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Druck auf Koalition wächst – Söder spricht vom „Weimarer Weg“

Die Koalition aus Union und SPD steht nach eigener Einschätzung vor wegweisenden Wochen – und angesichts des Aufwinds der AfD in Umfragen zusätzlich unter Druck.
CSU-Chef Markus Söder warnt vor einem Aus der Regierung. „Wenn jetzt wieder eine demokratische Regierung scheitert, aus welchen Gründen auch immer, (…), dann gehen wir den Weimarer Weg“, sagte der bayerische Ministerpräsident am Samstag, 16. Mai, auf dem Katholikentag in Würzburg. „Die Anzeichen sind doch da. Es ist nicht das Gleiche, aber es ist irgendwie ähnlich.“
Der CSU-Landesgruppenvorsitzende im Bundestag, Alexander Hoffmann, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Diese Koalition muss halten und liefern.“ Er sieht die Koalition unter Zwang, Lösungen für die Probleme des Landes zu finden. Sonst wüchsen die radikalen Ränder. „Das war das Problem der Weimarer Demokratie, und diesen Fehler sollten die Parteien der Mitte heute nicht wiederholen.“
Die Weimarer Republik war die erste demokratische Republik in Deutschland. Sie endete 1933 mit der Machtübergabe an Adolf Hitlers Nationalsozialisten und der Errichtung der Diktatur. Historiker sehen nur sehr begrenzt Parallelen zur Gegenwart und warnen davor, die AfD mit den Nazis gleichzusetzen.

Reformpaket bis zum Sommer angestrebt

Angesichts der Wirtschaftskrise und dieses Umfragedrucks will die Bundesregierung vor den anstehenden Landtagswahlen Handlungsfähigkeit beweisen und bis zur Sommerpause ein großes Reformpaket schnüren: zu den zentralen Themen Steuern, Arbeitsmarkt, Rente und Bürokratieabbau. Doch bei der konkreten Umsetzung gibt es noch große Differenzen.
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sagte im ARD-„Bericht aus Berlin“, er sei sich sicher, dass es die Koalition schaffe, sich auf Kompromisse zu einigen. Das habe die Koalition bereits bewiesen, sagte Miersch mit Blick etwa auf das Tariftreuegesetz.

Steuerreform

Zu den dicken Brocken gehört eine Steuerreform, welche die Koalition mit Wirkung zum 1. Januar 2027 plant – um vor allem kleine und mittlere Einkommen zu entlasten. Das Vorhaben kostet viele Milliarden, die Finanzierung ist unklar.
Die SPD will höhere Einkommen und Erbschaften stärker belasten. Die CSU fordert den Koalitionspartner aber auf, nicht allein auf Umverteilung innerhalb des Systems zu setzen.
„Wir sind einen großen Schritt auf die SPD zugegangen und können uns vorstellen, uns bei der Reichensteuer zu bewegen“, schrieb CSU-Landesgruppenchef Hoffmann auf der Plattform X. „Im Gegenzug muss aber auch etwas von der SPD kommen. Es kann keine Gegenfinanzierung ausschließlich innerhalb des Einkommensteuersystems geben. Reine Umverteilung führt in die Sackgasse, weil sie keinen Wohlstand schafft.“
Bei der Einkommensteuer ist zu unterscheiden zwischen dem Spitzensatz im regulären Tarifverlauf – das sind 42 Prozent – und der Reichensteuer, die derzeit bei Ledigen ab knapp 278.000 Euro greift und 45 Prozent beträgt.

Pauschale Kürzungen?

Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) hatte sich für eine pauschale Abschmelzung bei allen Subventionen und Steuervergünstigungen um fünf Prozent ausgesprochen, um Steuerentlastungen zu finanzieren. Miersch nannte dies in der ARD einen Ansatz.
Allerdings habe die „Rasenmäher“-Methode das Problem, dass man dann auch an elementare Dinge gehe, die möglicherweise sehr wichtig seien. Er nannte etwa den sozialen Wohnungsbau. Zu einer möglichen Erhöhung der Mehrwertsteuer sagte Miersch, dies würde untere Einkommen überproportional belasten.

Konsens mit Sozialpartnern? Verdi-Chef kritisiert Merz

Die Koalition will Arbeitgeber und Gewerkschaften in den Reformprozess einbinden. Das könnte aber schwierig werden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte auf dem Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbunds am Dienstag für tiefgreifende Sozialreformen geworben – und dafür Pfiffe und Buhrufe kassiert.
Verdi-Chef Frank Werneke warf Merz vor, für die Reformpläne der Bundesregierung bislang keinen Konsens mit den Gewerkschaften gesucht zu haben. Er warnte in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ vor einem Abbau von Arbeitnehmerrechten. Auch ein höheres Renteneintrittsalter sei nichts, wozu man Ja sagen werde.

Umfrage sieht AfD im Bund bei 29 Prozent

Auf Bundesebene steigt die AfD beim Meinungsforschungsinstitut Insa auf 29 Prozent (plus eins gegenüber der Vorwoche) – den höchsten je für sie gemessenen Wert.
Die Union fällt in der Erhebung für die „Bild am Sonntag“ auf 22 Prozent (minus eins) zurück – bei Insa ihr schwächster Wert seit mehr als vier Jahren. Die SPD rutscht auf 12 Prozent (minus eins). Zusammen erreicht Schwarz-Rot nur noch 34 Prozent.
Andere Institute sahen die AfD zuletzt zwischen 25 und 28 Prozent und die Union zwischen 22 und 24 Prozent. Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet. (dpa/red)
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Merz empfängt Bulgariens neuen Regierungschef Radew in Berlin

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) empfängt am Montag, 18. Mai, den neuen bulgarischen Regierungschef Rumen Radew. Radew wird zu seinem Antrittsbesuch in Deutschland zunächst mit militärischen Ehren am Kanzleramt begrüßt (17.00 Uhr).
Anschließend kommen Merz und Radew zu Gesprächen zusammen, bei denen die bilaterale Zusammenarbeit sowie Fragen der Europa- und der internationalen Sicherheitspolitik erörtert werden sollen. Im Anschluss treten beide gemeinsam vor die Presse (ca. 18.00 Uhr).
Der prorussische Ex-Präsident Radew hatte bei der Parlamentswahl im April mit 44,7 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit geholt und wurde in der vergangenen Woche offiziell zum Regierungschef Bulgariens ernannt.
Das ärmste Land der EU steckt seit Jahren in einer politischen Krise – es war bereits die achte Parlamentswahl binnen fünf Jahren. Radew hat Reformen in Aussicht gestellt, insbesondere zur Korruptionsbekämpfung. (afp/red)
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600 Millionen Kameras, KI, Skynet: Chinas Plan einer lückenlosen Überwachung


In Kürze:

  • Flächendeckende Kamera- und KI-Überwachung in China
  • Nutzung auch zur Verfolgung politischer und religiöser Gruppen
  • Technologie wird international verbreitet

 
China hat eines der umfangreichsten Überwachungsnetze der Welt aufgebaut – mit 600 Millionen Kameras, die durch KI vernetzt sind und die gesamte Bevölkerung erfassen können.
Während des Staatsbesuchs von US-Präsident Donald Trump in China, zählte „Fox-News“-Moderator Bret Baier mindestens 20 Überwachungskameras an einer einzigen Straßenecke vor dem Bahnhof Haidian in Peking. Nur zwei Minuten, nachdem das Fahrzeug seines Teams falsch geparkt wurde, erhielt der Fahrer eine Geldstrafe von etwa 40 US-Dollar (rund 37 Euro) per SMS auf sein Handy.
„Big Brother beobachtet alles“, sagte Baier am 13. Mai in der Sendung „Special Report“. „In Peking gibt es buchstäblich überall Kameras. Tatsächlich wurden allein in diesem Jahr 1.500 Kameras hinzugefügt. Sie sehen alles.“
Baier ergänzte: „Es gibt ernsthafte Fragen darüber, was das Ziel [der Kommunistischen Partei Chinas] ist – in Bezug auf die Bürgerüberwachung und das Sozialkreditsystem. Sie sagen, es diene dazu, dass sich alle sicher fühlen.“
Was Baier auf Straßenebene erlebte, spiegelt eine Überwachungsinfrastruktur wider, die die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) über zwei Jahrzehnte hinweg durch überlappende nationale Programme aufgebaut hat – und die nun durch künstliche Intelligenz weiter beschleunigt wird.

Überwachungskameras an einer Straßenecke des Tiananmen-Platzes in Peking am 6. September 2019.

Foto: Greg Baker/AFP über Getty Images

Von „Skynet“ zu „Sharp Eyes“: Aufbau einer flächendeckenden Kontrolle

Das Massenüberwachungsnetz der KPCh wurde schrittweise ausgebaut. Jede Ausbaustufe ist in offiziellen staatlichen Richtlinien festgehalten.
Einem Bericht des Center for Security and Emerging Technology (CSET) aus dem Jahr 2020 zufolge bildet das sogenannte „Skynet“-Projekt die Grundlage dieser Überwachungsarchitektur. Das Projekt wurde 2005 vom chinesischen Ministerium für öffentliche Sicherheit gestartet. Im Rahmen dessen wurden in 16 Provinzen Kameras installiert, die mit Gesichtserkennungsdatenbanken des Ministeriums sowie des Nationalen Informationszentrums für Bürgeridentitäten vernetzt sind.
Das Skynet-Netzwerk wurde 2017 abgeschlossen und umfasste damals 176 Millionen Kameras mit 24-Stunden-Überwachung wichtiger Straßen, Schulen, Geschäftsviertel und Verkehrsknotenpunkte.
Die chinesische Staatszeitung „Workers’ Daily“ berichtete 2018, dass die Gesichtserkennungstechnologie von Skynet über 40 Gesichtsmerkmale identifizieren könne und Gesichter unter verschiedenen Winkeln und Lichtverhältnissen erkenne.
Das System könne angeblich 3 Milliarden Vergleiche pro Sekunde durchführen und damit die gesamte Bevölkerung Chinas in einer Sekunde scannen. Das CSET bewertete diese Angaben jedoch als technisch übertrieben, erkannte aber dennoch die Leistungsfähigkeit des Systems an.
2015 wurde das Programm „Sharp Eyes“ gestartet – durch mehrere zentrale Behörden, darunter die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), die MPS und weitere Regierungsstellen.
Die Richtlinie sah vor, dass bis 2020 „100 Prozent aller öffentlichen Bereiche“ mit Videoüberwachung ausgestattet sein sollten – ein „allgegenwärtiges, vollständig vernetztes, jederzeit aktives und vollständig kontrollierbares“ System ohne blinde Flecken.
Während Skynet sich auf öffentliche Räume konzentrierte, ging Sharp Eyes weiter: Es verband öffentliche Kameras mit privaten Wohn- und Geschäftskameras, ländlichen Fernsehsystemen und Haushaltsüberwachungsterminals zu einem einheitlichen Polizeinetzwerk.

Überwachungskameras in Shanghai im Februar 2021: Die Augen der Partei sind überall.

Foto: iStock/NgChiYui

KI verstärkt das System

Ein Bericht des Australian Strategic Policy Institute (ASPI) aus Dezember 2025 schätzt die Zahl der Überwachungskameras in China auf bis zu 600 Millionen. Gleichzeitig wird künstliche Intelligenz integriert, um das System deutlich leistungsfähiger zu machen.
Laut den im ASPI-Bericht zitierten Dokumenten plante ein Bezirk in Shanghai zudem den Einsatz KI-gesteuerter Kameras und Drohnen, die Verstöße automatisch erkennen und Maßnahmen einleiten sollten. Das System sollte Menschenansammlungen erkennen und die Polizei alarmieren, noch bevor sich größere Gruppen bilden.
Auch die Justiz wird zunehmend eingebunden: Der Oberste Volksgerichtshof Chinas ordnete 2022 an, dass bis 2025 in allen Gerichten funktionale KI-Systeme eingeführt werden sollen, um Gerichtsverfahren umfassend zu unterstützen.

Überwachung als Waffe

Das System dient nicht nur der Verkehrsüberwachung, sondern auch zur Erkennung politisch unerwünschter Aktivitäten – einschließlich friedlicher religiöser Praktiken.
Ein Bericht des britischen Innenministeriums (2025) stellte fest, dass zwischen 2022 und 2024 mindestens 142 Falun-Gong-Praktizierende durch Kameras identifiziert und festgenommen wurden.
Falun Gong, auch Falun Dafa genannt, ist eine spirituelle Praxis, die auf den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Toleranz basiert. Sie wurde in den 1990er-Jahren in China populär und hatte laut damaligen Schätzungen 70 bis 100 Millionen Anhänger.
1999 startete die KPCh eine Kampagne zur Unterdrückung der Bewegung. Seitdem kommt es zu Verhaftungen, Zwangsarbeit und Folter. Zudem wird über Organentnahmen berichtet.
Drei aktuelle Fälle, die auf der Webseite Minghui.org dokumentiert sind, zeigen, wie das System funktioniert:
Die 89-jährige Wu Qingzhi wurde 2025 beim Verteilen von Informationsmaterial fotografiert und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
Ein weiterer Fall betrifft Sun Yanfang aus Peking. Am 7. Mai 2026 erschienen mehrere Polizeibeamte bei ihr zu Hause und legten ihr Überwachungsfotos vor. Sie fragten, ob sie die Person auf den Bildern sei und woher die verteilten Materialien stammten. Nachdem Sun erklärt hatte, sie habe diese selbst hergestellt, beschlagnahmte die Polizei ihre Falun-Dafa-Bücher und nahm sie fest.
Ein dritter Fall zeigt, wie tief das Überwachungssystem inzwischen in Bildungseinrichtungen hineinreicht. Anfang April 2026 erschienen Beamte auf dem Campus der Hochschule für Wissenschaft und Technologie in Hubei.
Später stellte sich heraus, dass die Überwachungskameras in den Gebäuden direkt mit dem Netzwerk der öffentlichen Sicherheitsbehörden verbunden worden waren. Dadurch konnten die Behörden Bewegungen und Tagesabläufe der Betroffenen überwachen, ohne selbst vor Ort sein zu müssen.

Die Technologie dient nicht nur der Verkehrsüberwachung. (Symbolbild)

Foto: sefa ozel/iStock

Der Export techno-autoritärer Systeme

Die Technologie wird auch international eingesetzt. Hikvision und Dahua gehören zu den größten Überwachungskameraherstellern weltweit. 2019 wurden beide Unternehmen wegen ihrer Beteiligung am Ausbau der Überwachungssysteme in Xinjiang auf die Sanktionsliste des US-Handelsministeriums gesetzt. Dennoch zählen beide weiterhin zu den weltweit größten Herstellern von Überwachungskameras.
Laut dem Marktforschungsunternehmen Mordor Intelligence kontrollierten Hikvision und Dahua 2025 zusammen fast 40 Prozent des Weltmarktes. Über Drittanbieter und Vertriebspartner beliefern sie weiterhin Regierungen in Asien, Afrika und Lateinamerika.
Eine Studie des amerikanischen Thinktanks Center for Strategic and International Studies (CSIS) aus dem Jahr 2019 identifizierte zudem 73 sogenannte „Safe City“-Verträge des chinesischen Technologiekonzerns Huawei in insgesamt 52 Ländern. Diese Zahl stammt noch aus der Zeit, bevor Huawei in mehreren westlichen Staaten teilweise vom Markt ausgeschlossen wurde.
Organisationen wie Human Rights Watch warnen, dass diese Technologien autoritäre Überwachungsmodelle global verbreiten könnten.

Jordan Peterson, ein kanadischer Psychologe, Autor und früherer Professor für Psychologie an der University of Toronto, bezeichnete Chinas System 2024 als Mittel, das der Regierung „volle Kontrolle“ über elektronische Zugänge der Bürger ermögliche, einschließlich Finanzen und Reisefreiheit.

Dem „Fox-News“-Moderator Bret Baier kostete das Falschparken 40 Dollar (circa 37 Euro) und der Vorfall wurde zu einem Fernsehbeitrag verarbeitet. Für Millionen Menschen in China ist die lückenlose Überwachung durch die KPCh jedoch bitterer Alltag.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „From One Beijing Corner to Nationwide Control: Inside China’s Surveillance State“. (deutsche Bearbeitung: zk)
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Warnung vor globalem Export: Chinas Überwachungsstaat aus 600 Millionen Kameras und KI


In Kürze:

  • Flächendeckende Kamera- und KI-Überwachung in China
  • Nutzung auch zur Verfolgung politischer und religiöser Gruppen
  • Technologie wird international verbreitet

 
China hat eines der umfangreichsten Überwachungsnetze der Welt aufgebaut – mit 600 Millionen Kameras, die durch KI vernetzt sind und die gesamte Bevölkerung erfassen können.
Vor dem Bahnhof Haidian in Peking, während des Staatsbesuchs von US-Präsident Donald Trump in China, zählte der Fox-News-Moderator Bret Baier mindestens 20 Überwachungskameras an einer einzigen Straßenecke. Innerhalb von zwei Minuten nach falschem Parken des Fahrzeugs seines Teams erhielt der Fahrer eine Geldstrafe von etwa 40 US-Dollar (rund 37 Euro) per SMS auf sein Handy.
„Big Brother beobachtet alles“, sagte Baier in der Sendung „Special Report“ am 13. Mai. „In Peking gibt es buchstäblich überall Kameras. Tatsächlich wurden allein in diesem Jahr 1.500 Kameras hinzugefügt. Sie sehen alles.“
Baier fügte hinzu: „Es gibt ernsthafte Fragen darüber, was das Ziel [der Kommunistischen Partei Chinas] ist – in Bezug auf die Bürgerüberwachung und das Sozialkredit-System. Sie sagen, es dient dazu, dass sich alle sicher fühlen.“
Was Baier auf Straßenebene erlebte, spiegelt eine Überwachungsinfrastruktur wider, die die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) über zwei Jahrzehnte hinweg durch überlappende nationale Programme aufgebaut hat – und die nun durch künstliche Intelligenz weiter beschleunigt wird.

Überwachungskameras an einer Straßenecke des Tiananmen-Platzes in Peking am 6. September 2019.

Foto: Greg Baker/AFP über Getty Images

Von „Skynet“ zu „Sharp Eyes“: Aufbau einer flächendeckenden Kontrolle

Das Massenüberwachungsnetz der KPCh wurde schrittweise aufgebaut. Jede Ausbaustufe ist in offiziellen staatlichen Richtlinien festgehalten.
Einem Bericht des Center for Security and Emerging Technology (CSET) aus dem Jahr 2020 zufolge bildet das sogenannte „Skynet“-Projekt die Grundlage dieser Überwachungsarchitektur. Das Projekt wurde 2005 vom chinesischen Ministerium für öffentliche Sicherheit gestartet. Im Rahmen dessen wurden in 16 Provinzen Kameras installiert, die mit Gesichtserkennungsdatenbanken des Ministeriums sowie des Nationalen Informationszentrums für Bürgeridentitäten vernetzt sind.
Das Skynet-Netzwerk wurde 2017 abgeschlossen und umfasste damals 176 Millionen Kameras mit 24-Stunden-Überwachung wichtiger Straßen, Schulen, Geschäftsviertel und Verkehrsknotenpunkte.
Die chinesische Staatszeitung „Workers’ Daily“ berichtete 2018, dass die Gesichtserkennungstechnologie von Skynet über 40 Gesichtsmerkmale identifizieren könne und Gesichter unter verschiedenen Winkeln und Lichtverhältnissen erkenne.
Das System könne angeblich drei Milliarden Vergleiche pro Sekunde durchführen und damit die gesamte Bevölkerung Chinas in einer Sekunde scannen. Das CSET bewertete diese Angaben jedoch als technisch übertrieben, erkannte aber dennoch die Leistungsfähigkeit des Systems an.
2015 wurde das Programm „Sharp Eyes“ gestartet – durch mehrere zentrale Behörden, darunter die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), die MPS und weitere Regierungsstellen.
Die Richtlinie sah vor, dass bis 2020 „100 Prozent aller öffentlichen Bereiche“ mit Videoüberwachung ausgestattet sein sollten – ein „allgegenwärtiges, vollständig vernetztes, jederzeit aktives und vollständig kontrollierbares“ System ohne blinde Flecken.
Während Skynet sich auf öffentliche Räume konzentrierte, ging Sharp Eyes weiter: Es verband öffentliche Kameras mit privaten Wohn- und Geschäftskameras, ländlichen Fernsehsystemen und Haushaltsüberwachungsterminals zu einem einheitlichen Polizeinetzwerk.

Überwachungskameras in Shanghai im Februar 2021: Die Augen der Partei sind überall.

Foto: iStock/NgChiYui

KI verstärkt das System

Ein Bericht des Australian Strategic Policy Institute (ASPI) aus Dezember 2025 schätzt die Zahl der Überwachungskameras in China auf bis zu 600 Millionen. Gleichzeitig wird künstliche Intelligenz integriert, um das System deutlich leistungsfähiger zu machen.
Laut den im ASPI-Bericht zitierten Dokumenten plante ein Bezirk in Shanghai zudem den Einsatz KI-gesteuerter Kameras und Drohnen, die Verstöße automatisch erkennen und Maßnahmen einleiten sollten. Das System sollte Menschenansammlungen erkennen und die Polizei alarmieren, noch bevor sich größere Gruppen bilden.
Auch die Justiz wird zunehmend eingebunden: Der Oberste Volksgerichtshof Chinas ordnete 2022 an, dass bis 2025 in allen Gerichten funktionale KI-Systeme eingeführt werden sollen, um Gerichtsverfahren umfassend zu unterstützen.

Überwachung als Waffe

Das System dient nicht nur der Verkehrsüberwachung, sondern auch zur Erkennung politisch unerwünschter Aktivitäten – einschließlich friedlicher religiöser Praktiken.
Ein Bericht des britischen Innenministeriums (2025) stellte fest, dass zwischen 2022 und 2024 mindestens 142 Falun-Gong-Praktizierende durch Kameras identifiziert und festgenommen wurden.
Falun Gong (Falun Dafa) ist eine spirituelle Praxis, die auf den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Toleranz basiert. Sie wurde in den 1990er-Jahren in China populär und hatte laut damaligen Schätzungen 70 bis 100 Millionen Anhänger.
1999 startete die KPCh eine Kampagne zur Unterdrückung der Bewegung. Seitdem kommt es zu Verhaftungen, Zwangsarbeit und Folter. Zudem wird über Organentnahmen berichtet.
Drei aktuelle Fälle, die auf der Webseite Minghui.org dokumentiert sind, zeigen, wie das System funktioniert:
Die 89-jährige Wu Qingzhi wurde 2025 beim Verteilen von Informationsmaterial fotografiert und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
Ein weiterer Fall betrifft Sun Yanfang aus Peking. Am 7. Mai 2026 erschienen mehrere Polizeibeamte bei ihr zu Hause und legten ihr Überwachungsfotos vor. Sie fragten, ob sie die Person auf den Bildern sei und woher die verteilten Materialien stammten. Nachdem Sun erklärt hatte, sie habe diese selbst hergestellt, beschlagnahmte die Polizei ihre Falun-Dafa-Bücher und nahm sie fest.
Ein dritter Fall zeigt, wie tief das Überwachungssystem inzwischen in Bildungseinrichtungen hineinreicht. Anfang April 2026 erschienen Beamte auf dem Campus der Hochschule für Wissenschaft und Technologie in Hubei.
Später stellte sich heraus, dass die Überwachungskameras in den Gebäuden direkt mit dem Netzwerk der öffentlichen Sicherheitsbehörden verbunden worden waren. Dadurch konnten die Behörden Bewegungen und Tagesabläufe der Betroffenen überwachen, ohne selbst vor Ort sein zu müssen.

Die Technologien dient nicht nur der Verkehrsüberwachung. Symbolbild.

Foto: sefa ozel/iStock

Der Export techno-autoritärer Systeme

Die Technologie wird auch international eingesetzt. Hikvision und Dahua gehören zu den größten Überwachungskamera-Herstellern weltweit. 2019 wurden beide Unternehmen wegen ihrer Beteiligung am Ausbau der Überwachungssysteme in Xinjiang auf die Sanktionsliste des US-Handelsministeriums gesetzt. Dennoch zählen beide weiterhin zu den weltweit größten Herstellern von Überwachungskameras.
Laut dem Marktforschungsunternehmen Mordor Intelligence kontrollierten Hikvision und Dahua 2025 zusammen fast 40 Prozent des Weltmarktes. Über Drittanbieter und Vertriebspartner beliefern sie weiterhin Regierungen in Asien, Afrika und Lateinamerika.
Eine Studie des amerikanischen Thinktanks Center for Strategic and International Studies (CSIS) aus dem Jahr 2019 identifizierte zudem 73 sogenannte „Safe City“-Verträge des chinesischen Technologiekonzerns Huawei in insgesamt 52 Ländern. Diese Zahl stammt noch aus der Zeit, bevor Huawei in mehreren westlichen Staaten teilweise vom Markt ausgeschlossen wurde.
Organisationen wie Human Rights Watch warnen, dass diese Technologien autoritäre Überwachungsmodelle global verbreiten.

Jordan Peterson, ein kanadischer Psychologe, Autor und früherer Professor für Psychologie an der University of Toronto, bezeichnete Chinas System 2024 als Mittel, das der Regierung „volle Kontrolle“ über elektronische Zugänge der Bürger ermögliche, einschließlich Finanzen und Reisefreiheit

Fox-News-Moderator Bret Baier kostete das Falschparken 40 Dollar (ca. 37 Euro) und der Vorfall wurde zu einem Fernsehbeitrag verarbeitet. Für Millionen Menschen in China ist die lückenlose Überwachung durch die KPCh jedoch bitterer Alltag.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „From One Beijing Corner to Nationwide Control: Inside China’s Surveillance State“. (deutsche Bearbeitung zk)
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Brandkatastrophe in Crans-Montana: Schweizer Präsident räumt Versäumnisse ein

Nach der Silvester-Brandkatastrophe im Skiort Crans-Montana mit 41 Todesopfern hat der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin Behördenversäumnisse eingeräumt.
„Die Schweiz wurde in den vergangenen Monaten hart geprüft“, sagte der Politiker der Schweizerischen Volkspartei (SVP) am Sonntag, 17. Mai, dem „Spiegel“. Das Unglück zeige: „Perfekt sind wir nicht. Aber wir können und müssen aus Fehlern lernen.“
Parmelin verwies bezüglich des Vorwurfs mangelnder Kontrollen durch die Behörden auf die Ermittlungen der Walliser Justiz. „Die Politik muss ungeachtet der Ermittlungen Maßnahmen und Konsequenzen einleiten und umsetzen. Deswegen hat der Bundesrat beschlossen, einen runden Tisch für Opfer, Hinterbliebene, Versicherer und Behörden einzurichten“, sagte Parmelin.

Brandschutz im Fokus der Ermittlungen

Landesweit seien die bereits strengen Brandschutzvorschriften verschärft, vielerorts Feuerfontänen verboten und Baunormen angepasst worden. „Das bringt die toten Menschen nicht zurück, soll aber verhindern, dass sich eine solche Katastrophe jemals wiederholt“, sagte Parmelin.
Für internationale Irritationen sorgte nach der Katastrophe zudem der Umgang mit Behandlungskosten ausländischer Opfer. Italienische Betroffene hätten keine Zahlungsaufforderungen erhalten, sondern lediglich Kopien der Rechnungen, sagte Parmelin.
Es gehe um Transparenz im Rahmen internationaler Versicherungsregeln. „Trotzdem war es ungeschickt“, betonte der Schweizer Präsident. Er habe Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni zugesichert, dass dies nicht wieder passieren werde.

Katastrophe in der Silvesternacht

In der Silvesternacht war im Untergeschoss der Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana ein Brand ausgebrochen. 41 zumeist junge Menschen kamen ums Leben, 115 weitere Menschen wurden verletzt.
Die Ermittler vermuten, dass die Brandkatastrophe durch an Flaschen befestigte Feuerwerksfontänen ausgelöst wurde, die der Decke zu nahe kamen.
Ermittlungen sollen nun Aufschluss über die genauen Umstände des Brandes geben und klären, ob die Eigentümer der Bar gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen haben.
Die Gemeinde hat bereits eingeräumt, dass seit 2019 keine Brandschutzkontrollen in der Bar stattgefunden hatten – obwohl diese jedes Jahr vorgeschrieben sind. Ermittelt wird wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung. (afp/red)
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kultur meinung

Wenn die Welt wankt: Lewis, Tolkien und die Suche nach Orientierung im Krieg

Mit tragischer Naivität sagte man einst, der Erste Weltkrieg – „Der Große Krieg“, wie er damals genannt wurde – würde alle Kriege beenden. Doch solange die Menschheit sowohl Waffen als auch Meinungsverschiedenheiten hat, solange Ehrgeiz, Grausamkeit, Gier und gerechter Zorn fortbestehen, werden weiterhin Kriege geführt werden.
Viele große Schriftsteller haben über das tragische Mysterium des Krieges nachgedacht, das mit der menschlichen Erfahrung und Geschichte verflochten ist. Einer von ihnen war der irische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler C. S. Lewis, Autor der „Chroniken von Narnia“ und „The Screwtape Letters“.
Lewis durchlebte zwei Weltkriege. In seinen Werken erinnerte er seine Leser immer wieder daran, dass selbst im Schatten des Krieges ein Hoffnungsschimmer bestehen bleibt.

23. Juli 1944, Caen, Frankreich – Premierminister Winston Churchill (l.) besucht in Begleitung von General Bernard Montgomery (2. v. r.) und Miles Dempsey (Mitte), dem Kommandeur der 2. britischen Armee, die teilweise zerstörte französische Stadt in der Normandie. Das Foto entstand kurz nach der Einnahme der Stadt durch die Alliierten am D-Day.

Foto: STF/AFP via Getty Images

Eine Metapher in Romanform

Sein kurzer Briefroman „The Screwtape Letters“ (zu Deutsch: „Dienstanweisung für einen Unterteufel“) enthält ein Beispiel für dieses Stilmittel. Der Roman besteht aus einer fiktiven Sammlung von Briefen des höllischen Bürokraten und Oberdämons, Screwtape, an seinen Neffen und Teufelslehrling Wormwood. Dessen Lehraufgabe war es, die menschliche Seele zu ruinieren, die ihm zur Versuchung zugewiesen wurde.

Deutsche Schulkinder essen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Lebensmittelrationen. Das waren etwa 300 Kalorien pro Tag. Wetzlar, Deutschland, etwa zwischen 1945 und 1948.

Foto: European/FPG/Getty Images

Dieses geniale literarische Mittel erlaubte es Lewis, die menschliche Psychologie und Spiritualität aus einem einzigartigen Blickwinkel zu untersuchen, wobei er Galgenhumor neben übernatürlich tiefgründigen Erkenntnissen einfügte. Der Roman wirkt wie ein Fotonegativ von Lewis’ tatsächlichen spirituellen Ansichten. Alles, was Screwtape liebt, lehnt Lewis ab, und was Screwtape hasst oder wovon er abrät, bewundert und empfiehlt Lewis.

Ein Krieg ist ausgebrochen …

In Kapitel V erfahren die Leser, dass ein Krieg ausgebrochen ist. Die Briefe der „Dienstanweisung für einen Unterteufel“ erschienen erstmals 1941 als Fortsetzungsreihe im „Manchester Guardian“. Dieses Datum ist sehr wahrscheinlich als Anspielung auf den Zweiten Weltkrieg zu verstehen.
Lewis nutzt die Gelegenheit, um seinen Lesern indirekt Worte der Ermutigung für die Kriegszeit anzubieten – mittels Screwtapes Worten der Entmutigung an Wormwood. Lewis’ Kommentar zu den psychologischen und spirituellen Auswirkungen des Krieges bietet Weisheit, die auf jede Zeit militärischer Konflikte angewendet werden kann.
C. S. Lewis im Jahr 1957

C. S. Lewis (1898–1963), mit vollem Namen Clive Staples Lewis, ist für seine Fantasyromane „Die Chroniken von Narnia“ bekannt.

Foto: Gemeinfrei

In Screwtapes Brief an Wormwood anlässlich des Kriegsausbruchs tadelt dieser den unerfahrenen teuflischen Lehrling für seine Aufgeregtheit. Er schreibt:
„Es ist ein wenig enttäuschend, wenn man von Dir einen ausführlichen Arbeitsrapport erwartet und stattdessen solch eine verworrene Rhapsodie wie Deinen letzten Brief erhält. Du berichtest, Du seiest ‚rasend vor Freude‘ darüber, dass sich die Europäer in einen neuen Krieg gestürzt haben. Ich weiß aber nur zu gut, was mit Dir los ist. Du bist nicht ‚rasend‘, sondern Du bist ganz einfach ‚betrunken‘.“ [1]
Screwtape erklärt weiter, dass sich Wormwood von den Gezeiten der Angst und Fassungslosigkeit seines menschlichen Schützlings habe mitreißen lassen – weil menschliche Verzweiflung für einen Dämon wie der feinste Likör ist.
„Zum ersten Mal in Deiner Laufbahn durftest Du von jenem Wein kosten, der unserer Mühe und Arbeit Lohn ist – die Angst und die Verwirrung einer Menschenseele –, und dieser Wein ist Dir in den Kopf gestiegen“, ermahnt Screwtape [2].
Dann verspottet er Wormwood, während er sich die Szene vorstellt, als Wormwoods Mensch vom Krieg erfuhr: „Reagierte Dein Patient auf einige Deiner erschreckenden Zukunftsbilder? Hast Du ihn dazu gebracht, sich selbst zu bemitleiden, durch Vorspiegelung seiner glücklichen Vergangenheit? – Waren einige feine Stiche in der Magengegend mit dabei, oder? Du hast Deine Fiedel glänzend gespielt, nicht wahr?“ [3]
Kinder warten vor den Trümmern ihres ehemaligen Zuhauses in East London, 1940. Foto: Sue Wallace / CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Kinder warten vor den Trümmern ihres ehemaligen Zuhauses in East London, 1940.

Foto: Sue Wallace / CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Menschliches Durchhaltevermögen inmitten der Katastrophe

Warum züchtigt Screwtape Wormwood für seinen Enthusiasmus über den Krieg? Weil, wie der erfahrenere Dämon weiß, Krieg nicht notwendigerweise der Untergang der Menschheit ist, für den Wormwood ihn hält. „Inzwischen muss ich Dich dringend warnen, nicht zu viel Hoffnung auf den Krieg zu setzen!“, mahnt Screwtape [4]. Natürlich sagt Lewis seinen menschlichen Lesern damit eigentlich: Verzweifelt nicht angesichts der Aussicht auf Krieg. Fürchtet ihn nicht zu sehr.
Screwtape führt weiter aus, warum Krieg nicht immer zum Vorteil der höllischen Mächte gereicht:
„Gewiss, wir dürfen auf viel Grausamkeit und Unmenschlichkeit hoffen. Aber wenn wir nicht aufpassen, dann werden wir erleben, wie Tausende in dieser Prüfung sich dem Feinde zuwenden. Das Interesse aber von Zehntausenden, die vielleicht nicht so weit gehen, wird immerhin abgelenkt werden von ihrer eigenen Person auf Werte und Ideen, die sie für höher erachten als das eigene Ich.“ [5]
Hier stößt Lewis – durch die höhnische Stimme Screwtapes – auf eine große und bedeutende Wahrheit: Krieg bringt das Schlechteste in der Menschheit hervor, aber er bringt auch das Beste hervor. Er reißt die Menschen aus sich selbst heraus, weckt sie aus dem Schlummer eigennütziger Bequemlichkeit und lenkt ihre Aufmerksamkeit auf die wichtigsten Themen: Leben, Tod, Mut, Opferbereitschaft, Patriotismus, Gut und Böse und dass es sich dafür zu sterben lohnt. Wie Screwtape klagt: „Und wie verheerend ist für uns das dauernde Wissen um die Todesnähe, das der Krieg den Menschen aufzwingt. Eine unserer besten Waffen, die sich selbst genügende Weltliebe, ist nun wertlos.“ [6]

Der Krieg als Prüfstein des Menschen

Zeiten der Not – ob Krieg oder andere Katastrophen – zwingen uns, uns mit harten Wahrheiten auseinanderzusetzen, doch wir gehen daraus oft gestärkt hervor. Wie Sokrates sagt: „Ein Leben ohne Prüfung ist für den Menschen nicht lebenswert.“ [7] Kaum etwas zwingt uns so sehr dazu, unser Leben und seine Bedeutung – sowohl gut zu leben als auch gut zu sterben – zu hinterfragen, wie der Krieg. Unter dem Druck schrecklicher Umstände tritt die Wahrheit dessen, wer wir sind, deutlich hervor. Erst dann entsteht die Möglichkeit für echten Mut und wahres Heldentum.
Wenn die Welt dunkler wird, leuchten die vorhandenen Lichter umso heller. Und wenn ungewisse Zukunftsszenarien drohen, wird deutlicher, was wirklich zählt – und wie wertvoll die Menschen und Werte sind, an denen wir festhalten und für die wir einzustehen bereit sind. Diese Erkenntnis ist für sich genommen bereits ein Geschenk.

Inspiration aus Mittelerde

Einer von Lewis’ engen Freunden verstand dies gut. J.R.R. Tolkien, ein weiterer Überlebender von Krieg und Kampf, schuf eine wunderschöne Reflexion über schwere Zeiten. Er schrieb im ersten Teil der Herr-der-Ringe-Trilogie „Die Gefährten“: „Freilich ist die Welt voller Fährnisse und finsterer Orte; doch noch immer ist viel Schönes lebendig, und wenn auch die Liebe in allen Landen nun mit Leid vermengt ist, wird sie deshalb vielleicht umso größer.“ [8]
Diesen Worten lässt sich kaum etwas hinzufügen – sie klingen so rein, getragen von der ganzen Qual und Hoffnung einer ringenden Menschheit. Lewis und Tolkien, denen der Krieg nicht fremd war, wussten, wie sich selbst in den dunkelsten Zeiten Licht und Hoffnung finden lassen.
Eine kolorierte Fotografie von Tolkien aus den 1940er-Jahren. Foto: TuckerFTW, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Eine kolorierte Fotografie von Tolkien aus den 1940er-Jahren.

Foto: TuckerFTW, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Quellen:
[1] C. S. Lewis: „Dienstanweisung für einen Unterteufel“. Verlag Herder, 2015, S. 40
[2] ebenda, S. 40
[3] ebenda, S. 41
[4] ebenda, S. 42
[5] ebenda, S. 43
[6] ebenda, S. 44
[7] Platon: Apologie des Sokrates, Kriton. Reclam, Stuttgart 1987, S. 33.
[8] J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Erster Teil: Die Gefährten. Klett-Cotta, 2013, S. 522.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Lewis and Tolkien on War and Hope in Hard Times“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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gesellschaft

Gehege muss weg: Entlaufener Tiger bei Leipzig erschossen – Mann schwer verletzt

Tiger-Alarm bei Leipzig: Die Polizei hat in Schkeuditz (Nordsachsen) einen entlaufenen Tiger erschossen.
Das Tier war aus einer privaten Anlage entkommen, wie eine Polizeisprecherin sagte. Ein 73 Jahre alter Mann sei dabei schwer verletzt worden. Er wurde zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Die Polizei war mit einem großen Aufgebot vor Ort. Für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr mehr, hieß es am Nachmittag.
Gegen 12.50 Uhr sei der Notruf bei der Polizei eingegangen, dass ein Tiger entlaufen sei, berichtete Polizeisprecherin Susanne Lübcke. „Der Tiger hat sein Gehege verlassen. Er konnte dann von Polizeikräften im Bereich einer Gartenanlage angetroffen werden.“
Um jede Gefahr für die Öffentlichkeit zu beseitigen, sei der Tiger von Einsatzkräften erschossen worden.

Schwer bewaffnete Polizisten vor Ort

Die Polizei war mit zahlreichen, teilweise schwer bewaffneten Kräften vor Ort. Da es sich um einen ausgewachsenen Tiger gehandelt habe, seien auch Langwaffen im Einsatz gewesen, sagte die Sprecherin. Weitere Tiere seien nicht entkommen.
Im Schkeuditzer Ortsteil Dölzig hält eine Tiger-Dompteurin in einem Gewerbegebiet Großkatzen – jetzt sollen dort noch acht Tiger leben. Die Dompteurin reagierte zunächst nicht auf eine dpa-Anfrage.
Nach Medienberichten hatte es gegen die Dompteurin in der Vergangenheit immer wieder Vorwürfe wegen der Tiger-Haltung gegeben.

„Das Gehege muss weg“

Der Dölziger Ortsvorsteher Thomas Druskat forderte nach dem Vorfall Konsequenzen. „Das Gehege muss weg“, zitierte ihn die „Leipziger Volkszeitung“.
„Man darf gar nicht daran denken, wenn auch noch andere Menschen zu Schaden gekommen wären.“ Er forderte, die Tiere in eine andere Haltungsform zu überführen.
Bei dem schwer verletzten Mann handelt es sich laut Polizei um eine Art Helfer. Er habe sich berechtigterweise in der Anlage aufgehalten, sagte die Sprecherin.
Die Polizei überprüfe jetzt, wie es dazukommen konnte, dass der Tiger ausgebrochen ist. Ob sich daraus auch noch Ermittlungen wegen einer Straftat ergeben, war zunächst offen.

2016 gab es einen Löwen-Ausbruch im Leipziger Zoo

Der Ausbruch weckte Erinnerung an einen anderen dramatischen Fall vor zehn Jahren in Leipzig. Im September 2016 brachen im städtischen Zoo zwei Löwen aus ihrem Gehege aus. Sie übersprangen einen Wassergraben, möglicherweise durchschwammen sie ihn auch – das blieb unklar, weil niemand den Ausbruch beobachtete.
Ein Tier konnte zurückgedrängt werden, das andere wurde erschossen. Danach wurde der Wassergraben am Löwengehege des Zoos Leipzig deutlich verbreitert. (dpa/red)
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deutschland

Warken hält weltweite Ebola-Pandemie für „nahezu ausgeschlossen“

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) stuft die Gefahr einer weltweiten Ebola-Pandemie als „nahezu ausgeschlossen“ ein. Das sagte sie am Sonntag, 17. Mai, im „Bericht aus Berlin“ des ARD-Hauptstadtstudios.
Anlass ist ein sich schnell ausbreitender Ebola-Ausbruch in der DR Kongo und in Uganda. Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerufene internationale Gesundheitsnotlage diene vor allem dazu, die Behörden vor Ort zu unterstützen, so Warken.
Die WHO wolle mit dem Schritt die Kommunikation mit der Bevölkerung erleichtern und Maßnahmen zur Eindämmung koordinieren. Hintergrund sei unter anderem ein bevorstehendes Großereignis mit bis zu zwei Millionen Teilnehmern in der Region.
Zudem zirkuliere derzeit ein Ebola-Stamm, gegen den es bislang weder Impfstoffe noch antivirale Therapien gebe.
Für Deutschland sieht die Ministerin derzeit keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. „Das Risiko für die deutsche Bevölkerung ist als äußerst gering einzuschätzen“, sagte Warken.
Es gebe bislang auch keine Hilfsanfragen aus den betroffenen Ländern. Deutschland könne aber bei Bedarf etwa durch das Robert-Koch-Institut für Tropenmedizin Unterstützung leisten.
In Genf werde derzeit darüber beraten, wie internationale Reaktionen auf Krankheitsausbrüche verbessert und die Entwicklung von Impfstoffen beschleunigt werden könne, sagte Warken weiter. Dabei gehe es auch um Regelungen im Zusammenhang mit dem Pandemieabkommen der WHO. (dts/red)
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ausland

Taiwan pocht nach Trump-Aussagen auf Souveränität

Nach besänftigenden Tönen von US-Präsident Donald Trump gegenüber China hat Taiwan auf seine Souveränität gepocht und zugleich die Umsetzung von US-Zusagen für Rüstungslieferungen eingefordert.
Die Waffenlieferungen sowie die Sicherheitskooperation zwischen den USA und Taiwan seien „Schlüsselelemente bei der Bewahrung von Frieden und Stabilität in der Region“, erklärte der taiwanische Präsident Lai Ching-te am Sonntag, 17. Mai. Dabei spielte er auch auf die Bedeutung der Meerenge zwischen Festlandchina und Taiwan für den Welthandel an.

Taipeh betont Eigenständigkeit gegenüber China

„Die anhaltenden Waffenverkäufe der USA an Taiwan und die Vertiefung der Sicherheitszusammenarbeit zwischen Taiwan und den USA sind nicht nur notwendig, sondern Schlüsselelemente bei der Bewahrung von Frieden und Stabilität in der Region“, schrieb Lai im Online-Netzwerk Facebook.
Der „Frieden und die Stabilität in der Taiwanstraße werden niemals geopfert oder eingetauscht werden“, fügte Lai mit Blick auf die für den Welthandel bedeutende Meerenge hinzu.
Am Samstag hatte bereits das Außenministerium in Taipeh erklärt, Taiwan sei „eine souveräne und unabhängige demokratische Nation“ und der Volksrepublik China „nicht untergeordnet“. Zugleich verwies das taiwanische Präsidialamt auf „Bekräftigungen“ der USA, die Insel weiterhin militärisch zu unterstützen.
Das Präsidialamt verwies auf „mehrfache Bekräftigungen“ der USA, darunter von US-Präsident Donald Trump und Außenminister Marco Rubio, dass die bisherige US-Politik und Haltung gegenüber Taiwan unverändert blieben.

Waffenlieferungen „im Rahmen der festen Verpflichtungen“

Taiwans Außenministerium erklärte, US-Waffenverkäufe seien nicht nur „Teil der Sicherheitsverpflichtung Washingtons“ gegenüber der demokratischen Insel, sondern auch „eine Form der gemeinsamen Abschreckung gegen regionale Bedrohungen“.
Taiwan freue sich darauf, „die Zusammenarbeit mit den USA im Rahmen der festen Verpflichtungen des Taiwan Relations Act fortzusetzen“, erklärte Lais Sprecherin Karen Kuo.
Damit verwies sie auf ein Gesetz, das der US-Kongress 1979 verabschiedet hatte – nachdem Washington die Volksrepublik China diplomatisch anerkannt hatte. Es verpflichtet die USA, Taiwan Waffen zu dessen Verteidigung bereitzustellen.
Mit den Erklärungen reagierte Taipeh auf Äußerungen Trumps nach dessen Besuch in China. Nach dem Abschluss seiner Reise hatte Trump gesagt, dass er in der Taiwan-Frage keinen militärischen Konflikt mit China eingehen wolle. „Wir suchen keinen Krieg“, sagte Trump am Freitag dem Sender Fox News.
Wenn der Status quo in Taiwan erhalten bleibe, werde China damit einverstanden sein. Zugleich betonte Trump, an der US-Politik gegenüber Taiwan habe sich „nichts geändert“.
Der US-Präsident warnte Taiwan dennoch davor, offiziell die Unabhängigkeit von China auszurufen – wofür es allerdings in Taipeh keine Anzeichen gibt.
„Wir wollen nicht, dass jemand sagt: Lasst uns unabhängig werden, weil die Vereinigten Staaten hinter uns stehen“, sagte Trump. Damit gab er auch die chinesische Sichtweise wieder.

Taiwan-Frage: „das wichtigste Thema“ für Xi

Trump hatte von Mittwoch bis Freitag China besucht. Es war der erste Besuch eines US-Präsidenten in der Volksrepublik seit fast einem Jahrzehnt. Dominiert wurde der Gipfel von der Warnung Pekings in der Taiwan-Frage.
Xi hatte Trump laut chinesischen Staatsmedien gesagt, die Taiwan-Frage sei „das wichtigste Thema“ in den Beziehungen zwischen China und den USA. Wenn diese falsch behandelt werde, könnten beide Länder aneinander geraten „oder sogar in einen Konflikt geraten“.
China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz, die notfalls mit militärischen Mitteln wieder mit dem Festland vereint werden soll. Washington erkennt Taiwan zwar nicht offiziell an, US-Regierungen haben es bisher aber vermieden, eine Unabhängigkeit Taiwans öffentlich abzulehnen. Außerdem sind die USA der wichtigste militärische Unterstützer der Insel.
Trump kündigte an, er werde in Kürze über neue Waffenlieferungen an Taiwan entscheiden. Auf dem Rückflug nach Washington sagte er, die Frage hänge „von China“ ab und sei für die USA eine „sehr gute Verhandlungsmasse“.
Vor seinem Treffen mit Xi hatte Trump erklärt, mit Chinas Staatschef über US-Waffenverkäufe an Taiwan sprechen zu wollen – eine Abkehr von der bisherigen US-Linie, Peking hierzu nicht zu konsultieren.
Die US-Regierung hatte im Dezember das zweite Waffenpaket für Taiwan seit Trumps Rückkehr ins Amt gebilligt. Mit einem Umfang von 11,1 Milliarden Dollar ist es das größte Paket seit 2001. Das Parlament in Taipeh billigte am 8. Mai Verteidigungsausgaben von 25 Milliarden Dollar für den Kauf von US-Waffen. (afp/red)
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deutschland

Transatlantik-Koordinator: Trump offen für Tomahawk-Verkauf

Die Bundesregierung glaubt trotz des abgekühlten Verhältnisses zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und US-Präsident Donald Trump weiter an den geplanten Kauf von Tomahawk-Marschflugkörpern in den USA.
„Wenn der Kauf von Tomahawks nur eine Frage des Preises wäre, dann wäre Trump sofort dabei“, sagte der Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Metin Hakverdi, der „Welt“.

Verteidigungsausgaben im Fokus

Trotz der jüngsten Spannungen zwischen Trump und Merz würden Deutschlands Investitionen in die eigene Verteidigung weiter wohlwollend wahrgenommen.
Etwa auch die Entscheidung, ein Minenjagdboot ins Mittelmeer zu verlegen, das nach Ende des Kriegs im Iran in der Straße von Hormus eingesetzt werden könnte.

USA beobachten deutsche Schritte

„Es wird in Washington klar wertgeschätzt, dass wir bereits Maßnahmen getroffen haben, unsere Minenräumkapazitäten in Richtung Südosten zu bewegen, in unserem legalen Raum, also ins Mittelmeer. Das wird von US-Seite sehr genau beobachtet“, so Hakverdi.
Trumps folgenschwere Reaktion auf Merz` Kritik Anfang des Monats werde grundsätzlich „in Washington als eine persönliche Sache gewertet, dass Trump persönlich enttäuscht war“, sagte Hakverdi.
Das ändere aber nichts daran, dass Deutschland aus US-Sicht sicherheitspolitische Anforderungen erfülle oder sogar übererfülle, so der SPD-Politiker.
Der NATO-Gipfel Anfang Juli in Ankara sei „die nächste gute Gelegenheit, um auf den deutschen Beitrag hinzuweisen“. (dts/red)
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ausland

Stromnetz am Limit: Niederlande prüfen Maßnahmen zum Stromsparen


In Kürze:

  • Die Niederlande ringen mit zu niedriger Stromerzeugung.
  • Neben anderen Maßnahmen tritt ab 1. Juli ein vollständiger Anschlussstopp für neue Verbraucher in Kraft.
  • TenneT schließt einen längeren Stromausfall nicht aus.
  • Durch das europäische Verbundnetz hat dies auch ohne einen Stromausfall Konsequenzen für das Nachbarland Deutschland.

 
In den Niederlanden suchen Netzbetreiber gemeinsam mit der Politik intensiv nach Wegen, Stromverbrauchsspitzen zu senken und die Stromnetze zu entlasten.
Der jüngste Vorschlag kam am Donnerstag, 14. Mai, von Huib van Essen (Grüne Linke), Landesrat der Provinz Utrecht. Demnach könnten Menschen künftig in Regionen mit besonders hoher Netzlast per Push-Benachrichtigung auf dem Smartphone aufgefordert werden, ihren Stromverbrauch vorübergehend zu reduzieren. Das bezieht sich vor allem auf intensive Verbraucher wie Wäschetrockner, Herd, Wärmepumpe oder E-Autos.
Peter Hofland vom Netzbetreiber TenneT bezeichnete diese Idee als eine gute Option, um Engpässe im Stromnetz zu vermeiden. „In einem solchen NL-Alarm-ähnlichen System sehen wir Potenzial“, sagte er laut dem niederländischen Nachrichtenportal RTV Utrecht.

Anschlussstopp tritt ab dem 1. Juli in Kraft

Bereits im Februar dieses Jahres warnte TenneT eindringlich, dass das Hochspannungsnetz in den Regionen Utrecht, Gelderland und Flevoland vollständig ausgelastet sei. Aufgrund fehlender Netzkapazitäten gilt in Utrecht ab dem 1. Juli ein vollständiger Anschlussstopp für neue Verbraucher. Bisher war dies zumindest noch für kleine Verbraucher, einschließlich Wohnungsbauprojekten, möglich. Ähnliches erlebte vor rund zwei Jahren die Stadt Oranienburg nahe Berlin, wo zeitweise ebenfalls Netzengpässe auftraten.
Die Verantwortlichen prüfen nun den Bau einer neuen Hochspannungsstation nördlich von Utrecht. Sie soll das Stromnetz entlasten. Allerdings wird diese bei Umsetzung erst im Jahr 2031 fertiggestellt sein. Eine weitere Maßnahme ist die Erweiterung der bereits bestehenden Hochspannungsstation in Breukelen.
Gleichzeitig untersucht TenneT, ob das Stromnetz möglicherweise eine höhere Belastungsgrenze aufweist. Eine stärkere Auslastung des bestehenden Netzsystems erhöht allerdings das Risiko von Stromausfällen oder technischen Schäden.
Der Blick auf die Stromdaten des Portals „Energy Charts“ bestätigt den Strommangel des Nachbarlandes. In der Woche vom 11. bis zum 17. Mai schafften es die landeseigenen Kraftwerke nur gelegentlich, die Last – also den Strombedarf – vollständig zu decken.
Ein Extremfall ereignete sich am frühen Samstagmorgen: Die Niederlande verbrauchten rund 8,1 Gigawatt (GW), wovon die Kraftwerke aber nur rund 3 GW abdecken konnten. Auch Stromimporte von 2,3 GW zu dieser Zeit konnten das Manko nicht vollständig ausgleichen.

Die Stromproduktion der Niederlande reicht oftmals nicht, um den Bedarf (schwarze Lastkurve) abzudecken.

Foto: Bildschirmfoto  /energy-charts.info/Fraunhofer ISE

Drohen längere Stromausfälle?

Zur Idee der Push-Benachrichtigungen auf Smartphones erklärte Hofland, dass Nutzer nur dann eine Meldung erhalten würden, wenn der Stromverbrauch zu hoch sei. Dazu sagte er: „Das kommt wirklich nur selten vor, nämlich an den wenigen sehr kalten Winterabenden, an denen der Stromverbrauch seinen Höhepunkt erreicht.“ An den aktuellen Stromdaten ist jedoch zu erkennen, dass der Stromverbrauch, gemessen an der Stromproduktion, auch im Mai häufig zu hoch ist.
Eine solche Push-Benachrichtigung könnte laut dem TenneT-Sprecher lauten: „Zwischen 17 und 19 Uhr erwarten wir einen Spitzenwert beim Stromverbrauch. Es wäre schön, wenn Sie Ihren Beitrag leisten und große Stromfresser wie Elektroautos, Wäschetrockner usw. ausschalten könnten.“
Hofland beschrieb zudem mögliche Szenarien eines Netzschadens: „Wenn ein unterirdisches Kabel ausfällt, dauert es lange, es zu finden“, sagte er. „Und wenn ein Transformator kaputtgeht, ist es fraglich, ob man einen Ersatz hat. Eine solche Reparatur kann leicht Tage, Wochen oder sogar Monate in Anspruch nehmen.“ Die konkreten Auswirkungen eines solchen Schadens auf die Stromversorgung sind derzeit unklar.

Gründe für die Engpässe

Die Erzeugungsengpässe begründen sich mit der Energiepolitik des Landes. In den vergangenen Jahren haben die Niederlande ihre Energiewende weiter vorangetrieben. Dabei entstanden zahlreiche neue Solar- und Windkraftanlagen. Deren wetterabhängige Stromerzeugung ist jedoch nur eingeschränkt auf den Strombedarf des Landes abgestimmt.
Hinzu kommt, dass Netzbetreiber und Politik neben dem Ausbau von Wind- und Solarenergie den Netzausbau nicht im gleichen Maße vorangetrieben haben. Dieses Problem zeigt sich auch in anderen Ländern, etwa in Deutschland. Vor diesem Hintergrund erwägen mehrere europäische Regierungen, einschließlich der Niederlande, zunehmend gesetzgeberische und regulatorische Interventionen, um den Netzausbau zu beschleunigen.
Auffällig in der Grafik der Stromdaten ist der Einbruch der Versorgung mit Kohlestrom am Freitagvormittag. Der Hintergrund dafür ist unklar. Langfristig planen die Niederlande bis 2030 aus der Kohleverstromung auszusteigen.

Konsequenzen für Deutschland

Die Niederlande und Deutschland sind als Nachbarn im europäischen Verbundnetz stark miteinander verbunden. Bei Stromengpässen in den Niederlanden haben deutsche Netzbetreiber nur eingeschränkten Handlungsspielraum, insbesondere wenn gleichzeitig auch im deutschen Netz die verfügbare Erzeugungsleistung knapp ist. Kommt es in den Niederlanden zu einem größeren Stromausfall, können aufgrund der engen Netzverflechtung auch Auswirkungen auf Teile Deutschlands nicht ausgeschlossen werden.

Der grenzüberschreitendeStromhandel zwischen Deutschland und den Niederlanden ist weitestgehend ausgeglichen.

Foto: Bildschirmfoto  /energy-charts.info/Fraunhofer ISE

Aufgrund eingeschränkter grenzüberschreitender Handelskapazitäten müssen Netzbetreiber häufig auf alternative Reserven zurückgreifen. Dazu zählen Stromflüsse aus anderen Regionen oder Nachbarländern wie Belgien und Norwegen. Möglich ist zudem das Hochfahren teurerer Reservekraftwerken.
Bereits im vergangenen Sommer kämpften die Niederlande mit Netzengpässen und einem Anschlussstau. Laut Zsuzsanna Pató, Leiterin des Energieteams bei der in Brüssel ansässigen Nichtregierungsorganisation RAP, sollten die europäischen Länder – einschließlich Deutschland – die Systemschwäche in den Niederlanden „definitiv“ als Warnung betrachten.
In Deutschland besteht häufig das Problem, dass im Norden viel Strom aus Windkraft erzeugt wird, während der höhere Verbrauch vor allem im Süden liegt. Aufgrund des verzögerten Netzausbaus kann dieser Windstrom jedoch nur eingeschränkt in den Süden transportiert werden.
Daher greifen die Netzbetreiber zunehmend auf sogenannten Redispatch-Maßnahmen zurück. Dabei werden Windkraftanlagen im Norden, die dort zeitweise zu viel Strom erzeugen, gedrosselt oder abgeschaltet, während im Süden Reservekraftwerke hochgefahren werden. Eine Nord-Süd-Trasse soll dieses Problem hierzulande langfristig lösen.
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ausland

Drohnenangriff löst Brand nahe Atomkraftwerk in Emiraten aus

Ein Drohnenangriff hat an einem Atomkraftwerk in den Vereinigten Arabischen Emiraten am Sonntag, 17. Mai, einen Brand ausgelöst. Verletzte oder erhöhte Strahlenwerte wurden nach Angaben der Behörden nicht gemeldet.
Angaben zur Herkunft der Drohne machten sie nicht. Zuletzt hatten die Emirate den Iran für Angriffe auf Energieanlagen in dem Land verantwortlich gemacht. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) reagierte besorgt.

Generator außerhalb der Anlage betroffen

Durch den Drohnenangriff geriet ein Stromgenerator außerhalb des Sicherheitsbereichs des Atomkraftwerks Barakah in der Region Al-Dhafra in Brand, wie die Behörden des Emirats Abu Dhabi mitteilten.
Der Brand habe nach Angaben der Atomenergiebehörde FANR aber nicht die Sicherheit der Anlage gefährdet und alle vier Blöcke seien normal in Betrieb.

IAEA zeigt sich besorgt

IAEA-Chef Rafael Grossi verurteilte den Angriff und bekundete seine „tiefe Besorgnis. „Militärische Aktivitäten, die die nukleare Sicherheit gefährden, sind inakzeptabel“, erklärte die IAEA im Onlinedienst X.
Das Atomkraftwerk Barakah, das 200 Kilometer westlich von Abu Dhabi, der Hauptstadt der Emirate, nahe der Grenze zu Saudi-Arabien und Katar liegt, ist seit dem Jahr 2000 in Betrieb.
Der staatlichen Betreiberfirma zufolge deckte es 2024 etwa ein Viertel des Strombedarfs der Emirate.
Die Emirate waren nach dem Iran das zweite Land der Region, das ein Atomkraftwerk baute, und das erste in der arabischen Welt.
Seit Beginn des Iran-Krieges, den die USA und Israel Ende Februar mit Luftangriffen auf den Iran ausgelöst hatten, griff Teheran wiederholt Ziele in den Emiraten an, vor allem Energieinfrastruktur.
Trotz einer im April in Kraft getretenen Feuerpause im Iran-Krieg meldeten die Emirate weiterhin mehrere Raketen- und Drohnenangriffe. Die ölreichen Emirate sind ein wichtiger Verbündeter der USA in der Region. (afp/red)
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gesellschaft

Beleidigung von Bundeswehrsoldaten: Polizei lässt heimlich gefilmtes Video löschen

Ein Internetvideo, das eine anlasslose Beleidigung von vier Bundeswehrsoldaten auf offener Straße zeigt, hat die Polizei in München auf den Plan gerufen.
Wie die Beamten in der bayerischen Hauptstadt am Sonntag, 17. Mai, mitteilten, ermitteln sie gegen den 46-jährigen mutmaßlichen Urheber; sie setzten die Löschung des Videos um.
Die Aufnahme des Verdächtigen war demnach zwischenzeitlich von mehr als 200.000 Nutzern aufgerufen worden.

Soldaten heimlich gefilmt

Nach Polizeiangaben ging der zunächst noch unbekannte Mann am Freitag auf einer Straße im Stadtteil Ludwigsvorstadt auf die uniformierten Soldaten zu und beleidigte sie.
Wie sich später herausstellte, filmte er dies heimlich mit seinem Mobiltelefon und veröffentlichte das Video mit den klar erkennbaren Bundeswehrangehörigen auf einer Videoplattform im Internet. Daraufhin nahm die Münchner Polizei die Ermittlungen auf.
Die Beamten identifizierten einen 36-jährigen kasachischen Staatsbürger als mutmaßlichen Urheber.

Polizei lässt Aufnahme löschen

Gegen ihn wird nun wegen Beleidigung sowie eines Verstoßes gegen das Kunsturhebergesetz ermittelt. Dies bezieht sich auf den Eingriff in das Persönlichkeitsrecht der unfreiwillig abgebildeten Soldaten.
Das Video wurde vor diesem Hintergrund gelöscht, zum möglichen Motiv des Verdächtigen äußerten sich die Beamten nicht. (afp/red)
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kultur

Große Cannes-Momente für deutsche Stars und Geschichte

Stars wie Kristen Stewart, Adam Driver und Woody Harrelson präsentieren in Cannes ihre neuen Filme. Doch neben internationalen Größen sind in diesem Jahr bei dem glamourösen Filmfest auch viele deutsche Namen präsent.
Allen voran Sandra Hüller, die in „Vaterland“ als Erika Mann mit ihrem Vater Thomas Mann durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland reist – und dafür gefeiert wird.
Hinzu kommen etwa Regie-Größe Volker Schlöndorff, die Schauspieler Lars Eidinger, Jella Haase, Hanns Zischler, August Diehl und Regisseurin Valeska Grisebach, die mit ihrem Film „Das geträumte Abenteuer“ ins Rennen um die Goldene Palme geht. Auffällig: Mehrere Produktionen beschäftigen sich mit deutscher Geschichte und Identität.

Produktionen beziehen sich auf deutsche Geschichte

So zählt „Vaterland“ des polnischen Regisseurs Pawel Pawlikowski, ein minimalistisch in Schwarz-Weiß gehaltenes Drama, bei Kritikern zu den frühen Favoriten im Wettbewerb.
In „Moulin“ des ungarischen Filmemachers László Nemes über den französischen Widerstandskämpfer Jean Moulin verkörpert Lars Eidinger den Gestapo-Chef Klaus Barbie.
Und in Schlöndorffs Film „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“, der außerhalb des Wettbewerbs läuft, wird ein Haus zum Speicher eines ganzen Jahrhunderts.
Was macht das deutsche Kino für Cannes attraktiv? Aus Schlöndorffs Sicht sind Franzosen immer neugierig auf Deutschland gewesen.
„Das ist ja so eine sogenannte Hassliebe. Sie sehen das Beste und das Schlimmste in uns und mögen, wenn wir das in unseren eigenen Filmen dann auch reflektieren.“ Andersherum gebe es für die Branche hier „die größte Möglichkeit“, den Film in die ganze Welt zu vertreiben.

Schlöndorff: Cannes-Einladung damals wie „ein Ritterschlag“

Seine Günter Grass-Verfilmung „Die Blechtrommel“ hatte 1979 bei dem Filmfestival die Goldene Palme gewonnen. Er sei damals gleich aufgenommen worden in die internationale Filmgemeinschaft, erinnert sich der 87-Jährige. Das sei etwas wie „ein Ritterschlag“ gewesen. „Jetzt gehörst du dazu. Ja, und wie bangt man, wenn man anfängt, ob man es schafft, dazuzugehören.“
Nun kehrt er mit „Heimsuchung“ zurück, eine Verfilmung von Jenny Erpenbecks gleichnamigem Roman. In dem Drama mit Martina Gedeck, Lars Eidinger und Ulrich Matthes erzählt er eine Generationengeschichte, angesiedelt in einem Haus am See in Brandenburg. Über mehrere Jahrzehnte – von der Weimarer Republik bis zum Abriss des Gebäudes – spiegeln sich hinter dessen Mauern die Katastrophen des 20. Jahrhunderts: NS-Diktatur, Krieg, DDR und die Umbrüche nach 1989.
Der Cast von „Heimsuchung“ kam nach Cannes.

Der Cast von „Heimsuchung“ kam nach Cannes.

Foto: Terenghi/Ipa-Agency.Net/IPA via ZUMA Press/dpa

„Irgendwie kommt die Politik immer bis auf diese entlegene kleine Enklave am See“, sagt Schlöndorff. Ihm gelingt ein eindringliches Panorama deutscher Geschichte, das Schrecken und Verlust ebenso zeigt wie die seltenen Momente von Glück und Menschlichkeit. Besonders die eindrucksvollen Naturbilder verleihen dem Film trotz aller Härte eine poetische, fast versöhnliche Atmosphäre.
„Vaterland“ hingegen verbindet politische Geschichte mit einer intimen Vater-Tochter-Beziehung zwischen dem berühmten Schriftsteller Thomas Mann (Hanns Zischler) und seiner Tochter Erika. Pawlikowski ist ein berührendes Porträt über Familie, Trauer, Identität, Exil und Heimat gelungen, das auf historischen Ereignissen beruht, aber keine historische Rekonstruktion sein soll.

Welche Szenen für Hüller in „Vaterland“ am schwierigsten waren

Die beiden Manns unternehmen für einen Besuch einen Roadtrip durch Deutschland im Jahr 1949. Thomas Mann hält anlässlich des 200. Geburtstags von Goethe im westdeutschen Frankfurt am Main sowie in Weimar in der sowjetischen Zone eine Rede. Doch die Reise wird durch den Tod von Klaus Mann (Diehl) überschattet.
Für sie seien die Szenen am schwierigsten gewesen, in der es um die tiefe Trauer der Figuren ging, sagt Hüller. „Und zwar nicht nur über den Verlust des Familienmitglieds Klaus Mann, sondern auch über den Verlust der Heimat. Das ist etwas, das mich persönlich die ganze Zeit begleitet hat.“
Sandra Hüller spielt im Drama „Vaterland“ Erika Mann.

Sandra Hüller spielt im Drama „Vaterland“ Erika Mann.

Foto: Scott A Garfitt/Invision/AP/dpa

In Cannes wird die Schauspielerin für ihre Darstellung hochgelobt. Das Magazin „Variety“ schreibt etwa, ihr „GPS ist auf das Oscar-Rennen im nächsten Jahr eingestellt“. Schon 2023 feierte sie hier große Erfolge: Das Drama „Anatomie eines Falls“ gewann damals die Goldene Palme, später wurde sie für ihre Rolle für einen Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert.

Jella Haase: Europas Vielfalt im Film noch mehr feiern

Zum ersten Mal an der Croisette ist hingegen Schauspielerin Haase („Kleo“, „Fack ju Göhte“). Die 33-Jährige spielt in dem Wettbewerbsfilm „Gentle Monster“ der Österreicherin Marie Kreutzer an der Seite von Léa Seydoux, Laurence Rupp und Catherine Deneuve. Das vielschichtige Drama handelt von einer Frau, deren Leben aus den Fugen gerät, als sie ein dunkles Geheimnis ihres Mannes entdeckt.
Haase hält die deutsche Präsenz dieses Jahr generell für ein „europäisches Phänomen“. Tatsächlich bleiben große US-Studios dem renommierten Filmfest in diesem Jahr größtenteils fern, Europas Kino gewinnt international an Bedeutung. „Das ist ganz toll und wünschenswert, dass wir in Europa diese Vielfalt richtig nutzen und Co-Produktionen eingehen“, findet die Schauspielerin.
In „Gentle Monster“ wird Englisch, Französisch und Deutsch gesprochen. „Es ist schön zu sehen, dass das so funktioniert. Wir könnten das noch viel mehr ausnutzen und feiern, dass wir in Europa diese große Vielfalt haben.“ (dpa/red)
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ausland

Israel greift im Libanon an – Hisbollah spricht von „Sackgasse“

Nach der Verlängerung der Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon hat Israel libanesischen Angaben zufolge den Süden und den Osten des Landes erneut angegriffen.
Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete von zwei israelischen Luftangriffen auf die Ortschaft Sohmor in der Bekaa-Region im Osten des Landes. Im Süden gab es weitere Luftangriffe in den Regionen Nabatijeh und Tyros.
Israel und der Libanon hatten sich am 15. Mai unter US-Vermittlung auf eine Verlängerung ihrer Waffenruhe um 45 Tage geeinigt. Die beiden Nachbarländer unterhalten offiziell keine diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand.

Hisbollah: Libanesische Regierung kann nicht umsetzen, was die Hisbollah betrifft

Die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, lehnt sowohl die direkten Gespräche zwischen den Nachbarländern als auch die Waffenruhe ab.
Ein Abgeordneter der Hisbollah erklärte am Sonntag, die „direkten Verhandlungen“ mit Israel hätten nicht zu einer Waffenruhe geführt und die libanesischen Behörden „in eine Sackgasse getrieben, die sie von Kompromiss zu Kompromiss führen wird, ohne Ergebnis“.
Die libanesische Regierung habe „das Land in eine sehr schwere Krisen gestürzt“, da sie nicht umsetzen könne, was Israel wolle – „insbesondere, was die Entwaffnung der Hisbollah betrifft“, fügte der Abgeordnete Hussein Hadsch Hassan hinzu.
Ungeachtet der Feuerpause hatten Israel und die Hisbollah ihre gegenseitigen Angriffe bereits in den vergangenen Wochen fortgesetzt. Beide Seiten werfen sich gegenseitig Verstöße gegen das Waffenruhe-Abkommen vor. (afp/red)
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meinung wissen

A1- oder A2-Milch? Hier ist der wichtige Unterschied

Milchprodukte gelten als häufiger Auslöser von Autoimmun- und chronische Erkrankungen. Deshalb verzichten manche Menschen auf Milchprodukte, um ihre Gesundheit zu verbessern.
Ich selbst habe etwa fünf Jahre lang keine Milchprodukte konsumiert, während ich meine rheumatoide Arthritis behandelte. Aus meiner Sicht war dieser Verzicht ein wichtiger Teil meines Heilungswegs.
Wer jedoch nicht vollständig auf Käse oder andere Milchprodukte verzichten möchte, sollte wissen: Nicht jedes Milcheiweiß ist gleich.
Milch enthält das Protein Kasein, das mit Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose in Verbindung gebracht wird. Dabei unterscheidet man vor allem zwischen zwei Formen: A1- und A2-Kasein.
Diese beiden Kaseinarten wirken unterschiedlich auf den Körper. Während A1-Kasein im Verdacht steht, gesundheitliche Probleme zu fördern, wird A2-Kasein eher mit möglichen gesundheitlichen Vorteilen verbunden. Welche Form enthalten ist, hängt davon ab, ob die Milch von A1- oder A2-Milch stammt.

Was ist A1-Milch?

Die meisten Milchkühe in den Vereinigten Staaten sowie in Europa produzieren genetisch bedingt eine Milchsorte namens A1-Milch. Es handelt sich in der Regel um Holstein-Kühe, die ursprünglich aus Nordeuropa stammen und vor allem wegen ihrer hohen Milchleistung in vielen Ländern für Züchtungen zum Einsatz kamen.
A1-Milch enthält im Allgemeinen sowohl A1- als auch A2-Kasein. Obwohl der chemische Unterschied gering ist, wird A1-Kasein im Gegensatz zu der ursprünglich verbreiteten A2-Variante eng mit der Entstehung von Autoimmun- und chronischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. So kam beispielsweise eine 2017 in Nutrition & Diabetes veröffentlichte Studie zu dem Schluss, dass A1-Milch „ein primärer ursächlicher Auslöser für Typ-1-Diabetes ist“.
Den Forschern zufolge könnte der Verzicht auf A1-Milch in der Ernährung „die Häufigkeit von Typ-1-Diabetes erheblich beeinflussen“.
Ebenso wurde berichtet, dass der Konsum von A1-Kasein die Sterblichkeit aufgrund von Herzerkrankungen erhöht, wie aus einer Studie hervorgeht, die 2001 in Medical Hypotheses veröffentlicht wurde.
A1-Kasein kann auch problematisch sein, wenn man an einer Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie leidet, da A1-Kasein strukturell einem bestimmten Protein ähnelt, das auch im Glutenkomplex vorkommt.
Durch einen Prozess namens molekulare Mimikry wird der Körper verwirrt und kann den Unterschied zwischen A1-Kasein und Gluten nicht klar erkennen.
In diesem Fall identifiziert der Körper A1-Kasein als fremden Eindringling, so wie er es bei Gluten tun würde, was eine entzündliche Immunreaktion im Körper auslösen kann.

Was ist A2-Milch?

A2-Milch stammt meist von älteren Rinderrassen wie Jersey-Kühen. Doch der Begriff „A2-Milch“ kann irreführend sein: Nicht jede A2-Milch enthält ausschließlich A2-Kasein. Manche Produkte enthalten trotzdem noch eine Mischung aus A1- und A2-Kasein.
Wer sicher sein möchte, nur A2-Kasein zu konsumieren, sollte auf Bezeichnungen wie „100 % A2“ oder „A2/A2“ achten. Das bedeutet, dass die Milch von Kühen stammt, die genetisch bedingt ausschließlich A2-Kasein produzieren.

A2-Kasein bietet im Vergleich zu A1-Kasein mehrere Vorteile

Im Gegensatz zu A1-Kasein ähnelt A2-Kasein Gluten strukturell weniger, was die Wahrscheinlichkeit für eine Immunreakation durch molekulare Mimikry wesentlich geringer macht.
Zudem enthält A2-Milch nicht die gleichen morphinähnlichen Verbindungen, die in A1-Milch vorkommen. A1-Kasein enthält ein Unterprotein namens Casomorphin, das freigesetzt wird, wenn A1-Kasein vom Körper verdaut wird.
Wie der Name schon sagt, sieht Casomorphin aus wie Morphin und wirkt auch so, indem es Schmerzen unterdrückt. Daher kann es beim Verzehr von A1-Milchprodukten ein „Wohlgefühl“ auslösen, das leichter süchtig macht – selbst wenn die Milch zu Entzündungen im Körper führt.
Wenn A1-Kasein Entzündungen auslöst, die zu Schmerzen führen, diese Schmerzen jedoch durch Casomorphin überdeckt werden, weiß man möglicherweise nicht, dass Milchprodukte die Ursache sind.
Mein Mann ist ein perfektes Beispiel für dieses Phänomen. Er trank regelmäßig jeden Abend ein Glas A1-Milch, ohne dass sofort oder erkennbar Symptome einer Allergie oder Unverträglichkeit auftraten.
Mit der Zeit entwickelte er Lupus, und ich schlug ihm vor, Milchprodukte aus seiner Ernährung zu streichen.
Er lehnte diese Idee vehement ab, da er keine offensichtlichen Symptome hatte und sich nach dem abendlichen Glas Milch „gut“ fühlte. Schließlich gab er widerwillig Milchprodukte sowie andere Lebensmittel auf, die Entzündungen auslösten, und der Lupus bildete sich zurück.
Hätte mein Mann, anstatt auf alle Milchprodukte zu verzichten, einfach von A1- auf A2-Milch umsteigen und trotzdem genesen können? Möglicherweise.

Auswirkungen auf den Körper

Eine Studie, die 2021 im „International Journal of Environmental Research and Public Health“ veröffentlicht wurde, berichtete, dass A2-Kasein bei der Verdauung andere Casomorphin-Verbindungen mit anderen Funktionen bildet als die Verbindungen, die bei der Verdauung von A1-Kasein entstehen.
Beispielsweise entstehen bei der Verdauung von A1-Kasein Verbindungen, die zu Krankheiten und Alterungsprozessen beitragen können, während bei der Verdauung von A2-Kasein nützliche Verbindungen entstehen, die blutdrucksenkende und antioxidative Eigenschaften besitzen.
Laut einer weiteren Studie, die 2016 im „Nutrition Journal“ veröffentlicht wurde, wurde beim Verzehr von Milch, die A1-Kasein enthält, eine bestimmte Art von Casomorphin (Beta-Casomorphin-7) gebildet, das den Glutathion-Spiegel im menschlichen Magen-Darm-Trakt und in den Nervenzellen senkte.
Im Gegensatz dazu stieg die Produktion des Antioxidans Glutathion an, wenn die Probanden Milch konsumierten, die ausschließlich A2-Kasein enthielt.
Glutathion ist ein starkes Antioxidans, das eine wichtige Rolle bei zahlreichen Prozessen im Körper spielt, wie zum Beispiel der Genexpression, der Immunantwort und der Abwehr von oxidativem Stress.
Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass „Milch, die ausschließlich A2-Beta-Kasein und kein A1-Beta-Kasein enthält, das Potenzial hat, die Produktion des Antioxidans Glutathion beim Menschen zu fördern.“
Ein weiterer Vorteil von A2-Milchprodukten ist die geringere Häufigkeit von berichteten Magen-Darm-Beschwerden im Vergleich zum Verzehr von A1-Milchprodukten.
Laut einer in Advances in Nutrition veröffentlichten Studie ist der Verzehr von A1-Milchprodukten beispielsweise mit einer verzögerten Durchlaufzeit durch den Magen-Darm-Trakt, weicherem Stuhl und Verdauungsbeschwerden verbunden, die mit Entzündungsmarkern korrelieren, was bei A2-Milchprodukten nicht beobachtet wurde.

Beim Konsum von A1-Milch stiegen bei Vorschulkindern sowohl der Beta-Casomorphin-7-Spiegel als auch Entzündungsmarker im Magen-Darm-Trakt an.

Foto: Organic Media/iStock

Interessanterweise führte der Wechsel von A1- zu A2-Milch bei Vorschulkindern mit einer Milchunverträglichkeit zu einer Verringerung der Magen-Darm-Symptome, was laut einer im „Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition“ veröffentlichten Studie mit „signifikanten Verbesserungen“ der kognitiven Fähigkeiten einherging.
Wenn Vorschulkinder A1-Milch konsumierten, stieg ihr Beta-Casomorphin-7-Spiegel zusammen mit einem Anstieg der Entzündungsmarker im Magen-Darm-Trakt an.
Im Gegensatz dazu stieg bei Verzehr von A2-Milch der Glutathion-Spiegel deutlich an, und es wurden Verbesserungen der Magen-Darm-Funktion gemessen, wie beispielsweise höhere Konzentrationen kurzkettiger Fettsäuren im Stuhl.
Diese Ergebnisse deuten laut den Forschern auf eine verbesserte Darmgesundheit hin, da kurzkettige Fettsäuren „Fermentationsprodukte der Darmmikrobiota sind, denen entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben werden und die die Funktion der Darmzellen verstärken können.“
Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass A1-Milch „einen Entzündungszustand hervorruft, der die mit Laktoseintoleranz verbundenen Symptome verschlimmert“.
Diese Verschlimmerung kann durch die Entfernung von A1-Beta-Kasein (durch Ersatz durch A2-Beta-Kasein) verringert werden, was zu einer anschließenden Verbesserung der Magen-Darm-Symptome und bestimmter Aspekte der kognitiven Funktion führt.

Das Fazit

A1- und A2-Milch sind nicht gleich. A2-Milch unterscheidet sich chemisch von A1-Milch und hat folglich andere biologische Auswirkungen auf den Körper.
Wenn Kasein der einzige problematische Bestandteil von Milchprodukten ist, könnten A2-Milchprodukte daher eine sinnvolle Option sein, falls man nicht zu 100 Prozent auf Milchprodukte verzichten möchte. Wenn man jedoch in der Vergangenheit umfassende Probleme mit Milchprodukten hatte, sollte man mit einem Arzt sprechen, bevor Milchprodukte wieder in die Ernährung aufgenommen werden.
Aktuell findet man A2-Milch durch zunehmenden Bekanntheitsgrad immer leichter in Lebensmittelgeschäften und bei lokalen Bauernhöfen. A2-Milch kann von Ziegen und Schafen sowie von Kühen mit dem A2/A2-Genotyp, wie beispielsweise Jersey-Kühen, gewonnen werden.

Meine persönlichen Richtlinien für Milchprodukte

Auch wenn ich gesund und frei von Krankheiten bin, konsumiere ich dennoch selten Milchprodukte. Wenn ich es jedoch tue, halte ich mich an folgende Richtlinien:
  1. Die Kuh muss zu 100 Prozent A2 oder A2/A2 sein, was bedeutet, dass sie nur Milch produziert, die A2-Kasein enthält; sie produziert kein A1-Kasein.
  2. Das Tier muss zu 100 Prozent grasgefüttert sein, nicht mit Getreide gefüttert oder mit Getreide gemästet. Eine 1987 veröffentlichte Studie kam zu dem Schluss, dass bei Menschen Glutenproteine aus der Ernährung der Mutter in die Muttermilch übergehen. Obwohl dieses Phänomen bei Kühen noch nicht untersucht wurde, könnte es möglich sein, dass Gluten auch in die Milch von Kühen übergeht. Wenn dies geschieht, könnte es eine Immunreaktion im Körper auslösen. Da ich glutenempfindlich bin, konsumiere ich daher nur Milch von zu 100 Prozent grasgefütterten Kühen.
  3. Das Tier muss nach biologischen oder regenerativen Methoden aufgezogen werden, was bedeutet, dass es keine gentechnisch veränderten Organismen oder Weidegras erhalten darf, das mit Pestiziden oder Herbiziden besprüht wurde. Zudem dürfen keine Hormone verabreicht werden, und die meisten Antibiotika müssen vermieden werden.
  4. Ich konsumiere ausschließlich rohe, unpasteurisierte Milchprodukte von lokalen Bauern, denen ich vertraue. Meine Familie isst keine pasteurisierten Milchprodukte mehr, da die „guten“ Mikroben (auch als Probiotika bekannt) und andere nützliche Verbindungen wie Cofaktoren und Verdauungsenzyme, die dem Körper helfen, die Milch zu verdauen und Nährstoffe aufzunehmen, bei der Pasteurisierung weitgehend zerstört werden.
  5. Man muss jedoch sicherstellen, dass der Betrieb vertrauenswürdig ist. Es empfiehlt sich, den Betrieb zu besuchen, Fragen zu stellen und den Melk- und Lagerungsprozess selbst zu beobachten.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Critical Differences Between A1 and A2 Milk“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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gesellschaft

Unicef-Studie: Deutschland bei Kinderwohl unterdurchschnittlich

Deutschland hat im internationalen Vergleich des kindlichen Wohlbefindens erneut unterdurchschnittlich abgeschnitten. Das ergab eine Studie des UN-Kinderhilfswerks Unicef, in der das Wohlbefinden von Kindern in 37 Ländern der EU und der OECD untersucht wurde. Deutschland belegte Platz 25.
Die Studie zeigt, dass in Ländern mit hoher Einkommens- und Vermögensungleichheit viele Kinder unter Bedingungen aufwachsen, die ihre körperliche und mentale Gesundheit sowie ihre schulischen Kompetenzen beeinträchtigen.
Die Kinderarmutsquote in Deutschland stagniert seit Jahren bei 15 Prozent, und die Einkommensungleichheit hat sich verschärft. Menschen im wohlhabendsten Fünftel der Bevölkerung verfügen heute über fünfmal so viel Einkommen wie Menschen im ärmsten Fünftel.

Bildung: 60 Prozent der 15-Jährigen erreichen Mindestkompetenzen

Im Bildungsbereich schnitt Deutschland ebenfalls schlecht ab: Nur 60 Prozent der 15-Jährigen erreichten die Mindestkompetenzen in Lesen und Mathematik, was Platz 34 von 41 Ländern bedeutet.
Besonders groß ist der Abstand zwischen Jugendlichen aus sozioökonomisch benachteiligten und privilegierten Familien. Unter den Jugendlichen aus benachteiligten Familien erreichen 46 Prozent die grundlegenden Kompetenzen. In privilegierten Familien sind es 90 Prozent.

Unicef will „Top-Priorität“ gegen Kinderarmut

Unicef Deutschland fordert daher entschlossenes politisches Handeln, um Kinderarmut wirksam zu bekämpfen und in benachteiligte Kinder zu investieren.
„Die Bekämpfung der Kinderarmut muss politische Top-Priorität werden“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland.
Die Bundesregierung solle ein Maßnahmenpaket zur finanziellen Absicherung von benachteiligten Kindern entwickeln und die Zugänglichkeit von Leistungen verbessern, so das Kinderhilfswerk. Zudem sollten Bund, Länder und Kommunen sicherstellen, dass alle Kinder Zugang zu Ressourcen wie gut ausgestatteten Schulen, Arztpraxen und Spielplätzen haben. (dts/red)
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gesellschaft

Expertenkommission fordert von WHO globalen Notstand wegen Klimakrise

Eine Expertenkommission unter Beteiligung des ehemaligen deutschen Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) fordert die WHO auf, die eskalierende Klimakrise umgehend als globalen Gesundheitsnotstand einzustufen. Das geht aus einem Bericht hervor, über den der „Spiegel“ berichtet.
Die elfköpfige, unabhängige „Paneuropäische Kommission Klima und Gesundheit“ war vor einem Jahr vom Europa-Büro der WHO eingesetzt worden.
Sie steht unter Leitung der früheren isländischen Premierministerin Katrin Jakobsdottir. Zu ihren Mitgliedern gehören neben Lauterbach etwa die dänische Ex-EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard.

Alarmstufe wie bei Covid

Die Kommission verlangt von der WHO die Ausrufung eines „gesundheitlichen Notstandes von internationaler Tragweite“ – jener höchsten Alarmstufe, die zuletzt zu Beginn der Covid-Pandemie erklärt worden war.
Lauterbach sagte dem „Spiegel“, der Klimawandel müsste eigentlich schon lange ganz oben auf der Agenda der WHO stehen. „Denn was macht ihn denn so gefährlich? Abgesehen von den ökonomischen Folgen sind es die Gesundheitskonsequenzen.“
In seinem 54-seitigen Bericht warnt das Gremium, dass der Klimawandel bereits heute Gesundheit und Leben von Millionen Menschen bedrohe. Allein im Rekordhitzejahr 2024 seien in Europa rund 63.000 Menschen an hitzebedingten Ursachen gestorben. Die Temperaturen auf dem Kontinent seien in den vergangenen Jahrzehnten doppelt so stark gestiegen wie im globalen Durchschnitt.
„Die Klimakrise stellt eine Bedrohung für Sicherheit, sozialen Zusammenhalt, Menschenrechte und Gesundheit dar“, heißt es in dem Bericht. „Zu lange wurde sie als ein Problem künftiger Generationen betrachtet.“

Argumentationshilfen gegen Klimaleugner und Staaten bewerten

Die Kommission schlägt unter anderem den Aufbau eines WHO-Informationszentrums für Klima und Gesundheit vor, das Regierungen mit Daten und Argumentationshilfen gegen Klimaleugner versorgen soll.
Außerdem solle die WHO alle zwei Jahre bewerten, wie gut Mitgliedstaaten ihre Gesundheitssysteme auf den Klimawandel vorbereiten. Nationale Regierungen werden aufgefordert, Subventionen für fossile Brennstoffe zu streichen.
Bisher sehen die Regularien der WHO nicht vor, dass sie wegen Erwärmung einen Notfall deklarieren kann. Die Kommission hält es für notwendig, dies zu ändern, damit die WHO in die Lage versetzt wird, etwa bei katastrophalen Hitzewellen koordinierte Gegenmaßnahmen einleiten zu können.
Der Bericht wird am Sonntagnachmittag in Genf vorgestellt, wo ab Montag die Weltgesundheitsversammlung tagt, das höchste WHO-Entscheidungsgremium. Bis Samstag beraten dort Vertreter der 193 Mitgliedsstaaten über die weitere Ausrichtung der Organisation. (dts/red)
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deutschland

Ökonomen warnen: Deutschland verschleppt wichtige Reformen

Führende Ökonomen haben die Reformbereitschaft der Bundesregierung infrage gestellt. „Als Realist fehlt mir die Fantasie“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher der „Welt am Sonntag“ mit Blick auf die Umsetzung wichtiger Reformen. Der Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller, führt das Zögern auf den nach wie vor robusten Arbeitsmarkt zurück.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) persönlich traue er den großen Wurf bei Subventionen, Steuern und Rente zu, sagte Fratzscher. Er sehe jedoch nicht, „dass die Parteien bereit sind, das mitzutragen. CDU, CSU und SPD sind die größten Hürden“.
„Noch ist der Druck offenkundig nicht hoch genug“, sagte IWH-Vizepräsident Holtemöller der „Welt am Sonntag“ mit Blick auf den nach wie vor stabilen Arbeitsmarkt. Anders als zu den Agenda-Zeiten zu Beginn der 2000er Jahre sei Massenarbeitslosigkeit bislang kein Thema.

Linnemann: Alle Berichtspflichten sollten wegfallen – sofern der Staat nicht belegt, dass sie unabdingbar sind

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann erhöhte den Druck auf den Koalitionspartner SPD, Reformen zuzustimmen. In der „Bild am Sonntag“ schlug er eine radikale Kehrtwende beim Bürokratie-Abbau vor.
„In einem ersten Schritt müssen etwa alle Berichte, Dokumentations- und Statistikpflichten für den Mittelstand und das Handwerk zum 31.12.2026 ersatzlos auslaufen, wenn der Staat nicht ausdrücklich belegen kann, dass sie unabdingbar notwendig sind“, sagte Linnemann.
Der CDU-Politiker nahm für die anstehenden Reformen SPD-Chef Lars Klingbeil persönlich in die Pflicht. Klingbeil habe Ende März eine „vielgelobte Rede“ für Strukturreformen gehalten, sagte Linnemann. „Nun muss er diesen Worten aber auch Taten folgen lassen. Die Union steht jedenfalls bereit.“

Fratzscher: „Rente mit 70 wird kommen“

Besonders deutliche Kritik äußerten die Ökonomen zur Rentenpolitik. Fratzscher hält ein höheres Renteneintrittsalter für unvermeidlich: „Die Rente mit 70 wird kommen“, sagte er. Andere Länder wie Dänemark machten es vor. „Und Beispiele wie Japan zeigen: Längeres Arbeiten muss weder krank noch unglücklich machen, auch über 67 oder 70 Jahre hinaus.“
Holtemöller sieht Änderungen im Bereich der Altersversorgung ebenfalls als zwingend an. „Eine Konsolidierung des Bundeshaushalts ohne Leistungskürzungen bei der Rente als größtem Einzelposten dürfte kaum möglich sein.“
Beide Ökonomen sehen erheblichen Konsolidierungsbedarf im Bundeshaushalt. Holtemöller warb für einen Paradigmenwechsel: weg von pauschalen Subventionen für Branchen, hin zu gezielter Förderung Bedürftiger.
Ziele ließen sich so oft kostengünstiger erreichen. „Nicht die Theaterkarte sollte subventioniert werden, sondern der Theatergänger, der sich den Eintritt sonst nicht leisten kann.“

Sparen bei Subventionen

Auch DIW-Präsident Fratzscher würde bei Subventionen sparen. „Dieselprivileg, Dienstwagenprivileg, Pendlerpauschale – das sind Milliardenbeträge, die einzelne Gruppen bevorzugen. Das ist weder effizient noch gerecht.“
Holtemöller plädiert bei der Infrastruktur für eine Nutzerfinanzierung, etwa bei Autobahnen. Digitale Mautsysteme machten dies heute möglich.

Mehr Zeit einplanen

Nach Ansicht von CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann kann sich die schwarz-rote Koalition für die großen Sozial- und Steuerreformen notfalls mehr Zeit nehmen als bis zum Beginn der parlamentarischen Sommerpause. „Wir haben auch noch Puffer“, sagte der CSU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Das Kabinett tage den ganzen Sommer hindurch. Zum Selbstverständnis des Koalitionsausschusses gehöre es zudem, „dass wir uns jederzeit zusammensetzen können“.
Es sei ein großes Gesamtpaket denkbar, wenn sich die SPD bei einem Thema bewege und die Union bei einem anderen, sagte Hoffmann. Zu einem Gesamtpaket gehörte auch, dass die Union eine Erhöhung der Reichensteuer mitmache, „wenn auch die SPD einen Schritt auf uns zugeht“. Die Union brauche dafür „Änderungen in der Arbeitsmarktpolitik“. (afp/red)
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ausland

Inside Kuba: Die Tochter des Revolutionärs Fidel Castro (3)

Ausgerechnet in den Vereinigten Staaten, dem Land, in dem es am schwierigsten war, das Buch zu veröffentlichen, wollte es zunächst niemand herausbringen. Das Manuskript lag praktisch auf Eis, und manche freuten sich sogar darüber, dass es unveröffentlicht blieb. Dank eines Freundes – eines Kubaners, der in einem Verlag arbeitete – und einer kleinen Verschwörung gelang es schließlich, das Buch fast kostenlos zu veröffentlichen. Ich hätte es jedoch auch ohne jedes Honorar veröffentlicht.

„Castro’s Daughter“

Sie hatten 1998 Ihre Memoiren mit „Castro’s Daughter“ veröffentlicht. Wie war die Erfahrung, sie zu veröffentlichen? Warum glauben Sie, gab es Widerstand?
Weil Sympathisanten des kommunistischen Regimes überall präsent waren. Damals reichte der Einfluss von Fidel Castro noch sehr weit – nicht nur bis in die Vereinigten Staaten, sondern in viele Teile der Welt.
2014, Alina, kehrten Sie zum ersten Mal seit über zwei Jahrzehnten nach Havanna zurück. Warum sind Sie zurückgekehrt und wie haben Sie das Land damals empfunden?
Ich kehrte zurück, weil meine Mutter schwer krank wurde. Ich hatte das Gefühl, es würde mich innerlich zerreißen, wenn ich nicht wenigstens versuchen würde, sie in den letzten Monaten ihres Lebens zu sehen und mich um sie zu kümmern. Die Erfahrung war überwältigend. Weil ich es zuvor so sehr gehasst hatte, dort zu sein, hatte ich die Stadt nie wirklich bewusst wahrgenommen. Als ich zurückkehrte, erkannte ich plötzlich die Schönheit von Havanna – eine zerfallende, von Ruinen gezeichnete Stadt, die dennoch ihre einzigartige Schönheit bewahrt hat.
Und wie haben Sie sich gefühlt, als Sie vom Tod Fidel Castros hörten?
Persönlich empfand ich dabei nichts Besonderes. Ich habe mich stets stärker als Kubanerin, als Frau und als Mutter definiert als in meiner Rolle als Tochter. Dennoch hoffte ich, dass Fidel Castro das Regime mit ins Grab nehmen würde. Doch dazu kam es nicht. Das zeigt, wie tief dieses System verwurzelt ist: Es hat sogar seinen eigenen Schöpfer überdauert.
Sie haben darüber gesprochen, Fidel nie wirklich zu hassen, selbst während Sie das ablehnten, was er Kuba angetan hat.
Lassen Sie mich einen Moment darüber nachdenken. Hass ist ein sehr starkes Wort, und ich glaube nicht, dass ich ein Mensch bin, der zum Hassen fähig ist. Viele Menschen haben mir aus den unterschiedlichsten Gründen Schaden zugefügt, doch ich konnte keinen Hass für sie empfinden. In diesem Sinne hasse ich auch Fidel Castro nicht. Ich hasse nicht einmal den Mann, der meinem Land so großen Schaden zugefügt hat. Was ich für ihn empfinde, ist vielmehr Mitleid. So würde ich es beschreiben.

Meine beste Freundin – Aleida Guevara

In Ihren Memoiren erwähnten Sie die Begegnung mit Che Guevara.
Ich erinnere mich, Che Guevara einige Male getroffen zu haben, als ich noch sehr klein war – bevor er nach Bolivien und in andere Länder geschickt wurde, um dort als Guerillakämpfer zu agieren.
Er war ein harter, wenig zärtlicher Mensch. Seine älteste Tochter, Aleida Guevara, war eine enge Freundin von mir. Wir waren beste Freundinnen, und sie war eine sehr melancholische junge Frau. Ich glaube nicht, dass Che Guevara besonders für ein Familienleben geeignet war.
Zugleich denke ich, dass auch er ein Opfer der Launen von Fidel Castro wurde. Er wurde rasch aus Kuba entfernt, fast so, als sei er zu einem unbequemen Schatten geworden.
Che Guevara war in Kuba äußerst populär. Viele Menschen bewunderten ihn, auch wegen seines Charismas und seines Aussehens. Für Fidel Castro könnte eine so prominente Figur an seiner Seite durchaus eine Herausforderung dargestellt haben. Es gab mehrere Personen dieses Typs, die schließlich aus dem Blickfeld verschwanden.
Was denken Sie, wenn Sie Bilder von Che und Fidel in westlichen Ländern sehen?
Es gibt nichts Wirkungsvolleres als ein gutes Bild. Das Tragische an Che Guevara ist, dass er zu Beginn der kubanischen Revolution für zahlreiche Hinrichtungen in Kuba verantwortlich war. Wer ihn glorifiziert, feiert damit aus meiner Sicht einen Mann, der Blut an den Händen hatte.
Doch vielen Menschen ist diese historische Seite nicht bekannt. Sie sehen vor allem das ikonische Porträt – und für sie ist es einfach ein starkes, faszinierendes Bild.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 trat Kuba in eine sogenannte „Spezialperiode“ ein, als die sowjetischen Subventionen endeten. Wie war das Leben in Kuba während dieser Zeit?
In Kuba gingen viele davon aus, dass das Regime zusammenbrechen würde, weil das Land vollständig von Subventionen abhängig war. Doch das geschah nicht. Stattdessen entwickelte sich eine Art sozialer Zusammenbruch, der in dieser Form kaum vorhersehbar war. Jetzt schreiben wir das Jahr 2026, und die Lage ist ähnlich – wenn nicht sogar schlimmer. Wie lässt sich das erklären? Wie kann man so etwas rechtfertigen? Und warum passiert das überhaupt?
Über die Jahrzehnte haben mehr als ein Dutzend US-Regierungen versucht, das kubanische Regime herauszufordern oder zu stürzen. Warum sind sie Ihrer Meinung nach gescheitert – trotz des anhaltenden Drucks und der Sanktionen?
Die kubanische Revolution hat bereits 14 amerikanische Präsidentschaften überdauert. Ich glaube nicht, dass die USA wirklich ein Interesse daran hatten, das kubanische Problem zu lösen, denn es erscheint widersprüchlich, dass ein Akteur, der als Bedrohung wahrgenommen wird, über so lange Zeit hinweg bestehen bleibt. Ich verstehe das nicht.
Warum funktioniert der Kommunismus für die Menschen nicht?
Kommunismus funktioniert für Menschen nicht, weil sie unter einem kommunistischen Regime keine Rechte haben. Es gibt keine Freiheit, keine Wahlmöglichkeiten und oft auch keine religiöse Freiheit. Das System wirkt stark unterdrückend und erkennt kein Privateigentum an. Der Wunsch nach Eigentum, nach persönlichem Besitz und nach individuellem Fortschritt ist jedoch ein zentraler Teil des menschlichen Antriebs. In diesem Sinne steht das System im Widerspruch zu grundlegenden menschlichen Bedürfnissen.
Was kann man derzeit vom kubanischen Volk erwarten? Viele Menschen haben keinen zuverlässigen Zugang zu Strom, Nahrung oder Medikamenten. Unter solchen Bedingungen stellt sich weniger die Frage nach Erwartungen, sondern eher nach dem Verständnis des Leidens. Ich habe keine Erwartungen – ich beobachte die Situation lediglich und nehme das Leid wahr.
Und was ist Ihr Traum für Kuba?
Mein Traum für Kuba ist, dass wir gemeinsam einen Weg finden, beim Wiederaufbau der Gesellschaft zu helfen. Mein Traum für Kuba ist, dass die Menschen dort nach fast 70 Jahren endlich in Freiheit leben und frei atmen können.
Hoffen Sie, zurückzukehren?
Oh ja.
 
Das Interview führte Epoch-Times-White-House-Korrespondentin Emel Akan. Der Artikel erschien im Original bei theepochtimes.com mit dem Titel „Exclusive Interview: Fidel Castro’s Daughter“. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)