Categories
deutschland ticker

Drohender Kerosinengpass in Frankfurt – Piloten sollen andernorts dazutanken


In Kürze:

  • Am Frankfurter Flughafen droht ein Engpass bei der Kerosinversorgung, Lufthansa lässt ihre Maschinen deshalb an anderen Flughäfen zusätzlich tanken.
  • Ursachen sind der niedrige Rheinpegel und Wartungsarbeiten an der Pipeline, Fraport schließt Lieferengpässe jedoch aus.
  • Flugstreichungen sind laut Lufthansa derzeit nicht zu erwarten, das Tanklager reicht rechnerisch für bis zu 14 Flugtage.

 
Dem größten deutschen Flughafen, Frankfurt Rhein-Main, droht ein Engpass bei der Kerosinversorgung. Lufthansa hat ihre Piloten angewiesen, an anderen Flughäfen zusätzlichen Treibstoff aufzunehmen, um den Bedarf in Frankfurt zu reduzieren. Das berichtete die „BILD“ zuerst.

Niedriger Rheinpegel als Ursache

Als Ursache gelte demnach der niedrige Rheinpegel. Dieser Umstand erschwere die Beladung von Tankschiffen seit Monaten. Auch die Versorgung über die Pipeline sei derzeit nur eingeschränkt möglich. Flughafenbetreiber Fraport begründet dies mit turnusmäßigen Wartungsarbeiten.
Lieferengpässe schließt Fraport aufgrund ausreichender Speicherkapazitäten und Alternativen bei den Versorgungswegen aus. „Die Betriebsfähigkeit des Flughafens ist nicht beeinträchtigt“, zitiert „BILD“ den Betreiber. Auch bleibe Frankfurt als Ausweichziel für Fluggesellschaften weiter offen. Streichungen seien laut einer Lufthansa-Sprecherin derzeit nicht zu erwarten.
Die eingangs erwähnte zusätzliche Aufnahme von Treibstoff wird in der Luftfahrt als „Tankering“ bezeichnet. Dabei nehmen Flugzeuge an einem Flughafen mehr Treibstoff auf, als für den unmittelbar bevorstehenden Flug erforderlich ist, um am Zielort weniger oder gar nicht nachtanken zu müssen.
Als oberste Grenze bei der zusätzlichen Betankung gelten für die Airbus-A320-Flotte acht Tonnen Kerosin. So sind die Flugzeuge noch nicht zu schwer und können am Boden von Schleppern gezogen werden. Die Maschinen sind auf Kurz- und Mittelstrecken im Einsatz.
Das Tankering betrifft vor allem Kurzstreckenflüge, immer häufiger jedoch auch Langstreckenverbindungen.
Für Passagiere sollen vorerst keine Einschränkungen entstehen. Nach den Vorgaben für die Flugplanung soll der zusätzliche Treibstoff so bemessen werden, dass weder Sitzplätze für Passagiere noch Kapazitäten für Fracht verloren gehen.

Lager für 186 Millionen Liter Kerosin

Die Regelung gilt bis auf Weiteres. Die Versorgungslage soll fortlaufend beobachtet und die Maßnahmen bei Bedarf angepasst werden, schreibt „BILD“.
Der Frankfurter Flughafen verfügt über umfangreiche Kerosinreserven, erläutert „aero.de“, ein Online-Fachportal für Luftfahrt und Flugverkehr. Demnach reicht die Speicherkapazität rein rechnerisch für einen Bedarf von bis zu 14 Flugtagen.
Die Hydranten-Betriebs OHG (HBG), ein Zusammenschluss großer Kerosinlieferanten am Lufthansa-Drehkreuz, kann in zehn oberirdischen Tanks im Norden des Flughafens insgesamt bis zu 186.000 Kubikmeter Treibstoff lagern. Das entspricht 186 Millionen Litern.
Die Tanks werden hauptsächlich über den HBG-eigenen Hafen am Main befüllt. Alternativ ist das auch über einen Abzweig der zentralen NATO-Pipeline möglich. Von den zehn Tanks führt ein mehr als 60 Kilometer langes Leitungssystem zu den Betankungspositionen auf dem Flughafengelände.
Categories
deutschland ticker

Historische Tiefststände am Bodensee und im Rhein


In Kürze:

  • Auf dem Bodensee drohen Einschränkungen für den Schiffsverkehr.
  • Im Durchschnitt werden täglich 466.000 Kubikmeter Wasser aus dem Bodensee für Trinkwasser verwendet.
  • Die Schifffahrt auf dem Rhein ist wieder stark eingeschränkt.
  • Die IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz fürchtet hohe volkswirtschaftliche Schäden.

 
Trotz der Regenfälle der vergangenen Wochen ist der Bodensee weiterhin ungewöhnlich leer. Wegen des niedrigen Wasserstandes liegen an Ufern und in Häfen Flächen trocken, und Boote kommen schlechter ins Wasser. Besonders deutlich zeigt sich die Situation am Untersee rund um Radolfzell und die Gemeinde Moos im Landkreis Konstanz.

Historischen Tiefstwert unterschritten

Am Pegel Konstanz wurden zuletzt 266 Zentimeter gemessen. Der Wasserstand lag unter dem bisherigen historischen Tiefstwert etwa für den 8. September von 277 Zentimetern aus dem Jahr 2003.
Der Wasserstand an einem Pegel sagt allerdings nichts über die Tiefe aus, sondern wie hoch die Wasseroberfläche an einer bestimmten Messstelle steht. Gemessen wird vom sogenannten Pegelnullpunkt aus. Zeigt ein Pegel zum Beispiel 300 Zentimeter an, dann liegt die Wasseroberfläche drei Meter über diesem festgelegten Nullpunkt.
Die Wassertiefe bezeichnet den Abstand zwischen der Wasseroberfläche und dem Grund des Gewässers. Aus dem Pegelstand lässt sich die tatsächliche Tiefe daher nicht unmittelbar ablesen, weil der Pegelnullpunkt nicht zwangsläufig identisch mit dem Gewässergrund an der betreffenden Stelle ist. Zeigt der Pegelstand – wie im Beispiel genannt – 300 Zentimeter, kann die tatsächliche Tiefe auch vier Meter oder mehr betragen.
Die Folgen sind hauptsächlich an flachen Stellen sichtbar. Die Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) warnen zudem vor Einschränkungen und Verspätungen im Schiffsverkehr. „Noch nie war der Sommer-Pegelstand des Bodensees so niedrig wie in diesem Jahr“, schrieben die BSB auf ihrer Webseite.

Zu wenig Regen und hohe Verdunstung

Für die ungewöhnliche Situation gibt es mehrere Gründe. Nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) fehlte nach einem schneearmen Winter das Schmelzwasser aus den Alpen. Dazu kamen seit Monaten zu geringe Niederschläge und eine hohe Verdunstung während des warmen Sommers.
Der Bodensee dient zudem der Trinkwasserversorgung für 5 Millionen Menschen. Nach Angaben der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) vom Oktober 2024 beträgt die mittlere Wasserentnahme durch die 17 Wasserversorger am Bodensee täglich knapp 466.000 Kubikmeter. Etwa 75 Prozent davon nutzt allein der Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung (BWV). Genehmigt sind den Wasserversorgern rund 920.000 Kubikmeter – fast doppelt so viel.
Des Weiteren gibt es im Einzugsgebiet des Alpenrheins zahlreiche Speicherseen und Kraftwerksanlagen. Die großen Speicherseen halten einen Teil der im Sommer anfallenden Wassermengen zurück und geben sie im Winterhalbjahr im Zuge der Stromproduktion wieder ab. Dadurch verändert sich der natürliche jahreszeitliche Abfluss des Alpenrheins.

Nur geringe Aussichten auf Regen

Das andauernde Niedrigwasser im Rhein könnte in diesem Jahr einen erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden verursachen. „Es ist eine wirklich kritische Situation“, sagte Nicole Rabold, verkehrspolitische Sprecherin der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz. Ab einem Pegelstand unter 40 Zentimetern beim rheinland-pfälzischen Kaub sei eine wirtschaftlich sinnvolle Binnenschifffahrt nicht mehr möglich, so Rabold laut Agenturen. Der Abschnitt am Mittelrhein zwischen St. Goar und Mainz gilt als zentraler Engpass auf der wichtigen deutschen Wasserstraße. Der Pegelstand von 40 Zentimetern wird bereits seit rund einer Woche unterschritten. Am Sonntag, 13. September, lag er bei der Messung um 14 Uhr bei 25 Zentimetern.
Die Höhe der Schäden sei bislang nicht zu beziffern. Im Niedrigwasserjahr 2018 seien es rund 2,4 Milliarden Euro gewesen. Seitdem seien Investitionen getätigt und die Logistik optimiert worden – etwa durch Niedrigwasserschiffe. Auch verbesserte Wasserstandsprognosen könnten helfen, die Transporte besser zu planen.
Für die Verbraucher könnten die Folgen länger spürbar bleiben – etwa an der Zapfsäule. „Es wird noch bis Oktober dauern, bis wir wieder bei normalen Preisen sind“, glaubt Rabold mit Blick auf die Auswirkungen der eingeschränkten Transporte.
Eine schnelle Entspannung ist derzeit nicht in Sicht. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) ist in den kommenden Tagen nur zeitweise mit Niederschlägen zu rechnen. „Viel wird es nicht sein, was da zusammenkommen wird“, sagte ein DWD-Meteorologe. Es werde das Defizit der letzten Monate sicher nicht ausgleichen können.
(Mit Material der Nachrichtenagenturen)