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Atypisch für Deutschland? Wie ein 19-jähriger Unternehmer auf Erfolgskurs geht

„Dann sind natürlich Tränen geflossen, Stühle geflogen“, erzählt Pascal Becker schmunzelnd.
Der 19-Jährige erinnert sich an den Tag, an dem er seiner Mutter sagte, dass er die Schule abbrechen wolle.
Sie stammt aus einer Unternehmerfamilie, in der ein guter Schulabschluss dennoch wichtig war. Auch Beckers Vater hat als Arzt gearbeitet und vor seiner Selbstständigkeit promoviert.
Becker sah für sich jedoch einen anderen Lebensweg. Bereits mit 16 Jahren hatte er sich neben der Schule selbstständig gemacht. Als er mit seinen IT-Dienstleistungen immer erfolgreicher wurde und die Aufträge ihn zunehmend beanspruchten, entschied er sich, sich ganz auf seine Kunden und das Unternehmertum zu konzentrieren. Und diese Entscheidung bereut er bis heute nicht.
Die Zahlen, die Becker nennt, sind bemerkenswert: Nach seinen Angaben stieg der Jahresumsatz von rund 10.000 Euro im Jahr 2023 auf 100.000 Euro 2024 und 1 Million Euro 2025. Für 2026 rechnet er sogar mit 6 Millionen Euro. „Wir sind sehr, sehr gut dabei“, sagt er.
Was 2023 als Einzelunternehmen begann, entwickelte sich zur BIT-Systems GmbH, die nach eigener Beschreibung ein deutschlandweit tätiges, auf den Mittelstand spezialisiertes IT-Systemhaus ist.
Seit 2026 baut Becker unter dem Namen BIT Group weitere Geschäftsfelder auf, darunter Personalvermittlung und Softwareentwicklung. Neben Wiesbaden ist der Standort München hinzugekommen. Die Anzahl der Festangestellten stieg nach seinen Angaben auf 55.

„Irgendwann fragt auch keiner mehr nach dem Alter“

Kaum ist Becker aus Amsterdam zurück, wartet schon der nächste Termin. Seine Stimme klingt dennoch energiegeladen und vor allem selbstbewusst.
Er war auf einer Fachmesse für Cybersicherheit, eingeladen von einem Geschäftspartner. Für ihn gehört es zum Alltag, technologische Entwicklungen im Blick zu behalten. Zugleich ist es für ihn besonders schön zu sehen, „wenn auch unsere Arbeit in der Branche so ein bisschen wertgeschätzt wird“.

Im Schnitt besucht Becker monatlich 20 potenzielle Neukunden.

Foto: BIT-Systems GmbH

Dass er erst 19 Jahre alt ist, sorgt auch dort noch immer für Erstaunen. In einer Runde mit zahlreichen Branchenkollegen habe der Geschäftspartner sein Alter verraten und hinzugefügt: „Der macht den gleichen Umsatz wie ihr.“ Diese Anekdote erzählt Becker am Rande des Gesprächs mit Stolz, als die Frage aufkommt, ob sein junges Alter in der oft als konservativ geltenden deutschen Unternehmerwelt zum Nachteil werden könne.
„Das Schwierigste war es, den ersten Kunden rumzukriegen. Danach ging es dann relativ zügig weiter.“
Nach drei Jahren in der Branche erhält er viele Weiterempfehlungen von Kunden. Stolz ist er darauf, dass sein IT-Systemhaus in dieser Zeit keinen einzigen Kunden verloren habe. Für stetiges Wachstum setzt er aber auch auf Kaltakquise, um neue Kunden zu gewinnen.
Rund 20 Gespräche mit potenziellen Neukunden führt Becker zurzeit nach eigenen Angaben jeden Monat. Aus etwa jedem zweiten werde ein Auftrag.
Häufig begleitet ihn dabei der technische Leiter oder ein Spezialist für Softwareentwicklung, der das entscheidende Know-how mitbringt „und auch ein bisschen Reputation schafft“.
„Irgendwann fragt auch keiner mehr nach deinem Alter“, sagt Becker lächelnd.

Die 80-Stunden-Woche eines Gen-Z-Unternehmers

Wenn es sein Terminkalender erlaubt, beginnt Becker den Tag im Büro in Wiesbaden.
Dort verschafft er sich einen Überblick über laufende Projekte und mögliche Störungen. Nach seiner Erfahrung treten technische Probleme besonders häufig morgens auf.
Anschließend folgen Gespräche mit Mitarbeitern, Führungskräften und Auszubildenden, bevor am Nachmittag die Außentermine anstehen. „Ich mache keine Technik mehr. Ich mache nur noch Vertrieb und Management“, sagt Becker.
Die Kunden stammen aus unterschiedlichen Branchen: von spezialisierten Technologieunternehmen über größere Fleischereien bis hin zu Tierkliniken.

Trotz seines jungen Alters wird Becker von Geschäftspartnern und Kunden geschätzt.

Foto: BIT-Systems GmbH

Sobald ein Vertrag geschlossen ist, übernimmt das technische Team. Mit rund 40 Mitarbeitern bildet es die mit Abstand größte Abteilung des Unternehmens.
Die Mitarbeiter kümmern sich um sämtliche IT-Probleme der Kunden – von Hard- und Software über die Verwaltung der IT-Systeme bis hin zu Lösungen für die Cybersicherheit. Darunter sind auch mehrere Auszubildende.
Hinzu kommen Mitarbeiter im Management, Backoffice, Recruiting und Vertrieb, die zusammen das 55-köpfige Team bilden. Das Durchschnittsalter im Unternehmen schätzt Becker auf rund 30 Jahre.
Den Abend lässt Becker gern „mit etwas Sinnvollem ausklingen“. So trifft er sich mit Beratern, Geschäftspartnern oder Kunden zum Essen, wo ein persönliches, freundschaftliches Verhältnis das Geschäftliche abrundet.
So kommt der junge Unternehmer nach eigenen Angaben schnell auf rund 80 Arbeitsstunden pro Woche.

„Ich war immer der, der am meisten gearbeitet hat“

Woher nimmt er diese Motivation – als Angehöriger der Generation Z, die in der heutigen Arbeitswelt eher bekannt ist für ihren Fokus auf „Work-Life-Balance“?
Bei dieser Frage erinnert sich Becker gern an die Zeit, als er noch als Schüler bei einem der größten IT-Systemhauskonzerne Deutschlands ein Praktikum begann. Zunächst musste er lediglich Laptops von A nach B bringen. Später durfte er Kunden zeigen, wie ihre IT-Infrastruktur aussehen sollte. Zunehmend betreute er die Projekte selbstständig.
„Ich war vielleicht nicht der, der am schnellsten war. Am Anfang gar nicht. Aber ich war immer der, der am meisten gearbeitet hat“, erzählt er lächelnd.
Von seiner Familie sei er „wortwörtlich“ zur Selbstständigkeit erzogen worden. Ob Vater oder Mutter, Großmutter väterlicherseits oder Großvater mütterlicherseits – viele seiner Familienmitglieder waren selbstständig. „Das liegt so ein bisschen bei uns, in der Natur der Sache.“
Doch neben dem familiären Hintergrund ist es vor allem die Freude an seiner Arbeit, die ihn antreibt. „Es ist das Thema IT und jetzt auch das Thema Vertrieb und Partnermanagement. Das sind Sachen, die machen mir einen unglaublichen Spaß.“
Aus dieser Begeisterung erwächst bei dem jungen Unternehmer der Wunsch, den Kunden eigene Lösungen anzubieten – aus seiner Sicht näher am Kunden, schneller und effizienter, vor allem aber preislich „transparent und fair“.
Im November 2023 machte sich Becker mit 16 Jahren als Einzelunternehmer selbstständig. Als Minderjähriger musste er dafür eine gerichtliche Genehmigung einholen. Seine Eltern begleiteten ihn dabei. Auf die Frage, ob sie ihrem Sohn das zutrauten, antworteten beide mit „Ja“.
Ohne ihre Zustimmung, erfuhr er später, wäre sein Vorhaben kaum möglich gewesen.
Als Becker jedoch in der zwölften Klasse die Schule abbrechen wollte, um sich ganz auf sein Unternehmen zu konzentrieren, stieß er nicht zuletzt bei seiner Mutter auf erheblichen Widerstand.
Wie durch Zauberhand wirkten schließlich die Worte einer Taxifahrerin, die ihn seit fast einem Jahr regelmäßig zu Kundenterminen fuhr. Sie sagte zu seiner Mutter:
„Hören Sie, Frau Becker, ich fahre den Jungen jeden Tag von A nach B, und das mache ich seit knapp einem Jahr. Sie können davon ausgehen, wenn er so weitermacht wie jetzt, dann kann das gar nicht schiefgehen.“
Schließlich unterschrieb seine Mutter die Abmeldung.

Mut und Vertrauen: Ein Rezept gegen den Fachkräftemangel?

Was seine Eltern ihm mit 16 Jahren zutrauten, traut er heute seinen Mitarbeitern zu: Verantwortung zu übernehmen, Fehler zu machen und daran zu wachsen.
Denn neue Kunden zu gewinnen, ist nur die eine Hälfte des Geschäfts. Die andere besteht darin, genügend qualifizierte Beschäftigte für die umfangreichen Kundenaufträge zu finden.
Gerade in der IT-Branche ist das keine Selbstverständlichkeit: Nach einer Prognose des Digitalverbands Bitkom dürfte der deutsche IT-Markt im Jahr 2026 um 5,4 Prozent auf knapp 171 Milliarden Euro wachsen. Zugleich bleiben Fachkräfte knapp. Die von Bitkom bezifferte Zahl der unbesetzten IT-Stellen liegt 2026 bei rund 79.000.
„Die Lösung für den Fachkräftemangel ist es nicht, die guten Leute einzustellen. Die Lösung für den Fachkräftemangel ist es, die Leute einzustellen, die man hat. Und diese Leute so lange zu qualifizieren, bis man daraus eine Fachkraft hat“, sagt Becker überzeugt.
Mindestens vier Auszubildende nimmt sein Unternehmen nach eigenen Angaben jedes Jahr auf. Hinzu kommen Praktikanten und Quereinsteiger. Dabei sollen die jungen Leute nicht bloß zuschauen. Vom ersten Tag an erhalten sie praktische Aufgaben.

Im Umgang mit seinem Team spielen Mut und Vertrauen eine wichtige Rolle.

Foto: BIT-Systems GmbH

Für jeden Auszubildenden sieht Becker nach eigenen Angaben während der dreijährigen Ausbildung Schulungen im Wert von mindestens 10.000 Euro vor. Zuvor bespricht er mit jedem individuell, in welche Richtung er sich beruflich entwickeln möchte.
Stolz berichtet er auch, dass seine Auszubildenden regelmäßig zu den Besten ihrer Berufsschulklassen gehörten.
„Ich erwarte auch von jedem Mitarbeiter, der bei uns ist, dass er jeden Tag auf die Arbeit kommt und sagt: ‚Ich mache das gerne noch einen weiteren Tag.‘ Wenn er es nicht gerne noch einen weiteren Tag macht, dann wird der Kunde das merken.“
Bei der Personalauswahl zählt für ihn nicht allein der Lebenslauf:
„Es kommt darauf an, was sie im Kopf haben. Es kommt nicht darauf an, was sie da auf Papier stehen haben.“
Damit gibt er im Umgang mit seinen Mitarbeitern jenes „amerikanische Mindset“ weiter, das er selbst durch seine Eltern erfahren hat.

Die Expansion: Keine „Angst vor Scheitern“?

Um sich auch langfristig für das schnelle Wachstum des Geschäfts notwendige Personal zu sichern, ist Becker dabei, eine Münchner Personalvermittlung zu übernehmen.
Er bezeichnet die Entscheidung als eines der „zwei schlauen Dinge“, die er Anfang des Jahres gemacht habe.
Auch eine eigenständige Tochtergesellschaft für Softwareentwicklung und ein auf IT-Lösungen für Tierarztpraxen spezialisierter Geschäftsbereich gehören zum sich vollziehenden Wandel des IT-Systemhauses BIT-Systems GmbH zur breiter aufgestellten BIT Group.
Insgesamt möchte Becker im kommenden Jahr „mindestens“ 10 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften.
Den Ausbau finanziert Becker aus laufenden Einnahmen und Bankkrediten, ganz ohne externe Investoren. „Also ich bin, wenn Sie so möchten, hoch verschuldet“, sagt er schmunzelnd.
Damit führt das Gespräch unweigerlich zur aktuellen Debatte über den Wirtschaftsstandort Deutschland. Der deutschstämmige US-Investor Peter Thiel sprach in einem Interview sinngemäß davon, dass in Deutschland weniger Gründer als in den USA ihre Unternehmen zu internationaler Größe ausbauten. Als mögliche Gründe nannte er eine Angst vor dem Scheitern, aber auch vor dem Erfolg.
„Angst vor Scheitern gibt es in Deutschland ohne Ende.“ Auch Becker stimmt zu.
„Wir sind in Deutschland meiner Meinung nach in einer Gesellschaft, die von Angst und durch Angst geprägt ist. Der Deutsche ist klassisch zurückhaltend, sauber und ordentlich strukturiert, aber definitiv niemand, der nach vorne prescht.“
Umso dankbarer ist Becker seinen unternehmerisch tätigen Eltern und Großeltern, die ihm vorlebten, mit Risiken und Ängsten umzugehen. „Ich habe ja gesehen, dass es funktionieren kann.“
Andererseits habe er auch keine Angst davor, dass seine Pläne scheitern könnten. „Wenn es nicht funktioniert, mache ich das, was alle anderen auch machen und gehe arbeiten.“

Standort Deutschland: Zwischen Krise und Zuversicht

Die Angst vor dem Erfolg hänge vielmehr mit den Rahmenbedingungen zusammen, die das Wachstum junger Unternehmen in Deutschland erschweren.
Verschiedene Studien, darunter der KfW-Gründungsmonitor 2026 und der Deutsche Startup Monitor 2026, beleuchten die Herausforderungen, vor denen Gründer in Deutschland stehen.
In den USA sei Kapital von institutionellen und privaten Investoren wesentlich leichter zugänglich, sagt Becker. In Deutschland erschwerten zudem hohe Steuern, Bürokratie und politische Unsicherheit das Wachstum.
„Wir haben die Bürokratie erschaffen. Wir leben sie auch“, sagt Becker. Seiner Meinung nach habe sich Deutschland damit „selbst einen Strick um den Hals gelegt“. Manchen politischen Entscheidungsträgern fehle aus seiner Sicht außerdem wirtschaftliche und unternehmerische Erfahrung.
Allerdings unterscheide sich sein Geschäftsmodell von dem eines klassischen Start-ups, das ein bestimmtes Produkt entwickelt und mithilfe von Wagniskapital schnell in großer Stückzahl verkaufen kann. „Bei uns muss der gesamte Apparat wachsen und das muss er mit einer gewissen Effizienz“, urteilt er nüchtern. Sonst werde das Unternehmen zu teuer und könne die Kunden nicht mehr zu dem zugesicherten Preis bedienen.
„Es sind ganz andere Dynamiken in der Firma. Der Kunde kommt zu uns mit einem von 20.000 Problemen. Wir müssen eine Lösung für dieses Problem finden. Dafür gibt es aber kein Schema F. Das heißt, jeder Kunde ist in sich einzigartig.“
Diese Kundennähe und die breite Aufstellung seiner IT-Dienstleistungen binden ihn an den Standort Deutschland und ermöglichen es ihm zugleich, hier weiterzuwachsen.

Pascal Becker will sein IT-Unternehmen weiter ausbauen – und sieht seine Zukunft am Standort Deutschland.

Foto: BIT-Systems GmbH

Um Risiken zu streuen, setzt er jedoch schon früh gezielt auf Kunden aus zukunftsträchtigen Branchen, darunter spezialisierte Technologieunternehmen und der medizinische Bereich. „Sie nutzen jeden Tag Produkte von unseren Kunden, ohne das zu wissen“, sagt er.
Sein Ziel: Er will ein solides mittelständisches Unternehmen aufbauen, das langfristig Bestand hat.
„Wir haben eine Krise.“ Der 19-Jährige erwartet zweifelsohne schwierige Jahre für Deutschland, bleibt aber zuversichtlich:
„Ich bin fest überzeugt, dass man sich da wieder aus der Krise rausarbeiten kann.“

„KI ist ein Werkzeug, nicht die Lösung“

Als IT-Unternehmer kommt auch Becker an Künstlicher Intelligenz nicht vorbei.
Gerade in der Cybersicherheit sieht er großes Potenzial. KI-gestützte Systeme können Daten aus unterschiedlichen Quellen auswerten und dabei helfen, verdächtige Vorgänge schneller zu erkennen. Auch intern nutzt sein Unternehmen Chatbots und KI-basierte Wissensdatenbanken.
Eine Grenze zieht Becker jedoch beim Kundenkontakt. Wer bei seinem Unternehmen anruft, soll weiterhin mit einem Menschen sprechen:
„Der Mensch braucht jetzt Hilfe und er braucht Hilfe von einem anderen Menschen.“
Ein KI-Chatbot könnte nach seiner Einschätzung so viel Arbeit übernehmen, dass sich mindestens 20 Prozent des Personals anderweitig einsetzen ließen. Trotzdem verzichtet er auf einen solchen Assistenten als erste Anlaufstelle.
Hinter den Kulissen soll KI die Arbeit beschleunigen. Im direkten Kundenkontakt bleibt für Becker der Mensch entscheidend. „KI ist ein Werkzeug, nicht die Lösung.“

„Eine Last, die man gerne trägt“

Bei allen Wachstumsplänen will Becker die Menschen hinter seinem Unternehmen nicht aus dem Blick verlieren.
Drei Mitarbeiter seien von Anfang an dabei gewesen und gehörten heute zum Führungsteam. Den Erfolg allein für sich zu beanspruchen, wäre deshalb falsch, sagt er. Gemeinsam hätten sie etwas aufgebaut, auf das inzwischen viele Menschen angewiesen seien.
Denn hinter den 55 Beschäftigten stehen auch Familien, deren Lebensunterhalt vom Unternehmen abhängt. Mit jedem neuen Auftrag, jeder Einstellung und jeder Investition wächst daher auch Beckers Verantwortung. „Das ist ein Risiko. Das ist eine Last, die man gerne trägt. Aber es ist eine Last“, sagt er.
Abschrecken lässt er sich davon nicht. Für Becker gehören Verantwortung und unternehmerische Freiheit zusammen. Fehler habe er auf seinem Weg durchaus gemacht.
Und wenn er noch einmal 16 wäre?
„Ich würde es exakt wieder so machen.“
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Digitale Brieftasche ab 2027: Bundestag ermöglicht Smartphone als Ausweis

Der Bundestag hat den Weg für die Einführung der digitalen Brieftasche freigemacht, die Bürger künftig den Nachweis ihrer Identität per Smartphone ermöglichen soll – etwa um ihr Alter zu belegen oder einen Vertrag abzuschließen.
Ab 2027 solle das Smartphone „zum sicheren und bequemen Ausweis für den Alltag“ werden, erklärte Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU). Eine Herausforderung bleibe allerdings die bislang noch geringe Bekanntheit des Projekts.
Im Bundestag stimmte am Donnerstag die Parlamentsmehrheit von Union und SPD für den Entwurf der Bundesregierung zum sogenannten Digitale Identitätengesetz. Die Fraktionen von AfD, Grünen und Linken votierten dagegen.

Identitätsnachweis per Smartphone

Ziel des Gesetzes ist, dass Bürger künftig ihre Identität per Smartphone nachweisen können, wobei die Nutzung freiwillig bleibt. Außerdem sollen auch die Verwaltung digitaler Dokumente und elektronische Signaturen möglich sein.
Startschuss für die digitale Brieftasche, die in der EU länderübergreifend EUDI-Wallet heißt und in Deutschland auch den Namen d-you trägt, soll der Januar 2027 sein.
Der Handelsverband HDE begrüßte den Bundestagsbeschluss als „wichtigen Schritt“. Entscheidend für den Erfolg der digitalen Brieftasche werde jedoch sein, „dass sie im Alltag einen echten Mehrwert bietet und von möglichst vielen Menschen genutzt werden kann“.

Bitkom: Mehrheit offen für Nutzung

Laut einer vom Digitalverband Bitkom am Donnerstag veröffentlichten Umfrage sind die Deutschen mehrheitlich offen für die Nutzung der digitalen Brieftasche.
Demnach geben insgesamt 53 Prozent der Befragten an, die EUDI-Wallet „auf jeden Fall“ oder „eher schon“ nutzen zu wollen. Jeweils 21 Prozent wollen dies demnach „auf keinen Fall“ oder „eher nicht“ tun; die restlichen fünf Prozent machten keine konkreten Angaben.

Projekt wenig bekannt

Eine Hürde für die Nutzung bleibt laut Bitkom aber die weiterhin geringe Bekanntheit des Projekts: Mit 46 Prozent der Befragten habe fast die Hälfte der Deutschen noch nie von der EUDI-Wallet gehört, erklärte der Digitalverband.
Zu Jahresbeginn waren es demnach 52 Prozent. Für die aktuelle Umfrage wurden im August und September insgesamt 1004 Menschen ab 18 Jahren telefonisch befragt.
Nötig ist nach Auffassung des Digitalverbands daher eine bessere Aufklärung: „Bund, Länder und vor allem die Ämter und Behörden vor Ort müssen rasch und deutlich kommunizieren, welche konkreten Vorteile die Wallet-Nutzung den Menschen bringt“, forderte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.
Digitalminister Wildberger bezeichnete es nach dem Bundestagsbeschluss als großen Vertrauensvorschuss, dass laut der Bitkom-Umfrage schon jetzt mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland die digitale Brieftasche nutzen wolle.
„Wir wollen aber auch diejenigen überzeugen, die das Projekt noch nicht kennen“, fügte er hinzu. „Dafür machen wir den Einstieg so einfach wie möglich“, erklärte Wildberger. „Wir haben den kostenlosen PIN-Rücksetzdienst für den Personalausweis wieder auf den Weg gebracht: Niemand soll mehr aufs Amt müssen, nur um seine Wallet zu aktivieren.“
Der Dienst richtet sich an diejenigen, die den bei der Ausweisbeantragung ausgehändigten PIN-Brief nicht mehr auffinden oder eine selbst gewählte, sechsstellige PIN für den Online-Ausweis vergessen haben. Sie können nun online wieder einen PIN-Rücksetzbrief bestellen, ohne dafür zum Bürgeramt zu müssen. (afp/red)
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Weniger Ransomware-Angriffe auf Unternehmen – jedes fünfte Opfer zahlt

Die Zahl der sogenannten Ransomware-Angriffe auf Unternehmen ist zuletzt zurückgegangen. In einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom gaben 45 Prozent der befragten Unternehmen an, in den vergangenen zwölf Monaten Opfer eines solchen Cyber-Angriffs geworden zu sein. Ein Jahr zuvor waren es noch 58 Prozent.
Bei mehr als der Hälfte der betroffenen Unternehmen entstand durch den Angriff ein Schaden. Auch dieser Anteil ist der Bitkom-Umfrage zufolge leicht rückläufig.

So funktionieren Ransomware-Angriffe

Ransomware sind Schadprogramme, mit denen sich Hacker Zugriff auf Computer und Daten verschaffen. Häufig richten sich die Angriffe gegen Unternehmen. Die Täter verschlüsseln Daten oder verhindern auf andere Weise den Zugriff darauf. Für die Entschlüsselung fordern sie Lösegeld.
Die große Mehrheit der betroffenen Unternehmen zahlt jedoch nicht. „66 Prozent haben den Erpressern nichts überwiesen“, erklärte Bitkom. „Jedes Fünfte (20 Prozent) hat aber schon Lösegeld gezahlt, 14 Prozent wollen oder können dazu keine Angabe machen.“
Für die Umfrage wurden gut 1000 Unternehmen ab zehn Beschäftigten befragt.

Ransomware-Angriff auf Berliner Stadtverwaltung

Derzeit sorgt ein Ransomware-Angriff auf die Berliner Stadtverwaltung für Aufsehen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz waren deshalb im August für rund eine Woche vom Landesnetz isoliert worden.
Wegen der Cyberattacke konnte in Berlin unter anderem tagelang kein Wohngeld beantragt oder ausgezahlt werden.

Angreifer fordern rund zwei Millionen Euro

Die Angreifer fordern rund zwei Millionen Euro Lösegeld in Bitcoin, wie die Behörden bestätigten. Für den Fall, dass nicht gezahlt wird, drohen sie mit der Veröffentlichung von 5,7 Terabyte an erbeuteten Daten. Am Freitag läuft demnach ein Ultimatum der Erpresser aus.

Bitkom warnt vor Lösegeldzahlungen

„Der aktuelle Fall in Berlin zeigt, vor welch schwieriger Entscheidung Opfer von Ransomware-Angriffen stehen“, erklärte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.
„Richtig wäre, nicht zu zahlen. Jede Zahlung finanziert den nächsten Angriff. Und selbst wer zahlt, erhält keine Garantie: Weder für die Entschlüsselung seiner Daten noch dafür, dass die Täter die Daten nicht doch veröffentlichen oder weiterverkaufen.“ (afp/red)
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Mehr Defence-Tech: Regierung setzt auf neue Start-up-Strategie

Die neue Startup-Strategie soll unter anderem bessere Wachstumsbedingungen für junge Unternehmen im Militärbereich bringen.
Geplant ist unter anderem ein Finanzierungsinstrument, mit dem sich der Bund direkt an derartigen Startups beteiligen kann, wie aus der am Mittwoch, 22. Juli, vorgelegten Strategie von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hervorgeht.
Zudem sollen insgesamt der Fokus nicht mehr nur auf Startups, sondern auch auf dem Wachstum etablierter, junger Unternehmen, sogenannter Scaleups, liegen.

Staat als Ankerkunde

Der Defence-Tech-Bereich sei „einer unserer dynamischsten Branchen derzeit“, sagte Reiche den Sendern RTL und ntv. Allein im vergangenen Jahr seien dort „über 1,3 Milliarden Euro an Kapital gewonnen, investiert und dann gehebelt durch öffentliche Aufträge“ worden. Der Staat sei „bestimmt nicht der bessere Unternehmer, aber er ist ein guter Ankerkunde“.
In der Strategie heißt es, die Bundesregierung werde ein „neues Vehikel für Direktbeteiligungen des Bundes an Startups und Scaleups“ schaffen, „die eindeutig militärisch nutzbare Produkte und Dienstleistungen – einschließlich solcher, die unter die Kriegswaffenkontrollliste fallen – herstellen und bereitstellen“.

„Sehr viel Potenzial“

In diesem Bereich liege „sehr, sehr viel Potenzial“, sagte auch der SPD-Digitalpolitiker Daniel Bettermann zu Politico. Zudem gehe es um die technologische Souveränität Deutschlands.
Reiche betonte zugleich, dass sich das Gründungsgeschehen „keineswegs nur auf den Defence-Tech-Bereich“ beziehe, sondern etwa auch auf Dual-Use, Biotechnologie und Consumerbereiche.
Sie kündigte bis Jahresende ein Gesetz an, „das Gründen digital in wenigen Schritten einfach macht“, inklusive einfacher Anmeldung des Unternehmens, automatischer Steuernummer, Handelsregistereintrag und zeitweiser Befreiung von Berichtspflichten.
Die neue Startup-Strategie schlägt insgesamt 152 Einzelmaßnahmen zur Stärkung des Gründerstandorts in verschiedenen Bereichen vor. Darunter sei etwa auch der Agrarsektor, wie das Bundeslandwirtschaftsministerium betonte.
Der Bereich „ist von Besonderheiten wie biologischen Prozessen, saisonalem Angebot und längeren Test- und Entwicklungszeiten geprägt“. Agrar-nahe Startups könnten daher häufig kein schnelles Wachstum generieren, weshalb sie spezielle Förderung benötigten.
Auch die Autoindustrie hofft, von den neuen Maßnahmen zu profitieren. „In der Automobilindustrie ist die Zusammenarbeit zwischen dem automobilen Mittelstand und Startups ein zentraler Erfolgsfaktor für die Transformation der Branche“, erklärte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller.
„Der starke Fokus auf die Themen Finanzierung und Wachstumskapital ist richtig. Dass die Strategie neben bestehenden Förderprogrammen auch die Mobilisierung von privatem Kapital in den Blick nimmt, begrüßen wir.“

Wirtschaft fordert Tempo

„Gegenwärtig boomen auch bei uns Gründungen von Tech-Unternehmen“, erklärte Thomas Hoppe, Bundesvorsitzender der Jungen Unternehmer. „Diese wertvollen Keime gilt es durch gute Rahmenbedingungen zu pflegen. Anderenfalls gehen sie ein oder blühen im Ausland auf.“
Die Bundesregierung setze an den richtigen Stellen an: Bürokratieabbau, Flexibilisierung des Arbeitsrechts durch Reform des Kündigungsschutzes, bessere Kapitalmarktversorgung und bessere Mitarbeiterkapitalbeteiligung.
Der Digitalverband Bitkom begrüßte die Strategie, auf die Ankündigungen müssten jedoch Taten folgen. Ein Viertel der Legislaturperiode sei bereits um „und es sind noch viele offene Punkte zu klären“, erklärte Bitkom-Chef Ralf Wintergerst.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) hat die Strategie ebenfalls begrüßt, mahnt die Bundesregierung jedoch zu einer schnellen Umsetzung.
Die Start-up- und Scale-up-Strategie der Bundesregierung setze wichtige Impulse, insbesondere für mehr privates Kapital, bessere Wachstumsfinanzierung, weniger Bürokratie und die Gewinnung von Fachkräften, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov der „Rheinischen Post“. Entscheidend sei jetzt, dass die Verbesserungen schnell bei denjenigen ankommen, die gründen wollen, mahnte sie.
„Unternehmensgründungen sind der Motor für neue Dynamik, gerade nach den Jahren schwachen Wachstums.“ Deutschlands Gründer brauchten weniger Papier und mehr Geschwindigkeit. „Daran wird sich der Erfolg dieser Strategie messen lassen“, sagte Melnikov. (afp/dpa/dts/red)
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EU plant Bargeldpflicht – Ausnahme für Automaten sorgt für Kritik


In Kürze:

  • Die EU will Bargeld als Zahlungsmittel schützen und seine Akzeptanz in den Mitgliedstaaten sichern.
  • Ein neuer Verordnungsentwurf sieht Ausnahmen von der Bargeldannahmepflicht für unbemannte Verkaufsstellen vor.
  • Verbände und Sozialorganisationen warnen vor Nachteilen für ältere Menschen und andere vulnerable Gruppen.
  • Parallel plant die Bundesregierung, Händler und Gastronomen zur Annahme digitaler Zahlungsarten zu verpflichten.

 
Die EU und das Kabinett in Berlin sind sich grundsätzlich einig: Verbraucher sollen in der Regel die freie Wahl haben, ob sie eine Ware oder Dienstleistung bar oder digital bezahlen möchten. Im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien heißt es, man setze sich „für echte Wahlfreiheit im Zahlungsverkehr ein“ und wolle erreichen, dass „grundsätzlich Bargeld und mindestens eine digitale Zahlungsoption schrittweise angeboten werden sollen“.
Ähnlich sieht es die EU. Auf EU-Ebene will der Währungsausschuss am Dienstag, 23. Juni, die finale Fassung der Bargeldverordnung absegnen, über die seit 2023 diskutiert wird. Der Urtext zur Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über Eurobanknoten und Euromünzen als gesetzliches Zahlungsmittel (2023/0208 (COD)) stammt vom 28. Juni 2023. Seither hat er mehrere Diskussions- und Berichtsphasen durchlaufen. Die „Berliner Zeitung“ konnte Einsicht in den Entwurf einer Endfassung nehmen, über die am Dienstag abgestimmt werden soll.

Alle „unbemannten Verkaufsstellen“ sollen von Bargeldpflicht ausgenommen sein

Demnach soll die Verordnung eine weitreichende Ausnahme enthalten, die im Alltag weitreichende Folgen entfalten könnte. So soll die geplante Annahmepflicht für Bargeld dem Ausschussbericht des Parlaments zufolge für sogenannte unbemannte Verkaufsstellen nicht gelten.
Darunter fallen nicht nur die bekannten Snackautomaten oder immer beliebter werdenden Automatenshops in deutschen Städten. Auch der ÖPNV und der Fernverkehr im Bereich des Personentransports könnten betroffen sein. Schon jetzt gibt es im Bereich der Deutschen Bahn und regionaler Verkehrsbetriebe Pilotprojekte mit Fahrkartenautomaten, die ausschließlich bargeldlose Zahlungen akzeptieren.
Die Verkehrsbetriebe halten diesen Schritt für geboten, aufgrund veränderter Zahlungspräferenzen der Kunden. Häufig ist dies auch dadurch bedingt, dass der Zugang zu Bargeld gerade in kleinstädtischen und ländlichen Regionen schwieriger wird. Für eine geplante flächendeckende Einführung eines verpflichtend bargeldlosen Zahlungsverkehrs an Ticketautomaten der Bahn gibt es derzeit keine Anhaltspunkte. Sie wäre, bliebe es bei der von der „Berliner Zeitung“ zitierten Entwurfsregelung, aber grundsätzlich denkbar.

Ursprünglich sollte nur der Fern- und Onlineabsatz ausgenommen sein

Die geplante Verordnung der EU-Kommission soll sicherstellen, dass Bargeld „als Zahlungsmittel weithin akzeptiert“ wird und für Bürger und Unternehmen „leicht zugänglich“ bleibt. So sind Restriktionen für einen Ex-ante-Ausschluss von Bargeldzahlungen, etwa durch „Cash only“-Schilder, vorgesehen.
Die Mitgliedstaaten würden verpflichtet, den Umfang solcher Ausschlüsse zu überwachen und Maßnahmen zu treffen, um die Annahme von Bargeld sicherzustellen. Ex-ante-Ausschlüsse gelten als unerwünschte Konstruktion, um die Bargeldannahmepflicht zu umgehen. Zudem sollen die Mitgliedstaaten verpflichtet werden, flächendeckend für einen hinreichenden Zugang zu Bargeld zu sorgen. Darüber soll der Europäischen Zentralbank (EZB) regelmäßig Bericht erstattet werden. Notfalls sollen Abhilfemaßnahmen geschaffen werden.
In Artikel 2 der Urfassung war festgelegt, dass die Verordnung lediglich für Zahlungen „im Fernabsatz, einschließlich Online-Käufen“, nicht gelte. Die nun in Rede stehende Erweiterung auf „unbemannte Verkaufsstellen“ würde eine nicht unerhebliche Erweiterung dieses Ausnahmetatbestands darstellen.

Verbände weisen auf soziale Inklusionsfunktion von Bargeld hin

In einer gemeinsamen Stellungnahme haben mehrere Verbände dieses Vorhaben kritisiert und eine Ablehnung dieser Erweiterung gefordert.
Unter diesen befinden sich unter anderem die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste e. V. (BDGW), die Vereinigung „Bargeld zählt!“ und der Verband der Deutschen Automatenindustrie. Diese Erweiterung sei zu weitgehend und der sozialen Inklusion abträglich: „Auch Verkaufsautomaten müssen unter dem Gesichtspunkt der sozialen Inklusion grundsätzlich der Bargeldannahmepflicht unterliegen – insbesondere Automaten in öffentlichen Stellen, im Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge sowie Fahrkartenautomaten im Bereich des öffentlichen Personenverkehrs.“
Gegen zu weitreichende Ausnahmen von der Annahmepflicht für Bargeld wenden sich auch Sozialverbände wie der VdK. Sie verweisen darauf, dass etwa ältere Menschen an die vorrangige Verwendung von Bargeld gewöhnt sind. Dazu kommen vulnerable Gruppen von Geflüchteten, Menschen mit kognitiven Einschränkungen sowie Obdachlose oder Jugendliche ohne Bankkarte.

In einigen Branchen ist digitale Zahlung weiterhin schwierig

Parallel zu Bestrebungen, die Nutzung von Bargeld im Zahlungsverkehr sicherzustellen, gibt es auch politische Bestrebungen zur Sicherstellung digitaler Zahlungsoptionen. Berlin hat diesbezüglich im April eine Bundesratsinitiative angekündigt. Diese soll vor allem Händler und Gastronomiebetriebe dazu verpflichten, mindestens eine digitale Zahlungsmöglichkeit anzubieten.
Dem IT-Branchenverband Bitkom zufolge akzeptieren 24 Prozent der Gastronomiebetriebe in Deutschland ausschließlich Bargeldzahlungen. Bei Außer-Haus-Dienstleistungen wie Handwerkern sind es sogar 27 Prozent. Aber auch 7 Prozent der Einzelhändler für den täglichen Bedarf verfügen über keine digitale Zahlungsoption. Dies kann vor allem in Regionen zum Problem werden, in denen große Banken ihre Filialen schließen oder Geldautomaten abbauen.
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Bundesregierung beschließt Programm für Kreislaufwirtschaft

Ob Stahlschrott für Bahnschienen, alte Akkus für neue Batterien oder das Recycling von Baustoffen: Die Bundesregierung will mit einem Aktionsprogramm die Kreislaufwirtschaft stärken und Deutschland unabhängiger machen.
Das Programm sei „gut für die Umwelt, aber auch für die Wirtschaft und macht uns unabhängiger und krisenfester“, sagte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) am Mittwoch, 3. Juni.
Für viele Wirtschaftsverbände allerdings bleibt der Plan hinter den Erwartungen zurück.
Mit dem Aktionsprogramm soll die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie umgesetzt werden, das Kabinett beschloss das Vorhaben bei seiner Sitzung am Vormittag.
„In der Weltlage gilt für uns mehr denn je: Kreislaufwirtschaft macht uns in Deutschland unabhängiger“, sagte Schneider. „Sie schützt unsere Unternehmen, wenn internationale Lieferketten brüchig werden oder, wie wir es gerade erleben, Handelswege blockiert sind.“
Schneider wies auch auf die Bedeutung der Branche hin: „Wir haben eine Wertschöpfung in diesem Jahr von 60 Milliarden Euro.“ Deutschland sei in der Branche „seit Jahren weltweit Spitzenreiter“.
Der Aktionsplan besteht aus insgesamt zwölf Maßnahmen.

260 Millionen Euro bis 2029

Zentral ist eine Umsetzungsplattform, auf der Unternehmen, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft nach Angaben des Umweltministeriums „Partner für neue Projekte finden, Wertschöpfungsketten und privates Kapital mobilisieren“ können sollen.
Auch soll ein neues Förderprogramm ab Ende 2026 aufgelegt werden, dass laut Ministerium „innovative Produktionsverfahren, die Wiedergewinnung kritischer Rohstoffe und digitale Anwendungen“ unterstützen soll.
Für die Umsetzung der Kreislaufwirtschafts-Strategie werden „finanzielle Mittel im Rahmen des Klima- und Transformationsfonds in erheblichem Maße“ eingesetzt, „nämlich 260 Millionen Euro insgesamt für den Bereich der Kreislaufwirtschaft bis zum Jahre 2029“, wie Minister Schneider sagte. „So viel Geld gab es noch nie für die Kreislaufwirtschaft.“
Ein weiterer Punkt in dem Aktionsplan ist die öffentliche Beschaffung als Hebel für mehr Recyclingprodukte. Allerdings bleibt der Plan hier unkonkret und ohne Zielvorgabe: „Wir werden das jährliche Auftragsvolumen für zirkuläre Produkte über alle Unternehmen mit mehrheitlicher Bundesbeteiligung hinweg kontinuierlich steigern und dafür zeitnah auch regulatorische Hemmnisse abbauen“, heißt es im Aktionsprogramm.

Verbände kritisieren fehlende Vorgaben

Auf die öffentliche Beschaffung zielt auch die Kritik vieler Verbände, unter anderem die des Bundesverbands Nachhaltige Wirtschaft (BNW). „Solange die öffentliche Hand weiter ressourcenintensiv Primärrohstoffe beschafft, ohne Lebenszykluskosten oder Kreislauffähigkeit einzubeziehen, wird das mit der Kreislaufwirtschaft keine runde Sache“, erklärte BNW-Geschäftsführerin Katharina Reuter.
„Der Staat ist der größte Investor des Landes und muss seine milliardenschwere Marktmacht nutzen“, erklärte auch Sarah Brückner vom Maschinen- und Anlagenbauverband VDMA.
„Wir fordern eine konsequente Umstellung auf eine Beschaffung, die Parameter wie Langlebigkeit, Reparierbarkeit Ersatzteilverfügbarkeit und Rezyklierbarkeit priorisiert, ohne neue bürokratische Lasten zu schaffen.“ Brückner sprach zugleich von einem „grundsätzlich richtigen Signal“ durch den Plan.

Auch Industrie zeigt sich enttäuscht

Enttäuscht äußerte sich auch der Bundesverband der Deutschen Industrie. „Das Aktionsprogramm ist zu unambitioniert und setzt kaum neue wirtschaftspolitische Impulse“, erklärte der Verband. Dabei sei das Potenzial erheblich.
Auch der Verband der Chemischen Industrie erklärte, der Plan bleibe trotz guter Ansätze „hinter den Erwartungen zurück“.
Etwas positiver äußerten sich der Digitalverband Bitkom und der TÜV-Verband: „Besonders positiv ist, dass Digitalisierung als Schlüssel zur Kreislaufwirtschaft fest verankert ist“, erklärte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder und verwies auf digitale Produktpässe.
Der TÜV-Verband lobte, das Programm schaffe „eine wichtige Grundlage, um die Potenziale der Kreislaufwirtschaft (…) stärker zu nutzen“. Er kritisierte gleichzeitig, „dass zentrale Hebel im Laufe der Ressortabstimmung abgeschwächt wurden“ und verwies ebenfalls auf die öffentliche Beschaffung. (afp/red)
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Bundesregierung bringt digitale Brieftasche auf den Weg

Die Bundesregierung bereitet gesetzlich den Weg für die Einführung einer digitalen Brieftasche vor: Mit der sogenannten EUDI-Wallet sollen „sich Bürgerinnen und Bürger künftig europaweit digital ausweisen und Nachweise nutzen können – etwa bei Behördengängen, der Eröffnung eines Bankkontos oder sicheren Anmeldung bei Online-Diensten“, erklärte Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) am Mittwoch, 20. Mai.
„Die Nutzung ist freiwillig und erfüllt hohe Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz.“

Start für 2027 vorgesehen

EUDI steht für European Digital Identity. Eine EU-Verordnung sieht vor, dass die 27 Mitgliedstaaten bis zum Ende des Jahres die Möglichkeit einer digitalen Brieftasche – der EUDI-Wallet – schaffen.
Die Bundesregierung verabschiedete dafür nun das Gesetz für digitale Identitäten. Es schafft den europarechtlich vorgeschriebenen grenzüberschreitend verwendbaren Identitätsnachweis und darüber hinaus weitere Nutzungsmöglichkeiten für Behörden, Unternehmen und Verbraucher.
„Die EUDI-Wallet wird als zentrale Schnittstelle fungieren, mit der sich Bürgerinnen und Bürger gegenüber Behörden und privaten Unternehmen identifizieren können“, erklärte das Digitalministerium.

Digitale Ausweise und Nachweise

„Neben der digitalen Ausweisfunktion sollen künftig auch Entscheidungen und sonstige Dokumente von Bundesbehörden in die Wallet geladen werden können.“ Künftig könnte das System etwa auch zur Alterskontrolle in Online-Netzwerken genutzt werden.
Einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom zufolge ist das Interesse an der digitalen Brieftasche bei den Bürgern groß. Viele wollen künftig Ausweis, Führerschein und ähnliches digital mit sich tragen. Auch die Möglichkeit, Verträge und Formulare digital zu unterzeichnen, findet Anklang.
Allerdings fehlen vielen Menschen noch die technischen Grundvoraussetzung: die aktivierte Online-Funktion des Personalausweises und die dazugehörige PIN.
Auch Unternehmen wollen die EUDI-Wallet nutzen. Sie versprechen sich etwa eine zuverlässige Möglichkeit zur Identitätsprüfung ihrer Kunden oder die sichere Anmeldung bei Online-Diensten.
Zudem könnten Unternehmen digitale Nachweise etwa zur Berufsqualifikation von Bewerbern entgegennehmen oder selbst Mitarbeiterausweise oder Schulungszertifikate ausgeben.
Das Gesetz für digitale Identitäten muss nun noch vom Parlament verabschiedet werden. Nach Angaben des Digitalministeriums wird die technische Infrastruktur für die Einführung parallel dazu entwickelt. Pilotprojekte laufen demnach schon – ab Januar 2027 soll die digitale Brieftasche für alle verfügbar sein. (afp/red)