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Böhmermann-Video: Berufsverband äußert „scharfen Protest“


In Kürze:

  • Ein Bundesverband für Güterkraftverkehr kritisiert ein umstrittenes Video mit Jan Böhmermann, in dem er auf einer Simson von einem Lkw überfahren wird.
  • Laut dem Bundesverband Logistik & Verkehr würden damit Lkw-Fahrer als „gewissenlose Gewalttäter“ dargestellt.
  • Der AfD-Politiker Ulrich Siegmund äußerte sich zu dem Video.

 
Seit mehreren Tagen kursiert in den sozialen Medien ein umstrittener Videoclip mit dem ZDF-Satiriker Jan Böhmermann. Darin fährt er lächelnd auf einer Simson Schwalbe in ländlicher Umgebung und wird kurz darauf hin mehrfach von einem Lkw überfahren.
Es handelt sich um die Eingangsszene der Sendung „ZDF Magazin Royale“ vom 2. Oktober 2026 mit dem Titel „Wie die Kirche im Osten die AfD bekämpft“. Die Szene scheint eine Anspielung auf den AfD-Politiker Ulrich Siegmund zu sein, der bei seinem Wahlkampf zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt häufig mit genau einem solchen Gefährt und einem weißem Helm unterwegs war.

Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD, nimmt am 26. Juli 2026 in Weißenfels an einem von der AfD organisierten Simson-Ausfahrt vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt teil.

Foto: Jens Schlueter/Getty Images

Verband: „Menschenverachtende Instrumentalisierung unseres Berufs“

Eine Anfrage der „Deutschen Presse-Agentur“ an das ZDF brachte laut „Tagesspiegel“ zutage, dass beim öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Programmbeschwerden „im unteren dreistelligen Bereich“ eingegangen seien. Es werde geprüft, ob ein sogenanntes Mehrfachbeschwerdeverfahren eingeleitet werde.
Auch der Bundesverband Logistik & Verkehr (BLV-pro) protestiert gegen die Darstellung. Dieser teilte am Mittwochvormittag, 14. Oktober, auf Facebook mit:
„Als Berufsverband BLV-pro verurteilen wir das Video von Jan Böhmermann aufs Schärfste.“

Laut dem Verband, der kleine und mittelständische Unternehmen sowie Berufskraftfahrer im gewerblichen Güterkraftverkehr vertritt, erwecke diese Darstellung „den erschreckenden Eindruck“, dass Siegmund „der Tod gewünscht oder zumindest billigend in Kauf genommen“ werde.

Doch vor allem sieht der Verein in der Szene eine Verunglimpfung seiner Berufsgruppe. „Das ist keine mutige Satire, sondern eine menschenverachtende Instrumentalisierung unseres Berufs“, beanstandete er weiter. „Hunderttausende Lkw-Fahrerinnen und Lkw-Fahrer leisten täglich unverzichtbare Arbeit. Sie verdienen Respekt – keine pauschale Darstellung als gewissenlose Gewalttäter.“

Zudem bezeichnete der Verband das Video als „pietätlos und geschmacklos“, da kürzlich vier junge Menschen auf Simson-Mopeds nahe dem brandenburgischen Biesenthal im Landkreis Barnim ums Leben kamen. Das Unglück ereignete sich allerdings am 7. Oktober ereignete, also fünf Tage nach der Ausstrahlung im ZDF.

Der Verband prüft nun, rechtliche Schritte einzuleiten und Anzeige zu erstatten. „Wir fordern eine öffentliche Erklärung, eine klare Distanzierung von dieser Darstellung und Respekt gegenüber allen Lkw-Fahrerinnen und Lkw-Fahrern.“

Siegmund: „Zwangsfinanzierte Gewaltphantasien“

Siegmund wurde nach Anfrage von „Compact“ zu dem Video befragt. Er sagte: „Zwangsfinanzierte Gewaltphantasien sind jetzt in meinen Augen doch noch mal ein neuer Tiefpunkt. […] Ein weiterer Grund für mich natürlich, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der jetzigen Form zwangsfinanziert abzuschaffen.“
„Als Mensch“ nehme er es „sportlich“. Es sei eine „hilflose Art und Weise“, wie manche mit politischen Mitbewerbern umgingen. Zudem kritisierte der AfD-Spitzenkandidat den „fehlenden Aufschrei von Teilen der Medienlandschaft“.

Erklärung vom ZDF

Das ZDF sehe bei sich jedoch keinen Fehltritt. Laut „t-online“ teilte eine Sendersprecherin mit, dass das „ZDF Magazin Royale“ satirisch aktuelle Themen behandle. Teil davon sei es auch, „ironische Mehrdeutigkeit als Stilmittel zu nutzen, um Pointen zu erzeugen“.
Das ZDF habe zudem betont, dass die „politisierte Marke Simson“ nicht nur in dieser Eingangsszene vorgekommen sei. Sie sei in dieser Sendung immer wieder erschienen.
Auf bestimmte Personen sei kein Bezug genommen worden, so der Mainzer Sender. Allerdings kommt Siegmund in der Böhmermann-Sendung mehrfach vor, auch wird er auf einer Simson dargestellt.
Zu dem Video äußerte sich auch der FDP-Generalsekretär Martin Hagen. Auf 𝕏 schrieb er am Dienstag: „Moralisch völlig enthemmt. Man stelle sich mal umgekehrt vor: Ein rechter TV-Clown belustigt sein Publikum mit Mordfantasien gegen einen linken Politiker. Wie lange würde der ÖRR den wohl durchfüttern? Man muss keine Sympathien für die AfD haben (ich habe Null), um das abzulehnen!“

Medienkritiker: Es widerspricht dem Programmauftrag des ZDF

Einen Tag zuvor teilte auch der Journalist und Medienkritiker Peter Welchering seine Einschätzung zu dem Clip. Dabei betonte er, dass er „ein neutrales Standbild des Einspielers“ wiedergebe, da er seiner Aussage nach nicht die „vom ZDF veröffentlichte Gewaltphantasie“ verbreiten wolle.
Das ehemalige Mitglied des Deutschen Presserats und der frühere langjährige freier Mitarbeiter beim ZDF führte folgende vier Punkte auf:
„ 1. Der Beitrag stellt das mehrfache Überrollen eines Moped-Fahrers durch einen Lkw dar, inklusive Zurücksetzen des LKW.
2. Das Senden einer solchen Gewaltphantasie widerspricht dem Programmauftrag des ZDF und den entsprechenden Staat[s]verträgen.
3. Der Beitrag ist weder als satirischer Beitrag noch als journalistischer Beitrag einzuordnen, denn die zur Anschauung gebrachte Gewaltphantasie verstößt gegen sämtliche satirischen und journalistischen Standards.
4. Die hier gezeigte Gewaltphantasie hat auch nichts mit einer zugespitzten Darstellung zu tun. Es handelt sich schlicht um die Visualisierung einer Gewaltphantasie.“
Welchering forderte das ZDF auf, „den Beitrag aus der Mediathek [zu] entfernen und die verantwortlichen Mitarbeiter des Senders zur Rechenschaft [zu] ziehen“. Seiner Aussage nach hätte ein solcher Beitrag niemals abgenommen werden dürfen.
Es ist nicht der erste umstrittene Beitrag, für dem Böhmermann Kritik einstecken muss. Die ÄraBöhmermann – zumindest in Form des „ZDF Magazin Royale“ – steht kurz vor dem Aus. Die Sendung endet im kommenden Dezember nach 187 Ausgaben.

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