stärkt“, so Klaus. Als europäisches Unternehmen orientiere man sich an den Grundwerten der EU und übernehme „Verantwortung, die bei dem Aufbau einer kritischen Infrastruktur entsteht, auch im Bereich Sicherheit“.
Indem die ATMOS-Raumkapseln sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke genutzt werden können – im politischen Sprachgebrauch nennt man dies „Dual-Use“ – entstehe Synergie: Ein und dieselbe Technologie ermögliche sowohl wissenschaftlichen Fortschritt als auch „strategische Autonomie“, sagte Klaus.

Für Biomedizin und Materialforschung

ATMOS will vor allem „eine nachhaltige und umfassende Integration des Weltraums in Forschung, Fertigung und Industrie auf der Erde“ ermöglichen.
„Wir treten nicht an, um Abenteuer für wenige Superreiche zu schaffen oder Flaggen auf fremden Planeten zu pflanzen“, kündigte Klaus in dem Interview mit dem Magazin an.
Das Unternehmen möchte vielmehr kostengünstig „die unbegrenzten Möglichkeiten des Weltraums für medizinische Forschung erschließen, sowie für Tests bei Hochleistungsmaterialien, die auf der Erde für Durchbrüche sorgen“.

Sebastian Klaus, CEO von ATMOS Space Cargo.

Foto: ATMOS Space Cargo

Konkret nennt Klaus biomedizinische Forschung. Diese verlange „die höchste Präzision bei Rückführzeiten“ der Experimente sowie bei den Umweltbedingungen, die in den Weltraumkapseln herrschen.
„Wenn Zellen oder Proteine in der Schwerelosigkeit wachsen, muss der Rückflug exakt planbar sein, sonst verliert das Experiment seinen Wert“, erklärt der Raumfahrtexperte. Gleiches gelte für Tests für Halbleiter oder genereller Materialforschung.

Prototyp für Weltraumkapsel

ATMOS habe dafür den Rückkehrkapselprototyp PHOENIX 1 in weniger als einem Jahr entwickelt, sagte der Firmenchef und erklärte weiter: Normalerweise dauere eine solche Entwicklung mehrere Jahre. Aber: „Als Startup hast du keine andere Wahl als schnell zu sein. Dafür musst du die Risiken eingehen, unter realen Bedingungen Fehler machen und aus ihnen lernen – nicht aus Simulationen“, berichtete Klaus vom Vorgehen seiner Firma.
PHOENIX 1 wurde im April 2025 vom amerikanischen Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida mittels einer SpaceX-Rakete des Tech-Unternehmers Elon Musk in den Weltraum geschickt.
Eines der Missionsziele des ersten Testflugs war einen damals neuartigen, aufblasbaren Hitzeschild für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zu erproben.

Foto: ATMOS Space Cargo

Foto: ATMOS Space Cargo

Eingesetzt werden sollen die wiederverwendbaren Kapseln im erdnahen Orbit, in dem auch die Internationale Raumstation ISS in rund 400 Kilometer Höhe die Erde umkreist. Gelingt das Projekt, könnten zum Beispiel die ISS-Besatzungen mit ein und derselben Raumkapsel neue Fracht an Bord nehmen und von dort aus wiederum Fracht zur Erde schicken.
Inzwischen hat sich ATMOS mit den Typen PHOENIX 2 und 3 weiterentwickelt. Diese Weltraumkapseln sollen in der Lage sein, Nutzlasten von weniger als 100 kg bis zu mehreren Tonnen in den Weltraum zu transportieren und dort bis zu drei Monaten zu lagern.
Doch auch andere Staaten und Firmen forschen und experimentieren im Bereich der wiederverwendbaren Raumkapseln auf Hochtouren. Eine Datenbank vom September 2025 führt 69 weitere Unternehmen.

ESA entwickelt den Space Rider

Auch die von 23 Staaten finanzierte ESA entwickelt gerade mit dem Space Rider ein unbemanntes, wiederverwendbares Raumfahrzeug für den Transport und für Experimente in der Erdumlaufbahn. Laut ESA, sei der Space Rider „das erste wiederverwendbare Raumfahrzeug Europas“.
Ziel sei es, mit einem fliegenden Labor bis zu zwei Monate unbemannt im niedrigen Erdorbit verweilen können und schließlich zur Erde zurückkehren. Genauso wie bei dem Privatunternehmen ATMOS sollen im Laderaum Experimente unter Schwerelosigkeit durchgeführt werden, darunter pharmazeutische Forschung, Materialtests und Materialfertigung im All. Die Landung soll mittels eines Gleitschirms gezielt auf einer Landebahn erfolgen. Der Erstflug des Space Rider ist für 2028 geplant.
Der Fachjournalist Andrew Parsonson sieht hinter dem Wettlauf um wiederverwendbare Raumkapseln die für das Jahr 2030 vorgesehene Stilllegung der ISS. Diese – schreibt er in seinem Medium „European Spaceflight“ – dürfte nach „eine gewisse Nachfrage für kommerzielle Betreiber schaffen“, doch bleibe ungewiss, ob diese Nachfrage ausreichen werde, „um eine wachsende Zahl konkurrierender europäischer Rücktransportdienste am Leben zu erhalten“.
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Bau-Präsident: Bereits „verheerende Folgen“ durch Vergesellschaftungspläne der Linken

Die Pläne der Linkspartei zur Vergesellschaftung von Wohnungen in Berlin haben nach Angaben von Bauindustrie-Präsident Olaf Demuth „schon jetzt eine verheerende Wirkung“. „Baugesellschaften, die in Berlin Darlehen aufnehmen wollen, um dort Wohnraum zu schaffen, kommen nicht mehr an frisches Geld“, sagte Demuth der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstagsausgabe). „Die Kreditgeber sind plötzlich zurückhaltender. Das merken selbst die staatlichen Akteure.“
Zentrales Wahlversprechen der Linkspartei bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl war es, Immobilienkonzerne mit mehr als 3.000 Wohnungen zu vergesellschaften. Nach dem Wahlsieg der Partei hat die Linke mit Grünen und SPD die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen vereinbart, um eine Regierung zu bilden.
„Schon die Pläne irritieren die Märkte“, sagte Demuth der „NOZ“ über die geplante Enteignung großer Wohnungskonzerne. Internationale Investoren wendeten sich ab. „Leider versteht man im Ausland auch das föderale System in Deutschland nicht so ganz. Deswegen setzt sich die Überzeugung fest, nicht nur in Berlin, sondern auch in Hamburg und München könnten Wohnbestände von Immobilienkonzernen bald vergesellschaftet werden“, führte der Baupräsident. Dies sei „echt gefährlich“.

Demuth warnt vor Folgen für den Wohnungsbau

Die Wohnungsnot in Berlin zu lindern, könne so nicht gelingen, warnte Demuth. Die von der Berliner Linkspartei geplante Verstaatlichung von 200.000 Wohnungen würde 20 bis 30 Milliarden Euro kosten. „Dann ist aber noch keine einzige Wohnung saniert und keine neu gebaut. Dafür hätte das Land kein Geld mehr“, erklärte Demuth in dem Interview. „Die Privatwirtschaft würde sich aus dem Baugeschäft zurückziehen – warum sollte sie auch bauen, wenn Vergesellschaftungen drohen?“
Laut dem Verbandschef gibt es nur „einen Weg aus der Misere: Das Bauen muss wieder attraktiv gemacht werden. Und zwar für alle: Für Privatleute, für Genossenschaften und für institutionelle Anleger.“ (afp/red)
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Mecklenburg-Vorpommern: SPD, Linke und Grüne streben Koalition an

Die Zeichen stehen auf Rot-Rot-Grün in Mecklenburg-Vorpommern: Nach zweiwöchigen Sondierungsgesprächen haben die Verhandler von SPD, Linken und Grünen ihren Parteien empfohlen, Koalitionsverhandlungen für das erste Dreier-Bündnis in der Geschichte des Bundeslandes aufzunehmen. Am Abend stimmten die Gremien der SPD und der Linken zu.
Die Grünen wollen am Samstag in Rostock bei einem Kleinen Landesparteitag entscheiden. Sollten auch sie einverstanden sein mit der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen, soll es am Montag um 11.00 Uhr damit losgehen, wie die SPD-Landesvorsitzende, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, ankündigte. Über die Posten der Ministerinnen und Minister werde ganz zum Schluss gesprochen. Mit den Sondierungen der vergangenen Wochen zeigte sich Schwesig zufrieden: „Es waren sehr gute Gespräche.“
Bei der Landtagswahl am 20. September war die AfD stärkste Kraft geworden. Mit 32 Sitzen hat sie jedoch keine Mehrheit im Schweriner Landtag mit seinen insgesamt 71 Abgeordneten. SPD (29), Grüne (5) und Linke (5) verfügen zusammen über mehr als die Hälfte der Sitze. Klappt die Regierungsbildung, haben sie mit 39 Sitzen drei Sitze mehr als sie für die Mehrheit benötigen.

„Mehr als ein Bündnis aus drei Parteien“

Die drei Parteien haben große Pläne. „Wir wollen mehr sein als ein Bündnis aus drei Parteien“, sagte Schwesig. „Wir wollen für alle da sein: in der Stadt und auf dem Land, für Junge und Ältere, für unsere Wählerinnen und Wähler und genauso für die, die skeptisch sind oder uns nicht gewählt haben.“ Der Vorsitzende des Linken-Landesverbandes und der neuen Linken-Fraktion im Landtag, Hennis Herbst, verwies auf eine geplante stärkere Bürgerbeteiligung im Land, etwa mit Bürgerräten.
In den Sondierungen verständigten sich die Beteiligten den Angaben zufolge bereits auf zentrale Vorhaben für die nächsten fünf Jahre. „Mit dem MV-Plan sollen bis 2035 zusätzlich 1,9 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen in die Modernisierung des Landes fließen“, teilten die Verhandler mit. „Die Kita bleibt beitragsfrei, Schulen werden weiter modernisiert und die Unterrichtsversorgung verbessert.“ Die Partner wollen sich für den Erhalt aller Krankenhausstandorte einsetzen und 1.000 neue oder sanierte Wohnheimplätze für Azubis und Studierende schaffen.
Zu den Vorhaben gehören demnach auch ein vergünstigtes Jugendticket für den öffentlichen Nahverkehr, mehr Bürgerbeteiligung sowie ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss zu rechtsextremen Netzwerken. Letzterer kam auf Betreiben der Linken ins Sondierungspapier, wie Herbst der Deutschen Presse-Agentur sagte. Eine Zusammenarbeit mit der AfD – der einzigen Oppositionspartei im neuen Schweriner Landtag – schließen SPD, Linke und Grüne aus.

Sieben Arbeitsgruppen für Koalitionsverhandlungen

Die Koalitionsverhandlungen sollen von einer Hauptgruppe aus Spitzenvertretern der drei beteiligten Parteien geführt werden. Ihr sollen sieben Arbeitsgruppen zu den einzelnen Themenfeldern zuarbeiten: Finanzen und Digitalisierung, Landwirtschaft und Klimaschutz, Wirtschaft und Energie, Bildung und Kultur, Soziales und Gesundheit, Innen und Kommunen sowie Sonderthemen (Bund und Europa). Am Ende sollen Landesparteitage aller drei Parteien über den Koalitionsvertrag und die Bildung der neuen Landesregierung entscheiden.

Wahl der Regierungschefin spätestens am 17. November

Viel Zeit bleibt nicht, das Dreier-Bündnis zu schmieden. Am 20. Oktober tritt der Landtag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Danach gibt die Landesverfassung vier Wochen Zeit, um den Ministerpräsidenten oder die Ministerpräsidentin zu wählen. Das wäre spätestens am 17. November. Daran, dass sie ihre nächste Amtszeit anstrebt, hat die SPD-Politikerin Schwesig nie einen Zweifel gelassen. (dpa/red)
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Erbschaftsteuer: Ökonomen fordern Ende der Privilegien für Firmenerben

Führende Ökonomen sprechen sich in der Debatte um die Erbschaftsteuer in Deutschland für eine Abschaffung der steuerlichen Sonderregeln bei der Vererbung von Unternehmen aus. Clemens Fuest, Präsident des Münchener Ifo-Instituts, fordert deutlich niedrigere Steuersätze, weniger Ausnahmen und großzügige Stundungsmöglichkeiten. Auch Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), hält die geltenden Privilegien für nicht mehr zeitgemäß.
Die Debatte gewinnt durch anstehende Verhandlungen vor dem Bundesverfassungsgericht an Bedeutung. Am Montag und Dienstag befasst sich das Gericht mit den geltenden Regelungen zur Erbschaftsteuer. Im Mittelpunkt stehen sowohl die steuerlichen Vorteile für Firmenerben als auch die Freibeträge beim Erben und Schenken. Während Ökonomen eine gerechtere Besteuerung unterschiedlicher Vermögensarten fordern, warnt der Verband der Familienunternehmer vor möglichen Folgen für Unternehmen, Investitionen und Arbeitsplätze.

Ökonomen fordern Abschaffung der Steuerprivilegien

Insbesondere für Betriebsvermögen gelten derzeit weitreichende Ausnahmen von der Erbschaftsteuer. Sie sollen verhindern, dass Unternehmen nach dem Tod ihrer Eigentümer aufgegeben werden müssen, weil die Erben die Steuerlast nicht tragen können.
DIW-Präsident Fratzscher fordert die Abschaffung „aller Ausnahmen, insbesondere für große Vermögen“. Um Unternehmen vor finanziellen Engpässen zu schützen, könnten die Steuerzahlungen gestundet werden. Damit ließe sich nach seiner Auffassung eine stärkere Besteuerung ermöglichen, ohne Betriebe unmittelbar mit hohen Zahlungsverpflichtungen zu belasten.
Auch Ifo-Präsident Clemens Fuest hält die Sorge vor negativen Folgen für Unternehmen für übertrieben. „Eine Steuer mit niedrigem Satz im Bereich von zehn Prozent, kombiniert mit großzügigen Stundungsregelungen, ist tragbar“, sagte er der „Welt am Sonntag“.
Fuest spricht sich zudem dafür aus, Ausnahmen für selbst genutzte Immobilien abzuschaffen. Eine Steuerfreiheit sei seiner Ansicht nach nur beim Ehepartner gerechtfertigt, der bereits in der betreffenden Immobilie wohne.

Unterschiedliche Vorstellungen zur Steuerlast

Während Fratzscher Vermögen insgesamt stärker zur Finanzierung staatlicher Aufgaben heranziehen will, setzt Fuest vor allem auf eine gerechtere Verteilung der Steuerlast. Der Ifo-Chef kritisiert, dass vor allem mittelgroße Erbschaften von der Erbschaftsteuer betroffen seien, während viele große Erbschaften in Form von Betriebsvermögen kaum oder gar nicht besteuert würden.
Die beiden Ökonomen sehen damit vor allem bei der steuerlichen Behandlung unterschiedlicher Vermögensarten Reformbedarf. Die zentrale Frage ist, wie sich eine gleichmäßigere Besteuerung erreichen lässt, ohne Unternehmen durch kurzfristig fällige Steuerzahlungen in finanzielle Schwierigkeiten zu bringen.
Auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, bekannt als die Wirtschaftsweisen, hatte sich in seinem Jahresgutachten 2025/2026 für eine Reform ausgesprochen. Ziel sollte es sein, unterschiedliche Vermögensarten gleichmäßiger zu besteuern. Dafür sollte die steuerliche Begünstigung von Betriebsvermögen deutlich verringert werden.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) vertritt eine andere Position. Er hält die Privilegierung von Betriebsvermögen für verfassungsgemäß und verweist auf deren Bedeutung für das Gemeinwohl. Der Erhalt von Unternehmen, ihrer Investitionskraft und der damit verbundenen Arbeitsplätze sei ein legitimes Ziel.

Bundesverfassungsgericht prüft zwei Aspekte der Erbschaftsteuer

Die Erbschaftsteuer beschäftigt nun das Bundesverfassungsgericht. Am Montag und Dienstag stehen zwei Verfahren auf der Tagesordnung, die unterschiedliche Bestandteile der geltenden Regelungen betreffen.
Im ersten Verfahren geht es um die Freibeträge beim Erben und Schenken. Die bayerische Landesregierung hält diese angesichts der gestiegenen Immobilienpreise für zu niedrig und die Steuerbelastung für zu hoch. Außerdem vertritt Bayern die Auffassung, dass der Bund nicht allein über die entsprechenden Regelungen entscheiden sollte. Weil sich Immobilienpreise regional stark unterscheiden, sollten regionale Besonderheiten stärker berücksichtigt werden.
Über diesen Fall verhandelt das Gericht am Montag (Az. 1 BvF 1/23).
Das zweite Verfahren betrifft die steuerlichen Vorteile für Firmenerben. Wer betriebliches Vermögen erbt, muss darauf häufig deutlich weniger Steuern zahlen als jemand, der Privatvermögen erbt. Ob diese Ungleichbehandlung mit dem Grundgesetz vereinbar ist, prüft das Gericht am Dienstag (Az. 1 BvR 804/22).

Welche Freibeträge gelten beim Erben?

Wie viel Vermögen steuerfrei vererbt werden kann, hängt unter anderem vom Verwandtschaftsgrad zwischen Erblasser und Erben ab. Witwen und Witwer können beispielsweise bis zu 500.000 Euro steuerfrei von ihrem verstorbenen Ehepartner erben. Für Kinder beträgt der Freibetrag 400.000 Euro.
Die Höhe dieser Freibeträge ist Teil der politischen und juristischen Debatte. Bayern argumentiert, dass die gestiegenen Immobilienpreise dazu führen könnten, dass Erben trotz vergleichsweise geringer anderer Vermögenswerte Erbschaftsteuer zahlen müssen. Die regional unterschiedlichen Immobilienpreise sind dabei ein zentraler Punkt der Argumentation.

So funktionieren die Steuerprivilegien für Unternehmen

Für geerbtes Betriebsvermögen gelten besondere Verschonungsregeln. Wird ein Unternehmen mindestens fünf Jahre lang fortgeführt und sinkt die Summe der an die Beschäftigten gezahlten Löhne nicht zu stark, bleiben grundsätzlich 85 Prozent des geerbten Betriebsvermögens steuerfrei.
Wird das Unternehmen sieben Jahre lang weitergeführt und werden die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, kann die Erbschaftsteuer vollständig entfallen. Kleine Betriebe mit weniger als sechs Beschäftigten sind von der Lohnsummenregelung ausgenommen.
Die Begünstigungen gelten für Betriebsvermögen bis zu einem Wert von 26 Millionen Euro. Bei höheren Beträgen greift die sogenannte Verschonungsbedarfsprüfung. Dabei wird geprüft, ob der Erbe die Steuer aus seinem verfügbaren Vermögen bezahlen kann. Kann er dies nachweisen, kann die Steuer erlassen werden.
Wie groß die finanziellen Auswirkungen dieser Regelung sind, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Im vergangenen Jahr wurden im Rahmen der Verschonungsbedarfsprüfung insgesamt 3,7 Milliarden Euro an Steuern erlassen.
Die Sonderregeln sollen verhindern, dass Erben Unternehmen verkaufen oder deren wirtschaftliche Substanz angreifen müssen, um die Steuer zu begleichen. Kritiker sehen darin jedoch eine erhebliche Ungleichbehandlung gegenüber Erben von Privatvermögen.

Wer hat gegen die Regelungen geklagt?

Dem Verfahren zu den Steuerprivilegien liegt die Verfassungsbeschwerde eines Mannes zugrunde, der Wertpapiere und Immobilien von seiner Tante geerbt hatte. Dafür sollte er rund 47.000 Euro Erbschaftsteuer zahlen.
Seine Klage vor dem Finanzgericht Münster blieb erfolglos. Daraufhin wandte er sich mit einer Verfassungsbeschwerde an das Bundesverfassungsgericht. Das Verfahren führt nun zur Prüfung der geltenden steuerlichen Regeln für Firmenerben.

Familienunternehmer warnen vor Folgen für den Standort Deutschland

Der Verband der Familienunternehmer warnt vor erheblichen wirtschaftlichen Folgen, sollte das Bundesverfassungsgericht die Verschonungsregeln für Betriebsvermögen für verfassungswidrig erklären.
„Das schlimmste Szenario wäre die Feststellung, dass die Verschonungsregeln für Betriebsvermögen verfassungswidrig sind“, sagte Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann der „Rheinischen Post“.
Bei den derzeitigen Steuersätzen würde ein solches Urteil nach ihrer Einschätzung die unternehmerische Substanz in Deutschland massiv gefährden. Eine Erbschaftsteuer, die die besondere soziale Funktion von Betriebsvermögen nicht berücksichtige, wäre aus ihrer Sicht nicht nur für Unternehmen selbst problematisch, sondern auch für den Wirtschaftsstandort und den Wohlstand.
Ostermann warnte zudem, ein Ende der steuerlichen Begünstigungen könne private Investitionen abschrecken. Sie verwies auf Unternehmensanteile, die bereits jetzt wegen der aus ihrer Sicht schlechten Standortbedingungen ins Ausland verlegt würden.
Entscheidend sei, dass das Bundesverfassungsgericht anerkenne, dass Betriebsvermögen nicht einfach mit Privatvermögen gleichzusetzen sei. Die Übertragung eines Familienunternehmens auf die nächste Generation müsse möglich bleiben, ohne dem Betrieb die für Investitionen und Wachstum notwendige Liquidität zu entziehen. Andernfalls könnten aus Sicht des Verbandes auch die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen und die Arbeitsplätze gefährdet werden.

Wie hat das Gericht bisher über die Erbschaftsteuer entschieden?

Das Bundesverfassungsgericht hat sich bereits mehrfach mit der Erbschaftsteuer befasst. In den Jahren 1995, 2006 und 2014 stufte es jeweils die damals geltenden Regelungen als verfassungswidrig ein. In der Folge wurde das Gesetz jeweils reformiert.
Auch diesmal könnte eine Beanstandung durch das Gericht Änderungen am Erbschaftsteuerrecht erforderlich machen. Welche konkreten Vorschriften betroffen wären und wie umfangreich eine mögliche Reform ausfallen müsste, hängt von der Entscheidung ab.

Wann wird ein Urteil erwartet?

Eine Entscheidung wird nicht unmittelbar nach den mündlichen Verhandlungen am Montag und Dienstag erwartet. Die konkreten Urteilstermine stehen bislang nicht fest. In Karlsruhe werden Entscheidungen häufig erst einige Wochen oder Monate nach einer mündlichen Verhandlung verkündet. Der Verband der Familienunternehmer rechnet mit einem Urteil Ende 2026 oder Anfang 2027.
Sollte das Gericht die geltenden Regelungen beanstanden, müsste die Politik eine Reform auf den Weg bringen. Das könnte schwierig werden, weil Union und SPD bei der Erbschaftsteuer unterschiedliche Positionen vertreten. Die SPD steht tendenziell Reformen offener gegenüber, während die Union eher an den bestehenden Begünstigungen festhalten will. Innerhalb der Parteien, insbesondere der CDU, gibt es allerdings ebenfalls unterschiedliche Auffassungen.
Damit geht es bei den anstehenden Verhandlungen nicht nur um die steuerliche Behandlung von Erbschaften. Die Entscheidung könnte auch die künftige Gestaltung der Unternehmensnachfolge, die Finanzierung von Investitionen und die Verteilung der Steuerlast zwischen Erben unterschiedlicher Vermögensarten beeinflussen. (afp/dts/red)
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Trump: Katie Zacharia wird neue Sprecherin des Weißen Hauses

US-Präsident Donald Trump hat Katie Zacharia zur neuen Sprecherin des Weißen Hauses ernannt. Sie folgt auf Karoline Leavitt, die ihr Amt Ende August aus familiären Gründen aufgegeben hatte. Zacharia war zuvor als Kommunikationsberaterin und politische Kommentatorin tätig.
„Ich bin zuversichtlich, dass Katie als neue Pressesprecherin des Weißen Hauses starke Ergebnisse für unser Land erzielen wird“, teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit.
Zacharia gilt als Unterstützerin des US-Präsidenten. Nach Angaben Trumps unterstützte die Juristin ihn bereits während des Wahlkampfs, insbesondere in umkämpften Bundesstaaten, den sogenannten Swing States. Trump hob ihre bisherige Arbeit und ihr Engagement hervor.

Katie Zacharia besucht am 14. Dezember 2025 die Premiere des Films „David“ im Kino AMC DINE-IN Thoroughbred 20 in Franklin, Tennessee.

Foto: Terry Wyatt/Getty Images für 2521 Entertainment und Angel Studios

Beruflicher Werdegang und Ausbildung

Zuletzt arbeitete Zacharia nach Angaben ihres LinkedIn-Profils als Kommunikationsberaterin für die Trump Media & Technology Group, zu der auch die Plattform Truth Social gehört. Zuvor war sie kurzzeitig stellvertretende Sprecherin des US-Heimatschutzministeriums.
Außerdem trat sie als politische Kommentatorin bei Fox News und Newsmax auf. Zacharia absolvierte ein Bachelorstudium in Politik- und Staatswissenschaften an der christlichen Pepperdine University im kalifornischen Malibu. Anschließend schloss sie ihr Studium an der Pepperdine Caruso School of Law ab.

Karoline Leavitt verließ das Amt Ende August

Karoline Leavitt hatte Ende August ihren letzten Arbeitstag als Sprecherin des Weißen Hauses. Trump hatte ihren bevorstehenden Abschied rund zwei Wochen zuvor bekannt gegeben. Sie hatte das Amt seit Beginn seiner zweiten Amtszeit inne und war mit damals noch nicht 30 Jahren die jüngste Pressesprecherin in der Geschichte des Weißen Hauses.

Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, spricht während einer Pressekonferenz im Weißen Haus am 17. März 2025.

Foto: Madalina Vasiliu/Epoch Times

Trump erklärte, Leavitt wolle sich künftig stärker ihrer Familie widmen. Er respektiere ihre Entscheidung. Auch Leavitt verwies auf die Anforderungen des Amts und die Betreuung ihrer beiden kleinen Kinder.
In einer Erklärung sagte sie, dass sie nach der Geburt ihrer Tochter im Mai festgestellt habe, wie schwierig es sei, den beruflichen Anforderungen gerecht zu werden und gleichzeitig ausreichend Zeit und Aufmerksamkeit für ihre Kinder aufzubringen. Deshalb habe sie sich für den Abschied entschieden. Ihr Sohn wurde 2024 geboren.

Leavitts Umgang mit den Medien

Während ihrer Amtszeit trat Leavitt regelmäßig vor die Presse. Dabei kam es wiederholt zu kontroversen Wortwechseln mit Journalisten. Sie kritisierte Medienberichte und warf einzelnen Medien vor, Falschinformationen zu verbreiten. (afp/dpa/red)
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Trump kündigt Diesel-Deal mit Russland an – Ukraine kritisiert Vereinbarung

US-Präsident Donald Trump hat nach einem Gespräch mit Kremlchef Wladimir Putin eine Vereinbarung über Lieferungen von Hunderttausenden Tonnen Diesel aus Russland angekündigt. Dafür setzen die USA Sanktionen gegen russischen Diesel vorübergehend aus. Der Kreml bestätigte die Vereinbarung, während der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sie mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen sein Land scharf kritisierte. Trump steht in den USA angesichts gestiegener Kraftstoffpreise vor den wichtigen Zwischenwahlen in weniger als einem Monat unter Druck.
Die Ankündigung sorgt auch deshalb für Diskussionen, weil Trump erst im September ein vom Parlament verabschiedetes Gesetz unterzeichnet hatte, das ihm weitreichende Befugnisse für neue Sanktionen gegen Russland einräumt. Neben direkten Strafmaßnahmen gegen russische Politiker und Unternehmen zielte das Gesetz darauf ab, die russischen Öl- und Gasexporte stärker einzudämmen. Mit den Einnahmen daraus finanziert Russland unter anderem seinen Krieg gegen die Ukraine. Der nun von Trump angekündigte Schritt geht in eine andere Richtung.
Der US-Präsident teilte nach dem Telefonat mit Putin auf seiner Plattform Truth Social mit, er habe mit dem russischen Präsidenten vereinbart, dass „umgehend“ mehr als 300.000 Tonnen Diesel für die USA und den Weltmarkt zur Verfügung gestellt würden. Im Laufe des Novembers solle eine weitere halbe Million Tonnen Diesel freigegeben werden, gefolgt von einer Million Tonnen „sofort danach“.
„Abhängig vom Zustand seiner Dieselraffinerien“ wolle Russland zudem innerhalb kurzer Zeit drei Millionen Tonnen Diesel liefern. Trump nannte zunächst keine konkreten Zeiträume. Später bezeichnete er die Vereinbarung vor Journalisten am Weißen Haus als „große Sache“ und sagte: „Ich möchte Präsident Putin danken.“
Das US-Finanzministerium stellte für die mit Putin getroffene Vereinbarung angesichts der bestehenden Sanktionen gegen Russland eine zeitlich begrenzte Genehmigung aus. Damit seien der Verkauf, die Lieferung, das Entladen und der Import von Diesel aus Russland bis zum 7. April 2027 erlaubt.

Russland begrüßt Vereinbarung, Ukraine übt Kritik

Putin bestätigte die Vereinbarung. „Bei der Diskussion der Situation auf dem weltweiten Energiemarkt bestätigte die russische Seite ihre Bereitschaft, Erdöl und Erdölprodukte auf den amerikanischen und die Weltmärkte zu liefern“, hieß es in einer schriftlichen Erklärung. Dies werde sich positiv auf die „gesamte Weltwirtschaft“ auswirken.
Selenskyj kritisierte die Vereinbarung scharf. „Die Erlaubnis für Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, ist eine Investition in den Krieg (gegen die Ukraine), den man beenden und nicht verlängern muss“, schrieb er auf Telegram. Moskau werde mit weiterem „Terror und Gemeinheiten“ reagieren.
In einem Interview mit dem US-Nachrichtenportal „Axios“ bekräftigte Selenskyj seine Kritik. Die Vereinbarung sei „nicht fair und nicht ehrlich“, sagte er. Besonders verärgert zeigte er sich darüber, dass Trumps Gesandte Steve Witkoff und Jared Kushner parallel zu den Gesprächen mit Putin in Miami mit ukrainischen Unterhändlern über ein mögliches Ende des Krieges verhandelten. Über das geplante Diesel-Abkommen sei dabei nicht gesprochen worden.
Auch Demokraten kritisierten die Vereinbarung. Gregory Meeks, das ranghöchste Mitglied der Partei im Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses, erklärte mit Blick auf das erst kürzlich verabschiedete Sanktionsgesetz: „Wochen nach der Unterzeichnung eines Gesetzes, das Sanktionen gegen Käufer russischer Energie vorsieht, kündigt Trump an, dass die Vereinigten Staaten diese kaufen werden.“ Er verurteile diesen Kurswechsel.

Russland hebt Diesel-Exportverbot auf

Russlands Vizeregierungschef Alexander Nowak kündigte unterdessen die sofortige Aufhebung des bislang geltenden Exportverbots für Diesel an. Noch im Oktober sollten 300.000 Tonnen Diesel ausgeführt werden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Tass. Im November und Dezember könnten weitere 500.000 beziehungsweise eine Million Tonnen folgen. Die tatsächlichen Mengen hingen jedoch von Reparaturen an Raffinerien ab, die durch ukrainische Drohnenangriffe beschädigt worden seien.
Im vergangenen Jahr lag die monatliche Dieselproduktion Russlands bei etwa sieben Millionen Tonnen. Die Produktionskapazitäten haben sich seither ungefähr halbiert.
Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA liegt der Verbrauch von Diesel und anderen Destillat-Kraftstoffen in den USA derzeit bei durchschnittlich rund 3,77 Millionen Barrel täglich. Das entspricht umgerechnet etwa 500.000 Tonnen. Eine Menge von 300.000 Tonnen würde rechnerisch damit etwa 14 Stunden des US-Verbrauchs abdecken.

Kraftstoffpreise erhöhen den politischen Druck auf Trump

Die gestiegenen Kraftstoffpreise setzen Trump vor den wichtigen Zwischenwahlen unter Druck. Auch Republikaner machten zuletzt in ungewöhnlich deutlicher Form den Iran-Krieg für die hohen Preise verantwortlich.
Trump wiederum hatte in den vergangenen Wochen den ukrainischen Präsidenten Selenskyj für eine weltweite Dieselknappheit verantwortlich gemacht und ihn aufgefordert, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. „Er muss aufhören, die Dieselversorgung in Russland lahmzulegen“, sagte Trump Mitte September in Irland.
„Das liegt nicht am Nahen Osten, sondern an den Ereignissen in Russland und der Ukraine“, sagte er mit Blick auf die Dieselknappheit. Die USA hätten bereits mit Selenskyj darüber gesprochen. „Es gibt jede Menge andere Ziele. Er darf keine Dieselanlagen angreifen, denn das schadet der ganzen Welt.“
Der Krieg in der Ukraine führte insbesondere in seiner Anfangsphase vor mehr als vier Jahren zu einem deutlichen Anstieg der Energiepreise weltweit. In den vergangenen Monaten verstärkte die Ukraine ihre Angriffe auf Objekte der russischen Ölindustrie. Die Auswirkungen sind in Russland spürbar.
Selenskyj bekräftigte nun die Bereitschaft der Ukraine, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, sofern Russland im Gegenzug seine Angriffe auf ukrainische Energieanlagen beendet. „Wir haben eben Amerika eine solche Vereinbarung vorgeschlagen und finden, dass die Kräfte der Vereinigten Staaten ausreichend sind, um einen derartigen Kompromiss zu erreichen“, schrieb der ukrainische Präsident.
Eine Lockerung der Sanktionen gegen Russland wertete Selenskyj als Zeichen „offensichtlicher Schwäche“. Russland werde die USA dadurch noch weniger ernst nehmen. (dpa/red)
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10.10.2026 | Ukraine-Botschafter kritisiert Schröder-Besuch bei Putin | Trump: War an Livestream-Entscheidung nicht beteiligt | Buh-Rufe für Prinz Harry

HEUTE7:00 Uhr

Buh-Rufe für Prinz Harry bei Rugby-Spiel

Prinz Harry hat bei einem Rugby-Spiel in Leicester seine gesunkene Beliebtheit zu spüren bekommen. Als der 42-Jährige auf der Stadionleinwand gezeigt wurde, gab es Buh-Rufe. Harry war Ende August nach sechs Jahren mit seiner Familie aus den USA nach Großbritannien zurückgekehrt.
Herzogin Meghan und Prinz Harry wohnen mit ihren Kindern wieder in Großbritannien. (Archivbild)

Herzogin Meghan und Prinz Harry wohnen mit ihren Kindern wieder in Großbritannien. (Archivbild)

Foto: Jae C. Hong/AP/dpa

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HEUTE6:50 Uhr

Verbraucherschützer drängen auf Entlastung bei Heizölkosten

Angesichts drastisch gestiegener Heizölpreise fordert VZBV-Chefin Ramona Pop gezielte Entlastungen für Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen. Eine warme Wohnung dürfe kein Luxus werden, sagte sie der “Rheinischen Post”. Zudem warnte sie vor Betrügern mit falschen Schnäppchen im Internet.

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HEUTE6:40 Uhr

Witkoff: “Konstruktive Gespräche” mit Ukraine in Miami

Bei Gesprächen mit ukrainischen Unterhändlern in Miami hat der US-Sondergesandte Witkoff von konstruktivem Austausch gesprochen. Es sei um Vorbereitungen auf den Winter wie die Stärkung der Energieinfrastruktur gegangen, aber auch um Sicherheitsgarantien. Auch Vertreter Europas nahmen teil.

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HEUTE6:15 Uhr

CDU-Generalsekretärin kündigt Aufarbeitung der Wahldebakel an

CDU-Generalsekretärin Hoppermann hat für die Klausur der Parteispitze eine Aufarbeitung der Wahldebakel in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin zugesagt, wie sie der “Augsburger Allgemeinen” sagte. Vordenker Rödder sieht die CDU in einer existenzbedrohlichen Krise.

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HEUTE6:00 Uhr

Trump: Nicht an Livestream-Entscheidung zu Hinrichtung beteiligt

US-Präsident Trump war nach eigenen Angaben nicht an der Entscheidung beteiligt, die für Dezember geplante Hinrichtung des Fort-Hood-Attentäters Nidal Hasan per Livestream zu übertragen. Er verstehe sie aber: Man wolle ein Exempel statuieren. Hasan hatte 2009 auf dem Stützpunkt 13 Menschen getötet.

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HEUTE5:30 Uhr

Hurrikan “Isaias” trifft auf Florida – Hunderttausende ohne Strom

Hurrikan “Isaias” ist nahe Destin im Nordwesten Floridas auf Land getroffen. Mit bis zu 165 km/h brachte er heftigen Regen, abgedeckte Dächer und Stromausfälle: Mehr als 500.000 Haushalte in Florida und Alabama waren ohne Strom. Mehrere Golfstaaten riefen den Notstand aus.

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HEUTE5:30 Uhr

Bundesverband warnt vor Kontroll-Lücken bei Restaurants

Lebensmittelchemiker verteidigen eine bundesweit einheitliche Risikobewertung bei Kontrollen. Fielen Vorgaben weg, drohten schlechtere und weniger Kontrollen etwa in Restaurants, warnte Verbandspräsidentin Birgit Bienzle. Standards dürften wegen knapper Kassen der Kreise nicht sinken.

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HEUTE5:13 Uhr

Ukraine-Botschafter kritisiert Schröder für Besuch bei Putin

Der ukrainische Botschafter Makeiev hat den Besuch von Altkanzler Schröder (SPD) bei Putins Geburtstagsfeier als widerlich kritisiert. Am selben Tag seien fünf Kinder in Pryluky durch eine russische Rakete getötet worden, sagte er dem “Tagesspiegel”. Kiesewetter (CDU) fordert Ächtung Schröders.
Schröder zählte zu Putins Gratulanten. (Archivbild)

Schröder zählte zu Putins Gratulanten. (Archivbild)

Foto: Alexei Druzhinin/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP/dpa

 
Mit Material der Nachrichtenagenturen

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Bauindustrie warnt vor weiterem Einbruch beim Wohnungsbau – Milliardenhilfe gefordert

Die Bauindustrie erwartet wegen der gestiegenen Kosten einen weiteren Einbruch beim Wohnungsbau und ruft die Regierung zum Eingreifen auf. „Um aus der Krise zu kommen, muss jetzt das Finanzierungsdebakel aufgelöst werden“, sagte der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Olaf Demuth, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstagausgabe). „Hier muss auch der Staat ein Eigeninteresse haben. Ein Finanzierungsturbo ist der einzige Turbo, der sofort Schub gäbe.“
Dass es in Ballungsräumen zu wenige Wohnungen gebe, könne niemand bestreiten, sagte Demuth. Die Energiepreise hätten das Bauen aber so teuer gemacht, dass der Neubau sich oft nicht mehr lohne. „Wir gehen fest davon aus, dass in diesem Jahr nochmals deutlich weniger Wohnungen fertiggestellt werden als im vergangenen“, sagte Demuth daher. „Wir werden wohl unter der 200.000er-Marke landen.“ 2025 waren 206.000 Wohnungen fertiggestellt worden.

Verband fordert günstige Kredite und Bürgschaften

„Es wäre ganz sicher möglich, die Krise binnen einiger Jahre zu entschärfen, wenn die richtigen Entscheidungen getroffen würden“, sagte er. Der Staat müsse Haushalte, Familien und Anleger durch zinsgünstige Darlehen und durch Bürgschaften dabei unterstützen, an Kapital zu kommen, weil der Kapitalmarkt immer mehr Sicherheiten verlange. „Ohne einen gehörigen Teil Eigenkapital kommt niemand mehr an vernünftige Zinsen“, sagte Demuth.
„Wenn der Wohnungsbau im Volumen von 50 bis 60 Milliarden Euro mit günstigen Krediten abgesichert wäre, dann würde das ordentlich was bringen.“ Dabei gehe es nicht um klassische konsumtive Ausgaben, denn die Mittel seien Darlehen, kämen also zurück, würden als Sicherheit genutzt und könnten eine Hebelwirkung entfalten.

Demuth fordert politische Entscheidungen

Warum die Union und SPD seiner Ansicht nach noch nicht handelten, sei völlig unverständlich. „Wir haben in Berlin gesehen, dass die Wohnungsnot den Populisten die Wähler in die Arme treibt und Wahlen entscheidet. Ich kann weder als Bürger noch als Bauindustrie-Präsident begreifen, warum die Bundesregierung das Thema nicht abräumt“, sagte der Verbandspräsident. „Auf Trump, Putin oder China haben wir wenig Einfluss, aber ob mehr Wohnungen gebaut werden, das können wir sehr wohl beeinflussen.“ Und man kenne die Instrumente aus früheren Jahrzehnten.
„Die richtigen Fördermaßnahmen haben die Bauzahlen sehr rasch nach oben getrieben. Wir haben da Übung drin, es funktioniert. Es ist der politische Wille, der jetzt gefragt ist“, sagte Demuth. „Und wenn der Baumotor richtig läuft, dann trägt er neun bis zwölf Prozent zur gesamten Wirtschaftsleistung bei. Da liegt also eine gewaltige Chance.“ (dts/red)